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Rezensionen verfasst von
Gideon

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Sinfonien (Gesamtaufnahme)
Sinfonien (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 93,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Vermächtnis., 28. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Dem Andenken Christopher Hogwoods.

An (Teil-) Gesamtaufnahmen der Mozart-Sinfonien herrscht kein Mangel. Christopher Hogwood aber hat die erste wirklich vollständige Einspielung vorgelegt, ein Projekt, das 1978 begann und bis heute seinesgleichen sucht und Zeugnis gibt davon, was "Historisch informierte Aufführungspraxis" eigentlich bedeutet.

Als Referenzeinspielungen ganz oben stehen KV 425, KV 504 (die Adagio-Einleitung...!), KV 550 (in beiden Fassungen) und, von der Popularität her etwas im Schatten der "Großen g-Moll" und der "Jupiter" - : KV 543. Doch ist die Nr. 39 Es-Dur wohl Mozarts schönste Sinfonie. Ihr Adagio-Beginn, ihr warmer Klarinettenton, ihre Trompeten, das unruhig-zerklüftete Andante con moto, das ausgelassene Finale - Christopher Hogwood bleibt dem Werk nichts schuldig. Er "zelebriert" nicht bedeutungsschwer. Er musiziert, klar und lebendig.

Gelungen ist auch die Trias KV 318, 319, 338. Hier ragt die B-Dur noch heraus, und Eleganz und Glück und Lebensfreude singen um die Wette.
Die Trias KV 201, 183, 200 hat ihren hohen Rang. Mit der (wenn man so will) "ersten Trias" KV 130, 133, 134 präsentieren Hogwood und AAM Mozarts auch ersten sinfonischen Geniestreich. Und Leichtigkeit, in des Wortes bester Bedeutung, feiern die Dreisätzer KV 128, 129, 199.

Besonders aber wird die Edition durch die Aufnahme jener Werke, die im Konzertbetrieb (und auf Tonträger) nur wenig Beachtung finden. Zum einen sind das die frühen Opern-Sinfonien (= Ouvertüren; hier läßt sich die Genese der Gattung Sinfonie beobachten), zum anderen sprechen die Salzburger Serenaden-Sinfonien für sich, herrliche klangschöne Werke, alle "ex D", von Mozart zusammengestellt aus den Serenaden KV 100, 185, 203, 204, 250, 320, und von ihm nach 1781 auch in Wien noch ins Programm genommen und geschätzt. KV 250 darf da die Spitzenposition beanspruchen. Doch: KV 204 wartet auf, womöglich, mit dem bukolischsten Andante der Musikgeschichte.

Vom Londoner Erstling KV 16, dessen langsamer Satz bereits aufhorchen läßt, bis zum "Jupiter"-Finale geht es Christopher Hogwood um die Leuchtkraft und Größe Mozarts. Der Mensch / Künstler Hogwood scheint zu verschwinden hinter diesem Anliegen, er war kein "Pult-Star", kein Selbstdarsteller, sondern viel mehr: Diener des (jeweiligen) Komponisten.


Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert (Europäisch-jüdische Studien - Beiträge, Band 7)
Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert (Europäisch-jüdische Studien - Beiträge, Band 7)
von Monika Schwarz-Friesel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 89,95

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vergebliche Mühe, 26. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Frage drängt sich auf nach der Lektüre dieses Buches: Was ist eigentlich schlimmer - die dokumentierte Realität der Judenfeindschaft als solche oder das (gleichfalls mit "Sprache" zusammenhängende) Kartell des Nicht-Wissen-Wollens und Ignorierens?

Ausgangspunkt der Untersuchung sind ca. 14.000 Briefe, E-Mails, Faxe, die zwischen 2002 und 2012 an den Zentralrat der Juden in Deutschland und an die Botschaft des Staates Israel in Berlin geschickt wurden.
11,4 % der Zuschriften sind dem "eher rechten" und 4,9 % dem "rechtsextremen" Spektrum zuzuordnen. Auf "eher links" entfallen 11,2 %, auf "linksextrem" 1,7 %, jedoch 65,3 % auf die "Mitte".
Diese Zahlen entlarven das Problem: Der Antisemitismus im heutigen Deutschland ist "bestens etabliert". Er war nie "weg", auch und gerade nach Auschwitz nicht.

