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Rezensionen verfasst von
Ingo Seidel (Wien)
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Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
Der Untergeher. SZ-Bibliothek Band 5
von Thomas Bernhard
  Gebundene Ausgabe

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Etwas anstregend zu lesen, aber sehr gut geschrieben!, 17. Oktober 2006
Bernhard's Roman, der Untergeher, erzählt in überzeugender Art und Weise die Geschichte dreier Freunde, welche durch das Streben nach immer Besseren oder gänzlichem Unzufriedensein in eine triste, sich immer schneller drehende Spirale der Verzweiflung geworfen sind. Konkret handelt es sich bei diesen Protagonisten um drei angehende Klavierspieler, wobei zwei von ihnen mit der Zeit einsehen, dass sie niemals besser als der dritte sein können. Aus diesem Grund geben sie das Klavierspiel auch wieder auf und schlagen andere Berufswege ein, ohne mit ihren Entscheidungen zufrieden zu sein. Das Klaviergenie ist auch unzufrieden, steigert sich immer tiefer in einen Perfektionismus hinein und richtet sich damit selbst zu Grunde.

Der Erzähler der Geschichte ist einer dieser Freunde, welcher, nach dem Tod der beiden anderen, sein Leben und das seiner Freunde in Gedanken Revue passieren lässt. Dadurch dass der Großteil der Erzählung gedacht wird, verkomplizieren sich die Sätze unnötigerweise, da an vielen Stellen ein zusätzliches 'ich dachte' oder 'dachte ich' eingefügt ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an diesen Schreibstil und überliest die zusätzlich eingefügte Zeitebene.

Die Personen selbst werden hervorragend geschildert und der Zustand des Gescheitert-Seins und der Enttäuschung wird vortrefflich und glaubwürdig dargestellt. Da gibt es einerseits den Erzähler, der mittlerweile emigriert ist und einen derartigen Hass auf sein Heimatland und alle anderen Klavierspieler entwickelt hat, dass er nie mehr mit seinem Leben und seiner Arbeit zufrieden sein wird. Dem zweiten Freund geht es auch nicht besser. Er versucht seine Schwester für sein Versagen verantwortlich zu machen und will eigentlich wieder mit dem Klavierspiel anfangen. Das Klaviergenie wiederum steigert sich dermaßen in sein Können hinein, dass er den Rest der Welt nur mehr als minderwertig betrachtet und schließlich in einem abgelegenen Landhaus endet.

In 'Der Untergeher' werden die Personen und ihr Verhalten wunderbar beschrieben - das hin und her zwischen aufgeben und weitermachen; das jahrelange 'mit sich hadern' ob die getroffene Entscheidung doch die richtige war; das langsame Verschließen der Persönlichkeit in abgeschottete Welten. Ein Buch das man durchaus gelesen haben sollte und welches einmal nicht von den Auf- sodern den Absteigern, bzw. Untergehern handelt.


Don Quijote
Don Quijote
von Miguel de Cervantes
  Gebundene Ausgabe

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Meisterwerk aus einer (zu sehr?) vergangenen Zeit, 4. Oktober 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Don Quijote (Gebundene Ausgabe)
Don Quijote ist wohl eines der weltweit bekanntesten literarischen Werke und die meisten von uns kennen den bekannten Angriff auf die Windmühlen dieses Helden. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser weit verbreitete Auszug nur ein winzig kleines Abenteuer ist, welches sich nicht einmal über ein ganzes Kapitel erstreckt.

Das gesamte Werk des Don Quijote umfasst zwei Bücher und erzählt insgesamt von drei Ausfahrten desselbigen. Don Quijote ist eigentlich ein wohlhabender Junker, welcher aber durch die Lektüre von Ritterbüchern so stark in eine Fantasiewelt abgerutscht ist, dass er sich selbst für einen hält und deshalb in den besagten Ausfahrten als fahrender Ritter durch die Lande zieht.

Die erste Ausfahrt, welche er alleine unternimmt, ist sehr flüssig und amüsant geschrieben, erstreckt sich aber nur über die ersten paar Seiten des ersten Buches. Nach einem misslungenen Heilungsversuch seitens einiger Dorfbewohner bricht Don Quijote, unter Begleitung seines wackeren Schildknappen Sancho Pansas, zu seinem zweiten Abenteuerzyklus auf. Dieser zweite Abschnitt der Geschichte füllt den Großteil des ersten Buches. Dem Herrn und seinem Gehilfen stoßen allerlei Abenteuer zu, die sich vom Schema her teilweise wiederholen. Die Sprache, welche Cervantes verwendet, ist sehr geschwollen und die satirischen Liebeshommagen Don Quijotes an seine (eingebildete) Verehrte sind teilweise stark überzogen und sehr blumig ausgeschmückt. Es ist nicht immer leicht den Bezug zu diesen fein durchdachten Anspielungen zu finden, da sie doch aus einer lang vergangenen Zeit stammen. Dadurch ist der Lesespaß stellenweise etwas gemindert.

