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Rezensionen verfasst von
T.B.K.

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Last Days of the Century
Last Days of the Century
Wird angeboten von Softbayglobal
Preis: EUR 22,68

3.0 von 5 Sternen Brillanz und Einfallslosigkeit vermischt mit den Klängen der 80er, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Last Days of the Century (Audio CD)
Nachdem ich mich in der letzten Zeit ausgiebig mit Al Stewarts Musikkatalog NACH seinen großen Erfolgen mit "Year Of The Cat" und "Time Passages" auseinandergesetzt habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass Stewarts spätes Werk vollkommen zu Unrecht nur wenig Anklang findet, kann man doch alle Alben seit "Famous Last Words" (1993) als durchgängig brillant bezeichnen.

Beeindruckt von diesen Erfolgserlebnissen wagte ich mich an das verschmähte "The Last Days Of The Century" (ein kostengünstiges Exemplar von "Russians and Americans" konnte ich bisher leider noch nicht ergattern) und war beim ersten Durchhören offen gesagt etwas enttäuscht. Kühl und uninspiriert, ins sterile Soundgewand der 80er gepresst, wollte mir das Werk nicht so recht gefallen. Also hörte ich es nochmal...und nochmal...und nochmal. Nun, nachdem ich das Album etliche Male und sehr bewusst durchgehört habe, habe ich einige Titel entdeckt, die mir gefallen, jedoch ebenfalls viele, die mir (trotz intensiven Hörens) immer noch genau so nichtssagend erscheinen wie beim ersten Hören. Die 80er waren beileibe nicht Stewarts Zeit und seine Kreativität schien auch ein wenig aufgebraucht, wenn sie auch noch hier und da aufblitzte.

Der Titeltrack ist eines der besseren Stücke, mitreißend und flott und sowohl kompositorisch wie auch musikalisch eindeutig ein Produkt der 80er (ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass eine solche Komposition auf irgendeines seiner 70er-Alben passen könnte). Gefällt mir ganz gut und bleibt im Ohr. "Real and Unreal" ist ein Meisterstück dieses Albums, ein angenehm abwechlumgsreicher Ausflug in den Swing, Syntheziser und dergleichen halten sich hier sehr zurück. Dagegen ist das simple "King Of Portugal" wieder voll in den 80ern, was sich mit dem flotten aber mit der Zeit nervigen "Red Toupee" sogar noch steigert. "Where Are They Now" ist wieder ruhiger und hat eine ganz hübsche Melodie, die aber durch die furchtbare Produktion gelegentlich ins Schlagerhafte abdriftet. Ebenso wenig beeindruckt mich "Bad Reputation", das allenfalls nett ist, die Melodie kann man leider nur als uninspiriert bezeichnen. Zu seinen Folk-Wurzeln kehrt Stewart dann im grandiosen "Josephine Baker" zurück, das auch auf späteren Werken wie "Between the Wars" (natürlich mit etwas anderer Produktion) nicht fehl am Platz gewesen wäre, während "License to Steal" mich auch nach dem 100. Hören nicht packen kann. Mit diesem ständigen Auf und Ab geht es munter weiter: "Fields of France" ist ein wunderschönes, wieder mehr akustisches und ruhiges Lied, "Antartica" rockiger und mit hübscher Panflöte aber auch wieder eher fader Mainstream-Rock. Die letzten beiden Stücke sind durchweg sehr gut: "Ghostly Horses" ist ein tolles Instrumental und "Helen and Cassandra" ein äußerst gelungener Abschluss (m. E. das beste Stück hier, vielseitig und atmosphärisch).

Im Endeffekt bleibt LDOTC also eines von Als weniger gelungenen Alben, denn ähnlich fade wie er bisweilen hier klingt habe ich ihn auf bisher keinem weiteren seiner Alben gehört. Schuld daran ist zum einen die Produktion, die mit Drum-Machines und Synthesizern zum Abwinken aufwartet, zum anderen aber auch die für Als Verhältnisse teils sehr nichtssagenden Kompositionen. Glücklicherweise zeigt er uns immer wieder zwischendurch, dass er es noch immer drauf hat und liefert einige schöne Songs ab, die das Album sehr aufwerten, jedoch leider nicht ganz retten können.

