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Rezensionen verfasst von
Michael Kandov "Michael Kandov" (wien)

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Tabu der Gerechten
Tabu der Gerechten
DVD ~ Gregory Peck
Wird angeboten von ...furs Auge & furs Ohr...
Preis: EUR 7,93

5.0 von 5 Sternen Völlig unterbewertetes FILMJUWEL! Academy Awards für den "besten Film", "beste Regie" und "beste Nebendarstellerin" (1948), 6. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tabu der Gerechten (DVD)
Kurzer inhaltlicher Überblick:
Der Journalist und Witwer Philip Schuyler Green (Gregory Peck) zieht mit seinem jungen Sohn und seiner Mutter nach New York um für einen Zeitungsverleger einen Artikel über Antisemitismus zu schreiben. Die Idee selbst stammt von der Nichte des Zeitungsverlegers Kathy (Dorothy McGuire) mit der sich Philip Green auf Anhieb versteht und sich in sie verliebt. Um solch einen Artikel jedoch glaubhaft und authentisch zu verfassen, gibt er sich für mehrere Wochen als Jude aus um sich selbst einen Überblick zu verschaffen. Nur wenige Menschen (Familie, Verleger, Freundin und sein bester Freund Dave Goldman, der selbst Jude ist) sind bei seinem Vorhaben eingeweiht. Nach und nach macht Green bittere, schockierende und antisemitische Erfahrungen, die auch vor der Familie nicht Halt machen. Distanzierung und Ächtung sind die Folge....

Elia Kazan hat mit der Inszenierung von „Gentleman’s Agreement“ wahrlich einen Nerv getroffen und appelliert an das amerikanische Gewissen. Zwar haben die USA als Teil der Alliierten-Armee im Zweiten Weltkrieg die Juden vor dem Nazi-Regime befreit, hatten jedoch selbst im eigenen Land mit Unruhen und Rassendiskriminierung zu kämpfen. Jüdische Mitbürger wurden zwar nicht offen und aktiv bedroht, sondern vielmehr passiv und hinter vorgehaltener Hand. Durch Boykottierung, durch Erkennung des Vor-/Nachnamens und die dazugehörigen Beleidigungen („kike“). Kazan zeigt unterschiedliche Ressentiments im Film auf und bedient sich vieler Stereotypen, um den Zuschauer zum Nachdenken, Aufrütteln, Aufwachen und Einschreiten zu bewegen, denn Antisemitismus gehört bereits im Keim erstickt und darf nicht erst bekämpft werden, wenn sich das Gift ausgebreitet hat. Durch das „Gentleman’s Agreement“, quasi einem Exklusiv-Club der gehobenen Gesellschaft, wurden sämtliche „persona non grata“ (Juden, Kommunisten, Farbige und andere Minderheiten oder unerwünschte Personen) aus sämtlichen kulturellen und sozialen Bereichen ferngehalten.

Auch der deutsche Filmtitel „Tabu der Gerechten“ empfinde ich bei diesem Film als besonders gelungen, da die „Upper Class“ bzw. gebildete Schicht des Bürgertums sich hier mit den eigenen Vorurteilen konfrontiert sieht und sich selbst die Frage stellen muss: Wie können wir uns als Gerechte bezeichnen, wenn wir in unserer Gesellschaft dieses Tabu tolerieren?

Die größte Stärke des Films ist, dass er viele Fragen aufwirft und einen Diskus heraufbeschwört. Wie soll man mit Menschen umgehen, die keine Rassisten oder Antisemiten sind, diese sogar verteufeln, es jedoch nicht schaffen die Stimme zu erheben und aktiv einzuschreiten? Wie sind sie zu beurteilen? Tragen sie eine Mitschuld oder sind sie gar hauptverantwortlich dafür, dass der Antisemitismus weiter wächst?
Die Zivilcourage gehört zu den Hauptthemen des Filmes und hat einen ganz besonderen Stellenwert, denn die jüdische Minderheit ist auch mit einer anderen ethnischen Gruppe austauschbar. Die Frage wird stets die gleiche sein: „Bist du bereit für deine Überzeugung auch aktiv einzuschreiten und zu helfen oder gibst du dem Hass durch dein Schweigen einen Nährboden zum Gedeihen?“

Einen weiteren Punkt den Kazan aufgreift, ist die Stellung der jüdischen Menschen in der „Upper Class“. Dies wird in der Szene in der die Sekretärin von Green zugibt, die Stelle nur bekommen zu haben, weil sie ihren Nachnamen bei der Bewerbung geändert hat, gut verdeutlicht. Denn zu jener Zeit haben viele junge Künstler ihre jüdischen Namen in christlich ähnelnde Namen geändert, um diese besser in Hollywood vermarkten zu können. So wurde zum Beispiel aus Issur Demsky „Kirk Douglas“, aus Frances Ethel Gumm wurde „Judy Garland“, aus Allen Konigsberg wurde „Woody Allen“, Melvin Kaminsky änderte seinen Namen in „Mel Brooks“, Shirley Schrift wurde zu „Shelly Winters“, Joseph Levitch wurde zu „Jerry Lewis“, Bernie Schwartz ist vielen besser bekannt als „Tony Curtis“ (Vater von Jamie Lee Curtis) und Emanuel Goldenberg wurde zu „Edward G. Robinson“.

Der wichtige Nebendarsteller John Garfield (Geburtsname: Jules Garfinkle), der im Film den besten Freund „Dave Goldman“ spielt, repräsentiert als echter Jude die Erniedrigungen und Schattenseiten, die er viele Jahre am eigenen Leib erfahren hat müssen.

„Gentleman’s Agreement“ ist ein brisanter, hochpolitischer und auch zeitgenössischer Film, der versucht keine Religion oder Nationalität hervorzuheben, sondern den Menschen selbst in den Vordergrund stellen will. Eine Hommage an die Toleranz in Form von Gregory Peck.
Regisseur Kazan selbst war zwar mit dem Film nicht zufrieden, da der Antisemitismus nicht grausam genug in Bild und Ton dargestellt wurde. Dem halte ich aber entgegen, dass weniger das Visuelle, sondern vielmehr die Story, die interessanten Dialoge, zusammen mit den wundervollen Schauspielleistungen (und der fabelhaften Charakterzeichnungen aller Figuren), dem Film erst seinen grandiosen Stempel aufdrücken.

Im darauffolgenden Jahr wurde „Gentleman’s Agreement“ acht Mal für den OSCAR nominiert und gewann ihn schließlich in drei Kategorien. „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Nebendarstellerin“.

Mein Prädikat: besonders wertvoll


Creed - Rocky's Legacy [Blu-ray]
Creed - Rocky's Legacy [Blu-ray]
DVD ~ Michael B. Jordan
Preis: EUR 5,94

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The "Rocky-Franchise" will never die... Stallone's Best Performance, 17. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Creed - Rocky's Legacy [Blu-ray] (Blu-ray)
In meinem Leben gibt es nur eine Filmfigur, die mich sehr stark geprägt hat und diese Figur war Rocky. Als großer Fan und Bewunderer dieser Filmreihe seit über 25 Jahren bzw. meiner gesamten Kindheit, hat mir Rocky gezeigt, dass man im Leben alles erreichen kann, wenn man an sich glaubt und das Ziel niemals aus den Augen verliert. Mit dem Rocky Franchise habe ich mich über die Jahre sehr lange beschäftigt und diejenigen die mich kennen wissen, dass ich über Rocky nächtelang reden könnte. Der "Rocky-Character" ist der Inbegriff von Disziplin, Ehrgeiz, Willensstärke, Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit und Inspiration. Diese Eigenschaften habe ich immer versucht zu verinnerlichen. Für diese Figur werde ich Sylvester Stallone auf ewig dankbar sein. Ich habe die Rocky-Reihe niemals als einzelne Filme betrachtet, sondern alle Teile als einen ganz großen Film. Und jeder Teil hatte seine ganz großen Momente. Zugegebenermaßen muss ich festhalten, dass der Original Rocky (1976) in seiner Form einzigartig war. Rocky IV (1985) ist der Film den ich als Kind als ersten Film der Reihe gesehen und ohne zu übertreiben, in meinem Leben ungefähr 100 mal gesehen habe. In den 90-er Jahren gab es Zeiten, da habe ich die VHS 2-mal täglich gesehen (über 3 Wochen lang). Jede Dialogzeile ist in meinem Gedächtnis verankert. Besonders geprägt hat mich natürlich der Soundtrack, der den Sportler in mir (so wie Millionen andere auf der Welt) immer wieder motiviert hat im Training aufs Ganze zu gehen. Rocky III hat mich in einer Szene am meisten zu Tränen gerührt. (still to this day). Fans wissen genau auf welche Szene ich anspiele und der von vielen schlecht geredete Rocky V, hatte dennoch wundervolle Momente ("Mickey Flashback", "Rockys Breakdown and Betrayal" und "Adrian's greatest scene" in the Rocky Series)
Sly entwickelte im Laufe der Jahre seine Charaktere sehr gut weiter. Adrian, Paulie, Apollo und besonders Mickey hatten alle in ihren jeweiligen Auftritten besondere und einzigartige Momente. Nach dem Verlust dieser wundervollen Charaktere ging ich mit äußerst gemischten Gefühlen ins Kino. Brauchen wir wirklich noch einen Teil dieser Reihe? Die größte Sorge die ich hatte war, dass Stallone zum allersten Mal nicht am Drehbuch mitwirkte und schließlich war diese Figur seine Kreation. Wird es schief laufen oder wird es gut ausgehen? Die Antwort lautet: Es ist bestens gelaufen!

