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Rezensionen verfasst von
christine "film- und buchfreundin" (BaWü)

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Fürst der Dämonen
Fürst der Dämonen
DVD ~ Jason Flemyng
Preis: EUR 5,97

2.0 von 5 Sternen "Bombastiesch", 21. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Fürst der Dämonen (DVD)
Wenn auf der DVD-Hülle bereits ein derart fetter Rechtschreibfehler steht, sollte man etwas vorsichtiger an den Film herangehen. Der Film sei inspiriert von Guillermo del Toro, soso. Mit der Inspiration ist es leider so eine Sache. Ich wurde auch von Willy Brandt inspiriert, dass ich deshalb allerdings jemals den Friedensnobelpreis erhielte, ist aber doch eher unwahrscheinlich. Genauso verhält es sich mit diesem Film und dem Werk del Toros.
Ursprünglich sollte die russische Verfilmung von Nikolai Gogols Erzählung "Wiy", einem Klassiker der phantastischen Literatur, bereits 2009 zu Gogols 200. Geburtstag erscheinen. -Wollen die Russen nun den Ukrainer für sich vereinnahmen?- Wer nun glaubt, Grund für die Verzögerung (2014 im Kino, 2015 auf DVD) sei eine besonders ausgeklügelte Inszenierung (Regie: Oleg Stepchenko), muss schon sehr naiv sein. Die ca. 25 Mio. Dollar Budget (damit eines der teuersten russischen Projekte) sieht man dem Film zwar an, das Ergebnis ist allerdings eher ernüchternd.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wird der britische Kartograph Jonathan Green (Jason Flemyng) vom Vater seiner Geliebten (Charles Dance in einer lächerlich kleinen, für die Handlung vollkommen unerheblichen Rolle) verjagt. Um sich gegenüber seinem zukünftigen Schwiegervater zu beweisen, begibt sich Green auf eine Reise quer durch Europa, um die Erde zu vermessen. Irgendwo in der osteuropäischen Pampa gehen seine Essensvorräte aus. Dankbar nimmt er Essen von zwei Studenten an, die ihm eine seltsame Geschichte erzählen. Ihr gemeinsamer Freund Bursak Khoma habe vor einem Jahr auf Anweisung des Dorfoberen Sotnik in einem Dorf eine dreitägige Totenwache für dessen verstorbene Tochter Panochka halten sollen. Angeblich sei diese aber eine Hexe gewesen, der Kommilitone sei nun tot, der Lohn, den Khoma für seinen Dienst erhalten sollte, wurde von zwei Dorfbewohnern geklaut, die Kirche gilt seitdem als verflucht. Natürlich stolpert Green kurz darauf in dieses Dorf und wird misstrauisch von den Dorfbewohnern, alles unvorteilhaft frisierte Kosaken, beäugt. Der Geistliche Paisiy (Andrey Smolyakov) wird sein besonderer Gegenspieler, der vor dem Monster Wiy (dem Teufel?) warnt. Sotnick gibt Green offiziell den Auftrag, das Dorf zu kartographieren, in Wirklichkeit soll er Licht in die seltsamen Vorgänge vor einem Jahr bringen. Green wähnt sich plötzlich von bösen Geistern umzingelt, der Hexensabbat kann beginnen.
Natürlich ist es legitim, eine phantastische Erzählung um Handlungselemente zu ergänzen, um den Stoff filmischer zu machen. Das Ende des Films liefert eine durchaus plausible, düstere Auflösung. Da allerdings das zuvor Gezeigte dazu im Widerspruch steht, lässt Green einfach die Deutung zu, alles sei kollektive Einbildung gewesen. Während die erste Hälfte des Films ziemlich langatmig erzählt wird, überschlagen sich später Handlung und Handlungsdeutung. Es wird zunehmend schwieriger, den roten Faden nicht zu verlieren.

Der Plot erinnert eher an "Pakt der Wölfe" und nicht an "Dracula untold" (Werbung auf Cover). Das hätte ein düsteres Meisterwerk werden können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Statt sich auf den Sog der Geschichte einzulassen (Aberglaube, Lustverbrechen, heuchlerische Geistlichkeit, zunehmende Wahrnehmungsstörung usw.) meinten die Macher durch ein Übermaß an Computereffekten, eine Gruselstimmung erzeugen zu müssen, die sie gleichzeitig durch unpassende Slapstick-Einlagen (notgeile, alte Frau, "lustige" Folterung) konterkarieren. So scheitert der Film sowohl als Horrorfilm als auch als Farce.
Die Computeranimationen sind nicht ganz auf der Höhe der Zeit, was besonders auffällt, wenn Gegenstände durch die Lust fliegen. Was einem Märchenfilm der 80er zur Ehre gereicht hätte, wirkt hier oft unfreiwillig komisch. Wenn ein bewegter Gegenstand (Hexe, Sarg, so das Übliche..) sich seltsam vom Hintergrund abheben. In einer Albtraumsequenz hatten die Macher so viel Spaß an einem kalauernden abgeschlagenen Kopf, dass der permanent alles kommentieren muss. Die Verwandlung eines Kopfes in einen Wolfskopf wirkt gerade gegenüber dem 30 Jahre älteren "Zeit der Wölfe" besonders verholpert. In einer Sequenz wimmelt es von gremlinartigen Wesen ohne Fell. Bedrohlich? Witzig? Auf jeden Fall bescheuert. Wirklich überzeugend fand ich das "Monster" nur in der Anfangssequenz, wenn die arglosen Dorfschönheiten im See baden gehen.

Wie kann das bei so einem Prestigeprojekt nur passieren? Ein Deutungsversuch: Der Neffe des Produzenten macht ein Praktikum und darf alle seine Versuche im Film unterbringen. Der Schwippschwager des Regisseurs, der schon seit Jahren arbeitslos war, weil er kein Gefühl für Rhythmus hat, durfte den Film schneiden. Da man sich auf kein Drehbuch einigen konnte, hat man Teile aus verschiedenen Fassungen vereint ("ich verstehe nix" bedeutet Meisterwerk?). Weil das Budget bis dahin fast ausgeschöpft war, hat man die restlichen Darsteller in Moskau auf der Straße gecastet (okay, ich bin fies, das liegt wahrscheinlich an der lausigen Synchro). Die Filmmusik ist am besten, wenn sie gerade mal nicht stört.
Mit der düsteren sowjetischen Adaption von 1967 hat der Film nichts zu tun. Erst recht nicht mit Mario Bavas "La maschera del demonio" (Die Stunde, wenn Dracula kommt), der ebenfalls auf Motiven der Erzählung beruht. Dass der Film am Ende noch mal an Fahrt aufnimmt, entschädigt nicht für den grotesken, aber leider nicht besonders unterhaltsamen Hauptteil des Films.
Die DVD bietet die englische (Original-?)Fassung und die deutsche Synchronisation (nicht alle Synchronstimmen überzeigen), deutsche UTs, den Trailer, weitere Werbetrailer und ein Wendecover. Warum die DVD- Fassung laut IMDb 20 Minuten kürzer als die ursprüngliche Fassung ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Fazit: Ein ernüchternder Fantasy-Film, der nicht so sehr enttäuscht, weil die Mittel oder der richtige Stoff gefehlt hätten, sondern weil bei so vielen guten Vorgaben ein halbherziger Murks entstanden ist. Das Beste, was man über den Film sagen kann, ist, dass er wieder Lust macht, Gogol zu lesen.


