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Beiträge von M. Robert Ganser
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Rezensionen verfasst von
M. Robert Ganser "robertissimo" (Apetlon, Burgenland)
(REAL NAME)   

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New York Tendaberry
New York Tendaberry

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das definitive Laura Nyro-Album, und vielleicht das beste Singer/Songwriterinnen-Album der Popgeschichte noch dazu, 9. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: New York Tendaberry (Audio CD)
"Eli And The Thirteenth Confession" war schon ein Geniestreich gewesen, und hatte Kritiker und Musiker, die Plattenkäufer nicht so sehr (rund 100.000 Exemplare waren kein Flop, ein dicker Hit aber auch nicht) beeindruckt. Und was sollte nun danach kommen? Hatte die 20, 21 jahre junge Lady aus der Bronx in NYC ihr Pulver schon verschossen, oder gelang ihr nochmals etwas Starkes? Eine Frage, die sich die Künstlerin wohl auch selber stellte. Schon bald nach ihrer zweiten LP begann sie an ihrer dritten zu arbeiten, und überschritt bald einmal den finanziellen Rahmen, den ihre Firma - bei aller Großzügigkeit - gegeben hatte. David Geffen, ihr Freund und Förderer, mag auch schon ein finanzielles Fiasko vor seinen Augen gehabt haben, als die Produktionskosten weiter anstiegen, weil die Künstlerin ihre Ansprüch nicht herunter schrauben wollte. Als Laura Nyros drittes Album "New York Tendaberry" im September 1969 veröffentlicht wurde, hatte die Firma gut 60.000 Dollars für die Produktion springen lassen, eine unerhörte Summe für damals und für eine eher als sperrig eingestufte Musik. Was durch ein kleines Wunder aber wettgemacht wurde: Die LP bekam nicht nur - erwartungsgemäß - glänzende Kritiken, sondern wurde - kaum erwartet - ein beachtlicher Verkaufshit mit rund 400.000 Einheiten!

Ich sage dazu allerdings: Würde musikalische Qualität an Verkaufszahlen zu messen sein, dann wäre eine zweistellige Millionenanzahl bei diesem Album angemessen! Schon die zweite Nyro-LP war hervorragend gewesen, die vierte war es dann ebenfalls, aber mit ihrer dritten übertraf sie sich selbst. Sie enthält ihre allerbesten Songs und reifsten Gesangsleistungen. Zunächst einmal beginnt sie schön verhalten - "You Don't Love Me When I Cry" ist ein langsamer Blues mit jazzigem Touch, vergleichbar mit "Lonely Women" auf der Vorgängerplatte. "Captain For Dark Mornings" ist auch nicht schneller, aber intensiver, und zwar durch das akzentuierte Piano und den differenzierten Gesang, bei dem die Sängerin durch die Oktaven wandert. Die letzten 70 Sekunden dieser Nummer machen gleich deutlich, welche Entwicklung die Nyro-Alben aufnahmetechnisch gemacht hatten, und dass sie darüberhinaus nun noch bessere Musiker als Sidemen hatte als auf dem "Eli"-Album: Ganz langsam eine Aufnahme auszublenden und Gesang wie Bläsersätze so aufzunehmen, als würde beides langsam in der Ferne verschwinden, das ging mit der damals brandneuen 16-Spur-Technik ("Eli" war mit 8 Spuren aufgenommen worden, das Debütalbum mit 4), und die exzellenten Musiker waren die von Blood, Sweat & Tears - nicht nur Labelmates, sondern auch gute Freunde. Mit "Tom Cat Goodbye" ging Nyro an den Rand der damaligen Hörgewohnheiten - über weite Strecken pure Avantgarde, was sie hier gesanglich in dieser asymmetrisch komponierten Nummer lieferte. Aber wer da durchhielt und die Platte noch nicht vom Teller nahm, wurde anschließend mit einer schwungvollen Mini-Oper von nur über zwei Minuten belohnt, die 2012 von den Juroren der Rock'n'Roll Hall Of Fame als einer jener Songs genannt werden sollte, die für die Nominierung wie auch Entscheidung ausschlaggebend waren: "Mercy On Broadway" ist Swing auf einem Rollercoaster, schlichtweg einzigartig. Blieb dann der Song, der die erste Seite im Vinyl-Zeitalter abschloss, und den so manche Nyro-Fans für ihren absoluten halten: "Save The Country", das sie unter dem Eindruck der Ermordungen von Martin Luther King und Robert Kennedy geschrieben hatte. Eine simple Melodie, schwungvoller, straighter Rhythmus nach den vier schwerer zugänglichen Songs, aber gegen Ende des Songs dann etwas, das wiederum gegen die Regeln des Kommerzpop verstiess, nämlich ein lang gezogenes Outro, wo sich Nyros Piano und die Bläsersätze ein regelrechtes Duell liefern, und in einer Fanfare ausklingt. Was für ein geniales Stück Musik!

