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Rezensionen verfasst von
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
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Tödlicher Mittsommer: Thomas Andreassons erster Fall (Thomas Andreasson ermittelt)
Tödlicher Mittsommer: Thomas Andreassons erster Fall (Thomas Andreasson ermittelt)
von Viveca Sten
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Beschaulicher, sympathischer Schweden-Krimi, 14. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch mit viel Wohlwollen mag ich nicht mehr als drei Sterne geben. Das steht in diesem Falle bei mir für "solide Unterhaltung", aber - leider - nicht mehr.

Dies ist der offensichtlich erste Band einer Reihe, und von daher mag ich der Autorin gerne eingestehen, dass sie die Charaktere und Handlungsstränge noch mehr ausdifferenzieren wird. Was ich hier gelesen habe, hat mich zwar zwei Tage lang flüssig unterhalten, aber literarisch nicht vom Hocker gerissen.

Wirklich gut gelungen ist die sommerliche Urlaubsstimmung in den Schären! Ich mache selber häufiger Urlaub auf einer Insel, und kann nur sagen, dass ich vieles wiedererkenne. Die Spannungen zwischen Urlaubern und Einheimischen, die Atmosphäre vor, während und nach der Saison, die Besitzverhältnisse, die "Zugereisten" - alles sehr wahr. Noch dazu die stimmigen Naturschilderungen, und schwups hat das Buch locker einen Stern dafür verdient.

Der Kriminalfall an sich verläuft, vor allem im ersten Drittel des Buches, eher behäbig. Erst langsam kommt die Handlung in Fahrt. Auch der Ermittler Thomas Andreasson ist nicht gerade ein Ausbund an kriminalistischer Verve. Letztlich gelangt der Fall erst durch einige Zufälle, und vor allem durch Thomas' Jugendfreundin Nora, zu einer Auflösung.

Wirklich geärgert haben mich Nora und Henrik! Hier werden etliche Stereotype aneinander gereiht, dass es nur so kracht. Verhuschte Hausmaus vs. karrieresüchtigem Ehemann. Ich habe Nora oft wirklich nicht verstanden, hätte sie am liebsten geschüttelt! Eine wirkliche Auflösung erfährt dieser Handlungsteil auch nicht. Vielleicht im zweiten Band...?

Auch die zart blühende Romanze um Thomas und seine Assistentin Carina ist zwar ganz nett zu lesen, verbleibt aber viel zu sehr im Ungefähren und Süßlichen, als dass sie mich wirklich hätte überzeugen können. Thomas leidet noch unter seiner Scheidung und dem plötzlichen Kindstod seiner Tochter Emily. Hier habe ich aber schon wesentlich überzeugendere Schilderungen gelesen! Alles sehr oberflächlich geschildert von der Autorin, wenig mehr als klischeehafte Worthülsen aus Psychologie-Ratgebern. Schade, hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Insgesamt mag ich der Reihe durchaus noch eine Chance geben. Im Moment würde ich sagen - Achtungserfolg, aber nicht mehr.


Untreue
Untreue
von Paulo Coelho
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein typischer Coelho, 27. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Untreue (Gebundene Ausgabe)
Mein Urteil zu diesem Buch ist durch und durch zwiespältig. Es gibt tatsächlich gute Anteile, mit denen ich bei diesem Autor so nicht gerechnet hätte, und die ich für höchst untypisch halte - aber auch genau die seichten Untiefen, die zu befürchten waren.

Immerhin hat er in diesem Werk, nach dem unsäglichen "Die Schriften von Accra", wieder zu einer einigermaßen durchgehenden Erzählung zurückgefunden. Meine Meinung ist und bleibt ja, Coelho ist da am besten, wo er tatsächlich eine Geschichte erzählt, einen Plot. Das ist ihm mit der Schweizerin Linda, 31 Jahre alt und in der schönsten Midlife-Crisis, halbwegs gelungen. Wir erfahren Lindas Geschichte im Laufe ungefähr eines Jahres, von ersten Anzeichen einer Depression, über eine Affäre mit einer Ex-Liebe, bis hin zur Rückkehr ins traute Nest der ehelichen Beziehung.

Aber hier liegen auch schon gleich meine ersten Kritikpunkte. So vieles bleibt bei diesem Buch erzähltechnisch im Ungefähren, dass man sich die Haare raufen möchte. Die Zeitabläufe zum Beispiel. Kaum mal gibt es Hinweise zu Jahreszeiten während der Handlung. Sehr oft erzählt Linda im Nachhinein, "inzwischen sei ja dies und das passiert". Ich als aufmerksamer Leser fühlte mich teilweise verhohnepipelt. Wo es bequem war, wurde linear erzählt; der Rest wurde geschlampt oder nachgereicht. Da fühle ich mich nicht ernst genommen. Die Handlung spielt sich ab wie in einer schillernden Blase, die jederzeit zu platzen droht...

