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Rezensionen verfasst von
PS (Homburg, Germany)

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Roosevelt
Roosevelt
Preis: EUR 8,39

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Clubmusik für Melodienliebhaber, 19. Dezember 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Roosevelt (MP3-Download)
"Meine Entscheidung, Musik zu veröffentlichen, kam einfach ausgedrückt daher, Tracks produzieren zu wollen, zu denen man tanzen kann, die aber keine funktionalen Dancefloor-tools sind, sondern sich wie Popsongs anfühlen." (Marius Lauber, Mixmag Aug/sept. 2016)

"Roosevelt" ist der Künstlername von Marius Lauber, einem Mittzwanziger aus Viersen, der vor allem seit seinem Umzug nach Köln ganz tief in die Welt der elektronischen Clubmusik eingetaucht ist, ohne dabei seine früheren Einflüsse wie Eighties-Pop oder Indierock zu verleugnen.

Die Grundidee seines Debütalbums ist es, klassisches Songwriting mit Club-Feeling zu verbinden und mehrdeutige Stimmungen zu schaffen, die aber zumindest ein bisschen ein Ibiza-Sommerfeeling atmen sollen. Obwohl sich das Album durchaus elektronisch anhört, gibt es auch viele organische Elemente, wie zum Beispiel live eingespielte Drums und Perkussion. Das Ergebnis ist ein origineller Mix aus Dance, Synthpop, Indie Rock und Lounge/Chill-Sounds.

Ein wenig könnte man vielleicht noch an der Dramaturgie feilen, aber im Wesentlichen ist hier ein beachtliches Werk mit jeder Menge betörenden Melodien und Sounds gelungen. Kein Wunder, dass Lauber bereits Größen wie Hot Chip überzeugen konnte. Meine persönlichen Anspieltipps: Night Moves, wait Up, Colours, Fever, Close.


Jeff Lynne's Elo-Alone in the Universe (Deluxe Edition)
Jeff Lynne's Elo-Alone in the Universe (Deluxe Edition)
Preis: EUR 11,39

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholisches Meisterwerk, 28. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Ich lernte [bei "Long Wave"], wie diese alten Meister ihre Songs fabrizierten, weil ich jeden einzelnen Part auf jedem Instrument einstudierte um die Platte machen zu können. [...] Das ganze Album [AITU] repräsentiert diese neuen Akkordfolgen und die dabei empfundene Begeisterung."
Jeff Lynne, 2015.

Das Besondere an ELO ist, dass quasi jedes Album eine neue Facette der Vision präsentiert und dennoch immer ein hoher Wiedererkennungswert vorhanden ist. Der Ausgangspunkt von "Alone In The Universe" war Jeffs Coveralbum "Long Wave" (2012), das quasi eine intensive Studie der Songschreiberkunst der alten Meister war und Jeff nicht nur einiges lehrte über die von ihm ohnehin geliebte Kunst des kurzen Songformats, sondern auch mit für ihn eher ungewohnten Akkordfolgen bekannt machte, die er nun nur allzu gerne auf eigene Songs übertragen wollte.

Die ursprüngliche Idee war es, die Ergebnisse als Album unter dem Titel "Jeff Lynne" zu veröffentlichen, doch der Erfolg des Hyde-Park-Konzerts mit ELO 2014 weckte in Jeff den Wunsch, ELO wiederzubeleben, nicht zuletzt um sich bei den Fans zu bedanken. Ohne die Prämisse der Konzentration auf für Pop ungewöhnliche Akkordsequenzen über den Haufen zu werfen, wurden in der Folgezeit etwa 6 weitere Songs spezifisch im Hinblick auf ELO geschrieben. Andere Songs stammen wohl noch aus der "Long Wave"-Ära oder gehen in Fragmenten sogar auf noch viel länger zurückliegende Demos zurück, wurden aber im Hinblick auf die neue Veröffentlichung sicherlich etwas angepasst.

Das Fehlen von "Songs mit Wumms", wie es andere Rezensenten hier beschreiben, hat also in erster Linie etwas mit der Genese des Albums zu tun: "Get up", steh auf und gib Gas, ist das Motto von Bryan Adams' neuer Scheibe, und da lässt es Lynne mit seiner Komposition Do What Ya Gotta Do richtig krachen. Aber AITU ist das Gegenstück, da legt sich Lynne ins Bett, Kopfhörer an und schafft eine nächtlich-kosmische nostalgische Atmosphäre, die bestens mit diesen langsamen oder sanft groovenden Songs funktioniert, welche das Album dominieren.

Obwohl es zunächst nicht so auffällt, ist "AITU" in Wirklichkeit ein sehr konzeptionelles Werk, und wie das exzellente Cover andeutet, hat es zwei Lesarten: auf der einen Seite kann man es als das persönlichste Werk Jeff Lynnes auffassen, eine Art Lebens(werk)retrospektive. Die Songs decken sowohl textlich als auch musikalisch Jeff Lynnes gesamtes Leben und musikalische Karriere ab. Der andere Pol ist die universelle Perspektive, denn das Album lässt sich auch als ganz allgemeine Auseinandersetzung mit dem Thema "Einsamkeit" interpretieren, worauf Jeff auch selbst mehrfach hingewiesen hat (und auch auf dieses Thema kam er durch Beschäftigung mit seinen alten Helden Shannon und Orbison). Insofern ist es auch clever, das am Anfang der vielleicht auf den ersten Blick persönlichste Song steht (der aber auch jeden Menschen und seine einsamen Träume meinen kann) und am Schluss der universellste, der das jedem Menschen innewohnende Grundgefühl der allgemeinen Einsamkeit und Verlorenheit in einem unendlichen Weltraum aufgreift (aber wohl auch aus Jeffs Blickwinkel und wie auch When The Night Comes die Frage Vergänglichkeit thematisiert).

