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Rezensionen verfasst von
Serafinas Tanz

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Das große Los: Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr
Das große Los: Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr
von Meike Winnemuth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen herrlich - Winnemuth tut gut!, 27. Mai 2013
Heute, an einem kalten Regentag Ende Mai, bin ich mit Meike Winnemuth in einer Hamburger Bäckerei Tee trinkend und ein klatschnasses Buch in der Hand haltend nach Kopenhagen gereist, wo das Wetter deutlich besser war. Stadt Nr. 8 von 12 in einem Jahr. Nach 6 Monaten ganz weit weg (je 4 Wochen Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco) war sie im Juli 2011 wieder in Europa gelandet. In London. Huch? Jetzt sind wir ja schon fast wieder zu Hause.. Wie wahr. Sie begibt sich ins Barbican Theatre - und legt sich dort ins Bett! Denn man will ("Lullaby" heisst das Programm, Wiegenlied) das Publikum zum Schlummern bringen. Morgens werden Meike und ihre Pyjama tragenden Mitschläfer aus einem Gehege mit tschilpenden Küken geweckt, das auf die Bühne getragen wird. Der Franzose im Dreierbett neben ihrem hat länger durchgehalten und verrät ihr, was sie verpasst hat.. Nun ist schon August im Buch, und wir bleiben also ganz in der Nähe ihres Wohnorts Hamburg, in Kopenhagen. Von dort aus schreibt sie - aus jeder Stadt ein Brief an eine andere Person, den wir netterweise mitlesen dürfen - ihrem eigenen jüngeren Ich. Meike 51 an Meike 15: "Was kann ich Dir erzählen, ohne zu viel zu verraten? Vielleicht dies: Bitte bleib am Leben, es lohnt sich. Du wirst lieben und geliebt werden. Du wirst die Welt sehen, Dir werden sämtliche Wunder begegnen. Von all dem kannst Du heute noch nicht mal träumen, so unvorstellbar ist es. Wenn ich Dir erzählen würde, was alles passieren wird, würdest Du mir kein Wort glauben. Du kannst für den Preis einer Busfahrkarte nach London fliegen. Du hast eine Art Minicomputer in der Tasche, mit dem Du telefonieren und fotografieren kannst, der Dir den Weg zeigt und in dem Deine Plattensammlung gespeichert ist. Deutschland ist wiedervereinigt, Berlin ist die Hauptstadt..." Meike 51 wird klar, dass sie, seit sie mit 15 durch die Heimatstadt Neumünster radelte, so viel nicht Auszudenkendes erlebt hat - wie soll sie einen Schimmer haben, was die nächsten 35 Jahren bringen werden?! Sie weiß nur, sie möchte dabei sein.

Meike Winnemuths ganz große Stärke: sie ist nicht nur eine wunderbare Schreiberin (ich habe ihre Kolumnen in der Amica geliebt und freu mich noch immer wie ein Stint, wenn ich auf einen Artikel von ihr in einer Zeitschrift stoße, denn auch da finde ich stets diese schöne Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang)- sie macht einfach! Sie ist vernünftig und unbeschwert, mutig und sensibel. Sie hat eine Idee und setzt die um. Bumm. Sie kann gut allein und schließt gern andere Menschen in ihre Pläne und ihr Glück ein. Sie lässt sich in Vorbereitung ihrer Reise Tipps und Aufträge von LeserInnen des Süddeutsche Zeitung Magazins geben. Sie besucht daraufhin Orte und Menschen in den ihr bis dahin fremden oder schon bekannten Städten (San Francisco - sie liebt das ganz große Kino hier!), auf die sie sonst nie gekommen wäre. Irgendwas wird schon passieren, und bestimmt ist es toll. Sie probiert, experimentiert und notfalls fällt sie auf die Nase - aber meist gewinnt sie! So hat sie bei Günther Jauch auch die 500.000 Euro gewonnen, die der Auslöser für diese 12 Monate waren. Wenn das Geld auch nicht wirklich nötig gewesen wäre? Sie schreibt ja, und heute gibt es Laptops... Aber so ein Bündel Scheine fungiert eben auch mal als Sprungschanze und Sicherheitsnetz. Für den Fall der Fälle..
Jede Stadt ist anders - jede macht sie zu einem anderen Menschen. Unheimlich und faszinierend. Obgleich sonst so aktiv und laufend dazu lernend (Sprachen, Ukulele!), ist sie in Honolulu schon froh, wenn ihr Arm die Mai-Tai-Tasse heben kann. So entspannt bzw. in Trance ist sie hier. In Mumbai bekommt sie schlechte Laune, die erst verschwindet, als sie die Stadt verlässt. Immerhin, ihre versilberte Teekanne aus einem Antiquitätengeschäft Station Nr. 2 hilft ihr, Krisen besser auszuhalten. Vor denen niemand gefeit ist, nicht mal jemand mit Geld. Ja, man sollte emotionaler packen und gern auch eine Ukulele, eine Teekanne und später noch andere Sachen, gern auch kitschig, mit um die Welt schleppen!

