Fashion Sale Hier klicken reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Inspiration Shop Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Profil für Stefan Blank > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Stefan Blank
Top-Rezensenten Rang: 242.790
Hilfreiche Bewertungen: 113

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Stefan Blank (stefanblank.com)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4
pixel
A bisserl weiter geht's immer: Mit dem Skizzenbuch durch das wilde Österreich
A bisserl weiter geht's immer: Mit dem Skizzenbuch durch das wilde Österreich
von Sebastian Lörscher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial - er hat's schon wieder getan, 18. Dezember 2015
Wenn Sebastian Lörscher loszieht, bewaffnet mit seinem Schneid und seinem Stiftsortiment, dann wird etwas daraus. Da hatte er mit "Making friends in Bangalore" bereits eine derartige Steilvorlage hingelegt, "so was kann er nicht mehr toppen", dachte ich. Falsch gedacht. Mit "A bisserl weiter ... geht's immer" hat er es wieder getan: Menschen, Orte, Situationen, Gespräche - in dem Fall "Schmäh" - so schön plakativ im wahrsten Sinne des Wortes abzubilden, dass die Lektüre einfach nur Spaß macht. Habe das Buch an einem Stück gelesen, oder vielmehr genossen. Auch und vor allem, da Lörscher nach Haiti und Indien "nur" in Österreich "ins Land einigschaut" hat und das per Dialog, Dialekt, Zeichen- und Wortakrobatik. Macht Lust auf mehr. Mehr Österreich und vor allem mehr Lörscher. Sag, wo geht die nächste Reise hin?


Ausseits: Gedichte
Ausseits: Gedichte
von Markus Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

5.0 von 5 Sternen Gedichte und Bilder von Diesseits, Jenseits oder ..., 7. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Ausseits: Gedichte (Broschiert)
... Ausseits. Und so heißt Markus Fritsches neues Buch, das auf mein Nachtkistchen gekommen ist. 2011 hatte ich "Die Rückkehr" hier besprochen, das übrigens 2013 ins Italienische übersetzt wurde, heute, 2014, Lyrik. Zugegeben: Lyrik ist nicht ganz einfach. Kann man nicht recht festmachen an "Rotem Faden", "Dramaturgie", "Charakteren" oder Spannung. Dafür gibt's hier Sprache en masse und en detail. Fritsche also hat sich zusammengetan mit dem Fotografen Richard Gaubatz und ein schwarzes Buch herausgebracht. Schwarz, weil es nun mal einen schwarzen Einband und schwarze Seiten hat. Schwarz ist auch streckenweise der Humor, der uns gedruckt in Weiß entgegenspringt. Dazu die Bilder von Gaubatz, irgendwie locker eingestreut, manchmal das Tüpfelchen auf dem i, manchmal wie unbeabsichtigt dazugesetzt. Aber immer spannend: Architektur, Nichts, ein paar Menschen, Leere, Landschaft, in Farbe und schwarz/weiß. Schwarz/weiß sind auch Fritsches Gedichte, oder?: "Der Himmel hat vier Ecken, keine Böden, keine Decken, nach oben zieht es Brust und Becken, das gibt beim Sterben keine Flecken", heißt es im "Blick aus dem Fenster", das fotografisch von einem Blick aus dem Fenster flankiert wird. Und die erste Zeile aus "In welche Richtung stirbt man?" liegt quasi auf der Hand: "Die nächste Darmspiegelung wird voll in die Hose gehen." Nur konsequent, dass das Buch trefflich gewidmet ist: "Für die Schlaflosen und für alle, die noch wach sind." Und die Gebrauchsanweisung verrät viel von Fritsches Humor, den es sich auf den folgenden 120 Seiten zu entdecken lohnt: "Hinweis zum Gebrauch des Präparates: Im Dunkeln stirbt sich's lebensmüder. Beim nächtlichen Lesen dieses Buches empfiehlt es sich deshalb, eine ausreichend strahlende Lichtquelle zu benutzen." Dann also Licht an und Schmökern – um vielleicht an Fritsches "Logik" hängenzubleiben: "Immer dann, wenn viel geschrieben steht, ist noch viel zu klären. Deshalb schreibe ich jetzt, hier an dieser Stelle wenig. Und dann fast nichts mehr."