Neben den Erlebnissen, welche unserem Helden zustoßen, kommen teilweise auch andere Weggefährten zu Wort und erzählen ihre eigenen Geschichten und Abenteuer. Diese Nebenerzählungen sind im Großen und Ganzen auch sehr spannend zu lesen und erlauben es dem Leser in komplett andere Welten abzutauchen. Das erste Buch endet mit einer (gezwungenen) Heimkehr Don Quijotes und einem abermaligen Heilungsversuch seiner Verrücktheit.

Aller List und Tücke des Dorfpfarrers und des studierten Sanson Carrasco zu Trotz lässt sich Don Quijote nicht vom Irrglauben des Ritterseins abhalten und bricht zu Beginn des zweiten Buches gemeinsam mit Sancho Pansa zur dritten Ausfahrt auf. Diese ist prinzipiell wieder so aufgebaut wie die erste, nur dass diesmal ein längerer Aufenthalt in einem Herzogtum geschildert wird, in welchem diverse Späße mit Don Quijote und seinem Begleiter getrieben werden. Die Sprache ist ebenfalls, wie im ersten Teil, absichtlich stark übertrieben und der subtile Witz über die Ritterkult wird heutzutage vermutlich nicht mehr von jedem als so lustig empfunden werden wie damals. Die Geschichten die unsere Protagonisten erleben sind aber großteils spannend und amüsant. Außerdem wird der Zwiespalt Sancho Pansas zwischen Vernunft und dem Anpassen an die Verrücktheit seines Meisters vorzüglich beschrieben.

Don Quijote ist also ein großes Meisterwerk mit spannenden Geschichten und Abenteuern, welches in einer wohl durchdachten und bis ins letzte ausgefeilten Sprache geschrieben ist. Die Kehrseite ist nur dass durch die große Anzahl an Abenteuern, diese sich teilweise wiederholen und dass der stark satirische Ansatz in der heutigen Zeit nicht mehr so gut ankommt.