Und auch die Nebenfiguren. Das fängt schon mit dem Ehemann an. Hatte er überhaupt einen Namen? Ich weiß es nicht mehr! Er kommt nur als ominöser Stichwortgeber vor. Und die Kinder... sie haben definitiv im ganzen Buch keine (!) Namen, hier habe ich aufgepasst. Und es heißt auch nur, sie würden zur Schule gebracht, und bräuchten noch einen Babysitter. Haben aber andererseits schon Tablet-PCs. Wie alt sind sie denn nun?? Es muss sich um zwei Jungs handeln, so viel glaube ich verstanden zu haben. Ansonsten sind die Kinder Phantome, die scheinbar nur zur Komplizierung der Handlung hinzu erfunden wurden. So etwas finde ich höchst unbefriedigend als Leser!

Skeptisch war ich von Anfang an bei der Ich-Perspektive aus der weiblichen Sicht. Das gelingt einem männlichen Autor nicht immer. Ganz furchtbar misslungen fand ich es z.B. auch bei Nick Hornby in "How to be good". Hier nun kann ich mich nicht recht entscheiden. Ich konnte Linda einfach nicht immer folgen. Es entstand zwar ein gewisser Lesefluss, aber die Motivation war doch oft recht sprunghaft und nicht immer nachvollziehbar. Außerdem wimmelte es im Text von übelsten Metaphern und abgedroschenen Phrasen, dass sich mir die Zehennägel aufrollten. "Ich fühle mich wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch"... also bitte!!

Ich finde, dass sich Coelho in diesem Buch aus spiritueller Sicht bemerkenswert zurückgehalten hat. Es kommen immer mal Häppchen vor, die aber die Handlung (insofern sie existiert) nicht behindern. Das hat mir diesmal sogar gut gefallen. Nur der Schluss, der schien mir relativ aus der Luft gegriffen (beinahe im wörtlichen Sinne!); er erschien mir "angepappt" und doch arg rosig. Er passte für mich nicht zur Gesamtsituation.

Was allerdings wirklich gut war, war die Schilderung der Schweiz und der Schweizer Mentalität! Das hat mich überzeugt, und mir so manchen Schmunzler entlockt. Fassade, Sicherheit, Verlässlichkeit, Pedanterie. Das wurde mit einem gewissen sachlichen Augenzwinkern geschildert, und kam gut rüber. Insofern war es weniger ein Buch über Linda, als über ein Land und seine Bewohner.

Es fällt mir schwer, ein Fazit zu ziehen. Wäre dieses Buch nicht von Coelho, würde ich eventuell sogar sagen - annehmbar. So aber bleibe ich beim unentschlossenen Stirnerunzeln, und vergebe ein wenig widerstrebend drei Sterne. Wovon mindestens einer für die Schilderung der Schweiz ist!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 27, 2015 2:34 PM CET


Bücherdämmerung: Über die Zukunft der Buchkultur
Bücherdämmerung: Über die Zukunft der Buchkultur
von Detlef Bluhm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3.0 von 5 Sternen Wohl eher für ein Fachpublikum geeignet, 5. November 2014
Der Verlag Lambert Schneider ist mir in letzter Zeit öfters durch ungewöhnliche Publikationen rund ums Buch aufgefallen. Dieses Werk bildet da keine Ausnahme. Ein gutes Dutzend Autoren haben sich Gedanken um die Zukunft des Buches gemacht, und diese in journalistischen Essays verarbeitet. Herausgekommen ist ein Sachbuch mit einigem Anspruch, das ich nicht dem normalen Durchschnittsleser empfehlen würde.

Erst einmal: der Titel! Ein wenig martialisch klingt das ja schon, diese Anspielung auf Wagner mit seiner "Götterdämmerung"... und letzten Endes betont eben auch die Mehrzahl der Autoren, dass es sich sowohl um eine Chance als auch eine Krise handelt. Nun ja. Auch die gewählten Autoren an sich geben mir zu denken. Nur ein einziger, den ich wirklich als Autor kenne (Dietmar Dath), viele Leute aus dem Verlagswesen mit ominösen "Projekten", von denen ich noch nie gehört habe, ein Professor der Kulturwissenschaft, ein Journalist, ein Lehrbeauftragter. Das führt in meinen Augen dazu, dass die Artikel schon teilweise recht "verstiegen" sind. Ich musste mit höchster Aufmerksamkeit lesen, und habe dennoch nicht jede Argumentation verstanden.

Auch die Aufmachung findet nicht meine ungeteilte Begeisterung. Zwar ist das Lesebändchen eine löbliche Einrichtung, und auch der angedeutete Barcode auf dem Cover macht wohl angesichts des Themas Sinn. Aber der Schriftsatz und die Schrifttype... Sehr sachlich, und für mein Auge ungewohnt. Ich bevorzuge eigentlich Schrifttypen mit (!) Serifen, nicht diese nüchternen Computerschriften. Jedenfalls nicht auf Buchlänge.