Allerdings gibt es diesbezüglich ein (Selbst-) Wahrnehmungsproblem im Lande. Nur der alte "klassische" Antisemitismus von Rechts, nur der wird als Antisemitismus wahrgenommen, von dem distanziert man sich, offiziell zumindest. Doch in den Zuschriften werden die Begriffe "Jude(n)" und "Israeli(s)" sehr oft austauschbar gebraucht. Die Autoren arbeiten heraus und belegen: Unter der Oberfläche sind sie alle da, die Klischees, Stereotype, Versatzstücke des "klassischen" Antisemitismus, angepasst an die Erfordernisse der Moderne. "Israelkritik" nennt sich der neue Antisemitismus, so maskiert er sich, doch ist er darunter dass, was er immer war: Judenfeindschaft. Hass auf das Volk Israel.

Stichwort (Selbst-) Wahrnehmungsproblem: Schäbiger als der gemeine Zuschriftler handeln in der Tat die "kommentierenden Eliten", voran die Medien. Deren Aufgabe wäre es, den neuen Antisemitismus bloßzustellen. Mit Fleiß jedoch geschieht das Gegenteil. Schlimmer noch. Hier herrscht Arbeitsteilung. Während der Zuschriftler (zu schweigen von dem, was in Internetforen und Netzwerken abgeht; was z.B. VolkgenossInnen mit Immigrationshintergrund zum Thema zu sagen haben, das würde Extrabände füllen) - was die also ungefiltert, authentischerweise von sich geben, das vernebeln und ignorieren die offiziellen Medien, sie trennen in duckmäuserischer verdruckster Manier säuberlich zwischen guten (vorzugsweise toten oder antizionistischen) Juden und dem Feindbild Israel, den "Siedlern", dem "unverhältnismäßig" reagierenden Militär, der jeweiligen Regierung "in Tel Aviv", die "keinen Frieden will". Die teuren Toten fungieren als Fliegenklatsche gegen "Rechts" und als Alibi fürs grundgute BRD-deutsche Gewissen.

Die Komplizenschaft zwischen Zuschriften-Michel und Eliten-Michel (Großschriftsteller, Politiker, Nahost"experten", linksgrüne PädagogInnen, ModeratorInnen, TheologInnen) ist nicht Gegenstand des Buches; gleichwohl wird die manipulative Wirkung von veröffentlichter Meinung aufs Volk an vielen Stellen deutlich. (z.B. S. 243 ff.; Fußnote S. 169)

Frei nach Broders "Vergesst Auschwitz": Möge die BRD ihren Alle-Jahre-wieder-Betroffenheits-Kranzabwurf-Tag (27.01.) abschaffen und dafür einführen die Pflichtlektüre dieses Buches an Schulen, Universitäten, in Nachrichtenstudios und Redaktionsstuben, in Parteizentralen und öffentlich-rechtlichen "Kultur"-Sendungen.

Gewiss, auch das wäre vergebliche Mühe.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2015 4:56 PM MEST


Sei Concerti Per Il Cembalo
Sei Concerti Per Il Cembalo
Preis: EUR 19,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zuhören!, 6. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Sei Concerti Per Il Cembalo (Audio CD)
Die 1772 veröffentlichten "Sechs Flügel-Concerte" von C.Ph.E. Bach sind ein großer Wurf. Gleiches ist zu sagen über die vorliegende Doppel-CD. Dass die Werke als Ganzes, eben als ein Opus eingespielt wurden, ist von besonderem Reiz. Gewiss überzeugt jedes Werk auch einzeln, doch kommen Originalität und Genie des "berühmten Herrn Bach" erst im Zyklus ganz zur Geltung.

