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Beiträge von Christian Günther
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Rezensionen verfasst von
Christian Günther
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Auf dem Weg ins Imperium: Die Krise der Europäischen Union und der Untergang der Römischen Republik. Historische Parallelen
Auf dem Weg ins Imperium: Die Krise der Europäischen Union und der Untergang der Römischen Republik. Historische Parallelen
von David Engels
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äpfel und Birnen lassen sich sehr wohl vergleichen – beide faulen z.B., wenn sie keine Nährstoffe mehr bekommen, 12. August 2016
Vor allem ist zunächst die reine Fleißarbeit von David Engels zu loben. Der Autor hat es sich mit >Auf dem Weg ins Imperium< nicht leicht gemacht, hat wissenschaftlich beinah schon übertrieben penibel gearbeitet und mit seinem Buch – zurecht ein Bestseller! - einen wichtigen Diskussionsbeitrag zur mittlerweile in der Tat allerorten sicht- und fühlbaren Krise Europas beigetragen, oder besser zur Krise der EU und ihrer Institutionen und ihrer Entkoppelung von den Befindlichkeiten sehr vieler in ihr lebender Menschen.

Daß Buch und Autor vermehrt der Kritik ausgesetzt sind, hier würden Äpfel mit Birnen verglichen werden, wundert wenig. Es stimmt ja. Und es stimmt auch, daß nicht alles was hinkt schon ein geglückter Vergleich ist. Dennoch riskieren einige Kritiker ein begründetes Attest des mangelnden Sprachverständnisses (oder aber den Vorwurf, das Buch, insbesondere das Vorwort, nicht gelesen zu haben), denn vergleichen bedeutet bekanntlich nicht gleichsetzen.

Man kann sehr wohl Äpfel mit Birnen vergleichen und wird vermutlich zu der Erkenntnis gelangen, daß beide Obst sind und auch ansonsten etliches an Gemeinsamkeiten vorweisen können, aber eben auch Unterschiede, sich aber trotz der Unterschiede ähnlicher sind als Banane und Wiener Schnitzel. Will sagen, der Autor weist insbesondere im Vorwort mehrfach explizit darauf hin, daß es natürlich auch ganz massive Unterschiede zwischen der römischen Republik vor gut 2000 Jahren und der Europäischen Union unserer Tage gibt, daß Geschichte sich niemals 1:1 wiederholt und daß es folglich schwierig bis unzulässig ist, uns bekannte Entwicklungen von damals als Blaupause für Prophezeiungen für unsere unmittelbare Zukunft herzunehmen. Das ist auch nicht die Absicht des Autors. Er stellt Kapitel für Kapitel Entwicklungen und Ursachen, die zum Zerfall der alten römischen Republik führten und nicht zu leugnende ähnliche Tendenzen unserer Zeit gegenüber.

Man kann aus der Geschichte nicht einfach Erkenntnisse übernehmen, dafür sind Ursachen für Entwicklungen zu vielschichtig und die Parameter, die zu gesellschaftlichen Umbrüchen führten und führen, zu zahlreich und individuell, daß sich Geschichte eben allein deswegen niemals gänzlich wiederholt; aber man kann versuchen aus ihr zu lernen und sehr wohl versuchen Schlußfolgerungen für Wahrscheinlichkeiten herzuleiten. Sie als Fundament für Überlegungen zum Handeln in der Gegenwart und zur Gestaltung der Zukunft zu ignorieren, wäre jedenfalls sträflich. Das ist auch erkennbar das erklärte Ziel von David Engels.

Engels gibt keine Patentlösungen vor – wie könnte er? - er beschränkt sich aufs Aufzeigen. Der Leser muß selbst entscheiden, für wie wahrscheinlich oder möglich er die eine oder andere Entwicklung des damaligen Roms auch in unseren Tagen in der EU hält.

Augenfällig ist eines: Man kann über die vielen Detailbetrachtungen abendfüllend diskutieren und das jeweils, aber im Kern leidet die EU wie die späte römische Republik an einem bedrohlichen Mangel an Identität, an identitätsstiftenden Merkmalen, die die Bürger Europas auch an Europa glauben lassen, es fühlen lassen. Das Reduzieren auf ohne jeden Zweifel gute, universalistische Werte, auf denen die Institutionen der EU basieren, genügt allein nicht, um einen zwischenmenschlichen und alltagstauglichen Wertekanon zu erhalten (oder überhaupt zu schaffen). Identität entsteht, ob es einem nun gefällt oder nicht, erst durch Abgrenzung. Sich abzugrenzen bedeutet notabene aber eben nicht zwangsläufig, daß man das andere herabsetzt! Toleranz darf nicht zur Gleichmacherei umgedeutet werden. Europa wird sich nur behaupten, wenn es sich kulturell begreift, nicht nur ökonomisch, ethisch universalistisch (dafür gibt es die UNO!) und am allerwenigsten recht unbeholfen geographisch.

David Engels liegt an Europa, am Erhalt der immer mehr gefährdeten EU; gefährdet vor allem, weil ihre Bürger sich so wie sie gegenwärtig strukturiert ist zunehmend nicht mehr mit ihr identifizieren. Als Historiker und Philosoph wurde er mit diesem Buch seiner Verantwortung gerecht und weist auf Unabdingbares hin und nutzt dafür eine vergleichbare (nicht gleichzusetzende!) Fehlentwicklung eines ähnlichen (nicht identischen!) politischen Gebildes vor gut 2000 Jahren. Schlüsse daraus zu ziehen, liegt bei jedem einzelnen.

Das Buch befördert den längst überfälligen Meinungsstreit über die künftige Ausrichtung und innere Identität der EU, und der ist bekanntlich zentrales Wesensmerkmal der Demokratie. Wenn wir jetzt nicht streiten, dann entscheiden irgendwann Anti-Demokraten die Rückabwicklung dieses im Kern nach wie vor großartigen, weil Frieden, Freiheit und Wohlstand sichernden Gebildes.


Diese gottverdammten Träume: Roman
Diese gottverdammten Träume: Roman
von Richard Russo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Gründe sich gegen einen Suizid zu entscheiden, 29. Juli 2016
Es ist kein Spoiler zu erwähnen, daß Autor Richard Russo auf den letzten Seiten dieses 750 Seiten Romans einen kunstvollen Schwenk zu einer Figur zurück, die lange vor der zentralen Handlungszeitspanne des Buches Selbstmord beging, in den Ereignissträngen aber kaum eine zentrale Rolle spielt, kunstvoll nutzt, um auf das hinzuweisen, was man verpaßt, wenn man sich vor der Zeit aus dem Leben stiehlt.
Der Roman baut sich nicht auf, um allein zu dieser Erkenntnis zu gelangen, dennoch sind diese paar Zeilen kurz vor Schluß ein wunderbares Beispiel für Russos erzählerische Größe. Den renommierten Pulitzer-Preis erhielt er für >Empire Falls< (so der Originaltitel des Buches und der fünf Jahre später erfolgten, liebevollen filmischen Umsetzung, großartig besetzt mit u.a. mit Ed Harris, Helen Hunt, Paul Newman und Philip Saymour Hoffmann in den Hauptrollen) im Jahr 2002 völlig zurecht. Unverständlich nur, daß es unglaubliche 15 Jahre seit Veröffentlichung dieses großen Romans und immer noch zehn Jahre seit der kunstvollen Verfilmung gebraucht hat, den Text in die deutsche Sprache zu heben. Die Arbeit der Übersetzerin Monika Köpfer wird der des Autors gerecht.

Man braucht Langmut für dieses Buch; Langmut, der belohnt wird! Denn etwa bis zur Hälfte passiert im Grunde nichts, was zwingend als Romanstoff bezeichnet werden muß. Aber Russo ist ein so unglaublich elegant und den Leser in die Szene hineinziehender Autor, daß auch die erste Hälfte zu lesen ein Genuß ist. Er beschreibt die vielen Protagonisten, die alle mehr oder minder zentrale Rollen rund um den Hauptakteur Miles Roby spielen, derartig sichtbar und fühlbar, daß man sich beim Lesen inmitten der kleinen, im Niedergang begriffenen Kleinstadt im Nordosten der USA wähnt. Am Tresen von Miles Roby, auf den Straßen von Empire Falls, in der Schule von Miles jugendlicher Tochter Tick, auf dem Anwesen der alten, reichen Mrs. Whiting, der der halbe Ort gehört, samt Miles Diner-Restaurant und der verrottenden Fabriken, die einst der Stadt Lebensgrundlage waren und in den letzten zwanzig Jahren gleichsam zum Symbol für Niedergang und Hoffnung wurden. Niedergang, weil seit ihrer Schließung der Ort zusehends starb; Hoffnung, weil an den zerfallenden Gebäuden noch immer der Glaube vieler hing, die die Stadt noch nicht verlassen haben, daß sie irgendwann, irgendwer kaufen und reaktivieren und Empire Falls so zu neuer Blüte verhelfen würde.

Und plötzlich, anfangs fast unmerklich, irgendwo zwischen der 300. und 400. Seite, beginnen sich die Dinge, die Lebensläufe, die Ereignisse um diverse Akteure aus teils gleichzeitigen Entwicklungen, teils mit vielen Jahren Abstand, zu verquicken. Wahre Erzählkunst! Der Roman nimmt an Fahrt auf, Zusammenhänge werde deutlich, Entwicklungen laufen zusammen.

