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Rezensionen verfasst von
Toby Tambourine (Gießen)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   

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CLAPTON ERIC, SLOWHAND $FSK:OA
CLAPTON ERIC, SLOWHAND $FSK:OA
DVD ~ ERIC CLAPTON
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 17,05

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feier zum Siebzigsten in Wohnzimmeratmosphäre, 18. März 2016
Rezension bezieht sich auf: CLAPTON ERIC, SLOWHAND $FSK:OA (DVD)
Kein Wunder, dass im Zusammenhang mit den über 200 Shows, die Clapton im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte dort abgeliefert hat, von der Royal Albert Hall immer gern als von "Claptons zweitem Wohnzimmer" gesprochen wird. Anlässlich seines 70. Geburtstages im März 2015 war ein Mitschnitt dieses Konzertes am 30. Mai 2015 (fast exakt zehn Jahre nach der ebenfalls dort aufgezeichnet Wiedervereinigung von Cream) natürlich obligatorisch. Clapton muss sich oder anderen schon lange nichts mehr beweisen, er ist längst bei sich angekommen, und nachdem er lange Zeit mit seinem Status als "Gitarrengott" gehadert hatte, fühlt er sich nun sichtlich wohl inmitten seiner souverän aufspielenden Band. Dementsprechend ist auch seine E-Gitarre auf der CD nach rechts gemischt, statt wie zu erwarten in die Mitte. Er agiert als gleichwertiges Bandmitglied, das nur für seine Soli aus dem Ensemblespiel hervortritt, und für You are so beautiful und High Time we went - seine Grüße an Chris Staintons Ende 2014 verstorbenen alten Weggefährten Joe Cocker - überlässt er Paul Carrack das Mikrophon, für Can't find my Way Home zusätzlich Nathan East. Der Harmoniegesang seiner Begleitsängerinnen (Sharon White & Michelle John) ist so erfreulich weit nach vorne gemischt, dass man von Hintergrundgesang nicht mehr sprechen kann.

Ob Hoochie Coochie Man, Can't find my Way home, Layla, Tears in Heaven, I shot the Sheriff, Crossroads, Cocaine, Wonderful tonight - wie zu erwarten, feiert Clapton live ein weiteres Mal seine Markenzeichen-Hits ab, gewürzt mit seltener Gespieltem wie einer weiteren entspannten J.J. Cale-Hommage (Somebody's knockin' on my Door), Let it rain, Tell the Truth und dem von mir sehr geschätzten Pretending. Der Großteil seiner Setliste besteht dabei aus Songs, die lange vor 2004 (Little Queen of Spades) bzw. 1994 (Hoochie Coochie Man) auf seinen Alben erschienen, ein Phänomen, das auch andere Veteranen wie z.B. die Rolling Stones kennen. Mit der Zeit fällt mir auch auf, wie ungern Clapton sich - für einen Bluesgitarristen - bei seinen zahlreichen Bluesstücken vom Drei-Akkorde-12-Takt-Bluesschema trennt. Andere Blueskünstler holen aus ihren Bluesvorlagen auf Dauer doch deutlich mehr heraus (vgl. z.B. die Version der Allman Brothers Band von Stormy Monday mit der doch recht herkömmlichen Cream-Interpretation von 2005).

Dank der wunderbar ruhigen, fast malerischen Kameraführung hatte die exzellente Bildregie leichtes Spiel, der Konzertfilm ist ein optischer Genuss; schade nur, dass man den musikalischen Leckerbissen, die siebzehnminütige Version von Robert Johnsons Little Queen of Spades, in dem Chris Stainton das Publikum mit einem sich über Minuten steigernden Piaonosolo zu Begeisterungstürmen hinreißt, in den Bonusteil verbannt hat, vermutlich um das Mainstream-Publikum nicht zu verschrecken.

