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Rezensionen verfasst von
Regina (Media-Mania)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Durchquerung der Antarktis: Die Vollendung von Shackletons Traum
Durchquerung der Antarktis: Die Vollendung von Shackletons Traum
von George Lowe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Dokumentation einer der großen Expeditionen, 25. September 2016
Wohl zu Unrecht steht die gewaltige Leistung des Teams um Vivian Fuchs und Edmund Hillary im Schatten des Wettlaufs zum Südpol und der Erstbesteigung des Mount Everest; sie ist ein wenig in Vergessenheit geraten, obwohl sie seinerzeit viel Aufsehen erregte - nicht zuletzt wegen der perfekten Logistik, die sie überhaupt erst möglich machte. So legten Hillary und seine Leute, von der anderen Seite des Kontinents kommend, Vorratslager an, während die Gruppe um Fuchs und den Fotografen und Buchautor George Lowe die schwierige Etappe vom Weddell-Meer über das Eis zum Südpol in Angriff nahmen, wo beide Teams sich vereinigten und Hillarys Route zum Ross-Meer zurückgingen.

Lowe erzählt von den aufwändigen Vorbereitungen, dem Teamgeist, den enormen Herausforderungen - wie lebensgefährlichen Spalten im Eis, die mehrfach ums Haar das ein oder andere Raupenfahrzeug verschlungen hätten -, den klimatischen Eigenheiten und nicht zuletzt von den beteiligten Menschen. So lernt der Leser die großen Forscher- und Entdeckerpersönlichkeiten Vivian Fuchs und Edmund Hillary geradezu unmittelbar kennen. Gelegentlich darf er auch schmunzeln, etwa wenn der Fotograf umständehalber und ohne entsprechende Übung das Hundegespann übernehmen muss. Es ist aber nicht nur der spannende Expeditionsbericht, der mitreißt und fesselt, sondern die Fotos tragen hierzu ebenso bei: eine Mischung aus Dokumentation, Fotokunst und recht persönlichen Aufnahmen der Expeditionsteilnehmer. Auch bleibt der Humor hier nicht außen vor.

Die Fotos weisen eine durchweg hohe Qualität auf, was angesichts der Umstände und der Technik vor rund sechzig Jahren umso mehr beeindruckt. Lowe nutzte zum Teil bereits Farbfilme, die sehr authentische Stimmungen transportieren, nicht zuletzt wegen des eisigen Blaus, das viele Bilder dominiert. Ob Landschaft, Technik oder Porträt - der Fotograf versteht es meisterlich, seine Motive im konkreten wie im übertragenen Sinne ins rechte Licht zu rücken und dabei trotzdem die Distanz zu wahren, die für eine gute Dokumentation unerlässlich bleibt.

Sowohl die einleitenden Texte als auch die Betrachtungen am Ende des Buchs und das Nachwort liefern weitere tiefe Einblicke in den Expeditions- und Entdeckergeist. Sie zeigen auf, was die fast magische Anziehungskraft der Antarktis ausmacht, und sie lassen frühere Expeditionen lebendig werden. Die Verbindung aus diesen Ergänzungen, den Fotografien und dem bebilderten Bericht Lowes ergibt ein wahres Leseabenteuer.


Im Auge des Todes: Will Robies dritter Fall.
Im Auge des Todes: Will Robies dritter Fall.
von David Baldacci
  Audio CD
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Spannende Handlung und viel Menschliches, 19. September 2016
Jessica Reel und Will Robie sind nicht nur beruflich Partner, sondern auch nahe daran, sich privat zu liieren, so gut das eben geht, wenn zwei Menschen sich ständig in Lebensgefahr begeben und außerdem immer wieder den Intrigen an den Schalthebeln der politischen Macht ausweichen müssen. Davon gibt es einige, und jemandem hat es nicht gepasst, dass sie bei ihrem letzten Auftrag eigenverantwortlich gehandelt, und damit, auch wenn ihr Vorgehen sinnvoll war, Befehle missachtet haben.

