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Rezensionen verfasst von
Shaun

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Das große Buch vom Räuber Grapsch (Kinderliteratur)
Das große Buch vom Räuber Grapsch (Kinderliteratur)
von Gudrun Pausewang
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Schnuckenbetzerle Grapsch und seine Olli..., 7. Mai 2017
Gudrun Pausewang wurde 1928 im ostböhmischen Wichstadtl, in der heutigen Tschechoslowakei geboren, wuchs nach Tod des Vaters im Krieg und Flucht der Mutter mit ihren 5 Geschwistern nach Kriegsende in Wiesbaden auf, arbeitete nach dem Studium der Pädagogik als Grund- und Hauptschullehrerin, ging von 1956-1963 nach Südamerika, um dort deutsch zu unterrichten. Nach dem Studium der Germanistik nochmals 5-jähriger Aufenthalt in Kolumbien, bevor sie sich seit 1972 endgültig im hessischen Schlitz niederliess. Dort spielen auch ihre wichtigsten beiden Anti-Atom-Romane „Die letzten Kinder von Schewenborn“ (1983) und „Die Wolke“ (1987), die sie berühmt gemacht haben. Spät noch hat sie 1989 dissertiert mit einer Arbeit über „Vergessene Jugendschriftsteller der Erich-Kästner-Generation“.

Die ersten 4 Bücher zum Räuber Tassilo Grapsch sind in dieser wunderschön von Rolf Rettich illustrierten gebundenen Sammelausgabe von 1992 versammelt und ein echter (Vor)lese-Genuss. Der zwei Meter Große Räuber Grapsch lernt seine kleine Frau Olli kennen und lieben, die ihn vom Räubern abhalten will und mit ihm in der Höhle lebt. Später kommen erst nacheinander 2 Töchter, dann auf einen Streich gleich noch Siebenlinge weiterer Töchter , so dass ein neues Heim gebaut werden muss, gleich neben der Höhle. Als die Mutter Grapschens, Oma Ata, mit ihrem Zirkus ankommt, ist der weitere Gang zur Berühmtheit vorprogrammiert: Familie Grapsch (ohne Olli, die zuhause bleibt) geht mit dem Zirkus und einstudierten Kunststücken auf Weltreise, während Olli wieder dicker wird und noch ein 10. Kind zur Welt bringt, den einzigen Sohn Ollo, der aber nicht Räuber, sondern Briefträger werden will. Schliesslich sind alle nach Rückkehr des Zirkus vereint, Grapsch und Olli altern und freuen sich ihrer Kinder und Enkelschar, während am Ende selbst der Polizist Stolzenrück, inzwischen nicht mehr auf Verfolgungsjagd des Räubers gesinnt, um einen Alterssitz beim Grabschheim anfragt.

Ein liebevolles Werk, dass mit herrlichen Kosenamen von Olli für ihren Räuber aufwartet, wie Schnuckenbetzerle, Rosenkötterchen, Lilienwischerle, Zackenbeisserchen, Jubelschleckerlein, Herzensgutzerle, Freudenkäuzchen, Nockenlöckerle, Mondhüpferlein, Schnuckenschnickchen, Schnurrhähnchen, Gorillerle, usw., aber auch mit interessanten Erfindungen, wie etwa einer Meerschweinchenmelkmaschine und einem mobilen Klo zum Düngen der Beete im Grapschgarten nach ausgeklügeltem Jahresplan. Gut finde ich auch, dass Paarprobleme keineswegs ausgespart werden, Olli haut zwischendrin im Hausbau einfach ab und geht zur Tante. Und auch der Tod von Oma Ata im Kreise der ganzen Familie und ihr Begräbnis im Garten sind anrührend humorvoll und ernst zugleich geschildert. Sehr empfehlenswert für Kinder ab 5-6 Jahren. (07.05.17)


Der junge Mann Luther: Eine psychoanalytische und historische Studie (suhrkamp taschenbuch)
Der junge Mann Luther: Eine psychoanalytische und historische Studie (suhrkamp taschenbuch)
von Erik H. Erikson
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

