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Rezensionen verfasst von
Frau Crispin

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Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra [dt./OV]
Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra [dt./OV]
DVD
Preis: EUR 7,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Dann back doch Pizza!" - die Camorra, die Jugend, der Müll und der Tod in Neapel, 23. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gerade brennen rund um Neapel mal wieder die Wälder und der Müll - die Camorra, so das Gerücht, brauche mehr Land und Platz für ihre Geschäfte mit dem illegalen Verbuddeln von Giftmüll. Das ist die Realität heute, fast 10 Jahre nach Entstehung dieses trotz einiger Abstriche sehenswerten, beklemmenden Films. Die Giftmüllgeschäfte der neapolitanischen Mafia sind vielleicht das bedrückendste und unfassbarste Kapitel dieses semidokumentarischen Spielfilms. Als die LKW-Fahrer sich weigern, unter Lebensgefahr die Fässer weiterhin in die Grube zu fahren, setzt der Boss einfach kleine Jungs auf den Bock - sein Assistent muss dazu Sitzkissen verteilen, damit die Kleinen überhaupt über das Lenkrad schauen können. Alle machen ihre Sache bestens und sind mit Ernst bei ihrer Aufgabe.....Der junge Roberto, ein intelligenter, ruhiger, aber leider arbeitsloser junger Mann, der dem mafiosen Giftmüll-Vermittler von seinem Vater als Assistent angedient wurde, gerät immer mehr in Gewissensnot. Schließlich schmeißt er hin - und geht. Eine der wenigen menschlich anrührenden Szenen des Films und die einzige Figur, der offenbar der Ausstieg gelingt: "Dann back doch Pizza!" ruft ihm der Mafioso zynisch hinterher. Immerhin erschießt er den jungen Mann nicht. Vielleicht klammere ich mich so an diese Szene, weil sie die einzig menschliche in diesem sehr eiskalten Film ist, der seine Figuren nicht wie Menschen aus Fleisch und Blut, sondern eher so wie exotische Fische in einem Aquarium oder hilflos zappelnde Wesen in einer Versuchsanordnung betrachtet. Er zeigt, aber er erklärt nicht. Gleichzeitig ist er natürlich Fiktion, wenn auch eine, die sich stark an realen Vorgängen in und um Neapel orientiert. Der Regisseur Matteo Garrone ist ein gebildeter, feinsinniger Römer und Herzblut und südländischen Überschwang sollte man bei ihm in diesem Fall nicht erwarten. Mit einem Neapolitaner auf dem Regiestuhl wäre das Ganze sicher emotionaler ausgefallen. Aber vielleicht auch unrealistischer, wer weiß. Jedenfalls gefällt mir der Film insgesamt besser als die auch nicht schlechte gleichnamige Serie, in die ich gelegentlich mal auf arte reingeschaut habe.

Die Kälte des Films mag den einen oder anderen stören, wiederum andere vielleicht der Mangel an Action und dass zu wenig Blut fließt in dem Film. Wer einen Mafia Overkill erwartet oder romantisierende Filme a la Hollywood und "Der Pate", der wird enttäuscht sein. Die Camorra ballert nicht sinnlos durch die Gegend, sie mordet nur dann, wenn es für sie aus ihrer Logik heraus absolut unumgänlich ist. Nicht jeder, der einen Fehler macht oder sich beklagt, wird gleich umgelegt. Schließlich hat man in Neapel einen Ruf zu verlieren. So erhalten die beiden völlig aus dem Ruder laufenden Jungverbrecher, die ihre eigene Strafttaten-Schiene fahren wollen, mehrfach eine Warnung, bevor sie - unter Bedenken einiger älterer Clan-Mitglieder wegen der Jugend der beiden - auf äußerst subtile Weise aus dem Weg geschafft werden. Wie lästige Insekten, die es aus Selbstschutz im Interesse des Clans zu beseitigen gilt. Ihre Killer sind allesamt alte Männer, die ihre Pfründe in Gefahr sehen. Das Schlimme: Mitleid hat niemand mit ihnen und niemand trauert ihnen nach. Ich beim Anschauen auch nicht. Die beiden werden als extrem dämlich, unsozialisiert, unkontrolliert gewaltbereit, konfus gefährlich und absolut unsympathisch gezeichnet Da ist das Gefährliche an den Film: Er stellt die Clan-Strukturen zu wenig in Frage und suggeriert unterschwellig: Wenn die "vernünftigen" unter den Mafiosi nicht für Ordnung sorgen, dann geht im chaotischen Neapel erst recht alles drunter und drüber. Das könnte zu einer Art Heiligenverehrung wider Willen führen - und die Camorra hat ja auch den römischen Regisseur, den sie vielleicht nicht so recht ernst genommen hat (anders als den Autor der Buchvorlage, der als Neapolitaner und "Nestbeschmutzer" mit dem Tod bedroht wurde) gar nicht für voll genommen. Sie nutzten den Film als Werbung. Die Clans rührten selber für den Film die Werbetrommel, einige Mafiosi spielten sich dabei sogar selber - und verkauften noch vor der Filmpremiere schwarz in China hergestellte Raubkopien, wie zu lesen. Da kann man drüber lachen, aber das Lachen kann auch im Halse stecken bleiben.

