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Beiträge von H. Becker
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Rezensionen verfasst von
H. Becker
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Gäubodengschwerl
Gäubodengschwerl
von Hugo Nefe
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich, 14. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gäubodengschwerl (Taschenbuch)
Dieses Buch bietet leichte Unterhaltung, gewürzt mit sarkastisch-satirischem Humor, geistreich-hintergründigem Witz und einem Anflug philosophisch-nachdenklicher Ernsthaftigkeit. Beigemischt findet sich auch ein „Schuss Erotik“, der in seiner Art Geschmackssache ist.

Der Gäuboden entpuppt sich hier als Tummelplatz liebenswert-skurriler Typen, denen nichts Menschliches fremd ist. Sie leben, lieben, leiden und genießen, jeder auf seine ganz spezielle Weise. Sie alle suchen ihr Glück, verlaufen sich auf Umwegen und Irrwegen, die manchmal doch ans Ziel führen – manchmal aber auch ins Verhängnis, wie der Tote in der Donau bezeugt. Die Charaktere in dieser Geschichte wirken lebendig, in sich geschlossen und stimmig, zum Teil meisterhaft getroffen in ihrer originellen Eigentümlichkeit – wenn auch nicht ganz realistisch, sondern ins Karikaturistische spielend, was gleichermaßen auf die Handlung zutrifft.

Stilistisch besticht das Buch durch einen ungewöhnlich reichhaltigen Wortschatz sowie einen überaus gewandten, geschmeidigen, phantasievollen, treffsicheren Gebrauch der Sprache. Man spürt, dass dahinter umfassendes Wissen und ein in ausdauernder Gedankenarbeit geübter Geist ebenso stehen wie Lebenserfahrung und die genaue Beobachtung der Umwelt mit allen verfügbaren Sinnen. Daraus erwächst eine ganz eigene Originalität, die jeglicher Abnutzungserscheinungen entbehrt.


5 Tage im Juni: Roman
5 Tage im Juni: Roman
von Stefan Heym
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Einzelschicksale in Tagen des Aufruhrs, 4. November 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 5 Tage im Juni: Roman (Taschenbuch)
Geschichtlicher Hintergrund dieses Buches sind die Ereignisse um den 17. Juni 1953, als der sog. Volksaufstand in der DDR ausbrach. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den politischen und wirtschaftlichen Zuständen führte damals zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten, die schließlich von der Sowjetarmee blutig niedergeschlagen wurden.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht hier ein Ostberliner Industriebetrieb, zentrale Figur ist der dort beschäftigte Vorsitzende der Betriebsgewerkschaftsleitung Martin Witte. Er ist ein Verfechter des Sozialismus, will ihn jedoch möglichst durch Überzeugungsarbeit, nicht durch staatlichen Druck verwirklichen. Sein Standpunkt bringt ihn in Konflikt mit seinen Vorgesetzten, aber auch von Seiten der einfachen Arbeiter schlägt ihm aufgrund seiner gehobenen Stellung Misstrauen entgegen.

Wie Witte und einige andere Betriebsangehörige die Tage des Aufruhrs – beruflich und privat – erleben, gewährt nicht nur einen hochinteressanten Einblick in die systemimmanenten politischen Probleme und die daraus folgenden dramatischen historischen Ereignisse, sondern wirft auch ein Licht auf den DDR-Alltag im Allgemeinen. Heym versteht es, den von ihm geschaffenen Personen echtes Leben einzuhauchen, so dass man Anteil nimmt an ihrem Schicksal. Er zeigt sie realistisch und authentisch, gefangen in ihrer eigenen beschränkten Welt. Mitunter kommt dabei auch ein gewisser mitfühlender Humor zum Vorschein, wenn es um „Menschliches-Allzumenschliches“ geht.