Die Artikel selber haben unterschiedliches Niveau und unterschiedliche Themen. Griffig, humorvoll und verständlich wurde es für mich immer da, wo es handfeste Beispiele gab: zum Beispiel eine imaginierte "Buchhandlung der Zukunft" (die ich übrigens super fand!), ein Rückblick auf die Entstehung des Buchdrucks, oder eine Andeutung dessen, was E-Books eigentlich schon können und bald können werden. Nicht mehr folgen konnte ich bei zahlreichen rechtlichen Aspekten, bei Autoren und Gewerkschaften, bei der "Wertschöpfungskette", bei "Content Producern" und etlichem mehr.

Obwohl das Buch eigentlich recht kurz ist, habe ich aufgrund der Thematik und dem gehobenen Sachbuch-Stil lange dafür gebraucht. Ich habe mich schon teilweise gut informiert und unterhalten gefühlt, hatte aber auch das Empfinden, dass sich das Buch eigentlich nicht an mich richtete. Viele der hier Schreibenden schienen eher unter sich bleiben zu wollen. Demzufolge empfehle ich es auch nur eingeschränkt weiter.


Von Männern, die keine Frauen haben
Von Männern, die keine Frauen haben
von Haruki Murakami
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhafte Häppchen, 5. November 2014
Es soll ja Leser geben, die generell mit Kurzgeschichten oder Geschichten nicht so viel anfangen können. Sie behaupten dann, in die Kurzform schwieriger hinein zu finden. Ich persönlich würde sagen, dass sich in der Kurzform erst die wahre Meisterschaft eines Autors zeigt: Im Idealfall findet man hier seine ureigensten Themen, auf intensive wenige Zeilen "eingedampft". Man findet Motive, Stimmungen, und präzise verwendete Metaphern und Bilder. Und gerade die Kurzform lädt dazu ein, kleine Rätsel zu erstellen, Momentaufnahmen, die dann den eigentlichen Reiz des Erzählens ausmachen. Auf Murakami trifft all dies zu.

Wie soll ich nur den Zauber dieser Sammlung einfangen, ohne dem zukünftigen Leser zu viel vorweg zu nehmen? Denn verzaubert war ich, von der ersten bis zur letzten Seite! Grob kann man wohl sagen, dass es sich um ganz "typische Murakamis" handelt, die dennoch eine überraschende Vielfalt abdecken.

Es geht um Männer, die auf die eine oder andere Art keine Frau (mehr) an ihrer Seite haben. Die Bandbreite ist erstaunlich: da gibt es den Witwer, den ledigen Casanova, der sich dann doch verliebt, den ehemaligen Geliebten, einen namenlosen Unbekannten, der auf der Flucht zu sein scheint, und es gibt sogar - scheinbar - ein "alter ego" des Autors selbst. Und es gibt - Gregor Samsa!

"Samsa in Love" war für mich sicherlich die merkwürdigste, aber auch innovativste Geschichte dieses Bandes. Ich finde die Geschichte höchst selbstironisch, da Murakami ja selber öfters mit Kafka verglichen worden ist. Und einer seiner Romane heißt ja auch "Kafka am Strand". Hier jedenfalls bezieht sich Murakami auf eine berühmte kurze Erzählung von Kafka, "Die Verwandlung". Und er dreht die Handlung einfach um! Nicht der Mann wird zum Käfer, sondern der Käfer zum Mann. Das Setting ist ganz eindeutig dasjenige des Originals von Kafka: das verschlossene Zimmer, in das das Insekt abgeschoben wurde, der gedeckte Tisch, die geflüchtete Familie. Und so weiter. Murakami interpretiert anhand dieser ungewollten Menschwerdung viele skurrile Details neu, was dem Leser eine ganz ungewohnte Sicht auf die menschliche Liebe ermöglicht.

Aber auch die Arten der Rahmenhandlungen fand ich verblüffend originell. Wie und warum die Geschichten erzählt werden, wird vom Autor virtuos gehandhabt. In der ersten Geschichte beispielsweise unterhält sich ein Schauspieler mit seinem - weiblichen - Chauffeur. In einer anderen erzählt ein junger Mann die Geschichte eines älteren, den er sehr bewundert. Es gibt auch den Ich-Erzähler in der ersten Person Singular, aber ebenso die Binnenerzählung: in "Scheherazade" nämlich. Dort wird die eigentliche Geschichte von der Frau erzählt, und zwar - wie könnte es anders sein - im Bett... Es handelt sich sozusagen bei diesem Buch um ein erzähltechnisches Kaleidoskop!

So manches Mal habe ich geglaubt, autobiographische Elemente erkennen zu können. Zweimal taucht in der jeweiligen Handlung der Besitzer einer Jazz-Bar auf (Murakami hatte selbst einmal eine Jazz-Bar). Einmal geht es um einen Schriftsteller... Und eine Geschichte, nämlich "Kinos Bar", erinnert mich von der gesamten Thematik her verdächtig an den Erfolgsroman "Südlich der Grenze, westlich der Sonne"...

