Sale70 Sale70w Sale70m Hier klicken Sonderangebote studentsignup Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More TDZ BundesligaLive Mehr dazu Shop Kindle PrimeMusic BundesligaLive longss17
Profil für Volker M. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Volker M.
Top-Rezensenten Rang: 29
Hilfreiche Bewertungen: 11091

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Volker M.
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30
pixel
Sunday Sketching (deutsche Ausgabe)
Sunday Sketching (deutsche Ausgabe)
von Christoph Niemann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blick in eine Künstlerseele, 25. Oktober 2016
Christoph Niemanns kreative und witzige Kombinationen aus Zeichnungen und realen Objekten, die im neuen Zusammenhang vom Betrachter ganz anders wahrgenommen werden, sind echter Kult. Seit fünf Jahren liefert er jeden Sonntag im Blog des New York Times Magazines unter dem Titel "Sunday Sketchings" Überraschendes, Irritierendes, Abgrundtiefes, Skurriles, Absurdes oder einfach nur Witziges. Nur gedankenlos sind seine Ideen nie. In jedem Till Eulenspiegel steckt ein ernsthafter Mensch und Christoph Niemann lässt den Leser in seinem Buch einmal hinter die Kulissen schauen, um diesen ernsthaften, von Zweifeln und auch Ängsten geplagten Mensch sichtbar werden zu lassen. Als roter Faden dient Niemanns Autobiografie, die alleine schon aufsehenerregend ist: Direkt nach dem Studium springt er ins kalte Wasser, etabliert sich in kurzer Zeit als Illustrator in New York und zwar ziemlich sofort in der Oberliga. Stichwort "New Yorker" Titelseite. Und nach 10 Jahren wandert er erneut aus - nach Berlin. If you can make it there, you can make it everywhere...

Wer jetzt glaubt, Niemann würde seine Erfolge in Trumpscher Prahlerei als einzigartige Genialität darstellen, als andauernde Umarmung der Muse, die ihn nie im Stich lässt, der täuscht sich gewaltig. Genialität besteht immer noch zu 1% aus Inspiration und 99% Transpiration, und Niemann zeigt beide Seiten dieser Medaille auf genial anschauliche Weise. Denn natürlich sucht man im Buch simple Texte in 9 Punkt Arial vergebens, stattdessen überträgt Niemann jeden Aspekt seines Lebens und seiner Arbeit mit dem typisch augenzwinkernden Humor in eine grafische Umgebung. Man lernt eine Menge darüber, wie man Kreativität trainieren muss, wie ein Sportler Ausdauer und Kraft oder ein Musiker die technische Beherrschung seines Instruments trainiert. Was der "kleine" Schritt vom Handwerk zur Kunst für Mühen bereitet, wo und wie Niemann Ideen sammelt, was ihn inspiriert und was ihn blockiert. Und natürlich gibt es jede Menge wunderbarer Beispiele seiner Arbeiten zu sehen. Man sollte sich wirklich beim Betrachten ein wenig Zeit zum Nachdenken nehmen, denn sehr oft finden sich versteckte Botschaften hinter dem augenscheinlichen Witz. In jedem Fall blickt man aber tief in die Seele eines Künstlers.
Karl Valentin hat mal gesagt: "Kunst ist, wenn man's kann. Aber wenn man's kann, ist es auch keine Kunst mehr." Ich bin überzeugt, Christoph Niemann ist in seinem Innersten eigentlich ein Karl Valentin mit Zeichenstift.

Ich habe mich übrigens dabei ertappt, dass ich das Tintenfass vom Titelbild beiseitestellen wollte ... und damit bin ich letztlich sogar doppelt auf den Gag reingefallen.


Shakespeare und seine Welt
Shakespeare und seine Welt
von Günter Jürgensmeier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 89,00

