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Rezensionen verfasst von
Jan Tausendsacher

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Gravitas
Gravitas
Preis: EUR 7,29

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die schlimmste Scheibe seit der Reunion-Tour. *Gähn*, 2. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Gravitas (Audio CD)
Asia – Gravitas (2014)

Das Video zu Valkyrie lässt Übles erahnen: Ein in die Jahre gekommener John Wetton singt auf verlassenen Stränden mit halb aufgeknöpften Hemd von nordischen Sagenfiguren. Amateur-gefilmt versteht sich. Und die übrigen Bandmitglieder wurden einfach irgendwie irgendwo irgendwann hinein geschnitten. Das eigentliche Album ist dann aber doch nicht so billig geraten. Aber fast.

Der Opener Valkyrie selbst ist gar nicht so verkehrt. Eine sanfte, warme Cello-Stimme unterstützt die melancholische Harmonie-Folge, Wetton singt für sein Alter außerordentlich passabel, selbst seine typisch jaulenden Gesangspassagen halten sich in Grenzen und Jungspund sowie Neuzugang Sam Coulson spielt ein recht ergreifendes Solo. Palmer packt sogar die Double Bass aus, doch fehlt seinem Schlagzeugspiel in der Produktion leider der Saft. Dass die Band in Interviews sogar offen zugibt, dass Palmer einfach irgendwelche Schlagzeugspuren vorbereitet hat, welche dann bei Bedarf einfach angepasst und eingefügt worden (während er selbst vermutlich nicht mal im Studio war) steht Pate für das fehlende Gemeinschaftsgefühl, den fehlenden Band-Charakter des Albums. Diese Platte hätte auch ein weiteres (qualitativ schlechteres) Icon-Projekt sein können.

Neben der flachen Produktion (abgesehen von stimmigen Orgeln gibt’s auch nur käsige Akkordarbeit vom Keyboarder Geoff Downes) stößt ein weiterer Fakt den Hardcore-Fans sauer auf. Steve Howe fehlt und damit auch sein charakteristisch frickeliges (manchmal unstrukturiert herumnudelnd, manchmal enorm authentisch hervorgehobenes) Gitarrenspiel. Doch Sam Coulson macht seinen Job nicht schlecht. Er hat wahres musikalisches Talent... welches grandios vergeudet wird. Was er in dieser Band zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Meist darf er sich auf billige, uninspirierte Powerchords beschränken. So ist ja auch der Titelsong Gravitas ach so progressiv, nur weil er lange andauert, sprich das Intro sich auf ellenlange Akkord-Teppiche beschränkt. Schon klar. Doch die Soli, die Sam hervorzaubert, sind meist außerordentlich rasant, gefühlsbetont und stimmig. Immerhin!

Viel Positives lässt sich über diese wahllose Song-Anreihung, die sich Asia-Album schimpft, nicht sagen. Überall mangelt es Kreativität, Härte, irgendwelchen musikalischen Haltepunkt oder magischen Momenten. Progressive Rock hätte selbst ein langjähriger Fan wohl nicht mehr erwartet, aber solch aussagelosen Melodiepassagen eines Russian Dolls oder kitschig kraftlose Schmalz-Songs wie Joe DiMaggio's Glove sind echt eine Beleidigung des guten Gehörs.

Und dabei gibt es sogar reihenweise gute Ansätze, welche allerdings allesamt wieder kurz darauf von irgendwelchen kruden Elementen zunichte gemacht werden. Die Akkordfolge von The closer I get to you ist nett, der Refrain führt jedoch zu nichts und zieht sich endlos hin. Text und Strophengesang von Nyctophobia machen sogar Spaß, doch wieder einmal hört dieser dann auch im Refrain auf, welcher natürlich wieder endlos wiederholt wird. Und da jault der Wetton wieder so „herzergreifend schön“. Das Synthie-Streicher-Intro von Heaven help me now ist gut arrangiert, klingt aber nach billigem Midi-Sounds während Palmer sich auf 'Teufel komm raus' kompositions- und produktionstechnisch nicht ins Lied einfügen kann. Es fehlt einfach an Wumms. Und Konzept! Was ein solch grandioses Solo in diesem Lied verloren hat, ist genauso fraglich wie die coole (kurze) Bridge von I would die for you in einem sonst erschreckend flachem Song.

Fazit: Liebhaber der neuen, alten Asia von 2006 aufwärts (recht belanglos, tut ja aber niemanden weh) dürfen gerne auf bis zu drei Sternen aufwerten, je nachdem wie sehr sie Steve Howe vermissen. Aber: Auf diesem Album gibt es keine guten Songs in Gänze (höchstens Ansätze) und die Produktion ist auch flach wie selten zuvor. Deswegen gibt es bei dem nun vierten in Folge enttäuschendem Album nur noch einen Stern. Wer mir hingegen die coolen Soli aneinander reihen kann, bekommt von mir den vollen Preis des Albums erstattet. Und wo bleibt eigentlich John Payne?
Wertung: *
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 26, 2014 5:04 PM MEST


Resurrection
Resurrection
Preis: EUR 5,49

4.0 von 5 Sternen Von den Todkranken aufgestanden: Authentisch, balladesk, gesanglich brilliant., 2. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Resurrection (Audio CD)
Anastacia – Resurrection (2014)

Es wäre bitterböse Anastacia zu unterstellen, sie müsse erst eine schwere Krebserkrankung hinter sich bringen, bevor sie ein qualitativ hochwertiges Album abliefert. Natürlich wünsche ich der kleinen Frau mit der großen, „schwarzen“ Stimme weiterhin alles Gute und vor allem viel Gesundheit, doch angesichts des brutal schlechten Heavy Rotation von 2008 ist es ein gar nicht so abwegiger Gedanke. Doch das war Schnee von gestern; Anastacia ist wieder auferstanden und doch anders als zuvor.

