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Beiträge von Frau Krispien
Top-Rezensenten Rang: 2.874
Hilfreiche Bewertungen: 569

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Rezensionen verfasst von
Frau Krispien

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Männer sind wie Pfirsiche: Subjektive Betrachtungen über den Mann von heute mit einem objektiven Vorwort von Alice Schwarzer
Männer sind wie Pfirsiche: Subjektive Betrachtungen über den Mann von heute mit einem objektiven Vorwort von Alice Schwarzer
von Harald Martenstein
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2.0 von 5 Sternen Eher Backpflaume als Pfirsich, 3. Februar 2016
Ist es eigentlich der Mühe wert dieses höchst überflüssige, zudem veraltete Büchlein zu rezensieren? Nun denn. Harald Martenstein ist ja ein Vielschreiber, unendlich fließen ihm die Glossen und Kolumnen aus der Feder, und ein Büchlein, das daraus zusammengezimmert wird, ist wie das andere. Nach kürzester Zeit ist es vergessen, vermutlich zu recht. Früher habe ich Martensteins amüsante ZEIT-Kolumnen ganz gerne gelesen - in homöopathischen Dosen, wohlgemerkt. Zusammengepfercht in einem Buch kommt die erschreckende Banalität und Hohlheit des Autors leider eklatant zum Ausbruch. Denn unterm Strich kennt Harald Martenstein nur ein Thema in seinem Leben: Harald Martenstein.

Das TB "Männer sind wie Pfirsiche" wurde von Bertelsmann 2007 auf den Markt geworfen und erlebte 2009 eine 2. Auflage. Wann und wo die einzelnen Text-Häppchen in welchem Printmedium veröffentlicht wurden, verschweigt der Verlag, Quellen werden nicht genannt. Zudem ist die Behauptung, es handele sich um Betrachtungen "über den Mann" schlichtweg gemogelt, denn nur ein Bruchteil der Textlein beschäftigt sich mit diesem. Ansonsten trabt Martenstein munter von Buddhismus, Christentum und Islam über die Rolling Stones und Schindlers Liste bis zu Weihnachten und dem Widerstand im Nationalsozialismus. Das Kind brauchte halt einen Namen und ein Zugpferd, in diesem Fall der Mann, das unbekannte Wesen, zu dem Alice Schwarzer ein höchst überflüssiges Vorwort beisteuern durfte. Soviel zu seriöser Verlagsarbeit.

Eine Reihe der sehr zeitgebundenen Texte zu deutscher Politik und Gesellschaft - über den bundesrepublikanesischen Tellerrand schaut unser Autor selten, über den Berliner höchst ungern hinaus - waren schon bei der Zweitauflage Schnee von gestern, heute ist das meiste abgestandener Kohl und kalter Kaffee. Schicksal derartiger Bücher und von Kolumnisten im allgemeinen. Am besten ist Martenstein nach wie vor, wenn er über die Tücken des Alltags berichtet. Kleine treffende Sottisen wie "Über das Landleben" haben mich nach wie vor amüsiert, auch wenn sie nichts mit "dem Mann" zu tun haben. Sobald sich der Autor ins Politische, Philosophische - natürlich immer mit dem eigenen aufgeblasenen Ego als Messlatte - versteigt, wird er peinlich berührend, selbstgerecht, spießig und banal. Schreibt er über sich und seine Wehwehchen - was er gern und ausgiebig tut - wird er weinerlich. Da merkt man halt doch, eigentlich ist Harald Martenstein auch nur einer von diesen Berliner Schwaben, die so unendlich nerven. Eher Backpflaume als Pfirsich.


Kim Novak badete nie im See von Genezareth
Kim Novak badete nie im See von Genezareth
DVD ~ Anton Lundqvist
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn Tom Sawyer und Huck Finn mit Stephen King bei Bullberbü baden gehen, 31. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich war ich ja erst einmal skeptisch, als ich im Vorspann las, die ARD-Degeto hatte bei der Produktion die Finger mit im Spiel. Aber auf so ganz niedrigem Niveau war es dann doch nicht. Dazu trugen der um originelle Einfälle vor allem zu Beginn bemühte Regisseur, hervorragende Schauspieler und nicht zuletzt die großartige Vorlage von Hakan Nesser bei. Auch der jugendliche deutsche Synchronsprecher des jungen Eric - der erwachsene bleibt ja stumm im Film - macht seine Sache äußerst begabt und mega-sympathisch. Das ist bei deutschen Synchros so selten, und daher umso mehr zu loben. Leider knickt der Film erzähltechnisch und von der filmischen Qualität her gegen Ende immer mehr ein und wird sogar ein bisschen plump. Um die wesentlich brisantere Lösung und die schicksalhafte Verknüpfung im späteren Leben zweier der Protagonisten, wie sie das Buch bietet, drückt sich der Film. Das wäre der deutschen Degeto-Zielgruppe dann doch nicht zuzumuten gewesen.