58 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Shakespeares Inspirationsquellen, 24. Oktober 2016
Nein, leichte Kost ist "Shakespeare und seine Welt" sicher nicht. Es ist jedoch ein Buch der Entdeckungen, ein Buch, das man auch entdecken und sich erarbeiten muss. Den größten Anteil machen Originalquellen aus, von denen die Forschung annimmt, dass sie inhaltliche Vorlagen für Shakespeares Werke waren. Zu jedem seiner Stücke gibt es zunächst eine allgemeinverständliche, literaturwissenschaftliche Übersicht über die Quellenlage, gefolgt von einem oder mehreren Originaltexten in deutscher Übersetzung. Die meisten dieser Texte sind nicht neu übersetzt, sondern folgen den teilweise schon im 19. Jahrhundert angefertigten Übertragungen, als die Shakespeare-Forschung ihre erste Blütezeit hatte. In einigen Fällen muss sich der Leser daher durch den gewöhnungsbedürftigen Sprachgebrauch des 17. und des 19. Jahrhunderts gleichzeitig arbeiten, was mitunter etwas mühsam ist. Aber es gibt eine ganze Reihe echter Überraschungen, denn unter den Texten, vor allem den Theaterstücken, finden sich einige, bei deren Qualität man sich wirklich fragt, warum sie im Gegensatz zu Shakespeares Werken eigentlich in der Versenkung verschwunden sind.
Bemerkenswert ist neben der Tatsache, dass die Wissenschaft diese alten Quellen identifiziert hat, auch die Erkenntnis, wie umfassend gebildet Shakespeare war und das in einer Zeit, als der Zugang zu Wissen nicht so einfach war wie heute. Er kennt nicht nur den klassischen Bildungskanon seiner Zeit, die antike Literatur und Mythologie, sondern auch sehr weltliche Stoffe, insbesondere englischer und italienischer Autoren und zeitgenössische historische Quellen. Aber es wird bei der Lektüre schnell klar, dass Shakespeare sich meistens nur inspirieren lässt, die Motive abwandelt und deutlich komplexer gestaltet als die Vorlagen. Er ist kein Plagiator, sondern immer eigenständiger Künstler. Er leiht sich Stoffe, er stiehlt sie nicht. Selbst dort, wo er fast wörtlich aus Quellen zitiert, gelingt es ihm mühelos, diese in fast gleichlautende Blankverse umzuschmieden, dadurch zu rhythmisieren und so in Poesie zu verwandeln.

Für bibliophile Leser ist noch erwähnenswert, dass das Buch durch zahlreiche Faksimiles aus Originalquellen bebildert ist, was mich besonders reizt, denn die Buchgestaltung der Renaissance hat eine sehr charakteristische Ästhetik, die sich nicht nur im Satzspiegel, sondern auch in den verwendeten Schrifttypen äußert. Es ist zwar nicht Thema des Buchs, aber mir gefällt auch, dass die ganze Aufmachung, angefangen vom Folioformat bis hin zum gemischt ein-und zweispaltigen Satz in unterschiedlichen Schriftgrößen dem typischen Renaissancestil folgt.

Der Titel wäre nicht "Shakespeare und seine Welt", wenn sich das Material alleine in Quellentexten erschöpfen würde. Immer wieder finden sich Einschübe zu biografischen oder historischen Hintergründen (und natürlich ein einleitendes Kapitel mit einem gestrafften Lebenslauf Shakespeares). Dadurch wird sowohl die Motivationslage als auch die Arbeitsweise des "Barden von Stratford" sehr gut transparent.

Im Anhang findet sich noch ein Quellenlexikon, mit dessen Hilfe sich ausgehend vom Autor das jeweils von ihm beeinflusste Werk Shakespeares identifizieren lässt.

Wer sich mit Shakespeare, seinen Inspirationsvorlagen, oder den historischen und biografischen Einflüssen auf seine Arbeit in kenntnisreicher Tiefe beschäftigen will, für den ist dieses Buch ganz sicher eine reiche Quelle.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2017 3:45 PM MEST


Perspektive richtig sehen und zeichnen: Das Handbuch für jeden Blickwinkel - Mit Workshop auf 32 Panoramaseiten
Perspektive richtig sehen und zeichnen: Das Handbuch für jeden Blickwinkel - Mit Workshop auf 32 Panoramaseiten
von Matthew Brehm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Didaktisch ausgezeichnet, viele gut gewählte Beispiele, 23. Oktober 2016
Das Zeichnen von Gebäuden oder geometrischen Objekten setzt voraus, dass man die Regeln der Perspektive beherrscht. Bis zu einem gewissen Grad kann man sich mit Krücken behelfen, aber irgendwann ist es schlichtweg unmöglich, überzeugende Ergebnisse abzuliefern, wenn die "Theorie" nicht stimmt. Man kann dann als Laie nicht mal sagen, WAS nicht stimmt, aber man sieht sofort, DASS etwas nicht stimmt.

Ich habe schon einige Bücher zum Thema Perspektive und muss im Vergleich sagen, dass "Perspektive richtig sehen und zeichnen" definitiv zu den besten gehört. Didaktisch sehr gut strukturiert, mit zahlreichen, gut gewählten Beispielen, die auch sehr überzeugend umgesetzt sind. Ich finde es immer sehr anregend, wenn nicht nur ein Künstler in solchen Lehrbüchern die Beispiele beisteuert, denn mehrere Hände zeigen eine stilistische Vielfalt, die jede Menge neuer Impulse gibt, über das eigentliche Thema hinaus. Im Buch finden sich meisterhafte Umsetzungen von teilweise "trivialen" Szenen, die eben nicht nur perspektivisch richtig, sondern auch grafisch ausgezeichnet sind.

