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Rezensionen verfasst von
Dominik S. (Kiel)

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Mini Clip 8GB MP3 Player mit Silikon Hülle, Reflektierend Armband Tragbare 24 Stunden Wiedergabe Musik Player mit FM, von AGPTEK G05, Schwarz
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Wird angeboten von elephANT
Preis: EUR 32,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erbärmlicher Sansa-Nachbau: Sound okay, Benutzerfreundlichkeit katastrophal, 27. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf der Suche nach einem preislich angemessenen Ersatz für meinen Sansa Clip+, den ich ärgerlicherweise samt Speicherkarte verloren habe, bin ich nach vielem Hin und Her bei diesem Modell gelandet. Wer es genau wissen will, kann sich meine ausführlichen Pro- und Kontra-Argumente weiter unten ansehen, wobei allein schon das frappierende Ungleichgewicht zwischen den beiden Kategorien mehr sagen dürfte als tausend Worte. Insofern schicke ich mein Fazit für alle, die nicht unnötig viel Zeit ins Studieren von Rezensionen zu schlechten Produkten verschwenden möchten, direkt vorweg:

Der Player kann mit solidem Sound und hohem Output Musik abspielen. Diejenigen, denen das bereits ausreicht und die weder wissen wollen, was sie gerade hören, noch Wert auf Übersichtlichkeit, korrekte Reihenfolge und hohe Benutzerfreundlichkeit legen, können einen Blick riskieren, sind am Ende aber wahrscheinlich mit einem noch preisgünstigeren Modell genauso gut bedient. Allen anderen – insbesondere auch jenen, die wie ich nach einer Alternative zum Sansa-Klassiker suchen – rate ich dringend vom Kauf ab. Die genauere Begründung folgt.

Pro:
• Sehr hoher Lautstärkeoutput; selbst über hochohmige Bügelkopfhörer (getestet an DT-880 in der 600-Ohm-Variante) lässt sich noch eine solide Lautstärke erzielen, außer bei sehr leise gemasterter Musik. Über In-Ears und niedrigohmige Bügelkopfhörer (in meinem Fall Soundmagic HP150, 32 Ohm) ist der Output immens.
• Sound transparent und recht ausgewogen, wenn auch evtl. etwas dick in den (Tief-)Mitten
• kein wahrnehmbares Grundrauschen

Kontra:
• Idiotisch: Man kann keinerlei Bedienungsschritt durchführen, ohne zuvor durch einen beliebigen Tastendruck das Display aktiviert zu haben. Also muss man für jeden Bedienschritt mindestens zweimal drücken, was gerade beim spontanen Pausieren nerven kann.
• Besonders idiotisch: Um die Lautstärke um einen einzigen Schritt nach oben oder unten zu korrigieren, muss man dreimal die entsprechende Taste drücken. Der erste Tastendruck aktiviert im obigen Sinne das Display (das ist beim Sansa Clip+ allerdings bei der Lautstärkeregelung auch so), der zweite ruft ein völlig überflüssiges, ringförmiges Lautstärkeinterface auf und erst der dritte regelt dann die eigentliche Lautstärke. Das mag banal klingen, mindert auf Dauer aber schon merklich den Bedienkomfort.
• Wie offenbar viele andere Player auch, listet der G05 die Ordner und Dateien in der Reihenfolge, in der sie aufgespielt wurden. Die Tags scheinen bei der Sortierung nicht berücksichtigt zu werden. Wenn man eine übersichtliche alphabetische Sortierung haben möchte, muss man sich nach jeder Änderung am Dateisystem mit einem externen Tool wie FatSorter behelfen. Das hat der Clip+ deutlich besser hinbekommen.
• Wer gern den Titel des aktuellen Stücks wissen will, steht schon mal auf dem Schlauch: Obwohl das Display groß genug wäre, werden niemals mehrere Informationen gleichzeitig angezeigt. Stattdessen wechselt die Anzeige zwischen Dateinamen (sinnlos!), Künstler und Albumtitel. Ist der Dateiname zu lang, muss man ewig warten, bis er durchs Display gescrollt ist, und ab einer gewissen Länge wird er einfach abgeschnitten. Steht der Titel nicht im Dateinamen oder ist selbiger zu lang, hat man Pech gehabt. Will man beim Anhören von Playlisten oder Samplern wissen, von welchem Künstler der aktuelle Track ist, muss man schon mal eine ganze Weile aufs Display starren, bis der Name angezeigt wird – unterwegs völlig unpraktikabel. Je nach dem, wie lange das Display eingeschaltet bleibt (dies lässt sich nur in sehr groben Schritten einstellen), verpasst man diese Information u.U. ganz.
• Der Player merkt sich nur dann, wo man mit der Wiedergabe stehengeblieben ist, wenn man selbige pausiert und dann wartet, bis er sich automatisch abschaltet. Schaltet man den Player während der Wiedergabe oder nach dem Pausieren manuell ab, funktioniert dieses Feature nicht. Der Clip+ hat sich automatisch für Musik und Hörbücher separat die letzte Position gemerkt, und zwar auch nach manuellem Abschalten.
• Lesezeichen kann man zwar setzen, die machen aber im Grunde nur für sehr lange Tracks (v.a. Hörbücher) Sinn, denn einerseits ist die Navigation dorthin zu umständlich, andererseits muss man sich den Track, bei dem man stehengeblieben ist, trotzdem selbst merken, da die Lesezeichen nur innerhalb eines Tracks gesetzt werden. Wenn man zwischen verschiedenen Alben oder zwischen Musik und Hörbuch hin- und herwechseln will, wird es schnell unübersichtlich und man müsste im Prinzip selber Buch führen.
• Die Lesezeichen werden zurückgesetzt, nachdem etwas am Dateisystem geändert wurde (sprich, Dateien hinzugefügt oder entfernt wurden). Der Clip+ hat sich selbst nach solchen Änderungen zumindest bei Hörbüchern (nicht bei Musik) noch die letzte Position gemerkt. Das kann gerade bei Hörbüchern ein böses Erwachen geben.
• Wenn man, was aus genannten Gründen durchaus mal vorkommt, gezwungen ist, in einer einstündigen Hörbuchdatei die korrekte Stelle zu suchen, muss man sich mit einer unfassbar langsamen und ungenauen Spulfunktion rumschlagen.
• Apropos Spulfunktion: Mal kurz ein paar Sekunden zurückspulen, wenn man beim Hörbuch einen Satz nicht ganz mitgeschnitten hat, ist kaum möglich. Schon bei kurzem Spulen springt der Player ein gutes Stück im Track zurück. Drückt man hingegen zu kurz, springt er gleich an den Anfang des Tracks.
• Für mein Empfinden hätte die Lautstärkeregelung etwas kleinschrittiger sein dürfen.
• Im Vergleich zum Clip+ ist der Clip sehr locker. Bei vielen Kleidungsstücken rutscht er nach wenigen Schritten ab, daher ist das Produkt prädestiniert dazu, verloren zu gehen. Insofern ist der Clip ein eher sinnloses Gimmick – lieber den Player in die Hosentasche stecken (oder, noch besser, gleich einen anderen kaufen).
• Unsinnig ist aus meiner Sicht die Position des Kopfhöreranschlusses auf der Oberseite, die effektiv zur Unterseite wird, wenn man den Clip am Shirt befestigt. Dadurch ist das Kopfhörerkabel zu einer 180°-Drehung gezwungen, die nicht gerade zur langen Haltbarkeit beitragen dürfte.

Zum Schluss noch eine Warnung:
Das Gerät bietet die Option, selber eine Lautstärkeobergrenze festzulegen. Ich habe das am Anfang ausprobiert in der Hoffnung, man könne danach innerhalb der selbst gesetzten Grenzen die Lautstärke feiner regeln. Dies ist leider nicht der Fall, insofern ist dieses Feature aus meiner Sicht überflüssig, wer es aber dennoch nutzen will, möge bitte auf keinen Fall zu Beginn Kopfhörer aufsetzen! Das Gerät setzt nämlich bei der Maximallautstärke (!) an, von der aus man dann runterregeln kann, und da man zum Festsetzen einer geeigneten Lautstärke ein Beispiel hören muss, kann man sich damit wunderbar das Gehör zerfetzen (was mir leider passiert ist, aber dank schneller Reaktion scheint es noch gut gegangen zu sein). Am besten zunächst die Lautstärkeobergrenze auf Null setzen, dann Kopfhörer aufsetzen und vorsichtig nach oben regeln.


Dolorian (UK Import)
Dolorian (UK Import)

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Überschrift könnte dieses Album zusammenfassen!, 13. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Dolorian (UK Import) (Audio CD)
In den letzten Tagen ergriff mich plötzlich ein unerklärlicher Drang, eine Rezension zu diesem Album zu verfassen, wohl wissend, dass ich mich selbst damit vor eine nicht ganz leichte Aufgabe stellen würde. Doch da mein Kopf mich nunmehr ständig mit entsprechenden Sätzen und Umschreibungen überflutet und mir damit keine Ruhe lässt, muss ich dem Drang jetzt nachgeben. Ich entschuldige mich im Voraus dafür, dass ich womöglich auf umständliche und pseudo-elitär anmutende Formulierungen zurückgreifen muss; ich versuche nicht, den akribischen Analytiker oder schwärmenden Poeten zu spielen, sondern versuche lediglich, meine Gedanken und Gefühle zu diesem Meisterstück angemessen wiederzugeben.

