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BecciBookaholic

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Heller als ein Stern
Heller als ein Stern
von Celia Bryce
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Schön und schrecklich zugleich, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Heller als ein Stern (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Manchmal ist das Leben seltsam. Man begegnet Menschen, die die ganze Welt auf den Kopf stellen. Ich heiße Megan, bin fast 14 und habe ein Medulla…ähm…einen Hirntumor. Ich habe Krebs und liege zwischen vielen Kindern mit demselben Schicksal. Mein Bett gleicht einem Babybett, ich liege zwischen bunten Elefanten, Disneyfiguren und Spielzeug. Ich scheine hier die Älteste zu sein, bis auf Jackson. Ein merkwürdiger Junge, er lächelt den ganzen Tag als wäre das alles nur ein Witz. Und er redet, ununterbrochen…was für eine grausame Nervensäge. Er ist auch viel zu neugierig und sagt Dinge, die ich nicht hören will.
Das ist doch alles eine völlig verdrehte Realität…wo bleibt mein Wunder? Dieser Arzt, das Froschgesicht, muss sich geirrt haben.
Das Krankenhaus wird schon bald Megan’s zu Hause. Sie freundet sich mit den Schwester und Patienten an. Fernab von Freuden und Familie stellt sie sich ihrem Schicksal und lernt was es bedeutet schwer krank zu sein. An Krebs zu leiden verändert einfach alles, doch vor allem verändert Jackson sie. Es entwickelt sich eine tiefe Bindung, die Beiden Halt gibt und alles zu überstehen scheint. Selbst Krankheit und Tod.

Meinung
Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, ein wenig kindlich und doch oft zu Erwachsen für die sehr junge 13-jährige Protagonistin Megan. Am Anfang fand ich das ein wenig befremdlich, doch aufgrund der Umstände ist es dennoch passend. Wenn ein Mensch krank wird, denkt er einfach anders und junge Menschen sehen das Leben schlagartig von einer ganz anderen Seite. Sie sind oft allein, plötzlich in fremder Umgebung, der Reifeprozess wird beschleunigt. Die schnelle Veränderung der Umstände, gespickt mit einer kleinen Brise jugendlichem Humor, haben mich durch die Seiten fliegen lassen. Das Einzige störende war, dass es nicht in der Ich-Erzählform geschrieben ist, denn das hat oft eine zu große Distanz geschaffen, gerade zum Ende hin.

Die Geschichte ist sehr einfach aufgebaut. Ein Junge und ein Mädchen sind beide schwer krank und teilen somit ein gemeinsames Schicksal. Wo anfangs eine Antipathie ist, entwickelt sich schließlich etwas sehr Besonderes. Sie geben sich gegenseitig Halt, scheinen gemeinsam fernab von jedem weltlichen Übel zu sein. Keine Krankheit, kein Schmerz, nicht einmal der Tod, der allgegenwärtig ist, kann den Beiden etwas anhaben. Sie sitzen in ihrer Blase der Glückseligkeit und machen aus ihrer Situation das Beste. Man wird unwillkürlich mit der harten Realität auf einer Kinderkrebsstation konfrontiert. Es sterben liebgewonnene Charaktere, es geschehen so viele schreckliche Rückschläge und dennoch ist da dieses Licht. Der Wille zu Leben, die unbändige Stärke, die ein junger Mensche entwickelt, nur um das zu haben, was wir als absolut selbstverständlich sehen. Ein erfülltes Leben! Gesundheit! Die Autorin schreibt über die Geschehnisse mit einer grausamen Endgültigkeit, oft ist es einfach auch ein wenig hart. Es fühlt sich zu real an. Das mag seltsam klingen, aber sie zeigt dem Leser so viel Liebenswürdigkeit, wundervolle Charaktere und eine unendliche Masse an Menschlichkeit, um es schließlich gewaltsam zu entreißen. Immer wieder windet sich die Frage nach dem Warum in mir. WARUM muss ein Kind, eine so zarte, unschuldige Seele soviel Leid erleben? Und wie kann ein so junger Mensch eine solch unbändige Stärke entwickeln, was uns Erwachsenen oft nicht mal im Ansatz gelingt? Es ist unfair, aber so ist leider das Leben. Diese Tatsache fängt Frau Bryce auf und sperrt sie zwischen die Zeilen, wo sie von Zeit zu Zeit an mir gerüttelt hat und mir die Tränen in die Augen trieb.
Ein wenig störend empfand ich einige Verzögerungen, das Buch spielt nicht die gesamte Zeit über im Krankenhaus, sondern auch bei Megan daheim. Gerade zum Ende hin wird man als Leser einfach komplett im Dunkeln stehen gelassen. Meist ist das sehr reizvoll, man lechzt nach Antworten, aber an dieser Stelle war mir das zu viel. Es hat sich seltsam fremd angefühlt. Es hat mir Bauchschmerzen bereitet und schließlich fand ich es ein wenig unpassend. Die Auflösung war perfekt und emotional und dennoch hat es mir einfach nicht gereicht, ich fand es furchtbar unfair und schrecklich. Ich wollte mich selbst anschreien, dass es im Leben so abläuft, aber genau das wollte ich nicht. Es gibt viele solche Bücher, die ein trauriges und dennoch schönes Ende haben, aber hier war es einfach ein Knall, man erfuhr einfach Nichts und dann kam das Ende, wundervoll und trotzdem bleibt kaum etwas zurück, außer: Warum?
Und mein größtes Problem war, so und zwar genauso, stelle ich es mir auf einer Kinderkrebsstation vor. Das hat mich dann doch irgendwie gestört.

Die Personen sind sehr gelungen. Megan scheint sofort sehr stark zu sein. Wie sie mit der Diagnose und der Situation umgeht hat mich einerseits beeindruckt, anderseits sofort besorgt, denn sie hält so sehr an den Dingen fest die sie kennt und zeigt eine gewisse Gleichgültigkeit. Sie spricht ihren Verwandten gut zu, macht Witze und benimmt sich gespielt altersgerecht. Sie will nicht hören, wie die Krankheit verlaufen könnte oder wie ihr Umfeld reagieren wird. Alles völlig normal, würde ich schätzen, doch dann entwickelt sie sich in eine Richtung, die mich ruhelos machte. Sie wird innerhalb kürzester Zeit erwachsen, hat Gedankengänge, die ein so junger Mensch nicht haben dürfte. Sie ist so liebenswert, hilfsbereit, taktvoll und empathisch. Sie hat selbst eine so große Last und trägt doch die der anderen oft mit. Ich hatte eher das Gefühl über eine 18 Jährige zu lesen. Ob authentisch oder nicht, ich mochte sie sehr. Jackson, das erste, was mir bei ihm eingefallen ist. Er ist einfach ein goldiges Kerlchen. Ein Lächeln auf den Lippen, Lebensfreude in Hülle und Fülle, trotz schwerster Diagnose und ein unendlich großes Herz. Dieses Einfühlvermögen in die Kinder, der Humor, die lockere Art, die Hartnäckigkeit um Trost zu spenden und sich dennoch niemals wirklich aufzudrängen, waren wunderbar. Alle Charaktere waren generell sehr gelungen, sodass man aus der tiefen Traurigkeit kaum mehr auftauchen konnte.

Fazit
Ein Buch zum Nachdenken, ein Buch zum traurig sein. Ein Buch, was das Wesentliche im Leben unterstreicht und die ungeschönte Wahrheit über so Manches hervorbringt. Es war schön und schrecklich zugleich. Es ist dennoch ein seltsames Buch mit bitterem Nachgeschmack. Ich war auf eine Art getroffen, auf eine andere Art fand ich es teilweise unpassend. Eine vernünftige Bewertung ist nahezu unmöglich…


Godspeed - Die Ankunft
Godspeed - Die Ankunft
von Beth Revis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Grandioser Abschluss, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Godspeed - Die Ankunft (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Die Ankunft – nach einer langen Reise und der scheinbar endlosen Suche nach Antworten haben Junior, Amy und der Rest der Besatzung der Godspeed ihr Ziel erreicht. Die Zentauri-Erde soll ihr neues zu Hause werden. Ein neuer Planet, ein Paradies. Doch das langersehnte Ziel ist nicht das, was sich alle erhofft haben. Es geschehen unerklärliche Dinge und immer neue Gefahren lauern in den Weiten des neuen Planeten.
Es beginnt ein Wettlauf gegen eine unbekannte Macht, die nicht nur tückisch, sondern auch tödlich zu sein scheint. Wird die Kolonie eine Chance haben?
Amy und Junior scheinen alles erreicht zu haben. Sie sind zusammen. Der Planet gehört Ihnen. Zwei Sonnen, ein scheinbar unendlicher Himmel, das Rauschen in den Bäumen, strömender Regen, gewaltige Gewitter – die volle Macht der wunderschönen Natur – Freiheit! Doch wird das alles ausreichen? Wie sieht die Zukunft der Beiden aus?

Meinung
Der Schreibstil ist besonders. Vor allem das Schriftbild und die Wahl der Absätze machen eine gewisse Originalität aus. Man fühlt schon in den Zeilen den Zustand der Person. So stellt die Autorin Dinge wie Ohnmacht oder Erinnerungen an den Kryoschlaf absolut treffend dar. Zudem behält sie die Erzählweise aus beiden Perspektiven bei – Junior und Amy. Dies fügt sich jedoch so passgenau zusammen, dass man sich einfach niemals von den Beiden trennen will.

