Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Sonderangebote Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited longss17
Profil für H.Schwoch > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von H.Schwoch
Top-Rezensenten Rang: 1.095
Hilfreiche Bewertungen: 4336

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
H.Schwoch "hschwoch"
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Death Song
Death Song
Preis: EUR 13,99

4.0 von 5 Sternen Wie sie so dröhnen und föhnen, 24. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Death Song (Audio CD)
Kürzlich las ich in der Zeitschrift 'eclipsed' eine ergreifende, aus tiefstem Herzen geschriebene Plattenkritik. Gegenstand dieser Rezension war das Album DEATH SONG von The Black Angels, eines 2004 gegründeten ehemaligen Sextetts und heutigen Quintetts aus Austin/Texas, das inzwischen fünf Alben und diverse EPs veröffentlicht hat.

"The Black Angel's Death Song" ist eine eher nervende Nummer mit kaputten Violinenklängen aus dem höchst einflussreichen Debütalbum von The Velvet Underground von 1967, die als musikalische Vorbilder der Black Angels gelten. Das kann für DEATH SONG vereinzelt durchaus bestätigt werden ("I'd Kill for Her"), doch eigentlich verdankt sich diese intensive, teils schräge wie zugleich hoch melodische Scheibe eher dem (Dark) Wave der frühen 80er. Eine Band wie Siouxsie & the Banshees fällt mir da sofort ein, aber auch Wire, The Chameleons, The Sisters of Mercy oder The Psychedelic Furs.

Die Stimme des Leadsängers (ist es Alex Maas, wie die Zeitschrift 'Classic Rock' behauptet oder Christian Bland, wie 'eclipsed' vermutet?) klingt eher weiblich (Julie Driscoll + Siouxsie Sioux), aber das ist durchaus von hohem Reiz und untermalt die sehr kompakte, durchgehende Atmosphäre aus Drama und Melancholie.

Einige Songs, wie das umwerfende, hoffnungslose Liebeslied "Half Believing" mit seinem schwebenden Mellotron und einem überragenden Refrain, "Comanche Moon", "Estimate" oder "Life Song", ragen heraus, aber hier wird jeder seine eigenen Lieblingstitel finden. Unerwartet kommt die nostalgische, an Creedence Clearwater Revival erinnernde Gitarre in "Grab as Much (As You Can)".

Wie sie so dröhnen und föhnen, die Black Angels, das hat schon was. Also kaufen und amtlich abheben!


Is This The Life We Really Want?
Is This The Life We Really Want?
Wird angeboten von DVDMAXXX
Preis: EUR 13,40

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der lohnende Tritt in den Allerwertesten, 23. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Is This The Life We Really Want? (Audio CD)
Der diffizile und streitbare, mittlerweile um einiges über siebzigjährige George Roger Waters aus der englischen Grafschaft Surrey ist längst eine lebende Musiklegende, und obwohl seine wenigen, in großen Abständen erschienenen Soloalben stets ziemliche kommerzielle Flops waren, so verbuchte er mit höchst aufwendigen Nostalgie-Tourneen, die im Wesentlichen auf Pink Floyd-Klassikern beruhen, vor allem in den letzten zehn Jahren gigantische Erfolge.

Mit einer neuen und vielleicht letzten Rockplatte tat er sich lange recht schwer, doch dann kamen ein ... nun ja ... eigenwilliger US-Präsidentschaftskandidat namens Donald J. Trump und ein erfolgreicher englischer Plattenproduzent und Musiker namens Nigel Godrich daher, die dem alten Mann den entscheidenden Tritt in den Allerwertesten verpassten.

Das Ergebnis trägt die, natürlich rhetorische, Frage IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT? im Titel, enthält zwölf Songs zwischen gut einer und knapp sieben Minuten und soll laut Waters 'eine Art Hörspiel' darstellen. Musik, Sprachfetzen und Alltagsgeräusche ('Field recordings'), vereint zu einem auralen Gesamterelebnis - so etwas hat er schon immer geliebt. Das geniale Pink Floyd-Album THE WALL von 1979, letztlich zu großen Teilen sein eigenes Werk, war ein eindrückliches Beispiel dieser künstlerischen Herangehensweise.