Vielleicht bin ich zu verwöhnt von all den anderen genialen Alben die dieser Mann herausgebracht hat. Fakt jedoch ist: LDOTC ist nicht schlecht (wenn man etwas Geduld hat und die Produktion verkraften kann), jedoch deutlich unter Als gewohntem Niveau. Allen, die sich für Als Musik interessieren, sei dennoch empfohlen, mal reinzuhören. Es ist schließlich ein Album von Al Stewart. Also: Reinhören und selbst herausfindeb wie es einem gefällt.


Between the Wars
Between the Wars
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 28,66

5.0 von 5 Sternen Es ist eine Schande..., 24. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Between the Wars (Audio CD)
...dass niemand dieses famose Album kennt. Al Stewart ist, nach Höhepunkten in den 70ern ("Year Of The Cat", "Time Passages") und einer - zugegeben - musikalisch eher schwachen Phase in den 80ern, leider komplett in Vergessenheit geraten. Dabei macht der Mann noch immer Musik und hat mit dem 93er-Album "Famous Last Words" wieder den Weg zu alter kompositorischer Brillanz eingeschlagen, den er auf all seinen kommenden Werken beibehalten hat!

Das 1995 veröffentlichte "Between The Wars" gehört zu seinen späten Meisterwerken. Thematisch und musikalisch an die Jahre zwischen den Weltkriegen angelehnt, ist dieses angenehm sparsam produzierte, vornehmlich akustische Werk ein fröhliches, leichtes und kompositorisch ausgefeiltes Album, das man von vorne bis hinten als brillant bezeichnen muss.

Al paart seine (wie gewohnt) raffinierten Texte mit großartigen Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Manche Stücke kommen angenehm flott daher ("Night Train to Munich", "Lindy Comes To Town", "Always The Cause"), andere sind ruhiger ("Life Between The Wars", "Marion The Chatelaine") und alle sind sehr atmosphärisch (besonders das grandiose "Sampan"). Der Höhepunkt ist m.E. das elegante und gleichsam fesselnde "Laughing Into 1939", das zu Als besten Kompositionen überhaupt gehört!

Ein Trauerspiel, dass kaum einer diese späten Werke des Meisters kennt.
Also: Wem Als 70er-Alben gefallen haben, der sollte UNBEDINGT hier reinhören! Er hat NICHTS von seiner Genialität eingebüßt. Klarer Kauftip!


Ilse Bilse. CD: Lieder vom Liebhaben, Wegfliegen und Wiederkommen
Ilse Bilse. CD: Lieder vom Liebhaben, Wegfliegen und Wiederkommen
von Fredrik Vahle
  Audio CD

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wunderschöne CD, die Kinder und Erwachsene bezaubert, 9. Juni 2014
Fredrik Vahle hat ja schon viiiele wunderbare Kinderalben aufgenommen, aber "Ilse Bilse" finde ich besonders schön.

Auf diesem Album ist "Liebe" der eigentliche Schwerpunkt, dabei werden aber auch die melancholischen Seiten dieses Themas betrachtet. In "Lied von der Eifersucht" oder "Mamas Freund" beispielsweise geht es zum Beispiel auch um Trennung und wie Kinder damit umgehen und Stücke wie "An dem Weg da steht ein Baum" wirken fast wehmütig.
Dem gegenüber stehen aber auch fröhliche Lieder, wie "Das Eierlied", "Märchenreise" oder "Schornsteinfeger ging spazieren". Und Fredrik Vahle beweist mal wieder, dass er die herrlichsten Gute-Nacht-Lieder schreibt, gleich zwei wunderbare Einschlafmelodien ("Wiegenlied für Nora" und "Abendlied") sind hier enthalten.

