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Rezensionen verfasst von
opernfan
(TOP 500 REZENSENT)   

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Stabat Mater/Laudate Pueri
Stabat Mater/Laudate Pueri
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausdrucksintensiv gesungen, 3. Oktober 2015
Rezension bezieht sich auf: Stabat Mater/Laudate Pueri (Audio CD)
Pergolesis Stabat Mater ist sozusagen ein Alltime-Klassiker, es gibt eine Vielzahl - auch guter - Aufnahmen. Bisher war es eher die Domäne von Sopranistinnen (unvergleichlich z.B. E. Kirkby), nun haben auch die Countertenöre das Werk für sich entdeckt. Valer Sabadus ist vielfach schon durch sein schönes Stimm-Material und v.a. durch sein Ausdrucksvermögen sehr positiv aufgefallen und unterstreicht hier einmal mehr, dass er einer der besten - weil ausdrucksintensivsten - Counter unserer Zeit ist. Er mag jetzt vielleicht nicht so koloratursicher sein wie ein Cencic oder ein Fagioli (was im Stabat mater aber auch nicht so bedeutsam ist), in Punkto Ausdruckstiefe und Gestaltung ist er diesen aber mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Es ist eine ungemein stimmige, klangschöne Wiedergabe in die sie auch T. Wey nahtlos einzureihen vermag (auch er ein sog. forthcoming star...). Sängerisch also eine klare Sache, beide Sänger brauchen sich beileibe nicht hinter ihren Sopran-Kolleginnen verstecken.
Wie andernorts aber schon angemerkt, bin auch ich mit manchen instrumentalen Details von Herrn Hofstetter nicht ganz glücklich. Ein hervorstechendes Cembalo (v.a. zu Beginn), manch arg rasche und in sich nicht immer ganz stimmige Tempi sind als kleines Manko zu verbuchen. Insofern erreicht diese Aufnahme auch nicht einen Refernzstatus, der rein sängerisch durchaus gegeben gewesen wäre.
Das Laudate pueri dominum ist ebenfalls unbedingt ein Kennenlernen wert und sängerisch ebenfalls auf hohem Niveau , hier gefällt mir das Dirigat von M. Hofstetter auch besser, die instrumentalen Details wirken stimmiger.


Klavierkonzert 1 / Händel-Varia.
Klavierkonzert 1 / Händel-Varia.
Preis: EUR 16,40

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trotz kleiner Patzer überwältigend, 29. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzert 1 / Händel-Varia. (Audio CD)
Diese Aufnahme ist nicht die perfekte Aufnahme des ersten Klavierkonzert von Brahms, aber auf ihre Art kommt sie ihr dennoch nahe. Klanglich geht das in Ordnung (50er Jahre) und das Orchester patzt an manchen Stellen. Macht aber (fast) nichts, wenn man berücksichtigt, was auf der Haben-Seite steht: da ist zum einen das sehr spannende, dichte Dirigat von R. Kubelik, der Brahms durchaus als Dramatiker versteht und der Interpretation so etwas wie "Drive" verleiht, aber auch den Atem für das wunderbar erfühlte Adagio hat. Und dann ist da natürlich Solomon, einer der ganz großen "Alten", dessen Karriere leider allzufrüh durch einen Schlaganfall beendet wurde. Ihm gelingt hier (wie anderswo) so etwas wie die Quadratur des Kreises: feinfühlig, mit äußerst noblem Anschlag und einer letztlich poetischen Interpretationshaltung (man höre sich nur das wunderbar innige Adagio an) verfügt er gleichsam über genug Kräfte, um auch die dramatischen (und technisch hoch anspruchsvollen) Passagen sehr überzeugend zu gestalte. Im Verbund mit Kubelik gelingt so eine in sich äußerst überzeugende Interpretation von großer Geschlossenheit, die Innigkeit und Dramatik wunderbar ausbalanciert.


