Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug Neuerscheinungen Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More sommer2016 Herbstputz mit Vileda Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Profil für anne von blomberg > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von anne von blomberg
Top-Rezensenten Rang: 1.866.263
Hilfreiche Bewertungen: 1413

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
anne von blomberg

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
pixel
Minimum
Minimum
von Frank Schirrmacher
  Gebundene Ausgabe

23 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Kinder = keine Freunde = der Tod der Gemeinschaft, 9. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Minimum (Gebundene Ausgabe)
Frank Schirrmachers "Methusalem-Komplott" war ein bestsellernder Aufschrei gegen das unvermeidliche Altern. In "Minimum" versucht er eine (von ihm als erstem diagnostizierte) Katastrophe aufzuhalten: das Sterben der Gemeinschaft durch den Verzicht auf Kinder, denn:
Je weniger Kinder wir bekommen, um so weniger Freunde werden die vereinsamten Nachkommen haben - und noch weniger Lust. sich fortzupflanzen als die Heutigen. Das Ergebnis wird nicht nur eine uralte Gesellschaft sein, sondern eine kalte. Ohne Altruismus, ohne Empathie für andere, ohne Hilfsbereitschaft, denn diese Eigenschaften bringt - so weist Schirrmacher nach - in erster Linie die Familie ins gesellschaftliche Spiel. Und in der Familie sind es in erster Linie die Frauen.
Auf ihre evolutionär stärker entwickelte Mitmenschlichkeit setzt Schirrmacher, denn, so sagt er, auf Männer kann man sich im Katastrophenfall nicht verlassen. Sie sterben früher, denken vorher egoistischer, sind mehr am Materiellen als am Ideellen interessiert, vom guten Willen der Frauen abhängig.
Danke für das Kompliment, aber was Schirrmacher nicht sagt, und das ist die Schwäche von "Minimum": Wie könnte die Gesellschaft Frauen dazu überreden, wieder mehr Kinder zu bekommen? Nicht nur das zur Zeit so beliebte Einzelkind, sondern viele Geschwister? "Nur" damit die Gemeinschaft der besonders "kinderfeindlichen" Deutschen überlebt?
Darüber sollte Frank Schirrmacher das nächste Buch schreiben. Titelvorschlag: "Maximum. Vom Vergehen des männlichen Egoismus und der Fürsorge der Väter für unsere Gemeinschaft".


Dieter Müller - Einfach und genial: Rezepte aus der Kochschule des Meisters
Dieter Müller - Einfach und genial: Rezepte aus der Kochschule des Meisters
von Thomas Ruhl
  Gebundene Ausgabe

17 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Genial sind die Rezepte, aber niht "einfach", 16. Februar 2006
Drei-Sterne-Koch Dieter Müller gilt in Deutschland derzeit als einer der Besten (neben Harald Wohlfahrt aus Baiersbronn). Zu Recht. Sein Restaurant "Schloss Lerbach" bei Köln ist das Ziel unzähliger Gourmets, denn - wie jeder große Koch - verbindet Müller Einfachheit im Stil mit sehr raffinierter Kombination von Geschmacksaromen.
Das neue Kochbuch mit schon mal veröffentlichten wie neuen Rezepten ist auf jeden Fall eine optische Freude. Ans Nachkochen dürfen sich allerdins nur die wagen, die entweder eine Kochlehre hinter sich gebracht oder mindestens ein längeres Kochseminare bei Müller mitgemacht haben.
Laien wie ich sollten den Buchpreis in einen Spartopf stecken, weiter eisern sparen und sich dann einen Abend bei Dieter Müller gönnn. Das Erlebnis wird garantiert unvergesslich bleiben. Im positiven Sinn. Oder sie müssen sich, bevor sie Freunde zum Müller-Menü einladen, mit "Einfach und genial" in ihrer Küche einschließen und erst einmal üben.


