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Rezensionen verfasst von
Buchrezensent aus-erlesen "Buchrezensent aus-erlesen" (Leipzig)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Reiseträume 2017 - Wochenplaner
Reiseträume 2017 - Wochenplaner
von Ackermann Kunstverlag
  Spiralbindung
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da hat man immer was zu tun: Träumen und rätseln, 12. April 2016
Das ist der Kalender für die ganz Mutigen! Jede Woche ein anderes Reiseziel, das man schon immer sehen wollte. Und das dann auch noch solch kraftvollen Bildern! Und das Jahr beginnt schon zu Weihnachten in diesem Jahr! Erste Seite und nur ein Tag für 2017. Was überhaupt nicht schlimm ist. Schlimm ist nur, dass das Bild des ersten Kalenderblattes nicht einfach mal so zu erreichen ist. Einen halben Tag ist man da schon unterwegs. Reine Flugzeit, wohlgemerkt! Bolivien, Salar de Uyuni, die größte Salzpfanne der Welt. Sieht aus wie Schneehügel, sind aber Salzberge. Wer es winterlicher mag und braucht, muss umblättern. Auf den norwegischen Lofoten bekommt der Wintersuchende, was er sich erhofft. Schnee, Eis, prrr – ein Gefühl von Kälte, lauschiger Kälte, die einen – je nach Natur – in die Landschaft oder vor den Kamin treibt. Vor Letzterem kann man schon mal einen Blick in die Zukunft werfen. Und die hält folgende Reiseziele parat: Myanmar, Irland, Montenegro, Costa Rica, Marokko, New Mexico. Na das ist doch mal eine Reise, oder?! Wie vom Feuer gemalte Berggipfel in Chile, ein wie für diesen Kalender entworfenes andalusisches Bergdorf, geschickt illuminierte Stadtansichten der vereinigten Arabischen Emirate. Man hört schon die Aahhhs und Oohhhs beim Durchblättern des Kalenders.
Zur Beruhigung des Reisefiebers gibt‘s auf der Rückseite jeweils eine komplette Rätselseite mit Sudoku und Kreuzworträtsel.


Todesfalle Campus: Der-Passau-Krimi
Todesfalle Campus: Der-Passau-Krimi
von Dagmar Isabell Schmidbauer
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blutige Fortsetzung der Passau-Krimis, 10. April 2016
In Passau wird wieder gemordet! Kein Glücksfall für den Täter, denn Oberkommissarin Franziska Steinbacher und ihr Kollege Hannes Hollermann sind ihm auf der Spur. Beziehungsweise auf den Spuren. Kein Glücksfall für die beiden Ermittler. Und in dieser unglücklichen Situation leiden besonders die Opfer. Bestialisch gefoltert, vergewaltigt, ermordet.
Tatort ist dieses Mal der Unicampus. Und dieses Mal hilft dem Mörder keine Flut wie im Vorgängerroman. Vanessa Auerbach wurde schlimm zugerichtet. Schon beim Lesen gefrieren einem die Gesichtszüge. Dagmar Isabell Schmidbauer nimmt kein Blatt vor den Mund, beziehungsweise beschönigt nichts und lässt auch nichts weg. Bei der Campus-Party, bei der die ahnungslose Studentin war, wurde viel getrunken. Zu viel. Klarer Fall, da konnte sich einer nicht beherrschen!
Das Ermittlerduo sieht das anders, beiden schwant Böses. Denn die Brutalität und die Perfidität der Tat lassen auf eine Bestie schließen, die sich sehr gut und genau vorbereitet hat und vielleicht ein weiteres Mal zuschlagen wird. Einen ersten Verdächtigen gibt es auch sehr schnell: Tom Seibert. Gut aussehend, Ruderer der Uni-Mannschaft, ehrgeizig und auf seinen Ruf bedacht. Doch es passt noch nicht alles zusammen.
Auch die Hilfe von Vanessas Freundin Steffi führt die Kommissare erst einmal in eine ungewünschte Richtung. Obwohl sie hier schon verdammt nah dran sind!