Mit "Gibsom Street" geht es weiter, melodramatisch und mit einem Text voller religiöser Metaphern, wie schon bei einer Reihe von Songs der vorhergehenden LP. Mit "Time And Love" folgt dann der - vermeintlich! - simpelste Song des Albums, schwungvoll und stimmig, aber mit einem dennoch irgendwie vertrackten Rhythmus. "The Man Who Sends Me Home" und "Sweet Lovin' Baby" sind wieder düsterer, jazziger Blues, aber auch mit Ohrwurmcharakter, jedenfalls beim zweitgenannten Lied. "Captain Saint Lucifer" ist der Höhepunkt an religiöser Metaphorik auf dieser Platte. Nyro war nie besonders religiös, hatte aber von ihrer katholischen Mutter und ihrem jüdischen Vater viel von den Gottesbildern und Glaubenslehren der Konfessionen beider Elternteile übernommen, und das als Texterin oft mit ihren eigenen Erfahrungen und Aussagen verknüpft. Viele große Songtexter der Pop- und Rockgeschichte können ähnliches vorweisen, damals aber, Ende der Sechziger, konnte man solche Texter leicht zählen, sie stand dabei in einer Reihe mit Bob Dylan und Leonard Cohen. Bliebe noch der Titelsong zu erwähnen, der das Album abschließt; der ruhigste und leiseste Song des Albums, eine subtile Liebeserklärung an ihre Heimatstadt (Wortspiel: "tenda" = "tender", "berry" steht für Schale, also weicher bzw. zärtlicher Kern für raue Schale ... konnte man auch in Bezug auf ihre Person verstehen); die letzten Töne dieses Albums sind die drei sanft hingehauchten Worte des Songtitels.

"New York Tendaberry" war auch das erste von einer populären Musikerpersönlichkeit - und dazu noch von einer Frau! - eingespielte Pop- und Rock-Album mit Songs, die sich so gut wie ausschließlich dem Strophe-Refrain-Schema entzogen, und einen neuen Kompositionsstil, eine neue Definition von Song präsentierten. Da war das "Eli"-Album davor noch etwas konventioneller gestrickt gewesen, und natürlich waren zu jener Zeit die Incredible String Band, Tim Buckley und Captain Beefheart ähnlich unkonventionell wie Laura Nyro, aber die kannte man auch nicht aus den Hitparaden.

Was soll ich noch sagen? Für mich schlicht und einfach die beste Sängerin aller Zeiten, und diese Platte ist ihr Meisterwerk. Amen.


Eli & the Thirteenth Confession
Eli & the Thirteenth Confession

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts weniger als der Beginn einer neuen Ära der Frau in der Popmusik, 9. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Eli & the Thirteenth Confession (Audio CD)
Mit zarten 18 Jahren einen Vertrag beim Verve-Label, und damit Labelmate von Tim Hardin, Blues Project, Frank Zappas Mothers of Invention (ein Rufzeichen!) und Velvet Underground (zwei Rufzeichen!!), und dabei schon einige Produktionsbedingungen stellen, die dann auch nur zum Teil erfüllt wurden ... na, diese New Yorkerin hatte es in sich. Nicht nur, dass sie nur selbst geschriebene Songs singen wollte, nein, am Klavier begleiten wollte sie sich auch noch selber. Das war etwas zuviel für die Herrschaften, die es gewohnt waren, dass eine Sängerin schön brav die von anderen geschriebenen Lieder zu singen und sich von den vorgeschriebenen, vom Produzenten vorgesetzen Begleitmusikern instumental zu betreuen lassen hatte. Nun denn, ihr Debüt "More Than A New Discovery" ging schon in Ordnung, gerade wenn man die Produktionsbedingungen bedenkt. Von einem Meisterwerk sprach aber keiner. Was aber stark nachwirkte, waren einige Songs, die andere Musiker gernen coverten, womit Laura Nyro zumindest als Songschreiberin bald einen Namen hatte.

Die Zeit verging, die Karriere weiter, Flower Power und Psychedelic kam, die Popmusik veränderte sich rasant. Laura Nyros Zeit schien zu kommen, war sie doch schon bis dahin nicht leicht einzuordnen gewesen: Sie hatte in ihrem jungen Leben nicht nur alle mögliche Musik gehört und zum Teil selber gespielt und gesungen, ob nun Jazz oder Klassik, Doo-Wop oder Soul, und hatte als Autodidaktin nicht nur Klavier gelernt, sondern alle diese verschiedenen Einflüsse auch für sich verarbeitet. Was sie machte, war zwar Pop, aber auf einer anderen Ebene als alles, was im Radio damals gespielt wurde. Sie ließ ihre Songs reifen, und lernte einen Labelchef kennen, der ihr nun ihre musikalischen Träume verwirklichen ließ, den großen David Geffen, der in der zweiten Hälfte der Sechziger die amerikanische Cloumbia bzw. CBS (seit 1989 Sony) zu einem der bedeutendsten Label der neuen Pop- und Rockmusik werden ließ. Geffen kaufte Nyro von Verve los, gründete mit ihre einen Musikverlag und machte mit ihr einen Deal mit CBS, beides verbunden mit künstlerischen Freiheiten, wie es sie damals für keine Sängerin im Popgeschäft gab. Alleine schon das machte sie zu einer Trendsetterin.

Mehr noch wurde sie durch diese LP zur Trendsetterin: 13 Songs, die einen inneren Zusammenhang haben, wodurch man diese im März 1968 erstveröffentlichte Platte durchaus als Konzeptalbum bezeichnen kann, wo Laura textlich aus ihrem trotz ihres niedrigen Alters durchaus bewegten Leben schöpft, und das auf hinreißende Weise. So bedeutet der Albumtitel soviel wie "dreizehnte Beichte", die 13 Songs sind also alles "Beichten". In Tom Calello hatte sie einen passenden Arrangeur und kongenialen Produzenten gefunden, wie es besser nicht gelingen konnte, und ihre stimmlichen Qualitäten konnte sie nun noch viel besser unter Beweis stellen als vorher. Ihre ungemein variable Stimmtechnik kam nun voll zum Tragen, keine Sängerin war mit ihr zu vergleichen. Die Arrangements glänzten durch Vielfalt, ohne aber überladen oder chaotisch zu wirken. Die 13 Songs waren alles andere als ein Sound-Eintopf: Während die ersten Songs "Luckie" und "Lu" etwas fröhlich-beschwingtes an sich haben, zeigt sich in Songs wie "Lonely Women" und "Timer" eher die dunkle Seite. "Eli's Comin'" und "Stoned Soul Picnic" waren die Hits dieses Albums, aber nicht für Laura selbst, sondern für die damals kommerziell überaus erfolgreichen amerikanischen Popgruppen Three Dog Night und Fifth Dimension. Alles in allem eine überaus komplexe und musikalisch äußerst substanzreiche Platte, die vom Sound her zwar wenig in die Zeit passte, vom musikalischen Anspruch her aber viel mehr. Und auch in der Covergestaltung - für das ungewöhnliche Cover und die damals noch sehr ungewöhnliche Textbeilage zur LP ("Inner Sleeve" im Fachjargon) hatte ebenfalls die selbstbewusste wie einfallsreiche Künstlerin selber die Verantwortung übernommen.