Jungregisseur Ryan Coogler (der selbst ein großer Fan der Rocky-Reihe und von seinem Vater als Kind sogar "gezwungen" worden ist, Rocky II als Motivation für seine anstehenden Wettkämpfe zu sehen) inszenierte Creed, der nicht nur als Sequel, sondern vielmehr als gelungenes Spin-Off einer kommenden eigenständigen Film-Reihe zu betrachten ist. Nach eigenen Angaben hatte Coogler Stallone 2 Jahre lang überreden müssen wieder in sein Alter-Ego zu schlüpfen. Mit einem interessanten Drehbuch und einer tollen Story ist es ihm gelungen, den "Italian Stallion" an Board zu bringen. Denn OHNE Sly wäre der Film zum Scheitern verurteilt gewesen. Und es hat sich ausgezahlt. Kürzlich wurde Stallone mit seinem ALLERERSTEN "Golden Globe" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet und vor kurzem erneut mit seiner dritten Oscar-Nominierung (nach 1977 für "bestes Drehbuch", "bester Hauptdarsteller" für ROCKY) als "bester Nebendarsteller" bedacht.

Creed erzählt die Geschichte des jungen Adonis Johnson (den unehelichen Sohn von Apollo Creed) der schon als Kind immer wieder in Schlägereien verwickelt worden ist und nur einen Wunsch hat, Profi-Boxer zu werden. Er beschließt nach Philadelphia zu fahren um die große Boxikone Rocky Balboa aufzuspüren und von ihm trainiert zu werden....

Mit Creed beweist uns Regisseur Coogler, dass er ein wahrer Fan der Rocky-Reihe ist und er zeigt uns dies, in dem er uns viele Parallelen zum ursprünglichen Rocky Film vor Augen hält. Die Liebe zum Detail wird ersichtlich, in dem er viele Szenen und Elemente aus den Vorgänger-Filmen aufgreift um sie wieder neu zu inszenieren. Vergleichen wir den Original Rocky mit diesem Film, so fällt auf, dass wir schon in der Anfangsszene sehr viele Gemeinsamkeiten mit Adonis und dem jungen Rocky aus 1976 haben, jedoch mit einem ganz großen Unterschied: Der eine boxte um zu Überleben (weil er nichts anders konnte) und der andere boxt aus Leidenschaft und Freude am Sport und dafür einen gut bezahlten Job (den Rocky immer anstrebte, ihm jedoch aufgrund seiner (Aus-)Bildung verwehrt blieb) an den Nagel hängt. Coogler achtet in seiner Inszenierung darauf, nicht einen weiteren Aufguss der Reihe zu kreieren, sondern immer seinen eigenen Stil im Auge behält und bedient sich dabei mit interessanten filmischen Mitteln. (z.B: Einführung der Boxgegner für die Zuschauer, das "Mittänzeln" der Kamera mit den Boxern während des ganzen Kampfes,...)
In Creed verbindet Coogler einen wundervollen Mix aus ruhigen und temporeichen Szenen, wobei die ruhigen Szenen mit Jordan und Stallone dominieren und die wundervolle "Locker Room"-Szene beweist dies. Die Chemie zwischen den beiden Darstellern ist wundervoll. Jede Szene ist schlüssig und die Dialoge wirken authentisch. "Generationstypische Witze" verleihen dem Film seine besondere Note. Beide Protagonisten harmonieren grandios miteinander und beide haben einen schweren Kampf vor sich. Als alternde, weise Boxlegende verleiht Stallone seiner Figur so viel Tiefe, Witz, Charme, Emotionen aber auch Trauer und Einsamkeit sind immer wieder spürbar, ganz im Stile eines wundervollen Charakterdarstellers, wie ich es selten von ihm gesehen habe. In jeder Szene ist zu sehen, dass sich Stallone keineswegs aufdrängt im Mittelpunkt des Filmes zu stehen, sondern er fungiert als beratender und wertvoller Nebendarsteller und vereint in seiner Figur die Eigenschaften, die einst seinen Trainer "Mickey Goldmill" ausgezeichnet haben. Schauspielerisch, einer seiner besten, wenn nicht seine beste Leistung. Der "Rocky-Fan" verliebt sich immer wieder aufs Neue in ihn. Wenn Stallone jemals als Schauspieler einen Oscar verdient hätte, dann für die Figur des "Rocky". Am 28. Februar 2016 wissen wir mehr...
Eine absolut wundervolle Hommage des Regisseurs ist es gewesen, den verstorbenen Sohn von Sylvester Stallone (Sage Stallone verstarb 2012, 36-jährig, spielte in Rocky V auch den Sohn von Rocky) in den Film mit einzubauen. Echte Rocky-Fans haben diese Szene sofort richtig gedeutet.

Creed ist gelungene Fortführung des Rocky-Franchises, die sich auf die Anfänge und den Spirit des ersten Teils aber auch der anderen Teile beruft. Der Film sucht meiner Meinung nach zu sehr den Vergleich mit dem ersten Teil, kann jedoch in puncto "Romanze" und "Spannung" weder mit Rocky (1976) noch mit Rocky II (1979) mithalten. Der Film ist keineswegs als reiner Boxfilm zu betrachten, sondern vereint viele Elemente eines guten Dramas in sich. Ein zweiter Teil ist bereits in Planung.
Coogler, well done!

Mein Prädikat: sehenswert
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 21, 2016 3:00 AM CET


The Revenant [Blu-ray]
The Revenant [Blu-ray]
DVD ~ Leonardo DiCaprio
Preis: EUR 7,99

4 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Visuell überwältigendes Survival-Drama, 9. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: The Revenant [Blu-ray] (Blu-ray)
Mit seinem neuesten bildgewaltigen Survival-Epos "The Revenant" kehrt Meisterregisseur Alejandro González Iñárritu wieder in sein bewährtes Fach zurück, dem Drama. Nach einem kurzen, jedoch äußerst erfolgreichem Genre-Wechsel (siehe "Birdman" 2014, bei dem Iñárritu gleich 3 Oscars selbst mitnehmen konnte für die "Beste Regie", "Bestes Drehbuch" und "Bester Film") kommt nun sein neuer düsterer Streifen in unsere Kinos. Und eines vorweg: Dieser Film geht wirklich unter die Haut, im wahrsten Sinne des Wortes.