Entscheidung in Berlin
Entscheidung in Berlin
von Leon Uris
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Spannender Geschichtsunterricht, 27. Oktober 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Entscheidung in Berlin (Taschenbuch)
Das Buch führt in die unmittelbare Nachkriegszeit im zerstörten Deutschland. Es zeigt das deutsche Volk in seiner erbärmlichen Niederlage – ausgeblutet und erschöpft durch den „totalen Krieg“, moralisch zersetzt durch das Gift der Nazi-Ideologie, dem Willen der Besatzungsmächte unterworfen. Sehr deutlich erkennbar wird die zutiefst unübersichtliche, instabile Lage in dem besiegten Land. In eindringlichster Weise wird auch offenbar, an welch seidenem Faden sein Schicksal hinsichtlich der Frage hing, ob es in Zukunft der westlichen Einflusssphäre angehören oder dem kommunistischen Herrschaftsbereich zufallen würde.

Dem Autor gelingt es, anhand der persönlichen Erlebnisse fiktiver Einzelpersonen von amerikanischer, deutscher oder russischer Nationalität ein Panorama dramatischer Ereignisse von historischer Bedeutung zu entwickeln. Mit akribischer Genauigkeit und dennoch packend schildert er die Hintergründe der Geschehnisse, die zur sog. Luftbrücke sowie letztendlich zur Teilung Berlins und Deutschlands führten. Grundsätzlich um eine objektive Darstellung der vielschichtigen Situation bemüht, ist die Verbundenheit des Autors mit der amerikanischen Seite spürbar. Insgesamt trägt sein Buch auf eindrucksvolle Weise zum tieferen Verständnis geschichtlicher Zusammenhänge bei.


Goodbye Leningrad: Ein Memoir
Goodbye Leningrad: Ein Memoir
von Elena Gorokhova
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

4.0 von 5 Sternen Goodbye Leningrad - Hello World, 19. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Goodbye Leningrad: Ein Memoir (Taschenbuch)
Die Autorin, Jahrgang 1955, berichtet aus ihrem Leben in Russland bis zu ihrer Emigration, die durch Heirat mit einem Amerikaner möglich wurde. Schon als Kind entdeckt ihr kritischer Geist offensichtliche Ungereimtheiten und als sinnlos empfundene Zwänge im Gesellschaftssystem, in dem sie aufwächst. Früh entwickeln sich bei ihr innere Widerstände gegen ideologisch indoktriniertes Denken und willkürliche Bevormundung durch den Staat. Als sie durch Zufall mit der englischen Sprache in Berührung kommt, erscheint ihr diese wie das Tor zu einer anderen, besseren Welt – jener Welt, die ihr stets nur als der dekadente Westen mit seinem verwerflichen Kapitalismus vor Augen geführt wurde. Sie kämpft darum, Englisch-Unterricht zu erhalten und beginnt später ein Studium der englischen Sprache. Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen wird sie auserwählt, Russisch-Kurse für amerikanische Studenten zu geben. Damit scheint sich ihr Schicksal zu erfüllen und ein seit langem vorgezeichneter Weg sein Ziel zu finden. In einem ihrer Schüler begegnet sie dem Menschen, der bereit ist, ihren Traum von einem Leben im Westen Wirklichkeit werden zu lassen.

Es ist sehr interessant, die Verhältnisse in der Sowjetunion aus der Sicht dieser intelligenten, unabhängigen jungen Person kennenzulernen. Mit unverstelltem Blick und kritischer Beobachtungsgabe zeichnet sie die Eindrücke ihrer Kindheit und Jugend in einem Land auf, das ihrem wachen, freien Geist zu enge Grenzen setzt. Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit und Leidenschaft sie ihrem Wunsch nach Berührung mit einer ihr verbotenen Welt treu bleibt und wie sich die Umstände ihres Lebens schließlich so fügen, dass ihr die Tür dorthin offen steht.