3.0 von 5 Sternen Interessantes Thema ziemlich trocken und langatmig ausgewalzt..., 6. Mai 2017
Der amerikanische Psychoanalytiker Erikson versucht in diesem 1958 erschienenen Werk Luthers Aufwachsen und seinen Weg zu historischer Größe als Glaubensrebell mit den Werkzeugen der Psychoanalyse zu beschreiben, was ihm von Männern der evangelischen Kirche, wie etwa Eduard Lohse in dem Nachwort zur Luther-Biografie von Roland Bainton, sehr übel genommen wurde.
Ich habe mich mit diesem frühen Werk Eriksons deutlich schwerer getan als mit seinem Buch über Gandhi. Zu künstlich kommen mir viele seiner Mutmaßungen vor, und natürlich argumentiert er auf einer methodisch atheistischen Ebene über Dinge, die zum Teil sich einer rationalen, psychologisierenden Sicht einfach entziehen. Auch übertreibt er hier die Theorie derartig, dass am Ende der Leser gar nicht mehr weiß, was er jetzt eigentlich als Quintessenz der Kapitel wie auch des ganzen Buches nehmen soll. Das Ganze gipfelt zudem in der Wiedergabe auch der späten Jahre Luthers, die der Autor doch eigentlich gar nicht berücksichtigen wollte. Viele Einzelaspekte zur Biographie mögen interessant sein, etwa, dass Hans Luder seinen Sohn geschlagen hat, noch dazu auf den Po, was bei Luther zu bleibendem Verhaftetsein in seiner Sprache wie auch seinem Denken mit dieser Körperregion geführt habe. Interessant sicher auch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Sichtweisen Luthers, vom Pyschiatrischen, vom Theologischen und Philosophischen her. Dennoch bleibt für mich insgesamt als Fazit: Interessantes Thema ziemlich trocken und langatmig ausgewalzt. (24.09.05)
Nachtrag: Wer sich näher mit Luther auch aus psychologischer Sicht, aber nicht nur beschäftigen möchte, dem sei das Interview von Jürgen Hoeren mit dem Paderborner Theologen und Psychoanalytiker Eugen Drewermann "Luther wollte mehr" zur Lektüre empfohlen. (06.05.17)


Gandhis Wahrheit: Über die Ursprünge der militanten Gewaltlosigkeit
Gandhis Wahrheit: Über die Ursprünge der militanten Gewaltlosigkeit
von Erik H. Erikson
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Gandhi auf der Couch..., 6. Mai 2017
Der amerikanische Psychoanalytiker Erikson nimmt einen Besuch zu einem Seminar im indischen Ahmedabad 1962 zum Anlaß, über diesen ersten Wirkungsort Gandhis nach dessen Rückkehr aus Südafrika nachzudenken. Gandhi hatte hier in Ahmedabad 1918 einen Streik der Textilarbeiter um mehr Lohn mit den gewaltlosen Mitteln seiner in Südafrika erfolgreichen „Satyagraha" erreicht.
Die umfangreiche psychohistorische Studie Eriksons unternimmt den Versuch der Annäherung an dieses „Ereignis". Der „Prolog" ist seine persönliche Sicht auf die Stadt Ahmedabad und die Beschäftigung mit Gandhi. Im sich anschließenden ersten Teil „Befragung" erfahren wir von den historischen Quellen und noch überlebenden Zeugen, die das „Ereignis" miterlebt haben. Der zweite Teil „Vergangenheit" macht dann den Leser vertraut mit der auf das Ereignis hinsteuernden Vorgeschichte Gandhis, bevor im dritten Teil („Das Ereignis") ausführlich der Streik selbst und die entworfenen Flugblätter abgehandelt werden. Es werden auch alle wesentlichen Gefährten und Gegenspieler Gandhis herausgestellt. Der letzte Teil „Die Hebelkraft der Wahrheit" schließlich leitet über zu den Gemeinsamkeiten von Gandhis gewaltloser Wahrheitssuche und der psychanalytischen Methode.
Der Leser sollte mit der Lebensgeschichte Gandhis und seinem Hauptwerk der „Autobiographie" vertraut sein, dann ist die Studie Eriksons auf jeden Fall eine sehr lohnende, die auch die vielen problematischen Züge Gandhis, z.B. seine Diätexperimente und seine z.T. sehr patriarchalische und unterdrückende Art den nächsten Verwandten gegenüber nicht ausspart und psychodynamisch ausleuchtet. Sehr lesenswert! (28.05.05)


Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet
Wer den Wind sät: Was westliche Politik im Orient anrichtet
von Michael Lüders
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre im Politik-Unterricht..., 21. April 2017
Michael Lüders (geb. 1959 in Bremen) ist ein sehr erfahrener Politik- und Islamwissenschaftler, der als Publizist und Berater tätig ist und lange Jahre als Nahost-Redakteur bei der ‚Zeit’ gearbeitet hat und neben Lehraufträgen für Islamistik-Fragen auch u.a. das Auswärtige Amt berät.

In diesem Buch von 2015 geht der Autor in 9 Kapiteln auf die deletäre Einflussnahme westlicher Politik auf die Staaten des Nahen Ostens ein, die vermeintlich der wohlmeinenden Durchsetzung demokratischer Strukturen dienen sollen, im Grunde aber zumeist aufgrund egoistischer wirtschaftlicher Interessen unternommen werden. So diente der durch die westlichen Geheimdienste MI 6 und CIA beförderte Sturz des demokratisch gewählten iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh 1953 der Verhinderung von dessen berechtigtem Plan, den hohen britischen Anteil an der iranischen Ölproduktion zu kürzen. Stattdessen wurde über einen lancierten Putsch der Schah und Diktator Reza Pahlewi inthronisiert. Daraus wiederum folgte später als Gegenbewegung die antiamerikanische islamische Revolution und der Aufstieg des Ayatollah Khomeinis 1979.

Weitere Kapitel erläutern sehr gut die Entwicklung von Al-Qaida in Afghanistan, um die dort 1979 eingedrungenen sowjetischen Besatzer zu bekämpfen, wie auch des IS innerhalb des von den USA zu verantwortenden Machtvakuums nach Sturz Saddam Husseins und der durch die extremen wirtschaftlichen und humanitären westlichen Sanktionen verursachten Verelendung der irakischen Bevölkerung, unterstützt durch USA und den fundamentalistischen Wahhabismus Saudi Arabiens. Wahhabistischen Ursprungs (im Sinne von extremistischem Islamismus) seien mit unterschiedlicher Akzentuierung sowohl Saudi Arabien mit Loyalität dem saudischen König, Al-Qaida mit Loyalität zu Osama bin Laden wie auch aktuell der Islamische Staat mit Loyalität zu einem von diesem ausgerufenen Kalifen.

Auch die sehr problematische stützende Haltung des Westens zur aggressiven Siedlungspolitik Israels gegenüber den Palästinensern wird ausführlich dargestellt am Beispiel des Gaza-Krieges 2014, als innerhalb von 50 Tagen 2200 Palästinenser, darunter 500 Kinder (!) durch eine völlig unverhältnismäßige israelische Aggression umkamen, bei 71 Toten auf israelischer Seite. Dies so auch kritisch zu benennen, hat meines Erachtens überhaupt nichts mit Antisemitismus zu tun, sondern gehört gebrandmarkt um der vielen unschuldigen palästinensischen Opfer willen. Lüders spricht von einem Freibrief des Westens für Israel, der solche Gräuel als vorgebliche Selbstverteidigung zulasse, aus einer falsch verstandenen Loyalität den Opfern des Holocaust gegenüber.

Das Buch ist ein sehr wichtiges Korrektiv zur verharmlosenden offiziellen Version westlicher Politik, wie sie von den Regierungen in Washington und Berlin, wie auch in den abendlichen Nachrichten über den Bildschirm weitergegeben wird. Es sollte meines Erachtens auch Pflichtlektüre im Politik-Unterricht sein. (21.04.17)


"Luther wollte mehr": Der Reformator und sein Glaube
"Luther wollte mehr": Der Reformator und sein Glaube
von Eugen Drewermann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Detailreiche Auskunft über den Reformator und seinen Glauben..., 13. April 2017
Der Paderborner Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann, 2005 aus der katholischen Kirche ausgetreten und inzwischen knapp 77 Jahre alt, hat erneut ein wichtiges Interview dem Publizisten Jürgen Hoeren gegeben, diesmal zum 500. Jahrestag der Reformation.

