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Beiträge von Benedictu
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Rezensionen verfasst von
Benedictu
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Being Mortal: Medicine, Mortality, and What Matters in the End
Being Mortal: Medicine, Mortality, and What Matters in the End
von Atul Gawande
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

5.0 von 5 Sternen Loyalitäten, das Leiden am Lebensende und die Liebe zum Leben, 9. April 2017
Mit großer Offenheit informiert der Mediziner und Chirurg Atul Gawande, dessen Vater aus Indien in die USA kam, über die Krankheiten seiner Familienangehörigen und gewährt Einblick in sein Seelenleben. Fremde Leichen lagen plötzlich in seinem Bett, wenn er in Alpträumen es als junger Arzt verarbeiten mußte, daß ihm Patienten gestorben waren. Es waren Niederlagen, wenn unter Aufbietung aller ärztlicher Kunst Menschen nicht mehr zu helfen war und der Tod den Sieg davontrug. Die damit verbundenen Schuldgefühle hatten nicht primär damit zu tun, daß er Fehler gemacht hätte, sondern, daß er und seine Kollegen es nicht fertiggebracht hatten, den Patienten am Leben zu erhalten.

Gawande erweist sich als ein talentierter Erzähler, der in referierten Studien und in z.T. sehr persönlichen Geschichten für ein ernsthafteres Verständnis der Sterbenden und Pflegebedürftigen plädiert. Welche Loyalitäten sind den Menschen am Ende wirklich wichtig? An seine Arztkollegen gibt er weiter, wie zweifelhaft das Streben um den Lebenserhalt um jeden Preis sein kann, und was er von den Palliativmedizinern über die Wichtigkeit der Worte gelernt hat.

Eine besondere Erkenntnis, die Gawande herausgearbeitet hat, ist die: Wenn die Zeit knapp wird, verschwinden die vertrauten Unterschiede in der Einstellung zu Gegenwart und Zukunft zwischen alt und jung.


Ich glaub, mich trifft der Schlag: Warum das Gehirn tut, was es tun soll, oder manchmal auch nicht
Ich glaub, mich trifft der Schlag: Warum das Gehirn tut, was es tun soll, oder manchmal auch nicht
von Ulrich Dirnagl
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Mediziner und ein Neurobiologe erklären die Krankheiten des Gehirns, 8. April 2017
Zum Thema Schlaganfall, Epilepsie, Migräne, MS, Parkinson und Alzheimer kann man sich kaum kompetentere Autoren wünschen: Der Mediziner Ulrich Dirnagl (1960), Professor an der Charité Berlin und Leiter des Centrums für Schlaganfallforschung, und der Neurobiologe Jochen Müller (1976) haben sich zum Ziel gesetzt, den Stand der klinischen Forschung allgemeinverständlich darzulegen. Sie erläutern, wie das vormals rein diagnostische Fach der Neurologie sich langsam auch zu einem therapeutischen Fach entwickelt, also einem, wo Ärzte nicht nur ganz genau feststellen können, was den Patienten fehlt, sondern ihnen auch ein bißchen helfen können.

Die bildhafte Sprache der Autoren ist unmittelbar eingängig, etwa wenn sie darlegen, warum das Gehirn selbst nicht schmerzempfindlich ist, also keine Nozizeptoren hat, die Schäden im Kortex (Hirnrinde) melden. Das ist deswegen so, erklären die beiden, weil die Schäden im Kortex doch nur maximal wieder an den Kortex gemeldet werden könnten. Das hätte ja keinen Sinn, denn das wäre so, wie wenn meine Wohnung brennt, ich die Feuerwehr anrufe und mein eigenes Telefon klingelt.

Mit dem Konzept, das Gehirn einfach als große Firma zu symbolisieren und auf echte anatomische Darstellungen zu verzichten, wird sich allerdings nicht jeder anfreunden können. Das ist die Simplifizierungsidee:
• Kortex = CEO (Boß)
• Thalamus = Vorzimmerdame
• Hippocampus = Vermittlung
• Hypothalamus = Hausmeister
• Hirnstamm= Pförtner
• Nozizeptoren=Späher
• Kleinhirn=Trainer, etc.
Angesichts der Fachkompetenz der Autoren sind solche drastische Vereinfachungen, zu denen meist nur Sachbuchautoren greifen, die gar nicht vom Fach sind, enttäuschend. Man kennt das sonst nur aus Kinderbüchern. Den Autoren könnte es zu denken geben, daß selbst Bücher von neurobiologischen Laien (wie z.B. das des Pfarrers und Journalisten Küstenmacher Limbi: Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn) anatomisch präziser und informativer sind.