Richard Russo braucht keine große Kulisse, eine zerfallende Kleinstadt genügt ihm; keine exaltierten Figuren, normale Alltagsfiguren genügen ihm; um eine große Geschichte zu erzählen. Vielschichtig verwoben und doch durchgängig transparent, ohne große philosophische Gedankengebäude und doch voller Lebensklugheit, ohne Effekthascherei und doch Seite für Seite Neugier und sogar Spannung aufbauend, klar, melancholisch und auch humorvoll. Kurz: beste Literatur!


Zucchero - Begegnungen mit dem Teufel und dem Weihwasser
Zucchero - Begegnungen mit dem Teufel und dem Weihwasser
von Massimo Cotto
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Freier Blick in eine wunde Seele, 13. Mai 2016
Stur ist er, dieser Nord-Italiener. Stur und eigensinnig ' und unbedingt liebenswert! Zumindest für jeden, der authentische Typen mit Ecken, Kanten und Macken mag, die mit der selben Leidenschaft für ihre Sache brennen, egal ob man ihnen dafür zujubelt oder sie dafür mißachtet oder gar Häme über sie ausschüttet.

Eine Biographie ist 'Begegnungen mit dem Teufel und dem Weihwasser' nicht, auch wenn es auf dem Buchdeckel des vier Jahre nach Erscheinen dann 2011 endlich auch in einer deutschen Übersetzung nachgereichten Buches unübersehbar prangt. Lediglich am Ende des Buches finden sich in Jahreszahlen stichpunktartig alle wichtigen Lebensstationen Zuccheros abgearbeitet ' das mit 35 Seiten sogar recht ausführlich für diese Überblicksform. Ansonsten aber ist es ein sehr langes Gespräch mit dem Künstler, zusammengetragen aus vielen Gesprächen über einige Jahre zwischen Zucchero und Interviewer Massimo Cotto, der offenbar ein sehr gutes Verhältnis zu dem eigensinnigen und gemeinhin nicht allzu mitteilsamen Kauz pflegt.

Gut so. Der Plauderton gefällt, auch wenn die Übersetzung leider an zu vielen Stellen etwas hölzern wirkt. Man kommt Zucchero tatsächlich näher und begreift seine beinah wahnsinnige Liebe zur Musik und zu Musikern generell, die zum Blues ganz besonders intensiv. Kein Wunder, daß die Musiker ihn lieben und es wohl weltweit keinen zweiten Rockstar gibt, der sich mit so vielen Kollegen in Studios und auf Bühnen zum Musizieren traf. Und sie kamen alle gern. Ob Eric Clapton oder Miles Davis, Joe Cocker oder Bono, Blues-Götter wie John Lee Hooker, B.B. King und Robert Cray, Sheryl Crow, Peter Maffay, Bryan Adams, Luciano Pavarotti, Tom Jones, Stevie Ray Vaughan, Ronan Keating, Sting, Iggy Pop... (und das ist noch lange nicht mal die Hälfte der Liste der prominenten Kollaborateure in den letzten 30 Jahren) Warum ist das so?

Die Frage stellt man nicht mehr, wenn man dieses hundert Buchseiten lange Gespräch gelesen hat. Zucchero lebt in und für Musik. Er ist getrieben und seine Rigorosität im Vorgehen entspricht seinem auf Kampf gebürsteten Naturell, wie er einräumt. Aber es ist stets die Liebe (manchmal etwas zu viel davon), die überschäumt, nie Aggression. Für ihn ist Musik Gott und Sex und vor allem ein mögliches Heilmittel gegen das Übel des Lebens, 'In Blues we trust' sein Leitspruch, seine Devise. Das Gespräch ist keine Huldigung und Aufzählung von ja tatsächlich enormen Erfolgen im Übermaß. Es ist viel mehr der seltene freie Blick in eine wunde Seele, die schier platzt vor Lust und Zorn und alles in Musik übersetzt. Ein toller Kerl, erdig und glaubhaft.


Udo Jürgens: Kleine Anekdoten aus dem Leben eines großen Musikers
Udo Jürgens: Kleine Anekdoten aus dem Leben eines großen Musikers
von Max Wellinghaus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mehr wäre manchmal eben doch mehr, 12. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
An ein Buch dieses Formats und in dieser Preisklasse geht ein ernsthaft interessierter Leser sicher von vornherein nicht mit allzu ausgeprägten Erwartungshaltungen heran. Es ist Zwischendurchliteratur und mehr will es auch nicht sein. Okay. Aber auch Zwischendurchliteratur kann gut gemacht sein und das ist “Udo Jürgens – Kleine Anekdoten aus dem Leben eines großen Musikers“ leider nur partiell, wenn überhaupt.

Max Wellinghaus, dem Autor, ist dabei vermutlich nur ein Teilvorwurf zu machen, denn hätte er es nicht geschrieben, hätte es ganz sicher ein anderer Auftragsautor für die Serie des Verlages übernommen. Das kardinale Problem des Büchleins ist die starre Festlegung auf zwei Buchseiten (besser Büchleinseiten) für jede der etwa vierzig Anekdoten, die allem Anschein nach vom Verlag als Konzept diktiert ist. Murks. So manche Anekdote hätte lesenswerter (und weniger verfälscht!) erzählt werden können, wenn ihr ein wenig mehr Raum frei gestanden hätte. Ich will dem Autor unterstellen, dazu im Stande gewesen zu sein, wenn man ihn hätte gelassen.

Des Weiteren ist für ein derartiges Fließbandprodukt - es gibt etliche vergleichbare Bücher des Verlages über andere große Persönlichkeiten - offenbar kaum Zeit für ordentliche Recherche. Und selbst wenn man über den arg knapper Stil der Darbietung der Anekdoten auf je zwei Seiten noch hinwegsehen kann, fährt das Konzept spätestens hier gegen die Wand. Ein paar Gespräche mit Menschen aus der Umgebung des Künstlers hätten ganz gewiß ein paar Anekdoten zutage gefördert, die noch niemals nirgends zu lesen waren. Stattdessen wird hier nur aus im Grunde für jedermann zugänglichen Quellen zusammengeschrieben, noch dazu oft bis zur Unkenntlichkeit verkürzt. Daß die Quellen zu einem wesentlichen Teil dann auch noch aus der Trivial-Presse stammen (BILD, Bunte etc.) macht es nicht besser. Eine zu hohe Zahl an schlicht sachlichen Fehlern in Zeit-, Orts-, und Personenangaben kulminiert das Druckerzeugnis im Grunde zum Desaster.

Die Aufmachung ist recht gelungen und ein paar wenige Anekdoten – das sei fairerweise erwähnt – lassen sich durchaus mit Vergnügen lesen, denen auch zwei Seiten genügen und die anscheinend auch keine inhaltlichen Fehler aufweisen. Das gilt aber leider bestenfalls für zehn von vierzig.


Mr. Lee
Mr. Lee
Preis: EUR 15,99

62 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Sinne von Mister Lee, 6. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mr. Lee (Audio CD)
Würde man alle je geschriebenen Liebeslieder wie in einer Volkszählung erfassen, ließe sich gewiß eine Metropole mit ihnen besiedeln (Wohnungsnot und galoppierende Mietpreise inklusive). Und Liebeslieder sind natürlich Frauen. Stolze, verführerische, von atemberaubender Schönheit, die einen zart und zutraulich, andere frech und von lautem Wesen und wieder andere vielleicht auch etwas derb, manche sicherlich auch von etwas schlichtem Gemüt und leider auch welche von kalter Berechnung oder fürchterlich überschminkt. Es gilt die Schönste von ihnen zu küren. Die allzu Vordergründigen und alles in rosa Watte packenden sind von vornherein nicht unter den Favoriten. Eher die Melancholischen, die eine Träne im Augenwinkel und ein Lächeln auf den Lippen zur wahrhaften Schönheit des Lebens vereinen. Die schon lange allseits bekannten und beliebten würden unvermeidlich vorab hoch gehandelt: >My heart will go on< etwa oder >I will always love you<, egal ob nun von Dolly Parton oder Whitney Houston vorgetragen; Jacques Brels flehendes >Ne me quitte pas< ganz sicher und das auch mehr als zurecht; und Udos bittersüßes >Merci Cherie< ebenfalls und sein von Leidenschaft geflutetes >Ich weiß, was ich will< gleich noch hinterher...
Und dann tritt eine Unbekannte ins Licht, von einer seltenen natürlichen Schönheit und mit so unfassbar viel Wahrhaftigkeit, voll mit Leben, voll mit Glück, aber eben auch voller Gewißheit über die Endlichkeit aller Dinge in ihrem klaren, durchdringenden Blick: >So viele Sommer<

Superlative sind Unsinn, ich weiß. Das eine allgemeingültig schönste Liebeslied gibt es genauso wenig wie die schönste Frau. Aber Reinhard Mey ist mit diesem Stück, mit dem er sein 27. Album eröffnet, eine ganz seltene Kostbarkeit gelungen und eines der schönsten Liebeslieder das je geschrieben wurde - zumindest für mich. Und offenbar nicht nur für mich, denn wer seinen Auftritt vor wenigen Wochen in der Talkshow >3 nach 9< gesehen hat, konnte miterleben, wie andere Gäste in der Runde mit einem Altersunterschied von mehr als 50 Jahren gleichermaßen zu Tränen gerührt waren. Wenn ein Lied es schafft auch nur einen Menschen zu Tränen zu rühren, ist es schon ein Glücksfall, daß es geschrieben wurde. Wenn es viele Menschen unterschiedlichster Generationen, Frauen wie Männer, so sehr anrührt, dann ist es ganz offenbar ein Meisterstück – nun ja: ein Meysterstück.

