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Rezensionen verfasst von
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate: A Trip Through Death, Sex, Divorce, and Spiritual Celebrity in Search of the True Dharma
Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate: A Trip Through Death, Sex, Divorce, and Spiritual Celebrity in Search of the True Dharma
von Brad Warner
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,29

5.0 von 5 Sternen Ein ziemlich irrer Trip, 29. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Untertitel lautet "A trip through death, sex, divorce, and spiritual celebrity in search of the true dharma". Ein wenig vollmundig. Aber ein "Trip", jawohl, das ist dieses Buch nun wirklich! Ein ziemlich irrer sogar.
Der Titel des Buches ist allerdings ein wenig irreführend. "Wrapped in Karma, Dipped in Chocolate" - der Autor gibt selber zu, diese Zeile teils der Werbewirksamkeit wegen anderswo entlehnt zu haben.

Aber teilweise stimmt es dann eben doch wieder: der Autor ist ein bekannter amerikanischer Zen- und Meditationslehrer, Punkrock-Musiker (!), und allgemein eher Lebenskünstler. Er beschreibt in diesem Buch ein ganzes Jahr seines Lebens, und zwar das für ihn desaströse 2007. Er verlor nacheinander erst seine Mutter, dann seine Großmutter, seinen Job, und seine Ehefrau (als Ehefrau). Und inmitten all diesen privaten Getümmels ging er seinen zahlreichen Verpflichtungen als Zen-Lehrer nach, leitete Retreats und gab Vorträge.

Das Spezielle an diesem Buch ist nun, dass er jede Gelegenheit ergreift, auf den Zen-Bezug in seinem Leben einzugehen. Und das wirkt nicht gekünstelt, sondern absolut überzeugend, und imme "aus dem Leben gegriffen". Als Mutter und Großmutter sterben, schreibt er z. B. Einschübe über die Sicht auf Tod und Leben im Zen. Als er eine Affäre hat (jawohl!), beschreibt er seine persönliche, durch jahrzehntelange Zen-Praxis gefärbte Haltung zu Sex und Liebe. Und als er seinen Job zu verlieren droht, geht es um "rechten Lebenserwerb" aus buddhistischer Perspektive.

Das Buch ist also ein Mittelding zwischen einjähriger Biographie, ja sogar Tagebuch, und reinem Sachbuch. Der Begriff "Trip" bietet sich dabei schon deshalb an, weil das Ganze eine unglaublich respektlose, bunte und schillernde Mischung ist - aber auch, weil Brad Warner viel um die Welt reist.

Die Idee zu diesem Buch kam ihm mitten in einer schwierigen Meditationsklausur - mitten im größten Chaos seines Lebens. Insofern kann man das Buch sicher auch als Versuch verstehen, sich selbst zu "therapieren", und sich etwas von der Seele zu schreiben. Allerdings genoss er schon einen gewissen Bekanntheitsgrad als Autor, und konnte sich sicher sein, dass dieses Buch gedruckt werden würde. (Band 1: "Hardcore Zen", Band 2 "Shut up and sit down").

Meine persönliche Meinung? Für ein allgemeines, nicht-buddhistisches Lesepublikum finde ich das Buch nur bedingt geeignet. Obwohl ich persönlich es großartig fand! Aber Brad Warner hält sich einfach nicht lange mit Vorreden und Erklärungen auf. Er schreibt knackig, präzise, und immer auch ein wenig provokant. Für grundlegendere Informationen verweist er selber auf seine ersten beiden Bücher.

Die Würze der Lektüre liegt nun darin, genau diese (absichtlichen) Provokationen und Bezüge zu aktuell in der buddhistischen Welt kursierenden Themen und Skandalen zu erkennen und zu genießen. Brad Warner schlachtet hier so einige "heilige Kühe", was ich ungeheuer mutig, aber eben auch authentisch fand. Es geht allerdings über weite Strecken schon um Insider-Wissen. Man sollte z. B. von Zen-Meister Dogen und dem "Shobogenzo" schon einmal gehört haben, ebenso von der Unterscheidung zwischen Soto- und Rinzai-Zen. Sonst wird man schnell verwirrt.

Auch von der Sprache sollte man sich nicht abschrecken lassen. Brad Warner schreibt in reinster Umgangssprache, teils drastisch und deftig, aber immer lebendig und mit Themenbezug. Wer im Englischen, zumal im amerikanischen Englisch, nicht so sattelfest ist, sollte lieber zu einer Übersetzung greifen.