Am Ende jeder Etappe eine Liste mit 10 Dingen, die sie hier gelernt hat - 10 Erkenntnisse, die sie mitnimmt in die Zukunft und wir als LeserInnen auch. Das Buch ist reich und bunt bebildert - und ja, es ist ein ganz persönliches Buch, aber das ist mit das Tolle: Hier wird Persönliches erlebt und empfunden, das du nie erleben wirst, allein schon, weil du diese Stadt oder diese Menschen vermutlich nie selbst live und Farbe sehen wirst - doch da es nun Schwarz auf Weiß auf Papier steht, bist du dennoch dabei! Gerade was die Empfindungen betrifft. Ganz viele Fragen, die Meike stellt, könnten die eigenen sein oder sie waren es schon. Ganz ohne Reise. Und es gibt eben nicht auf alles eine Antwort, aber auf etliches durchaus. Zum Beispiel: "Du musst dir nicht die geringsten Gedanken um die Zukunft machen, die kommt von allein!"
Heute ... Haben wir noch "heute"? Nein, inzwischen ist es bei mir auch schon wieder "gestern": Gestern, am Sonntag, den 26. Mai 2013, saß ich also mit Meike Winnemuth beim Bäcker. Tee trinkend. Am runden Nebentisch drei Damen im besseren Alter. Eine von ihnen - gerade hatte ich im Kopenhagen-Teil erfreut bzw. geradezu ergriffen das Rilke-Zitat auf Seite 190 aus dem "Brief an einen jungen Dichter" gelesen und mich an mein eigenes wiederholtes Lesen jenes Buches erinnert und dass auch ich diese Passage so mag, sagt: "Let's have a party!" Ja, lasst uns ein gemeinsames Erlebnis haben. Und feiern. Wir finden das Glück. Auch ohne es zu suchen. Sie sprechen englisch, alle drei. Sie kommen aus London? Wie wir? Nein, wohl anders als wir. Wenn. Anders auch ich als Du. Sogar zum selben Zeitpunkt sieht jeder die Welt anders. Jeder mit den eigenen Augen. Und doch können Deine Augen etwas sehen, das ich genauso empfinden kann. Selbst zu einem anderen Zeitpunkt...
Wohin geht es nun, da wir aus Kopenhagen zurück sind? Von dem wir erstaunlich wenig erfahren haben - einerseits. Andererseits sind es eben die kleinen und kleinsten Dinge, die der Juwel sind und die das Ganze in einem Teilchen zeigen. Es ist auch gerade dieses "Umgekehrte", das so reizvoll ist: Die Stadt macht etwas mit dir bzw. mit dem Menschen Meike - und das, was sie uns "spiegelt", ist eben ganz viel dieser Stadt! Ihr Charakter. Kopenhagen ist wie ein Teenager!
Barcelona als nächstes. Dann Tel Aviv. Addis Abeba. Havanna. Wow. Ich freu mich. Aufs nächste Ankommen. Es ist immer ein Ankommen, immer das "da" sein.
Barcelona. Nachher. In der U-Bahn. Auf dem Weg ins Büro.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 14, 2013 12:24 PM MEST


Kindermund
Kindermund
von Pola Kinski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

26 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen endlich Worte gefunden - berührend, ergreifend, danke Pola, 21. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Kindermund (Gebundene Ausgabe)
Pola Kinski wählt für den Anfang ihres Buches eine Szene, in der sie selbst voller Ekel und Zerstörungswut ist: "Wagt es nicht, mein Fahrrad zu berühren, ihr Dreckstauben!" So lautet der erste Satz. Das Fahrrad ist ein Geschenk ihres Vaters zu ihrem Geburtstag. Sein Gebrüll, der Befehlston, die fratzenhafte Mimik, der Schaum in den Mundwinkeln, seine Verachtung fast aller Menschen, mit denen er es zu tun hat (kaum jemand, der nicht "Kretin" geschimpft wird), während er sich selbst permanent wie ein Idiot benimmt, z. B. wenn er wieder mal noch vorm ersten Bissen fluchend ein Lokal verlässt, weil jemand falsch oder zu lange geguckt hat - Frau und Kinder folgen beschämt: das alles kann man sich bildhaft vorstellen. Kennt man ihn doch aus immer und immer wieder wiederholten Talkshow-Auftritten etc., die ihn zeigen, wie er eben offenbar auch zu Hause war. Plötzlich springt er aus dem Gebüsch, wenn sich Pola mit ihrer Stiefmutter draußen auf einer Bank unterhält, sie flüchten nach drinnen, er taucht unterm Bett auf... Spannender kann kaum ein Krimi sein. Seite 196: "'Beeilt euch!', zischt er und fuchtelt mit dem Gewehr gefährlich nah an meinem Gesicht. 'Sie müssen unten sein!' Er schubst mich mit dem Lauf der Waffe zur Treppe." Er vermutet einen Einbrecher im Haus und schickt seine Tochter vor, ihn zu finden. Ein wahres Leben wie ein Edgar-Wallace-Film. Gruselig. Selbst ohne die zahlreichen Vergewaltigungen, die seine Tochter ertragen muss.

Das Buch packt von der ersten bis zur letzten Seite - weil es wunderbar geschrieben ist. Es ist wie ein lautloses Schieben der Kulissen von der Kindheit mit Puppen und einem hellblauen echten Kinderwagen, den der Vater für diese gekauft hat und mit dem er plötzlich vor der Schule steht ("... 'Den schönsten und teuersten, den es gibt. Er kommt aus Italien! Komm, mein Geliebtes, wir bringen ihn nach Hause.., dort steht mein Jaguar. Morgen früh fährst du mit mir nach Rom!'...") in die Jugendzeit hinein: "Ich schließe die Augen, die Musik der Doors fließt durch mich hindurch. Der Raum, die Menschen um mich herum, das Licht... werden wattig, unwirklich. ... Dieser Ort ist aufregend und bedrohlich." In einer Drogenhöhle mit der Stiefmutter in Berlin. Zum ersten Mal im Haschischqualm anderer Menschen.
Pola gelingt es ganz außerordentlich gut, uns direkt in ihre Erfahrenswelt mitzunehmen, wir sind von der ersten bis zur letzten Sekunde mittendrin. Erleben das Kind, das sich so sehr zur Mutter hingezogen fühlt und deren Wärme genießt (alles an ihr ist rund!) - bis nach deren Trennung von Klaus Kinski plötzlich "dieser Heinrich" auftaucht. An den Pola die Mutter verliert. Ihre sämtlichen Versuche, die Liebe zurückzugewinnen, scheitern. Ein Brüderchen kommt, sie legt extra ein kleines Geschenk auf die Bettdecke der Mutter, doch diese beachtet sie gar nicht mehr. Ihre Mahlzeiten nimmt Pola jeden Tag mit dem Rücken zu den anderen, die am Tisch sitzen, an einem Ausziehbrett über dem Mülleimer ein.

