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Beiträge von Frau Krispien
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Rezensionen verfasst von
Frau Krispien

Anzeigen:  
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Es geschah nebenan
Es geschah nebenan
von Joyce Egginton
  Broschiert

5.0 von 5 Sternen Neun Kinder ermordet durch Mutterhand: hervorragend recherchiert, sachlich und gleichzeitig bewegend erzählt, 3. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Es geschah nebenan (Broschiert)
Bitte lassen Sie sich nicht durch das reißerische Cover von der Lektüre abhalten, denn das Buch ist seriöser und gehaltvoller, als es auf den ersten Blick wirken mag. Joyce Egginton, die hier sehr faktenreich und akribrisch den hierzulande nahezu unbekannten Fall der amerikanischen Kindsmörderin Marybeth Tinning aus dem US-Bundesstaat New York aufrollt, ist eine britische Journalistin. Sie hat für den "Observer" von New York aus häufiger auf sehr sachliche und gleichzeitig engagierte Weise über spektakuläre amerikanische Kriminalfälle berichtet. Vielleicht kommt daher der eher kühle und bei allem Interesse objektive und nicht Partei ergreifende Blick auf diesen sehr ungewöhnlichen Fall einer Serienmörderin an ihren eigenen Kindern. Die Lektüre erfordert allerdings einiges an Konzentration und liest sich nicht mal so einfach weg. Schlüsselloch-Journalismus und Tränedrüsen-Stories sind mit der eher trocken schreibenden Britin nicht zu machen. Und das ist in dem Fall gut so.

Die wenig gebildete schlichte Hausfrau, zeitweise als Verkäuferin und als Hilfskrankenschwester arbeitende Marybeth Tinning hat in den 1970er und 80er Jahren ihre neun Kinder - davon ein adoptiertes - nacheinander jeweils nach wenigen Jahren oder Monaten allesamt erstickt. Das Erstgeborene verstarb an Hirnhautentzündung kurz nach der Geburt (ob nach einem fehlgeschlagenen Abtreibungsversuch, bleibt offen). Festgenommen, vor Gericht gestellt sowie zu 20 Jahren bis lebenslang verurteilt wurde die Frau erst nach der Tötung ihrer letztgeborenen Tochter. Sie gestand die meisten der ihr vorgeworfenen Kindsmorde. Heute geht die Wissenschaft von einer narzisstischen Störung verbunden mit Münchhausen-Syndrom als Folgen schwerer Misshandlungs-, Demütigungs- und Missbrauchserlebnisse in der Kindheit aus. Warum ihr Bruder ein braver Bürger und sie ein mütterliches Monster wurde, diese Frage bleibt offen - die Frau bleibt bei aller Annäherung ein dunkles Rätsel.

Joyce Egginton rollt den Fall akribisch auf, lässt uns eintauchen in das trostlose Leben in der Provinz des Staates New York, wo die namengebende Big City nicht nur mehr als 200 Kilometer weit weg ist, sondern auf einem anderen Planeten zu liegen scheint. Eine vorrangig von weißen Katholiken und Methodisten bewohnte Region, die in jener Zeit nahezu komplett von General Electrics abhängig war. Die Autorin schildert das eintönige Eheleben mit dem seiner Frau hörigen antriebsarmen Joe, einem Vorarbeiter bei General Electrics, das Einerlei zwischen Arbeit, Familie und Verwandschaft, ein wenig Freizeit mit Camping und Angeln, Kirchgängen und Engagement bei der Freiwilligen Ambulanz der verschiedenen Wohnorte in der öden Region. Irgendwann geht Marybeth auch mal in abgelegenen Kneipen fremd. Zwischendurch wird sie immer mal wieder schwanger und nach kurzer Zeit sind die Kinder tot, man geht zur Tagesordnung über, als wäre nichts gewesen. Das Ungeheuerliche ist neben den Taten der Umstand, dass sie in dem Ausmaß überhaupt geschehen konnten und dass spätestens nach den ersten toten Kindern niemand eingriff oder etwas unternahm: weder Ehemann noch Mutter noch Schwiegereltern, noch Arbeitskolleginnen oder Gemeindemitglieder, Pfarrer, Ärzte, Krankenschwestern, Nachbarinnen und Freundinnen. ALLE - bis auf den angeblich Vogelstrauß spielenden Trottel von Ehemann - ahnten etwas oder schöpften zumindest Verdacht, einige waren sich sogar ziemlich sicher. Denn die als exzentrisch und launenhaft geltende Marybeth legte auch sonst ein irritierendes Verhalten an den Tag, stalkte den Pfarrer, legte Brände und stahl Erste-Hilfe-Dummies der Freiwilligen Feuerwehr. Sie kam mit allem durch. Keiner hatte die Courage oder den Mut zum Jugendamt, zur Polizei oder sonst zu irgendwelchen Entscheidungsträgern zu gehen. Eigentlich, so lässt sich grob sagen, war die Provinzgesellschaft schuld am Tod der vielen Kinder. Warum, dass kann sich auch die Autorin nicht so recht erklären und steht ratlos davor wie der Leser. Es macht Schaudern, dieses Wegsehen und Nichtwissenwollen wider jeden Menschenverstand und besseres Wissen. Bizarrer Zusammenhalt einer abgeschotteten Gemeinschaft von Familie, Nachbarn und Kollegen bis hin zur Deckung von Verbrechen. Wenn es zu brenzlig wurde, zog das Ehepaar einfach um, und das Ganze ging von vorne los.

Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern versucht den Fall aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, was gut gelingt. Der letzte Teil ist dem Prozess gewidmet und bietet sehr interessante Einblicke in Ermittlungsarbeit und Justiz im Staat New York, die sich hier einmal anders, als das Klischee es will, als sehr vernünftig, sachlich und human erweisen. Diese Sachlichkeit hilft beim Lesen, dass man nicht total in Tränen und Mitleid versinkt angesichts der armen Würmchen, die niemand vor dem sicheren Tod durch das Kissen in Mutterhand schützen wollte oder konnte (die Feigheit der Mitmenschen, das ist für mich fast das Schlimmste an dem Buch).

Die Täterin, deren abgründige Seele kein Psychiater so richtig entschlüsseln konnte, sitzt immer noch ein. Mehrere Anträge auf Begnadigung wurden abgelehnt.


Ich habe nein gesagt
Ich habe nein gesagt
von Annemarie Schoenle
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Seltstsam angestaubt und wenig Solidarität unter Frauen - ein überschätzter und fragwürdiger Roman, 26. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Ich habe nein gesagt (Taschenbuch)
Ein bisschen ist das Buch eine Mogelpackung. Neuere Taschenbuchausgaben z.B. bei Universo von 2014 verschweigen, dass der Roman bereits vor rund 20 Jahren erstveröffentlicht wurde. Die Handlung spielt in etwa 1998, als die Verwaltigung in der Ehe erst seit kurzem unter Strafe gestellt war. Entsprechend angestaubt wirken das gesamte Umfeld und die Handlungsweisen der Figuren in diesem Roman. Zudem war die Autorin schon bei der Abfassung ein älteres Semester und die ganze Szenerie wirkt eher wie aus den 1970ern als aus den 1990ern. Es liest sich so, als habe da jemand in der 70er Jahre Erinnerungskiste gekramt und das Ganze dann versucht auf 1990er zu trimmen - das gelingt nur bedingt und liest sich 2016 fast schon komisch, wenn eine 30jährige Rod Stewart und Elvis als Lieblingsmusik beschreibt:-). Auch die komische Dorf-Disco und Vögel wie der schmierige Ricki, die versoffene Schwiegermutter und die eigene verhuschte Hausmütterchen-Mutter unserer "Heldin" wirken wie aus den 70ern entsprungen. Die Sprache wirkt bei aller Glätte und Geschmeidigkeit wie aus einem Magazin wie der "Brigitte" auch irgendwie seltsam angestaubt - jüngere Leserinnen werden sich in dem Buch wohl eher nicht wiederfinden, und ich selbst von der Generation 50+ musste streckenweise lachen über soviele verstaubte Klischees. Und dabei sollte es doch ein ernstes Thema sein.

Vorweg: Eine Feministin ist die bayerische Autorin mit Sicherheit nicht. Frauensolidarität ist in der Handlung gleich null vorhanden, im Gegenteil. Frauen, so der Tenor, sind zunächst einmal stutenbissig. So hat "Doris" keine einzige beste Freundin, noch nicht einmal einen Kreis von lockeren Bekannten und Freunden. Sie hat niemanden, mit dem oder der sie sich aussprechen kann. Die eigene Mutter hält zum Schwiegersohn - was ich eher für unglaubwürdig halte, zumal dieser eher ein Losertyp und beruflich erfolglos ist, und nur mit einer flotten Sohle auf dem Parkett konnten Schwiegermütter sicherlich schon damals nicht mehr gewonnen werden (da schimmern, mit Verlaub, eher sogar die 1950er Jahre durch). Beide Mütter - die des prügelnden Ehemannes und die von Doris - kommen erbarmungslos schlecht weg und sind eigentlich schuld an dem ganzen Elend. Der verstorbene Vater- ein erfolgloser Provinzschauspieler - wird nahezu auf ein Anbetungs-Podest erhoben. Passt das zu einem Buch, das sich vorgeblich die Sache misshandelter und familiär ausgebeuteter Frauen auf die Fahnen geschrieben hat? Jedenfalls ist es seltsam. Doris ist eine Einzelkämpferin ohne jegliche sozialen Kontakte - die einzige Kollegin in der Drogerie wird als falsche und eifersüchtige Schlange beschrieben -, mit der Sympathie zu empfinden mir schlichtweg unmöglich ist. Doris ist egoman, unsympathisch, hat an allem was zu meckern und sie nervt. Der einzige Mensch, der sie versteht - und den sie mit ihrer Heulerei ebenfalls bedenklich seelisch missbraucht - ist die kleine Tochter Tanja.