Geschickt vorbereitet durch die Veröffentlichung des höchst eingängigen "Smell the Roses" mit seinen Funk-Gitarren und schwebenden Synthesizern, das an diverse 70er-Floyd-Evergreens inklusive des unsterblichen Hits "Another Brick in the Wall" erinnerte, steigerte Waters die allgemeine Neugier auf das neue Album mit dem für ihn erfreulichen Ergebnis, das selbiges weltweit sensationell hoch in die Charts einstieg. Und selbst in Trumps USA reichte es auf Anhieb für Platz 11 der Billboard 200.

In ihrer fassunglosen Begeisterung verrechnete sich die Internetseite 'Pulse & Spirit' sogar ganz leicht: 'Roger Waters ist mit seinem neuen Album (...) in zwei Ländern direkt auf den ersten Platz der Charts eingestiegen! In der Schweiz, Tschechien und Norwegen führt er die Hitliste der meistgekauften Alben an!'. Einflussreiche Mainstream-Medien wie 'Der Spiegel' ('Agitprog') und selbst der 'Rolling Stone' schrieben Elogen, wobei Letzerer sich dann feige doch nur zu drei von fünf möglichen Bewertungssternen durchringen konnte. Ist halt schnöder Artrock und kein 'Americana' oder 'Alternative Indie Folk', gell? ;-)

Zum Abschluss (?) seiner mehr als fünfzigjährigen Karriere als 'recording artist' greift Waters noch einmal ganz tief in die Trickkiste und zaubert ein Album hervor, das mit seinen unzähligen Referenzen an ferne Pink Floyd-Jahre, aber auch an seine Soloarbeiten, ein nostalgisches Erlebnis der Güteklasse A darstellt. Und wie spätestens seit seinen für einen damals nicht einmal Dreißigjährigen geradezu unheimlich 'lebenserfahrenen' Texten für DARK SIDE OF THE MOON von 1973 schreit hier fast alles 'Bedeutung!!!' mit mindestens drei Ausrufezeichen. Doch erstmals schleicht sich gelegentlich auch eine gewisse, vielleicht altersbedingte Sentimentalität ein ("The Most Beautiful Girl").

Singen konnte der Mann noch nie wirklich, und zudem wirkt seine Stimme inzwischen zum Teil ein wenig wackelig und heiser, aber er trotzt diesen Entwicklungen geradezu heroisch. Was die Songs betrifft, so hat Waters schon seit Ewigkeiten keine so großartigen Nummern wie das fabulöse "Picture That" (mit einer nicht ganz so 'stechenden' Gitarre wie Marianne Faithfulls berühmte Version von Lennons "Working Class Hero") , "Broken Bones" oder das bereits erwähnte "Smell the Roses" mehr verfasst. Das akustisch-melancholische Abschluss-Triptychon "Wait for Her" / "Oceans Apart" / "Part of Me Died" wird in Teilen von einer simplen, aber wirkungsvollen Glamrock-Gitarre untermalt.

Überhaupt die E-Gitarre: Es gibt Menschen, die behaupten, dass diese auf IS THIS THE LIFE ... fast komplett fehle. Was hier in der Tat weitgehend fehlt, sind elegische Soli im Stile von David Gilmour, aber davon abgesehen sind die drei Gitarristen Jonathan Wilson, Gus Seyffart und Nigel Godrich sehr präsent. Also, liebe Leute, bitte noch mal genauer hinhören!

Geradezu schwelgerische Streicherarrangements (David Campbell) erinnern zum Teil an jene der ersten vier grandiosen Bee Gees-Alben (1967-1969) und füllen die 'Gilmour-Lücken' auf.

Für "The Last Refugee" und "The Most Beautiful Girl" scheint Schlagzeuger Joey Waronker sich das sanfte Ticken von Mick Woodmanseys Drums in David Bowies Endzeitphantasie "Five Years" aus ZIGGY STARDUST von 1972 sehr genau angehört zu haben.

Das Album beginnt (und endet) mit Waters' unverständlicher, wie durch Watte tönenden Stimme. Dazu tickt, ganz leise, eine Uhr. Jenes die Nachbarn erschreckende, vielstimmige Weckerklingeln von DARK SIDE OF THE MOON bleibt allerdings aus. Die Bedeutung dieses Intros könnte man natürlich genauestens hinterfragen. Überhaupt könnte man über das Album buchdicke Abhandlungen verfassen. Man könnte es aber auch einfach nur genießen und immer wieder auf sich wirken lassen.