Das ist alles unendlich traurig und schockierend. Diese Ungeheuerlichkeit, dass Pola Kinski viele Jahre lang zwischen der Ignoranz ihrer Mutter und dem tierischen Begehren ihres Vaters hin- und her gerissen war, macht wütend und fassungslos. Aber wir wissen, glücklicherweise, auch: Sie hat es überlebt. Sie hat dieses Buch geschrieben. Sie ist - wie ihre Halbschwester Nastassja jüngst formulierte - eine Heldin! Dass dieser Vater, der in einer Nacht- und Nebel-Aktion seinen Hengst blutig schlug, es nicht mal ertragen konnte, dass Pola eine eigene Foto-Strecke in einer französischen Zeitschrift bekommen sollte! Tolle Fotos - dann wollten die Redakteure noch eines mit dem Vater... Lauter Szenen, die man voll und ganz glauben kann und bei denen man sich schütteln muss. Vor allem, wenn man nun, nach so vielen Jahren (es ist großartig, dass es gelungen ist, dies alles in Worte zu bringen!), auch dieses "Kinski-Puzzle-Teil" erhält: Klaus Kinski ruft Pola an, er sei zur NDR-Talkahow in Hamburg... Sie ist am Schauspielhaus engagiert. Sie soll im Hotel Atlantic ein Doppelzimmer bestellen, für ihn und, wie so oft, sie...

Unglaublich, aber wahr. Pola hat die Kulissen im Buch noch einmal von ihrer Kindheit in die Jugend geschoben. Und die Bühne, auf der sie steht (oder stand), ist endlich wieder in den Vordergrund gerückt. Ihr Vater möge im Background bleiben, bitte. Möchte man bei allem, was man jetzt schon weiß, nun auch noch Nastassjas Version hören? Dieses Buch ist z. Z. auf Platz 1 in der Kategorie "Biographien & Erinnerungen - Film, Fernsehen, Theater" bzw. "Film, Kunst & Kultur". Es sollte zugleich im Psychologie-Regal der Buchhandlungen zu finden sein, mindestens. Es ist absolut lesenswert, vollkommen unabhängig vom Nachnamen. Streckenweise ist es sogar komisch. Das ist wohl eines der wichtigeren Überlebenstalente gewesen: der Sinn, hinter die Dinge sehen zu können und sie richtig zu "drehen": so erhält Heinrich - der am Ende derjenige ist, der am meisten hilft - zunächst mal an seinem Hochzeitstag eine Hakennase! So richtig hässlich soll er aussehen!
Entwaffnende Ehrlichkeit, nüchterne Betrachtung, zugleich viel Emotion: den Worten eines TV-Kritikers, das Buch sei nur streckenweise literarisch, kann ich mich nicht anschließen: Die Sprache ist durchweg bilderreich und eben nicht auch noch übertrieben oder künstlich aufgebläht wie viele Handlungen des Herrn K.: 1 Einkauf, 30 Paar Schuhe für Pola! Geht's noch? Schnell weg...


Den Engeln auf der Spur
Den Engeln auf der Spur
DVD ~ Prinzessin Märtha Louise von Norwegen
Preis: EUR 18,07

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sie sind mir auf der Spur, 10. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Den Engeln auf der Spur (DVD)
Ich wollte "Nathalie küsst" kaufen. Statt dessen trug ich die Engel nach Hause. DVD in den Player, Licht aus, aufs Sofa - womm. Das sind sie also alle, mit Bild und Stimme. Die Autorinnen und Autoren der Engel-Bücher, die derzeit en masse in den Läden liegen. Alle machen einen überaus sympathischen, natürlichen Eindruck. Alle sagen, es sei so wichtig, zu leben und zu genießen und dass die Engel unser Glück möchten. Alle lächeln. Kein zynisches oder überhebliches Lächeln. Kein scheues Lächeln. Nein, alle sind tief dankbar für die Erlebnisse mit den Engeln, die sie in ihre Bücher führten - und sie zeigen in ihrem Lächeln ihre Freude und Dankbarkeit. Danken und zugleich bitten, das ist wichtig. Es ist die Aufgabe der Engel, zwischen Gott und den Menschen zu vermitteln. Es ist ihr Anliegen, die Menschen glücklich zu machen und zu helfen. Aber wir müssen sie bitten. Das sei einfach und doch für viele schwierig, sagt Charles Virtue. Doch wenn wir es wagen, kommen sie - sie setzen sich ein für uns. Manchmal brauchen sie auch die Hilfe der Menschen. Sie zeigen sich einigen, und wenn zum Beispiel Isabelle von Fallois ihre Geschichte erzählt, wie sie von einem Engel - dem sie später in Nizza (Engel-Bucht? war mir bisher nicht bekannt..) wieder begegnet - von ihrer Leukämie befreit wurde, das rührt. Ihr Buch "Die Engel so nah" werde ich jetzt wohl lesen.
Stimmt. Im Anschluss an die Interviews mit den Autoren, die die österreichische Journalistin Renate Ingruber führt, fliegt immer das zu ihnen gehörende Engel-Werk ein. Das gibt einem schon das Gefühl von Schleich-Werbung. Der Film hat auch keine wirkliche Handlung. Es geht mit dem Erlebnis der Autorin des Films los, das sie selbst in die Engelwelt führte, es geht dann gleich weiter mit der ersten Engel-Botschafterin, und wir erleben einen Engel-Experten nach dem anderen.. Bis zur norwegischen Prinzessin Märtha Louise und schließlich Elisabeth Samnoy, mit der zusammen sie "Schutzengel begleiten dich" verfasst hat. Diese beiden hatten schon als Kinder einschlägige Engel-Erlebnisse, wie auch die Irin Lorna Byrne, die ich überaus sympathisch fand und deren Buch "Engel in meinem Haar" mir schon so oft begegnete.
Merkwürdig. Jenes Buch - wie auch die Werke der anderen Interviewten - stellte ich bisher immer zurück ins Regal im Buchladen. Manche hatte ich schon mehrmals in der Hand. Aber diesen Film heute konnte ich nicht zurückstellen. Er sprang mich spontan an und blieb bei mir. Manchmal kleben die Bücher, Filme, CD's an den Händen fest. Oder eine Flasche Duftessenz oder auch mal ein Lottoschein. Oder sie leuchten. Wenn das begleitet ist von einem positiven Gefühl und wenn es, wie bei mir heute, zu einem gemütlichen Abend führt und man hinterher ganz gerührt oder bewegt oder um eine Erkenntnis reicher oder "einfach so" froh wieder vom Sofa aufsteht - wer oder was war dann im Spiel?
Dass die Engel Humor haben und nicht immer ernst sind, ist eine Erfahrung, die ich durchaus teile.
In diesem Sinne, liebe Engel: Wie küsst Nathalie? Und wen? Oder soll ich, bevor ich den Film sehe, erst mal "Die Mechanik des Herzens" untersuchen? Lesend? Mathias Malzieu? Oder was habt ihr mit mir noch so vor?