Key to the Highway hat er live schon mit deutlich mehr Biss gespielt, der Chorgesang in I shot the Sheriff mag sich wieder stärker an Bob Marleys Version orientieren, nervt aber dennoch, und dass Clapton ausgerechnet Tears in Heaven zu einer Easy Listening-Version verschlimmbessert hat - Schwamm drüber. Mir gefällt Eric Clapton aber immer dann am besten, wenn er mit einem zweiten Gitarristen auftritt, an dem er sich reiben und mit dem er kontrastieren kann und der ihn ein bisschen anstachelt (hörbar fehlend z.B. in Pretending). Schrieb ich eingangs, dass Clapton und Band souverän agieren, so muss ich abschließend doch konstatieren, dass mir bei diesem Konzert zum fünften Stern dieser zweite Gitarrist sehr fehlt, der dem Ganzen mehr Drive verpasst hätte - wie die Zugabe High Time we went zeigt, zu der Clapton Andy Fairweather Low mit auf die Bühne holt.


The Rolling Stones From the Vault: Live in Leeds 1982 (+ 2 Audio-CDs) [DVD]
The Rolling Stones From the Vault: Live in Leeds 1982 (+ 2 Audio-CDs) [DVD]
DVD ~ The Rolling Stones
Preis: EUR 17,99

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Sommerabend im Park, 22. November 2015
Ich will nicht sagen, dass die Stones hier Dienst nach Vorschrift machen. Aber schon als das Konzert vom 25.7.1982 im Roundhay Park in Leeds 2012 als Download veröffentlicht wurde, hatte ich den Eindruck, dass die Band länger brauchte, um ins Konzert reinzukommen, dass sie nervöser, fahriger und ein wenig hektischer spielte als gewohnt, nach dem Motto: "Okay, Jungs, heute ist der letzte Abend der Europa-Tournee, wenn wir schon um halb sieben anfangen, ist es immer noch hell, wenn wir fertig sind, und dann haben wir mehr Zeit, in Micks Geburtstag reinzufeiern. Bringen wir's professionell hinter uns, eingespielt sind wir ja."

Ausschnitte aus dem Film kannte ich aus dem Internet, weshalb ich mich sehr auf die DVD freute. Doch genau die offenbart das Manko des Konzertfilms: zu gefühlten 95% bekommt der Zuschauer nur Nahaufnahmen der Protagonisten zu sehen. Und so sehr ich es natürlich schätze, die Mimik der Stones verfolgen zu können, so ermüdend wird dieser Effekt schon nach wenigen Minuten. Allerdings: dies muss der Konzertfilm sein, in dem man so viel von Bill Wyman sieht wie nie zuvor oder danach! Nur dass es bei seiner ruhigen Bühnenpersönlichkeit eben auch nicht viel zu sehen gibt. Zudem wünschte man sich, die Kameramänner könnten selber ein wenig Gitarre spielen: als Musiker will man einfach mal sehen, was Keith und Ronnie auf dem Griffbrett spielen, die Schlaghand interessiert niemanden. Lediglich bei Bill - der ja einen sehr kleinen Bass spielt - kann man das ab und zu sehen, schön z.B. bei Miss you. Das Publikum bekommt man zum ersten Mal ausführlicher ins Blickfeld, als es an die Zugabe (Satisfaction) geht, und die Gesamtansicht der Bühne beschränkt sich auf wenige Momente zu Konzertbeginn und an dessen Ende. Sogar als Jagger bei Satisfaction in einer Art Korbwagen ein wenig durch die Luft gefahren wird, bekommt man keinerlei Eindruck davon, wo auf der Bühne man ihn dabei verorten könnte. Durch die regelrecht autistische Bildregie entgeht uns völlig die Interaktion zwischen den Rolling Stones im Bühnengeschehen - ironischerweise allerdings nur die der Stammband, denn die Saxofonisten Gene Barge und Bobby Keys sind durchaus öfter gemeinsam im Bild, und Ian Stewart und Chuck Leavell teilen sich einmal sogar ein Klavier. Aber wie gut hätten dem Film Schwenks übers Publikum und über die Bühne getan!

Die Bildqualität ist angesichts des hellen Abendlichts natürlich sehr gut, und das Schlussfeuerwerk kommt durch seine Rauchbombeneffekte vorm Sommerhimmel gut zur Geltung.