Wie lässt sich ein Album beschreiben oder gar bewerten, das so konsequent und scheinbar mit der Leichtigkeit einer kleinen Handbewegung jede Spur musikalischer Popkultur austilgt, sich so beinahe sämtlichen gängigen Genre-Begriffen entzieht und dabei trotzdem durch und durch natürlich, unforciert und aus einem Guss präsentiert? "Dolorian" fährt weder geballte Härte auf, noch gibt es hier locker-flockige Entspannugsklänge; weder stößt man auf frontales Gerocke, noch auf balladeske Theatralik; die Band nimmt sich nicht die Freiheit entstellender Atonalität heraus, greift aber ebenso wenig auf gängige Harmonieverläufe oder Melodieführungen mit Hitpotenzial zurück; die Musik lebt von ästhetisierter Monotonie und Tristesse und liefert doch einen Aha-Effekt nach dem anderen.

Vielerorts werden Dolorian der Doom-Szene zugerechnet - ein mehr als vager Bezug, welcher der Eigenständigkeit dieser damals drei, heutzutage nur noch zwei Finnen kaum gerecht werden kann. Denn ganz abgesehen von der klaren stilistischen Abgrenzung signalisieren selbst die meisten Doom Metal-Formationen, die sich außerhalb der extremsten Enden von Funeral, Drone und Sludge bewegen, dass die letzte Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben ist: Unerfüllte Sehnsüchte und ein letzter verzweifelter Hilfeschrei schimmern bei genauerer Betrachtung in den destruktiven Klanggebilden durch.

Diejenigen, die schwelgerisch-romantisierte Melancholie mit Depression gleichsetzen und infolgedessen My Dying Bride als depressiv oder gar anstrengend empfinden, werden somit bei Dolorian eines besseren belehrt, denn hier ist die letzte Sehnsucht als abwegiges Ideal entlarvt und der letzte Hilfeschrei verhallt; was bleibt ist ein schweigendes, fast unsichtbares Wesen, weit stiller als das sprichwörtliche stille Wasser, versunken in antriebsloser, starrender Apathie - eine Apathie, welche dieses, das zweite Dolorian-Album bis ins Mark verkörpert.

Und doch gelingt hier eine erstaunliche Ambivalenz: Die weiße Flagge, die auf einem schwarzen Häufchen Elend gehisst wird, thront fast majestätisch über demselben und verkündet nicht nur die bedingungslose Resignation, sondern markiert zugleich einen vollkommen gereinigten Bewusstseinszustand. Denn derart befreit von eindiktierten Idealen und von einem schützenden Kokon umgeben, der die Kontamination durch den Identitäten auslöschenden Schmutz und Abschaum der Gesellschaft verhindert, wird dem Individuum die Tür zur Selbsterkenntnis geöffnet, und zwar auf einer gänzlich introspektiven und essentiellen Ebene. Die Musik wird zum Refugium, das dem aufgeschlossenen Hörer ein Stück heilsamen Eskapismus gewährt. Erst nachdem dieser Schritt getan ist, werden dem Ich auf dem Nachfolgealbum "Voidwards" schließlich gar die transzendenten Wege zu anderen, womöglich höheren Bewusstseinsebenen aufgezeigt, so man diese denn entdecken will.

Ambivalenz vermitteln auch die Texte, die nur in Ausschnitten und teils gar spiegelverkehrt in dem schlicht gestalteten Faltcover abgedruckt sind (ein Großteil der Texte für die ersten beiden Dolorian-Alben wurde von der Band nicht veröffentlicht, da diese nach eigenen Angaben zu persönliche Inhalte behandeln). "you culmination of vermins i don't need you mornings will never touch me again". Wo zwei so grundverschiedene Sätze in einem Atemzug und ohne Trennzeichen aufgeführt werden, ist die Aussage klar und deutlich: Eine kritische, ja gar von Verachtung erfüllte Haltung zum sozialen Umfeld zeugt nicht notwendigerweise von Arroganz und Narzissmus, sondern wird dem Menschen durch das feindselige und ablehnende Verhalten anderer geradezu aufgezwungen und treibt ihn in seiner Unverstandenheit in die trostloseste Isolation.

Text und Musik sind dementsprechend völlig im Einklang. Auch und besonders die Art, in der die Worte rezitiert werden, unterstreicht dieses konsequente Konzept. Während der gesamten Spielzeit wird keine einzige Note gesungen. Auch die schwarzmetallischen Stimmeruptionen, die auf dem Debut "When All The Laughter Has Gone" der tiefen Verachtung für die Intoleranz und blinde Oberflächlichkeit gesellschaftlich angepasster Menschen und dem zerstörerischen Selbsthass des Isolierten gleichermaßen Luft machten, sind hier restlos verschwunden. Nur ein kraftloses Flüstern quillt noch wie ein Strom entmutigter Gedanken aus einer schwammigen Tiefe empor.

Nun weiß der geneigte Leser, der nicht schon längst festgestellt hat, dass dieses Album nichts für ihn sein wird, noch immer nicht so recht, wie die eigentliche Musik klingt. Ich könnte von den allgegenwärtigen gezupften Gitarrenarrangements sprechen, deren weicher und oft mit diffusen Halleffekten belegter Sound faszinierende Klangteppiche webt; ich könnte anmerken, dass selbst die gelegentlichen metallisch verzerrten Riffs, die sich zäh und teils doomig in die Kompositionen schleichen, keinerlei Aggression transportieren, somit keinen Ausbruch aus der resignierten Stimmung schaffen: Kein Headbangen, keine Luftgitarre, kein Mitgrölen. Ich könnte darüber hinaus feststellen, dass das Schlagzeug völlig entspannt und unmetallisch klingt und manchmal etwas groovige Akzente setzt, ohne dabei rockig zu wirken. Ich könnte die minimalistischen Dark Ambient-Interludes erwähnen, die manche Stücke miteinander verknüpfen, das Album einleiten und auch wieder ausklingen lassen, und im Zuge dessen würde ich dann auch die vier Kompositionen "Blue Unknown", "Hidden / Rising", "Numb Lava" und "Seclusion" als Kernstücke des Albums herausstellen. Ich könnte auch sagen, dass der Anspieltipp für dieses Album nur das Album selbst sein kann, da es als Gesamtkunstwerk betrachtet und angehört werden sollte (es gibt nicht einmal Pausen zwischen den Tracks). Sollte ich unbedingt Kritikpunkte nennen, so fiele mir allenfalls ein, dass sich das ganz ohne Distortion auskommende "Cold / Colourless" ein wenig in die Länge zieht, was aber für den, der sich von der hypnotischen Wirkung des Albums fesseln lässt, nicht negativ ins Gewicht fällt.

Aber all das würde nichts daran ändern, dass man sich Klangbild und Atmosphäre von "Dolorian" kaum anhand von Beschreibungen wird vorstellen können sondern schlicht selbst erleben muss, und auch dann darf man keine prompte Begeisterung erwarten, da man sich in dieser unerschlossenen Welt erst einmal zurechtfinden muss. Am Rande sei noch angemerkt, dass die glasklare Produktion für uneingeschränkten Hörgenuss sorgt. Nur ein sehr enger Publikumskreis wird dieses Stück Musik wertschätzen können; doch jedem, dessen Interesse nun geweckt ist, sei gesagt, dass es hier eine Perle zu entdecken gibt wie man sie kein zweites Mal findet. Seit ich dieses Album kennen und lieben gelernt habe, erscheinen mir die meisten anderen Bands überholt, seien sie auch noch so gut. Dies ist kein Doom-Album, nicht einmal ein Metal-Album, kein Album für den typischen Freund düsterer Musik. Dies ist schlichtweg Dolorian.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 6, 2013 11:00 PM CET


