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Rezensionen verfasst von
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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What Makes You Not a Buddhist
What Makes You Not a Buddhist
Preis: EUR 12,84

5.0 von 5 Sternen Delightfully different, 21. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich hatte schon viel von diesem Buch gehört. In buddhistischen Kreisen erfreut es sich eines gewissen Bekanntheitsgrades. Über Ostern habe ich mich nun herangetraut. Und siehe da, aus meiner Sicht wird es seinem Ruf vollauf gerecht!

Man darf es allerdings nicht oberflächlich oder unter Zeitdruck lesen. Sonst könnte man leicht den Eindruck gewinnen, ach, schon wieder ein "lustiges" Dharma-Buch, das auf modern getrimmt ist. Doch es geht doch deutlich tiefer, als "nur" westliche Leser zu unterhalten.

Ein klein wenig "einlenken" möchte ich allerdings. Es ist sicher Geschmackssache, inwieweit ein im Westen lebender Tibeter sich an die moderne westliche Kultur "anbiedern" sollte. Es werden zahlreiche Beispiele und Anekdoten aus dem aktuellen Zeitgeschehen gewählt, und manchmal habe ich schon gedacht, weniger wäre mehr. Zumal erstaunlich ist, wie schnell die "Halbwertszeit" von Skandalen etc. doch erreicht ist. Manche Anekdoten wirkten schon wieder verstaubt - wie George Bush, oder Monica Lewinsky.

Mein zweiter, deutlich kleinerer Einwand besteht darin, dass der Autor eben einen ganz bestimmten Zugang zum Wesen "des Buddhismus" wählt, der aus seiner eigenen Tradition her begründet ist. Er wählt die "4 Siegel" als Ausgangspunkt - wenn man diese nicht kenne oder anerkenne, "sei man eben kein Buddhist". Diese Aussage würde ich mit Vorsicht genießen! Es gibt da in anderen Traditionen durchaus andere Schwerpunkte.

In allem anderen aber finde ich das Buch sehr gelungen! Der Autor schildert zum Beispiel zahlreiche Begebenheiten und Legenden aus dem Leben des Buddha - und "entmystifiziert" sie, macht sie einem heutigen Leser verständlich. Da beginnt man zu denken, ach ja, das hätte ich unter den entsprechenden Umständen vielleicht auch so gemacht.

Zweitens spricht er zahlreiche Missverständnisse an, die ein Westler bezüglich des Buddhismus vermutlich hat. Dabei bringt er das Kunststück fertig, dies nicht etwa als Fehler darzustellen - sondern er dreht es um, zeigt auf, was daran evtl. sogar eine Stärke ist. Der Buddhismus sei freudlos? Pessimistisch? Man denke nur an das Leiden? Jaaaaa, aber....! Nach diesem Buch weiß man, woraus ein Buddhist seine besondere Stärke bezieht, oder beziehen kann. Keine Wunder, keine Märchen, keine haltlosen Heilsversprechen. Nur realtistisch betrachtete Menschlichkeit.

Drittens hat er es geschafft, dass man (so man denn Buddhist ist) selbst altbekannte Konzepte wie "Leerheit" oder "Verbundenheit" mit ganz neuen Augen sieht. Auch zu "Leiden" habe ich eine andere Einstellung gewonnen - obwohl einem dieses Thema ja nun wirklich in so gut wie allen Büchern über Buddhismus um die sprichwörtlichen Ohren gehauen wird. Der Autor arbeitet Aspekte heraus, die nur allzu leicht untergehen und übersehen werden.

Und zu guter Letzt ist das Buch einfach herrlich lesbar! Die englische Fassung soll ja die Originalversion sein, und da kann ich nur sagen: Hut ab! Schon allein durch die lockere Sprache wird dem Leser so manche Schwellenangst genommen. Nur, wie ich schon sagte: man darf sich durch die Lockerheit und die Witze nicht zu oberflächlicher Lektüre verleiten lassen; das wäre schade.

Dies ist ein Buch, das ich - mit leichten Einschränkungen - jedem empfehlen würde, der sich für Grundthesen des Buddhismus interessiert.