FAZIT
Trotz seiner anatomischen Schwächen ist dieses Buch, das sich an einen breiten Leserkreis wendet, insgesamt aber doch lobenswert. Die medizinische Seite kompensiert gewissermaßen die neurobiologische. Zum Schluß gibt es ein Glossar mit Fachausdrücken und im Text werden Fachbegriffe lateinischen oder griechischen Ursprungs gleich erklärt. Auf ein Stichwortverzeichnis hat der Verlag leider verzichtet.


Ernesto Guevara, también conocido como... (Divulgación)
Ernesto Guevara, también conocido como... (Divulgación)
von Paco Ignacio Taibo
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Diese spezielle Ausgabe …, 6. April 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
… der gelobten Guevara-Biographie des spanisch-mexikanischen Autors Paco Ignacio Taibo II aus dem Jahre 1996 ist nur eingeschränkt empfehlenswert, ausdrücklich aber nur deswegen, weil alle Illustrationen und Anmerkungen und die Literaturangaben fehlen. Der Warnhinweis innen "En esta edición se han omitido las ilustraciones, las notas y la bibliografia" wäre besser auf die Titelseite gedruckt worden.

Jean-Paul Sartre nannte Che Guevara den "vollständigsten Menschen" unserer Zeit ("Le Che était l’être humain le plus complet de notre époque"). Die westliche Presse ist meist anderer Meinung."Che Guevara Revoluzzer, Killer, Popstar", titelte der SPIEGEL. Auch die taz meldete: "Ernesto Guevara war kein angenehmer Mensch. Er war eitel, launisch und autoritär" und sie spielte das soziale und medizinische Engagement des jungen Guevara herunter.

Weil die westliche Presse halt so ist, wie man sie kennt, braucht es aufschlußreiche Biographien wie diese, aber unbedingt eine mit akribischen Anmerkungen, genauen Belegen und vollständigen Quellenangaben.


1967: Das Jahr der zwei Sommer
1967: Das Jahr der zwei Sommer
von Sabine Pamperrien
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kleine und große Koinzidenzen, 5. April 2017
Einen Sturm der Entrüstung wie das letzte Buch der Autorin Helmut Schmidt und der Scheißkrieg: Die Biografie 1918 bis 1945 wird dieses nicht auslösen. Ein bißchen erinnert es an die Jahrgangsbücher zum Verschenken: Weißt Du eigentlich, was in deinem Geburtsjahr so alles passiert ist?

Ganz harmlos ist das Jahrbuch jedoch nicht. Einige Zeitgenossen werden es sympathisch finden, daß die Autorin das bolivianische Revolutionsabenteuer Che Guevaras gespeist aus Bolivianisches Tagebuch: Vollständige und werweiterte Neuausgabe und Che. Die Biographie in kleinen Häppchen über ihr Werk verteilt, ergänzt um die Bolivienreise des italienischen Verlegermilliardärs Giangiacomo Feltrinelli, der sich um die Freilassung Régis Debrays bemühte, der Guevara zeitweise begleitet hatte. Seltsam nur, daß der 1967 verstorbene Adenauer, aber nicht Guevara auf dem Einband zu sehen ist. Die korrekte Rechtschreibung historischer Zitate hält Pamperrien leider weiterhin für nebensächlich.

FAZIT
Löblich ist das unverzichtbare Namensregister, ohne das buchstäblich nichts auffindbar wäre. Die Chronologie ist bezeichnenderweise die alleinige Struktur des Buches und legitimiert die Autorin anscheinend, unfaßbar Belangloses und Langweiliges neben höchst Existentielles und Essentielles zu stellen. Zu kurz kommen Zusammenhänge und Hintergründe, wenn sie nicht gerade zur engen Chronologie selber gehören. Das Jahrbuch des Vorjahres 1956: Welt im Aufstand vermeidet diese Schwächen.