Natürlich muss man sich von beiden Konfessionen her fragen, ob dieser Jahrestag der Reformation, der letztlich zur Kirchenspaltung, statt zur Erneuerung der kath. Kirche führte, überhaupt gefeiert werden sollte. Ich bin selbst in einer von lutherischem Umland eingekreisten katholischen „Enklave“ aufgewachsen, wo sehr selbstverständlich das Katholischsein von Eltern und Verwandten vorgeschrieben wurde und meine neugierigen Experimente, doch auch mal den herzlichen sonntäglichen Gottesdienst der kleinen lutherischen Gemeinde im Dorf zu besuchen, welche durch Zuwanderung aus dem Osten nach dem Krieg entstanden war, von meiner entsetzten Mutter mit den Worten kommentiert wurde: ‚Was, zu den Heiden?’ – Ich habe also sehr buchstäblich gelitten an dieser Trennung der Glaubenden in verschiedene Konfessionen, die letztlich auch dazu geführt hat, dass ich jeden Dogmatismus irgendwann abgelehnt habe, weil er nur zur Besserwisserei und Abgrenzung und im letzten auch zu Unfrieden und Krieg führte und weiter führt.

Um so wohltuender finde ich den Ansatz Drewermanns, immer wieder auf die Erlösung des Einzelnen durch das Vertrauen in Gott hinzuweisen. Es kommt nicht auf das zu Glaubende an im Sinne von Wissen, sondern auf die Beziehung zu Gott, die mich trägt. Luther hat das ganz persönlich erfahren als etwas Unbedingtes, für das er vehement auf dem Reichstag zu Worms eintrat. Aber als er dadurch in den päpstlichen Bann kommt, muss er Zuflucht bei den weltlichen Herrschern suchen und gerät dadurch leider in gedankliche und praktische Abhängigkeiten, die er sonst vermutlich nicht eingegangen wäre. Damit fällt er in einen unheilsamen Dogmatismus zurück, der sich unter anderem in Schriften gegen die Bauern, gegen die Juden und Türken richtet, und der nach seinem Tod bereits frühzeitig zu weiteren konfessionellen Abspaltungen und schliesslich auch in den 30-jährigen Krieg 100 Jahre später führt. Gesellschaftliche Auswirkungen des Protestantismus bis hin zur Kollaboration im dritten Reich werden im abschliessenden Teil des Bandes ebenfalls ausführlich beschrieben.

Die Stärke Eugen Drewermanns im Interview über Luther ist, dass er mit gewohnt profundem Wissen von sehr verschiedenen Seiten detailliert auf die Entwicklung Luthers, seine Stärken und Schwächen, seine Verwurzeltheit in der Zeit mit Abgrenzung z.B. gegen Erasmus von Rotterdams Humanismus, wie auch auf biblische Herleitungen, Entwicklung der Zwei-Reiche-Lehre von Augustinus wie auch des Staats-Christentums im 4. Jahrhundert eingeht, die enorm zum Verständnis Luthers beitragen. Und natürlich flicht Drewermann daneben immer wieder seine tiefenpsychologische Deutung der Evangelientexte ein, um die eigentliche Botschaft Jesu deutlich zu machen, dass wir von Gott immer Angenommene sind, was auch immer wir getan haben.