Da das Konzert vom vorletzten Abend der US-Tournee im Hampton Coliseum, Virginia vom 18.12.1981 ebenfalls vorliegt, komme ich um einen Vergleich nicht umhin: statt durch Ernie Watts wird Bobby Keys am Saxofon jetzt von Gene Barge unterstützt, und Keyboarder Ian McLagan wurde durch Chuck Leavell ersetzt, der schon 1973 auf "Brothers and Sisters" von der Allman Brothers Band mitspielte und seit 1982 auf Stonesalben und als musikalischer Leiter auf den Stones-Tourneen dabei ist, keine schlechte Karriere.

Die Setlist ist fast identisch, lediglich Waiting on a Friend und Let it bleed wurden gegen Angie ausgetauscht. Miss you ist schön kompakt, in Black Limousine bekommt Charlie den Shuffle wieder besser hin, und Ron spielt eins der besten Soli, die ich von ihm kenne. Ansonsten fällt mir mit Ausnahme von You can't always get what you want kein Song vom Leeds-Konzert ein, der Hampton gefährlich werden könnte.

Anders als der Download enthält die CD das gesamte Konzert samt der Einleitung in Form von Duke Ellingtons Take the 'A' Train und den Sound des Feuerwerks am Ende. Was damals noch keiner wissen konnte: Dies war die letzte Stones-Show für die nächsten sieben Jahre, und die letzte mit Ian Stewart, der 1985 starb. Die CDs werde ich mir immer wieder anhören, aber den Konzertfilm werde ich mir nur häppchenweise antun, und für den gibt es auch den Punktabzug.


The Life of a Man - The Ultimate Hits 1968-2013
The Life of a Man - The Ultimate Hits 1968-2013
Preis: EUR 12,99

16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Marjorine bis "Fire it up - Live", 21. November 2015
Als Joe Cocker kurz vor Weihnachten 2014 an Lungenkrebs starb, war ich doch recht angerührt; auf "Fire it up - Live" hatte er noch völlig fit und vital gewirkt, und ich hatte mir vorgenommen, ihn mir "irgendwann" noch einmal live anzusehen. Angesichts der körperlichen und psychischen Konstitution, mit der dieser Mann sich über die Jahre aus seinen gesundheitlichen Tiefen in den Siebzigern wieder herausgearbeitet hat, durfte man davon ausgehen, dass dazu noch lange Zeit Gelegenheit sein würde. Ich mochte einfach schon lange seine Alben und seine Stimme, und er fehlte mir wirklich. Bemerkenswerterweise verfiel die Plattenfirma anschließend nicht in einen Wiederveröffentlichungsrausch, und auch "The Life of a Man" wird mitunter als "letztes und einziges offizielles posthumes Album" angekündigt.

Im Rahmen einer Doppel-CD hat man von fast jedem von Cockers Studioalben sowie von "Mad Dogs & Englishmen" und "Fire it up - Live" mindestens einen, aber nie mehr als drei wichtige Hits ausgesucht. Lediglich ein paar Alben blieben dabei aus kommerziellen ("Jamaica say you will" ('75), "Stingray" ('76), "Luxury you can afford" ('78), "Joe Cocker Live" ('90)) oder auch qualitativen Gründen ("Organic" ('96), "Respect yourself" ('02)) außen vor. Einzig das Fehlen von Civilized Man, immerhin der Titelsong seines '84er Albums, bleibt dabei völlig unverständlich und lässt sich auch mit Platzmangel (76:33/71:56) nicht entschuldigen.

Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn solche Werkschauen chronologisch sortiert werden, aber das ist natürlich Geschmackssache. In diesem Fall scheint man die Songabfolge allerdings ziemlich willkürlich einem Zufallsgenerator überlassen zu haben; da wäre etwas mehr Sorgfalt angebracht gewesen. Hitchcock Railway hätte ich Darling be Home soon vorgezogen, und das recht monotone Woman to Woman ist eine mutige Wahl. Bis auf die Studioversion von Come together, einem weiteren in einer langen Liste von Lennon/McCartney-Covers und Bonustrack von "Hymn 4 my Soul", den ich bislang nur als Download finden konnte, gibt es hier keinerlei Überraschungen oder gar Unveröffentlichtes wie z.B. meine Lieblings-Joe-Cocker-B-Seite, One more Time. Shelter me und Have a little Faith liegen als Edit vor, When the Night comes ist hier leider der ziemlich "trockene" und somit nüchternere Remix von '92, und ob es nicht vielleicht einen anderen Song von "Fire it up - Live" gegeben hätte als You are so beautiful, das somit doppelt vorliegt - geschenkt. Aber Performance, der letzte Song von "I can stand a little Rain", ist ein rührender Ausklang dieser Doppel-CD.

