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Beiträge von maria
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Rezensionen verfasst von
maria (köln)

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Das achte Leben (Für Brilka)
Das achte Leben (Für Brilka)
von Nino Haratischwili
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,00

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das große Leiden, 3. Januar 2016
Gelitten wird viel in dieser knapp 1300 Seiten umfassenden Geschichte einer georgischen Familie. Gelitten habe ich am Ende auch.
Es ist alles ein bisschen 'zu viel' von allem - zu viel Pathos, zu viele zerquälte Dialoge, in denen Beziehungen noch und nöcher durchgekaut werden, zu viel bis ins Detail geschilderte Brutalität. Ja, ja, das mag alles realistisch sein, dieses Leiden war real im stalinistischen Osten (genauso real wie das Leiden davor und danach in allen Teilen der Welt und zu allen Zeiten) - aber möchte ich deshalb immer wieder davon lesen? Zumal sich bei mir der ungute Verdacht einstellt, dass hier der Masochismus zum Selbstzweck gerät.
Warum zwei Sterne? Die Erzählerin beweist immerhin einen langen Atem und verleiht diesen vergangenen Leben eine erzählerische Würde; sie zeigt den lebenslangen Kampf der Urgroßmutter Stasia, den Kampf ihrer Tochter Kitty gegen Grauen und Brutalität und wie sie letztlich daran scheitert. Beides erscheint mir wahr und realistisch.
Dagegen steht leider viel Unrealistisches, dick Aufgetragenes: das unsägliche Schokoladen-Motiv - die Metaphysik der klebrigen Süßigkeit hat sich mir leider bis zum Ende nicht erschlossen -, Kittys Karriere als Sängerin (ganz unrealistisch!), die vielen 'Zufälle', die ständig wiederkehrenden Muster (z.B. die Verführung eines jungen Mannes durch eine ältere Frau), die vielen, vielen Stilblüten usw.
Das alles mag noch angehen. Doch schier unerträglich war mir am Ende die Stimme der Ich-Erzählerin: wie plakativ wird hier die eigene Genialität und das Leiden an einer ungerechten, bösen Umwelt (vom bösen Großvater, der bösen Halbschwester, den bösen Mitschülern über den bösen Vergewaltiger) erzählerisch ausgeschlachtet. Selbstverständlich ereilt alle diese bösen, bösen Menschen und Umstände das böse, böse Ende, selbstverständlich ebenfalls genüsslich ausgeschlachtet - nach dem Motto: geschieht ihnen recht! Während die Ich-Erzählerin siegreich als Phönix aus der Asche steigt.
Nee - das ist mir alles zu viel und zu dick. Und ich bezweifle, ob das Ganze auf der Hälfte der Seiten besser erzählt worden wäre.