Brad Warner ist zweifellos eine Klasse für sich! Mir hat er mit seiner respektlosen, derben Art aber auch Mut gemacht. Es darf eben jeder Buddhist sein, auch ein Skeptiker, Draufgänger und "Berufsjugendlicher". Von mir volle 5 Sterne für eine gelungene Mischung aus Tagebuch, Information, Unterhaltung, Authentizität und Lebenshunger!


Schamland: Die Armut mitten unter uns
Schamland: Die Armut mitten unter uns
von Stefan Selke
  Gebundene Ausgabe

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anspruchsvoller Blick hinter die Kulissen, 22. April 2013
Ich hatte mich aus mehreren Gründen sehr für dieses Buch interessiert. Erstens wächst seit Jahren mein Interesse an gut gemachten Sachbüchern, und zweitens finde ich, dass das Thema "Armut in Deutschland" viel zu sehr unter den Teppich gekehrt wird. Ich lese zudem gerne Bücher, die mich zum Nachdenken zwingen. Trotzdem möchte ich dem Buch nur drei Sterne geben, was aber weniger am Inhalt liegt. Doch von vorn.

Keine Frage, die Thesen und Inhalte, die der Soziologe Stefan Selke hier anspricht, sind brisant und überfällig. Armut ist in Deutschland ein echtes Thema geworden, ebenso die Spaltung der Gesellschaft in 2 Klassen, sowie die teils sinnlos um sich greifende Mildtätigkeitseuphorie. Der Autor konnte mich ferner von der Ernsthaftigkeit seiner Absicht überzeugen - im Vorwort beschreibt er ausführlich, dass er keine Lösungen zu bieten habe, sich aber seit Jahren mit den "Tafeln" etc. beschäftige, und zum Nachdenken anregen wolle. So weit, so gut.

Dennoch finde ich das Buch als Produkt, als gemachtes Werk, teils ein wenig sperrig. Ich habe mich manchmal gefragt, wer denn das lesen soll - der typische Durchschnittsleser bestimmt nicht. Denn obwohl der Autor im Prolog beteuert, auf "Soziologensprache" verzichten zu wollen, kann er offenbar einfach nicht aus seiner Haut. Man merkt auf jeder Seite, dass er Akademiker ist, und dass er es gewöhnt ist, vor Publikum zu reden. Genau danach klingt nämlich auch die Sprache in diesem Buch.

Der Prolog, sowie weite Teile des Buches, lesen sich wie eine typische Abhandlung in einer akademischen Festschrift. Der Autor verkneift sich zwar weitestgehend Fachtermini, aber der Satzbau ist weit ausholend, viele Passagen und Formulierungen wiederholen sich, und auch die gewählten Metaphern und Bilder klingen eher nach jemandem, der an einer Podiumsdiskussion teilnimmt. Zudem wimmelt es von Fußnoten, Anhängen und Zitaten von Fachkollegen. Der Soziologe XY habe hier festgestellt, die ForscherinYZ habe da und dort dies geschrieben, der Publizist ABC meine dies und jenes, und so fort. Puh! In einem Aufsatz mag das alles ja noch angehen, aber in einem Buch, das in einem allgemeinen Publikumsverlag erscheint, finde ich diese Vorgehensweise teils verfehlt.

Zudem finde ich den Aufbau des Buches nicht wirklich geglückt. Einen Prolog zu schreiben, ist üblich und angemessen. Darauf folgen erstens ein Abschnitt mit Fallbeispielen unverschuldet in Armut geratener Menschen, danach eine stilistisch gewagte "Collage": aus lauter Zitaten hat der Autor hier einen "Chor der Tafelnutzer" zusammengeschnitten. Doch - danach wiederum zwei Abschnitte in teils verstiegener Sprache, die einerseits auf historische Hintergründe von Armut eingehen, andererseits Folgen der gegenwärtigen Entwicklung aufzeigen. Das alles kam schon im Prolog ausreichend vor! Zumindest für meinen Geschmack. Man hätte lieber nur einen (!) theoretischen Teil anfertigen sollen, und danach dann die Fallbeispiele und die Collage.