Der Goldsucher (KiWi)
Der Goldsucher (KiWi)
von J. M. G. Le Clézio
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Einfach ein schönes Buch., 2. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Goldsucher (KiWi) (Taschenbuch)
Wer Garcia-Marquez mag, wird "Der Goldsucher" lieben: opulente Sprache, ausladende Bilder, ungemein farbiger Erzählstil und eine schöne Geschichte. Alexis verlässt seine Heimat Mauritius, um nach dem Tod seines Vaters einen Piratenschatz auf der Insel Rodrigues zu suchen, in den ersten Weltkrieg zu ziehen, sich zu verlieben, zurückzukehren und letztendlich sich selbst zu finden. Wunderbar. Wer die schnelle Schreibe des 21. Jahrhunderts mag, sollte sich die ersten 50 Seiten trotzdem durch das Epos quälen und sich dann Le Clézios Tempo anvertrauen. Selten so eine bunte Bilderwelt beschrieben gelesen, habe mich reinziehen lassen und nach anfänglichen Schwierigkeiten das Buch an einem Stück fertiggelesen. Und überhaupt Mauritius: so Natur, so echt, so spannend. Und die Rodrigues, 600 Kilometer von Mauritius entfernt: so Natur, so echt, so karg, so menschlich. Und trotzdem liebevoll. Le Clézio ist ein Meister der Bilder, da steht er Garcia-Marquez in nichts nach. Nur den Nobelpreis hat er noch nicht bekommen ...


Expedition Mittelmeer: 11.000 km, 4 Monate _ mit dem Fahrrad unterwegs
Expedition Mittelmeer: 11.000 km, 4 Monate _ mit dem Fahrrad unterwegs
von Arnulf Schwarz
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitleiden ist angesagt, aber Rettung immer in Sicht., 22. August 2011
Böhringen ist irgendwo auf der Schwäbischen Alb. Das ist wichtig zu wissen, denn die Gegend ist ein bisschen ab vom Schuss. Daher ist es umso bewundernswerter, wenn sich zwei Jungs auf dem Dorf auf die Pedale machen, um die weite Welt zu erkunden. Aber nicht nur einfach so. Nein, sie radeln rund ums Mittelmeer, 11.000 Kilometer in vier Monaten. 1999 war's, dass sich Arnulf Schwarz und Matthias Etzel in Bewegung setzten. Danach erzählten sie ihre Geschichte, hielten Diavorträge, "ziehen ihre Zuhörer in den Bann ihrer Geschichten", wie die Tageszeitung "Südwestpresse" schrieb, und irgendwann wurde ein Tagebuch daraus. Gut zu lesen, nicht nur für Radler. Einfach, direkt, ungeschminkt: "Aufgewacht mit dickem Schädel, in der Hand kein schönes Mädel, Füße stinken, Schlafsack nass, das Frühstück macht uns Riesenspaß" (S. 27). Klingt wie ein Reim von Peter Fox, klingt einfach wahr. Denn Zeit zum Denken haben die Jungs genug auf ihrer Tour. Zeit zum Beobachten und Fotografieren auch, nette Ansichten sind dabei herausgekommen: beispielsweise ein Foto aus der Türkei mit einer Palette Efes-Büchsenbier auf dem Gepäckträger oder Sätze wie "Nach 28 Kilometern auf der syrischen Autobahn kotzt uns alles an. Wir machen Pause an einem kleinen Häuschen. Es stinkt und es stellt sich heraus, dass es ein Klohäuschen ist. Doch wir haben keine Kraft mehr, den Platz zu wechseln". (S. 77). Und so geht's auf der Tour ums Durchhalten, um Freundschaft, um gerissene Speichen und kaputte Felgen, um Hungeräste und Seelenqualen. Doch, so viel sei verraten: Die Jungs reparieren wie die Weltmeister, erfrieren fast, werden mit Steinen beworfen, leiden unter der Ausrüstung, trinken jede Menge Bier, halten aber ihre Pläne ein, da sie sich nie entmutigen lassen. "Expedition Mittelmeer" also findet nicht nur bei Radlern einen guten Platz im Bücherregal, sondern ist auch eine nette Studie über eine Idee, deren Umsetzung und die Belohnung, die die Straße bringt.

Fazit: Sehr gut, macht Spaß, Mitleiden ist angesagt, aber Rettung immer in Sicht.