Eigentlich sollten sie gewissermaßen entsorgt werden, doch nun zeigt sich, dass ihr Land beziehungsweise dessen Geheimdienst sie erneut für eine extrem heikle Mission benötigt, denn natürlich erledigt auch der beste Profikiller den Führer Nordkoreas nicht mal eben auf einem Sonntagsspaziergang. Dass der Plan misslingt, liegt nicht an Robie und Reel, sondern an einer Frau, mit der niemand gerechnet hat und die den Spieß gründlich umzukehren scheint. Es wird lebensgefährlich, nicht nur für die beiden Agenten, sondern für jene, deren Tod die USA besonders treffen würde. Dass dann zwischendrin auch noch düstere Figuren aus Jessica Reels Vergangenheit auftauchen und versuchen, sie zu zerstören, erleichtert ihre Tätigkeit auch nicht gerade.

Spannend konzipiert und ausgearbeitet hat dieser Thriller eine Menge zu bieten. Höchste politische Brisanz - nicht einmal unglaubwürdig dargeboten -, Neid und Hass, brutales Ausspielen von Macht, menschliches Scheitern und tiefe Nöte, die Auseinandersetzung mit einer entsetzlichen familiären Vergangenheit und die bereits erwähnte, kaum einmal abreißende Spannung machen "Im Auge des Todes" zu einem packenden Hörerlebnis. Manchmal trägt der Autor doch ein wenig dick auf, das stört aber insgesamt kaum.

Sprecher Volker Wolf, als Synchronsprecher von Charlie Sheen und Jean-Claude van Damme weithin bekannt, bringt für diesen Thriller die geeignete Stimme und ein gutes Gespür für die Ausgestaltung der Spannungsbögen mit. Das Anhören lohnt sich - auch für potenzielle Hörer, die die ersten beiden Folgen um Robie und Reel noch nicht kennen.


Georg Baselitz: Die Helden
Georg Baselitz: Die Helden
von Max Hollein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

5.0 von 5 Sternen Ein vorzüglicher Katalog zu einer ausgesprochen sehenswerten Ausstellung!, 23. August 2016
Georg Baselitz hat die deutsche Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgeprägt. Mitte der 1960er-Jahre setzte er sich mittels der Werkgruppe "Die Helden" beziehungsweise "Die neuen Typen" künstlerisch mit der damals jüngsten deutschen Vergangenheit und der Gegenwart auseinander, ebenso mit der Rolle des Mannes in einer sich rapide verändernden, viele gewohnte Strukturen auflösenden Welt. Denn die Helden, wie Deutschland sie kannte, wurden nicht mehr gebraucht und wirken in Baselitz' Darstellung verloren, übrig geblieben und hilflos - selbst im Zorn.

Auch wer sich bereits mit Baselitz beschäftigt hat, kann den Essays reichlich interessante Informationen entnehmen. Sie bieten Einblicke aus verschiedenen Perspektiven und eine ideale Vorbereitung für den Ausstellungsbesuch (gegebenenfalls natürlich auch eine gute Nachbereitung) oder, sollte dieser nicht möglich sein, das Rüstzeug zum Verständnis der im Katalog vorgestellten Werke. Denn obgleich sich viele Werke, provokativ und aggressiv bis melancholisch, wie sie sich präsentieren, ein Stück weit selbst erklären, lohnt es sich, den Kontext zu betrachten und einen Sinn für die Aussagekraft von Details zu entwickeln. Die mit zahlreichen Abbildungen versehenen Essays sind auch für Laien bestens verständlich und in einem angenehm lesbaren Stil verfasst.

Im Katalog werden die Exponate großformatig, sprich meist ganzseitig, in bester Druckqualität vorgestellt - zusammen mit Titel, Entstehungsjahr, Material, Maßen und Eigentümer. Sowohl die Zusammenstellung der Bilder, die einander auf Doppelseiten gegenübergestellt sind als auch das großzügige Layout ermöglichen eine intensive Auseinandersetzung mit den eindringlichen Bildern. Darüber hinaus lassen eingeflochtene kurze Geschichten von Alexander Kluge zu einzelnen Helden und Typen, aber auch zum Werkgruppenthema allgemein, meist mit Anekdotencharakter, den Betrachter sozusagen ganz dicht an die Figuren herantreten, mit denen Baselitz ihn herausfordert.