Es ist einfach kein Buch, das sich leicht herunterlesen lässt. Oder, anders gesagt: um ausreichend Menschen mit diesem Buch zu "erreichen", um eine Diskussion in Gang zu bringen, ist das Buch nicht eingängig genug geschrieben. Wobei ich noch einmal betonen möchte, dass ich nicht (!) den Inhalt und die Absicht des Autors meine, sehr wohl aber seinen Schreibstil und den Aufbau. Ich finde das, was er eigentlich sagen will, mutig und bedenkenswert. Doch für mich hätten dafür auch 100 Seiten gereicht.


Die nachhaltige Pflege von Holzböden
Die nachhaltige Pflege von Holzböden
von Will Wiles
  Broschiert

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Klavier, ein Klavier, 18. April 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
So, die kleine Verbeugung in Richtung Loriot konnte ich mir in der Titelzeile nicht verkneifen. Denn in der Tat ist die Idee, die diesem Buch zugrunde liegt, ganz ähnlich wie ein Loriot-Sketch - ein eher chaotischer und trinkfester Möchtegern-Schriftsteller soll auf die Luxuswohnung seines ehemaligen Studienkollegen aufpassen. Laut Klappentext und Werbekampagne soll nun dabei so etwas wie "schwarzer britischer Humor" herauskommen. Tut es das auch? Jein!

Ich persönlich hatte den Eindruck, dass man dem Buch sehr anmerkt, dass es ein Erstlingswerk ist. Der Autor muss sich erst noch dazu durchringen, einen wirklich überzeugenden Plot zu fabrizieren. Er macht gute Anläufe, manche Szenen und Formulierungen sind wirklich nett. Aber auf Buchlänge geht ihm doch die Puste aus.

Ob es an mir und meinem Sinn von Humor liegt? Vieles fand ich einfach nicht wirklich witzig, eher befremdlich bis erschreckend. Ich bin tierlieb und trinke eher in Maßen - zwei schlechte Voraussetzungen, um die hier vertretene Art von "Humor" zu mögen...!

Ich hatte auch oft das Gefühl, der Autor hat das Buch mit Kapiteln einfach nur "füllen" wollen. So macht der Protagonist öfters Ausflüge in die Stadt, die erstens eher skurril sind, und zweitens der Handlung absolut nichts bringen. Manche der Episoden lasen sich für mich wie frisch aus einer Kafka-Lektüre!

Ein großer Schwachpunkt ist für mich auch das Ende, die Auflösung. Laut Klappentext "geht alles gut aus". Das ist wohl ein dehnbarer Begriff. Für mich geht gar nichts gut aus, es endet einfach nur. Die Auflösung hat für mich nicht zum Charakter des Eigentümers der Wohnung gepasst, wie ich ihn verstanden hatte.

Dennoch will ich das Buch nicht grundsätzlich schlechtreden. Man kann es sicher lesen, schon allein um der sprachlichen Fabulierfreude des Autors willen. Er hat ein Händchen für architektonische Details, für Einrichtungen und Stimmungen. Er hat einen guten Sinn für Wortspiele. Aber einen guten Sinn für überzeugende Geschichten...? Eher nein.


Ein Lied über der Stadt
Ein Lied über der Stadt
von Ewald Arenz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Buch über eine mutige junge Frau, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Ein Lied über der Stadt (Gebundene Ausgabe)
"Fictions are lies that tell the truth." Dieser Satz fiel in einem literarischen Interview zwischen Salman Rushdie und einem Literaturwissenschaftler - und selten war er so wahr wie hier. Denn obwohl dieses Buch die fiktionale Lebensgeschichte einer mutigen jungen Frau erzählt, atmet es Wahrheit auf jeder Seite. Die Wahrheit, wie es sein konnte, dass der Nationalsozialismus ein ganzes Volk vergiftete. Die Wahrheit, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen. Und die Wahrheit, dass Liebe letztlich das Einzige ist, was dem Leben Sinn gibt.

Inhaltlich möchte ich das Buch gar nicht weiter zerreden. Denn diese Geschichte verdient es, selber "erlesen" zu werden. Nur grob so viel: Das Buch spielt während der Jahre 1929 bis ca. 1935 in Deutschland, zur Zeit der Machtergreifung also. Es geht um die Pfarrerstochter Luise Anding, die ihren Lebenstraum vom Fliegen verwirklichen möchte - und die sich am Ende vor eine fürchterliche Entscheidung gestellt sieht...