Für eine Doku bleibt der Film insgesamt zu sehr an der Oberfläche. Die Unterschiede der einzelnen Clans werden zu wenig herausgearbeitet, ebenso wenig die Rolle der Mütter und Frauen (die sehr groß ist) und die Problematik der immer jünger werdenden Clanbosse, da die alten teilweise lebenslang im Knast sitzen. Ein Tabubruch wie die Ermordung der Mutter eines Seitenwechslers wird von jungen Mafiosi begangen. Der Wandel der sozialen Strukturen und der "Moral" innerhalb der Clans wird nur angetippt. Auch die Rollen der neuen "Konkurrenz" durch Schwarzafrikaner und Chinesen bleibt vage, die Arbeit von Polizei und Justiz und ihren fast donquichotteartigen Kampf gegen Windmühlen unterschlägt der Film komplett. Das erwarte ich aber eigentlich von seriöser Doku-Ficiton. Also vier Sterne minus für mich.

Tipp: Vielleicht doch die Bücher von Roberto Saviano lesen, auf denen der Film beruht. Lesen Sie dazu einmal, was der berühmte Mafia-Jäger und frisch verrentete Oberstaatsanwalt von Neapel, Giovanni Colangelo aus Apulien, ein mutiger und kluger Mann, in einem Interview mit der Schweizer Tageszeitung Der Bund ("Wir nennen diese Banden Babygangs") dazu schreibt: Es ist alles noch viel schlimmer. Und seine Kritik an Filmen und TV-Serien dieser Art ist bedenkenswert (einfach "Giovanni Colangelo Bund" googeln).


Zurück im Leben
Zurück im Leben
DVD
Preis: EUR 8,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Spalte im Felsen......., 22. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zurück im Leben (Amazon Video)
Nicht verwechseln bitte den Film mit "Zurück ins Leben" mit Clive Owen! Der dämliche deutsche Titel hat dem Film bei uns sicher geschadet, da er extrem verwechselbar und nichtssagend ist. Im Original heißt der Streifen "Tumbledown" wie das Kaff in Maine, wo das Ganze spielt. Das macht es etwas weniger gefühlsduselig, als der deutsche Titel vermuten lässt und schmalzig ist der Film ja auch nicht bzw. er bemüht sich redlich es nicht zu sein. Kein Geheule, kein Gezicke (nur ganz leicht), kein Gezetere und kein Geflenne und keine blöden Sprüche wie sonst in Romcoms. Dafür ein dickes Plus.

Ich geb mal gnädige 3 Sterne (minus), denn so richtig schlecht ist dieser Film ja nicht. Regisseur Sean Mewshaw hat ja bislang nur Kurzfilme gedreht und dafür, dass es sein erster Langfilm ist, sind das Timing und die Bildsprache ganz ok. Das durchwachsene Buch und die mittelmäßigen Schauspieler wurden ihm vor die Nase gesetzt, wie das so ist, wenn man als Nobody in Hollywood Regie führen darf. Dass Rebecca Hall eine Schlaftablette vor dem Herrn ist, wusste ich ja schon seit "Das Geschenk" und der hölzerne Jason Sudeikis, der irgendwie wirkt wie bestellt und nicht abgeholt, gibt den Ben Affleck für Arme, na ja. Blythe Danner hat als Mutter der Heldin einen bravourösen und ziemlich übergeschnappten Kurzauftritt (die Frau ist einfach immer gut) und an ihrer Seite als fast stummen Ehemann hab ich mich gefreut den guten Richard Masur wiederzusehen, der in "Transparents" den schlitzohrigen Stiefdaddy spielt (leider zu kurz, die Szenen mit Danner und Masur und ihrer schrägen Familie). Es wird sehr viel gesungen und musiziert zur Klampfe in Maine (das in Massachusetts gedreht wurde), u.a. über Spalten im Felsen und über Schnee, in den man sich legt, und auf dem Ahornsirupfest geben sich alle die Kante. Geschnckselt wird auch ordentlich, u.a. mit dem Mann vom Elektrizitätswerk. Der Clash of Cultures zwischen Stadtmensch und Landei will nicht so recht funzen und bei der an sich liebenswert-sympathischen Idee wird viel Potential verschenkt. Zwei der drei Sterne gehen an die reizenden Doggen.