Collide
Collide
DVD ~ Nicholas Hoult
Preis: EUR 15,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Cologne goes Hollywood - Musste das sein?, 4. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Collide (DVD)
Oje, die Landesfilmförderung hat wieder zugeschlagen! Stolz präsentiert NRW den ersten komplett in und um Köln spielenden Action-Film, zudem mit zwei internationalen Top-Stars – und als Zuschauerin fragte ich mich, wo hier Handlung, Figurenzeichnung und Unterhaltung geblieben sind.

Es treffen sich zwei Amerikaner in Köln. Der ehemalige Autoknacker Casey (Nicholas Hoult) verliebt sich bei einem Rave in die Studentin Juliette (Felicity Jones). Ihretwegen verzichtet er von nun an auf krumme Drogengeschäfte für den schrillen Dealer Geran (Ben Kingsley als echte Knallcharge). Als sich allerdings herausstellt, dass Juliettes Nieren versagen und nur eine Transplantation noch helfen kann, wendet er sich gegen ihren Wunsch erneut an Goran, für das letzte, große Ding, mit dessen Erlös er eine Operation in den USA finanzieren will. Geran hat noch eine Rechnung mit dem Drogenbaron Hagen Kahl (Anthony Hopkins als arroganter Besserwisser) offen. Casey soll eine Ladung Drogen klauen, es geht schief und Casey wird von Kahls "Mitarbeitern" geschnappt, doch er kann entkommen –mit interessanter Beifracht. Die nächste Stunde quietschen die Reifen in Provinznestern (Casey zerlegt das Fachwerkidyll Monschau fast im Alleingang) und natürlich auf deutschen Autobahnen. Sah für mich wie ein grotesker PR-Film für ein Tempolimit aus: DAS passiert, wenn der Bremsweg zu lang wird. Luxuskarossen werden gefühlt im Minutentakt geklaut und geschrottet. "Collide" (Arbeitstitel "Autobahn"), der Titel ist Programm, ein Krawummfilm ohne Nährwert.
Die Story ist nicht nur vollkommen sinnfrei, sondern auch schrecklich langweilig. Nur Comic Reliefs, aber keine richtigen Typen, aber dabei nicht durchgeknallt genug, um auf eine etwas andere Art zu unterhalten. Die bösen Buben um Kahl haben alle Migrationshintergrund und Bart, deutsche Polzisten ballern wie von Sinnen durch die Gegend oder meditieren auch schon mal über gelatinehaltiges Naschwerk, Dialoge zum Hirnerweichen. Hopkins neigt zur Selbstparodie seiner Hannibal-Lecter-Rolle. Warum hat er einen deutschen Hintergrund? Klar, sein Vater war ein N*zi-Folterer, was er Casey natürlich genüsslich vor dessen "Vernehmung" erzählt. Hoult guckt so verloren, als könne er es nicht fassen, in was für einen Quatsch er da geraten ist. Einmal quert Joachim Król vielversprechend die Szene, wird aber von Hopkins – der Dramaturgie geschuldet- allzu schnell aus dem Film befördert. Ach, wo bleibt die Absurdität des Lebens, wenn man sie am meisten vermisst?

Immerhin haben die bösen Buben Sinn für Ordnung und legen in der Garage erst einmal eine Folie aus, bevor sie mit Casey sprechen, vergessen dabei allerdings das Tor zu schließen, tz tz tz. Wer tapfer durchhält, kann sich in den letzten Minuten auch an einem fetten Logikfehler erfreuen. Ohnehin argwöhnte ich, dass solche Schnitzer eher dazu dienen, den Film zu strecken. Wäre auch ein kurzer Film geworden, wenn die Bösen ganze Arbeit geleistet hätten. Leider erscheint deshalb im Laufe des Films Hopkins auch nicht mehr so bedrohlich wie anfangs. Schade!
Die Liebesgeschichte, räusper, ist Banane. Auch wenn ich da nichts spüre, nehme ich mal zur Kenntnis, dass die beiden sehr verliebt sind. Immer wenn Casey mal wieder ohnmächtig wird, gibt es Weichzeichner und eine goldlockige Juliette. Saubere Phantasien eines sauberen Mannes. Als einfühlsamer Partner hätte ich allerdings erwartet, dass er sich etwas näher über Therapiemöglichkeiten seiner Liebe informiert anstatt ohne Zögern zu seinem alten Arbeitgeber zu gehen. Wenn das alles so wenig nachvollziehbar ist, bleibt die Empathie auf der Strecke. Statt allerdings konsequent eine Farce zu drehen, nimmt der Film seine Botschaft (ich nehme mal an: Liebe überwindet alles) ernst. Das haut einfach nicht hin. Wenn gelacht werden kann, dann meist so nicht von den Machern gewollt.

Die Stunts (auf einem damals -2014- noch nicht freigegeben Autobahnabschnitt gedreht) sind solide, die mitproduzierende deutsche Produktionsfirma "Action Concept", verantwortlich für die Arbeit an "Alarm für Cobra 11", hat ein gutes Händchen für spektakuläre Actionszenen, wenngleich mir der Humor zu platt war. Warum muss als einziges das Polizeiauto sich so in den Schrotthaufen eingraben, dass nur deren Insassen nicht mehr aus dem Auto kommen?
Ein bisschen dachte ich an die Problematik bei P*rnofilmen. Die Liebhaber des Genres wollen ihrem Hobby frönen und nicht durch "Handlung" gestört werden. Als 45-minütige Crashorgie wären die Fans zufriedengestellt und dem Zuschauer würde nicht suggeriert werden, es handele sich um einen Film mit Anfang, Mitte und Ende. Dazu passend ist die Filmmusik aber von Anfang bis Ende unpassend mit hohem Nervpotential.
Wer also glaubte, "Getaway" sei schon ein Tiefpunkt des Actionkinos, der muss sich hier leider eines Besseren belehren lassen. Schlimmer geht immer. Eigentlich eher ein Einsterner. Wenn ich hier großzügig aufrunde, geschieht das nur für Kingsley, der selbst in dieser Rolle nicht wirklich schlecht ist und mir zweieinhalb milde Grinser entlocken konnte. Anthony Hopkins enttäuscht nicht, aber er wird hier nicht gefordert. Seine Szenen sind eine einziges Déjà-ju.
Köln-Liebhabern dürfte natürlich das Lokalkolorit gefallen. Die Schlussszene spielt im "Stiefel", der (nanu?) mitten am Tage vollkommen leer ist, so dass die Protagonisten beim Showdown ganz unter sich sind.

Fazit: Wer neben gut inszenierten Autocrashs auch noch etwas Handlung möchte, ist hier schlecht bedient. Bis auf einen enthemmt agierenden Kingsley hat der Film kaum etwas zu bieten. Immerhin dauert der Film nicht zu lange.