Fazit: Wer sich davon freimacht, dass ein neues ELO-Album so klingen muss wie "OOTB" oder "Time", wird mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen, dass "AITU" ein genauso in liebevoller Studiotüftelei zusammengebasteltes Werk ist, das sehr wohl (und deutlich mehr sogar als "Zoom") typische Elemente aus den alten ELO-Zeiten aufgreift (persönlich freue ich mich zum Beispiel, dass Keyboardsounds wieder eine größere Rolle spielen), all dies aber so kombiniert, dass das Album letztlich für sich steht. Meiner Ansicht nach ist es ein melancholisch-sentimentales, intim-verletztliches Pop-Meisterwerk mit überragenden Melodien.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 8, 2016 10:42 PM CET


Planet P Project
Planet P Project
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 11,69

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen An Album So Proud Full Of Noises And Crowds, 29. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Planet P Project (Audio CD)
Tony Carey feierte einen seiner größten Hits in Deutschland 1989 mit Room With A View, einer Auskopplung aus dem Soundtrackalbum zum Fernsehfilm "Wilder Westen Inklusive". Nach bescheidenen Anfängen mit seiner Band Blessings landete der gebürtige Kalifornier Mitte der Siebziger als Keyboarder bei Rainbow, mit denen er 1976 das erfolgreiche Album "Rising" fertigstellte und mehrfach auf Tour ging. Nach seinem Ausstieg bei Rainbow zog Carey 1978 nach Deutschland, wurde Mitbesitzer eines Aufnahmestudios und konnte somit viel Zeit darauf verwenden, an einer Solokarriere zu arbeiten, die in den Folgejahren eine Reihe von Platten unter eigenem Namen und unter dem Pseudonym Planet P Project abwarf. Während die selbstbetitelten Platten stilistisch eher persönlichen Pop/Rock präsentierten, diente das Project demgegenüber als Vehikel zur Veröffentlichung eher experimentellerer, progressiverer Stücke.

Das vorliegende Album, welches 1983 bei Geffen erschien und von Peter Hauke produziert worden war (ein Faktum, das wegen einiger Streitigkeiten später gerne totgeschwiegen wurde), ist das erste von bisher insgesamt 6 Planet-P-Project-Alben, wobei interessanterweise zwischen dem zweiten Album (1984) und dem dritten (2001) eine 21-jährige Veröffentlichungspause eingelegt wurde. Zu hören gibt es Science-Fiction/Space-angehauchte, sehr melodische Songs, die garniert mit Careys ausdrucksstarker Stimme und vielen Soundeffekten, geschickt den Bogen schlagen zwischen dem typischen keyboardlastigen Sound der frühen 80er und dem Mainstream-Rock der damaligen Ära. Dabei gelingt es, das qualitative Niveau auf Albumlänge stets hochzuhalten, was aus meiner Sicht das Debütalbum von Planet P Project, noch mehr als den Nachfolger (die ebenso hörenswerte, aber weniger kompakte Rockoper "Pink World") zu einem der Geheimtipps für Freunde melodiöser Eighties-Musik macht. Persönliche Favoriten sind Static, Armageddon, King For A Day und Send It In A Letter, wobei das bekannteste Stück wohl die US-Hitsingle "Why Me?" sein dürfte, die auch bei MTV gerne mal gespielt wurde.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 29, 2014 2:49 PM CET


Long Wave
Long Wave
Preis: EUR 18,44

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nostalgische Reise in die musikalische Welt der frühen Sechziger, 20. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Long Wave (Audio CD)
„Ich habe dieses Album „Long Wave“ genannt, weil all die Lieder, die ich darauf singe, jene sind, die ich im Langwellenradio hörte, als ich ein kleiner Junge war, der in Birmingham, England, aufwuchs. Diese Songs bringen das Gefühl der Freiheit jener Tage zurück und beschwören auch gut die Empfindungen herauf, die ich beim erstmaligen Hören jener in meinen alten Detektorempfänger hereinströmenden kraftvollen Musikwellen verspürte. Mein Vater hatte auch immer sein Radio an, darum sind manche dieser Songs seit 50 Jahren in meinem Kopf drin. Sie können sich nur annähernd vorstellen, wie großartig es sich anfühlte, sie schließlich nach all den Jahren aus meinem Kopf herauszulassen.“ Jeff Lynne 2012.

„Long Wave“ ist ein in Lynnes Geschichte bisher einzigartiges Projekt und insofern eine neue Herausforderung. Es ist ein Album mit Coversongs, an dem der Musiker während der letzten drei Jahre fast täglich in seinem hochprofessionellen und innovativen Hausstudio in LA arbeitete. (Das ganze Haus ist verkabelt, 20 Räume mit unterschiedlichsten akustischen Verhältnissen, analoge Komponente mit 80-Kanal-Pult und jeder Menge Outboard-Gear, dazu hochmodernes Pro-Tools-System). Es ist als Teil eines Gesamtpakets zu sehen, das neben der vorliegenden Reise zu den eigenen musikalischen Wurzeln auch „Mr Blue Sky“, das gleichzeitig erschienene Upgrade alter ELO-Hits, und ein drittes Album mit neuen Eigenkompositionen einschließt, welches, schon weit gediehen, im Herbst 2013 folgen soll.