Die Lichter von Bullet Park: Roman (Taschenbücher)
Die Lichter von Bullet Park: Roman (Taschenbücher)
von John Cheever
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kein Gewinn, 8. Juli 2016
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In diesem Buch geht es so gut wie ausschließlich um zwei Familien aus der New Yorker Vorstadtsiedlung Bullet Park: das Ehepaar Nailles mit Sohn und das Ehepaar Hammer. Die Nailles schlagen sich mit einer plötzlichen Gemütserkrankung ihres halbwüchsigen Sprösslings herum, ihr neuer Nachbar Hammer entpuppt sich als Geisteskranker mit mörderischen Wahnideen. Zum Teil sprechen die Protagonisten selbst über ihr Tun und Denken, zum Teil berichtet der Autor über sie und so werden nach und nach Einzelheiten aus ihrer Vergangenheit und ihrem gegenwärtigen Dasein bekannt. Das aktuelle Geschehen driftet auf einen „Höhepunkt“ zu, der die beiden Familien in ein bizarres Ereignis verstrickt.

Mir erscheint diese Geschichte wie eine beziehungslose Aneinanderreihung abstruser Verhaltensweisen von unmäßig ins Groteske übersteigerten Personen und ein Sammelsurium von sich in ihrer Absurdität übertreffenden Geschehnissen. Die ironische Übertreibung in dieser sog. „Gesellschaftssatire“ mutet so drastisch überzogen an, dass sie nicht mehr bissig und geistreich, sondern lächerlich und nichtssagend wirkt. Ich konnte in diesem Werk weder einen Sinn finden noch war es für mich von Unterhaltungswert. Ehrlich gesagt, empfand ich es als haarsträubenden Unsinn.


Wohin rollst du, Äpfelchen ...: Roman
Wohin rollst du, Äpfelchen ...: Roman
von Hans-Harald Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

3.0 von 5 Sternen Odyssee eines Rachefeldzuges, 21. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der junge Georg Vittorin kehrt gegen Ende des 1. Weltkrieges zusammen mit vier Kameraden aus einem russischen Gefangenenlager in seine Heimatstadt Wien zurück. Sie haben sich geschworen, gemeinsam einen Racheplan gegen ihren einstigen Peiniger, den Lagerkommandanten, zu ersinnen. Doch das Leben in der wiedergewonnenen Freiheit mit seinen Verlockungen lässt sie auf Distanz zu ihrem Vorhaben gehen. Letztlich bleibt es allein Vittorin überlassen, ihren Schwur zu erfüllen. In ihm brennt ein fanatisches Feuer, das ihm vorgaukelt, damit eine heilige Pflicht auf sich zu nehmen. Er begibt sich auf die mühselige Suche nach seinem Opfer, scheut dabei weder Tod noch Teufel und nimmt – von Sendungsbewusstsein verblendet – in Kauf, ihm wohlgesonnene Menschen ins Verderben zu stürzen. Schließlich findet diese zwanghafte Odyssee eines Rachefeldzuges ein unvorhergesehenes Ende.

Farbig und phantasievoll schildert Perutz das Geschehen, kenntnisreich webt er historische Details zu Ort und Zeit ein. Dahinter kommt eine pessimistische, ironisch-fatalistische Grundeinstellung zum Vorschein, aber auch ein gewisses sanftmütiges Mitleid mit der menschlichen Kreatur. In dem ausschließlichen Kreisen um eine einzige Verhaltensweise eines Menschen und deren Konsequenzen haftet der Geschichte etwas Lehrstückhaftes an.

Der Titel des Werkes bezieht sich auf ein darin erwähntes russisches Volkslied, das mit den Worten „Wohin rollst du, Äpfelchen …“ beginnt und wohl als Gleichnis für die unergründlichen Wege des Schicksals dienen soll.


Eine Tochter in Berlin: Roman
Eine Tochter in Berlin: Roman
von Otto de Kat
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Momentaufnahme aus dem Innenleben einer Familie im 2. Weltkrieg, 6. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Eine Tochter in Berlin: Roman (Taschenbuch)
Der niederländische Diplomat Oscar Verschuur lebt 1941 berufsbedingt in der Schweiz, seine Frau in London. Tochter Emma ist in Berlin mit einem deutschen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes verheiratet, der Sympathien für den Widerstand hegt. Über Emma erfährt Verschuur von geheimen Kriegsplänen des Naziregimes und gerät dadurch in einen unüberbrückbaren beruflichen und privaten Zwiespalt. Soll er sein Wissen weitergeben und dadurch fremde Menschenleben retten, aber seine eigene Tochter gefährden? Er muss sich zu einem Entschluss durchringen, der – wie er auch ausfällt – mit persönlichen Opfern verbunden ist.