Planetary Confinement
Planetary Confinement
Preis: EUR 8,49

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr schöne, gelungene Weiterentwicklung!, 25. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Planetary Confinement (Audio CD)
Noch vor dem Releasedatum, das auf der offiziellen Antimatter-Homepage angegeben ist, hat mir Amazon das neue Album „Planetary Confinement" geliefert - ein Album, das ich in den letzten Monaten sehnlich erwartet habe. Und das aus gutem Grund, wie ich jetzt nach einigen intensiven Hördurchläufen sagen kann!
Zwar haben Band und Label keine Gelegenheit verpasst, darauf immer wieder vorweg hinzuweisen, aber ich sage es an dieser Stelle noch einmal: Antimatter sind auf ihrem dritten Studioalbum noch minimalistischer geworden und die Musik ist deutlich akustisch geprägt.
Was mich allerdings ein wenig irritiert: Zuvor wurde stets betont, das Album beinhalte keine Synthesizer sondern ausschließlich akustische Instrumente, nun sind aber doch vor allem auf den von Duncan Patterson geschriebenen Liedern noch immer deutlich synthielastige Elemente zu hören. Man möge diese Feststellung aber bitte nicht falsch verstehen: Es ist nicht so als würde mich das stören, denn die Songs sind so wie sie sind großartig. Ich bin nur über diesen Zwiespalt zwischen Ankündigungen und Tatsachen etwas verwundert.
Auch wenn der Sprung in sehr akustische Gefilde ein etwas größerer war, zeigt sich in diesem Album doch die konsequente Weiterentwicklung der Vorgänger. Wo schon „Lights Out" nicht mehr ganz die unglaubliche Vielseitigkeit des Debuts „Saviour" erreichte, tritt „Planetary Confinement" in dieser Hinsicht noch weiter zurück, ist aber immer noch weit davon entfernt, einseitig zu sein. Vor allem die vier von Mick Moss geschriebenen Songs sind alle in einem ähnlichen Stil gehalten. Mick hat diese vier Songs komplett selbst eingesungen, womit sein Gesang eine höhere Priorität besitzt als auf den ersten beiden Veröffentlichungen; dies ist eine weitere Entwicklung, die sich bereits bei „Lights Out" abgezeichnet hatte.
Das Album ist in sich im Grunde zweigeteilt. Man hört ihm sehr an, dass Duncan Patterson und Mick Moss dieses Mal nicht mehr als Band zusammengearbeitet, sondern stattdessen ihre Beiträge zum Album unabhängig von einander geschrieben, aufgenommen und produziert haben. So bleibt jedoch die Antimatter eigene Abwechslung erhalten, und der Stimmigkeit des Gesamtproduktes tut das keinen Abbruch.
So sind Micks Songs „The Weight of the World", „Epitaph" (welches ich für das bis dato bewegendste Antimatter-Stück halte), „A Portrait of the Young Man as an Artist" sowie „Legions" rein akustisch, dabei aber recht eingängig und ein Stück emotionaler als das ältere Material. Die Gesangsarbeit präsentiert sich intensiver und facettenreicher als je zuvor und weiß den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Gelegentliche sanfte Violinenklänge runden die Stücke ab und sorgen für einen wundervollen Gänsehauteffekt.
Verwundert war ich darüber, dass Mick als wiederkehrendes Gitarrenmotiv in „The Weight of the World" die Endmelodie von „The Art of a Soft Landing" vom Vorgängeralbum verwendet hat. Über die dahinterstehende Absicht kann man wohl nur spekulieren. Möglicherweise war er der Ansicht, das Potenzial dieser Melodie noch nicht ausgereizt zu haben. Wie dem auch sei, der Wiedererkennungseffekt ist vorhanden, stört aber nicht weiter, da die Melodie sich einwandfrei in den Song einfügt.
Duncans Songs „Line Of Fire" und „Relapse" sind ein wenig statischer. Für die Aufnahmen hat Duncan eine neue Sängerin namens Amélie Festa ins Boot geholt, die eine sehr sanfte, liebliche Stimme hat und dabei ein wenig an Hayley Windsor erinnert - sprich, eine perfekte Antimatter-Sängerin mit einem niedlichen französischen Akzent. Ohne jeden Pathos schafft sie es, den Hörer zu berühren. Die beiden angesprochenen Songs leben von einer trostlosen, auf ungewohnte Art fast doomigen Atmosphäre - ein kleines Kunststück bei derart ruhiger Musik. Derartige Stücke werden mir auf künftigen Veröffentlichungen sehr fehlen, jetzt da Duncan Antimatter verlassen hat.
Von Micks Seite vermittelt „Legions" eine ähnliche Stimmung: Beim ersten und zweiten hören scheint der Song gegen Ende langsam und ohne Höhepunkte dahinzuplätschern; hat man ihn einmal im Ohr, so stellt sich heraus, dass gerade das eine immense Stärke ist. Durch die langsame, hypnotische Gitarrenarbeit entsteht ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das sonst nur Doom-Bands zu erzeugen wissen. Für mich als gestandenen Doom-Liebhaber eine helle Freude!
Der Aufbau des Albums ist für Antimatter typisch: Der Titeltrack kommt gleich zu Anfang, ist dieses Mal allerdings noch um einiges minimalistischer als „Lights Out" - es handelt sich dabei lediglich um ein knapp anderthalb Minuten langes Instrumental. Wie schon auf beiden Vorgängeralben hat Duncan ein sehr schwebendes, langgestrecktes Outro komponiert, das von sphärischen, fast bewegungslosen Synthesizerakkorden getragen wird. Der Titel „Eternity Part 24" ist eine klare Anspielung auf Duncan's alte Anathema-Zeit, und tatsächlich lassen die Harmonien an mancher Stelle Erinnerungen an das Instrumental „Eternity Part 2" aufkommen.
Ergänzend zu diesen acht neuen Stücken ist noch „Mr. White" enthalten, ein Coversong von Trouble, die mit zu den Legenden und Mitbegründern des Doom in den 80ern gehörten. Leider kenne ich das Original nicht, kann aber sagen, dass Duncans Interpretation wirklich schön und ohrwurmverdächtig ist und prima auf die Scheibe passt.
Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dieser Neuerscheinung. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist „Planetary Confinement" schnell zu einem Album geworden, das ich nicht mehr missen möchte, und ich will es jedem Freund von ruhiger, melancholischer und emotionaler Musik ans Herz legen. Freunde von Anathema dürften sich hier ebenso wohlfühlen wie jene, die Diary of Dreams mögen - vorausgesetzt, man kann auf lebhaftere Passagen verzichten und sich einfach treiben lassen. Höchstnote und absolute Kaufempfehlung.


Die Blechtrommel: Roman
Die Blechtrommel: Roman
von Rüdiger Bernhardt
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

69 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine leichte Kost und keine angenehme Lektüre..., 26. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Blechtrommel: Roman (Taschenbuch)
„Die Blechtrommel" ist heutzutage wohl einem großen Teil der Bevölkerung ein Begriff. Wenige literarische Werke sind in den letzten Jahrzehnten so kontrovers diskutiert worden wie Günter Grass' ungewöhnlicher Roman, dessen Held - oder sagen wir besser Antiheld - Oskar Matzerath genau wie sein Schöpfer in Danzig geboren ist. Dort spielt sich dann auch ein Großteil der Handlung ab, bis auf einen Abstecher nach Frankreich und den Umzug nach Düsseldorf im letzten Drittel des Buches.
Oskar schreibt laut der Rahmenhandlung dieses Werkes im Alter von dreißig Jahren als Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt seine Lebensgeschichte auf und agiert so größtenteils als prinzipieller Ich-Erzähler, auch wenn er nicht selten durch die Wahl der dritten Person zu sich selbst eine gewisse Distanz schafft, was ein für den Stil dieses Buches sehr charakteristisches Merkmal ist. Der Protagonist wird als Sohn einer Frau kaschubischer Herkunft und eines rheinländischen Deutschen (ähnlich wie übrigens auch der Autor) geboren, wobei sich aber recht früh eine Dreiecksbeziehung durch das Verhältnis seiner Mutter zu ihrem Cousin Jan Bronski herauskristallisiert, welche sich als Motiv durch das gesamte Buch zieht und Oskar regelmäßig die Vaterschaft Alfred Matzeraths anzweifeln lässt.
Oskar ist ein durchaus ungewöhnlicher Junge, denn den eigenen Angaben zufolge war bei der Geburt bereits seine geistige Entwicklung abgeschlossen, sodass er den Erwachsenen von Anfang an nur das Kind vorspielt was er zu sein scheint, während er sich nicht anmerken lässt, dass er tatsächlich alles was geschieht durchschaut und begreift. Gemäß einem Versprechen seiner Mutter zu seiner Geburt bekommt er zu seinem dritten Geburtstag die Blechtrommel geschenkt, die dem Roman seinen Titel gibt - ein schicksalhafter Tag, denn die Trommel wird fortan zu seinem steten Wegbegleiter, ermöglicht ihm die Manipulation anderer Menschen und dient ihm später in der Heil- und Pflegeanstalt als ungewöhnliche Erinnerungshilfe. An besagtem Geburtstag beschließt er auch nicht mehr zu wachsen und stets in der Rolle des Dreijährigen zu bleiben. Dies ist bei weitem nicht die einzige Stelle an der das Buch den Boden der Realität verlässt und sich in phantastische und symbolische Sphären aufmacht.
Oskar hält jedwede Kommunikation mit anderen Menschen in zwei Dritteln des Romans auf einer primitiven Ebene und beschränkt sich auf das Nötigste, stets den geistig zurückgebliebenen Gnom vorspielend. Dabei erlaubt er sich häufig ein distanziertes Urteil über die Mitmenschen und stellt Verhältnisse unverblümt dar, scheint dabei aber auch selten Dinge aus einem für uns normalen und gewohnten Standpunkt zu sehen. Dadurch wird es für den Leser sehr schwierig, Oskar sympathisch zu finden, ihn als Erzähler zu akzeptieren und sich mit ihm zu identifizieren, was folglich ein Eintauchen in das Buch nur schwer möglich macht. „Die Blechtrommel" steckt stattdessen so voll mit abstrusen und befremdlichen Formulierungen und geradezu absurden Situationen, dass man es nur selten schafft die Welt wirklich mit Oskars Augen zu sehen; vielmehr nimmt man die meiste Zeit über seine Sicht kopfschüttelnd zur Kenntnis, ohne so recht zu begreifen was es damit auf sich hat. Das Werk versperrt sich so jedweder Faszination und zieht den Leser dennoch - ein Paradoxon wie es zur „Blechtrommel" nur perfekt passt - in einen eigenartigen Bann.
So ist es mitunter eine Tortur, sich durch die Kapitel zu kämpfen, welche beizeiten in langatmige und komplizierte, kaum noch nachvollziehbare und vollkommen den Bezug verlassende Formulierungen ausarten, und man ist froh wenn das Ende in Sicht ist. Und doch ist die Welt, die Grass erschafft, und das mehr oder weniger menschliche Wesen Oskar Matzerath in seiner morbiden Art oft derart außergewöhnlich, unvorhersehbar, ja, fast krank, dass man einfach weiterlesen muss, um herauszufinden was sich der Autor als nächstes hat einfallen lassen und wie dieses mehr als außergewöhnliche Leben seinen weiteren Lauf nimmt.
Man wird denn auch beizeiten durch Passagen belohnt, die zwar ungewöhnliche Situationen schildern, aber in ihrer nicht ganz alltäglichen Symbolik doch leichter zu durchschauen sind als manch andere abgehobene Stelle; so ergeben sich Erfolgserlebnisse und man erkennt, dass hinter dem ganzen Irrsinn tatsächlich eine Bedeutung steckt und Interpretationen möglich sind, die durchaus Sinn ergeben. So erlebt Oskar als Kind den Aufstieg des Nationalsozialismus sowie den Krieg, im Bombardement der Stadt Danzig gipfelnd, und der Autor lässt viele Menschen aus dem Umfeld, so auch Oskars „mutmaßlichen Vater" - wie er ihn immer nennt - im Bezug darauf einen äußerst eindeutigen, symbolischen Tod sterben, der sie als Mitläufer entlarvt die nie wirklich hinter einer Seite gestanden haben, aber auch nichts unternommen haben.
Das Motiv des Nationalsozialismus und die Reaktionen der Menschen auf selbigen zieht sich auch durchaus noch durch den dritten Teil des Buches, welcher im Düsseldorf der Nachkriegszeit spielt; somit ist dies ein wichtiger Hauptaspekt des Romans und Oskar bekommt hier mehr als einmal eine entlarvende Funktion und ist als der scheinbar Minderbemittelte am Ende der einzige, der wirklich die Welt durchschaut. Günter Grass fällt hier ein kompromissloses und zu keinem Zeitpunkt beschönigendes Urteil über die Bevölkerung Deutschlands und ihre Passivität zur Nazizeit.
Insgesamt ist „Die Blechtrommel" ein äußerst schwer zugänglicher Roman und ein harter Brocken, den man sich mit einem gewissen Maß an Mühe und Hingabe erarbeiten muss. Schon der äußerst merkwürdige Anfang erschwert den Einstieg und stiehlt vorzeitig jede Motivation, weitere Gründe sind aber nicht zuletzt auch die stellenweise schwer nachvollziehbare oder auch befremdliche Sprache und die doch sehr ungewohnte Sichtweise. Es braucht seine Zeit bis man sich mit diesem Buch anfreunden kann, und auch dann entwickelt sich womöglich eher eine Art unwiderstehliche Hassliebe.
Gerade das macht das Buch aber besonders interessant und hebt es vom Gros der Nachkriegsliteratur ab. Denn am Ende regt es durchaus stark zum Grübeln an und es ist mit Sicherheit ein Roman, den man nie vergessen wird. Zumal die Komplexität der Charaktere und deren Beziehungen, die allgegenwärtige Symbolik sowie die zu keinem Zeitpunkt zufällige Handlung dem Ganzen eine ungeahnte Tiefe verleihen, welche viel Raum für eingehendere Interpretation lässt und die zunächst scheinbar vulgäre Anspruchslosigkeit vieler Passagen - denn das Werk wirkt nicht selten recht provokant und alles andere als prüde - widerlegt.
„Die Blechtrommel" ist also ein etwas anderes literarisches Erlebnis für offene Gemüter, die sich womöglich vom Einheitsbrei gelangweilt fühlen, etwas außergewöhnliches suchen und Wert auf Anspruch legen. Einen Unterhaltungsroman für die kleine Leseeinheit vorm Schlafengehen oder ein Buch, in das man eintauchen und die Welt um sich herum vergessen kann, hat Günter Grass hier aber mit Sicherheit nicht geschrieben.