Anastacia schuf anfangs ihrer recht spät begonnenen Karriere das Genre „Sprock“. Eine peppige Mischung aus Soul, Pop und Rock. Funkige Gitarren lösten sich mit poppiger, elektronischer Aufmachung und balladesken Momenten ab. Über allem thronte Anastacias Stimme. Doch richtig gut wurde es auf ihrem selbstbetitelten 2004er Werk. Nach ihrer ersten schweren Krankheit wuchteten auf einmal die Gitarren fette, theatralische Hymnen in die Gehörgänge der schwer beeindruckten Fans. Resurrection nun ist das passende Gegenstück zu diesem Werk. Der billige Plastikpop von Heavy Rotation ist vergessen, denn die Amerikanerin rudert volles Rohr zu einem sehr authentischen, echt instrumentierten Stil mit großen Melodien zurück. Doch eines muss trotzdem gesagt werden: Es ist nicht die Fortsetzung des 2004er Albums, sondern das Gegenstück! Soll heißen: Gerockt hat die kleine Blonde in ihrem letzten Rock-Coveralbum zur Genüge, jetzt besinnt man sich vor allem auf Piano-geprägte Balladen. Das klingt stimmig, aber geht auf Kosten der Abwechslung. Resurrection ist nicht Sprock, sondern „Spallade“.

Der Sound ist jedenfalls ordentlich fett. Die Drums (wenn denn mal vorhanden) klingen satt, die Piano-Passagen eines Staring at the Sun anmutig, die Streicher wunderbar einfühlsam und filigran (vor allem wenn superbe Melodie- und Stimmführung wie in Stay aufeinander treffen). Zwar fehlt wirklich auf Dauer etwas die Kraft – verzerrten Gitarren wurde anscheinend der Stecker gezogen -, doch das analoge Arrangement samt Orgel in Pendulum sowie die immer wieder gelungenen Melodien schaffen eine entspannte, komfortable Atmosphäre, selbst bei traurigen Liedern wie Lifeline. Dass sich die Lieder auch in Sachen Spannung steigern können, beweist Anastacia immer mit ihrem beeindruckenden Gesang. So intoniert sie auch angehende Powerballaden wie Dark White Girl perfekt, ist ihre Stimme doch fast das kraftvollste Element daran.

Wer es mal etwas schwungvoller mit peppigeren, aber trotzdem leichtfüßigen Beats haben möchte, greift zu Evolution. Doch gerade hier geht das Konzept nicht auf. Hier bremst der pathetische Refrain zu sehr und die „Evolutions-Hook“ geht nach einer Weile auf die Nerven. Ansonsten haben wir an schmissigeren Songs noch den bereits erwähnten Opener, der sich aus seinen traurigen Strophenteilen doch noch recht spannend erhebt, sowie die bereits bekannte Leadsingle Stupid Little Things. Dank schmissigen Drums, gewohnt guter Melodie und treibenden Klavierharmonien ist diese auch gut gelungen. Doch wie gesagt: Leider war's dass schon mit dem Pepp. Auch richtig fetzige Gitarrenparts vermisst man schmerzlich, zumindest diejenigen die das vorherige recht gelungene, aber etwas flach produzierte Coveralbum noch im Ohr haben. Dafür bringen die noch zu hörenden Gitarren funkige Elemente mit ins Spiel. Dass irgendwann der Hörspaß nicht auf der Strecke bleibt liegt an den ergreifenden, vom Leben geprägten Lyrics (siehe Broken Wings) und vor allem den grandiosen Melodien von I don't want to be the One und Apology. Ersteres bietet eine wirklich unglaublich starke Hooks, welche nicht stärker von seinen begleitenden Streichern profitieren hätte können, letzteres ist einfach nur genial, ruhig und stimmig. Da bleib ich sprachlos, weswegen man mir dabei das recht einfallslose Vokabular verzeihen sollte.

Resurrection ist neben der Auferstehung wirklich eine Rückbesinnung - allerdings in ruhigerer Ausführung und ziemlich kurz. Länger hätte es aufgrund der ständigen balladesken Stimmung vielleicht auch gar nicht sein dürfen. Trotzdem: Authentisch, stimmlich grandios, überzeugend.
Fazit: ****


Avril Lavigne
Avril Lavigne
Preis: EUR 5,99

3.0 von 5 Sternen Extrem unausgegoren. Klasse Höhepunkte wechseln sich mit konzeptlosen Tiefflieger-Liedern ab., 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Avril Lavigne (Audio CD)
Avril Lavigne – Avril Lavigne (2013)

Düster schaut uns die junge Kanadierin auf dem Cover in die Augen. Angesichts dessen könnte man fast ein weiteres introvertiertes, ernstes Album wie Goodbye Lullaby vermuten. Die Traditionslinie aller Lavigne-Platten besagt aber, dass nach der ruhigen Phase ein Partyalbum folgen müsste. Nun, dieses 2013er Werk kann man nicht so richtig einordnen; sowohl konzeptionell als auch qualitativ ist es arg unausgewogen.

Das Album beginnt mit einer Gute-Laune-Party-Phase und die Roller der mother***** Princess steht Lavigne immer noch gut. Eins sollte man sich dennoch bewusst machen: Rockigere Töne oder sogar Pop-Punk-Ergüsse eines The Best Damn Thing kann man sich getrost abschminken, selbst bei klangvollen Songtiteln wie Rock 'n' Roll. Obwohl jenes Lied neben seiner einfachen, kräftigen Hook auch noch mit einem simplen, aber effektiven Powerchord-Aufbau und einem Lavigne'schen rebellischen Text besticht. Das kommt dem Rock-Vibe schon recht nahe. Ansonsten versucht Lavigne im ersten Abschnitt in ausgelassener Stimmung möglichst leichte Pop-Songs zu platzieren. Und keine Frage: Die Produktion ist zwar gut, aber eben auch erschreckend mainstream-poppig. Elektronische Drums, Handclapping, Gang Vocals, sanfte A-Gitarren, nie zu komplizierter Liedaufbau. Here's to never growing up verdient sich da bestenfalls das Prädikat: Ganz nett – und das auch nur weil der Refrain ja doch recht einprägend ist. Avril Lavigne kokettiert diesmal so stark mit aktuellem belanglosen Chartfutter, dass das Songmaterial eben leider nur noch enttäuschende Ergebnisse erzielt. 17 erreicht zwar konträrerweise genau das Gegenteil und ist dank seiner leichten, anmutigenden Stimmung und dem verausgabenden Refrain recht spaßig, aber Bitchin' Summer ist einfach nur noch flach. Jeder drittklassige, austauschbare Pop-“Künstler“ hätte das besser gemacht.