Brügge Sehen und Sterben
Brügge Sehen und Sterben
DVD
Preis: EUR 7,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lieber Bier statt Blut in Brügge....., 21. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Brügge Sehen und Sterben (Amazon Video)
Der Film wurde ja seinerzeit nahezu hymnisch gefeiert, jetzt sind wieder fast 10 Jahre vergangen und ich hab ihn mir mal zu Gemüte geführt. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, vielleicht waren meine Erwartungen halt auch zu hoch geschraubt. Oder der irische Dialekt fehlte in der deutsch synchronisierten Fassung, keine Ahnung. Mir war der Film etwas zu gewollt, dramaturgisch holperte es gewaltig und das Ende kam dann holterdipolter mit der Brechstange. Schräge psychopathische Auftragskiller, die eigentlich auch nur Menschen sind und zwischen Sentimentalität und Sinnkrise hin- und herschwanken, sind ja nichts Neues im Kino und es gibt sie wie Sand am Meer. Pulp Fiction ließ auch hier grüßen, der Brügge-Film kann aber von der Klasse des Drehbuchs und den Sprüchen her nicht ganz mit Tarantino mithalten. Schauspielerisch schon. Colin Farrell ist sonst so gar nicht meine Baustelle, den nervösen Greenhorn-Auftragskiller, der im Bett heult und am Daumen nuckelt und der gleich seinen ersten Auftrag dermaßen versemmelt, bringt er ziemlich nervig, aber auch sehr überzeugend herüber. Brendan Gleeson als kunstsinniger, gebildeter Gemütsmensch und Killer mit Skrupeln hatte irgendwie was Rührendes und sein Ende war derart pathetisch inszeniert, dass es schon too much und mit viel zu viel Kunstblut war. Familienvater und Killer-Boss mit eisernen Prinzipien Harry alias Ralph Fiennes hat seinen Part schön schaurig durchgezogen. Insgesamt waren die drei Herren und natürlich Brügge das Beste an dem Film

Die Sache mit dem Kleinwüchsigen - na ja, so ganz lustig fand ich es nicht. Die Frauen waren nur überflüssiges Beiwerk. Es ist ein lupenreiner Jungs-Film, der Streifen. So richtig gefunkt hat es bei mir beim Anschauen nicht, streckenweise habe ich mich sogar gelangweilt. Aber Brügge ist wirklich eine sehr zauberhafte kleine Stadt, man schaukelt unter den Brücken hin und her fast wie in Venedig (nur viel billiger:-) und das Bier schmeckt hervorragend. Fahren Sie mal hin....sterben müssen Sie ja dann nicht gleich.


SCHULD nach Ferdinand von Schirach
SCHULD nach Ferdinand von Schirach
DVD

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langweilig, hausbacken und mit wenig Tiefgang, 15. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch von von Schirach hatte mich schon nicht zu 100 Prozent überzeugen können, war aber wenigstens noch originell vom Denkansatz her und sprachlich geschliffen. Aber was Produzent Oliver Berben - den Namen des Regisseurs können Sie getrost vergessen - daraus machen lässt, ist halt der übliche ZDF-taugliche Einheitsbrei. Es werden auch nicht alle Fälle aus dem Buch abgehandelt und durch den ZDF-kompatiblen Fleischwolf gedreht. Die einzelnen Episoden sind derart zusammengeschnitzt worden, dass man sich vieles über Hintergründe und Motive zusammenreimen muss. Das Anliegen des Autors - der feine Unterschied von Recht und Gerechtigkeit, moralischer und juristischer Verantwortung, die Rolle der Justiz dabei und der Strafverteidiger zwischen allen Stühlen - wird eingedampft und so versimplifiziert, dass noch nicht einmal Tatort-Niveau erreicht wird. Teilweise werden die im Buch plausibel dargelegten Hintergründe und Motive der Täter so radikal vom Drehbuchautor wie mit der Brechstange weggekürzt, dass man das Handeln der Figuren überhaupt nicht versteht. Da kratzt man sich am Kopf und fragt - warum bloß? Es ist halt das gute deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen, das es wieder mal nicht bringt wie meistens, und das für viel Geld und immer höhere Fernsehgebühren. Schaut euch mal entsprechende Serien der BBC an. Selbst ähnlich gestrickte französische oder italienische Serien, die manchmal auf arte zu sehen sind, sind um Lichtjahre besser und weniger hausbacken....Wir können sowas einfach nicht.