Die Geschichte ist grandios und absolut originell. Ich war sofort wieder mittendrin, die Godspeed, fast wie eine alte Freundin. Auch wenn man sie schon bald für immer verlassen muss, hat man als Leser eine gewisse Bindung aufgebaut. Man kennt die Decks, man kennt einfach das Leben dort. Von Band zu Band steigert sich Beth Revis und niemals verliert der Handlungsverlauf seine Anziehungskraft und Spannung. Es ist wie in einer Sternenklaren Nacht, wenn man auf der Wiese liegt und den Blick nicht mehr lösen kann, bis man alles entdeckt hat. Doch das ist einfach nicht möglich, weil unsere Augen gar nicht in der Lage dazu sind. Wenn man also gerade denkt, dass man eine Antwort auf all die Fragen gefunden hat, geschehen neue seltsame und aufwühlende Dinge. Ich mag Geschichten in denen es viele Verluste gibt, auch wenn es oft schmerzlich ist einen bekannten oder gar „geliebten“ Charakter zu verlieren, strahlt es doch einen gewissen Reiz aus. Brutal und blutig trifft es im gleichen Maße wie faszinierend und mitreißend. Ich kann gar nicht sagen, wie genial ich es finde, denn kaum ein Wort würde es treffend beschreiben. Es passiert einfach so unglaublich viel, was man verarbeiten muss und das auch noch oft so plötzlich und unverhofft. Nicht selten stand mein Mund erstaunt offen. Es gab so viele schockierende Momente, so viel Leid und Verzweiflung und trotz allem schwingt immer diese absolut wundervolle und vor allem zarte Beziehung zwischen Amy und Junior mit. Beth Revis ist es gelungen eine Liebesgeschichte zu kreieren, die immer im Hintergrund bleibt und dennoch in den richtigen Momenten das Leserherz höher schlagen lässt. Ein strahlendes Licht in der Dunkelheit. Wie schon in „Die Suche“ gab es nicht einmal die Gelegenheit sich zu langweilen. Nein, es gab schon kaum eine Sekunde Zeit um Luft zu holen. Das Wunderbare daran, die Fülle der Ereignisse droht einen nicht zu überrollen, weil es genial mit scheinbar simplen Problemen der Menschheit verknüpft ist. Man nimmt sich somit auch wieder einen Teil für sich selbst mit. Der Umgang untereinander – Toleranz und Empathie.
Die Personen sind mir Beide für sich und insbesondere auch zusammen absolut ans Herz gewachsen. Das ist vor allem so, weil sie kein prototypisches Verhalten aufweisen. Sie sind jeder jeweils auf seine Art zerbrechlich und voller sympathischer „Fehler“. Gemeinsam sind sie absolut toll. Es ist diese Verbindung, die die beiden haben. Sobald sie beieinander sind, breitet sich Wohlbefinden aus, welches bis zu mir als Leser vordringen konnte. Es benötigt manchmal keine Worte, sondern nur die bloße Anwesenheit einer Person, um sich absolut geborgen, sicher, frei und rundum wohl zu fühlen.
Amy ist ein tolles, mutiges und starkes Mädchen mit einem Kampfgeist, der Bewunderung verdient hat. Sie handelt zwar oft impulsiv und kopflos, aber genau das ist es, was mir besonders gefallen hat. Sie legt wenig wert auf die Meinung anderer und erreicht so oft, dass so manche Begebenheiten aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet werden können. Auch als die Vernunft an die Tür klopft und eine Entwicklung zu durchdachteren Handlungen hervorruft, wirkt alles absolut authentisch. Sie bleibt sich selbst treu, wird dennoch etwas erwachsener und nimmt eine bedeutende Rolle im Ausgang der Geschichte ein.
Junior hingegen hegt Zweifel an sich, seinen Entscheidungen, der Beziehung zu Amy und allem, was er ist und jemals sein wollte. Dieser vorübergehende Verlust des Selbstbewusstseins passt jedoch so gut in den Handlungsstrang, dass man einfach gar nicht anders kann, als diese Phase als Fügung zu sehen. Ich wollte ihn zwar ab und zu gern kräftig rütteln, dass er sich zusammenreißt und tut was getan werden muss, aber darauf kommt er schließlich selbst. Alles in allem ist auch seine Entwicklung mit all den tollen, absolut menschlichen Fehltritten wunderbar gestaltet. Beide besitzen sehr viel Tiefe.

Fazit
Ein grandios gelungener Abschluss. Ich bin einerseits froh, dass es ein so wahnsinnig tolles Ende genommen hat, andererseits erwischt mich die Wehmut. Meiner Meinung nach wäre ein Folgeband nicht ausgeschlossen und ich würde es mir durchaus wünschen, aber alles kommt irgendwann zum Ende und mit diesem kann ich sehr gut leben. Eine spannende, mitreißende und vor allem originelle Geschichte, die sich von Band zu Band steigert. Das Weltall in seiner Unendlichkeit mit allem, was dazu gehört, versprüht für mich schon immer eine besondere Anziehungskraft und Beth Revis trifft mit dieser Story genau ins Schwarze.


Himmelsfern
Himmelsfern
von Jennifer Benkau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine tolle Liebesgeschichte mit ein paar Längen, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Himmelsfern (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Noa spielt gerne mit dem Feuer. Ihre Leidenschaft ist der Tanz mit den brennenden Poi. Jedes Training und jeder Auftritt stellen ein enormes Risiko dar und die Angst scheint stets mitzuschwingen. Doch wenn sie sich einmal überwindet und sich ganz den Flammen überlässt, verschwindet die Welt um sie herum und sie wird eins mit dem Feuer. So ähnlich fühlen sich für Noa auch die Begegnungen mit Marlon an. Sie kennt das Risiko und sie weiß, dass ihnen nicht viel Zeit bleibt, dennoch lässt sie sich mit all ihrer Liebe auf ihn ein. In wenigen Wochen wird er sich verändern, er wird vergessen. Er wird sie vergessen! Oder ist Noa Marlons letzte Chance?

Meinung
Der Schreibstil ist ungewohnt anders. Ich ziehe nicht gerne Vergleiche zu anderen Büchern, da es aber hier um die selbe Autorin geht und es mir förmlich ins Auge gesprungen ist, muss ich es erwähnen. Hätte auf dem Buchdeckel nicht der Name „Jennifer Benkau“ gestanden, wäre ich jede Wette eingegangen, dass es nicht von ihr stammt. Der Schreibstil ist völlig untypisch für sie. Am Anfang hat mich das erschreckt, mittlerweile sehe ich das eher positiv. Denn was für ein Genie muss man sein, den Schreibstil so zu verändern, dass er derart konform mit der Geschichte geht? Sie schreibt hier sehr jugendlich, beinahe ein wenig kindlich mit einigen Kraftausdrücken. Es wirkt alles sehr einfach gehalten, dennoch mysteriös und geheimnisvoll oder gerade deshalb? Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich es, wie gesagt, sehr passend und es ließ sich flüssig lesen.

Die Geschichte ist seltsam. Die erste Hälfte fand ich grandios. Es war sehr geheimnisvoll und man wurde die ganze Zeit über im Dunkeln über Marlons Daseinsform gelassen. Ab und zu hat man einen unfertigen Brocken hingeworfen bekommen, der ein paar wenige Details preisgab, den Rest konnte man sich dazu dichten oder warten. Auch wenn der Handlungsverlauf im Grunde nicht spannend war, erzeugte diese mysteriöse Stimmung eine kribbelige Gänsehaut und eine vorerst unterschwellige Neugier nagte sich nach draußen. Bald schon war ich an dem Punkt angelangt, dass ich einfach nur noch die Wahrheit wissen wollte, was absolut mit den Gedanken der Protagonistin übereinstimmte. Als ich dann endlich erfuhr, was es mit dem geheimnisvollen „Fremden“ auf sich hat, war ich enttäuscht und empfand es als seltsam. Ich habe schon die ganze Zeit in die richtige Richtung gedacht und dennoch war es schließlich ernüchternd. Ab dann begannen einige Passagen, die sich sehr in die Länge gezogen haben und somit den Lesefluss ein wenig störten. Es gab die gesamte Zeit über einige unnötige Passagen, bei denen ich bis jetzt noch keinen Sinn sehe. Allerdings ist das reine Geschmackssache. Die Idee an sich ist schon originell, erinnert mich jedoch an eine andere Geschichte, die ich sehr mochte. Für mich persönlich war die ganze Entwicklung etwa nach der Hälfte einfach seltsam. Hinzu kommt, dass mir bis zum Schluss eine bestimmte Sache einfach nicht schlüssig erschien. Es wollte sich nicht in die Geschichte einfügen und war befremdlich, aber ich möchte nicht zuviel verraten, also lest es selbst. Absolut positiv zu erwähnen ist die Grundstimmung. Ein wenig düster und die Ausweglosigkeit ist ein ständiger Begleiter. Trotz allem leuchtet das helle Licht einer jungen Liebe. Ich war von Anfang an angetan von den vielen Gefühlen, ob positiv oder negativ, sie waren immer authentisch. Es beginnt alles so zögerlich und schroff, dennoch spürt man von Anfang an diese besondere Verbindung. Die Liebesgeschichte war für mich das Highlight des ganzen Buches. Frau Benkau versteht es einfach auch, die Gedanken und Gefühle der Liebenden wunderbar treffend zu beschreiben und ihnen einen besonderen Zauber zu verleihen. Ein wenig hat mich die knisternde Stimmung zwischen Noa und Marlon über die Längen hinweggetröstet.
Das Ende muss ich gesondert erwähnen, denn es war genial und wundervoll. Dieses wahnsinnig emotionale und tolle Ende tröstet ebenfalls über so manche Langatmigkeit hinweg und lässt mich zufrieden zurück. An dieser Stelle hat die Autorin mal wieder ihr Händchen für das perfekte Ende gezeigt.