Insgesamt ist "Ilse Bilse" ein einfühlsames und zärtliches, mal heiteres, mal trauriges Album für Kinder und Eltern, die den 08/15-Einheitsbrei der Kinderlieder leid sind. Schon ich liebte dieses Album als ich klein war und ihr Kind wird sicherlich dasselbe tun!


Du bist mein Liebling!: Meine schönsten Lieder
Du bist mein Liebling!: Meine schönsten Lieder
von Erwin Grosche
  Audio CD

5.0 von 5 Sternen Heiteres, Melancholisches, Verrücktes - Erwin Grosche eben!, 4. Juni 2014
Ich liebe Erwin Grosche, in all seinen zahlreichen Facetten. Allen voran ist er ein großartiger Kabarettist, der sich stets einen naiven, aber sehr treffsicheren Blick auf die unscheinbaren, kleinen und meist alltäglichen Dinge bewahrt hat. Diese Eigenart zeichnet sein ganzes Werk aus und dazu zählen eben auch seine zahlreichen Kinderlieder.

Ich selbst bin mit der "Straßenbande" (damals noch auf Vinyl) großgeworden und liebe sie bis heute inniglich. Das (soweit ich weiß) erste Album Grosches für Kinder, das vielmehr ein Hörspiel war, jonglierte gut zwischen kindlichen Gefühlen: Mal frech, mal lustig, mal nachdenklich, mal sehnsüchtig...alles war dabei!

Nun liegt mit "Du bist mein Liebling" eine Zusammenstellung aus gut 20 Jahren Kinderliedermachens vor die uns wirklich nur Tolles bietet: Lustige, charmante Kinderlieder, die zum Mitsingen anregen ("Die kleinen Krebse", "Ballade von den Eierlein", "Ein Ei auf einem Löffel saß", "Jungs sind nicht so blöde wie man denkt", "Lufffftpumpenrap"), witzig-groteske Lieder ("Fliegenlied", "Restaurant der herausschauenden Köche"), wundervolle träumerische Melodien ("Regentropfen", "Der Kaugummiautomat", "Das Mädchen vom anderen Stern", "Schlaflied") und auch Melancholisches ("Der große Mann", "Wenn du wüsstest"), zudem gibt es ein fetziges, sehr witziges "Winterlied" für die Weihnachtszeit.

Erwin Grosche kramt tief in seinem Katalog und birgt wahre Schätze! Besonders gefreut hat mich, dass auch 2 Titel der "Straßenbande" dabei sind (wenn auch eines davon neu arrangiert und eingespielt), aber auch alle anderen, die ich zuvor nicht bzw. nur zum Teil kannte, sind ausnahmslos wundervoll! Grosches Lieder sind angenehm anders als die nervigen 08/15-Kinderlieder. Sie haben Gefühl, Tiefe...eine Seele eben. Und das ist es, was heranwachsende Menschen am allermeisten brauchen!

Auch, wenn die CD (leider!) nur noch gebraucht erhältlich ist: Versuchen Sie, ein Exemplar zu erwerben! Ihr Kind wird es Ihnen danken! Und Sie es sich auch, denn diese CD nervt auch nach dem 10. Mal Hören nicht! KAUFEN!


00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse [Blu-ray]
00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse [Blu-ray]
DVD ~ Rocko Schamoni
Preis: EUR 8,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Make my day, Helge!, 11. April 2014
Über die Polarisierung Helges filmischen Schaffens bei Kritikern und Publikum wurde schon vor ziemlich genau 20 Jahren diskutiert, weshalb ich dieses Fass jetzt nicht mehr öffnen möchte. Jeder, der Helge und seine Filme kennt, weiß, was ihn erwartet. Und jeder, der Helges Filme liebt, wird (meiner Ansicht nach) nicht enttäuscht.