Die Hintergrundgeschichte zu diesem Lied, daß es eben Hella Mey war, die mit einer ihrer berühmten Zettelbotschaften (höre auch >Deine Zettel< vom 1998er Album >Flaschenpost<) ihren Mann zu diesem Lied anstiftete, mit der sie sich für die vielen bereits miteinander erlebten Sommer bedankte und die Frage fiel, wie viele es wohl noch werden mögen, macht dieses kleine Lied noch mehr zu einem ganz besonderen Dokument einer offenbar ganz besonderen Liebe. Noch viele Sommer, ganz viele!

Daß der Ursprung eines jeden Liedes im Leben des Sängers liegt, ist vielleicht ein Bruchstück zur Erklärung, warum ihm gelingt, was kaum wem gelang: seit nun mehr als 50 Jahren Album für Album, Tournee für Tournee Hunderttausende mit seinen Liedern zu erreichen, ohne seit Jahrzehnten im klassischen Sinne auch nur einen Hit zu landen, den landauf, landab jeder kennt und mitsingt. Zwar kann man als Sänger sicherlich auch glaubwürdig sein, ohne jedes Lied in der eigenen Biographie verwurzelt zu haben, bei Mey aber ist es so und das seit... - im Grunde schon immer. Mag sein, daß er zu Zeiten vom >Klempner< und >der heißen Schlacht am kalten Büffet< tief im vergangenen Jahrhundert auch mal etwas weniger unmittelbar (dafür aber augenzwinkernd) nur aus der Umgebung seines Lebens berichtete, doch seit vielen Jahren kommen die Lieder ausschließlich aus den Tiefen seiner Selbst, aus seinem Leben, aus seiner Seele sowieso. Dem Boulevard bleibt die Tür konsequent verschlossen, dem aufmerksamen und zugeneigten Zuhörer aber steht seine Seele weit offen. Das spüren die Menschen und danken es ihm, vielleicht auch oder gerade weil er sich nicht scheut auch die Narben herzuzeigen, die mehr werden mit den Jahren.

Das Titelstück mag Gelegenheitshörern wie eine abstrakte Fiktion im fernen Kambodscha erscheinen (und selbst so gehört, wäre es auch schon einfach ein wunderschönes Lied), dechiffriert man aber den Text, erkennt man Mr.Lee im Booklet auf der Bleistiftzeichnung neben dem Text, erkennt ihn “an dem wehenden Khmer-Schal“, erkennt ihn und bewundert Mey für die Anmut dieses Liedes. Es bedarf tiefer Seelenschönheit und Lebensweisheit, Schmerz so poetisch umzuwandeln in Trost. Für sich selbst; für Zuhörer nicht weniger.

Darüber hinaus finden sich auf dem neuen Album all die Facetten, die Reinhard Mey ausmachen; nur eben wieder drei Jahre später, wieder drei Jahre mehr gelebt, drei Jahre mehr Erinnerungen gesammelt und aufgearbeitet. Eine wundervolle Liebeserklärung an ein seltenes Haustier, einen Katzenhund namens Lucky Laschinski; das gefühlt zwanzigste Berlin-Lied (Heimweh nach Berlin), was hoffentlich auch allen Nicht-Berlinern verständlich macht, warum man diese manchmal auch etwas bekloppte Stadt einfach lieben muß; dankbare Erinnerung und Reue an einen in pubertierender Unbedachtheit gedemütigten Lehrer (Dr. Brand); und ein Lied über einen ihm zugelaufenen Rentner; das oben beschriebene, außergewöhnlich schöne Liebeslied und eines über Kabbeleien innerhalb derselben Liebe (Wenningstedt Mitte) usw. Neue Erzählungen, 13 mal wundervoll und quer durch alle Gefühls- und Lebenslagen von einem Vertrauten, den man aus guten Gründen schon lange mag und dem man schon allein deshalb immer wieder gern zuhört.

Und dann ist da mit den jüngeren Alben inzwischen eine sehr schöne Tradition entstanden, die Reinhard Mey auch 2016 fortsetzt: die Zugaben. Nach einer Spielzeit von schon deutlich über einer Stunde, womit ein neues Album schon mehr als komplett wäre, erklingen noch zwei weitere Stücke, die nicht aus eigener Feder stammen und füllen die CD so wieder einmal bis an den Rand. Und er hat dafür einmal mehr wahre Perlen ausgesucht: >Zeit zu leben< und >Lavender's Blue<.

Der Versuch, aus den etwa 300 Liedern, die Meys lieber Freund Klaus Hoffmann bereits schrieb und aufgenommen hat, das schönste herauszusuchen, wäre so sehr zum Scheitern verurteilt, wie jede Besten-Kür (siehe oben). Aber >Zeit zu leben< gehört ganz sicher ganz weit nach oben! Das Stück, was vor 25 Jahren auch dem Album den Titel gab, entfaltet eine fast schwebende, zwischenweltliche Atmosphäre, eröffnet bei aller Melancholie Trost und Perspektive – sagenhaft. Diese neue Mey-Version unterstreicht diese Wirkung noch (ohne das Original deshalb in Verlegenheit zu bringen), weil Victoria Mey mit ihrer Stimme den Gesang ihres Vaters gefühlt umarmt. Es mag auch an der sehr guten Arbeit des Toningenieurs liegen, aber mehr noch ganz sicher an den beiden, die da singen. Wenn Victoria mit ihrer berührend, gleichsam weichen und klaren Stimme im Refrain zu “... nichts bleibt, nichts bleibt, nichts bleibt - kein Ring, kein Gold, kein Leid...“ einsetzt, klingt es, als würde sie die warme, volle Stimme ihres Vaters von hinten sanft umarmen. Das Lied, diese Aufnahme ist wie ein zu Klang gewordenes Traumbild.

Und bevor man noch auf den Gedanken kommen kann, ein Beschwerdeschreiben an Reinhard Mey verfassen zu wollen, warum denn diese schöne Stimme Victorias so wenig erklingt, ist das darauf folgende und letzte Stück des Albums dann sogar ein richtiges Duett von Vater und Tochter. >Lavender's Blue< ist ein uraltes, wunderschönes englisches Wiegenlied und wird somit (wenn man bevorzugt abends noch eine gute Platte hört) zu einem musikalischen Gute Nacht Kuß, wie er liebevoller kaum ausfallen könnte.

Und Politik? Mag sein, daß keines der 15 neuen Lieder sich konkret und im Detail eines der irrlichternden politischen Themen unserer unübersichtlichen Zeit annimmt. Doch genauso gut kann man auch sagen, daß alle 15 Lieder, in Anbetracht der Tatsache, daß Hunderttausende sie hören werden, gesellschaftlich sehr einflußreich sind – im Guten, wie ich meine. Denn man kann wohl davon ausgehen, daß niemand der dieses Album gerne hört und es sich in den eigenen Gedanken entfalten läßt, tags drauf aus Sorge um das Abendland Häuser anstecken wird oder einer Terrororganisation beitritt, menschenverachtende Parteien wählt, Tiere quält oder seine Frau schlägt, andere Menschen aus Gier und Habsucht existenziell ruiniert oder im Schutz der Anonymität in Internetforen hetzt und geifert, nur weil einer anders denkt. Die politische Botschaft lautet klar und unmißverständlich: Seid einander zugewandt, reicht Hände, helft, tröstet und verzeiht, lacht, trinkt Wein und freut euch gemeinsam des Lebens, trotzt dem Irrsinn mit Sanftmut und Freundlichkeit! Eine Partei, deren Mitglieder so eingestellt sind und die für diese Inhalte steht und sich für sie einsetzt, würde ich sofort wählen. Und es wäre im Sinne von Mr.Lee, ganz gewiß!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 14, 2016 1:47 PM MEST


Sagt uns die Wahrheit!: Was die Politiker verschweigen und warum (KiWi)
Sagt uns die Wahrheit!: Was die Politiker verschweigen und warum (KiWi)
von Bernd Ulrich
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wählen wir auch den, der uns die Wahrheit sagt?, 29. April 2016
Bernd Ulrichs Analyse scheint schlüssig. Das mag Weltverschwörungstheoretiker enttäuschen (und wahrscheinlich werden sie ihm deshalb auch nicht glauben, denn er ist ja schließlich hauptberuflich Journalist und steckt diesem kruden Weltbild zufolge ja mit den Strippenziehern düsterster Absichten aus Politik und Wirtschaft unter eine Decke). Wer meiner Inklammersetzung glaubt, braucht dieses Buch nicht zu lesen, denn der hat ja seine Sicht auf die Dinge schon letztinstanzlich festgelegt.
Jene aber, die sich aus der inneren Betrachtung – es stimmt ja, Journalisten erfahren in Hintergrundgesprächen erheblich mehr von Politikern, als diese öffentlich sagen würden - vielleicht doch etwas Aufschluß über die Ursachen der zunehmend ganz offensichtlich die Wahrheit vernebelnden Rhetorik vieler Vertreter der politischen Klasse erhoffen, können einen Erkenntnis- und Verständnisgewinn aus dem Büchlein ziehen. Verständnis ist ausdrücklich nicht gleich Zustimmung!

