Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Jetzt informieren studentsignup Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited longss17
Profil für Dirk Heinze > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Dirk Heinze
Top-Rezensenten Rang: 516.326
Hilfreiche Bewertungen: 509

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Dirk Heinze (Plauen)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11
pixel
Controlling im Kulturmanagement: Eine Einführung (Kunst- und Kulturmanagement)
Controlling im Kulturmanagement: Eine Einführung (Kunst- und Kulturmanagement)
von Petra Schneidewind
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen kompakter Überblick, verständlich geschrieben, 14. Januar 2013
"Seit über 20 Jahren wird über die Anwendung der Controllingfunktion in Kulturbetrieben diskutiert und dazu experimentiert. Das hat zu einem breitgefächerten Spektrum an Erfahrungen geführt, die eine Grundlage dieses Buches sind", schreibt die Autorin Dr. Petra Schneidewind als Einleitung in ihr neues Werk.

Eine, die in den letzten Jahren zu dieser Diskussion maßgeblich beigetragen und sich in Forschung und Lehre am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg sowie als Beraterin für die Einführung und Fortentwicklung des Controllings im Kulturmanagement verdient gemacht hat, ist die Autorin selbst. In zahlreichen Publikationen und Beiträgen (vgl. exemplarisch Schneidewind, Petra (2000): Entwicklung eines Theater-Management-Informationssystems, Frankfurt am Main und Schneidewind, Petra (2006): Betriebswirtschaft für das Kulturmanagement, Bielefeld) hat Schneidewind dessen Selbstverständnis, seine Notwendigkeit sowie die Anwendungsmöglichkeiten und die dabei zu beachtenden Besonderheiten im Kulturbetrieb verdeutlicht. Stets unter dem Anspruch, realisierbare und praxisnahe Problemlösungen für einen zukunftsfähigen Kulturbetrieb aufzuzeigen und gleichermaßen Studierenden, Lehrenden und Praktikern Zugänge zu diesem vor allem in der Anfangsphase des Kulturmanagements seitens einiger Kulturschaffender immer wieder in Frage gestellten betriebswirtschaftlichen Führungsinstrument zu erschließen.

In ihrem nun unlängst in der von Prof. Dr. Andrea Hausmann herausgegebenen Reihe Kunst- und Kulturmanagement erschienenen Einführungswerk sollen laut der Autorin theoretisches Know-how des Controllings in kleinen Schritten und zugeschnitten auf Kulturbetriebe kompakt zusammengestellt und an vielen Stellen praktische Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturbetrieben fruchtbar gemacht werden, um so die theoretischen Ausführungen mit entsprechenden Kommentaren und Beispielen aus der Praxis zu bereichern (Kapitel 1). Die Fragestellung Welche Vorteile bringt uns der Einsatz von Controlling, wenn man gleichzeitig einen hohen Ressourceneinsatz für die Implementierung vor sich sieht? stellt die Autorin dabei als Leitmotiv ihres Buches voran.

Die 151 Seiten umfassende Publikation gliedert sich in sieben Kapitel, die für den Leser klar und nachvollziehbar aufgebaut sind. Ausgehend von einem prozessorientierten Begriffsverständnis des Controllings und seinen Charakteristika werden zuvorderst die Aufgaben und Funktionen, die hinter diesem betriebswirtschaftlichen Instrument stecken, herausgestellt und anschließend in Anlehnung an die von Horváth und Partner entwickelte Controllingkonzeption (vgl. hierzu Horváth&Partners (2009): Das Controllingkonzept. Der Weg zu einem wirkungsvollen Controllingsystem, 7. Auflage, München) die konkreten Schritte zum Aufbau eines kulturbetriebsspezifischen Controllingsystems anschaulich skizziert (Kapitel 2). Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Beschreibung des Rechnungswesens, welches laut Schneidewind die Basis bzw. die Informationsgrundlage des Controllings bildet (Kapitel 3). Hierbei werden die unterschiedlichen Begriffspaare des Rechnungswesens, dessen Bedeutung und Rolle, seine Aufgaben und Funktionen sowie seine Gliederung und die Zusammenhänge im Gesamtsystem verständlich herausgestellt. Aufgrund ihrer wichtigen Bedeutung als Informationslieferant im Controlling ist der Kosten- und Leistungsrechnung im Buch eine umfangreiche Darstellung gewidmet. Diese reicht von der Skizzierung ihrer Ziele, Aufgaben und Funktionen, über die Beschreibung ihres dreistufigen Aufbaus in eine Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, bis hin zur Darstellung der Vollkostenrechnung und ausgewählter Verfahren der Teilkostenrechnung (einfache Deckungsbeitragsrechnung, stufenweise Fixkostendeckungsrechnung, Deckungsbeitragsrechnung auf Basis relativer Einzelkosten) sowie die Diskussion von deren praktischen Sinnhaftigkeit und der Anwendungsmöglichkeiten für Kulturbetriebe. Entsprechend der ganzheitlichen Ausrichtung des Controllingkonzeptes werden von der Autorin anschließend weitere Datenquellen (Besucher-, Personal- und Liquiditätsinformationen) für das Managementinformationssystem vorgestellt und ihr Zusammenspiel mit den Informationen aus der Kosten- und Leistungsrechnung verdeutlicht.

Das Ergebnis des Controllingprozesses stellt für Schneidewind der Controllingbericht bzw. das interne Berichtwesen dar, in dem sämtliche gewonnenen Daten zusammenkommen und das in der Verantwortung für die optimale Informationsversorgung aller Entscheidungsträger im Kulturbetrieb steht (Kapitel 4). Anschaulich beschreibt die Autorin hierbei die Aufgaben und Zwecke des Berichtwesens sowie dessen mögliche Inhalte bzw. einzelne Bausteine und die Berichtgestaltung anhand unterschiedlicher Varianten von Controllingberichten. Von Controllern wird laut Schneidewind immer auch Methodenkompetenz gefordert, d. h. sie müssen über Methodenwissen bzgl. operativer und strategischer Controllinginstrumente verfügen, die für spezielle Fragestellungen zum Einsatz kommen können.

Einige ausgewählte operative (ABC-Analyse, Break-Even-Analyse, kurzfristige Erfolgsrechnung, Verkaufsgebietsanalyse) und strategische (SWOT-Analyse, Portfolioanalyse, Lebenszyklusanalyse, Qualitätsmanagement) Instrumente werden von der Autorin in Kapitel 5 überblicksartig und mit dem besonderen Blick auf den Einsatz im Kulturbetrieb vorgestellt. Im Fokus der weiteren Ausführungen steht die Darstellung eines Managementinstruments, das sowohl die operative als auch die strategische Ebene miteinander verbindet und deren Hauptaufgabe darin besteht Strategien zu realisieren: die Balanced Scorecard (BSC). Hierbei beschreibt die Autorin nachvollziehbar die wesentlichen Eigenschaften des Instruments, seine Intentionen und Grundgedanken, dessen Aufbau/ Funktion, das Grundschemata mit den vier charakteristischen Perspektiven sowie die einzelnen Einführungs- bzw. Implementierungsschritte. Abschließend listet die Autorin überzeugende Argumente für einen Einsatz dieses Instruments im Kulturbetrieb auf und verdeutlicht beispielhaft die Perspektiven einer Museums-Balanced-Scorcard anhand der Dissertation von Sabine Hirschle »Entwurf eines Controllingsystems für Museen«.

Am Ende des Buchs werden eine Reihe von Tipps zur Einführung und Weiterentwicklung von Controlling im Kulturbetrieb zusammengetragen (Kapitel 6), und Literaturtipps und Serviceadressen angeführt (Kapitel 7).