Matthew Brehm geht Schritt für Schritt von einfachen zu immer komplexeren Motiven. Zunächst erklärt er Horizontlinie und Einpunktperspektive, dann erweitert er den Raum um Zwei-, Drei- und Mehrpunktperspektiven. Insbesondere Mehrpunktperspektiven, die er sehr ausführlich behandelt, werden in anderen Lehrbüchern nur am Rande oder gar nicht gezeigt, dabei sind übliche Stadtansichten meistens Mehrpunktperspektiven, außer bei rechtwinkligen, ebenen Straßenführungen ohne hohe Objekte im Bild. Sehr gut erklärt wird auch die Perspektivverkürzung, wie man sie z. B. bei äquidistanten, sich wiederholenden Elementen besonders braucht (Arkadengänge, Kolonnaden, Straßenlaternen etc.). Eine Besonderheit, die ich in noch keinem anderen Buch gesehen habe, sind die kurvilinearen Perspektiven, die eine Art Fisheye-Effekt erzeugen. Dafür braucht man allerdings ein hohes Maß an Routine und ich wage mich derzeit noch nicht an sowas heran.

Jedes Kapitel ist in vier Abschnitte unterteilt: Sehen, verstehen, umsetzen und ein Schritt-für-Schritt Beispiel. Im Abschnitt "Sehen" werden Fotos anhand von Hilfslinien analysiert und die Fluchtpunkte konstruiert. Ein mehr oder weniger nahtloser Übergang ist der Abschnitt "Verstehen", der Zeichnungen verschiedener Künstler nach den soeben abgeleiteten Regeln analysiert und "Umsetzen" zeigt weitere Beispiele, die dann auch stilistisch sehr abwechslungsreich sein können. Viele beitragende Künstler stammen aus der Urban Sketching Szene und sind echte Könner.

Auf den letzten dreißig Seiten findet sich ein Arbeitsbuch mit teilfertigen Skizzen, sowie eingezeichneten Hilfslinien, die auf die Fluchtpunkte weisen. Hier geht es vor allem um Zeichenroutine, z. B. beim Anlegen von Fensteröffnungen, Architekturelementen etc.. Ich empfehle, die Seiten zu kopieren und dann erst loszulegen, dann hat man länger was davon. Außerdem liegen die Seiten dann flach auf und wölben sich nicht so sehr.

Insgesamt eines der besten Bücher, wenn nicht sogar das beste Buch zur Perspektive, das ich kenne. Sehr nachvollziehbar, didaktisch sinnvoll und mit ausgezeichneten Lehrbeispielen. Nur üben, das muss man dann doch noch selber...


Vor dem Fall
Vor dem Fall
von Noah Hawley
  MP3 CD
Preis: EUR 17,95

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Macht der Medien (Hörbuch), 22. Oktober 2016
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fall (MP3 CD)
Die Privatmaschine des Medienmoguls David Batement stürzt 18 Minuten nach dem Start in den Atlantik. An Bord sind außer seiner Familie noch der Investmentbanker Ben Kipling und der unbedeutende Maler Scott Burroughs, der zusammen mit Batements 4-jährigem Sohn JJ als einziger das Unglück überleben wird. Scott schwimmt, den Jungen hinter sich herziehend, in finsterer Nacht 15 Meilen durch den Atlantik und erreicht mit Mühe die Küste. Zuerst wird er noch als Held gefeiert, doch als die Bundesbehörden keinen "Täter" liefern, sondern zunächst einmal von einem Unfall ausgehen, ergreift der Anchorman von Batemans Fernsehsender, Bill Cunningham, die Initiative. Man könnte auch sagen, er ersetzt die Ermittlungen durch eine Serie von Vermutungen, in deren Zentrum Scott Burroughs steht. Was bitte schön hatte ein völlig unbekannter, mittelloser Künstler im Privatflugzeug von David Bateman zu suchen? In dem Flugzeug, das nicht einmal er, Bill Cunningham, betreten durfte? Er, der Taufpate von JJ! Ist es nun verletzter Stolz oder sind es niedere Rachegelüste über den Verlust eines einflussreichen Freundes, jedenfalls steht Bill Cunningham für seinen privaten Feldzug eine Waffe zur Verfügung, gegen die sich niemand wehren kann: Die Öffentlichkeit. Und so beginnt eine Medienhetze gegen Burroughs, der sich dieser immer schwerer entziehen kann.