Die Auswahl der Coversongs erfolgte nicht willkürlich, sondern ist eingebettet in ein Konzept, das in allen Bereichen inklusive Sound (Leitbild altmodischer Radiosound), Coverartwork und Albumlänge (Bewusste Entscheidung: typische Länge früher Alben, Lynne hat doppelt so viele Stücke gecovert) als Leitlinie dient: Die Lebenswelt des jugendlichen Jeff Lynne wurde bestimmt durch die Musik, aber wie in jener Generation üblich, war sie zweigeteilt. Auf der einen Seite waren da die frühen Rock’n’Roll-Songs oder Popsongs, die den Jugendlichen begeisterten, auf der anderen Seite ließ sein Vater zu Hause immer das Radio laufen und präsentierte Klassik, Broadway-Musik oder Jazzstücke, alles Material, das der junge Jeff zunächst eher hasste, erst mit der Zeit entdeckte, aber das ihn eigentlich von Anfang an als Musiker unbewusst mehr beeinflusste als ihm das damals bewusst war. Mit „Long Wave“ versucht Lynne nun, all jene Einflüsse zusammenzuführen und allesamt in die Popwelt zu integrieren, die die frühen Sechziger ausgemacht hat. Damit ergeben sich die größten Änderungen bei den Songs, die eigentlich nicht zu jener Popwelt gehörten (damit auch ein anderer Ansatz im Vergleich zu McCartneys „Kisses On The Bottom“, den Lynne auch in einem Interview bewusst herausstellte). Generell ändert Lynne, der fast alles im Alleingang aufnahm, wenig am Skelett der Stücke und den Akkorden, fügt allenfalls mal einen hinzu. Aber es ist das Arrangement und der Gesang, wo er ansetzt, um sich all diese Stücke zu eigen zu machen.

Entgegen mancher Behauptungen, Lynne würde immer das Gleiche machen, hat der Musiker auch seine Aufnahmetechnik auf das Projekt abgestimmt. Zwar ist bei aktuellen Produktionen (im Gegensatz zu einer rein analogen Phase bis Mitte der Neunziger) bei ihm generell die analoge Aufnahme nur der AUsgangspunkt, die dann in das Pro-Tools-System geschickt wird und sehr viel digital weiterbearbeitet wird, aber in diesem Falle hat er vermehrt alte Technik und Equipment eingesetzt . Um den vintage sound zu erzielen, hat er „die Dinge ein bisschen weiter weg mikrofoniert.“ [Musicradar-Interview]

Das Endergebnis ist ein faszinierender Nostalgietrip, eine Hommage an Birmingham, Lynnes eigene Jugend und seine Familie. Man kann förmlich spüren, wie wichtig dieses Projekt Jeff Lynne war. Es ist keine müde Sammlung von Coversongs eines uninspirierten Künstlers (siehe das dritte Album mit Eigenkompositionen), sondern eine Herzensangelegenheit und etwas ganz Besonderes. Die Erkundung der eigenen Wurzeln war für Jeff nicht nur befreiend, sondern in vielerlei Hinsicht eine wichtige Fingerübung. Er hat sich intensiv mit den oft ungewöhnlichen und komplizierten Akkorden der Originalsongs beschäftigt, was ihm viel Inspiration für die eigenen neuen Kompositionen gegeben haben dürfte. Das Projekt war eine große Herausforderung für seine Gesangsstimme und Arrangierkunst (man vergleiche bitte mal Stücke wie If I Loved You oder Beyond The Sea, Bewitched, Bothered And Bewildered mit den Originalen). Er hat weitere Facetten der Aufnahmetechnik ausgetestet. Insgesamt ist „Long Wave“ das Zeugnis eines vielseitigen Künstlers, der ganz egoistisch seine Visionen, auch entgegen Erwartungshaltungen, durchsetzt, und alles andere als stehengeblieben ist.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 23, 2013 6:44 PM CET


ELO - Live at Wembley & Discovery
ELO - Live at Wembley & Discovery
DVD ~ ELO
Preis: EUR 8,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Live At Wembley - Von der Band oder vom Band?, 7. November 2012
Rezension bezieht sich auf: ELO - Live at Wembley & Discovery (DVD)
Live At Wembley - Von der Band oder vom Band?

Wir haben es absolut verdient gut anzukommen. Wir machen eine gute Show ... nein, falsch, wir machen eine GROßARTIGE Show, und wir wissen, dass wir mit all den Lasern und Lichtern und sonstigen Dingen eine tolle Form der Darbietung gefunden haben, und somit sind wir vollends von uns überzeugt, und aus diesem Grund liefern wir somit eine bessere Show.
Jeff Lynne, ca. Mai 1978.

Die Out-Of-The-Blue-Tour war unter vielen Gesichtspunkten fraglos ein Höhepunkt in der Geschichte des Electric Light Orchestra. Das Raumschiff war in Kombination mit der Lasershow der ultimative Bühneneffekt und ELO die perfekte Verkörperung des Sci-Fi-Zeitgeistes von 1978. Allerdings hatte das konsequente Vorantreiben der spektakulären Bühnenshow und auch die Veröffentlichung des Kaufvideos zur Show eine Kehrseite. Vor allem kamen Gerüchte auf, die Band würde gar nicht live spielen. Zeit für eine differenzierte Betrachtung.

Fähigkeiten der Musiker
Zunächst einmal steht außer Frage, dass alle, die für ELo gespielt haben, ausgezeichnete Musiker waren. Die Streicher waren klassisch ausgebildet. Schlagzeuger Bev Bevan hatte zuvor schon viel Erfahrung mit The Move gesammelt, später tourte er zum Beispiel als Live-Drummer mit Black Sabbath. Keyboarder Richard Tandy übte damals jede freie Minute an Piano und Synthesizer und beherrschte die schwierigsten klassischen Konzerte. Bei Jeff Lynne wird oft vergessen, dass er in den Sechzigern mit Idle Race so etwas wie eine Live-Sensation des Undergrounds war. Zu den größten Fans zählte Legende John Peel. Lynne hatte sogar das Zeug zum Gitarrengott, was leider etwas in Vergessenheit geraten ist (Brian May war zum Beispiel ein junger Bewunderer von Jeffs innovativer Technik, zum Beispiel Violinen-Gitarrensound). Hörbeispiel: Idle Race – Debora (live).