Dieses Buch blättert wohl niemand, der sich für Kunst interessiert und von ihr einnehmen lässt, "mal eben" durch. Ein vorzüglicher Katalog zu einer ausgesprochen sehenswerten Ausstellung!


Spaniens goldene Zeit: Die Ära Velázquez in Malerei und Skulptur
Spaniens goldene Zeit: Die Ära Velázquez in Malerei und Skulptur
von Kunsthalle München
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starke Ausstellung - prächtiger und informativer Katalog, 23. August 2016
Wie die meisten heutigen Ausstellungskataloge bietet auch dieser wesentlich mehr als lediglich Abbildungen von Exponaten und ein paar Informationen zu ihnen. Fünf Essays mit einem Umfang von insgesamt rund siebzig Seiten beleuchten das Thema der Ausstellung aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit verschiedenen Schwerpunkten. Sie sind auch für den kunstinteressierten Laien gut verständlich und darüber hinaus angenehm kurzweilig verfasst und zeigen auf, wie viel die spanische Kunst des 17. Jahrhunderts auch über die weithin bekannten, genialen Velázquez und El Greco hinaus zu bieten hat. Der für die Entwicklung der spanischen Kunst natürlich bedeutende historische Kontext kommt in den Essays ebenfalls nicht zu kurz. Als sehr nützlich erweist sich die tabellarische Chronologie vor dem Katalogteil, in der sich die politischen und die künstlerisch-kulturellen Ereignisse gegenüberstehen (unter anderem drei Staatspleiten im "Goldenen Jahrhundert"!).

Zahlreiche Abdrucke von Kunstwerken ergänzen die Essay-Texte und bereiten mit ihnen zusammen ideal auf die Exponate vor, die anschließend im eigentlichen Katalog ihren Auftritt haben; überwiegend in Form von ganzseitigen Abbildungen, deren Qualität nichts zu wünschen übrig lässt. Gelegentlich wurden von den Fotografen ungewöhnliche und eindrucksvolle Perspektiven eingesetzt und/oder besondere Details herausgegriffen, sodass sich der ein oder andere verblüffende und stark berührende Blick auf einzelne Exponate (insbesondere Skulpturen) ergibt, etwa bei Kreuzigungsdarstellungen.

Gegenüber den Fotografien der Exponate werden ausführliche und interessante Informationen zu Kunstwerk, Künstler und Kontext angeboten, selbstverständlich auch - in einer Randspalte - die relevanten Angaben wie Lebenseckdaten des Künstlers, Entstehungszeit, Material, Eigentümer, Provenienz und ausgewählte Literatur. In dieser Randspalte finden sich bisweilen auch weitere Abbildungen, etwa mit einem weiteren Werk desselben Künstlers zum gleichen Motiv, ein Gemälde, welches als Vorbild diente, eine Kopie oder ein themenverwandtes Bild eines anderen Malers und so weiter. So ergibt sich eine angenehme Übersichtlichkeit.

Insgesamt bietet der Band eine enorme Fülle an sorgsam aufbereiteten Informationen sowie hochwertige Abbildungen von einzigartigen Kunstwerken aus dem Spanien des Barocks. Solch eine Lektüre ist auch für Kunstfreunde empfehlenswert, die nicht beabsichtigen, die Ausstellung zu besuchen, auch wenn der Wunsch danach natürlich geweckt oder gestärkt wird. Freilich beansprucht die Lektüre des umfangreichen Buchs reichlich - sehr gut investierte! - Zeit.