Die Schauspieler geben sich jedoch allesamt Mühe und sind unterm Strich besser als sonst in deutschen Fernsehserien oder -krimis. Auch die eher unbekannten. Moritz Bleibtreu ist ein netter Kerl, aber den smarten Strafverteidiger kaufe ich ihm einfach nicht ab (auch wenn er unentwegt raucht). Dazu simpelmoralisierend-küchenphilosophisches Gewäsch für Lieschen Müller aus dem Off und seltsam durch das Bild schwebende, computeranimierte Tatwerkzeuge, die "modern" wirken sollen. Aber mit solchen Mätzchen kriegt das ZDF sein alte-Tanten-Image auch nicht weg. Gut als gepflegte Einschlafhilfe geeignet.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2017 6:01 PM MEST


Zweite Chance
Zweite Chance
DVD ~ Nikolaj Coster-Waldau
Preis: EUR 5,49

2 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was ist los mit Susanne Bier? Vom Tiefpunkt einer Karriere....., 10. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zweite Chance (DVD)
Dass dieser unterirdisch schlechte und völlig missratene Film von Susanne Bier derart viele Lobeshymnen hier erhält, kann ich mir nur so erklären: Man will einfach nicht glauben, dass die vielgerühmte Susanne Bier einen derartigen Mist verzapfen kann, will einer Oscar-Preisträgerin wohl auch nicht auf die Zehen treten und redet es dann halt blumig schön. Respekt vor Prominenz und Oscar ist aber völlig fehl am Platz, wenn das Ding nun einmal derart in den Sand gesetzt wurde. Für mich ist dieser Streifen der absolute Tiefpunkt in Biers Karriere.

Warum schmiert man ein hilfloses Baby mit einer wie Kot aussehenden Paste ein und hält immer wieder gnadenlos die Kamera darauf? Welche Eltern lassen so etwas zu? Der unfreiwillige Kleindarsteller in Windeln kann sich nicht wehren. Warum gibt Frau Bier die Hauptrolle dem völlig talentfreien Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau ("Game of Thrones", "Mama"), eine derart anspruchsvolle und schwierige Rolle zumal, mit der der Mime mit dem holzschnittartig zurechtgeschnitzten Gesicht ohne jegliche Mimik heillos überfordert ist. Die Schauspielerin an seiner Seite, die die psychisch kranke Kindsmutter und Polizistenfrau spielt, ist so schlecht, dass ich mir noch nicht einmal ihren Namen gemerkt habe. Den doch renommierten und Bier-erfahrenen Ulrich Thomsen ("Adams Äpfel", "In einer besseren Welt", "Die Kommune") als saufender aber menschlich anständiger Kollege schätze ich sonst - hier bleibt er blass, ratlos und deutlich unterfordert. Was ist nur mit der vielgepriesenen Schauspielerführung von Susanne Bier los? Einzig und völlig überraschend Skandal-Model Lykke May Andersen als Junkie-Mutter Sanne konnte mich ernsthaft und überzeugend berühren: Vielleicht weil die Frau selber ein Drogen- und Alkoholproblem hatte und im Jahr vor den Dreharbeiten selbst Mutter eines Babys wurde (von Über-Maler Julian Schnabel). Mag sein, sie hat da viel Herzblut hinein gelegt in die Rolle und Bier hat das erkannt und sie entsprechend gut und sensibel beim Dreh begleitet. Nur wegen Lykke May von mir 2 Sterne. Der einzige Lichtblick in dem Film, der viel zu konstruiert, von der Handlung her unglaubwürdig und wie mit dem Holzhammer zusammengestoppelt und fahrig wirkt.

Völlig idiotisch und an Haaren herbeigezogen die Baby-Tausch-Aktion des Bullen auf Abwegen. Dass auch Polizisten Menschen sind und zu Kurzschlusshandlungen sowie Straftaten fähig, ist bekannt. In einem Land, in dem Ordnungs- und Gesetzeshüter zu derartigen Machenschaften fähig sind, möchte ich allerdings nicht leben. Dänemark wird hier als völlig am Rad drehende Bananenrepublik vorgeführt (Jugendamt versagt hilflos vor Kindesvernachlässigung im Drogenmilieu, Polizisten saufen oder begehen Kindesentführung, Junkie-Machos wirken wie der Gottseibeiuns und terrorisieren Spielplätze, Polizistengattinen prügeln ihre Babys tot, alle schauen weg und am Ende ist alles wieder irgendwie gut). Der Darsteller des Junkie-Vaters überzieht maßlos und spielt wie in einem schlechten Schwedenkrimi.