Noah Hawley ist ein dramaturgischer Routinier und man merkt dem Plot an, dass Hawley bereits einige Drehbücher verfasst hat. In einer Mischung aus Rückblenden und Erzählsträngen der Gegenwart beleuchtet er einerseits die Motivationslagen der Protagonisten, andererseits setzt er Mosaikstein an Mosaikstein, bis sich das Bild komplettiert. Es ist schon sehr früh klar, dass Scott nicht der Täter sein kann und dass Cunninghams Eifer nur ein weiteres Opfer produziert, ja es ist nicht einmal sicher, ob es überhaupt einen Täter gibt. Insofern ist die Geschichte weniger Krimi als Thriller, wobei es hier keineswegs um Verfolgungsjagden im Stile der Bourne-Serie geht, sondern eher um die Innenwelt der beteiligten Personen. Viel Geld ist im Spiel, das der vierjährige JJ erbt, und viel Geld verändert nicht selten den Charakter. So manche, die in den Strudel der Ereignisse gerissen werden, zeigen in dieser Ausnahmesituation, was wirklich in ihnen steckt. Im Guten wie im Bösen. Ich denke, das ist auch die zentrale Botschaft dieses Buches, dessen Handlungsstränge vordergründig eher unspektakulär sind. Neben Hawleys ausgereiftem, dichten Stil ist es eben die psychologische Ebene, die sehr gut herausgearbeitet wird und die den Leser bis zum Schluss fesselt. Kein Actionkracher, kein Rätselkrimi, sondern ein Buch über Machtmissbrauch und die Erkenntnis, dass die einfachen, plausiblen und spektakulären Antworten meistens falsch sind.

Matthias Koeberlin liest routiniert, seine Stimmführung ist absolut fehlerlos, die unterschiedlichen Personen lassen sich gut identifizieren und ihm gelingt es mühelos, die Hörer fast neun Stunden lang bei der Stange zu halten. Mehr kann man wirklich nicht wollen.


Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe
Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe
von Hartmut Göbel
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ideale Vorbereitung für den mündigen Patienten, 21. Oktober 2016
Migräne und Verspannungskopfschmerzen sind für über 90% aller Kopfschmerzen verantwortlich. Eine genaue Diagnose ist aber nicht einfach, da es über 360 definierte Formen von Kopfschmerzen gibt, die sehr gezielt behandelbar sind. Es lohnt sich daher, den genauen Ursachen auf den Grund zu gehen, statt Kopfschmerzen als Schicksal hinzunehmen und nur wahllos Schmerzmedikamente zu schlucken.

Hartmut Göbel, Chefarzt in der Schmerzklinik Kiel, wendet sich mit seinem Buch "Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne" an die Betroffenen, denn für eine gesicherte Diagnose (und damit auch die richtige Therapie) ist vor allem die Mitwirkung des Patienten notwendig. So sollte man auf jeden Fall über einige Wochen einen Kopfschmerzkalender führen, mit Angaben zu Zeitpunkt und -dauer der Kopfschmerzen, Intensität, den betroffenen Bereichen, eingenommenen Medikamenten und ihrer Wirkung, bevor man zu einem Spezialisten geht. Denn Schmerzen vergisst man schnell und das Gedächtnis täuscht, wenn man die Fragen des Arztes ohne solche Hilfsmittel beantworten soll.

Ein Blick ins umfangreiche und gut strukturierte Inhaltsverzeichnis lohnt, um sich vom Themenspektrum und der Detailtiefe zu überzeugen. Nach den Grundlagen (z.B. "Wie Schmerzen entstehen", "Die häufigsten Kopfschmerzformen") beschreibt Göbel wie die optimale und richtige Kopfschmerzdiagnose aussieht. Bereits der Patient kann mit einem Schnelltest prüfen, ob er eher von Migräne oder von "Kopfschmerzen vom Spannungstyp" geplagt wird. Anschließend erläutert Göbel wie man den richtigen Spezialisten findet, wie man sich auf die Sprechstunde vorbereiten soll und welche apparativen Zusatzuntersuchungen heutzutage zur Verfügung stehen.
Da Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp für den überwiegenden Teil der Kopfschmerzen verantwortlich sind, setzt Göbel in seinem Buch auch hier seine Schwerpunkte (Diagnose, Therapien, Auslösefaktoren, Vorbeugung etc.). Aber auch andere Arten wie Medikamtenübergebrauchskopfschmerz (was für ein Wort...), Clusterkopfschmerzen u.a. werden beschrieben.
Besonders hilfreich finde ich den umfangreichen Serviceteil am Ende des Buches. Dort werden z.B. wichtige Kopfschmerzmedikamente mit ihrem Anwendungsgebiet und ihren Nebenwirkungen nach dem heutigen Stand der Medizin beschrieben: angefangen vom Minzöl über Ibuprofen bis hin zu den Triptanen (um hier nur einige zu nennen). Aber auch hilfreiche Internetadressen kommen nicht zu kurz. Ein ausführliches Stichwortverzeichnis rundet das Buch ab.