Kurze Skizzierung der Handlung:
Nach einer äußerst blutigen und verlustreichen Expedition kehrt Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) mit seinem Trupp in ein nahegelegenes Waldstück zurück. Dort kommt es zur brutalen Begegnung mit einer Bärenmutter. Wie durch ein Wunder kommt Glass bei diesem blutigen Massaker mit dem Leben davon. Schwerverletzt von seinen Kameraden im Stich gelassen, beginnt für Glass ein bitterer Überlebenskampf in den Wäldern des eisigen Winters. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit und nur eine einzige Sache hält ihn am Leben: Rache.
Dieser Film punktet auf allen Ebenen. Eine ausgezeichnete Regie, gepaart mit einer atemberaubenden Kamera und perfektioniert von einem glänzenden Protagonisten bzw. Antagonisten.
Bereits zu Beginn des Filmes wird ersichtlich, dass Iñárritu den Fokus gezielt auf Schockelemente setzt um den Zuschauer so dicht wie möglich am Film teilzunehmen zu lassen. Gemeinsam mit seinem 2-fachen Oscarpreisträger, dem genialen Kameramann und mexikanischen Landsmann Emmanuel Lubezki ("Gravity", "Birdman") werden lange Plansequenzen dazu genutzt die Intensität des Filmes zu steigern. Der Zuschauer ist stets miteingebunden und bekommt einen Brocken nach dem nächsten serviert. Jede Kamera-Einstellung sitzt passgenau. Ob "Panorama", "Totale" oder "Nahaufnahme". Die Kamera ist unser stetiger Wegbegleiter und verschafft uns immer grandiose Bilder von der Umgebung. Regisseur und Kameramann haben für diesen Film bewusst auf künstliche Lichtquellen verzichtet, somit blieben der Crew nur weniger Stunden des Tages um auf perfekte Lichtverhältnisse zurückgreifen zu können. Die übrige Zeit des Tages wurde geprobt, geprobt und geprobt um die nachfolgenden Szenen (bei -20°C) zu perfektionieren. Wie dicht die Kamera versucht jede Kleinigkeit einzufangen zeigen uns Aufnahmen, bei denen das Objektiv der Kamera durch den Atem des Protagonisten beschlägt oder die (gewollten) Wasserspritzer, die die Kamera beim Ritt der Protagonisten durch den Fluss abbekommt. Iñárritu würdigt die Kameraarbeit, indem er Lubezkis Bilder Zeit gibt um vom Publikum "aufgesogen" zu werden. Somit bekommt der Zuschauer genügend Zeit, die ihm präsentierten Aufnahmen wahrzunehmen und zu analysieren. Diesen Effekt bekommen wir NUR im Kino.
Dass Emmanuel Lubezki erneut für seine atemberaubenden Bilder am 14.Januar 2016 für den Oscar nominiert werden wird, steht wohl außer Zweifel. Somit hätte er die Chance als erster Kameramann (nach "Gravity", "Birdman") einen "Oscar-Hattrick" zu schaffen. Die Chancen stehen sehr gut.
Sehr gute Chancen kann sich auch wieder Leonardo DiCaprio ausrechnen. 2 Jahre nach "Jordan Belford" verkörpert er mit "Hugh Glass" eine Figur, die das absolute Gegenteil seiner letzten Rolle darstellt. Dass man ihm den Oscar bis dato verwehrte, lag zum einen an der großen Konkurrenz und zum anderen daran, dass die Academy den besonderen Fokus für die Aufopferung bzw. Verschmelzung des Schauspielers mit der Figur in den Vordergrund stellt. (siehe letzten 3 Gewinner Eddie Redmayne, Matthew McConaughey, Daniel Day Lewis). Diese Aufgabe hat er bravurös gemeistert. In keinem seiner Filme hatte DiCaprio so wenig Text wie in diesem. Jedoch spielt das in einem solchen Film keine Rolle, da man in einem Survival-Film gezielt auf Mimik und Gestik setzen muss und es sind gerade die stummen, leisen Momente die sein Spiel intensivieren. Als emotionales so wie körperliches Wrack ohne Nahrung, halbtot und ganz auf sich alleine gestellt, brilliert DiCaprio in jeder Szene. Ob dies nun DiCaprios beste Schauspielleistung gewesen ist, lässt sich nun streiten. Fakt ist nur, dass sich die gesamte Filmcrew aufopfernd für dieses Projekt begeistern konnte. Iñárritu und Lubezki kreierten ein eindringliches "Überlebens-Spektakel", das die Zuschauer dazu veranlasst den ganzen Film hindurch mit den Hauptprotagonisten mitzuleiden. Jede Szene ist von Leid, Tod und Qual geprägt und wer Iñárritu Filme kennt weiß, dass diese Attribute oft die Kernthemen seiner Filme sind. Einen weiteren Vorteil, den sich die Schauspieler zu Eigen machen konnten war die Tatsache, dass der Regisseur darauf bestand, den Film chronologisch zu drehen, somit konnten sich die Darsteller noch intensiver in ihre Rollen hineinversetzen, die mit Fortdauer des Filmes immer wieder vor großen Herausforderungen standen. Brutale Szenen sind in diesem Film genügend vorhanden, haben aber gerade aufgrund der besagten Kernthemen ihre Berechtigung im Film gezeigt zu werden.
Zu jedem tollen Protagonisten gehört auch ein passender Antagonist um in Hochform auflaufen zu können und Tom Hardy hat diese Aufgabe meisterhaft geleistet. Seine nuschelnde psychopathische Stimme (natürlich im ORIGINALTON) erinnert sehr stark an "Bane" (The Dark Knight Rises".
Einen kleinen Punkteabzug gibt es jedoch für die "Glaubwürdigkeit". Obwohl man versucht die Qualen und das Leid des Hugh Glass angemessen und glaubwürdig darzustellen, neigt der Film in einigen Szenen zu Übertreibungen.

Alles in allem:
Zu solch einem Film passt ein bekanntes Kinozitat:
KINO. DAFÜR WERDEN FILME GEMACHT.

Der Star des Filmes ist in allererster Linie die grandiose Kameraarbeit des Emmanuel Lubezki.
"The Revenant" ist ein Film der für die große Kinoleinwand gemacht worden ist und durch eine beeindruckende Kulisse, wundervollen Bildern sowie herausragende Darsteller hervorsticht und einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer hinterlassen wird.

Ich rechne mit mindestens 4-5 fixen Oscar-Nominierungen u.a. für Iñárritu (Regie), Lubezki (Kamera) und DiCaprio (Hauptdarsteller) und bester Film.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 12, 2016 7:33 PM CET


Macondo
Macondo
DVD ~ 1
Preis: EUR 13,49

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mortezais geglücktes Spielfilmdebüt, 31. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Macondo (DVD)
Nach zwei Dokumentarfilmen widmet sich, die aus dem Iran stammende Regisseurin Sudabeh Mortezai nun ihrem ersten Spielfilm Macondo, der auf der Viennale 2014 im ausverkauftem Gartenbaukino seine Österreich-Premiere feiern konnte.
In ihrem Spielfilmdebut geht es um das Schicksal des elfjährigen tschetschenischen Flüchtlingsjungen Ramasan, der mit seiner Mutter und seinen zwei kleinen Schwestern in der Flüchtlingssiedlung „Macondo“ am Rande von Wien lebt. Der Tod des Vaters im Krieg gegen die Russen macht aus Ramasan den Mann im Haus, der versucht den Alltag und das Leben mit der Familie zu meistern, jedoch immer wieder mit kriminellen Handlungen mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

Dass die Regisseurin vom Dokumentarfilm kommt, wird einem sofort bewusst, da sie ihrem Film immer wieder dokumentarische Elemente einflößt, wie der Verzicht eines Soundtracks und die ständige Begleitung Kamera, die den Hauptprotagonisten immer wieder auf Schritt und Tritt folgt.
Mortezai inszeniert den Film bewusst aus der Sicht des jungen Ramasan und dabei zeigt sie präzise die Aufgaben, die der Bursche täglich zu bewältigen hat. Kochen, Einkaufen und Übersetzertätigkeiten sind nur einige seiner Aufgaben. Er wird den Zuschauern als verantwortungsbewusstes Kind vorgestellt. Das Thema des Erwachsenwerdens und der Identitätsfindung haben bei Mortezais Geschichte einen hohen Stellenwert. Wer bin ich? Wo sind meine Wurzeln? Ist es meine Pflicht in die Fußstapfen meines Vaters zu treten? Das sind Fragen mit denen sich Ramasan zunehmend beschäftigt, als er auf einen Unbekannten trifft, der sich als Isa vorstellt und ein Freund des verstorbenen Vaters sein soll. In diesem Zusammenhang setzt die Regisseurin auf Symbole, die eine wichtige Rolle in der Handlung einnehmen. Die kaputte Uhr als wesentlichstes Symbol, die stellvertretend für den verstorbenen Vater steht, der seinen negativen Einfluss auf den Sohn überträgt. Als diese repariert und Ramasan infolgedessen mit Diebstahl und Einbruch konfrontiert wird, droht das Asylverfahren auf der Kippe zu stehen. Eifersucht und Boshaftigkeit sind weitere negative Eigenschaften die sich Ramasan aneignet und immer mit kleinen, jedoch wichtigen Szenen (wie z.B: das Zurechtrücken des Kopftuches der Mutter) von der Regisseurin sichtbar für das Publikum gemacht werden.