On the Move: Mein Leben
On the Move: Mein Leben
von Oliver Sacks
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Wer wissen will, wer er wirklich war, 5. April 2017
Rezension bezieht sich auf: On the Move: Mein Leben (Taschenbuch)
Wer wissen will, wie der durch seine allgemeinverständlichen psychiatrischen Fallgeschichten und die Verfilmung Zeit des Erwachens unvergeßlich gewordene britische Neurologe Oliver Sacks gedacht hat und was sein Denken beeinflußt hat, wird in seiner mit vielen privaten Fotos bestückten Autobiographie eine Menge an Aufschlüssen finden.

Wie dachte Sacks, funktioniert das Gehirn?
Gerald EdeImans Bild vom Gehirn hat bei ihm einen Begeisterungssturm ausgelöst. Das Gehirn, faßt Sacks zusammen, ist "ein Orchester, ein Ensemble, aber ohne Dirigent, ein Orchester, das seine eigene Musik macht". Edelman selber sagte in einem BBC-Interview: "Stellen Sie sich vor, Sie hätten 100000 Kabel, die die vier Mitglieder eines Streichquartetts zufällig miteinander verbinden, und daß zwischen ihnen, obwohl sie kein Wort sprechen, auf unendlich vielen verborgenen Wegen ständig Signale ausgetauscht würden (wie das zwischen solchen Musikern gewöhnlich durch unmerkliche non verbale Interaktionen der Fall geschieht), das würde die ganze Menge der Töne zu einem einheitlichen Ganzen zusammenschließen. So arbeiten die Karten des Gehirns mittels der reentranten Signalübertragung." (Um die "reentrante Signalübertragung" zu verstehen, muß man aber, befürchte ich, doch noch weitere Bücher zu Rate ziehen).

FAZIT
Sein z.T. wildes Leben und vor allem sein Denken ist der Inhalt seines Buches. Wen die Bücher von Sacks in den Bann schlugen, interessiert sich ja vielleicht auch für Steve Goulds Buch Zufall Mensch: Das Wunder des Lebens als Spiel der Natur, das Sacks selber über die Maßen faszinierte. Mit Freeman Dyson, Stephen Toulmin, Daniel Dennett, Rupert Sheldrake, Stephen Gould und ihm - erzählt Sacks - gab es eine dreizehnstündige Gesprächssendung, die transkribiert als Buch herauskam A Glorious Accident: Understanding Our Place in the Cosmic Puzzle: A Scientific Round Table. Genauso eine Empfehlung.


Rettet die Medien: Wie wir die vierte Gewalt gegen den Kapitalismus verteidigen
Rettet die Medien: Wie wir die vierte Gewalt gegen den Kapitalismus verteidigen
von Julia Cagé
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alternative Finanzierungsformen für die Zeitungen, 4. April 2017
Obwohl das Interesse an der medial verbreiteten Information groß bleibe, traue heute weniger als ein Viertel der Franzosen und Amerikaner den Medien über den Weg. Das Buch von Julia Cagé, Assistant Professor für Wirtschaft am Institut d’Études Politiques (Sciences Po) in Paris, liefert keine politikwissenschaftliche Analyse für das breite Mißtrauen der Leserschaft, sondern konzentriert sich ohne Umschweife auf Organisationsmodelle und die finanztechnischen und eigentumrechtlichen Aspekte, um einem Pluralismus der Medienmacht und des Eigentums an den Medien den Weg zu bereiten. Cagé läßt sich von den französischen Verhältnisse leiten, operiert aber auch mit Namen und Zahlen des US-amerikanischen Zeitungsmarktes.

