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Rezensionen verfasst von
Peter Weber "pwb" (Pisa, Italien)

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Der Peloponnesische Krieg (Die Bibliothek der alten Welt)
Der Peloponnesische Krieg (Die Bibliothek der alten Welt)
von Georg Peter Landmann
  Gebundene Ausgabe

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Analytiker der historischen Verstrickung, 9. Dezember 2011
In angelsächsischen Ländern gehört Thukydides zum Kanon der liberalen Bildung, eine Pflichtlektüre in vielen Studiengängen. In Deutschland, einst das Mutterland der Antikenbegeisterung, fristet er dagegen seit langem ein Schattendasein. Das ist schade, denn es gibt bis heute kaum einen besseren Lehrmeister, wenn es darum geht, die globalen Wirkkräfte unserer chaotischen Welt zu verstehen. Gilt Herodot als "Vater der Geschichte", so muss man Thukydides gleich eine ganze Reihe von Ehrentiteln zugestehen, ganz sicher als Vater der wissenschaftlichen Geschichtsforschung und Begründer der kritischen Politikwissenschaft. Thomas Hobbes nannte ihn deshalb den "politischsten Historiker, der je geschrieben hat".

Das Problem bei Thukydides ist indes seine extreme Verdichtung, die in Verbindung mit dem komplexen Kriegsgeschehen die Lektüre zu keiner ganz einfachen Übung macht. Schon Cicero kritisierte die Komprimierung und Komplexität seines Buchs, indem er behauptete, es enthalte fast genauso viele Gedanken wie Wörter. Aus diesem Grund braucht der Anfänger eine Anleitung, um sich auf das Werk einzulassen. Empfehlenswert ist etwa zunächst eine Konzentration auf die signifikantesten Passagen, etwa die Pathologie (der Sittenverfall im Krieg III, 82), den Melier-Dialog (ab V, 84) und die Sizilische Expedition (die Bücher VI und VII). In diesen Teilen des Gesamtwerks wird der Leser bald merken, dass Thukydides nicht nur ein scharfer Denker, sondern auch ein großer mitfühlender Dramatiker war. So gibt es in der Weltliteratur keinen tiefschürfenderen Text zur Philosophie der Macht als den Dialog der Athener mit den von ihnen belagerten Bewohnern der Insel Melos. Und seine Schilderung der athenischen Katastrophe vor Syrakus wurde von Thomas Macaulay mit Recht als das "non plus ultra of Human Arts" bezeichnet. Eine packendere und zugleich klarere Darstellung der Verstrickungen auf dem Weg zur historischen Katastrophe wird der Leser auch in modernen Geschichtsmonografien kaum finden.

Die vorliegende Ausgabe bietet eine kompetente und nicht übermäßig lange Einführung in das Werk und ein umfangreiches Register. Die Übersetzung von Georg Peter Landmann ist gut verständlich und angemessen, wobei die berüchtigten Schachtelsätze mancher Reden etwas entflochten wurden. Schmerzlich vermisst wird dagegen ein Kartenwerk, ohne das die komplexen Kriegsoperationen oft nur schwer nachvollziehbar sind. Als ideale Ergänzung zur vorliegenden Ausgabe sei daher der Band Die Demagogen: Der Untergang des Attischen Reiches empfohlen, der neben einer dramatischen Aktualisierung und Fortführung des Geschehens bis zum Ende des Konflikts auch umfangreiches Kartenmaterial zu den wichtigsten Schlachten des Krieges bietet.


Caesar Biografie
Caesar Biografie
von Wolfgang Klemm
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,20

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Caesar seziert: Ein Kriminalfall!, 25. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Caesar Biografie (Taschenbuch)
Diese Rezension ist die Fortsetzung der Besprechung des ersten Bandes (siehe Cäsar Biografie - Band 1: BD 1)