Zwar beruht die Story nicht nach einer wahren Begebenheit, jedoch lässt sie sich gut ins wirkliche Leben übertragen ohne „gekünstelt“ zu wirken.
Dies konnte erreicht werden, da Mortezai zum einen, explizit mit Laiendarstellern und Laiendarstellerinnen gearbeitet hat und zum anderen, die „Schauspieler“ das Drehbuch nicht vollständig zu lesen bekommen haben, sodass sich die Laien nicht auf spätere Szenen vorbereiten konnten und ihr „Schauspiel“ somit aus dem Bauch heraus gekommen ist, so die Regisseurin im anschließenden Publikumsgespräch.

Mortezais Spagat vom Dokumentar- zum Spielfilm ist bravourös geglückt. Mit der Fiktionalisierung ihrer Story ist es ihr gelungen ihrer eigenen Dramaturgie zu folgen ohne eine Sekunde an Glaubwürdigkeit eingebüßt zu haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 5, 2015 1:25 PM MEST


Phoenix [Blu-ray]
Phoenix [Blu-ray]
DVD ~ Nina Hoss
Preis: EUR 11,40

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Petzolds "Kino der Maskerade", 26. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Phoenix [Blu-ray] (Blu-ray)
Für seinen neuesten Film Phoenix arbeitete Christian Petzold, nach Barbara (2012) erneut mit seinen beiden Hauptdarstellern Nina Hoss und Ronald Zehrfeld zusammen. Im Mittelpunkt steht die Jüdin Nelly (Nina Hoss), die das Konzentrationslager mit schweren Gesichtsverletzungen überlebt hat und nur einen Wunsch hegt... ihren Mann Johnny (Ronald Zehrfeld) wieder zu finden. Mit neuem Gesicht findet sie nach dem Krieg ihren Mann in einer Bar wieder. Dieser jedoch erkennt seine totgeglaubte Frau Nelly nicht, hat aber bereits einen Plan um an ihr Erbe zu kommen....

Das große Hauptthema in Petzolds Erzählung ist Verlust. Der Verlust des Gesichtes, der Verlust der großen Liebe, der Verlust geliebter Menschen, sowie der Verlust der eigenen Identität. Ästhetisches und ausdrucksstarkes sowie metaphorisches Kino wird hier geboten.
Ganz im Stile des Film Noir schafft Petzold eine düstere und dunkle Atmosphäre, der die Seele des zerbombten Deutschlands in der Nachkriegszeit widerspiegelt.
Dieses Ges(ch)ichtskino verschafft sich im bildlichen sowie metaphorischen Sinne Zugang zum Zuschauer. Nellys Gesicht, das von ihrem Mann nicht mehr erkannt wird bzw. erkannt werden möchte, steht im direkten Kontrast zu Johnny, der sein Gesicht wahren möchte und nicht zugeben kann, sie an die Nazis verraten zu haben. Ein Kino der Maskerade. Beide spielen sich gegenseitig etwas vor und keiner schafft es den anderen aus der Reserve zu locken. Es bleibt dem ZuschauerIn überlassen ob die Geschichte nun an Glaubwürdigkeit einbüßt, wenn der Mann seine eigene Frau anhand der Stimme, der Handschrift oder ihrer Berührungen nicht wieder erkennt. Doch darum geht es in Petzolds Geschichte nicht. Sein Fokus liegt auf der seelischen Ebene. 'Wenn er sie wieder lieben könnte, sie anschauen könnte, ohne die Schuld, dann könnte er sie erkennen' [...] 'Es geht um das seelische Gesicht', meinte der Regisseur treffend in einem Interview.
Eine dritte wichtige Figur in Petzolds Film ist Lene, ebenfalls eine überlebende Jüdin und Freundin Nellys. Sie fungiert als die Stimme der Vernunft, die jedoch von Nelly schlichtweg ignoriert wird, da die Verblendung (noch) zu tief sitzt. Drei Beweggründe (Gier nach dem Geld, Liebe zum Ehemann sowie die Verachtung des Landes) wie sie unterschiedlicher nicht sein können, bestimmen die Figuren in ihren Handlungen.
In der Figur des Johnnys thematisiert Petzold ganz offen den Umgang der Deutschen mit den Überlebenden, die aus den Konzentrationslagern nach Deutschland zurückgekehrt sind ' mit Nichtbeachtung. Nahezu grotesk wirkt in diesem Zusammenhang der Vorschlag Johnnys, ein rotes Kleid und Pariser Schuhe bei ihrer inszenierten Rückkehr anzuziehen. Die unfassbare Tragweite der Nazi - Handlungen lösten einen Bruch mit der Realität aus. Die Augen der Deutschen waren fest verschlossen und die deutschen nichtjüdischen Figuren im Film verdeutlichen dies nur all zu gut.

Angelehnt an Hitchcocks Film Vertigo - Aus dem Reich der Toten (1958) der auch die Identität einer vermeintlich toten Frau zum Thema nimmt, schafft auch Phoenix das Wortspiel mit seinem Filmtitel. Die anfangs gebrechliche Nelly, ohne Ausdruck und stimmlichen Klang, steigt empor und erhebt sich wie ein Phönix aus der Asche und sorgt am Ende für einen atemberaubenden Abgang.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 13, 2015 1:10 PM CET


Zwei Tage, eine Nacht [Blu-ray]
Zwei Tage, eine Nacht [Blu-ray]
DVD ~ Marion Cotillard
Preis: EUR 8,97

26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sozialdrama mit einer tollen Message, 28. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Zwei Tage, eine Nacht [Blu-ray] (Blu-ray)
Solidarität, Zerbrechlichkeit, Erniedrigung sowie Egoismus und Gier sind die wesentlichen Kernthemen des neuen sozialkritischen Dramas der hochgelobten Dardenne Brüder.
Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard (Sandra Byas) verkörpert darin, eine Familienmutter und Angestellte, die aufgrund ihrer Depressionen mehrere Wochen krank geschrieben ist und nun droht ihr zusätzlich der Verlust ihrer Arbeitsstelle, da der Chef der Firma einsparen muss und die übrigen Mitarbeiter vor die Wahl stellt: Entweder sie stimmen für Sandra oder für ihre jährliche Bonuszahlung von 1000€. Nach einer am Freitag bereits zu Ungunsten von Sandra getätigten Abstimmung, willigt ihr Chef nach einer Aussprache mit Sandras Freundin (Juliette) ein, die Abstimmung am Montag noch einmal zu wiederholen. Sandra braucht jedoch die Mehrheit der Stimmen um ihren Job behalten zu können. Somit bleiben ihr genau zwei Tage, um das direkte Gespräch mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu suchen und sie zum Umstimmen zu bewegen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt....