Auch die von Andreas Staier verfassten Begleittexte sind zu loben. Jedes Konzert wird ausführlich vorgestellt, "Kenner und Liebhaber" werden mitgenommen in eine zu wenig bekannte musikalische Welt, die, transparent und lebendig interpretiert, nur staunen lässt über so viel Harmonie, Kühnheit (Konzert Nr. 4!) und melodischen Reichtum (Konzert Nr. 2, 2. Satz, beim Gebrauch der verschiedenen Register des Flügels).
Warum führen diese Werke ein Schattendasein im Konzertleben wie im Katalog? Das Etikett "Vorklassik" ist unsinnig. C.Ph.E. Bach ist mehr als ein "Vorläufer" der Wiener Klassik. Man sollte ihm zuhören.

Dank an die Freiburger und Andreas Staier, dass das einmal mehr möglich ist.


Wagner und Verdi: Zwei Europäer im 19. Jahrhundert
Wagner und Verdi: Zwei Europäer im 19. Jahrhundert
von Eberhard Straub
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,00

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltend, 26. März 2013
Dieses Buch ist weniger eine (Doppel-)Biographie. Der Untertitel, das Programm sozusagen lautet: "Zwei Europäer im 19. Jahrhundert." Ausgehend von Wagner und Verdi, bzw. ihren Werken und biographischen Eckpunkten, sind Aspekte der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts eigentliches Thema. Der Teil, der in konventionellen Biographien den Hintergrund abgibt zur Sache selbst, der rückt hier sehr nach vorne: Der Generalbaß dominiert die Melodie.

Wagner ist einerseits nicht vorstellbar ohne Verankerung in den (Un-)Tiefen seiner Zeit. Viele der Gespreiztheiten, an denen das 19. Jahrhundert laborierte, schlugen sich nieder in seinen außermusikantischen Hervorbringungen. Den "reinen Opern-Narren" mag das langweilen. Der Leser aber, der sich interessiert für den "moralischen Skrupel," der "einer (Wager-)Oper zugrunde liegen" müsse (Zitat Wagner), dem bietet E. Straub viel Information. Die Lektüre unterhält. Vielleicht hätte Brahms, der Antipode, der Beherrscher der Form, mehr einbezogen werden können; nicht um das Thema auszuufern, sondern um Wagners Bild abzurunden.
Bei Verdi haben die damaligen Zeitläufe offenbar weniger "Skrupel" verursacht. Darum ist von ihm knapper die Rede. Seine Verankerungen waren mehr praktischer Natur, weniger Haschen nach Wind. Und E. Straub räumt auf mit Legenden, etwa der, dass Verdis frühe Opern ein Fanal des Risorgimento gewesen seien.

Das Schlusskapitel zeigt, wie beide Komponisten durch politisch-ideologische Irrungen und Katastrophen hindurch vereinnahmt wurden. Die Musik als solche ging unbeschadet daraus hervor - so wie sie heutzutage vom sogenannten Regietheater nicht totzukriegen ist.


Chopin: Sämtliche Walzer
Chopin: Sämtliche Walzer
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Durchsichtig. Perfekt, 19. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Chopin: Sämtliche Walzer (Audio CD)
Alice Sara Ott ist ein Phänomen. Bei Chopin tappt mancher Interpret in die Falle des "Zuviel." Zuviel Pedal, Legato, Rubato. Bei A. S. Ott nichts davon. Ihr Spiel zeichnet sich aus durch Frische, eine Brise Distanz - Kühle wäre zuviel gesagt. Ihn nicht immer anzugehen wie auf Samtpfoten, das tut Chopin gut (e-moll; Track 18!). Nicht mal in den Nocturnes wäre das angebracht, und schon gar nicht in den Walzern.
A.S.Ott hat ein schönes Adagio, da wo es sein soll, aber dann auch keine Scheu, Temperament zu zeigen. Durchsichtigkeit ist ihr oberstes Gebot. Ihre perfekte Technik machts möglich. Man hört jeden Ton. Ein Höhepunkt der CD ist das auch harmonisch interessante Stück op. 64 Nr. 3, As-dur.


