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Beiträge von Andre Arnold
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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Offenbach, Jacques - Les contes d'Hoffmann / John Schlesinger, Georges Prêtre, Covent Garden (NTSC)
Offenbach, Jacques - Les contes d'Hoffmann / John Schlesinger, Georges Prêtre, Covent Garden (NTSC)
DVD ~ Placido Domingo
Preis: EUR 15,25

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn der Sandmann kommt..., 18. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unter den vielen fantastischen Opern des 19. Jahrhunderts fällt eine wegen ihrer Konzeption durchaus aus dem Rahmen: "Les Contes d'Hoffmann" von Jacques Offenbach. Dieses halluzinogene Stück basiert auf drei Erzählungen des deutschen Romantikers E. T. A. Hoffmann. Offenbach ging es bei der Bearbeitung in erster Linie um die Frauengestalten dieser Stücke, namentlich "Der Sandmann", "Rat Krespel" sowie "Abenteuer in der Silvesternacht".
Die Handlung der Oper nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré zeigt uns den verzweifelten Dichter Hoffmann, der seinen Saufkumpanen von drei verflossenen Geliebten erzählt. Nach einigen wundervollen Arien und packenden Sequenzen lässt der Komponist seinen rastlosen Protagonisten doch noch zur Ruhe kommen...

Die vorliegende Inszenierung aus den frühen 80ern ist eine Produktion von John Schlesinger. Trotz ihres verhältnismäßig hohen Alters erfreut sie sich guter Bild- und Tonqualität, auch wenn sie ein gewisses Hintergrundrauschen nicht verheimlichen kann. Das Bühnenbild kann als klassisch bezeichnet werden. Freunde moderner Inszenierungen werden anderswo suchen müssen. Negativ aufgefallen ist mir das Fehlen jedweden einführenden Textes zur Interpretation beziehungsweise zur Oper selbst.
Die musikalische Leistung der Royal Opera Covent Garden unter der Leitung des großen Georges Prêtre ist herausragend. Die harschen, progressiven Melodiebögen dieser Oper arbeiten die Akteure brillant heraus, geben sich aber gleichzeitig einem Schwelgen hin, das feine Nuancen produziert und kräftige Akzente nicht unterschlägt. Die Farbgebung und Schattierung sind stets differenziert und nuanciert. Dabei bleibt der Vortrag durchweg transparent.
Hinzu kommt die kongeniale gesangliche Leistung insbesondere der Solisten: Placido Domingo als Hoffmann besticht durch Hingebung und Einfühlung in seine Rolle. Die drei Frauengestalten - verkörpert von solchen Größen wie Luciana Serra, Agnes Baltsa und Ileana Cotrubas - stehen dem in nichts nach: Auch ihr Gesang ist glasklar, perlend und eindrucksvoll. Nicht zu unterschlagen sind auch die anderen Solisten und vorrangig der Chor.

Fazit: Hier fügt sich alles zusammen - brillante musikalische Leistung und Empathie sowie Verständnis gewährleisten eine höchst individuelle Einspielung einer berührenden Oper.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2013 5:10 PM CET


Händel, Georg Friedrich - Xerxes
Händel, Georg Friedrich - Xerxes
DVD ~ Ann Murray

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprach Xerxes wirklich Englisch...?, 20. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Händel, Georg Friedrich - Xerxes (DVD)
Georg Friedrich Händel gilt als einer der bedeutendsten Opernkomponisten des ausgehenden Barockzeitalters. Große Teile seines Lebens schrieb er für den englischen Hof. So auch seine berühmteste Oper "Serse" HWV 40.
Nicolò Minato lieferte das Libretto für eine Geschichte voller Verwandlungen, Maskeraden und enttäuschter Liebe. Auch wenn man tendenziell von einer Barockoper etwas anderes erwartet, als von einer "klassischen" Oper, so gibt es doch eine verblüffende Ähnlichkeit zu den Opern Mozarts, der Satire und Drama gekonnt miteinander mischte.
Es gibt praktisch keine Arie aus "Serse", die nicht in irgendeiner Weise anmutig oder rührend wäre. Nicht nur das berühmte Larghetto zur Arie "Ombra mai fù" gleich zu Beginn, sondern auch zahlreiche andere Arien, Duette etc. wissen zu überzeugen. Die musikalische Gestaltung ist brillant und liefert Zeugnis von Händels Meisterschaft.