Völlig daneben ist das schmalzige und verlogene Ende und erinnert an die thematisch artverwandte Kitsch-Schmonzette "The Light between Oceans" mit Michael Fassbender, bei der sich Drehbuchautor Anders Thomas Jensen schamlos bedient. Auch hier geht es hochdramatisch um vertauschte Babys, Schuld und Sühne. Scheint thematisch schwer angesagt zu sein im Kino. Der Light-Film will aber gar nichts anderes sein als Schmalz, Drama und Kitsch. "Zweite Chance" will mal wieder hochpolitisch, sozialkritisch und emotionsgeladen in einem sein. Das ging diesmal so gründlich in die Hose wie noch nie bei Susanne Bier. Vielleicht Zeit, sich endlich von ihrem Dauer-Skriptwriter zu trennen und eigene Filme zu machen? Zu wünschen wäre es, denn Talent hat Bier ja.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 1, 2017 12:21 AM MEST


Lebensfreunde - Der Film
Lebensfreunde - Der Film
DVD ~ Uwe H. Klörs
Preis: EUR 10,48

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mit Sony und Käsekuchen gestrandet in der hessischen Provinz...., 9. Juli 2017
Rezension bezieht sich auf: Lebensfreunde - Der Film (DVD)
Also, einen Preis bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen wird dieser 50-Minüter sicher nicht bekommen. Es ist ein handwerklich (Regie, Drehbuch, Dramaturgie und Schnitt) nicht besonders gut gemachter Werbefilm für die 4K-Technologie und die dahinter stehende Firma, die Werbe- und Schulungsfilme macht. Drehbuch und Regie haben mich nicht überzeugt. Manchmal stimmen die dramaturgischen Anschlüsse nicht, Szenen wiederholen sich seltsamerweise und der Schnitt ist auch nicht oscarreif. Kamera ist ganz ok (bei dem Equipment kein Wunder:-)).

Die Werbung für Equipment der Firma Sony und andere Luxusgüter wie Ferrari-Sportwagen ist massiv und wird im Verlauf der Handlung immer massiver. Um die "Lebensfreunde", die ja eigentlich gar keine sind, sondern ehemalige Kommilitonen vorgerückten Alters, die sich durch Zufall nach Jahrzehnten sehr gewollt beim Bäcker wiedertreffen, geht es eigentlich gar nicht, sondern eher um die zu bewerbenden Produkte, Orte und Firmen. Na ja. Auch der Käsekuchen einer Bäckerei, der in rauen Mengen verzehrt wird und wohl an die Golden Girls erinnern soll, sowie ein Nest bei Frankfurt haben ihre Auftritte. Die Hauptfiguren geben der ehemalige Friseur des Hessischen Rundfunks und ein ehemaliger Kameramann vom Blauen Bock. Der eine bläst Trübsal, der andere redet wie ein Wasserfall. Irgendwann wollen beide mit dem Flugzeug verreisen, sitzen auch schon in der Kabine und man denkt, jetzt fängt der Film endlich richtig an - doch dann bricht er unvermittelt ab und man ist wirklich verärgert und fühlt sich vera...... Ein seltsames Paar, ein noch seltsameres Drehbuch ohne Hand und Fuß. Teilweise stark inspiriert von anderen Werken wie besonders auffällig dem irischen Film "Parked - gestrandet" (die Bademantelszene im Schwimmbad besonders stark). Aber Uwe H. Klöhrs ist nun mal kein Colm Meaney:-):

Was das Ganze soll außer Werbung für die Filmfirma und diverse Sponsoren zu machen, bleibt unklar. Bei Amazon Prime erwarte ich aber keine Werbefilme. Aber sehen Sie selbst........


Mein liebster Alptraum
Mein liebster Alptraum
DVD
Preis: EUR 2,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Trotz Huppert und Dussolier ein einziger Alptraum, 2. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mein liebster Alptraum (Amazon Video)
Wenn Huppert und Dussolier mitspielen, dachte ich, dann kann der Film ja so mies nicht sein - obwohl mir die Filme von Anne Fontaine bislang noch nie so recht gefallen haben. Leider blieb es trotz der beiden wie immer solide spielenden Altstars seicht und bieder, verklemmt und langweilig. Vor allem das unendliche Gelabere von Benoit Poelvoorde als Proll mit dem goldenen Herzen und dem flotten Mundwerk ging mir hier so mächtig auf den Senkel, dass ich nach zwei Dritteln abgeschaltet habe. Es ist im Grunde seichter Boulevard für die blasierte Mittelschicht, die sich hier mal wieder selbst feiert, mit einem veralberten Unterschichtler mit belgisch-nordfranzösischen Wurzeln (mal wieder) als Prellbock zum Abreagieren. Poolvoerde bedient ja dieses Klischee mittlerweile sehr erfolgreich im französischen Kino, hier nervt er leider. Klischee wird auf Klischee gehäuft - von den bornierten Jugendamtsmitarbeitern über die durchgenkallte blonde Geliebte für Papi bis zu den altklugen vorpubertären Söhnen und dem Geschwafel und Getue der Pariser Kulturszene. Dass die arrogante Zicke von Galeristin und der nervtötende Oberprolet wirklich ein Paar werden, wie angedeutet - eigentlich kaum vorstellbar, noch nicht einmal die besoffene Bettnummer:-).