Nigel Godrich hat sich kräftigst bemüht, dem Meister das allzu ausufernde Predigen abzugewöhnen. Das ist ihm im Wesentlichen, wenn auch nicht immer, gelungen. Und wenn man ein, zwei Nummern ganz weggelassen hätte, wäre dieses Album in sich vielleicht noch überzeugender geworden. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Insgesamt empfinde ich IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT? nämlich als ein faszinierendes Alterswerk, das mich seit einer Woche (seltsamerweise immer Nachts) zu bezaubern versteht.

PS: Jenes Geräusch, das Roger Waters nach sieben Sekunden in "Broken Bones" von sich gibt, stellt mich vor ein Rätsel. Was ist das? Ein genervtes Schnauben? Oder eher ein Hochziehen von gewissen Naseninhalten in die Nebenhöhlen? Warum hat er es auf dem Album belassen? Und was will er uns damit sagen? Vielleicht wird er es uns irgendwann verraten, der alte Fuchs.

Goodnight everyone.


One With The Universe
One With The Universe
Preis: EUR 15,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein Blues, 22. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: One With The Universe (Audio CD)
Samsara Blues Experiment ist ein 2007 gegründetes deutsches Trio und spielt, zumindest auf dieser, ihrer vierten Scheibe, definitiv keinen Blues.

Das verdienstvolle Progmagazin 'eclipsed' machte ONE WITH THE UNIVERSE zu seinem 'Album des Monats' im Mai 2017. Meine Güte.

Nun will ich absolut nicht sagen, dass ich diese Platte nicht mag, denn es gibt hier durchaus einige eindrucksvolle Parts, vor allem im Opener "Vipassana", zum Beispiel mit einem tollen Vintage-Synthesizer-Solo.

Wenn 'Eins mit dem Universum' allerdings über rund 47 Minuten im Wesentlichen einen rauen, wenig virtuosen Leadsänger plus eine Menge schwerer, dabei häufig nicht sehr melodischer Gitarren-Jams bedeutet, dann möchte ich doch eher kein dauerhafter Teil dieses Universums sein. ;-)
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 26, 2017 12:58 PM MEST


America,Location 12
America,Location 12
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein hell schwingendes Meisterwerk, 14. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: America,Location 12 (Audio CD)
Die Kunde von der Existenz einer Band namens Dispatch drang erst kürzlich über ihren unwiderstehlichen, auf der Promo-CD einer Musikzeitschrift zu findenden Ohrwurm "Skin the Rabbit" zu mir durch. Dabei wurde das Trio aus der Kleinstadt Middlebury in Vermont/USA bereits 1995 gegründet und hat zwischen 1996 und 2012 fünf Alben veröffentlicht.

Nach mehrjähriger Pause fanden die College-Freunde Chad Urmston, Pete Heimbold und Brad Corrigan schließlich im kalifornischen Stinson Beach wieder zusammen, um in vier Monaten ihre nächste Scheibe aufzunehmen. Auf dem Grundstück ihres herrlich gelegenen Studios über dem Pazifischen Ozean entstand auch das von Produzent John Dragonetti aufgenommene Foto, auf dem Brad Corrigan, der gerade vom Duschen kam, in seinem 'birthday suit' zu bewundern ist. Und so kann das neue Album auf jeden Fall schon mal mit einem der ungewöhnlichsten Cover-Artworks der Rockgeschichte aufwarten.

AMERICA, LOCATION 12 klingt dermaßen frisch und souverän, als seien die Songs aus einem ganzen Haufen von Titeln ausgewählt worden, von denen die besten elf es schließlich auf das Album geschafft haben. Ihre kompositorischen und musikalischen Vorbilder dürften dabei z.B. Leuchten wie Brian Wilson (The Beach Boys), Gerry Beckley, Dewey Bunnell und Dan Peek von der Band America, Paul Simon oder auch Crosby, Stills & Nash gewesen sein, wobei sich unter all die herrlich gesungenen und arrangierten Folkpop-Nummern auch die eine oder andere Rockgitarre schmuggelt.