Die Schachspielerin
Die Schachspielerin
von Bertina Henrichs
  Taschenbuch

59 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurz, aber erstklassig. Der Roman einer Befreiung, 16. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Schachspielerin (Taschenbuch)
Beim Weintesten ist "trocken" ein Qualitätsmerkmal. Gute Weine sind es. Auf den ersten Schluck oft eher harmlos, beim zweiten verraten sie Tiefe, beim dritten unerwartete und glücklich machende Aromageheimnisse. Genau so ist "Die Schachspielerin". Allerdings fasziniert die auf den ersten Blick einfache Sprache sofort - weil man beim Lesen spürt, dass hier entweder eine genaiale Autorin am Werk ist oder eine, die immer wieder an ihren Sätzen gefeilt hat. So lange bis sie nicht noch "trockener" sein konnten. Unter dieser Einfachheit liegen aber eine Menge Überraschungen: sehr präzise Schilderungen von Menschen und Landschaft, absolut treffsichere Beobachtungen von den Fesseln, die die Tradtion anlegt.
Trotz ihrer Zurückhaltung gegenüber jedem Überschwang gelingt es Bertina Henrichs eine Sensation zu beschreiben - wie ein Mensch sich aus den gesellschaftlichen Zwängen lösen, frei werden und andere zur Akzenptanz der neu gewonnenen Freiheit zwingen kann.

Kurz gesagt: Dieser Erstlingsroman ist nicht nur von großer literarischer Qualität, er ist auch reine Leselust. Anregung pur zum selbst Weiterdenken.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 8, 2008 1:28 PM CET


Deutschland auf der Couch: Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft
Deutschland auf der Couch: Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft
von Stephan Grünewald
  Gebundene Ausgabe

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Angst vor Visionen, Lust auf Zukunft, 15. Februar 2006
Der Unterschied zwischen Stephan Grünebergs Gesellschaftsdiagnose und der anderer: Er begnügte sich nicht mit schnellen Meinungsumfragen, sondern wertete rund 20.000 mehrstündige Tiefeninterviews mit Deutschen aller Klassen, Rassen und Überzeugungen aus. Sein Blick dringt durch die Oberfläche der Medienberichterstattung und zeigt:
DIE Deutschen sind tatsächlich ziemlich lahm, finden keinen Lebensinn und fühlen sich ständig überfordert. Das ist nicht sonderlich lesenswert. Was das Buch spannend macht:
Grünewald zeigt auch: DIE Deutschen entwickeln zur Zeit einen echten Hunger auf Neues. Sie wollen aufbrechen in die Zukunft, fordern von der Politik Entschiedenheit. Und:
Sie sind sogar bereit, dafür das eine oder andere Opfer zu bringen. Trotz allem Geschrei. Weil sich langsam wieder die Erkenntnis durchsetzt:
Schicksal gibt es. Auch die besten Versicherungen, eine allumfassende staatliche Hilfe können uns nicht davor schützen. Also müssen wir das Leben wieder selbst in die Hand nehmen, uns weiterentwickeln. Nicht durch große Visionen, die mögen die Deutschen nicht, aber durch Lust auf Zukunft.
Wenn Deutschland das verinnerlicht und auch von der Grünewald´schen Couch aufsteht, dann hat der Autor erreicht, was er wohl ereichen wollte: die Gesellschaft schwankt nicht mehr, wie der Untertitel sagt, "zwischen Stillstand und Leidenschaft", sondern entscheidet sich endlich für letzteres.


Breaking the Spell: Religion as a Natural Phenomenon
Breaking the Spell: Religion as a Natural Phenomenon
von Daniel C. Dennett
  Gebundene Ausgabe