Natürlich ist es nicht ganz leicht, an einen (unter Fankreisen) bereits zum "Kultfilm" deklarierten Streifen wie "00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter" (1994) anzuknüpfen, doch Helge hat das einzig Richtige getan: Er hat mit "Im Wendekreis der Eidechse" keinen müden Ausläufer seines Vorgängers sondern einen völlig neuen, für sich stehenden Film gemacht, der nicht von der Kopie oder Zitierung des "Originals" lebt, sondern eigenständig und einfach wieder anders ist. Der Charakter und das Outfit des Komissars haben sich - wie Helge über die Jahre auch - entwickelt und verändert und das ist auch gut so. Alles entwickelt sich weiter, wäre dem nicht so, stünden wir still - und es gibt nichts Schlimmeres, was man einem Komiker nachsagen könnte. Helge steht nicht still, er verändert sich - ohne sich dabei nicht treu zu bleiben. Und das merkt man auch dem Kommissar an, der jetzt etwas lässiger und cooler daherkommt und auch mal die Fäuste schwingen lässt (also eher so ist, wie er auch in den Romanen beschrieben wird).

"Im Wendekreis der Eidechse" spielt geschickt mit dem Genre, das er persifliert und ist ein Musterbeispiel Helges sensibler Beobachtungsgabe.
Ferner ist er eine wahre Augenweide: Die vereinzelten in Spanien gedrehten Szenen haben Flair und sehen toll aus und kontrastieren geschickt die Szenen, die in Mülheim (Ruhr) gedreht wurden (und auch ihren ganz eigenen Charme haben). Optisch und atmosphärisch punktet der Film meiner Ansicht nach ganz gewaltig - Helge imitiert geschickt das Milieu des typischen Krimi-Thrillers und vermischt es mit der für ihn charakteristischen Helge-Schneider-Atmosphäre.

Zu den Darstellern: Mit dem grandiosen Andreas Kunze wie auch dem unverwechselbaren Helmut Körschgen sind leider zwei echte Originale von uns gegangen, jedoch freut man sich über viele Auftritte weiterer alter Bekannter wie Peter Thoms oder Sergej Gleithmann sowie dem Bösewicht, gespielt von Rocko Schamoni, der eine äußerst einprägende Performance abliefert.

Die Blu-Ray bietet alles, was man von dem Medium erwartet: Scharfes Bild, klaren Ton und jede Menge Extras wie Making Of, Mis- und Outtakes oder einem Interview mit Helge.
Ich bin schon lange ein großer Helge-Schneider-Fan und mir hat "Im Wendekreis der Eidechse" wirklich sehr gefallen. Meine Angst der versuchten "Nachahmung" des Vorgängers war glücklicherweise völlig unberechtigt, die Anlehnungen an ältere Schneider-Filme geschehen angenehm dezent und unaufdringlich - so, wie es sein soll!
Also: Für alle, die WISSEN, womit man es mit Helges Filmen zu tun hat und diese mögen: KAUFEN!
Sollte man noch keinen Film von ihm kennen, würde ich vorschlagen, erst mal reinzuschauen und nicht gleich zu kaufen und dann hier zu fluchen. Das erspart die hundertste Wiederholung einer Diskussion über Schneiders künstlerischen Wert, die ohnehin zu nichts führt.

Helge: Thanks, you made my day!


Ich lasse mir das Singen nicht verbieten
Ich lasse mir das Singen nicht verbieten
Preis: EUR 8,48

26 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Oh je, HaPe..., 6. April 2014
Hape gehört zweifelsfrei zu den besten und talentiertesten Comedians Deutschlands. Aber in den letzten Jahren - so leid es mir auch tut, das zu sagen - enttäuscht er mich eher. Schon sein Kinofilm "Isch kandidiere" von 2009 hätte um einiges besser sein können, hätte man sich ein vernünftiges Drehbuch ausgedacht und nicht einfach wahllos Interviews mit irgendwelchen Politikern aneinandergehängt. Zudem scheint er irgendwie seines Komödianten-Daseins überdrüssig geworden zu sein, er macht kaum noch etwas, außer ab und an mal die Moderation der goldenen Kamera (diese allerdings mit Bravour), die ihn dann jedoch jedes Mal derart auszulaugen scheint, dass er im folgenden Jahr kaum noch etwas von sich hören lässt. Seine letzten tollen Nummern, in denen er RICHTIG lustig ist, sind, wie auch seine letzte Live-Tournee, schon beinahe ein ganzes Jahrzehnt her.