So vieles hat mich an diesem Buch berührt, und im Innersten getroffen, dass ich es beinahe nicht aufzählen kann. Da ist einerseits die wirklich großartig getroffene Atmosphäre in einer eher verbohrten, fränkischen Kleinstadt. Die engstirnige Mentalität, die Bigotterie, die Mitläufer. Und mittendrin der unkonventionelle Pfarrer mit seiner Familie.

Die Sprache ist durchgehend auf sehr hohem Niveau - obwohl die Sätze oft nicht einmal kompliziert oder verschachtelt sind. Doch erstens hat der Autor eine wunderbare Balance gefunden zwischen Lesbarkeit, und der damaligen Zeit angemessener Ausdrucksweise. Und zweitens ist das Buch voll von atmosphärisch wunderschönen Passagen. Düfte, die aus Küchen wehen. Sommertage, die des Lesers Nase umspielen. Und natürlich die Freiheit und Sehnsucht, die beim Fliegen mitschwingen...

Das Buch ist eine wirklich perfekt gelungene Mischung. Einerseits die Lebensgeschichte von Luise, andererseits eine fast sozialwissenschaftliche Analyse einer dunklen Zeit in Deutschland. Beides wirkt lebendig, beides wirkt organisch miteinander verbunden. Hinzu kommt die Tatsache, dass wirklich jede Figur im Buch, bis hin zum kleinsten Nebencharakter, "echt" wirkt und vom Autor mit Liebe gestaltet wurde.

Selten habe ich ein Buch gelesen, das so lange in mir nachhallt. Für mich steht es mindestens auf demselben Niveau wie "Jakob, der Lügner", was bei mir schon etwas heißen will. Ich empfehle es unbedingt jedem, der sowohl eine packende Geschichte sucht, als auch sich über die damalige Zeit informieren will. Fünf Sterne sind eigentlich zu wenig.


Die Welt ist im Kopf (detebe)
Die Welt ist im Kopf (detebe)
von Christoph Poschenrieder
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschliches, Allzumenschliches, 7. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Welt ist im Kopf (detebe) (Taschenbuch)
Dieses Buch verträgt ganz und gar keine Eile. Ich war froh, dass ich im Urlaub genügend Zeit dafür hatte. Schon allein aufgrund der gehobenen Sprache, aber auch aufgrund des Themas (Schopenhauer und seine Philosophie) benötigt es Muße, und den Willen, zu verstehen.

Das Buch ist in meinen Augen mindestens "seelenverwandt" mit der "Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Obwohl Christoph Poschenrieder weniger zu Slapstick neigt als sein berühmter Kollege. Aber auch er verfolgt das Rezept, eine fiktionalisierte und humorig aufbereitete Episode aus dem Leben einer berühmten Persönlichkeit zu schildern.

Der Leser begleitet den Philosophen Arthur Schopenhauer vor und während seiner Reise nach Venedig - also um die Zeit der Veröffentlichung seines berühmtesten Werkes herum, "Die Welt als Wille und Vorstellung" (welches damals jedoch zunächst nahezu unbeachtet blieb). Das Buch ist dabei weniger auf "Handlung" ausgerichtet, als auf die Erhellung der Charaktereigenschaften von Schopenhauer. Gleichzeitig treten noch andere berühmte Personen auf, wie Goethe und Byron. Und auch die Bürokratie der damals noch existenten k.u.k.-Monarchie wird gehörig aufs Korn genommen.

Man muss schon eine Ader für diese Schreibweise haben. Wie gesagt, geht es weniger um "forlaufende Handlung". Das Buch besteht eher aus lauter kleinen, eigenwilligen, aber köstlich gestalteten "Miniaturen", kleinen Szenen, die unterschwellig durch einen roten Faden verbunden sind. Jedes Kapitelchen könnte also auch für sich stehen.

Es wird überwiegend Wert auf Humoriges gelegt, auf Eigenheiten der Personen, auf Macken, Marotten und Überspitzungen. Dies ist nur teils erfunden, der Autor hat, soweit möglich, auch seine erfundenen Episoden auf Wahrscheinlichem, auf Überlieferungen, gegründet. So weiß man z. B. von Zeitgenossen, dass Schopenhauer in der Tat eher grantig, aber dafür Tierfreund war. Dass Goethe sich in seine Farbenlehre "verbissen" hat. Und dass Byron für jeden Skandal gut war. Diese Überlieferungen treiben im Buch wirklich herrliche Blüten! Ich wurde auf hohem Niveau sehr gut unterhalten.