Die Personen mochte ich fast von Anfang an. Noa ist ein intelligentes, starkes Mädchen mit einer unschönen Vergangenheit. Sie musste früh erfahren, was es bedeutet ohne Mutter aufzuwachsen, nicht weil sie keine hatte, sondern weil besonders tragische Umstände eine normale Mutter – Tochter – Beziehung nicht möglich machten. Sie lernte also zeitig verantwortungsbewusst zu handeln. Ihr Vater lässt ihr dabei, bis dato, auch viel Freiraum. Sie ist zielbewusst, risikofreudig und immer auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Ich mochte ihre sture Art den Dingen auf den Grund zu gehen. Jede Widerrede führte bei ihr ins Leere. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, wurde es auch so, wie sie es wollte. Sie wirkt stets überzeugend und hat immer einen frechen Spruch oder schlagende Argumente in petto. Sie ist sehr loyal und kippt in schwierigen Situationen nicht gleich. Selbst die ständige Ausweglosigkeit lässt sie nicht verzagen. Andere Menschen würden daran kaputt gehen, doch Noa, die das Risiko liebt, geht bewundernswert mit der Situation um. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Marlon’s Einstieg in die Geschichte ist ein wenig typisch. Der geheimnisvolle Typ erweckt sofort das Interesse des Mädchens. Er scheint perfekt zu sein, doch beim näheren Hinsehen ist das absolut nicht der Fall. Eigentlich will er nicht, dass sie ihm zu Nahe kommt und umgekehrt und dennoch lässt es die magische Anziehungskraft nicht zu, sich voneinander fernzuhalten. So langweilig beziehungsweise ausgeschöpft sich das jetzt anhören mag, hier hat mich die Neugier mit einer Geschwindigkeit überrannt, dass es mir einfach egal wurde. Es ist schlicht und ergreifend schön und Marlon nach kurzen Startschwierigkeiten recht liebenswert. Er hat einen unbändigen Beschützerinstinkt, eine starke Fassade, die er nahezu die ganze Zeit aufrecht erhält und trotzdem schlummert da ein Kern, auf den es sich lohnt zu schauen. Er betrachtet Noa auf eine Weise, die purer Faszination gleichkommt, dabei ist er eigentlich das Phänomen. Seine warmherzige Art, die er hinter einer tosenden Wand von Wut verbirgt ist durchaus interessant. Allerdings war der Umgang mit seinem Bruder in meinen Augen anfangs einfach nur nervig. Später werden diese Handlungsweisen aber recht gut erklärt.

Fazit
Himmelsfern von Jennifer Benkau ist ein Buch, was sich schwer beschreiben lässt. Es vereint viele Emotionen und zeigt eine fremde, für mich recht seltsame Begebenheit. Eine tolle, authentische Liebesgeschichte mit ein paar Längen im Handlungsverlauf, lässt mich trotzdem zufrieden zurück. Die Autorin ist einfach grandios und dieses Buch eine sehr gute Unterhaltung.


Legend - Schwelender Sturm: Band 2
Legend - Schwelender Sturm: Band 2
von Marie Lu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Genial jedoch ein wenig schwächer als Teil 1, 13. Dezember 2013
Inhalt
Nach der spektakulären Rettungsaktion von Day, sind er und June nun auf der Flucht vor der Republik. Sie sind die meist gesuchten Straftäter. Day ist schwer verletzt und ihre Mittel zum überleben sind knapp bemessen. Bald darauf schließen sie sich den Patrioten an, um Day’s Bruder zu retten und in die Sicherheit der Kolonien zu fliehen. Die Patrioten finden schnell eine Verwendung für die gefeierten Volkshelden – sie sollen den neuen Elektor töten und eine Revolution auslösen. Als June ihre geplante Position in der Republik einnimmt und näheren Kontakt mit dem jungen Elektor hat, beginnt sie zu zweifeln. Ist er tatsächlich ein solcher Tyrann wie seine Vorgänger? Sind seine Ansichten nicht viel besser? Könnten Sie vielleicht sogar einen Neuanfang für die gesamte Republik bedeuten?

Meinung
Der Schreibstil ist einfach und flüssig. Wie schon in Teil 1 versteht es die Autorin in präziser Klarheit die Komplexität der Dinge darzustellen. Sie schweift nicht ab und kann dennoch ein deutliches Bild über die Umgebung und Geschehnisse bewirken. Auch der Perspektivenwechsel unterliegt einer wahren Perfektion. Ich war mir zu jeder Minute im Klaren, wen ich gerade lese. Beide sind starke und authentische Charaktere, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten und das merkt man. Die gesamte Gedankenstruktur und auch die Interaktionen untereinander sind deutlich voneinander abgegrenzt und werden dennoch wahnsinnig gut wieder miteinander und dem Handlungsstrang verknüpft. Hierbei ist mir vor allem bei June aufgefallen, dass die Autorin Zusatzbeobachtungen einfügt. Diese sind meist in Klammern geschrieben und zeigen ihre ausgeprägte Beobachtungsgabe und Merkfähigkeit.

Die Geschichte ist nach wie vor eine tolle Idee und auch wahnsinnig gut umgesetzt. Die Methoden der Obrigkeit, die schrecklichen Schicksale, die durch reine Machtdemonstration hervorgerufen werden und dieses unsagbare Elend, was die ärmsten der Armen trifft. Die riesige Kluft zwischen arm und reich, stark und schwach, nützlich und unnützlich, hat mich in Teil 1 sehr bewegt. In diesem Band zeigt sich die Geschichte vorerst wieder von ihrer dunklen Seite, June und Day haben alles verloren, was ihnen lieb und teuer war und sind nun auf der Flucht. Nirgends mehr sicher zu sein, nichts mehr zu haben und sich nur noch an einen winzigen Strohhalm zu klammern. Die Beklemmung und Angst schwingt die ganze Zeit über mit und versprüht einen unglaublichen Reiz. Man kann sich kaum von den Seiten lösen und will unbedingt wissen, welcher Schritt als nächstes folgt. Ab etwa der Hälfte der Geschichte ging mir diese ganze aufgestaute Spannung und der Reiz leider etwas verloren. Es bäumte sich zu einer echten Durststrecke auf und lies mich etwas ernüchtert zurück, da ich das auch absolut nicht erwartet hätte. Als die Leselust gerade den Bach hinunter ging, tat sich eine Wendung auf, die mich sofort wieder hellwach und gebannt Zeile um Zeile verschlingen lies. Ein Ereignis jagte das nächste. Zwischen Erleichterung und Verzweiflung wird man hin und her geworfen um schließlich völlig fertig auf eine ganz andere Seite zu blicken. Irgendwann konnte ich kaum mehr unterscheiden, was nun wahr oder nicht wahr ist. Wem kann man trauen und wer ist der Verräter? Es ist am Ende alles so verstrickt, weil jeder irgendwie jeden infiltriert und dann doch gar nichts miteinander zu schaffen hat. Aber genau das holte den Reiz zurück – düstere, skrupellose und berechnende Menschen in jeder Schicht der Gesellschaft und jeder Phase der Geschichte. Als sich schließlich alles in einem großen „Showdown“ entladen hat, bricht ein Ende herein, was ich so nicht erwartet hätte. So emotional, so wunderschön, so traurig und dennoch irgendwie perfekt. Ich war beinahe zu Tränen gerührt beziehungsweise musste ich ganz stark den sich anbahnenden Wasserfall zurückhalten. Allein für dieses Ende lohnt sich das Lesen und macht einerseits Freude auf den 3. Band, andererseits auch ein wenig Besorgnis auf die Dinge, die noch kommen.

Die Personen bleiben gewohnt genial. Mein Liebling ist und bleibt June. Schon in Teil 1 war ich rettungslos fasziniert von ihrer Persönlichkeit. Eine so junge Frau, eigentlich ist sie mit ihren 15 Jahren fast noch ein Kind. Sie ist wahnsinnig intelligent und strahlt diese Stärke und Kontrolliertheit aus, welche sie viel älter wirken lassen. Sie möchte stets das Richtige tun, für die richtige Sache kämpfen und hinterfragt einfach alles. Die Genialität und Komplexität ihrer Gedankengänge ließen mich nicht selten staunend zurück. Ihre Auffassungs – und Beobachtungsgabe ist schon beinahe ein wenig überirdisch. Die Perfektion in Person, fast maschinenartig mit der Präzision einer Waffe. Doch eine absolut liebenswerte Schwäche besitzt sie. Sie tritt vor allem bei den Leuten die ihr wichtig sind ständig in ein Fettnäpfchen. Ihre Gedanken und Gefühle sind in jeder Situation absolut angebracht, doch was schließlich aus hier hervorsprudelt, ist oft schroff, verletzend und überheblich. Es wirkt fast ein wenig unbeholfen und tollpatschig und es entsteht so manches Missverständnis. In jeder Handlung ist sie perfekt, doch wenn es um ihr Herz geht, schaltet der Verstand aus. So eine wundervolle Person. Vor allem in der Interaktion mit Day, musste ich wirklich oft schmunzeln, obwohl es alles andere als angenehm für Beide war.
Day, der Volksheld und Staatsfeind Nr. 1, auch er ist super gut gelungen. Sein Gerechtigkeitssinn hat scheinbar keine Grenzen, er will für alle einstehen, denen es schlecht geht oder die einer ungerechten Behandlung durch die Republik zum Opfer gefallen sind. Doch er muss bald schon erkennen, dass alles seine Grenzen hat und die Schwelle zwischen gerecht und ungerecht bis zur Unkenntlichkeit zu verschwimmen droht. Er hält an seinen Prinzipien fest und lässt sich sehr schwer vom Gegenteil überzeugen. Ab und zu hat mich dieses Verhalten genervt. Wie ein bockiges kleines Kind, stellt er oft relativ eindeutige Sachverhalte in Frage und beugt sich nicht – Rebell durch und durch. Doch wenn er dann erkannt hat, was meist reichlich spät kam, was das Richtige ist, war er sich nicht zu schade, um Verzeihung zu bitten. Diese Sache hat mich irgendwie entzückt, weil ihm genau das, von Anfang an ziemlich schwer fiel. Er war immer auf sich allein gestellt, hatte selten jemanden, der ihm dazwischen geredet hat und jetzt muss er sich nicht nur bestimmten Gruppen anschließen, um sein Überleben zu sichern, sondern auch einem Partner, der ihm die Stirn bieten kann und wird – June.