Hervorzuheben sind die konkreten Beispiele, Erfahrungen und Empfehlungen aus der Kulturmanagementpraxis, welche die theoretischen Ausführungen praxisnah veranschaulichen. So finden sich im Buch an verschiedenen Stellen Praktikerbeiträge von Prof. Dirk Böndel (Stiftung Technikmuseum Berlin), Willi Friedmann und Tom Schößler (Theaterhaus Stuttgart), Dr. Robert Knappe (Berlinische Galerie), Roman Passarge (Hamburger Kunsthalle), Christiane Pitz (Bayerische Staatsoper München) und Max Wagner (Stuttgarter Kammerorchester). Hierbei werden die Vorteile eines Controlling, die Erfahrungen bei sowie der Prozess der Einführung eines Controlling und Rechnungswesen, der Aufbau und die Anwendungs-möglichkeiten einer Kosten- und Leistungsrechnung und eines betriebsspezifischen Controllingsystems sowie die Bestandteile eines individuell entwickelten Berichtwesens gewinnbringend thematisiert. An manchen Stellen wäre allerdings eine etwas noch ausführlichere Darstellung interessant gewesen. Darüber hinaus wünscht man sich als Leser auch Praktikerbeiträge aus weiteren Kulturbereichen (z. B. aus Musik-, Jugendkunst- und Volkshochschulen, Bibliotheken, Kulturverbänden/-vereinen oder Rundfunkanstalten) bzgl. der bestehenden Erfahrungen mit der Controllingfunktion.

Für einen kompakten Überblick zum Controlling im Kulturmanagement ist dieses verständlich geschriebene Einführungsbuch sehr gut geeignet. Die praktischen Kommentare und Beispiele aus unterschiedlichen Kulturbetrieben bereichern die theoretischen Ausführungen und bieten dem Leser Erfahrungen und Anregungen zur Nachahmung in der eigenen Institution. Wer allerdings nicht das erste Mal mit der Thematik auf Tuchfühlung geht und sich eingehender mit dem Thema Controlling und dessen Implementierung beschäftigen möchte, wird zu weiteren Fachbüchern greifen müssen. Das scheint auch der Autorin bewusst zu sein, die ihr Buch mit Angaben zu weiterführender betriebswirtschaftlicher und kulturmanagerialer Literatur sowie ausgewählten Serviceadressen abschließt. Der Autorin bleibt zu wünschen, dass diese Einführungspublikation dazu beiträgt, auch weitere Kulturschaffende von den Vorteilen des Controllings zu überzeugen und sich dieses schnellstmöglich in den Kulturbetrieben etabliert. Vielleicht gelingt es dann, so die im Buch von Petra Schneidewind geäußerte Hoffnung, die angefangene Geschichte des Controllings in Kulturbetrieben noch zu einer Erfolgsstory werden zu lassen.

Markus Lutz für Kulturmanagement Network


Rechtsformen in der Kultur
Rechtsformen in der Kultur
von Diana Betzler
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Allen Entscheidungsträgern, Förderern und Leitungspersonen in der Kultur wärmstens empfohlen, 15. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Rechtsformen in der Kultur (Broschiert)
Wer eine kulturelle Organisation gründen, betreiben oder verändern will kommt irgendwann an den Punkt, an dem er sich für eine Rechtsform entscheiden muss: Soll es eine Stiftung sein, oder vielleicht ein Verein oder doch nicht besser eine Aktiengesellschaft – oder vielleicht eine GmbH? Zur Qual dieser Wahl kommt noch dazu, dass es noch Einzelfirmen, einfache Gesellschaften und weitere Formen gibt.

Juristische Fachliteratur zu den unterschiedlichen Rechtsformen gibt es wie Sand am Meer. Diese Fülle zeigt: Bereits JuristInnen zerbrechen sich über die mannigfachen Formen den Kopf. Was bleibt dem Laien? Er kann sich eine gute Anwältin nehmen. Zuvor ist er aber gut beraten, sich kundig zu machen, damit er die richtigen Fragen stellen kann: Eine gute Möglichkeit ist, sich das Buch „Rechtsformen in der Kultur“ von Diana Betzler und Franziska Brägger zu kaufen und zu studieren. Das Buch ist ein Leitfaden, der gleichzeitig rechtliche wir auch praktische Fragen behandelt. Seine stärke ist, dass er die sehr komplexe Materie auf kleinstem Raum sehr kompetent auslegt – und den Fokus auf die Praxis legt, ohne die rechtlichen Grundlagen ausser Acht zu lassen.

Dargestellt werden sowohl die privaten als auch die öffentlichrechtlichen Rechtsformen: Ihre wichtigsten Merkmale, Hinweise zur Gründung sowie Vor- und Nachteile. Zum vertieften Verständnis des theoretischen Hintergrundes finden sich zu jeder Rechtsform eines oder mehrere Beispiele aus der Schweizer Kulturlandschaft. Auch der Rechtsformwechsel – ein immer aktuelleres Thema – wird thematisiert. Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch auf die Besonderheiten der Kulturbranche eingeht: Es beleuchtet auch wesentliche Kriterien zur Entscheidungsfindung, wie zum Beispiel Finanzierung und Fundraising, Steuerbefreiung, Gründungskosten, Mehrfachträgerschaft, etc. Damit eignet es sich auch bei der Entwicklung von neuen Kulturförderkonzepten sowie der Restrukturierung von Kulturorganisationen.

Das Buch sei allen Entscheidungsträgern, Förderern und Leitungspersonen in der Kultur wärmstens empfohlen. Juristen und Anwältinnen werden eine gute Übersicht in Händen halten.

In diesem Sinne geht die Empfehlung ganz klar auf: Kaufen!

Dr. iur. Andrea F. G. Raschèr für Kulturmanagement Network


Phase 0: How to make some action
Phase 0: How to make some action
von Marcus Rüssel
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch zum Anfangen, 25. Juli 2012
Zwischen Projekt-, Ideen- und Krisenmanagement

Zunächst: Das Buch ist nicht für Elektriker. Phase 0 beschäftigt sich vielmehr mit dem Projektmanagement in der Kultur- und Sozialarbeit. Dabei widmen sich die Herausgeber dem Abschnitt vor der eigentlichen Umsetzung, der von sprudelnden Ideen, aber auch tiefer Unsicherheit geprägt ist. Insofern sind es Geschichten rund um das Anfangen und passen gerade deswegen in diese Zeit des Cultural Entrepreneurship. Die Gründer von heute - und damit sind alles andere als smarte Jung-Unternehmertypen gemeint - können mit den üblichen Handbüchern des Projektsmanagements wenig anfangen. Statt Theorie erwarten sie eher Anstöße, Vorbilder, gangbare Wege.

Das Buch stellt beispielhafte Projekte vor. Sie stehen für eine Art des kulturellen Engagements jenseits der üblichen Strukturen, jenseits des klassischen Sparten- und Institutionendenkens, wie es heute eher typisch als die Ausnahme ist. Darunter befinden sich Projekte aus der Sozialarbeit ebenso wie der Festivalszene.

Das Buch ist ehrlich. Projektmanagement kann nicht nur anstrengend sein, es kann auch schiefgehen. So wie beim La Pampa Festival, das es nach 3 Jahren plötzlich nicht mehr gab. An Zeitplänen, einem Corporate Design und Kontakten hat es nicht gemangelt. Sicherlich aber an Erfahrung. Ähnlich bei Sinnbus, einem Dienstleister für die CD-Produktion, der es in der Musikszene wie viele andere mangels Kapital und zuweilen rechtlichen Beistand schwer hat. Insofern berichtet das Buch auch vom Scheitern. Und vom notwendigen Krisenmanagement.