63 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gibt es Gott? Oder haben wir ihn "evolutionär" erfunden?, 15. Februar 2006
Das es keinen Gott gibt, behauptet der Philosoph und Naturwissenschaftler Daniel C. Dennett, der eine ähnlich kühne These schon für die Freiheit aufgestellt hat. In dem internationalen Bestseller "Freedom Evolved".
Mit der "Abschaffung" der Götter und des einen jüdisch-christlich-mohammedanischen Gottes wird er Millionen Menschen zumindest ärgern, aber sein Buch lohnt sich trotzdem. Unbedingt! Denn: Es macht schlauer. Selbst wenn man seine letzte Konsequenz - es gibt keinen Gott, sondern nur die Evolution - ablehnt, kennt man nach dem Lesen zumindest alle Argumente, die dafür sprechen und kann versuchen sie zu widerlegen.
Dennett vertraut der Evolution, er sieht (so der Untertitel) "Religion as a Natural Phenomenon". Und er zitiert Hunderte von Forschungsergebnissen, die das begünden:
Die Meme, die Informationspäckchen, die unseren Glauben an höhere Mächte seit Urzeiten von einer Generation an die andere weitergeben, helfen uns beim Überleben, oder genauer: Sie sorgen mit dafür, dass unsere Kinder und Enkel einen evolutionären Vorteil haben gegenüber denen, die an keinen Gott glauben. Genau wie die Gene, die zum Beispiel unser Immunsystem über Jahrmillionen verbesserten.
Pure Provakation? Auch, Dennet provoziert gern, aber auf sehr höfliche (auch auf amüsante und immer nachvollziehbare) Art. Wichtiger aber ist: Er provoziert durch Fakten, die Forscher in aller Welt zusammengetragen haben. Bei "primitiven" Eingeborenenstämmen, bei den Erweckungspredigern in den USA, bei Buddhisten, Christen, Moslem und den Uraltreligionen, die wir nur aus der archäologischen Überlieferung kennen. Er kennt sich in der Biologie so gut aus wie in der Gehirnforschung, weiß über die aktuellsten Veröffentlichung in Psychologie, Soziologie und Religionswissenschaft Bescheid. Das Ergebnis seiner Recherchen und Überlegungen:
Die Menschheit erfand Geister und Götter einschließlich des monotheistischen Allmächtigen. Wer an sie glaubt, erträgt ein schlimmes Schicksal leichter, ist - vielleicht - sogar netter zu seinen Mitmenschen, muss weniger Verantwortung für sich selbst übernehmen, weil er die an Priester, Päpste, Mullas oder Rabbis übertragen kann.
Blasphemie? Ich bin überzeugt: Nein, denn Daniel C. Dennett spricht niemals schlecht von den Religionen. Er respektiert sie und ihre Anhänger, gerade weil ihr Glaube - seiner Meinung nach - ein Produkt der Evolution ist. Und die hat - seiner Meinung nach - immer Recht, denn ohne sie gäbe es niemand, der ihre Wirkungen erforschen könnte.
Dennet hat mich vom Agnostiker, einem Menschen, der eine höhere Macht für möglich hält, zum Atheisten "bekehrt", der sich - ohne göttliche Inspiration - als Teil der Natur und ihrer vielen wunderbaren Zufallsschöpfungen sieht und dankbar dafür ist. Ich empfehle deshalb jedem Neugierigen: Break the Spell! Durchbrechen auch Sie den Bann. Es macht erstaunlich frei.


Ich: Wie wir uns selbst erfinden
Ich: Wie wir uns selbst erfinden
von Werner Siefer
  Gebundene Ausgabe

61 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Haben Sie ein ICH? Eine Seele? Wahrscheinlich nicht, 7. Februar 2006
"Ich" ist wohl eines der aufregendsten Bücher der Frühjahrssaison 2005, denn es postuliert die neuesten Erkenntnisse der Gehirnforschung, Psychologie und Philosophie und die lassen sich in einem erschreckenden (oder beruhigendem?) Satz zusammenfassen:
Wir haben kein Ich, keine feste Persönlichkeit, also auch keine Seele.
Das Gute daran, so erklären die Focus-Wissenschaftsredakteure Siefer und Werber sehr verständlich, sehr glaubhaft:
Wir können uns, unseren Charakter, unser Ich jeden Tag neu erfinden - und wir tun das. Auf der Grundlage unseres genetischen Erbes und der persönlichen Erlebnisse. Manchmal auch auf Grund von Gehirnverletzung, die unsere ganze Persönlichkeit total verändern können. Vom Allesesser zum Gourmet zum Beispiel, vom netten Menschen zum hemmungslosen Beleidiger, vom Erinnerungskünstler zu jemand, der jeden Augenblick neu erlebt. So als ob er immer wieder neu auf die Welt käme.
Wenn ein Blutgerinsel im Gehirn unseren Charakter so sehr verändern kann, dann ist unser heiß geliebtes und zumindest von uns selbst so bewundertes Ich keine feste Größe. Es ist vom Zufall abhängig. Statt einer göttlichen Seele steckt in unserem Kopf nur ein - Nichts. Und das, so zeigen Siefer und Werner, wusste schon Buddha, und der der Dalai Lama ist auch davon überzeugt.
Wer Angst vor solchen Erkenntnissen hat, sollte das Buch auf gar keinen Fall lesen. Die Autoren argumentieren zu überzeugend. Wem der Gedanke gefällt, dass er sein ICH täglich neue konstruieren kann, für den ist dieses Buch 1. unentbehrlich, 2. reine Erkenntnisfreude, 3. ein intelligentes Lesevergnügen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 18, 2014 1:11 PM CET