Dass "Eli And The Thirteenth Confession" schon längst als Meilenstein der Popmusik gilt, ist aus all diesen Gründen überaus verdient. Und wenn ihre Kollegin Phoebe Snow sagte, dass Lauras Musik völlig zeitlos sei, und man sie, wenn man sie im beginnenden 21. Jahrhundert zum ersten Mal hört, für eine neue Sängerin der alternativen Musikszene halten könnte, dann meine ich, dass man es treffender nicht formulieren kann. Platten wie diese können wohl gar nicht alt werden.


Original Album Classics
Original Album Classics

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unvergessen, unerreicht und auch immer noch unglaublich, 9. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Original Album Classics (Audio CD)
Als heuer im April Laura Nyro fast auf den Tag genau 15 Jahre nach ihrem Krebstod in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen wurde und Bette Midler dazu eine berührende Laudatio hielt, war das erreicht, wovon ihre Fans lange Jahre geträumt hatten. Verdient hatte sie es schon längst.

Wer für relativ wenig Geld das Hauptwerk dieser Sängerin und Songschreiberin erstehen will, trifft hier voll ins Schwarze, denn die Alben zwei bis sechs zwischen 1968 und 1976 waren ihre Meisterwerke. Keine Frage, dass ihr Debütalbum "More Than A New Discovery" seine Qualitäten hatte und für eine 18-Jährige eine beachtliche Leistung war, aber Meisterwerk war es noch keins. Das war dann 1968 "Eli and the Thirteenth Confession", das 1969er-Überalbum "New York Tendaberry" und auch noch die Ende 1970 erstveröffentlichte "Christmas and the Beads of Sweat". Über diese Platten äußere ich mich hier nicht näher, sondern verweise nur auf meine einzelnen Rezensionen zu diesen drei außergewöhnlichen Alben. Erwähnt soll hier nur werden, dass die Klangqualität überaus zufriedenstellend ist, und auch Bonus-Tracks, die nicht auf den orginalen Alben waren, geboten werden (drei auf "Eli", zwei auf "Tendaberry").

"Gonna Take a Miracle" war das erste Coverversionen-Album jener Art, die dann in den Siebzigern recht populär wurde - Sänger/in singt selbst ausgewählte Lieblingssongs von anderen, und es mag überrascht haben, dass eine als Songschreiberin hoch geschätzte Frau so etwas überhaupt unternahm. Dazu war es noch eine Gemeinschaftsproduktion mit dem später erfolgreichen Trio Labelle, aufgenommen in Philadelphia, das bald unter dem Begriff Phillysound die Welt erobern sollte. Das Album selber ist voll von herrlichen Soul- und Rhythm & Blues-Songs, ob es nun Welthits wie "Dancing In The Street" und "You've Really Got A Hold On Me" oder weniger bekannte Lieder sind, und die Produktion muss allen Beteiligten viel Spass gemacht haben, die Platte selber klingt jedenfalls so.

Laura Nyro zog sich bald nach dieser LP ins Privatleben zurück, heiratete, wurde Mutter und beschränkte ihre musikalischen Aktivitäten aufs traute Heim. Die Ehe scheiterte bereits 1974, Laura Nyro ordnete ihr Privatleben neu. Die Musikszene hatte sich in den Jahren ihrer Abwesenheit ganz schön verändert, man war Mitte der Siebziger angelangt, und während sie zu ihrer großen Zeit kaum Konkurrenz gehabt hatte, hatten mittlerweile Carole King, Joni Mitchell, Phoebe Snow und Patti Smith die weibliche Seite der Rockmusik neu definiert. War da noch Platz für diese New Yorkerin von gestern? "Smile", im März 1976 veröffentlicht, war eine positive Antwort auf diese Frage, was auch an Laura Nyros Rolle von vorher lag: Mutige Grenzgängerin zwischen Pop, Gospel, Blues, Soul und Jazz war sie schon zuvor gewesen, sie war keiner Bewegung zuzuordnen, eine Kategorie für sich. Eine solche Individuistin konnte mit einer schlicht und einfach schönen Platte überraschen: "Smile" war nicht so verquer wie "Tendaberry" und "Christmus", aber banal war Nyro noch lange nicht. Die Texte hatten die gewohnte Tiefe wie auch thematische Vielfalt, was Songs wie "Children Of The Junks", "I Am The Blues" und dem augenzwinkernden "The Cat-Song" gut anzuhören war. Die späteren Alben waren durchaus hörenswert, eine so gute Studioplatte schaffte sie aber nicht mehr.

Alles in allem kann diese Box uneingeschränkt jeder und jedem empfohlen werden, die/der nach exzellenter und die Zeiten gut überdauernder Musik einer legendären Amerikanerin Ausschau hält.