Sinfonien 1-9 (Gesamtaufnahme)
Sinfonien 1-9 (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 26,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hohe Kunst, 18. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 1-9 (Gesamtaufnahme) (Audio CD)
Es ist ein Glücksfall, dass die Mozart- und Beethoven-Sinfonien mit der AAM unter Christopher Hogwood noch zu haben sind. Immerhin wurden sie vor z.T. 30 Jahren eingespielt. An Aktualität und Frische aber haben sie nicht eingebüßt. Hervorgehoben sei die Ausgewogenheit des Klangbildes: Man kann "durchhören." Die jeweilige Partitur mit Haupt-, Mittel-, Nebenstimmen und Baß wird transparent.
Hogwood verzichtet auf Effekte. Seine Tempi sind schlüssig. Die Einzelsätze, aufeinander bezogen, ergeben ein Ganzes. Nur die "Eroica" wird im 2. Satz etwas zu langsam genommen. (Wie dem "Heroischen" und einem "Marcia funebre" im besonderen beizukommen ist, zeigt die 2003 entstandene "Eroica"-Einspielung mit dem "Ensemble 28").

Haydns Spätzeit ist Beethovens Früh- und Mittelzeit. Um 1810 - die Sinfonien Nr. 1 bis 6 waren komponiert - konnte Beethovens Wirkung kaum darin bestehen, zu überwältigen wie von Furtwängler dirigiert. Alle drei - Haydn, Mozart, Beethoven - wurden im damaligen Wien unter gleichen, ähnlichen Bedingungen gespielt, was also der Kritik, Hogwoods Beethoven klinge wie "später Haydn" einen sehr logischen Aspekt hinzufügt. Es kann nicht anders sein. Gerade das ist Sinn der historisch informierten Aufführung: Die Musik wird aus ihrer Zeit heraus begriffen und entwickelt.

Die "staatstragend-schwere" sinfonische Tradition entstand im späten 19. Jahrhundert. Rückwirkend hat man sie auch und vor allem Beethoven übergestülpt (der freilich selbst ein Stück "Helden"-Basis legte für jenen "Überbau"). Haydn und Mozart begann man zu verharmlosen (Ernst Bloch über Mozart: "siebzehnjährige Musik"; "problemloses Griechentum"). Und das Klischee, die "Eroica" unter Hermann Scherchen, wuchs ins Über-Menschliche. ("Wie hebt sich das Herz, wenn es dich, Unendlicher, denkt!" - Ernst Bloch über Beethoven). Mit der Musik selbst hat das weniger zu tun, mehr mit Selbst-Beschreibung und vielleicht jener Befindlichkeit "Erlösung duch Kunst", die das Klischee bis heute bemüht.
Die "Neunte" ist nie weit, wenn der Masse "Großes" vorgestellt, wenn sie ein feierliches Gesicht aufsetzen soll.
Gegenmittel: Man programmiere den Player, kappe den Chor, höre op. 125 als "Unvollendete" - Die Wirkung ist verblüffend.

Hogwoods Beethoven unterhält im besten Sinne. Am überzeugensten gelungen in Nr. 7, A-dur. Das ist hohe Kunst.


Mozart: Piano Concertos Nos. 18 & 19
Mozart: Piano Concertos Nos. 18 & 19
Preis: EUR 8,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historisch korrekter Mozart-Klang, 15. März 2013
"Mozart, der Mann des Rokoko: Selbst in Parenthese wagen wir kaum noch, diesen Gemeinplatz zu erwähnen, an dem sich Generationen in tiefer Täuschung getroffen haben." (Wolfgang Hildesheimer)
Richtig. Nur: Bezogen nicht auf sein Genie als solches, sondern auf Moden, Zeitgeist, (musikalische) Mittel und Möglichkeiten, die ihn umgaben, war Mozart eben doch ein Zeitgenosse des (wenn auch späten) Rokoko. Die Franzosen differenzieren genauer, wenn sie die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts betrachten; Mozart wäre aus dieser Perspektive einzuordnen ins "Louis Seize": Neue Möbel (Cembalo-Beine etwa) sind nicht mehr "rokokohaft" geschwungen, sondern in der Form "klassisch ausgewogen"; in die Herrenmode hat der hohe Hut Einzug gehalten, unter dessen Krempe freilich noch: der Zopf hervorschaut.