Erlösung
Erlösung
DVD ~ Nicolaj Lie Kaas
Preis: EUR 13,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Flaschenpost von P.", 9. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Erlösung (DVD)
' so der Originaltitel der Verfilmung des dritten Romans von Jussi Adler-Olsens um den dänischen Kommissar Carl Mørck, der aber auch ohne Kenntnis der beiden Vorgänger funktioniert. Der deutsche Verleihtitel folgt dem etwas plakativen Titel der deutschen Romanübersetzung.
Zwei Jahre nach "Schändung" kommt nun dieser Fall in die Kinos: In der ersten Szene taucht die Kamera ins Wasser, wo ein Skelett liegt. Jemand findet eine Flaschenpost und übergibt sie der Polizei. Dort landet sie in der Abteilung "Sonderdezernat Q", wo sich Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und sein syrisch-stämmiger Kollege Assad (Fares Fares) ungelöste Kriminalfälle noch einmal vornehmen.

Während Carl krankgeschrieben ist (die letzten beiden Fälle haben an seiner Psyche genagt), arbeitet Assad Büroarbeit auf, unterstützt von der neuen, im zweiten Fall eingeführten Kollegin Rose (Johanne Louise Schmidt). Mit der Flaschenpost gelingt es Assad, Carl wieder aus der Reserve zu locken. Tatsächlich können die beiden die mit Blut geschriebene Nachricht entziffern und kommen einer Kindesentführung vor mehreren Jahren auf die Spur. Die Eltern, Anhänger einer religiösen Freikirche, hatten die Kinder nicht als vermisst gemeldet. Aber nur der jüngere Sohn überlebte die Entführung. Während Carl und Assad den alten Fall rekonstruieren, wird in Jütland ein Geschwisterpaar von dem angeblichen Missionar und Freund der Eltern, Johannes (Pål Sverre Hagen, spielte Thor Heyerdahl in "Kon-Tiki") entführt. Die Umstände weisen erschreckende Parallelen auf. Zunächst wollen auch hier die tief religiösen Eltern nicht mit der Polizei kooperieren.
Beim dritten Einsatz des Sonderdezernats führte nicht mehr Mikkel Nørgaard Regie, sondern Hans Petter Moland. Obwohl der dritte Band gut 100 Seiten länger als seine beiden Vorgänger ist, blieb die Laufzeit der Verfilmung ebenfalls bei ca. 110 Minuten, so dass das Buch weitaus stärker gestrafft worden ist als die beiden Vorgängern, z.B. tauchen mehrere Nebenpersonen, u.a. Carls Sohn, hier nicht auf. Und die psychische Erkrankung Roses wird in einer Szene nur dezent angedeutet. Aber ohnehin sollten hier Film und Buch unabhängig voneinander betrachtet werden.

Moland erzählt die Geschichte in drei Handlungssträngen: die Ermittlungen der Polizei, die Situation der Eltern (Jakob Ulrik Lohmann und Amanda Collin), der Täter, dessen Identität dem Zuschauer schon sehr früh bekannt ist, was zu dem nervenaufreibenden Wissensvorsprung führt, so dass nicht das "Wer", sondern das "Wie" und "Warum" im Vordergrund steht. Die Beklemmung schleicht sich schon lange vorher ein, bevor die Kinder in Gefahr geraten. Schon die Beziehung zu seiner Frau zeigt jemanden, der seine psychopathologischen Züge kaum verbergen kann und die Frau, die ihn aufrichtig liebt, beschämen. Das "Schwiegersohn-Image" in Verbindung mit der eiskalten Planung von Verbrechen und der nur sehr selektiven Ausstattung mit Empathie lassen den Zuschauer frösteln.
Neben der puren Gewalt (es werden einige Menschen recht blutig zu Tode kommen) geht es aber auch um das Entsetzen über den Ursprung der Gewalt, der in einem traumatischen Kindheitserlebnis liegt, aus dem sich der Täter nur durch die Anwendung von Gewalt "befreien" konnte. Dabei geht es nie um Gewalt um der Gewalt wegen, die Taten werden nie voyeuristisch ausgeschlachtet. Wenn ich eine leise Kritik habe, so ist es, dass der Film etwas stärker auf die Eltern als auf den Täter fokussiert ist, so dass dessen Geschichte nur durch einige wenige Rückblenden plausibel gemacht werden kann. Niemals ist beim Anblick blühender Rapsfelder so viel Unbehagen zu spüren gewesen.
Der Humor wird, dem düsteren Thema geschuldet, sehr knapp eingesetzt, aber er passt. Er hat mitunter auch etwas Befreiendes. Als jemand aus Jütland nicht mit Assad reden will, kann Carl nur achselzuckend fragen, ob es daran liege, dass er aus Kopenhagen komme.
Auf einer weiteren Ebene müssen Carl und Assad ihre eigene Position zur Religion überdenken. Während Carl an seiner pessimistischen, atheistischen Sicht der Dinge fast zu zerbrechen droht, schöpft Assad viel Kraft aus seinem Glauben. Gerade das Zwiegespräch im Finale zwischen Carl und dem Mörder wird seine Position ganz neu beleuchten. Erschütternd gut.
Ein- oder zweimal blieb für mich etwas die Logik auf der Strecke: Kann man in Hochgeschwindigkeitszügen tatsächlich während der Fahrt manuell eine Tür öffnen und kann ein fremder Kittelträger wirklich unbehelligt durch die Intensivstation gehen? DAS wäre ja der wirkliche Horror. Das sind aber nur kleine Stirnrunzler, die dem gewaltigen Eindruck, den der Film bei mir hinterlassen hat, keinen Abbruch tun.

Fazit: Bildgewaltiger Thriller über die Abgründe der menschlichen Seele. Nichts für schwache Nerven. Melancholisch, sarkastisch und unglaublich spannend. Das Thema religiöser Fanatismus ist weitaus komplexer als das der Vorgänger und dazu erschreckend aktuell. Das macht Lust auf weitere Verfilmungen von Carl Mørck- Romanen..
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 26, 2016 2:04 PM MEST


Najtrudniejsza walka Muhammada Alego / Muhammad Ali's Greatest Fight [PL Import]
Najtrudniejsza walka Muhammada Alego / Muhammad Ali's Greatest Fight [PL Import]
DVD ~ Benjamin Walker
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 11,73

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "I have nothing to lose by standing up for my beliefs. So I'll go to jail, so what?", 4. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Alis größter Kampf war nicht im Boxring, sondern sein Einsatz für die Rechte Schwarzer und die Ablehnung des Vietnamkrieges. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, gegen die sich Ali juristisch wehrte. Der Fall landete vor dem Supreme Court.
Wer jetzt allerdings glaubt, dass hier Muhammad Ali selbst im Mittelpunkt stünde, sähe sich getäuscht. Stephen Frears inszenierte den semidokumentarischen Film für den amerikanischen Kabelsender HBO. Der Film beginnt mit Dokumentaraufnahmen 1964, als Ali, damals noch Cassius Clay, Boxweltmeister wurde. Wenig später bekennt er sich zum Islam, ändert seinen Namen und verweigert den Militärdienst in Vietnam. Die Aberkennung seines Weltmeistertitels und die Verurteilung zu einer vierjährigen Gefängnisstrafe, nimmt Ali nicht hin. Er legt Berufung ein und tingelt, während er auf Bewährung frei kommt, durch die Talkshows, um einerseits seinen Lebensunterhalt zu verdienen (die entzogene Boxlizenz bedeutete ja auch in wirtschaftlicher Hinsicht einen großen Einschnitt) und um auf seine Situation aufmerksam zu machen. Zwischen den (kurzen) Ausschnitten aus Alis Auftritten, rekonstruiert Frears den Rechtsstreit. Die Story beruht auf dem Sachbuch von Howard L. Bingham und Mark Wallace. 1970 landet Alis Klage vor dem obersten amerikanischen Gericht.