Eines muss man Annermarie Schönle lassen, sie kann technisch gut schreiben. Das Buch liest sich flüssig herunter, wenn auch beinahe schon wie ein Drehbuch konzipiert. Und fürs Fernsehen verfilmt wurde der Stoff dann ja auch.... Was fehlt, sind Herzblut und Empathie. Was auch ein bisschen kurios ist: Die Figuren stammen aus dem Kleinbürgertum, sind Verkäuferin und Autoschlosser, reden aber geschliffen und philosophisch wie Akademiker.


The Judge
The Judge
DVD ~ Peter Gantzler
Preis: EUR 6,97

4.0 von 5 Sternen Spannender Polit-Thriller und Vater-Sohn-Geschichte in einem, 25. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: The Judge (DVD)
Der Film lief dieser Tage im Fernsehen wieder unter dem alten Titel "Der Richter" aus dem Jahr 2007. 2014 war diese Neu-Edition hier mit dem reißerischen und unpassenden Titel "The Judge - sein Job. Sein Schicksal" auf den Markt gekommen. Warum erst ab 16, ist mir ein absolutes Rätsel, da keinerlei Gewalt- oder pornografische Darstellungen darin enthalten sind. Also, ein 14jähriger kann den Film durchaus schon anschauen, zumal es ja auch nicht unwesentlich um einen Jugendlichen (den unehelichen Sohn des Richters) geht.

Mir hat der Film sehr gut gefallen, und wer skandinavische Filme liebt, wird ihn zumindest mögen. Alle Zutaten sind da: Der "einsame Wolf" im Zwiespalt zwischen Karriere und Gewissen, Job und Privatleben; die grunddüstere bedrückende Stimmung und die gesellschaftliche Moral und Kritik an Politik und Staat - auf sehr subtile und ernsthafte skandinavische Weise. Zudem ist der Film auch wegen der aktuell wieder im Fokus stehenden Flüchtlingsproblematik interessant anzuschauen: Man erfährt auch etwas über den Umgang mit Flüchtlingen in Dänemark und die Verflechtungen von Politik, Justiz und Verwaltung. Die Gewaltenteilung in Dänemark ist hier laut Drehbuch durch Intrigen, Postenschieberei und Hintertür-Netzwerkereien akut bedroht, und der Richter scheint sich in diesem sehr sachlich und kühl geschilderten Gespinst zu verheddern. Für solche Zusammenhänge und Politik im Allgemeinen sollte man sich schon interessieren, sonst könnte der Film vielleicht schnell langweilig werden.

Kunstvoll in die Polit-Geschichte eingewoben ist die private Tragödie des Richters. Seinen unehelichen Sohn sieht er nach der Babyzeit erst als Teenager im Krankenhaus zum ersten Mal wieder. Warum das so war, das ist ein bisschen sehr schwer nachzuvollziehen. Jedenfalls bekommt der sensible Junge - von Micky Skeel Hansen sehr berührend und begabt gespielt - schon in jungen Jahren die volle Packung mit, was Verlassenwerden und Tod betrifft, und er wollte sich aus dem Leben schleichen. Mehr sei hier nicht verraten. Die Familiengeschichte wird Schritt für Schritt aufgedröselt, wobei nicht alle Details restlos geklärt werden. Nach und nach schält sich heraus, dass der Richter eine sehr harte und gefühlskalte Kindheit hinter sich hat, was ihm zum emotionalen Krüppel werden ließ. Wie er dem Jungen im Krankenhaus auf den Kopf zusagt, er könne ihn nicht lieben und empfinde nichts für ihn und ihn dann einfach so stehen lässt, das geht schon an die Nieren. Erklärt wird das Verhalten nach und nach: Nur mit absoluter Härte gegen sich selbst und zu anderen in zwischenmenschlichen Beziehungen - zum Beispiel zu seiner Kollegin und Geliebten - hat er zielstrebig als Jurist aus einfachen Verhältnissen die Sprossen auf der Karriereleiter erklommen. Die eigenen Wurzeln hat er dabei versucht zu kappen (was natürlich letztendlich nicht geht, und er betrügt sich permanent selbst).

Wie der Sohn trotz anfänglicher Zurückweisung hartnäckig bleibt und es mit viel Engagement und Entschlossenheit bei aller inneren Verletzlichkeit tatsächlich schafft, die harte Schale des Vaters zu knacken, das ist menschlich sehr berührend. Damit es nicht ins Sentimentale kippt, wird es dann - typisch dänisch - im letzten Drittel, als es ans familiäre Eingemachte geht, so richtig, richtig schräg. Dabei haben auch der greise Vater und der vergessene Bruder des Richters ein mehr als schräges Wörtchen mitzureden. Und noch einmal der Tod. Die Klammer zum politischen Teil des Films wird bei allem "Familienknatsch" nie vergessen und gekonnt und behutsam mit der Privatgeschichte kurzgeschlossen.