In verständlicher Sprache und inhaltlich wie optisch durch Zweifarbdruck und Marginalien hervorragend strukturiert, vermittelt Göbel den Betroffenen das notwendige Wissen rund um Kopfschmerzen und Migräne - basierend auf seinen praktischen Erfahrungen sowie auf aktuellen Studien. Sein Buch ersetzt keinen Besuch bei einem Spezialisten, hilft aber, sich auf diesen Termin vorzubereiten, damit der Arzt die richtige Diagnose stellen und wirksame Therapien einleiten kann. Das Tröstliche: Fast jedem kann geholfen werden.


Alles über Pflanzenvermehrung: Vegetative Vermehrung und Samenanzucht
Alles über Pflanzenvermehrung: Vegetative Vermehrung und Samenanzucht
von Wolfgang Kawollek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Antwort auf alle Fragen, 20. Oktober 2016
Viele Bücher schmücken ihre Titel mit den Wörtchen "Alles über…" und werden dann beim näheren Hinsehen diesem Anspruch nicht gerecht. Bei Kawolleks "Alles über Pflanzenvermehrung" hat sich bei mir gerade der umgekehrte Effekt eingestellt: Meine Ansprüche waren hoch und sie wurden noch übertroffen. Ein Buch, dem man durchaus den Titel "Bibel" hätte geben können, denn danach sind wirklich alle Fragen beantwortet. 10 Seiten füllt alleine das (kleingedruckt dreispaltige!) Register mit den Pflanzen, die im Textteil betrachtet werden. Es ist schwer, hier nicht fündig zu werden. Und die Anleitungen sind äußerst präzise und geben genaue Anweisungen zu Vermehrungstechnik, Aussaatzeitpunkt, Samenvorbehandlung, Temperaturzyklen, Pikierzeitpunkt und Bodenansprüchen.

Doch der Reihe nach: Das Buch gliedert sich in zwei Teile. In Teil 1 werden die Grundlagen der Vermehrungstechnik vorgestellt, vom Samenbau (ernten, aufbereiten, lagern) über Techniken und Methoden der Saatvermehrung bis zur vegetativen Vermehrung. Ein Ergänzungskapitel widmet sich den Substraten, Einrichtungen und Werkzeugen. Der erste Teil bleibt noch verhältnismäßig allgemein, denn die Spezialtechniken, beispielsweise für die Vermehrung von Bäumen und Sträuchern, werden im zweiten Teil noch sehr ausführlich erläutert. In jedem Fall ergänzen aber zahlreiche Abbildungen das Gesagte und zeigen wirklich jeden Handgriff und jeden Verfahrensschritt. Es werden auch durchaus anspruchsvolle Methoden beschrieben, wie z. B. die Stratifikation von Saatgut oder die Vermehrung von Farnen, die eher etwas für den Profi sind. Überhaupt ist die Zielgruppe dieses Buches sowohl der Hobbygärtner als auch der Erwerbsgärtner. Jeder findet hier, was er sucht.

Der zweite Teil befasst sich mit der Praxis der Pflanzenvermehrung, wobei die Pflanzen in Gruppen eingeteilt sind, die ähnliche Vermehrungstechniken teilen. Die Überkapitel sind "Bäume und Sträucher", "Stauden", "Sommerblumen", "Zimmerpflanzen, Balkon- und Kübelpflanzen" und "Gemüse und Kräuter". Die Untergruppierung ist, am Beispiel Stauden: Blühstauden, Ziergräser, Bambus, Freilandfarne, Zwiebel- und Knollenpflanzen sowie Sumpf- und Wasserpflanzen. Alleine an dieser Aufzählung erkennt man bereits die ungeheure Bandbreite, die dieses Buch abdeckt. Ich befasse mich seit 30 Jahren mit der etwas heiklen Zucht von Adonis vernalis. Im Internet findet sich rein gar nichts dazu. In Kawolleks Buch hat Adonis einen Eintrag und er entspricht genau meinen mühsam gewonnenen Erfahrungen. Was ich damit sagen will: Selbst Exoten werden hier qualifiziert bearbeitet. Das hat mich schwer beeindruckt.

Obwohl das Buch sehr übersichtlich strukturiert ist, gibt es noch mehrere exzellente Lotsen. Das Register ist unterteilt in Sachregister, deutsche Pflanzennamen und lateinische Pflanzennamen. Auch hieran erkennt man wieder die beiden Zielgruppen Hobby- und Erwerbsgärtner.

Die Abbildungen zeigen übrigens nicht nur jeden Handgriff, sondern auch das Wuchsbild zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Aussaat/Vermehrung. So lässt sich leicht kontrollieren, ob im eigenen Garten alles nach Plan läuft. Manchmal muss man nämlich sehr viel Geduld haben. Viele Samen "liegen über", das heißt, sie keimen erst nach ein oder zwei Jahren in der Erde. Adonis ist auch so ein Fall. Wer das nicht weiß, entsorgt möglicherweise seine Saattöpfe zu früh. Aber keine Sorge, Kawollek weiß alles...