Als der junge Jurist Kevin Conolly (Benjamin Walker in der Tradition von Frears` aufgeweckten jungen Männern) beim Gericht eingestellt wird, beraten die acht obersten amerikanischen Richter, welche Klagen angenommen werden. Gegen den Widerstand des Vorsitzenden Warren Burger (Frank Langella) wird Alis Klage akzeptiert. Hinter den Kulissen kommt es zum Konkurrenzkampf zwischen Burger, der gerne mal mit Nixon telefoniert und dem angesehenen John Harlan (Christopher Plummer), der darin ein ethisches Problem sieht und aufgrund seiner Krebserkrankung bald von seinem Richteramt zurücktreten will.
Die Verhandlung soll Muhammad Alis Motivation klären. Dass er religiöse Gründe hat, haben andere Instanzen schon festgestellt. Ob diese aber dazu führt, JEDEN Krieg abzulehnen, ist bei den Richtern umstritten. Conolly soll zwar die Abweisung der Klage juristisch ausformulieren, findet aber dabei einen Präzedenzfall aus dem Jahr 1955, in dem (weiße) Zeugen Jehovas ebenfalls vom Militärdienst freigestellt worden waren. In weiteren Rollen sind u.a. Ed Begley Jr., Barry Levinson, Fritz Weaver und Danny Glover zu sehen.
Es ist schade, dass der Film keine deutsche Veröffentlichung hat, denn die spitzfindigen juristischen Dialoge fordern einem Nicht-Native-Speaker schon äußerste Konzentration ab. Das Herzstück des Films sind wirklich Originalaufnahmen von Ali, der sich nicht beugen will und dem weißen Establishment die hässliche Fratze des Rassismus vorhält. Erfrischend und berührend. Gerade in Zeiten, in denen manche in Moslems potentielle Terroristen sehen, eine wohltuend andere Sicht auf die Dinge. - Muhammad Ali starb am 3.6.2016
Zur Ausstattung: Die polnische DVD-Fassung bietet u.a. den englischen Originalton und englische Untertitel, zudem gibt es je eine französische, spanische und polnische Version, aber keine deutsche.

Fazit: Eine starke Geschichte, spielfreudige Darsteller, die die eher konventionelle Inszenierung vergessen lassen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 27, 2016 8:59 PM MEST


Die Kinder des Fechters
Die Kinder des Fechters
DVD ~ Märt Avandi
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Auch Karl Marx hat gefochten",, 5. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Kinder des Fechters (DVD)
wird der Großvater eines Schülers bemerken, was der Schulleiter natürlich vehement bestreitet.
Die finnisch-estnisch-deutsche Koproduktion "Die Kinder des Fechters" (estnischer Titel: Vehkleja) unter der Regie von Klaus Härö basiert auf der Lebensgeschichte des estnischen Fechters Endel Nelis (1925-1993) und zeigt -natürlich etwas verfremdet- eine Episode aus seinem Leben: Anfang 1952 verlässt Nelis (Märt Avandi) auf der Flucht vor dem sowjetischen Geheimdienst Leningrad und taucht in der kleinen Küstenstadt Haapsalu in seiner Heimat Estland unter, wo er unter falschem Namen Sportunterricht an einer Schule gibt. Da es dort kaum Sportgeräte gibt (und sich die Schule die wenigen vorhandenen Geräte mit der vor Ort stationierten Armee teilen muss), entsinnt sich Nelis seiner Fähigkeiten und bietet Fechtunterricht an, zunächst spielerisch improvisiert, da er erst einmal aus Baumzweigen Degen herstellen muss. Dem linientreuen Direktor (Hendrik Toompere) ist es ein Dorn im Auge, da er im Fechten ein Überbleibsel einer feudalen Ordnung sieht. Während der misstrauische Direktor Nachforschungen über den neuen Sportlehrer anstellt, wird Nelis für die Kinder, deren Väter im Krieg gefallen sind oder im Gulag sitzen, eine Vaterfigur. Als diese Nelis bitten, für einen Wettbewerb in Leningrad trainieren zu dürfen, an dem sie teilnehmen wollen, gerät er in die Zwickmühle. Einerseits möchte er seinen Schülern, die eine entbehrungsreiche Kindheit durchleben, eine Perspektive geben, andererseits muss er bei einer Rückkehr nach Leningrad mit seiner Verhaftung rechnen.

Der Film reflektiert auch die wechselvolle Geschichte Estlands. 1940/41 wurde die junge Republik, die sich erst 1918 die Unabhängigkeit von Russland erkämpft hatte, erst von den Sowjets, dann von den Deutschen überfallen. Viele junge Esten wurden zur Wehrmacht eingezogen, was nach dem Zweiten Weltkrieg fatale Folgen für sie hatte. Nach der Einverleibung Estlands in die Sowjetunion galten sie dem Geheimdient als potentielle Verräter der sozialistischen Heimat.
Die Ausstattung beschwört den Geist einer vergangenen Zeit. Nicht trist grau, aber karg, so dass die handgestrickten Handschuhe, die Nelis seiner Kollegin schenkt, ein ungewohnter Farbtupfer sind. Telefongespräche müssen angemeldet werden und die zeitliche Verzögerung einer wichtigen Nachricht kann fatale Folgen haben. Ein russischer Freund von Nelis versucht ihn über die Entwicklung in Leningrad auf dem Laufenden zu halten. Wohl nur unbewusst wird dem Schulleiter die Bedeutung des Fechtens deutlich, es geht um tänzerische Freiheit. Solidarität, wahre Gemeinschaft, ja auch um Glück im tristen, hoffnungslosen Alltag. Wer hier, in der estnischen Provinz lande, müsse ja wohl ein Versager sein, wird der Schüler Jaan einmal anmerken. Das Fechttraining hat so gar nichts zu tun mit der nur vorgegaukelten Gleichheit aller Menschen, die der Stalinismus fast täglich ad absurdum führt.

Eine besondere Stärke ist die Besetzung des Films. Neben der entschlossenen Melancholie des Hauptdarstellers Märt Avandi, der erst langsam auftaut, als er erkennt, welche Verantwortung er für die Kinder übernommen hat, so dass er auch einen möglichen Fluchtversuch nach Novosibirsk, wo er sicherer gewesen wäre, nicht unternimmt, sind es vor allem die Kinderdarsteller, vor allem Joonas Koff als Jaan, der nach seinem Vater auch noch seinen innig geliebten Großvater verlieren wird, und Liisa Koppel als Martha, die für ihre jüngeren Geschwister Ersatzmutter für die oft abwesende Mutter spielen muss, sich aber trotzig ihren Platz an der Sonne erkämpfen will. Ich war geradezu begeistert, wie viele ausdrucksstarke junge Darsteller der Film aufbieten kann.
Anders als beispielsweise der Thriller "Kind 44" liegt das Augenmerk des Films nicht auf den Schrecken des brutal agierenden Geheimdienstes, der eher die "Feinde" im Inneren statt im Äußeren suchte und fand (das wird eher angedeutet), sondern eher auf der vergifteten Atmosphäre im vermeintlich zivilen Bereich. Der Schulleiter versucht seine Macht während eines Elternabends auszuspielen (wo natürlich in erster Linie die Großeltern erscheinen, weil die Väter der Kinder abwesend sind und die Mütter in Doppelschichten versuchen, ihre Familie durchzubringen). Als es ihm nicht gelingt, diese dazu zu bewegen, den Fechtunterricht abzulehnen, lässt er wenigstens von seinem Assistenten die Namen der Befürworter dokumentieren. Papier ist geduldig, die Reaktion aus Moskau unberechenbar.