Im Zentrum des zweibändigen Buches am Übergang vom ersten zum zweiten Band stehen Caesars Kriege und seine politische Laufbahn. Nachdem die militärischen Erfolge am Ende des ersten Bandes abgehandelt wurden, beginnt der zweite Band mit der Darstellung und Analyse der weniger erfreulichen Ereignissen: Krisen, Niederlagen, Fehler und Kriegsverbrechen. Als Arzt befasst der Autor sich auch intensiv mit den Suizidplänen seiner Hauptperson.
Weiter geht es dann um seine Leistungen und Pläne nach der Machtübernahme und der Ernennung zum Diktator. Dabei wird auch seine "Regierungsmannschaft" vorgestellt.
Zwei besonders spannende Kapitel untersuchen die Verschwörung seiner Gegner und danach besonders ausführlich den letzten Tag im Leben des Julius Caesar, die Iden des März. Auch hier erfährt man nebenbei wieder interessante Nachrichten aus der modernen Forensik und Pathologie. Dadurch wird auch endlich enthüllt, welcher Verschwörer genau den tödlichen Stich gegen den Diktator anbrachte.
Am Schluss stehen noch eine Lebensbilanz und Beurteilung, eine Würdigung des Schriftstellers Caesar und eine Sammlung seiner überlieferten Zitate, sowie das bereits erwähnte recht witzige Interview mit dem Geist des großen Julius, eine literarische Begegnung, in der noch einmal zusammenfassend herausgearbeitet wird, was sich seit Caesars Zeiten alles geändert hat und was bleibt.
Alles in allem ist dieses Buch eine enorme und durchgehend kompetente Fleißarbeit, eine wahre Fundgrube, die den staunenden Leser auf eine überaus fruchtbare Reise führt in eine Epoche, die unserem postmodernen Zeitalter viel näher ist, als den meisten lieb sein dürfte. Wer an der Persönlichkeit und der Karriere Caesars aus beruflichen oder privaten Gründen interessiert ist, sollte dieses Buch auf keinen Fall verpassen!


Caesar Biografie
Caesar Biografie
von Wolfgang Klemm
  Taschenbuch
Preis: EUR 23,20