ELOs Entwicklung als Liveband
Von Anfang an war das ELO als Studio- und Liveprojekt geplant. (Das Light im Namen spielte auch auf die Idee einer Lightshow an). Die ersten Konzerte mit Roy Wood waren sehr avantgardistisch. Danach kristallisierte sich unter Jeff Lynne aber bald eine neue Konzeption heraus, bei der ELO live zu einer Heavy Rock Band mutierten, die mit Deep Purple und dergleichen tourten und bei denen sich alles um „The Guys With The Big Fiddles“ drehte. Mit diesem Konzept eroberte man ab 1973 Amerika im Sturm und spielte sich innerhalb kurzer Zeit in die Riege der absoluten Top-Livebands in Amerika hoch. Während in England ELO sowohl live als auch als Studioband noch kleine Brötchen backte, waren sie in Amerika längst Megastars.
Während Lynne bis 1974 immer Alben schrieb, die sich gut auf der Bühne umsetzen ließen, begann ab „Eldorado“ eine andere Entwicklung. Als erstes wurden ab jetzt für die Platte große Orchester verwendet. Außerdem begann die Ära, in der ELO zu Studiozauberern wurden, die keinen Trick ausließen. Diese Entwicklung im Studio, die ELO ab 1976 auch in UK und Europa zum großen Durchbruch verhalf, brachte aber Probleme, sobald es an die Liveumsetzung ging. Sicher hätte man von vorneherein klar trennen können zwischen live und Studio, doch gerade die Erwartungshaltung der Fans war ja da schon eine andere. Sie wollten auch auf der Bühne das ganz große Spektakel und die Show (zum Beispiel Laser- und Lightshow). Und auch Jeff Lynnes Ziel wurde es, mit nur 7 Mann (Orchester waren letztendlich für große Tourneen zu teuer)möglichst nah an den spektakulären Albensound heranzukommen. Vor dem Hintergrund der damals noch hinterherhinkenden Technik ein fast unerreichbares Ziel. Aber ELO fanden durchaus gute Lösungen, um einen doch überzeugenden Kompromiss hinzukriegen. Live klang man immer noch eine Spur härter als auf Platte, und das Klassikelement war auch länger Bestandteil der Liveperformances. Zugleich konnte man das neue „Klangzauber“-Element aber ansatzweise herüberbringen, weil man mit Richard Tandy einen Top-Mann an den Keyboards hatte. Mit Synthesizern und Mellotron wurden Orchester und Chor ordentlich imitiert.

Die Out-Of-The-Blue-Tour
Da die Songs nun noch bombastischer und komplexer wurden, kam man auf die Idee, mit Jake Commander einen achten Mann als weiteren Sänger und Gitarristen auf der Bühne zu verstecken. (man wollte das Bild der 7-Mann-Liveband beibehalten.) Ausserdem wurde Studio-Tonmeister und Hexer Mack, der die Alben in und auswendig kannte, auch als Live-Toningenieur verpflichtet. Drittens entschloss man sich zu einer Ausweitung des Bändereinsatzes. ELO hatten auch vorher schon für einige Intros Bänder verwendet und daraus nie einen Hehl gemacht. Diese Bänder waren punktuell für einige special effects wie Echo, vor allem bei den neuen Songs, gedacht, und waren ansonsten eine bloße Absicherung. Die Raumschiffbühne war schlecht für den Sound, denn wegen der Hitze verstimmten sich gerade die akustischen Instrumente schnell. In einem solchen Fall konnte man dann die sonst kaum hörbar im Hintergrund laufenden Bänder nach vorne holen, um die Situation zu retten. Es war also von Konzert zu Konzert verschieden, wie die Bänder zu hören waren.

Video vs. Konzert in Wembley

Das gefilmte Konzert war das erste einer Serie von acht Konzerten im Wembley Empire Pool und DAS ERSTE überhaupt mit Raumschiffbühne. Die Bedeutung für die Band war sehr groß, weil man sozusagen den gerade erst errungenen Platz an der Sonne sichern wollte, auch durch ein entsprechendes begleitendes Video. ELO spielten das Konzert komplett live , es wurde nicht gemimt.
Gerade bei diesem Konzert wurden die Bänder kaum in den Vordergrund geholt. Der Livesound war insgesamt rauer und heavier als später auf dem Video zu hören. Dieser Sound hätte absolut überzeugt, aber es war wohl auch Sicherheitsdenken, dass man für das Video anders vorging. Zunächst einmal musste die 24-Spur-Liveaufnahme (bewiesen und vorgeführt: man kann die drei ELO-Streicher live spielen hören) für eine Monospur abgemischt werden. Dabei wurde das Studio-Backing viel stärker in den Vordergrund geholt.

Zwei DVD-Versionen

2006 erschien „Live At Wembley“ in einer anderen Abmischung, die gegenüber der hier vorliegenden, was die Livesounds betrifft, eine erste Verbesserung darstellt. Während bei den ersten DVD-Veröffentlichungen einfach die Monospur als Dolby Digital Stereo auf 2 Kanäle gelegt wurde, hat man 2006 mit den Mehrspurbändern der Konzertaufnahme gearbeitet. Wer hinhört, kann hier auch die ELO-Streicher live hören.