Die vorliegende Inszenierung stammt aus dem Jahre 1985 und erfreut sich sehr guter Bild- und Tonqualität.
Die musikalische Umsetzung durch das Orchestra of English National Opera unter der Federführung des großen, 2010 verstorbenen Charles Mackerras ist hervorragend: Einmal mehr beweist Mackerras, dass er als Exeget des Barock und der Klassik zu gelten hat. Er treibt sein Orchester zur Höchstform an, erzeugt schillernde Farben, differenzierte Akzente und viel Spannung. Sein Interpretationsansatz wird der genialen Vorlage absolut gerecht. Dabei lässt er es niemals an Transparenz und devotem Zurücktreten hinter die Partitur fehlen.
Auch die gesangliche Umsetzung ist bombastisch: Ann Murray in der Hosenrolle für Xerxes, den persischen König, ist wunderbar burschikos und pathetisch zugleich. Der Kontertenor Christopher Robson als Xerxes' Bruder Arsamenes singt glasklar und glänzend. Seine schauspielerischen Leistungen stehen außer Frage. Auch alle anderen Solisten, insbesondere Valerie Masterson als Romilda, sowie der Chorus of English National Opera zeichnen sich durch kraftvolle, überzeugende Intonation und authentische Darstellung aus.
Zu erwähnen ist weiterhin das opulente, antikisierende Bühnenbild nach einem Konzept von Jane Randall: Es schafft den größtmöglichen Kontrast zwischen Handlung und Umfeld. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Oper auf Englisch gesungen wird. Da Händel sowieso zur Hälfte Engländer war, tut das dem Gesamteindruck keinerlei Abbruch, ganz im Gegenteil: Das ironisch-satirische Element, das in dieser Inszenierung besondere Anwendung findet, wird dadurch noch mehr herausgekitzelt - ein weiterer Baustein zu einer glanzvollen, zeitlosen Interpretation...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 19, 2012 3:40 PM MEST


Tschaikowsky, Peter - Eugen Onegin (GA) [2 DVDs]
Tschaikowsky, Peter - Eugen Onegin (GA) [2 DVDs]
DVD ~ Wiener Philharmoniker
Wird angeboten von RAREWAVES USA
Preis: EUR 27,80

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großer Genuss auch ohne Gin, 9. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die bekannteste Oper Peter Tchaikovskys - "Eugen Onegin". Jeder hat schon einmal von ihr gehört, aber nur die wenigsten kennen sie wirklich. Sie wurde immer wieder als inkonzin, überladen oder schwulstig abgestempelt. Freilich kann Tchaikovsky seinen bisweilen ausufernden Stil nicht verhehlen. Dennoch handelt es sich um ein Stück, das mehr ist als oberflächliche Gefühlsduselei.
Die kompositorische Meisterschaft des Russen steht außer Frage: Wundervolle Arien reiht er an prachtvolle, opulente Tanz- und Gesellschaftsszenen, erzeugt hier einen überwältigenden Orchester- und Gesangsschwall, um dort innige, intime Momente zu imaginieren.
Die traurige Geschichte um Eugen und Tatyana beruht auf einem Libretto von Konstantin Shilovsky und Tchaikovsky höchstpersönlich. Dieses wiederum geht zurück auf Alexander Pushkins geniales Versepos - schon respektive dessen stand Tchaikovsky auf einer denkbar schlechten Position. Es ist eine Geschichte verpasster Liebe, großer Gefühle und flirrenden Taumels.