Gewöhnungsbedürftig ist sicher auch die Sprache. Reiche Bilder, kunstvoll gestaltete Sätze. Und, wie bei Daniel Kehlmann auch: die wörtliche Rede wurde so weit als möglich zurückgenommen. Es gibt keinerlei Anführungszeichen, höchstens Bindestriche oder Absätze. Ich fand das sehr schön - das hat zu einem ruhigeren Schriftbild und insgesamt "klassischem" Eindruck beigetragen.

Obwohl ich das Buch grandios fand, würde ich es also nur eingeschränkt empfehlen. An Leser mit zumindest einer Prise "klassischer" oder philosophischer Vorbildung. An Leser, die keine geläufige Unterhaltung erwarten. Und an Sprach-Fetischisten.


Frau Bengtsson geht zum Teufel: Roman
Frau Bengtsson geht zum Teufel: Roman
von Caroline L. Jensen
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Vergnügliche Provinzposse, 26. März 2013
Man sollte sicherlich keine Weltliteratur erwarten, wenn man zu diesem Buch greift. Was man aber sehr wohl erwarten kann und darf, ist gute Unterhaltung mit einer gehörigen Portion bitterbösem Witz und Hintersinn.

Ein wenig bekannt kam mir das alles ja vor. Eine Hausfrau wird, nach ihrem scheinbaren Ableben in der Badewanne, von Gott ins Leben zurückgeschickt. Aus lauter Zweifel fängt sie nun an, "seine" Existenz zu hinterfragen - und beginnt nun absichtlich, kräftig zu "sündigen", um ihn auf die Probe zu stellen. Dabei wird sie unterstützt vom Teufel höchstpersönlich, der in den Körper ihrer Nachbarin gefahren ist...

Der ganze Stil, und der rabenschwarze Humor, lassen doch bisweilen sehr an die besten Zeiten von Arto Paasilinna denken. Der hatte ja bereits mehrfach derlei Themen behandelt, u. a. im unvergleichlichen "Wunderbaren Massenselbstmord". Doch ich finde, man sollte die Autorin nicht darauf reduzieren. Was den besonderen Reiz der "Frau Bengtsson" ausmacht, sind etliche liebevolle, kleine Details.

Zuerst einmal: aus der theologischen Perspektive finde ich die behandelten Fragen durchaus reizvoll! Man muss kein Christ sein, um den Witz zu verstehen. Aber es werden durchaus hintersinnig Fragen gestellt, die nicht ohne Berechtigung sind. Die Gespräche zwischen Frau Bengtsson und ihrer Nachbarin (also dem Teufel) sind prallvoll von witzigen Momenten. Was ist Willensfreiheit? Warum hat Gott es nötig, Regeln aufzustellen? Was ist das überhaupt, "Sünde"? Besonders pikant finde ich auch die Tatsache, dass diese Nachbarin Theologiestudentin ist...

Ferner hat die Autorin ein wirkliches Händchen für Nebenfiguren, ja, für Charakterisierungen überhaupt. Der leicht senile Nachbar Rubin ist einfach nur köstlich! Ebenso der ein wenig tumbe Briefträger Beggo, der aus Tunesien stammt. Und nicht zuletzt: Herr (!) Bengtsson. Ihn fand ich fast interessanter als die Heldin selbst. Ich habe sehr geschmunzelt, wie hier gekonnt eine durchschnittliche Vorstadt-Ehe aufs Korn genommen wurde! Vieles ist festgefahren, aber irgendwie liebt man sich ja doch. Was habe ich gelacht, wenn Herr Bengtsson sich mal wieder durch eine der Tiraden seiner Frau hindurch lavierte...

Drittens hat die ganze Erzählung eine Meta-Ebene, die man beim Überfliegen leicht überlesen könnte. Im Grunde geht es nämlich gar nicht um Frau Bengtsson, sondern um ein Duell zwischen Gut und Böse, zwischen dem Allmächtigen und dem Leibhaftigen. Frau Bengtsson spielt dabei nur die Rolle einer Schachfigur, wobei die eigentlichen "Spieler" eine Etage höher sitzen. Das Ganze geht vielleicht ein wenig vorhersehbar aus, dennoch nicht ohne Überraschungseffekt. Zugunsten von wem? Das werde ich natürlich nicht verraten!

Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Wie gesagt, sollte man es nicht allzu sehr auf den Prüfstand von Realismus oder Wahrscheinlichkeit etc. stellen. Man sollte an die Lektüre mit einer offenen, humorvollen Einstellung gehen. Dann wird man aufs Beste unterhalten.


Null-Null-Siebzig: Agent an Bord: Kriminalroman
Null-Null-Siebzig: Agent an Bord: Kriminalroman
von Marlies Ferber
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mörder ahoi!, 20. März 2013
Dieses Buch habe ich mit großer Spannung gelesen - schon den ersten Band durfte ich in einer Leserunde genießen, und habe mich köstlich unterhalten gefühlt. Es war für mich überhaupt keine Frage, auch das zweite Abenteuer mit James und Sheila zu bestehen. Ich lege das Buch mit einem befriedigten Seufzer zur Seite, und freue mich schon jetzt auf den dritten Teil, der 2014 erscheinen soll, und wohl in China spielt.

Doch zum Buch selber. Muss man den ersten Band kennen? Jein! Es ist nicht unbedingt nötig, das nicht. Aber die Lektüre erhält einfach mehr Würze, wenn man die Anspielungen auf den letzten Fall versteht.

Ich würde auch eine kleine Einschränkung machen wollen. Ein ganz klassischer Krimi war dies für mich nicht. Oder es hat an meiner ganz persönlichen Aufmerksamkeit gelegen. Für mich jedenfalls standen eher die schrulligen Charaktere, die Wortgefechte, und natürlich das Verhältnis von James und Sheila im Vordergrund. Denn das macht - endlich! - eine Entwicklung durch.

Der Krimi-Anteil des Buches wird zu 2/3 eher gemächlich erzählt. Erst gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse fast, und die Auflösung war beim besten Willen nicht vorher zu erraten!
Mich hat das Buch kolossal an "Der Tod auf dem Nil" von Agatha Christie erinnert. Eine Kreuzfahrt, jede Menge Exzentriker, deren persönliche Verhältnisse verstrickt sind, und ein Erzähler und Beobachter, der den Leser an die Hand nimmt... und diese völlig überraschende Täterschaft... (ich werde nichts verraten!) Die ganze Atmosphäre "atmet" für mich Agatha Christie, und schon allein das hat in meinen Augen die Gemächlichkeit wieder aufgewogen.

Mein persönliches Fazit lautet: für Fans des ersten Bandes ein absolutes Muss. Für alle anderen Krimi-Liebhaber gebe ich eher eine eingeschränkte Empfehlung ab - denn man muss bereit sein, seine Erwartungen an blutige Spannung deutlich zu drosseln. Ansonsten gut erdachte und ausbalancierte Unterhaltung!


Inspektor Barney - Ein Hunde-Krimi, Band 01: Tatort Hühnerstall
Inspektor Barney - Ein Hunde-Krimi, Band 01: Tatort Hühnerstall
von Doreen Cronin
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wuff! Fall gelöst!, 19. März 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Wäre ich heute noch Kind und Leseanfänger, dann würde ich mir solche Bücher wünschen. Das Buch lässt sich in nur drei Worten zusammenfassen: einfach nur köstlich! Eine sehr liebevolle und augenzwinkernde Idee wurde gekonnt umgesetzt, was nicht zuletzt an den genialen Zeichnungen liegt. Doch von vorn.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Barney Bartholomäus Wuff geschrieben, Ex-Rettungshund im Ruhestand. Eines Tages steht die Henne Hetti vor ihm: zwei ihrer Küken sind verschwunden. Hetti ist hartnäckig, und Barneys Instinkte springen an. Was nun folgt, ist eine abwechslungsreiche Handlung voller Überraschungen, bei der selbst mir als Erwachsener die Lachtränen kamen.

Barney hat einen knochentrockenen Humor, und sein pragmatischer "Rettungs"-Stil kontrastiert hervorragend mit den eher kopflosen Hühnern. Manchmal würde ich sogar meinen, dass die bissige Ironie eher an einem Kind vorbeigeht... aber lustig ist es allemal. Doch selbst der ausgebuffte Retter wird in eine Falle gelockt, und alles kommt anders als erwartet. Doch, ganz kindgerecht, am Ende geht eben doch alles gut aus. Und man hat unter Umständen sogar etwas gelernt.