Gegen die Welt: Roman (Taschenbücher)
Gegen die Welt: Roman (Taschenbücher)
von Jan Brandt
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Genial oder banal?, 21. August 2015
Auf Brandts Erstling wurde ich erst nach dem Erscheinen seines zweiten Romans aufmerksam und wunderte mich, wie mir das, glaubt man der Literaturkritik, sensationelle Werk zuvor entgehen konnte. Ich beeilte mich, das Versäumte nachzuholen, aber: sehr viel hatte ich nicht versäumt.
Eine bundesrepublikanische Kindheit und Jugend, angereichert mit obskuren Science-Fiktion-Elementen, Verschwörungs- und Weltuntergangsphantasien, vorgebracht allerdings in einem recht bekömmlichen Stil. Anders wären die 900 Seiten auch kaum zu ertragen. Denn spätestens nach der Hälfte fragt sich auch der geneigte Leser: so what? Was sollen die detailversessenen, seitenlangen Schilderungen irgendwelcher banaler Dialoge, die aber im Schein des versierten Stils beliebig mit Bedeutung aufgeladen werden können - oder eben auch nicht. Ganz nach Belieben des Lesers oder Kritikers. Denn Brandts Roman hat die bemerkenswerte Eigenschaft, dass der Kritiker, wenn er will oder seine Klugheit herausstellen möchte, ganz viel Bedeutungsschwangeres hineinlesen kann. Der Text macht das ohne Weiteres mit, so gesehen ist er eine geniale Projektionsfläche.
Am meisten stören mich die Hauptcharaktere: Dieser Daniel Kuper und seine Dorffreunde sind in meinen Augen nicht nur ziemlich abstoßend, sie sind vor allem eins: banal. Nun ist dieser Daniel eine typische Außenseiterfigur, aber eine von der eher unsympathischen Sorte, seine Rebellion (wenn es denn eine ist) eher verbissene Rechthaberei, seine Freunde großmäulige Brutalos, die einen Jungen in den Selbstmord treiben. Dass am Ende ausgerechnet er (Daniel) im spießigen Jericho zu einer Art Sündenbock-Figur wird, kam mir sehr unrealistisch vor.
Eine Antwort auf die Frage, die ich mir 900 Seiten lang gestellt habe, erhielt ich dann in dem merkwürdigen Abspann, in dem sich ein Erzähler-Ich offenbart, wobei natürlich offen bleibt, ob dieses Ich wirklich der Autor ist (was eigentlich auch nicht wichtig ist). Nein, verraten wird hier nichts, dennoch darf gesagt werden, dass die Geschichte dadurch in ein anderes Licht gerückt wird. Wird sie so stimmiger? Wird das Banale, Alltägliche dadurch aussagekräftiger? Ich zweifle daran. Ein bisschen kommt mir dieser Abspann wie ein Taschenspielertrick vor, und sympathischer wird die Hauptfigur Daniel Kuper dadurch für mich nicht. Eher im Gegenteil.


Kindeswohl
Kindeswohl
von Ian McEwan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebe in Zeiten latenter Bedrohung, 17. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Kindeswohl (Gebundene Ausgabe)
Elegant, intelligent, spannend und am Ende eine etwas fadenscheinige Harmonie - so lautet knapp zusammngefasst mein Leserurteil nach der Lektüre von McEwans neuestem Roman "Kindeswohl".
Einmal mehr entpuppt sich der Autor als ein Meister in der Darstellung der gehobenen britischen Akademikerschicht. Nicht von ungefähr erinnerte mich vieles an "Saturday", einen früheren Roman des Autors, der auf den ersten Blick eine ganz andere Problematik zum Thema hat. Aber nur auf den ersten Blick.
Im Mittelpunkt von "Kindeswohl" steht die angesehene 59-jährige Richterin Fiona Maye, die mit zwei schwer wiegenden Problemen konfrontiert wird. Ein 17-jähriger, totkranker Zeuge Jehovas verweigert aus religiösen Gründen die lebensrettende Bluttransfusion, woraufhin das Krankenhaus die Justiz (und damit die Richterin) einschaltet. Wie es der Romanzufall will, offenbart ihr just im selben Moment Ehemann Jack sein Verlangen nach einer außerehelichen Affäre, wofür er den Segen der Gattin erbittet.
Das Leben der Richterin gerät ins Schlingern, in gewisser Weise wird sie am Ende sogar unschuldig schuldig, aber mit Intelligenz und Professionalität bekommt sie beide Probleme in den Griff. Scheinbar.
Hier liegen McEwans unvergleichliche Stärken, ja seine Meisterschaft: absolut stimmige Charaktere, sachlich fundierte, interessant aufbereitete Hintergründe (die die Problematik der Gegenwart widerspiegeln) und - last but not least - eine wunderbar unaufgeregte, unprätentiöse Erzählerstimme, die sich nie aufdrängt oder dem Leser ihre sprachliche Kunstfertigkeit unter die Nase reibt. Letzteres unterscheidet McEwan wohltuend von vielen deutschen Gegenwartsautoren mit Anspruch. (Dass ich den einen oder anderen sprachlichen Vergleich etwas zu bemüht fand, mindert nicht den positiven Gesamteindruck.)
Der Autor erzählt intelligent und spannend, ohne sich beweisen zu müssen, und das hoffentlich noch sehr lange.
Kleine Einschränkung am Schluss (eine möglicherweise typisch deutsche Meckerei): Am Ende bedient mir McEwan ein bisschen zu sehr das Bedürfnis des Lesers nach Harmonie und happy end. Zwar wird nicht alles "wieder gut", aber das Bewährte, Konservative siegt doch - in gewisser Weise. Und das hinterlässt bei mir einen leicht schalen Nachgeschmack. Bedrohung verdrängt, Abgrund geschlossen, Welt wieder heil.
Mondiano oder Roth wären da vielleicht doch einen anderen Weg gegangen ...