Ein Professor, den auch Franziska Steinbacher aus ihrer Studienzeit kennt, und den sie überhaupt nicht mochte, da er ihr einfach … zu schmierig war, ist der nächste Verdächtige auf der Liste. Hier liegen die Indizien schon offener dar. Genau wie Tom Seibert achtet er sehr auf seine Erscheinung und seine Reputation. Seine Frau brachte das Geld mit in die Ehe, was ihm einige Türen öffnete, die sonst verschlossen geblieben wären. Außerdem hat er eine Freundin. Was heißt hier eine? Immer wieder eine!
Das Ermittlerteam unter Leitung von Josef Schneidlinger verbeißt sich zum Lebenswandel des Professors jeden moralischen Kommentar, Schneidlinger ganz besonders.
Eine rachsüchtige Gruppe junger Frauen, eine gehörnte Ehefrau, verdeckte Spielchen, die große Liebe, und jede Menge Spuren, die irgendwie so gar nicht zusammenpassen wollen: Franziska Steinbachers und Hannes Hollermanns Fingernägel und graue Zellen werden arg strapaziert. Irgendwie schafft es der Täter in kein Schema zu passen, ihnen immer wieder durch die Lappen zu gehen. Alle potentiellen Täter kommen ohne Mühen aus dem Raster der Verdächtigungen raus.
Es ist zum Mäuse melken! Autorin Dagmar Isabell Schmidbauer lässt im vierten Fall ihre beiden Kommissare aus der Drei-Flüsse-Stadt die gesamte Klaviatur der Spannung durchlaufen. Und immer wenn der Leser meint den beiden Ermittlern einen Schritt voraus zu sein, wird er unsanft auf den blutverschmierten Boden der Tatsachen zurückgeholt. Über zwei Jahre mussten die Fans der Passau-Krimis auf eine Fortsetzung warten. Nicht umsonst, wie man schon auf den ersten Seiten von „Todesfalle Campus“ merkt.


Mögen deine Augen leuchten: Meine Reise durch den Iran
Mögen deine Augen leuchten: Meine Reise durch den Iran
von Bita Schafi-Neya
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiges Buch über ein großartiges Land, 9. April 2016
Es gab eine Zeit, da musste man selbst auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin ziemlich gründlich suchen, um auch nur eine sehr kleinen Prospekt mit Informationen über Iran zu bekommen. Man reiste einfach nicht in den Iran. Warum? Krieg, Sanktionen, Drohgebärden. Doch seit einigen Jahren steigt die Anzahl der Aussteller stetig und vor allem gewaltig an. Teheran, Isfahan, Yazd, Persepolis, Shiraz sind die am meisten angepriesenen Reiseziele in dem Land, das so eine reichhaltige Geschichte hat. Bita Schafi-Neya ist im Iran geboren, lebt in Deutschland und verbringt ihre Urlaube regelmäßig in ihrer zweiten Heimat.
Und nun berichtet sie – nach der Lektüre sagt man „endlich“ – über Iran. Doch ihr Buch ist mehr als nur ein Reisebericht mit exklusiven Eindrücken. Sie will und kann die Zusammenhänge der Geschichte, die Verbindungen in die Gegenwart nicht außer Acht lassen. Und so wird jedem Kapitel, jedem Ausflug, jeder neuen Geschichte eine Lektion in älterer und jüngerer Geschichte beigefügt. Als Leser fühlt man sich nicht gleich wie in Tausendundeiner Nacht, vielmehr in einem Land, von dem man einfach nicht viel weiß.
Iran ist ein fortschrittliches Land. Frauenquote? In Deutschland ein heiß umkämpftes Thema, bei dem sich die großen (fortschrittlichen) Konzerne immer noch schwertun. Im Iran Alltag. Allerdings muss man auch zugeben, dass es immer noch sehr schwierig ist überhaupt eine Anstellung zu bekommen. Iran ist auch ein Land der Gegensätze.