Irgendwann habe ich das fahrige und sinnfreie Agieren der Personen und das Dauergequatsche nicht mehr ausgehalten und habe abgeschaltet. Hätten die alten Hasen Dussolier und Huppert mit ihrem lässigen Spiel nicht das Schlimmste verhindert, ich hätte nur 1 Stern verteilt. Anne Fontaine halte ich als Filmemacherin für extrem überschätzt. Ich fand "Gemma Bovary" und "Nathalie - wen liebst du heute nacht" schon blöd. Das hier kommt über gepflegten Komödienstadl auf Französisch nicht hinaus. "Mein schlimmster Alptraum", wie der Film eigentlich im Original heißt. Aber eigentlich ganz tröstlich, dass sich auch Über-Actrice Isabelle Huppert ab und an Kokolores wie diesen leistet:-).


Saint Amour - Drei gute Jahrgänge
Saint Amour - Drei gute Jahrgänge
DVD
Preis: EUR 13,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn Rinder pinkeln und Bauern Wein wie Wasser saufen.....Absurd-abgedrehtes Roadmovie durch die französische Provinz, 2. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Am Anfang pinkeln die Rinder auf der Pariser Landwirtschaftsmesse und das monströse Vieh, Altbauer Dépardieus ganzer Stolz und diesem zum Verwechseln ähnlich, trägt eine groteske Maske wie aus einem Sado-Maso-Film. Sein extrem unattraktiver und ungepflegt wirkender Sohn ( Benoit Poolvoerde dreht mal wieder am Rad, als ginge es um sein Leben) hat sich mangels Erfolg bei Frauen dem Saufen verschrieben und geht mit einem Kumpan symbolisch von Messestand zu Messestand auf eine Weinreise durch die französischen Anbaugebiete. Hier wird der edle Rebensaft nicht verkostet, sondern brutal die Kehle runtergeschüttet. Über die "10 Stufen der Trunkenheit" klärt uns der bäuerliche Weinsäufer vor dem Herrn dann auch ausführlichst und in Rückblenden auf. Das Ganze endet als besoffenes Rumgewälze im Stroh. Dann kommt der Alte auf die Idee, gemeinsam mit Sohnemann diese Weinreise in einem Taxi auch real durchzuführen. Gesagt, getan. Der junge, sehr blasse und sehr blasierte Pariser Taxifahrer wird so neben Vater und Sohn zum Heiligen Geist in dieser absurden, schrägen und völlig abgedrehten Dreifaltigkeitsgeschichte. Ein völlig kaputtes und irgendwie krankes Roadmovie beginnt. Seien Sie also gewarnt: So richtig "lustig" wird es nie und man bekommt auch keine Lust, dieses Frankreich zu bereisen und dort Weine zu verkosten.

Dass das kein normaler Film wird und das Ganze eher in das Absurde schlägt, war mir spätestens klar, als ich las, Michel Houellebecq spielt mit. Das Enfant Terrible der französischen Literatur, bekannt als leicht verrückter Skandalautor und schräg-schwarzer Analyst des französischen weißen Mannes, hat ziemlich am Anfang der Tour einen makabren, an Psycho erinnernden Auftritt als unheimlicher, sehr kinderlieber Hotelwirt. An einer anderen Stelle kommt mehrfach die Sprache auf "Elementarteilchen", eines der Hauptwerke von Houellebecq. Spätestens da wusste ich, wohin die Reise geht: In ein Land Absurdistan namens Frankreich, ein sehr bizarres, sehr weißes, sehr trostloses und verlorenes und gleichzeitig sehr sentimental-nostalgisches, das Ganze wie in einem surrealen Traum abgemischt. Verzweifelte, einsame weiße französische Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs und auf der ewigen Suche nach der Erlöserin in Gestalt von La Femme. Auch Houellebecq ist ja im Grunde genommen eine sentimentale Socke, und seine offenbar größten Fans, die beiden Regisseure dieses Films, sind es ebenfalls. Anders als die meisten Houellebecq-Werke endet der völlig verrückte und absurde kleine Film auf sehr schräge und gleichzeitig verblüffend einfache Art versöhnlich: Der Nabel der Welt liegt, wo sonst, buchstäblich auf dem geschwollenen Bauch einer Frau und die drei Chaoten werden zu den Three Godfathers (auch eine kleine Hommage an den berühmten Film mit John Wayne sehe ich hier)........