Ausgerechnet der sechsminütige Opener "Be Gone" führt mit seinem wechselhaften, komplexen Aufbau etwas in die Irre. Es würde nicht verwundern, wenn Brian Wilson es in vielen Stunden für PET SOUNDS oder SMILE geschmiedet und später um eine Metal-Gitarre erweitert hätte.

Das folgende "Only the Wild Ones" wiederum transportiert eine Atmosphäre, wie Paul Simon sie einst in seinem Hit "50 Ways to Leave Your Lover" oder für sein Erfolgsalbum GRACELAND geschaffen hat.

"Begin Again" ist ein herrlich folkiger Mutmacher, das geniale "Rice Water" macht einfach nur sprachlos, und das abschließende "Atticus Cobain" betont die rockige Seite der Band. Aber es gibt hier einfach keinen einzigen auch nur mittelmäßigen Song.

AMERICA, LOCATION 12 ist ein hell schwingendes Meisterwerk speziell für die Monate Mai bis September. Dabei hält sich der schmale produktionstechnische Grat zwischen Opulenz und Schlichtheit derart brilliant in der Waage, dass sowohl Liebhaber des konservativen Schönklanges als auch eher alternativ sozialisierte Menschen ihre Freude an dieser Scheibe haben dürften.

Die Vinyl-Ausgabe (Download-Code wird mitgeliefert) beeindruckt durch exquisiten Klang und ein Gatefold-Textblatt, bei dem die Schrift aber leider derart winzig und unlesbar geraten ist, dass man die vielfältigen Song-Lyrics nur mit der Lupe entziffern kann. Kleiner Tipp: Eine berühmte Internet-Plattform unterstützt die an den Texten interessierten Menschen durch einige hübsche Videos. ;-)


The Discovering Of Time
The Discovering Of Time
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Instrumental Electronic Prog Pop, 4. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Discovering Of Time (Audio CD)
Jürgen Krutzsch aus Werdohl im Sauerland war in den siebziger Jahren Gitarrist der semilegendären Band Tibet, die von diversen Prog- und Artrock-Größen beeinflusst wurde und 1979 ihre erste und einzige LP veröffentlichte. Später begann er sich für elektronische Klänge zu begeistern und veröffentlichte 1985 das Album ISOLATION unter dem Projektnamen Cinema, dem er satte 27 Jahre später den Nachfolger THE MAGIX BOX und 2014 dann LOOPINGS folgen ließ.

Der rührige 65-jährige Multiinstrumentalist konnte zwar nie irgendwelche bedeutenden Plattenverkäufe erzielen, aber darum geht es ihm offenbar auch nicht wirklich, und so bringt er nun mit THE DISCOVERING OF TIME ein weiteres Produkt seiner musikalischen Phantasien zu Gehör, das in Fachkreisen durchweg lobende Erwähnung findet.

Das neue Album besteht aus zehn Instrumentalstücken zwischen vier und siebeneinhalb Minuten Länge, dessen Herkunft sich, um es einmal ganz übersichtlich zu machen, im Wesentlichen aus den Namen Tangerine Dream, Alan Parsons Project und David Gilmour (Pink Floyd) herleiten lässt. Ein-, zwei Mal meine ich auch, etwas 'modernere' Klänge zu vernehmen, die dann z.B. in Richtung Mittachtziger-Yello gehen ("Down to the Caves"). Und bei "Lost in Space" wartet man eigentlich nur darauf, dass gleich die sonore Stimme von Dieter Meier einsetzt.

Unterstützt von Schlagzeuger Dirk Brand (Axxis) und gleich drei Gitarristen namens Benjamin Peiser, Jörg Dudys und Christian Schwarzbach, lässt Jürgen 'Pöngse' Krutzsch unter der technischen Regie seiner Freundin Brigitte Grafe und des ehemaligen Grobschnitt-Mitglieds Eroc, der später mit teilweise höchst eingängigen elektronischen Klängen ("Wolkenreise", "Vogelfrei") zu einigem Erfolg kam, ein nicht nur klangtechnisch eindrucksvolles Werk vom Stapel.

Es gibt hier kaum wirklich eingängige Stücke, keine offensichtlichen 'Hits', und einen gewissen Mangel an Eigenständigkeit muss man dem Schöpfer dieses Albums natürlich auch attestieren, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) gebiert es mit jedem Hördurchgang weitere Lieblingsstücke. Dies ist feiner Instrumental Electronic Prog Pop.