Die vorliegende Inszenierung durch die Wiener Philharmoniker und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor unter der Leitung von Daniel Barenboim entstand live auf den Salzburger Festspielen 2007. Ton- und Bildqualität sind hervorragend.
Die Orchesterleistung ist brillant und niemals verschlafen, wie es Barenboim immer mal wieder passiert. Er setzt kräftige Akzente und lässt die Wiener farbige, schattierte und differenzierte Nuancen herausarbeiten, ohne dabei jemals ins Banale abzurutschen oder der Transparenz Abbruch zu tun.
Hinzu kommt die ausgezeichnete, glasklare gesangliche Leistung des Wiener Staatsopernchors zum einen, zum anderen der brillanten Solisten. Es stehen hier freilich keine großen Namen auf der Bühne, sondern junge Künstler, die - betrachtet man ihre hier vollbrachte Leistung - gewisslich eine große Karriere vor sich haben werden. Anna Samuil mimt Tatyana in beeindruckend gelöster Manier. Ihre durchdringende Stimme und ihr schauspielerisches Talent machen sie zu einer authentischen Tatyana. Peter Mattei spielt den Lebemann Eugen Onegin. Sein Verdienst besteht insbesondere darin, dass er einen scharfen Kontrast zwischen Tatyana und seiner Figur herstellt: Während Tatyana innerlich immer dieselbe bleibt, ist Onegin unstet.
Bleibt das ausgezeichnete Bühnenbild: Andrea Breth hat sich für eine äußerst differenzierte Lösung entschieden, die zwar schlicht anmutet, aber in der Tat historisch informierte Aspekte mit denen einer modernen Aufführung verbindet, was besonders in Requisite und Kostüm deutlich wird.

Fazit: Plädoyer für die heute vernachlässigten Opern des großen Russen!


The Glenn Gould Edition: Bach Englische Suiten (english Suites)
The Glenn Gould Edition: Bach Englische Suiten (english Suites)

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Go(u)ld wert, 14. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Werke für Tasteninstrument von Johann Sebastian Bach sind selten zur "Gemüths-Ergetzung" geschrieben worden. Zumindest nicht ausdrücklich, indes der Thomaskantor ihnen einen akademischen Wert beimaß. Dasselbe gilt für seine sechs sogenannten "englischen Suiten" BWV 806-811.
Diese wundervollen Kleinodien sind von uneinheitlichem Zuschnitt: Nach einer kunstvoll gearbeiteten Prélude folgt ein loser Reigen verschiedener Tanzsätze. In der Tat kann festgestellt werden, dass Bach offensichtlich nicht weiter daran gelegen war, hier Tiefen auszuloten vergleichbar mit denen vieler seiner anderen Klavierwerke, namentlich der "französischen Suiten".
Eine Ausnahme stellt dabei die sechste Suite d-moll dar, deren Sarabande zutiefst bewegt.

Die vorliegende Gesamteinspielung durch den Bach-Exegeten Glenn Gould entstand zwischen 1971 und 1976 und erfreut sich erstaunlich guter Tonqualität.
Goulds Bach-Interpretationen waren immer heftig umstritten. Tatsächlich wählt der Kanadier auch hier einige streitbare Tempi. Doch was entscheidet, ist der Gesamteindruck, und der ist nicht nur stimmig, sondern sogar überwältigend. Gould holt das Maximum aus den teilweise unspektakulären Tanzsätzen heraus, er wird Musik. Es ist erstaunlich, wie differenziert er nuanciert und koloriert. Er setzt zuhauf Akzente, welche Spannung bis zur letzten Note garantieren. Dabei bleibt sein Vortrag durchweg transparent und gewährleistet ein Recital der Extraklasse!


Mozart - Die Zauberflöte
Mozart - Die Zauberflöte
DVD ~ Piotr Beczala
Preis: EUR 24,25

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Zauber der Zauberflöte, 1. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mozart - Die Zauberflöte (DVD)
Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Oper, "Die Zauberflöte", gilt vielen zugleich als seine beste. Sie zollt einer zeitgenössischen Strömung Tribut, der sogenannte "Turquerie", der ja auch "Die Entführung aus dem Serail" zu verdanken ist. Es nimmt folglich nicht wunder, dass Mozarts Gestaltung durch und durch exotisch ist, aber niemals abgehoben; Mozart bleibt eben Mozart.
Die Handlung - nach einem Libretto von Emanuel Schikaneder - ist schnell erzählt: Prinz Tamino will seine Pamina aus den Fängen des unnachgiebigen Sarastro und der unberechenbaren Königin der Nacht befreien. Mit Hilfe des Vogelfängers Papageno und seiner Zauberflöte besteht er zahlreiche Prüfungen und findet sich schließlich vereinigt mit seiner Liebsten.