Murakami hat eine solche Souveränität beim Schreiben erlangt, dass er sich solche Spielereien problemlos erlauben kann. Das alles garniert mit einer schnörkellosen, aber nur scheinbar einfachen Sprache. Immer wieder gab es Sätze, die auf skurrile Weise komisch wirkten, oder auf ihre verdrehte Art Weisheiten auszudrücken scheinen. Ich könnte das Buch zehnmal lesen, und mir würde nicht langweilig werden! Ein dreifaches Hoch auf Murakami und seine Rückkehr zur Kurzform!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 17, 2014 2:28 PM CET


Der Fall Moriarty: Eine Geschichte von Sherlock Holmes' großem Gegenspieler
Der Fall Moriarty: Eine Geschichte von Sherlock Holmes' großem Gegenspieler
von Anthony Horowitz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 5,49

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste britische Krimi-Tradition, 25. Oktober 2014
Ich muss sagen, dass sich Anthony Horowitz mit diesem Buch ein wenig selber übertroffen hat. Schon das "Geheimnis des weißen Bandes" fand ich atmosphärisch dicht und gut geschrieben; aber dieser Folgeband geht noch darüber hinaus. Horowitz hat hier ein Spiegelkabinett der detektivischen Irrungen erschaffen, das seinesgleichen sucht. Die Schreibweise von Conan Doyle wird aufs Beste weitergeführt, und mit Anklängen an Agatha Christie und Edgar Wallace verbunden, dass es nur so kracht.

Wenn man die genannten Autoren, also Christie und Wallace, kennt, muss man im Nachhinein ein wenig schmunzeln. Horowitz hat sich einen Knalleffekt für den Schluss des Buches einfallen lassen, der an die britische Schreibtradition dieser beiden Autoren anknüpft. Ich hatte das ganze Buch über schon einen leichten Verdacht, und in der Tat, das wesentliche Merkmal dieses überraschenden Schlusses ist ein Stilmittel, das Agatha Christie zum ersten Mal angewendet hat ( in "The murder of Roger Ackroyd", auf Deutsch "Alibi"). Ihr wurde das damals sehr übel genommen; die Leser rebellierten gegen einen Schluss, der so nicht vorhersehbar war. Ich empfinde es als Verbeugung Horowitz' vor der "Grande Dame" des Krimis, dass er sich dieses Mittels erneut bedient. Er hat aber nicht einfach kopiert, und das kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen. Er hat aus dem Alten etwas ganz Eigenes erschaffen, das sich elegant, flüssig und spannend liest. Hut ab dafür.

Typisch Wallace sind viele Elemente dieses Buches - die nebligen Straßen, die düsteren Schauplätze, zwielichtige Butler, Giftpfeile, die aus dem Dunklen kommen, Gangsterbanden mit stets wechselnden Allianzen, blinde Autoritäten, diplomatische Verwicklungen - und Frauen, die höchstens in Nebenrollen glänzen, nämlich als leichtes Mädchen oder treuherzige Ehefrau. Auch hier gilt: sehr gut transponiert und weitergeführt!

Auch der Fall an sich hat mich überzeugt. Die Londoner Unterwelt ist in Aufruhr: ein berüchtigter amerikanischer Gangster soll sich auf den Kontinent begeben haben, um die Macht an sich zu reißen. Die Verbrechen und brutalen Methoden nehmen zu, und niemand weiß, wer dahinter steckt. Gleichzeitig scheinen zwei bekannte Geistesgrößen dramatisch ums Leben gekommen zu sein: Sherlock Holmes und Professor Moriarty... Ein amerikanischer Detektiv, Frederick Chase, und ein englischer Inspektor, Athelney Jones, machen sich gemeinsam daran, von den Reichenbachfällen aus die Spuren zu verfolgen, um das Böse aus der Welt zu schaffen.

Hier verbeugt sich Horowitz vor Conan Doyle: der Plot ist wirklich sehr klassisch, viele Szenen hätten vom großen Meister selbst geschrieben worden sein können. Chase fungiert in diesem Buch als Ich-Erzähler à la Watson, und Jones gibt den Sherlock. Man folgt Hinweisen, und kommt zu überraschenden Schlüssen. Jones ist ein großer Fan von Holmes, und hat von ihm gelernt. Er schließt unglaubliche Details aus den merkwürdigsten Einzelheiten, und Chase folgt ihm getreulich. Immer wieder kommt es zu unerwarteten Wendungen, zu tumultartigen Szenen, und viele Kapitel enden mit "Cliffhangern". Es ist sicherlich keine haarsträubende Spannung, aber der Bogen wird kontinuierlich gespannt, bis hin zum doch dramatischen Showdown. Das Ende verbleibt übrigens in einigen Punkten angenehm offen...!

Als sehr nett habe ich auch empfunden, dass Horowitz sich auf zahlreiche bekannte Fälle von Sherlock Holmes bezieht, und diese immer wieder erwähnt, wie "Das Zeichen der Vier", den "Hund von Baskerville", oder den "Club der Rothaarigen". Für einen Holmes-Fan ist es eine wahre Freude, diese kleine Schnitzeljagd zu verfolgen!