Violently happy (plus 3 acoustic tracks)
Violently happy (plus 3 acoustic tracks)
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 15,85

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glückstrunken, 5. Oktober 2012
Obgleich "Violently Happy" hier mit 3:35 über eine Minute kürzer ist als auf dem "Debut"-Album, das natürlich wundervoll ist, allein schon wegen der längeren Version dieses Liedes, aber auch wegen einiger anderer Perlen, liegt mir so enorm viel gerade auch an dieser Single. "Violently Happy" ist so ungewöhnlich und doch so melodisch. Es kommt so temporeich daher, man könnte sich aus der Puste springen beim Hören - und warum nicht!
"Since I met you - this small town hasn't got room - for my big feelings". Das ist noch sehr geheimnisvoll ruhig, da bahnt sich erst was an, "hallige" Stimme, von irgendwo ein "synthetisches Tier".. Was kommt? Das kommt: Drums und Rhythmus und mehr: "Violently happy - cause I love you..." Yeah. Düster-mystisch-hüpfig: "I stand by the ocean - make it roar at me - and I roar back"... Aus der Puste, wirklich.
Dann dieses Spinett. "Anchor Song". Mermaid. Diese komplett konträren Klänge! Diese plötzliche völlige Ruhe. Nur Björk mit ihrer kindlich-eindringlichen Stimme: "I live by the ocean - and during the night - I dive into it"... Die Betonung der Worte, das Hoch- und Tiefgehen der Stimme mit den Wellen... "This is my ho-ome.." spling-splingeling (Spinett).. Knappe 3 Minuten. Applaus. Offenbar kein Riesensaal, nicht übermäßig viele Zuhörer dort in Spanien.. Doch die, die da sind, sind angetan, irgendjemand äußerst sich da recht kreischend. October 13th 1993 for "planeta rock". Zu sehen inzwischen - oh segensreicher Fortschritt - auch als youtube-Video, eingestellt am 28.04.2012, der folgende Song, in den es gleich übergeht auf der CD, mit einer Björk, die einfach nur wow ist im Ton und im Bild: "Come to me - I take care of you - protect you - calm - calm down - you're exhausted..... .. you don't have to explain... ... u-u-u-h-u-u-u.. you-u know that I adore you - a - you-u know that I hi love you ....." Oh, wie intim. Wie zärtlich und spinettig. "BPilding's on fire.. I'll catch you - I'll catch you ... ... and I nurse you - I nurse you...."...
Wenn du richtig doll voller Leidenschaft bist - und jemandem nah sein möchtest - und nah bist -.. (die Begeistertste im Publikum ist auch nach diesen 5:10 unüberhörbar angetan!)
Schließlich - ebenfalls nur vom Spinett begleitet - "Human Behaviour". 3 Minuten.
Gut. Man muss vielleicht Fan sein. Vielleicht aber auch nur die richtige Stimmung haben. Die letzten drei Songs sind nur im "Stand-Tanz" zu bewältigen. Du musst zuhören. Und vielleicht bist du dann ganz fertig hinterher. Von so viel schrill und gurrend und knurrend geäußerter Gefühlswelt.
Neustart: "Violently happy"! Spring-spring - wieder Luft! Vielleicht ja auch diesmal vom Album. Weil die Version dort länger ist. Weil es ein Spring-Song ist, und weil Springen Erholung sein kann und man doch manchmal wirklich zerspringen möchte vor Glück!
Den Text zu Violently Happy bekommen wir mit der CD, die anderen - brauchen wir sie? Hören wir nicht im Gesang, was Björk uns sagt?


Briefe an einen jungen Dichter
Briefe an einen jungen Dichter
von Rainer Maria Rilke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein kleines Buch mit großem Inhalt (Herr, es wird Zeit...), 30. September 2012
"Ein Kunstwerk ist gut, wenn es aus Notwendigkeit entstand. In dieser Art seines Ursprungs liegt sein Urteil; es gibt kein anderes." (S. 9) Oder: "Da gibt es kein Messen mit der Zeit, da gilt kein Jahr, und zehn Jahre sind nichts. Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum , der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte." (S. 17)
Wer je aus einer Notwendigkeit heraus ein Kunstwerk schuf, das noch am Baum hängt, darf sich angesprochen fühlen. Auch alle, deren kreative poetische Früchte schon in Körben liegen, werden sich wiederfinden. Wer die Einsamkeit sucht, findet einen Verbündeten, einen der sie mehr preist, als jeder sonst. Und wem sie zuwider ist, dem wird hier Mut gemacht: ja, das Leben ist oft schwierig, aber nur wenn man an den Kern geht, vor allem den eigenen, kommt man in die Tiefe - auch oder gerade mit dem eigenen Schaffen. Und nur aus dieser Tiefe kann man in die Höhe schnellen..
Rilke gibt dem dem jungen Mann Franz Xaver Kappus, der nicht weiß, ob er ein Dichter ist, durch die Blume zu verstehen, dass er wohl kein wahrer Dichter sein kann, wenn er es nicht weiß. Von all den Versen, die der junge Mann dem großen Dichter sendet, gelangt allerdings einer bis in dieses Büchlein hinein. Ein Sonett, das Rilke abgeschrieben hat: "..weil ich fand, daß es schön und einfach ist und in der Form geboren, in der es mit so stillem Anstand geht." Was für eine schöne Idee, den Dichter (also doch?) seine eigenen Verse lesen zu lassen, als ob es fremde wären. "Sie werden im Innersten fühlen, wie sehr es die Ihrigen sind." (S. 34)