Okay, lassen wir diesen unausgegorenen Ersteindruck hinter uns und widmen wir uns den „ernsten“ Songs. Das erste Lied ist hierbei eine Ballade mit Neu-Ehemann Chad Kroeger (Nickelback) namens Let me go. Es ist mir unverständlich wie viele Fans dieses Lied in höchste Himmel loben. Es ist eben die obligatorische Klavierballade. Kroeger macht zwar mit seiner warmen Stimme (trotz seiner Rolle als chronischer Unsympath) eine gute Figur und der Text in Bezug auf eine schwierige Trennungsproblematik ist auch nich zu verachten, aber ansonsten ist dieses Stück einfach nichtssagend. Dass so etwas besser geht, beweist das unglaublich intensive (und ebenfalls größtenteils akustische) Give you what you like. Man mag sich fast fragen, was dieses melodische, melancholische und lyrische Meisterwerk auf solch einem Album verloren hat. Davon abgesehen stellt es wohl Avril Lavigne so dar, wie man sie sich im Jahr 2002 wohl vorgestellt hat, wenn sie eines Tages erwachsen werden würde. Brutal ehrlich und mit einer trotzdem einschmeichelnden Melodie versehen. Erwachsene Inhalte (wenngleich auch schweinischer) bietet auch das Manson-Feature Bad Girl. Trotz poppiger Aufmachung triumphiert dabei ein herrlich treibendes, synkopisches Riff und macht dieses hochgradig anzügliche Lied zu einer Riesengaudi.

Danach: Hello Kitty. Ein unreifes, elektronisches Stück mit Dub-Step(!)-Passagen. Wenn man sich darauf einlässt, macht das sogar recht viel Spaß, allerdings könnten Menschen mit Japano-Phobie (gemeint ist diese glitzerschrille, kindische Attitüde) das kalte Grauen bekommen. Und danach? Nun, bis auf Hello Heartache ist nun endgültig die Luft raus. Alles was Avril noch zu bieten hat, sind ruhige, flache Lieder (Falling fast – grausame gehauchte Stimme) und furchtbare billige Sommer-Party-Tracks (Sippin' on Sunshine), sogar noch schlimmer als der „verhündete Sommer“!

Fazit: Ein selbstbetiteltes Album sollte eigentlich einen repräsentativen Charakter haben. Im Falle von Avril Lavigne dreht sich die Künstlerin allerdings eher im kreativen Kreis und versucht Diversität krampfhaft zu erzwingen. Fans der rockigen Avril oder authentischeren Göre ihrer Anfangsjahre werden maßlos enttäuscht sein. Allerdings bietet das Album eine Handvoll hochkarätiger Tracks. Neueinsteiger sollten hingegen zunächst ein anderes Album von ihr probieren.
Fazit: ***


XXX (Ltd.Digipak+DVD)
XXX (Ltd.Digipak+DVD)
Preis: EUR 11,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Irreführender Name, recht stimmige musikalische Kost, gewohnte Schwächen., 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: XXX (Ltd.Digipak+DVD) (Audio CD)
Asia – XXX

Okay, ernsthaft! Wer von den vermeintlich lüsternen alten Säcken kam auf die Idee das neue Album XXX zu nennen. Bei Gestalten wie Steve Howe wäre es mir ganz lieb gedankliche Kombinationen mit billigem Asia-Pron zu vermeiden. Warum ich diesen (wahrscheinlich unbeabsichtigten) Umstand überhaupt erwähne und polemisch abwerte? Nun, das ist noch das Spannendste an der neuen Asia-Platte, erschienen pünktlich zum dreißigjährigen Jubiläum (daher der Name).

Warum diese Scheibe gerade auf amerikanischen Plattformen so viel Anklang findet, wird wohl ein Rätsel bleiben. Asia erfinden sich weder neu, noch sind sie sonderlich ergreifend, emotional oder einfühlsam oder überhaupt mal wieder progressiv. Okay, das hätte auch niemand erwartet. Wirklich progressiv war die Band seit 1983 nicht mehr und die letzten progressiven Reste verkümmern seit ihrer vermeintlich künstlerisch wertvollen Reunion anno 2008. Nein, Palmer haut simple (aber bei dieser Platte durchgehend effektive) Rhythmen, Howe hält sich zurück und Geoff Downes verfeinert die Suppe mit Klangteppichen. AOR-Hymen, das war eben das was Asia früher einmal ausmachte, welche einzig auf Omega noch in kläglichen Referenzen verwendet wurden und hier gänzlich fehlen. Dass die alten Herren ihre Instrumente immer noch beherrschen würde nie jemand wagen zu bezweifeln, doch wo sind sie die grandiosen Stücke; die einzigartigen Melodien, die John Wettons zuweilen recht jaulende Stimmführung vergeben und vergessen machten?

Zugegeben, bei diesen schlechten Vorraussetzung ist man gewillt dem Album nicht mal eine zweite Hörprobe zu gewährleisten, doch der Schein trügt. Das Album wächst mit der Zeit und zwar fehlen kompositorische Größen, doch zauberten die Ex-Progger einen anderen Kniff unter dem alten, verstaubten Hut hervor um das Album nicht langweilig werden zu lassen: Up-Tempo!
So startet bereits Tomorrow the World nach einem sphärischen, einschmeichelnden Piano-Intro mit nie bremsen wollenden Achteln und selbst Howe schafft es beim obligatorischen Solo zu diesem Lied sein sonst so herumwuselndes Gitarrenspiel zu strukturieren und so die Energie des Liedes zu kanalisieren. Bei Bury me in Willow will Wetton zwar wieder anfangen zu jaulen, doch Palmer unterlegt den langatmigen Refrain geschwind mit etwas Disco-Flair, bevor No Religion zeigt, dass Asia sogar mit knackigen Riffs (zumindest für Howe-Verhältnisse) rocken können. Dass das Tempo und damit die Spannung also relativ hochgehalten wird, ist durchaus zu loben. Zusammen mit der wohl besten Leistung von Keyboarder Geoff Downes seit der Reunion, der wirklich einige markige Keyboard-Sounds und feinste Orgeln aus dem Keller geholt hat, sowohl der recht geerdeten Produktion klingt das Album immerhin verblüffend frisch - altmodisch, aber nicht antiquiert.