Hübsch auch die Idee, in die Handlung technische Neuerungen einzuflechten, die um 1890 herum gerade erst aufkamen, und als "neu" bestaunt werden. Wie Straßenbahnen, Kühlräume, Telegrafenämter. Ich musste lachen, als über die Zukunft der Kommunikation spekuliert wurde! Ein wenig seltsam erscheint mir nur, dass ausgerechnet einer der Haupttäter Vegetarier ist, und einen seitenlangen Vortrag über das Leiden der Tiere hält... die Argumente kennt man heute zwar, aber damals...? Nun ja.

Insgesamt bin ich wirklich sehr begeistert, und kann das Buch uneingeschränkt empfehlen. Vielleicht nur mit der Einschränkung, dass eher solche Leser Freude daran haben werden, die sich in der britischen Krimi-Tradition ein wenig auskennen. Sonst entgehen einem doch viele Feinheiten.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2014 7:10 PM CET


Büchergrüfte: Warum Büchersammeln morbide ist und Lesen gefährlich
Büchergrüfte: Warum Büchersammeln morbide ist und Lesen gefährlich
von Eric Steinhauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein literarisches Kuriosum, 19. Oktober 2014
Normalerweise bin ich nicht dafür, Cover, Layout und Typographie in einer Rezension zu erwähnen. Aber hier macht das absolut Sinn. Das Büchlein ist sehr liebevoll gestaltet, sehr hochwertig, elegant und eben auch morbide. Das unterstreicht seine Aussage sehr wirkungsvoll. Schwarzer Einband mit düster-blutroter Schrift (interessante Grammatik im Untertitel übrigens). Sehr schön lesbare Schrifttype, handliches Format. Dickes Papier. Wiederum blutrote (!) Zwischenüberschriften. Lesebändchen! Und sehr stimmungsvolle Illustrationen: Totenschädel, Fledermäuse, Ratten und Kerzen im ganzen Buch.

Wer nun aber eine durchgängige Gruselgeschichte erwartet, der wird enttäuscht. Ich glaube vielmehr, dass sich der Autor hier ein privates Vergnügen gegönnt hat, das in Fachkreisen nicht unbedingt ernst genommen wird. Denn erstens kommt der Autor im ganzen Buch überhaupt nicht vor, mit keiner Zeile. Man erfährt überhaupt nichts (!) zu seinem Hintergrund. Das wusste ich nur durch die Ausschreibung zum Gewinnspiel. Zweitens ist das Büchlein in einem kuriosen Plauderton geschrieben, der halb wissenschaftlich, halb belehrend ist. "Wie wir sehen werden", "es soll hier gezeigt werden"... Das sind genau die Formulierungen, die man mir im Studium eingebläut hat. Fragt sich, welche Leserschaft der Autor im Sinn hatte... das ist mir absolut nicht klar.

Der Inhalt ist teilweise schon recht interessant. Ich hätte beispielsweise nicht gewusst, dass es Mumien in Bibliotheken, Menschenhauteinbände, Seuchenparagraphen oder Krankheitserreger in und an Büchern gibt. Dann wieder gleitet der Autor ein wenig vom morbiden Thema ab, und es liest sich eher wie eine literaturwissenschaftliche Abhandlung: die Entwicklung des Buchdrucks und des Bibliothekswesens stehen dann im Vordergrund. Teils ist die Argumentation pro Kapitel wirklich recht weit hergeholt.

Wirklich gut fand ich persönlich eigentlich nur die Abschnitte zum Thema "Vampirismus in der Literatur", sowie die morbiden Aspekte des Büchersammelns. Da habe ich mich selber wiedererkannt. Nett war auch, dass in einem späten Kapitel ein wenig feine Selbstironie anklingt - als nämlich der Autor zugibt, dass wohl auch sein Werk bald vergessen werden wird, gemessen an der literarischen Gesamtproduktion.

Was ich insgesamt zu dem Büchlein sagen soll - da bin ich ein wenig ratlos. Es ist für mich ein kleines Kuriosum gewesen, das zwar nicht der unterhaltsamen Aspekte entbehrt, das für mich aber als Ganzes schwer einzuordnen ist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 8, 2015 3:07 PM MEST


Zuhause in Fukushima: Das Leben danach: Porträts Mit Fotos von Katsuhiro Ichikawa
Zuhause in Fukushima: Das Leben danach: Porträts Mit Fotos von Katsuhiro Ichikawa
von Judith Brandner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

5.0 von 5 Sternen Zuhause in der Welt, 13. Oktober 2014
Für mich war dies eines der wichtigsten Sachbücher des Jahres. Judith Brandner hat in relativer Kürze etwas geschafft, was manchen abendfüllenden Sendungen im Fernsehen nicht gelingt: der Katastrophe ein Gesicht zu geben, ohne auf die Tränendrüse zu drücken; zu informieren, ohne reißerisch zu sein. Alle Befragten behalten ihre Würde, obwohl die Einzelschicksale teilweise sehr traurig und tiefgreifend sind.