Jean-Pierre und Luc Dardenne nehmen sich für "Deux jours, une nuit" ein hochsensibles Thema zur Brust. Die Wirtschaftskrise und ihre Folgen stellen viele von uns vor die Frage inwieweit unsere Solidarität gegenüber unseren Kollegen geht, wenn das eigene Leben droht aus den Fugen zu geraten. Kein Mensch ist frei von Sorgen, Ausgaben und Nöten. Dies wird der Zuschauerin / dem Zuschauer in diesem berührenden Drama immer wieder deutlich vor Augen gehalten, dabei beweist Marion Cotillard einmal mehr ihre schauspielerische Raffinesse. Sie ist es, die den Film zur Gänze trägt und nahezu in jeder Einstellung zu sehen ist und von der Kamera, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht aus den Augen gelassen wird. Bei ihren Gesprächen mit den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die Reaktionen und Beweggründe äußerst unterschiedlich, sodass die Spannung des Filmes bis zum Ende aufrechterhalten bleibt. Gleichzeitig erhalten die Zuschauer einen Einblick in die Probleme und Sorgen der anderen Figuren.
Dabei wird Sandras körperliches sowie seelisches Befinden immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Sie droht bei jeder Absage weiter in den Abgrund zu stürzen, während jede positive Stimme in ihr wieder die Hoffnung weckt, dass die Solidarität und nicht der Kapitalismus die Überhand bei den Kolleginnen und Kollegen gewinnt.
Eine große Stärke des Filmes ist die Ehrlichkeit gegenüber dem Publikum.
Er beschönigt nichts und zeigt realistische Handlungen der Protagonisten, die authentisch und nachvollziehbar sind. Jeder Besuch von Sandra wird zu einem spannenden Drama, der die Zuschauer fesselt und mitfiebern lässt.
Positiv zu bewerten ist auch, dass die Regisseure bewusst auf „gute und böse Charaktere“ bei den Kolleginnen und Kollegen verzichtet haben, sodass sich das Publikum glaubhaft in beide Seiten hineinversetzen kann.

Abschließendes Fazit:
"Deux Jours, une nuit" ist ein gut strukturiertes Sozialdrama, das gerade aufgrund seiner Einfachheit sowie Ehrlichkeit auf ganzer Linie überzeugt und dabei die Realität schonungslos und präzise abfilmt. Nicht das Ende der Handlung sondern die Botschaft des Filmes wird von den Dardenne Brüdern in den Vordergrund gestellt und diese übermittelt uns am Ende eine lächelnde Marion Cotillard.

Mein Prädikat: Sehenswert!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 28, 2015 4:09 PM CET


Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen [Blu-ray]
Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen [Blu-ray]
DVD ~ Robin Williams
Preis: EUR 7,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hommage an einen großen Künstler: The Artist known as Robin Williams (1951-2014), 21. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es war mir immer ein großes Bedürfnis, mich einmal über den Künstler, Komiker und Schauspieler Robin Williams äußern zu können und dies möchte ich mit dieser kurzen Rezension hiermit tun.
Ich war 10 oder 11 Jahre alt, als der Film in die Kinos anlief und ich zum ersten Mal eine Robin Williams Performance miterleben durfte und ich war hin- und hergerissen und hatte mich vor Lachen kaum noch halten können. Robin Williams' große Gabe war es jedes Kind zum Lachen bringen zu können. Allein durch Mimik, Gestik und seine Begabung Stimmen zu imitieren (grandios in "Aladdin", 1992), zog er jedes Kind in seinen Bann. "Mrs Doubtfire" gilt als Musterbeispiel für eine gelungene Komödie. Er war in der Lage seine ganze Physis mit in die Rolle einzubeziehen, doch das was mich am meisten an ihm beeindruckte, waren seine emotionalen Momente. Er gehörte zu den wenigen Schauspielern die es schafften, mich allein durch seinen Blick zum Weinen und zum Lachen zu bringen. Der Film hat eine sehr persönliche Bedeutung für mich. Ich war damals erst 10 bzw. 11 Jahre alt, als der Film anlief und auch meine Eltern gingen durch eine schlimme Scheidung und wir waren auch drei Kinder. Sogar noch jünger als die Kids im Film. Und das was mich bis heute am meisten zu Tränen rührt, sind die Gerichtsverhandlungen während des Filmes, in der meiner Meinung nach das wahre Talent eines Robin Williams zum Tragen kommt. Der Ausdruck in Robins Gesicht ohne auch nur ein Wort zu sagen, spricht Bände. Er besaß die Fähigkeit Verletzlichkeit, Freude, Leidenschaft, Hingabe, Güte und Liebe im selben Moment darzustellen. Diese Gabe habe ich so sehr an ihn bewundert und geschätzt, sodass ich im Nachhinein (noch als Kind) sagte, dass jeder Vater genau so sein sollte, wie Robin Williams 'Daniel Hillard' in "Mrs. Doubtfire" darstellte. Einen Mann der seine Kinder über alles liebt, nicht einen Tag ohne sie leben kann und sie pausenlos zum Lachen bringen möchte.
Umso schlimmer traf es mich, als ich vom Tod (und vor allem der Todesursache) dieses außergewöhnlichen Mannes erfuhr. Näher möchte ich dazu nicht eingehen. Ich wünsche der Familie viel Kraft in dieser schweren Zeit. Die ganze Welt trauert mit euch. Er wird uns immer als liebevoller Charakterdarsteller und Stand-up Comedian in Erinnerung bleiben, der uns in Komödien ("Mrs. Doubtfire", "Flubber"...) Tragikomödien ("Awakenings", Dead Poets Society, "Patch Adams",...) , Fantasyfilmen ("Hook", "Jumanji", ...") oder auch Thriller ("Insomnia", "One Hour Photo") zum Lachen und auch zum Weinen bringen konnte.

Die Blu-Ray ist noch einmal eine große Steigerung zur DVD und außerdem ist einiges an Bonusmaterial dabei. Auf vielen Blu-Ray's von Robin Williams-Filmen gibt es eine "Ein Blick zurück" Sektion, bei der sich einige Schauspieler, Produzenten und Regisseure noch einmal zu Wort melden. (siehe auch Blu-Ray's von "Dead Poets Society", "Good Will Hunting", ...")

Noch eine Anmerkung an alle, die die Filme nicht in der Originalfassung sehen: Ich möchte keine Kritik an Peer Augustinski, dem Synchronsprecher von Robin Williams äußern, denn der macht seine Sache wirklich gut, doch bin ich selber ein großer Verfechter des Originals und möchte, dass ihr alle "Mrs. Doubtfire", sowie alle Robin Williams Filme (wenn nicht schon getan) einmal im O-Ton seht, denn da kommt die Genialität eines Robin Williams wirklich zum Vorschein. Allein der schottische Akzent von "Mrs. Doubtfire" ist Grund genug.
We've lost a true angel. May you finally Rest in Peace,
The unforgettable Robin Williams (1951-2014)
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 13, 2014 1:05 AM MEST


12 Years a Slave [Blu-ray]
12 Years a Slave [Blu-ray]
DVD ~ Chiwetel Ejiofor
Preis: EUR 7,93

37 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausnahmekünstler Steve McQueen zeigt uns Bilder, die buchstäblich unter die Haut gehen...., 20. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: 12 Years a Slave [Blu-ray] (Blu-ray)
In seinem erst dritten Film widmet sich Regisseur und Ausnahmetalent Steve McQueen einem Herzensprojekt. In "12 Years a Slave" skizziert McQueen den Leidensweg von Solomon Northup, einem farbigen, kultivierten Geigenspieler, der mit Frau und Kindern ein friedvolles Leben in Saratoga Springs, New York führt und bei seinen Mitmenschen sehr angesehen ist. (Anmerkung: Wir befinden uns im Jahre 1841. 20 Jahre vor dem Szessionskrieg) Eines Tages wird Solomon mit zwei Männern bekannt gemacht, die den hervorragenden Geigenspieler für einige Auftritte in Washington verpflichten möchten. Doch nach einem gemeinsamen Abendessen in Washington DC wird Solomon unter Drogen gesetzt und mit einem Sklavenschiff in den Süden verfrachtet und in die Sklaverei verkauft.
Der Beginn seiner zwölfjährigen Leidenszeit....

Steve McQueen, der immer schon einen Film über die Sklaverei machen wollte und dessen Vorfahren auch Sklaven gewesen sind, liefert uns mit "12 Years a Slave" ein atemberaubendes, realistisches sowie emotionales Kunstwerk, der nicht nur den Leidensweg seines Hauptprotagonisten, sondern auch das Leiden der Personen, die in seinem Umfeld sind, zeigt.
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und schildert Ereignisse wieder, die Solomon Northup in seiner Autobiographie "12 Years a Slave" 1853 niedergeschrieben und veröffentlicht hat.
"12 Years a Slave" ist ein schonungsloser Umgang mit der amerikanischen Geschichte und zeigt, dass dieses Thema niemals in Vergessenheit geraten werden darf. Man könnte hier eine Parallele sehen bzw. den Vergleich ziehen, dass McQueen den "weißen Mann im Süden" als eine Art "Nazi der 30er/40er Jahre des letzten Jahrhunderts" porträtiert, der während und auch vor dem 2.Weltkrieg, die jüdische Bevölkerung mit den selben sadistischen, barbarischen, brutalen, menschenverachtenden Methoden zu Werke gegangen ist.