Solinari
Solinari
Wird angeboten von London Lane Deutschland
Preis: EUR 64,54

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein stimmungsvolles, meisterhaft in Szene gesetztes Album, 26. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Solinari (Audio CD)
Mit dem Namen Relapse Records verbindet man zunächst einmal eher unmelodiöse und aggressive Extrem-Musik wie diverse Grindcore-Bands; umso verwunderlicher ist es, dass „Solinari", der zweite offizielle Release der US-Doom-Metal Referenz Morgion, 1999 bei diesem Label erschienen ist. Denn hier wird viel mehr zum Augenschließen als zum wilden Headbangen angeregt.
Die grobe Basis ist sicherlich kraftvoller, langsamer Death Doom Metal, der ja heute doch sehr stark den gesamten Doom-Sektor dominiert. Allerdings liegt hier bei weitem nicht der nächste My Dying Bride Klon vor; vielmehr haben sich Morgion ihre eigene Nische in diesem Bereich erarbeitet. Sie sind im Vergleich zu den alten Vorreitern wie My Dying Bride oder Anathema weniger depressiv und verzweifelt, sondern bei ihnen dreht sich alles um Atmosphäre. Diese ist durchweg düster, aber nicht unangenehm oder gar bedrückend wie etwa bei Evoken oder diversen Funeral Doom Formationen. Morgion sind dabei Meister ihres Metiers und kreieren unnachahmliche Stimmungen, die ihnen einen hohen Wiedererkennungswert verschaffen und zu Recht häufig mit Druidenmagie in Verbindung gebracht werden; in der Tat kommen derartige Assoziationen beim Genuss dieses Albums am ehesten in den Sinn.
Die Gitarren und Drums sind sehr kraftvoll und das Riffing ist fast durchgehend langsam und melodiös. Auf Härte wird hier zwar nicht verzichtet, als aggressiv kann man die Musik von Morgion aber kaum bezeichnen. Die Härte hält denn auch nie sehr lange an, ohne dass bald ein Breakdown in eine völlig ruhige und entspannte Passage folgt. Diese Passagen sind von intensiven und majestätischen Stimmungen geprägt, welche durch wirklich gut gemachte breite Keyboardflächen erzeugt oder zumindest unterstrichen werden; außerdem tritt gerade an diesen Stellen ein für Morgion höchst typisches Stilmerkmal in Erscheinung: Nicht selten arbeiten die Amerikaner mit einfachen, repetitiven und doch atmosphärisch höchst effektiven akustischen oder cleanen Gitarrenläufen, für die mir als einziger möglicher Vergleich nur der Song „Sunset of the Age" vom 1995er Anathema-Album „The Silent Enigma" einfällt, welcher ebenfalls eine sehr ausgedehnte Passage mit einer stimmungsvollen und einfachen Gitarrenmelodie enthält, auch wenn die Atmosphäre selbst sich diesem Vergleich wiederum entzieht. So ist der Titeltrack „Solinari" dann auch nicht das Kernstück des Albums, sondern ein minimalistisches instrumentales Zwischenstück, wie es Morgion-typischer nicht sein könnte, denn es besteht im Grunde nur aus einer solchen charakteristischen, sich wiederholenden Gitarrenmelodie.
Die Vocals von Jeremy Peto sind bei all dem recht vielseitig und fügen sich einwandfrei in die übrigen Stilelemente ein. So kommt zum Großteil ein eher gewöhnlicher Growlgesang zum Einsatz, der nicht besonders aggressiv ist und in einer normalen, verhältnismäßig, aber nicht extrem tiefen Lage präsentiert wird. Eine größere Besonderheit sind jedoch die ebenfalls sehr häufig auftauchenden gesprochenen und geflüsterten Passagen. Bemerkenswert an diesen ist, dass ich, der ich normalerweise von Sprechgesang immer gelangweilt bin, diese Vocals bei Morgion wirklich faszinierend finde. Betonung und Artikulation sind äußerst überzeugend und machen dieses Element zu einem unverzichtbaren Stilmerkmal auf diesem Album, welches vor Allem perfekt zu den erzeugten Stimmungen passt und maßgeblich zum regelmäßig auftretenden Gänsehauteffekt beiträgt. Vorreiter für diesen Gesangsstil war sicherlich Darren White auf den ersten Anathema-Veröffentlichungen, doch auch wenn Morgion sich offenbar von ihm haben inspirieren lassen, wirken die Vocals bei ihnen noch passender und weniger aufgesetzt bzw. überflüssig. Hinzu kommt, dass auch die rezitierten Songtexte äußerst stimmungsvoll und schön geschrieben sind, wobei sie einen leicht esoterischen Charme versprühen („The wolf within this vessel. My soul a deep dark well. I am Hades fire, for the flame shall be us all!").
Die Songstrukturen sind nicht nach dem eingängigen Refrain-Prinzip, sondern nach einem dynamischen Entwicklungsprinzip konzipiert, das heißt sie bauen sich sehr langsam und fließend auf, nichts wird überstürzt und all die Atmosphäre kann intensiv und gemächlich vom Hörer aufgenommen werden und sich völlig entfalten, was maßgeblich zum stimmungsvollen Gesamtbild beiträgt und es trotz fehlender Wiederholungen ermöglicht, dass die Songs für Doom-Metal Verhältnisse relativ gut ins Ohr gehen. So kann sich das Ganze an wenigen Stellen bis hin zu Doublebass-Passagen steigern, dann aber auch völlig ruhig und friedlich dahinplätschern wie ein klarer Gebirgsbach, wobei kurze Ambienteinschübe wie Regen- und Gewittergeräusche sowie sanfte Klavieruntermalung das Ganze komplettieren.
Der Höhepunkt von „Solinari" ist definitiv der elfminütige Song „Nightfall Infernal". Dies ist auch der einzige Track, in dem sich Jeremy Peto an klarem Gesang versucht, den er allerdings sehr zurückhaltend vorträgt; gerade diese vorsichtige, leise Art des Gesangs passt an den entsprechenden Stellen wiederum wie die Faust aufs Auge und beweist abermals, dass Morgion ein bis ins Letzte stimmungsvolles Werk geschaffen haben (Ja, das Wort „stimmungsvoll" taucht nicht umsonst an mehreren Stellen in dieser Rezension auf). Auch enthält dieser Song ein paar schnellere Ausbrüche, die trotz der höheren Geschwindigkeit jedoch hinsichtlich der Stimmung und des Riffings mit recht tief gestimmten Gitarren zu keinem Zeitpunkt das unverwechselbare Doom-Feeling verlassen.
Nach hinten hin wird das Album etwas entspannter, besonders ab „...All The Loss", dem zweiten Teil eines Doppelsongs, der erst ganz am Ende etwas härter wird. Denn „Blight" lässt jegliche direkte Härte oder gar Aggression vermissen und präsentiert sich stattdessen fast romantisch und lädt zum Augenschließen ein, um das Album allmählich ausklingen zu lassen. So ist dann auch „The Last Sunrise" nur noch ein völlig ruhiges Instrumental-Outro - übrigens eines der ganz wenigen reinen Keyboard-Stücke, die dank genialer Komposition und konkurrenzloser Atmosphäre wirklich überzeugen können.
Um das durchweg positive Gesamtbild noch abzurunden, ist die Gestaltung bis ins letzte Detail ebenso stimmungsvoll wie die Musik und in meinen Augen wirklich äußerst gelungen; selbst die Schrift wurde zumindest in den Überschriften kunstvoll verziert und das Coverdesign kann man nur als sehr schön bezeichnen, wodurch das Album auch zu einem Augenschmaus und so zu einem Genuss für mehrere Sinne wird - denn man kann seine Intensität sowohl hören als auch sehen und fühlen.
Wer also Interesse an Doom Metal und an atmosphärischer härterer Musik allgemein hat, kommt an Morgion nicht vorbei; auch deren neues, 2004 erschienenes Album „Cloaked By Ages, Crowned In Earth" ist übrigens eine ganz große Empfehlung wert und zeigt außerdem starke Weiterentwicklungen. Wer Bands wie My Dying Bride, alte Anathema, Mourning Beloveth, Novembers Doom, Evoken oder auch vergleichbar atmosphärische Ausnahmetruppen wie Empyrium mag, wird in Morgion eine einzigartige und über jeden Zweifel erhabene Bereicherung finden. Uneingeschränkt empfehlenswert!
Spielzeit: 52:49 Min.
Kaufempfehlung: 9/10