Ein sehr empfehlenswertes und gut lesbares Buch für jeden, der sich mit Luther, seiner Zeit und seiner Wirkung, aber natürlich auch mit Drewermanns Theologie auseinandersetzen möchte. (13.04.17)


M.K. Ghandi: Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit
M.K. Ghandi: Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit
von M. K. Ghandi
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrheitssuche praktisch..., 7. April 2017
Ich hatte mich viel früher mit Gandhi beschäftigt, als nämlich der Film über Gandhis Leben mit Ben Kingsley 1982 in den Kinos lief, just als ich Abitur machte. Ich war tief beeindruckt, wie ein einzelner Mensch diese Autorität und Macht gerade in seiner schlichten und gewaltlosen Art und Weise entfalten konnte. Damals hatte ich „Handeln aus dem Geist" gelesen, eine von den Sartorys herausgegebene Zusammenstellung seiner Gedanken im Herder-Verlag und anschließend nur kurz mit der Autobiografie begonnen.
Jetzt hatte ich wieder zu ihr gegriffen anlässlich der Beschäftigung mit Martin Luther King, der ein Bewunderer Gandhis war und viele seiner Methoden des gewaltlosen Widerstands und der Non-Cooperation von Gandhi übernommen hatte.
Der Untertitel „Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit" mag erstaunen, denn wie soll man mit Wahrheit experimentieren? Aber beim Lesen bemerkt man eindrücklich, was gemeint ist: es ist das unbedingte Offen-Sein für Begegnungen mit den Ansichten anderer Menschen, Religionen und mit dem eigenen Geist. Auf diese Weise kommt der Mensch Gandhi früh mit anderen Glaubensrichtungen zusammen, erkennt die Relativität von menschlichen Meinungen und bastelt sich auf diese Weise ein eigenes Gottesbild: er huldigt dem Gott der Wahrheit, zwar in seiner angestammten Hindu-Religion, doch zugleich kritisch gegenüber allen Auswüchsen eines menschenunfreundlichen Kastenwesens. Früh schon kommt er mit Christen und Moslems in Südafrika als Anwalt zusammen, in Indien setzt er seine praktische Nicht-Anerkennung der Kasten fort, indem er Unberührbare in seinen Ashram aufnimmt, selbst Aborte reinigt und sich um Aussätzige pflegerisch kümmert.
Das Erstaunliche an Gandhi ist, wie er um das Durchsetzen der Wahrheit bemüht ist, etwa beim Kampf für die indischen Bauern, denen Unrecht widerfuhr, indem er stets nicht nur die Niedergeworfenen, sondern auch die gegnerische Partei besucht und sich deren Ansichten zur Sache aneignet. Indem beide sich solcherart ernst genommen wissen, kann viel eher ein Kompromiß in der Auseinandersetzung erreicht werden. Das hat Gandhi bereits früh in seiner Anwaltstätigkeit in Südafrika erkannt und setzt es später in viel größerem Rahmen in Indien um.
Die Autobiografie endet mit Gandhis Eintritt in den Indischen Nationalkongreß (INC) im Jahre 1921. Sie ist absolut lesenswert, vielleicht auch gerade wegen zum Teil schrulliger und detailreicher Diät- und Fastenschilderungen, die er immer wieder veranstaltete und die er später - als er bereits der verehrte Mahatma war - als nicht unwichtige Waffe in verfahrene politische Auseineinandersetzungen einbrachte. Gerade auch die offenen Selbstbekenntnisse zu Fehlern und Problematischem lassen ihn als den großen Wahrheitssucher sympathisch aufstrahlen. (7.05.05)


Die Analphabetin, die rechnen konnte: Roman
Die Analphabetin, die rechnen konnte: Roman
von Jonas Jonasson
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Atombombe auf jahrzehntelanger Flucht in Schweden..., 1. April 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Schwede Jonas Jonasson ist Jahrgang 1961 und war lange Jahre als Medienberater tätig, ehe er 2009 mit dem Erstlings-Roman ‚Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand’ zum gefeierten Schriftsteller wurde. 4 Jahre später erschien 2013 dieser zweite Roman von ihm.