Beide werden erwachsen und müssen zwangsläufig ihre alten Gewohnheiten und Ansichten beiseite legen, um eine andere Sicht auf die Dinge zu bekommen. Gerade für June ist diese Hürde sehr groß und hier zeigt sich wieder die absolute Originalität der Autorin. Eins zu eins trifft folgendes Zitat zu: „Getrennt sind sie erbitterte Gegner, aber zusammen sind sie eine Legende!“ (Ausschnitt aus dem Klappentext von Legend – Fallender Himmel). Sie ergänzen sich so perfekt und helfen sich immer wieder gegenseitig zu neuen Erkenntnissen. In diesem Fall sind ihre Gegensätze, die wahre Stärke.

Fazit
Diese Fortsetzung ist absolut gelungen. Ich hatte sehr hohe Erwartungen und diese wurden weitestgehend erfüllt. Marie Lu konnte mich wieder schnell in den Bann ihrer Geschichte ziehen, die eine ähnlich düstere und beklemmende Atmosphäre versprüht wie bereits in Teil 1. Nicht nur die absolut genial durchdachte Umgebung, sondern auch die beiden Protagonisten Day und June konnten mich erneut überzeugen. Bis auf ein paar Längen im Mittelteil, lassen mich die Geschichte und vor allem das Ende zufrieden zurück. Natürlich bin ich jetzt wahnsinnig neugierig auf den dritten und letzten Band der Reihe.


Daughter of Smoke and Bone: Zwischen den Welten 1
Daughter of Smoke and Bone: Zwischen den Welten 1
von Laini Taylor
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3.0 von 5 Sternen Tolle Idee mit einigen Längen, 13. Dezember 2013
Inhalt
Wünsche, die mit Hilfe von Perlen in Erfüllung gehen.
Kein Ort ist mehr unerreichbar, man muss nur durch eine Tür gehen.
Eine Liebe, die sich so richtig anfühlt, aber völlig falsch zu sein scheint…
Die 17-jährige Karou ist kein normales Mädchen und das weiß sie auch. Doch plötzlich scheint viel mehr dahinter zu stecken, als sie je für möglich hielt. Ihre Welt wird aus den Angeln gehoben und ihr Blick frei für eine Realität, die grausamer kaum sein könnte. Die frisch erwachte Liebe zu einem Mann, den sie nicht lieben sollte, wird erneut auf die Probe gestellt. Woher kommen diese tiefen Gefühle? Kann sie ihm vertrauen? Wird er ihr helfen?
Kann ein jahrhunderte alter Krieg beendet werden?

Meinung
Der Schreibstil war für mich vor allem eines: gewöhnungsbedürftig! Ich hatte meine Mühe mich hineinzulesen. Es wirkt sehr komplex, etwas altertümlich und irgendwie fremdartig. Die Autorin neigt zu vielen Vergleichen und gewollt bildlichen Beschreibungen. Auch die Namen gingen mir doch eher schwer ins Gedächtnis. Als ich mich ein wenig hineingelesen hatte, empfand ich es aber durchaus passend. Und dann entdeckte ich etwas, das mir durch die anfänglichen Schwierigkeiten wohl entgangen sein muss. Emotionen, pure wundervolle Emotionen. In jeder Zeile ist eine Fülle davon, dass man einfach darin eintauchen muss und sich tragen lassen kann.

Die Geschichte habe ich mir völlig anders vorgestellt. Ich weiß gar nicht genau, was ich erwartet habe, aber nicht so etwas. Kaum hatte ich die Schwierigkeiten mit dem Schreibstil überwunden, musste ich feststellen, dass mir alles ein wenig zu sehr wie High Fantasy wirkt. Es ist im Groben wahrscheinlich nicht diesem Genre zuzuordnen, aber durch die vielen komplizierten Namen und Begriffe, mutet es schon sehr an. Es wurde mir also schnell zu viel drum herum erzählt, ohne wirklich dem Lauf der Geschichte zu folgen. Die unsagbare Fülle und Komplexität ging schon bald in eine Richtung, die mir einfach nicht wirklich zusagte. Es ist wahnsinnig toll durchdacht und wirklich gut ausgearbeitet, aber nicht nach meinem Geschmack. Man tappt auch eine ganze Weile im Dunkeln über Karou’s Person. Als Leser bekommt man Häppchenweise geschildert, wie ihr bisheriges Leben verlief und das sie etwas Besonderes ist. Vieles lies meine Vorstellungskraft sogar ein wenig abschweifen und ich konnte mich mit den tollen Ideen der Autorin vertraut machen. Gerade die Passagen in Prag in Karou’s „normalem Leben“, die nur diesen leichten Hauch von Fantasy versprühen, waren absolut genial. Bald schon sollte man allerdings mehr über Karou und ihr bisheriges Leben erfahren und diese Richtung war einerseits interessant, andererseits so wahnsinnig ausgeschmückt, dass ich völlig aus meinem Lesefluss geriet. Es ging Schlag auf Schlag in eine völlig andere Welt zu völlig anderen Begebenheiten. Ich möchte nicht allzu viel verraten, aber es war für mich wirklich anstrengend den ganzen Ausführungen zu Karou’s Vergangenheit zu folgen. Hinzu kommt, dass die Liebesgeschichte in gewisser Hinsicht einfach viel zu schnell fortschreitet. Einmal gesehen und schon ist die Welt nicht mehr wie sie war und das Leben dreht sich nur noch um den jeweils anderen. Allerdings darf das natürlich nicht sein, weil es die Vergangenheit und auch die Gegenwart nicht zulassen. Die gesamte Lovestory, die so alt und doch so jung ist, war für mich oft zu oberflächlich und Klischeebehaftet. Nichtsdestotrotz hat sich die Autorin mit dieser bereits erwähnten wahnsinnigen Fülle an Emotionen und einer schönen Portion Humor gerettet. Ich musste einige Male sehr lachen, vor allem wenn Karou’s beste Freundin Zuzanna ins Spiel kam. Auch die unglaubliche Sehnsucht, die die Liebesgeschichte fast die ganze Zeit über mit sich brachte, hat mich positiv überrascht und mir beinahe selbst ein wenig Herzschmerz bereitet.

Die Personen sind durchaus gelungen. Karou war mir im Großen und Ganzen sympathisch. Sie ist eine starke Persönlichkeit, mit kleinen, verrückten Eigenheiten. Sie wirkt sehr konsequent und hat ein großes Durchsetzungsvermögen. Was ihre „Familie“ betrifft, würde sie über Leichen gehen. Deren Sicherheit und Wohlbefinden stehen für sie immer im Vordergrund. Sie vertraut ihnen blind, hinterfragt kaum eine Begebenheit und lässt sogar ihr komplettes „normales“ Leben für sie links liegen. Einerseits mochte ich diese Bedingungslosigkeit und konnte sie auch sehr gut verstehen, andererseits war es mir oft ein wenig zu viel. Dass Karou’s Vergangenheit, so viel mehr ist, als sie vermutet, wusste ich eigentlich relativ zeitig. Auch Die Lüftung des großen Geheimnisses war für mich keine Neuigkeit, alles in allem war es schon eine Spur zu vorhersehbar. Es begegnen einem im Laufe der Geschichte noch jede Menge interessante Persönlichkeiten, manche mochte ich mehr, manche weniger und andere waren mir einfach egal.

Fazit
Eine wahnsinnig tolle Idee, mit komplexen Strukturen und jeder Menge Fantasy. Leider hatte ich mit einigen Längen zu kämpfen und konnte dem Lauf der Geschichte aufgrund der Komplexität und Unmengen von seltsamen Charakteren nicht uneingeschränkt folgen, beziehungsweise habe ich schnell das Interesse verloren. Alles in allem steht inmitten einer absolut emotionalen, fantasievollen Geschichte eine tolle und starke Heldin. Bei mir ist der Funke jedoch nicht wirklich übergesprungen, aber die Neugier wird mich sicherlich irgendwann an die Fortsetzung treiben.


Ashes - Ruhelose Seelen
Ashes - Ruhelose Seelen
von Ilsa J. Bick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Ungeschönt, blutig und brutal, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Ashes - Ruhelose Seelen (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Ich kann mich kaum noch erinnern wie es war, als die Welt noch existierte.
Jetzt ist da nur noch diese kaputte, kranke Abbildung einer Schöpfung, die nie wieder das sein wird, was sie einmal war oder vielleicht nur zu sein schien. Eines hat sich jedoch sicher in meinem Bewusstsein manifestiert. Das Monster! Es pocht wie ein gefährlicher Parasit in meinem Kopf und versucht sich mit aller Macht auszubreiten und von mir Besitz zu ergreifen. Und es will IHN! Er, Wolf, hat mich gerettet. Doch warum? Diese Veränderten…was bleibt von ihnen übrig, wenn der Prozess sie in blutrünstige Kannibalen verwandelt hat? Wenn doch noch ein Funken ihrer selbst, ihrer Seele, erhalten bleibt, kann man sie dann tatsächlich als die Monster sehen, die sie zu sein scheinen? Dennoch…wenn auch nur eines dieser Wesen mir zu Nahe kommt, werde ich es...sie...ihn...töten…töten MÜSSEN. Ich muss hier weg, ich muss mich aus ihren Fängen befreien, sonst wird das Monster in meinem Inneren irgendwann die Überhand erlangen und mir mein Bewusstsein rauben. Mein Name ist Alex, ALEX….