Cloaked By Ages, Crowned In Earth
Cloaked By Ages, Crowned In Earth
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 20,26

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Doom Metal zum träumen? Morgion machen es möglich!, 26. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Cloaked By Ages, Crowned In Earth (Audio CD)
Über vier Jahre haben sich die Amerikaner von Morgion Zeit genommen, um die gespannte Gefolgschaft mit einem neuen Album zu versorgen, und im Jahre 2004 war es dann endlich so weit. Das neue Werk trägt den Titel „Cloaked By Ages, Crowned In Earth" und ist bei dem Label Dark Symphonies erschienen, wo unter Anderem auch die US-Doom/Dark Metal Band Novembers Doom unter Vertrag ist. Es weist im direkten Vergleich zum Vorgänger „Solinari" eine deutliche Weiterentwicklung und Erweiterung des Stils auf, ist jedoch immer noch unverwechselbar als Morgion-Album zu erkennen.
Gleich die erste Sekunde nach dem Drücken auf die Playtaste erzeugt sofort die erste Gänsehaut, denn das minimalistische, dunkle Intro „Cloaked By Ages" beweist schon zu Beginn, dass hier wieder die Meister der Atmosphäre am Werke sind. Beim Übergang in den ersten Song „A Slow Succumbing" kommen dann sofort Erinnerungen an „Solinari" hoch, wenn ein sich langsam steigerndes, höchst doomig-schleppendes Gitarrenriff einsetzt.
Dann eine erste Überraschung bezüglich der Vocals: Die Growls sind dieses Mal tiefer und weniger heiser und dadurch harscher und kraftvoller; dies liegt daran, dass Jeremy Peto die Band verlassen hat und seine Aufgabe nun unter den beiden Mitgliedern Dwayne Boardman und Gary Griffith aufgeteilt wurde. Was sofort zur nächsten Überraschung überleitet, denn schon recht früh im Song setzt ein einwandfreier, angenehm sanfter klarer Gesang ein, welcher sich im Verlauf des Albums als sehr dominant herausstellt und die Death-Growls zunehmend verdrängt. Dies ist ein klarer Schritt weg von den Wurzeln und hin zu einem noch eigenständigeren Stil. Die auf dem Vorgängeralbum noch stark vertretenen gesprochenen Textpassagen sind hier übrigens gänzlich verschwunden, was aber keineswegs negativ ins Gewicht fällt, weil hier auf seine Art alles passend ausbalanciert wurde.
Später in besagtem Song taucht ein ruhiger Break auf, welcher ebenfalls an die alten Zeiten erinnert, denn ein sehr Morgion-typischer ruhiger Gitarrenlauf leitet zur nächsten härteren Passage über. Derartige Breaks gibt es auch auf diesem Album wieder viele, doch sind auch sie ein wenig generalüberholt worden; sie klingen teilweise noch minimalistischer, die majestätischen Synthesizer-Klänge im Hintergrund wurden insgesamt zurückgenommen und es kommen dieses Mal nicht selten reine Akustikgitarren zum Einsatz, was im Doom Metal Sektor eine durchaus bemerkenswerte Seltenheit ist. Im Song „Ebb Tide" befindet sich ein ruhiger Part in der Mitte, welcher schon fast ambientartig dahinplätschert und einfach nur dazu einlädt, die Augen zu schließen und sich von der Stimmung treiben zu lassen, was von einem leisen Meeresrauschen im Hintergrund unterstützt wird.
Die dynamischen Übergänge von härteren Parts zu Akustikpassagen, die fast romantisch melancholische Melodik der ruhigeren Momente sowie das Wechselspiel zwischen klaren Vocals und Growls erinnern nicht selten an die schwedische Progressive-Metal-Größe Opeth, nur eben in eine doomige Umgebung übertragen und von der Morgion-eigenen Atmosphäre geprägt; auch die Stimmlage in den klaren Gesängen ist der von Mikael Åkerfeldt nicht unähnlich. Allerdings werden Akustik- und verzerrte E-Gitarren sowie die unterschiedlichen Gesangsstile bei Morgion nicht so streng getrennt wie bei den Schweden; so sind auch härtere Riffs beizeiten von Akustik-Akkorden unterlegt, was der Musik eine bemerkenswerte Tiefe verleiht.
Auch in anderer Hinsicht ist die Gitarrenarbeit vielschichtiger geworden; die Band verlässt sich anno 2004 nicht mehr so ausschließlich auf das tiefe Doom-typische Riffing, sondern auch die Leadgitarre spielt hier bei der Melodieführung eine entscheidende Rolle und entfaltet ein gut abgestimmtes Zusammenspiel mit den Akustik- und Rhythmusgitarrenlinien.
Während die ersten beiden Songs trotz der doch stark akzentuierten Breaks noch recht deutlich im Death-Doom verankert sind und die nötige Energie und Härte nicht vermissen lassen, wird im späteren Verlauf dieses Albums jedoch deutlich, dass es sich um ein zusammenhängendes, sich dynamisch entwickelndes Werk handelt, welches keine klare Linie durchzieht. Denn das Album, bei dem bis auf eine Ausnahme alle Songs nahtlos ineinander übergehen, wird noch um einiges deutlicher als der Vogänger kontinuierlich ruhiger. Nach „Ebb Tide" kommt kein wirklich doomiges Riff mehr vor, welches den Wurzeln Rechnung tragen würde, genauso wenig wie autonom eingesetzte Growls.
Nach dem auf eine einzige cleane Gitarrenmelodie aufbauenden, atmosphärischen Instrumental „Trillium Rune" folgt der Song „The Mourners Oak", in dem sich entspannte Strophen mit Steigerungen zu lebhafteren Zwischenparts abwechseln und nur am Ende noch einmal kurz Growls den klaren Gesang unterstützen. Mit „Cairn" driftet das Album dann endgültig in einen sehr breiten, sphärischen Stil mit einer angenehm melancholischen Grundstimmung ab. Es ist zu einem gewissen Grad an dieser Stelle noch immer Doom Metal, allerdings bei weitem nicht mehr so eindeutig wie auf dem „Solinari"-Album. Ein intensives Duett von Growls und Gesang sowie eine deutlich akustische Prägung geben diesem Song sein Gesicht und machen ihn eher zu einem verträumten denn zu einem finsteren Vertreter des Genres.
Die letzten beiden Songs schließlich verzichten gänzlich auf aggressive Vocals und laden mit ihrer romantischen Atmosphäre und der völlig entspannten Begleitung zum Augenschließen ein. Lediglich das Outro des letzten Songs „Crowned in Earth" kehrt noch einmal kurz in eine dunklere Stimmung zurück. Abgeschlossen wird das Album von einem versteckten Zusatztrack, der jedoch sehr unspektakulär ist; er besteht im Grunde nur aus wenig interessanten Synthesizer-Klangflächen.
Bei „Cloaked by Ages, Crowned in Earth" handelt es sich bei genauerer Betrachtung um ein Konzeptalbum, wodurch die Tatsache, dass keine texte im Booklet vorhanden sind, leider doch recht schwer negativ ins Gewicht fällt. Die Lyrics lassen sich allerdings im Internet finden. Es handelt sich inhaltlich um eine Fantasy-Geschichte, die eher grob umrissen als in klaren Ereignissen detailgetreu geschildert wird, und im Booklet steht so etwas wie eine Zusammenfassung des Inhalts in Form eines kurzen Prosatextes, der jedoch aufgrund eines doch recht extravaganten englischen Vokabulars nicht ganz leicht zu verstehen ist.
Insgesamt kann man diesem Album genau wie dem Vorgänger eine uneingeschränkte Empfehlung attestieren. Es ist nicht unbedingt das, was man von einer „bodenständigen" Doom Metal Band erwartet, für offene Gemüter aber mit Sicherheit mehr als interessant; denn gerade durch den dynamischen Aufbau, der die gewohnten Stilelemente nicht einfach bis zum Exzess zelebriert sondern sich über gängige Genreschranken hinwegsetzt, wird es zu einem einzigartigen und angenehm aus der Masse an Veröffentlichungen herausstechenden Werk. Glücklicherweise ist es auch im Gegensatz zu „Solinari" problemlos erhältlich.
„Cloaked By Ages, Crowned In Earth" ist definitiv ein Album, auf das man sich einlassen muss und das nicht beim ersten Hören zündet (ich selbst konnte erst beim dritten Durchlauf etwas damit anfangen), aber wenn es sich einmal entfaltet hat, ist es eine wertvolle Bereicherung für Liebhaber atmosphärischer Musik. Enttäuschend sind nur die fehlenden Texte im Booklet.
Spielzeit: 61:32 Min.
Kaufempfehlung: 9/10