Gezeigt wird eine Momentaufnahme – ergänzt durch Rückblenden – aus dem Leben einer nicht allzu eng verbundenen Familie in einem intellektuellen, kultivierten Milieu. Während der Autor leise und eindringlich die kriegsbedingte äußere Situation der einzelnen Familienmitglieder vor Augen führt, tastet er sich gleichsam Schritt für Schritt an ihre innere Existenz heran, wobei eine gewisse Distanz nie aufgegeben wird. Insgesamt bleiben sowohl die Menschen als auch das Geschehen etwas im Ungefähren, Unverbindlichen haften.

Geschrieben ist das Buch in einer klaren, poetischen Sprache. Die Erzählweise hat etwas Behutsames, Zurückhaltendes und fließt in einem stets gleichen, gemessenen Tempo dahin. Nirgends findet sich Beschleunigung, Verdichtung, Zuspitzung, aber jedes einzelne Wort erscheint sorgfältig abgewogen, jeder Satz ist gehaltvoll, keiner überflüssig.


BUtterfield 8: Roman
BUtterfield 8: Roman
von John O'Hara
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3.0 von 5 Sternen Schlaglichter auf Großstadtgesellschaft während der "Great Depression", 2. Juni 2016
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Rezension bezieht sich auf: BUtterfield 8: Roman (Taschenbuch)
Schauplatz des Romans ist New York zur Zeit der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Im Mittelpunkt steht eine leichtlebige, innerlich verletzte junge Frau mit chaotischen Beziehungen zu verschiedenen Männern, durch die sie schließlich ein tragisches Ende findet.

Dieses inhaltliche Grundgerüst bleibt gleichsam ein dürres Gerippe, wird wenig vertieft. Ein kontinuierlicher Handlungsaufbau ist nur phasenweise zu erkennen. Spät werden Verbindungen zwischen einzelnen Handlungssträngen ersichtlich. Oftmals wirkt die Geschichte uneinheitlich und zusammenhanglos. Das ganze Werk scheint aus einem Bündel loser Enden zu bestehen, die sich hin und wieder kurz berühren, um dann erneut in alle Richtungen auseinander zu flattern. Wohl in dem Bemühen, ein authentisches Bild von Zeit und Ort zu schaffen, schweift der Autor allzu oft ab, um sich oberflächlich einer Vielzahl von damals aktuellen Themen zu widmen. Dabei gelingt es ihm nicht, diese so einzubinden, dass ein in sich zusammenhängendes Ganzes entsteht.

Wo er jedoch in die Tiefe geht, hinterlässt das Buch Eindruck. Es spiegelt eine Atmosphäre von Sinnlosigkeit und Trauer wider, in der die Protagonisten gefangen sind. Ihr Dasein scheint sich überwiegend um Lappalien zu drehen. Auf der Flucht vor sich selbst geben sie sich einem Aktionismus hin, der es nur selten zulässt, ihr eigenes Ich zu hinterfragen. Sie wirken wie Verlorene, die sich auf der Suche nach Glück hoffnungslos verirrt haben und nun auf falschen Wegen nach Ersatz dafür jagen.


The Go-Between: Roman (suhrkamp taschenbuch)
The Go-Between: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von L. P. Hartley
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Unsentimentaler Blick in die Seele eines Heranwachsenden, 24. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im Jahr 1900 verbringt der knapp 13-jährige Leo seine Ferien auf dem herrschaftlichen Familiensitz eines Schulfreundes und wird dort ahnungslos zum Postillon d’Amour zwischen der Tochter des Hauses und einem jungen Pächter. Der Standesunterschied zwischen den beiden Liebenden verbietet zur damaligen Zeit jegliche Annäherung, so dass sie ihre Gefühle nur im Geheimen ausleben können. In dieser Zwangslage zögern sie nicht, den kindlichen Gast als Werkzeug für ihre Zwecke zu gebrauchen – und ein Verhängnis bahnt sich unausweichlich an.