Ansonsten gibt es viel, viel Coming-of-Age-Romantik zwischen Tom Sawyer und Huck Finn und Bullerbü, schräge, nicht näher ausgelotete Gestalten wie aus einer Episode von "Michel aus Lönneberga" und einen gut dosierten Schuss Stephen King. Der Mord gegen Ende wirkt da wie drangeklatscht und ist, anders als im Buch, eigentlich überflüssig. Auch die Figur des Bruders, ein junger Lokalreporter auf dem Sprung zum Schriftsteller und mit der Betreuung zweier 14jähriger völlig überfordert, bleibt Wischiwaschi und wird irgendwann aus dem Auge verloren. Sehr schön fand ich das 50er-Jahre-Kolorit, die Autos, die Klamotten, das war schon sehr nett. Und wir wissen jetzt auch, warum Schweden besser Englisch sprechen als Deutsche: Sie können von klein auf amerikanische Filme im Fernsehen im Original genießen. ("A man has to do what a man has to do" - DER Schlüsselsatz des Films.....).

Für alle Männer gab es die wunderhübsche, allerdings schauspielerisch völlig talentfreie Blondine und eine mit Geschmack und Stil inszenierte Sex-Peepshow-Szene ohne Tabu gratis dazu. Dass die Frau als Sexsymbol mal wieder an allem schuld ist - Stichwort: Cherchez la Femme - und ansonsten nur als Alkoholikerin oder Krebskranke auftritt, geschenkt.

Das Buch ist in Schweden Schullektüre, da muss also mehr drin stecken, als der doch sehr weichgespülte und teilweise ungereimte Film ahnen lässt. Traut euch und lest es, es lohnt!


Parked - gestrandet
Parked - gestrandet
DVD
Preis: EUR 2,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Würde des Individuums zwischen Tragik und Komik, 25. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Parked - gestrandet (Amazon Video)
Dieser Film ist wirklich ein Pfund und hat mein Herz und meine Seele berührt. Colm Meaney spielt mit berührender Tiefe und verleiht der Figur des über England wieder zurück in der Heimat obdachlos mit seinem Auto auf einem Parkplatz am Meer gestrandeten Mittelschicht-Iren eine verletzliche Würde. Auch Colin Morgan als sensibler Junkie mit Charisma sowie sämtliche anderen Darsteller sind mit Ernst und Können bei der Sache. Elegische Bilder und kluge Kameraführung tun ihr Übriges. Weil es ein irischer Film ist, spielen auch Musik und Poesie neben der Irischen See tragende Rollen. Da bei der Produktion auch Finnen mitmischten, kommt zudem das Schräge nicht zu kurz. Die Szenen im Schwimmbad sind köstlich und sorgen zwischendurch für befreiendes Lachen. Der Tod hat auch einen fulminanten Auftritt. Sicher will der Film auch Jugendliche vor harten Drogen warnen, daher die angesichts einiger sehr brutaler Szenen, die an die Nieren gehen, etwas befremdliche Freigabe ab 12. Das man hierzulande Kindern Gewalt eher zumutet als Sex, finde ich schon erstaunlich. Zwölfjährige, finde ich, sollten den Film nicht alleine und ohne Begleitung eines Erwachsenen schauen.

Der Schluss bietet kein konkretes Happy End, doch eine sehr versöhnliche und Hoffnung machende Perspektive. Mag sein, das sehr symbolträchtige Ende ist etwas zu plakativ geraten. Egal, mir hat der Film richtig gut getan und ich empfehle ihn gerne.