At Onkel PÖ's Carnegie Hall Hamburg 1979 [Vinyl LP]
At Onkel PÖ's Carnegie Hall Hamburg 1979 [Vinyl LP]
Preis: EUR 22,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein angenehmes Pflichtteil, 27. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich sitze auf dem Balkon und lese meine Zeitung, die späte Maisonne glitzert durch die sattgrünen Bäume. Die Vögel zwitschern fröhlich um die Wette, und aus dem Wohnzimmer weht dazu Live-Musik des legendären amerikanischen Jazztrompeters Chet Baker (1929-1988) zu mir herüber, die am 2. April 1979 nur etwa 30 Kilometer von meinem heutigen Standpunkt entfernt in 'Onkel Pö's Carnegie Hall' im damaligen Hamburger Stadtteil Eppendorf vom NDR aufgezeichnet wurde.

Dass jener Auftritt von Chet Baker und seiner damaligen Band, bestehend aus Phil Markowitz (Piano), Jean Louis Rassinfosse (Bass) und Charlie Rice (Drums), im Jahre 2017 doch noch das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte, grenzt an ein Wunder, doch weitere Aufnahmen aus dem Pö sollen von nun an in lockerer Folge erscheinen. Zur ersten Serie gehören auch Johnny 'Guitar' Watson (1976), Dizzy Gillespie (1978), Albert Collins (1980) und Elvin Jones (1981).

Ich bin eigentlich kein Jazz-Fan, doch es gibt Ausnahmen. Zu meinen späten Entdeckungen gehört der wunderbare Chesney Henry Baker Jr., genannt Chet. CHET, so heißt auch eines seiner zahllosen Alben, erschienen in meinem Geburtsjahr. Damals war er schon vom Heroin abhängig und - nach einer längeren Phase mit dem Ersatzstoff Methadon - angeblich ab Ende 1978 wieder. Es gibt Leute, die sagen, dass er als Musiker mit der Droge am besten war.

Sein Trompetenton war für Jazz-Verhältnisse oftmals außergewöhnlich sanft, schwebend, melodisch. Seine Aggressionen ließ er woanders aus, und seine geschundene Seele äußerte sich in seiner Performance nur unterschwellig. Die Aufnahmen aus dem 'Onkel Pö' zeigen einen lustvollen Künstler, der mit seinen drei Begleitern in einem wunderbaren, inspirierten Austausch stand. Jeder erhielt dabei ausreichend Gelegenheit, mit schönen, niemals zu ausführlichen Soli zu glänzen. Und einmal, in "There'll Never Be Another You", sang Chet sogar.

Die Tonqualität dieser fast vierzig Jahre alten Archivaufnahmen ist transparent, kraftvoll, schlichtweg hervorragend. Die beiden Vinyl-LPs klingen, mit Ausnahme einiger weniger Kratzer in den Leerrillen, umwerfend gut. Das Gatefold-Cover enthält auf Deutsch und Englisch eine liebevoll-wehmütige Erinnerung des damals 22-jährigen Journalisten und Hörfunkmoderatoren Michael Laages an das Konzert. Die beiden Innenhüllen sind absolut identisch: auf einer Seite ein Schwarz-Weiß-Außenfoto des Onkel Pö, und auf der anderen Seite ein Textauszug in Deutsch und Englisch aus dem Buch "Mein Onkel Pö" von Holger Jass.

Die insgesamt fünf Stücke dieses knapp 100-minütigen Dokuments des puren Könnens stammen von Cole Porter, Donald J. Sebesky, Harry Warren/Mack Gordon, Wayne Shorter und Richie Beirach. Fazit: CHET BAKER AT ONKEL PÖ'S CARNEGIE HALL HAMBURG 1979 ist ein höchst angenehmes Pflichtteil.