Babylon: Thriller
Babylon: Thriller
von Thomas Thiemeyer
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wilder Genremix, mehr wäre möglich gewesen, 7. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Babylon: Thriller (Broschiert)
Zunächst präsentiert sich Thomas Thiemeyers Roman als ein Abenteuer, das bald in einen Politthriller übergeht, als Kriegsreporterin Leslie nicht weit von Mossul zur Gefangenen des so genannten Islamischen Staates (IS) wird, während ein Archäologenteam und sein schwerreicher Sponsor in der Nähe mit nicht so ganz legalen Ausgrabungen beginnen. Die Story läuft recht ruhig an und nimmt nach einigen Kapiteln ordentlich Fahrt auf, wozu nicht zuletzt die diversen wechselnden Schauplätze beitragen. Eine bedeutungsschwere archäologische Entdeckung mitten im Krisen- beziehungsweise Kriegsgebiet - das Thema hat mächtig Potenzial. Und es laufen vor Ort diverse Parteien auf, vor allem amerikanisches Militär und IS-Milizen sowie ein bunter Wissenschaftlertrupp. Als diese aufeinanderprallen, lässt sich die Spannung geradezu greifen.

Doch dann wird's schlagartig extrem esoterisch - als Fantasy lässt sich das plötzlich eingewechselte Genre beim besten Willen nicht mehr bezeichnen, und von einem Wissenschafts- oder ganz allgemein einem Thriller bleibt nichts mehr übrig, während sich Dante Alighieris Inferno im Turm zu Babel zu materialisieren scheint. Dort müssen die Protagonisten, die sich darin versehentlich eingeschlossen haben, Prüfungen im Stil von Computerspiel-Quests bestehen und scheitern einer nach dem anderen an ihrer jeweiligen wesentlichen Charakterschwäche. Schade, dass diese Schwächen nicht bereits vorher zutage traten, anstatt nun Knall auf Fall den Protagonisten übergestülpt zu werden. Das wirkt amateurhaft konstruiert und irritierend.

Überhaupt sind die Figuren recht fade und farblos konzipiert und machen es dem Leser schwer, sich mit ihnen zu identifizieren, weshalb die anderen Schwächen des Buchs umso mehr hervortreten. Dazu gehört der allzu wüste Genremix; da wird kaum etwas ausgelassen, auch ein bisschen Liebesroman und Sci-Fi sowie ein ordentlicher Schuss Mystery darf es schon mal sein. Ein wunderbar kitschiges Ende ist dann schon ein Muss. Von einem Thriller ist das alles jedoch längst meilenweit entfernt. Schade, denn - wie gesagt - der erste Teil lässt sich sehr gut an.


Die Wahrheit vor Gericht: Wie sie gefunden und geschunden, erkämpft und erkauft wird
Die Wahrheit vor Gericht: Wie sie gefunden und geschunden, erkämpft und erkauft wird
von Klaus Volk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rechtsprechung: kein Mysterium, sondern ein faszinierender Vorgang, 7. August 2016
"Was ist Wahrheit?", fragt Pontius Pilatus Jesus im Johannes-Evangelium. Für ihn ist das eine rhetorische Frage. Demgegenüber haben deutsche Gerichte den Auftrag, die Wahrheit tatsächlich zu finden. Der Prozess gegen Jesus wäre dementsprechend vor einem modernen deutschen Gericht deutlich anders geführt worden. Das freilich nur nebenbei und mit einem Augenzwinkern. Doch - das bleibt unstrittig - handelt es sich bei der Wahrheit um einen schwierigen Begriff, ebenso bei der gleichfalls von den Gerichten herzustellenden Gerechtigkeit sowie dem Rechtsfrieden; ein Terminus, mit dem die meisten bis dato nicht betroffenen Bürger vermutlich gar nichts anzufangen wissen.

Vom Anfang des Buches an widerlegt der Autor das verbreitete Vorurteil, Recht, Rechtswissenschaft und Juristen seien alle miteinander staubtrocken. Er versteht es, temperamentvoll, pointiert und mit einem wohldosierten Schuss Humor scheinbar und tatsächlich komplizierte Begriffe zu erklären, Zusammenhänge aufzuzeigen und zu erläutern, die Historie und ihre Bedeutung für unsere Zeit darzustellen und zwischen Notwendigkeiten und verstaubten, aber fest verankerten Gesetzen und sonstigen Vorgaben zu differenzieren - kurz: Recht und Strafprozess für den unbedarften Laien transparent zu machen, einschließlich der Unterscheidung zwischen Licht und Schatten. Mit etlichen anschaulichen Fallbeispielen "illustriert" Volk seine Ausführungen.