Denn sehr positiv fällt das durchweg runde und transparente Remastering auf, von dem vor allem die Songs bis Mitte der Achtziger profitieren, und zwar umso mehr, je älter die Aufnahmen sind. Im Booklet wird Joe Cocker nicht als Star verklärt und über den grünen Klee gelobt, sondern von seinem Bruder Vic als Mensch mit Stärken und Schwächen gewürdigt. Als einzige Gesamtschau von Joe Cockers Karriere vom "offiziellen" Beginn seiner Karriere 1968 bis zu seinem letzten Album "Fire it up - Live" 2013 ist "The Life of a Man" trotz kleiner Schwächen ein prima Einstieg für Interessierte und eine schöne Würdigung Joe Cockers auf Doppel-CD, die ich mir von der Songauswahl her auch vorher schon recht ähnlich zusammengestellt hatte.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 26, 2015 7:11 AM CET


The Rolling Stones From the Vault - Live At the Tokyo Dome (+ 2 Audio-CD) [2 DVDs]
The Rolling Stones From the Vault - Live At the Tokyo Dome (+ 2 Audio-CD) [2 DVDs]
DVD ~ The Rolling Stones
Preis: EUR 18,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das nächste Lied solltet ihr inzwischen kennen. Mal sehen, ob ich's kenne!" (Keith vor "Happy"), 17. November 2015
Nachdem es 1973 aufgrund von Drogenproblemen mit einer Japan-Tournee nicht geklappt hatte, waren Band und Publikum 1990 mehr als reif, diese Erfahrung nachzuholen, so dass die Stones den Tokyo Dome zehnmal hintereinander ausverkaufen konnten. Den Konzertfilm, vermutlich eine Fernsehübertragung vom 26.2.1990, dem neunten Abend dieser Reihe, gab es seit längerem als halblegale und qualitativ entsprechend durchschnittliche DVD, bei der zudem 2000 Light Years from Home und Sympathy for the Devil aus vermutlich rechtlichen Gründen fehlten. Den remasterten Soundtrack gibt es seit 2012 als offiziellen Download im sehr guten, wenn auch stark komprimierten Remix.

Die Bildqualität ist jetzt viel besser, natürlich kein Blue Ray-Standard 2015, aber eben guter TV-Standard Japan 1990. Lediglich bei schlechter Bühnenausleuchtung kommt es doch zu einigen Unschärfen. Am Soundtrack irritiert mich etwas, dass beide Kanäle vertauscht wurden; Keith muss einfach von rechts kommen, sonst fehlt mir etwas ;-). Bei vier Songs (Harlem Shuffle, Almost hear you sigh, Mixed Emotions und Honky Tonk Women) fällt auf der CD, vermutlich wegen eines Mastering-Fehlers, der Lautstärkepegel des Publikums am jeweiligen Songende abrupt etwas ab, sowas darf nicht vorkommen. Andererseits ist die Tonspur jetzt, anders als der Download, erfreulich unkomprimiert zu hören.

Keyboarder Chuck Leavell ist gut rauszuhören, und Keith und Ron sind ausgewogen abgemischt - anders als bei den offiziellen Veröffentlichungen, bei denen Mick & Keith die Finger an den Reglern haben. Die Stones hatten in Tokio einen guten Lauf: Mick punktet mit Ansagen auf Japanisch und klatscht bei Satisfaction die erste Fanreihe ab, Ron hat ein gutes Solo in Miss you, Keith zeigt Selbstironie (s. Überschrift), und die Band spielt durchgängig lebendig und kompakt. Obwohl Satisfaction und Jumpin' Jack Flash wie üblich live mit je über acht Minuten etwas ausufern, schaffen es die Stones, Brown Sugar mit viereinhalb Minuten mal erstaunlich straff zu halten! Laut meinen Internetquellen fanden Ruby Tuesday, Harlem Shuffle und Jumpin' Jack Flash vom Konzert am nächsten Abend (und eine Ansage auf Japanisch von diesem Abend) ihren Weg auf die "Flashpoint"-CD bzw. die sie begleitenden Maxi-CDs; die "Flashpoint"-Version von Sympathy for the Devil soll sogar (in gekürzter Form) von diesem Abend stammen.