Der Film hat Tiefgang ohne damit hausieren zu gehen, und ich habe lange darüber nachgedacht. Passiert mir nicht bei jedem Film. Hauptdarsteller Peter Gantzler kannte ich übrigens aus "Italienisch für Anfänger."


One Chance - Einmal im Leben
One Chance - Einmal im Leben
DVD ~ James Corden
Preis: EUR 5,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht zum Fremdschämen, aber auch kein Meisterwerk, 5. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: One Chance - Einmal im Leben (DVD)
Was soll man zu dem Film sagen? Ideal, wenn man mal mit Mutti einen gemeinsamen Filmabend verbringen und "auf Nummer Sicher" gehen will. Ich hatte Schlimmeres erwartet, man kann es ertragen. Pittoreske Kulissen aus Wales, Touristen-Fotos aus Venedig und nett spielende Schauspieler, der Kitsch hält sich zum Glück in Grenzen. James Corden überzieht seine Rolle als Paul Potts sympathischerweise nicht und bleibt "auf dem Teppich", auch die Darstellerin der liebenden Freundin und späteren Ehefrau gibt sich ebenso Mühe wie die Potts-Eltern und der schräge Freund aus dem Handy-Shop.

Psychologischen Tiefgang sollte man nicht erwarten, die Geschichte wurde zudem geschönt und auf "Arbeiterkind goes Opera" zurechtgetrimmt, Potts zum Working Class Hero (eine in England beliebte Figur) gemodelt. Dass in Wahrheit der Vater kein kerniger Stahlkocher, sondern schnöder Busfahrer war und Potts selbst ein verkrachter verschrobener Akademiker mit Psycho-Knacks und einem Doktorgrad in Philosophie, wird ebenfalls verschwiegen. Die Geschichte hinter der Geschichte wäre vermutlich spannender.

Und heute? Ist die "Karriere", wie zu erwarten, längst vorbei und Potts singt auf der Hochzeit von Daniela Katzenberger. Tiefer kann man kaum sinken - tut mir irgendwie leid, der arme Kerl. Auf aktuellen Fotos guckt er traurig und hat an Körperfülle enorm zugelegt. Glücklich wirkt anders.

Fazit: Fremdschämen muss man sich beim Anschauen dieses Streifens nicht, aber die Messlatte auch nicht zu hoch hängen. Dass Menschen in solchen TV-Formaten "verbrannt" werden, weiß man ja.


Barbecue [dt./OV]
Barbecue [dt./OV]
DVD

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Typisch französische Freunde-Ferien-Fremdgehen-Essen-Trinken-Urlaubmachen-Midlifecrisis-Komödie, 3. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Barbecue [dt./OV] (Amazon Video)
Gab es schon mal mit sehr ähnlichem Plot in den 70ern unter dem Titel "Vincent, Paul, Francois und die anderen" mit Yves Montand in der Hauptrolle. Der Film hier ist nur seichter und oberflächlicher vom Inhalt her. Lambert Wilson sieht Montand sogar ein wenig ähnlich und kopiert ihn für meinen Geschmack zu sehr, aber an dessen schauspielerische Klasse kommt er einfach nicht heran. Insgesamt spielen die Schauspieler aber alle sehr gut und ungezwungen, die Darsteller sind mit das Beste an dem Film, und es macht Spaß ihnen zuzusehen. Ansonsten ist das halt so eine typische französische Bürgertum-Komödie um Freundschaft, Midlife Crisis und Fremdgehen, Wein, Weib und ohne Gesang, mit gutem Essen und den unvermeidlichen gemeinsamen Ferien in schöner Landschaft, wo es dann ans Eingemachte geht. Das hab ich schon x mal in Filmen aus Frankreich in derartiger Konstellation gesehen. Warum man jetzt noch den einfältigen KfZ-Mechaniker in die Clique eingebaut hat, erschließt sich mir nicht, auch die Schlussszene mit dem Kreisverkehr hab ich leider nicht verstanden. Am Anfang fand ich den Streifen noch ganz amüsant, aber irgendwann ging dem munteren Treiben die Luft aus und es wurde langweilig.

Die Dialoge sind oberflächlich, die Witzchen lau und irgendwie plätschert das Ganze so dahin. Der Herzinfarkt spielt plötzlich keine Rolle mehr. Wer vielleicht selbst einen Infarkt erlitten hat und sich mit Reha und Gesundwerden und -bleiben herumplagt, mag angesichts des leichtsinnigen Konsums unseres "Helden" von Kippen, Gras, Wein, Likör und fetten Pommes ohne jegliche Folgen trotz Stents nach dem Infarkt unangenehm berührt sein. Zur Nachahmung empfohlen ist das Verhalten jedenfalls nicht.