Verständnis klingt durch jede Zeile dieser zehn Briefe, verfasst zwischen 1903 und 1908. Immer wieder entschuldigt sich Rilke, sich erst jetzt zu melden. Er sei sehr beschäftigt gewesen oder auf Reisen. Dass er es überhaupt fertig brachte, so ausführlich zu antworten!
Seine Briefe sind leise und eindrucksvoll wie seine Gedichte. Sie haben dieselbe Tiefe und Leichtigkeit zugleich. Sie sprechen aus der Seele eines Menschen, der zutiefst war, was er lebte (und umgekehrt), und es weitergab in die Seele eines anderen - der diese Briefe weitergab, für unser aller Seelen. "Es war eine Freude für mich, dieses Sonett und Ihren Brief oft zu lesen; ich danke Ihnen für beides." (S. 34)
Es war tief berührend, diese zehn Briefe vor mehr als zehn Jahren zu lesen, und sie nun noch einmal mit einem völlig neuen Bewusstsein aufzunehmen, war wie einen neuen Frühling zu erleben, der kein erster Frühling mehr ist und dennoch so groß wie der letzte...
Wie war das mit dem Sommer, Herr Rilke? Dieser Sommer war nicht groß, dieser war überwiegend kühl, aber Sie sagen, es kommt immer ein Sommer nach dem Frühling - und vielleicht wird der nächste Sommer also wieder wohlig warm und an manchen Tagen sogar so heiß, dass wir uns nach Schnee sehnen? Abwarten und Tee trinken. Dieses Buch ist ein Genuss.


Kiss Me,Kiss Me,Kiss Me
Kiss Me,Kiss Me,Kiss Me
Wird angeboten von westworld-
Preis: EUR 11,04

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hingabe pur, geknetete Seele, 13. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Kiss Me,Kiss Me,Kiss Me (Audio CD)
Was für ein grandioser Einstieg bereits! Dong-Dong (dada) Dong-Dong (DADAda)... Schon klar - dieser Song ist meiner! Bei The Cure müssen nur die Bässe den richtigen ersten Ton treffen, die Drums mir nachdrücklich genug auf den Kopf bollern oder sich in den Bauch bohren oder kitzeln (alles wahlweise), die Wa-Wa's jaulen schräg mit, bis zum Gehtnichtmehr, die Zupfinstrumente spielen alle miteinander verrückt, während die Trommelstöcke weiterklopfen und auch noch das Keyboard seine sphärischen Klangteppichfransen über alles und alle spannt... Lustschauer, diese Musik umspült mich, dreht mir die Ohren hoch, macht mich an! Endlich - nach Minuten - auch noch die wundervoll leidende, leidenschaftliche Stimme von Robert Smith. Antörn, yeah! Oh, kiss me-kiss me-kiss me - slow - poison... Worte quirlen, übertüncht und zugeklatscht von den Instrumnenten ... I wish you were dead... YEAH! .. Wa-Wa - dongdong... "The Kiss" ist auf dieser Scheibe mein Nr. 1-Hit und live jedesmal wieder die absolute Sensation. Dong-Dong, schrammel... Mehr bräuchte es kaum, um mich glücklich zu machen.

Eine meiner größten Lieben ist dieses Album, das ich 1987 natürlich noch im Riesenformat, als Schallplatte, erstand (Tipp meines acht Jahre jüngeren Cousins, der sich mit mir auf einem Trip durch den frisch eröffneten "Saturn" befand). Und wie es mit einem geliebten Menschen ist, an dem man sicher auch das Eine oder Andere auszusetzen hat - DONG-DONG (möglicherweise schon in der ersten Verliebtheitsphase, nicht alle Eigenschaften schaffen es in die Top 5!) - ist es auch hier: etliches drauf, das ich immer schon ignoriert habe oder das einfach so nebenbei lief, weil die Scheibe doch mal nicht hinter "Just Like Heaven" wieder auf Anfang gestellt wurde. Dafür begeistert mich bis heute allein dieses Stück ebenfalls derart, dass ich allein hierfür die LP gekauft hätte.

Klar, ich hätte nichts dagegen, wenn sich hinter der satt orange-roten Hülle statt so manch meine Nerven tötenden "Gedschiedel" lieber noch die "Fascination Street" verbergen würde oder "Want" und wie sie alle heißen.... Quatsch, nein, genau so, wie ich eben sagte: lieber zwei oder drei oder vier richtig gute Stücke und der Rest nicht ganz so für den eigenen Geschmack (dafür gibt's dann ja wohl andere Abnehmer), dafür auf den vorigen oder nachfolgenden Werken mindestens EIN dicker fetter Bonbon, den man zuerst rauspickt ("A Forest"/1980, "Lovesong"/1989)... Ist das so? Wenn nur EIN Bonbon gefällig ist, bin ich doch enttäuscht. Bisschen mehr darf man erwarten von einem Album, finde ich.
Übrigens: so groß kommt das Cover doch wirklich genial zur Geltung! Waren das noch tolle Zeiten, als man so viel optisches und haptisches Vergnügen mit der Musik geliefert bekam?

"If Only Tonight I Could Sleep". Hier gerate ich - auf diesem Album zwischen "The Kiss" und "Just Like Heaven" - in einen Rausch, ohne je Drogen genommen zu haben. Das ist es ja! Wozu Betäubungsmittel, wenn man solche Musik hat? Augen schließen - ab geht die Rakete, manchmal im Taumelgang, ins All. Voll bewusst! Über irgendeinen orientalischen Ort, egal wo, egal welche Instrumente, diese Musiker haben es wirklich drauf. Auch unplugged, wie wir wissen. 1991 gab's so ein schönes MTV-Konzert. Völlig entspannt im Hier und jetzt.

"One More Time" möchte ich noch nennen. Schleppend. Als hätte man ne Knieverletzung und könnte nicht schneller. Okay, schleifen wir das Bein hinterher. Aber bei "Hot-Hot-Hot" (eins zurück) springen wir. Gut, dass ich doch ab und zu über den Himmel hinaus gekommen bin! Ich hätte sonst ne Menge verpasst!

Große Liebe, wie gesagt! ("How Beautiful You Are" - selbst wenn ich dich hassen würde.. Kuss!)