Natürlich wünsche ich mir immer noch "Atlantic City" vom 18.12.1989 als offizielle Veröffentlichung in dieser "From the Vault"-Serie (kommt hoffentlich noch), schon aufgrund der interessanteren Setliste wegen der Gäste: John Lee Hooker, Eric Clapton, Axl Rose und Izzy Stradlin. Mick Jagger hat sich allerdings auch für diese Zugabe immer noch nicht von seinem affigen Kapuzenmantel verabschiedet. Davon abgesehen habe ich weiter viel Spaß mit diesem Konzert. Bill Wyman sieht zwar angesichts seiner Eheprobleme auf dieser seiner letzten Tournee mit den Rolling Stones wieder überwiegend sehr bedrückt aus, aber sein Spiel wird dadurch nicht beeinträchtigt. Schon wegen der großen Anzahl zusätzlicher Musiker mussten die Rolling Stones zum ersten Mal die Schlüsse richtig proben! Zudem ist hier endlich das ganze Konzert (126 Min.) samt der beiden bisher fehlenden Songs 2000 Light Years from Home und Sympathy for the Devil zu sehen, und das Intro (Continental Drift) läuft hier, anders als beim Download, ganze 50 Sekunden.

Die Songs von der damals aktuellen Platte "Steel Wheels" waren leider spätestens bei der übernächsten Tournee für immer aus den Setlisten verschwunden. Ich werde bei dieser DVD schon allein deshalb immer etwas nostalgisch, weil sie mich daran erinnert, dass ich die Stones genau drei Monate später mit dieser Show und fast identischer Setliste das erste Mal im Frankfurter Waldstadion live sah - es ist ein bisschen so, als könnte ich noch mal dabei sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 30, 2015 4:15 PM CET


Who's Last
Who's Last
Wird angeboten von Bridge_RecordsDE
Preis: EUR 10,85

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weder ihre noch "das Letzte" - aber auch kein Glanzlicht, 19. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Who's Last (Audio CD)
1982 war nicht das beste Jahr für The Who: das aktuelle Album, "It's hard", war bis auf Eminence Front sehr schwach, Pete Townshend behielt die besseren Songs offenbar für seine Soloalben zurück ("Empty Glass" und "All the best Cowboys have Chinese Eyes"), zudem hatte er auf der Tournee mit Alkoholproblemen und Depressionen zu kämpfen, und Roger Daltrey machte intern keinen Hehl aus seiner Geringschätzung für Kenney Jones, den er für eine Fehlbesetzung hielt. Ich konnte das nie ganz nachvollziehen, denn Jones versuchte weder, Keith Moon zu kopieren, noch erstarrte er in Ehrfurcht vor dessen Stil. Ironischerweise war mittlerweile eine neue, jüngere Generation an Who-Fans nachgewachsen, die The Who als etablierten Rock-Act betrachteten. So waren es nicht zuletzt finanzielle Gründe, die die Who überzeugten, auf Tournee zu gehen, und vor allem Pete Townshend ließ keinen Zweifel daran, dass es die letzte überhaupt sein würde. (Zum Glück revidierte er seine Meinung später, wie so oft.) Entsprechend routiniert wirkten die Who dann auch auf dieser Tour, nachzusehen auf den DVDs "Live at Shea Stadium" und "Live from Toronto", d.h. sie zogen alle Register ihre Könnens, aber der Funke konnte und wollte nicht recht überspringen. Natürlich konnten Stadion-Konzerte wie diese nicht die Intimität eines Universitäts-Gigs wie "Live at Leeds" erreichen. Aber speziell diese von der Plattenfirma zwei Jahre später nachgereichte Live-Doppel-LP (75:32) hatte im Vergleich zu "Live at Leeds" auch nur die Aussagekraft einer Postkarte: "Wir waren hier. Viele Grüße!" Kaum vorstellbar, dass die Band sich groß um die Veröffentlichung scherte.