The Joe Meek Story - 50 Original Recordings
The Joe Meek Story - 50 Original Recordings
Preis: EUR 7,69

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Werkschau eines der besten britischen Musikproduzenten aller Zeiten, 8. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ärgert mich immer wieder, wenn ich irgendwo lese oder höre, dass die britische Pop- und Rockmusik mit den Beatles begonnen hätte. Bei aller Liebe und bei allem, das den Fab Four zusteht (und sie überzubewerten ist fast unmöglich), muss gesagt werden, dass das purer Quatsch ist: Cliff Richard & The Shadows, auch die Shadows als Instrumentalband extra, waren nicht die Schlagersänger, als die man sie später und bis heute darstellt, sondern machten exzellente Popmusik. Und harten Rock'n'Roll gab es zumindest von Johnny Kidd & The Pirates mit Niveau, Pete Townshend nannte sie einen guten Einfluss, und wer die frühen Who kennt, weiß auch warum.

Und dann war da ein schrullig wirkender Soundfanatiker, der sich in London ein damals einzigartiges Studio eingerichtet hatte, und der Produktionen machte, die man nicht nur aufgrund ihrer Effekte aus anderen Tonaufnahmen jener Zeit heraushören konnte: Joe Meek war das britische Pendant zum amerikanischen Phil Spector, und was bei dem der Wall of Sound war, das war bei Meek der Umgang mit diversen Effekten und aufnahmetechnischen Finessen, die Lichtjahre von 08/15-Produktionen entfernt waren. Damit schaffte er es, selbst aus durchschnittlichen und unter anderen Produktionsbedingungen wenig interessanten Musikern und Songs verdammt viel herauszuholen. Er war nicht nur ein technisch äußerst versierter Tontechniker, sondern hatte auch das Gespür für eine optimale Umsetzung des Möglichen; mit anderen Worten, ein wirklich exzellenter Producer.

Dass diese Edition nicht fünf Sterne von mir kriegt, liegt erstens an der Tatsache, dass mehrere der ultimativen Meek-Produktionen hier fehlen – "Have I The Right" von den Honeycombs, Stars wie Bill Fury, Heinz und schließlich auch die Tornados mit dem Superhit und Meek-Opus Magnum "Telstar", und zweitens am Umstand, dass einige Tracks die Genialität ihres Produzenten nur bedingt erkennen lassen. Hörenswert ist diese 50-Track-Kollektion aber allemal, und mindestens ein Drittel ist zeitlos brillante Popmusik, die zum Besten gehörte, was Great Britain vor der Beatlemania zu bieten hatte: die Hits des allerersten weißen Schock-Rockers (Screaming Jay Hawkins war ja schwarz) der Geschichte Screaming Lord Sutch "'Til The Following Night" und "Good Golly Miss Molly" (natürlich ist Little Richard der um Klassen bessere Sänger, aber das hier ist die ungleich wahnsinnigere Version), die fabelhaften beiden Songs des aufrechten Buddy Holly-Verehrers Mike Berry "What's The Matter" und "Tribute To Buddy Holly" (eh klar), fetzige Instrumentals von den Outlaws (z. B. "Swingin' Low") und den Fabulous Flee Reekkers (z. B. "Green Jeans", verfremdetes "Greensleeves"!), "Tell You What I'll Do" von Gary Temple, "Action" von Lance Fortune, und schließlich alle sechs Tracks von John Leyton, und hier wiederum besonders die Glanznummer dieser Kollektion, nämlich dessen großer Hit "Johnny Remember Me", einer der drei oder vier genialsten Meek-Tracks überhaupt, sowie einer der perfektesten britischen Popsongs der Prä-Beatles-Ära. Joe Meek ging das Wagnis ein, neben seiner Hitproduktionen im Studio mit seinen technischen Kenntnissen ans damals Äußerste zu gehen, ohne Rücksicht auf kommerzielle Verluste, und schuf dabei einige hauptsächlich instrumentale Stücke, die sich nicht verkaufen konnten, weil sie schon dem entsprachen, was ab den späten Sechzigern und dann voll ab den Siebzigern Electronic Rock, Space Rock und Krautrock genannt wurde: die vier Tracks der Blue Men und auch "Night Of The Vampire" von den Moontrekkers sind Stücke, die eher nach Kraftwerk als nach Popmusik um 1960 klingen. Als der Durchbruch des Psychedelic Rock begann, hätte für Meek vielleicht eine neue Ära begonnen, wer weiß, womit er, nach mehreren erfolgloseren Jahren während der Beatlemania, die Welt noch überrascht hätte. Sein Selbstmord am 3. Februar 1967 (dem 8. Todestag seines Idols Buddy Holly) beendete seine Geschichte als Menschen; als Produzentengenie lebt er in der Geschichte der Pop- und Rockmusik aber weiter.


Psychedelic Pill
Psychedelic Pill
Preis: EUR 8,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioses Alterswerk mit zeitlosem Gitarrenrock, 8. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Psychedelic Pill (Audio CD)
Das macht den Herren Sampedro, Talbot, Molina und natürlich Young so schnell keiner nach: Zuerst ein uriges, wenn auch nicht wirklich hervorragendes Album mit Traditionals ("Americana") auf den Markt werfen, und schon ein paar Monate später eine Doppel-CD nachlegen. Da wäre schon Skepsis angebracht, gerade beim alten Fan; es könnte sich eben doch um nicht mehr als um Reste-Verwertung handeln. So nach dem Motto: Veröffentlichen wir unsere Sessions, so lange sich das Zeug noch wer kauft, auch wenn die meisten, die das tun, sich nachher auch nur als Komplettisten fühlen werden ...