In Faithful wird allerdings das Tempo heruntergefahren und sofort werden die Schwächen von Asia wieder nur allzu deutlich. Käsige, unoriginelle Melodieführung und endloses Gejaule machen eben keine gute Ballade aus, selbst wenn die Rhythmussektion das durch ein etwas kraftvolleres, schnelleres Arrangement gegen Ende hin noch retten will. Selbst I know how you feel könnte dank der schmissigen Keyboard-Sounds und der cleveren Bassline recht ansprechend werden, aber Wetton hat irgendwie seine Magie verloren und wirkt von mal zu mal träger. Sobald er anfängt zu singen (intonatorisch ohne Kritik) saugt er – oder viel mehr seine schleppenden Melodien – den Songs das Leben heraus. Warum Asia eben so altbacken wirken? Bei ihm liegt der Grund! Dass er auch anders kann, beweist er in raren Momenten, namentlich Al Gatto Nero. Dieser Refrain geht endlich mal wieder anstandslos ins Ohr! Ansonsten sei die melodisch recht hübsche Ghost of a Chance für das Wetton-Problem als bestes Beispiel genannt. Sobald Howe seine Gitarre bringt, stiehlt er Wetton eben die Show. Da kann auch ein 4-Chord-Song wie Face on the Bridge nicht mehr viel retten, obwohl in dessem Refrain wirklich (seit langem) mal wieder alles stimmt.

Fazit: Asia liefern wieder nur Gewöhnliches, statt mitreißendes. Viele Melodien nerven sogar. Die temporeichere Aufmachung gewährleistet jedoch das ingesamt stimmigste Werk seit 2006.
Wertung: ***


The General Strike
The General Strike
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 7,88

3.0 von 5 Sternen Wie immer textlich brilliant. Aber wo ist dieser besondere, musikalische Biss hin?, 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The General Strike (Audio CD)
Anti-Flag – The General Strike (2012)

Wie ist eine Band zu bewerten, die seit Jahren musikalisch stagniert – was ja auch irgendwie Genretradition im Punk Rock ist -, aber trotzdem textlich immer etwas Wichtiges den Protestsüchtigen dieser Welt mitzuteilen hat?

Ungereimtheiten, Korruption, politische Skandale – das alles gibt es genügend auf der Welt und Anti-Flag haben es sich schon seit Jahren zur Aufgabe gemacht diese Missstände gehörig anzuprangern, zu kritisieren und gegebenfalls das gesamte amerikanische System bloßzustellen. Und dafür kann man kein größeres Lob aussprechen. Dabei entfernten sie sich etwas vom stumpfen Parolenklopfen ihrer Anfänge und gingen hin zu wirklich gehaltvollen Aussagen (The Ranks of the Masses rising) und notwendigen, aber trotzdem kraftvollen Aussagen a la „This is class war. What are you waiting for?“ (aus Nothing recedes like Progress).

Dass sie auch lyrisch mit schnippischen, intelligenten Reimen überzeugen können, beweist das Lied 1915, allerdings nicht nur weil man ein paar Textzeilen in einer tollen, ehrlichen Hommage an den Gewerkschaftsaktivisten Joe Hill von selbigem „geklaut“ hat. Kurze, knackige, krasse Aussagen in kurzen Liedern verpacken? Eine weitere Stärke von Hauptlyriker Justin Sane, wie bereits im Intro Controlled Opposition bewiesen. Wie gesagt: Für Fans, aber auch für Leute, die Musik mit inhaltlichen Protestgedanken nicht abgeneigt sind, ist die neue Anti-Flag-Platte mal wieder ein gefundenes Fressen. Von Ernst (The Neoliberal Anthem) zur Polemik (I don't wanna) sowie gelungener Metaphernbildung (The Ghosts of Alexandria); hier ist alles drin.

Doch auch für ein Punk-Album gilt: Musikalisch muss die Scheibe ebenfalls etwas bieten. Früher brachte die Band hier reine, kompromisslose Härte ins Spiel. Dank dreiakkordiger Gitarrentechnik, schnellen Drums und Gruppengebrüll im Punk auch überhaupt kein Problem. Nur früher klang das Gesamtergebnis durch die amateurhaftere Produktion doch etwas rauer und aggressiver. Auch der Druck und die Dynamik der „kommerzielleren“ Phase der Band wurde etwas zurückgefahren, während die Becken diesmal zu penetrant scheppern. Vielleicht ist es ja doch wieder an der Zeit für einen außenstehenden Produzenten, der die Kraft der Jungs gezielter kanalisiert? Doch das ist Kritik auf hohem Niveau, denn rein sound-technisch geht das Album völlig in Ordnung. Einzig an der musikalischen Umsetzung hapert es wirklich seit der Rückkehr in den Untergrund. Einzig durch Tempo können aber selbst solch belanglose Kompositionen wie Turn a Blind Eye überzeugen. Diese sind ja auch außerordentlich kurz (und meist -weilig) und tragen zu einem weiteren Kritikpunkt des Albums bei: 27 Minuten sind doch reichlich kurz!

In manchen Stücken wie Resist geht es sogar richtig rasant zur Sache wie zum feinsten Zenits des Hardcore Punks. Und bei diesem kurzen Stück werden sogar die knalligen Punchlines wieder ausreichend hervorgehoben. Doch leider sind diese zu selten an der Zahl und werden einzig noch im genialen Broken Bones zusammen mit mitgröhlwürdigen Refrains und melodiöseren Gitarrenmelodien zu einem wirklich tüchtig aggressiven und trotzdem eingängigem Punk-Rock-Titel umgewandelt. Okay, Chris #2's außergewöhnliche Stimmgebung und -führung geben auch in Bull**** Opportunist genügend Grund um laut mitzuschreien und das allgemeine Arrangement von This is the New Sound und seiner peppigen Bassline ist ebenfalls nicht zu verachten. Doch insgesamt ist man halt einfach die, auf Albumlänge besser verteilten, großartigen und nicht minder brutalen Hooks der (von Puristen oft gescholtenen) „kommerziellen“ Phase der Band gewohnt. Die etwas weiter gefächerten Einflüsse dieser fand ich übrigens auch nicht verkehrt.