Und jetzt kommt auch noch eine grausige, WIRKLICH grausige Schlager-CD raus, was auch immer er sich dabei gedacht hat. Na klar ist das Geschmacksache, aber da es sich ja hier fast ausschließlich um lieblose Cover-Versionen alter Schnulzen handelt und die CD (außer ihrer 08/15-Produktion) kaum Eigencharakter hat, bleibt dieses Werk - denke ich - auch für Schlager-Fans verzichtbar. Auf alle Fälle ist hier zu betonen: Hape meint es ernst, das hier ist KEINE Comedy!

Kerkeling hat wirklich das Glück, dass er sich solche Faux-Pas leisten kann, die Masse liebt ihn trotzdem. Auch wenn er jahrelang fast nichts mehr (Vernünftiges) macht (eine traurige Periode, die man bei ihm bereits in den 90ern feststellen musste) und sich nur noch auszuruhen scheint.
Ich finde das ehrlich gesagt ein bisschen zu wenig. Wenigstens EINEN guten Kinofilm oder EINE gute Sendung könnte er nach all diesen Pausen, Auszeiten und Fehltritten doch nochmal zustande bringen. Irgendwie habe ich das Gefühl, er bevorzugt es, sich auf seinem mittlerweile erreichten Helden-Status auszuruhen.
Diese CD trägt auf alle Fälle nichts zu dessen Beibehaltung bei. Schade. Aber Hape, du kannst's dir ja leisten...


Spanish Train & Other Stories
Spanish Train & Other Stories
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen DAS frühe Juwel von Chris de Burgh, 17. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Spanish Train & Other Stories (Audio CD)
Wir alle kennen die Problematik von Künstlern, die durch etwas Bestimmtes bekannt geworden sind und die dann allzu gerne in Schubladen gesteckt werden. Ein typisches Beispiel hierfür ist Chris de Burgh, mittlerweile bekannt als Vertreter seichter und fader Schnulzenmusik (häufigste Assoziation: "Lady in Red") und deshalb gerne überhört. Es stimmt zwar, dass de Burgh irgendwann Anfang/Mitte der 80er aus irgendwelchen Gründen einen musikalischen Wandel durchlaufen hat, jedoch frage ich mich, warum man deshalb sein Frühwerk so konstant ignorieren muss. Ich kennen genug Menschen, die aus obigen Gründen nie in eines seiner frühen Alben reingehört haben (selbst, wenn sie von ihrer Qualität zu überzeugen versucht).
Sollten Sie zu denen gehören, die unvoreingenommen und ohne Vorurteile an Musik herangehen, dann lernen Sie Chris de Burgh von einer ganz neuen Seite kennen! Denn in seinen Anfangsjahren war de Burghs Musik alles andere als fade oder konventionell, sie war wendungsreich, sprudelte über vor Ideenreichtum und war von Album zu Album anders. Manches wirkte eher schwermütig und melancholisch (beispielsweise sein Debütalbum "Far Beyond These Castle Walls") und Anderes liebäugelte mit Einflüssen aus dem Mittelalter, harmonischen Balladen und sogar progressiveren Anklängen (das grandiose "Crusader") - doch keines seiner Alben war so vielseitig, feinsinnig und kurzweilig wie sein zweites Album "Spanish Train and other Stories". Dass dieses Werk so unbekannt ist, ist eine Schmach, denn es zählt ohne Übertreibung zu den besten Rock/Pop-Alben, die ich kenne. Chris de Burgh will hier seine volle Bandbreite zeigen - nicht nur musikalisch, auch textlich wohlgemerkt. Jedes Lied erzählt eine Geschichte: Vom Teufel, der mit Gott um die Seelen der Toten Karten spielt ("Spanish Train"), von Patricia, der besten Stripperin der Stadt, die sogar der Polizei die Augen verdreht ("Patricia the Stripper") oder vom rach- und eifersüchtigen Ehemann, der es nicht ertragen kann, dass seine Frau von einem Maler portraitiert wird ("The Painter") - um nur einige zu nennen. Hinzu kommt de Burghs feines Gespühr für intelligente und eingängige Melodien und seine Freude am Experimentieren mit anderen Stilen, die "Spanish Train" so abwechslungsreich wie kaum eines seiner anderen Alben machen.
Also: Hut ab vor diesem großen Künstler, der mehr kann, als man auf den ersten Blick glaubt.
An alle, die nur "Lady in Red" kennen und an alle, die sich für gute, handgemachte Musik interessieren: KAUFEN! Ein Muss!