Fazit

Bei einer Beurteilung von ELOs Livesound jener Tage darf man nicht von der DVD ausgehen. Die DVD hat aber durchaus ihre Berechtigung. Sie bringt in einer vielleicht etwas anderen, idealisierten Form schon das Spektakel rüber, das ELO damals boten. Eines steht fest: Es war eigentlich das perfekte Live-Konzept für ELO, nur kam es vielleicht etwas zu früh. Man hätte sicher bessere Möglichkeiten gehabt, wenn es ein paar Jahre später erfolgt wäre.


ELO - The 'Out of the Blue' Tour - Live at Wembley
ELO - The 'Out of the Blue' Tour - Live at Wembley
DVD ~ ELO
Preis: EUR 21,77

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Live At Wembley - Von der Band oder vom Band?, 6. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Wir haben es absolut verdient gut anzukommen. Wir machen eine gute Show ... nein, falsch, wir machen eine GROßARTIGE Show, und wir wissen, dass wir mit all den Lasern und Lichtern und sonstigen Dingen eine tolle Form der Darbietung gefunden haben, und somit sind wir vollends von uns überzeugt, und aus diesem Grund liefern wir somit eine bessere Show."
Jeff Lynne, ca. Mai 1978.

Die Out-Of-The-Blue-Tour war unter vielen Gesichtspunkten fraglos ein Höhepunkt in der Geschichte des Electric Light Orchestra. Das Raumschiff war in Kombination mit der Lasershow der ultimative Bühneneffekt und ELO die perfekte Verkörperung des Sci-Fi-Zeitgeistes von 1978. Allerdings hatte das konsequente Vorantreiben der spektakulären Bühnenshow und auch die Veröffentlichung des Kaufvideos zur Show eine Kehrseite. Vor allem kamen Gerüchte auf, die Band würde gar nicht live spielen. Zeit für eine differenzierte Betrachtung.

Fähigkeiten der Musiker
Zunächst einmal steht außer Frage, dass alle, die für ELo gespielt haben, ausgezeichnete Musiker waren. Die Streicher waren klassisch ausgebildet. Schlagzeuger Bev Bevan hatte zuvor schon viel Erfahrung mit The Move gesammelt, später tourte er zum Beispiel als Live-Drummer mit Black Sabbath. Keyboarder Richard Tandy übte damals jede freie Minute an Piano und Synthesizer und beherrschte die schwierigsten klassischen Konzerte. Bei Jeff Lynne wird oft vergessen, dass er in den Sechzigern mit Idle Race so etwas wie eine Live-Sensation des Undergrounds war. Zu den größten Fans zählte Legende John Peel. Lynne hatte sogar das Zeug zum Gitarrengott, was leider etwas in Vergessenheit geraten ist (Brian May war zum Beispiel ein junger Bewunderer von Jeffs innovativer Technik, zum Beispiel Violinen-Gitarrensound). Hörbeispiel: Idle Race – Debora (live).

ELOs Entwicklung als Liveband
Von Anfang an war das ELO als Studio- und Liveprojekt geplant. (Das Light im Namen spielte auch auf die Idee einer Lightshow an). Die ersten Konzerte mit Roy Wood waren sehr avantgardistisch. Danach kristallisierte sich unter Jeff Lynne aber bald eine neue Konzeption heraus, bei der ELO live zu einer Heavy Rock Band mutierten, die mit Deep Purple und dergleichen tourten und bei denen sich alles um „The Guys With The Big Fiddles“ drehte. Mit diesem Konzept eroberte man ab 1973 Amerika im Sturm und spielte sich innerhalb kurzer Zeit in die Riege der absoluten Top-Livebands in Amerika hoch. Während in England ELO sowohl live als auch als Studioband noch kleine Brötchen backte, waren sie in Amerika längst Megastars.
Während Lynne bis 1974 immer Alben schrieb, die sich gut auf der Bühne umsetzen ließen, begann ab „Eldorado“ eine andere Entwicklung. Als erstes wurden ab jetzt für die Platte große Orchester verwendet. Außerdem begann die Ära, in der ELO zu Studiozauberern wurden, die keinen Trick ausließen. Diese Entwicklung im Studio, die ELO ab 1976 auch in UK und Europa zum großen Durchbruch verhalf, brachte aber Probleme, sobald es an die Liveumsetzung ging. Sicher hätte man von vorneherein klar trennen können zwischen live und Studio, doch gerade die Erwartungshaltung der Fans war ja da schon eine andere. Sie wollten auch auf der Bühne das ganz große Spektakel und die Show (zum Beispiel Laser- und Lightshow). Und auch Jeff Lynnes Ziel wurde es, mit nur 7 Mann (Orchester waren letztendlich für große Tourneen zu teuer)möglichst nah an den spektakulären Albensound heranzukommen. Vor dem Hintergrund der damals noch hinterherhinkenden Technik ein fast unerreichbares Ziel. Aber ELO fanden durchaus gute Lösungen, um einen doch überzeugenden Kompromiss hinzukriegen. Live klang man immer noch eine Spur härter als auf Platte, und das Klassikelement war auch länger Bestandteil der Liveperformances. Zugleich konnte man das neue „Klangzauber“-Element aber ansatzweise herüberbringen, weil man mit Richard Tandy einen Top-Mann an den Keyboards hatte. Mit Synthesizern und Mellotron wurden Orchester und Chor ordentlich imitiert.