Die vorliegende Inszenierung entstand 2001 und erfreut sich bester Ton- und Bildqualität. Die musikalische Umsetzung des Orchestre de l'Opéra national de Paris unter der Leitung von Iván Fischer ist perfekt gelungen. Fischer wählt angenehme Tempi und arbeitet die exotisch-orientalischen Nuancen der Musik brillant heraus. Die Orchesterleistung ist durchweg transparent, mitreißend und farbig differenziert. Treffende Akzente garantieren Spannung bis zur letzten Note.
Weltberühmte Stars der Opernszene wird man hier nicht finden. Es handelt sich bei den Dartellern um junge, vielversprechende Talente, die den Zenit ihres Schaffens noch nicht erreicht haben. Dorothea Röschmann besticht als hingebungsvolle, vollkommen authentische Pamina. Das gleiche kann von Detlef Roth als Papageno gesagt werden. Der Tamino wird von Piotr Beczala gemimt; hier sei erwähnt, dass derselbe gewisslich nicht der geborene Schauspieler ist. Der geniale Matti Salminen ist Sarastro, Désirée Rancatore die flirrende Königin der Nacht. Begleitet werden die Hauptdarsteller von zahlreichen anderen, ebenso ausgezeichneten Solisten und dem makellos, glasklar singenden Choeur de l'Opéra national de Paris.
Besondere Beachtung verdienen zudem das historisch informierte Bühnenbild von Benno Besson sowie die Kostüme und Requisiten, obschon bisweilen letztere "billig" wirken. Alles fügt sich ein ins glanzvolle, schillernde, pompöse Gesamtbild und gewährleistet eine nahezu tadellose Aufführung.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2013 5:07 PM CET


6 Partiten Bwv 825-830
6 Partiten Bwv 825-830
Preis: EUR 21,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterlich über den Bach geschifft..., 30. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 6 Partiten Bwv 825-830 (Audio CD)
Die Werke für Tasteninstrument des großen Johann Sebastian Bach haben stets etwas Geweihtes und ernsthaft Sakrales. Insbesondere die langsamen Sätze dieser Stücke erinnern an eine tiefe, innige Meditation. Und auch wenn Bach die meisten seiner Klavierstücke zu "Übungszwecken" verfasst hat, verleugnen sie doch niemals die Religiosität ihres Schöpfers. Ebenso ' oder vielleicht sogar in besonderem Maße ' verhält es sich mit seinen sechs Partiten BWV 825-830, die hier in einer Gesamteinspielung vorliegen.

Anders als bei anderen bachschen Werkzyklen handelt es sich bei den sechs Partiten um Stücke, die schon alleine wegen ihres sehr unterschiedlichen Umfangs sehr unähnlich sind. Auch was den Ausdruck anbetrifft, lässt sich diese These untermauern. Betrachtet man nur die Ausgelassenheit der G-Dur-Partite und sieht hingegen die beängstigende Stimmung im c-moll-Stück, wird deutlich, welch immensen Kosmos Bach hier auszukosten verstand.
Der Thomaskantor schien insbesondere auf die kunstvolle Gestaltung der Anfangssätze großen Wert gelegt zu haben, indes er hier das Programm der folgenden Sätze vorgibt und ästhetisch durchdringt. Man höre bloß die ungeahnten Tiefen, die er im Kopfsatz der genialen e-moll-Partita erforscht! Die starken Unterschiede zwischen seinen Kompositionen betont er dadurch, dass er für jeden einzelnen Anfangssatz eine andere instrumentale Gattung wählt.
Die folgenden fünf beziehungsweise sechs Tanzsätze sind freilich nicht zum Tanzen gedacht. Bach erhebt jedweden hier vorgestellten Tanz auf ein Maß künstlerischer Vollkommenheit, die ihresgleichen sucht.