Ich habe ein klein wenig geschwankt, ob ich vier oder fünf Sterne verleihen soll. Dies liegt daran, dass man oft nicht nachvollziehen konnte, wie Frau Brandner ihre Interviewpartner kennengelernt hat. Sie war schon öfters in Japan, hat sogar einige der hier porträtierten Personen früher einmal getroffen. Da vermischte sich so einiges - nicht immer habe ich den roten Faden im Auge behalten, woher sie jetzt wen kannte. Aber ich bin zu dem Schluss gelangt, dass dies für die Aussage des Buches nicht wesentlich ist.

Ein "Hardcore"-Sachbuchleser wird vielleicht die Stirne runzeln. Nicht immer erzählt Frau Brandner geradlinig, doch ich fand das charmant! Da gibt es berührende Passagen über schöne Architektur, über Landschaften, oder auch die Unsicherheit der Autorin, ob sie bei einem konspirativen Treffen auch nicht festgenommen wird.

Sie teilt die Interviews nach Ortschaften ein - so, wie wohl auch ihre Reise verlaufen ist. Das fand ich sehr logisch. Teilweise bleibt die Vorgeschichte der Gespräche im Dunkeln. Aber immer wird ein Stück Atmosphäre auf die Seiten gezaubert. Sei es der Teenager, der Desinteresse heuchelt und an seinem Handy spielt; sei es die Hausfrau, die selbst in der Flüchtlingsunterkunft noch ihren Gast bewirtet, oder sei es ein Konzert für zwei Personen, das in einem verwaisten Kindergarten stattfindet...

Mir hat sich durch diese teilweise mäandernde Erzählweise ein Stück japanische Mentalität erschlossen, so, wie ich sie verstehe. Japan ist voller Kontraste und scheinbarer Widersprüche, die natürlich angesichts einer solchen Katastrophe mit aller Macht aufbrechen! Besonders am Verhältnis Eltern / Kinder und Männer / Frauen konnte man das sehr schön sehen. Aber auch das Thema, ob man nun bleiben solle oder weggehen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. "furusato", die Heimat - den betroffenen Japanern ist ein Stück ihrer Identität unwiderruflich geraubt worden.

Relevante Informationen über die offiziellen und weniger offiziellen Machenschaften werden organisch in das Buch eingeflochten. Größtenteils überlässt Frau Brandner ihren Gesprächspartnern das Wort. Nur im Vorwort und Epilog lässt sie sich dazu hinreißen, eigene Gedanken und Vermutungen zu äußern - damit ist sie sonst im Buch sehr vorsichtig. Ich fand das sehr angenehm!

Leider ist das, was in Japan nach der Katastrophe geschah, auch anderswo so schon beobachtet worden. Die Behörden halten die Bevölkerung hin. Gefahren werden heruntergespielt. Säcke mit verstrahltem Abfall stehen in der Gegend herum. Messergebnisse werden manipuliert. Und Nachrichten werden zensiert. Viel schrecklicher fand ich jedoch die persönlichen Folgen für die Familien. Viele sind zerbrochen, oder leben getrennt, da sie mit der Situation nicht umgehen können oder wollen.

Ich möchte das Buch sehr gerne weiterempfehlen. Allerdings mit der Vorgabe, es nicht zu verschlingen, aufmerksam zu sein für Zwischentöne. Und auch einmal eine Pause einzulegen, um zu verdauen. Aus rein journalistischer Sicht ist dieses Buch eine Glanzleistung.


Still
Still
von Zoran Drvenkar
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eiskalte Schönheit, 12. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Still (Taschenbuch)
Jedesmal, wenn ich ein Buch von Zoran Drvenkar lese, denke ich: der kann doch unmöglich noch besser werden. Und jedesmal entdecke ich: doch, er kann! Dieses Buch hat mich erneut völlig sprachlos zurückgelassen. Man muss sich beinahe schämen, dass man solche Themen "gut findet". Dies verdankt sich vor allem der unerreichten Fähigkeit Drvenkars, das Grauen in einer klirrend-kalten Schönheit zu schildern. Und auch noch spannend zu sein.

Zuerst war ich fast ein wenig enttäuscht, denn den hauptsächlichen "Kniff" seiner Schreibweise hat er schon öfter angewendet: die Aufteilung der Erzählstränge in "Sie", "Du" und "Ich". Allerdings hat er sich eine so ausgefuchste Grundidee für die Handlung ausgesucht, dass es mir den Atem verschlagen hat: ein verzweifelter Vater eines verschwundenen Mädchens wechselt die Identität, und schleust sich freiwillig (!) in einen Ring von Pädophilen ein...

Das Buch lebt für mich, wie gesagt, einesteils von seiner Sprache, die nüchtern, klar, kalt, aber eben auch faszinierend ist. Andererseits ist es die wirklich nervenzerfetzende Spannung, die den Leser voran treibt. Wer wird wem auf die Schliche kommen? Wer führt hier eigentlich wen hinters Licht? Wer ist Täter, wer Opfer? All dies ist für mich auch nach Beendigung der Lektüre keineswegs geklärt, und gerade das finde ich ausgesprochen genial!