Dieses Mal ist der Ausgangspunkt in den Slums Südafrikas der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts gewählt, wo die 13-jährige Nombeko ihr kümmerliches Dasein in den Latrinen Sowetos fristet und erleben muss, dass ihre Mutter als Alkoholikerin stirbt. Über das Zählen der Latrinentonnen wird die Analphabetin zu einem Kopfrechnen-Ass, das dadurch zur Assistentin ihres Chefs aufsteigt. Einer der älteren Latrinenleerer ist der Schmierlappen Thabo, der sie begrapschen will und dafür von Nombeko eine Schere in den Oberschenkel gerammt bekommt. Thabo kann lesen und hat Bücher, über ihn lernt das Mädchen lesen und wird Latrinen-Chefin, als Thabo verreist. Ausserdem hört sie viel Radio und bekommt darüber politische Einsichten. Mit 15 will sie dem üblen Leben entfliehen und nach Johannesburg gehen, um sich in der dortigen grossen Bibliothek festzulesen, wird aber von einem Opel Admiral angefahren, in dem der schwedische Ingenieur Van der Westhuizen gesessen hatte. Im Apartheids-Gerichtsverfahren wird aber nicht der Ingenieur, sondern Nombeko verknackt, und zwar gleich für 7 Jahre, die sie bei dem Ingenieur auf der geheimen Forschungsanlage Pelindaba abbüßt als Haushälterin. Über diesen Ingenieur kommt sie an fortgeschrittenste Physikkenntnisse, da Westhuizen Südafrika zur Atombombe verhelfen soll, dabei aber eigentlich gar keine Ahnung davon hat. Mithilfe von 3 Chinesinnen aus der Küche der Anlage schafft sie die Flucht nach Schweden, leider schaffen es aber auch diese 3 Chinesinnen dorthin zu fliehen, allerdings zusammen mit einer Atombombe in einer Kiste, die eigentlich als überzählige 7. Atombombe für Israel gedacht war. Und so hat Nombeko 2 Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad an der Backe, die der Bombe nachjagen. In Schweden trifft Nombeko auf Holger 2, den klugen Zwillingsbruder des sehr einfältig denkenden Holger 1, der seinem Vater Ingmar Qvist nacheifert. Dieser war aus einem Königs-Verehrer, der all sein Geld drangab, um den König zu treffen, irgendwann zu einem Königshasser geworden, als die Begegnung mit dem König sich ganz anders entwickelte, als Ingmar es sich gedacht hatte.

Aus der Begegnung mit diesem sehr ungleichen Zwillingspaar entwickelt der Roman im weiteren eine haarsträubende Story darum, irgendwie die Atombombe wieder los zu werden, ohne dass sie explodiert, auf der anderen Seite aber auch zu verhindern, dass Holger 1 Dummheiten bei seiner Jagd auf den schwedischen König anstellt.

Wieder ein mit überbordender Phantasie und Erzählfreude geschriebener Roman, der sich locker liest und ganz nebenbei historische Entwicklungen im Südafrika und Schweden des 20. Jahrhunderts abhandelt. (01.04.17)


Jim Knopf und die Wilde 13.
Jim Knopf und die Wilde 13.
von Michael Ende
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Von tiefem Humanismus und Humor getragen..., 27. März 2017
Michael Ende (1929-1995) war einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. Seine berühmten Romane Die unendliche Geschichte und Momo sind mittlerweie in über 40 Sprachen übersetzt worden. Die beiden Bücher über Jim Knopf wurden durch die Augsburger Puppenkiste liebevoll aufgeführt und für das Fernsehen verfilmt. Ich habe sie unzählige Male als Kind wie auch als Vater mit meinen Kindern gesehen und finde sie immer noch sehenswert.