Beethoven: Tripleconcert op. 56 / Ouvertüren
Beethoven: Tripleconcert op. 56 / Ouvertüren
Preis: EUR 7,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut eingespielt, 25. September 2015
Beethovens Tripelkonzert wird nicht allzu häufig eingespielt, obwohl es ein sehr dankbares Konzert ist. Aber es bedarf dreier hochklassiger Solisten, die sich zusammenfinden müssen, was nicht zwangsläufig gelingen muss. Neben der legendären frühen Karajan-Aufnahme (mit Oistrach, Richter und Rostropowitsch), die bis heute eine Art Klassikerstatus für sich in Anspruch nehmen kann, gibt es gar nicht so viele überzeugende Aufnahmen.
Nun also eine Neuaufnahme mit dem Kammerorchester Basel unter Antonini und drei gut aufeinander eingespielten Solisten.
Zunächst spielt man historisch informiert, mit scharfen, rauen Akzentsetzungen und sehr transparent - hierin liegt sicher der größte Unterschied zur Karajan-Aufnahme, die natürlich zeitbedingt sehr in der romantischen Tradition wurzelt. Es ist ein sehr frisches Musizieren, welches aber stets den musikalischen Fluss wahrt und dieses Akzentuieren nicht übertreibt. Die Solisten fügen sich gut in das Konzept ein (obwohl Lazic und Gabetta nicht aus der Tradition der historisch informierten Aufführungspraxis kommen) und spielen sehr aufeinander bezogen, miteinander im Einklang (vor der CD-Einspielung gab es auch eine Tournee in dieser Besetzung). Insofern eine stimmige, spannende Wiedergabe.
Als Draufgabe gibt es bekannte Beethoven-Ouvertüren, die gemessen am Tripelkonzert schärfer akzentuiert gespielt werden. Auch hier gefällt die Transparenz des im übrigen blitzsauber spielenden Orchesters, hier bleibt mir Antonini aber etwas die Geschlossenheit im musikalischen Fluss schuldig, die in meinen Ohren im Tripelkonzert (vielleicht aus Rücksicht auf die Solisten?) besser gelingt. Dennoch eine spannende, diskussionswürdige Auseinandersetzung mit den sattsam bekannten Werken.


Nachtstücke
Nachtstücke
Preis: EUR 11,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kluge Zusammenstellung in herausragender Interpretation, 13. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Nachtstücke (Audio CD)
Herbert Schuch legte hier ein sehr klug zusammengestelltes "Konzeptalbum" vor, dessen Thematik im weitesten Sinne um den Nachtbereich des Lebens kreist (in Anlehnung an die eher weniger bekannten kurzen Klavierstücke von Schumann). Dabei reicht die Auswahl der Stücke von Mozart bis hin zur Gegenwart (H. Holliger) und verlangt dem Pianisten somit eine breite Bandbreite an unterschiedlichen Interpretationsstilen ab. Und Schuch trifft den jeweiligen "Ton" der Komponisten ganz wunderbar und zeigt einmal mehr, dass ihm in Sachen Abschlagskultur und -können kaum jemand etwas vormachen kann. Wie er das Adagio von Mozart ganz wunderbar verinnerlicht darstellt ist tief berührend, den romantisch-schwelgerischen Ton von Schumann trifft er ebenso wie den eher grotesken von Ravel (Gaspard de la nuit), den er im übrigen hochvirtuos und technisch souverän darbringt (und sich nicht hinter der Referenzeinspielung eines Pogorelich verstecken braucht).
Schuch gehört zu jener raren Spezies an Ausnahmepianisten, die gänzlich uneitel sind und ihr Können ganz in den Dienst des jeweiligen Musikstücks stellen. Und dabei auf höchstem Niveau exzellieren. Absolute Kaufempfehlung für eine klug zusammengestellte Platte.