Trotz einer unbestreitbaren unterhaltenden Komponente bleibt der Autor stets sachlich und wartet mit einer ausgesprochen "kompakten" Schreibe auf, die dem Leser ein hohes Maß an Aufmerksamkeit abnötigt, welche die meisten jedoch vermutlich gern investieren. Denn sowohl die spannenden Einblicke in Details als auch die sich erschließenden größeren Zusammenhänge faszinieren und nehmen dem Strafprozess und dem dahinter stehenden Recht viel von dem ihnen aus der Sicht des Laien anhaftenden Mysterium. Insbesondere wird ersichtlich, wie die Wahrheit "gefunden und geschunden, erkämpft und erkauft wird", wie es der Untertitel bereits ankündigt. Und immer wieder stellt Volk - teils bewusst suggestive - Fragen, die den Lesenden einladen, etwas länger zu verweilen und nachzudenken.

Potenzielle Leser sollten also nicht vor der Aussicht zurückschrecken, ein Werk über Recht, Gerechtigkeit, Gerichte und vor allem Wahrheit zu lesen. Sie würden ein wirklich gelungenes Buch verpassen.


Die Liebenden im Chamäleon Club: Roman
Die Liebenden im Chamäleon Club: Roman
von Francine Prose
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Eine Hauptfigur, deren Tragik kaum zu überbieten ist, 7. August 2016
Wäre sie reine Fiktion, so könnte der Leser die erstaunliche Biografie der Lou Villars durchaus für dick aufgetragen halten, doch sie beruht auf Tatsachen: Ein enorm starkes und ausdauerndes Mädchen wird von einem Förderer als Sportlerin entdeckt und trainiert - und natürlich vermarktet. Als Lou die Situation nicht mehr ertragen kann, flüchtet sie sich in den schrill-verwegenen Chamäleon Club, und von dort aus erschließt sich ihr eine schillernde Welt. Lou wird Rennfahrerin und verliebt sich zum ersten Mal: in eine Frau. Dann kollaboriert sie mit den deutschen Besatzern, und über ihr braut sich das Verhängnis zusammen.

Francine Prose gelingt es, den Leser in Lou Villars' Zeit (beziehungsweise jene ihres realen Vorbildes Violette Morris) und Umgebung zu versetzen; kein einfaches Unterfangen, zumal es im Rahmen eines solchen Buchprojekts auch gilt, zu unterstreichen, wie viele Tabus Lou auch in der weltoffenen Stadt Paris brach - ohne der Versuchung zu erliegen, die jeweilige Erzählperspektive zu verlassen und belehrend einzugreifen. Prose lässt solche Hintergrundinformationen aus der Handlung und den vielen stets sehr lebendig und authentisch gestalteten Dialogen sowie den Aufzeichnungen der Hauptfiguren hervorgehen und nutzt auch beispielsweise die Perspektive des Tagebuchs für den ein oder anderen erzählerischen Zweck.

Ihre Protagonistin bleibt den meisten Lesern wohl ein wenig fremd, denn sie ist einfach zu "anders", als dass es für andere leicht wäre, sich in sie hineinzuversetzen. Doch Sympathie erhält Lou vom Leser, und das reichlich. Die Kämpferin, die gegen den Strom schwimmt und sich keiner Konvention beugt, hat in der Darstellung von Francine Prose einen ganz besonderen Charme. Auch entwickelt die Geschichte zunehmend eine Sogwirkung, der sich weder Lou noch der Leser entziehen können. Es fällt daher auch schwer, das Buch vor dem Schluss aus der Hand zu legen. Vor allem der Bruch zwischen dem letzten aus den Zwanzigern herübergeretteten Aufbäumen einer scheinbar grenzenlosen Freiheit und der aufziehenden Katastrophe des Kriegs, der Lou verschlingen wird, lässt den Leser nicht los.

Hierzu tragen auch die unterschiedlichen Blickwinkel bei, aus denen Lous Geschichte geschildert wird - Tsenyi, der ungarische Fotograf, seine künftige Frau und der amerikanische Autor Lionel Maine sind nur einige davon. So entsteht ein dramatisches Mosaik in teils grellen, teils düsteren Farben. Und eine Biografie, die fasziniert und fesselt: Zeit- und Kulturgeschichte zum Anfassen anhand einer Hauptfigur, deren Tragik kaum zu überbieten ist.