Die Out-Of-The-Blue-Tour
Da die Songs nun noch bombastischer und komplexer wurden, kam man auf die Idee, mit Jake Commander einen achten Mann als weiteren Sänger und Gitarristen auf der Bühne zu verstecken. (man wollte das Bild der 7-Mann-Liveband beibehalten.) Ausserdem wurde Studio-Tonmeister und Hexer Mack, der die Alben in und auswendig kannte, auch als Live-Toningenieur verpflichtet. Drittens entschloss man sich zu einer Ausweitung des Bändereinsatzes. ELO hatten auch vorher schon für einige Intros Bänder verwendet und daraus nie einen Hehl gemacht. Diese Bänder waren punktuell für einige special effects wie Echo, vor allem bei den neuen Songs, gedacht, und waren ansonsten eine bloße Absicherung. Die Raumschiffbühne war schlecht für den Sound, denn wegen der Hitze verstimmten sich gerade die akustischen Instrumente schnell. In einem solchen Fall konnte man dann die sonst kaum hörbar im Hintergrund laufenden Bänder nach vorne holen, um die Situation zu retten. Es war also von Konzert zu Konzert verschieden, wie die Bänder zu hören waren.

Video vs. Konzert in Wembley
Das gefilmte Konzert war das erste einer Serie von acht Konzerten im Wembley Empire Pool und DAS ERSTE überhaupt mit Raumschiffbühne. Die Bedeutung für die Band war sehr groß, weil man sozusagen den gerade erst errungenen Platz an der Sonne sichern wollte, auch durch ein entsprechendes begleitendes Video. ELO spielten das Konzert komplett live , es wurde nicht gemimt.
Gerade bei diesem Konzert wurden die Bänder kaum in den Vordergrund geholt. Der Livesound war insgesamt rauer und heavier als später auf dem Video zu hören. Dieser Sound hätte absolut überzeugt, aber es war wohl auch Sicherheitsdenken, dass man für das Video anders vorging. Zunächst einmal musste die 24-Spur-Liveaufnahme (bewiesen und vorgeführt: man kann die drei ELO-Streicher live spielen hören) für eine Monospur abgemischt werden. Dabei wurde das Studio-Backing viel stärker in den Vordergrund geholt.

Zwei DVD-Versionen
2006 erschien „Live At Wembley“ in einer anderen Abmischung, die gegenüber der vorigen, was die Livesounds betrifft, eine erste Verbesserung darstellt. Während bei den ersten DVD-Veröffentlichungen einfach die Monospur als Dolby Digital Stereo auf zwei Kanäle gelegt wurde, hat man 2006 mit den Mehrspurbändern der Konzertaufnahme gearbeitet. Wer hinhört, kann hier auch die ELO-Streicher live hören.

Fazit
Bei einer Beurteilung von ELOs Livesound jener Tage darf man nicht von der DVD ausgehen. Die DVD hat aber durchaus ihre Berechtigung. Sie bringt in einer vielleicht etwas anderen, idealisierten Form schon das Spektakel rüber, das ELO damals boten. Eines steht fest: Es war eigentlich das perfekte Live-Konzept für ELO, nur kam es vielleicht etwas zu früh. Man hätte sicher bessere Möglichkeiten gehabt, wenn es ein paar Jahre später erfolgt wäre.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 6, 2012 4:46 PM CET


Give You the Ghost
Give You the Ghost
Preis: EUR 9,79

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastic Autotune(s)!, 17. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Give You the Ghost (Audio CD)
Die Geschichte der Stimmenverfremdung in der Rock-und Popmusik reicht zurück bis zu den Anfängen jener Musikrichtung. Sie erlebte dann erste Höhepunkte im Zeitalter der Beatles und Anfang der Siebziger mit Phasing, Hall, automatischer Stimmenverdoppelung und allerlei Bandmanipulationen. Eine enorme Erweiterung der Möglichkeiten bot dann die Entwicklung des Vocoders, eines Instruments, das der Verbindung der menschlichen Stimme mit anderen Schallquellen wie Keyboards dient. Im digitalen Zeitalter sind nun der Stimmenmanipulation überhaupt keine Grenzen mehr gesetzt. Mit Hilfe von Software wie "Autotune" kann mittlerweile jeder noch so erbärmliche Gesangsversuch zufriedenstellend aufgepeppt werden, wie Kritiker bemängeln. Diese Sichtweise ist allerdings sehr einseitig, lässt sie doch das kreative Potenzial außer Acht, das in solchen Programmen steckt.

Polica sind eine Formation aus Minneapolis, die eben genau dieses Potenzial von solcher Software zu nutzen versucht. Channy Leaneagh, Frontfrau der zusammengebastelten Gruppe mit zwei Schlagzeugern, kann zweifellos singen und hat dies in der Vergangenheit in einer Folk-Rock-Band namens Roma di Luna und als Mitwirkende im Neo-Soul-Kollektiv Gayngs bereits bewiesen. Bei Polica wird ihre Stimme allerdings vielmehr als Instrument verwendet, indem mit Autotune und viel Hall ein geisterhafter Gesang kreiert wird. Ryan Olson, Produzent und Arrangeur, ist neben Leaneagh der zweite kreative Kopf der Gruppe, obwohl er offiziell kein Mitglied ist. Er lieferte den funky, synthesizer-und Bass&Drum-vernarrten Klangteppich, auf dem sich viele der Gesangsexperimente abspielen.

Die Songs, deren Texte von Channy Leaneagh stammen, begeistern mit einer melancholischen, aber keineswegs depressiven, Grundstimmung und entführen den Hörer in von der Realität weit entrückte musikalische Klangwelten. Stücke wie Amongsters, Dark Star oder Form beweisen eindrucksvoll, dass die neuen digitalen Effektmöglichkeiten kein Fluch sein müssen, sondern auch ein richtiger Segen sein können, wenn man denn seinen Kopf benutzt und ein kreativer Musiker ist.