Das Buch ist multimedial. Durch die konsequente Einbindung von Online- Plattformen steigt der Nutzen und die Freude daran beträchtlich. Die Website enthält spannende Porträts, einen aktuellen Blog und vor allem Videos. Nicht zuletzt findet man dort ein leicht bedienbares Toolkit für die Projektarbeit - von der Konzepterstellung über die Finanzierung bis zur Nachbearbeitung. Die Facebook-Community wird ganz ihrem Anspruch auf Vernetzung mit der Szene gerecht.

Und: das Buch ist motivierend. Es will den Leser ermutigen, aus seinen eigenen Ideen etwas zu entwickeln. Und schlicht anzufangen. Insofern ist Phase 0 tatsächlich eher ein Motivationsbuch statt Projektmanagement-Leitfaden. Doch mal ehrlich: welche coolen Macher greifen schon nach der klassischen BWL-Lektüre? Dort wird man zwar sicherlich systematischer mit einem theoretischen Unterbau versorgt. Aber vielleicht auch gerade dadurch abgehalten von seiner Idee. Phase 0 ist insofern ein echter Geheimtipp im inzwischen dichten Kulturmanagement-Literaturdschungel. ---Dirk Heinze, Kulturmanagement Network


Musikmanagement: Der Leitfaden für die Praxis
Musikmanagement: Der Leitfaden für die Praxis
von Felix Bamert
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Sammelband qualitativ heterogener Beiträge, die aber teilweise sehr gut aufgearbeitet und recherchiert sind, 17. April 2012
Studiengänge zum Thema Musikmanagement gibt es inzwischen sicherlich ausreichend, Bücher bzw. Lehrbücher zu diesem in Zeiten von Digitalisierung, Cloud und Co. Umfangreichen Thema noch nicht. Und so machte der Titel des von Felix Bamert herausgegebenen Bandes 'Musikmanagement' zunächst sehr neugierig. Haben es der Herausgeber sowie die zwanzig beteiligten Autoren geschafft, das komplexe Thema Musikmanagement in seiner Gesamtheit verständlich zu präsentieren?

Mit Neugierde schlug der Rezensent das ca. 350-seitige Werk auf und vertiefte sich in das Vorwort. Die erste (kleine) Ernüchterung: es wird in dieser Publikation vor allem um Management von Musik für den Klassikmarkt gehen, der ' wirtschaftlich wichtigere ' Popularmusikmarkt wird ' leider ' ausgeklammert. Aufgebaut ist das Buch 'gleichsam als Zwiebel von innen nach außen' (S. 17), wobei zunächst im Kern der Mensch bzw. Künstler, in der darüberliegen Schicht der institutionelle und organisatorische Rahmen sowie abschließend das (kulturpolitische) Umfeld stehen.

Teil 1: Selbstmanagement
Im ersten, mit 'Selbstmanagement' betitelten Abschnitt der Publikation steht der Künstler und dessen personelle Kompetenzen im Zentrum. Zunächst beschreibt Hector Herzig, wie Visionen und Ziele eines Künstlers überhaupt zu erfüllen sind, bevor Chris Brügger daran ansetzt und diverse Kreativitätstechniken aufzeigt. Es folgen Aufsätze, die sich mit dem eigenen Tun auseinandersetzen. So wird beschrieben, wie auf Stresssituationen zu reagieren ist, welche Bedeutung das Thema Zuhören hat und wie persönliche Netzwerke erfolgreich aufgebaut und gepflegt werden. Etwas griffiger geht es bei Konstantin Unger zu, der Tipps gibt, ob eine Künstleragentur überhaupt notwendig ist und wie man die richtige ggf. findet.
Absolut lesenswert, weil ungemein wichtig, sind schließlich die Beiträge von Poto Wegener, der kenntnisreich und dabei trotzdem verständlich in die Themen Urheber- und Verwertungsrecht einführt. Beide ' oft zusammenhängenden ' Rechte muss ein jeder Künstler kennen und vor allem begreifen, um auch in dieser sich wandelnden Phase der Musikwirtschaft am Markt bestehen zu können. Neben den Rechten sind auch Verträge ein Bereich, in dem sich Künstler detailliert auskennen müssen. Nach einer Einführung in das allgemeine Vertragsrecht gibt Poto Wegener daher auch noch einen Einblick zu verschiedenen Verträgen im Musikbusiness, wobei er neben Musikverlags- und Tonträgerverträgen auch Verträge für neue Businessmodelle bespricht.

Teil 2: Leadership
Im zweiten Teil der Publikationen beschäftigen sich die verschiedenen Autoren mit dem Aspekt der Führung in Musikschulen und Musikinstitutionen und beginnen bei der grundlegenden persönlichen Führungskompetenz (Nikolaus Storz), die notwendig ist, um jegliche Institution und deren Mitarbeiter erfolgreich zu leiten und lenken. Wie dies gelingen kann führt Ueli Kilchhofer aus, indem er die verbale Kommunikation zwischen Führendem und Geführtem in das Zentrum seines Beitrags stellt. Das gesprochene Wort ist, auch in Zeiten von Email-Kommunikation, noch immer die beste Möglichkeit einzelne Mitarbeiter oder Gruppen zu motivieren oder Konflikte einfach zu lösen, denn sicherlich hat jeder schon einmal festgestellt, dass bestimmte Dinge in einer schriftlichen Kommunikation nicht immer korrekt vom Empfänger aufgefasst werden.
Ein Aspekt der auch zur Führung einer Institution gehört ist das Thema Verhandeln, dem sich Urs Alter ausführlich widmet, wobei er sowohl 'faire' als auch 'unfaire' Verhandlungsmethoden darstellt. Hilfreich sind hierbei auch die zahlreichen Tipps zum richtigen Verhandeln.
Nach einem Blick auf das Thema Change Management (Hector Herzig) ' Sätze wie 'Das haben wir schon immer so gemacht' kennt ein jeder ! ' gehen Lucia Dahinden, Peter Krepper und Nikolaus Storz auf den Bereich Personalmanagement ein, wobei sie die Aspekte Personalauswahl, Arbeitsrecht und Mitarbeiterbeurteilung hervorheben. Abgeschlossen wird das Kapitel Leadership mit dem 'lieben Geld ' Budget und Kalkulation'. Ohne eine grundlegende finanzielle Basis müssen Projekte zwangsläufig scheitern. Noch immer möchten sich viele ' freie ' Künstler nicht mit Zahlen beschäftigen, dabei ist dies in der Regel sprichwörtlich lebensnotwendig. Hansjörg Künzli versucht daher so konkret wie möglich das Thema Rechnungswesen zu erläutern, um die Furcht vor kleinen und großen Zahlenkolonnen zu nehmen.

Teil 3: Konzept- und Projektdesign
Im letzten Teil versuchen die Autoren den klassischen Dreiklang sämtlicher Projekte 'konzipieren ' kommunizieren ' finanzieren' strukturiert darzustellen, wobei sich Pius Knüsel zunächst mit der Kulturpolitik der Schweiz mit samt ihren 'Spielräumen und Regeln' befasst. Im Anschluss behandeln die Autoren die Themen Projektmanagement (Christian Hofmann) sowie Öffentlichkeits- und Medienarbeit (Andreas Weidmann, Jodok Kobelt), bevor der oft so schwierige Bereich der Finanzierung ins Zentrum rückt. Neben Fundraising und Sponsoring behandeln die Autoren hier auch das Thema Förderstiftungen, um gut geplante und kommunizierte Projekte letztlich in die Praxis umsetzen zu können.