Der schwedische Reiter: Roman
Der schwedische Reiter: Roman
von Hans-Harald Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Buch zum Eintauchen in vergangene Zeiten., 22. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Der schwedische Reiter: Roman (Taschenbuch)
Angesiedelt im Schlesien des 18. Jahrhunderst, zur Zeit des Krieges von Karl XII gegen August den Starken spielt dieser spannende Roman von Leo Perutz. Zu Beginn der Erzählung lernt der Leser die kleine Marie-Christine kennen und nimmt sogleich an einem schweren Schicksalsschlag Anteil, der dem Mädchen widerfährt - sie erhält Nachricht vom Tode ihres Vaters, welcher vor 3 Wochen im Krieg gefallen ist. Doch so recht kann das kleine Mädchen nicht glauben dass ihr Vater tot ist, da er sie seit längerer Zeit immer nachts besuchte und dies das letzte Mal vor 3 Tagen getan hatte. Der Hauptteil des Buches beinhaltet nun die Geschichten zweier Personen und klärt auf wie es möglich war dass Marie-Christines Vater gleichzeitig an der Front und bei ihr zu Hause sein konnte.
Die zwei genannten Personen der Haupthandlung sind der Dieb und Christian von Tornefeld, ein adeliger Edelmann, der seinem Kaiser im Krieg zur Seite stehen möchte. Die Novelle ist in vier Abschnitte eingeteilt und berichtet zumeist von Ereignissen die dem Dieb widerfahren, wohingegen die Geschichte des Edelmannes in aller Kürze geschildert wird. Da sich die Erzählung auf den Dieb konzentriert lernt der Leser die Gedanken und Wesenszüge des Diebes, sowie die Handlungsweisen und Taten anderer Schurken und Verbrecher kennen. Die Erzählung ist spannend geschrieben, baut sich langsam auf und bleibt zum Großteil konsistent und nachvollziehbar - mit einer einzigen Ausnahme, bei welcher der Dieb, der zumeist auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, plötzlich, ohne Grund, sein Leben aufs Spiel setzt und nur durch die Gnädigkeit einer Dame dem Tode entrinnen kann.
Ansonsten ist die Geschichte glaubwürdig und plausibel - als Leser beginnt man mitzufiebern ob der Dieb das nächste Abenteuer wohl heil überstehen wird und verfolgt auf diese Weise den Aufstieg des Diebes in die Adelsschichten. Mit der Zeit werden aber die grausamen und verwerflichen Ziele des Diebes immer klarer und man weiß nicht so recht ob man ihm den Aufstieg in den Stand der Wohlhabenden und Glücklichen nun gönnen oder missbilligen soll.
Neben realen Akteuren werden auch Geistergestalten sowie, im Zuge eines Traumes, ein Gottesgericht beschrieben. Dieses Gericht richtet über die Taten des Diebes, verhängt eine Strafe über ihn und, obwohl nur ein Traum, macht diese Strafe dem Angeklagten dann auch im wirklichen Leben zu schaffen. Diese mysthischen Ereignisse lassen die Geschichte kurzzeitig in die Welt der Fabeln und Märchen abrutschen, da sie aber ziemlich perfekt in die Haupthandlung eingewoben sind, bleibt der Gesamteindruck weiterhin glaubhaft und überzeugend.
Am Ende des Romans muss nun der Dieb für seine Taten Rechenschaft ablegen und wird gezwungen aus seinem Adelsleben zu flüchten. Die Geschichte Christian von Tornefelds wird gegen Ende des Buches ebenfalls erzählt und die zwei Handlungsstricke der Hauptprotagonisten verflechten sich in einem fulminanten Ende und lösen das Geheimnis um Marie-Christines Vater auf wundersame Weise auf.
Kurz gefasst erzählt der schwedische Reiter eine fantastische Geschichte, welche bis auf kleine Ausnahmen konsistent und überzeugend vermittelt wird. Die handelnden Personen werden unter anderem durch die altmodische Sprache und passende Verhaltensmuster überzeugend dargestellt. Die kleinen Abstecher in die Welt der Geister und Götter verunwirklichen die Handlung zwar zeitweise, lassen den Leser aber umso stärker den Geist dieser vergangenen Zeit fühlen.


Buddenbrooks: Verfall einer Familie
Buddenbrooks: Verfall einer Familie
von Thomas Mann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Tribut an die deutsche Sprache!, 8. Dezember 2004
In einer Zeit als Rangordnung, Ansehen und Familienzugehörigkeit wohl noch eine viel größere Rolle spielten als es heutzutage der Fall ist, ist dieser fabelhafte, viel gerühmte Roman der Weltliteratur angesiedelt. Die Erzählung beschreibt die Entwicklung einer angesehenen Handelsfamilie im Lübeck des 19. Jahrunderts, die aufgrund von unglücklichen Umständen und internen Zwistigkeiten, langsam, aber stetig zerfällt. Insgesamt lernt der Leser vier Generationen der Buddenbrooks kennen und wird somit stark mit der Familie und ihren Verbindungen vertraut gemacht. Während dieser Zeit passieren viele einschneidende, tragische, teils auch erfreuliche Erlebnisse, die man, zumindest am Anfang noch, mit Spannung mitverfolgt. Nach einiger Zeit jedoch beginnen die fatalen Ereignisse überhand zu nehmen und der Leser verliert die Hoffnung dass sich alles noch einmal zum Guten wenden würde und verfällt in eine lethargische, resignierende Stimmung.
Die Sprache, welche Thomas Mann verwendet, kann ich ebenfalls nur in den höchsten Tönen loben. Diese Grazie bei der Wortwahl, diese Vielfalt bei der Beschreibung von Personen und Begebenheiten, diese Ausreizung der deutschen Sprache ist einfach ein Genuss. Vom hochangesehenen, würdevollen Konsul bis hin zum sentimentalen, verschlossenen Erbnachfolger werden alle Handelnden wunderbar und überzeugend präsentiert. Die Art und Weise wie die Charakterzüge und Stimmungen der einzelnen Personen geschildert werden ist einzigartig, bewegend und überzeugend. Der einzige Nachteil ist nur dass die verspielten und weit ausgeschmückten Schilderungen sich zeitweise zu lange ziehen und dadurch einzelne Passagen etwas langweilig werden.
Ein guter Roman, der besonders durch seine Sprache und Charaktere beeindruckt, aber stellenweise zu langatmig geraten ist.


Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman
Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman
von Thomas Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Tribut an die deutsche Sprache!, 1. Dezember 2004
In einer Zeit als Rangordnung, Ansehen und Familienzugehörigkeit wohl noch eine viel größere Rolle spielten als es heutzutage der Fall ist, ist dieser fabelhafte, viel gerühmte Roman der Weltliteratur angesiedelt. Die Erzählung beschreibt die Entwicklung einer angesehenen Handelsfamilie im Lübeck des 19. Jahrunderts, die aufgrund von unglücklichen Umständen und internen Zwistigkeiten, langsam, aber stetig zerfällt. Insgesamt lernt der Leser vier Generationen der Buddenbrooks kennen und wird somit stark mit der Familie und ihren Verbindungen vertraut gemacht. Während dieser Zeit passieren viele einschneidende, tragische, teils auch erfreuliche Erlebnisse, die man, zumindest am Anfang noch, mit Spannung mitverfolgt. Nach einiger Zeit jedoch beginnen die fatalen Ereignisse überhand zu nehmen und der Leser verliert die Hoffnung dass sich alles noch einmal zum Guten wenden würde und verfällt in eine lethargische, resignierende Stimmung.
Die Sprache, welche Thomas Mann verwendet, kann ich ebenfalls nur in den höchsten Tönen loben. Diese Grazie bei der Wortwahl, diese Vielfalt bei der Beschreibung von Personen und Begebenheiten, diese Ausreizung der deutschen Sprache ist einfach ein Genuss. Vom hochangesehenen, würdevollen Konsul bis hin zum sentimentalen, verschlossenen Erbnachfolger werden alle Handelnden wunderbar und überzeugend präsentiert. Die Art und Weise wie die Charakterzüge und Stimmungen der einzelnen Personen geschildert werden ist einzigartig, bewegend und überzeugend. Der einzige Nachteil ist nur dass die verspielten und weit ausgeschmückten Schilderungen sich zeitweise zu lange ziehen und dadurch einzelne Passagen etwas langweilig werden.
Ein guter Roman, der besonders durch seine Sprache und Charaktere beeindruckt, aber stellenweise zu langatmig geraten ist.


Oliver Twist
Oliver Twist
von Walbrecker Dirk und Doris [Ill.] Eisenburger
  Gebundene Ausgabe

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine packende, in sich abgeschlossene, Erzählung!, 24. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Oliver Twist (Gebundene Ausgabe)
Eine grausame Welt in die die Waisen und Armenkinder im England des 19. Jahrunderts hineingeboren werden. Die Armenhäuser sind voll, die Kinder werden mißbraucht, sei es um Geld zu verdienen oder die eigene Macht beweisen zu wollen. Viele sterben weg, weil sie zu wenig zu essen haben, andere wiederum probieren sich aufzulehnen, gegen dieses Bollwerk der Macht und Ausnutzung - gelingen tut es jedoch nur wenigen.
Charles Dickens erzählt eine Geschichte von einem kleinen Jungen, Oliver Twist, dessen Vater bereits tot ist und dessen Mutter bei seiner Geburt stirbt. Die Verhältnisse, sind wie bereits oben erwähnt, katastrophal und werden mit viel Gefühl und Traurigkeit geschildert. Oliver kämpft sich mehr schlecht als recht durchs Leben, flieht nach einiger Zeit nach London, wo er sich bessere Chancen erhofft und wird, nachdem er schon mehrmals an der Kippe zum Tode stand, von fürsorglichen und wohlhabenden Personen aufgenommen. Dort erfährt er erstmals in seinem Leben was Führsorge und Geborgenheit wirklich bedeuten und kommt langsam, aber stetig, unter Mithilfe seiner Gönner, der unbekannten Vergangenheit seiner Eltern auf die Spur.
Die Erzählung entfaltet sich sehr schön. Anfangs fiebert man immer mit ob Oliver die nächste Etappe seines Lebens meistern und überleben wird. Später wird es spannend, weil die ganzen, von Beginn des Buches aufgebauten, Teilerzählungen ineinander übergreifen und so immer mehr Licht auf das ominöse und spektakuläre Geschehen vor und nach Olivers Geburt geworfen wird.
Ein nettes, ergreifendes Buch, mit viel Gefühl und Liebe geschrieben, welches auf die Mißstände Englands im 19. Jahrundert aufmerksam macht.