Kitchen
Kitchen
von Banana Yoshimoto
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Epic sadness at its best, 20. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Kitchen (Taschenbuch)
Es ist schon einige Jahre her, dass ich dieses Büchlein zum ersten Mal las. Damals in der deutschen Fassung. Dann habe ich es verliehen, und nie zurückbekommen. So war ich nicht traurig, als ich auf einer Tauschbörse günstig zu dieser englischen Ausgabe kam. Schließlich ist auch diese direkt aus dem Japanischen übersetzt.

Was soll ich sagen - erst bei dieser zweiten Lektüre ist mir wirklich der Weltrang dieser Schriftstellerin aufgegangen. Ich finde ja sowieso, dass sich die englische Sprache für Übersetzungen aus dem Japanischen besser anbietet als das Deutsche. Ich war verzaubert von der Art und Weise, wie hier mit unaufdringlicher Eleganz Bilder von klirrender Schönheit, aber auch tiefer Traurigkeit entworfen wurden. Das war und ist für mich bisher einzigartig - Haruki Murakami einmal ausgenommen.

Ich bin gefragt worden, was ich da gerade lese - und habe etwas hilflos mit "eine komplizierte Liebesgeschichte" geantwortet. In gewisser Weise stimmt das für "Kitchen" ja auch. Mikage und Yuichi haben beide tragische Verluste erlitten. Für eine Weile wohnen sie auch zusammen. Und am Ende ist es die Kochkunst, die ihrer beider Beziehung - und vielleicht auch Yuichis Leben - rettet.

Das Büchlein enthält aber noch eine zweite Geschichte, "Moonlight Shadow", die von dem gleichnamigen Song von Mike Oldfield inspiriert wurde, wie die Autorin in einem Nachwort verrät. Genau das merkt man auch, wenn man den Song und seinen Text näher kennt!

"Moonlight Shadow" handelt noch viel deutlicher von den tragischen Themen Verlust und Tod, und beides wiederum im Teenager-Alter. Ein wenig Spuk kommt auch vor - denn anders kann ich mir die "Geheimnisvolle Fremde", diese Urara, nicht erklären... Aber alles wird so organisch miteinander verbunden, dass etwas ganz Eigenes herauskommt. Es ist beinahe so etwas wie ein Märchen, das auf der Grenze zweier Welten spielt - und das am Ende sogar Raum für Hoffnung lässt.

Ich persönlich würde sagen, dass ich die Geschichten erst jetzt richtig verstanden habe, mit dem Abstand von einigen Jahren. Sie handeln zwar von Teenagern oder jungen Erwachsenen und ihren Nöten, aber die Art der Behandlung der Themen richtet sich doch deutlich an einen emotional erfahrenen Leser. Ich kann es nur meisterhaft nennen, wie hier mit Trauer und deren sinnlicher Verkörperung in der Natur umgegangen wird!

Beide Geschichten lassen den Leser mit einem zwiespältigen Gefühl zurück - der Trauer, nun nicht mehr zu wissen, ob die jungen Frauen und Männer nun noch etwas wie Glück in ihrem Leben finden werden. Andererseits aber auch mit einem Gefühl tiefer Befriedigung - und Freude, an so einem kostbaren Stück Prosa teilhaben zu dürfen. Das kann man immer wieder lesen, und wird es nie leid.


Friends, Lovers, Chocolate. The Sunday Philosophy Club (Isobel Dalhousie Novels)
Friends, Lovers, Chocolate. The Sunday Philosophy Club (Isobel Dalhousie Novels)
von Alexander McCall Smith
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Lovely, but different, 15. April 2014
You have to know what you're in for when you choose a novel by Alexander McCall Smith - especially concerning the "Isabel Dalhousie"- series! Okay, she is a philosopher and edits a review, and yes again, she comes upon unexpected and sometimes quite troubling events in the course of her daily life... but the result fits into no novelistic category I ever heard of.