Positiv bewerten - dafür und für die tollen Schauspieler die 3 Sterne - will ich die Aussage des Films über echte Freunde: Sie müssen und sollten belastbarer sein als Familie, Kollegen oder nur Bekannte und auch bei unangenehmen Wahrheiten, Nervigsein und Charakterschwächen zueinander stehen. Und das tut die langjährige Clique hier. Wenn die Freunde auch so sehr unterschiedlich sind, dass man sich fragt, worauf die Freundschaft basiert. Nur das gemeinsame Anstehen in der Mensa-Schlange zu Studentenzeiten, wie berichtet, erscheint mir doch etwas dünn. Aber was soll's. Kann man sich mal vor dem Schlafengehen anschauen, muss man aber nicht.


Schneider Slider XB Kugelschreiber (Soft-Grip-Zone) 10er Packung blau
Schneider Slider XB Kugelschreiber (Soft-Grip-Zone) 10er Packung blau
Preis: EUR 14,20

4.0 von 5 Sternen Lange Lebensdauer, gute Schreibleistung und angenehme Griffigkeit auch bei Dauergebrauch, 1. Juni 2016
Den Stift - in Schwarz - habe ich letzten November gebraucht geschenkt bekommen, er war also schon etwas "abgeschrieben" - und er hat bis gestern durchgehalten, also mehr als ein halbes Jahr! Da ich im Home Office ständig mit dem Stift Manuskripte von Hand schreibe und mir Notizen mache, war der Slider eigentlich dauernd im Einsatz. Also sehr sparsam im Verbrauch, was den vergleichsweise hohen Preis für ein solches Produkt wieder wett macht. Ansonsten stimmt die offizielle Produktbeschreibung absolut mit meiner Erfahrung überein. Der Stift liegt sehr griffig und rutschfest in der Hand, ist weder zu dick noch zu dünn und gleitet sehr geschmeidig ohne zu "haken" über das Papier. Auch bei längerem Einsatz und sehr schnellem Schreiben ermüdet die Hand nicht. Die Tinte verschmiert nicht und ist wirklich wischfest. Gerade für Vielschreiber eine Empfehlung. Einziges Manko: Die durchsichtige abziehbare Kappe wurde im Lauf der Zeit immer unansehnlicher, lässt sich aber von innen vorsichtig mit einem Q-Tipp reinigen. Auch der Foliendruck auf dem Stift ist irgendwann leicht abgeblättert.

Wie umweltfreundlich oder "ungiftig" das Material der Hülle und die Tinte jetzt sind, kann ich nicht beurteilen, dazu gibt es keine Infos. Deshalb und wegen der optischen Unansehnlichkeit nach einer Weile "nur" 4 Sterne. Für Vielschreiber wegen der langen Lebensdauer und der handschonenden Geschmeidigkeit empfehlenswert. Ich werde mich mit dem Stift bevorraten.


Die goldene Kugel und andere seltsame Fälle: Kurzkrimis
Die goldene Kugel und andere seltsame Fälle: Kurzkrimis
von Agatha Christie
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Nicht alle Geschichten gelungen und nicht alle echte Krimis, 22. Mai 2016
Empfehlen kann ich das Buch eher für Christie-Kenner, die ihre Sammlung vervollständigen wollen. Für alle anderen sind die sieben Geschichten - "Kurzkrimis", wie der Verlag schreibt, finde ich etwas hochgestapelt - vielleicht nicht so der Burner. Die Sammlung ist in den 80ern schon mal in dieser Zusammensetzung unter dem Titel "Mörderblumen" auf Deutsch erschienen. Auf Englisch gibt es sie versammelt in einem Band in der Form nicht. Im Original ist die Geschichte "Etwas ist faul" (The Listerday Mystery) als Titelgeschichte zusammen mit "Die goldene Kugel" und "Der Smaragd des Radschas" sowie anderen Stories (die hier fehlen) bereits in den 1920ern veröffentlicht worden. Alle drei sind eigentlich keine Krimis, sondern kleine Satiren mit einem Hauch Krimi; sie geben aber ganz nett die Atmosphäre der Goldenen Zwanziger in verschiedenen englischen Gesellschaftsschichten wieder (verarmter und wohlhabender Adel; Aufsteiger und Glücksritter; flotte und emanzipierte junge Damen der Gesellschaft; Verkäufer mit Hang zu Höherem); sie passen auch vom leicht ironischen Grundton her gut zueinander und zeigen die schlagfertige und scharfsichtig-satirische Seite der Christie.

Die anderen Geschichten in dem Band hier sind auf Englisch alle woanders erschienen und teilweise seltsam. "SOS", "Der Hund des Todes" und "Die Puppe der Schneiderin" (die einzige Story in dem Band aus den 50ern) sind keine richtigen Krimis, sondern Mystery-Geschichten und meiner Meinung nach nicht ganz gelungen. "Sonntag" ist wieder eher eine kleine Satire über menschliche Schwächen und Gelegenheiten, die Diebe machen, und passt gut zu den übrigen mit satirischem Touch und sympathischem Zeitkolorit.