Sinn und Sinnlichkeit [Special Edition]
Sinn und Sinnlichkeit [Special Edition]
DVD ~ Emma Thompson
Wird angeboten von Topbilliger
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der andere Alan Rickman, 15. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Sinn und Sinnlichkeit [Special Edition] (DVD)
Wer sich in diesen Tagen noch einmal an den "anderen", den feinsinnigen und als Mann äußerst anziehenden Alan Rickman jenseits von Harry Potter und Co. erinnern will, dem lege ich diesen Film wärmstens ans Herz. Erst vor wenigen Wochen habe ich den mit Preisen überhäuften Film zum ersten Mal angeschaut und war bald völlig gefangen von dem reifen Charme und der intelligenten Schauspielkunst des charismatischen Engländers. Mit Ende 40 war Rickman auf dem Höhepunkt seiner Attraktivität und spielt den sensiblen und feinfühligen "Frauenversteher", den Colonel, einfach hinreißend. Mit unendlicher Geduld und - auch aus Selbsterkenntnis - viel Sinn für menschliche Schwächen und Untiefen heilt er die verwundete Seele der jungen Kate Winslet und erobert ihre Hand und ihr Herz mit "Sinn und Sinnlichkeit". Das macht er ganz fabelhaft und wie ein Gentleman der alten Schule, bei dem immer auch eine - gezähmte - dunkle Seite mit durchblitzt. Chapeau! Hugh Grant fällt dagegen leider ab und macht ein wenig steif und hölzern auf die deutlich erkennbaren Grenzen seiner Schauspielkunst aufmerksam. Kate Winslet ist hier einfach zauberhaft und spielt mit sehr viel Gefühl und Leidenschaft, während die kluge Emma Thompson - die auch das Drehbuch schrieb - in der Rolle ihrer "vernünftigen" älteren Schwester wie immer als Charaktermimin brilliert. Auch der Rest des Cast ist hervorragend und bis in die kleinste Nebenrolle gut besetzt.

Ang Lee ist eigentlich nicht so mein Fall, aber hier hat er mich überzeugt. Seine Stärke ist ja die Kommunikation von Mensch und Landschaft in langen elegischen Bildern, und bei Jane Austen passt das wunderbar. Der Regisseur konnte sich auf das sinnvoll abgespeckte Drehbuch von Emma Thompson verlassen, hat den englischen Klassiker überzeugend entstaubt und auch für Menschen von heute konsumierbar gemacht. Dabei ging der Austensche Spirit, den ich so sehr schätze, nicht verloren. Ein Glücksfall. 1 Punkt Abzug für das bei Ang Lee immer drohende Kippen in Kitsch und Sentimentalität. Aber nur leicht. Ingsesamt ein rundes sattes Vergnügen.


MEIN LIEBSTER FEIND
MEIN LIEBSTER FEIND
DVD
Preis: EUR 7,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mehr Herzog als Kinski, 14. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: MEIN LIEBSTER FEIND (Amazon Video)
Hab den Film seinerzeit in einem kleinen Programmkino gesehen, und jetzt noch mal über Prime Video. Ich war doch streckenweise ziemlich angeödet, weil der Film sehr langweilig vorrangig ausufernde Monologe von Herzog über sich selbst und seine weltbewegenden Filme mit nahezu göttlicher Aura absondert. Ich bin beim Anschauen vor Langeweile zwischendurch eingenickt. Mit dem Abstand der Jahre kann man sich diese hier penetrant gepriesenen Filme eigentlich kaum mehr antun, vor allem Werke wie "Aguirre" und "Fitzcarraldo" oder auch "Woyzeck" mit einem sehr deutsch-hart agierenden Kinski wirken künstlich und exaltiert und sind vielleicht doch nicht die Meisterwerke, wie sie der sendungsbewusste und an sich völlig kritiklose Herzog mit bewegter Stimme beweihräuchert. Wer war Kinski und warum war er, wie er war? Man weiß es nicht und ist nach dem Film auch nicht schlauer. Dass mancher der berserkerhaften Auftritte ("Du Sau!") des Schauspielers gezielt kalkuliert war, weil man von dem Mimen solche Eskapaden einfach erwartete, dass gibt Herzog mehr oder weniger durch die Blume zu. Eine sympathische Eva Matthes (heute "Tatort Bodensee"-Kommissarin) und eine sehr charmante Claudia Cardinale, die beide skandalfrei mit Kinski für Herzog drehten, zeichnen das Bild eines eher schüchternen, einfühlsamen und charmanten Frauenverstehers und sensiblen Kollegen. Das passt ebensowenig ins Bild wie das sanfte Spiel mit dem Schmetterling (wohl durch bestimmte Lockstoffe "dressiert") am Schluss. Am Ende des definitiv zu langen Films, weil sich vieles wiederholt, weiß man mehr über Herzog (oder glaubt es zu wissen) als über Kinski.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 19, 2016 11:21 PM MEST


Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie: Folgen der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs erkennen und bearbeiten - Eine Annäherung (Leben lernen)
Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie: Folgen der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs erkennen und bearbeiten - Eine Annäherung (Leben lernen)
von Luise Reddemann
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Leider eine Mogelpackung, 13. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch hatte ich mir bestellt, weil ich mich als Kriegsenkel für diese Thematik sehr interessiere und gleichzeitig mehr über die als PITT bekannt gewordene Trauma-Therapie von Louise Reddemann erfahren wollte. Das Buch ist ja brandneu, und sollte demnach den neuesten Stand der Traumaforschung zu diesem Thema wiedergeben. Weit gefehlt. Das Buch ist eine Mogelpackung, was einem erst nach der Bestellung und der beginnenden Lektüre dämmert. Zu lesen gibt es, locker aneinander gereiht, zusammenhanglose Vorlesungen, die Reddemann 2014 bei den Lindauer Therapiewochen vor Kolleginnen und Kollegen im intimen Kreis gehalten hat. Das wird in der Berwerbung des Buchs durch den Verlag unterschlagen und die Autorin erwähnt es en passant in einem Nebensatz in der Einleitung. Das ist eigentliche eine Frechheit dem Leser gegenüber. Offenbar wollte der Verlag hier Resteverwertung betreiben und zugleich auf den derzeitigen Hype-Zug um Kriegskinder und Kriegsenkel aufspringen. Redigiert wurde auch nicht groß, Frau Reddemann hat offenbar einfach ihr Vorlesungsmanuskript eingereicht und daraus wurde dann ein Buch geschustert. Rechtschreib- und Grammatikfehler, vertauschte Vornamen und teilweise wirre Abschweifungen der Autorin hätten dringend einer behutsam redigierenden und lektorierenden Hand bedurft. Das hielt man offenbar aber nicht für nötig. So wurde es ein teilweise peinliches Plauderstündchen anstatt ernst zu nehmende Wissenschaft. So richtig warm wurde ich mit der leicht fahrigen und von Hölzchen auf Stöckchen kommenden und sehr subjektiven Vortragsweise der Autorin nicht.

Geboten wird weder eine Einführung in PITT (wird auf knapp 13 Seiten sehr oberflächlich abghandelt) noch eine vertiefende Annäherung an die Kriegsenkel-Problematik. Kriegskinder stehen definitiv im Vordergrund, auch sie und ihre Probleme gewinnen nicht so richtig Kontur, Kriegsenkel werden nur unter ferner liefen mit angetippt. Offenbar hat Frau Reddemann in ihrer psychotherapeuthischen Praxis - ob sie überhaupt noch praktiziert, weiß ich nicht - mit Kriegsenkeln so gut wie nie zu tun gehabt. Es werden Gedichte ohne Ende zitiert (Was hat Rilke mit dem Thema zu tun???), dann gibt ein paar pflichtschuldig eingeflochtene und darum umso peinlicher wirkende Ausflüge zu traumatisierten Holocaust-Überlebenden, mit denen sie auch direkt nie zu tun hatte, sowie nervige Bewerbungen von Büchern von Reddemann geschätzter Autoren-Kollegen wie Susanne Bode und Peter Härtling in penetrant an Schleichwerbung erinnernder Form.

Um die richtig heißen Eisen windet sich die Autorin wie ein Aal und kommt nicht eine Sekunde lang stringent auf den Punkt. Eine Unverschämtheit ist für mich das Kapitel "Frauen als Mittäterinnen". Auch Frauen wurden im Nazi-Regime zu Täterinnern, ohne Wenn und Aber, und liefen nicht nur "mit". Reddemann nimmt sich da das Buch der US-amerikanischen Historikern Wendy Lowe "Hitlers Helferinnen - deutsche Frauen im Holocaust" zur Brust. Vielmehr zitiert sie zeilenlang aus Rezensionen zu dem Buch aus der Zeitung, denn selber lesen konnte sie das Buch bislang nicht: "Schon diese Rezensionen sind für mich so schockierend, dass ich es bis jetzt nicht fertig gebracht habe, das Buch zu lesen." So schockiert? Wo war die Autorin all die Jahre, im Wolkekuckucksheim der angewandten Wissenschaft? Figuren wie Maria Mandel und die "blutige Brygida" sind doch weiß Gott keine Unbekannten, es gibt auch viele Erinnerungen von Überlebenden zu dem Thema. Hier stellt sich die Autorin ein Armutszeugnis aus. So ein wenig kleinmädchenhaft - was bei einer Ärztin ü70 schon befremdlich erscheint - ("Ich weiß nicht, ich kann nicht, vermutlich, vermeintlich, vielleicht" usw.) liest sich das ganze mit der heißen Nadel zusammengestrickte, halbgare und ein wenig hasenherzige Buch.