Aber schon die ersten Minuten zerstreuen solche Gedanken: "Driftin' Back" hat ein gutes Riff, eine schöne Melodie, wieder einmal ein echt guter Neil Young-Song. Nach weiteren Minuten das gute Gefühl, dass die Nummer schön ausgespielt wird. Aber sie hört nicht auf, scheint endlos zu sein, aber das macht nichts. Und als sie langsam ausgeblendet wird, sind fast 28 Minuten vergangen, ohne dass es der Nummer anzuhören war. So etwas schaffen nur Meister, und Neil Young ist gemeinsam mit diesen drei Herren einer. Bis vor dem Kauf dieser Doppel-CD meinte ich, dass man Neil Young & Crazy Horse-Anfängern am besten "Everybody Knows This Is Nowhere" (das außergewöhnliche Debüt dieser Formation aus 1969) oder "Zuma" ans Herz legen sollte, aber nun sage ich, diese Platte macht's als Einstieg mindestens genau so gut. Sie ist von der Produktion und vom Sound her Rockmusik von heute, klingt gleichzeitig aber kaum anders als die beiden erwähnten Scheiben aus 1969 und 1975. Was einmal mehr beweist, wie zeitlos das Werk dieser Ausnahmeband tatsächlich ist.

Der Titelsong geizt nicht mit Phasing Jet-Effekten - tja, der wurde 1967 modern, Stichwort Psychedelic, alles klar. Und dann wieder eine lange Hammernummer: "Ramada Inn" hat eine Melodie, die sich schnell als Ohrwurm einnistet (der Refrain vor allem), mit den majestätischen Gitarrensoli, Glissandi, Fuzz-Box-Bädern, Feedbacks und bis zum Anschlag aufgedrehten Marshall-Amps, die seit über vierzig Jahren so zu faszinieren wissen. Keine Langatmigkeit bei diesen fast 17 Minuten, die Vier spielen druckvoll und einfallsreich, wie man es von ihren besten Aufnahmen und Auftritten her kennt. "Born In Ontario" rundet die erste CD dann ab, ein kurzer mittelschneller Song mit autobiografischem Inhalt, nicht verwunderlich bei einem Mann, der langsam auf die 70 geht.

CD 2 startet mit "Twisted Road" - wieder ein Rückblick, wieder ein Stück musikalischer Biografiearbeit ("First time I heard 'Like a Rolling Stone' I felt that magic and took it home ..."), im Refrain lässt Young die seit Robert Johnson in der populären amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts immer wieder anzutreffende "Crossroads"-Thematik anklingen. "She's Always Dancing" ist ein einfaches und schönes Liebeslied, Crazy Horse im Uptempo, während "For The Love Of Man" der akustische Ruhepol dieses Albums ist, wenn auch nur vier Minuten kurz. Womit das Album an sein Ende kommt, gigantisch im doppelten Sinn: "Walk Like A Giant" klingt wie eine Turbo-Version von "Cowgirl In The Sand", vom Songniveau für mich auf einer Ebene mit diesem Klassiker, und ein Track, dem ich eine Top Ten-Platzierung in der Auflistung sämtlicher bis heute veröffentlichter Neil Young-Aufnahmen ungeniert geben würde! Text und Melodie hinreißend, vokal nicht nur von Neil her eine Glanzleistung, sondern durch den Harmoniegesang der Crazy Horse-Mitglieder veredelt, und instrumental sowie vom Sound her gibt diese Nummer alles, was möglich ist. Nach 9 Minuten beginnt das Feedback exzessiv zu werden, das Quartett dröhnt sich durch einen explosiven Spielrausch, und zeitweise klingt es, als ob im nächsten Moment (mindestens) ein Gitarrenverstärker bersten würde. Ab der 13. Minute dann ein doomiges Soundinferno, ein Outro von gut fünf Minuten, in dessen kakophonische Sounds sich noch einige schöne Vokalharmonien mischen, bis das Ganze nach exakt 16:30 Minuten endet. Als "Bonus-Track" (gibt es normal nur bei Re-Issues, daher das Anführungszeichen) dann noch ein Alternate Mix des Titelsongs, ohne Phasing diesmal, einfach nur straight hingeknallt, wie es die Vier seit über vier Jahrzehnten exzellent beherrschen.

Neben den beiden 2012er-Geniestreichen von Bob Dylan und Bill Fay ein weiterer "Album des Jahres"-Anwärter mit Alterswerkcharakter, und für mich eines der zehn besten Neil Young-Alben ever. Und wenn das sein letztes Album wäre, dann wäre es ein phänomenaler Abschied gewesen. Aber um ehrlich zu sein, ich wünsch mir nochmal was von dieser Sorte. In diesem Sinne, wieder einmal: LONG MAY YOU RUN, NEIL!


Life Is People
Life Is People
Preis: EUR 14,49

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Gottesgeschenk! Und halten Sie das bitte nicht für übertrieben!, 8. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Life Is People (Audio CD)
Es lässt sich ohne Weiteres wie ein Märchen erzählen: Es war einmal ein 32 Jahre junger Plattenproduzent aus Nevada in den USA, der von seinem Vater zwei Vinyl-Alben eines erfolglosen britischen Singer/Songwriters aus 1970 und 1971 ("Bill Fay" und "Times Of Last Persecution") kannte, von denen er hellauf begeistert war. 1998 brachte ein kleines britisches Re-Issue-Label die beiden Platten als CDs heraus, und einige Jahre später war die Band Wilco aus Chicago schon - absolut verdient - zu einer amerikanischen Rock-Institution geworden. Deren Mastermind Jeff Tweedy erwähnte bei der Frage nach seinen Favoriten immer wieder den Namen Bill Fay. Dieser Engländer hatte sich nach 1971 von der Musikszene zurückgezogen, was Deals und Tourneen betraf; das Songschreiben und Aufnehmen von Songs gab er aber nie auf. CDs mit solchen Demo-Sammlungen erschienen in den Nullerjahren, der große David Tibet (Current 93) half u. a. bei einer dieser Veröffentlichungen. Da trat der eingangs erwähnte junge Amerikaner mit Namen Joshua Henry auf den Plan und sprach Bill Fay direkt auf eine Produktion an. Als Fay zur Antwort gab, seit Jahrzehnten schon kein richtiges Album mehr gemacht zu haben, meinte Henry, dass es nun an der Zeit sein könnte, einmal wieder ein richtiges zu machen. Was den mittlerweile auf die 70 zugehenden Fay überzeugte.