Meinung
Der Schreibstil ist nach wie vor ein Highlight für mich. Diese absolut ungeschönte und brutale Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen, ohne dabei die Emotionen zu vergessen, ist schlichtweg genial. Diesmal fiel mir der Einstieg ein wenig leichter, weil es direkt dort weitergeht, wo Teil 2 endet. Die wechselnden Perspektiven waren auch weniger ein Problem, wenngleich mir nicht jede „Seite“ gleich wichtig war. Durch die flüssige Schreibweise und die kontinuierliche Spannung, war ich mit jeder Faser meines Körpers und Geistes voll dabei.

Die Geschichte ist und bleibt absolut grandios. Ich liebe diese Reihe einfach. Es ist so unglaublich authentisch. Frau Bick hat es wieder geschafft, meine Gefühlswelt mit der der Protagonisten zu verweben. Die Kälte, die der erbarmungslose Winter mit sich bringt, bezeichnete schon bald meine Grundstimmung beim Lesen. So fröstelte es mich ein wenig und ich habe regelrecht mitgelitten. Vor allem der wahnsinnig spannende Auftakt dieses Bandes, lies mich an den Seiten kleben. Es passiert so unglaublich viel, Schlag auf Schlag prasseln neue Erkenntnisse und Schicksalsschläge auf einen als Leser ein. Gerade meint man, ein Ereignis erfolgreich verdaut zu haben, kracht eine riesige, lawinenartige Flut neuer Geschehnisse ins Bewusstsein und lässt einen geschockt und gleichzeitig überwältigt zurück. Der Perspektivenwechsel hält sich meiner Meinung nach, zumindest in der ersten Hälfte, in Grenzen. In dieser durfte ich zu meiner Begeisterung wieder mehr tolle Passagen von Alex und Tom lesen. Das waren besondere Highlights, da mir beide sehr ans Leserherz gewachsen sind und für mich den Kern der Geschichte bilden. Vom ersten Band an, waren sie mein Mittelpunkt und die Sympathieträger. Gerade als im weiteren Verlauf der Geschichte die Perspektiven gewechselt wurden, wie die Unterwäsche, waren diese Beiden und noch wenige andere Protagonisten (Elli oder Chris) mein Anker. Es war zwischendurch dann doch recht anstrengend sich an alles zu erinnern. Gerade die Passagen in und um Rule brachten meine Lesefluss ins Wanken. Ich sehe es nicht als erheblichen Mangel, weil die Genialität der Autorin einfach nicht verloren geht, dennoch sollte es erwähnt werden. So toll die erste Hälfte in Hinsicht der Protagonisten war, fehlte mir etwas anderes, etwas Bezeichnendes! Es mag ein wenig bestialisch klingen, aber BLUT! Wo war das rote Zeug? Ashes = Blut. Frau Bick gelang es in den Vorgängern immer die rohe, ungeschönte Gewalt inklusive Ekelfaktor so darzustellen, dass man keinen Brechreiz bekam, sondern mehr oder minder eine „anekelnde Faszination“ empfand. Zumindest ging es mir so. Exakt das ist es, was mich an Ashes durchaus beeindruckt, diese Gradwanderung zwischen Ekel und Verständnis. Vor allem im Zusammenhang mit den Veränderten. Alle Geschehnisse und Experimente rund um diese Wesen weckten mein Interesse. Als ich mich gerade damit abfinden wollte, dass dieser Band einfach weniger blutig sein wird, kam es besonders dick. Genau, es fließt nicht nur Blut, sondern alles was der Körper so hergibt. Sämtliches Gedärm, Augäpfelchen als Vorspeise oder wahlweise Nachtisch und vieles mehr. Es wird wieder verstümmelt, zerfetzt, gefressen, abgeschlachtet und die Ekelgrenze erreicht einen Punkt, der nicht überschritten werden sollte. Es gleicht quasi all das aus, was in Teil 1 nicht vorhanden war, als wäre der Knoten geplatzt. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich das gut oder schlecht verteilt finde.

Die Personen werde ich nur kurz anreisen, weil sie wirklich erwähnenswert sind, aber es insgesamt sonst den Rahmen sprengt. Alex macht eine interessante Entwicklung durch. Sie lernt „ihr Monster“ besser kennen und zu kontrollieren und taucht in eine „Sphäre“ ein, die ihr das Gedankengut der Veränderten offenzulegen scheint. Dieser Aspekt ist nicht nur absolut aufschlussreich, sondern auch wahnsinnig interessant. Wo das alles noch hinführen wird, lässt mich fast platzen vor Neugier. Wie bereits erwähnt, nimmt Tom in diesem Band einen bedeutenden Teil ein und dieser war toll. Man lernt ihn und vor allem sein Gefühlsleben in dieser schweren Zeit besser kennen und lieben. Er war schon ab Band 1 mein Liebling und das bleibt er auch. Er hat eine Art, die es sehr einfach macht ihn zu mögen. Er ist ein gebrochener Mann und dennoch hat er so viel Mitgefühl, Mut und Durchhaltevermögen. Er kämpft einen unerbitterlichen Kampf gegen seine inneren Dämonen und gegen die Gefahren, die in dieser Welt lauern. Auch Elli kommt wieder ins Spiel. Dieses unglaublich junge Mädchen ist gereift und wirkt sehr stark. Sie ist nicht an ihrer Aufgabe zerbrochen, sondern gewachsen. Die Nervensäge aus Band 1 ist verschwunden und an deren Stelle ist ein Mädchen mit einem wundervollen Gerechtigkeitssinn getreten, was unglaublich viel Mut und Stärke beweist. Ihr ist das Wohl aller am Herzen gelegen und das auf eine gnadenlose Art und Weise. Ich wollte vor ihr nur noch den Hut ziehen. Ein tolles Mädchen.

Fazit
Ashes – Ruhelose Seelen ist eine Fortsetzung, die mich wie schon ihre Vorgänger begeistern konnte. Die Autorin schafft es immer wieder mich in ihren Bann der ungeschönten, brutalen und sehr emotionalen Geschichte zu ziehen. Durch ein wenig Verwirrung und zeitweise mit zu vielen wechselnden Perspektiven, machte es Frau Bick nicht immer leicht dem Verlauf der Geschichte zu folgen. Dennoch gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Man trifft alte Bekannte wieder, für die sich das Weiterlesen absolut lohnt und das werde ich auch in naher Zukunft tun, denn auf dieses Ende bin ich mehr als gespannt!


Flammen über Arcadion (Carya-Trilogie, Band 1)
Flammen über Arcadion (Carya-Trilogie, Band 1)
von Bernd Perplies
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannungsgeladene Dystopie der etwas anderen Art, 13. Dezember 2013
Inhalt
Carya lebt hinter den Mauern von Arcadion, dem einstigen Rom. Nach einem langen verheerenden Krieg ist die Welt eine andere, weite Teile der Erde sind verwüstetes Ödland und die Menschen klammern sich an Glaube und feste Regeln. Carya lebt gesetzestreu und scheinbar wohlbehütet. Doch schon bald lernt sie die Schattenseiten des arcadischen Regimes kennen. Ihre beste Freundin Rajael gerät in Schwierigkeiten. Als die beiden Mädchen mit Ansehen müssen, wie die Inquisition Menschen auf schlimmste Weise foltert, sieht Carya rot und schießt kurzerhand auf alle im Saal anwesenden. Ab diesem Zeitpunkt ist sie auf der Flucht. Alles scheint verloren, doch dann begegnet sie dem Templersoldaten Jonan, der ihre letzte Chance zu sein scheint. Ist der Preis für die Freiheit doch zu hoch gewählt?

Meinung
Der Schreibstil ist anders. Vielleicht ist er vollkommen an die Geschichte angepasst oder einfach Herrn Perplies Art zu schreiben. Ich war nach kurzer Verwunderung jedenfalls davon angetan. Es wirkt ein wenig altertümlich, ab und an sogar ein befremdlich. So ist das Licht Gottes ein ständiger Begleiter und auch sonst ist die Ausdrucksweise schlichtweg andersartig und perfekt verwoben mit der erdachten Welt. Ich hätte mir für diese Art von Geschichte keinen besseren Stil wünschen können. Er trägt die gesamte Atmosphäre und lässt die Protagonisten mit all ihrer Emotion darin richtiggehend aufblühen.