Die vorliegende Einspielung durch András Schiff entstand 2007 und erfreut sich gewohnt brillanter ECM-Tonqualität.
Es ist nicht die erste Interpretation durch Schiff, eine andere entstand früher im Rahmen einer Gesamteinspielung aller bachschen Klavierperlen. Es fällt auf, dass die neuere Einspielung weitaus inniger und empfindsamer ist. Zudem scheint sie auch mehr dem Geiste der Werke verpflichtet. Man hat beinahe den Eindruck, dass Schiff im Alter zu einem Buddha am Klavier geworden ist. Historische Aufführungspraxis hin oder her: Schiff spielt Bach ' und nichts anderes. Die zahlreichen perlenden Nuancen, die herrlich schattierten Farbgebungen und die dezent gesetzten Akzente verhelfen ihm zu einem ungemein flüssigen, spannenden Vortrag, der nichts Akademisches hat. Vollkommene Transparenz, fühlender Anschlag und Differenziertheit runden das rundum gelungene Programm ab.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2013 6:27 PM MEST


Verdi, Giuseppe - La Traviata (Anna Netrebko)
Verdi, Giuseppe - La Traviata (Anna Netrebko)
DVD ~ Anna Netrebko
Wird angeboten von hardliner-music
Preis: EUR 14,19

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La Opera non Traviata, 30. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In seinem langen Leben komponierte der italienische Komponist Giuseppe Verdi (1813-1901) zahlreiche Opern, von denen die meisten bis heute festen Bestand im Konzertleben haben. "La Traviata" gehört gewiss zu den Höhepunkten von Verdis Schaffen. Das Libretto, das auf Alexandre Dumas' "Kameliendame" beruht, stammt von Francesco Maria Piave und handelt von der Lebefrau Violetta, die sich eines Tages in den aufrichtigen Alfredo verliebt. Als es am schönsten ist, tritt Alfredos Vater auf, der die beiden daran gemahnt, dass Alfredo die Familienehre zu bewahren habe. In seiner Abwesenheit erlangt der Hörer die bittere Gewissheit, dass Violetta dem Tode geweiht ist. Gerade nach der Wiedervereinigung der Liebenden stirbt sie tragischerweise.
Verdis Umsetzung des Stoffes kann man nur als meisterlich bezeichnen. Der dezente Einsatz des Chores sowie weniger Solisten bürgt für eine schlanke Oper ohne überflüssigen Tand und Zierrat. Mit einer Spielzeit von gut zwei Stunden handelt es sich auch keineswegs um ein ermüdendes, langatmiges Werk. Musikalisch darf der Hörer nichts anderes als allererste Sahne erwarten. Dramatik und Spannung erzeugt schon alleine die Musik, die vor allem zu Beginn des dritten Aktes unglaublich emotional und ergreifend ist. Und wenn dann die berühmte Arie "Addio del passato" erklingt, bleibt kein Auge trocken'

Weiterhin darf sich jeder Freund moderner Aufführungen freuen: Willy Decker hat sich für seine Inszenierung während der Salzburger Festspiele 2005, von denen die vorliegende Live-Einspielung in brillanter Bild- und Tonqualität stammt, eine schlichte und doch sinnhafte Atmosphäre überlegt, die durch die Weite des Bühnenbildes und den gekonnten Einsatz von Lichttechnik perfekt geschaffen wird. Die Kostüme sowie die mehrdeutigen Requisiten sind größtenteils in Schwarz-Weiß gehalten. Den prächtigsten Farbakzent setzt Violetta mit ihrem roten Ballkleid.
Hinzu kommt eine bombastische, transparente und atmende Orchesterleistung durch die Wiener Philharmoniker und das Mozarteum-Orchester für die Bühnenmusik unter der Leitung von Carlo Rizzi. Perlende Nuancen, farbige Schattierungen und treffsichere Akzente garantieren Spannung bis zum letzten Atemzug.
Phänomenal ist auch die gesangliche Leistung: Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor wird von einem wahren Dreigespann der Prominenz begleitet, namentlich von der großartigen, einfühlsamen und lebendigen Anna Netrebko, vom brillierenden, inbrünstigen Rolando Villazón und vom erstaunlich ergreifend auflebenden Thomas Hampson. Aber auch alle anderen Akteure füllen ihre Rollen mit Leben, so dass man ihnen ihre Ergriffenheit ohne Weiteres abzukaufen bereit ist.