Reise in die Nacht: Ein Fall für Avvocato Guerrieri 1  - Roman
Reise in die Nacht: Ein Fall für Avvocato Guerrieri 1 - Roman
von Gianrico Carofiglio
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel Lärm um (fast) nichts, 15. April 2015
Ehrlich gesagt: Ich finde die Rezensionen spannender als Carofiglios Roman selbst. Warum nur kommt dieses simple Geschichtchen bei so vielen Lesern so gut weg?
Zugegeben: Die Geschichte - ein Krimi ist es ja, wie öfter schon gesagt, nicht - ist ganz gut gemacht. Besonders Frauen werden sich von dem psychisch 'zerzausten', sprich: angeschlagenen Protagonisten angesprochen fühlen. Darüber hinaus stimmen Spannungsaufbau und Atmosphäre. Sprache und Stil lesen sich mühelos. Das ist keine ganz kleine Kunst, das muss der Autor erst mal ordentlich hinbekommen.
So gesehen versteht Carofiglio sein Handwerk.
Mehr aber auch nicht. Sowohl dem Geschichtchen als auch den Figuren fehlt jeder Tiefgang (darin gleichen sie Figuren in Fernsehserien aufs Haar). Sie werden vom Erzähler wie Abziehbilder durch die Handlung geschoben, aber sie sind nicht wahr. Dass sich beispielsweise Depressionen und Alkoholprobleme so leicht lösen lassen, wie im Roman vorgeführt, gehört eindeutig in das Reich der Märchen und des Wunschdenkens.
Aber das kann bisweilen ja auch ganz schön sein.


Ballett in 60 Minuten (Die Welt in 60 Minuten)
Ballett in 60 Minuten (Die Welt in 60 Minuten)
von Julia Piu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Knapp und kurzweilig, 9. März 2015
Ein wunderbares, kleines Buch über die Welt des Balletts. Auf engstem Raum erfährt man etwas über die Geschichte des Balletts, über Tänzer, ihre Ausbildung, ihre Arbeit.
Geschrieben in einer klaren, einprägsamen Sprache mit - vermutlich - Insiderwissen. Das Büchlein liest sich leicht mal zwischendurch und passt in jede Handtasche. (Es ist allerdings so gut, dass es für meinen Geschmack ruhig umfangreicher sein dürfte.)
Eine wohltuende Ausnahme in der Welt der Ballettliteratur, in der man leider allzu viele schlecht geschriebene Darstellungen über berühmte Tänzer und Tänzerinnen findet, die überlaufen vor peinlicher Lobhudelei.