Die Geschichte sticht in seinem dystopischen Genre durchaus hervor. Einerseits durch den auffallend anderen Schreibstil, anderseits durch den Aufbau des Handlungsstrangs. Ich war mir gar nicht so sicher, was mich hier erwartet, dass es jedoch zu einer wahnsinnigen tollen Geschichte heranreift, kam mir relativ schnell in den Sinn. Es beginnt sehr leicht und alltäglich. Man lernt die Protagonistin Carya und ihr Leben in Arcadion kennen. Es wirkt alles sehr streng und penibel geordnet. Doch schon bald fängt dieses Bild an zu bröckeln und es kündigt sich bereits an, dass Carya Teil von etwas Großem sein wird. Ich empfand diese aufrührerische Phase als absolut genial. Es zeigt die Schatten von Arcadion und bald schon soll ein kleiner Funke einen wahren Schwelbrand der Veränderung hervorrufen und das nicht nur für die Protagonistin. Das ganze Ausmaß der skrupellosen Machthaber wird einem als Leser in seiner rohsten Form vor die Füße geworfen und nicht selten musste ich ein wenig geschockt und auch voll Unverständnis kurz innehalten und den Kopf schütteln. Es passiert soviel, dass man kaum dazu kommt über die Folgen von so mancher Handlung nachzudenken. Kaum hatte man ein Hindernis erfolgreich überwunden, kam auch schon die nächste Sache um die Ecke. Inmitten der Ohnehin schon tollen und absolut spannenden Ereignisse, tut sich etwas auf, was mich vor Neugier beinahe platzen lies und eigentlich immer noch lässt, da es längst nicht geklärt ist. Die Protagonistin hält anscheinend noch einige Geheimnisse für den Leser bereit, die es zu erforschen gilt. Es kündigt sich alles schon sehr früh an und es geschehen Dinge mit ihr, die mich stets aufhorchen ließen. Auf den ersten Blick wirkte so manche Handlung absolut hirnrissig. Doch was steckt nur dahinter? Ich hoffe, dass ich in Teil 2 mehr erfahren darf. Natürlich gibt es auch wieder ein wenig fürs Herz. In einer Hinsicht fand ich die relativ zarte Liebesgeschichte unschön. Die Liebe auf den ersten Blick ereilt einen hier – mal wieder!? Zuerst konnte ich mir ein genervtes Seufzen nicht verkneifen, doch manchmal geht es einem wohl selbst so, dass in einem Blickwechsel soviel Intensität steckt, dass der ganze Körper unter Strom zu stehen scheint. Ob es unweigerlich zu einer tiefen Liebe führt, ist natürlich Ansichtssache und genau das wird, zum Glück, auch so dargestellt und machte es schließlich wieder authentischer. Der Autor hat die Kurve also in letzter Sekunde noch bekommen. Erwähnenswert ist hierbei, dass die ganze Liebesgeschichte absolut essentiell für den gesamten Verlauf der Handlung ist, was mir dann schon wieder sehr zugesagt hat.

Die Personen sind allesamt sehr gelungen. Carya war mir nicht sofort sympathisch, sie wirkte wie ein schwärmerisches Naivchen, was wohlbehütet in den Mauern von Arcadion aufgewachsen ist und quasi blind an die Richtigkeit des Systems glaubt. So ist es ja leider meistens. Doch hier hielt Bernd Perplies etwas bereit, was ich so nicht erwatet hatte. Ihr Wandel geht Schlag auf Schlag und scheint nahezu einer höheren Macht zugeschrieben zu sein. Am Anfang war ich völlig perplex über ihre seltsamen Reaktionen. Ich fand es fast schon ein wenig lächerlich und völlig übertrieben. Doch immer wieder schleichen sich Begebenheiten ein, die einem als Leser in kleinsten Häppchen auf etwas stoßen lassen, was nicht nur geheimnisvoll, sondern vor allem höchst interessant wirkt. Schon bald war ich völlig im Bann und konnte über das kleinere Unverständnis hinwegsehen. Jonan war mir auch nicht sofort super sympathisch, da er keine besondere Ausstrahlung oder Anziehungskraft besaß. Er verliebt sich Hals über Kopf in ein Mädchen und wirft deshalb sein gesamtes Leben über den Haufen. Warum? Es wollte sich mir eine ganze Weile lang einfach nicht erschließen. So naiv kann man wirklich nicht sein. Bald jedoch kristallisierten sich einige andere Beweggründe seiner Handlungsweisen heraus. Er bekam mehr und mehr Tiefe und sein sturer Drang Carya um jeden Preis zu beschützen, beeindruckte mich schon bald sehr. Es passieren so viele Dinge auf einmal, dass ich kaum mehr zu atmen kam und die Entwicklung beider Protagonisten nimmt eine so rasante Fahrt auf, dass ich am Ende nur beeindruckt zurück blieb. Einer konnte nahezu gleich mein Herz erobern – der „kleine“ Pitlit. Ein so junger Mensch, der das Leben zwar verstanden hat, es aber keineswegs zu ernst nimmt. Kindlicher Eifer, Mut und sehr viel Durchsetzungsvermögen haben ihn für mich zu einem wichtigen Bestandteil der Geschichte gemacht. Seine ganze freche Art und die witzigen, aber dennoch gefährlichen Aktionen haben neben dem ohnehin tollen Humor für Auflockerung gesorgt und den Lesefluss enorm gesteigert.

Fazit
Flammen über Arcadion ist eine spannungsgeladene Dystopie der etwas anderen Art. Sie kann mit unerwarteten Wendungen, lebendigen Orten und einem gut durchdachtem Handlungsstrang auftrumpfen und sehr oft überraschen. Die Protagonisten fügen sich nach anfänglichem Unverständnis perfekt in die Geschichte ein und verleihen ihr eine besondere Note. Einige wenige Ungereimtheiten konnten schon bald ausgeräumt werden und es bleibt jede Menge Potenzial für die Fortsetzungen. Ich freue mich sehr auf die beiden Folgebände, weil noch jede Menge geheimnisvolle Dinge in der Luft liegen. Für Dystopiefans ist dies genau die richtige Lektüre.


Wen der Rabe ruft
Wen der Rabe ruft
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

5.0 von 5 Sternen Einzigartige Geschichte in schauriger Atmosphäre, 13. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wen der Rabe ruft (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Blue ist kein normales Mädchen. Der Tod und das Übernatürliche gehören seit eh und je in ihr Leben. So ist es ihr nicht neu mit ihrer Mutter und deren Freundinnen die Seelen derer, die bald sterben werden, zu empfangen. Jedes Jahr im April begeben sie sich auf einen alten Kirchhof um dort dieser Aufgabe nachzugehen. Bisher hat sie noch nie eine der verlorenen Seelen zu Gesicht bekommen, nur das Gefühl ihrer Anwesenheit war ihr ständigen Begleiter. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Plötzlich ist ein fremder Junge für sie sichtbar, sein Name lautet Gansey. Leider bedeutet das nichts Gutes, denn Blue könnte der Grund für seinen baldiges Ableben sein. Sofort schießt ihr die alte Weissagung in den Kopf, die sie ihr ganzes Leben begleitet: Wenn sie ihre wahre Liebe küsst, wird dies für denjenigen tödlich enden.
Kann es also tatsächlich sein, dass sie in dieser bizarren Szene ihre große Liebe stehen sieht? Ist Gansey derjenige, den sie durch einen Kuss töten wird?

Meinung
Der Schreibstil ist schlichtweg und unumstritten, einer der besten, die ich kenne. Ich kann es nicht wirklich in Worte fassen, was Frau Stiefvater da jedes Mal mit meinem Bewusstsein anstellt, aber kaum eine Autorin lässt mich so realistisch an Geschichten glauben. Mein Umfeld ist plötzlich nicht mehr mein Wohnzimmer, sondern ich verschwinde durch das Buch in ihre wundervoll erschaffenen Welten und stehe den ebenso genialen Protagonisten gegenüber. So wird das Lesen im eigentlichen Sinne gar nicht mehr möglich, es ist viel mehr ein Erleben. In jedem ihrer Bücher, blieb ich am Ende atemlos zurück und wünschte mir augenblicklich mehr! In jeder Zeile, nein, in jedem Wort, steckt soviel Emotion und Authentizität, dass man sich kaum wieder lösen kann. In „Wen der Rabe ruft“ ist der Schreibstil zwar weniger poetisch und „ausufernd“, dennoch trifft die Autorin mit jedem Wort ins Schwarze.

Die Geschichte ist mal wieder absolut einzigartig. Schon von Beginn an verströmt sie eine Atmosphäre, die genialer kaum sein könnte. Mysteriös, geheimnisvoll und ein wenig düster. Gleichzeitig löste sie bei mir beinahe ab der ersten Seite wahnsinnig hohe Erwartungen aus und es tauchten tausende Fragen auf. Der Anfang wirkte so erst einmal verwirrend und eine wahre Flut von Begebenheiten prasselte auf einen als Leser ein. Somit brauchte ich eine gewisse Einlesezeit. Man wird auch quasi mitten in Blue’s Leben geworfen und zwar gleich an die Basis der Seltsamkeiten. Fast sofort war ich wieder in den Fängen von Frau Stiefvater und freute mich über ihre recht typische Art des Erzählens, welche ich wirklich absolut liebe. Und trotzdem schafft sie es immer wieder mich total zu überraschen. Ab einem gewissen Punkt lichten sich die Dinge langsam und man beginnt im Sog der Geschichte zu versinken. Ein Ereignis jagt das nächste und jede Menge absolut unerwarteter Wendungen strömen auf einen ein. Der gesamte Erzählstrang baut nicht direkt auf Spannung auf, sondern vermag mit Ereignissen zu glänzen, die man so schnell nicht vergisst und einen „Wow-Effekt“ hervorrufen. So wird man mit Stil und Charme in eine Welt begleitet, die einen großen Reiz ausübt. Das Leben der Protagonistin Blue ist nämlich alles andere als normal. Von Kindesbeinen an, lebt und erlebt sie viele Facetten des Übernatürlichen und dies in eine besonders interessante Richtung. Dabei scheint der Tod zu ihrem Leben zu gehören wie die Luft zum atmen. Er ist allgegenwärtig. So kommt man nicht umhin zu sagen, dass aus mancher Szene die Düsternis und Übernatürlichkeit zu wabern schien und mich einhüllte. Genau diese Abschnitte, in denen man Zweifel an der Realität der Ereignisse hegen konnte und Fakt und Fiktion beinahe untrennbar verschmolzen, habe ich besonders genossen. Die komplette Ausgestaltung der Szenen und Geschehnisse zeigt schlichtweg wieder die Genialität der Autorin. Auch der Fantasy-Anteil schmiegt sich wie selbstverständlich an die Ereignisse und verbindet sich zusammen mit den Protagonisten zu etwas Großartigem.