In der Tat erleben wir in den letzten paar Jahren eine Zuspitzung unterschiedlichster Problemlagen, die die Bezeichnung als Krise tatsächlich auch verdienen, so inflationär der Krisenbegriff schon viele Jahre länger oft auch für Trivialitäten verwendet wird, was die Überschaubarkeit nur noch zusätzlich verkompliziert und zarte Gemüter umso mehr verunsichert. Aber ob nun Finanzmarktkrise, die Krise der Staatshaushalte allzu vieler Euro-Staaten (keineswegs nur Griechenland!), enthemmter Terrorismus im Namen des Islam, ein wild gewordener Kremlchef, der den längst ad acta liegend geglaubten Krieg um Landnahme wieder einführt und den kalten Krieg frevelnd wieder heraufbeschwört (ohne eine, wenn auch geringere Mitverantwortung des Westens dabei zu negieren) und nicht zuletzt, sondern eher allem voran, ein nach Jahrzehnten der lodernden Instabilität nun völlig außer Kontrolle geratener Naher Osten, der – wie uns scheinbar erst jetzt bewußt wird – in unmittelbarer Nachbarschaft zur EU liegt, jede Krise für sich bedürfte höchster Staatskunst sie zu lösen. Und als wäre all das noch nicht genug, strömen “auf einmal“ unkontrolliert Menschen völlig anders gepolter Kulturkreise in einer zahlenmäßigen Dimension in unser Land, daß es vielen glatt Angst und Bange um die abendländische Kultur wird, wovon wiederum politische Strömungen profitieren, die unser tradiertes Parteienspektrum gehörig durcheinanderwürfeln, so daß selbst “große Koalitionen“ mancherorts schon Schwierigkeiten haben noch oberhalb der zum Regieren parlamentarisch notwendigen 50% zu landen. Puh!
Denn während, so schien es, in den vergangenen 25 Jahren, vergleichbare ernstzunehmende krisenhafte Erscheinungen brav im Wartesaal der Geschichte Platz nahmen und wohlgeordnet nacheinander auf die Agenda traten, um von Politprofis mal mehr, mal weniger nachhaltig abgearbeitet zu werden, sorgt die Parallelität der Ereignisse, auch ihre ungewohnte Heftigkeit und Unmittelbarkeit (Krisen waren doch sonst immer schön weit weg!) und zu allem Überfluß auch noch mitunter ihre Asymmetrie und Verquickung untereinander für gehöriges Schwirren im Politikerschädel. Durchaus verständlich.

Der Autor, seit vielen Jahren einer der führenden Redakteure der Wochenzeitung Die Zeit, schiebt den Vorhang zu den berühmt berüchtigten Hintergrundgesprächen ein wenig zur Seite, ohne bloßzustellen und Namen zu nennen. Das in der Bevölkerung virulente Gefühl, systematisch von “denen da oben“ belogen zu werden, erklärt sich zumeist durch eine diffuse Gemengelage aus Ohnmacht, echter Sorge und eigener Ahnungslosigkeit selbst unter Spitzenpolitikern, wie den Problemen zu begegnen sei. Und selbst da, wo Lösungsansätze vorhanden sind, geht die nackte Angst um, der Souverän, das Wahlvolk könnte damit überfordert sein und in unbedacht losgetretener Hysterie durch unverstelltes Aussprechen der Wahrheit alles noch schlimmer und unkontrollierbarer machen – und sei es die schlichte Wahrheit: Wir wissen auch nicht genau und schon gar nicht auf die Schnelle, wie damit umgehen.

Bernd Ulrich leistet damit nicht nur einen Beitrag zum Verständnis zwischen Bürger und Politiker, er ermuntert die Vertreter aller Parteien auch dazu wieder deutlich mutiger zu sein, den Bürgern mehrheitlich mehr politische Vernunft zuzutrauen und sie nicht für angstvolle, wenig belastbare, ja faktisch unmündige Deppen zu halten. Auch keine Antwort zu haben, wird verziehen oder sogar wohlwollend akzeptiert, wenn die Leute den glaubhaften Eindruck von Wahrhaftigkeit spüren. Einer der Gründe, warum Helmut Schmidt so beinah übernatürlich beliebt war, lag ganz sicher auch darin, daß er sich nicht zu schade war, auf manche Frage auch einfach nur schnaufend zu antworten: “Darüber muß ich erst nachdenken.“ um dann fortan zu der Frage schweigend den Frager seiner kurzzeitig einsetzenden Irritation zu überlassen. Die Talkshow-Unkultur, daß jeder universal kompetent zu allem ohne nachdenken zu müssen aus dem Stegreif Phrasen absondert, erweist der Glaubwürdigkeit (und somit in der Verlängerung der Demokratie) keinen Dienst.

Und letztlich und entscheidend ist doch, daß diese Strategie des Drumherumredens und Verschweigens doch genau zu dem führt, was vermieden werden soll. Die Menschen sind nicht dumm, sie merken, daß etwas nicht stimmt und hier und da Entwicklungen außer Kontrolle sind. Wenn sie dann auch noch das Gefühl haben, sie werden belogen, wenden sie sich Akteuren mit schrecklich einfachen Antworten auf komplizierteste Frage zu.

Einen Aspekt allerdings greift Bernd Ulrich leider nicht auf: Die Frage nach der mehrheitlichen (durchaus im Wahlsinne!) Bereitschaft der Bürger, ausgesprochene, auch und gerade unangenehme Wahrheiten zu goutieren. Denn – und auch das gehört zur Wahrheit, leider – jeder Politiker, der jetzt aktiven Generation, mußte miterleben, wie im Laufe der letzten zwei, drei Jahrzehnte und ganz massiv während der Ära Merkel zunehmend große Teile des Wahlvolks unangebrachte Betulichkeit und das einlullende Geplapper von vermeintlicher Alternativlosigkeit in der Wahl der Mittel (ein eklatanter Widerspruch zum Grundwesen der Demokratie!) bevorzugten. Und andererseits klare Worte und Hinweise auf drohende Gefahren in der Zukunft, die es jetzt abzuwenden gelten würde, sich eher als Mühlstein um den Hals eines Kandidaten beim Wahlwettlauf entpuppten. Auch diese bittere Erkenntnis befreit einen Politiker selbstverständlich nicht von seiner moralischen Pflicht zur Wahrheit, dennoch rate ich zur Mäßigung im moralischen Anspruch an sich politisch betätigende Menschen. Es gibt keinen vernünftigen Grund zur Annahme, daß das Einhalten moralischer Regeln unter Politikern verbreiteter ist oder sein sollte als unter allen anderen Bürgern auch. Wer fortwährend erleben muß, daß jener, der sich moralisch fehl verhält durchsetzt und nicht dafür geächtet wird, muß schon beinah übernatürlich viel moralischer Kraft aufbringen, nicht der Versuchung zu erliegen, sein Verhalten dem nicht anzupassen. Wir als Wähler dürfen nicht vergessen, daß nirgends mehr als in einer Demokratie der Satz des französischen Staatsmannes und Philosophen Joseph de Maistre Gültigkeit hat: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

Das Buch ist ein wichtiger Diskussionsbeitrag, dem Autor ist dafür zu danken.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 12, 2016 9:32 AM MEST


Partner und Rivalen: Der Briefwechsel (1958-1992) (Willy-Brandt-Dokumente)
Partner und Rivalen: Der Briefwechsel (1958-1992) (Willy-Brandt-Dokumente)
von Meik Woyke
  Broschiert
Preis: EUR 39,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dreieinhalb Jahrzehnte Dialog, 28. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach mehrfacher Verschiebung des Veröffentlichungstermins, erschien >Partner & Rivalen ' Der Briefwechsel (1958-1992)< dann Anfang Oktober 2015 etwa fünf Wochen vor Helmut Schmidts Tod. Es ist somit die letzte Buchveröffentlichung zu Lebzeiten, die Schmidt als Mann des geschriebenen Wortes erlebbar macht, seine 48.! Und ebenso natürlich Willy Brandt. Im Wortanteil jedoch überwiegt Schmidts Autorenschaft deutlich messbar; sowohl in der Anzahl der Briefe und noch mehr in ihrer Ausführlichkeit und ' ja auch ' in ihrer rhetorischen Brillanz. Schmidt selbst hat diese Veröffentlichung nicht forciert; das Buch erschien darum wohl auch in der wissenschaftlichen Reihe der >Willy Brandt Dokumente<.