Die Lebenden und die Toten (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 7)
Die Lebenden und die Toten (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 7)
von Nele Neuhaus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Krimi wie Wassereis, 5. März 2015
Ein Krimi wie Wassereis - zuerst liest er sich leicht, hinterlässt aber einen klebrigen, enttäuschenden Nachgeschmack.
In der ersten Hälfte dachte ich: na ja, literarisch nicht überwältigend, aber lesbar, nicht ohne Spannung, man bleibt als Leser bei der Stange. Doch diese - zugegeben etwas herablassende - Zustimmung ließ ab der Mitte immer mehr nach und machte Ungeduld und Missvergnügen Platz. Und ich muss gestehen, dass ich die letzten hundert Seiten nur noch überflogen habe. Der Täter (nein, es wird nichts verraten!) ist keine Überraschung.
Der Roman ist - besonders im ersten Teil - angefüllt mit Klischees, die wirken, als habe sie die Autorin in diversen Frauenzeitschriften, Tatortfolgen und Rosamund-Pilcher-Romanen zusammengeklaubt. Das sind keine lebendigen Figuren, sondern sprechende Abziehbilder. Am deutlichsten wird das bei den unerträglichen Namen: Welcher Kriminalkommissar heißt bitteschön "Oliver von Bodenstein"?! Der übrigens eine "Ex" namens "Cosima" sein eigen nennt, während seine aktuelle Beziehung nicht ganz so anspruchsvoll auf den Hundenamen "Inka" hört (die Dame ist denn auch Veterinärin!). Und auch bei der Kripochefin "Dr. Nicola Engel" ist der Name Programm (bzw. Anti-Programm).
Aber man fällt nicht nur über die Figurenklischees (am deutlichsten sichtbar bei der Figur des Möchtegern-Profilers Neff, der wirklich nur aus Versatzstücken besteht) und Namen; viele Einzelheiten erzeugten bei mir Stirnrunzeln und Zweifel. Selbst wenn man - wie ich - von realer Polizeiarbeit keine Ahnung hat, kommt es einem schon seltsam vor, wenn die Schwester der Kommissarin "einfach so" (per gnädigem Abwinken der Chefin) mitermitteln darf, nur weil sie "zufällig" forensische Psychologin ist. Nee - das ist mir einfach zu konstruiert und unrealistisch für eine Handlung, die nun mal im Hier und Jetzt angesiedelt ist und deshalb auch logisch nachvollziehbar sein muss.
Über das alles könnte man vielleicht hinweglesen, wenn nicht auch die Sprache an vielen Stellen umständlich und gestelzt daher käme und - das ist das Schlimmste - ich mich im letzten Drittel eigentlich nur noch gelangweilt habe. Zu viel unnötig ausgewalzte Einzelheiten und Details und ein für meinen Geschmack zu ratloser und charakterlich blasser Kommissar - dafür gibt's höchstens zwei Sterne.
Wie ein solches Buch zu einem Bestseller werden kann, wissen vermutlich nur die PR-Experten des Verlags und der liebe Gott. Mir bleibt das ein Rätsel.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2017 3:09 PM CET


Pfaueninsel: Roman
Pfaueninsel: Roman
von Thomas Hettche
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

34 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tableau statt Spannung, 24. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Pfaueninsel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein weiterer hoch gelobter Roman, dem ich wenig abgewinnen konnte.
Zwei Sterne gibt es von mir für die Geschichte der kleinwüchsigen Marie, dem Königlichen Schlossfräulein Maria Dorothea Strakon, die als menschliche "Rarität" ihr 80 Jahre währendes Leben auf der preußischen Pfaueninsel zubringen muss. Sie stirbt bei einem Brand im Jahr 1880 und damit schließt sich auch metaphorisch das 19. Jahrhundert und eine neue Zeit bricht an, von der wir heutigen Leser wissen, dass es eine wenig gute sein wird. Die Schilderung dieses Lebens hat anrührende, ja berührende Momente, besonders am Schluss.
Aber sonst? Viele, ja leider sehr viele Passagen empfand ich als ermüdend und langweilig. Da baut der Erzähler Beschreibungen und Schilderungen historischer Gegebenheiten, Gegenständen, Kleidung, Landschaften tableauartig ein - aber wozu? Soll eine vergangene Welt vor den Augen des Lesers lebendig werden? Soll ich gar etwas lernen? Gut und schön, aber als Leser möchte ich lieber gut unterhalten werden. Und dies tut der Roman nicht. Jedenfalls mich nicht. Denn - wie in vielen der sprachlich so kunstvollen neuen Romane - fehlt mir die wirklich interessante, spannende, mitreißende Geschichte. Geschichten, wie sie Mann oder Grass und andere erzählten.
Regelrecht abstoßend fand ich die Passagen, in denen der Erzähler, übrigens wenig erotisch, diverse sexuelle Begegnungen des Schlossfräuleins ausmalt: Als Mensch oder Frau ist sie in diesen Szenen nicht präsent, wohl aber - wegen ihrer körperlichen Beschaffenheit - als eine Art exotisches Objekt. Schön ist das nicht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2015 2:04 PM MEST