Letztlich bietet der Sammelband eine qualitativ heterogene Auswahl an Artikeln, die aber teilweise sehr gut aufgearbeitet und recherchiert daherkommen (vgl. u.a. die Beiträge von Poto Wegener). Möglicherweise ist der Haupttitel der Publikation im ersten Moment ein wenig irreführend, denn geboten wird meines Erachtens ein Ratgeber zum Thema Selbstvermarktung für Musiker im Umfeld des Schweizer Klassikmarktes. Damit steht dieser Band in direkter Konkurrenz zur Publikation 'Selbstmanagement im Musikbetrieb' von Petra Schneidwind und Martin Tröndle, das gerade in 2., komplett überarbeiteter Auflage erscheint. Der Sammelband von Felix Bamert richtet sich daher aufgrund seiner einseitigen Ausrichtung auf das Schweizer Rechts- und kulturpolitische System vor allem an Musiker und Musikinstitutionen in der Schweiz --- Prof. Dr. Martin Lücke, Kulturmanagement Network


Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.
Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.
von Dieter Haselbach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ehrliche Debatten müssen sein! Gerade über die derzeitige Kulturförderpraxis, 10. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass das Buch mehr ist als Polemik. Sie dient nur an vielen Stellen als Stilmittel, um die Notwendigkeit eines kulturpolitischen Diskurses deutlich zu machen. Die Autoren führen allerdings eine Debatte weiter, die bereits zum 56. Kulturpolitischen Kolloqium in Loccum vor einem Jahr angestoßen wurde: Wie sieht die Zukunft der immer weiter wachsenden kulturellen Infrastruktur vor dem Hintergrund veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen aus? Die Lektüre ist spannender als ein Krimi, da sich praktisch jeder Leser an den Beobachtungen, Thesen und Schlussfolgerungen reiben, durch persönliche Eindrücke entweder bestätigt oder widerlegt sehen kann. Vor allem aber ist es ein Sachbuch und kein Fachbuch als Anleitung zum geordneten Kulturabbau.

Die vier Autoren »möchten den Patienten therapieren« (S. 13). Der Hilfsbedürftige ist in ihrer Wahrnehmung der deutsche Kulturbetrieb, den sie erwiesenermaßen bestens kennen. Sie fordern mehr unternehmerisches Denken und Handeln, mehr Orientierung an Markt und Nachfrage, und vor allem eine Beschäftigung mit den wirklichen gesellschaftlichen Herausforderungen: »Einwanderung, globaler Austausch, Medienrevolutionen. Sie verändern den Alltag, aber nicht den Kulturbetrieb« (S. 25).

Knüsel, Haselbach, Klein und Opitz nehmen eine ausführliche Bestandsaufnahme vor. Die schier unglaubliche Ausdehnung des Kultursektors in den letzten 35 Jahren: sieben mal mehr Bibliotheken, achtmal mehr Musikschulen, mindestens sieben mal mehr Museen. Problem 1 dabei: die steigenden Kosten. Problem 2: die nicht gewachsenen Nutzerzahlen. Für die Autoren geschah der Ausbau »planlos« im Gefühl, etwas Richtiges, Gutes zu tun. Weder Folgekosten wurden in Betracht gezogen, noch die erhofften Ziele und die Wirkung dieses Wachstums.
Einen breiten Raum nimmt im Buch die Beschäftigung mit den Denkweisen innerhalb des Kulturbetriebs und der handelnden Kulturpolitiker ein. Es ist insofern auch eine kultursoziologische Betrachtung. Die eine soziologische Betrachtung scheint die nach dem Bürger und seiner Mündigkeit zu sein. Wird er seitens der Kulturpolitik ernst genommen oder - wie die Autoren vermuten - erzogen und bevormundet? »Der demokratische Staat mutet dem Bürger eine Mündigkeit im Urteilen und Gestalten seines Lebens zu, welche Kulturpolitik ihm abspricht« (S. 25).
Eine weitere Beobachtung ist die nach der Staatsnähe, von dem der Kulturbetrieb hierzulande geprägt sei: sowohl was das Bedürfnis nach öffentlichen Stellen als auch nach Subventionen betrifft. Dies erzeuge Marktferne und damit mangelnde Innovation: »Die staatliche Förderung erlaubt ihnen, sich vom Wettbewerb abzukehren« (S. 64). Die damit ausgelöste, weitestgehende Loslösung von der Nachfrage ist bei weitem kein deutsches, sondern ein europäisches Problem, wie eines der vielen internationalen Zitate im Buch belegt: »Europa interessiert sich nicht ausreichend für die Popkultur, fürs Entertainment, die Kreativindustrien, für den Markt und die ethnische Vielfalt, deshalb erlebt es eine große kulturelle Stagnation« (Steven Erlanger von der New York Times, siehe S. 71). Nicht nur die Einbeziehung vieler solcher globalen Stimmen hat uns spontan beeindruckt, sondern auch der ganzheitliche Ansatz, der Aspekte von Bildung, Wirtschaft, Medien und vor allem von Politik und Staates einfließen lässt in eine Gesamtbetrachtung auf die Kultur im Lande.

Keine Frage: nicht alles, was die Herren Knüsel, Haselbach, Klein und Opitz an Argumenten und Beispielen zusammengetragen haben, ist neu. In der Komprimierung auf rund 280 Seiten ist das Buch dennoch geeignet, endlich die Grundsatzdebatte im Kulturbetrieb anzustoßen, die längst überfällig ist. Nicht immer werden dies Veränderungen im Sinne der Autoren sein, denn auch sie argumentieren aus individueller Sicht ihrer Generation und aus ihren Lebenserfahrungen. Da werden ganz andere Stimmen hinzutreten müssen, deren Sicht auf die Dinge wichtig sind für die Verortung und Zukunftsperspektiven. ---Dirk Heinze, Kulturmanagement Network


Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturpolitik: Ausgewählte Grundlagen und strategische Perspektiven
Nachhaltige Entwicklung in Kulturmanagement und Kulturpolitik: Ausgewählte Grundlagen und strategische Perspektiven
von Patrick S. Föhl
  Taschenbuch
Preis: EUR 39,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Universelles Stecksystem, 10. April 2012
Relativ spät erreichte das Thema Nachhaltigkeit den Kulturbetrieb. Die Evangelische Akademie Tutzing war es, die 2001 mit Partnern eine Tagung zur "Ästhetik der Nachhaltigkeit" veranstaltete, die dann in das sogenannte Tutzinger Manifest mündete. Die Kulturpolitische Gesellschaft griff ein Jahr später die Diskussion auf (Kulturpolitische Mitteilungen 2/2002, Heft 97). Eine wichtige Erweiterung nahm Armin Klein vor, der 2005 im Jahrbuch für Kulturmanagement zwei Dimensionen in Einklang zu bringen versuchte: die Berücksichtigung der Folgelasten gegenwärtiger Entscheidungen und die Gewinnung neuer Zielgruppen für die Kultur. Diese Interpretation machen sich nun einige seiner Doktoranden zu eigen und widmen Armin Klein zu seinem 60. Geburtstag diesen Herausgeberband.