Die Sünde: Das schöne Leben und seine Feinde
Die Sünde: Das schöne Leben und seine Feinde
von Gerhard Schulze
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,10

53 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Glück, unbeschwert sündigen zu dürfen, 25. Januar 2006
Der Soziologieprofessor Gerhard Schulze ist ein Phänomen: Er denkt nicht nur völlig neue Gedanken, er schreibt sie auch noch so nieder, dass der Sozio-Laie sie versteht - und genießt wie ein neues Geschmackserlebnis. Zum Beispiel eine "Ochsenschwanzpraline im Pumpernickelmantel". Schulzes Buch über das Verschwinden der christlich-katholischen Todsünden aus der Geschichte und die Geburt eines ganz neuen Glücksempfinden in der Moderne ist so intelligent kombiniert, so aromatisch und so überzeugend wie der kleine Appetitmacher aus einem Hamburger Restaurant.
Schulzes "Sünde" gehört zu den Büchern, die einen Aha-Moment nach dem anderen liefern - durch seine kluge Beschreibung der einzelnen Todsünden, ihre Wirkung auf frühere Generationen und ihr völliges Verschwinden aus der Gesellschaft heute. Darum geht es im ersten Teil des Buches, aber Schulzes wichtigstes Anliegen, so denke ich, steht im zweiten. Da analysiert er die aktuelle Wahrnehmung des Glücks und erklärt, warum wir heute daran viel größere Ansprüche stellen als vormoderne Gesellschaften. Er unterscheidet zwischen "Glück 1", das das spontane Gefühl von Nicht-mehr-Hunger, Nicht-mehr-Schmerzen, Nicht-mehr-Frieren umfasst, und "Glück 2", bei dem es (auf Dauer) um den Sinn des Lebens geht.
Für mich ist "Sünde" das wichtigste Sachbuch im Frühjahr 2006 und weit darüber hinaus, denn es liefert nicht nur den aktuellen Standard der Glücksforschung, sondern weist den Weg, den wir in die Zukunft einschlagen werden. Eine Freude zu lesen ist es dank des immensen Wissens und des eleganten Stils von Gerhard Schule außerdem.