"Eine Annäherung" - mag sein, allerdings keinesfalls als Einstieg in diese komplexe Thematik geeignet.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 3, 2016 7:49 PM CET


Roman Polanski: Wanted And Desired
Roman Polanski: Wanted And Desired
DVD
Preis: EUR 2,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unterm Strich leider vergurkt, 10. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gibt ja zwei Arten von Dokumentarfilmen: Zum einen diejenigen, die so nüchtern und objektiv wie möglich Fakten wiedergeben wollen und solche, bei denen der Filmer von einem Sendungsbewusstsein erfüllt ist und zu allem Überfluss auch noch eigene künstlerische Ambitionen hat. Die "reine Wahrheit" kann naturgemäß keine der beiden Versionen bieten, dennoch ziehe ich Typ 1 aus Gründen der Redlichkeit und Authentizität vor. An dem Film von Marina Zenovich ist nichts redlich, denn sie versucht sich auf Kosten von Polanski zu profilieren, präsentiert Fakten einseitig und unausgewogen und erlaubt sich alberne Mätzchen wie das Zusammenschneiden von Filmszenen z.B. aus "Rosemary's Baby" und suggestiv mit Musik und Kommentaren untermalten Statements aus zeitgenössischen Dokumentar-Schnipseln. Den beteiligten Richter Rittenband, den viele bis heute wegen seiner Medien-Abhängigkeit und Allmachtsfantasien als Hauptverantwortlichen für das nunmehr seit Jahrzehnten andauernde Justiz-Desaster um Polanski und seine Auslieferung an die USA wegen sexuellen Kontakts mit einer Minderjährigen ausmachen, dämonisiert sie geradezu. So inszeniert sie in verzerrten Schwarzweiß-Bildern ein surreales Showdown mit dem "bösen" Richter und seinem zwergenhaft herumhüpfenden "Opfer" in einer mehr als lächerlichen und peinlichen Sequenz. Das schmerzt und hat mit Dokumentation nichts mehr zu tun.

Interessant an dem Film sind die sehr ausführlichen Ausführungen des damaligen Verteidigers Polanskis sowie des Vertreters der Anklage, beide sehr besonnene, ruhige und anständige Männer, die so gar nichts mit dem hierzulande kolportierten Klischee vom arroganten Star-Anwalt oder dem karrieregeilen Staatsanwalt a la Hollywood zu tun haben. Ihnen bei den Erläuterungen des höchst komplizierten und teilweise mit Schwachstellen versehenen US-Justizsystems zu folgen, war mehr als interessant, wenn auch sachlich nicht immer einfach für den Laien zu verstehen. Beide sehr seriös, human und sympathisch herüber kommenden US-Juristen sehen in diesem berühmten Justizfall mehrfach das Recht und die Verfassung gebrochen. Vor allem von Richter Rittenband. Dessen Figur ist und bleibt undurchsichtig und etwas halbseiden, wird allerdings viel zu wenig beleuchtet.

Einblicke in das Privatleben von Polanski wirken voyeurhaft, teilweise schmierig und den Meister auf ein Podest stellend, auf das er nicht gehört. Bei allen Ungereimtheiten um diese Justizposse: Tatsache ist, der über 30jährige hatte seine Machtstellung und ein 13jähriges Mädchen missbraucht. ob die Kleine so unschuldig, wie angedeutet, da schon nicht mehr war und von ihrer ehrgeizigen Mutter, einer erfolglosen Shauspielerin, berühmten Entscheidern in Hollywood mutmaßlich "zugeführt" wurde, sei dahingestellt. Eine Straftat bleibt es allemal und Polanski, wie viele Genies mit tragischer Kindheit, ein Mensch mit dunklen Untiefen in seiner versehrten Seele.