Die Personen sind sehr vielfältig und auch recht vielzählig. Wie gewohnt verleiht Frau Stiefvater jedem einzelnen eine enorme Tiefe und Authentizität, dass man sie einfach mögen muss. Im Mittelpunkt der Geschichte steht, wie bereits erwähnt, Blue. Sie war mir sofort sympathisch. Hineingeboren in den scheinbar abgedrehtesten Haushalt, den man sich vorstellen kann, aufgezogen von irren Weibern, die vorerst den Anschein der Geisteskrankheit machen, legt sie eine Gleichgültigkeit an den Tag, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Schon die ersten Seiten lassen vermuten, dass Blue kaum noch von etwas beeindruckt werden kann. Stillschweigend und unbewegt wohnt sie den Seelen bei, die sich auf ihren bevorstehenden Tod vorbereiten. Jeder normale Mensch würde sich auf einem verwitterten Kirchhof wenigstens ein klein wenig unbehaglich fühlen, doch Blue kennt diese Prozedur von Kindesbeinen an und ist ihrer Mutter gern behilflich, wenngleich sie von ihren eigenen Fähigkeiten eher weniger überzeugt ist. Durch diese Art lässt sie das ganze ein wenig ulkig wirken und die geistige Gesundheit ihrer Mutter und deren Freundinnen umso mehr anzweifeln. Diese beiden Freundinnen, Calla und Persephone, ebenfalls wohnhaft in Blue’s zu Hause, sind der Geschichte wahnsinnig zuträglich. Absolut gnadenlos überzeugt von sich und ihren Fähigkeiten waren sie immer für einen Lacher gut. Kommen wir nun zu den Raven-Boys. Keiner ist wie der andere und doch sind sie verbunden an einer Stelle, die Freundschaft erst ausmacht – dem Herzen. Ich war ehrlich gesagt ein wenig gerührt von diesem Gespann. Irgendwo hat jeder seine Fehler und jeder weiß um diese. Gansey ist dabei mehr oder weniger der Dreh- und Angelpunkt, was nicht nur an seinem unglaublichem Reichtum liegt, sondern an seiner scheinbar unerschöpflichen Fürsorge, die er für alle aufbringt. Er war mir dennoch nicht sofort sympathisch, eher im Gegenteil, weil seine oberflächliche Erscheinung nicht wirklich liebenswert ist. Er wirkt überheblich, kühl und selbstgerecht – der Wohltäter der Aglionby Acadamy. Ein weiterer Blick lohnt sich aber durchaus. Absolut erwähnenswert ist auch Adam. Ein Kämpfertyp, absolut zielstrebig und sehr auf seine Unabhängigkeit bedacht. Er hat es wirklich nicht leicht im Leben, besitzt jedoch eine Art, die ihm von Anfang an meine Sympathie einbrachte. Die Liebesgeschichte scheint schon ganz am Anfang festgelegt zu sein und dann kommt alles anders. In dieser Hinsicht war ich ein wenig enttäuscht, denn es wird einfach alles offen gelassen. Man kann nur Vermutungen anstellen und sich auf die Folgebände freuen. Blue und Gansey oder doch eher Blue und Adam? Wir dürfen gespannt sein!

Fazit
Erneut ist es Maggie Stiefvater gelungen mich zu begeistern. Eine einzigartige Geschichte mit schauriger Atmosphäre, jeder Menge Emotionen und absolut genialen und tiefgründigen Protagonisten erwartet einen hinter diesem tollen Cover. Getragen wird die magische und geheimnisvolle Geschichte vor allem durch den wunderschönen und absolut genialen Stil der Autorin, der mich immer wieder in Verzückung bringt. Wer ihre Bücher mag, wird dieses lieben. Doch auch alle anderen, die an einzigartigen Geschichten nicht vorbei gehen können, sollten hier Halt machen.


Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe (Die Lockwood & Co.-Reihe, Band 1)
Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe (Die Lockwood & Co.-Reihe, Band 1)
von Jonathan Stroud
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

4.0 von 5 Sternen Gruselig gut und liebenswert lustig, 13. Dezember 2013
Inhalt
Wenn die Dämmerung einsetzt und die Kirchenglocke die Ausgangssperre einläutet, erhellen seltsame Lampen die Straßen von London und in den dunklen Ecken wabern unheimliche Schatten umher. Seit Jahrzehnten sind Heimsuchungen in allen Formen zu einer furchtbaren Plage geworden. In ganz Großbritannien haben sich Agenturen gebildet, die dieser Geisterseuche Herr werden wollen. Leider sind diese Unterfangen nicht ganz ungefährlich und so verlieren nicht selten ein paar Mitarbeiter ihr Leben.
Eine dieser Agenturen ist Lockwood & Co. Zu Dritt bestreiten sie ihren Alltag durch kleinere Aufträge, doch plötzlich widerfährt ihnen ein schwerer Fehler und sie sitzen auf einem Berg von Schulden. Doch damit nicht genug, die fehlgeschlagene Austreibung hat ominöse Hintergründe, die es aufzudecken gilt. Bald darauf befinden sich Lockwood und seine Mitarbeiter Lucy und George in akuter Lebensgefahr…

Meinung
Der Schreibstil ist sehr ausschweifend und beschreibt die Dinge bis ins kleinste Detail. Die Vorstellungskraft muss so nicht strapaziert werden und es bleibt wenig Raum für eigene Ideen. Das war jedoch nicht unbedingt nötig, denn die Fülle der Eindrücke war so dosiert, dass man kaum Zeit für derartige Gedanken hatte. Der erschöpfende Stil wurde absolut aufgewertet durch den tollen Humor, der schon auch ein wenig sarkastisch ist.

Die Geschichte ist für mich etwas Neues gewesen und daher sehr zuträglich. Derartige Geschichten über Geisterjäger strahlen immer einen gewissen Reiz aus. Alles was daran meine Aufmerksamkeit weckt, war vorhanden und wundervoll aufgebaut. Die verschiedensten Erscheinungen und für jede Schwierigkeitsstufe andere Waffen und Ausrüstungen wurden so umfassend dargestellt, dass schon an diesen Stellen das Lesen Spaß machte. Hinzu kam schon bald eine Sache, die wohl jeden Lebenden interessiert. Welche Geschichten stecken hinter den teilweise schrecklichen Heimsuchungen? Da das Buch sich generell um sehr junge Menschen, beinahe Kinder, dreht, war mir vorerst suspekt, wie der Autor diesen Aspekt verarbeiten will. Dies ließ sich auch meiner Meinung nach bis zum Ende hin nicht hundertprozentig vereinbaren. Die Protagonisten verhielten sich einfach viel älter als sie dargestellt sind. Dennoch war die Grundstory so präsent und toll ausgearbeitet, dass dieses kleine Ungleichgewicht schnell nicht mehr auffiel. Bald schon fühlte ich mich wie ein Ermittler und wurde von der Beweislast erdrückt. Nach und nach fügten sich die Puzzleteile zusammen und als ich gerade dachte der Fall sei gelöst, baute der Autor kurzerhand ein grandioses Ablenkungsmanöver ein, was sich schließlich in einer tollen Auflösungsszene entlud und alles wieder miteinander verknüpfte. Der Gruselfaktor kam vor allem in den letzten Seiten keinesfalls zu kurz. Von Anfang an schwang eine Spannung mit, die allein durch die düstere und mysteriöse Stimmung hervorgerufen wurde. Das am Tod oft nichts Gutes haftet und die Abgründe der Menschheit sich durchaus hinter knarrenden Dielenböden verbergen können, ist nicht gerade neu. Doch die Manifestationen und Formen der Verstorbenen sind in diesem Buch einfach so vielfältig und oft auf die jeweilige Todesgeschichte angepasst, dass es noch eine ganz andere Dimension annahm. Die Grundatmosphäre des Buches hat mich zum einen an Sherlock Holmes erinnert, was auch ein wenig an Lockwood selbst lag und zum anderen an Ghostbusters, da der Humor und die Unterhaltungen zwischen den drei Protagonisten doch oft sehr amüsant und mit vielen Sticheleien versehen waren.

Die Personen fand ich allesamt sehr gelungen, wenngleich ich, wie bereits erwähnt, ein wenig mit dem Alter zu kämpfen hatte. Es wird aus der Sicht von Lucy erzählt, die wohl im Hause Lockwood & Co. die weitreichendsten Fähigkeiten im Aufspüren von Heimsuchungen besitzt. Über sie erfährt man somit am Meisten, vor allem in einer kleinen Vorgeschichte. Am Anfang bekam ich sofort ein wenig Mitleid, denn dieses arme Mädchen musste schon unglaublich viele Grausamkeiten in ihrem Leben wegstecken, doch Mitleid hat Lucy Carlyle nicht nötig, denn selbst in den dunkelsten Stunden beweist sie oft Mut und Durchhaltevermögen. Mehr und mehr wird sie mit ihrer Fähigkeit eins und kann sich so voll und ganz auf ihr Gespür verlassen. Es bleibt jedoch gerade in Hinsicht ihrer Feinfühligkeit gegenüber den Toten noch einiges offen, was mich sehr gespannt zurücklässt. Ich denke, da haben wir noch einiges zu erwarten. Mit jugendlichem Humor, einer großen Portion Mut und vielen liebenswerten Wesenzügen, war sie mir von Anfang an sympathisch.
Lockwood, der Besitzer von Lockwood & Co., wie es der Name schon sagt, ist da schon ein wenig schwieriger. Über ihn erfährt man eigentlich gar nichts. Er wirkt kühl, unnahbar und ein wenig berechnend. Seine Fälle und die Aufklärung stehen immer im Vordergrund, er scheint neben dem Geisterjagen noch Detektiv und Denker erster Güteklasse zu sein. Doch bei ihm schwingt noch eine Menge jugendlicher Leichtsinn mit. Er will alles und das am liebsten sofort erledigen, stürzt sich vorschnell in vermeintliche Abenteuer und bringt so sich und seine Angestellten in Gefahr. In wenigen Szenen lässt der Autor durchblicken, dass Lockwood aus einem bestimmten Grund so unnahbaren wirkt, auch in dieser Hinsicht freue ich mich auf eine Fortsetzung. Ich mochte ihn recht gern, da hinter solchen Charakteren meist jede Menge Geheimnisse stecken und ich liebe es, wenn es ein wenig geheimnisvoll wird und man vielleicht einen Blick auf die verbotenen bzw. verborgenen Dinge erhaschen darf.