Stadt ohne Gedächtnis
Stadt ohne Gedächtnis
von Joseph Kanon
  Gebundene Ausgabe

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erster Thriller im Frühling 2006 und einer der Jahresbesten, 10. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Stadt ohne Gedächtnis (Gebundene Ausgabe)
Joseph Kanon, US-Autor, spezialisiert sich in seinen Mordromanen auf die Zeit direkt nach dem zweiten Weltkrieg, und jedes Mal wird daraus ein Thriller mit einem besonders dichten Geflecht an Intrigen, Mordermittlungen, Spionage, Verrat, Mut und Feigheit. Das zeigen besonders "Die Tage von Los Alamos" und "In den Ruinen von Berlin". Letzteres gehört zum Besten, was über die Monate nach Kriegsende geschrieben wurde.
Mit "Stadt ohne Gedächtnis" führt Kanon die Leser nach Venedig, wo die Einheimischen verdrängt haben, wie korrupt, verräterisch und bösartig sie während der deutschen Besetzung handelten, und wo die Ausländer, die hier Erholung von den Kriegs- und Nachkriegsschrecken suchen, ebenfalls nur leichte Unterhaltung wollen.
Joseph Kanon ist ein Detailfanatiker. Jede Straße, die der Ich-Erzähler, ein US-Soldat, der in Deutschland Nazigrößen verfolgte, entlang wandert, wird so genau geschildert wie der Mord in einem alten venezianischen Palazzo. Das macht den Anfang des Thrillers etwas langatmig, aber die Mühe lohnt sich, denn Kanon taucht tief hinunter in den Gedächtnisschlamm aus Partisanengrausamkeit, geheimer Zusammenarbeit mit der deutschen SS, Judenmord und Nachkriegsrache für echte und nur vermutete Verbrechen.
"Stadt ohne Gedächtnis" erzählt von der Nebel- und Nachtseite Venedigs, von den vielen Lügenkulissen, hinter denen Einheimische und Besucher sich verbergen. Das Ergebnis ist ein erstklassiger Thriller, der erste im Frühjahr 2006, aber sicher einer der besten des ganzen Jahres.


über die grenze: ein reiseroman
über die grenze: ein reiseroman
von Rudolf von Waldenfels
  Broschiert

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ultimative Erfahrungen in Wüste & Himalaja, 6. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: über die grenze: ein reiseroman (Broschiert)
Hier geht es nicht um einen der vielen Berichte, die schon eine Menge junger Backpack-Reisender über ihre immer gleichen Erfahrungen zwischen Europa und Himalja, Energierausch und Hasch-Lust geschrieben haben. Rudolf von Weidenfels verfasste einen "Reiseroman", und der ist tatsächlich etwas besonderes.
1. weil er stilistisch aus der Masse der Bücher herausragt, die Jungautoren sonst in die Talkshows führen, weil er neue und fernwehsüchtig machende Bilder für die Faszination von Wüste, Tropenlandschaft und Gebirge findet.
2. weil er die Suche nach grenzüberschreitenden Erfahrungen bei Bergtouren, Drogenerlebnissen und Sex in neue, ehrliche und überzeugende Worte kleidet, nicht selbst verliebt wie die meisten Erlebnisberichtschreiber, sondern mit kritischem Abstand zum gierigen, leidenden, euphorischen Ich.
3. weil er der Einsamkeit des Langstreckenfahrer einen neuen Sinn gibt, auch wenn er gerade im Chaos asiatischen Menchengewimmels versinkt. Rudolf von Weidenfels beschreibt seine Hochs und Tiefs so, dass der Leser sie nicht nur von Seite zu Seite mit wachsendem Genuss liest, sondern wirklich nacherleben kann - selbst wenn er, wie ich, solche Ich-bin-durchgekommen-Bücher eigentlich ablehnt, weil sie sich zu ähnlich und damit auf Dauer langweilig sind. "Über die Grenze" widerlegte mein Vorteil.


Die Vermessung der Welt. Roman
Die Vermessung der Welt. Roman
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neben "Zeitlupe" der beste Roman im Winter 2005, 12. Dezember 2005
Dass es hier um die beiden größten Genies Deutschlands im 19. Jahrhundert geht, wissen Sie ja schon aus den vorherigen Besprechungen. Was ich noch dazusagen will: Dieser kleine Roman liefert keine filmreifen Dialoge, sondern nur indirekte Rede mit reichlich Konjunktiven, die ja heute allgemein als unlesbar gelten. Trotzdem, oder deswegen, liest er sich wunderbar leicht. Er ist witzig, intelligent, trotz aller ironischen Entlarvungen der beiden Super-Egos immer respektvoll und:
Er macht wirklich klüger, weil der die Ideen des Mathematikers Gauß und die Erkenntnisse des Naturforschers Humbold plus die Weisheit von Kant so darbietet, dass auch wir Dummköpfe (nach Gauß' Meinung alle außer ihm) sie zumindest ansatzuweise verstehen.
Ich bin überzeugt: "Die Vermessung der Welt" vom gerade mal 30-jährigen Kehlmann ist neben "Zeitlupe" vom über 70 Jahre alten Nobelpreisträger Coetzee der beste Roman des Herbstes 2005.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8