Fazit: Fans, Punk-Puristen und Liebhaber der wieder einmal enorm wichtigen Texte dürfen gerne innerlich die Wertung anheben, doch in Zusammenhang mit der musikalischen Kulisse ist man doch erinnerungswürdigere Songs dieser Band gewöhnt. Strotzt voller Power, kann aber eintönig werden!
Wertung: ***


The Devil Put Dinosaurs Here
The Devil Put Dinosaurs Here
Preis: EUR 7,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geschichten von Dinosaurierknochen, dualen Gesängen und gewohnten Lava-Riffs. Nett, aber nicht mehr herausragend., 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The Devil Put Dinosaurs Here (Audio CD)
Alice in Chains – The Devil put Dinosaurs here (2013)

Als eine der letzten authentischen, recht bitter rockenden Bands der 90er, die ihre Grunge-Fahne weiterhin im Wind schwingen, blicken Alice in Chains auf eine tradionsreiche, teils tragische Band-Geschichte zurück. Selten gelingt ein Comeback so gut wie ihres und auch der unmittelbare Nachfolger strengt sich an das lyrische Grunge-Gewand mit weiter entwickelten Alternative Metal-Riffs adäquat umzusetzen, nur leider stottert unterwegs angesichts Spritmangels der Song-Motor.

Ein Wort sei zu Sound, Ambiente und vor allem Gesang gesagt: Befriedigend. Und nun etwas ausführlicher: Schon allein der Opener Hollow (gerade in Kombination mit dem verstörenden Video) ist alles wofür die neuen Alice in Chains als konsequente Weiterführung der meisten ihrer 90er-Traditionen stehen. Die Texte zeugen weiterhin von schlechter Laune, beziehen sich allerdings nicht mehr auf Drogentrips, sondern tauschen suizidal-tendenziöse Hardcore-Depression gegen allgemein bedrückende Melancholie aus. Auf Dauer sicherlich auch anstrengend, allerdings genau das was die zahlreichen Fans erwarten und manchmal durch sozial- und religionskritische Referenzen versehen hören dürfen. So darf man mal scharf überlegen, warum der Teufel denn Dinosaurierknochen verbuddelt. Gelegenheit bekommt man dazu im (viel zu langen und zähen) Titelsong The Devil put Dinosaurs here.

Abseits der Texte ist das Soundgewand sehr wuchtig und leider etwas überdimensioniert, wenn nicht sogar schon undifferenziert. Zwar dröhnt der Bass recht knackig aus den Boxen (siehe beziehungsweise höre dazu das geile Stone-Riff), die Verzerrung der Gitarren, zusammen mit den zähen Lava-Songs erzeugen allerdings eine regelrechte Wall of Sound, welche auch etwas Schwung nimmt, dafür aber das düstere Ambiente – ausgenommen leichtere akustische und melodiösere Lichtblicke wie Voices - gut trägt. Daran ist per se nichts auszusetzen; Arrangement und Produktion sowie die zahlreichen Jerry Cantrell-typischen Riffs tragen die Platte recht gut. Doch auch hier gilt: Zu viel, zu lange und (auch im Vergleich zum direkten Vorgänger) zu wenig herausragend. Pretty done kann man schon kaum vom Opener unterscheiden und die meisten Lieder wie Lab Monkey schleppen sich 6 Minuten lang von Midtempo-Abschnitten zu Mid-Tempo-Abschnitten.

Weiterhin sei gesagt: William DuVall macht seine Sache natürlich nicht schlecht und überzeugt gerade im (ständigen) Duett mit Jerry Cantrell. Diese singen dabei stetige Quinten, erzeugen dabei eine fast powerchord-artige Stimmung und tragen eben zu der leicht depressiven, aber eben auch trägen Stimmung bei. Und wieder sei gesagt: Das alles ist Alice in Chains wie man es mag; das Konzept der Zweistimmigkeit ist spätestens seit Dirt bekannt und recht beliebt, aber eben: Zu oft, zu gleichförmig. Der Vergleich zu Layne ist zwar etwas unfair, angesichts seiner unvergleichlichen sängerischen Größe und seines ebenfalls unvergleichlichen innerlichen Schmerzes, doch dieser brach mit seiner Aggression und seinem hochtrabenden Gesangslinien eben aus dem Konzept aus und hob es somit auf die nächste Stufe. Da fehlt DuVall die Eigenständigkeit.

Nicht dass das Dino-Album schlecht wäre, es ist eben Durchschnitt mit wenigen Höhepunkten. Kleinere sind dabei: Cantrells singende Gitarre in Breath on a Window. Größere: Das geniale (eines der viel zu wenigen) Killerriff von Phantom Limb und die ungewohnte Harmoniefolge eines Low Ceiling. Dass die halb-akustischen Stücke Scalpel und Choke an seelige Jar of Flies-Zeiten erinnern ist ebenfalls recht nett; wobei ersteres „dank“ der kruden Harmoniefolge und dem sperrigen Aufbau nicht überzeugen kann. Letzteres macht allerdings hier alles besser und avanciert, dank seiner Melodie und den schönen Gitarrenspielerein zum besten Lied der Platte (neben Stone).

Fazit: Gewohnte Kost. Entweder bin ich der immer währenden (diesmal etwas weniger bedrückenden) Depression langsam überdrüssig oder der Mangel an großartigen Ideen macht sich diesmal stark erkenntlich. AiC-Fans und Liebhaber der Grunge-Attitüde greifen aber sowieso zu.
Wertung: ***


Love Lust Faith + Dreams
Love Lust Faith + Dreams
Preis: EUR 10,31

4.0 von 5 Sternen Handzahmer, mainstream-kokettierender, doch mit gehörigen Stärken versehen!, 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Love Lust Faith + Dreams (Audio CD)
30 Seconds to Mars – Love, Lust, Faith + Dreams (2013)

Hochgradig theatralisch war Mr. Leto schon immer und das nicht nur in seinen Filmen. Zuerst waren es die kryptischen Texte, die er für sich entdeckt, als Grundgewürz für seine höchst energische Band 30 Seconds to Mars einsetzte. Progressive Elemente waren auch schnell gefunden, bevor Mr. Leto noch innigeren Kontakt zu seinen Fans suchte und This is War mal locker von 100 Mann starken Fanchören einsingen ließ. Und nun hat Jared also vollwertige Orchester und durchdringendere Pop-Elemente neu-erfunden. Hergehört Echelon, hier kommt die neue Scheibe, die ihr anbeten dürft! Oder hassen, denn der Stilwechsel ist doch sehr rapide ausgefallen.