PS: In Kürze kommt ein Spielfilm über Chet Baker in unsere Kinos. Ethan Hawke (46) spielt den damals knapp dreißigjährigen Musiker. Der deutsche Trailer verheißt nichts wirklich Gutes. Stichwort: US-Klischee-Entertainment. Aber lassen wir uns überraschen. ;-)


Let It Flow
Let It Flow
Preis: EUR 13,01

4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, entspannend und zeitlos, 24. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Let It Flow (Audio CD)
Der Sänger und Multiinstrumentalist David Thomas "Dave" Mason, geboren 1946 in Worcester/England, begann bereits mit vierzehn Jahren in lokalen Bands Gitarre zu spielen. 1967 gehörte er neben Steve Winwood, Jim Capaldi und Chris Wood zu den Gründungsmitgliedern der heute seltsam vergessenen 'Supergroup' Traffic, für die er Songs wie den Pophit "Hole in My Shoe" oder die in der Version von Joe Cocker berühmt gewordene Hippie-Hymne "Feelin' Alright" schrieb. 1968 produzierte er das faszinierende, aber klangmäßig leider unbefriedigende Debütalbum MUSIC IN A DOLL'S HOUSE von der Band Family.

Nach seiner Übersiedlung in die USA begann er 1970 eine Solokarriere, die ihm über Jahre hinweg mittlere Positionen in den dortigen Album- und Singlecharts und Hunderttausende verkaufte Schallplatten bescherte, während die übrige Welt davon vollkommen unberührt blieb.

1977 sah er in etwa so aus wie der damalige Genesis-Sänger Phil Colins und veröffentlichte sein sechstes Album LET IT FLOW, das mit dem wunderbaren, von seinem langjährigen Gitarristen Jim Krueger geschriebenen "We Just Disagree" seinen größten Singlehit (Platz 19 in den USA) enthielt. Dieser bittersüße Song über das Ende einer Freundschaft gehört bis heute zu den beliebtesten Titeln der zahllosen amerikanischen 'Classic Rock'- und 'Adult Contemporary'-Radiostationen. Das mindestens ebenso schöne "Mystic Traveller" wurde hingegen als B-Seite (!) jener Single verschwendet.

Mit dem locker-flockigen, oftmals durch perfekte Harmony Vocals und Streicher untermalten Yacht Rock von LET IT FLOW setzte sich der beeindruckende Sänger Dave Mason der Kritik einiger 'ernsthafter' Rockkritiker aus, konnte jedoch gleichzeitig Anhänger von Namen wie den Doobie Brothers, Boz Scaggs, Hall & Oates, Loggins & Messina, Firefall usw. bis hin zu den Eagles und Toto für sich gewinnen.

Gelegentlich brach Mason aber auch aus dem Soft-Rock-Konzept aus, z.B. wenn er in "Takin' the Time to Find" eine raffinierte Mischung aus Traffic, Santana und Steely Dan ertönen oder sich bei "Then It's Alright" von souligen Bläsern und Backgroundsängerinnen unterstützen ließ.

Die Hälfte der zehn durchweg gelungenen Songs stammte von ihm selbst, die andere Hälfte ließ er sich von anderen auf den Leib komponieren. Und so entstand ein ziemlich tolles, stets eingängiges Album, dem man mehr als Platz 37 in den US-Charts gewünscht hätte. Und dass der Rest der Welt die Scheibe vollkommen ignorierte, entzieht sich im Nachhinein meinem Verständnis. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen. ;-)

Jedenfalls ist LET IT FLOW höchst unterhaltsam, herrlich entspannend und absolut zeitlos.


Pollinator
Pollinator
Preis: EUR 11,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hoher Ohrwurmfaktor, 21. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Pollinator (Audio CD)
Es war im Frühling 1978, als sich eine Band namens Blondie mit der Punk-Wave-Synth-Powerpop-Coverversion eines US-Top-Ten-Hits von 1963 (Randy & the Rainbows) in meine empfangsbereiten Ohren und in mein Herz spielte. "Denis" fasste in gerade einmal 2 Minuten und 15 Sekunden alles zusammen, was einen perfekten Popsong ausmacht, und wurde dafür verdientermaßen u.a. mit Platz 2 in England und Platz 9 in Deutschland belohnt. Der Song stammte aus Blondies zweitem Album PLASTIC LETTERS, welches zu Recht begeisterte Kritiken erntete und sich über ein Jahr in den UK-Charts halten konnte.