Dieses Buch ist das Non-Plus-Ultra der Pflanzenvermehrung. Die Antwort auf alle Fragen.

Die zweite Auflage wurde gegenüber der Erstauflage übrigens nur marginal verändert und lohnt keine Neuanschaffung für die, die das Buch schon haben.


Sitzen ist das neue Rauchen: Das Trainingsprogramm, um lebensstilbedingten Haltungsschäden vorzubeugen und unsere natürliche Mobilität zurückzugewinnen
Sitzen ist das neue Rauchen: Das Trainingsprogramm, um lebensstilbedingten Haltungsschäden vorzubeugen und unsere natürliche Mobilität zurückzugewinnen
von Kelly Starrett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,99

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit Massageball und Schaumstoffrolle, 19. Oktober 2016
Gesundheits- und Fitnessbücher gehören zur klassischen "man-müsste-mal"-Literatur: Sie sind hübsch anzusehen und landen doch über kurz oder lang im Bücherschrank, weil die Übungen zeitaufwendig und kompliziert sind oder der innere Schweinehund mal wieder gesiegt hat. Wenn dann die Wehwehchen kommen, der Nacken oder Rücken schmerzt, bereut man die Untätigkeit wieder und landet irgendwann beim Orthopäden oder Krankengymnasten. Und spätestens dort hört man wieder das bekannte Mantra "Weniger sitzen, mehr bewegen". Am Besten, man lässt es gar nicht so weit kommen.

Unser Körper merkt sich alles. Jedes unserer Körperteile ist für eine bestimmte Anzahl von Nutzungen ausgelegt. Falsche Bewegungen "verbrauchen" unsere Belastungszyklen und überziehen damit das Körperkonto. Eine Weile geht das gut, dann nicht mehr. Wer zudem den ganzen Tag sitzt, dem fehlt es grundsätzlich an körperlicher Bewegung. Kelly Starrett hat dieses Thema aufgegriffen und stellt in seinem Buch ein Trainingsprogramm vor, um Haltungsschäden vorzubeugen, die wichtigsten Bewegungen korrekt auszuführen und bestehende Schmerzen mit geeigneten Übungen zu lindern. Denn selbst regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen, zu Laufen oder anderen Sport zu treiben sowie eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf reichen trotzdem nicht aus, um die Schäden des Sitzens auszugleichen.

Starretts Empfehlungen sind einfach umzusetzen und erfordern vor allem keine signifikante Veränderung des eigenen Lebensstils. Zuerst sollte man so wenig wie möglich sitzen. Hierzu gibt der Autor viele Empfehlungen, wie ein ergonomischer Sitz- oder besser noch Steh-Arbeitsplatz aussehen sollte (Monitor, Tastatur und Maus, Bürostuhl etc.). Kommt man bei seiner Arbeit um das Sitzen nicht herum, so sind regelmäßige 2-Minuten-Übungen angebracht, um Muskeln und Herz-/Kreislauf in Bewegung zu bringen. Dazu sollte man immer wieder seine Körperhaltung prüfen und korrigieren. Wie man das macht, beschreibt Starrett anschaulich mit vielen Skizzen, Fotos und Übungen. Noch besser wären natürlich Videos, aber der Autor hat auf seiner englischsprachigen Webseite nur einen kleinen Teil kostenfrei zur Verfügung gestellt, die große Mehrheit der Videos gibt es leider nur gegen eine monatliche Gebühr. Nach den Grundlagen stellt er die wichtigsten Mobilisierungstechniken und -rezepte vor, sortiert nach Schmerzsymptomen, wie z.B. Kopf-, Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen, Karpaltunnelsyndrom oder Knieschmerzen. Aber auch zur Vorbeugung sollte man täglich 10 bis 15 Minuten in die Übungen investieren. Die dazu erforderlichen Hilfsmittel (Massageball, Hartschaumrolle, Widerstandsband) halten sich in Grenzen und erfordern keine großen Investitionen.

Mein Fazit: In verständlicher Sprache und inhaltlich wie optisch hervorragend strukturiert, vermittelt Starrett die Grundlagen seines Mobilisierungsprogramms. Die Übungen sind sehr gut und eindeutig beschrieben, können überall umgesetzt werden und erfordern kaum Hilfsmittel.