Das Geheimnis des Schneemädchens
Das Geheimnis des Schneemädchens
von Marc Levy
  Audio CD
Preis: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen Spannend gemacht trotz ein paar Längen, 7. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis des Schneemädchens (Audio CD)
Eine Reise in die Vergangenheit kann gefährlich sein, zumal in den USA, wenn patriotische Überzeugungen auf dem Spiel stehen - und enorm viel Geld. Dies erlebt auch Suzie Backer. Beim Versuch, am Montblanc in den Trümmern eines vor Jahrzehnten abgestürzten Flugzeugs Beweise dafür zu finden, dass ihre Großmutter keineswegs, wie behauptet, eine Spionin war, ist ihr Schreckliches widerfahren, doch Suzie gibt nicht auf. Und das gilt auch für Andrew Stillmann, den Journalisten, der zum einen viel Zuneigung für Suzie entwickelt und zum anderen einen Scoop samt Pulitzer-Preis wittert.

Beide Hauptfiguren bleiben dem Leser anfangs fremd, zumal die Geschichte ein wenig schleppend anläuft und sich die Spannung erst mit der Zeit aufbaut. Charaktere erschließen sich bekanntlich zu einem guten Teil durch Handlungen. Später gibt es zwar - trotz Kürzung - auch weiterhin ein paar Längen, die jedoch gemäßigter ausfallen. Und während die Story Fahrt aufnimmt, gewinnt sie enorm: an Vielschichtigkeit und vor allem eben Spannung. Mit der Zeit werden die Protagonisten und auch die ein oder andere bedeutende Nebenfigur plastischer und vertrauter und fordern ganz klar Sympathie seitens des Lesers ein. Dieser kann sich gut in die Geschichte einfinden und staunt immer wieder über geschickt gelegte falsche Fährten und solche, die ins Leere laufen. Der Skandal, den Suzie und Andrew schließlich aufdecken, lässt das Buch zu einem regelrechten Politthriller werden, der bis zum Schluss interessante Haken schlägt. Eine Überdosis Kitsch am Schluss bildet ein verblüffendes, doch nicht unbedingt unpassendes Gegenprogramm.

Sprecher Herbert Schäfer versteht es, ganz unterschiedlichen Figuren eine eigene Stimme und durch die jeweilige Art seines Lesens auch ein Stück weit einen besonderen Charakter zu verleihen. Wo die Vorlage (Stichwort "Längen") kränkelt, sorgt Schäfer für eine Überbrückung.

"Das Geheimnis des Schneemädchens" hält über weite Strecken Tempo und Spannung und hat Charaktere geschaffen, die nach und nach das Herz des Lesers erobern. Darüber hinaus fasziniert das Thema in Verbindung mit einem gelungenen Hörbuchvortrag.


09: Endstation Pallas
09: Endstation Pallas
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Die Präsidentenmörder lauern wieder, 7. August 2016
Rezension bezieht sich auf: 09: Endstation Pallas (Audio CD)
Es geht weiter mit der beliebten Serie aus den Jugendjahren von Mark Brandis, in der die Höhepunkte seiner Ausbildung zum Raumfahrer in Hörspielform nacherzählt werden. Hier findet der Hörer nun also Mark und einen Kameraden auf einer einsamen, dem Feind angeblich unbekannten Raumstation wieder, wo er eine ruhige Kugel schiebt, bis … ja, bis ihn die Vergangenheit einholt. Denn der Mord an Präsident Bähler, bei dem Mark und seine Freunde unfreiwillig Zeugen wurden, begleitet die Reihe hartnäckig - nach wie vor befürchten die Verschwörer, dass die Kadetten ihre Identität preisgeben könnten, und nach wie vor bedeutet dies Lebensgefahr für die jungen Leute.