► WELCHE VIERTE GEWALT?
Von den deutschen Zeitungen erwähnt Cagé die taz als genossenschaftlich organisiert und die FAZ als durch eine Stiftung kontrollierte Zeitung. Ihr Vergleich von Guardian und FAZ ist undurchsichtig. Der britische Guardian sei eine der ältesten Zeitungen, die ihre Unabhängigkeit durch Einrichtung einer nicht-gewinnorientierten Stiftung behaupten konnte. Über die Unabhängigkeit des Guardia wache der Scott Trust, der die Guardian Media Group kontrolliere, in deren Besitz der Guardian sei. Die FAZ, fährt Cagé fort, wird mit 93% der Geschäftsanteile ebenfalls von einer Stiftung gehalten. Ist sich Cagé eigentlich darüber im klaren, daß finanzielle Unabhängigkeit eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für politische Unabhängigkeit darstellt? Stiftung hin oder her, im Unterschied zum Guardian bekommen die FAZ-Leser seit Jahren, wenn überhaupt, nur ein Zerrbild z.B. der Person des weltweit angesehenen und einflußreichen US-amerikanischen Intellektuellen Noam Chomsky geliefert. Seine Thesen, darunter die für viele Qualitätsmedien schmerzhafte Kritik zur Selbstzensur der westlichen Presse, werden in der FAZ geflissentlich ignoriert.

Ganz offensichtlich ist also der leicht pathetische deutsche Buchtitel viel zu hoch gegriffen und weckt falsche Erwartungen. Ein Blick auf das Original Sauver les médias : Capitalisme, financement participatif et démocratie offenbart die eigentliche Ausrichtung. Der nüchterne, eher betriebswirtschaftliche Inhalt ist trotzdem bedeutsam, denn die Autorin diskutiert verschiedene Organisations- und Rechtsformen unter besonderer Berücksichtigung der Konsumenten und Produzenten.

► DER VORSCHLAG
zur Finanzierung und Qualitätssicherung der Zeitungen, den Julia Cagé im Kern präsentiert, ist das Modell einer Mediengesellschaft, das in seiner Rechtsform zwischen Stiftung und Aktiengesellschaft liegt. Cagé läßt sich leiten vom Vorbild der großen amerikanischen Universitäten, die Geschäftstüchtigkeit und nicht-gewinnorientierte Ziele erfolgreich miteinander verbinden. Einerseits soll das Modell durch Einfrieren des Kapitals die Finanzierung der Medienakteure sichern (nach dem Vorbild einer Stiftung können die Einlagen nicht zurückgezogen werden), andererseits die Entscheidungsmacht externer Anleger durch verbindliche Statuten einschränken. Cagé stellt sich vor, daß in der Satzung einer Mediengesellschaft eine Beteiligungsschwelle festgesetzt wird (die bei 10 % des Kapitals liegen könnte), jenseits derer die Stimmrechte weniger als proportional zur Kapitaleinlage steigen würden. Steuererleichterungen (in teilweisem Austausch zur öffentlichen Subvention der Medien) würden große Spender und Einleger für die reduzierte Mitsprache entschädigen und Kleinanleger könnten ihre Stimmrechte in Leser- und Mitarbeitergesellschaften bündeln. Sowohl die Demokratisierung der Kapitalbeteiligung als auch der Entscheidungsgewalt würde erreicht.

FAZIT
Ziel ist eine demokratische Wiederaneignung der Information sowohl durch die, von denen sie produziert, als auch durch die, von denen sie konsumiert wird. Dieser zentralen Aussage der Autorin Julia Cagé kann man vorbehaltlos zustimmen. Schade nur, daß sie nicht auf die Idee gekommen ist, diese Vorstellung auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auszudehnen, der ja sowieso schon von den Bürgern finanziert wird und ihnen eigentlich gehört, nur daß die Dirigenten dieser Anstalten andere als die Konsumenten und die Produzenten sind. Ihr Modell einer Mediengesellschaft, das eine Mischform ist zwischen Stiftung und Aktiengesellschaft und außerdem Leser- und Mitarbeitergesellschaften einbetten kann, ließe sich weiterdenken.

Eine Enttäuschung für viele Leser dürfte sein, daß die Autorin nur namhafte Leitmedien im Sinn hat und weitergehende Fragen der politischen Unabhängigkeit nicht behandelt. Sogar ein Kolumnist der NYT zeigte sich problembewußter und konstatierte ein Jahr nach dem US-Angriff auf den Irak, daß die Presse (" the entire press, including The Times") gegenüber den Kriegsbegründungen der Regierung nicht skeptisch genug gewesen sei. Wie sich die spendenfinanzierten graswurzelartigen Magazine (z.B. "Democracy Now!") behaupten können, von denen man manchmal den Eindruck hat, daß die die einzigen sind, denen es um Wahrhaftigkeit zu tun ist, ist Cagé keines Wortes wert.