Dieser zweite Teil erschien zwei Jahre nach dem ersten 1962 im Thienemann Verlag und handelt sehr viele weitere Abenteuer der beiden Lokomotivführer ab. Der Postbote stößt mit seinem Schiff gegen die neu hinzugekommene Insel Neu-Lumemrland, also brechen die beiden Helden mit ihren Lokomotiven Emma und Molly zu Wasser auf, um Herrn Tur Tur, den Scheinriesen als lebenden Leuchtturm auf die Insel zu locken, was im weiteren auch gelingen wird. Unterwegs im Barbarischen Meer gilt es aber zunächst noch, der Meerjungfrau Sursulapitschi und ihrem Vater und Meerkönig Lormoral zu helfen, das ausgefallene Meerleuchten wieder anzuschalten. Das schaffen sie am großen Gurumusch-Magnetfelsen und gewinnen dazu als Wärter den ebenfalls aus dem ersten Band bekannten Halb-Drachen Nepomuk. Ihnen gelingt die Herstellung eines Perpetumobil: sie können zwei Brocken des Magnetbergs so an der Lokomotive Emma befestigen, dass diese bei Annäherung der Brocken sich so stark anziehen, dass die Lokomotive hinterher gezogen wird und damit sogar fliegen kann. Auf diese Weise gelingt ihnen auch die Überquerung des Gebirges Krone der Welt, um Tur Tur wie auch Nepomuk in der Wüste wiederzufinden. Wieder in Lummerland, kommt ein Brief der Wilden 13 an Frau Mahlzahn an. Sie müssen unbedingt die Seeräuber finden, um über Jims Herkunft Aufschlüsse zu erhalten und erhalten von dem wieder erwachten Drachen der Weisheit (vormals Frau Mahlzahn) Hinweise zum Finden der Wilden 13, wie auch der verloren gegangenen Lokomotive Molly. Als sie die Wilde 13 treffen, eine eigentlich nur 12 Räuber umfassende wilde Bande, kommt es zur Eroberung des mit Jim und Lukas verfolgenden kaiserlichen Bootes durch die Piraten. Aber indem Jim den Stern des Hauptmanns der alle gleich aussehenden Piraten an sich bringen kann, fällt der Irrglaube, dass der Hauptmann zugleich auch der 13. Pirat sei, in sich zusammen, und die Seeräuber verlieren ihre Räuberidentität., da jetzt keiner von ihnen mehr weiss, wer eigentlich das Sagen hat. Jim erfährt, dass er eigentlich der Prinz Myrrhen von Jamballa ist, eines Königreiches, das untergegangen war, als die Seeräuberinsel aufgetaucht ist. Umgekehrt wird Jamballa, oder besser Jimballa (benannt nach Jim) dann wieder auftauchen, wenn die Seeräuberinsel, das Land, das nicht sein darf inmitten des Orkans, wieder untergeht. Die ehemaligen Seeräuber sind jetzt Jims Soldaten geworden und erklären sich bereit zum Fluten der Räuberinsel. Und so taucht Jimballa auf, wie sich zeigt, genau unter Lummerland, das dadurch stark angehoben wird. Und so kann Prinz Myrrhen sein Land in Besitz nehmen und Prinzessin Li Si heiraten, während Uschaurischuum, der Gemahl von Sursulapitschi, Molly an Jim aushändigen kann, die er in den Tiefen des Ozeans gefunden und mit dem Kristall der Ewigkeit in unzerstörbares Glas verwandelt hat.

Die berühmten Verfilungen beider Bücher durch die Augsburger Puppenkiste in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk erfolgten in Schwarz-Weiss sehr rasch nach Erscheinen der Bücher, in Farbe dann 1976/77 mit je 4 30-Minuten-Folgen je Serie, wobei die Bücher natürlich weitaus detaillierter als die Verfilmungen sind. - Unbedingt lesen und unbedingt anschauen! (27.03.17)


Das Café am Rande der Welt: eine Erzählung über den Sinn des Lebens
Das Café am Rande der Welt: eine Erzählung über den Sinn des Lebens
von John Strelecky
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mach es wie die grüne Meeresschildkröte..., 12. März 2017
John P. Strelecky wurde 1969 in Chicago/Illinois geboren und lebt heute in Orlando/Florida. Seinen Traumberuf Flugzeugpilot musste er nach erfolgreicher Ausbildung wegen eines Herzfehlers abbrechen, und die anschliessende Arbeit als Strategieberater für große Unternehmen machte ihn innerlich nicht zufrieden. Also stellte er sich selbst die Frage ‚Was ist der Zweck meines Lebens“ und schrieb in kurzer Zeit dazu den hier vorliegenden Bestseller ‚The Why Cafe’, der inzwischen in zahlreichen Sprachen erschienen ist.