Und das Klangideal in Sachen "Clavier" war verbreitet immer noch, auch 1785 noch, jener silbern-transparente Ton, der seit Generationen vorgegeben war vom Kielflügel. Zwar wurde der Klang, den belederte Hämmer hervorrufen, sehr geschätzt (gerade Klangvielfalt war ja angesagt), doch auf den "Cembalo-Ton" wollte man nicht verzichten. Darum wurden Kombinationsinstrumente gebaut, darum gab es das (belederte) "Piano"-Register und das (unbelederte, cembaloähnliche) "Forte"-Register in den Hammerflügeln der Mozart-Zeit. Die Hammer- bzw. Tangentenmechanik bot (im Gegensatz zur Plektrum-Mechanik des Kielflügels) den großen Vorteil individueller Tongebung: Laut-und-Leise-Spiel im "Piano"-Register; Laut-und-Leise-Spiel im "Forte"-Register. Letzteres jedoch war ausgeschlossen bei vollständig belederten Instrumenten, bedeutete also eine Einschränkung.

Mozarts "Loblied" auf das Pianoforte (betreffs Auslöse-Mechanik der Stein-Klaviere; Brief vom 17.10.1777) bezieht sich auf einen Instrumenten-Typ mit "Forte"- und "Piano"-Register, also blanken unbelederten Holzhämmern. Das berühmte "Vis-a-Vis"-Instrument von J.A.Stein ist in seiner ursprünglichen Form (unbeledert!) erhalten geblieben, also in dem Zustand, mit dem Klang, den Mozart 1777 in Augsburg, in Steins Werkstatt vorfand.
Die aus England auf den Kontinent schwappende Mode, Klaviere durchgängig zu beledern, sozusagen der Klang der "Jane-Austen-Zeit", das setzte sich nach 1800 nach und nach durch und wurde bald zur Regel, kann aber für das Süddeutschland der 1780er, für die Klavierbauer in Augsburg (Stein), Regensburg (Späth) und Wien (Walter) mit einiger Sicherheit ausgeschlossen werden.

Vor diesem Hintergrund macht das Mozart-Projekt von Arthur Schoonderwoerd vollkommen Sinn. Um das Resultat würdigen zu können, muss man sich natürlich darauf einlassen, muss sich hinein hören und den Aspekt des "Weniger" akzeptieren. Im Mehlgruben-Saal, im Lobkowitz-Saal (Beethoven!) des damaligen Wien war für mehr als 20 Musiker schlicht kein Platz. Mozarts Sinfonie C-dur KV 338 wurde 1781 mit 40 Violinen, 10 Bratschen, 10 Kontrabässen, 8 Violoncelli + doppeltem Holz und Blech aufgeführt, allerdings im Augarten, nicht in der Mehlgrube.
Mozarts Klavierkonzerte waren für kleine Säle, kleine Besetzung komponiert. Gewiss hat er in seinen Partituren bei den Streichern differenziert zwischen "Solo" und "Tutti." Doch bezieht sich das nicht auf einen Apparat, der gegen Hundert oder auch nur gegen Vierzig geht. Selbst wenn statt der zwei Violinen (wie hier bei KV 456 und 459) vier oder fünf begleiten würden, es würde am Klangbild wenig ändern, und schon gar nichts an den historischen Fakten. Die mag man zur Kenntnis nehmen. Mögen muss man sie ja nicht. Der Melvyn-Tan-Hammerflügel in "Pride & Prejudice" mag (subjektiv) "klangschöner" sein, nur stand Mozart ein solches Instrument nicht zur Verfügung. Gleiches trifft zu auf den Flügel, den Ronald Brautigam bei der Einspielung von Mozarts Sonaten verwendet hat. Bach z.B. spielt man auch nicht unbedingt auf einem Walter-Flügel; man nimmt das Cembalo oder den Steinway.