Some people might think this was a crime story - Isabel investigates, so to speak, into a rather macabre affair. The recipient of a heart transplant has begun to have strange dreams and visions. Has the donor of his new heart eventually been murdered? Isabel's curiosity is awakened, and she embarks on a detective voyage through Edinburgh and Scotland. She does not only "solve" the mystery, but also discovers several important truths about life, death and gratefulness. And about the ways in which people betray each other.

But it is not a crime story, after all! The book is written much too smartly, deftly, with more than just one twinkling eye. Isabel has her inner discussions, she fails more than once, she disappoints people. But she is always in search of the truth! She is not a true detective, but a woman with a kind heart. That's an important difference!

Secondly, there are other problems awaiting her in this book. As always, her niece Cat and her romantic entanglements constitute an important part of the story. It is different insofar in this book as Isabel finally admits to herself that she is secretly in love with Jamie, Cat's former boyfriend... At the same time, Isabel finds herself flirting with an elegant Italian, another unwanted lover of Cat...

So is this "ChickLit"? No again! There is romance, and there are numerous relationships that need resolving, but... the focus of the Isabel Dalhousie books is simply quite different. All these events serve one purpose, and one purpose only: to give Isabel an opportunity to discuss moral dilemmas of all sorts, either within her own head, or with her housekeeper Grace. An enormously likeable character, by the way! Even though Grace is, at times, a bit pragmatic. But for me, Grace is the "secret hero" of these books. Followed closely by Jamie, Isabel's "best friend"...

I would describe this book as a "philosophical novel with romantic and criminalistic elements". Ideas are discussed, strange situations are resolved, people have to face up to difficult situations. The "story" as such is negligible, in my view. And above all - Alexander McCall Smith writes such beautiful English, it is simply a joy to read! In every chapter I underlined at least one passage because it was so beautifully written, or so deeply wise.

I'd recommend this book to people who want to relax with an elegantly written tale, but who have time for pausing and thinking. And who do enjoy beautiful language. Crime fans and romance addicts - hands off.


Der Geschmack der Sehnsucht
Der Geschmack der Sehnsucht
von Kim Thúy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Vorspeise als Hauptgericht, 1. April 2014
Es ist so jammerschade - ich würde diesem durchaus poetischen Büchlein gerne mehr Sterne geben, aber über drei komme ich beim besten Willen nicht hinaus. Dafür ist mir einfach nicht klar genug, "was das Ganze soll". Ich finde erstens, dass es sich durchaus nicht (!) um einen "Roman" handelt, und zweitens, dass der Klappentext in die Irre führt.

Mir ist schon klar, dass heutzutage alles "Roman" genannt wird, das einen erzählenden Inhalt hat und zwischen zwei Buchdeckel passt. Trotzdem habe ich mich ein wenig geärgert! Das Büchlein ist viel zu sprunghaft, und hat für mich keinen wirklichen roten Faden. Es liest sich nicht wie ein "Roman", sondern wie ein Tagebuch, aus dem immer mal wieder Seiten herausgerissen wurden. Und der Rest wurde durchgeschüttelt.

Ja, ich gebe zu, in der Leseprobe fand ich die eher assoziative Schreibweise noch charmant. Doch da war mir die erschreckende Kürze des Bandes noch nicht klar. Auf einer längeren (!) Strecke hätte diese Schreibweise durchaus ihren Reiz entwickeln können. Aber hier gibt es einfach zu wenig, das das Ganze wirklich "trägt". Weder die politische Lage in Vietnam, noch die persönliche Geschichte der Protagonistin, noch das Kochen, noch die angepriesene Liebesgeschichte werden wirklich "erzählt". Alles nur angedeutet. Das Ende habe ich zudem als hektisch und unlogisch empfunden.

Die Idee mit den vietnamesischen Vokabeln am Rand, die zudem noch zum Inhalt der Abschnitte passen, war ganz nett. Allerdings werden dadurch auch wieder Seiten geschunden...

Einzig und allein die Sprache hat mich an dem Buch wirklich beeindruckt. Ich glaube durchaus, dass die Autorin schreiben kann, dass sie Talent hat. Aber mir ist insgesamt einfach nicht klar, was mir dieses Büchlein sagen will. Schade.