Damit die neue Konzeptplatte mit gewohnt Leto'schen lyrischen Ergüssen natürlich episch ausfällt, kann man nicht einfach so in ein Album mit einem Riff hereinplatzen. Da muss es schon ein ausschweifendes Intro sein, welches uns die Gebrüder Leto und (Ex-)Gitarrist Tomo Miličević hier anbieten. Dieses Intro (Birth genannt) gibt bereits gut die Klangrichtung vor. Jared übt sich gewohnterweise in theatralischen Texten und intoniert diese bravourös. Drummer Shannon hingegen trommelt sich gewohnt kraftvoll durch den musikalischen Höhepunkt des Songs und Tomo musste mittlerweile die Gitarre ablegen und bedient lieber kollosal klangfüllende Synthesizer, während ein imposantes Orchester höchstspannend mit energischen “Riffs” jongliert. Perfekt!
Wie das Album in Gänze perfekt hätte werden können, demonstriert eindrucksvoll das nächste Lied Conquistador. Es ist nämlich das einzige Lied, dass noch alte (wohlbekannte und wohl geliebte) Gitarrenwände verbrät und dabei Aggressionen vom Feinsten gegen die Wand fährt und Soundwall-technisch diese glücklicherweise durchbricht. Jared Leto singt sowieso formidabel und höchst energisch, wenn er auch auf seine krassen Schreie der Anfangstage leider verzichtet. Zusammen mit der grandiosen Orchesterbegleitung, den frenetischen Streichern, den etwas zurückgefahrenen, aber eingängigen Chören und dem herausragenden Drumming sowie den “Vintage-Synthies” erwartet uns hier ein echter “Battle Song”, welcher auch dem Vorgängeralbum This is War gut gestanden hätte.

Aber gut, die Band verzichtet desweiteren auf diese Art von Liedern. Sie wollen sich ja auch weiter entwickeln, obwohl das zuweilen zu krampfhaft innovativ wirkt, Orchesterexperimente hin oder her. Allerdings beglückt uns die sozusagen „A-Seite“ des Albums noch mit einigen künstlerisch wertvollen Liedern. Up in the Air, die erste Single, ist ein echter Disco-Song geworden, bewältigt aber das Kunststück dabei die gewohnte Mars-Spannung und Energie zu behalten und auch zu kanalisieren. Experiment geglückt. Das Gleiche gilt für das beruhigte City of Angels. Hier überzeugen Melodie und Harmoniefolge und erschaffen eine weitere Mars-Hymne.

Pop gelingt den Jungs auch, zumindest manchmal. Kann The Race trotz monotonem Bass-Drum-Beat und stereotypem Electro-Arrangement noch dank der Melodieführung und dem spannenden Refrain sowie der gitarrenlastigen Bridge überzeugen sowie End of all Days den Maßstab für eine ruhige, aber nicht minder bedrückende, sentimentale Piano-Ballade wieder einmal höher setzen, so herrscht nach dem ganz netten orchestralen Interlude Pyres of Varanasi erstmal pure Pop-Flaute. Bright Lights ist einfach nur lahm, zieht sich melodisch dahin wie ein Kaugummi und klammert sich zu sehr an nichts sagenden Chören fest. Schlimmer ist da nur noch Do or die. Pathetische Möchtergern-Hymnen können auch nach hinten losgehen, wenn sämtliches kreatives Pulver schon vorher verschossen wurde. Wie man es besser macht zeigt Northern Lights. Nur ein weiteres Lied, wobei man Jareds außergewöhnlicher stimmlichen und melodischen Belastung Tribut zollen muss. Was gibt es noch? Ein halb akustisches, halb orchestrales, gut gelungenes Outro namens Depuis le Début und die obligatorische Shannon-Spielerei Convergence. Nett.

Fazit: Liebhaber der gitarrengetriebenen Hymnen dieser Band werden sicherlich maßlos enttäuscht sein. Trotzdem überzeugen die experimentellen, orchestralen und elektronischen Elemente samt gewohnten Mars-Komponenten (Texte, Melodieführung, Chöre), zumindest in der ersten Hälfte.
Wertung: ****


Bachman & Turner
Bachman & Turner
Preis: EUR 14,02

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein spätes Meisterwerk lang vermisster Rockgrößen!, 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Bachman & Turner (Audio CD)
Bachman & Turner – Bachman & Turner (2010)

Randy Bachman & Fred Turner, Frontmänner der legendären Band Bachman-Turner Overdrive, die in den 70ern mit ihrem klassisch trockenem Rock reihenweise Hörer in ihren Bann zogen, sind zurück. Trotzdem die Band in wechselnden Besetzungen relativen Bestand (bis 2005) bewies, sind seit dem letzten Album 26 Jahre vergangen. Zeit für eine Reunion! Und Holla die Waldfee, die alten Säcke sind noch ganz schön geladen!

Die Powerchords knallen wie zum Zenit des simplen und dennoch faszinierenden Blues-Rocks furztrocken aus den Boxen. So startet das neue Album mit Rollin' along. Trotzdem die Produktion gewisse Raffinessen und eine gewisse Extravaganz vermissen lässt, so sind diese Komponenten doch gleichzeitig gar nicht nötig. Die Songs tragen sich alle von selbst und der Opener stellt hierfür das perfekte Paradebeispiel dar. Hier wird drauf los gerockt und gerollt, dass dem Rock-Fan das Herz förmlich aufgeht. Knarzig, dreckig, inperfekt und wahrscheinlich auch live eingespielt. Die Spielfreude ist den alten Recken förmlich anzumerken. Turners wunderbares raues Gesangsvermögen ist nach wie vor beeindruckend. Allein durch sein famoses Brüllen und Stimmvolumen trägt er auch relativ gewöhnliche Stücke wie I've seen the Light.

Randy Bachman selbst ist natürlich ebenfalls noch auf der Höhe seines Schaffensvermögens. Gesanglich bleibt er nach wie vor relativ gewöhnlich, versucht diese zweitweise mit zumindest interessanten Zerreffekten zu kaschieren (so zum Beispiel im hammerharten Can't go back to Memphis), doch kompositorisch vermag er immer noch das Kunstück zu vollführen eingängige Pop-Melodien mit Blues-Riffs und sogar jazzig-funkigen Elementen zu kreuzen. Fügt man zu diesem Rezept noch dissonante Referenzen hinzu, so erhält man That's what it is. Leider fehlen wirkliche poppig-einschmeichelnde Meisterwerke wie damals You ain't seen nothing yet, doch dies hatte auch niemand erwartet und so gehen Stücke wie Find some Love immer noch ziemlich gut ab, obwohl das darauf folgende flotte Lied Slave to the Rhythm etwas repititiv anmutet und mit seinen belanglosen „Hei di ho“-Zwischenrufen sogar etwas verwundert.