Allein schon wegen der blumigen Umschreibungen der Eindrücke lohnt sich dieses Buch zu lesen. Riesige Basare mit klaren Strukturen – eine Gasse pro Handwerk – locken mit ihren Handwerkern und Produkten. Wie in einem fernen Land wandelt Bita Schafi-Neya durch ein Land, das sie besser kennt als die meisten ihrer Kollegen, Freunde und Nachbarn, und das sie immer noch überraschen kann.
Als Leser ist man auf der Sonnenseite des Reiselebens. Eine Reiseleiterin, die ihr Spielfeld kennt. Eine Autorin, deren Schreibstil gefällt. Ein spannungsgeladenes Land, das mit Gastfreundlichkeit und unermesslichem Reichtum auf neue friedliche Eroberer wartet. Was will man mehr? Leuchtende Augen!


Harper Lee und Truman Capote: Eine Freundschaft (blue notes)
Harper Lee und Truman Capote: Eine Freundschaft (blue notes)
von Alexandra Lavizzari
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefe Einblicke und neue Sichtweisen, 9. April 2016
Man kann es sich ganz einfach machen und „Wer die Nachtigall stört…“ und „Andere Räume, andere Stimmen“ lesen und dieses Buch nicht. Oder man liest dieses beiden Bücher und dieses hier nacheinander und versteht alle Drei auf einmal. Letzteres ist zu empfehlen. Denn die Biografien der beiden Ausnahmeschriftsteller und ihrer ersten (im Fall von Harper Lee einzigen) Meisterwerke gleichen sich nicht nur in einigen Zeilen, sie sind die Basis ihres Erfolges.
Monroeville, Alabama, USA, Ende der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Von wegen Roaring Twenties! Nix mit Perlenketten, Charleston und maßloser Alkoholgenuss. Okay, das Letzte vielleicht, aber König Alkohol soll erst Jahre später eine Rolle im Leben der beiden spielen. Ein blasses Kind prügelt sich, und ein Mädchen sieht nicht zu. Sie ergreift für den blassen Jungen Partei. Das Mädchen ist Nelle Harper Lee und der Junge Truman Capote, damals noch Persons. Beide finden in ihrem Baumhaus das Refugium, das er in einer Geschichte verarbeiten wird und sie als ewige Zuflucht empfinden wird. Hier reift ihr Gedanke gemeinsam berühmt zu werden und als Schriftsteller den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihre Erstlinge werden zu Welterfolgen. „Wer die Nachtigall stört…“ wird der einzige vorzeigbare Beweis der Genialität von Harper Lee bleiben. Auch wenn es mittlerweile einen „Nachfolger“ gibt. Truman Capote steigt mit rasant mit „Andere Räume, andere Stimmen“ in den Olymp der amerikanischen Literatur auf. Dort festigt er seinen Platz mit „Kaltblütig“ und „Frühstück bei Tiffany’s“.
Der Erfolg verändert beide. Capote und Lee beginnen zu trinken, er auch Drogen zu nehmen. Sie entfernen sich zusehends voneinander. In ihren Werken beschreiben sich gegenseitig. Scout und Dill sind Spiegelbilder ihrer selbst. Der blasse Junge und das freche, aufmüpfige Mädchen. Das sind Truman und Nelle als Kinder.
Alexandra Lavizzari gelingt es auf spannende Art beide Lebenswege immer wieder zusammenzuführen und das Auseinanderdriften der beiden elegant zu sezieren. Truman Capote lässt sich von der High society vereinnahmen, wird zum geliebten, gefürchteten und gehassten Bestandteil selbiger, während Harper Lee sich immer mehr zurückzieht und ihr Golf-Handicap verbessert. Capote lästert über und berauscht sich am Being-A-Darling der Oberen zehntausend, Lee wandelt auf den Spuren Salingers und vergräbt sich in der Bedeutungslosigkeit.