The Minor Adjustment Beauty Salon: The No. 1 Ladies' Detective Agency, Book 14
The Minor Adjustment Beauty Salon: The No. 1 Ladies' Detective Agency, Book 14
von Alexander McCall Smith
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warm-hearted and funny as ever, 31. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zugegeben, ich habe zunehmend Schwierigkeiten damit, die Bücher um die "N° 1 Ladies' Detective Agency" als Krimis zu bezeichnen. Ich fühle mich vielmehr wie im Kreis einer wohlvertrauten Familie, mit denen ich Sorgen und Nöte, aber auch Lachen teile.

Auch dieser Band ist wieder mit viel Herzblut geschrieben. Mma Makutsi, um Band 12 herum erst glücklich verheiratet, wird in diesem Buch schwanger und bekommt ein Baby. Doch sogleich mischt sich die altbekannte, verhasste Tante ihres Ehemannes in den Haushalt ein... und auch hier trägt Mma Ramotswe, die Detektivin, wieder zur "Lösung" bei.

Doch das ist nur einer ihrer "Fälle" in diesem Buch. Ein gerade neu eröffneter Schönheitssalon wird verleumdet; und auch bei einer zu machenden Erbschaft eines stadtbekannten Farmers scheint nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Ist der Neffe Liso wirklich der Neffe des verstorbenen Rra Edgar? Wer hat sonst ein Interesse daran, die Farm zu erben? Oder gibt es gar ein düsteres Familiengeheimnis...?

Wie immer bei Mma Ramotswe, besteht sicherlich die Hälfte des Buches einfach aus der Fortführung der Geschichten und Anekdoten rund um die teilnehmenden Figuren, und zur anderen Hälfte aus den eigentlichen "Ermittlungen". Die Mischung ist dabei genau so getroffen, dass man sich fühlt wie an einem heißen Tag mit guten Freunden beim Tee! Unerfahrene Leser könnten das beschaulich oder langweilig finden. Ich finde es zauberhaft!

In jedem Kapitel gibt es Sätze, die ich mir unterstrichen habe. Das Buch transportiert nämlich, wie alle seine Vorgänger auch, wieder einmal bergeweise Lebensweisheiten rund um das Leben, insbesondere das Leben in Afrika. Um Männer und Frauen. Und um den Umgang mit schwierigen Mitmenschen. Man kann es also auch als "reinen Roman" mit Gewinn lesen.

Wunderbar auch die Gabe des Autors, immer wieder Szenen mit schreiender Situationskomik zu erfinden! Zum Beispiel Mma Ramotswe nach einem Regenguss im Matsch. Oder die ungeliebte Tante auf der Flucht vor einer Schlange. Oder... oder...! Wirklich köstlich!

Eine einzige Einschränkung: diese Bücher liest man wahrscheinlich am besten der Reihe nach. Sonst gehen einem zu viele Anspielungen aus vorherigen Bänden verloren. Insgesamt aber ist auch dieses Buch wieder wunderbar leicht, aber nicht flach, zu lesen gewesen. Alexander McCall Smith schreibt eines der schönsten "Englische", die ich überhaupt kenne. Und er liebt seine Figuren. Ein warmherziger Hochgenuss!


Das Krokodil (Lojacono ermittelt in Neapel, Band 1)
Das Krokodil (Lojacono ermittelt in Neapel, Band 1)
von Maurizio de Giovanni
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Überraschung aus Italien, 29. März 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ich muss wirklich sagen, dass mich Italien als Literaturland in letzter Zeit immer wieder überrascht. Man kennt hierzulande viel zu wenig, und wenn dann mal etwas herüberschwappt, droht es im Wust der Neuerscheinungen unterzugehen. Diesen Autor kannte ich bislang nicht, wünsche mir aber, in Zukunft noch sehr viel mehr von ihm zu lesen!