Fazit: Auf jeden Fall eines der Alben des Jahres für mich. Auch live machen Polica eine gute FIgur. Ich hoffe, dass man noch viel von dieser Truppe hören wird.


Dreamer
Dreamer
Preis: EUR 16,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Soul Blues voller Herzblut, 28. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dreamer (Audio CD)
Als 1974 die LP "Dreamer" erschien, blickte der in Rosemark, Tennessee, geborene Bobby Bland bereits auf eine lange Karriere als traditioneller R&B- Musiker zurück. Das neue Album gehörte aber einer neuen Phase seiner Karriere an, die 1973 mit dem Vorgängerwerk "His California Album" eingeleitet worden war.

Auf "Dreamer" kreuzte Bland, der von Rock- und Soulgrößen wie Al Green, Rod Stewart und Mick Hucknall als Vorbild genannt wird, seine raue, kraftvolle Bluesstimme mit einer Prise Soulpop und arbeitete mit erstklassigen renommierten Musikern wie Larry Carlton (Gitarre), Michael Omartian (Klavier, Orgel, Clavinet, ARP), Wilton Felder (Bass)oder auch Jim Horn (Bläser)zusammen. Das Resultat waren meisterhaft inszenierte, melodiöse Stücke mit starker Rhythmusgruppe, die, von Steve Barri produziert, auch majestätische Größe ausstrahlten. Dazu trugen auch die präzisen Streicher der Sid Sharp Strings bei, einer der am meisten gefragten Streichersektionen im L.A. der Sechzigerjahre (z. B. auch auf "Pet Sounds" von den Beach Boys zu hören).

Herausragende Stücke auf einem durchweg gelungenen Album (das nur gegen Ende ein wenig nachlässt)sind die Nummern Dreamer, I Would Not Treat A Dog (The Way You Treated Me) und Ain't No Love In The Heart Of The City, der alles überragende Opening Track, ein Jahrhundertsong, der 2001 u.a. für das Hip-Hop-Album "The Blueprint" von Jay-Z gesampelt wurde und zuletzt im Soundtrack des Filmes "The Lincoln Lawyer" (Dt Titel: Der Mandant) für einen perfekten Auftakt sorgte.

Fazit: Für die Blues-Puristen mag der Stilwechsel von Bobby Bland eine herbe Enttäuschung gewesen sein, aus neutraler Sicht muss man aber wohl festhalten, dass vor allem das Album "Dreamer" ein sehr ambitioniertes, progressives Werk darstellt, dass für Anhänger von Soul ein Muss darstellt.


Face the Music
Face the Music
Preis: EUR 9,01

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Strange Magic, 10. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Face the Music (Audio CD)
Ich glaube nicht, dass es [das Album Face The Music] in irgendeiner Form an Eldorado anknüpft. Teile davon klingen ein bisschen ähnlich, denke ich, aber das liegt bloß an dem großen Orchester. Ich muss sagen, wir mussten etwas härter arbeiten, um hineinzufinden als beim letzten Album ich weiß allerdings nicht warum.
Jeff Lynne, 1975.

"Face The Music", die fünfte Studioeinspielung von ELO, war das erste einer Reihe von Alben der Band, welches zum überwiegenden Teil in der Hexenküche der Münchner Musicland Studios in Zusammenarbeit mit dem versierten Toningenieur und späteren Queen-Produzenten Reinhold Mack, kurz Mack genannt, entstand. Nachdem der Orchesterleiter mit Eldorado eine LP vorgelegt hatte, die eine perfekte Symbiose aus Pop und klassischen Elementen darstellte, glaubte Jeff Lynne wohl nun, keinem mehr beweisen zu müssen, dass er die Fähigkeit zur Umsetzung eines Klassikrockkonzepts besaß. Stattdessen wollte er sich dieses Mal ganz auf die Komposition kompakter Songs mit starken Melodien, interessanten Akkordfolgen und ausgetüftelten Arrangements konzentrieren und die Streicher unabhängig von irgendwelchen genrespezifischen Vorgaben sogar noch innovativer einsetzen.

Das fertige Album bestand schließlich aus acht Aufnahmen, die, obwohl diesmal thematisch nicht zusammenhängend, musikalisch erneut durch Zwischenspiele zu einem größeren Ganzen verbunden wurden. Es würde aufgrund der vielen anderen Einflüsse wahrscheinlich etwas zu weit führen , Face The Music als Jeff Lynnes Phillysoul-Album zu bezeichnen, dennoch ist seine Absicht, den Sound etwas mit R&B und Soul in der Art, wie er gerade in Mode kam, zu ergänzen, offensichtlich, wenn man bedenkt, dass er mit Songs wie EVIL WOMAN und NIGHTRIDER mit dem rhythmischen Beat, den charakteristischen Violineneinwürfen und dem Frage- und Antwortgesang ganz gezielt Elemente dieser Stilrichtung aufgriff.