Wie gesagt, geben die genialen Illustrationen von Kevin Cornell dem Buch noch zusätzliche Würze. Sie unterstützen die Handlung optimal, und verdeutlichen die abstrusen Situationen.

Sehr schön finde ich auch, dass man sich aufgrund des eher offenen Endes noch weitere Bände vorstellen kann. Die würde ich auf jeden Fall auch lesen wollen! Ich empfehle das Buch wärmstens als Geschenk an junge Erstleser. Die Schrift ist groß, die Seitenzahl überschaubar, und die Handlung abwechslungsreich. Ein echter Glücksgriff unter den Kinderbüchern!


Die Regenbogentruppe: Roman
Die Regenbogentruppe: Roman
von Andrea Hirata
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Somewhere, over the rainbow..., 13. März 2013
Mein erster Eindruck hat mich wirklich nicht getrogen. Dieses Buch ist seine fünf Sterne mehr als wert! Ich möchte gerne öfter solche Bücher lesen - erstens ist es (zumindest halb) ein Sachbuch, und zweitens entführt es den Leser in ein fernes, armes, aber dennoch prallvoll lebendiges Land, in dem noch andere Werte zählen. In dem Freundschaften über ganze Lebensläufe entscheiden können. In dem Bildung noch kostbar ist. Und in dem ein Kind an nichts mehr hängt, als an seinen Träumen...

Andrea Hirata, gebürtiger Malaie aus Indonesien, hat in diesem Buch seiner ehemaligen Dorfschullehrerin, Bu Mus, ein liebevolles Denkmal gesetzt. Aber gleichzeitig hat er noch andere Dinge erschaffen: ein farbiges Panorama seiner eigenen Kindheit, ein Plädoyer für das Recht auf mehr Bildung für die Armen, einen Reiseführer Indonesien, und eine kulturhistorische Abhandlung über diesen Lebensraum. Man kann wirklich nicht sagen, wie der Umschlag behauptet, es handele sich hier um einen "Roman". Das Buch hat viele Anteile, und gerade das machte für mich den unwiderstehlichen Reiz bei der Lektüre aus!

"Die Regenbogentruppe", die dem Buch seinen Namen gab, das waren die zehn Schüler (darunter unser Autor), die nötig waren, um den Erhalt der Dorfschule in Belitung zu sichern. Der Autor verfremdet die Geschichte seiner Schuljahre etwas. So nennt er sich selber im Buch "Ikal". Manche Episoden haben außerdem geradezu märchenhafte und fantastische Untertöne - da gibt es schwebende Heilige, Krokodilmenschen, unheilvoll dräuende Gewitter, und Vorhersagen. Sehr unorthodox und lebendig! Außerdem gibt es erste Liebschaften, Rivalitäten, und soziale Umwälzungen. Auch Anklänge an bekannte Autoren findet man - ich persönlich zumindest habe mich u. a. an Salman Rushdie ("Mitternachtskinder") oder das "Fliegende Klassenzimmer" von Erich Kästner erinnert gefühlt. Doch dies nur als Hinweis an zukünftige Leser, womit sie eventuell zu rechnen haben.

Aus dem Gesagten wird ersichtlich, dass man auf keinen Fall einen "Roman" nach westlicher Machart erwarten darf! Viele Episoden bleiben auch ein wenig in der Schwebe, oder werden nur angerissen. Für mich hat das den Charme des Ganzen noch unterstrichen, da es eben nicht um Logik und letztes Hinterfragen ging.

Beinahe wäre ich über den Schluss ein wenig unglücklich gewesen. Denn die eigentliche Schilderung der Schuljahre endet ein wenig abrupt, und es folgt ein zurückblickender Teil "12 Jahre später". Und nicht alles ist gut ausgegangen... und nicht jeder hat aus der schwer erkämpften Schulbildung etwas machen können. Doch nach etwas Bedenkzeit finde ich, das ist wieder eine typisch westliche Denkart. Man erwartet ein "schönes Buch", eine stringente Erzählung, ein durchgestyltes literarisches Werk. Doch aus diesem Buch spricht vor allem nur eines: Ehrlichkeit. Und die Liebe zu den ehemaligen Freunden, und der Lehrerin.

Abschließend möchte ich das Buch sehr gerne weiterempfehlen. An Menschen, die sich noch gut an ihre eigene Kindheit und Schulzeit erinnern. An literarische Weltenbummler. Und an Leser, die sich für das Ungewöhnliche begeistern können.