In gewisser Weise ist es ein klassischer Krimi, und man kann auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu fassen bekommen, was das Besondere daran war. Ich würde es mal vorsichtig so zusammenfassen: Das Buch besticht durch einen ausgeklügelten Spannungsbogen, durch glaubwürdige Charaktere, teils sehr denkwürdige Dialoge, eine gehörige Portion Selbstironie der Polizei und Italien gegenüber, und - ganz einfach großes schriftstellerisches Talent. So einfach ist das...!

Wie schon öfter in italienischen Krimis, ist mir hier der teilweise grob flapsige Umgangston unter Angehörigen der Polizei aufgefallen. Das war aber durchaus sehr angenehm! Da gibt es z. B. den etwas tumben Giuffrè, mit dem sich unser Kommissar Lojacono das Büro teilt. Dieser erdreistet sich sogar, seinem Chef Vorhaltungen in Bezug auf den Umgang mit Zeugen zu machen! Und ihn auf Fehler in der Grammatik hinzuweisen! Das alles aber von seiten des Autors mit einer gehörigen Portion Augenzwinkern. Ich habe mich wirklich oft köstlich amüsiert! Und dann auch noch die selbstironischen Vergleiche mit Montalbano... der seinen etwas dämlichen Untergebenen, Catarello, ja auch immer zusammenstaucht...

Den Spannungsbogen habe ich wirklich als einzigartig empfunden. Denn er wartet mit einer besonderen Überraschung auf. Bis zu zwei Dritteln des Buches hat man - bzw. habe ich - als Leser eine völlig falsche logische Verknüpfung zwischen gewissen Szenen angenommen. Und ab der "Auflösung" dieses kleinen logischen Knäuels ging es nur noch rasant weiter. Es stellte sich heraus, dass... dann doch alles mit der Vergangenheit zu tun hatte... Der Showdown kann es mit den ausgebufftesten Thrillern aufnehmen. Mir hat es vor Gruseln die Sprache verschlagen, denn alles geht sehr haarscharf aus...

Was übrigens auch ein sehr guter Punkt war! Der Fall wird am Ende zwar gelöst, aber verhindert oder behoben ist damit gar nichts. Eher im Gegenteil. Auf eine gewisse Art hat der Verbrecher gewonnen - was man hier unmöglich beschreiben kann. Also alles für die Katz? Ja und Nein. Denn immerhin durfte Kommissar Lojacono durch diesen Fall sein Image und seinen Ruf korrigieren. Und es zeigen sich auch ganz zarte Anzeichen für eine optimistischere Zukunft. Zum Glück wurde das nicht platt ausgewalzt, nur angedeutet.

Ich bin wirklich durch und durch begeistert! Auch und gerade von der Sprache, die immer mal wieder mit Passagen aufwartete, die man sich am liebsten abschreiben würde. Hätte ich in einem Krimi nie im Leben erwartet. Von mir gibt es für dieses gelungene Buch einen deutlichen "Daumen hoch!" und eine klare Lese-Empfehlung.


Salvation of a Saint (English Edition)
Salvation of a Saint (English Edition)
Preis: EUR 6,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The perfect crime - and the perfect crime novel..., 10. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich bin ja wirklich zurückhaltend, was die Verwendung des Adjektivs "perfekt" angeht. Aber in diesem Fall ist das beinahe schon untertrieben! Flawless, impeccable, coolly elegant - all das trifft es auch. Ich bin wirklich begeistert! Keigo Higashino zeigt hier mal wieder auf die japanische Art, wie man den guten alten Krimi gründlich aufmöbeln kann.

Besonders gefallen hat mir, dass das Buch sozusagen "indirekt" anfängt. Man bekommt zu Beginn einen Streit mit. Und fast in der nächsten Szene wird auch schon die Leiche gefunden. Von da an rätselt man mit Kommissar Kusanagi - es muss doch die Ehefrau gewesen sein, oder? Aber sie war doch mehrere hundert Kilometer entfernt??

Wieder einmal ist es Professor Yukawa, der seinem alten Kumpel auf die Sprünge hilft. Allerdings wird er erst auf Drängen der cleveren Polizistin Utsumi hinzugezogen! Diese Frau hat mir übrigens auch sehr gut gefallen, weil sie z.B. viel eher als Kusanagi seine Gefühle für die Hauptverdächtige durchschaut...