In den Wochen zwischen Erscheinen und seinem Tode auf das Buch bei einem letzten Besuch vom ehemaligen Zeit-Chefredakteur Robert Leicht angesprochen, kauzte Schmidt nur den Satz: >>Damit können die nichts anfangen, die uns beide nicht erlebt haben.<<
Vermutlich hatte er damit recht, wie er meistens mit seinen Einschätzungen recht hatte. Das schmälert aber nicht den Wert des Buches!

Für Leser mit einem nur allgemeinen Interesse an Willy Brandt und/oder Helmut Schmidt ist diese wissenschaftliche Gesamtausgabe (vermutlich beinah) aller einander geschriebener Briefe der beiden großen Staatsmänner wohl tatsächlich wenig erhellend. Ein tiefer gehendes Interesse und Vorwissen ist sicher vonnöten, um sich durch die gut eintausend Seiten Briefwechsel und häufig bis zu halbseitigen Fußnotenerläuterungen in kleinster Schriftgröße zu arbeiten. Für politik-historische Recherche ist das Buch allerdings umso mehr ein Gewinn. Dem Herausgeber Meik Woyke ist für seine Fleißarbeit, die umfangreiche Recherche und das akribische Setzen von Fußnoten zu danken. Besser wäre eine solche Veröffentlichung nicht umzusetzen. Die mehrfache Verschiebung des Erscheinens war offensichtlich geboten, um diese Ausgabe in der vorliegenden Qualität abzuliefern. Sie wird der Bedeutung Brandts und Schmidts wissenschaftlich gerecht.

Bei allem fachlichen und parteipolitischen Austausch, insbesondere während der Regierungsjahre (1969-1982), der ohne Hintergrundwissen vermutlich zäh und inhaltlich kaum verständlich ist (obwohl die ausführlichen Fußnoten, wie erwähnt, sehr gute kontextuelle Einordnung ermöglichen), erzeugt der konsequent chronologische Abdruck der Briefe doch auch einen literarischen Reiz, den Verlauf der Beziehung der beiden großen Männer keineswegs nur zwischen den Zeilen nachzuerleben. Hinderlich ist, daß Dialogfäden immer wieder auch abreißen, weil offenbar bei nächster Gelegenheit mündlich vom Adressierten darauf geantwortet wurde. Das kann aufgrund der Natur eines im Entstehen ja nur zur unmittelbaren Kommunikation zwischen zwei Männern gedachten Briefwechsels weder den beiden Briefautoren noch dem Herausgeber Woyke vorgeworfen werden, dem es immerhin gelang, zumindest teilweise in den Fußnoten Verständnislücken durch Recherche zu schließen.

Man mag darüber streiten können, ob der Abdruck selbst oft nur zweizeiliger Geburtstagsglückwünsche in einer solchen Ausgabe nötig sei. Wirklich relevant sind sie natürlich nicht, aber man kann an ihrem Wortlaut doch durchaus auch den inneren Zustand des Verhältnisses zwischen Brandt und Schmidt ablesen, was nach zwischenzeitlich deutlicher Abkühlung und Entfremdung gegen Ende von Brandts Leben vor nun schon bald 25 Jahren sich doch wieder merklich erholte und im Gros als von tiefem gegenseitigen Respekt geprägt beschrieben werden kann, der sich auch in den einander geschriebenen Briefen, selbst im Meinungsstreit, ablesen läßt.

Unabhängig von des Lesers Zuneigung mehr zum einen oder zum andern Schreiber, sticht deutlich heraus, daß Helmut Schmidt stets nicht nur ausführlicher, sondern auch unmittelbarer, konkreter, immer mit direktem Bezug formuliert, während Brandt zu allermeist im Ungefähren und distanzierter bleibt, auch niemals so scharf kritisiert und ebenfalls nie so konkret zuspricht wie sein Gegenüber. So ist diese Veröffentlichung bis hin zur Wahl des Fotos für den Buchdeckel großartig gelungen. Brandt: politischer Visionär, um allseitiges Verständnis und Ausgleich bemüht, den Blick gedankenvoll schweifend und ungewollt immer etwas distanziert. Schmidt: immer wach und hochkonzentriert ganz bei sich, konkret erklärend, zugewandt ' und natürlich rauchend (damals noch Pfeife). Ein starkes, charakteristisches Motiv auf einem sehr interessanten politischen Dokument zweier großer Staatsmänner.


Sehnsucht bleibt
Sehnsucht bleibt
von Purple Schulz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Anfang war die Sehnsucht. Und sie blieb., 7. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Sehnsucht bleibt (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein naheliegender Irrtum, daß es sich bei >Sehnsucht bleibt< um eine typische Musiker-Autobiographie handeln könnte, so wie es von jedem erfolgreichen Musiker früher oder später eine (Auto-)Biographie gibt, erst recht, wenn ein recht runder Geburtstag ansteht. Naheliegend auch, weil für derartige Bücher gern große Hits des Künstlers im Titel des Buches zitiert werden, wie auch hier. Und doch ist dieses Buch sehr anders: mehr, besser!

Denn Purple Schulz hat sein erstes Buch nicht >Sehnsucht bleibt< genannt, weil ihm mit dem legendären, vor 33 Jahren geschriebenen, um ein Haar, weil als Single von der Plattenfirma für nicht tauglich befunden und als letztes Lied auf einem mäßig verkauften und damals zugegeben auch substanziell insgesamt recht mäßigen Album fast versteckt, glatt untergegangenen, dann ein Jahr später neu aufgenommenen >Sehnsucht (Ich will raus!)< sein erster großer Hit gelang, dem im Verlauf der Jahre noch etliche folgen sollten. Der Titel ist kein Zugeständnis an das Marketing, sondern begründet sich, so wie es auch sein sollte, im zentralen Thema des Buches. Ohne sich dessen damals beim Schreiben des Liedtextes schon bewußt gewesen zu sein, ist Sehnsucht unterbewußt wohl schon immer sein Lebensthema gewesen, wie in den Reflexionen jetzt deutlich wird; Motivation für jeden neuen Tag sowieso. Und das Buch, so scheint es, mehr ein Bestreben, den Blick der Leser auf die eigenen Sehnsüchte zu lenken, vielleicht gerade auf die lange verschütteten; und auch auf die anscheinend unerfüllbaren.

Natürlich erzählt Purple Schulz anhand von Stationen und Begebenheiten seines Lebens. So ist das Buch dennoch in jeder Zeile 250 Seiten lang autobiographisch, aber eben ohne in den Lebenslauf abhandelnden Stil einer typischen Biographie zu verfallen. Was noch wichtiger, weil durch und durch angenehm ist: ohne sich von dem gefährlichen Virus der Selbstüberhöhung infizieren zu lassen, an dem leider viele Autobiographien vor lauter aufgeblasener Inszenierung letztlich elend zugrunde gehen. Schulz stapelt eher tief, wenn einer der zahlreichen großen Erfolge der 80er und 90er Jahre in einem Kapitel anekdotisch doch eine Rolle spielt.
Neben mindestens vier großen Hits, die vermutlich beinah jeder Erwachsene im deutschen Sprachraum kennt (egal ob er sie nun mag oder nicht und eigentlich lieber finnischen Metal oder italienische Klassik hört), addiert sich die Zahl allgemein bekannter Songs locker zum Dutzend, die jedem bei seinem Namen sofort in den Sinn kommen, der Musik in seiner Muttersprache bevorzugt und die einen nicht nötigt das Hirn zu deaktivieren, um Gefallen an ihr zu finden. Dazu (und noch viel wichtiger im Grunde) eine ganze Reihe Alben, die in den 15 Jahren zwischen 1984 und 1999 entstanden, die sich hunderttausendfach verkauften und ihm teilweise auch goldene Schallplatten an den Wänden bescherten (die damals, das nur nebenbei, nicht wie heute bei 100.000 verkauften Exemplaren dem Künstler öffentlichkeitswirksam vor den Latz geknallt wurden, sondern erst beim Überschreiten der Marke von einer Viertelmillion!). Doch genau zu eben jenen goldenen Schallplatten, über deren Erhalt er sich natürlich freute, resümiert Schulz lakonisch nach einer erheiternd, erhellenden Anekdote über Hochgebirgsketten noch glatt überragende Wertschätzung seitens der Plattenfirmen versus ihren Künstlern: 'So 'ne Goldene ist nämlich auch nur 'ne Wurst.' Also selbst an jenen Stellen, wo sie ohne Not unterzubringen gewesen wären, gibt es keine ausgeschmückten Schilderungen vom wilden Dasein als Popstar.