Natürlich könnte man dem Film ankreiden, dass Nelis` Romanze mit seiner Kollegin Kadri (Ursula Ratasepp) allzu pflichtschuldig in zwei Minuten im Mittelteil zusammengezurrt wurde, so als habe Härö es vorher versäumt, die Beziehung der beiden langsam einzufädeln. Und der Kampf David gegen Goliath wird etwas plakativ verdeutlicht in einem Fechtkampf zwischen der kleinen Martha und einem wesentlich größeren Fechter aus Moskau, dessen Trainerin auch noch hämisch grinst. Aber all das wäre mäkeln auf hohem Niveau, so dass ich gerne auf fünf Sterne aufrunde.
Endel Nelis ist in Estland sehr bekannt, da er nicht nur ein sehr erfolgreicher Fechter war, sondern auch weil die von ihm gegründete Sportschule zahlreich Titel gewonnen hat. Der Film wurde (wie auch andere Filme Härös zuvor) als finnischer Beitrag für den Oscar als "bester nicht-englischsprachigen Film" ausgewählt und erhielt zudem eine Golden-Globe-Nominierung. Prädikat: Besonders wertvoll.

Ein ausdrucksstark gespieltes anrührendes Drama über das Leben in einer Diktatur. Ans Herz gelegt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2016 11:06 PM MEST


Gut zu Vögeln
Gut zu Vögeln
DVD ~ Anja Knauer
Preis: EUR 14,85

24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Untergang des Abendlandes, 5. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Gut zu Vögeln (DVD)
'wird durch diesen Film zwar nicht eingeleitet, er wirft aber ein bezeichnendes Licht auf die Krise zwar nicht des deutschen Films, aber der deutschen Komödie. Im Vorspann wird auf die verschiedenen Filmfördertöpfe hingewiesen und ich fragte mich, welche Funktion heute Filmförderung in Deutschland hat. Soll sie nicht Talente fördern, die sonst keine Möglichkeit hätten, einen Film auf die Beine zu stellen? Wie wäre es mit einen Blick auf das Drehbuch gewesen, das doch schon jedem Filmfuchs entgegen schreit, dass hier alle Ideen aus dem Komödienboom der 80er und frühen 90er zusammengeklaubt wurden, die seinerzeit schon zu schlicht oder zu schlecht waren.

Dabei beginnt es doch vielversprechend: Ein englischer Adeliger (Christian Tramitz in viel zu kurzem Cameo) hält umständlich um die Hand seiner Freundin an, als wär es ein Sketch von Loriot. Es ist ein Film-im-Film. Produzent ist Tillmann (Kai Wiesinger in Minirolle). Ist er auch so romantisch? Nein. Er gibt Merlin (Anja Knauer) kurz vor der geplanten Hochzeit den Laufpass. Diese wird von Jakob (Max von Thun), einem Kumpel ihres Bruders Simon (Max Giermann) und zudem Hans-Dampf-in'allen-Betten, in seiner WG aufgenommen. Er empfiehlt der Gekränkten einen "Trostf*ck". Und tatsächlich landen die beiden irgendwann mal zusammen im Bett. Wer danach weiß, wie der Film endet (es kann ja sein, dass Sie schon mehr als eine deutsche Komödie gesehen haben), wird leider Recht behalten. Vorhersehbarkeit ist das größte Manko. Natürlich gibt es noch reichlich "Verwicklungen", die dienen aber nur dazu, den vorhersehbaren Film auf sehr lange 90 Minuten zu dehnen.
Es tummeln sich noch der türkische Quotenschwule (Samy Challah als Nuri) samt begriffsstutzigen Eltern, eine Chefin wie ein Anna-Wintour-Lookalike (inklusive Assistentinnen), eine Karikatur eines Betriebsrates, der Denken und Handeln einem gepiercten Nerd überlässt und gewerkschaftliches Handeln der Lächerlichkeit preisgibt, die Transgender-Dame Lillith (Ulrich Gebauer), die sich den schnuckeilgen Nuri schnappt und hochzeitlich neue Dimensionen des Fremdschämens kreiert.

Die einzige originelle Idee, eine Homestory zu schreiben ohne ein Interview geführt zu haben, verläuft ins Leere. Da hat sich die angetrunkene Merlin von Spanien aus etwas über ihren Ex und seine Neue aus den Fingern gesogen und der Zuschauer erfährt leider nicht was. Verschenktes Potential. Überlebensgroß peinlich ist eine Niederkunft in einer Mallorcinischen Ballermann-Disco. Sind die alle so einfältig, versoffen, notgeil? Vorsicht, dachte ich mir, ihr Filmleute verscherzt es euch gerade mit euren potentiellen Zuschauern. Herrn Giermann schätze ich ja für seine Stefan-Raab-Parodien, hier hatte seine Mimik einen gewissen Nervfaktor.
Das Drehbuch ist lachhaft, aber nicht komisch. Bei Wikipedia heißt es "Wenn du das Erstellen oder Bearbeiten von Artikeln erst einmal ausprobieren möchtest, nutze bitte die `Spielwiese` ' Hilfe zum Bearbeiten findest du unter Hilfe usw." Warum gibt es nichts Vergleichbares für Filmnovizen? Erst mal "Spielwiese" und effektive Tipps von der Starthilfe bevor zahlendes Publikum damit malträtiert wird. ' Wenn der Geduldfaden zu reißen droht, wird ein passender (?) Musiktitel eingespielt oder es werden WhatsApp-Meldungen eingeblendet, um noch mal die Aufmerksamkeit zurückzugewinnen, Zeitlupe, wenig originelle Nummern, sei es musikalisch oder im Bett. Und wenn gar nichts geht, dann eben Fäkalhumor. Ein gefühlt minutenlanges "F*rzkonzert" und einmal Dünnpfiff im Catsuit. Für Zuschauer, die vielleicht in der Analphase stecken geblieben sind, vielleicht noch annehmbar, aber sonst?
Den Gag mit dem "Sprüh-Kondom" fand ich nicht nur unkomisch, sondern sogar zynisch. Anscheinend glaubt die Generation der Filmemacherin, eine Schwangerschaft sei das größte Problem bei einer Kondompanne. Dass AIDS immer noch nicht heilbar ist (und Jakob wird ja nun eher promiskuitiv dargestellt), wird dabei offensichtlich verdrängt.
Warum Oliver Kalkofe mitgewirkt hat? Vielleicht braucht er Material für seine Sammlung schlechtester Filme aller Zeiten? Zudem gibt es erschreckende Gastauftritte von Rolf Eden, Sonja Kirchberger und Nora Tschirner als Mann (?).