Das Buch setzt sich zusammen wie ein Puzzle, beinahe quälend langsam, Beweisstück für Beweisstück. Man sitzt auf der Kante des Sessels und mag nicht mehr aufhören mit lesen. Aber es handelt sich eben um keine blutrünstige Spannung, sondern um beinahe lupenreinen Intellekt. Gerade das ist für mich das Faszinosum an Keigo Higashino!

Ich finde auch, dass sich die englische Sprache sehr anbietet für eine Übersetzung aus dem Japanischen. Ich habe kein einziges Wort nachschlagen müssen. Das Englische ist dem Japanischen scheinbar näher als das Deutsche - es hat ebenso einen Hang zur nüchternen Sachlichkeit, und zur distanzierten Höflichkeit. Es hat auf mich fast nicht wie eine Übersetzung gewirkt.

Ich kann das Buch wieder mal wärmstens empfehlen - sowohl an Krimi-Fans, als auch an Liebhaber japanischer Literatur.


Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Joe R. Lansdale
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Auch als reiner Roman ein Volltreffer, 28. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Ein feiner dunkler Riss": selten habe ich einen Buchtitel erlebt, der besser zum Inhalt gepasst hätte. Wir befinden uns im Texas der späten 50er Jahre, und der 13jährige Stan ist bislang sehr behütet herangewachsen. Doch in diesem überaus heißen Sommer soll sich das ändern: durch einen "feinen dunklen Riss" verändert sich sein Horizont, sickert so langsam die Wirklichkeit in seine Wahrnehmung durch. In diesem Sommer wird Stan ein Stück weit erwachsen. Und einen 20 Jahre alten Kriminalfall löst er nebenbei auch noch.

Dabei wird er unterstützt von seiner älteren Schwester Callie, aber auch von dem über 70jährigen Farbigen Buster. Es sind keine konsequenten Ermittlungen wie in einem neuzeitlichen Detektivroman - es ist eher ein Erkunden der gar nicht so idyllischen Fassade einer Kleinstadt. Die Ermittlungen im "Fall" der beiden ermordeten Mädchen sind für Stan mindestens ebenso sehr eine Reise in die Welt der Erwachsenen.

Und genau das hat mir an diesem Buch so grandios gefallen: dass es nämlich auf mehr als einer Ebene funktioniert! Selbst jetzt, wo ich nun die Auflösung des Falles kenne, könnte ich das Buch mit Genuss erneut lesen. Denn es ist nicht nur Krimi, sondern auch "coming-of-age"-Geschichte, Initiation und Verlust der Unschuld. Stan weiß am Ende, warum und wie die Verhältnisse zwischen Schwarzen und Weißen so sind, wie sie sind. Warum manche Eltern ihre Kinder prügeln. Und was zwischen Mann und Frau so alles passieren kann...!

Ich habe mich förmlich nach Texas versetzt gefühlt, atmete den Staub der Straßen, sah die pomadigen Haare der Teenager, hörte die Jukeboxen, roch die Milchshakes aus den Drugstores. Und ein Stück weit konnte ich alle, ausnahmslos alle, Protagonisten verstehen: selbst den reichen Industriellen, selbst den prügelnden Vater, selbst die farbige Haushaltshilfe, die an ihrem versoffenen Geliebten hängt. Joe R. Lansdale gelingt hier ein ziemliches Kunststück: obwohl sein Stil sicher nicht an den Rang und die Gesellschaftskritik eines Mark Twain oder einer Harper Lee heranreicht, ist dies für mich weit mehr als ein Unterhaltungsroman. Es ist ein Zeitporträt, das sehr lebendig gelungen ist.

Das Allerbeste für mich: die ständig vorhandene unterschwellige Komik! Kaum zu glauben, aber die teilweise doch knochentrocken-ironischen Gespräche zwischen Stan und Buster haben mir mehr als nur einen Schmunzler entlockt. Überhaupt hat die Sprache für mich sehr viel Atmosphäre aufgebaut, insbesondere die Sprache der Farbigen! Eine großartige Leistung der Übersetzerin! (Es würde sicherlich lohnend sein, sich auch noch die Originalversion zu gönnen...!)