Ein besonderes Markenzeichen im Film ist die statische Kamera, die über eine längere Zeit die Einstellung beherrscht und uns minutenlang buchstäblich fesselt. Der Regisseur setzt hier dieses filmische Mittel gezielt ein, um den Zuschauer das Leid, die Qualen und Schikanen eindringlich spüren zu lassen. In einer "Totalen" macht dies sogar sehr viel Sinn, denn wir werden gezwungen das Umfeld rund um die Einstellung "schärfer" wahrzunehmen. Dem Zuschauer wird Zeit gegeben, das Gesehene zu verarbeiten. Aber auch in "Medium Shots" und "Close-ups" wirkt das Bild stark und ergreifend auf uns. Ganz besonders Chiwetel Ejiofor zeigt in solchen Szenen, dass er ein ausgezeichneter Darsteller und Meister seiner Mimik ist.

"12 Years a Slave" liegt McQueen seinen Fokus eindeutig in der Ökonomie der Sklaverei sowie der Brutalität. Schläge, Vergewaltigungen, Peitschenhiebe, Sklaven- bzw. Menschenhandel und vor allem die Degradierung eines Menschen, der mit Besitzmarke ausgestattet und wie Eigentum behandelt wird, sind Kernthemen dieses Filmes. Die Abschottung, Behandlung und Methoden sind die vordergründigen Themen, weniger die Befreiung und das endgültige Schicksal des Solomon Northup, denn dies verrät bereits der Filmtitel.

Der Film lebt vor allem von seinen 3 tragenden exzellenten Darstellern, die allesamt für den Oscar nominiert worden sind: Chiwetel Ejiofor (Actor in a Leading Role), Michael Fassbender (Supporting Actor) und Lupita Nyong'o (Supporting Actress).
Fassbender, der in allen 3 Filmen von Steve McQueen mitgewirkt hat (diesmal jedoch nicht als McQueens Hauptdarsteller) liefert eine grandiose Performance als sadistischen brutalen Plantagenbesitzer ab. Chiwetel Ejiofor trägt zwar den ganzen Film und brilliert in jeder Szene, jedoch ist es Lupita Nyong'o, die in ihrem ersten Spielfilm eine herzergreifende Darbietung an den Tag legt und mich in jeder Szene zu Tränen gerührt hat und meiner Meinung nach, den Oscar in der Kategorie "Best Supporting Actress" mehr als verdient hat.
Hans Zimmers ergreifender Score trifft den Nagel auf den Kopf und sorgt dafür, dass uns die gezeigten Bilder noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Besonderen Dank gilt Brad Pitt, der sich als ausführender Produzent sehr für die Verwirklichung dieses Filmes eingesetzt hat. Seine kleine, jedoch äußerst wichtige Rolle im Film ist insofern wichtig, da man mit Brad Pitt einen großen Namen mit an Board hat, der sich im übrigen gute Hoffnungen auf einen Oscar machen darf, natürlich nicht als Schauspieler sondern als Produzent, wenn es heißt:
And the Oscar for "Best Picture" of the Year goes to... "12 Years a Slave"

"12 Years a Slave" ist keineswegs nur ein Film sondern ein wichtiges Dokument.

Mein Prädikat: BESONDERS WERTVOLL!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 28, 2014 1:56 PM CET


The Wrestler [Blu-ray]
The Wrestler [Blu-ray]
DVD ~ Mickey Rourke
Preis: EUR 10,99

33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großartiges Meisterwerk! Mickey Rourke IST Randy "The Ram", 11. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: The Wrestler [Blu-ray] (Blu-ray)
(Mehr ein Essay als eine Rezension)

Als bekennender Wrestling-Fan und Kenner der Szene, seit nun mehr als über 25 Jahren, ist es mir immer wieder ein Anliegen gewesen, dass der „Wrestling-Sport“ in der breiten Öffentlichkeit in respektabler Art und Weise dargestellt wird.
Regisseur Darren Aronofsky und Hauptdarsteller Mickey Rourke (der mit seiner atemberaubenden Performance auftrumpft) haben es geschafft einen authentischen und vor allem würdevollen Film über das Schicksal eines professionellen Wrestlers zu zeigen. Mit einem dreimal ausverkauften Gartenbaukino und stehenden Ovationen der Zuschauer ist der Film honoriert worden und avancierte dadurch zum großen Highlight der Viennale 2008, bei dem ich den Film zum allerersten Mal begutachten konnte und mit voller Begeisterung über diesen tollen Film, den Kinosaal verließ.

Mein besonderes Augenmerk möchte ich auf die Darstellung von Mickey Rourke als Randy „The Ram“ Robinson legen und dabei versuchen einige Fragen argumentativ zu untermauern. Inwiefern entsprechen die gezeigten Szenen im Film der Realität?
Hierbei werde ich versuchen chronologisch vorzugehen und theoretische Fakten mit Beispielen aus dem Film in einem Kontext zu stellen bzw. mit empirischen Beispielen zu veranschaulichen, sodass die einzelne Fragen, die der Film offensichtlich aufwirft, gänzlich beantwortet werden können. Wie viel vom Schauspieler Mickey Rourke steckt tatsächlich in der Figur des Randy „The Ram“ Robinson? Anhand welcher Kriterien ist zu erkennen, dass der Film versucht möglichst authentische Momente einzufangen?