Zunächst gibt Patrick S. Föhl eine 50-seitige Einführung, die sachkundig und umfassend die Grundlagen der Debatte zusammenträgt und damit vor allem die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit für den Kulturbetrieb verdeutlicht. Insbesondere überzeugt die "Grundorientierung Zukunft", die alle Autoren des Buchs für sich in Anspruch nehmen dürfen. Man spürt den Veränderungswillen, zumindest das Gespür, dass man auch im Kultursektor an einem Zeitenwechsel steht, indem sich Strukturen nicht mehr bewähren, aber auch die nachwachsende Generation (noch) nicht in der Lage ist, sie zu ändern. Möglicherweise verfügt diese noch nicht über die notwendigen Mittel und einflussreichen Positionen. Den Beiträgen liegt eine Unzufriedenheit über die Unentschlossenheit gegenwärtiger Politik zugrunde, die "zwischen Innovation und Beharrung oszilliert", obwohl die Herausforderungen und Probleme, denen man begegnen müsste, bekannt sind. Im Zweifel verharrt man im Status Quo. Dies betrifft dann sowohl die Wirtschafts- und Sozialpolitik als auch die Kulturpolitik. Werden dann Entscheidungen getroffen, sind sie von "Kurzlebigkeitsdenken" bestimmt, was die Autoren entsprechend als das Gegenteil von Nachhaltigkeit kritisieren. Gut auch, dass sie sich nicht auf die ökologische Dimension beschränken - im Gegenteil: fast gewinnt man den Eindruck, sie schwanken in ihren Perspektiven zwischen einer Nachhaltigkeit von politischen und von managerialen Entscheidungen. Beispiele, wo auch der Kulturbetrieb auf Kosten von Natur und Umwelt agiert, fehlen weitestgehend.

Aus dem Wunsch heraus, mit ihrer Publikation neue Akzente zu setzen, klopfen die Autoren das Thema Nachhaltigkeit auf möglichst alle Bereiche von Kulturmanagement und Kulturpolitik ab: Besucherentwicklung, Tourismus, Literaturbetrieb, Kulturförderung, Preismanagement. Die Nachhaltigkeit gleicht einem universalen Stecker, der überall passt. Doch die im Einführungsbeitrag angeführten Problemstellungen werden leider nicht konsequent genug aufgegriffen und weiterentwickelt. Zudem mangelt es an konkreten Handlungsempfehlungen.

Wertvolle Denkanstöße liefert insbesondere Rolf Keller mit der Auseinandersetzung von ICH- und WIR-bezogenen Gesellschaften. Wieweit nehme ich mit meinem wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellem Handeln auf die Mit- und Nachwelt Rücksicht? Er beklagt für die Schweiz - und anderenorts dürfte die Diagnose kaum günstiger ausfallen - ein Ausklammern des Kulturbetriebs aus der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit. "Leben wir wenigstens auf diesem Gebiet nicht über unsere Verhältnisse?", fragt Keller mit implizierter Skepsis. Und beweist mit Beispielen, dass auch der Kunst- und Kulturbereich sichtbare Anzeichen eines Hypes in sich trägt: eine Überfülle des täglichen Veranstaltungsangebots (zumindest im großstädtischen Milieu) bis hin zur häufig beklagten Festivalitis, der boomende Kunstmarkt mit seinen teilweise absurden Preisen oder die "Übernutzung" und Kommerzialisierung in kulturtouristischen Regionen, die dadurch schlichtweg "ihrer Aura verlustig gehen".

An solchen Passagen erhoffte man sich in der Tat konkrete Lösungsvorschläge statt deskriptiven Glanz. Offen bleibt auch, ob die Kultur neben Ökologie, Ökonomie und Sozialem die 4. Säule der Nachhaltigkeit ausmacht. Und das ist die eigentliche Überraschung des Buchs. -- Dirk Heinze, Kulturmanagement Network


Kulturbranding III: Positionen, Ambivalenzen, Perspektiven zwischen Markenbildung und Kultur (Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie)
Kulturbranding III: Positionen, Ambivalenzen, Perspektiven zwischen Markenbildung und Kultur (Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie)
von Steffen Höhne
  Taschenbuch
Preis: EUR 33,00

4.0 von 5 Sternen Sensibilisiert für die Bedeutung des Themas Markenmanagement in Kunst und Kultur, 26. März 2012
Der dritte Band der Reihe »Kulturbranding« sensibilisiert für die Bedeutung des Themas Markenmanagement und den Anspruch, »Branding« im Kunst- und Kulturbereich tatsächlich umzusetzen.

Kai-Uwe Hellmann vom Institut für Kulturwissenschaften der Uni Leipzig gehört durchaus zu den Skeptikern, die dem Kulturbereich im Gegensatz zur Wirtschaft eine eigene Logik zusprechen, sie für zu komplex und plural, daher auch wenig standardisierbar hält. Er beklagt im vorliegenden 3. Band der Kulturbranding-Reihe eine mangelnde systemtheoretische Beschäftigung der Betriebswirtschaft mit dem Phänomen. Folgerichtig unternimmt er den Versuch, diese Verbindung - ausgehend von der Systemtheorie Niklas Luhmanns - herzustellen. Der Autor gibt sich nicht zufrieden mit Erklärungsversuchen von Wissenschaftlern wie Franz-Rudolf Esch, die bei Marken von »Vorstellungsbildern in den Köpfen von Anspruchsgruppen« sprechen. Er hofft auf belastbare, weniger psychologisch gedeutete, sondern beobachtbare Erklärungen.

Spannend am Aufsatz Hellmanns ist sein unablässiges Hinterfragen: wie z.B. »das Marketing kompensiert, was es unmittelbar nicht erreichen kann: Die gewünschte Verhaltenskonformität der jeweils umworbenen Kunden« (Seite 21). Oder wie Kunden schwache Marken wahrnehmen. Erkenntnisse gewinnt der Leser auch bei Passagen, die das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kundschaft unmittelbar beschreiben. Nach Hellmann »handelt es sich um ein spezifisches Erwartungsbündel, bestehend aus Zeichen, Symbolen, Namen, Narrationen etc., das ' beide Seiten immer stärker aneinander bindend, und das eine erstaunliche, mitunter äußerst enttäuschungsresistente und leidensfähige Stabilität besitzt« (S. 24). Das lässt aufhorchen insofern, als das damit für Kultureinrichtungen, die eine starke Marke etablieren konnten, sich auch Fehler leisten können, ohne gleich beim Publikum dauerhaft dafür bestraft zu werden. Gerade für einen innovativen Kunstbetrieb, der ausprobiert, neue Formen oder neue Werke vorstellen möchte, dürfte dies umso mehr ein Ziel sein.

Warum der anschließende Beitrag von Dirk Baecker - wohlgemerkt ein Sozial- und Kulturwissenschaftler aus Deutschland - auf englisch abgedruckt wurde, erschließt sich nicht. Schließlich wird sich kaum ein Käufer aus den USA oder England allein wegen dieses Beitrags finden, zumal das Buch praktisch nur national vertrieben wird. Für den einheimischen Leser stellt dies angesichts einer ohnehin anspruchsvollen Schreibweise Beckers eine unnötige Hürde dar. Dabei hätten wir gern verstanden, was Baecker mit »Culture Switch« meint. Ausgerechnet bei diesem Beitrag fehlt zudem das abstract zu Beginn, während andere Beiträge zumindest in deutsch, häufig auch in englisch zusammengefasst werden.

Dafür versöhnt anschließend Karen van den Berg mit einer singulären Betrachtung widerständiger Kulturtechniken. Dabei sind subversive Praktiken gemeint, die auch im Kulturumfeld bewusst auf Branding setzen, um Aufmerksamkeit zu erzielen Hier bezieht van den Berg dankenswerter Weise Erfahrungen und Phänomene aus Europa wie den USA gleichermaßen ein, so die Adbuster-Bewegung (...) oder die Kampagne »Not in our Name, Marke Hamburg!«.

Nachdem der erste und zweite Band der Kulturbranding-Reihe Grundlagen für die Thematik bereitstellte, kommt im dritten Band verstärkt der Managementnachwuchs zu Wort. Die Beiträge von Nicola Bünsch, Antje Kohlrusch, Katharina Horn und Sebastian Steinert widmen sich Markenbildungsprozessen in Theater und Bildender Kunst - kommen insofern auch dem Wunsch der Rezensentin des zweiten Bandes, Claudia Stemberger, nach Erweiterung des Blickwinkels nach. Aber auch dieser vorerst letzte Band der Reihe bleibt dem wissenschaftlichen Zugang zur Materie treu, ist keine Praxisanleitung zur Entwicklung von Marken im Kulturbetrieb oder gar ein Nachschlagewerk.