Verteilungskampf: Warum Deutschland immer ungleicher wird
Verteilungskampf: Warum Deutschland immer ungleicher wird
von Marcel Fratzscher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4.0 von 5 Sternen Armes Deutschland, 4. April 2017
Wer dieses statistisch reichhaltige Buch gelesen hat, hört auf, von Deutschland als einem reichen Land zu reden. Der deutsche Staat lebt schon seit vielen Jahren von seiner Substanz, schreibt der Autor Marcel Fratzscher. Er leitet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nahezu nirgendwo anders als in Deutschland, belegt Fratscher, besitzen die reichsten 10 Prozent der Bürger mehr und die ärmsten 40 Prozent weniger des im Land vorhandenen Gesamtvermögens. Und weiter:

NIRGENDWO
• werden die persönlichen Entwicklungschancen so sehr von der Herkunft bestimmt,
• schaffen weniger Kinder den sozialen Aufstieg,
• gehen weniger Arbeiterkinder zur Universität,
• verbleibt Reichtum so oft über Generationen hinweg in denselben Familien und
• bleibt arm so oft arm und reich so oft reich.
Und das schade uns allen. Die Höhe des Einkommens eines Arbeitnehmers in Deutschland wird zur Hälfte – statistisch gesehen – nicht etwa durch Fleiß, Fortbildungswillen und Einsatz bestimmt, sondern durch das Einkommen und den Bildungsstand der Eltern.

CHANCENGLEICHHEIT
und bessere Bildung muß sich lt. Fratscher die Gesellschaft also zum Ziel setzen. Es sind handfeste wirtschaftliche Gründe, das Potential des ganzen Landes auszuschöpfen und nicht eines Teils. Der Gesellschaft als Ganzes winke durch Bildungsinvestitionen und mehr Chancengleichheit eine »doppelte Dividende«: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes verbessere sich, und die Ungleichheit in Einkommen und Vermögen sinke, was soziale Probleme vermeide.

UND WETTBEWERB?
Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz stellt in Reich und Arm: Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft mit Bezug auf Thomas Pikettys Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert, auf das auch Fratscher zu sprechen kommt, insgesamt noch kritischere Fragen. Er schreibt: "What we have been observing - wage stagnation and rising inequality, even as wealth increases - does not reflect the workings of a normal market economy, but of what I call »ersatz capitalism«. The problem may not be with how markets should or do work, but with our political system, which has failed to ensure that markets are competitive, and has designed rules that sustain distorted markets in which corporations and the rich can (and unfortunately do) exploit everyone else". Stiglitz spricht also von Ausbeutung und Wettbwerbsverzerrung, in bezug auf den Finanzsektor auch davon, daß dieser unrechtmäßig erworbene Gewinne behält und Verluste auf die Allgemeinheit abwälzt.

OFFENE FRAGEN
• Warum Fratscher sich ausführlicher mit den unterschiedlichen Bezahlungen von Frauen und Männern bei den hohen Einkommen befaßt (bei den niedrigen gibt es das sog. »Gender Pay Gap« ja nicht), erschließt sich nicht. Wenn der Autor der Meinung wäre, daß das Verhältnis zwischen Höchst- und Medianeinkommen ungerechtfertigt hoch ist, müßte er sich ja nicht darum sorgen, daß eine kleine Gruppe von Frauen nicht gleich in den Genuß dieser Überbezahlung kommt ;-).
• Interessanter wäre die Frage nach den tatsächlichen bzw. angemessenen Verhältnissen zwischen Vorstands- und Angestellten bzw. Arbeitergehältern. Lauten die 50 und 200? Und wie sieht die zeitliche Entwicklung aus?
• Offen bleibt, warum eigentlich der Marktprozeß in Deutschland zu so sehr ungleichen Löhnen und Einkommen führt, die der deutsche Staat dann viel energischer als in anderen Ländern versucht, durch Steuern und Transferzahlungen auszugleichen.