Die Übersetzungen der insgesamt drei Übersetzer sind nicht durchweg gelungen. Das Cover-Bild passt so gar nicht, denn ein Dienstmädchen mit Schürze kommt in keiner der Geschichten vor. Wer andere, großartige Kurzkrimis der Autorin wie "Haus Nachtigall" und "Die Mausefalle" oder den "Dienstabend-Club" kennt, wird vielleicht enttäuscht sein. Aber als etwas andere Facette zum Gesamtwerk der Christie für Fans durchaus - mit Abstrichen, wie gesagt - empfehlenswert.


Ein Hells Angel unter Brüdern
Ein Hells Angel unter Brüdern
DVD ~ Lutz Schelhorn
Preis: EUR 12,99

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Scheinheilig und anbiedernd, 22. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Hells Angel unter Brüdern (DVD)
Es ist natürlich völlig naiv anzunehmen, ein gestandener Hells Angels Boss würde tatsächlich Einblicke in das Innenleben und die geheimen Strukturen dieser Parallelgesellschaft gewähren. Da würde sein Kopf rollen, wenn er das täte. Vorrangig dient der Streifen der Beweihräucherung des Lutz Schellhorn und seines scheinbar so biederen Reihenhäuschen-Lebens mit Kind und Kegel sowie teurer Kamera in einem Spießer-Vorort von Stuttgart. Nur dass Pappa Kutte trägt, dick tätowiert ist und Harley fährt. Ein Spießer ist der heute zumindest nach außen hin nur noch als Fotograf tätige Schellhorn vermutlich in der Tat, so kommt er zumindest rüber. Aber waren nicht die schlimmsten Verbrecher auch häufig Spießer? Jedenfalls nix Born to be wild und Steppenwolf, sondern Schwabenländle und Kehrwoche in der Vorort-Hölle, aus der Schellhorn bis auf Ausflüge ins heimische Rotlicht-Milieu nie hinauskam. Inwieweit der gefallene Engel wirklich nicht mehr kriminell ist - man weiß es nicht. Der sehr smart und kameraverliebt herüberkommende Kriminalbeamte drückt es sehr diplomatisch aus: zumindest nicht in den letzten 10 Jahren - "weitgehend". Was immer das heißen mag.

Der mir völlig unbekannte Dokumentarfilmer heftet sich devot an Schellhorns Fersen und filmt in biederer Manier ab, was der ach so umgängliche und volksnahe Höllenengel ihm auf dem Präsentierteller serviert. Manchmal stellt er mit schüchterner Knabenstimme aus dem Hintergrund scheue Fragen. Fast schon lachhaft, die ganze Inszenierung. Dass dafür Fördergelder des Landes Baden-Württemberg flossen, stimmt schon nachdenklich. Nur zwei Mal blitzt hinter der glatten Fassade etwas vom wahren, nicht so netten Schellhorn auf: Als es um sein manipuliertes Messer als Waffe geht, wird er fast aggressiv. Und der rüde und frauenverachtende Umgangston mit der eigenen Tochter - völlig eingeschüchtert und kleinmädchenhaft wirkend - spricht für sich. Dass Hells Angels misogyne verklemmte Machos sind, war mir ja bekannt, kriminell oder nicht. Auch hier kommen Frauen nur als Beiwerk, gegängelte Töchter oder als Huren vor.

Irgendwie habe ich den Eindruck die Hells Angels halten sich den Schellhorn als Feigenblatt und Biedermann in der Kutte, um von den eigentlichen kriminellen Schandtaten an anderer Stelle abzulenken. Und der Film wird zum Propaganda-Streifen.


Mütter sind auch Menschen. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten.
Mütter sind auch Menschen. Was Töchter und Mütter voneinander wissen sollten.
von Claudia Haarmann
  Broschiert
Preis: EUR 19,50

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Schreibst du mal ein Buch darüber" - ohne Tiefgang aus dem Ärmel geschüttelt, 20. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich hätte ich es ja besser wissen müssen: Ein Buch mit einem derart törichten Titel kann nichts taugen. Aber ich hab es wegen der vielen positiven Rezensionen und weil mir die Thematik als Frau mit einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung am Herzen liegt, dann doch trotz Bedenken bestellt. Ein Fehler. Ich warne zudem davor, ein Buch spontan zu kaufen ohne sich über die Autorin schlau zu machen. Hätte ich es getan, hätte ich verzichtet. Die Autorin ist weder Wissenschaftlerin noch Pädagogin noch Psychologin, sondern eine ehemalige Journalistin, die sich irgendwann zur Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Psychotherapie (das ist ja leider keine geschützte Berufsbezeichnung) hat fortbilden lassen und eine Praxis in Essen betreibt. Genauso fragwürdig und oberflächlich sind die Thesen, die sie aufstellt. Viel Erfahrung mit dem Schreiben von Büchern hat die 64jährige Autorin nicht - insgesamt sind es drei. Nach eigenen Angaben - was man durch Googeln herausbekommt - fußen ihre Darlegungen in diesem Buch auf ihren Erfahrungen als Tochter (dann könnten wir ALLE ein Buch zum Thema schreiben) und mit ratsuchenden Frauen in ihrer Heilpraktiker-Praxis.