Die sogenannte "Historische Aufführungspraxis" hat, zugegeben, auch etwas Museales. Manche Leute gehen gerne ins Museum, andere nie im Leben: "Eine Zeitlang dachte ich, man müsse für jede Art von Musik einen anderen Klaviertyp haben. Heute dagegen spiele ich alles auf dem Steinway CD 318." (Glenn Gould). Wer die neue Einspielung (2011) des "Wohltemperierten Klaviers" mit Andras Schiff kennt, wird ein "Loblied" auf den modernen Flügel anstimmen. Und Matthias Kirschnereit (Steinway D-Flügel) musiziert Mozarts Klavierkonzerte mit den Bambergern überzeugend für die "Ohren des 21. Jahrhunderts."

Doch zurück zum 11.12.1784. Mozart trägt an diesem Tag sein Konzert F-dur ins Werkverzeichnis ein. KV 459 bekommt Trompeten- und Pauken-Stimmen. Schoonderwoerd & Cristifori spielen nun diese (rekonstruierte) Version. Man fragt sich: Warum wurde das nicht früher schon probiert? Möglich doch, dass Mozart sich nach Abschluss der Partitur entschloss, Trompeten und Pauken noch einzufügen, vielleicht für eine unmittelbare Aufführung. Diese Extra-Blätter gingen verloren (wie bei KV 365) und der Eintrag ins Werkverzeichnis + Trompeten-und-Pauken-Vermerk könnte so nach der Ergänzung erfolgt sein.
Die Ecksätze von KV 459 bieten durchaus Raum für Blech und Geschmetter, und auch das ist ein Merkmal noch der Mozart-Zeit, ja noch der Frühromantik, dass die Grenze zwischen Kammer- und Orchestermusik fließender war; dass ein Opus (noch) nicht als Einmaligkeit in Form und Charakter begriffen wurde, sondern mal so oder so aufgeführt oder auch uminstrumentiert werden konnte.

Die (musik- und kunsttheoretischen, das "Kunstwerk der Zukunft" betreffenden) Kopflastigkeiten und Neurosen einer späteren Epoche waren noch in der Wiege.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 18, 2013 12:23 PM CET


Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise (suhrkamp taschenbuch)
Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise (suhrkamp taschenbuch)
von Tuvia Tenenbom
  Broschiert

13 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Entlarvend, 22. Januar 2013
Kurt Tucholsky schrieb 1921 in einer Besprechung über Voltaires "Denkwürdigkeiten...":

"...ein Leckerbissen. Für unentwegte Preußen ein Anlaß zu Kollapsen. Also zu empfehlen."
Hier nun streiche man den Preußen und setzte dafür ein: den BRDler. Den "Kapitalisten wider Willen".

Sei er arm oder reich, völkisch oder progressiv, Moslem-Immigrant oder befangen in Ex-ddR-Befindlichkeit: Als (kleinster/größter) gemeinsamer Nenner zwischen allen Gruppen fungiert der Antisemitismus. Das ist Tenenboms Grundbeobachtung. Die trifft zu - von der unverblümten Marxloh-Spielart über das massenhafte "unbewußt-beständige Gefühl" bis zu jenem Ressentiment, das sich "intellektuell", "kultur"zeitlich, "israelkritisch" hinter "tausend Masken verbirgt, die für unsere heutige westliche Welt so bezeichnend sind." Eine Maske heißt Erinnerungs"kultur". Den Schoah-Toten wird (offiziell) die Ehre hinterher geschmissen, schließlich haben "wir", so glauben "wir", gelernt aus "unserer Geschichte". Deshalb sind wir pro-Klima, pro-Frieden, pro-"Palästina". Am BRD-Wesen müßte glatt die Welt genesen.

Der Stil des Buches überzeugt nicht durchweg. Oft aber hilft wohl nur noch Polemik, um das brutalstmöglich gute Gewissen einer Gesellschaft, ihre Heuchelei und ihren Selbstbetrug zu entlarven.