Der Herr der Ringe: illustriert
Der Herr der Ringe: illustriert
von J.R.R. Tolkien
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 88,00

68 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön gestaltete Sonderausgabe der klassischen Carroux-Übersetzung, 18. Oktober 2016
Über den Inhalt des Buches noch irgendein Wort zu verlieren, wäre so sinnvoll wie Hobbits ins Auenland zu tragen. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was nicht Andere schon gesagt und auch besser gesagt hätten, also will ich mich stattdessen auf die Übersetzung und die Ausstattung konzentrieren:
Diese Sonderedition in einem Band enthält die klassische Übersetzung von Margaret Carroux, und zwar in der Fassung mit den vollständigen Anhängen. Sie stammt im Wesentlichen aus der Zeit um 1970 und wurde noch von Tolkien persönlich betreut, der den Übersetzern in Deutschland und Dänemark kostenlos Ratschläge (man kann auch sagen Anweisungen) gab, nachdem die niederländische und schwedische Übersetzung wohl nicht seinen Vorstellungen entsprochen hatte. So kam es z. B. zur Bezeichnung "Auenland", denn die wörtliche Übersetzung für Shire wäre eigentlich "Gau" gewesen, was auch Tolkien im deutschen Sprachraum als historisch belastet empfand. Carroux verwendet durchgängig einen moderat altertümlichen Stil, der insgesamt einen sprachlich sehr homogenen Eindruck hinterlässt. Es gibt auch noch eine Alternativübersetzung von Wolfgang Krege (ebenfalls bei Klett-Cotta), die sich stärker bemüht, Tolkiens sehr variablen Sprachstil aus dem Original besser zu adaptieren, allerdings wird das Ergebnis eher zwiespältig beurteilt. Die Meisten bevorzugen Carrouxs Übersetzung.

Die Illustrationen stammen von Alan Lee, der sie bereits 1992 anlässlich von Tolkiens 100. Geburtstag für eine Sonderedition schuf. Wer sich jetzt wundert, warum der Look so auffallend der Ästhetik der Ringe-Verfilmungen von Peter Jackson ähnelt, obwohl die doch fast 10 Jahre später gedreht wurden, der sollte wissen, dass Alan Lee der zuständige Produktionsdesigner war und dafür auch einen Oscar erhielt. Die Zeichnungen sind atmosphärisch und detailverliebt und fangen Tolkiens Welt sehr authentisch ein. Wer die Filme kennt, kann sich ungefähr vorstellen, was ihn erwartet.

Die Ausstattung und Verarbeitung der Sonderedition ist hochwertig: Saubere Fadenheftung, Lesebändchen, angenehm getöntes Dünndruckpapier und ein sehr solider und präzise gefertigter Schuber. Da werden Fans - und nicht nur die - ihre Freude dran haben.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 9, 2017 10:47 AM CET


Phishing for Fools: Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft
Phishing for Fools: Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft
von George A. Akerlof
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Dümmste zahlt die Zeche, 17. Oktober 2016
Die beiden Wirtschaftsnobelpreisträger George A. Akerlof und Robert J. Shiller stehen der freien Marktwirtschaft kritisch gegenüber. Obwohl die freie Marktwirtschaft einen hohen Lebensstandard bringt, der Wettbewerb in der Regel effizient ist und der Markt selbstregulierend, gibt es dennoch immer wieder Auswüchse, die man mit Interventionen wie Steuern und Subventionen zu regulieren versucht. Nicht immer mit Erfolg, wie die Autoren in ihrem Buch "Phishing for Fools" anhand zahlreicher Beispiele belegen.
Eine kurze Anmerkung zum Buchtitel: "Phishing" ist ein Begriff, der für betrügerische Aktivitäten im Internet steht und für die Autoren als Metapher dafür steht, Menschen dazu zu bewegen, etwas zu tun, was nicht in ihrem Interesse, sondern nur in dem der "Phisher" liegt.

Der freie Markt produziert leider nicht nur das, was wir wirklich wollen und was gut für uns ist, sondern auch das, was wir nur wollen, weil es uns eingeflüstert wird und für andere gut ist. Er erzeugt Wünsche, damit wir kaufen, was er anzubieten hat und konfrontiert uns überall mit Versuchungen. Gerade bei "Übergangsriten" wie Hochzeit, Geburt und Beerdigung wird uns eingeredet, es sei erbärmlich, auf das Budget zu achten. Im Kleinen achten wir auf jeden Euro und bei Großanschaffungen wie Auto- und Hauskauf sind wir besonders anfällig dafür, zuviel zu bezahlen. Akerlof und Shiller beschreiben die dahinterliegenden Mechanismen sehr anschaulich, genauso wie Verkäufer-Tricks und Betrugsmaschen. Auf den Enkel- oder Blumenstraußtrick fallen Senioren immer wieder herein.