Denn der ist Purple Schulz nicht. Gar nicht, weil bis 2012 unglaubliche 13 Jahre lang kein neues Album, keine neue Single erschien und demzufolge natürlich auch keine Präsenz in den Charts zu verzeichnen war, was sicherlich einen Teil seiner Popularität verdunsten ließ. Er war es auch vorher nicht, auch wenn Top10-Hits, Heavy-Rotation im Radio und goldene Schallplatten als Indizien dagegen sprechen. Purple Schulz war und ist in erster Linie ein geerdeter Mensch und wenn auf der Bühne, dann ein authentischer Künstler, kein Pop-Kasper. Vielleicht brauchte es die lange Veröffentlichungsabstinenz, um sein Publikum dahingehend zu filtern. Hits wie >Verliebte Jungs< oder >Schöne Leute< sollten ja durchaus mit Vorsatz ein gutes Gefühl im Lande verbreiten, in dem Lebensfreude vor lauter pflichtbeflissener Geschäftigkeit ohnehin oft arg kurz kommt, geschweige denn müßte er sich für diese Songs entschuldigen. Im Gegenteil. Sie waren ein wesentlicher Beitrag den Beweis zu führen, daß man die Deutschen tatsächlich auch unterhalten kann, ohne ihnen schunkelsinnige Schlagervorhersehbarkeiten zu präsentieren. (Diesbezüglich entwickeln wir uns in den letzten Jahren augenscheinlich eher wieder zurück.) Dennoch trugen sie offenbar zu einem Mißverständnis bei. Schon bei den hunderten Duo-Konzerten zu Beginn des neuen Jahrtausends, den 150 Konzerten der >Gemeinsame Sache -Tour< mit Heinz Rudolf Kunze zwischen 2007 und 2010, und noch mehr auf dem Rückkehr-Album 2012 >So und nicht anders<, dem wiederum eine Tournee mit 140 Konzerten folgte, ist es überdeutlich erlebbar und erfühlbar: Da will jemand Menschen wirklich erreichen, wenn's gut läuft sogar berühren, und ihnen keine Show vorsetzen, die sie mit Pop-Attitüden einlullt. Es sind eben diese Facetten, die man vor allem im Buch findet ' den Menschen, den authentischen Künstler, bereit alle Emotionen aufzugreifen und auszuloten, frei von Genre-Schablonen.

Sein Lachen und seine Lebensfreude sind echt und können Menschen anstecken und mitreißen. Seine Melancholie ist es auch und dringt tief in die Seelen jener, die es zulassen. Selbst wenn man ihn auf seine beiden größten kommerziellen Hits reduzierte (was man tunlichst unterlassen sollte!), zeigt sich dennoch diese selten große Spannweite. >Sehnsucht (Ich will raus)< und >Verliebte Jungs< - der ganz sicher ergreifendste und der vielleicht fröhlichste Pophit Mitte der 80er Jahre stammen beide vom selben Absender! Da ist dennoch kein Widerspruch. Führt nur zu einem Problem mit dem Feuilleton, was einem eine erfolgreiche, leichte Nummer niemals verzeiht. Gute Laune?! Igitt!

So grinst man beim Lesen von >Sehnsucht bleibt< häufig vergnügt in die Seiten und hält wiederum alle paar Seiten auch versunken inne, um über das Gelesene eigenen Gedanken nachzugehen. Letzteres unterscheidet das Purple Schulz Buch von typischen Autobiographien. Er breitet eben nicht nur sein Leben aus, sondern teilt seine Gedanken mit dem Leser und fordert geradezu den imaginären Dialog. Im Buch sind Unterkapitel, in denen er völlig von der anekdotischen Berichterstattung aus seinem Leben abweicht und sinnierend fortfährt, beispielsweise über den Generationenkonflikt seiner eigenen Generation mit der seiner Eltern, über 9/11, über seine Vorstellung von der DDR und der Korrektur dieser Vorstellung als er das erste mal dann wirklich da war (und über ein geklautes und in den Westen geschmuggeltes und später auf dem Klo aufgehängtes Honecker-Bild), über die fast unwirklichen Gefühle und die Freude über den Fall der Mauer und später dann die Fassungslosigkeit, als einige der im 'real existierenden Sozialismus' sozialisierten Mitmenschen nur wenige Jahre später das eng sitzende Korsett der kommunistischen Erziehungen abstreiften und plötzlich den Herrenmenschen in sich entdeckten und die ungeschminkte Gräßlichkeit dumpfen Fremdenhasses aus ihren Gesichtern stierte, während sie Täter bejubelten, die Häuser in Brand setzten, in denen wehrlose Menschen waren.
All diese sinnierend gefüllten Seiten, über Themen, die nicht unmittelbar und exklusiv nur Teil seines Lebens sind, sondern die er lediglich miterlebte, wie wohl je nach Alter auch die meisten Leser, machen dieses Buch so wohltuend besonders und eben zu weit mehr als nur einer Autobiographie. Es verknüpft sich immer wieder mit der Sehnsucht. Oft nur unterschwellig, manchmal kaum zu bemerken, ist sie doch da, immer, ist sie der Grund für unser Handeln, für Gefühlsregungen. So läßt es kaum wundern, daß auch der Tod einen gewichtigen Part zwischen den Buchdeckeln einnimmt. Seines Vaters, seiner Mutter, seines Schwiegervaters, guter Freunde... Und wenn auch schmerzlich, ist auch in diesen Berichten Sehnsucht zentral. Purple Schulz verliert sich keine Zeile lang in Rührseligkeit, aber er berührt und öffnet dem Leser Raum für eigenen Gedanken.

Der Charakter eines Menschen offenbart sich bekanntlich vor allem in seinen Brüchen, im Scheitern und Versagen oder besser: im Umgang damit. So konnte Purple Schulz kaum ein autobiographisches Buch vorlegen und seinen langjährigen musikalischen Partner Josef Piek unerwähnt lassen. Mehr als drei Jahrzehnte war Piek neben ihm auf der Bühne an der Gitarre, Co-Autor der meisten Songs und gerade auch der großen Hits (allerdings nicht von >Sehnsucht<) und sicherlich über viele Jahre auch ein persönlicher Freund; wie sollte es anders sein. War. Seit 2011 gehen sie getrennte Wege. Und obwohl die Trennung schmerzlich verlief, beschränkt sich Purple Schulz auf das Beleuchten der Gefühle, die ihn in diesem Zusammenhang füllen, nennt Faktisches nur soweit nötig, um zu verstehen, aber versteigt sich nicht ansatzweise zu einer Abrechnung. So ein Kapitel kann nur bitter sein, aber man liest keinen Groll, nur Verletztheit, keine Vorwürfe, nur Fragen und Beweggründe für das eigene Handeln. Daß diesen Beweggründen auch Sehnsucht Pate stand, muß inzwischen wohl kaum mehr herausgehoben werden. Sehnsucht nach Kreativität, nach Unbeschwertheit, nach Harmonie, nach Wertschätzung...

Was war nun die Motivation für das Buch und warum gerade jetzt? Purple Schulz äußert sich dazu im Buch nicht konkret. Aber was auch immer ihn getrieben haben mag 250 Seiten lang über Sehnsucht nachzudenken und dabei auch Begebenheiten seines Lebens zu schildern: es war eine gute Idee! Am Ende des Buches hat man das Gefühl ein sehr gutes Gespräch geführt zu haben. Er hat von sich berichtet und gesagt, was er zu vielen Themen fühlt und denkt, hat den Leser aber suggestiv ständig animiert selbst nachzudenken, den Blick immer wieder mal vom Buch abzuwenden und den eigenen Sehnsüchten nachzuspüren. So entsteht gefühlt ein Dialog.

Mag sein, daß der im Laufe dieses Jahres anstehende 60. Geburtstag zumindest auch ein Grund für ihn war, einmal mit Muße über Lebensstationen und vor allem die ihn treibende Sehnsucht nachzudenken und ein Buch daraus werden zu lassen. Klappt man es aber nach der letzten Seite zu und läßt die stärksten Eindrücke noch einmal Revue passieren, dann beschleicht einen doch der ausdrücklich angenehme Verdacht, Purple Schulz hat dieses Buch nicht mit Blick auf die 60 geschrieben, sondern der 30 wegen. Das zweite wichtige Jubiläumsdatum in diesem Jahr ' und wenn man zwischen den Zeilen richtig liest: das für ihn noch wichtigere. Im Februar 1986 trat eine junge Dame namens Eri in sein Leben. Ihr Name fällt auf den folgenden Seiten häufiger als jeder andere. Sie ist wichtig, sie ist wesentlich. Und zwischen den Zeilen, wenn wieder einmal von einer turbulenten Lebenssituation die Rede ist, werden nicht duftende rote Rosen zu schnulzendem Geigengefiedel gestreut, sondern zwischen allen Zeilen steht als unsichtbare Fußnote immer wieder: Danke, daß du da bist, daß du mit mir bist. Gerade darum wird aus dem Buch auch im weiteren Verlauf keine Schmonzette pilcherschen Ausmaßes. Es zeigt nicht mehr und nicht weniger, als was wichtig ist, um heil durch dieses Leben zu kommen und es zumindest an den meisten Tagen als eine recht gelungene Veranstaltung zu empfinden: Liebe, Vertrauen und immer eine Dosis Sehnsucht.