Der Regisseur war nicht an dem Filmprojekt beteiligt und gab Zenovich in einem späteren öffentlichen Statement die Schuld an dem erneut aufgeflammten Interesse an seiner Person, seiner Verhaftung in der Schweiz und dem - erfolglosen - Auslieferungsantrag der US-Justizbehörden. Da könnte was dran sein und die sprichwörtlichen "schlafenden Hunde" wurden wohl tatsächlich erst durch diesen Film geweckt. Mittlerweile lebt Polanski ja wieder in Polen, und aktuell wurde 2015 dort erneut von der US-Justiz ein Auslieferungsantrag gestellt. Noch zu Zeiten der alten liberalen polnischen Regierung und daher - bislang - erfolglos. Ob Polanski mittlerweile klugerweise wieder nach Frankreich zurückgekehrt ist, wo man ihn hofiert und in Ruhe lässt, weiß ich nicht. Der mittlerweile 82jährige findet jedenfalls keine Ruhe vor seinen Dämonen.

Fazit: Irgendwie hat Frau Zenovich es insgesamt leider vergurkt.


Stine - Irrungen, Wirrungen, Mathilde Möhring
Stine - Irrungen, Wirrungen, Mathilde Möhring
von Theodor Fontane
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drei Romane um junge Berlinerinnen der Unterschicht aus dem Fontaneschen Kosmos klug vereint, 8. Januar 2016
Diese wunderschön gestaltete und klug aufbereitete Ausgabe der drei Berliner Frauenromane "Stine", "Irrungen, Wirrungen", "Mathilde Möhring" aus dem Berliner (DDR) Verlag Neues Leben von 1970 ist ein echter Schatz. Es war eine kluge Entscheidung der Herausgeber, gerade diese drei Werke in einem Band zusammenzufassen und zu edieren, denn in allen drei Romanen steht eine lebenskluge und charakterfeste junge Frau der Berliner Unterschicht im Fokus. "Irrungen, Wirrungen" erschien 1888, Stine zwei Jahre später und über "Mathilde Möhring" ist Fontane 1899 verstorben (erst aus dem Nachlass 1907 erstmalig editiert). Fontane war also schon ein älterer Herr, als er die drei so unterschiedlichen und doch so typisch Berlinerischen jungen Frauen mit feinen Strichen liebevoll porträtierte. Alle drei haben sich trotz grenzwertiger und nicht einfacher Lebensverhältnisse ihren Anstand bewahren können, sind klug, zurückhaltend und vom Aussehen her eher blass, aschblond und arbeitssam, sehr schlank und ein wenig blutarm und lethargisch wirkend. Hier wird der alte Herr vielleicht etwas klischeehaft in der Einteilung von Frauentypen im Fontaneschen Kosmos - denn die "anständigen" unter den Mädchen aus dem Volk schildert er immer als erotisch eher unbedenklich, auch wenn sie mal einen Schritt vom Wege abweichen wie die Lene Nimptsch aus Wilmersdorf ("Irrungen, Wirrungen"). Lene hat ein aussichtsloses Verhältnis mit einem liebenswerten, allerdings etwas charakterschwachen jungen Baron, kommt aber "mit einem blauen Auge" und Anstand aus der Sache heraus, Stine wird mit fatalen Folgen für beide ebenfalls von einem jungen Adligen umworben (sie bleibt die blasseste der drei jungen Frauengestalten) und Mathilde schafft den zähen pragmatischen Aufstieg über eine etwas seltsame Ehe, frühe Witwenschaft, spätes Studium und Berufstätigkeit als Lehrerin. Insofern ist sie vielleicht die modernste, illusionsloseste, gleichzeitig emanzipierteste und "städtischste" der drei jungen Frauen.

"Irrungen, Wirrungen" wurde ja beim Lesepublikum der populärste dieser drei Berlin-Romane, persönlich ist er mir ein wenig zu kitschbedroht, und der berühmt-berüchtigte Fontane-Sound zwischen Herz, Schmerz und Humor kann gelegentlich zuviel werden. Es lohnt, die drei Romane miteinander zu vergleichen, jeder hat auf seine Weise seine Reize. In welcher Reihenfolge man sie liest, ist egal. Am kritischsten dem dekadenten und dem Untergang geweihten Feudalsystem mit seiner unfassbaren Arroganz und Man-Nehme-Mentalität des männlichen Adels den Frauen aus dem Volk gegenüber ist wohl "Stine" (erhielt auch zunächst Veröffentlichungsverbot).