Nessun dorma - The Puccini Album (Deluxe Edition mit Bonus-DVD)
Nessun dorma - The Puccini Album (Deluxe Edition mit Bonus-DVD)
Preis: EUR 15,99

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kann Kaufmann auch Puccini?!, 13. September 2015
Jonas Kaufmann ist im Augenblick sicher der Tenor mit der größten medialen Aufmerksamkeit - vielfach zu Recht, verfügt er doch über eine ausnehmend schöne Stimme (was immer auch Geschmacksache ist und v.a. dann gilt, wenn man baritonal gefärbte Tenorstimmen mag) und eine hervorragende Technik. Gepaart mit einem guten Ausdrucksvermögen und seinem guten Aussehen geht das meistensteils auch in Ordnung. Nach sehr überzeugenden Verdi- und Wagner-Alben nun also ein reines Puccini-Album.
Und auch hier zeigt Kaufmann zunächst seine Klasse: Ausdrucksvermögen und technische Bewältigung bewegen sich auf gewohnt hohem Niveau. Er ist hörbar um Differenzierung und Feinzeichnung der Charaktere bemüht und gestaltet die ihm anvertrauten Arien und Szenen entsprechend spannend. Und es ist sehr löblich, dass er auch vielfach wenig bekannte Arien und Szenen singt (teilweise hat er die bekannteren Arien aus der Bohème und Tosca auch schon anderweitig eingespielt). Das ein ganzes Puccini-Album im Gegensatz zu reinen Verdi- oder Wagner-Compilations jetzt vielleicht nicht so ganz trägt, kann allerdings auch nicht verheimlicht werden. Puccini ist auf Dauer eben doch weniger differenziert und "gehaltvoll" als z.B. Verdi.
Was nun das Timbe, die Tessitura von Kaufmann angeht, so muss man jetzt aber - halten zu Gnaden - feststellen, dass er letztlich diesem Fach schon entwachsen ist: natürlich kann er noch einen Rudolfo singen, er hat auch die Höhe für einen Calaf, aber im Prinzip ist die Stimme schon etwas zu schwer, hat nicht mehr die Leichtigkeit und "Geschmeidigkeit", wie sie jetzt z.B. einem Beczala, Calleja oder Pavarotti eigen sind. So überzeugt er denn auch am meisten in den dezidiert dramatischen Rollen (fanciulla del West, Tosca, als Calaf fasziniert er, rein von der Stimmlage her kann er aber kein optimaler Calaf sein). Das ist jetzt als Kritik auf hohem Niveau zu verstehen. Und so hören wir einen Sänger auf der Höhe seines Könnens in einem Fach, dem er meiner Meinung nach schon etwas entwachsen ist.
Erwähnt werden muss auch, dass die Comprimarii in den Duetten nicht auf der Höhe der Zeit sind: v.a. K. Opolais überzeugt stimmlich wenig, die Stimme klingt angestrengt und eher scharf. Schade.


Wanderer-Fantasie D664 / Klaviersonate 1. X. 1905
Wanderer-Fantasie D664 / Klaviersonate 1. X. 1905
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Schubert-Pianist, 12. September 2015
Herbert Schuh gehört zu den am meisten unterschätzten Pianisten unserer Tage, allemal, wenn man ihn live erlebt: ein uneitler Musiker, der sich ganz zurücknimmt und ganz Diener der Musik ist. Und gerade bei Schubert zu den ganz Großen zu rechnen ist:
zum einen hat er (natürlich) die Fingerfertigkeit, um ein so vertracktes Stück wie die Wanderer-Fantasie zu spielen, welche Pianisten gerne einmal den Schweiß auf die Stirn treibt. Scheinbar mühelos bewältigt er die technischen Anforderungen und schafft es gleichzeitig, das Zerrissene der Partitur immer zusammenzuhalten, ein Werk aus einem Guss zu interpretieren. Dabei verfügt Schuch über eine äußerst differenzierte Anschlagskultur und trifft auch die bei aller Virtuosität dennoch vorherrschende Melancholie des Werkes ganz wunderbar. Diese Aufnahme ist zu den besten dieses nicht gerade häufig gespielten Werk zu zählen.
Auf gleich hohem Niveau die Sonate, wobei hier einmal mehr die subtile Klangpalette des Pianisten begeistert: wie er sangliche Elemente in Schuberts Musik zu gestalten weiß, ist schlicht und einfach großartig. Und Schuch berührt ungemein in der feinen Melancholie, mit der er Schuberts Werk interpretiert.
DIe Klaviersonate von Janacek (eine spannende Kombination) gestaltet er dann mit einer anderen, härteren Klangpalette, ohne den lyrischen Charakter der Sonate zu verleugnen. Auch hier beeindruckt Schuch durch seine Umsicht, mit der er die Architektur der Sonate gestaltet und durch sein nuancenreiches Spiel.
Eine großartige CD - zu Unrecht im Schatten der medialen Aufmerksamkeit. Was auch für diesen wunderbaren Pianisten gilt.


Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist: Roman
Du wirst schon noch sehen wozu es gut ist: Roman

5.0 von 5 Sternen Coming of Age mit Selbsterkenntnis-Effekt, 7. September 2015
Peter Cameron legt hier ein beeindruckendes Buch mit hohem Identifikationspotenzial vor: er schildert uns anhand des Hauptprotagonisten James (und seiner etwas neurotischen Familie) das Innenleben eines Spät-Pubertierenden in solch einer Art, dass man vielfach innerlich zusammenzuckt, weil man sich in diesen Schilderungen so wiederzufinden scheint - jenem merkwürdigen Schwebezustand des "noch-nicht-Erwachsenseins", indem die Welt der Eltern wenig attraktiv erscheint, eigene (Gegen-) Entwürfe aber auch noch nicht vorhanden sind, so dass eine (reichlich illusionäre) Weltflucht deutlich an Attraktivität gewinnt.Die damit verbundene Sprachlosigkeit zeigt der Autor gekonnt auf, indem er vielfach die inneren Prozesse und Gedankenabläufe beschreibt:
er zeichnet seismographisch die Ängste, Sehnsüchte und Zweifel von James auf, lässt uns an seinen inneren Prozessen teilhaben (vieles ist eine Art innerer Dialog) und macht diese so schwierige Zeit sehr nachfühlbar. Wie schwer es letztlich ist, diesen Wechsel in der Jugend zu vollziehen, gerade auch in einer Gesellschaft, in der scheinbar alles möglich ist. So dass der notwendige Widerstand oft ins Leere läuft - einen Widerstand, den es aber vielleicht braucht, um zum Eigenen zu finden.
Auch sprachlich bewegt sich diese Coming-of-Age-Geschichte auf hohem Niveau und sei nicht nur literarisch Interessierten wärmstens empfohlen: man lernt viel über das Seelenleben von Jugendlichen und wird sich am Ende in vielem (zumindest retrospektiv) wiederfinden.


Franz Schubert: Klaviersonaten D 537 und D 894 / Lachenmann: Variationen über ein Thema von Franz Schubert und Guerro
Franz Schubert: Klaviersonaten D 537 und D 894 / Lachenmann: Variationen über ein Thema von Franz Schubert und Guerro
Preis: EUR 11,87