Sehr sensibel und tiefgründig, dennoch erfrischend realistisch und unsentimental beobachtet der Autor das Innenleben und Verhalten des Jungen, der in eine für ihn fremde, verwirrende Umgebung geraten ist. Einfühlsam enthüllt er die zarte Brüchigkeit eines sich gerade erst entwickelnden Charakters – das rührende Bemühen um Anpassung an die Welt der Erwachsenen, die Empfänglichkeit für Lob und Anerkennung, die ehrfürchtige Hingabefähigkeit, die altersgemäße egozentrische Ausrichtung und ungefestigte moralische Einstellung. Es zeigt sich ein unfertiger junger Mensch, der in seinem aufrichtigen Streben, einen akzeptablen Weg durch das Labyrinth des Lebens zu finden und sich dabei zu behaupten, sehr liebenswert erscheint.

Angesichts der ansonsten durchwegs ausführlichen Darstellungsweise wirkt das abrupte Ende der Geschichte etwas überraschend, was auch der angefügte Epilog nicht ganz auszugleichen vermag. Insgesamt ist dieses Buch jedoch ein beeindruckendes, interessantes, bereicherndes Leseerlebnis, das eine frühere Zeit und Gesellschaftsschicht mit ihren Verhaltensnormen und Moralvorstellungen – insbesondere aus der Sicht eines noch kindlichen Heranwachsenden – sehr lebendig werden lässt.


Von Juni zu Juni: Roman
Von Juni zu Juni: Roman
von Irina Korschunow
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,50

3.0 von 5 Sternen Leidenschaftsloser Monolog, 22. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Von Juni zu Juni: Roman (Taschenbuch)
Die 16-jährige Tochter eines Ehepaares aus der Münchner Schickeria verschwindet plötzlich, daraufhin zerpflückt eine mörderische Pressekampagne das Privatleben der Familie bis in die geheimsten Winkel. Wie gehen die Eltern mit dieser Situation um? Welche Auswirkungen hat sie auf ihre gesamte Existenz?

Die Antwort gibt die Mutter, deren Monolog das ganze Buch ausfüllt. In den Vordergrund tritt dabei nicht so sehr die Angst um das Kind als vielmehr der Leidensdruck, der durch die zerstörerische Gewalt einer perfiden Hetzjagd auf die Familie in einem Sensationsblättchen entsteht. Ehemalige Freunde wenden sich ab oder entpuppen sich als verkannte Feinde, vermeintlich verlässliche Geschäftspartner entziehen ihre Unterstützung, von der Presse geschürte und von der Polizei aufgenommene Verdächtigungen verrichten ihr gnadenloses Werk, ein scheinbar fest geknüpftes Netz sozialer Beziehungen löst sich allmählich auf. Und obwohl die Tochter schließlich wohlbehalten wieder auftaucht (was von der ersten Seite an klar wird), ist nach dieser Zeit – von Juni zu Juni – nichts mehr so, wie es einmal war.

Dieses an sich hochdramatische Geschehen wird hier vollkommen leidenschaftslos abgehandelt. Der einmal angeschlagene Ton bleibt durchwegs gleichermaßen kühl, distanziert und leicht ironisch. Dieses fehlende Einbringen von Gefühl bewirkt eine gewisse Monotonie und erschwert dem Leser die innere Anteilnahme. Zudem werden alle beteiligten Personen nur schablonenhaft gezeichnet, ihre Charakterisierung erschöpft sich überwiegend in Gemeinplätzen, was auch für die Milieuschilderungen zutrifft. So hinterlässt das Buch trotz des interessanten Themas nur wenig Eindruck.


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