Palo Alto
Palo Alto
von James Franco
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,22

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschön eindrücklich, unmittelbar, glänzend lakonisch erzählt, 29. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Palo Alto (Taschenbuch)
Es gibt so Leute, die sind grenzenlos kreativ. Heute schauspielern, morgen malen, übermorgen werden sie Fotografen und nächste Woche gibts eine Lesung aus den neuesten Werken. James Franco ist so einer. Spielte in "Spiderman" mit, in "Milk" und gab den David in Elisabeth Gilberts "Eat. Pray. Love". Ist ja schon mal was. Aber der Junge kann schreiben, Teufel, Teufel. Sein "Palo Alto", seine Geschichten vom Heranwachsen in einem amerikanischen Kaff mit Sex, Gangbang, Speed, Smack und Booze, Autounfällen und unglücklicher Liebe, diese Geschichte auf 196 Seiten sind wunderschön. Wunderschön eindrücklich, unmittelbar, glänzend lakonisch erzählt, wie es vielleicht nur im angelsächsischen Raum auf Englisch oder eben Amerikanisch geht. Franco erzählt von der Jugend. Er erzählt mit wechselnden Perspektiven, heldenfrei. Alle sind irgendwie Opfer. Die Geschichten kreisen um den Alltag im College, um besoffene Autotouren, Gruppensex im Ehebett der Eltern, Kleinkriminalität und kommen absolut authentisch rüber. Eben, um das Klischee zu bedienen: "Der amerikanische Alptraum".


Richtig leben mit Geri Weibel: Sämtliche Folgen
Richtig leben mit Geri Weibel: Sämtliche Folgen
von Martin Suter
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Feiner Suter, 8. März 2011
Mit dem Suter Martin hatte ich schon ein wenig gehadert nach "Allmen und die Libellen", was ja nun wirklich ein ganz ein müdes Buch ist. Er soll ja bereits ein ganze Reihe um seinen Helden Allmen in der Schublade haben, heißt es. Glaube ich. Und offensichtlich hat er die ganze Reihe an einem Wochenende geschrieben. Aber zurück zum Geri: Nachdem ich das Singspiel "Geri" von Martin Suter und Stephan Eicher in Zürich gesehen und mich köstlich amüsiert hatte, sollte Suter noch eine Chance bekommen. Also das Buch besorgt. "Richtig leben mit Geri Weibel - Sämtliche Folgen" sind launige, kleine Geschichten aus dem Zürich der "ChampBar", dem "Mucho Gusto", dem "Fisch & Vogel" oder dem "Alten Fass". Hier hängt sie herum, die Clique von Geris Stadtmenschen. Sie haben irgendeinen Job, der ist aber nicht wichtig. Wichtig sind Stil und Etikette, Geschwätz und Geläster. Geri macht alles immer gerade nicht richtig, er ist immer knapp daneben: Bei den Klamotten, der Brille, bei den Frauen, der Wohnung und dem Urlaubsort. Er will dem Trend folgen, ihn gar setten, scheitert jedoch regelmäßig. Und kriegt am Ende doch das, was alle wollten. "Richtig leben mit Geri Weibel" erschien von 1997 bis 2002 als Serie im Folio der Neuen Züricher Zeitung und zieht daraus auch eine Stärke: kurze Fortsetzungsgeschichten, die für sich alleine stehen und trotzdem immer noch eine neue Entwicklung erahnen lassen. Und wo es hingeht mit Geri, das interessiert. Mich so viel, dass ich das Buch an einem Tag durchgelesen haben. Und meine, die Züricher Haut Volée jetzt ein bisschen besser zu verstehen. Darauf eine Grenadine - auch wenn sie nun überhaupt nicht in ist.

Fazit: Feiner Suter, er bringt Petitessen wortarm aber bildreich auf den Punkt. Macht Spaß, Lust auf mehr.


Die Rückkehr
Die Rückkehr
von Markus Fritsche
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück nach Sardinien, 24. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Rückkehr (Broschiert)
Markus Fritsche ist Sardinienkenner vom Feinsten. Das hat er in einigen seiner Bücher klar gemacht, "Der Inselabdruck - Fußspuren auf Sardinien" wurde sogar ins Italienische übersetzt. Und jetzt sein neuestes Werk, "Die Rückkehr". Dahinter steckt die Geschichte von Matteo, seit 42 Jahren "Gastarbeiter" in Deutschland, gerade ist ein Gehirntumor bei ihm entdeckt worden. Heilungschancen wenig bis keine. Matteo lehnt jede weitere Behandlung ab und geht zurück an seinen Ursprung, auf seine Insel - nach Sardinien. Doch nicht um einfach zu sterben. Nein, vorher möchte er die pompöse Villa von Silvio Berlusconi in Grund und Boden bomben. Denn die gehört nicht auf die Insel, genauso wenig wie Berlusconi und seine minderjährigen Gespielinnen, die Swimmingpools, der unterirdische Bunker. Matteo also macht sich auf die Socken, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Große Freude machen nicht nur Fritsches feine Sprache und die Wortspielereien, sondern auch seine Beschreibungen der Insel, der Menschen, des Essens, der Freundschaften, der Liebe, des Meeres. Dass er ganz nebenbei noch eine kleine Kulturgeschichte Deutschlands ab den 1960er Jahren aus der Sicht eines damals so genannten Gastarbeiters einbaut, gibt der Geschichte noch mehr Tiefe. Aber nach 117 Seiten ist Schluss. Gerne hätte ich noch mehr gehört über die Insel. Vielleicht aber schreibt Fritsche bald mal einen, nein: den ultimativen Sardinien-Reiseführer.