Im Grunde kann man dieses Buch nicht nacherzählen. Daher nur so viel: nichts, aber auch wirklich gar nichts, wird am Ende so sein, wie man zu Beginn des Buches dachte. Das Buch geht im Kopf weiter! Jeder der Protagonisten meint für sich, es sei so und so gewesen. Aber Pustekuchen... wir Leser wissen es besser...

Ein Grundthema ist hier, wie immer, die Rechtfertigung von Gewalt. Ein anderes die Aufarbeitung seelischer Traumata. Wie weit sind Eltern bereit, zu gehen? Das Buch bietet nicht zuletzt viele Ansätze zur Selbstbefragung für den Leser.

Ich würde nur eine einzige Einschränkung machen: das ist absolut nichts für Leser mit schwachen Nerven. Das Buch ist zwar nicht eigentlich blutrünstig, aber moralisch sehr, sehr fragwürdig. Und es geht um Kinder. Wer damit nicht zurechtkommt, lasse lieber die Finger davon. Ansonsten gibt es für mich die deutlichste Lese-Empfehlung, die ich nur aussprechen kann. Drvenkar gehört für mich zu den sehr wenigen deutschsprachigen Thriller-Autoren von wirklichem Weltrang.


Barrakuda: Roman
Barrakuda: Roman
von Christos Tsiolkas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tsiolkas, der Barrakuda im Büchermeer, 12. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Barrakuda: Roman (Gebundene Ausgabe)
Auf den ersten Blick ist dies ein Buch über einen jugendlichen Schwimmer, der an sich, seinen Lebensverhältnissen, und vor allem seinen Ansprüchen zerbricht. Erst auf den zweiten Blick, etwa ab dem zweiten Drittel des Buches, dämmert dem Leser, dass es hier um noch viel mehr geht. Um die australische Mentalität beispielsweise. Um ausgewanderte Griechen. Um die Identität der Arbeiterklasse. Um die Haltung der Gesellschaft Schwulen gegenüber. Um geplatzte Lebensentwürfe. Und und und.

Eines vorab: mir fällt es ungeheuer schwer, dieses Buch für sich allein stehend zu betrachten. Für mich hat Christos Tsiolkas, der Autor, seit seiner "Ohrfeige" einen Nimbus, einen Ruf, und den lese ich irgendwie "mit". Ich habe es vor allem dahingehend gelesen, ob ich die Stimme des Autors, seine Haltung, "wiedererkenne", und ob er noch dieselbe Einstellung der Welt und dem Erzählen gegenüber hat. Nun - er hat!

Auch dieses Buch wirkte auf mich wie eine Ohrfeige, eine teils derbe und harte Erzählung, die in authentischer und drastischer Sprache absolut nichts beschönigt - und die ich dem Autor größtenteils abnehmen konnte. Sympathien für den Helden Danny Kelly habe ich wenig empfunden; aber ich glaube, es geht an der Absicht des Buches vorbei, es dahingehend beurteilen zu wollen. Die Geschichte hätte genau so passieren können, und vermutlich tut sie es auch. Darauf kommt es an.

Manches hat der Autor stilistisch beibehalten, manches weiterentwickelt. Wie gesagt, die Sprache ist typisch Tsiolkas geblieben. Ein großes Lob an die Übersetzung übrigens! Man hat es geschafft, dass die Jugendsprache trotzdem authentisch rüberkommt, all die gehässigen Frotzeleien und auch das Mobbing wirken real, nicht angestrengt oder gekünstelt. Und auch die Sexszenen konnte ich so annehmen - fand sie sogar weniger unschön als in der "Ohrfeige".

Sehr gefallen hat mir die erzählerische Experimentierfreude des Autors. Dass die Chronologie in modernen Romanen aufgebrochen wird, ist man ja fast schon gewöhnt. Neu ist jedoch, dass die Rückblenden (!) alle in der Ich-Perspektive geschrieben sind; die Erzählstränge aus der (relativen) Gegenwart aber in der dritten Person. Das hat für mich die Aussage des Buches sehr gut unterstrichen: Danny klebt sehr an seiner Vergangenheit als Schwimmer, hier hat er wirklich gelebt, hier war er ein "Ich". Außerdem fiel mir auf, dass die Rückblenden eine grobe Richtung haben: sie gehen in der Zeit immer weiter zurück, bis hin zu Dannys ersten Erfolgen, ja sogar bis hin zu der Szene, als er als Kleinkind mit seinem Vater am Strand Schwimmen lernt. Diese letzte Szene schien mir allerdings doch sehr an Joyce angelehnt - ein "stream of cosciousness", der wohl die kindliche Unmittelbarkeit rüberbringen sollte.

Als "typisch Tsiolkas" habe ich auch empfunden, dass manche Rätsel bezüglich Dannys Vergangenheit bewusst offen bleiben. Man kann hier viel interpretieren, was ich prinzipiell gut finde. Dies betrifft vor allem die wahren Gefühle der Personen füreinander, und ihre Ausrichtung im Leben. Wann und wie hat Danny eigentlich gemerkt, dass er schwul ist? Liebt er Clyde in Wahrheit doch? Und das größte Rätsel von allen: der Trainer, Frank Torma. Ich wette hundert zu eins, dass er heimlich in Danny verliebt war - schließlich vermacht er ihm am Ende sein Haus. Aber auch dies bleibt Interpretationssache.