Islands - Essential Einaudi (Deluxe Edition)
Islands - Essential Einaudi (Deluxe Edition)
Preis: EUR 13,98

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fly (Klavier zum Verlieben), 13. September 2012
Schriebe ich "Fliegen", ich würde nicht nur ans Abheben denken, sondern auch an das summende Insekt. Das einen doch arg nerven kann, wenn es einem um die Ohren saust. "Fly", immer wieder für Fernsehbeiträge und Filme verwendet, so auch für das Meisterwerk der Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache "Ziemlich beste Freunde", ist Balsam für Herz und Seele und Ohren. Viele andere Songs von Ludovico Einaudi könnte man so nennen. Diese Klavierstücke sind - ja, so ist es - allesamt wie aus einer andern Welt, der Welt hinter, über oder unter Welt. Die Traumwelt während des Schlafs. Wolken-Welt. Gleitend. Schwebend. So passen Titel wie "Questa Notte", "White Night" oder "Nightbook" auch weit besser als der doch recht herausstechende "High Heels" - man muss schon viel Phantasie aufbringen, um ein entsprechendes Bild vor sich zu haben bei diesen ruhigen Klängen. Eher sieht man sich barfüßig über feuchtes Gras tanzend. Während gerade das "Nightbook" eher aufgeregt ist, temporeich, voll Nachdruck. Fast bedrohlich.
Das Großartige hier: Das Gesamtwerk - ein Best of - ist aus einem Guss und doch hat jedes Stück eine eigene Melodie.
Meine erste Begegnung mit dieser Deluxe-Version ermöglichte mir Amazon - die Hörproben, immerhin je 1 Minute lang, wurden eine ganze Nacht hindurch immer wieder von vorn bis hinten durchgespielt. Es geht fließend von Disk 1 zu Disk 2 über, von Titel 1 bis Titel 27, 27 Minuten also, und da ich noch mal und noch mal und noch mal mit dieser Musik surfte, war ich wie berauscht. Ich schrieb. Diese Musik unterstützt das Abschalten und das Denken, sie stört nicht, nicht mal die schnelleren Stücke und nicht mal, wenn man nur je eine Minute hört und natürlich deutlich erkennt, wann ein neues Thema einsetzt. Wie jedes vorherige inspiriert und erfrischt jedes neue Stück, bei aller Zurückgenommenheit.
Meine besonderen Lieblinge sind zahlreich: Fly, ja klar. Ich fliege auch auf The Earth Prelude mit seinen dramatisch die "Plings" des Klaviers kontrastierenden UND unterstützenden Streichern. Le Onde. Passagio. Primavera. Melodia Africana III. L'Origine Nascosta. Love Is A Mystery. Ancora. Und das Nightbook.
In voller Länge ist das natürlich alles noch viel toller.


Die Wahlverwandtschaften
Die Wahlverwandtschaften
von Johann Wolfgang von Goethe
  Broschiert

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irritationen, wortgewaltig, 12. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Wahlverwandtschaften (Broschiert)
"Eduard - so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter - Eduard hatte in seiner Baumschule die schönsten Stunden eines Aprilnachmittags zugebracht..." Allein dieser einführende erste Satz. Der noch nicht ganz zu Ende ist - zu Goethes Zeiten war es noch erlaubt, weit auszuholen und Genuss auszudehnen!
Wir nennen ihn also Eduard. Wir. Die Leser. Goethe fragt uns nicht - er bestimmt: wir nennen ihn so. Wir nennen ihn Eduard - heißt: er heißt anders? Oder gibt es Eduard gar nicht, nicht mal unter anderem Namen? Ist Eduard nur ein Sinnbild? Wie seine Frau Charlotte. Zu ihr gesellt sich Otto, zu Eduard Ottilie. Namensverwandtschaften - ausgerechnet diese vier Menschen, von denen gleich drei das "ott" in sich tragen, unter einem Dach. Erst waren da nur Eduard und Charlotte, das Ehepaar. Sie haben sich auseinandergelebt. Langeweile macht sich breit. Sie sind sich räumlich nah und doch persönlich fern. Und dann kommen die zunächst räumlich Fernen und sind nah. Körperlich. Geistig. Und noch dazu erklärt Goethe: Wir können uns auch - geistig -nahe sein, wenn wir uns räumlich fern sind!
In diesem Buch lernte ich vor vielen Jahren, dass ein Kind mehrere Elternteile haben kann - auf eine wie ich fand zugleich unheimliche wie doch irgendwie logische Weise, dass es dem Menschen ähnelt, äußerlich, an den einer der körperlich Liebenden zum Zeitpunkt der Befruchtung dachte. Anziehung. Geist wird Körper. Geist dringt so sehr in die körperliche Sphäre - nicht nur von außen nach innen, sondern auch von innen nach außen -, dass sich die wahren Gedanken nicht (mehr) verheimlichen lassen. Eigentlich. Und doch verheimlicht werden. Gespenstisch? Nein, so ist es: spektakulär.
Wie Goethe diese Geschichte aufbaut, weiterentwickelt, webt. Wie er die Menschen und ihre Beziehungen zueinander setzt. Wie er variiert und spielt. Virtuos verschiebt er die Verhältnisse. Verschieben sie sich selbst. So ist das mit der Liebe, die hinfällt, wohin sie möchte: sie kann sich teilen. Wie die Menschen damit umgehen, ist auch abhängig davon, in welcher Situation sich jeder Einzelne befindet.

Eine grandiose Geschichte, erzählt von DEM Literaten überhaupt. Diese Sprache ist eine Wohltat. Hier konnte jemand noch wirklich erzählen. Er setzt sich zu uns - nein, er ist schon da, wir gesellen uns zu ihm, es geht los: "Eduard - so nennen wir einen reichen Baron..." Goethe, der alte Meister, nimmt uns bei der Hand und zeigt uns diese Welt eines reichen Barons. Die Welt der Reichen überhaupt, die wir bisher möglicherweise noch nicht kannten. Zudem sind wir schon in eine andere Zeit versetzt, wir bewegen uns - ganz selbstverständlich, wir merken es schnell gar nicht mehr - in der Vergangenheit. Weil Goethe die Vergangenheits-Form wählt und weil, seit er diese Wahl traf, auch schon einige Jahre ins Land gegangen sind.
Es war ein schöner Aprilnachmittag. Wir haben sofort Bilder im Kopf. Jeder Satz erzeugt eigene Bilder. Wie sieht ein schöner Aprilnachmittag aus? Sonne, nehm ich an. Es war sonnig. Eduard verbrachte die Stunden in einer - nein, nicht irgendeine, SEINE! - in seiner Baumschule.