Ring
Ring
Preis: EUR 11,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterschwelliger, japanischer Grusel, 4. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ring (Kindle Edition)
Ich muss mich erstmal sammeln - ich fand, dies war eine ganz außergewöhnliche Lektüre! Anders, als erwartet, aber unglaublich gut. Allerdings - wenn man den amerikanischen Aufguss als Film gesehen hat, so wie ich, dann geht man mit falschen Erwartungen an diese Story. Horror? Jein...! Ich finde vielmehr, dieses Buch ist eine Mischung aus Thriller und Detektivgeschichte. Der Horror spielt sich nur ganz unterschwellig im Kopf des Lesers ab - von daher fand ich den Vergleich mit "Blair Witch Project" sehr treffend. Da "sieht" man ja auch denkbar wenig, gruselt sich aber trotzdem fast zu Tode.

Der Journalist Asakawa kommt durch einen denkbar großen Zufall (einen gesprächigen Taxifahrer) einem Geheimnis auf die Spur: vier gesunde Jugendliche sind alle am selben Tag zur selben Zeit an plötzlichem Herzversagen gestorben. Und alle vier hatten einen Ausdruck ultimativen Schreckens im Gesicht. Asakawas Neugier ist sofort geweckt, da eine der Toten seine Nichte war. Er macht sich also, mit der Hilfe seines Freundes Ryuji, auf Spurensuche - und die erstreckt sich über das ganze Buch, und ist bis zu den letzten Seiten nicht wirklich abgeschlossen.

Von der literarischen Seite her betrachtet, ist das Buch unzweifelhaft eine Detektivgeschichte. Denn Asakawa und Ryuji "ermitteln". Sie tragen Hinweise zusammen, folgen (teilweise falschen) Fährten, geraten in Sackgassen. Sie interpretieren, ziehen Schlüsse. Und gruselig wird das Ganze allein dadurch, dass für beide die Frist von sieben Tagen im Hintergrund leise, aber unerbittlich tickt...(das wäre dann der Thriller-Aspekt).

Die Erzählweise ist zwischendurch wirklich gemächlich. Manche Leser hat das gestört, für mich hat das aber durchaus zum "Thrill" beigetragen. Denn ich wollte doch unbedingt wissen, was der Ursprung der ganzen Geschichte ist! Ich fand die eher erzählenden Passagen aber auch aus einem anderen Grund gut. Denn sie sind teilweise schon fast philosophisch. Da wird doch tatsächlich versucht, wissenschaftlich zu erklären, wie allein durch Gedankenkraft ein Video entstehen kann. Da wird spekuliert, dass Gut und Böse eigentlich nur zwei Seiten einer Medaille sind. Dass Schönheit eigentlich in der Überwindung von Gegensätzen liegt. Woran man im Leben hängt. Und so weiter.

Hierin liegt auch der Grund, warum ich das japanische Original jederzeit dem letzten Endes billigen, reißerischen amerikanischen Aufguss vorziehen würde. Die japanische Art, an Geschichten heranzugehen, ist so herrlich anders, so eigen. Die Geschichte wird genau so erzählt, weil sie nur SO erzählt werden kann. Und nicht, weil man sich von soundso viel Effekten soundso viele Kinobesucher (sprich: Einnahmen) erhofft...!

Der Vergleich mit Stephen King, der von deutschen Verlagen offenbar gerne gezogen wird, hinkt allerdings in meinen Augen. King schreibt einzig und allein auf den Plot hin, und vernachlässigt dafür immens seine Charaktere. Außerdem ist er immer eine Spur ordinär. Ganz anders Koji Suzuki. Sein Held Asakawa ist mir richtiggehend ans Herz gewachsen, mit all seinen Zweifeln, und seinen eher dünnen sozialen Bindungen. Und auch die "Urheberin" des ganzen Unheils, Sadako, konnte ich schon fast verstehen. Ein wirklich hartes Schicksal.

Ich würde dieses Buch, obwohl ich es grandios fand, nur eingeschränkt empfehlen. Man sollte schon eine Ader für japanische Literatur haben, und nicht auf "schnelle Befriedigung" in Form von billigen Effekten und blutigem Thrill hoffen. Man sollte sich darauf gefasst machen, dass das Buch noch lange in den Hirnwindungen nachklingt.


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