Während der absurden Taxifahrt durch die französischen Weinanbaugebiete quatschen, saufen und v.... sich die drei Herren ziemlich vernebelt durch die Botanik. Das mit dem V.... passiert dabei mehr oder minder erfolgreich und mit teils tragischen, teils absurden Wendungen. Alle drei Möchtegern-Machos führen diverse Geheimnisse mit sich im Reisegepäck und legen ihren Mitreisenden gegenüber nicht immer offen die Karten auf den Tisch. So kommt es dann am laufenden Band zu mehr oder weniger unliebsamen Überraschungen während dieser alptraumhaften Aventiure-Fahrt der drei Ritter mit jede Menge Fehl und Tadel und garantiert ohne Adel.

Die drei Anti-Helden auf ihrer Tour zu begleiten ist extrem anstrengend und ich kann verstehen, dass einige mit dem Film nichts anfangen können. Mir hat er gefallen, weil er halt so anders war, wenn er mir auch streckenweise zu angestrengt und zu gewollt als absurdes Theater inszeniert war. Dass die drei völlig vereinsamten, erotisch nicht gerade aufregenden Männer dreier Generationen am Ende auf sehr schräge Weise doch noch ihr Glück hinterm Misthaufen finden - ich gönne es ihnen. Wenn die drei Musketiere mir auch eher leid tun, als dass ich sie sympathisch fände (die Figur des von Dépardieu verkörperten Altbauern hat noch die meiste Würde). Mit Bauer sucht Frau hat das alles wenig zu tun - und Fans und Kenner des Werks von Michel Houellebecq haben definitiv am meisten von dem Film. Es ist eine schwarze bukolische Farce für intellektuelle Frankreich-Kenner, so grob gesagt. Amüsieren Sie sich, wundern Sie sich und trinken Sie dabei ein Glas Wein oder gleich eine ganze Flasche.........


Dating Queen [dt./OV]
Dating Queen [dt./OV]
DVD
Preis: EUR 2,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Wrack kommt auf Touren......, 1. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dating Queen [dt./OV] (Amazon Video)
Also die vielen negativen Kritiken hier kann ich nicht verstehen. Viele wesentlich dümmere, billigere und klamaukigere Komödien bekommen wesentlich wohlwollendere Reviews verpasst, Amy Schumer wird abgewatscht. Dabei ist der Film nur auf den ersten Blick "plump", sondern beim genaueren Hinsehen ganz schön böse und hintersinnig. Liegt die Ablehnung daran, dass sich Schumer in dem Film nicht wie ein dummes wahlweise kreischiges und naives oder braves Mädel verhält, sondern haargenau die gleichen Verhaltensmuster an den Tag legt wie ein Kerl? Könnte sein, dass das irritiert. Sie lebt promisk, treibt es selbst mit 16jährigen Praktikanten, sie säuft und kifft, hat Macho-Allüren und behandelt Mitmenschen und die eigene Familie wie den letzten Dreck. Das kennen wir sonst eher von Ekelpaketen mit Y-Chromosom, nicht von fülligen Blondinen. Auch dass Frau Schumer Übergewicht hat und das nicht wie andere erfolgreiche Wuchtbrummen mit kiloweise Make-up-Kleister im Gesicht wegkaschiert, sondern ungeschminkt und sehr pausbäckig und kindergesichtig und irgendwie sehr rührend über die Leinwand spaziert, passt nicht ins Klischee. Schumer hat aus einer Not eine Tugend gemacht, ist dabei intelligent und von messerscharfem Verstand, schreibt ihre frechen Texte als Stand-up Comedian selber und kommt damit in den USA erstaunlicherweise gut an. So ein bisschen hat sie wohl hier auch Teile ihrer eigenen Biografie wiedergegeben. Dafür mein Respekt. Welcher weibliche Showstar gibt schon öffentlich freiwillig zu, dass er ein Alkohol-, Drogen-, Sex- und Bindungsproblem hat? Eben. Die herzerfrischende Offenheit der Frau imponiert mir.

Im Original heißt der Film übrigens weniger schmeichelhaft "Trainwreck" - Zugwrack. Das trifft es schon eher. Das Ende ist ein bisschen arg aufgesetzt und frau mit eigener einschlägiger Erfahrung weiß: Es wird nicht funktionieren. Die Amy-Figur verleugnet sich am Ende und springt dermaßen angestrengt und ihre eigenen Werte kleinmädchenhaft verleugnend über ihren Schatten, um ihrem Liebsten zu gefallen, dass es weh tut. Im wahren Leben wird das wohl doch nichts mit einer saufenden, kiffenden, herumhurenden übergewichtigen und sportfeindlichen blonden Journalistin und dem stocksteifen braven Normalo-Doc aus der Provinz (wie man weiß, ist Schumer mittlerweile wieder Single.....). Da frau das weiß und auch weiß, dass Machos mit solchen Verhaltensmustern wie sie am Ende immer noch eher durchkommen, Frauen trotz Emanzipation so gut wie nie, tut einem die liebe Amy beim fragwürdigen Happy End so richtig leid. Da hätte ich doch ein bisschen mehr Biss und eine andere Lösung erwartet.