Insgesamt kann ich dieses Buch mehreren Gruppen von Lesern wärmstens empfehlen: sowohl Krimi-Liebhabern, als auch Fans der "klassischen" amerikanischen Literatur, die sich in die 50er Jahre versetzen lassen wollen.


Stone Bruises
Stone Bruises
von Simon Beckett
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen ...der werfe den ersten Stein, 24. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Stone Bruises (Gebundene Ausgabe)
Vielfach hört man von Lesern, dies sei "kein typischer Beckett". Doch was ist eigentlich ein "typischer Beckett"? Die Bücher, mit denen er hierzulande bekannt wurde - die Reihe um David Hunter - waren nicht seine ersten - was manch ein Leser nicht wissen wird. Es waren nur die ersten, die Erfolg hatten. Schon früher hat sich Beckett mehr in Richtung "psychologisch subtiler Spannung" versucht. Im Grunde kehrt er mit diesem Werk wohl zu diesen Ursprüngen zurück.

Unbestreitbar ist für mich, dass er ein großartiges Händchen dafür hat, Stimmungen zu erzeugen! In diesem Buch ist es ihm unnachahmlich gelungen, die Enge und bedrückende Atmosphäre auf einem abgeschiedenen Bauernhof mitten im ländlichen Frankreich zu schildern. Und noch dazu dieser heiße Sommer! Als Leser schwitzt und leidet man mit Sean, dem Protagonisten, und hängt auf diesem Bauernhof fest.

"Spannung" muss man für dieses Buch wohl neu und anders definieren. Die eigentliche Handlung spielt sich im Kopf des Lesers ab. Vordergründig passiert nicht viel - aber die ganze Zeit fragt man sich, worum es eigentlich hier geht. Wer gehört zu den Guten, wer zu den Bösen? Wird das Ganze in einer Katastrophe enden? Und - wann geschieht endlich ein Verbrechen? Oder liegt das in der Vergangenheit?

Gut gemacht ist auch die Tatsache, dass Sean den Leser als Erzähler an die Hand nimmt, und durchweg im Präsens erzählt. Man ist also zu keinem Zeitpunkt weiter oder schlauer als der Held, was einen nicht unwesentlichen Teil der Beklemmung ausmacht. Hinzu kommen die Rückblenden in Seans Londoner Vergangenheit, die geradezu aufreizend langsam portioniert sind. Am Ende kommt alles zusammen, und entlädt sich - im wahrsten Sinne - in einem filmreifen Showdown. Und dabei gewittert es auch noch...!

Getragen wurde das Buch also über weite Strecken von den Erwartungshaltungen, die man als Leser entwickelte. Und natürlich von der Sprache! Ich muss wirklich sagen, dass Becketts Englisch ein Genuss ist, sehr britisch, sehr flüssig, und auch nicht ohne ironische Einsprengsel. Ich frage mich, ob das Buch in der deutschen Übersetzung überhaupt eine solche Faszination für mich gehabt hätte - es könnte sicher leicht langweilig wirken.

Einen Punkt Abzug gibt es von mir nur, weil ich letztlich nicht alle Beweggründe aller Beteiligten nachvollziehen konnte. Und auch der Epilog war für mich ein klein wenig überflüssig - ich bin bei Krimis und Thrillern eher für das klassische "Understatement". Nun ja. Insgesamt finde ich das Buch durchaus gelungen - würde es nur keinem beinharten Thriller-Fan empfehlen.