Fazit: Eine kongeniale Aufführung einer hervorragenden Oper!


The Originals - 12 Konzerte Op.7
The Originals - 12 Konzerte Op.7
Preis: EUR 13,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ...wenn sich der Komponist schon nicht von seiner Schokoladenseite zeigt..., 19. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Originals - 12 Konzerte Op.7 (Audio CD)
Tomaso Albinoni (1671-1751) zählt zu den vielen italienischen Komponisten des Barock, die heute fast vollständig in Vergessenheit geraten sind, gäbe es nicht ein Werk, auf das man ihn beständig reduzierte. In Albinonis Fall ist es sein berühmtes Adagio g-moll für Orgel und Streicher - obschon sich die Forschung heute nicht einmal mehr sicher ist, ob eben dieses von Albinoni selbst stammt...

Dabei komponierte Albinoni auch andere, bemerkenswerte Stücke, die freilich nicht mit der Meisterschaft anderer italenischer Genies verglichen werden können, die aber dennoch immer wieder schön anzuhören sind.
Dazu gehören auch die zwölf "Concerti a cinque" aus op. 7. Sie sind in vier Dreiergruppen angeordnet, welche selben jeweils aus einem Konzert für Streicher und Basso continuo, einem für zwei Oboen, Streicher und Continuo sowie einem für Oboe, Streicher und Generalbass bestehen. Die Satzfolge schnell-langsam-schnell ist fest vorgelegt, die Aufführungsdauer beträgt in etwa fünf bis acht Minuten pro Konzert.
Es ist deutlich zu spüren, dass es sich bei den Konzerten aus op. 7 um eine Vorstufe zu den genialen Concerti aus op. 9 handelt. Der Ausdruck der Werke ist recht begrenzt, selten fördert Albinoni Neues, Aufregendes an den Tag. Auch die langsamen Sätze vermeiden es in der Regel, in die Tiefe zu gehen. Das, was Albinoni seinen Hörern bietet, ist allerdings hervorragend gearbeitet und darf als vollendete Kunst bezeichnet werden.

Als Zugabe gibt's die zwei Sonaten op. 2,5 und op. 2,6, ein willkommener Auszug aus dem schwer erhältlichen Kammermusikschaffen Albinonis. Die beiden Sonaten sind für zwei Violinen, drei Bratschen, Cello und Cembalo gesetzt und in Form der Kirchensonate konzipiert. Besonders in den langsamen Sätzen erforscht der italienische Tonsetzer eine Fülle warmer, melodischer Motive.

Die vorliegende Einspielung durch das italienische Kammerensemble "I Musici" mit den Oboisten Heinz Holliger und Maurice Bourgue entstand 1990/ 1991 und erfreut sich gewohnt brillanter Decca-Klangqualität.
Von besonderer Schönheit ist der fließende, wohl akzentuierte Vortrag, der streckenweise ob der immensen Spannung komplett vergessen lässt, dass es sich bei den hier eingespielten Werken nicht gerade um Meilensteine der Musik handelt. Perlende Nuancen, schattierte Facetten und eine gesunde Prise Individualität lassen das Recital zu einem Fest der Musik erstehen. Die Akteure durchdringen die Werke durch und durch, fühlen sich ein und erzeugen Wärme und Nähe. Vollkommene Transparenz und Differenziertheit stehen stets im Zeichen Albinonis.

Fazit: Eine Repertoireerweiterung, die besonders vom glühenden, begeisterten Vortrag lebt!