Der auch im Westen nach der Wende bekannt gewordene Schriftsteller Günter de Bruyn hat ein empathisches kleines Vorwort zu Fontane verfasst, es gibt zudem ein ideologisch etwas zeitbehaftetes, aber nicht uninteressantes Nachwort von Peter Wruck sowie eine Zeittafel und Wort- und Sacherklärungen. Als Märker mit französisch-hugenottischen Familienwurzeln liebte Fontane es, französische Redewendungen vor allem in die Dialoge der adeligen Herrschaften einzubauen. Da schlägt dann praktischerweise nach, wer des Französischen nicht so kundig ist; und was es mit der dringend zu beendenden "Garconschaft" des armen Botho auf sich hat, erfährt der geneigte Leser dann auch.

Die Edition wurde sehr schön bibliophil gestaltet, mit feinem Papier, dem Auge angenehmem Druck und einem sich samtweich anfühlenden Leineneinband. Die eingestreuten SW-Zeichnungen sind Geschmackssache und typischer 60er/70er-Jahre-Stil bei Buchillustrationen - hüben wie drüben;-).


Sightseers - Killers on Tour!
Sightseers - Killers on Tour!
DVD
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nieder wieder zurück in die Suppenschüssel, 26. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sightseers - Killers on Tour! (Amazon Video)
Der Film ist eine schräge rabenschwarze britische Satire auf Spießertum und doppelte Moral und nicht zuletzt den die schuldlose englische Landschaft heimsuchenden Caravan-Tourismus der englischen (unteren wie mittleren und oberen) Mittelschicht. "Ich bin in der Suppenschüssel geboren, und ich will da nie wieder rein", sagt SIE an einer Stelle, und das wird sie garantiert nie mehr müssen:-). Alles kriegt sein Fett weg, die Hunde- und Strickmanie der Briten ebenso wie verklemmte und gleichzeitig abgründige Sexualität, schlimmer als Queen Mum einst die Queen ihre Töchter regierende Working Class Monstermütter, die Landschaft mit Hundehäufchen und Abfall zumüllende Zeitgenossen (wer wollte die im Urlaub nicht schon mal killen?:-), trunkene Bachelorettes auf Junggesellenabschied und kiffende Öko-Paxe sowie arrogante Schnösel mit Privatschulabschluss. Gekillt wird munter drauf los wie weiland beim legendären Yorkshire Ripper. Nur dass Er mit Struktur und immer mit gutem Grund morden will, während Sie - typisch weiblich - ganz emotional und unerwartet Geschmack an der Sache bekommt und diese auf ihre eigene leicht konfuse Weise angeht, was IHM als verkapptem Macho so gar nicht passt. Eigentlich eine sehr verspätete weibliche Coming of Age Geschichte der besonders verschrobenen und stellenweise verstörenden Art. Das ganze Treiben wird fein abgemischt mit bekannten 80er Jahre Pop Songs wie "Tainted Love".

Mir hat es Spaß gemacht, hab mich köstlich amüsiert. Ist aber bestimmt nicht für jeden was. Wir Deutsche nehmen Humor viel zu bierernst, daher vermutlich die vielen negativen Kritiken vor allem auf deutschen Plattformen. Bei den Briten kam der Film bestens an, wie zu lesen, auch die Berufskritiker waren begeistert. Mit Splatter hat das alles auch nichts zu tun, dafür wurden die Mordszenen viel zu kurz und zu übertrieben "blutig" präsentiert. Die Hauptdarsteller Alice Lowe und Steve Oram, die auch mit für das Drehbuch verantwortlich sind, sind in England bekannte Comedians, Schriftsteller und Filmemacher und haben als Paar schon einige Projekte gemeinsam gemacht. Nach eigenen Angaben haben sie in dem Film eigene Horror-Kindheitserinnerungen an Zwangs-Caravan-Urlaub mit Sightseeing durch die englische Heimat verarbeitet. Sympathisch: Vor Drehbeginn sind die zwei extra noch mal mit dem Wohnwagen durch die Gegend gefahren um die Eindrücke auf sich wirken lassen. Auf keinen Fall, erzählen sie, wollten sie die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten vorführen oder lächerlich machen, nur die törichten Menschen, die sich darin tummeln. Das ist gelungen, die Landschaftsaufnahmen aus Yorkshire sind so wunderschön, dass man selbst gleich mal hinfahren möchte.