Bezeichnend ist, dass diese Frauen aus der Praxis der Autorin, wenn sie selbst Mütter sind, ausschließlich das schlechte Verhältnis zu ihren Müttern zur Sprache bringen, ohne ihr eigenes Verhalten als Mütter kritisch zu reflekieren. Das eigene Ego steht eindeutig im Vordergrund und will gestreichelt werden. Motto: Meine Mutter war eine schlechte, ich bin aber ganz anders und die Supermama und will das jetzt mal bestätigt haben. Das funktioniert natürlich so simpel nicht. Warum das so ist und warum sich vielleicht daher die Traumata durch erfolgreiches Verdrängen von Generation zu Generation weitervererben - denn schließlich sind ja auch die geschmähten Mütter selbst wieder Töchter - , das thematisiert die Autorin nicht und überforderte sie wohl auch fachlich. Da muss man wohl auf seriösere Fachliteratur der Trauma-Forschung zurückgreifen.

Warum dieses Buch? In einem Interview sagt die Autorin sinngemäß: "Da war dann dieser Schmerz, und da dachte ich, schreibst du mal ein Buch darüber". Auf ungefähr diesem Niveau ist das ganze Buch geschrieben. Der größte Teil sind Zitate von Patientinnen oder ellenlange Interviews zum Thema mit anderen Psychotherapeuten. So richtig auf den Punkt kommt keiner, am interessantesten sind noch die Auslassungen im Kapitel "Pubertät" (wenn auch absolut nichts Neues an Erkenntnis bringend). Der Rest ist, um es mal so hart zu sagen, Herumgesülze und Seiten füllen. Wem das reicht - mir nicht.

Mütter haben von dem Buch - nichts. Auch jüngere Töchter um die 20 bis 30 können sich die Lektüre schenken. Anders als der Titel fälschlich suggeriert, stehen Töchter mittleren Alters aus bürgerlichen Schichten - so ab Ende 30 bis Ende 50 - absolut im Mittelpunkt. Das liegt vermutlich daran, dass diese Klientel die Mehrheit der Besucherinnern der Praxis von Frau Haarmann stellt. Was genau deren Probleme oder auch Problemchen mit den Müttern sind, bleibt vage. Über die "ganz schlimmen" Fälle wolle sie lieber nicht schreiben. Aha. Also doch ein Wellness- und Selbstbestätigungsbuch für jederfrau? Könnte man fast meinen. Mich hat diese Oberflächlichkeit und das Gejammer ohne auf den Punkt zu kommen genervt. Gar nicht wissen will ich, wie die Autorin selber zu ihrer Mutter stand. Dazu liefert sie allerdings leider ein komplettes Kapitel und gibt Szenen aus dem behüteten Leben einer Fabrikantentochter mit "schwieriger " Mutter zum Besten. Was soll mir das?

Plattitüden wie mit "Liebe" lasse sich letztendlich auch die schwierigste Mutter-Tochter-Beziehung verbessern und am besten agiere man dabei "aus dem Bauch heraus" - also da war ich schon sprachlos und fühlte mich veräppelt und ein wenig abgezockt. Das Thema Kriegsenkel und Nazi-Verstrickungen der Eltern wird auch kurz angetippt und lauwarm sowie halbherzig umschifft. Geschenkt. Ganz schlimm finde ich Aussagen, jedes Kind brauche eine Mutter, die wichtigste Bezugsperson für eine Frau sei unter allen Umständen die Mutter, so, wie für einen Mann die wichtigste Bezugsperson der Vater für die Formung des Charakters sei. Wie bitte? Was sollen Frauen, die mutterlos beim Vater aufwachsen oder Jungen in reinen Frauenhaushalten davon halten, wenn sie sowas lesen? Werden die alle verkorkst und charakterschwach? Zumindest suggeriert das die sehr subjektiv und "aus dem Bauch heraus" argumentierende Autorin.

Der Anhang über "Kontaktabbruch" bringt gar nichts, wurde mit heißer Nadel zusammengestrickt und dient allein der Bewerbung des Nachfolgerbuchs der Autorin. Die Bibliografie mixt munter seriöse Wissenschaftler mit Feierabend-Psychologen und Romanautoren. Da kann sich dann jede Frau etwas herauspicken.

Wie sehr das Thema Mütter und Töchter bewegt, zeigt ja die Literaturflut zum Thema. Dieses Buch hier ist überflüssig.