FAZIT
Das Buch heißt Verteilungskampf, von Kämpfern ist aber kaum die Rede. Während der amerikanische Ökonom Stiglitz die auf die Gegenwart bezogenen drängenden Weltgerechtigkeits- und Demokratiefragen stellt, geht es Fratscher vor allem um die Zukunft in Deutschland, denn die Chancengleichheit, die er fordert, wird sich - sofern jetzt in zusätzlich Bildung investiert würde - erst in der Zukunft auszahlen. In der Ungleichheit der Markteinkommen und Vermögen ist Deutschland in Europa jedenfalls führend und mit den USA vergleichbar.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge, mahnt Fratscher: "Die Aufstiegschancen der Menschen sind – auch wenn unser Land von vielen als gerecht wahrgenommenen wird – deutlich schlechter als an vielen anderen Orten der Welt. Nur wenige schaffen es, sich im Laufe ihres Lebens einen besseren Lebensstandard zu erarbeiten als ihre Eltern". Diese und weitere Tatsachen hat er mit zahllosen, in ihrer quantitativen Deutlichkeit überraschenden, wenn auch nicht immer leicht verständlichen Statistiken und Graphiken untermauert.

Der Autor hat sicher recht, daß Deutschland handeln muß. Es ist zu arm, um lange warten zu können. Daß eine Bildungsinitiative alleine reicht, ist allerdings unplausibel.


Pharao: Leben im Alten Ägypten
Pharao: Leben im Alten Ägypten
von Christian Tietze
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszinierende Einsichten nicht nur in Nekropole und Paläste, 4. April 2017
Nicht Nofretete oder Tutenchamun stehen in diesem Begleitband zur Pharao-Ausstellung im Lokschuppen Rosenheim im Mittelpunkt, sondern Leben und Kultur im alten Ägypten. Gleichwohl dreht sich alles um den Pharao, dessen göttlicher Status (wie alles übrige) didaktisch vorbildlich erklärt wird. In der ägyptischen Hochkultur galten auch die Verstorbenen als Götter, da sie die gleiche jenseitige Sphäre wie die echten Götter bewohnten. Der Pharao war Mensch, aber in der Rolle eines Gottes, war Priester und Diener der Götter und Vertreter der Menschen vor den Göttern. Sein göttliches Amt machte ihn quasi schon als Lebenden zu einem Gott.

Architekturinteressierte kommen in breiter Linie auf ihre Kosten. Nicht nur Grundrisse, sondern auch isometrische Darstellungen und Architekturmodelle werden gezeigt und erörtert. Besonders gefällt, daß neben den Grabmälern und Palästen auch die Wohnräum der Unter-, Mittel- und Oberschicht gezeigt und sozialgeschichtlich erläuter werden. Der fortschrittsüberzeugte Mitteleuropäer wird sich das eine ums andere Mal wundern: Die Häuser der Schicht der mittleren Beamten und leitenden Handwerker (35% der Bevölkerung) besaßen einen sehr respektablen Wohnkomfort und eine heutigen Wohnverhältnissen überlegene Größe.


The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben
DVD ~ Benedict Cumberbatch
Preis: EUR 5,00

4.0 von 5 Sternen Wann wird eine Maschine den "Turing-Test" bestehen?, 2. April 2017
Der britische Mathematiker Alan Mathison Turing (1912-1954) ist einer der namhaftesten frühen Theoretiker und Praktiker der Rechenmaschinenentwicklung und Informatik. Mit dem Filmtitel "The Imitation Game" ist der nach ihm benannte "Turing-Test" gemeint, der ihn auch zu einem Vordenker der KI, der Künstlichen Intelligenz, macht. In dem Turing-Test oder Nachahmungsspiel geht es darum, ob es einer Künstliche Intelligenz in einem Frage- und Antwortspiel gelingt vorzutäuschen, ein Mensch zu sein (Sehr schön inszeniert übrigens in dem intelligenten Sciencefiction-Kammerspiel Ex Machina).