Antithesis of Light
Antithesis of Light

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Enter the realm of total desolation...", 8. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Antithesis of Light (Audio CD)
Die Überschrift dieser Rezension stammt aus einem Banner der offiziellen Evoken-Homepage. Und dieser Slogan fasst bereits sehr passend zusammen, was diese sehr einmalige Band aus den USA ausmacht: Eine kompromisslos dunkle, trostlose Atmosphäre, an welche kaum eine andere zeitgenössische Doom Metal Band heranreicht. In dieser Hinsicht ähnlich eindringliche und intensive Musik hat es wahrlich selten gegeben; lediglich die von den Bandmitgliedern offen dargelegten großen Vorbilder, im speziellen die alten Kultformationen des extremen Death Doom - diSEMBOWELMENT und Thergothon - können für einen vagen Vergleich herangezogen werden.
Wo schon die letzten drei Alben, gekrönt von dem meisterhaft finsteren „Quietus", die eben beschriebene Stimmung stets in zunehmender Qualität präsentierten, setzen sich Evoken mit ihrem neuen Silberling „Antithesis Of Light" ein Monument. Mag der Titel auf den ersten Blick noch klischeeüberladen und verbraucht wirken, so wird man beim Genuss dieses Albums sehr schnell merken, dass er besser nicht hätte gewählt werden können. Über 70 Minuten tief aufwühlender Dunkelheit, eingeleitet von einem minimalistischen kurzen Intro, lassen keine Minute Raum für den kleinsten Hoffnungsschimmer.
Selbst auf ausgeprägte Pausen zwischen den sechs überlangen Songs (keiner ist unter 10 Minuten lang) wurde verzichtet, was dem Zuhörer nicht die geringste Chance gibt, sich zu erholen. Hinzu kommt die fast durchgehend extrem schleppende Geschwindigkeit, wie sie selbst im Doom Metal selten ist, welche nur selten von kurzen Doublebass-Intermezzos abgelöst wird. Diese Musik wird daher auch nur ein eingeschränktes, sehr spezielles Publikum wirklich begeistern können, denn das hier ist beileibe keine leichte Kost.
„Antithesis Of Light" ist ein großartiges Beispiel dafür, wie eine Band sich weiterentwickelt hat und zur Perfektion des eigenen Stils herangereift ist, dabei aber ihrer Linie treu bleibt. Besonders auffällig und zu Anfang durchaus gewöhnungsbedürftig ist die Produktion. Diese ist dieses Mal ein gutes Stück direkter und härter. Drums und Gitarren haben einen recht ungewöhnlichen, auf seine Art ohne viel Aggression brutalen Sound.
Die Vocals von John Paradiso, welche wie zuvor zum Großteil aus fast unmenschlich tiefen Growls bestehen, klingen ein gutes Stück harscher. Vereinzelt eingesetzte gequälte Schreie lockern das Ganze auf und geben der Musik einen stärker schmerzerfüllten Beigeschmack. Außerdem sind wieder minimalistisch gesprochene und schaurig geflüsterte Passagen enthalten, welche so eindringlich wie eh und je wirken.
Ein typisches Stilelement der Band, welches ebenfalls auf diesem Album weiter ausgebaut wurde, ist der Einsatz cleaner Gitarren als außergewöhnliches Melodieelement unter den tiefgestimmten, verzerrten Akkorden. Dies trägt maßgeblich zu der unverwechselbar düsteren Atmosphäre bei. Die einzige Band, welche dies in ähnlicher Form zelebrierte und sich hier nun auch als Einfluss von Evoken äußert, ist diSEMBOWELMENT.
Wesentlich ausgeprägter als sonst haben die Jungs auf „Antithesis Of Light" längere Passagen eingebaut, in denen verzerrte Gitarren weitestgehend fehlen und stattdessen nur die cleane Gitarre mit Drums und oft auch Vocals unterlegt eine Gänsehaut anregende Stimmung erzeugt. Die Melodien sind dabei stellenweise eher ungewöhnlich, aber nach kurzer Eingewöhnungsphase extrem faszinierend. Besonders beeindruckend äußert sich dies in „Accursed Premonition", wo John zur ruhigen, rhythmisch komplexen Begleitung das volle Spektrum seiner Stimmkapazität - einschließlich äußerster Aggression - ausnutzt. So etwas hat es selten gegeben!
Auch der Drummer Vince Verkay hat sich ein paar neue Tricks einfallen lassen und spielt wie immer sehr versiert. Es ist schwierig, bei derart langsamem Doom Metal eine mitreißende Schlagzeugbegleitung zu erzeugen, und Vince zählt in dieser Hinsicht definitiv zu den Besten seines Fachs. Das typische Doom-Drumming wird bei Evoken fast bis zum Exzess getrieben, ohne jemals übertrieben zu wirken; und zu den gewohnten Triolen in der Bass-Drum gesellen sich nun sogar hektische Quintolen, welche ich in dieser Form noch nie gehört habe und die dem Ganzen etwas mehr Abwechslung und Lebhaftigkeit einhauchen.
Die Keyboards, welche zuvor eine nicht unwesentliche Rolle bei der Erzeugung der Atmosphäre gespielt hatten, treten nun stärker in den Hintergrund. Dies trägt zu dem direkteren Sound des Albums bei. Trotzdem ist die Stimmung nicht weniger furchteinflößend und verzweifelt; eher das Gegenteil ist der Fall. Und wenn das Keyboard eingesetzt wird - am stärksten tritt es wohl in „Pavor Nocturnus" zutage - , ist seine Wirkung erstaunlich intensiv, wie man es von Evoken gewohnt ist - nur noch einen Tick besser als bei den früheren Alben.
Als Ergänzung im Sound ist wie schon auf „Quietus" ein Cellist als Gastmusiker vertreten. Aber auch hier zeigen sich Evoken wenig konform mit den zahlreichen anderen Bands, die Streicher in ihre Musik einfließen lassen und diese stark in den Vordergrund stellen, um ihrer Musik ein episches Element zu verleihen. Selten lassen sich klare Cellomelodien ausmachen; zumeist liegt das Instrument an vereinzelten Stellen im Hintergrund als Begleitung unter der Gesamtkomposition und fügt sich prima in die Atmosphäre ein, und das so subtil, dass es manchmal nur mit Mühe herausgehört werden kann. Im Titelsong ist allerdings eine wirklich schöne, höchst depressive Cellomelodie enthalten, bei der man am liebsten die Augen schließen, sich niederlegen und sterben würde.
Wie man also sieht, sind die Instrumente in ihrer Aufgabe und Wirkung perfekt aufeinander abgestimmt und fügen sich zusammen mit der zwar nach den letzten Alben zunächst ungewohnten, dann aber ausgesprochen passenden Produktion zu einem absolut gelungenen Gesamtbild zusammen. Evoken präsentieren sich damit reifer und professioneller als je zuvor und liefern ein Album ab, das im gesamten Doom Metal Sektor Seinesgleichen sucht. Diese atmosphärische Dichte und Intensität ist unter zeitgenössischen Bands einzigartig.
Erfreulich ist, dass die Band den einzelnen Songs dieses Mal noch mehr Eigenständigkeit und Identität verliehen hat. Jeder der Songs hat seine deutlichen charakteristischen Merkmale und so einen stärkeren Wiedererkennungswert als die Lieder der vergangenen Alben. Gerade der Titelsong wirkt durch seine epischen, schnelleren Passagen auflockernd; beeindruckend ist außerdem das dreizehneinhalb-minütige „The Mournful Refusal" mit seinem für modernen Death Doom eher ungewöhnlichen Solo und dem tollen Klavier-Outro.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass die den Songs beigefügten Texte ebenfalls sehr gut zur Atmosphäre passen. Thematisiert werden apokalyptische Visionen sowie Tod und Isolation; nichts ungewöhnliches in diesem Genre und sicher auch keine große Literatur, aber qualitativ wird das Geschriebene den Ansprüchen vollauf gerecht, denn gerade die Ausdrucksweise ist nicht die simpelste und einfallsloseste. Und das Design, besonders das stimmungsvolle und interessant gestaltete Coverartwork, komplettiert den Gesamteindruck eines ohnedies schon in höchstem Maße ausgereiften Albums. Für mich jetzt schon ein Klassiker!
Spielzeit: 71:38 Min.