Gone Troppo
Gone Troppo
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 28,60

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lay back and enjoy - Georges Sommeralbum, 30. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Gone Troppo (Audio CD)
Okay, gleich am Anfang räume ich ein: Es dauerte LANGE, bis ich dieses Album mochte. Am Anfang fand ich es einfach nur langweilig, störte mich an den Synthesizern, die in fast jedem Stück vertreten sind, suchte nach einem Höhepunkt und fand keinen. Es war ein komisches Album, irgendwie seltsam. Da ich ein ziemlich ausdauernder Hörer (und großer Fan von George) bin, hörte ich mir das Album dann doch noch ein paar Mal an. Und was soll ich sagen? Ich habe mich getäuscht!

Dabei stimmen die aufgeführten Punkte eigentlich schon: Das Album ist oft etwas Keyboard-überladen und hat nicht wirklich einen Höhepunkt, geschweigedenn einen Hit. Aber das macht nichts! Es wurde als kurzzeitiger Abschied von George aus dem Musikgeschäft aufgenommen und ist so relaxed und easy-going, so gewichtslos und gleichzeitig spaßig, man kann es einfach nur genießen. Das Werk ist äußerst sommerlich und bietet zeitweise ein beinahe tropisch-urlaubshaftes Feeling. Aber gehen wir die Songs mal durch:

1. Wake Up My Love - Ganz ganz tolle Bassline (ich liebe sie!) und ziemlich viele Keyboards (v.a. am Anfang), aber peppig und eingängig. Ein starker Einstieg.
2. That's The Way It Goes - Eines der besten Stücke hier. Ein Fest für Fans der Slidegitarre, zudem eine sehr Harrison-typische, tolle Melodie (generell ist das ganze Album ein wahrer Ohrenschmaus für Liebhaber von Georges Slidegitarre!).
3. I Really Love You - Ein Doo-Wop-Cover, fetzig, charmant und völlig anders als der Rest, daher eine gelungene Abwechslung.
4. Greece - Halbinstrumentaler Track, der mal wieder Georges Slidegitarre hervorhebt und mit ein paar lustigen Zeilen Nonsens aufwartet. Erneut also ein Höhepunkt für Freunde von Goerges Gitarrenkünsten.
5. Gone Troppo - Sommerliches Strandfeeling in Perfektion und wohl der spaßigste und relaxteste Song in Georges Katalog.
6. Mystical One - Mitreißend und fetzig kommt dieses Lied daher und bietet eine wendungsreiche Melodie. Als Bonus-Track ist eine Akustikversion (Demo) dieses Stücks enthalten, die ebenfalls toll anzuhören ist!
7. Unknown Delight - Standardballade von George, kommt einem von früheren Alben irgendwie bekannt vor ("Learning How To Love You", "Your Love Is Forever"). Was solls, sie ist einfach schön.
8. Baby Don't Run Away - Erstmals begleitet von einer Backgroundsängerin bleibt dies für mich nach wie vor (dank der seltsamen Effekte, die man auf Georges Gesang gelegt hat) ein gewöhnungsbedürftiger Titel. Aber das ist Geschmacksache. Wirklich schlecht ist er nicht.
9. Dream Away - Ein mitreißendes Lied, vor allem der Refrain. Bekannt aus dem Film "Time Bandits", an dem einige der Monty Pythons beteiligt waren, zu denen George ja eine besondere Verbindung hatte.
10. Circles - Der melancholische Abschluss fällt aus dem Rahmen, ist aber absolut deliziös und stammt noch von 1968! Zeigt, dass es sich immer wieder lohnt, wenn George in seinem Musikkatalog kramt.