Brilliant Classics Piano Library: Dvorak - Sämtliche Klavierwerke
Brilliant Classics Piano Library: Dvorak - Sämtliche Klavierwerke
Preis: EUR 15,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vernachlässigte Werke tadellos dargeboten, 11. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Viele Bereiche im Schaffen des tschechischen Komponisten Antonín Dvorák werden bis heute kläglich vernachlässigt - und vor allem zu Unrecht. Besonders betroffen sind dabei seine zahlreichen Klavierwerke, von denen den meisten Rezipienten nur einige wenige Melodien oder gar lediglich Themenfetzen bekannt sind. In der Tat sind die Kompositionen des Tschechen für das Klavier weit weniger ausgefeilt als beispielsweise seine Kammermusik. Das liegt wohl insbesondere daran, dass Dvorák zeitlebens kein großer Pianist gewesen ist: Viele seiner Werke konnte er selbst nicht aufführen. Weiterhin sollte erwähnt werden, dass er insbesondere kleinere Stücke schrieb anstelle von längeren. Zudem legen diese Stücke eine sehr raue und herbe Tonsprache an den Tag, die sie im Vergleich zu den satten Harmonien der Klavierwerke von Dvoráks Zeitgenossen eher schwer zugänglich erscheinen lassen.

Frühe Werke - Das vielleicht bekannteste Klavierwerk Dvoráks ist sein op. 36, das Thema mit Variationen, das ein ganz differenziertes Gespür für Kolorit und sanfte Melodik beweist. Der Komponist reiht schnell verrauschte Eindrücke an tiefere, empfindsamere Passagen, ohne jedoch die Balance aus den Augen zu verlieren.
Große Beachtung verdienen auch die prächtigen "Silhouetten" op. 8, eine der längsten zusammen hängenden Klavierkompositionen aus der Feder des Tschechen. Das slawisch Herbe tritt hier ebenso zu Tage wie Dvoráks Bedürfnis, Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
Wie gut er das trotz mangelnder Technik vermochte, zeigen auch die Furiants, die Walzer, die Eklogen sowie die Ecossaise, die ebenso aus der frühen Phase des Tonsetzers stammen. Der unterstreicht das Tänzerische, ohne aber jemals den Anspruch absoluter Kunst aus den Augen zu verlieren. Auch die vier kleineren Stücke, eine Polka, zwei Menuette und eine Dumka, verdienen Anerkennung.

Mittlere Werke - Dass Dvorák während dieser Schaffensphase offenbar kein großes Interesse daran hatte, längere Werke für das Klavier zu schreiben, belegen die unzusammenhängenden Reigen der vier Albumblätter und der sechs Klavierstücke op. 52, die an kleine Etüden erinnern. Ergreifender sind hingegen die sechs Mazurken aus op. 56. Dvorák war immer begeistert von der Folklore seiner Heimat, auch wenn er stets nachempfand und nie entlehnte. Schließlich finden sich noch drei lose Stücke, das Impromptu in d-moll, das Moderato in A-Dur sowie die geheimnisvolle "Frage".

Späte Werke - Von besonderer Schönheit sind die 13 poetischen Tonbilder, die Dvorák von seiner impressionistischen Seite zeigen. Durchaus finden sich in seinem Oeuvre immer wieder Anzeichen für Tonmalereien. Die pastorale Idylle verdeutlicht dieses Moment.
Die letzten beiden größeren Klavierwerke sind die espritvollen Humoresken op. 101 sowie die herrlich konzine Suite in A-Dur op. 98. Vor allem im letzt genannten Stück hören wir einen Dvorák, wie er sich am Klavier nur selten zeigte, harsch, herrisch, toccataartig. Weniger ambitioniert dagegen sind die Dumka mit Furiant, die "zwei kleinen Perlen", ein weiteres Albumblatt, eine einzelne Humoreske, ein Wiegenlied sowie ein Capriccio.

Die vorliegende Gesamteinspielung durch die Pianistin Inna Poroshina entstand 1997/ 98 und erfreut sich hervorragender Aufnahmequalität.
Poroshina erfasst den Habitus dvorákscher Klaviermusik brillant: Ihr Spiel vermeidet jedweden Anflug akademischen Schnörkels, ist unprätentiös und geradlinig, ohne es allerdings an Esprit missen zu lassen. Gewiss nimmt ihr nuancenreicher, farbig schattierter Vortrag nicht alle Stück gleich ernst - aber das tat Dvorák ja auch nicht...
Sie setzt flüssige Akzente und arbeitet die typischen Elemente der Tonsprache des volksverbundenen Tschechen heraus. Somit garantiert Poroshina Spannung, bis der letzte Ton verklungen ist. Völlige Transparenz und Differenziertheit machen auch diejenigen Stücke zu einem Erlebnis, die nicht zu Unrecht weniger Reputation genießen.