Der geköpfte Hahn: Roman
Der geköpfte Hahn: Roman
von Eginald Schlattner
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter, komplexer Roman einer ehemaligen Völkergemeinschaft, 17. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Der geköpfte Hahn: Roman (Taschenbuch)
Ein packendes, spannendes und rührendes Buch, welches die Auflösung einer lang bestehenden Kultur und die Zerstörung einer, ehemals friedlichen, Völkergemeinschaft beschreibt. Der geköpfte Hahn spielt im Rumänien der 40er Jahre wo bis Ausbruch des 2.Weltkrieges die Völker der Deutschen, Ungarn, Rumänen und Juden ein wohlwollendes Miteinander bildeten.
Der 15 jährige Ich Erzähler lässt am Tage der bevorstehenden Klassenabschlussfeier und der bald kommenden Wende des Krieges (Wechsel von Rumänien zu den Alliierten) die letzten Jahre der Nazibesatzung Revue passieren. Er schildert darin wie aus den einst jüdischen/rumänischen/ungarischen Freunden und Klassenkameraden innerhalb kurzer Zeit Feindbilder und geächtete Personen wurden, die nicht mehr in die selbe Klasse gehen und nicht mehr in deutschen Geschäften einkaufen dürfen. Ausserdem beschreibt er wie er selbst vom Naziregime begeistert wurde und einige Zeit sogar als HJ Führer der Heimatgemeinde diente. Trotz der starken Identifkation mit der Naziideologie bleibt er aber seinen alten Freunden (teils) treu und versteht es nicht so ganz wieso keiner mehr, mit den ehemaligen, andersrassigen, Schulkollegen etwas zu tun haben will.
Die Erzählung ist eingebettet in eine aufreibende Liebesgeschichte und in eine kontroverse Beziehung zu seinem besten Freund, bzw. später grösstem Feind. Trost und Rat sucht der jugendliche Erzähler zu einem Grossteil beim Pfarrer der Ortschaft, weshalb sich einige Passagen über christliche Diskussionen zu den Themen Liebe oder ewiges Leben erstrecken. Wobei aber die gute Diskussionsfähigkeit und die überaus herrvorangende Bildung des erst 15 jährigen Hauptdarstellers teilweise einfach unglaubwürdig wirken.
Das Buch strotzt nur so von Charakteren, welche zum Teil das ganze Buch durch präsent sind (Grossvater, Freund, Freundin), zum Teil eingeführt, aber später nicht mehr behandelt werden (Bruder, Vater), oder einfach nur kurz in der Erzählung aufblitzen (Söhne des Hausmädchens). Teilweise ist es etwas mühselig den Überblick über die gesamten Beziehungen zwischen den Personen zu behalten, da der Erzähler in der Zeit immer wieder vor und zurück springt und dadurch die komplexen Personenkonstellationen stets verschieden sind.
Ein lesenswertes Buch, welches, abgesehen von der zeitweise fast kitschigen Liebesgeschichte, Interessantes, Amüsantes und Brisantes aus einer vergangenen Zeit zu bieten hat.


Der Alchimist
Der Alchimist
von Paulo Coelho
  Gebundene Ausgabe

2 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Buch, mit überaus gelungenem Ausgang, 2. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Alchimist (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbares Buch, welches durch seine Einfachheit und durch den Glauben an ein großes Ganzes besticht. Es enthält einige recht gute Denkanstösse, die aber leider in religiösen Metaphern versteckt sind und daher geschwollen, übertrieben und teilweise einfach unwahr wirken. Aber dennoch entdeckt man hinter dieser Fassade ein paar Aussagen die man sich zu Herzen nehmen sollte; z.B.: dass wir die Natur respektieren und achten sollen oder dass wir unsere Ziele nicht aufgeben sollen, auch wenn der momentane Weg schwierig und mühselig ist.
Die Erzählung selbst liest sich am Anfang sehr flüssig, es passieren viele spannende Ereignisse und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Dann aber beginnt die lange Reise durch die Wüste und der Aufenthalt in der Oase wo der Hauptcharakter, der Jüngling, zu sich selbst findet und seine große Liebe kennenlernt. Dieser Teil ist passagenweise etwas langatmig geraten und mit vielen geschwollenen Weisheiten und übertriebenen Handlungen gespickt, so dass das Buch ein wenig unglaubwürdig wird. Beispielsweise bekommt der Jüngling vom einen auf den anderen Tag, aufgrund einer Vision, fünfzig Goldstücke geschenkt und wird so plötzlich zu einem der geachtetsten Männer in der Oase. Ausserdem bezieht sich das Buch in diesem Abschnitt zu sehr auf den Jüngling und andere Charaktere werden auf einmal nicht mehr beachtet oder einfach nicht ausreichend genug erklärt.
Dafür hat es das Ende aber in sich. Der ganze Aufbau des Romans vollendet sich im Schluss, der den Leser laut auflachen lässt, über eine amüsante, konsequent aufgebaute, dramaturgische Bombe, die hier vortrefflich platzt. Eine Todsünde wäre es wohl, jemanden das Ende zu verraten, der gerade das Buch liest.
Alles in allem ein lesenwerter Roman, welcher ein paar Schwächen hat, dem Leser aber viel positives und teils auch nützliches mitgibt und ausserdem in einem spektakulären Ausgang gipfelt.