Hier wird die Seele umhüllt und umspült von großartigen Worten und Stimmungen. Die Geschichte ist ungewöhnlich. Die Bezüge zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sind spannend. Die Symbolik trieft selbst aus jedem einzelnen Namen.
Ich habe dieses Buch - wie "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera (auch eines meiner Lieblingswerke) - nur einmal gelesen, aber immer wieder neu gekauft. Mit fast jeder neuen Ausgabe, die ich im Buchladen sah, erhielt ich wieder diesen Impuls: KAUFEN! Denn dieses Buch empfand ich als einfach wunderbar, und mancher Umschlag scheint besser zu passen als der andere - aber irgendwie passen sie alle. Zusammen. Es passt für mich zum Titel des Buches, dass sich mehrere inhatlich gleiche Werke zueinander gesellen, da sie ja optisch alle unterschiedlich sind. Die Vielfalt macht's.
Dieses Buch habe ich mir genussvoll einverleibt wie eine Praline, deren besonderen, erstaunlichen Geschmack ich bis heute auf der Zunge trage.


Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß: Eine Liebesgeschichte
Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß: Eine Liebesgeschichte
von Hiromi Kawakami
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprache und Geheimnis, 12. September 2012
Es war der Titel, der mich ansprach: Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß. So einfach. So rätselhaft. Denn dass der Himmel blau ist: ok. Aber die Erde ist weiß? Ist die Erde nicht braun oder schwarz? Oder grün. Die, auf der wir gehen. Oder sie schimmert blau - die Erde als Kontinent... Die Erde ist also weiß. Und der Himmel ist blau. Das sagt alles und nichts. Doch, es sagt schon alles aus über dieses Buch: es beschreibt, in einer leisen Weis, das erst Ungeklärte oder Unklare und macht klar: die Erde ist weiß. So ist es, nicht anders. Und das Cover ist schön. Ruhig. Es zeigt auf der gebundenen Ausgabe einen See, ein Boot mit zwei Personen - einen Mann, eine Frau, sie sitzen sich gegenüber, der Mann hat die Ruder in der Hand -, die typisch japanischen Kirschblütenzweige. Die Erde ist grün. Diese Ausgabe fiel mir gleich nach Erscheinen im Buchladen in die Hände, ich nahm sie sofort, ohne nachzudenken, denn für mich war schon in diesem Moment auch alles klar, mit zur Kasse.
Dann lese ich los, und schon geht es weiter: "Batterien im Mondschein". Wieder so ein Rätsel. Batterie und Mondschein. Die Japaner sind verrückt. Sie sind voller Widerspruch, und das ist gut so. Der erste Satz: "Offiziell müsste ich meinen alten Lehrer bei seinem vollen Namen nennen: Harutsuna Matsumoto-Sensei - Herr Lehrer Harutsuna Matsumoto -, aber für mich ist er einfach der "Sensei". Himmel - was für ein Name. Ob ich mir den merken kann? Muss ich nicht. Denn was sagt mir die Ich-Erzählerin? Für mich ist alles anders als für alle sonst. Ich habe eine Sonderstellung oder ich schaffe sie mir. Durch Worte. Dadurch, wie ich der Welt und den Menschen entgegen gehe. Vor allem meinem alten Lehrer. Natürlich, offiziell ist er Herr Lehrer Harutsuna Matsumoto, vielleicht sollte er es auch für mich sein. Ich bin nicht alle, ich halte mich nicht an die Formalitäten. Ich nenne ihn anders. Für mich ist er nur der Sensai. Auch ich bin gerettet. Und er ist einverstanden.
Dieses Einverständnis, diese Gemeinsamkeiten trotz des Altersunterschiedes: Wir heben ein Geheimnis und heben uns gemeinsam ab, schweben leicht über der Welt. Es gibt die eine normale Welt und unsere.
Unsere japanische Welt. Gleich im ersten Satz lernen wir, wie man es im Japanischen richtig sagt. Ich sage es anders, und damit führe ich also ein in unsere Welt. Falsch ist da nichts. Ich verstoße gegen kein Gesetz, er auch nicht. Er war mein Lehrer. Er kann machen, was er möchte, ich auch.
Eine leichtfüßige Geschichte mit Tiefe. Diese Mischung ist gut, sie berührt. Die Japaner haben es drauf. Es ist wie bei Haruki Murakami in 1Q84: Tengo sieht zwei Monde. Aomame auch. Zwei Menschen können noch so verschieden sein - wenn sie nur ein Detail, ein wichtiges, gleich betrachten, sind sie gleich. Wir steigen als Leser in eine Parallelwelt, werden Komplizen. Sofort. Wir sind Teil dieser intimen Stimmung. Etwas stimmt nicht und ist doch ganz selbstverständlich.
"Oh, entschuldigen Sie." Sagt Hiromi Kawakamis Erzählerin. "Macht nichts". Antwortet der Sensei. Diese Schlichtheit. Die Beiläufigkeiten. Ungehorsam trifft Höflichkeit. Grenzgänger. Immer kurz vorm Überschreiten der Grenze, immer an der Peripherie, und doch noch auf diesem Erdball. Jonglierend. Mit Worten. Mit dem Verhalten.
Ursula Graefe kann das wunderbar ins Deutsche transportieren. Sie ist für mich ein Garant für wundervolle literarische Kost aus Japan. (Sie übersetzt auch Haruki Murakami und Taichi Yamada - auch so ein widerspenstiger, feinsinnig-ausgefuchster japanischer Autor, der zu ungewohnten Orten und Ereignissen führt.)
Und der Mond nun und die Batterien? Unwichtig.