Fazit: Man braucht (obwohl die Songs eigentich gut und stimmig sind) Geduld und darf nicht zu viel erwarten - man findet ein harmonisches Album vor, das einen nicht direkt vom Hocker reißt. Aber "Gone Troppo" ist ein seeeehr rundes, relaxtes Sommer-Album, ganz ohne Georges typische Belehrungen, was ja auch mal ganz angenehm ist. Es ist sicher nicht das Album, mit dem man in Georges Werk einsteigen sollte, vielmehr zeigt es eine seiner vielen Gesichter. Entspannung pur und ein Insider-Tipp für geduldige Hörer und George-Liebhaber. ;-)


Somewhere in England
Somewhere in England
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zweischneidig, 12. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Somewhere in England (Audio CD)
Wir alle kennen die Hintergründe zu diesem Album: Harrison hatte das Werk gerade fertig, legte es der Plattenfirma vor und diese meinte: Nein, danke, viel zu langsam und schwermütig, überarbeiten Sie das Ganze mal nochmal und diese 4 Songs da, lassen Sie die mal ganz draußen!
Man kann sich vorstellen, dass George wenig begeistert war. Unzufriedenheit über das Musikbusiness der 80er machte sich breit. Dennoch überarbeitete er sein Album, sodass es letztendlich nicht wirklich innovativer, aber hey, viel poppiger und schneller wurde.

Das fängt bei "Blood From A Clone" an, das sehr bissig daherkommt und Georges Kampf mit der Plattenfirma schildert. Ein Ohrwurm, aber das liegt auch daran, dass sich das simple Schema des Songs gefühlte 30mal wiederholt. Besser als beispielsweise das abgelehnte "Sat Singing"? Nicht wirklich...aber poppiger, und gar nicht mal so schlecht. Der Sound des Openers gibt die Richtung vor: Wir haben ein Keyboard-dominiertes, poppiges Werk vor uns, mit der Handschrift der frühen 80er. "Unconsciousness Rules" ist ein an die frühen 60er erinnerndes, flottes und melodisch äußerst gelungenes Lied, der Text ist zwar schon arg belehrend, aber den kann (und sollte) man ignorieren. "Life Itself" ist eine schöne, aber auch sehr typische Harrison-Standard-Ballade, von denen es (auf früheren Alben) schon viele gibt (ich sage nur "Your Love Is Forever", "Learning How To Love You" etc). Dennoch ein gutes Lied. Was ich mich allerdings ernstlich frage ist, ob "All Those Years Ago" wirklich ein so großer Erfolg gewesen wäre, wäre es nicht John Lennon gewidmet worden. Denn das Lied an sich ist meiner Ansicht nach eines der meist überschätzten Songs in Georges Katalog (schlimm genug, dass währenddessen unendlich viele, weit bessere Stücke Harrisons komplett ignoriert zu werden scheinen). Text und Melodie passen nur schwerlich zusammen, denn die Texte sind zu lang und George versucht, sie mit dem Holzhammer der Melodie gefügig zu machen. Diese ist zwar nett und flott und geht irgendwie ins Ohr, ist aber auch nichts Besonderes, wie eigentlich der ganze Song. "Baltimore Oriole" dagegen ist ein sehr stimmungsvolles Cover und überzeugt auf ganzer Linie. Auch "Teardrops" ist ganz gut gelungen, aber es ist mitnichten besser als, sagen wir, "Tears Of The World", das es auf Drängen WarnerBros. ersetzte. Gleiches gilt für das countryhafte und elendig poppige "That Which I Have Lost", nicht schlecht aber auch nich mehr. "Writing's On The Wall" ist ein ruhiger, spiritueller und irgendwie magischer Harrison und überzeugt durch seine fast esoterische Stimmung. "Hong Kong Blues" ist das zweite, leider weniger gelungene Cover (das vor allem durch seine synthetische Produktion irritiert) und "Save The World" ein "Auf-Teufel-Komm-Raus-Protestsong" mit albernen Soundeffekten und ziemlich plumpem Text und noch einfallsloserer Melodie.