Schneckenmühle: Langsame Runde
Schneckenmühle: Langsame Runde
von Jochen Schmidt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kleiner Ostalgie-Shop - sinnlose Runde, 10. Dezember 2014
Unser Literaturkreis las das Buch, also musste ich wohl oder übel durchhalten. Sonst hätte ich den Roman sicher nach spätestens 30 Seiten beiseite gelegt. Und das hätte ich auch ohne schlechtes Gewissen tun können, denn die Handlung wird danach nicht interessanter. Ständig dachte ich: Es muss doch noch was kommen, gleich geht die Geschichte los. Es geht aber gar nichts los.
Der ganze "Zauber" besteht darin, dass Episoden aus dem nicht gerade atemberaubend interessanten Leben in einem DDR-Ferienlager aneinander gereiht weden. Erst ganz, ganz am Ende kommt ein bisschen Spannung auf, als der Ich-Erzähler und Peggy sich etwas näher kommen.
Überhaupt: dem Ich-Erzähler nehme ich den 14-Jährigen nie und nimmer ab. Da reihen sich aufgeschnappte "Weltweisheiten" und nicht zu Ende Gedachtes sinn- und wahllos aneinander. Wie in einem gut sortierten Ostalgie-Shop wird aufgezählt, was die Erinnerung an DDR-Typisches (Produkte und und...) hergibt. Das alles ein bisschen gewürzt mit DDR-Kritik "light" - das tut niemandem weh. Mir ist das zu wenig und ein viel zu dünnes Süppchen, um mich gut zu unterhalten. Denn das Rezept ist ja nicht neu und andere vor Schmidt kochten es wesentlich besser: "Der Fänger im Roggen" und "Tschick" lassen herzlich grüßen.
Man liest, vieles sei komisch gemeint. Na ja. Auch das konnte Herrndorf wesentlich besser.
Und was unseren Literaturkreis betrifft: tiefgründigere Erkenntnisse förderte die Runde auch nicht zutage.


Kruso: Roman
Kruso: Roman
von Lutz Seiler
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von abcversandantiquariat
Preis: EUR 5,00