Like Father, Like Son
Like Father, Like Son
DVD ~ Masaharu Fukuyama
Preis: EUR 17,49

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erziehung der Gefühle auf Japanisch, 15. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Like Father, Like Son (DVD)
Schade, dass man hier bei Amazon nicht den Namen des japanischen Regisseurs erfährt: Hirokazu Koreeda heißt er und ist Spezialist für Familiendramen in einer japanischen Gesellschaft im Brennglas von Tradition und Fortschritt. Eltern und Kinder und ihre Chancen im Leben miteinander - verpasste und genutzte - stehen dabei stets im Vordergrund. Da mir das Meisterwerk "Still Walking" des Regisseurs über ein Familientreffen und die dort aufbrechenden Konflikte zwischen den Generationen so gut gefallen hat, kann ich mich den 5 Sternen der anderen Rezensenten leider nicht ganz anschließen. Dazu ist er mir ein wenig zu sehr in plakativen Zuweisungen verhaftet. Daher empfehle ich beide Filme anzuschauen und dann zu vergleichen.

Der englische Titel ist nicht ganz angemessen, im Original heißt der Film in etwa "Vater werden", und das trifft es wohl besser. Seien wir mal ehrlich: Im Grunde geht es nur um den jungen Architekten, als Vater ebenso ehrgeizig wie in seinem Beruf, und sein Selbstverständnis als Familienoberhaupt. Der "falsche" Sohn ist sein optisches Spiegelbild, und die Kamera schwelgt nahezu in den schönen sensiblen Gesichtern der Zwei. Die Szenen mit den beiden sind überproportional häufig im Bild, da kommen der andere, biologisch "echte" Sohn und dessen etwas karikaturhaft gezeichneter "falscher" Vater eindeutig zu kurz. Der andere "Sohn" ist auch nicht so hübsch und scheint sich durch das Zusammenleben optisch dem Vater, der ihn aufgezogen hat, angegelichen zu haben. Für den Architekten und seinen wie er schönen "Sohn" gilt das ebenfalls. Klingt kompliziert, erschließt sich aber beim Anschauen des Films.

Der kleine Architekten-Junge ist einfach zauberhaft und man könnte in seinen riesigen dunklen Augen versinken. Das halte ich für etwas problematisch, weil es schnell emotionale Parteilichkeit weckt und den Zuschauer manipuliert. Andererseits haben die Söhne von ihren "echten" Vätern, ohne sie zuvor gekannt zu haben, Verhaltensweisen geerbt: Der eine das eher weiche sich klaglos in Situationen Fügen, der andere das Sture und Beharrliche. Ob das wissenschaftlich so haltbar ist, weiß ich nicht. Letztendlich lässt Koreeda die Frage offen, ob Umfeld oder Gene bei der Charakterformung dominieren. Sein Herz - und leider bald auch meines, muss ich gestehen - schlägt gerade am Schluss für den immer verzweifelter werden Architekten und den niedlichen ernsten Kleinen. Man ahnt, dieses Gespann wird sich nicht so einfach auseinander dividieren lassen. Die Beziehung des anderen "prolligeren" Vaters zu seinen beiden "Söhnen" wird wesentlich weniger beleuchtet, auch die Familiengeschichte des Kaufmanns und seiner im Vergleich zu der schüchternen Architekten-Frau sehr emanzipierten und eigenständigen Ehefrau wird nicht näher beleuchtet. Präsentiert werden nur die Eltern des anderen, wohlhabenderen Ehepaares - das andere Paar scheint keine zu haben. Irgendwie kommen sie mit der ganzen, doch eigentlich alptraumartigen Situation besser klar - weil sie als Unterschichtler weniger sensibel sind und alles besser wegstecken? Das kommt mir doch ein wenig arrogant vor aus der Sicht eines bürgerlichen Japaners und hat mich gestört.

Erst im Laufe des Films wird klar, warum der Architekt so hart an der Karriere seines vermeintlichen Sohnes bastelt - er kommt ganz und gar nicht aus bürgerlich-ehrbaren Kreisen, sondern aus ziemlich prekären, die er vertuscht, und hat selbst ein Riesenproblem mit seinem Vater, der ein Trinker, Zocker und Riesena..... ist. Eine traumatische Familientrennung in der Kindheit gab es auch. Das erklärt so einiges und macht den Film gegen Ende hin immer glaubhafter. Dieses bleibt offen. Eine eindeutige Antwort gibt es bei diesem für die Beteiligten gigantischen Familienproblem nicht. Dass die Familien zu keiner Zeit psychologisch betreut wurden, ist einfach unvorstellbar.

Trotz der genannten Abstriche empfehle ich diesen japanischen Film als Gewinn und Anregung zum Nachdenken. Die ständig abgespielten Goldberg-Variationen von Bach auf dem Klavier mag man oder man sie in dieser Häufigkeit nicht.


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