Arbeitswelten in Deutschland
Arbeitswelten in Deutschland
von Udo Achten
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seltene Einblicke, 26. Dezember 2010
Der Fotograf Werner Bachmeier ist seit vielen Jahren mit einer Mission unterwegs: das Arbeitsleben und die Veränderungen in dieser einzigartigen Welt echt und authentisch und vor allem mit dem geschulten Fotografenauge einzufangen. Um dann eben die Betrachter seiner Bilder einzufangen und mitzunehmen, zum Arbeitsplatz, hin zum Menschen. Und seine Portraits direkt aus der Arbeitswelt, direkt von der Werkbank, sind intensiv, seine Geschichten exzellent, klar und einfach erzählt. Nicht Mensch neben Maschine, sondern Mensch und/an seiner Maschine.

Höchste Zeit also für eine Ausstellung und vor allem ein Buch: "Arbeitswelten - Einblicke in einen nichtöffentlichen Raum" heißt das gute Stück, aufgeladen mit viel Arbeit und vielen (Ein)Blicken. Bachmeier schaut genau durch sein 17- bis 22-mm-Auge, lässt nichts aus, der Mensch ist immer im Mittelpunkt. Der Mensch in seiner Würde und seiner Bedeutung für die Gesellschaft, an seinem Arbeitsplatz - mit seinem Stolz. In der Elektro-, Metall-, Stahl-, Chemie- und Autoindustrie genauso wie im Mittelstand, Handwerk und dem Dienstleistungsgewerbe. Also ein Opus für die Arbeitswelt, geadelt durch ein Grußwort von Gewerkschaftsboss Michael Sommer. Und Udo Achten als Mann des Wortes gelingt es, auch hier den Kontext zu schaffen, die Arbeitswelt zu beschreiben - mit ihren Veränderungen, Herausforderungen, in ihren Auswüchsen, ihren Herausforderungen und der sozialen Stellung für die arbeitenden Menschen. Schön, dass es auch eine begleitende Ausstellung im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum vom 12.10. bis 30.11.2010 gab, aber "was man schwarz auf weiß besitzt": der Griff zum Buch im Regal lohnt jedes Mal aufs Neue.


Hundert Jahre Paradies: Die Schaffung einer indonesischen Ethnie auf Bali
Hundert Jahre Paradies: Die Schaffung einer indonesischen Ethnie auf Bali
von Mario Koch
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Vorbereitungslektüre für Kulturreise nach Bali, 21. Juli 2010
Klingt sperrig der Titel, deutet auf den wissenschaftlichen Ansatz hin und ist eine Magisterarbeit. Und über Bali gibts ja nun wirklich einen ganzen Schrank voller wissenschaftlicher Abhandlungen. Aber bei der Menge an eigenen Unterstreichungen, die mich gerade beim nochmaligen Durchblättern angesprungen haben, muss an "Hundert Jahre Paradies" was dran sein. Mario Kochs Machwerk also ist gut lesbar und verständlich. Nicht zu viele akademische Worthülsen, sondern gute Recherche und eine meiner Ansicht nach saubere Arbeit über Bali. Ich denke, ich kanns einigermaßen beurteilen, bin gerade dort;-) Konkret gehts darum, und da hat Koch ganz artig Kollegen Vickers aus Sydney gelesen, wie wir anderen Quasi-Balispezialisten auch, dass das Paradies Bali gebaut wurde. Und irgendwie nicht echt ist. Oder gerade, weil es so authentisch wirkt, von schlauen Menschen zu einem Freilichtmuseum gemacht wurde. Die Holländer als Kolonialmacht rückten die Schönheit ihrer Kolonie ins rechte Licht, um von den Massenmorden 1906 und 1908 abzulenken, die Deutschen nach Gregor Krause machten sich per Kamera und Essig und Öl auf die Suche nach den nackten Brüsten, die Indonesische Regierung selbst baute nach dem Zweiten Weltkrieg per Fünfjahrespläne Bali zum Nah- und Fernerholungszentrum aus. So what, könnte man sagen, ist doch schön hier. Stimmt ja auch. Ein bisschen viel Verkehr vielleicht, aber die Menschen sind nett und freundlich, alles ist gut. Die Dorfverwaltung, Banjar, hat alles im Griff und bestraft Diebstähle ohne Hilfe der Polizei. Dafür aber nachhaltig. Ja, auch das Banjar wurde von schlauen Menschen kreiert. Aber die Balinesen leben gut mit ihrem Projekt. Und machen sich wenig Sorgen um ihre Identität oder das Ich oder so. Sie feiern lieber eine Verbrennungszeremonie. Und alles Schlechte kommt sowieso von außen, klar, aus Java, klar. Aber aus Java kam auch die gebliebte Majapahit-Kultur nach Bali. Die sich hier erhalten hat, umgeben vom feindlichen Islam. Da sind sie sich einig. Zurück zu Mario Koch: Mit seinen Erläuterungen zur "Ajeg Bali" - "Starkes Bali"-Kampagne hat er bei mir einen Kronleuchter angeschaltet. Denn die Kiste hatte mich besonders interessiert, so auf der Suche nach dem "Balinese Spirit of Resistance". Ajeg Bali also ist eine Kampagne eines nationalistischen Zeitungsmoguls. Ähnlich Blocher in der Schweiz. Nix dahinter. Bei den Balinesen in Penestanan zum Beispiel kommt das nicht an. Sie wollen einfach ihr Ding machen und sind stolz auf ihre Identität. "Hundert Jahre Paradies" also erklärt einiges, verdeutlicht vieles.