George ist schlicht und ergreifend ein kleines, dickes, liebenswertes Ekel. Er ist grundehrlich und direkt, sagt also immer was er denkt und fühlt. Wenn ihm etwas nicht passt, wird kurzer Hand ein Streit vom Zaun gebrochen und alles löst sich in den Wogen der Wut wieder auf wie der Plasmanebel der Geister durch Salz und Eisen. Seine Aufgabe ist vordergründig die Recherche hinter den Aufträgen, nur leider wird dies nicht oft genug von Lockwood gewürdigt, obwohl er meist essentielle Dinge herausfindet. Diese kleinen Zwistes zwischen George’s ausführlichen Ermittlungen und Lockwood’s Tatendrang waren auch oft genug sehr amüsant anzusehen. Alles in allem ein geniales Trio. Auch die Bösewichte und alle weiteren Personen, passten wahnsinnig gut in diese tolle Geschichte.

Fazit
Eine gruselig gute Geschichte mit viel Humor und einer spannend-düsteren Atmosphäre. Jonathan Stroud ist mit „Lockwood & Co“ ein Auftakt gelungen, der sehr neugierig macht. In detektivischer Manier scheint man in die Lösung der Fälle involviert zu werden und kann sich so perfekt mit den tollen Protagonisten anfreunden. Bis auf kleinere Schwierigkeiten mit dem Alter und dem jeweils passendem Verhalten der Protagonisten, war es wirklich gut. Durch dieses Buch habe ich richtig Lust auf Geisterjägergeschichten bekommen und freue mich sehr auf die Fortsetzung.


Throne of Glass - Die Erwählte: Roman
Throne of Glass - Die Erwählte: Roman
von Sarah Maas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Fantasy Unterhaltung, 13. Dezember 2013
Inhalt
Die junge, starke Kämpferin Calaena Sardothien ist zum Tode verurteilt. Als sie schon nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein scheint, wird ihr bald darauf ein Angebot des Königshauses unterbreitet. Sie, als berüchtigtste Frau im Lande, soll unter einem Decknamen 23 kampferprobte Männer schlagen und als Siegerin dieser geplanten Wettkämpfe hervorgehen. Sollte ihr dies gelingen, erlangt sie nach wenigen Jahren im Dienste des Königs ihre Freiheit zurück.
Der Captain der Leibgarde, Chaol Westfall ist in der Vorbereitung auf die Wettkämpfe ihr ständiger Begleiter. Soviel gemeinsame Zeit scheint die Beiden auf eine besondere Weise zusammen zu schweißen. Aber auch der Kronprinz weckt in ihr Gefühle, die sich nicht verbergen lassen. Alles wird jedoch zur Nebensache als das unaussprechliche Böse sein Unwesen im Schloss treibt und nur eines im Sinn zu haben scheint: den Tod!

Meinung
Der Schreibstil ist eher unspektakulär. Sehr einfach und damit aber auch flüssig. Durch die kurzweilige Art zu schreiben, kommt die Handlung schnell in Fahrt. Wie von selbst wird man durch die Geschichte getragen und dieser uneingeschränkte Lesefluss ermöglicht es völlig selbstverständlich in die Welt von Celaena einzutauchen.

Die Geschichte ist recht gut ausgearbeitet und besitzt viele Höhen und Tiefen. Man wird direkt in das Leben der Protagonistin katapultiert und befindet sich sofort in einer düsteren Stimmung der Ausweglosigkeit wieder. An dieser Stelle fehlte es mir sehr an Informationen, die ich bis zum Ende nicht erhielt. Celaena - eine strahlende, junge Kämpferin als Schatten ihres Daseins. Doch dies wehrt nicht lange und so gelangt man auch schon schlagartig an den Hauptschauplatz – ein wunderschönes Schloss. Die örtlichen Gegebenheiten sowie die hoheitliche und bornierte Atmosphäre, die einem am Hof nun begegnet fand ich einerseits sehr amüsant, andererseits einfach ermüdend. Es wird eine ganze Weile viel drum herum geredet und man befindet sich in einem scheinbar endlosen Prozess der Erholung und Vorbereitung auf den Wettkampf. Für meinen Geschmack ein wenig langatmig, doch ab und an regte sich die kleine Prinzessin in mir und ich staunte sehr über die vielen tollen Beschreibungen der gigantischen Kleider. Tatsächlich können Nebensächlichkeiten manchmal einen guten Zweck erfüllen.
Als dieser erste Teil, den ich nunmehr als Einleitung und Kennenlernphase sehe, sein Ende nahm, erhoffte ich großes. Die Wettkämpfe! Doch leider wurde ich eher enttäuscht. Ich erwartete spektakuläre Kämpfe und Spannung bis ins Letzte, doch es war einfach alles in Lichtgeschwindigkeit vorbei oder wurde grob angerissen. Man bekam von den Wettkämpfen sogar eher nur nebenher etwas mit. Das Augenmerk wurde mehr auf die Beziehungen gelegt. In dieser Hinsicht tat sich dann leider auch nur wieder eine sehr typische Konstellation auf. Wenngleich ich die Liebesgeschichte in diesem Fall trotzdem genossen habe, was vor allem mit der Protagonistin Celaena zu tun hatte. Dazu komme ich aber später noch. Trotz der Ernüchterung über die lahmen Wettkämpfe, regte sich eine weitere Sache, die mein Interesse augenblicklich weckte. Das Böse! Das Ganze startet schon recht früh, nur hatte ich es nicht als solches wahrgenommen und war schließlich verblüfft über diese Wendung. Ich würde es nicht direkt als spannend bezeichnen, aber geheimnisvolle und rätselhafte Dinge sind sehr nach meinem Geschmack. Die für die Kämpfe erwartete Kaltblütigkeit verwob die Autorin also nun mit dem geheimnisvollen Bösen und zog mich damit auf ihre Seite. Es gab einige Situationen in denen ich absolut ratlos dreinblickte und auf Biegen und Brechen wissen wollte, was sich hinter all diesen schrecklichen Dingen verbirgt. Dies wiederum führte unumstößlich zu einem rasanten Lesetempo und machte die erste Hälfte des Eingewöhnens beinahe wett. Am Ende vereinte Frau Maas dann das Böse in jeder Form und ich bekam noch einen kleinen Geschmack darauf wie die Wettkämpfe hätten sein sollen, damit sie mir gefallen hätten. Ich würde es nicht direkt Showdown nennen, aber ich hing an den Seiten wie eine Klette. Alles in allem blieb noch einiges ungeklärt und die bruchstückhafte Beschaffenheit lies mich durchaus neugierig zurück.

Die Personen sind vor allem zu Anfang recht oberflächlich aufgebaut. Celaena ist ein eher schwieriger Charakter, den man erst einmal durchschauen muss. Leider war mir diese Sache viel zu typisch. Vom Leben gebeutelt, baut sie sich eine Mauer aus Arroganz und Überheblichkeit auf. Sie akzeptiert nichts, fällt jedem ins Wort, ist ungezogen und nimmt sich Dinge heraus, bei denen sie sich aufgrund ihrer Stellung im Recht glaubt. Doch das alles ist augenscheinlich Fassade. Im Laufe des Buches bröckelt diese Mauer und sie lässt scheinbar fremde Leute plötzlich an ihren tiefen Gefühlen teilhaben. Sie zeigt sympathische Schwäche. Gähn! Diese Entwicklung war so vorhersehbar, dass ich mit ihr einfach nicht warm wurde. Genau an dieser Stelle gefiel mir dann, die oben erwähnte ebenso typische Konstellation des Liebesdreiecks. Sie brachte Celaena ein wenig weg von dieser gewollt „tiefsinnigen“ Phase des Ausbrechens und machte sie weniger vorhersehbar. Es wird sozusagen eine Vorhersehbarkeit von der nächsten abgelöst. Richtig störend fand ich das alles jedoch nicht. Da Celaena außerhalb dieser Liebesbeziehungen noch freundschaftliche Bande knüpfte und diese schließlich auch sehr authentisch dargestellt wurden. Zum Ende hin konnte ich mir gut vorstellen, dass weitere Bände ein wenig aus diesen typischen Mustern fallen könnten und deshalb freue ich mich wirklich auf eine Fortsetzung rund um Celaena’s Geschichte.

Fazit
„Throne of Glass“ ist eine sehr gute Unterhaltung für Zwischendurch. Es zeigt einige Schwächen und doch konnte es mich mit so mancher Wendung überzeugen. Inmitten einiger ermüdender Vorhersehbarkeiten erhebt sich schließlich doch noch eine starke Heldin, mit viel Potenzial. Nach diesem Ende und den zwischenzeitlichen Schlüsselereignissen erwarte ich mir nun doch noch eine spannende Fortsetzung.


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