So erschien nun 2012 sage und schreibe 41 Jahre (wofür es in der Pop- und Rockgeschichte keinen Vergleich gibt!) nach dem letzten regulären ein neues Album von Bill Fay, eine Produktion wie aus einem Guss. 12 großartige Songs, die durch Bill Fays ausdrucksstarken, zugleich subtilen Gesang und seine Pianobegleitung geprägt sind, mit geschmackvollen, bisweilen opulenten, aber nie überladenen Arrangements; großteils langsame, in getragenem Rhythmus gespielte Lieder (große Ausnahme ist das schwungvolle "This World", bei dem Jeff Tweedy mitsingt), zu denen jeder, der seit Jahrzehnten Procol Harum und Randy Newman hört, nach ein paar Takten innigen Bezug finden wird, aber auch ein jeder, der Musik von heute hört, oder zur Kompensation niveauvolle Singer/Songwriter-Musik abseits von Kitsch und Langeweile sucht, schnell Bezug finden kann. "Life Is People" ist ein Album von gewaltiger Reife, das kein junger Mann so machen könnte, aber zugleich frei von jeglichem Oldie-Gehabe, mit dem Musikfreunde unter 30 nichts anfangen können. Unprätentiös, aber intensiv, dieses Werk.

Was dieses Album aber wahrhaftig außergewöhnlich macht ist die Tatsache, dass die Songtexte einerseits zutiefst christlich inspiriert sind, aber andererseits an keiner Stelle Penetranz entwickeln, also nichts mit moralisierendem Predigerton zu tun haben. Fay verarbeitet in einer Einstellung, die man wahrhaftig als demütig bezeichnen darf, seine Glaubenserfahrung und Glaubensfreude in Form von persönlich gehaltenen Texten (vielleicht stärkstes, jedenfalls deutlichstes Beispiel: "Thank You Lord"), die Agnostiker und Atheisten aufgrund ihrer Authentizität akzeptieren oder zumindest respektieren können, und die gläubige Christen in tiefer Verbundenheit goutieren - gerade auch aus dem Grund, weil Bill Fay es mit seinem Christentum auch ernst meint, und das in einer guten Tat umsetzt: Obwohl er selber wahrhaftig nicht zu den Reichen zählt (er verdiente sich in den letzten vier Jahrzehnten durch unspektakuläre Jobs seinen Lebensunterhalt), lässt er seine Einnahmen als Musiker der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" (einer der verdientesten Friedensnobelpreise, wenn man mich fragt) zukommen!

"Life Is People" ist für mich neben Dylans "Tempest" eines der Alben des Jahres 2012 und ein edles musikalischen Lebenszeichen eines der unterbewertetsten Singer/Songwriters der Pop- und Rockgeschichte, und gerade auch aufgrund seiner Textbotschaft ein ... siehe Überschrift!


Lumpy Gravy
Lumpy Gravy
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwer zu beurteilen, aber jedenfalls stark, 14. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lumpy Gravy (Audio CD)
Die ersten drei Mothers-Alben "Freak Out!", "Absolutely Free" und "We're Only In It For The Money" waren zusammen wie ein Hattrick in einem Wahnsinnsfußballmatch, und nach dem dritten Album konnte man sich schon fragen: Was kann da noch kommen? Es kamen "Lumpy Gravy" und "Cruisin' With Ruben And The Jets". Das eine ein irrwitziges Schnulzen-Rock'n'Roll-der-Fünziger-Werk, das andere so avantgardistisch, dass die ungefähr gleichzeitig produzierte "We're Only ..." dagegen fast schon wie eine Kommerzplatte klingen konnte. Spätestens dann konnte man zur Kenntnis nehmen, dass man von diesem Mann, ob mit oder ohne "Mütter", alles erwarten konnte. Ihm war nun einfach alles zuzutrauen. Auch ein außergewöhnliches, zeitlos brilliantes Werk wie "Hot Rats", aber das dauerte noch ein wenig.

"Lumpy Gravy" kam einige Monate nach "We're Only ..." heraus, war in Deutschland und Österreich nicht als reguläre Veröffentlichung, sondern im Gegensatz zu den anderen Alben nur als Import zu haben, wurde auch relativ wenig rezensiert, und dürfte sich von allen frühen Mothers- und Zappa-Scheiben am bescheidensten verkauft haben. Und wer sich die Platte schnell anhört, weiß nach 32 Minuten auch, warum: Diese Mischung aus Orchestermusik, nichtssagend wirkenden Spoken Word-Einlagen (nicht so intelligent und umwerfend komisch wie seinerzeit "It Can't Happen Here" vom Debütalbum) und irritierend banal klingenden Popsongs dürften nicht wenige Fans für eine Outtakes-Kollektion gehalten haben, was angesichts Frank Zappas Spruch "Is This Phase One Of Lumpy Gravy?" auf dem Cover der "We're Only ..."-LP gar keine so falsche Annahme zu sein schien. Aber die Annahme war tatsächlich nicht richtig: War "We're Only ..." wie auch die beiden Alben zuvor trotz aller Un- und Außergewöhnlichkeit, welche diese Platten an sich hatten, eine originelle und explosive Songkollektion von Konzeptalbum-artiger Machart, so glich "Lumpy Gravy" eher einem skurrilen Hörspiel. Und ich denke, wer die Platte wie ein solches hört, wird mit ihr am meisten anfangen können. Neben sehr schönen, swingenden und mitreißenden Passagen hat sie solche, wo man selbst als Zappa-Fan nicht leicht mitkommt. Mir ging es so, allerdings machte ich auch die Erfahrung, nach mehrmaligem Hören immer mehr Zusammenhänge auszumachen, und einige Spoken Word-Parts genauer mit Instrumentalmusik in Beziehung setzen zu können.