Pristine in Bondage
Pristine in Bondage
Preis: EUR 19,41

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Originelle und sehr überzeugende Variante des Melodic Metal!, 5. April 2004
Rezension bezieht sich auf: Pristine in Bondage (Audio CD)
Bei „Pristine In Bondage" handelt es sich um das zweite Album der schwedischen Band Amaran. Am stilistischen Grundrezept hat sich seit „A World Depraved" im Prinzip nicht viel geändert: Wir bekommen hier eine extravagante Variante des Melodic Metal serviert - heavy, eingängig, meist schnell und - was die Band so besonders macht - mit sehr gutem und völlig klischeefreiem Frauengesang. Hier und da findet sich im Riffing ein Funke schwedischer Deathmetal, dieses mal häufiger als beim Vorgängeralbum. Ansonsten leistet die Gitarrenarbeit technisch versierte, rhythmisch ausgefeilte Harmonien, welche dem komplexeren Powermetal entliehen sind und extrem kraftvoll klingen. Dies alles hat dank der einwandfreien Produktion einen klaren und wuchtigen Sound.
Es ist nahezu schockierend, mit wie vielen geilen Melodien die Band hier um sich wirft; pausenlos wird der Hörer von diesen verwöhnt und Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Dabei hat die Band nach ihrem Debut noch ein gutes Stück zugelegt: Die Songs klingen ausgefeilter, härter, ansprechender. Die Musiker haben ihre Fähigkeiten noch weiter ausgebaut und reizen sie gekonnt aus, besonders Drummer Robin Bergh legt sich auf diesem Album mächtig ins Zeug und treibt die Musik gekonnt voran und auch der Bassist versteht es, an passenden Stellen ein bisschen verspielter zu Werke zu gehen. Sängerin Johanna DePierre hat guten Grund, ihren „Vocalcoach" an erster Stelle in den Danksagungen zu nennen, denn ihre Stimme gehört zu den besten, die ich kenne, und wird extrem ausdrucksstark und kraftvoll eingesetzt; ihr Spektrum reicht dabei von gefühlvollem, eher tiefem bis hin zu sehr hohem, eindringlichem Gesang und sie singt dabei stets vollkommen klar und korrekt.
Zu den einzelnen Songs braucht man gar nicht allzu viel zu sagen, denn ausnahmslos alle sind sehr genial. Man nehme zum Beispiel den kompromisslos schnellen und aggressiven Opener „Atropine", das mit atmosphärischen Melodien gespickte „Coming Home" oder das genial dunkle, langsame „Crow Me". Auch „Katharsis" ist ein Highlight der CD; Jörgen Sandström, welcher bereits in Bands wie Entombed oder Grave mitwirkte, steuert für diesen Song brutale Growls bei, die für ein Stückchen mehr Abwechslung sorgen. Ich frage mich, warum „As We Fly" nur als Bonustrack gekennzeichnet ist, würde ich ihn doch unter die besten Amaran-Songs überhaupt zählen: Das eher langsame Lied enthält ein paar wirklich gefühlvolle und wunderschöne Melodien, die dank einer weiteren gesanglichen Höchstleistung Johannas fesselnd umgesetzt wurden. Einzig „Revolution Without Arms" überzeugt nicht vollständig, ist aber auch alles andere als schlecht, ebenso wie „24 Pills", wo die zwei kurzen Passagen mit gesprochenen Vocals ein wenig stören (könnte aber auch daran liegen, dass ich eine Antipathie gegen die meisten gesprochenen Vocals habe), der Rest des Songs aber wieder über jeden Zweifel erhaben ist.
Insgesamt gesehen ist „Pristine In Bondage" ein absolutes Highlight und für mich jetzt schon eines der Top-Alben dieses Jahres! Auch für jene, die sonst mit dem ganzen Melodic / Power Metal Sumpf nicht viel anfangen können (wie auch bei mir der Fall), ist Amaran mehr als einen Blick wert und auch ihr Debutalbum „A World Depraved" lohnt sich. Sicher ist dies nicht die komplexeste und innovativste Musik, aber der markante und auf seine Art originelle Stil sowie die äußerst ansprechende Umsetzung sprechen für sich und sorgen dafür, dass man an dieser Scheibe viel Freude haben wird. Uneingeschränkt empfehlenswert!!
Spielzeit: 48:11 Min.
Klangqualität/Produktion: 10/10
Eingängigkeit: 9/10
Innovation: 7/10
Wiederspielwert: 8/10
Stimmigkeit: 10/10
-----------------------------
Kaufempfehlung: 9/10


Die Gärten des Herrn
Die Gärten des Herrn
Wird angeboten von J4G
Preis: EUR 14,00