Was der eigentliche Grund des Bruches zwischen den beiden war – sofern es ihn je gab – kann niemand sagen. Warum auch?! Eine verschlossene Person und ein extrovertierter, ruhmsüchtiger Mensch – da ist immer viel Platz für Spekulationen. Alexandra Lavizzari zählt lediglich die Fakten auf und hält sich mit Mutmaßungen angenehm vornehm zurück.


Zürich
Zürich
von Mark van Huisseling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Launischer Appetithappen, 9. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Zürich (Gebundene Ausgabe)
Es ist kein Wunder, das viel Zürich für die Hauptstadt der Schweiz erachten. Irgendwie laufen hier alle Fäden zusammen. Mark van Huisseling ist gebürtiger Berner, ein Attribut, mit dem er als Lehrling mal vorgestellt wurde und das ihm überhaupt nicht passte. Nun lebt er in Zürich. Er liebt Zürich seit dem Tag als er zum ersten Mal mit seinen Eltern durch die Stadt an der Limmat fuhr. Hier wollte er leben, was erleben.
Und er liebt die Stadt. Nicht übermäßig, nicht blind, doch in jeder Zeile schwingt mal leise, mal lauter die Schwärmerei mit. Er weiß aber auch, und das schreibt er deutlich, dass das Paradies hier bestimmt nicht zuhause ist. Irgendwo zwischen Sehnsucht und Hassliebe bewegen sich seine (Stadt-)Ansichten. Wer Zürich noch nicht kennt, kommt schnell in die Versuchung als altklug zu gelten. Denn Mark van Huisseling gibt die Stadt so exakt wieder wie er nur kann. Und das mit einfach sprachlichen Mitteln ohne dabei abzuflachen. Ein Lesespaß, der erst mit dem Besuch in Zürich endet.
Das Buch zeigt dem Leser – egal, ob er schon Zürcher zu den Bewohnern der Stadt sagt oder sie noch als ZürIcher bezeichnet – wie die Stadt tickt, wie die Menschen die Stadt erobern, formen und nutzen. Kein Cocktail-Must-Have im Sowieso, kein Unbedingt hier das Zürcher Geschnetzelte einnehmen und da den Blick auf die Stadt genießen. Das muss man sich schon selber erarbeiten.
„Zürich“ ist ein Buch, das man immer wieder zur Hand nimmt. Vor dem Urlaub, um sich ein wenig zu informieren und die Don’ts am Ende des Buches zu umgehen. Währenddessen schmökert man immer wieder darin, um die Do’s (gleich nach den Don’ts am Ende des Buches) nicht zu verpassen. Und schlussendlich erinnert man sich jedes Mal, wenn man es durchblättert, an einen Besuch erinnert, der einzigartig war. Hier in der Stadt, in der die einzige Kunstrichtung der Welt mit einem exakten „Gründungsdatum“ – dada – „erfunden wurde“.
Die kurzweiligen Texte laden zum Niederlassen ein. Eine Bank, die irgendwo auf der Welt, ist immer da. Setzen. Buch aufschlagen. Und Träumen, Sehnsucht pflegen und Pläne schmieden. Wenn ein Buch das Prädikat „Reisefieber-Virus“ verdient, dann dieses. Und der edle Einband zeigt dem Vorbeigehenden gleich, dass hier niemand sitzt, der in Zürich nur den Weg zum nächsten H&M oder McDonald’s sucht, sondern ein echter Genießer, der einem eigenen Weg folgt, um sich Erholung, Genuss und Entspannung zu suchen.


Das gemalte Ich: Die Geschichte des Selbstporträts
Das gemalte Ich: Die Geschichte des Selbstporträts
von James Hall
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selfie-Bibel, 8. April 2016
Seit der Oscarverleihung 2014 gibt es den Begriff der Selfies als Moderatorin Ellen Degeneres sich ins Publikum warf und mit Blockbuster-Garanten sich selbst einem Millionenpublikum näherte. Alle warfen sich wie tollwütig auf den neuen Trend. So was gab’s ja noch nie!