Fazit: Vielleicht keine Lektüre für den Liegestuhl im PADMA-Resort in Legian auf Bali, aber für den Schreibtisch und zur Vorbereitung einer Kulturreise nach Bali, dem echten, authentischen Bali, wie es von schlauen Menschen gemacht wurde.


Ohne Geld bis ans Ende der Welt: Eine Abenteuerreise
Ohne Geld bis ans Ende der Welt: Eine Abenteuerreise
von Michael Wigge
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz nett für ein verregnetes Wochenende., 15. Juni 2010
Ja, da zog einer los. Ohne Kohle, ohne Illusionen. Einfach zur Tür raus und immer weiter, Richtung Süden. Zu Fuß. Sechs Monate "durch die Welt der Sesshaften", diese Welt aus einer anderen Perspektive sehend und erlebend. Und darüber hat er dann ein Buch gemacht. Ein richtig gutes Buch. Hervorragend zu lesen, spannend, sprachlich vom Feinsten. Ja, das hat er gut gemacht, der Michael Holzach. 1982 kam das Buch "Deutschland umsonst - Zu Fuß und ohne Geld durch ein Wohlstandsland" raus. Und fast 20 Jahre später versucht sich Michael Wigge, mehrfach für seine Reportagen ausgezeichnet, an einem ähnlichen Projekt. Nur: Holzach hat seinen Hund dabei, Feldmann, Wigge sein Netbook. Holzach hört den Menschen zu, Wigge seinem iPod, der ihm dann am Strand von Hawaii gestohlen wird. Macht nix. Aber von vorne: Wigge startet also von Köln und gelangt in die Antarktis. Ohne Kohle. Aber mit Geld, das er sich unterwegs verdient. Und mit Unterstützung seiner zahlreichen Freunde, die ihm mal eben einen Trip auf einem Containerschiff oder einem Antarktis-Forschungsschiff verschaffen. Ganz nett. Ein paar nette Anekdoten sind drin. "Lonely Planet" bekommt sein Fett weg, das ist immer gut, Peter Fox kommt vor, der Begriff "Starbucks writer" war mir neu und ich weiß jetzt endlich, wer diese wundervoll weiche Version von "Somewhere over the rainbow" singt: der Hawaiianer Kamakawiwo'ole. Gut, habe ich was gelernt. Aber jetzt kommt das "Aber": Mei, was für Geschichten der liebe Michael erzählen könnte, wenn es doch richtig gut erzählen könnte. Eben Holzach-mäßig. Also nicht nur das Konzept mitnehmen, sondern auch ein wenig Schreibe. Aber so ist das Büchlein nett - ohne viel dahinter. Irgendwie Kerkeling-mäßig. Auch nicht prickelnd geschrieben, aber trotzdem erfolgreich. Und das ist natürlich schön für Michael Wigge. Und schön für Holzach, der leider viel zu früh gestorben ist. Denn jetzt lese ich erstmal wieder "Deutschland umsonst".

Fazit: Ganz nett für ein verregnetes Wochenende. Aber "Where's the beef?", daher ne 2 bis 3.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2010 5:37 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4