Wegen der Halbherzigkeit des Films und da er in der zweiten Hälfte spürbar an Power und Komik verliert und in blödem Kitsch endet, leider nur 3 Sterne (+). Amy Schumer mag ich trotzdem und wünsche ihr alles Gute - mit den Kerlen, mit der Familie und überhaupt, so von Schwester zu Schwester....... Das Plus-Sternchen geht an die wieder mal tolle Tilda Swinton, die ich in der Maske als machohafte Chefredakteurin fast gar nicht erkannt hätte:-).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 7, 2017 9:23 AM MEST


The Light Between Oceans: A Novel
The Light Between Oceans: A Novel
von M.L. Stedman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Am Ende holt sich alles die See....., 27. Juni 2017
Ich empfehle den Roman auf Englisch zu lesen. Stedman schreibt ein sehr einfaches, unverschnörkeltes Allterweltsenglisch, das auch mit wenigen Jahren Schulenglisch und etwas Übung im Lesen englischer Bücher leicht zu verstehen ist. Der Schreibstil wirkt etwas ruppiger als auf Deutsch, vermeidet üppige Formulierungen und ist sehr karg und bilderarm. Eigentlich werden nur kurze Sätze schmucklos aneinander gekoppelt, weder die Landschaft noch die Personen noch das Zeitkolorit - immerhin spielt der Roman in den 1920er und 30er Jahren, ganz am Schluss in den 50ern - gewinnen Kontur. Das spielt alles irgendwie keine Rolle, der Roman wirkt zeitlos. Als historischer Roman ist er nur wegen des sehr vage gehaltenen geschichtlichen Rahmens zu bezeichnen. Die Handlung könnte auch irgendwo anders zu einer anderen Zeit zum Beispiel in Kanada oder Schottland spielen. Vielleicht macht dieses Vage und Verschwommene gerade seinen Erfolg aus, ich weiß es nicht. Jeder soll sich mit der Handlung identifizieren können. Wer saftiges Lokalkolorit aus Australien oder lebendige Geschichte erwartet, der ist angeschmiert. Australien und Historie sind nichts weiter als Staffage, es geht ausschließlich um die agierenden und schicksalhaft miteinander verstrickten Personen.

Gleichzeitig ist die Geschichte natürlich trotz der etwas gefühlskalten und eher nüchternen Sprache furchtbar sentimental, absolut ktischig und vor allem unglaubwürdig. Denn es geht hier nicht um eine nachvollziehbare Geschichte zum Beispiel einer Adoption oder Pflegefamilie sowie Konflikte mit den leiblichen Eltern des Kindes, sondern schlichtweg um ein Verbrechen - ein geraubtes und als eigenes ausgegebenes Kind aus rein egoistischen Motiven. Absolut indiskutabel und auch bei x Fehlgeburten der tief gestörten und hysterisch agierenden Isobel in keiner Weise zu verstehen, zu beschönigen oder zu verzeihen. Die Figur der Isobel ist eine menschliche Katastrophe und der Leuchtturmwächter-Ehemann, der sich ein wenig selbstgerecht vor allem am Schluss in Szene setzt, ist nicht viel besser. Sehr abrupt und stilistisch holperig drangeklatscht wird das traurige Ende von Isobel, das man auch als eine Art Schicksalsstrafe für ihr Verbrechen ansehen könnte.. Ganz am Ende des Buchs taucht das einst so schmählich belogene und um seine Familie gebrachte Findelkind als Erwachsene noch einmal beim Ex-Findelpapa auf, als perfekte Jungmutter, supersympathische junge Frau und mit keinerlei Psychoknacks aus dieser schlimmen Kindheitsgeschichte belastet. Und irgendwann, so die etwas fatalistische Botschaft von Miss Stedman, holt sich die ewige See sowieso alles zurück und von den herumkrauchenden Menschlein und ihren Problemchen bleibt nicht einmal die Erinnerung. Wozu dann überhaupt nahezu manisch Kinder in die Welt setzen wollen und so um sie kämpfen, frage ich mich? Tröstlich ist das Ende nicht und die Autorin lässt mich ratlos zurück.

Anfang und Ende mit der Schilderung der See und des Leuchtturms, ein wenig lebensphilosophisch umrankt, sind die gelungensten Passagen des Buchs, aber sowas kann Annie Proulx ("Schiffsmeldungen") auch, vielleicht sogar besser. Der Rest ist Kitsch, der sich derart krampfhaft bemüht keiner sein zu wollen, dass es sich wie ein am Computer ersonnenes und mit Hilfe cleverer Lektoren ersponnenes Kalkül liest. Und ein Bestseller, ja Mega-Weltseller wurde es ja dann auch.......
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2017 9:28 PM MEST


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