Haha. Hätten man da mal jemanden gefragt, der sich damit auskennt. James Hall zum Beispiel. Er ist Kunsthistoriker und hat unter anderem für den „Guardian“ als Kritiker gearbeitet. Als Mann der Künste hat er sich sicher nicht von der Show der Eitelkeiten verleiten lassen dieses Buch zu schreiben, doch eine gewisse Nähe zum Ausgangspunkt des Hypes ist nicht abzustreiten.
Künstler haben es seit jeher genossen sich selbst abzubilden. Spiegel und Leinwand aufgestellt, Farben gemischt und sich ins rechte Licht gerückt, damit sich nachfolgende Generationen ein Bild des Künstlers machen können. Das Titelbild zieht den Betrachter schon magisch an. Wilde Farbenspiele, exzentrische Pinselführung, tote, nichtssagende Augen – Vincent van Gogh. Es ist ein Ausschnitt eines – seines – Portraits aus den letzten Jahren des Künstlers. Er hat sich gern und oft gemalt. Wer sich die Bilder in der Reihenfolge ihrer Entstehung anschaut, kann ein wenig in der Biographie des Künstlers lesen. Ein junger frischer Mann mit wachem Blick, der die Welt aus den Angeln hebeln wird. Zum Ende ein gebrochener Künstler, der an seinem Talent und seinem Misserfolg, an persönlichen Schicksalsschlägen zugrunde ging. Das Gesicht als Spiegelbild der Seele. So manch einer fühlt sich in seiner emotionalen Welt zur Wahrheit verpflichtet und trägt sein Inneres nach außen. Bei van Gogh ist es nun einmal so, dass er heute einer der gefeiertsten Künstler ist, dessen Bilder regelmäßig Höchstpreise erzielen. Für ihn zu spät, für die meisten heute unbezahlbar. Aber in Museen immer noch ein Höhepunkt des Besuches.
James Halls Ausführungen beginnen aber nicht beim verzweifelten Genie van Gogh. Bereits im Altertum taten Künstler sich gütlich sich selbst abzubilden. Bis eine eigene Kunstgattung daraus erwuchs. Bücher über Kunstgeschichte lesen sich oft ein bisschen zäh, weil man dem enormen Wissen der Autoren glauben muss. Bei den Selbstportraits kann man auch als Laie ein bisschen mitreden. Denn so ziemlich jeder hat sich schon mal sein Smartphone geschnappt und mehr oder weniger heimlich den Arm ausgestreckt und in die Kamera gelächelt, das Gesicht verzogen und dann das „Meisterwerk“ in die virtuelle Welt hinaus gesandt. Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz wird sich wohl Gedanken darum gemacht haben, welch Tradition da wieder belebt wurde. Dank James Hall wird so manches Duckface nun in einem anderen Licht dargestellt – und hoffentlich bald auch wieder verschwinden.
Wer in Zukunft Museen auf der ganzen Welt besucht, wird etwas intensiver in den Gesichtern der Modelle schauen, nach Geheimnissen graben und vielleicht auch so manche Geschichte entdecken. Ganz sicher jedoch wird man sich an das eine oder andere Kapitel aus diesem antiken Buch der Selfies erinnern. Die zahlreichen Abbildungen sind sorgsam ausgewählt und vermitteln eine Kompletteindruck der Physiognomie des menschlichen Antlitzes.


Der Esel auf dem Eis: Miniaturen
Der Esel auf dem Eis: Miniaturen
von Bruno Nardini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo Lehren sinnvoll walten, 7. April 2016
Prrr, ist das kalt! Denkst sich der Esel. Der Esel! Merkt er doch nicht, dass er nicht auf der Straße, sondern auf dem zugefrorenen See steht. In heutiger Zeit würde man ihn anfrieren lassen und etwas Unerwartetes auf den langohrigen Schädel fallen lassen. Nicht der Maestro persönlich. Er weiß um die physikalischen Gegebenheiten des Lebewesens und lässt mit der Körperwärme den See schmelzen. Fertig, aus, Ende! Kurze Fabel, die Lehren daraus ziehen, das war’s!