Erläuterungen einiger Szenen aus dem Film The Wrestler (2008)
Die erste interessante Szene auf die ich eingehe, findet in der zwölften Minute des Filmes statt. Randy „The Ram“ Robinson ist in der Umkleidekabine und bereitet sich auf seinen Kampf vor, der unmittelbar bevorsteht. Wir sehen ihn, wie er eine Rasierklinge nimmt und sie mit Hilfe eines Tapes geschickt unter sein Handgelenk „versteckt“. Was hat es mit dieser Szene auf sich? Um die Dramatik in einem Wrestling-Match zu steigern, wird oft „gebladet“, so der korrekte Terminus im professionellen Wrestling. Ist ein Match bereits eine gewisse Zeit im Gange, kommt es (wenn es bereits vorher abgesprochen worden ist) zum „Blading“. Hierbei zückt der Wrestler, der gerade von einem zB: schweren Stuhlschlag getroffen oder auch, wie es im Film der Fall ist, auf einer entblößten Ringecke (bei der die Polsterung vom Gegner entfernt worden ist) mit dem Kopf aufkommt, in einem passenden Moment, in dem auch der Kameramann gezielt auf seinen Kontrahenten oder auch in die Menge filmt, seine versteckte Rasierklinge und ritzt sich ein wenig die Stirn auf. Da die Stirn eine gut durchblutete Stelle und der Wrestler ständig in Bewegung ist und dabei schwitzt, vermehrt sich das Blut recht schnell und dies beschleunigt den dramatischen Effekt, gleichzeitig assoziiert der Zuschauer die Blutung des Wrestlers mit der „unfairen“ Aktion, die kurz zuvor stattgefunden hat.
Es dauert nicht lange bis es zum Ende des Kampfes kommt. Unmittelbar nach dem Matchende wird der Wrestler dann vom Arzt im Backstage-Bereich erstversorgt. Diese besagte Szene ist glänzend von Darren Aronofsky inszeniert worden, genauso wie die zuvor besprochenen Matchausgänge mit den Wrestlern.
Im Backstage-Bereich besprechen die einzelnen Wrestler den Matchverlauf ihres Kampfes und erläutern dem Gegner welche Moves sie dabei einsetzen bzw. wie sie den Kampf aufbauen wollen. Die Protagonisten fungieren dabei als Regisseure und Drehbuchautoren, die in der Lage sind, den ganzen Ablauf des Kampfes bereits im Kopf zu entwickeln, noch bevor der eigentliche Kampf überhaupt stattgefunden hat.
Wrestler sind Sportler, Schauspieler und Stuntmänner in einer Person und haben es als Aufgabe, diese Komponenten gut zu vereinen.
Wrestling ist „Sports Entertainment“ und auf diesen Ausdruck beharren alle Wrestling-Organisationen auf der Welt. Eine Art „Soap Opera“ im sportlichen Sinne. Aronofskys The Wrestler ist in vielerlei Hinsicht eine Hommage an das Wrestling und versucht es nicht zu belächeln, sondern verschafft vielmehr einen tiefen Einblick in die Materie.
So auch die Szene im Stripklub, bei der die Stripperin Cassidy (gespielt Marissa Tomei) die Platzwunde an Randys Stirn bemerkt und sagt: „They say Wrestling is fake“ und Randy darauf erwidert: „I’ll show you fake!“ und ihr seine sichtbaren Narben zeigt, die er im Laufe seiner langen Karriere durch unzählige Verletzungen im Ring erlitten hat. Mit diesem Satz geht Randy in die Offensive spricht somit jedem einzelnen Wrestler bzw. Wrestling-Fan aus der Seele. Natürlich sind Matches besprochen und geplant und sicherlich steht der Gewinner des Kampfes bereits vorher fest. Doch wer verliert oder gewinnt ist im Wrestling-Sport zweitrangig. Die oberste Priorität ist es, den Zuschauer mit tollen Moves und Manövern im Ring zu fesseln und zu unterhalten. Dabei wird im engen Körperkontakt „gearbeitet“ und darauf geachtet seinen Kollegen nicht ernsthaft zu verletzen. (Doch wie in jeder anderen Sportart sind Verletzungen nicht ausgeschlossen.) Diese Aufgabe erfüllen die Wrestler mit großer Bravur und zum großen Teil ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit. Auch wenn es so einfach aussieht: Landen Sie doch beinahe täglich mehrere Male mit dem Rücken auf der harten Ringmatte auf oder krachen durch Holztische und fallen von einer vier Meter hohen Leiter. Spätestens dann werden Sie merken, dass diese Männer in der Tat große Opfer vollbringen, nur um ihre Fans zu unterhalten.
Und genau dies und nichts anderes versucht Randy „The Ram“ dem Laien in dieser Szene zu vermitteln.
In den folgenden Szenen versucht Aronofsky den Lifestyle eines Wrestlers dem Zuschauer näher zu bringen. Solarienbesuche sowie tägliches Training, sowie ein gepflegtes Äußeres gehören dabei zum Alltag. Für Zündstoff sorgt der Regisseur beim Tabuthema ‚Steroide’. Es ist offensichtlich, dass auch im professionellen Wrestling, wie in jedem anderen Profisport auch, ein Großteil der Wrestler mit Steroiden arbeitet. Doch die Steroide alleine bringen diese Menschen nicht zu Fall.
Es ist der „Crazy Lifestyle“, den sie nachgehen. Alkohol, Steroide, diverse Designerdrogen, Partys, sowie die Abhängigkeit von verschiedenen Schmerzmitteln und das ständige „on the road“ sein, (manchmal sogar bis zu 300 Tage im Jahr) tragen gemeinsam dazu bei, dass viele Wrestler leider kein hohes Alter erreichen und sehr viele, bereits in ihren Dreißigern und Vierzigern viel zu früh verstorben bzw. sehr früh körperliche Schäden davongetragen haben und im Rollstuhl gefesselt sind. Dies wird dem Zuschauer in der Szene bewusst, in der Randy bei einem sehr mäßig besuchten „Legends Signing“ teilnimmt und seine in die Jahre gekommenen Kollegen wieder sieht. Der eine trägt eine Beinprothese, der andere braucht seine Krücken und ein weiterer sitzt im Rollstuhl und ist inkontinent. Selbst Randy ist keine Ausnahme. Er trägt ein Hörgerät, braucht seine Lesebrille, sein Körper ist mit unzähligen Narben übersäht und er hat gerade eine schwere Bypass-Operation hinter sich. Ein körperliches Wrack, im wahrsten Sinne des Wortes.
Auch das Thema ‚Familie’ greift der Regisseur auf. Da sehr viele Wrestler eine sehr lange Zeit „on the road“ sind und in verschiedenen Städten rund um den Globus auftreten, sind es die eigenen Kinder und die Ehefrau, die darunter zu leiden haben. Im Film sehen wir in einer ergreifenden Szene, wie Randy versucht sich bei seiner Tochter für die verlorene Zeit zu entschuldigen und zugibt seine väterlichen Pflichten vernachlässigt zu haben.
Dieses Thema ist auch eng mit dem Thema der ‚Einsamkeit’ verknüpft. Ein zerrüttetes Familienleben führt sehr oft zur Trennung, Scheidung und Abkapselung. Und diese Einsamkeit ist ein großer Wegbegleiter von Randy im Film. Wie zu Beginn des Filmes zu sehen ist, haust er alleine in einem Wohnwagen und hat kaum Geld die Platzmiete zu bezahlen und ist gezwungen Gelegenheitsjobs in einem Supermarkt anzunehmen um sich über Wasser halten zu können. Hier versucht Aronofsky wieder gegen ein Vorurteil anzukämpfen. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass sich viele Wrestler nach ihrer aktiven Karriere mit einem schönen Sümmchen zur Ruhe setzen können. Jedoch sieht die bittere Realität anders aus. Ein Bruchteil der Wrestler schafft es, alleine vom Wrestling-Sport leben zu können. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass mehr als die Hälfte aller Wrestler, selber für Fahrten und Hotelaufenthalte aufkommen müssen und weil viele keine ausreichende Ausbildung nachweisen können, sind sie gezwungen bis ins hohe Wrestlingalter in den Ring zu steigen.
Es gibt sehr wenige Ausnahmen und Randy ist keine davon. Dies wirft unweigerlich die Frage auf, weshalb man überhaupt den Beruf eines Wrestlers ergreifen möchte?
Die Antwort, die Ihnen jeder Wrestler geben würde ist folgende:
Es ist die Liebe zu den Fans und die Anerkennung, die sie für ihre Aufopferung von ihnen erhalten. Und dies beruht auf absoluter Gegenseitigkeit. Wrestler setzen ihren Körper beinahe täglich aufs Spiel nur um ihre Fans zu unterhalten.
Der Adrenalinkick, den sie dabei verspüren, wenn sie vor einem Live-Publikum auftreten gibt ihnen ein unbeschreibliches Gefühl. Allein die Tatsache, dass die Fans ihr hart verdientes Geld für eine Wrestling-Show ausgeben, anstatt für einen „echten“ Wettkampfsport zeigt, dass sich doch etwas mehr als nur „Show“ dahinter verbirgt. Einen solch’ gegenseitiger Respekt zwischen Fans und den Akteuren im Ring sehen wir nur selten bei anderen Sportarten.
Dies liefert uns Regisseur Darren Aronofsky in der stärksten Szene des Filmes, der Schlussszene und der damit verbundene Monolog von Randy im Ring, adressiert an seine Fans:

"I just want to say to you all tonight I’m very grateful to be here. A lot of people told me that I’d never wrestle again and that’s all I do. You know, if you live hard and you play hard and you burn the candle at both ends, you pay the price for it. You know in this life you can lose everything you love, everything that loves you. Now I don’t hear as good as I used to and I forget stuff and I ain’t as pretty as I used to be, but goddamn, I’m still standing here and I’m The Ram. As time goes by, they say ‚'he’s washed up', 'he’s finished', 'he’s a loser', 'he’s all through'. You know what? The only one who’s going to tell me when I’m through doing my thing is you people here. You’re my family."