Ein echter Helmut Schmidt: Alle kleinen Geschichten über einen großen Mann
Ein echter Helmut Schmidt: Alle kleinen Geschichten über einen großen Mann
von Jost Kaiser
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwei kleine nur mäßig gelungene Büchlein ergeben auch zusammen nur ein mäßig gelungenes Buch, 10. November 2015
Nun, man kann es sich einfach machen: Man nehme das Ende 2012 von Jost Kaiser veröffentlichte kleine Buch "Als Helmut Schmidt einmal..." mit 55 vermeintlich witzigen Anekdoten über den berühmten Staatsmann und dann nehme man noch das vom selben Herren ein Jahr später zusammengeschriebene kleine Buch namens "Typisch Helmut Schmidt" mit im zweiten Anlauf zwar nur 50, dafür aber geringfügig längeren, leider aber auch wieder überwiegend nur gewollt witzigen Anekdoten; füge sie beide gemeinsam in ein Paperbackformat, schreibe den Titel "Ein echter Helmut Schmidt" drauf, neues Foto - fertig. Legitim, aber das Ergebnis wird dadurch nicht besser.

Um der Sache gerecht zu werden, verfahre ich einfach ganz genauso (was der Heyne Verlag und Jost Kaiser können, bekomme ich ohne Not auch hin) und fasse meine beiden Rezension zum jeweiligen Büchlein ebenfalls einfach zusammen, fertig.

--- 1) Jost Kaiser - Als Helmut Schmidt einmal (2012) ---

Die Idee war besser als ihre Umsetzung

Sich Helmut Schmidt einmal nicht staatsmännisch zu nähern, sondern einfach ein paar Anekdoten zusammenzusammeln, die schmunzeln lassen oder die man so von dem rationalen Hanseaten nicht erwartet hätte, ist eine gelungene Idee. Daß Schmidt, bei aller Überlegtheit, moralischer Integrität und Ernsthaftigkeit, die ihn auszeichnet, auch zuweilen einen gewaltigen Schelm im Nacken mit sich führt, blitz immer wieder unübersehbar und unüberhörbar auf, noch heute. Und wohl auch damit begründet sich seine enorme Beliebtheit. Da ist zu Recht zu vermuten, dass es aus diesem langen Leben die ein oder andere schelmische Begebenheit noch nicht zwischen zwei Buchdeckel geschafft hat.
Die Idee des Autors Jost Kaiser, derlei konzentriert in einem Büchlein zusammenzufassen, ist fraglos gut. Nur an der Umsetzung hapert es dann doch etwas.

Zwar sind von den 55 Begebenheiten, die auf ungefähr 100 kleinen Buchseiten geschilderten werden, tatsächlich die allermeisten einer breiten Öffentlichkeit wohl unbekannt, aber etwa die Hälfte davon hätte es auch bleiben können. Einige der Erzählungen sind so bestürzend banal, dass man sie glatt noch mal liest, weil man glaubt, die Originalität der Situation nur nicht mitbekommen und irgendwie überlesen zu haben. Dem ist nicht so, da ist wirklich nichts. Dafür kann Schmidt nichts, aber der Autor muß sich fragen lassen, warum er dergleichen nicht einfach draußen gelassen hat.

Und bei jenen "Als Helmut Schmidt einmal... - Geschichten", die wirklich erzählenswert sind, Sie ahnen es - ebenfalls etwa die Hälfte, ist die Kürze der Abhandlung meist sehr ärgerlich. 55 Geschichten auf 100 Seiten, (kleinen wohlgemerkt, das Büchlein hat etwa A6 Format) da wirkt vieles wie zusammengetragene Stichpunkte, die mit ein paar Füllworten ausgarniert als Sätze vor sich hin holpern. Wirklich gut ist der Schreibstil nicht und müht sich an zu vielen Stellen - meist bei den ohnehin eher banalen Anekdoten - durch eigene humorige Formulierungen, dem ganzen etwas Grund zur Existenz zwischen die Zeilen zu kleistern. Gelingt meist auch nicht, wirkt gezwungen und gestelzt.

Weniger Geschichten, besser und ausführlicher dargestellt, hätten ein besseres Buch ergeben. So bleibt es eine gute Idee, die in schöner Aufmachung als fertiges Buch für Menschen, die Helmut Schmidt mögen und wertschätzen in Anbetracht des recht geringen Preises in Ordnung geht, weil man tatsächlich ein paar mal Schmidt vor sich sieht und nur durch ein leichtes Zucken in seinem Mundwinkel erkennbar wird, dass er den ausgeheckten Schabernack gerade genießt.

--- 2) Jost Kaiser - Typisch Helmut Schmidt (2013) ---

Besser als der erste Versuch

Mit auf den Tag genau einem Jahr Abstand folgt dem Büchlein "Als Helmut Schmidt einmal..." nun das Büchlein "Typisch Helmut Schmidt"; beide von Jost Kaiser, beide bei Heyne erschienen. Dass es die Fortsetzung nun gibt, ist wohl dem (nicht ganz unerwarteten) Erfolg des Erstlings geschuldet und erfreulicher Weise ist das zweite kleine Buch auch insgesamt etwas besser geraten, wirklich nötig war es dennoch nicht.

Im Wesentlichen gilt all das vor einem Jahr zum ersten Buch von mir geschriebene auch für das neue kleine Buch "Typisch Helmut Schmidt". Allerdings - und das soll lobend erwähnt werden - sind es diesmal fünf Geschichten weniger auf 15 Seiten mehr bei gleicher Schriftgröße. Macht 25% mehr Ausführlichkeit pro Anekdote und das steigert die Qualität tatsächlich messbar. War der Schreibstil bei der ersten Anekdotensammlung doch sehr oft ein ziemliches sprachliches Stakkato, formuliert Jost Kaiser im zweiten Anlauf doch wohltuend wortreicher, was vor allem der Wirkung seines eigenen eingestreuten Humors guttut. Jener wirkte in "Als Helmut Schmidt einmal..." zuweilen arg hölzern und bemüht. Der Stil ist hier ganz klar besser und man lacht auch über Formulierungen des Autors, nicht nur über die ein oder andere witzige Begebenheit im Zusammenhang mit Schmidt.

Das Problem der Entbehrlichkeit etlicher der 50 kurzen Geschichten (weil einfach völlig belanglos), trifft dieses Buch allerdings wie auch das Buch vor einem Jahr, vielleicht mit minimal verbesserter Quote. Aus den 105 Episoden beider Bücher, hätte man die 40 unterhaltsamsten herausfiltern sollen und sprachlich noch etwas mehr ausgarniert, dann wäre ein wirklich sympathisches, kurzweiliges Buch daraus geworden, was Helmut Schmidt einmal nicht staatstragend in Szene setzt, sondern seine Komik - sowohl seinen gewollten sarkastischen Humor, als auch die vielleicht nicht immer von ihm als humorig gedachte Kauzigkeit - zum Thema hat.

Hinzu kommen einige faktische Fehler, die den Eindruck nähren, der Autor hat ohne allzu sorgfältig zu recherchieren nur schnell den Nachfolger für den Verkaufserfolg des Vorjahres pünktlich zum Weihnachtsgeschäft fertig bringen wollen. Nichts schlimmes, aber unnötig (Schmidt hat beispielsweise niemals behauptet, in China sei auf absehbare Zeit eine Demokratie nach unserem Verständnis zu installieren. Das ist Unfug. Das komplette Gegenteil ist von ihm wieder und wieder zu hören, einhergehend mit der Ermahnung, uns unsere westliche Besserwisserei zu verkneifen und dabei so zu tun, als wäre nur unsere (sehr junge) Gesellschaftsordnung, das einzig glückbringende Modell.).

Dennoch, wer an "Als Helmut Schmidt einmal..." Gefallen fand, wird an "Typisch Helmut Schmidt" noch mehr seine Freude haben, denn es fällt insgesamt lesenswerten aus. Eine besonders herausragende Erscheinung in der Reihe umfangreicher Literatur, die es von und über Helmut Schmidt gibt, sind beide Bücher allerdings nicht, aber das war wohl auch nicht der Anspruch.


Lieder von Freunden
Lieder von Freunden
Preis: EUR 16,99

74 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dringlichste aller Reinhard Mey Kompilationen, 6. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lieder von Freunden (Audio CD)
Es ist Zeit, einmal ausdrücklich zu würdigen, daß Reinhard Mey schon seit Jahrzehnten eine inflationäre Auswertung seines Werks verhindert. Auswerten meint im Musikindustrie-Jargon, ein und dieselben Aufnahmen immer wieder auf neuen Veröffentlichungen zu platzieren und damit wiederholt neues Geld einzuspielen, ohne nennenswerte neue Produktionskosten auszulösen. Kurz: alle Jahre wieder eine “Best of“, “Greatest Hits“, “Ultimative Collection“ oder “diesmal aber wirklich die alleralleraller größten Erfolge“ auf den Markt zu bringen. Die Hörerschaft schimpft dann gern auf den Künstler, weil dieser vermeintlich vor Gier sabbernd den Hals nicht voll kriegen kann, dabei können die armen Musikanten (nicht immer, aber oftmals) gar nichts dafür. Sie haben einfach beim Unterschreiben des Plattenvertrags gepennt oder hatten noch nicht den Status dort eine Klausel einzufügen, die dieses verramschende Treiben unterbindet. Jahre später, inzwischen häufig lange bei einer anderen Firma vertraglich gebunden, tobt sich das alte Label aus und veröffentlicht mehr Sampler als es offizielle Alben je gegeben hat. Gerade beim Umgang mit Musikern aus Reinhard Meys Generation, deren frühen LPs bereits Christoph Kolumbus mit an Bord der Santa Maria hatte; ihnen so andächtig lauschend, daß er glatt den Kurs nach Indien verpeilte und versehentliche Amerika entdeckte; ist diese fragwürdige Veröffentlichungspolitik häufig zu beklagen.