Der Ich-Erzähler John gerät auf dem Weg in den Urlaub von seinem stressigen Job als Werbemanager in einen Stau. Er wendet, fährt von der Autobahn ab und verliert die Orientierung. Irgendwann landet er bei einem Café, in das er in der einsetzenden Dämmerung notgedrungen und auch inzwischen sehr hungrig einkehrt. Die Speisekarte heißt den Gast willkommen im ‚Café der Fragen’, und auf deren Rückseite begegnen ihm die drei Fragen: Warum bist du hier?, Hast du Angst vor dem Tod? und Führst du ein erfülltes Leben? Nachfolgend verwickeln ihn die Bedienung Casey, der Koch und Besitzer des Cafés Mike wie auch eine weitere Besucherin des Cafés mit Namen Anne in tiefschürfende Gespräche über den ZDE, den Zweck der Existenz. Er merkt, dass er sich darüber bisher nie Gedanken gemacht hatte und dass er eigentlich bisher auch kein sehr glückliches Leben geführt hat, weil seine Arbeit Geld bringen sollte statt Sinn-Erfüllung. Immer sind die Menschen, die den ZDE verfehlen, auf der Vorbereitung hin zu einer später mal als erfüllt gedachten Rente, statt im Hier und Jetzt bereits erfüllt zu leben. Und weil sie noch gar nicht ihren ZDE erreicht haben, müssen sie auch Angst vor dem Tod haben, der ihnen unwiederbringlich den Zweck des Lebens rauben wird. Für die Frustrationen im Job belohnen sie sich mit als sinnvoll von der Werbung vorgegaukelten Anschaffungen, die sie finanziell verschulden und deren Wert sie aufgrund der ständigen Arbeit gar nicht geniessen können. John verlässt schliesslich das Café mit einer geistigen Hochstimmung und wird sein Leben zu ändern versuchen.

Ein kurzweilig zu lesendes Büchlein über den Sinn des Lebens, den wir nicht aus den Augen verlieren sollten. (12.03.17)
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Austerlitz
Austerlitz
von W. G. Sebald
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Entwurzeltsein..., 11. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Austerlitz (Taschenbuch)
W.G. Sebald war 1944 im Allgäu geboren und lebte seit 1970 im englischen Norwich, wo er als Dozent für neuere deutsche Literatur an der Uni lehrte. 2001 starb er bei einem Autounfall.

Der Roman „Austerlitz“ handelt von der mehrfachen Begegnung des Ich-Erzählers mit Jacques Austerlitz. Das erste Mal trifft er diesen rätselhaften Eigenbrötler in einer dunklen Bahnhofshalle, wobei der Fremde ihm entfesselt aus seinem Leben und Denken berichtet. Nach und nach entrollt sich in den zufälligen Treffen der beiden das Leben Austerlitzens in einer atemlosen, gleichwohl vollkommenen Sprache, die keine Absätze kennt und die Lektüre dadurch etwas schwierig macht, dadurch aber das Getriebene im Wesen des schwermütigen Wanderers deutlich macht: Austerlitz lebt seit vielen Jahren in London, war aber als jüdisches Flüchtlingskind in den vierziger Jahren nach Wales gekommen und bei einem Prediger und dessen Frau in lieblosen Verhältnissen aufgewachsen. Die letzte Begegnung der beiden findet in Paris statt, Austerlitz ist auf der Suche nach seinen Ursprüngen bereits der Mutter nachgereist, jetzt wird er von der Gare d’ Austerlitz zur Suche nach seinem Vater aufbrechen, der offenbar 1942 im südwestfranzösischen Camp de Gurs interniert gewesen sei. Und so findet sich bereits im Namen des Fremden jene Ruhelosigkeit und Aufbruchstimmung, die Bahnhöfen eignet.

‚Austerlitz’ handelt von der Heimatlosigkeit und dem Entwurzeltsein, angesichts gegenwärtig so vieler Flüchtlinge ein leider sehr aktueller und auch wegen der wundervollen Sprache sehr lesenswerter Roman. (11.03.17)


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