Die Engelmacherin: Kriminalroman (Ein Falck-Hedström-Krimi, Band 8)
Die Engelmacherin: Kriminalroman (Ein Falck-Hedström-Krimi, Band 8)
von Camilla Läckberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kratzer im Lack(berg), 18. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist sicherlich gute, routiniert geschriebene Kriminalunterhaltung. Immerhin ist es der 8. Band rund um den Ermittler Patrik Hedström und seine Ehefrau Erica Falck, die Schriftstellerin. Hier liegt auch die große Stärke der Autorin: sie begleitet ihre Figuren wieder mit viel Herz, und langjährige Fans der Reihe werden eine wahre Freude an so mancher Weiterentwicklung haben. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frau Läckberg hier inhaltlich ein klein wenig "zu viel" gewollt hat. Von der Handlung her bin ich nicht restlos überzeugt.

Oder habe ich nur zu viel von ihr in zu kurzer Zeit hintereinander weg gelesen? Sie wendet jedenfalls ihr bewährtes Rezept an: Ein aktuelles, mysteriöses Geschehen in der Gegenwart, das offensichtlich Gründe weit in der Vergangenheit hat. Eine kriselnde Ehe, eine kaputte Familie. Tod und Verlust. Und ständige Rückblenden in so eine Art "Tagebuch", die sich mit den wiederum zahlreichen Perspektiven der Gegenwart abwechseln.

Es fängt schon damit an zu kriseln, dass man zu Beginn als Leser nicht genau weiß, um welches Verbrechen es eigentlich geht. Um den Brandanschlag auf das Ehepaar Marten und Ebba? Oder doch um das nie geklärte Verschwinden von Ebbas Familie vor 30 Jahren? Das Buch kommt relativ langsam in die Gänge, und es dauert sicherlich mehr als ein Drittel, bis dem Leser klar wird, dass doch eine Verbindung zwischen diesen Fällen bestehen könnte.

Zweiter Stolperstein: an jenem mysteriösen Ostersamstag vor 30 Jahren wurde auch eine "Bande" von 5 Jungen verhört, 5 Freunde, denen man nie nachweisen konnte, dass sie etwas mit dem Verschwinden der Familie zu tun hatten. Die Autorin verlegt tatsächlich für jeden Einzelnen von ihnen einen Erzählstrang in die Gegenwart! Das kann man sicherlich dramaturgisch begründen - mir hat es aber den Einstieg in das Buch zusätzlich erschwert, weil ich so viele Namen und Lebensgeschichten im Auge behalten musste. Ich persönlich hätte hier auf manches verzichten können.

Und drittens fühlte sich Frau Läckberg bemüßigt, neben dem Auslöschen einer ganzen Familie auch noch politische Themen in das Buch einzuflechten. Denn einer der fünf Jungs von damals ist rechtsextremer Politiker geworden. Ob das nun wirklich sein musste...? Sicher ergeben sich dadurch (teils ungewollte) Parallelen zu aktuellen Geschehnissen, und ich will auch nicht bestreiten, dass Rechtsextremismus nach wie vor existiert. Aber was Krimis betrifft, bin ich eigentlich Purist - weniger ist oft mehr. Mir hätte die Familiengeschichte gereicht!

Noch so ein Punkt - die Rückblenden in die Geschehnisse ab 1908. Hier wurde doch manches extrem dick aufgetragen. Ich fand vor allem die psychischen Spätfolgen eher unglaubwürdig. Sicher hatten auch in Schweden so manche einfachen Mädchen Verhältnisse mit deutschen Soldaten. Aber mit diesen Auswirkungen...? Ich weiß einfach nicht.

Dennoch verleihe ich letzten Endes vier sehr wohlwollende Sterne. Das liegt einfach daran, dass der Spannungsbogen im letzten Drittel noch einmal gehörig anzieht, und das Buch endlich seinem Status als "Krimi" gerecht wird. Außerdem bin ich der Meinung, dass es von Band zu Band immer mehr um Patrik, Erica und ihre Familie geht. Hier ist die Autorin einfach unübertroffen; sie schildert ein chaotisches Familienleben mit kleinen Kindern und zwei berufstätigen Eltern wirklich mit Herzblut, sehr authentisch und lebensnah.

Camilla Läckberg ist eben Camilla Läckberg! Ihren Fans kann man diesen Band getrost empfehlen. Neulingen auch, sofern sie sich auf eine verzwickte Erzählweise einstellen können.


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