Warum sie sich danach von ihrem Produzenten Richard Gottehrer trennten und das nächste Album PARALLEL LINES von dem englischen Glamrock-Guru Mike Chapman (The Sweet, Suzi Quatro, Mud, Racey, Smokie usw.) produzieren ließen, bleibt im Dunkel der Geschichte, doch ausgerechnet mit ihm kam endlich auch der Erfolg in ihrem Heimatland USA. Von 1979 bis 1981 folgte dann Hit auf Hit: "Heart of Glass", "Sunday Girl", "Dreaming", "Atomic", "Call Me", "The Tide Is High", "Rapture" waren nur die allergrößten davon.

Sängerin Deborah ("Debbie") Harry, geboren 1945 in Miami als Angela Trimble, hatte keine besonders tolle Stimme, doch diesen Umstand glich sie locker durch Personality und Performance aus. Sie und die coolen Jungs der Band verkörperten mit ihrer Mischung aus Arroganz, Unnahbarkeit und gleichzeitiger musikalischer Zugänglichkeit das perfekte Vorbild für Acts wie The Pretenders, Ideal, Eurythmics oder auch eine Pop-Ikone wie Madonna.

Als Anfang der Achtziger zunächst die Inspiration nachließ und dann auch noch Gitarrist Chris Stein schwer erkrankte, war es mit Blondie schnell vorbei. Die Band löste sich 1982 auf, und niemand schien sie zu vermissen. Ihr Comeback 1999 mit dem Superhit "Maria" und dem (schwachen) Album NO EXIT kam vollkommen überraschend und war vor allem finanziellen Problemen ihres Gitarristen zu verdanken. Danach folgten im Abstand von mehreren Jahren einige weitere, durchaus gelungene, gleichwohl schrecklich erfolglose Scheiben, ehe sie nun, mehr als vierzig Jahre nach ihrem Debüt, eines der besten Alben ihrer gesamten Karriere präsentieren: POLLINATOR.

Wenn man diese CD direkt nach THE BEST OF BLONDIE einlegt, könnte man meinen, dass da überhaupt keine Unterbrechung eintritt; zumindest, was die ersten fünf Nummern betrifft, die ausnahmslos aus den Jahren '78 bis '80 stammen könnten und allesamt einen unglaublichen Ohrwurmfaktor haben. Blondie at their very best. Mit "Fun" liefern sie sogar ein absolut reines Disco-Stück ab - also etwas, was sie selbst damals, in der legendären Disco-Ära nie getan haben.

"Best Day Ever", "Gravity" und das flache, gleichwohl recht hübsche "When I Gave Up on You" fahren das Level erst mal herunter, ehe "Love Level" mit munteren Bläsern und tollen Synthies wieder richtig Spaß macht.

"Too Much" setzt das fantastische Ohrwurmpotential der ersten fünf Nummern fort, und mit dem finalen, siebenminütigen "Fragments", einer Coverversion von an Unkindness aus dem Jahre 2007, folgt ein hervorragender, überraschend komplexer Abschlusstitel.

Blondie haben für das passend betitelte POLLINATOR ('Befruchter') im Wesentlichen auf Gastkomponisten gesetzt. Nur zwei der elf Songs ("Doom or Destiny", "Love Level") stammen überhaupt von Debbie Harry/Chris Stein. Doch keine Sorge: Blondie bleiben Blondie, denn die von ihnen Berufenen sind ihrem Auftrag zumeist sehr einfühlsam nachgekommen. Es ist halt auch eine Frage der richtigen Auswahl.

Und selbst ihre wohl angeborene Überheblichkeit haben sie nicht an der Garderobe abgegeben. In einem Interview mit dem 'ZEIT Magazin' sagte Chris Stein im März 2017 über die Jahre ihrer musikalischen Anfänge: 'Ich bin mir sicher, dass alle bei den Eagles wahnsinnig nette Menschen sind. Aber ihre gruselige Musik macht das nicht besser. Ich fühlte mich damals von dieser Dudelmusik wirklich bedroht, weil sie allgegenwärtig zu sein schien. (...) Wann immer "Hotel California" im Radio lief, und das war ständig, wechselte ich sofort den Sender. Es gab vor dieser furchtbaren Musik kein Entkommen. Ich bekam Brechreiz von den Eagles. Den bekomme ich heute noch!'.