Das Phishen ist auch im Finanzmarkt sehr beliebt. Bestes Beispiel ist der Verkauf von Schrottpapieren mit bestem Rating, die letztlich zum Ausbruch der Finanzkrise seit 2008 führte. Die Autoren sehen vor allem Ratingagenturen und Investmentbanken als Täter.
Anhand von Goldman Sachs zeigen sie exemplarisch, wie sich die Emissionsbank zu einer Schattenbank gewandelt hat, die auf eigene Rechnung agiert. So ist das Kapital von Goldman Sachs zwischen 1970 und 2005 um mehr als das Fünfhundertfache angeschwollen (50 Millionen US-Dollar vs. 28 Milliarden US-Dollar). Da wundert es nicht, dass sich das Machtverhältnis zwischen Ratingagenturen und Investmentbanken umgekehrt und die Finanzkrise maßgeblich begünstigt hat. Dumme, die die ausgelobten Schrottpapiere gekauft haben, gab es genug.
Neben dem Finanzmarkt beschreiben die Autoren noch weitere Märkte, die für Manipulation und Täuschung prädestiniert sind. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, findet im Anhang sehr umfangreiches Quellenmaterial und ausführliche Anmerkungen, die insgesamt über 1/3 des Textes ausmachen. Aus meiner Sicht für ein an den Laien gerichtetes Buch etwas übertrieben.

Akerlof und Shiller beschreiben für jedermann verständlich die "Nebenwirkungen" unseres freien Marktes, bringen letztlich aber kaum neue Erkenntnisse. Die meisten Beispiele und Studien beziehen sich spezifisch auf die USA und können nicht ohne Weiteres auf den europäischen Markt übertragen werden. Das schmälert leider den Nutzen für den hiesigen Leser.


Perfektion. Die Wissenschaft des guten Kochens. Backen: Band 3
Perfektion. Die Wissenschaft des guten Kochens. Backen: Band 3
von Stiftung Warentest
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn das die Oma gewusst hätte..., 16. Oktober 2016
Schon meine Oma wusste, dass man Zucker erst zum Schluss zugeben darf, wenn die Schlagsahne gelingen soll. Stimmt das? Die Laborküche "America's Test Kitchen" hat herausgefunden, dass entscheidend für das Gelingen von Schlagsahne die Temperatur ist und nicht der Zeitpunkt der Zuckerzugabe. Im Gegenteil: Wenn der Zucker direkt zu Beginn hinzugegeben wird, hat die geschlagene Sahne sogar noch eine bessere Textur, weil sich der Zucker während des Aufschlagens auflösen kann. Aber das ist nicht die einzige Korrektur von Omas Traditionswissen, die die Mitarbeiter der Versuchsküche in zahlreichen Experimenten herausgefunden haben. Ihre Erkenntnisse haben sie direkt in die Rezepte und Verarbeitungstipps einfließen lassen.

Das Buch wurde für den deutschen Markt überarbeitet. Amerikanische Mengenangaben wurden umgerechnet und Zutaten, die hier schwer erhältlich sind, ausgetauscht. Dass das Buch für den amerikanischen Markt geschrieben wurde, ist aber dennoch an landestypischen Rezepten wie Cookies, Brownies, Pancakes, Biscuits und Cupcakes zu erkennen. Gebäck, das auch bei uns mittlerweile sehr beliebt ist. Aber auch andere Rezepte kommen nicht zu kurz, z.B. für Brot, Tartes, Obstkuchen und klassische Kuchen.

Das Besondere an dem Buch sind aber weniger die Rezepte, sondern die vielen systematischen Experimente, die es auch noch zu einem spannenden Sachbuch machen. Wie wirkt sich die Wassermenge auf die Textur von Brot aus? Werden Biscuits besser mit Backpulver, Natron oder einer Kombination aus beidem? Hat die Mischtechnik von Zutaten Auswirkungen auf die Textur oder nimmt man für blättriges Gebäck besser zerlassene Butter, Butterklümpchen oder dünne Butterflocken? An solchen Beispielen kann man wunderbar lernen, dass Omas "gefühltes Wissen" oftmals schlichtweg falsch war.

Wichtiges rund um Basiszutaten wie Mehl, Butter, Süßungsmitteln und Schokoladen vermitteln die Autoren kurz und knapp in einer Warenkunde.

Aber es gibt einige Punkte, die mir weniger gut gefallen haben: Die Schriftgröße ist leider recht klein geraten und nichts für Leute mit müden Augen. Auch bezieht sich das Einführungskapital weniger auf Backen, sondern vorwiegend auf Kochen: Garstufen und -zeiten oder Garmethoden sind für Bäcker eher unerheblich. Die vorgestellte Küchenausstattung (Pfannen, Töpfe, Messer etc.) ist nur übergreifend, sehr allgemein und nicht wertend im Anhang dargestellt. Mich hätte z. B. eher interessiert, ob man mit Silikonbackformen andere Backergebnisse erhält als mit den herkömmlichen Antihaftformen.

Insgesamt hat mir der Ansatz des Buches, mit Experimenten und wissenschaftlichen Erklärungen die Backergebnisse zu optimieren sehr gut gefallen. Die Autoren haben mit vielen Mythen aufgeräumt und bei mir die Lust geweckt, ihre neuen Erkenntnissen auch mal selbst auszuprobieren und manches anders zu machen.


Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30