Den Blues in allen Ehren, aber manchmal hätte das Album ein bisschen mehr nach vorne preschende Passagen vertragen können. So plätschern Lieder wie Repo Man eher vor sich hin, trotz unvermeidlich anzuerkennender und zu lobenden Blues-Elementen der feinsten Machart. (Gelobt seien ebenfalls pentatonische Skalen!) Seine jazzige Seite lebt Randy ebenfalls aus. Das sieben-minütige, mysteriös groovige Traffic Jam eignet sich perfekt um auch mal ein ausschweifendes lässiges Solo hervor zu zaubern. Einzig bei der schwermütig, von einem emotionalen Riff geprägten, Powerballade Waiting Game wartet man auf einem nicht vorhanden Klimax. Seine Soli lassen zwar manchmal den letzten Biss vermissen, aber das ist wohl dem Alter geschuldet. Die Daumenschrauben anziehen darf Mr. Turner hingegen zu genüge. Sein Bass spielt immer auf den Punkt genau. Ebenso genau wie die neue Backing Band. Hauptattraktion ist aber nach wie vor seine grandiose Stimme. Er brüllt, er presst Töne heraus, er lässt deutsches Vokabular an Bedeutung verlieren, da man sein geniales Organ nur am besten mit „gruffy“ beschreiben kann (Neutral Zone). Ihm sind dann auch solch grandiose Hooks wie Moonlight Rider zu verdanken. Das hat Stil, Raffinesse und gibt zusammen mit Bachmans relativ funkiger Gitarre in den Strophen, und absolut hingerotzten Powerchords im Refrain gehörig den Takt für jüngere Bands an. Noch energischer, noch hervorragender, noch rockiger, schlichtweg noch besser ist nur Rock and Roll is the only Way out. Achtung: Nachbarn könnten erbost reagieren.

Fazit: Wahrscheinlich erfährt dieses Album eine leichte Aufwertung angesichts der Wiedersehens-Freude. Bachman & Turners Comeback-Album kann man getrost neben alle klassischen 70er-Alben der Band stellen. Vielleicht fehlt Innovation und die alten Männer sind vielleicht auch einen Tick langsamer geworden, doch das lässt eben auch dem Blues den freien Lauf. Unbedingt anhören!
Wertung: *****


Goodbye Lullaby
Goodbye Lullaby
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ruhig, einfühlsam, stimmig, wieder etwas anders, aber vor allem ruhig., 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Goodbye Lullaby (Audio CD)
Avril Lavigne – Goodbye Lullaby (2011)

Elende Schubladendenker versuchten schon immer Avril in eine bestimmte Ecke samt Masche zu drängen, so wurde das kanadische Pop-Rock-Gör schon als Anti-Britney, als Goth-Girl oder zuletzt als Power-Punk-Girl tituliert. Nun ist sie plötzlich erwachsen und macht ernste Musik, weil sie ja so reif geworden sein soll... Lasst das Mädchen einfach Sängerin rein!

Ja, das neue Album ist anders. Pink-Pop-Punk-Allergiker dürfen aufatmen, denn von kitsch-fröhlichen Hooks in pink-pop-punkiger Aufmachung ist nichts mehr geblieben. Avril kehrt zurück zu den ruhigeren Tönen, wie oft auf ihrem Debut-Album vertreten. Ganz in Tradition der typischen Ausgleichreaktion schaltet sie gleich drei Gänge zurück, hin zu nachdenklichen Tönen ähnlich des damaligen Under my Skin, leider bleibt aber diesmal auch die üppige, rotzige Gitarrenproduktion auf der Strecke, Wert gelegt wird vor allem auf die akustische Klampfe.

Goodbye Lullaby startet mit dem Werbe-Opener von Avrils Parfüm Black Star. Klingt haarsträubend ist aber eigentlich ein wunderschönes Klavierkleinod mit bewährter Vier-Akkord-Progression. Was man sich danach geleistet hat, geht aber auf keine Kuhhaut. Was hat What the Hell? denn auf diesem eher beruhigten Album verloren? Noch dazu an dieser Stelle, nach einem sanft einstimmenden Intro? Unerwarteter und unerwünschter Plastikpop nach Schema F ist alles was hier übrig bleibt. Zugegeben, Lieder wie dieses sind die einzige echte Abwechslung auf diesem recht introvertierten Album. Selbst Lieder, die ohne die typische Vier-Akkord-Formel und dazu passendes Lagerfeuergeschraddel auskommen, sind meist organisch und ruhig gehalten (Stop standing there und I love you, letzteres leider etwas anstrengend.) Einzig Smile bricht hier aus und ist trotz poppiger Girly-Masche überzeugender als die zuvor erwähnte Leadsingle. Die Gitarren sind ordentlich funkig und der Refrain könnte zwar auf Dauer nerven, ist dafür aber auch extrem catchy.

Zugegeben: Bis jetzt klang die Rezension relativ harsch und Lavignes Songwriting ist auch stark zu kritisieren. Gerade gegen Ende folgt ein 4-Chord-Song auf den anderen. Trotzdem schafft sie selbst die gewöhnlichsten Songs darunter noch durch ungeheuer gefühlvolle und eindrucksvolle Gesangslinien zu verzaubern (4 real). Eine meisterhafte Komponistin mag sie nicht sein, ebenso wenig wie meisterhafte Lyrikerin, dass konnte man ihr schon seit dem Debut vorwerfen, doch ihre simplen Liebeslieder sind so ergreifend, ehrlich, direkt, etwas kindlich und doch unumgänglich. So wird aus dem 4-Chorder Wish you were here (zugegeben: diese Grundformel funktioniert einfach meist immer!) eine dramatische Liebesballade und das eindringliche Push (mitsamt altem Freund Evan Taubenfeld) geht einem nie wieder aus dem Kopf. Ruhig, eingängig und vor allem schön.
Auch wenn die Formel strapaziert wird, gehen Lieder wie Everybody hurts einfach immer gut ins Ohr. Melancholische Melodien und bewährte Harmoniefolgen samt sanfter Instrumentation machen einfach gute Poplieder aus. Leider bleibt die Abwechslung wirklich auf der Strecke. Gerade bei dem spannenden Not enough würde man sich wünschen, dass doch die E-Gitarren im Refrain mal wieder richtig knallen würden. Macht nichts, so bleibt mehr Aufmerksamkeit Avrils Stimmorgan gewidmet. Nicht technisch verzückend oder mit Umfang brillierend, sondern direkt und ehrlich.