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Caesar seziert: Eine Fundgrube!, 25. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Caesar Biografie (Taschenbuch)
Die xte Biografie über Julius Caesar! Sicher, die faszinierendste Persönlichkeit der Antike, aber fast 900 Seiten in zwei Bänden! Warum sollte ein moderner Mensch sich das noch antun? Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Gründen, die diese Biografie vom akademischen Einheitsbrei abheben und auch für Leser interessant machen, die der antiken Geschichte sonst vielleicht nur begrenztes Interesse entgegenbringen. Als Mediziner hat der Autor teilweise einen ganz anderen Blickwinkel auf sein Thema, und so ist dieses Buch weit mehr als eine reine Lebensbeschreibung geworden. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung interessanter und kurioser Notizen über Leben, Politik und Krieg im antiken Rom zum Ende der Republik. An vielen Stellen seiner Darstellung verdeutlicht der Verfasser dabei auch, warum es wichtig ist, dass wir uns mit unseren Vorfahren beschäftigen, weil wir nämlich sonst ihr Schicksal allzu leicht teilen könnten.
Was kann also der Leser erwarten? Zu den Stärken des Buches zählen die vielfachen Gegenwartsbezüge: Obwohl versucht wird, den Menschen Caesar primär aus seiner Zeit heraus zu verstehen, wird doch immer wieder gefragt, ob die moderne Wissenschaft etwas bisher Übersehenes hinzufügen kann und was daraus für unser Verständnis gefolgert werden kann. Durch interessante Exkurse und einige literarisch ungewöhnliche Kunstgriffe - wie etwa ein fiktives Interview - wird auf unterhaltsame Weise versucht, Caesar dem modernen Menschen nahe zu bringen. Ein Pluspunkt ist dabei sicherlich der systematische Aufbau des Werkes. Anders als viele am chronologischen Lebenslauf klebende Biografen, seziert Dr. Klemm nacheinander die verschiedenen Aspekte der Person und Vita Caesars.
So beginnt das Buch zwar mit einer notwendigen Einführung in die Quellenlage und einem raschen chronologischen Überblick. Doch danach sucht der Arzt sich möglichst schnell auch dem "Patienten" zu nähern, um aufgrund der vorliegenden Informationen zu einem "Befund" im Lichte der heutigen Medizinwissenschaften zu gelangen. Ausgehend von Abstammung, Familie und sozialem Umfeld, werden alsbald die Ambitionen Caesars, seine körperliche Konstitution und Krankheiten, seine Erscheinung und seine Lebensgewohnheiten, seine Psyche, sein Liebesleben und sein Umgang mit Geld untersucht. Ein Kapitel befasst sich sogar mit dem Biorhythmus, doch wenn man als Skeptiker dieser Wissenschaft darauf hofft, an dieser Stelle vielleicht endlich einmal hanebüchenen Unsinn zu lesen, dann muss man bald feststellen, dass Dr. Klemm selbst diesem Thema noch hochinteressante Nachrichten über den Alltag im alten Rom abzugewinnen weiß.
Immer wieder hebt der Autor den Blick auf allgemeine Betrachtungen oder moderne wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Exkurse und scheinbaren Nebensächlichkeiten sind deshalb überhaupt eine der Stärken des Buches, das sich gerade wegen seines manchmal spekulativen Charakters so unterhaltsam liest. So bleibt der Leser gefordert, selber zu entscheiden, wie weit er dem Ermittler auf der jeweiligen Spur noch folgen möchte.
Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen Tabellen und Übersichten, die eine gute Orientierungshilfe bieten. Dank dieser Hilfsmittel ist man keineswegs gezwungen, das ganze Buch Seite um Seite durchzuarbeiten, sondern kann es auch vielfach als Nachschlagewerk nutzen oder gezielt nur die persönlich interessantesten Aspekte aus dem Leben Caesars herauspicken. Dies wird noch zusätzlich erleichtert durch die großzügige Nutzung verschiedener Hervorhebungsmöglichkeiten (v.a. Fettdruck), durch die sich praktisch auf jeder beliebig aufgeschlagenen Seite sofort erschließt, welches Thema gerade anliegt.
Im Zentrum des Buches am Übergang vom ersten zum zweiten Band stehen Caesars Kriege und seine politische Laufbahn. Auch hier wird wieder systematisch vorgegangen, beginnend mit den politischen und militärischen Erfolgen bis hin zu den Niederlagen, Fehlern und Kriegsverbrechen. Der erste Band endet mit einer abschließenden Übersicht und Bewertung der militärischen Leistungen.
Die Fortsetzung dieser Rezension mit der Gesamtbeurteilung folgt in der Besprechung des zweiten Bandes: Cäsar Biografie - Band 2: BD 2


Der unheimliche Planet
Der unheimliche Planet
von Andre Norton
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nur wer riskiert, kann das Unerwartete finden!, 15. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Der unheimliche Planet (Gebundene Ausgabe)
Wenn man seine Bücher verleiht, darf man nicht immer erwarten, sie auch zurück zu bekommen. So ging's mir vor langer Zeit mit diesem Roman, und die Tatsache, dass ich nach dreißig Jahren noch mal danach forsche, ist doch ein Beweis, dass er mich damals, im Alter von vielleicht 15 Jahren, gepackt hatte.
Hier geht es um einen jungen Burschen auf erster Tour an Bord eines interstellaren Handelskreuzers. Bei einer Auktion ersteigert man die Handelsrechte für einen kriegszerstörten Planeten, auf dem man dann aber doch einige unerwartete Entdeckungen macht, wobei unser junger Held natürlich eine herausragende Rolle spielen darf.
Alles in allem solide und spannende Weltraumunterhaltung. Ob sie allerdings heute noch zeitgemäß ist, bleibt dahingestellt. Einige "Zukunftstechnologien" sind doch inzwischen von der realen technischen Entwicklung ziemlich überholt. Manchmal macht aber ja gerade das den Reiz der Science Fiction aus. Oder warum sollte man sonst heute noch immer Jules Verne lesen?