Dennoch sensibilisieren alle drei Fachbücher für die Bedeutung des Themas und den Anspruch, »Branding« im Kunst- und Kulturbereich tatsächlich umzusetzen. Es wird deutlich, dass Kulturmarken mit Identität zu tun haben. Und gerade Kultur legt wert auf Unverwechselbarkeit. So gewinnt man womöglich eher Sympathisanten für die Thesen der jeweiligen Autoren, als in der Managementliteratur, die gern von Kulturschaffenden als nicht passend für ihren Bereich angesehen wird. Stefanie Rathke bezeichnete dies im 2. Band einmal als »übergestülpte Betriebswirtschaftslehre« und betonte umso mehr die Spezifika des Kulturbereichs, gerade was Authentizität und Offenheit künstlerischer Produktion betrifft. Dies wird dennoch nichts daran ändern, dass es auch in Zukunft andere Vertreter der Marketinglehre geben wird, die den Kultursektor für nicht so völlig einzigartig ansehen, wo klassisches Markenmanagement aus der Wirtschaft nicht beim Kunden verfängt. Hier sei beispielsweise an das Kulturmarketing-Buch von Uwe Manschwetus oder die Markenmanagement-Handbücher eines Heribert Meffert oder Manfred Bruhn erinnert. Erst die Essenz einer kombinierten Lektüre, so denken wir, dürfte den Kulturmanager beim Thema Branding auf die Erfolgsspur setzen. Vor allem aber ist ein ganzheitlicher Ansatz wichtig, der neben einer Marken- und Marketingstrategie nicht andere Bedingungen für erfolgreiche Kulturorganisationen vergisst. Nichts wäre schlimmer, als wenn sich hinter aufgeputzten Marken schlechte Inhalte, marode Finanzen, mangelnder Service oder unmotiviertes Personal verbergen. ---Dirk Heinze für Kulturmanagement Network


Kulturbranding II: Konzepte und Perspektiven der Markenbildung im Kulturbereich (Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie)
Kulturbranding II: Konzepte und Perspektiven der Markenbildung im Kulturbereich (Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie)
von Steffen Höhne
  Taschenbuch
Preis: EUR 33,00

4.0 von 5 Sternen Buch leistet eine relevante wissenschaftliche Anbindung des Themas Markenmanagement, 26. März 2012
Label Yourself !?

Der im Jahr 2009 erschienene Band »Kulturbranding II. Konzepte und Perspektiven der Markenbildung im Kulturbereich« versammelt Beiträge der an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar abgehaltenen, gleichnamigen Konferenz vom November 2006. Unter der Herausgeberschaft von Steffen Höhne und Ralph Philipp Ziegler reflektiert der Band nicht nur den anhaltenden Hype um Kulturbranding, sondern leistet vor allem auch eine relevante wissenschaftliche Anbindung, die auf das vormalige Fehlen fundierter Kriterien zur Markenbewertung von Kulturbetrieben reagiert.

In ihren jeweiligen Aufsätzen entwickeln Kai-Uwe Hellmann, Steffen Höhne und Stefanie Rathje zunächst die theoretische Rahmung: Hellmann bietet eine Einführung in die Möglichkeiten, die den Kulturbetrieben eine Marktorientierung eröffnet und analysiert zugleich die Konsequenzen, die aus einer solchen Konsumentenbeziehung, einer »Markengemeinschaft«, resultieren. Daher hinterfragt Hellmann einerseits, in welchen Dimensionen die Kunden von den Kulturinstitutionen als »echte Kommunikationspartner« verstanden werden und andererseits, inwiefern sich zukünftig solche Markenkulturen verselbständigen könnten.
Höhne präzisiert Kulturbranding als stetige Gratwanderung zwischen Zugeständnissen an künstlerische Inhalte und der Notwendigkeit zeitgemäßer Marketingmaßnahmen. Der Autor verweist auf Boris Groys, um die »Dialektik von Valorisierung und Kommerzialisierung von Kulturgütern« als »Inflations-Deflations-Spirale« hervorzuheben. Daher arbeitet er kritisch heraus, wie die Begriffe Stereotyp und Marke eng geführt werden und wie Uneinheitliches vereinheitlicht wird.
Rathje nimmt die an die Kulturbetriebe herangetragene, kontroverse Forderung nach Professionalisierung, die eine übergestülpte Betriebswirtschaftslehre eilfertig bewerkstelligen soll, als Ausgangspunkt. Demgegenüber betont die Autorin die Spezifika des Kulturbereichs, den Stellenwert von Authentizität ebenso wie die Kontingenz von Kunstproduktion, die beide im Widerspruch zu einer verordneten, homogenen Markenidentität stehen. Zugunsten eines »Kohärenz-Primats« zeigt Rathje funktionale wie strukturelle Parallelen zwischen Unternehmenskultur und dem Branding auf: »Es ist zu vermuten, dass eine Ausrichtung an kommunikativer Einheitlichkeit und Homogenität ähnlich wie in der Unternehmenskulturdebatte eine Verwechslung von Mittel und Zweck darstellt.« Infolgedessen postuliert sie für ihre These eines »kohäsiven Kulturbranding« eine Fokussierung der Interaktionsqualität, bei der sich gerade eine Kulturmarke als Vermittler von Ambiguitätstoleranz erweisen kann.

Die zahlreichen weiteren Beiträge argumentieren zumeist anhand ausgewählter Kulturbetriebe und bewegen sich vornehmlich im Museums- oder Musikbereich. Sigrid Bekmeier-Feuerhahn beispielsweise stellt zunächst die Frage, ob ein Non-Profit-Unternehmen wie ein Museum mit dem Markenbegriff in Verbindung gebracht werden darf. Ausgehend von dem Postulat, dass ein Museum eine spezifische Identität entwerfen müsse, schlägt die Autorin vor, die Museen sollten ihre (vorgebliche) Abneigung gegenüber Markenbildung in Zukunft überwinden, gelte doch bis dato bei diesen Kulturschaffenden Wirtschaft und Kultur als ebenso unvereinbar. Mithilfe der Ergebnisse einer empirischen Studie solle daher »Überzeugungsarbeit« zugunsten des »Lernziels« qualifizierter Markenführung geleistet werden: Denn die umfassende Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich eine solche Markenführung in Museen, auch und gerade unter Wahrung der Authentizität als erfolgversprechend herausstellt.
Birgit Mandel greift das »MoMA in Berlin« als Untersuchungsgegenstand heraus und fordert anhand des erfolgreichen Beispiels, Kulturbranding durch differenzierte wie nachhaltige Vermittlungskonzepte, sogenannte »aktivierende Rahmenbedingungen« abzurunden, gelten doch die emotionale Aufladung einer festivalisierten kulturellen Veranstaltung und der persönliche Bezug auch im Hochkultursektor als besonders wirksam.
Auch der gemeinsame Beitrag von Carsten Baumgarth und Kristina Freund beschäftigt sich mit der Markenorientierung im Museumsbereich. Dem behutsamem Branding des Schleswig-Holstein Musik Festivals ist der Aufsatz von Andreas Eckel gewidmet. Ralph Philipp Ziegler und Sonja Müller-Bollenhagen behandeln in ihren jeweiligen Beiträgen die Relation zwischen dem künstlerischen Markenprodukt in der klassischen Musik und den Potentialen von Markenprinzipien, beziehungsweise Marketingkampagnen hochkarätiger Werbeagenturen in der klassischen Musik. Pascal Charles Amann entfaltet die mit Marken und Marketing verbundenen Chancen für KünstlerInnen im Kontext der digitalen Informationsgesellschaft.
Sebastian Steinert schließlich legt in seinem Aufsatz dar, wie sich bildende KünstlerInnen als Marke inszenieren könnten. Doch es scheint fraglich, ob die vorgeschlagenen Leitkonzepte eine adäquate Perspektive zeichnen, werden doch aufsteigende KünstlerInnen zwischen GaleristInnen, KunstsammlerInnen und KuratorInnen tendenziell als Geheimtipp gehandelt; »emerging artists«, die jede/r zuerst entdeckt haben möchte. In diesem Zusammenhang könnten sich die von Steinert angedachte offensive Markenidentität und der zugehörige transparente Marketing-Mix - zusammen mit der klischeehaft vorgeschlagenen Einflussnahme auf das äußere Erscheinungsbild - allenfalls als Stolperfalle manifestieren.