Wer Filme mit rabenschwarzem britischem Humor wie "Sterben für Anfänger" (den ich viel krasser finde) mag, wird auch "Sightseers - Killers on Tour" mögen. Die Synchro fand ich jetzt soooo mies, wie hier behauptet, nicht. Da habe ich schon viel Schlimmeres erlebt. Aber im Original kommt der Witz sicher noch besser herüber. 1 Punkt Abzug wegen einiger Hänger im Mittelteil.


Die Invasion der Barbaren
Die Invasion der Barbaren
DVD ~ Rémy Girard

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Ende bleibt die Liebe, 20. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Invasion der Barbaren (DVD)
Ich glaube den Film mag man sehr oder man mag ihn gar nicht. Hatte ihn vor ein paar Jahren schon mal gesehen und jetzt wieder, und er hat mich erneut sehr angesprochen. Den Vorgängerfilm "Der Untergang des amerianischen Imperiums" mit denselben Personen muss man nicht zwingend gesehen haben, um ihn zu verstehen.

Der Film hält sehr gut die Balance zwischen Tragik und Komik, Satire und Melodrama und wird auch in den emotional härtesten Szenen nie kitschig oder peinlich. Man muss allerdings die teilweise sehr ausufernden Dialoge und das weitgehende Verharren in engen Räumen aushalten können. Wer es kann, sieht den Film mit Gewinn. Vielleicht muss man in etwa im Alter der Figuren sein, so zwischen 50 und 70, um ihn zu verstehen und gerührt zu sein. In einigen Details habe ich mich wiedererkannt:-). Aufpassen und hellwach sein sollte man auch, um die zahlreichen intellektuellen Spitzfindigkeiten mitzubekommen, zwischendurch wegdösen ist nicht:-). Dass der Film dennoch unterhält und nie dröge wird, ist schon erstaunlich und spricht für die Könnerschaft des Regisseurs. Auch die Schauspieler spielen durch die Bank fabelhaft und ihren Rollen angemessen. Unter den jungen hat mich besonders Marie-Josee Croze überzeugt (die einzige, die mir auch vom Namen und vom Gesicht her ein Begriff war), die die sensible sanfte Junkie sehr überzeugend spielt. Auch die Szenen mit ihrer etwas überdrehten Althippie-Mutter sind berührend.

Gruselig ist die Anfangssequenz aus dem gnadenlos überfüllten Krankenhaus, man bekommt auch kleine Einblicke in das kanadische Gesundheitssystem. Zwiespältig beleuchtet wird die katholische Kirche und ihr Umgang mit Schuld, auch historischer (Papst Pius XII. und der Holocaust, Vernichtung der Indios und Indianer etc., alles kommt aufs Tapet). Der Regisseur wurde ja streng katholisch und jesuitisch erzogen, bevor er ein Linker wurde (die "ismen" bekommen auch ihr Fett weg:-)) und ist in manchen Punkten sicher ein Alter Ego des todkranken Rémy. Wer selbst katholisch ist oder es mal war, wird die Seelenqualen bei solchen Fragen nachvollziehen können. Sehr positiv und sensibel gezeichnet wiederum wird die Nonne in Zivil, die den Patienten auf Wunsch die Kommunion ans Krankenlager bringt, nie aufdringlich, leise, mitfühlend und sehr sympathisch. Vermutlich die erste Frau in seinem Leben, zu der Remy eine innige intime Beziehung entwickelt ohne an Sex zu denken:-).

Herrlich auch die Szene bei einem Grenzübertritt der Kanadier mit dem Kranken in die USA mit einer nassforsch-fröhlichen Grenzerin: "Hello, guys, welcome to America":-). Amerika ist für die Amis eben nur ihr Land. Remy rastet bald aus, nein, in den USA sterben will er nun doch nicht. Das sind so kleine Bosheiten und Befindlichkeiten, die ein Kanadier sicher besser versteht als wir.

"Was ist der Sinn?" fragt sich Remy angesichts seines nahenden Todes. Eine Antwort findet er weder in der Religion, noch in der Geschichte, in der Politik, noch im Sex oder im Beruf. Die Antwort bleibt der Film schuldig - oder doch nicht? Ich denke, es ist die Liebe, die einen Sinn macht, so die Botschaft. In welcher Form auch immer. Auch ein Trost, vielleicht der einzige.


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