Im Film werden drei Lebensphasen des Informatikgenies ineinanderverwoben erzählt: Turings Zeit als Internatsschüler, seine Arbeit als Kryptoanalytiker in den Kriegsjahren bei der erfolgreichen Entschlüsselung der deutschen Chiffriermaschine ENIGMA und die Nachkriegsjahre, als er wegen seiner Homosexualität strafrechtlich verfolgt und zur chemischen Kastration verurteilt wurde. Erst 2013 wurde ihm eine Begnadigung seitens der Königin zuteil.

Man muß den Machern des Film nachsehen, daß eingestreute dramaturgische Elemente von deutschen Luftangriffen gegen britische Ziele historisch nicht den Tatsachen entsprechen. Deutsche Luftangriffe auf britische zivile Ziele stehen in keinem Verhältnis zum Bombenkrieg der britischen Seite (s. A History of Bombing). Trotz seiner fiktiven Elemente wird der Film, dem das Buch Alan Turing: The Enigma: The Book That Inspired the Film "The Imitation Game" zugrundeliegt, der historischen Figur ganz gut gerecht und macht Alan Turing als Pionier der Rechenmaschinen auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt.


WAS EIN EINZELNER VERMAG - Politische Zeitgeschichten
WAS EIN EINZELNER VERMAG - Politische Zeitgeschichten
von Heribert Prantl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Titel weckt hohe Erwartungen, 1. April 2017
Findet man hier die großen widerständigen Geister der letzten 50 oder 100 Jahre in Porträts versammelt? Solche Menschen kommen im Buch tatsächlich vor: Fritz Bauer im Abschnitt STARKE MÄNNER, Glenn Greenwald in WILDE KERLE, Leoluca Orlando in STAATS- UND HEIMATSCHÜTZER und Oskar Negt in DICHTER, DENKER, PINSELKÜNSTLER, um einige zu nennen. Die zahlreichen Persönlichkeiten aus der politischen Parteien (Kohl, Genscher, Strauß, Scheel, Stoiber, Schily etc., etc.) machen die Artikelsammlung allerdings zu einem Sammelsurium, bei dem außerdem Helmut Schmidt fehlt. Auch die Form ist nicht einheitlich. Von Abschiedsreden bis Porträts, die in der SZ in den letzten 15 Jahren erschienen, ist alles vertreten.

Der Inhalt zu einzelnen interessanten Personen wie der Artikel über den Autor Glenn Greenwald ist enttäuschend. Der Mitbegründer der "Freedom of the Press Foundation" Greenwald hat in seinem Buch Die globale Überwachung: Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen] das Versagen der Presse als vierte Gewalt im Staat kritisiert. Prantl, der Leitartikler der SZ, zeigt gegenüber den Leitmedien kein Problembewußtsein und blendet dieses Thema kurzerhand aus. Greenwald schrieb jedoch unmißverständlich: "Die großen amerikanischen Medien sind alles andere als eine unabhängige, von außen wirkende Kraft. Vielmehr sind sie ein integraler Bestandteil der vorherrschenden politischen Macht. In kultureller, emotionaler und sozioökonomischer Hinsicht handelt es sich um ein und dieselbe Clique. Reiche, berühmte Journalisten, die zum inneren Zirkel gehören, wollen den Status quo nicht aushebeln, der sie so großzügig entlohnt. Wie alle Höflinge verteidigen sie das System, das ihnen Privilegien verschafft, und verachten jeden, der es in Frage stellt. Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt zur vollständigen Identifikation mit den Bedürfnissen der politischen Amtsträger." Dieses Phänomen ist zweifelsfrei nicht auf die USA beschränkt, wie die deutsche Dissertation Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse nachweist. In Deutschland hat die Angelegenheit zeitweise sogar kabarettistische Züge angenommen, als nämlich der Mitherausgeber der ZEIT Josef Joffe gegen das ZDF juristisch vorging, weil die Macher der ZDF-Sendung "Die Anstalt" die zahllosen politischen Verbindungen des Alpha-Journalisten, die typisch sind für viele andere, aufzählten.

FAZIT
Der Gesamteindruck ist ernüchternd. Hinter dem pathetischen Titel verbirgt sich nur wenig Aufschlußreiches. Die Süddeutsche Zeitung sollte die Artikel einfach auf ihrer Webseite unter dem Namen des Autors verlinken und als Zeitzeugnisse zugänglich machen.


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