Face The Music besticht mit einem glasklaren, in akribischer Kleinarbeit in vielen Aufnahmestunden zusammengeschusterten Studiosound und einem technisch makellosem, auf Hochglanz polierten Klangbild, das in der damaligen Zeit seinesgleichen suchte (allenfalls Supertramp hielten da noch mit). Man kann wohl annehmen, dass es neben dem erweiterten und verlockenden Spektrum der Möglichkeiten des Musicland auch Toningenieur Macks Affinität zu verrückten Studioeffekten war, die in Lynne den Entschluss reifen ließen, nun wieder stärker als bei den Vorgängeralben die Studiotüftelei zum Thema zu machen. Die große Bandbreite der für Face The Music verwendeten Studiotricks reicht von rückwärts eingefügten Passagen (markantestes Beispiel ist der Part mit den rückwärts ertönenden Streichern bei EVIL WOMAN, welcher aus der Brücke von NIGHTRIDER stammt) über mit der pitch control beschleunigte Gesangsspuren (Bei POKER wurden einige Gesangsspuren in dieser Weise manipuliert, da darüber aber noch Gesang in normaler Geschwindigkeit eingespielt wurde, fällt es kaum auf) bis hin zur Verwendung eines Morley RWV Pedals für den Unterwassereffekt bei STRANGE MAGIC. Für die unheimlichen Klangeffekte der Soundcollage zu Beginn von FIRE ON HIGH wiederum ließ Jeff Lynne seine Musiker offenbar einfach etwa eine halbe Stunde mit allem experimentieren, was ihnen gerade in den Sinn kam und wählte nachher die besten Stückchen aus. Besonders zukunftsweisend für die Band war neben dem kraftvollen Schlagzeugsound (Ergebnis einer besonderen Technik des Schlagzeugdoubletrackings)aber vielleicht das intensive, innovative Experimentieren mit Phasing-Effekten, sei es auf der Stimme, wie bei NIGHTRIDER, oder zur Verfremdung der Akustikgitarren, die auf dem neuen Album im Gegensatz zu anderen Longplayern der Band eine zentrale Komponente im Gesamtklangbild darstellen. Daneben regieren auf Face The Music das Piano, Clavinet und der Moog- Synthesizer, deren Sounds sich mit den symphonischen Klängen des Orchesters verzahnen. Bemerkenswert sind ferner die akribisch übereinandergeschichteten Hintergrundstimmen, die teilweise gar Streicher nachempfinden und von der Vokalgruppe SuMagNa und Ellie Greenwich stammen.

Wie schon Eldorado zeichnet sich das Album durch eine surreale Atmosphäre aus, wobei der Hörer allerdings zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, wieder in den Landen des Herrn Königreichs oder von Ivanhoe und Lancelot angekommen zu sein. Face The Music wirkt eher wie ein gespenstischer Trip mit Horrorsequenzen einerseits und paradiesischen Zuständen andererseits. Stücke wie Waterfall, Nightrider, Strange Magic oder One Summer Dream gehören mit zu den emotionalsten Songs, die die Pop- und Rockmusik hervorgebracht hat. Auf einer abstrakteren Ebene stellt sich das Gefühl eines Paradieses ein, das von allen Seiten her bedroht wird und dabei ist, unterzugehen.

Nachdem mit Eldorado das bombastische orchestrale Element etabliert worden war, kann man Face The Music rückblickend getrost als das Album betrachten, das ELOs späteren Ruf als Studiozauberer begründete. Es ist nicht Eldorado 2, sondern eine völlig eigenständige Weiterentwicklung des ELO-Sounds, die aber nicht weniger zu begeistern weiss als der Vorgänger. Im Gegenteil: es ist wirklich wie ein hypnotischer Sommertraum, bei dem man durch die Sonne hindurchzugleiten glaubt. Strange magic.


Fantasie
Fantasie
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endless Harmony, 13. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fantasie (Audio CD)
Die Münchner Freiheit, 1980 rund um den Frontmann Stefan Zauner und Gitarrist Aron Strobel aufgebaut, stand in den Achtzigern für jene, aus der NDW hervorgegangene deutsche Gruppen, die mit durcharrangierten, an den Beatles geschulten Popsongs glänzten. Persönlich wurde ich in den späten 80ern auf die Gruppe aufmerksam, als mich Singles wie Herz aus Glas, Ich Will Dich Nochmal und vor allem So Lang Man Träume Noch Leben Kann ansprachen.

"Fantasie", 1988 auch als englischsprachiges Album veröffentlicht, stellt einen kommerziellen und auch künstlerischen Höhepunkt der Formation dar und bietet neben Klassikern wie Bis Wir Uns Wiedersehn, Diana, So Heiss und So Lang Man Träume Noch Leben Kann auch weniger bekannte Perlen wie das atmosphärische Mondlicht. Herausstechendes Merkmal sind die vielspurigen, prächtigen Gesangsharmonien. Die Instrumentation (U. a. Akai-Keyboards)und Produktion des Schweizers Armand Volker sind zweifellos sehr 80er-Jahremäßig und aus heutiger Sicht vielleicht nicht immer optimal, bleiben aber durchweg goutierbar. Auf Albumlänge finden sich auch einige weniger starke Stücke, und bei So Lang Man Träume noch Leben kann handelt es sich um die Version ohne Orchester, die meiner Ansicht nach der orchestrierten, wagnerianisch-pompösen Singleversion doch deutlich unterlegen ist.

Natürlich sollte man die Finger von diesem Album lassen, wenn man auf oberflächliche Coolness aus ist: Die Münchner Freiheit wird allzugerne als seichter Schlagerpop abgetan. Wem dies aber (wie mir) egal ist und wer ein offenes Ohr für jede Art von Musik hat, wird an dieser Scheibe unter Umständen seine Freude haben. Voraussetzung sind natürlich eine gewisse Ader für Romantik und zuckrige Melodien. Dass die Münchner Freiheit in dem, was sie macht (geradliniger, sanfter, verträumter Pop), wirklich zu den Besten gehört, zeigt auch die internationale Wertschätzung. Während meiner Zeit in England 2001/2002 erhielt Keeping The Dream Alive, die englische Hitfassung von So Lang Man Träume noch leben kann, immer noch häufige Radioeinsätze auf der BBC und wurde von angesehenen Radio-DJs gelobt.

PS: Das neue Album "Ohne Limit" ist auch durchaus hörenswert.


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