Fazit: Wenn F*rzen, Saufen und F*cken 'Eine antiromantische Liebeskomödie über die Bindungsunfähigkeit unserer Generation' sein sollen, bin ich froh, nicht dieser Generation anzugehören. Ich hoffe, Frau Knauer hat nicht zu viele Hoffnungen in ihre Rolle gesteckt, ihr kann man an dieser Filmkatastrophe keine Schuld geben, sie spielt eingeengt durch das Drehbuch so gut es halt geht.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2016 11:32 AM MEST


MitGift
MitGift
DVD ~ Michael Verhoeven
Wird angeboten von Filmnoir
Preis: EUR 8,75

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schade!, 21. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: MitGift (DVD)
Ich wollte diesen Film wirklich lieben. Senta Berger und Mario Adorf, zwei Darsteller, die ich immer wieder gerne sehe, in einem Film über Eheleute, die sich gegenseitig nach dem Leben trachten, das klingt nach Chabrol, ist aber Verhoeven. Leider.
Handlung: Liebhaber B (Mario Adorf als Edgar Burgmann) tötet den reichen Liebhaber A von Alice (Senta Berger). Dieser hatte leichtsinnigerweise seine Geliebte als Haupterbin eingesetzt. Die Schwester des Ermordeten weiß zwar Bescheid, aber das ist dann nicht weiter wichtig im Film. Bald nach der Hochzeit hat Alice genug von Edgar und angelt sich Liebhaber C (Ron Ely als Dr. Kurt Jahn), vermutlich weil sie noch nie einen Golf spielenden Akademiker im Bett hatte, wie Edgar mutmaßt, obwohl dessen Berufstätigkeit (er tötet zu Forschungszwecken Hunde mit Gift im Labor) doch eher abtörnend ist. Deswegen geht Edgar selbst wohl auch keiner geregelten Arbeit nach und jammert, dass er im Falle einer Scheidung ohne Geld dastünde. Ach ne! Die Polizei glaubt, dass die inzwischen auskurierte schwere Erkrankung von Alice auf einen Giftanschlag von Edgar zurückzuführen ist. Friedrich von Thun tummelt sich als trotteliger Polizist auf dem Golfplatz herum und beobachtet die fremdknutschende Alice, sein Chef (Helmut Qualtinger in viel zu kleiner Rolle) verdächtigt Edgar. Andererseits fällt ihnen auf, dass Jahn auch über seine Verhältnisse lebt. Edgar wiederum wird von seinem Bruder erpresst (Warum? Keine Ahnung.). Erst sägt er ihm fast die Finger ab, dann kann er ihn sich dank Scheckbetrug (warum merkt Alice das nicht?) vom Halse halten. Als sich Edgars Mutter (Elisabeth Flickenschildt) ankündigt, verkrümelt sich Alice mit Jahn nach Italien, an denselben Ort, wo sie mit Edgar die Flitterwochen verbracht hat. Alice scheint sich nicht sicher zu sein, ob sie sich einen neuen Liebhaber suchen soll (da tummelt sich nämlich ein attraktiver italienischer Arzt herum, der noch einen Platz in seinem Harem frei hat) oder ob sie zu Edgar zurückkehren soll, ihrem angeblich einzigen Seelenverwandten. Edgar ist genervt von seiner einnehmenden Mutter, so dass es eher näher liegt, dass er sich diese mal vom Halse hält. Jeden Tag fällt er einen Baum auf dem Anwesen und schaut der Haushaltshilfe beim Ausziehen zu (irgendwie musste in den Film noch eine Oben-ohne-Szene geschmuggelt werden). Ja, leider geht der Film so aus, wie ich ihn mir nach einer Viertelstunde ausgemalt hatte. Und Vivaldis vermeintlich unverwüstlicher "Winter" aus den "Vier Jahreszeiten" untermalt das Ganze bis zum bitteren Ende.

---SPOILER---
Jahn hat den Schlüssel zum Giftschrank in seiner Manteltasche, der Mantel hängt unbeaufsichtigt im Haus des Nebenbuhlers. Also? - Alice verdächtigt Edgar, dass er sie vergiften will. Sie bittet ihn ausdrücklich, für sie noch ihre Medikamente zu kaufen. Also? - Zwei Leichen: Eine wichtige Zeugin kann nur noch auf der Bahre besucht werden, eine Leiche ist kurz darauf wieder quicklebendig. Eigentlich geht es ohnehin nur darum darauf zu warten, dass ein potentieller Giftmörder es sich doch noch mal anders überlegt. Na das wäre ein Liebesbeweis! - Die einzige Pointe ist, dass eine Giftflasche, die sich ein lebensmüder Zeitgenosse zurechtgemixt hatte, von jemand anderem getrunken wird. Aber auch das ist absehbar.
---SPOILER ENDE---

Vielleicht noch knappe drei Sterne wegen Berger/ Adorf? Nö, Keine Extras und ein Bild, das viel zu dunkel ist. So macht das keinen Spaß.
Fazit: Senta Berger ist wunderschön. Herrenbrillen waren in der 1970er Jahre grauenhaft hässlich. Handlung wird überschätzt. Das Originellste am Film ist der Titel.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 14, 2016 8:37 PM CET


Ich und Kaminski
Ich und Kaminski
DVD ~ Daniel Brühl
Preis: EUR 7,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Berühmt sein heißt, jemanden wie mich zu haben.", 14. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski (DVD)
Nachdem es nach "Good Bye, Lenin" um Regisseur Wolfgang Becker still geworden war, liefert er mit der Verfilmung von Daniel Kehlmanns Roman "Ich und Kaminski" (der in den 1990er Jahren spielt) einen fulminanten Comeback- Film ab.
Daniel Brühl verkörpert den aufdringlichen und meist blanken Journalisten Sebastian Zöllner, der sich für ein verkanntes Genie hält. Um auch den Rest der Welt davon zu überzeugen, heftet er sich an die Fersen des alten, vermeintlichen blinden Malers Manuel Kaminski (Jesper Christensen), dem er in seinem Haus in den Schweizer Alpen die Geheimnisse seiner Vergangenheit zu entlocken versucht, wobei er sich auch nicht zu schade ist, die kratzbürstige Hausangestellte zu bestechen. Er spekuliert auf den baldigen Tod des Malers, um sein Buch gewinnbringend vermarkten und somit auch seinem wesentlich erfolgreicheren Konkurrenten Golo Moser ein Schnippchen schlagen zu können (Moser taucht im Film nur in einer Albtraumsequenz auf). In Tagträumen phantasiert Zöllner sich sogar in eine Romanze mit Kaminskis exzentrischer Tochter Miriam (Amira Casar), so dass er als Schwiegersohn den Nachlass regeln könne. Kaminski durchschaut allerdings Zöllner und versucht ihn seinerseits für sich einzuspannen. Als er erfährt, dass seine Jugendliebe Therese (Geraldine Chaplin) noch lebt (ein Freund Kaminskis berichtete, er habe sie gegenüber Kaminski "sterben lassen", um ihn zu beruhigen) überredet er Zöllner, sich mit ihm in der belgischen Provinz auf die Suche nach Therese zu machen.