Anzuregen wäre womöglich für zukünftige Forschungsvorhaben zum Kulturbranding, den Blickwinkel noch zu erweitern, zum Beispiel zugunsten einer Untersuchung choreographischer Zentren, Schauspiel- oder Opernhäuser ebenso wie regionaler Kulturinitiativen, oder auch Mechanismen des Markenmanagements im Sinne eines zunehmenden Self-Labeling etwa von KuratorInnen oder KunsttheoretikerInnen innerhalb der kulturaffinen »digitalen Bohème« zu differenzieren --- Claudia Marion Stemberger für Kulturmanagement Network


Orchestermanagement (Kunst- und Kulturmanagement)
Orchestermanagement (Kunst- und Kulturmanagement)
von Gerald Mertens
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kompakte Darstellung der Situation im Orchestermanagement nach dem Inkrafttreten des TVK, 27. Februar 2012
Das 2010 erschienene Buch ist eine kompakte Darstellung der Situation im Orchestermanagement nach dem Inkrafttreten der nach mehrjährigen Verhandlungen im Oktober 2009 verabschiedeten neuen Fassung des Tarifvertrages für Kulturorchester (TVK). Und wer wäre prädestinierter ein solches Buch zu verfassen, als ein Partner der Tarifvertragsparteien?

So hat Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung und somit Vertreter der Arbeitgeberseite in den Verhandlungen mit dem Deutschen Bühnenverein (DBV), ein lesenswertes Buch für alle mit Orchestermanagement befassten oder an diesem Thema Interessierten verfasst, das den dafür relevanten Themenkreis in vielen Facetten bearbeitet. Auch wenn sich der Leser an einigen Stellen eine Vertiefung wünscht, so gibt das Buch doch einen umfassenden Überblick über den Orchesteralltag. Unter anderem findet man eine fachkundige Betrachtung der Orchesterlandschaft in Deutschland, zur Thematik der Aspekte 'Arbeitsplatz Orchestermanagement', zu Strukturfragen die Finanzierung und Trägerschaft betreffend, zum Marketing und seiner Bedeutung im Orchestermanagement, zum Tarif- und Arbeitsrecht, zu Fragen der Kommunikation und Personalentwicklung auch unter Einbeziehung von Ideen zum Umgang mit Konflikten sowie zu den vielfältigen Aspekten der künstlerischen Planung und der Disposition bis hin zu Überlegungen für einen "guten" Spiel- und Konzertplan.

Diese komplexe Thematik aller Aspekte eines Orchesterbetriebes auf 140 Seiten hochkarätig zu bearbeiten ist ebenso bewunderns- und somit lesenswert, wie Gerald Mertens es als "Kunst" bezeichnet, einen komplexen Orchesterbetrieb zu managen und den - nicht nur in Deutschland - stetig steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Für Mertens stehen zwei entscheidende Fragen "absolut im Vordergrund": zum einen die Finanzierung aus öffentlichen und privaten Mitteln, und das in ausreichender Höhe, und zum anderen Fragen zur Publikumsentwicklung und 'bindung. Darauf baut er alle weiteren Themen auf.

Der Autor stellt sich selbst die Anforderung, mit seinem Buch die nur rudimentär vorhandene Literatur zum Thema Orchestermanagement mit einem praxisorientierten Beitrag zu ergänzen und damit einen Beitrag zur Aus- und Weiterbildung im Orchestermanagement zu liefern. Diesem Anspruch wird er mit diesem Buch voll und ganz gerecht, weckt Interesse an weiteren Informationen und bietet eine gute Grundlage für die Bearbeitung weiterer Details.

Die umfangreiche Literaturliste gibt dazu sehr gute Informationen, auch mit Hinweisen auf vertiefende Artikel in der Zeitschrift "Das Orchester", die spezielle Themen bearbeitet haben.

Fazit: Ein lesenswertes Buch für Orchestermanager und für alle an Einzelheiten und Hintergründen des Orchestermanagements interessierten Lesern. In der heutigen Zeit, wo existentielle Entscheidungen im Kulturmanagement zunehmen, sind Informationen zu allen Aspekten der organisatorischen und finanziellen Abläufe eines 'Orchesterbetriebes' auch für interessierte Konzertbesucher wichtig, damit sie kulturpolitische Diskussionen nachvollziehen und sich gegebenenfalls als Lobbyisten beteiligen können. --- Gudrun Euler, Kulturmanagement Network


Die Ideenmacher: Lustvolles Gründen in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ein Praxis-Guide (Schriften zum Kultur- und Museumsmanagement)
Die Ideenmacher: Lustvolles Gründen in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ein Praxis-Guide (Schriften zum Kultur- und Museumsmanagement)
von Andrea Rohrberg
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,80

4.0 von 5 Sternen Gelungener Ratgeber für die Gründerpraxis von kundigen Autoren, 23. Februar 2012
Die hier vorliegende Publikation ist ein Praxisratgeber für Personen, die sich in der Kultur- und Kreativwirtschaft selbstständig machen wollen. Laut der Autorin und des Autors, Andrea Rohrberg und Alexander Schug, verbreitet sich aufgrund der steigenden Anzahl von Kulturwirtschaftsberichten und Untersuchungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft stetig die Sichtweise, dass dieser Bereich zu einer eigenständigen Wirtschaftsbranche und damit immer bedeutender wird. Ziel von Rohrberg und Schug ist es, mit ihrem Buch als 'Werkzeugkasten und Nachschlagewerk' den Kreativen ihren Weg in die Selbständigkeit zu erleichtern. Sie wollen Lust auf das Gründen machen und zugleich Anstöße geben, wie sich Kreative auf die Gründung unternehmerisch vorbereiten können. Der Text wird durch Interviews mit Kreativen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft ergänzt. Ferner werden die Leserinnen und Leser aufgefordert ihr sogenanntes Gründungstagebuch mit den wichtigsten Fragen und Antworten aus dem jeweiligen Kapitel zu füllen. Jedes Kapitel schließt mit Johanna, einer fiktiven Gründerin, und der Schilderung ihres Gründungsweges ab.

Im ersten Kapitel fordert das Autorenteam die Leserinnen und Leser dazu auf, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen. Dabei gibt es keinen bestimmten 'Gründertyp', sondern es zählt die Persönlichkeit mit gewissen besonderen Eigenschaften. Dazu gehören insbesondere die Freude am Netzwerken, Kreativität als zentrale Ressource (das bedeutet durchaus auch eine aufwendige Ideengenerierung), Marktchancen erkennen, Selbstreflexion und die Lust am ständigen Lernen. Die Autorin und der Autor führen die Leserinnen und Leser mit diesem Kapitel gut an das Thema 'Gründen' heran und machen trotz Hinweisen auf die kritische Betrachtung des Gründens Lust darauf.