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schätze im Verborgenen, 7. September 2015
Herbert Schuch gehört zu jenen Pianisten, deren Meisterschaft (leider) eher im Verborgenen stattzufinden scheinen (wenn man das jetzt mal mit der medialen Präsenz eines Lang Lang vergleichen möchte), was letztlich nur schwer erklärlich ist: gehört er doch in meinen Ohren zu den begabtesten (jungen) Pianisten überhaupt. Zumal bei Schubert, der ihm besonders liegt, trifft er doch jene heikle Balance zwischen "Traumverlorenheit/Sehnsucht" und "Vorwärtsdrängendem (das Wandermotiv)" ganz wunderbar. Ihm steht dabei ein ungemein reicher Klang zur Verfügung, er erinnert diesbezüglich an die ganz Großen, eine Haskil, einen Schnabel.
Wie es Schuch schafft, die Brüche in Schuberts Werk nie zu kaschieren und die Sonaten dennoch zusammenzuhalten, wie wunderbar er abzuschattieren weiß, welch feine Melancholie er nachzuzeichenen weiß, das alles ist schon ganz große Kunst. Nur dass es nicht allzu viele mitzubekommen scheinen (?) - zumindest einmal die großen Plattenlabels nicht.
Insofern sei mit Nachdruck auf einen ganz großen Pianisten und Schubert-Kenner und -Könner verwiesen, der hier eine formidable Platte vorlegt, ergänzt durch zwei kurze, spannende zeitgenössische Werke von Lachenmann (in Bezug zu Schubert). Großartig.


Franz Schubert: Symphonien 1-8 · Messen 5 & 6 · Alfonso und Estrella
Franz Schubert: Symphonien 1-8 · Messen 5 & 6 · Alfonso und Estrella
Wird angeboten von Onlineshop der Berliner Philharmoniker
Preis: EUR 79,00

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gereift, 4. September 2015
Harnoncourt legt eine zweite Gesamtaufnahme der Schubert-Symphonien vor (hier ergänzt durch 2 Messen und eine Oper) und hat gemessen an der Ersteinspielung deutlich an Kontur und v.a. Dramatik gewonnen. Die erste Einspielung wurde von vielen Kritikern nicht ganz zu Unrecht als "psychoanalytische" (man könnte vielleicht auch akademische) Deutung bezeichnet. Hier hat sich die Interpretationshaltung von Harnoncourt deutlich verändert:
heute zeigt er v.a. in den frühen Symphonien ein dramatisch geschärftes Profil, mit dem er vollauf überzeugt. Die dritte Symphonie ist voller tänzerischer Lebendigkeit und mitreißend gestaltet und auch bereits in der ersten Symphonie findet Harnoncourt genügend dramatisches Potential um all die Lügen zu strafen, die in den frühen Schubert-Symphonien nur Fingerübungen eines Begabten sahen. Er zeigt Schubert v.a. von vorne herein als eigenständigen Komponisten, der zwar die Vorbilder (eben bei weitem nicht nur Beethoven!) kennt und dennoch (oder gerade deswegen) zu einer eigenständigen Klangsprache findet.
Nicht ganz so 100% überzeugt bin ich von den Symphonien 7&8 (ehedem 8&9), die natürlich nicht schlecht sind - vielmehr im Gegenteil: die aber auf eine solch mächtige Konkurrenz treffen, so dass sie für mich dann doch nicht in der allerersten Liga mitspielen können. Gerade der späte Abbado hat in der großen C-Dur Symphonie mehr Wärme und dramatisches Geschick "gefunden", in der Unvollendeten bleibt u.a. C. Kleiber das Maß aller Dinge, auch Solti und S. Vegh gefallen mir beispielsweise besser, von der legendären Krips-Aufnahme (große C-Dur) ganz zu schweigen.
Die Messen bewegen sich auf bekannt hohem Niveau (es gibt Vorgängeraufnahmen von Harnoncourt mit dem Chamber Orchestra of Europe), auch wenn es hier v.a. in der Es-Dur Messe für mich überzeugendere Aufnahmen gibt (Abbado, Giulini): an manchen Stellen kommt Harnoncourt mit der Musik nicht so recht vom Fleck, fehlt es mir etwas an Dramatik und Lebendigkeit.
Die Aufnahme von "Alfonso & Estrella" zeigt bei allen Bemühungen der Musiker, dass Schubert (vielleicht auch aufgrund eines "problematischen" Librettos) kein wirklicher Operndramatiker war - aber wunderschöne Melodien schreiben konnte. So recht will aber nichts "Ganzes" dabei rauskommen.
Die Berliner Philharmoniker überzeugen voll, auch die Sänger (größtenteils) und Chöre bewegen sich auf hohem Niveau.
Wenn eine Gesamteinspielung, dann durchaus diese hier. Auch wenn die frühen Symphonien besser gelingen (und mit zu den überzeugendsten Aufnahmen überhaupt zu rechnen sind) und angesichts von hervorragenden Aufnahmen der Messen die Frage bleibt, ob man diese Box so wirklich "braucht".