Doktor Murkes gesammeltes Schweigen
Doktor Murkes gesammeltes Schweigen
von Heinrich Böll
  Gebundene Ausgabe

4 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein guter Snack für jeden Lesehungrigen, 30. Mai 2004
Dies ist ein Buch mit leider nur fünf satirischen Kurzgeschichten von Heinrich Böll, die locker und amüsant zu lesen sind. Das Buch eignet sich wahrscheinlich am besten für die U-Bahn und kurze Zugfahrten, da die Geschichten nicht sonderlich lang sind und man den Anchluss zu einer jeden Erzählung sofort wieder findet.
Die Geschichten selbst sind sehr komisch und geben einige Denkanstösse zu leicht absurden Themen. Ausserdem ist die Sprache, die Böll verwendet, teilweise etwas altmodisch und man kann so seinen Wortschatz um ein paar nette Ausdrücke erweitern (oder wussten Sie was "etwas zu verfeaturen" bedeutet?).
Ich kann dieses Buch einem Jeden empfehlen der Spass am Lesen hat. Ausserdem eignet es sich sicherlich auch gut als kleines Geschenk für zwischendurch.


Die Behandlung: Der 2. Fall für Jack Caffery - (Die Inspektor-Caffery-Thriller, Band 2)
Die Behandlung: Der 2. Fall für Jack Caffery - (Die Inspektor-Caffery-Thriller, Band 2)
von Mo Hayder
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Besser als der Voglemann, aber am besten doppelt geniessen!, 30. Mai 2004
Wieder ein gelungenes Werk von Mo Hayder, welches den Vorgänger in punkto Spannung und Glaubwürdigkeit sogar noch übertrifft. Gleich zu Beginn spaltet sich die Erzählung in mehrere parallele Handlungen auf, so dass der Leser die Geschichte gleich aus mehreren Perspektiven (des Täters, der Opfer, der Ermittler) erfährt und dadurch die einzelnen, an der Haupthandlung teilnehmenden, Personen schon von Anfang an besser kennen und verstehen lernt. Neben dem neuen Fall, welchen Caffery zu lösen versucht, wird auch die Beziehung zu seiner derzeitigen Freundin Rebecca sowie das Verschwinden seines Bruders näher erzählt und sogar Stück für Stück aufgeklärt. Es ist wahrscheinlich ratsam den Vogelmann zuerst zu lesen, da dort der Konflikt mit seinem Nachbarn Pendericki um Caffery's verschwundenen Bruder schon ausführlich erklärt wird und außerdem seine Beziehung zu Rebecca ebenfalls schon dort beginnt.
Leider ist aber Caffery, wie bereits in der Vogelmann, teilweise einfach zu schlau und findet als einziger Dinge, die von allen anderen übersehen werden - wer entdeckt den kleinen Jungen im Park, der von den ganzen Suchtrupps und der Helikopterbesatzung übersehen wird? natürlich Caffery, wer findet wichtige Beweise in einem, bereits Tage zuvor, von der Spurensicherung auf den Kopf gestelltem Haus? natürlich Caffery und wer hilft der Opferfamilie, die ebenfalls Tage zuvor, von einem gelangweilten und auf Caffery wütenden Inspektor nicht entdeckt wird? natürlich abermals Caffery.
Bis auf ein paar kleine Macken ist die Behandlung wieder ein gelunger Roman, mit einer durchwegs spannenden Handlung, sowie mit einer Geschichte, die vermutlich jedem ans Herz gehen wird. Um die Beweggründe und Taten Cafferys noch besser verstehen zu können, sollte man sich unbedingt vorher den Vogelmann durchlesen.


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