Seit fast viereinhalb Jahrzehnten tut sich alle Welt, und tun sich auch Teile der Zappa-Gemeinde mit diesem Album nicht leicht. Ein beachtliches Werk bleibt es trotzdem, zumal man im Nachhinein erkennen kann, dass es einiges vom sehr experimentellen Spätwerk des Meisters vorwegnahm. Und Edgar Varese hätte dieses Album wahrscheinlich geliebt, und wäre verdammt stolz auf seinen ergebenen Schüler gewesen.


Der Mann mit der Kamera
Der Mann mit der Kamera
DVD ~ Yelizaveta Svilova

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Formales Stummfilmmeisterwerk, auch nach über 80 Jahren noch lehrreich, 13. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann mit der Kamera (DVD)
Schuld an diesem Kauf waren ca. 900 Filmfachleute, die alle 10 Jahre die besten Filme aller Zeiten wählen. Heuer im Sommer war es wieder so weit - die britische Fachzeitschrift "Sight & Sound", die dieses spektakuläre Jahrzehntereignis (im wahrsten Sinne des Wortes, bitteschön) durchführte, veröffentlichte sein Ergebnis. Unter den Top 10 befand sich dieser Film, der einzige der 10 Filme, wo mir weder der Film noch dessen Regisseur etwas sagte. Schnell auf Wikipedia nachgeschaut, dann sehr neugierig geworden, dann auf Amazon gegangen, und ein paar Tage später kam die DVD ins Haus. Tja, so kann's auch gehen.

Und ich muss sagen, selten hat mich ein Stummfilm so gefesselt wie dieser, und ich kann die hohe Bewertung gut nachvollziehen. "Der Mann mit der Kamera" ist ein Experimentalfilm, es gab weder ein Drehbuch noch Schauspieler, und das Konzept war ein scheinbar simples - es sollte die Wirklichkeit, wie sie ist, abgebildet werden, und sonst nichts. Was stimmt und auch wieder nicht: Einen Schauspieler/Star hat der Film nämlich schon, und zwar den Kameramann, der immer wieder eingeblendet ist, und immer wieder mit verschiedenen Einstellungen zu überraschen weiß. Großstädte waren die Motive, genauer Moskau, Kiew und Odessa. Dziga Vertov erklärte es so: "Ich bin das Film-Auge. Ich bin ein mechanisches Auge. Ich, die Maschine, zeige Euch die Welt so, wie nur ich sie sehen kann ... Daran arbeiten wir, Meister des Blicks, Organisatoren des Sichtbaren ... Meister der Worte und Klänge, Virtuosen der Montage des Lebens." Und beim Begriff der Montage darf man gleich bleiben, denn diese ist der Hauptaspekt für die Genialität dieses Werks: Wie dieser Film geschnitten wurde, war damals außergewöhnlich wie wegweisend, und ist heute immer noch lehrreich. Was sich auch an der Kurzweiligkeit dieser Produktion zeigt, die 67 Minuten vergehen wie im Flug.

Diese DVD-Edition bietet mehrere Soundtracks zu diesem Klassiker zur Auswahl, wobei ich den von Michael Nyman am gelungensten finde. Aufschlussreich ist auch die fast eineinhalbstündige Doku "Im Land der Kinoveteranen: Filmexpedition zu Dziga Vertov", hier gelingt eine Spurensuche zu diesem großen Unbekannten der Filmgeschichte, der einerseits eingefleischter Kommunist war, aber im Lauf der Zeit trotzdem bei Stalin immer mehr in Ungnade fiel, und dann bis zu seinem Tod anno 1954 nur noch belanglose Nachrichtenfilmchen produzieren durfte. An der Tatsache, dass er sich mit diesem Film ein Denkmal von Langzeitwert errichtet hat, ändert das freilich nichs.


Terry Riley: A Rainbow In Curved Air; Poppy Nogood and the Phantom Band
Terry Riley: A Rainbow In Curved Air; Poppy Nogood and the Phantom Band
Preis: EUR 10,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Electronic Music '69, innovativer und zeitloser, als es allgemein bekannt ist, 13. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Terry Riley ist ein amerikanischer Avantgardemusiker mit Jahrgang 1935, und dieses Album war sein zweites, 1969 erstveröffentlicht. Meine erste Bekanntschaft machte ich mit dieser Platte um 1971/72, als im "Musikexpress" und im deutschen "Sounds" einige stark elektronisch orientierte Krautrocker (beispielsweise von Tangerine Dream) dieses Opus zu ihren Lieblingsplatten und Haupteinflüssen zählten. 1971 war auch das Duo-Album Rileys mit John Cale erschienen, das phänomenale "Church Of Anthrax", und da schenkte ich diesem Mann dann noch mehr Beachtung. Die britische Prog-Rock-Gruppe Curved Air gab außerdem noch an, durch dieses Album zu ihrem Bandnamen inspiriert worden zu sein.