Guttenberg: Biographie
Guttenberg: Biographie
von Eckart Lohse
  Gebundene Ausgabe

23 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überall ist Abstrusistan!, 1. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Guttenberg: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Der Hoffnungsträger hat uns verlassen und mit ihm alle Hoffnung, dass diese Republik noch einmal eine Inspiration von einem besseren Leben vermitteln könnte. Der wunderheilende Doktor von Kunduz praktiziert nicht mehr seine glanzvollen Auftritte im Namen der Liebe und Menschlichkeit. Zum Verhängnis wurde ihm ein banaler Kunstfehler: Abstrusistan statt Afghanistan! Sein Ende war wohl vermeidbar und doch zuletzt unvermeidlich. Unser Märchenprinz ist tot, gemeuchelt von den intellektuellen Neidern seiner Eleganz, und wir vermissen bereits seinen festen Schritt, seine schmeichelnde Eloquenz und die leuchtenden Augen seiner strahlenden Prinzessin. Das trauernde Volk steht betroffen an der Bahre im Bewusstsein, dass kein noch so ausgesuchter Designer-Anzug ihm je den Glauben an den Glanz und die Strahlkraft dieser vielgescholtenen Demokratie zurückgeben kann. Wer soll uns jetzt noch von unserer Demokratieverdrossenheit heilen? Beim Glauben, deine Partei der Liebe war unsere letzte Hoffnung! "Hast du uns sonst noch etwas zu sagen, Sokrates? Denk nach!" Sokrates antwortet nicht mehr. Sein Leib zuckt zusammen und bleibt dann starr. Platon tritt heran und drückt dem Toten die Augen zu. Während Platon und Antheus still trauern und Parabolos eine Decke über den Leichnam zieht, tritt Aristophanes allein hinaus auf den Platz.

Aristophanes (zum Publikum):
So kam zu Athen das kluge Wort aus der Welt,
die gestürzten Götter trauern im Sternenzelt.
Das Schöne und Wahre, auch die Tugend besiegt,
die Weisheit versiegt, die Philosophie unterliegt.
Die Literatur verdorrt, das Schiff der Hoffnung zerschellt,
der Logos ist bald wie der Baum der Freiheit gefällt.
Der Wahrhaftigkeit nicht mehr im Geringsten verpflichtet,
im Dialog gewinnt nur, wer den andern vernichtet.
Grad wollten die Sophisten, dass das Wort regiert,
da wurde es auch schon durch das Abbild negiert.
Ihr wart noch überzeugt, es regiert nur das Geld,
indem hatte es gleich die Bilder in Dienst gestellt.
In bunten Farben sollen sie das Denken betrügen,
ach was, Denken, nein Fühlen muss euch genügen!
Nicht mehr die Tat, allein die Empfindung zählt,
so merkt es auch keiner, wenn der Gedanke fehlt.
Ach, die Wahrheit ist tot, die Dialektik zerrissen,
der eitle nichtige Schein ersetzt bald alles Wissen.
All eure Gedanken, Sätze, Werte und Normen
sollen kaum mehr als beliebiges Beiwerk formen.
Kein Buch, kein Diskurs und kein Freiheitstraum,
so will es die neue Sanktion für den Ätherraum.
Untergraben durch freche, schamlose Demagogie,
entschläft in sanfter Lähmung zuletzt die Demokratie.
Derweil habt ihr euch wohl zwei Stunden amüsiert,
dabei kaum bemerkt, wie man euch den Verstand rasiert.
Denn das Spektakel geht weiter, ob's gefällt oder nicht,
es ist allein die Sympathie, die das Urteil spricht.
So vernehmt denn das Gesetz, das ab morgen gilt:
Die schöne neue Welt wird regiert durch das Bild!
Macht also Platz der neuen, vergnügten Telekratie,
begrüßt die Vernichtung, Auslöschung, Panolethrie!

(Zitat aus: Die Akte Sokrates Die Demagogen: Der Untergang des Attischen Reiches, S. 392f.)
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2011 5:15 PM CET


Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull: Der Memoiren erster Teil
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull: Der Memoiren erster Teil
von Thomas Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich mach den Guttenberg!, 27. Februar 2011
Ich habe das Buch vor etwa 25 Jahren gelesen und mich dabei gut unterhalten, auch wenn ich damals noch mehr auf Abenteuergeschichten stand und es mich deshalb nicht völlig vom Hocker gehauen hat. Weil es so lange zurück liegt, will ich hier auch nicht auf Einzelheiten eingehen oder literarische Wertungen vornehmen, sondern aus aktuellem Anlass lediglich anregen, dass man es doch mal wieder öfter im Deutschunterricht behandeln sollte. Abgesehen davon, dass dieses Buch sich wesentlich leichter liest als das meiste von Thomas Mann, ist die Lebensbeichte des Felix Krull meines Erachtens auch hervorragend geeignet, die Frage aufzuwerfen, was ein junger Mensch aus seinem Leben machen will. Damit kann dieser Text zum Ausgangspunkt für Reflektionen und Diskussionen werden, und dies gilt umso mehr in einer Zeit, in der der Schein immer öfter über das Sein zu obsiegen droht. (vgl. dazu "Die Akte Sokrates" in Die Demagogen: Der Untergang des Attischen Reiches, S. 392f).


Gesetzgebung in Westeuropa: EU-Staaten und Europäische Union
Gesetzgebung in Westeuropa: EU-Staaten und Europäische Union
von Wolfgang Ismayr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 69,99

5.0 von 5 Sternen Unverzichtbares Handbuch für staatliches Handeln in Europa, 6. November 2010
Wolfgang Ismayr hat bereits mit seinen Sammelbänden über Die politischen Systeme Westeuropas und Die politischen Systeme Osteuropas zwei absolute Standardwerke vorgelegt, die immer wieder neue Auflagen erfahren. Dieser dritte Band geht nun einen Schritt weiter, indem die Bedingungen der Gesetzgebung in den ersten fünfzehn Mitgliedstaaten der EU sowie in der Europäischen Union selbst untersucht werden. Die Koordination der Forschungen zu so vielen Ländern ist eine äußerst komplexe Angelegenheit, und deshalb in diesem Band darauf verzichtet, auch die jüngeren Mitgliedstaaten einzubeziehen. Eine weitere Studie über die noch fehlenden Staaten ist aber in Vorbereitung.
In den einzelnen Länderstudien wird trotz aller Unterschiede im jeweiligen System nach einem allgemeinen Muster vorgegangen. Dabei wird zunächst der verfassungsrechtliche Rahmen der Gesetzgebung abgesteckt. Anschließend wird die Funktion der Gesetze in den Zusammenhang der Staatstätigkeit und der Rechtskultur des Landes gestellt. Den zentralen Teil jeder Länderstudie bildet die Darstellung des Gesetzgebungsprozesses mit den jeweiligen Besonderheiten, von der Initiative über die Beratung in den Ausschüssen und im Plenum bis zur Verabschiedung und Veröffentlichung. Verfassungsgesetze, Haushaltsgesetze, Verordnungen, die Umsetzung von EU-Richtlinien und legislative Referenden werden gesondert behandelt. Nach Möglichkeit wird auch die wissenschaftliche Politikberatung und die Gesetzfolgenabschätzung einbezogen. Schließlich endet jeder Beitrag mit einem Ausblick auf die wichtigsten Entwicklungen.
In seinem "De l'esprit des lois" bemerkte Montesquieu, dass "die überflüssigen Gesetze die notwendigen schwächen" (S. 506). Die anhaltenden Klagen über die Verordnungsflut aus Brüssel und das Übermaß staatlicher Gängelei sollten daher ernst genommen werden. Die vorliegende Sammelstudie zeigt jedoch auch, dass sich die meisten EU-Mitglieder doch um eine rationale und an den dringlichsten Notwendigkeiten ausgerichtete Gesetzgebung bemühen. Falls jemand den Eindruck hat, dass dies in seinem Land eher nicht der Fall ist, kann er hier nachlesen, woran das eventuell liegen könnte. Wer sich für die Gestaltung der Politik in Europa interessiert, kommt an diesem Buch ohnehin nicht vorbei.


Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
von Thilo Sarrazin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

20 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hurra wir lesen noch!, 5. November 2010
Es ist sicher sehr lobenswert, dass in Deutschland wieder eine Debatte darüber geführt wird, wie wir uns eine wünschenswerte Zukunft des Landes vorstellen. Das Verdienst dafür gebührt sicher nicht zuletzt Thilo Sarrazin, der in seinem aufrüttelnden Buch viele wichtige und manche besorgniserregende Fakten zusammengetragen hat. Mit seinem Buch hat er Millionen von Deutschen dazu gebracht, diese Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. Bei der Interpretation seiner Daten liegt er aber sicher des öfteren daneben, insbesondere was seine Thesen zur Intelligenzentwicklung eines Volkes betrifft. Was helfen schon tolle Intelligenzgene, wenn sie auf eine Oberschicht beschränkt sind, deren Söhne und Töchter sich dann doch nur auf die faule Haut legen, um vom Gesparten der Eltern oder Großeltern leben (sicher nicht alle). Soziale Mobilität ist daher für die Entwicklung einer Gesellschaft mindestens so wichtig wie ein intelligenzlastiger Genpool (sofern es so etwas überhaupt gibt).

Viel besorgniserregender ist deshalb die Aufspaltung der Gesellschaft in zwei entgegengesetzte Lager, von denen das eine zum Glück weiterhin die intellektuelle Herausforderung der Lektüre pflegt, um sich zu bilden und informieren, während die zweite, langsam aber unweigerlich anwachsende Gruppe dies längst als unzumutbare Anstrengung zurückweist und sich nur noch apathisch vom immer seichteren Fernsehprogramm unterhalten lässt. Hier deutet sich wirklich eine gefährliche Spaltung der Gesellschaft an, und wer im Bildungsbereich mit Kindern und Heranwachsenden arbeitet weiß, wie schwer es angesichts der Konkurrenz von Game Boy, Playstation u.ä. ist, da noch gegenzusteuern.

Das eigentliche Verdienst Sarrazins ist daher, dass er nach Joanne K. Rowling der zweite ist, der eine beachtliche Zahl von Menschen im Lande dazu gebracht hat, mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen. Wenn dies nicht öfter gelingt, dann geht es uns bald wie in der Satire "Die Akte Sokrates", wo der Philosoph Platon am Ende fragt: "Vielleicht haben ja auch wir das gebildete Volk nur geträumt? Dann waren wir selbst nur ein eingebildetes Völkchen. War also alles nur eine Utopie: der Gedanke, dass die Besten das ungebildete Volk aufklären und durch die Philosophie zur Höhe ans Licht führen könnten? Seit die Lampenbilder regieren, ist das verbilderte Volk doch unwissender denn je und bald vielleicht nur noch ein ganz und gar verblödetes Volk". (Zitat aus: Petreius Hyphantes: Die Demagogen, S.387)
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 12, 2010 2:03 PM CET


Der Untergang von Melos: Machtpolitik im Urteil des Thukydides und einiger Zeitgenossen
Der Untergang von Melos: Machtpolitik im Urteil des Thukydides und einiger Zeitgenossen
von Wolfgang Will
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vollständigste Philosophie der Macht", 28. Oktober 2010
Die Eroberung der Insel Melos im Jahr 416 v. Chr., eine eher unbedeutende Episode mitten im Frieden, die mit der Versklavung der Frauen und Kinder und der Ermordung aller erwachsenen Männer endete, wurde zum weltpolitischen Ereignis durch einen kleinen Dialog, den der Historiker Thukydides den Beteiligten in den Mund legte: den Melierdialog.
Nur ein paar Seiten in seinem großen Werk über den Peloponnesischen Krieg, enthält der Text die bis heute radikalste Analyse zur Ideologie der Macht. Es ist "ein zeitloser Text, der wichtigste, den ein Historiker der Antike schrieb", ein Eckpfeiler im liberalen Bildungskanon, der eigentlich an allen Schulen Pflichtlektüre sein sollte.
Leider aber wird Thukydides in Deutschland viel zu oft übergangen, und daran wird, wie es aussieht, auch Wolfgang Will nur wenig ändern, obwohl er in seinem kleinen, sehr angenehm zu lesenden Büchlein alle Aspekte klar ausleuchtet, von der Vorgeschichte bis zu den fatalen Folgen der durch leichte Siege angestachelten Hybris.
Mit Thukydides sucht Will nach einer Antwort auf die bis heute aktuelle Frage: Was treibt eine Großmacht (hier: Athen) bei der Formulierung und Ausdehnung ihres Herrschaftsanspruchs bis zum Völkermord, und was sind die Folgen? Dabei lernt der Leser auch einige hochinteressante Zeitgenossen des Thukydides kennen, insbesondere den Tragödiendichter Euripides, neben Shakespeare der größte Dramatiker der Weltliteratur, und den Sophisten Diagoras, den ersten Atheisten der Weltgeschichte.
Die Konsequenzen des ungezügelten Imperialismus haben die Athener wie wenige andere Völker unmittelbar selbst heraufbeschworen, insbesondere durch ihre unselige Sizilienexpedition, die von Thukydides meisterhaft geschildert wurde und hier ebenfalls in den Zusammenhang gestellt wird.
Gegen die imperialistische Unvernunft setzte Thukydides seinen Versuch einer empathisch begründeten Rationalität, zu der die Regierungen aber anscheinend bis heute nur in glücklichen Ausnahmefällen fähig sind. Wie von Thukydides vorausgesagt, hat sich hinsichtlich der menschlichen Dimension von Politik in fast zweieinhalb Jahrtausenden kaum etwas verändert. Einzig die technischen Hilfsmittel sind heute ungleich ausgereifter und ermöglichen daher die wesentlich effizientere Verwirklichung umfassender Katastrophen.
Was also tun? Das Buch von Will lesen und vor dem nächsten Schlamassel rechtzeitig laut und vernehmlich "Halt" rufen!