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Manische Freundschaft und viele offene Fragen, 26. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Kruso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Einigermaßen ratlos blieb ich nach der Lektüre des Romans zurück. Was soll das? Was für eine Geschichte wird hier eigentlich erzählt?
Sprachlich ist der Roman für mich noch am ehesten greifbar: sehr kunstvoll, aber auch ungeheuer detailverliebt, ja versessen wird hier geschildert und erzählt - und zwar die Geschichte des merkwürdigen Studenten Ed, der sich nach dem Unfalltod seiner Freundin G. auf die Insel Hiddensee flüchtet und das justament in der Zeit des Mauerfalls. Dort entspinnt sich eine Freundschaft mit dem noch merkwürdigeren 'Kruso', dem 'König der Insel', zu dem Ed eine fast manische Bindung entwickelt. So weit, so merkwürdig.
Verstanden habe ich, dass es um Freiheit und Unfreiheit geht, auch um das Schicksal der oft namenlos gebliebenen DDR-Flüchtlinge, die versucht haben, über das Meer zu fliehen. Auf Letzeres geht der Autor in einem überlang geratenen und nicht zum Romanstil passenden Epilog minutiös ein. Aber auch der lässt mich ratlos zurück: Was soll das? Wer ist dieser merkwürdige Erzähler? Woher diese Besessenheit, mit der er sich in das Schicksal der Toten verbeißt?
Und vor allem: wer ist dieser Kruso, diese fast mythologisch überhöhte Gestalt? Eine Art 'edler Wilder'? Die äußere Schilderung dieser Figur legt das nahe. Ed, durch dessen Augen wir Kruso sehen, stattet ihn mit allen Attributen eines Helden aus, für ihn ist er eine Art Heilsbringer; er scheint für die Freiheit in der Unfreiheit zu stehen. Da ist es nur konsequent, dass mit dem fortschreitenden Verfall der DDR diese Figur parallel dazu ebenfalls zerfällt und am Ende von seinem ominösen russischen (!) Generalsvater übers Meer abtransportiert wird, wie weiland König Artus über den See in das Feenland Avalon.
Also: steht dieser Kruso für alles, was dennoch gut war in der DDR? Ich weiß es nicht.
Und was ich ebenfalls nicht weiß und woran ich mich bei der Lektüre des Romans gestoßen habe: Woraus nur speist sich der ungeheuere Leidensdruck, der anscheinend die Haupttriebkraft Eds ist? Der Unfalltod seiner Freundin (für den er ja überhaupt nicht verantwortlich ist) kann es doch nicht sein. Was ist bloß mit diesem Ed los? Warum entwickelt er diese manische Bindung an Kruso?
In der ersten Hälfte des Romans hatte ich den Eindruck, dass es auch um latente Homosexualität geht, aber dieses Motiv wird vom Erzähler geschickt ausgehebelt, indem er Ed flugs einen Reigen williger Frauen ins Bett schickt. Diese 'Beziehungen' (sie verdienen die Bezeichnung nicht) bleiben flüchtig und oberflächlich.
Denn wir haben es mit einer eingeschworenen Männergemeinschaft zu tun, die 'Besatzung' des 'Klausners' erinnert nicht von ungefähr an eine Matrosen- oder Mönchsgemeinschaft, in der Frauen keine Rolle spielen. Wie übrigens im ganzen Roman nicht. Diese tauchen - außer als Bettgespielinnen - nur noch als Tote (Eds Freundin G. und Krusos verschwundene Schwester Sonja) auf, um die die Männer einen besessenen (schon wieder!) Totenkult aufbauen. Und diesem Totenkult bleibt Ed bis zum Ende seines - erzählerischen - Lebens treu.
Armer Ed. Äußere und innere Freiheit sind eben doch zwei Paar Schuhe.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 30, 2014 8:15 PM CET


Vor dem Fest: Roman
Vor dem Fest: Roman
von Saša Stanišić
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schön, aber, 24. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Preis gekrönter Roman - verdient, wie ich finde. Aber... Für mich ist das Buch ein typischer 'Ja-aber-Roman'. Man kann ihn gut finden, aber es bleibt ein Vorbehalt.
Bis ungefähr zur Hälfte habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen: besonders Stil und Sprache (an der andere Rezensenten viel auszusetzen haben) sind originell und gekonnt. Gerne ließ ich mich auf die skurrilen Gestalten und Geschichten rund um das Dorf in der Uckermark ein. Vieles erinnert (manches nur von sehr weitem) an große Vorbilder: Kleist, Fontane (wie andere feststellten), aber auch Grass klingt durch. Schön die historischen Einsprengsel - moderne Interpunktion im Dienste der Lesbarkeit stört mich da nicht. Schön auch das Verschwimmen der Grenzen zwischen Realem und Irrealem.
Doch nun das Aber. Als die Hälfte überschritten war, ließ die Spannung nach, und ich hatte den Eindruck, dass die Geschichten begannen, sich im Kreis zu drehen. Nichts kam so recht vorwärts. Was hat sich am Ende verändert? Zu Beginn tauchen interessante Figuren auf, über die man gerne mehr erfahren hätte - was wird aus ihnen? Entweder werden sie gar nicht mehr erwähnt oder nur knapp. Und überhaupt: mir fehlt die Geschichte. Zwar werden viele, viele kleine Geschichten erzählt -mosaikartig setzt sich das Bild vom Dorf zusammen -, aber wo bleibt die 'große Geschichte'?
Nun mag man der Auffassung sein, dass es auf die Geschichte bei einem Roman nicht ankomme - eine Auffassung, die ich nicht teile. Und ich bleibe dabei: ein schöner Roman, aber ... etwas fehlt.


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