Fülle der Nacht: Vom Geheimnis unseres Schlafs (Falter)
Fülle der Nacht: Vom Geheimnis unseres Schlafs (Falter)
von Olaf Koob
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wie eine Sternschnuppe vom Himmel, 11. September 2012
Dieses Buch ist mir einfach so zugefallen. Aus dem Nichts, eines Abends in diesem Jahr. Nein, nicht ganz aus dem Nichts - nichts kommt gänzlich aus dem Nichts, oder? Vorangegangen war ein Vortrag von Olaf Koob in einer Buchhandlung. Es ging um die vier meteorologischen Organe nach Rudolf Steiner und in der chinesischen Medizin, angeführt durch die Leber. Müdigkeit, sagte Olaf Koob in seinem hoch aufschlussreichen Vortrag unter dem Titel seines gleichnamigen Buches "Wenn die Organe sprechen könnten" (das damals nicht mehr vorrätig war), sei die Krankheit unserer Zeit. Wir seien fast alle leberkrank.

Gerade jetzt schlägt die Stunde der Leber. Es ist 3 Uhr 1 in der Nacht. Regelmäßiges Aufwachen zwischen 1 und 3 Uhr in den frühen Morgenstunden deute auf eine Schwäche oder Störung der Leber hin. Alle Organe haben einen 24-Stunden-Rhythmus von erhöhter Aktivität und Passivität, lese ich auf Seite 24 "Fülle der Nacht". In der Leber findet zwischen 1 und 3 Uhr ein Maximum der Zuckersynthese statt, die in den Morgenstunden als "Betriebsenergie" für Muskeln und Gehirnfunktionen zur Verfügung gestellt wird.

Ich bin nicht in der Nacht aufgewacht - ich bin noch wach. Ich habe Urlaub, und ich bin eine Eule, gehöre also zu jenen Menschen, die ganz gerne mal - und vor allem mit großer Leichtigkeit - die Nacht zum Tag machen. Friedrich Schiller, so habe ich auf S. 134 dieses Buches gelernt, schrieb meist in der Nacht und frühstückte am frühen Nachmittag. So schlimm ist es bei mir noch nicht. Goethe, eine Lerche, dichtete früh morgens und brauchte seine neun Stunden Schlaf. Napoleon kam offensichtlich mit vier Stunden Schlaf pro Nacht aus.

Dieses kleine Büchlein, immerhin 192 Seiten stark, ist eine schöne Bett-Lektüre. Ob kurz vorm Einschlafen oder gleich nach dem Erwachen (oder auch mitten am Tag, warum nicht) - es eignet sich ganz phantastisch, um in Häppchen genossen zu werden. "Das Geheimnis des Schlafes", "Das Ermüdungsrätsel", "Die Welt im Schlaf", "Die Fülle der Nacht", "Die Traumzeit" - so sind die die ersten fünf Abschnitte überschrieben, jeweils durch ein schwarz-weißes "Schläfer-Foto" illustriert. Es folgen fünf weitere Abschnitte, darunter auch einer "Schlafstörungen und ihre Behandlung". Im Abteil "Schlaf und Gesundheit" findet sich (auf Seite 137) ein Gedicht von Christian Morgenstern: "Der vorgeschlafene Heilschlaf".

Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Erzählung und Sachbuch, aus Ausflügen in die Literatur (Olaf Koob outet sich als Liebhaber von Parallelspuren in die Weltliteratur, so kommt hier auch die Lerche Goethe zu Worte, in Auszügen aus "Faust" ab Seite 49, zehn Seiten vorher schon Hermann Hesse mit seinem Gedicht "Beim Schlafengehen"), in die Philosophie Rudolf Steiners und in die chinesische Medizin. Wie in seinen Vorträgen macht uns Olaf Koob mit beiden Sichtweisen, der Steiners und der der chinesischen Medizin, bekannt - oft gibt es Überschneidungen. Und immer wird dazu reichlich Kost aus der eigenen Erfahrungsschatzkiste des anthroposophischen Arztes gereicht.

Ein Spaziergang also durch die Nacht. Durch die schlaflose oder mit Schlaf gesegnete Nacht. "Man muss nun wissen, dass wir in der Nacht durch die Augen Geistiges aufnehmen und es der Stoffwechselorganisation durch die Nieren mitteilen und so den Leib aus kosmischen Kräften, aus der Welt der Urbilder gestalten helfen. Wir strahlen also das aufgenommene Licht nach innen zurück." (Seite 112) Hier werden nur kurz die zwei Stichworte "Lichtallergie" und "Lichtempfindlichkeit" angetickt - eben beschriebener Vorgang mache von der medizinischen Seite her gesprochen Nieren und Nebennieren so interessant für den Lichtstoffwechsel im Organismus.

Wie bei einem Spaziergang, gehen wir im Text weiter. Wir verharren nicht lange an einem Platz. Wir sehen hierhin und dorthin. Wenn wir Interesse an einem bestimmten Stichwort oder Thema vorfinden - wohin wenden wir uns? An Olaf Koob? Möge er uns noch einiges erzählen. Über die Organe und über den Schlaf - und, ja, das zweite Buch, das wie eine zweite Sternschnuppe gleich mit in meine Hände flog an jenem Mai-Abend 2012 ("Die dunkle Nacht der Seele - Wege aus der Depression") ist ganz ähnlich aufgemacht, das lohnt sich auch. Aber jetzt ist es eben Zeit zum Schlafen. Und ich bin noch wach.

Weil ich Urlaub habe. Weil ich ganz entspannt bin und noch nicht müde war. Ich lag "schon" kurz im Bett. Gegen 2:45 sah ich auf den Wecker. Da fiel mir ein, ebenfalls wie eine Sternschnuppe vom Himmel fiel dieser Gedanke auf mich nieder, ich könnte noch schnell eine Rezension zu diesem Buch über den Schlaf verfassen. "Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit", schreibt Olaf Koob auf Seite 24. "Die Leber kann nur indirekt 'sprechen', da sie keine Nervenfasern besitzt." Da ich nun also weder in der Nacht aufwachte noch müde bin, sondern einfach immer noch recht munter (mit Tendenz zu doch langsam schmaler werdenden Augen), darf ich also davon ausgehen, dass meine Leber ganz zufrieden ist? Welches Organ war es dann? Welches hat hier vorwiegend gesprochen?

Ich habe eine Ahnung. Aber nun geh ich erst mal hier raus..


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