Der Anfang des Films skizziert die biographischen Stationen des Malers. Wie in "Zelig" oder "Forrest Gump" ist die Figur des Malers in Dokumentaraufnahmen montiert. Kaminski als Schüler von Matisse und Freund Picassos, der eher aus Versehen im Kontext der Pop Art zu großer Bekanntheit kommt, in amerikanischen Fernsehshows zu Gast ist, als Zeitgenosse der Pilzköpfe, Andy Warhols, Hitchcocks usw. Hat der Titel seines weltbekannten Bildes "Painted by a Blind Man" vielleicht zu einem Missverständnis geführt?
Der Film lebt weniger von der "großen" Geschichte, sondern von den vielen kleinen Miniaturen: Zöllner, der sich im Zug auf seine Begegnung mit Kaminski vorbereitet, seine Vorstellung als künftiger Biograf, das Entdecken der "blinden Serie" (eine große Verbeugung der Filmemacher vor Francis Bacon), seine Tag- und Albträume, die die Handlung unterbrechen und so immer wieder ein neues Licht auf die Geschichte werfen. Überhaupt ist der Film mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Dass in einem etwas heruntergekommenem Hotel, das Zöllner als erstes Hotel am Platze anpreist, ein besonders seltsames Hasenbild in den Vordergrund gerückt wird, ist nicht rein zufällig.
Das alles gibt dem Film einen skurrilen Touch und es überrascht, wie mühelos Brühl gegen sein Image anspielt. Vom Schweigermutterliebling zum schmierigen Waschlappen, der kein Fettnäpfchen auslässt. Die Szene, in der er ohne Einladung eine Gesellschaft Kaminskis okkupiert, hat großes Fremdschämpotential. Aber in seinem Scheitern zeigt er schon fast wieder Größe. - Daniel Brühl sagte über seine Rolle: "Da waren im Laufe der Jahre zwei, drei Kandidaten dabei, die in ihrer Schleimigkeit fast Karikaturen eines Journalisten darstellen. ... Indirekte Vorbilder waren zudem einige junge Männer, die es bevorzugt nach Berlin verschlägt. Blender, die sich für sehr viel größer halten, als sie in Wirklichkeit sind. Sie arbeiten immer an der ganz großen Nummer, ... aber nie kommt etwas dabei heraus. ... [M]anchmal hat er auch etwas Rührendes an sich. Das hat mir an der Figur gefallen. Hinzu kam, dass mich der Film erneut mit Wolfgang Becker vereinte." (Cinema 10/2015) Kaminski selbst ist kaum sympathischer charakterisiert, ein großer Egomane, dessen Ziele nicht zu durchschauen sind.

Mit Beginn des Road Movies schlägt der Film auch ernstere, ja melancholische Töne an. Dass die beiden dann dennoch Gefallen aneinander finden, gibt dem Ende des Films eine versöhnliche Note, zumal die Episode im Haus von Therese eine für alle überraschende Wendung nimmt. "So trifft der Mann, der gern eine Geschichte hätte, auf einen solchen, dem seine eigene gar nicht so wichtig ist. Kein Wunder also, dass die Frage, um wen es in 'Ich und Kaminski' eigentlich geht, mit der Zeit immer schwerer beantwortet werden kann." (Antje Wessels)
Der Abspann gehört zum Schönsten des Films: In einer betörend schönen Collage zieht die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts am Auge des Zuschauers vorbei. In kleinen aber feinen Rollen sind Josef Hader als Zugbegleiter und Stefan Kurt als Kunstexperte zu sehen.

Fazit: Eine temporeiche, kunstvolle, süffisante, manchmal surreal anmutende Satire über die Eitelkeit des Kulturbetriebs, die in der zweiten Hälfte durchaus berührende Töne anschlägt. Für mich eine der originellsten deutschen Komödien der letzten Jahre.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 21, 2016 12:00 AM CET


Legend
Legend
DVD ~ Tom Hardy
Preis: EUR 11,99

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blut ist dicker als Wasser, 8. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Legend (DVD)
Es gibt ja schon einige Bearbeitungen der Geschichte der berüchtigten Kray-Brüder. Nun leben sie nicht mehr und können möglichen Filmemachern nicht mehr reinreden. Bisher ist Regisseur Brian Helgeland vor allem als Drehbuchautor geschätzt ("Mystic River", "L.A. Confidential"), während er als Regisseur noch keine eigene Duftmarke setzen konnte. Das dürfte sich ändern, was weniger an einer besonders ausgefeilten Regie läge, sondern an seinem Coup, beide Kray-Zwillinge mit Tom Hardy zu besetzen.

Der Film psychologisiert nicht lange, sondern springt direkt in die große Zeit der dubiosen Nachtclubbesitzer: London 1966, der smarte Reggie Kray setzt einen Arzt massiv unter Druck, damit dieser empfiehlt, seinen psychopathischen Bruder Ronnie aus der Psychiatrie zu entlassen. Die Familiengeschäfte sollen eben von beiden geführt werden, gerade jetzt, wo sich die Krays gegen andere Gangstergruppen behaupten müssen, ist Ronnies Skrupellosigkeit vonnöten. Reggie bandelt mit der hübschen Schwester seines Chauffeurs an, aber es scheint, dass Frances (Emily Browning) nicht ganz überschaut, auf was sie sich da einlässt. Je mehr ihre Mutter sie warnt, desto attraktiver erscheint ihr ihr Ritter in glänzender Limousine. Frances schluckt zu viele, Ronnie dagegen zu wenige Pillen. Eine explosive Mischung entsteht. Die Krays dealen mit illegalen Drogen in den Hinterzimmern ihres Clubs, erpressen Schutzgelder, manipulieren Sportwettkämpfe und schrecken auch vor Mord nicht zurück, wobei sie sich zu Anfang nicht selbst die Hände schmutzig machen. Einflussreiche Politiker zu Orgien einzuladen rentiert sich, sie gelten als unangreifbar, pflichtbewusste Polizisten werden zurückgepfiffen. Als Reggie eine halbjährige Haftstrafe absitzen muss, fährt Ronnie den Betrieb vor die Wand, seine Publikumsbeschimpfungen kommen bei der finanzkräftigen Schickeria, die es heiß fand, bei den Krays ein- und auszugehen, keinen Anklang. Die Konflikte zwischen den Brüdern eskalieren. Höhepunkt des Films ist eine mehrminütige Kampfszene, virtuos in Szene gesetzt. Modernste Tricktechnik und Bodydoubles ermöglichen die vollkommene Illusion. Aber das Geschäft geht weiter, Blut ist dicker als Wasser und die Krays stehen sich besonders nahe, obwohl sie charakterlich so unterschiedlich sind. Aber die Zeiten der ruhigen Geschäfte sind vorbei.