So nicht bei Mey; dafür hat er Sorge getragen (und ganz sicher auf eine Menge Geld verzichtet). Wann immer es in den letzten 30 Jahren mal ein zusammengestelltes Album mit bereits zuvor veröffentlichen Liedern gab, dann einte diese stets eine Reihe von Parametern:

1) es waren keine stupiden Aneinanderreihungen von Hits in was auch immer für Charts
2) es einte sie stets ein thematischer Bogen (Kinderlieder, Liebeslieder, Lebenslieder, Tierlieder)
3) sie waren in Aufmachung und Auswahl immer liebevoll er- und durchdacht
4) zwischen den Veröffentlichungen lagen stets etliche Jahre
5) der Erlös ging immer an karitative Einrichtungen; selbst an diesen bedachten und mit Sinn erfüllten Zweitauswertungen hat sich Mey nicht bereichert (was ja keineswegs unmoralisch wäre; das nebenbei. Künstler dürfen auch Geld verdienen.)
6) sie nötigten niemanden, der gern alle Lieder des Künstlers im heimischen Plattenschrank haben möchte, zum Kauf, denn sie enthielten ausschließlich den offiziellen Alben entnommene Aufnahmen
7) deshalb besitze ich auch keines davon, denn ich hab ja alle Alben im Schrank (was ich von Tassen leider nicht durchgängig behaupten kann)

Die ersten fünf Punkte gelten auch für “Lieder von Freunden“. In den letzten beiden aber unterscheidet es sich ganz wesentlich. Zum einen: ich hab's. Den anderen Punkt betreffend, müsste ich jetzt, um im Wortlaut zu bleiben, von Nötigung reden; das wäre eine reichlich unglückliche Formulierung. Sagen wir dringlich. “Lieder von Freunden“ ist von allen Mey-Sammelalben das dringlichste. Weil es angefüllt ist mit 16 Liedern, von denen kein einziges einem seiner 26 regulären Alben bis dato entnommene wurde; acht Stücke sind hier überhaupt erstmals veröffentlicht, die andere Hälfte erschien lose verteilt im Laufe der letzten 20 Jahre zu verschiedenen Anlässen; meist als Gastbeitrag Meys auf Hommagen oder Tributen-Alben ihm angenehmer Kollegen.

Aufgrund der 16 unterschiedlichen Autoren; jeder für sich hat natürlich schon eine eigene, ganz andere Handschrift als Mey selbst; erlebt man ein Reinhard Mey Album, was in sich so divers ist wie kein anderes. Und es sind ganz wunderbare, so kaum vermutete Sachen darunter. “The book of love“ zum Beispiel, von der Indie-Rock-Band The Magnetic Fields, was Mey gemeinsam mit seiner Tochter einfach nur ganz wunderbar im Duett aufnahm; das so zart, so schön gelang, daß ich es glatt noch der ebenfalls sehr berührenden Interpretation vom großen Peter Gabriel (auf seinem vor fünf Jahren veröffentlichen Album “Scratch my back“ zu finden) vorziehe. Kein verkitschtes Vater-Tochter-Duett, sondern aufrichtig tief berührend, wie zwei Seelen, die im Einklang schwingen. Wirklich groß.
Oder “Zauberland“ von Rio Reiser. Rio hätte Tränen in den Augen, wenn er diese an Eindringlichkeit kaum mehr steigerbare Version von Mey hören könnte (vielleicht kann er; ich wünsche es ihm).
Oder der liebe Gruß an den alten, lieben und persönlichen Freund Klaus Hoffmann. Mey schrieb zu seinem Klassiker “Mein Weg ist mein Weg“ (wurde vor einigen Jahren auch von Nena adaptiert), mit dem Hoffmann beinah jedes Konzert als allerletzte Zuzuzugabe beendet, einen französischen Text. Mey singt Hoffmann auf Französisch, dazu ein perlendes Klavier – mehr Chanson geht nun wirklich nicht. Oder der jüngste Beitrag, im vergangenen Jahr für einige Wochen aus aktuellem Anlaß nur auf Meys Homepage abspielbar: “Le Déserteur“ von Boris Vian.
Oder gleich der Einstieg in die Platte mit “Bitte gib mir Feuer“ von Ulrich Roski. In einem Arrangement, was fast vermuten läßt, Carlos Jobim hätte im Studio Regie geführt. Mey klingt hier mit wie einer vom Rauch gefärbten Stimme so lasziv, ja sexy, wie auf keinem anderen seiner je von ihm aufgenommen eigenen Stücke. Ungewöhnlich, toll.

Man kommt aus dem Staunen, Schmunzeln, Berührtsein eine gute Stunde lang nicht raus. Denn auch wenn es sich eigentlich nur um ein Sammelsurium aus etlichen Jahren handelt, hört man doch unentwegt zuvor Unbekanntes (es sei denn man kennt den einen oder anderen der acht Beiträge, die irgendwo schon mal auftauchten, bleiben immer noch mindestens acht komplett unveröffentlichte ganz sicher Unbekannte). Es ist also fast als wäre es das 27. reguläre Studio-Album Meys und versüßt auf jeden Fall aufs angenehmste die Wartezeit bis zum in einem halben Jahr dann wirklich erscheinenden 27. Mey-Album mit dann wirklich neuen und natürlich wieder selbst erdachten Liedern, an denen er zur Zeit vermutlich fleißig schreibt und werkelt.

Und nur der Vollständigkeit halber und der Korrektheit wegen, sei eingeräumt, daß eine Pressung von 4.000 Exemplaren der “Lieder von Freunden“ (allerdings in anderer Aufmachung und mit einem Lied weniger) bereits vor zwei Jahren als Zugabe der opulenten “Jahreszeiten Box“ (eine Werkschau, die alle bis dato veröffentlichten Studioalben enthielt) in den Umlauf kam. Aber bevor jetzt jemand eine Anti-Kommerz-Demo anzettelt – Entwarnung! Denn Punkt 5 der Liste oben galt nicht nur für die gesamte Box vor zwei Jahren, sondern gilt auch jetzt für die um “Le Déserteur“ erweiterte Einzelveröffentlichung der “Lieder von Freunden“, die nur sinnvoll ist, weil es ein Jammer gewesen wäre, wenn auf Dauer nur 4.000 Hörer in den Genuß dieser überaus gelungenen Adaptionen gekommen wären.

Mey spendet seinen Erlös aus dieser Veröffentlichung der Flüchtlingshilfe der SOS-Kinderdörfer. Noch ein Grund mehr, die Platte zu kaufen, auch wenn die Musik als Grund schon genügen würde.
In einer Zeit, in der man als empfindsamer Mensch allein die eigene innere Spannung manchmal bis zum Zerreißen spürt, von der gesellschaftlichen Spannung ganz zu schweigen; den Wunsch helfen und Not lindern zu wollen einerseits, die absolut auch verständliche Sorge vor zivilisatorischer Überlastung andererseits, als nur schwer vereinbare Gegenpole wahrnimmt, sind solche Beiträge sehr wichtig. Der Haltung dahinter wegen, und natürlich auch der effektiven monetären Hilfe. Denn es ist letztlich vollkommen egal, wo man politisch steht; in einem Punkt sollte doch wohl bitte Einigkeit herrschen: die Flüchtlinge, die da sind, brauchen für einen gelingenden Neubeginn ihres Lebens unsere Unterstützung. Und wer nicht mehr als Kinder? Und wo fällt Zuneigung auf fruchtbareren Boden, wenn nicht bei Kindern, die eine sehr feine Sensorik haben für offene Freundlichkeit oder abweisende Distanziertheit? Der notwendige Aufruf zur Integration, bedeutet nicht nur das sich integrieren derer, die neu einziehen in das Haus, sondern auch den Willen derer, die schon lange dort wohnen, jene sich integrieren zu lassen. Eine helfende Hand und ein freundliches Gesicht wirken da oft Wunder.

Wer meint, der letzte Absatz hat in einem Rezensions-Artikel zu einem Musik-Album nichts zu suchen, hat grundsätzlich recht. Aber meines Wissens wurde die ehrwürdige Semper-Oper ursprünglich auch nicht als eindrucksvolle Kulisse für schwer verdauliche Thesen besorgter Bürger gebaut und wird dennoch dafür genutzt. Mein Bedürfnis nach Freiheit und dem unbedingten Recht auf freie Meinungsäußerung geht ohne wenn und aber soweit, daß ich von mir selbst erwarten muß, auch ums Abendland besorgte Bürger wöchentlich beim Spaziergang auszuhalten (solange sie keine Galgen tragen!). So wird gewiß auch jeder meinen letzten Absatz aushalten, auch wenn bei ihm vielleicht die Skepsis vor zuviel Fremdem überwiegt. Wenn er selbst zu den Werten steht, um die er sich sorgt, sollte das keine Schwierigkeiten bereiten.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 16, 2015 5:26 AM CET


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