Nö, noch lange nicht! Das wohl letzte echte Universalgenie der Menschheit hat noch so manche Lach- und Lehrattacke im Petto. Er fabuliert sich munter durchs Tier- und Pflanzenreich. Eitle Bäume, die die anderen verscheuchen, stehen mutterseelenallein da, wenn der Orkan wütet, sie keinen Schutz mehr bieten. Austern, die von Mäusen hinters Licht geführt werden, um das selbst als Mahlzeit zu enden. Pfiffiges Korn, das Ameisen ums Leben anbettelt, und einen horrenden Gewinn versprechen. Schwäne, die zum Sterben sich ins Dickicht zurückziehen, wo sie die anderen Tiere sterben hören können.
Eine echte Wohltat mal in die Schriften des Malers und Erfinders Leonardo da Vinci blicken zu dürfen. Dieses kleine Büchlein mit Dutzenden Fabeln entschlüsselt vielleicht das Geheimnis um seine Fähigkeiten. Doch es erlaubt einen Einblick in die Weitsichtigkeit eines wahren Gelehrten. Immer wieder setzt man ab, schmunzelt, sagt „Ja, so ist es!“ und blättert anschließend genüsslich weiter. Natürlich sind die Tiere als Gleichnisse zu sehen. Es gibt immer Einen, der aus der Reihe tanzt. Eitle Menschen, die sich nicht gern schmutzig machen und stattdessen lieber ihr Leben aufs Spiel setzen. Oder Choleriker, die keinerlei Veränderungen wünschen, und dann doch einsehen müssen, dass Veränderungen Fortschritt bedeuten und meist lange anhalten.
Das schmale Format bietet sich an es als wohlgemeintes Geschenk weiterzugeben. Ein Lächeln, gar ein Oho (der hat auch geschrieben?) werden der tiefe Dank sein. Und wenn man die Nachrichten sieht, die Gazetten durchblättert, online sich die News zur Gemüte führt, werden so manche Parallelen sichtbar. Hunderte Jahre alte Weisheiten, und es hat sich seitdem kaum etwas geändert… Nur die Genies werden weniger.


Kleiner Mord zwischendurch: Stories
Kleiner Mord zwischendurch: Stories
von Mitra Devi
  Elektronik
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichten für jedermann, jeden Tag und jede Stimmung, 3. April 2016
Ein schönes Sprichwort: „Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!“ Konrad Killer macht seinem Namen alle Ehre und verdingt sich als selbiger. Eine Güllegrube war bisher sein exotischster Tatort. Einer, der sich bei ihm eingebrannt hat. Nun bekommt er wieder einen Auftrag. Die Methode wird ihm überlassen. Er weiß zwar nicht, wer der Auftraggeber ist – wie immer – das interessiert auch nicht. Doch er kennt den „Reisegast“, wie das potentielle Opfer firmenintern genannt wird: Konrad Killer. Ja, er soll sich selbst beseitigen.
Das ist die erste Geschichte der Kurzkrimisammlung von Mitra Devi. Schwarz, tiefschwarzer Humor. Besser kann ein solches Buch nicht anfangen. Es wird schwer werden diese noch zu toppen. Und hier irrt man als Leser gewaltig. Denn schon Geschichte Nummer Zwei setzt noch einen drauf. Wieder unter dem Motto „Wer Andern ein Grube gräbt, …“ Elvira kann es einfach nicht lassen. Sie lügt. Sie lügt gern. Und gut. Bisher jedenfalls. Ein neuer Kollege hat es ihr angetan. Ihn will sie beeindrucken. Und erzählt ihm ein dunkles Geheimnis. Sie sei im Zeugenschutzprogramm, hat mal einen Mafioso hinter Gitter gebracht. Blöd nur, wenn der Gegenüber die gleiche Geschichte parat hält, sie aber – weil sie wahr ist – nicht weitererzählen darf…
Eine Reporterin, die die Geschichte ihres Lebens wittert und schlussendlich wortwörtlich mit dem Tod ringt - Eine Schriftstellerin, die unter der Masse ihrer Pseudonyme zusammenbricht - Derbe Späße unter Freunden: Das sind die Zutaten dieses Kleinods der Nicklichkeiten. Kein Charakter ist unsympathisch, alle haben ihr Scherflein zu tragen – Mord ist eben nicht Jedermanns Sache!