Das Thema des zweiten Kapitels beschäftigt sich mit dem Kern der Selbständigkeit: die Idee. Das Autorenpaar will den Leserinnen und Lesern näher bringen, dass eine Idee, die durch 'Philosophieren und Rumbasteln' entsteht, nur selten funktioniert. Vielmehr muss darauf geachtet werden, dass sich mit der Idee auch Geld verdienen lässt und sie ein gewisses Potenzial hat, einen bestimmten Markt zu finden und damit Umsatz zu generieren. Die Autoren geben Empfehlungen dazu wie der Markt für die Idee entdeckt werden kann und wie über Insider, Expertenmeinungen und Zielgruppenbefragungen Informationen über den Markt zu generieren sind. Für Gründerinnen und Gründer ist dieses Kapitel sinnvoll, wenn die Idee bereits vorhanden ist. Auf die Ideengenerierung selbst wird in diesem Kapitel explizit nicht eingegangen. Positiv hervorzuheben ist der Umgang mit dem bei vielen Kulturschaffenden kritischen Thema 'Mit Kreativität Geld verdienen': Rohrberg und Schug schaffen es, dieses Thema den Leserinnen und Lesern näher zu bringen.

Mit dem dritten Kapitel steigen die Autorin und der Autor in das Thema Businessplan und dessen Bedeutung für die Gründung ein. Anschaulich wird hier der Businessplan mit einem Modell vorgestellt und die Wichtigkeit der Erstellung eines solchen Plans mit zahlreichen Beispielen untermauert. Das vierte Kapitel zeigt die Finanzierungsmöglichkeiten für Gründerinnen und Gründer auf. Die wichtigsten Tools wie Finanzplan, Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalbedarfs- und Liquiditätsplanung werden beschrieben und mit Hilfe von Abbildungen veranschaulicht. Anschließend werden die unterschiedlichen Geldquellen für Gründerinnen und Gründer vorgestellt. In einer Übersicht werden diese in Fremd- und Eigenfinanzierung unterteilt. Die Darstellung der verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten wird gut verständlich und hilfreich wiedergegeben. Die Beschreibungen der einzelnen Tools sind zunächst sehr hilfreich. Für einen tieferen und genaueren Einblick sollten jedoch die Linktipps des Buches in Anspruch genommen werden. Die zahlreichen Hinweise auf weiterführende Literatur sind sicher ein Pluspunkt der Publikation.

Im fünften Kapitel gibt das Autorenteam einen Überblick über die verschiedenen Rechtsformen, die Gründerinnen und Gründer für die eigene Unternehmung wählen können. Dazu werden Überlegungen vorangestellt, die vor der Wahl der Rechtsform bedacht werden müssen. Diese Überlegungen wie z.B. die Risiken der Unternehmung, die Besteuerung oder die dafür anfallenden Kosten, werden verständlich erläutert. Im Anschluss wird auf einzelne Rechtsformen eingegangen. Dies bietet einerseits eine Einführung in diese Materie und gleichzeitig Einschätzungen aus der Praxis, welche Rechtsformen wann besonders geeignet sind.

Das sechste Kapitel führt die Kreativen an das Marketing heran. Nachdem auf die Schwierigkeiten, Marketing in der Anfangsphase für sich zu nutzen, eingegangen wird, erklären Rohrberg und Schug, dass es Möglichkeiten gibt, Marketing auch am Anfang der Gründung einzubinden. Insbesondere wollen sie verdeutlichen wie wichtig es ist, das eigene Produkt nicht isoliert zu sehen und die Beziehungen zwischen dem Produkt und den Nutzern bzw. dem Markt zu betrachten, um sich am Markt zu etablieren. Es folgt ein Einblick in die grundlegenden Begriffe des Marketing, in dem auch die in der Literatur gängigen vier Ps, vorgestellt werden (product, price, promotion und place). Diese Bereiche bieten einen Einblick, bilden aber nicht die vollständige Theorie der sogenannten vier Ps ab. Dies ist jedoch verzeihlich, da eine noch ausführlichere Beschreibung den Rahmen des Buches sprengen würde. Insbesondere positiv hervorzuheben ist der behutsame Umgang mit dem Thema gegenüber der Leserzielgruppe und der kritische Umgang mit den gängigen Schemata der Marketingtheorien wie dem AIDA (Attention, Interest, Desire, Action).

Das Thema des siebten Kapitels bewegt sich auf operativer Ebene und dreht sich um die strukturierte Arbeitsorganisation. Die Auflistung von sechs Bereichen, auf die eingegangen wird, soll dabei ein 'Werkzeugkasten mit Versuchsschablonen' sein, aus dem sich Gründerinnen und Gründer wichtige Tipps holen können. Die Überschrift dieses Kapitels 'das kreative Chaos in geordnete Bahnen lenken' klingt zunächst klischeehaft und könnte den Eindruck erwecken, alle Kreative seien Chaoten. Von dem Autorenteam wird diese Sicht aber nicht aufgegriffen. Das Kapitel bietet einen guten Einblick in die Arbeitsorganisation und Argumente dafür, sich als Selbständige oder Selbständiger auch mit den organisatorischen Aspekten zu beschäftigen.

Rohrberg und Schug machen im achten Kapitel deutlich, was sie unter Führung verstehen und warum sie auch im Gründungsstadium, wenn noch keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Unternehmen angehören, wichtig ist. Insbesondere beziehen sich die Autoren daher an dieser Stelle auf Führung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit Kooperationspartnern und in Netzwerken, Führung im Leistungsteam und Führung in Konflikten. Diese Felder sind logisch und nachvollziehbar, jedoch für Gründerinnen und Gründer, die alleine gründen, für den Anfang nur teilweise von Relevanz.

Die Intention der Autorin und des Autoren ist es im neunten Kapitel, Gründerinnen und Gründern die Angst vorm Controlling zu nehmen. Argumentativ wird der Sinn des Controllings insbesondere für Kultur- und Kreativwirte erläutert. Dabei gibt das Controlling den Soll- und Ist-Zustand in Bezug auf die Zahlen (Ausgaben und Einnahmen) und die Zeitplanung wieder. Außerdem soll es als Überwachung dienen, um Ausgaben, Einnahmen und die eigene Zeitplanung kontrollieren zu können. Abschließend werden einige Möglichkeiten der Vorsorge und sozialen Absicherung genannt. Diese Themen an den Schluss des Buches zu stellen, ist chronologisch sinnvoll. Allerdings fällt es teilweise schwer dem Text kontinuierlich zu folgen, da Controlling zu weit vom kreativen Produkt entfernt ist. Daher eignet sich dieses Kapitel vor allem zum nachträglichen Lesen und Nachschlagen.

Das vorliegende Buch ist insgesamt ein gelungener Praxisratgeber. Die Beispiele, Interviews und fiktive Geschichte über Johanna lockern den Text für die Leserinnen und Leser auf. Unschwer erkennbar ist, dass Rohrberg und Schug selbst praktische Erfahrungen gemacht haben. Zugleich schaffen sie es, dieses Praxiswissen in einen theoretischen Kontext zu setzen. Einen großen Mehrwert erfährt das Buch überdies durch die zahlreichen Linktipps und Literaturhinweise, die unterstützend Hinweise auf detailliertere Informationen und weiterführendes Material wie z.B. Formulare zum herunterladen geben.

Ein kleines Manko ist, dass die Struktur etwas unübersichtlich im Inhaltsverzeichnis dargestellt ist: Die Kapitel sind nicht mit Unterpunkten versehen und daher kann die Leserin oder der Leser sich während des Lesens ggf. etwas schwer orientieren. Der Aufbau selbst hingegen ist schlüssig und nachvollziehbar. ---Katrin Ruddigkeit, Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), für Kulturmanagement Network


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11