Dieses Statement ist wahrlich eine Liebeserklärung und eine Hommage an alle Fans, denn sie sind in der Tat die wahre Familie eines Wrestlers und lassen ihn niemals im Stich. In Randys Fall wird dies ganz klar. Am Ende hat er alles verloren. Seine Tochter, seine Arbeit, seine Freundin, doch die Liebe seiner Fans hält ewig, denn nur im Ring fühlt er sich wirklich zu Hause und geborgen und wird nicht ständig von der Außenwelt verletzt. Seinen letzter Satz, den er im Backstage-Bereich an Pam richtet, verdeutlicht dies sehr gut: „ The only place I get hurt is out there. The world don’t give a s*** about me. [...] You hear them? This is where I belong.“

Mickey Rourke vs Randy „The Ram“ Robinson
Mickey Rourke schafft es mit seiner eindringlichen Darstellung ein ganzes Kinopublikum zu lähmen. Schauspieler und Figur verschmelzen ineinander. Rourke, der einst gefallene Hollywoodheld der 80er Jahre, versuchte sich in den 90er Jahren als Boxer. Doch die große Boxkarriere blieb aus und ein tiefer Abgrund ins Nichts folgte. Die psychischen sowie physischen Wunden sind heute deutlich erkennbar.
Die Rolle des Wrestlers ist Rourke auf dem Leib geschrieben, spiegelt in großen Teilen sein eigenes Leben wider. Seine Aufopferung, Ehrlichkeit und Hingabe für die Figur kennt keine Grenzen. Dieser Tatsache war sich auch Regisseur Aronofsky stets bewusst, als er den einstigen Hollywoodbeau für diese Rolle unbedingt verpflichten wollte.
14 Jahre ist Rourke von der Bildfläche verschwunden gewesen. Der Verlust des Ruhmes, des Geldes, der Freunde und der Familie haben diesen schwer zugesetzt. Auseinandersetzungen mit Autoritätspersonen sowie seine Aggressionen und Wutausbrüche sind kaum zu bändigen gewesen, bis er letztendlich auf Darren Aronofsky trifft und ihm die Rolle seines Lebens verspricht unter der Bedingung, dass er alles tue was der Regisseur von ihm verlangen würde und ihn dabei niemals in Frage stellen bzw. vor Cast und Crew seine Autorität untergraben würde.
Weiters erhielt der Hauptdarsteller die Möglichkeit, Teile des Drehbuches umzuschreiben um seine Dialoge mit eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit Ausdruck zu verleihen. Dies ist besonders im zuvor erwähnten Schluss-Monolog des Filmes, sowie auch im aufklärenden Gespräch mit seiner Tochter Stephanie, als er sie um Verzeihung bittet, der Fall. Diese Szenen sind komplett von Mickey Rourke improvisiert worden.

Was macht The Wrestler zu einem herausragenden Film?
Aronofsky bleibt mit der Kamera dicht bei seinem Hauptprotagonisten.
Der komplette Film ist mit der Handkamera gedreht worden, um einen dokumentarischen Stil zu erzeugen. Rourke verkörpert den Wrestler so gekonnt, sodass der Zuschauer das Gefühl bekommt, er sehe gerade ein Biopic eines echtes Wrestlers, denn seine Haltung, seine Gestik, seine Mimik sowie sein gesamtes Auftreten und Erscheinungsbild sind bestens aufeinander abgestimmt. Hinzu kommt, dass der Film an Originalschauplätzen spielt und dabei eine authentische Wrestling-Kulisse mit einem echten Ring und echten Wrestling Fans zeigt, denn die Aufnahmen im Ring sind unmittelbar nach einer echten Wrestling-Veranstaltung entstanden.
Weiterhin wurden für diesen Film zahlreiche Profi-Wrestler gewonnen. Mit dem ehemaligen Wrestler und heutigen Wrestling-Trainer Afa Anoa’i, der Mickey Rourke für den Film glänzend vorbereitet hat, konnte ein weiterer Star und Berater aus der Wrestling-Szene engagiert werden.
Eine große Anerkennung gebührt dem Regisseur, der diesmal auf aufwendige Montagearbeiten verzichtet hat ("Requiem for a Dream") und versucht mit "The Wrestler" eine geradlinige Story zu erzählen und die Kunst des Wrestlings, durch Blicke hinter die Kulissen, in den Vordergrund zu stellen. Der Zuschauer bekommt somit eine ausführliche Einführung in die Welt des Wrestlings.
Der Film ist ein bewegendes Portrait eines gefallenen Helden, der einfach erzählt ist und es durchaus verdient hat, bei einem breiten Publikum Gehör zu finden.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2014 9:29 PM MEST


Flight [Blu-ray]
Flight [Blu-ray]
DVD ~ Denzel Washington
Preis: EUR 8,49

16 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Denzel wieder in Höchstform!, 8. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Flight [Blu-ray] (Blu-ray)
In Robert Zemeckis' neuesten Film "Flight" geht es, im wahrsten Sinne des Wortes, um einen "gefallenen Helden". Whip Whitaker (verkörpert von einem groß aufspielenden Denzel Washington) ist ein erfahrener Pilot mit ernstzunehmenden Alkohol- und Drogenproblemen. Am Vortag sowie am Tag seines nächsten Fluges nimmt er reichlich Alkohol und Kokain zu sich und fliegt dennoch ein Passagierflugzeug mit insgesamt 102 Menschen an Board. Es kommt zur großen Katastrophe in der Luft. Technische Mängel am Flugzeug hätten beinahe dazu geführt, dass das Flugzeug in die Luft geflogen wäre, doch Whip Whitaker ist es zu verdanken, dass beinahe alle Passagiere durch eine von ihm sehr waghalsigen, spektakulären Notlandung gerettet werden konnten. Whitaker ist der große Held der Stunde. Doch der Held wird schnell um Antihelden, denn als versucht wird die Ursache dieses technischen Gebrechens herauszufinden, stößt man bei den Ermittlungen auf Whitakers Blutwerte...

Robert Zemeckis inszeniert eine packende Charakterstudie eines Mannes, der Probleme hat, seine Schwächen einzugestehen, sie schlichtweg ignoriert. Selbstüberschätzung, Fahrlässigkeit, Selbsttäuschung, Ignoranz, Selbstbetrug, Sucht, Schuldzuweisungen sind Kernthemen dieses Filmes. Auf der einen Seite steht ein Mann der 96 Menschen das Leben gerettet hat...demgegenüber steht jedoch derselbe Mann, der fahrlässig handelte und bei diesem gefährlichen Manöver 6 Menschen ihr Leben lassen mussten. Ein spannendes und vor allem originelles Drehbuch von John Gatins, gut umgesetzt von Meisterregisseur Robert Zemeckis. Zu loben ist er deshalb, da er es wieder einmal glänzend verstanden hat, den Spannungsbogen der Geschichte kontinuierlich zu halten, angefangen von der perfekt inszenierten Flugzeugkatastrophe die gänzlich ohne Score auskommt und so dem Zuschauer direkt vermittelt, ganz nahe am Geschehen dabei zu sein, bis hin zum Ende des Films. Dies ist und war schon immer die große Stärke von Zemeckis, siehe "Back to The Future" - Trilogy (1985,'89, '90), "Cast Away" (2000), "Forrest Gump" (1994), "Who Framed Roger Rabbit" (1988).

Denzel Washington zeigt uns einmal mehr welche Klasse er doch besitzt. Leider waren seine Rollen in den letzten Jahren nicht gerade Glückgriffe, doch das Porträt des gefallenen Helden ist ihm absolut gelungen und zurecht mit einer Oscarnominierung bedacht worden. Er verleiht der Figur die nötige Tiefe und gibt dem Zuschauer einen guten Einblick in ihrer inneren Zerissenheitheit bzw. ihrer inneren Blockade. Die Figur ist eine zwiespältige. Einerseits fiebern wir mit unseren charismatischen Protagonisten mit und andererseits wird dem Zuschauer auch klar vor Augen gehalten, dass sein Verhalten nicht toleriert werden darf.
Auch die Nebendarsteller sind mit Don Cheadle, Kelly Reilly und John Goodman hervorragend besetzt.
John Goodman ist nach "The Artist" (2011) und "Argo" (2012), nun erneut in einem guten bzw. oscarnominierten Film (wenngleich auch nicht "bester Film") zu sehen.
Seine kurzen, jedoch amüsanten Einlagen bringen eine tolle Abwechslung bei diesem doch ernsten Film.

Alles in allem: "Flight" ist spannend inszeniert.
Denzel Washington ist als (Anti)Held nach langer Zeit wieder in Höchstform zu sehen. Sehenswert!
(Für die Oscarverleihung: Meiner Meinung nach, leider nur geringe Außenseiterchancen.)


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