Trotz des zunächst öden Aufenthalts der beiden auf der alten Raumstation langweilt sich der Hörer nicht, da einzelne Szenen amüsant und authentisch beschrieben werden und der Hörer ohnehin erst einmal mit den beiden Kadetten auf Entdeckungsreise gehen möchte. Ein paar eingestreute Ereignisse wie eine Sportverletzung passen gut dazu. Und dann kommt der nicht völlig überraschende ungebetene Besuch vorbei. Brandis muss zu einer List greifen, deren Auswirkungen er nicht abschätzen kann. In gewohnter Manier gibt der Autor dem Hörer Einblick in die Denkweise und das Wesen von Mark Brandis und seinem Kameraden, die beide einen sehr natürlichen, in keiner Weise konstruierten Eindruck hinterlassen - genau so wie man die Figuren aus den vorangegangenen Teilen bereits kennen gelernt hat. Auch die Story wirkt stimmig, ohne zu viel Pathos und mit allerlei aparten Details zum (erdachten) Raumfahrerleben. Genügend, doch nicht zu viel Dramatik begleitet den Überfall und Marks geschickten Versuch, diesen abzuwehren.

Wie gewohnt überzeugen zudem die Sprecherstimmen, auch an stimmigen Hintergrundgeräuschen und deren - moderatem - Einsatz wurde nicht gespart. Ein spannendes Hörspiel, eines der besten der Reihe!


Nero: Kaiser, Künstler und Tyrann
Nero: Kaiser, Künstler und Tyrann
von Generaldirektion Kulturelles Erbe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

5.0 von 5 Sternen Annäherung aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, 11. Juli 2016
Dass es sich um einen Ausstellungskatalog handelt, fällt zunächst gar nicht auf, da es keinen klassischen Katalogteil mit aufeinanderfolgenden Abbildungen der Exponate samt Erläuterungen zu ihnen gibt. Der Band erweist sich als - freilich großzügig bebildertes -Sachbuch mit dem Anspruch, ein umfassendes, facettenreiches und faktenbasiertes Bild von Nero zu präsentieren, wobei gerade in der Rezeptionsgeschichte auch den Legenden um Nero ihre Rolle zugestanden wird.

Angenehmerweise ist das sehr umfangreiche und gehaltvolle Buch so gestaltet, dass der Leser nicht genötigt wird, alle Abschnitte beziehungsweise Kapitel nacheinander zu lesen, sondern er kann sich, wenn er möchte, zunächst die Themen herausgreifen, die ihn am meisten interessieren. Die Grundstruktur, das "Rückgrat des Buchs", folgt allerdings der Chronologie - mit einigen Seitentrieben wie etwa Neros Faszination für die Künste, denen er auch selbst aktiv frönte, seine Selbstdarstellung, die beispielsweise anhand von Skulpturen und der Münzen mit seinem sich über die Jahre ändernden Konterfei kenntlich wird, und Neros schwierige Beziehung zum Militär.

Trotz der hohen Informationsdichte lässt sich das Buch angenehm lesen; es wurde so aufbereitet, dass sich der an Geschichte interessierte Laie gern und nachhaltig damit beschäftigt. Zahlreiche Illustrationen, zumeist Fotos, ergänzen die Texte, woraus eine gute Anschaulichkeit gerade im biografischen und kulturellen Kontext resultiert. Im Abschnitt "Nero, der Tyrann" finden sich wiederum Übersichten zu Nero und seinen Vorgängern aus dem julisch-claudischen Haus, in denen untersucht wird, wie viele Familienmitglieder dem jeweiligen Kaiser zum Opfer fielen, sprich, ob Nero gewalttätiger beziehungsweise skrupelloser war als seine kaiserlichen Verwandten. Dem gegenüber stehen im Abschnitt zur Rezeption Neros zum Beispiel dessen Rolle als Opernfigur, Motiv in der Kunst über die Jahrhunderte oder Filmheld ("Quo vadis").

Diese Annäherung aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, gepaart mit einer sachlichen, doch nicht trockenen Darstellung, macht das Buch zu einer wertvollen Lektüre, die jeden Euro ihres Preises wert ist und darüber hinaus Neugier weckt auf die Ausstellung. Und in welcher deutschen Stadt wäre diese besser aufgehoben als in Trier?


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