Klavierkonzerte KV 466 & KV 467
Klavierkonzerte KV 466 & KV 467
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochinteressant, 5. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzerte KV 466 & KV 467 (Audio CD)
Die sog. Historische Aufführungspraxis wird auf einer halben Seite abgewatscht im berühmten Mozart-Buch von Wolfgang Hildesheimer. Unter anderem heißt es dort: "Mozart, ständig auf Suche nach Verbesserungen instrumentaler Technik...(hätte) einen Konzertflügel von heute einem Walter-Hammerflügel von damals vorgezogen."
Hätte er wohl. Höchstwahrscheinlich. Zunächst leuchtet die Argumentation ein. Andererseits ist sie unfair, wenn damit gestichelt wird gegen das "Musizieren" "diverser Collegia" oder "Cameraten" oder "Consortien."

Meine Lieblings-Mozart-Klavierkonzert-Aufnahme ist und bleibt KV 537 mit Gulda, Harnoncourt + Concertgebouw Orchester (1984), eine Einspielung auf modernen Instrumenten. Und trotzdem ist Arthur Schoonderwoerds Ansatz legitim und hochinteressant. Er tut genau das, wogegen (der sonst geschätzte) W. Hildesheimer polemisiert: Selbst die Räumlichkeiten im Wien von vor 200 Jahren, die Orte, an denen Mozart- und Beethoven-Konzerte stattfanden, werden mit einbezogen ins Konzept; daraus ergeben sich sehr wesentliche Konsequenzen, was die Orchestergröße betrifft.

Im 18. Jahrhundert waren Opern- und Oratorien-Aufführungen (Händel!) groß besetzt durchaus üblich, und auch groß besetzte Sinfonien kamen hin und wieder vor (Mozarts "Pariser Sinfonie" wurde im Schweizersaal der Tuilerien von einem 50-Mann-Orchester uraufgeführt; Beethovens A-dur Nr. 7 wurde ähnlich besetzt an der Wiener Uni gespielt). Doch ist zu vermuten, daß Instrumentalkonzerte, besonders Klavierkonzerte damals ziemlich kammermusikalisch klangen. Die Hammerflügel der Zeit bis ca. 1820 hätten gegen ein größeres Orchester kaum anspielen können.

So teuer einem der "sinfonische" Beginn von Beethovens op. 73 sein mag, so gewiß ist, daß das 1809 dünner klang. A. Schoonderwoerds Beethovenkonzerte liefern davon den besten Eindruck. Bei Mozart geht er (im Gegensatz zu Bilson, Immerseel, Brautigam) noch einen Schritt weiter "zurück." Konsequenter Weise. Ob Mozarts Walter-Flügel nun beledert oder unbeledert war, ob es sogar ein Tangentenflügel war, bleibt eine spannende Frage. Die Annahme blanker Holzhämmer, bzw. Tangenten ist aber durchaus stichhaltig.

Persönliches Fazit: Schoonderwoerd macht's möglich, in die Vergangenheit "zurück zu hören." Etwa so könnte es tatsächlich geklungen haben Anno 1785 im Konzertsaal "Mehlgrube" in Wien. Mit der Einschränkung: Mozarts Kadenzen waren vermutlich "mozartischer." Auch der Gebrauch des zusätzlichen Pedals, das unterm Flügel stand, ist wohl kaum rekonstruierbar.

Man sollte, um der Interpretation gerecht zu werden, aktiv mit-hören und sich in die Dreieckspitze vor die Boxen setzten. So sind alle Feinheiten und ist der Flügel hervorragend hörbar, wie es im Beiheft heißt.
Stichwort Beiheft: Es bietet ausführlich die üblichen Informationen, allerdings ist die Abschweifung, die aus KV 466 eine Freimaurer-Programm-Musik machen will, sehr spekulativ.

Man darf gespannt sein auf Schoonderwoerds nächste Mozart-Exkursion. Bis dahin höre man den Meister wieder gut und gerne auf modernen Instrumenten, herrlich gespielt von Jan Lisiecki oder M. Kirschnereit.


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