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide, aber wenig eigenständig, 23. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Gärten des Herrn (Audio CD)
Das im November 2003 bei Napalm Records erschienene zweite Album der deutschen Band Eisheilig bietet zehn grundsolide, klassische Gothrock-Songs und ein abschließendes Instrumental. Eigentlich hat es alles, was ein gutes Gothic-Rock Album braucht: Die Melodien sind zum Großteil recht schön, es herrscht eine angenehm düstere und manchmal leicht melancholische Atmosphäre vor und das alles wurde bemerkenswert fett und kraftvoll produziert, sodass es auf dieser Seite nichts zu meckern gibt.
Dennoch muss ich leider sagen, dass ich dieser Band beinahe jedwede Existenzberechtigung absprechen könnte: Denn frei nach der Devise „Besser gut kopiert als schlecht erfunden" klaut man sich hier seinen Stil zusammen, besonders was den Gesang von Dennis Mikus angeht. Dieser versucht während der gesamten Spielzeit stets, sich einen eigenständigen und vielseitigen Gesangsstil anzueignen und scheitert dabei kläglich, indem er sich abwechselnd bei Till von Rammstein, bei Dero vom Oomph!, Joachim Witt, dann plötzlich bei den tieferen Gesangslinien von Ville Valo (HIM) oder auch bei Jyrki von den 69 Eyes bedient. Der „normale", ungepresste Gesang erinnert dabei meist an letzteren. Eine Kunst für sich, das alles unter einen Hut zu bringen, nicht wahr? Manchmal, das darf man ihm nicht absprechen, versucht er sich tatsächlich mal an einem etwas melodischeren, eigenen Input, der allerdings daran zugrunde geht, dass er es selten schafft, die Melodien gekonnt herüberzubringen, und stattdessen beizeiten irgendwie verwirrende Töne singt. Gelungen kombiniert sind diese zahlreichen Einflüsse beileibe nicht; stattdessen wechselt Dennis von Strophe zu Refrain und von einem Lied zum nächsten ständig die Stimme, was mitunter ein wenig nerven kann, da so kein stimmiges Gesamtbild entsteht.
Dabei ist doch der Rest gar nicht mal übel geworden: Till Maiwald präsentiert uns sehr gelungene, kraftvolle und geile Gitarrenriffs, von denen einige andere Genrevertreter nur träumen könnten, die Basslinien von Niklas Peternek sind für Rockverhältnisse stellenweise erstaunlich variabel und interessant und auch das Schlagzeug, gespielt von Dominik Sapia, kann sich durchaus sehen bzw. hören lassen. Hinsichtlich der Klangqualität gibt es, wie eingangs erwähnt, auch absolut nichts zu bemängeln, ganz im Gegenteil.
Zu den Songs an sich: Die ersten zwei Tracks sind ein gelungener Einstieg, weder eigenständig noch offenkundig geklaut. „Wahntrieb" ist ein typischer, sehr solider und eingängiger Gothrock-Song; „Mein Land" enthält ein verhältnismäßig aggressives und gut umgesetztes Riffing sowie sehr schöne Melodien. Dann „Die Kraft": Zu Anfang der Strophe ist der Gesang noch melodisch, der Übergang zum Refrain wirkt dann aber gepresst und erzwungen, ähnlich wie die Zeile „...Lässt dich hart zu Boden gehen, und die Welt zählt laut bis zehn" aus Rammstein's „Sonne"; die tiefen, ebenso gepresst klingenden Vocals und das übermäßig betonte „r" im Refrain gehen diesen Rammstein-Weg weiter und machen die an und für sich gute Melodie meiner Meinung nach völlig zunichte. Schade! Die Refrains von „Hoch Auf" und „Über Tausend Sternen" erinnern an Joachim Witt, letzterer außerdem wieder ein wenig an Rammstein. Die Strophe von „Tief Begraben" wiederum hätte auch in einem Oomph!-Song gut ausgesehen, der Gesang klingt zum Verwechseln nach Dero. „Die Sonne Über Uns" ist dann ein Lied, in dem sich Dennis um melancholischeren und sanfteren Gesang bemüht, was nicht ganz optimal gelungen ist, da die Töne einfach nicht sauber passen; noch dazu ist die Refrainmelodie eher enttäuschend. Mit „Flieg" ist noch ein sehr schöner Song dabei, in dem nicht ganz so offensichtlich kopiert wird wie in manch anderem. „Es kommt der Tag" hat eine nette Anfangs- und Zwischenmelodie, die Melodik der Gesangspassagen kann allerdings keineswegs überzeugen, sodass dies einer der schlechtesten Tracks auf dem Album ist. „Nebelreich" schließlich, in welchem ein kurzer Auszug aus Heinrich Heines X. Fresko-Sonett aus dem Jahr 1821 musikalisch verarbeitet und textlich ergänzt wird, spottet dem literarischen Vorbild eher, als dass selbiges akkurat und ansprechend umgesetzt würde. Wieder bemüht sich der Sänger relativ erfolglos, gefühlvoll zu singen, das ganze klingt irgendwie eher ein bisschen lächerlich, zumal der Refrain mit seiner wenig spannenden Melodie wieder einmal in Rammstein-Manier ins Mikrofon geplärrt wird. Den Abschluss dieser CD bildet das Instrumental „Nordtal", das unter Beweis stellt, das irgendwer, dessen Name im Booklet nicht erwähnt wird, ein paar Akkorde auf dem Synthesizer spielen kann (Respekt!), mit denen allerdings kein einziges Mal eine fesselnde oder höchst atmosphärische Melodie gezaubert wird; auch die kleinen elektronischen Spielereien und imitierten Streicher können hier nicht mehr vor der Langeweile bewahren. Dieses Teil hätte man sich eigentlich sparen können.
Inhaltlich wird das Übliche thematisiert: Verlust, Tod, Sehnsucht und so etwas wie klischeehaft-düstere Mystik („Die schwarzen Engel ziehen ihre Bahnen", „Und Feuersäulen steigen auf"). Sie sind jedoch besser umgesetzt als bei den meisten Genrevertretern und klingen nur selten so aufgesetzt pseudo-traurig wie etwa bei den Gothpop-Shootingstars von HIM. Die Lyrics sind mit einem angemessenen Grad an Anspruch ausgestattet und passen zur Atmosphäre, sind dabei aber größtenteils nicht zu schwer zu interpretieren. Was mich ein wenig stört ist die Tatsache, dass die Songtexte in einer völlig chaotischen Reihenfolge im Booklet angeordnet sind - warum soll ich denn die ganze Zeit hin- und herblättern? Vielleicht hatte die Band das Gefühl, noch nicht genug von Oomph! geklaut zu haben, deren Alben stets eine ähnlich ärgerliche Booklet-Strukturierung aufweisen. Optisch ist selbiges jedoch sehr ansprechend gestaltet, es enthält einige schöne und atmosphärische Fotos. Auch das Cover ist auf irgendeine Weise cool und auch passend, wie ich finde.
Unter dem Strich bleibt ein grundsolides Album mit einigen guten Songs, das für Genrepuristen sicherlich ein gefundenes Fressen darstellt und Kurzweil für Zwischendurch bietet. Fans der oben genannten Bands sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren - vorausgesetzt, sie stören sich nicht an einer Prise mehr Härte und Anspruch. Solche Leute, die wie ich diese Art von Musik eher selten nebenbei hören und ihr nicht ganz so viel abgewinnen können, müssen „Die Gärten des Herrn" nicht unbedingt haben. Wer sich gern ein eigenes Bild machen will, möge sich als Anspieltipps die Lieder „Wahntrieb", „Mein Land", „Tief Begraben" (um auch die unmelodischere Seite des Gesangs kennen zu lernen) und „Flieg" zu Gemüte führen.
Spielzeit: 48:56 Min.
Klangqualität / Produktion: 10/10
Eingängigkeit: 8/10
Innovation: 2/10
Wiederspielwert: 6,5/10
Stimmigkeit: 7/10
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Kaufempfehlung: 7/10


Die Leiden des jungen Werther (Editionen mit Materialien)
Die Leiden des jungen Werther (Editionen mit Materialien)
von Johann Wolfgang von Goethe
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,95

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ach, was ich weiß, kann jeder wissen...", 14. Januar 2004
Werther - ein junger Mann, der einfach anders ist. In einer oberflächlichen, stark von Vernunft und Moral geprägten Gesellschaft fühlt er sich in seiner starken Emotionalität, Empfindsamkeit und Naturverbundenheit von seinen Mitmenschen unverstanden. Ein Genie im Sinne des Sturm und Drang, das auf Dauer an dem Versuch zerbricht, diese ihm zugedachte Rolle zu spielen und sich für sich selbst angemessen in seinem sozialen Umfeld zu etablieren. Mit seiner Einstellung steht er auf Kriegsfuß mit der zeitgenössischen Gesellschaft, die unter dem Einfluss der Aufklärung steht, und flüchtet sich in seiner Verzweiflung an sich selbst in die Liebe zu Lotte, die - wie er selbst weiß - keine Zukunft hat und nur auf einer Idealisierung beruht. Seine fortwährende Selbstdarstellung als Schrei nach Aufmerksamkeit, Liebe, Verständnis und Anerkennung gipfelt im durchdacht inszenierten Freitod.
Werthers starker Hang zu Melancholie, Selbstmitleid und Larmoyanz wird gewiss so manchen Leser eher nerven oder amüsieren, als überzeugen. Auch die allgemeine Tragik des Romans, besonders das Ende, mag vielen als zu negativ, vielleicht gar als schlechtes Beispiel und somit nicht schulkonform erscheinen. Allerdings ist zu bedenken, dass Goethe seine Figuren bewusst überzeichnet und ihnen damit eine eindeutige Rolle zugeteilt hat. Auch die Dramatik der Geschichte an sich hält eine sichere Distanz zu einer realistischen Darstellung. Dies ermöglicht zum einen ein besseres Verständnis, zum anderen aber verhindert es eine leichtfertige Übertragung der Handlung auf das wirkliche Leben. Dabei lässt Goethe dem Leser aber geschickt die Möglichkeit, das Beziehungsgeflecht der Charaktere auf vielschichtige Art zu interpretieren, ebenso wie das interne System von Ursache und Wirkung, da das Buch zu einem gewissen Grade offen angelegt ist und ein lineares Verständnis in verschiedene Richtungen erlaubt. Das Werk hat dabei soviel Komplexität und Tiefgang, dass sich auch bei intensiver Analyse immer neue Facetten und Details offenbaren, ohne dabei jedoch bei oberflächlicherem Lesen völlig unverstanden zu bleiben. Somit lässt sich sagen, dass Goethe mit „Die Leiden des jungen Werther" ein beeindruckend durchdachtes und in sich schlüssiges Stück Literatur gelungen ist.
Für mich persönlich war erschreckend, wie sehr Werther an mancher Stelle meine eigenen Gedanken und Gefühle auf so zutreffende und präzise Weise in Worte fasst. Er ist für mich nicht nur ein Protagonist in einem Buch, sondern vielmehr ein Modell für einen bestimmten Typus Mensch, zu dem ich mich selbst zählen würde. Sozusagen als seelischer Nachfahre konnte ich mich an vielen Stellen des Buches voll mit ihm identifizieren und teile auch ein paar seiner Ansichten, die ich an dieser Stelle zur Vermeidung schmerzlicher Diskussionen nicht namentlich nennen werde. Was nicht heißen soll, dass ich ihn als vollkommenes Abbild meiner selbst betrachten würde, denn es gibt ebenso Punkte, die mir nicht zusagen; Werthers Weltbild jedoch ist mir sympathisch. So ist es nicht verwunderlich, dass ich schmunzeln musste, als ich im Brief vom 26. November den Satz las: „Dann lese ich einen Dichter der Vorzeit, und es ist mir, als säh ich in mein eignes Herz."
Ich denke also, Werther ist sehr wohl ein Typus unserer Zeit, um die auf der Rückseite des Buches gestellte Frage zu beantworten. Immer noch aktuell, repräsentiert er die Minderheit der Menschen, die Angst haben, unter dem gesellschaftlichen Druck zugrunde zu gehen, die das Gefühl und die eigene Persönlichkeit als höchstes Gut im Leben einschätzen, sich in der Welt ihrer Zeit verloren und unterdrückt fühlen und sich nach Freiheit sehnen - so makaber es klingen mag, mich hat gefreut, dass Werther es am Ende auf die einzige uneingeschränkte Art geschafft hat, sich von allen Ketten und Bürden zu befreien.
Ergo, „Die Leiden des jungen Werther" hat mich sehr bewegt - trotz einiger nerviger Passagen - und war für mich bisher mit Abstand die beste Schullektüre. Ein ansprechendes und sehr tiefgründiges Buch, das es schafft, gekonnt über den Tellerrand gesellschaftlich etablierter Charakterstandards zu schauen. Schon war es passiert, dass ich einmal in einem Privatgespräch sagte: „Ach, was ich weiß, kann jeder wissen - mein Herz habe ich allein."


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