Ob nun "The Dark Knight Rises"oder "Mad Max - Fury Road'" Tom Hardy scheinen die düsteren Rollen zu liegen, hier übertrifft er sich aber bei weitem. Es ist eine herausragende Leistung Hardys, beide Brüder als vollkommen unterschiedliche Menschen darzustellen, Brille und Make up sind da nur unterstützende Hilfsmittel. Reggie scheint der "gefälligere" Bruder zu sein, moderat im Ton, durchaus auch mit einer romantischen Ader, aber knallhart im Geschäft. Ronnie ist der große Unsicherheitsfaktor, skrupellos, um Gegner auszuschalten, aber egozentrisch bis unerträglich, aber mit einer überraschenden Menschenkenntnis, die manches in neuem Licht erscheinen lässt. Zudem ist er Manns genug, seine Homosexualität nicht zu leugnen. Unabhängig voneinander werden sie aber erkennen, dass der Weg der Gewalt zur Sackgasse wird.
Die Ausstattung mit viel Liebe zum Detail, die nostalgische Musik, die Kostüme tragen viel bei zur Atmosphäre. Die knallharte Action wird gelegentlich unterbrochen von slapstickartigen Momenten, Das einzig Störende für mich war der überflüssige Voice-over-Kommentar, der aufgrund eines Storytwists ad absurdum geführt wird. Das ist aber eine Kleinigkeit, die nicht den großen Unterhaltungswert dieser Gangsterballade stört.

Fazit: Die preiswürdige Tour de force Hardys gleicht kleine Schwächen mehr als aus.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 1, 2016 11:37 PM CET


Im Labyrinth des Schweigens
Im Labyrinth des Schweigens
DVD ~ Alexander Fehling
Preis: EUR 7,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann,..., 6. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Im Labyrinth des Schweigens (DVD)
... ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." Dieses Zitat des amerikanischen Philosophen George Santayana könnte dem Film voran gestellt werden. Zwar ist schon vieles Richtige und Wichtige zu dem Film gesagt worden, aber er hat mich derart beeindruckt, dass ich noch meinen Senf hinzufügen muss.
Erzählt wird die Vorgeschichte der sogenannten Ausschwitz-Prozesse ab 1963, die die Bundesrepublik nachhaltig veränderten. Der Film beginnt im Jahre 1957, als der (fiktive) junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) sich noch mit harmlosen Verkehrsdelikten herumschlagen muss. Zufällig wird er Zeuge, wie der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) den Oberstaatsanwalt zur Rede stellt, warum nicht gegen einen Lehrer, den sein Freund Simon Kirsch (Johannes Krisch), ein überlebender Häftling, als SS-Angehörigen in Auschwitz identifiziert hat, ermittelt wird. Irritiert von der Gleichgültigkeit seiner Kollegen beginnt Radmann, der selbst wenig über die Kriegsverbrechen weiß und Auschwitz für ein Arbeitslager gehalten hat, zu recherchieren. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss) überträgt dem jungen Mann die Ermittlungen.
Schon zu Beginn erinnert der Film daran, in welcher Zeit wir uns befinden. Im Radio wird über die Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches berichtet, aber "beschwichtigend" hinzugefügt, dass auch jetzt noch der Ehemann über die Berufstätigkeit seiner Frau bestimmen dürfe. Der Westen ist bunt. Der Wiederaufbau aber verdeckt, dass auf morschem Grund gebaut wird. Die Geschichte des Faschismus oder gar Verbrechen der Nazis werden noch nicht an deutschen Schulen thematisiert, ehemalige Nazis sitzen aber in Schulen, Behörden, Justiz und Kriminalämtern. Einige Kritiken haben nicht zu Unrecht bemängelt, dass die wichtige Rolle Fritz Bauers beim Zustandekommen der Prozesse in diesem Film nicht annähernd herausgestellt wurde (die spielt dafür in "Der Staat gegen Fritz Bauer" umso mehr eine Rolle). Das ist richtig, aber er funktioniert umso besser als Darstellung eines jungen Mannes, der in einem ihm unbekannten Land groß geworden ist. Das, was er für wahr gehalten hat (einschließlich der angeblich kritischen Haltung seines Vaters), ist nichts weiter als Makulatur.

Beeindruckend stellt Fehling, der in "Am Ende kommen Touristen" schon in einem Film mitgewirkt hat, der die ambivalente Beziehung der Deutschen zu Auschwitz thematisiert, diesen Radmann dar. Er fängt als idealistischer Grünschnabel an und wächst an seinen Aufgaben, bis er schließlich unter der Last dessen, was er zu Tage fördert, zu zerbrechen droht. Erst nahm ich an, dass die Liebesgeschichte zu Marlene (Friederike Becht) nur Beiwerk und den Sehgewohnheiten heutiger Zuschauer geschuldet ist. Aber weit gefehlt. Auch zwischenmenschliche Beziehungen drohen zu zerbrechen, wenn die Schuld von Marlenes Vater das junge Glück zu überlagern droht.
Natürlich ist dies ein Film über die Verbrechen des Nationalsozialismus. Aber eben nicht nur. Wesentlich interessanter ist es, das Selbstverständnis der jungen Republik zu analysieren, deren neue Eliten oftmals die alten waren und wenig Interesse zeigten, die Vergangenheit zu "verarbeiten" und Täter vor Gericht zu stellen. Als besonders beschämend stellt sich heraus, dass Mengele auch weiterhin in die Bundesrepublik reist, hat sein Vater doch einen gutgehenden Betrieb in Günzburg, dem größten Arbeitgeber vor Ort. Wer will etwas gegen jemanden aus der Familie des "Wohltäters" aussagen. Eine der wenigen, die es tun, wird einmal mit einem blauen Auge zu sehen sein. Ein junger Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes, der Radmann unterstützt, wird seine Stelle verlieren.
Fritz Bauer mahnt Radmann, sich auf die vermeintlich "kleinen" Täter zu konzentrieren, ohne deren Mitwirken eine Diktatur nie möglich wäre.- In akribischer Arbeit (etwa 8000 SS-Leute waren im Laufe der Zeit in Auschwitz eingesetzt) gelingt es ihm Zeugen und Dokumente für Morde einzelner Täter zu sammeln, die sich eben nicht auf einen vermeintliche Befehlsnotstand beziehen konnten, sondern "eigenverantwortlich" Häftlinge getötet haben. Die bürgerliche Maske der ehemaligen SS-Leute sitzt perfekt, ihre Anwälte konstruieren abenteuerliche Konstrukte der Schuldübertragung. Nur einmal bröckelt die Fassade, als einer der Täter Radmann zuflüstert, er hätte "ins Gas" geschickt werden sollen.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass der Film nicht durch Rückblenden oder sentimentale Musik versucht, Gefühle zu erzeugen. Wir erfahren auch nicht immer, was konkret die Zeugen ausgesagt habe, sondern sehen nur auf die entsetzten Gesichter Radmanns, seines Kollegen Otto Haller (Johann von Bülow) oder seiner Sekretärin Schmittchen (eine herausragende Hansi Jochmann). Die Kamera setzt selten auf plakative Großaufnahmen. Als Radmann sich über die Vergangenheit seines Vaters informiert, sehen wir ihn nur einsam in großer Architektur, plötzlich gebeugt.
Zur Ausstattung. Die DVD verfügt über optionale deutsche Untertitel sowie eine Hörfilmfassung für Blinde. Die Extras beschränken sich auf den Trailer und weitere Werbetrailer. Das ist angesichts des komplexen Themas zwar mager, aber der Film kann für sich stehen.

Fazit: Ein reichhaltiger Film, der ein mehrmaliges Sehen lohnt. Selten wurde derart subtil über die Notwendigkeit des Erinnerns erzählt. Angesichts heutiger Ewiggestriger ist er besonders aktuell.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 12, 2016 9:21 AM CET


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