Das Buch ist für mich nur sehr knapp an der 5-Sterne-Marke vorbeigesaust, was in meinen Augen an der thematischen Überfrachtung lag, wie ich sie im ersten Absatz schon angedeutet habe. Ich persönlich hätte eine Konzentration auf Dannys Geschichte besser gefunden. All die Diskussionen über Australien und seine verquere Mentalität, über Politik, über Auswanderung und so weiter, sind ein wenig an mir vorbei gegangen. Vermutlich müsste man Australier, oder zumindest Bewohner des Commonwealth, sein, um hier manches besser zu verstehen. Auch der autobiographisch gefärbte Anteil des Buches scheint mir größer zu sein als noch in der "Ohrfeige". In Australien griechische Wurzeln zu haben, nun, davon kann der Autor ein Lied singen. Ich fand zwar manches gut beschrieben - aber tendenziell eben auch "too much", wie der Besuch bei der sterbenden griehischen Oma.

Insgesamt freue ich mich aber sehr, dass Tsiolkas versucht, authentisch und innovativ zu bleiben. Er hat sich glaubwürdig in eine Welt des Erfolgsdrucks und der Klassenunterschiede begeben, und hat mich nebenbei noch zum Nachdenken gebracht. Dafür gibt es von mir 4 sehr verdiente Sterne.


Tote trinken keinen Whisky: Ein neuer Fall für Pippa Bolle (Ein Pippa-Bolle-Krimi, Band 5)
Tote trinken keinen Whisky: Ein neuer Fall für Pippa Bolle (Ein Pippa-Bolle-Krimi, Band 5)
von Auerbach & Keller
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Slàinte, Pippa!, 21. September 2014
Meine Bewertung ist diesmal knapp ausgefallen. Mit einem zugekniffenen Auge und viel Wohlwollen werden es dennoch 5 Sterne, wie gewohnt bei dieser Reihe. Nicht, dass ich das Buch nicht gemocht hätte! Doch es ist eben schon das fünfte über Pippa Bolle, in vergleichsweise kurzer Zeit erschienen. Und nach bewährtem Rezept verfasst. Vermutlich muss man als Leser einfach einer gewissen "Pippa-Übersättigung" vorbeugen...

Es ist einerseits wirklich zu bewundern, wie die Autorinnen die bewährten Elemente in immer wieder neue Szenerien versetzen. Diesmal ist Pippa also in Schottland, um der Hochzeit ihrer Freunde Duncan und Anita (bekannt aus einem früheren Band) beizuwohnen, eine Brennerei-Tour zu begleiten, und so nebenbei ihre Nase in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen. Wir haben, wie immer, zu Anfang des Buches ein "Dramatis Personae", das mir diesmal wirklich geholfen hat. Die Personen waren doch sehr zahlreich, und ihre (teils verwandtschaftlichen) Verwicklungen nicht immer leicht zu durchschauen. Hier hätte ich beinahe einen Stern abgezogen. Ich musste mich arg konzentrieren, um den Faden nicht zu verlieren. Und auch beim "Showdown" hätte ich eventuell einiges zu bemängeln; das las sich teilweise wie aus "5 Freunde" oder "TKKG". Ein klein wenig überdreht eben.

Insgesamt überwiegen für mich aber die positiven Seiten dieses wieder durchweg liebevoll komponierten Krimis. Von Anfang an taucht man ein in eine flüssig gestaltete, gründlich recherchierte Welt. Man sieht die Highlands, genießt wunderbare Panoramen, lacht über Dorfbewohner und ihre Macken. Man lässt Whisky die Kehle hinunter rinnen, wundert sich über so manche Eitelkeiten, und setzt so langsam ein Puzzle zusammen, das von Schmugglern und Familienfehden handelt. Und man möchte am liebsten gleich die Koffer packen, und nach Schottland reisen!

Aufgefallen ist mir, dass es in diesem Band überproportional häufig um Ehe- und Beziehungsprobleme geht. Vielleicht verständlich angesichts einer Handlung, die sich um eine Hochzeit dreht. Und angesichts eines schottischen Heiligen, der sich mit Eheproblemen befasst haben soll. Nur manchmal habe ich gezweifelt; eine bestimmte Verwicklung um Pippa habe ich noch nicht so ganz verdaut und verstanden.

Grandios fand ich allerdings, wie viel man in diesem Band nebenbei "gelernt" hat. Über das Whiskybrennen, über die Rolle von Katzen in den Destillerien, über Preise und Auktionen. Man merkte deutlich, dass sich die Autorinnen intensiv mit diesem Thema befasst haben.

Insgesamt gesehen, würde ich diesen Band durchaus wieder weiterempfehlen. Vielleicht aber nicht gerade an Neulinge, die Pippa noch nicht kennen. Es entgeht einem sonst doch so manche Anspielung auf frühere Fälle.
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