Gegen Ende gibt es (oh Wunder!) wieder ein 4-Akkord-Akustik-Lied namens Darlin'. Nagut, dieses eine Mal sei es ihr noch verziehen, immerhin ist das Lied schon etwas älter und wie gehabt eingängig. Bei Remember when (das gleiche noch mal, nur auf dem Piano) geht das aber einfach nicht mehr in Ordnung und Avril muss sich doch den Vorwurf der Einfallslosigkeit gefallen lassen, was natürlich nicht für den unglaublich emotionalen, „gestrichenen“ Closer Goodbye gilt.

Fazit: Fans des „best-verdammten Dings“ werden wohl die frechere Seite an Avril vermissen. Andere vielleicht Abwechslung, mehr Einfallsreichtum oder griffigere Gitarren. Doch als ruhiges Nachfolgealbum geht Goodbye Lullaby voll in Ordnung, Avril hört sich wieder authentischer an.
Wertung: ****


Omega
Omega
Wird angeboten von M & L aus Deutschland
Preis: EUR 15,66

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz nett: Aber der Zenit wurde lange überschritten!, 5. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Omega (Audio CD)
Asia – Omega (2008)

Die Aufsplittung der Band 2006 (inklusive Reunion des ursprünglichen Line-Ups) war nicht nur für John Payne eine herbe Enttäuschung, resultierten diese Vorgänge doch in einem reichlich faden Comeback-Album mit dem Namen Phoenix. Beinharter Progressive Rock war von einer ehemals pompösen AOR-Band wie Asia sowieso nicht zu erwarten, doch Phoenix mangelte es auch an sämtlichen Hymnen und glorreichen Melodien der vergangenen Jahre und war nur noch seichte Schlager-Ware vom Fließband.

Zwei Jahre später. Die Reunion bleibt zumindest kommerziell den Umständen entsprechend erfolgreich und es wurden bisher auch keine Anstalten unternommen sich erneut zu trennen. Auf der neuen Scheibe Omega liegt nun das schwere Schicksal alles besser machen zu müssen. Soviel sei gesagt: Fans des anspruchsvolleren progressiven Rocks können gleich wieder abschalten. Doch bei den restlichen Belangen befindet sich Asia zumindest auf dem Weg der Besserung.
Mit Finger on the Trigger startet das Album immerhin hochmotiviert. Zwar stellt dieses Lied eine Restverwertung alter Icon-Tage der Herren Downes und Wetton dar, ist aber ein wunderbar schmissiger Opener. Hörer dürfen sich vor allem an der prägnanten und endlich nicht mehr schwammigen Produktion freuen. John Wettons Stimme ist mit zunehmenden Alter gereift, was durchaus positiv zu verstehen ist, besitzt er nun nicht nur sein gewohntes Stimmvolumen, sondern auch gewisse Kanten in seiner grandios pompösen Melodieführung. Die Backgroundchöre sind eh euphorisch gut wie eh und je, das Schlagzeug ist deutlicher wahrnehmbar und sogar Steve Howe stellt sein zuweilen zielloses Gefrickel hinten an, zaubert ein flinkes Solo aus dem Hut und begnügt sich sogar mit energischen Powerchords, während Geoff Downes moderne Keyboard-Wände samt Orgeln ausprackt Mit anderen Worten: Ein gelungener, mit Sehnsucht erwarteter Up-Tempo-Song!

Mit Through my Veins werden wieder melancholischere, nachdenklichere Töne angeschlagen, doch Produktions- und Kompositionsqualitäten können glücklicherweise aufrecht erhalten werden und so singt sich Wetton beherzt und superb von einem gelungenen Sound-Teppich begleitet in unsere Seelen. Ebenfalls hervorzuheben ist das spätere, beschwingt fröhlichere und (kontextbezogen positiv) kindische Listen, Children. Mit einer Gute-Laune-Hook geht der Song runter wie Öl. Wenn es doch nur so bleiben würde. Holy War holt allzu früh die stereotypen, monotonen, auf kramphaft freundlich getrimmte Stimmung des unsäglichen Vorgängeralbums (allerdings nicht ganz so schlimm) hervor. Tut niemanden weh, ist aber genauso wenig erinnerungswürdig. Diese penetrante Dur-Auslegung nervt eben so im weiteren Verlauf mit Liedern wie End of the World. Nichts gegen Lebensbejahung, aber dann doch bitte etwas greifbarer und weniger nichtssagend! Ever yours ist dann die obligatorische, eklig klebrig zuckersüße Ballade, welche Gehörgänge mit seiner schnulzigen Aufdringlichkeit verstopft.

Zu oft verwechselt man die zuvor beschriebene penetrant freundliche Aufmachung mit Euphorie. Dass knarzig synthige und gitarren-brodlige Light the Way beginnt recht gut, wird dann aber wieder mit eben so einem Refrain belastet. Hätte I'm still the Same sonstige kompositorische Qualitäten würde es sich dabei positiv mit seinem schön lockerem Rhythmus abheben. I believe versucht dann noch mal große Refrains auszupacken, scheitert aber an den gleichen Punkten. Griffig, mit musikalischen Besonderheiten, trotzdem eingängig, so hätte ich mir auch die neuen, alten Asia gewünscht. Zumindest erreichen sie diese Tugenden in There was a Time, was dank Rhythmik und dorischem Modus an mittelalterliche Klänge erinnert und einen John Wetton in außerordentlicher lyrischer und sängerischer Form präsentiert.

Fazit: Prog-Fans haben bei Asia-Fans nach wie vor nichts verloren, John Payne-Fans ebenfalls nicht. Noch immer fehlen großartige Hooks, die sich nicht nur auf einzelne Songs beziehen. Doch immerhin kann man Omega wieder ohne blutende Gehörgänge hören.
Wertung: ***


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