Das Album bot zwei ganzseitige Stücke, und "Rainbow ..." nimmt noch mehr als "Poppy Nogood ..." viel von dem vorweg, was man seit den späten Achtzigern, noch mehr aber in den Neunzigern unter Minimal Music, Ambient Music und Techno kennt. Riley war und ist ein großer Pionier elektronischer Musik, und arbeitete selbstverständlich mit analogem Instrumentarium, verwendete elektronische Geräte aber schon zu konsequent und umfangreich wie möglich. Was für mich auch einiges vom Reiz seiner Musik ausmacht, bei der Keyboards (tja - Tangerine Dream, Kraftwerk und und und, wen wundert's) die Hauptrolle spielten. Und wie erfrischend und charmant das heute noch klingt - ich kann es einfach nur empfehlen, sich das anzuhören und seine Freude daran zu haben! Sicher nicht nur für Grundlagenforscher auf diesem Gebiet interessant.


Original Album Series
Original Album Series
Preis: EUR 13,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Großteil des Gesamtwerks eines der besten Singer/Songwriter aller Zeiten, 13. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Original Album Series (Audio CD)
Nein, reden wir nicht über Verkaufszahlen. Das wäre deprimierend. "Mach Musik, da steckt Geld drin, Junge" hatte ihm sein Vater gesagt, und ob der gute Tim das wirklich glaubte, kommerziell groß heraus zu kommen, wird sich bei einem 1975 verstorbenen Musiker wohl kaum mehr klären lassen. Was dafür gesprochen hätte: Außergewöhnlich als Songschreiber und als Vokalist, ausgestattet mit einer schönen, intensiven und modulationsfähigen Stimme, die ihn meines Erachtens zu einem der 10 besten Sänger der gesamten Pop- und Rockgeschichte macht. Was allerdings mehr oder weniger dagegen sprach, und leider Realität wurde: Wer mehr oder weniger komplex zwischen Folk und Free Jazz pendelt, einerseits in der Psychedelic-Szene nicht ausreichend kommerziell landet, andererseits aber im Pop gerade mal als avantgardistischer Exzentriker wahrgenommen wird, kommt kaum groß heraus. Jedenfalls nicht in der zweiten Hälfte der Sechziger, wo der Großteil solcher Musik zwar Kritikerherzen hoch schlagen ließ, die Plattenverkäufe und die Chancen, gute Gigs zu kriegen, aber bescheiden blieben.

Die vorliegende Box bietet seine ersten fünf Alben, die von 1966 bis 1970 erschienen waren. Die titellose Debüt-LP war noch kein großes Werk, kündigte aber in Songs wie "Songs Of The Magician" und "Valentine Melody" aber schon Großes an. Und das kam dann auch - die noch 1967 erschienene "Goodbye and Hello", das 1968er-Opus "Happy Sad", das lange Zeit schwer erhältliche 1969er-Juwel "Blue Afternoon" und die 1970 erschienene Scheibe "Lorca" bieten Musik von seltener Intensität und Originalität, und zeigen auch eine kontinuierliche Entwicklung: "Goodbye and Hello" ist noch mehr oder weniger purer Folk-Rock mit psychedelischer Färbung, auf "Happy Sad" geht es langsam in Richtung Folk-Jazz, was sich auf den weiteren Platten verstärkt, und bei "Lorca" am experimentellsten wird. Ins Totale ging Buckley, was das betraf, dann beim ebenfalls 1970 veröffentlichten "Starsailor", das diese Box nicht enthält (und eigens besprochen ist). Aber ob noch recht konventionell wie bei "I Never Asked To Be Your Mountain" oder "Pleasant Street" (beide "Goodbye and Hello") oder als mutiger Grenzgänger zwischen Folk, Jazz und Psychedelic wie bei "Love From Room 109" ("Happy Sad"), "The Train" ("Blue Afternoon") oder "Lorca" (von ebendieser) - über eines durfte man sich bei Buckley immer sicher sein: Es war Musik aus der Tiefe seiner Seele, jenseits aller Konventionen des damaligen Folk und Pop, und von hoher instrumentaler Originalität. Er selber spielte nur seine akustische 12-String, seine Begleitmusiker verwendeten hauptsächlich Instrumente wie Vibraphon, Standbass, Piano und Congas, und die E-Gitarre klang fast immer schön dünn und unverzerrt, wie es sich im Jazz meistens gehört. Damit würde man auch heute noch keine Hitparaden stürmen, schon klar; dass andererseits so ein Ausnahmetalent zu einem Schattendasein in der Musikszene verurteilt war, ist und bleibt traurig, und heute ist er noch immer ein Geheimtipp. Immerhin waren ihm optimale Produktionsbedingungen vergönnt - von Labels wie Elektra (Kommentar überflüssig) und Straight (Frank Zappa) war das allerdings auch zu erwarten.

Von 1972 bis 1974 erschienen von Tim Buckley noch "Greetings From L.A.", "Look At The Fool" und "Sefronia", wo er eine neue, wesentlich käuferfreundlichere Richtung einschlug, allerdings weiterhin ohne kommerziellen Erfolg. Ein Jahr später war er tot, 19 Jahre später veröffentlichte sein Sohn Jeff mit "Grace" eines der ultimativen Alben der ersten Hälfte der Neunziger, erfreulicherweise nicht ohne kommerziellen Erfolg. Dass Jeff Buckleys Karriere und Leben genauso tragisch endete wie es bei seinem Vater der Fall war, kann einen nur mit Trauer erfüllen. Was beide aber, Sohn wie Vater, an Musik hinterlassen haben, wird Musikfreunde, die das Originelle, Emotionale und musikalisch Außergewöhnliche suchen, noch sehr lange fündig machen.


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