Insgesamt also beschreitet George hier (gezwungenermaßen) neue Wege. Es bleibt - trotz Höhepunkten - ein leider nur eher fader Gesamtgeschmack, weshalb "Somewhere In England" für viele Fans Harrisons schwächstes Werk ist. Aber wenn man eingängigen, nicht allzu einfallsreichen aber handwerklich soliden Pop mag ist das Album den Kauf sicher Wert. Denn genau das ist der Punkt: Keiner der Songs (mit Ausnahme vllt von "Save The World") ist wirklich schlecht. Sie haben alle irgendwas, sind irgendwie eingängig und melodiös. Aber sie sind letztendlich zu steril, zu glatt oder wie der Engländer sagen würde "too middle of the road" um wirklich zu überzeugen.
Wer George erst kennenlernen will, der sollte zunächst etwa in "Thirty Three & 1/3", "Cloud Nine" oder das grandiose "All Things Must Pass" reinhören.
Ansonsten bleibt das Resumee: Okay. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Paul Simon
Paul Simon
Preis: EUR 4,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfrischend bodenständig - Ein Album wie eine Sommerbrise, 4. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Paul Simon (Audio CD)
Paul Simons erstes Soloalbum nach der Trennung von Art Garfunkel zeigt schon deutlich, welchen Weg er für seine weitere Solokarriere einschlagen würde. Hier gibt es keine getragenen, melancholischen Stücke à la "Bridge over troubled Water", Simons Musik ist lockerer, relaxter und sonniger, man darf sich zurücklehnen und entspannen. Weg von der Melancholie und zeitweiligen Schwermut, die viele Simon & Garfunkel-Stücke auszeichnete (und auch ausmachte!), klingt dieses Album leicht und unverkampft wie eine frische Sommerbrise.

Hinzu kommt die Authensität des Albums: Hier wurde auf eine "Big Production" im Sinne von Streichern, Synthesizern etc. verzichtet, man hört im Prinzip nur Simons Stimme begleitet von seiner Akustikgitarre und den ein oder anderen dezent eingesetzten Instrumenten, sodass der Künstler und die Melodie seiner Lieder ganz im Mittelpukt stehen. Letztere sind im Übrigen alle auf hohem Niveau, das Album hat keinerlei größere Durchhänger und bietet mit "Mother and Child Reunion" und "Me and Julio down by the School Yard" auch zwei (dem ein oder anderen vielleicht noch bekannte) Hits.

Das Ergebnis also ist und bleibt ein erfrischend bodenständiges Album eines großen Songwriters, der sich seinen Weg zu neuen Erfolgen als Solokünstler bahnt.
Wem Simons Lieder beim ersten Hören nicht eigängig genug sind, der sollte ruhig öfter reinhören und dem Album Zeit geben, denn Vieles erchließt sich erst beim wiederholten Hören. Alle, die Simons Solowerk noch nicht kennen, sollten jedoch wissen, dass Simon solo eben nun mal anders ist als mit Garfunkel, sonst geht man ggf. mit falschen Erwartungen an dieses Werk heran.
Fazit: Ein Genuss. Klare Kaufempfehlung!


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