Parsifal
Parsifal
Preis: EUR 49,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über Wunder, 2. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Audio CD)
Als diese Parsifal-Aufnahme mehr als 20 Jahre nach ihrem Aufnahmedatum (endlich) veröffentlicht wurde, galt sie vielen als (Grals-?) Wunder. Wie konnte es sein, dass eine solche Aufnahme so lange auf ihre Veröffentlichung warten musste? Ob die kolportierte zeitliche Nähe zur Karajan-Aufnahme wirklich der Grund war, sei jetzt mal dahingestellt. Doch gerade im Vergleich zu dieser Aufnahme versteht man nicht wirklich, warum man glaubte, die Aufnahme zurückhalten zu müssen. Denn bei allen (klanglichen) Meriten der Karajan-Aufnahme, sie hat deutliche Schwächen hinsichtlich Dramatik und Sängerbesetzung. Und die Aufnahme hier schlägt sich gerade in diesen Bereichen sehr gut.
Kubelik dirigiert einen ausgewogenen Parsifal, der die "weihevollen" Elemente der Musik ebenso abbildet, wie eben auch die dramatischen Elemente in der Musik - wenn Kubelik auch nicht so dramatisch vorgeht, wie ein Thielemann heute. Aber gerade auch im Vergleich zu Knappertsbusch wählt Kubelik durchwegs raschere Tempi und erzeugt damit viel Dramatik und Bewegung. Eine in sich stimmige Interpretation, die vielleicht nicht ganz so individuell geschlossen erscheinen mag wie z.B. bei Solti oder auch Thielemann (bei problematischen Besetzungsdetails).
Die Besetzung ist von hoher Qualität: Moll ist wie schon bei Karajan ein balsamischer Gurnemanz, der mir hier fast noch besser gefällt als bei Karajan, weil er durch das bewegtere Dirigat von Kubelik beteiligter wirkt. James King ist ein v.a. stimmlich guter Parsifal, auch wenn er jetzt nicht so ausdrucksintensiv singt wie z.B. ein Windgassen (aber stimmschöner) oder ein Kaufmann heute. Weikl ist ein eher lyrisch gestaltender Amfortas, der zu überzeugen vermag, ohne die Ausdrucksintensität eines G. London zu erreichen (mir aber im Rahmen der lyrischeren Auslegung der Rolle besser gefällt als z.B. van Dam bei Karajan). Salminen und Mazura sind jeweils überzeugend.
Was nun Y. Minton angeht, so hält sich meine Begeisterung allerdings in Grenzen. Sie singt die Kundry gut, keine Frage, was ihr aber fehlt, ist der Mut zur Entäußerung, zur dramatischen Gestaltung dieser Ausnahmepartie. So erreicht sie jetzt nicht das Niveau einer Mödl, einer Waltraud Meier. Und auch eine J. Norman hatte in dieser Rolle einfach mehr zu sagen. Und somit bremst sie die dramatische Wirkung gerade im zweiten Akt etwas aus. Und es zeigt sich für mich einmal mehr, dass die Partie der Kundry Dreh- und Angelpunkt einer jeden Parsifal-Aufnahme ist.
Chor und Orchester bewegen sich auf hohem Niveau. In der Summe also eine mehr als gute Aufnahme, der vielleicht etwas der Nimbus des Besonderen fehlt, die aber durch eine ausgewogene Gesamtdarstellung und eine in der Summe sehr gute Besetzung zu überzeugen vermag.


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