Als stolzer Altpunker darf man so was sagen. Mr. Stein wird niemals in seinem Leben einen so genialen Song wie "Hotel California" schreiben, aber immerhin hat er mit Blondie ein beeindruckendes Kapitel der Popgeschichte geschrieben. Und mit POLLINATOR wird diesem Kapitel ein sehr unterhaltsames Unterkapitel hinzugefügt.


Mohribold
Mohribold
Wird angeboten von London Lane Deutschland
Preis: EUR 52,80

4.0 von 5 Sternen Ein verlorenes Mike Oldfield-Album, 19. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Mohribold (Audio CD)
Wenn man dem Foto auf seiner Homepage eine gewisse Aktualität unterstellen kann, dürfte der Multiinstrumentalist Andrew Taylor aus Norwich/England so etwa um die Dreißig sein. Nach Auskunft der britischen Musikzeitschrift 'Prog' ist er Mitglied eines 'Folktronic'-Duos namens 24thofjune (zu Deutsch: 24. Juni) und nimmt Ambient- und Electronica-Stücke unter dem Künstlernamen 'ajt' auf.

Sein eigener Name steht für mehrere digital verfügbare Produktionen, von denen sein ursprünglich bereits 2011 erschienenes Album MOHRIBOLD seit 2016 auch als CD verfügbar ist.

"Sometimes I like to lose myself whilst playing music, a lot of different stuff comes out. I learnt guitar playing along to Mike Oldfield's TUBULAR BELLS. My first instrument was made from a cereal box, a kitchen roll tube and some elastic bands" teilt uns Taylor auf seinem sympathischen Internetauftritt mit, von dem aus er seine musikalischen Ergüsse zu verkaufen trachtet.

In der Tat könnte MOHRIBOLD ein verlorenes Mike Oldfield-Werk in der Tradition von HERGEST RIDGE und vor allem OMMADAWN sein, so unfassbar authentisch nähert sich Andrew Taylor sowohl instrumental als auch vom kompositorischen Aufbau her an das überlebensgroße Vorbild an.

Unterstützt von Hugh Stanners (Trompete), John Mudd (Cello) und Rose Moore (Fagott) breitet Taylor in vier Stücken zwischen gut vierzehn und gut achtzehn Minuten genüsslich einen zumeist wunderbar melodischen musikalischen Teppich aus, der Oldfield absolut das Wasser reichen kann. Damals, in den 70ern, wäre dies ein heute wahrscheinlich kultisch verehrtes Doppelalbum geworden, wenn es denn tatsächlich von Mike Oldfield stammen würde. Tut es aber nicht.

Gleichwohl sollte diese Tatsache niemanden vom Kauf dieser zwar in gewisser Hinsicht kopistischen, trotzdem unbedingt eigenen, kreativ hochwertigen und produktionstechnisch makellosen Leistung abhalten. So please support the artist!


Thinking Of A Place
Thinking Of A Place
Preis: EUR 1,29

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sie sind zurück, 14. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Thinking Of A Place (MP3-Download)
Mit dem zauberhaften Album LOST IN THE DREAM schafften Mastermind Adam Granduciel und seine Band The War on Drugs 2014 den weltweiten Durchbruch. Drei Jahre danach werden sie nun endlich ihr neues Werk veröffentlichen und auf große Tournee gehen.

Zum 'Record Store Day' im April wurde den Fans mit "Thinking of a Place" ein mehr als 11-minütiger Song in einer 'early version' auf einer Maxi-Single und als Download präsentiert, der zu den größten Hoffnungen Anlass gibt. Musikalisch knüpfen The War on Drugs hier nahtlos an das Material des letzten Albums an. Mehr denn je erinnert Granduciels Stimme im Ausdruck an einen jungen Bob Dylan, doch ohne dessen nervige Knödelei.

Die Musik schwebt schwelgerisch-träumerisch auf Wolken von Gitarren und Keyboards dahin, während die Drums, gleichförmig wie ein Metronom, einen Zustand der inneren Ruhe entstehen lassen. "Thinking of a Place" ist ein wehmütiges Liebeslied.

Diese elf Minuten erscheinen dem gebannten Hörer wie vier oder höchstens fünf. Also noch mal hören. Und noch mal. Und ...

Sie sind zurück, und das ist einfach schön.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20