Oft sind Kurzkrimis etwas für die trüben Tage, wenn es draußen nasskalt vor sich hinstürmt. Da macht man es sich zu Hause gemütlich, gruselt sich ein wenig und / oder belächelt die Protagonisten. „Kleiner Mord zwischendurch“ ist eine Ganzjahres-Allwetter-Krimisammlung, die man getrost zu jeder Tages- und Jahreszeit genießen kann. Die short stories sind mehr als nur Fingerübungen zwischen den Recherchen für die neuen Fälle von Nora Tabani, der Züricher Privatermittlerin, die Mitra Devi geboren hat. Es sind findige Stücke, die einem ab der ersten Zeile in ihren Bann ziehen. Absetzen unmöglich. Man fiebert mit. Rätselt, was die Geschichte hinter der Geschichte sein könnte. Und wie sie ausgehen mag. Ein erstklassiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen Autorin und Leser.


Die Fremde im Spiegel (Unionsverlag Taschenbücher)
Die Fremde im Spiegel (Unionsverlag Taschenbücher)
von Samar Yazbek
  Broschiert
Preis: EUR 10,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reflexionen einer verschlossenen Welt, 3. April 2016
Es ist dunkel in dem großen Haus. In dem Haus, in dem Hanan wohnt, zusammen mit ihrem Mann und der Dienerin Alia. Dunkel wie die Nacht nur sein kann. Ein Lichtstrahl durchschneidet das Nachtschwarz scharf wie ein Schwerthieb. Leises Wispern. Ohne das Licht kaum wahrnehmbar. Hanan folgt dem Licht. Die offene Tür zum Gemach ihres Gatten steht offen. Nur ein ganz klein wenig, doch genug um den Korridor ausreichend zu erhellen. Da liegt, erschöpft, mit einem Gesicht, das sie so noch nie gesehen hat. Aber sie hat eh nie auf sein Gesicht geachtet, wenn sie sich vereinigten. Um ihn geschlungen liegt Alia. Glücklich sieht anders aus. Doch sie ist da. Das reicht.
Das reicht! Hanan schmeißt Alia aus dem Haus. Schickt sie fort. Ihn den namenlosen, treulosen Gatten straft sie mit Nichtachtung – ihm ist es gleich.. Er wird es überleben. Alia aber? Darum sorgt sich Hanan, doch noch wiegt der Verrat schwerer. Im Spiegel trifft sie eine Frau, die ihr gar nicht ähnlich sieht. Eine Frau, die ihr so fremd ist wie die gerade erlebte Situation. Alia, die schöne Dienerin, die mit ihrer Herrin mehr verbindet als nur das bloße Angestelltenverhältnis.
Das große Haus scheint auf einmal noch größer, kälter, unnahbarer, fremd. Und immer wieder die Frau im Spiegel. Und es bietet Raum zur Erinnerung. Hanan erinnert sich zurück an den Tag als Alia ihr angeboten wurde. Das kleine Mädchen, das völlig regungslos an der Hand des „Barbarenvaters“ wie sie ihn nannte für ein Bündel Geld Hanan und ihrem Mann angeboten wurde. Alia war froh endlich dem elterlichen Heim zu entkommen. Hier gab es weder Kindheit noch Freude. Gewalt und Tyrannei bestimmten ihr bisheriges Leben. Ihre Schwester verstarb noch bevor Alia geboren wurde. Der Vater war schuld. Und Alia bekam bei ihrer Geburt den Name der Schwester. Eine schwere Bürde.