Caesar
Caesar
von Wolfgang Will
  Gebundene Ausgabe

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Feldherr und Diktator, Schriftsteller und Propagandist: ein Staatsmann?, 27. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Caesar (Gebundene Ausgabe)
Gaius Julius Caesar ist vermutlich die bekannteste Persönlichkeit der Antike. Selbst der größte Geschichtsmuffel hat wohl schon einmal von seiner Eroberung Galliens gehört (Folgen: Hunderttausende Tote, ein erfolgreicher Comic und 60 Millionen Europäer, die sich heute noch mit dem Circonflexe herumschlagen müssen), von seiner Würfelpartie am Rubikon (Folgen: ein Bürgerkrieg, ein Techtelmechtel am Nil und das Ende der Römischen Republik) oder seiner Ermordung an den Iden des März (Folgen: ein Staatsstreich, ein weiterer Bürgerkrieg und ein unsympathischer, aber gar nicht so dummer Erbe).
So gibt es genügend Gründe, weshalb die Bewertung von Caesar Leben selbst 2000 Jahre später noch hitzige Debatten auslösen kann. Im Mittelalter und bis ins 20. Jahrhundert herrschte lange eine uneingeschränkte Bewunderung vor, und von christlicher Seite wurde Caesar ohne zu zögern unter die "guten Heiden" eingereiht.
Wer Wolfgang Will kennt, kann sicher sein, dass er damit gründlich aufräumen wird. Entscheidend ist aber, wie er das macht. Allein die antiken Nachrichten über Caesar könnten wohl zweitausend Seiten füllen, und wenn man die Rezeptionsgeschichte dazu nimmt, käme noch einmal so viel dazu. Aus dieser dem Durchschnittsleser kaum zumutbaren Masse heraus schafft Will es, sein Thema auf knapp 200 Seiten auf den Punkt zu bringen, dabei alle wichtigen Ereignisse abzudecken und zu einem ausgeglichenen Urteil zu kommen.
Dazu greift er vor allem auf die zeitgenössischen Zeugnisse zurück, deren Urteil über den Diktator noch nicht durch die spätere Verherrlichung verfälscht wurde. So erfährt der Leser nebenbei manches über die politischen Zustände in der Römischen Republik, wobei sich mitunter auch ein leiser Wiedererkennungseffekt in Bezug auf unsere ach so moderne Demokratie einstellen will.
Caesars Charakter und Handeln finden vor diesem Hintergrund auch entschieden positive Würdigung, wo es angemessen erscheint. So werden sein Mut und sein militärisches Genie ebenso herausgestellt wie sein Talent als Schriftsteller und Propagandist. Am interessantesten ist aber das Urteil über Caesar als Politiker, ... doch das sollte der interessierte Kunde dann schon selber nachlesen. Flott geschrieben und angenehm zu lesen: Kaufen!


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