Fazit: Repertoireerweiterung oder -komplettierung? - Wer den ganzen Kosmos der unvergleichlichen dvorákschen Tonsprache erforschen will, sollte durchaus ein Ohr für ein Feld haben, auf dem Dvorák sich als weniger talentiert erwies...


Richard Strauss - Der Rosenkavalier (2 DVDs, NTSC)
Richard Strauss - Der Rosenkavalier (2 DVDs, NTSC)
DVD ~ Anne Sofie von Otter
Preis: EUR 21,93

4 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Edelkitsch, auf Hochglanz poliert, 29. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist immer wieder erstaunlich, welch verschiedene ästhetische Strömungen die Kunstwelt des Fin de Siècle durchwoben. Während Arnold Schönberg sich bereits der freien Atonalität hingab, gab es einen anderen Komponisten, Richard Strauss, der eine Oper schrieb, "Der Rosenkavalier", gegen die selbst Opern von Mozart gerade obszön wirken. Das Stück schwelgt komplett im Geiste der Nostalgie. Weder musikalisch noch textdramaturgisch wagt der deutsche Komponist sich hier weit nach vorne.
Die Geschichte - eher eine schmalzige Schmonzette - basiert auf einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal und handelt vom jungen Beau Octavian, der nach einer wilden Nacht mit der erfahrenen Feldmarschallin als Kammermädchen verkleidet das Gefallen des alten Grafen von Lerchenau auf sich zieht. Der wiederum jedoch ist mit der jungen Sophie von Faninal verlobt, welche allerdings für Octavian brennt.
Alles in allem handelt es sich also um eine Oper minderen Anspruchs, schon allein deswegen, weil die Handlung auf ein teils entsetzliches Minimum reduziert ist.

Die vorliegende Inszenierung durch den Chor und das Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung des legendären Carlos Kleiber entstand 1994. Ton- und Bildqualität sind gut. Die Orchesterleistung ist - wie zu erwarten - tadellos. Kleiber forscht den Kosmos straussschen Ausdrucks perfekt aus, fordert Höhen und Tiefen. Vor allem die bekannten Walzer des "Rosenkavaliers" macht er durch perlende Nuancen und farbige Schattierungen zu unvergleichlichen Leckerbissen. Hinzu kommen treffende Akzente, die Spannung garantieren, und die vollkommene Differenziertheit des Vortrags. Leider muss erwähnt werden, dass der Orchesterschwall die Singstimmen im ersten und zweiten Akt übertüncht.
Sicherlich gibt es auch keine Einwände gegen die gesangliche Leistung. Die Hosenrolle des Octavian wird von der brillanten, herzig anstimmenden Anne Sofie von Otter bekleidet. Den Baron von Lerchenau singt Kurt Moll wundervoll selbstironisch, die Feldmarschallin ist Felicity Lott auf der Höhe ihrer Kunst. Zuletzt wird Sophie von Faninal von der großartigen, individualisierenden Barbara Bonney dargeboten. Alle Akteure - auch der herausragende Chor - singen ihre Rolle nicht nur, sondern leben sich ein. Gekrönt wird das Recital durch die beeindruckende schauspielerische Leistung.
Eine letzte Betrachtung gilt der Bühnengestaltung, die auf einer Idee Otto Schenks beruht. Der Rezipient darf hier sicherlich nichts Modernes erwarten, sondern voluminöse, üppige Bilder, die sich als historisch informiert bezeichnen können. Dennoch sind sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme niemals übertrieben oder aufdringlich, sondern passt sich dezent an.

Fazit: Eine fast perfekte Darbietung einer Dreigroschenoper!
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 2, 2013 1:49 AM MEST


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