Hanan ist in Gedanken versunken und stellt fest, dass Alia und sie selbst etliche Parallelen aufweisen. Auch Hanan war froh dem Martyrium des Elternhauses entfliehen zu können. Ihre Heirat war Mittel zum Zweck. Wie in so vielen syrischen Familien. Und Alia war ihr immer eine treue Gefährtin. Oder doch nicht? War Alia nicht still und heimlich zur Herrscherin über Haus und Hof geworden? Hanan befreit sich nach und nach aus ihrem Kokon, den sie als ihr Leben angesehen hat…
Samar Yazbek reflektiert in „Die Fremde im Spiegel“ das Leben in Syrien vor dem unendlich scheinenden Krieg. Das Schicksal von Hanan und Alia steht exemplarisch für die Traditionen in einem Land, das die meisten seit Jahrzehnten nur als Kriegsschauplatz wahrnehmen. Alia kam als Dienerin in den Haushalt der Familie, die zur Elite des Landes gehört. Hanan stieg durch die Heirat mit dem alten Krokodil, wie sie ihren Mann nur noch abschätzig nennt, in die Oberschicht auf. Die gibt sich in ihrer Langeweile nur mit sich selbst in verrückten Spielchen ab. Das ist kein Leben für Hanan. Und so macht sie sich auf die Suche nach Alia, einem Leben, einer Zukunft.


111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss
111 Orte in Bern, die man gesehen haben muss
von Cornelia Lohs
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als nur die Hauptstadt des Schoggilandes, 2. April 2016
Autorin Cornelia Lohs wurde belächelt, fragend angestarrt und bestaunt wegen ihres Vorhabens einhundertelf Orte in Bern zu finden, die es wert sind besucht zu werden. Ihre Recherchen und dieses daraus resultierende Buch beweisen, dass die Zweifler nun verstummt sind und Bern durchaus diese einhundertelf Orte besitzt.
Bern ist eine abwechslungsreiche Stadt, wenn man sich die Auswahl so anschaut. Von der Messerschmiede über das Einsteinhaus, vom Kindlifresser-Brunnen (da steht tatsächlich eine Figur, die Kinder in sich reinstopft – warum, das weiß keiner so genau. Aber es gibt mehrere Theorien.) bis zum geschichtsträchtigen Käfigturm, vom Israelitischen Friedhof bis zu Jack’s Brasserie – für jeden etwas dabei, wie es so schön heißt.
Cornelia Lohs belässt es nicht bei der bloßen Aufzählung der hundertelf Orte, sie macht in kleinen Texten Appetit auf mehr. Neben der Anfahrtsbeschreibung gibt es immer noch einen weiteren Tipp, was es um die Ecke noch zu bestaunen gibt. Spielzeugläden, die ab dem Türöffnen Nostalgie(r) verbreiten, herrlich ruhige Cafés, idyllische Hotels laden zum Verweilen ein. Während der Nougatladen und Gysi Chocolatier Gaumenfreuden und das einhergehende Hüftgold versprechen und es auch oft halten.
Dann empfehlen sich ausgedehnte Spaziergänge zum Beispiel zum Chutzenturm. Von hier oben hat man einen göttlichen Ausblick. Wer nicht allzu sehr gesündigt hat – was schwer fällt, wenn man nur allein das Bild der Kakaotempel betrachtet – der darf sich mit dem Mattelift von der Badgasse nach oben zur Münsterplattform befördern lassen und in den wenigen Sekunden vielleicht ein Schwätzchen mit den einem der Liftboys halten. Die sind allesamt schon in einem Alter, in dem man, wenn überhaupt, nur noch freiwillig arbeitet. Runter nimmt man dann die Treppen.
Dieses Buch macht Lust mal eine Hauptstadt anders zu erleben. Keine Hektik, nur da, wo sie angebracht ist und sich nicht vermeiden lässt. Bern ist sicherlich nicht unter den Top Ten der europäischen Hauptstädte. Doch wer die Stadt an der Aare besucht, wird bestimmt wiederkommen. Schon allein, weil er nicht alle einhundertelf Orte, die man gesehen haben muss, besuchen konnte.


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