Ich fand den Sound immer merkwürdig verwaschen. Der Mangel an Ansagen unterstreicht dabei das Unpersönliche. Große Teile des Konzertes (z.B. Long live Rock und Won't get fooled again) scheinen von den letzten Konzerten der Tour in Toronto (16. & 17.12.1982) zu stammen, die damals bereits auf Video erhältlich und Fans somit bekannt waren. Ich möchte mir auch nicht vorstellen, dass die Songauswahl aus den besten Konzerten der Tour stammte. Zudem ging die Plattenfirma dabei auf Nummer Sicher, denn bis auf Dr. Jimmy fanden sich auf den vier LP-Seiten ausschließlich Songs, die ohnehin alle gängigen Best of-Alben zierten; interessante Songs des Tourprogramms wie Tattoo, Young Man Blues, Sister Disco, Drowned, Love ain't for keeping, Naked Eye, The Quiet One, It's hard, Dangerous, A Man is a Man, Cry if you want und Eminence Front blieben außen vor.

"Who's Last" bleibt ein Tourdokument aus einer sehr unglücklichen Phase der Band; zum Glück blieb es nicht ihre "Letzte", es markierte noch nicht einmal ihre Halbzeit, wie wir heute wissen. Wer interessantere Setlisten sucht, sei noch mal auf die genannten DVDs und die 1997 neu abgemischten CDs "Face Dances" und "It's hard" verwiesen.


The Who - Live at Shea Stadium 1982
The Who - Live at Shea Stadium 1982
DVD ~ The Who
Preis: EUR 17,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drowned, 16. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: The Who - Live at Shea Stadium 1982 (DVD)
Nach dem Tod von Keith Moon brachten The Who noch zwei Alben mit Kenney Jones am Schlagzeug heraus und kündigten dann ihre "Abschiedstournee" an. Diese blieb natürlich nicht ungefilmt, so auch an diesem Abend am 13.10.1982 im Shea Stadium. Pete Townshend wirkt überwiegend resigniert bis deprimiert, so als ersehne er das Ende der Tournee. Roger Daltrey dagegen ist voll in seinem Element und singt hervorragend. Er mag in späteren Jahren immer wieder gesagt haben, Kenney Jones sei in seinen Augen nicht der richtige Schlagzeuger für The Who gewesen, aber ich fand ihn immer klasse. Auch Tour-Keyboarder Tim Gorman macht einen tollen Job. John Entwistle ist wie immer über jeden Zweifel erhaben. Diese Tournee war übrigens eine der seltenen Gelegenheiten, Roger Daltrey bei ein paar der neueren Songs (It's hard, Eminence Front) mal an der Rhythmusgitarre zu hören; er spielt auch eine Prima Bluesharp (Baba O'Riley, Drowned). Ich habe mich immer gewundert, wie er es geschafft hat, beim Hin- und Herschleudern seines Mikrofons nie einen seiner Bandkollegen auszuknocken.

Bei dieser zweiten Show im Shea Stadium (126 Min.) kamen Who-Fans trotz des Regens vor allem wegen der selten gespielten Songs auf ihre Kosten, darunter Tattoo, Naked Eye und eine - recht spontane - Version von I saw her standing there, bei der John Entwistle mal darf. Sein Twist and Shout ist ein furioser Ausklang, und mein persönliches Lieblingslied ist die neunminütige Version von Drowned. Das Bonusmaterial vom Vorabend (19 Min.) ist, zumindest auf DVD, von nicht so guter Bildqualität wie der Hauptteil. Neben zwei überflüssigen Wiederholungen (Substitute, I can't explain) gibt's dort zusätzlich ein sehr straffes My Generation sowie A Man is a Man und 5:15. Und obwohl ich das damals aktuelle Who-Album "It's hard" für eines ihrer absolut schwächsten halte, kann ich mit den fünf stärkeren Songs gut leben, die sie daraus live spielten.

Kameraführung und die Bildregie gefallen mir sehr gut, und die Bildqualität meiner DVD ist auch sehr gut, nicht nur eingedenk des Entstehungsjahres. Der Sound ist ebenfalls sehr gut - hätte ich fast geschrieben, denn jetzt kommt mein großes Aber: Das Publikum klingt die ganze Zeit über so, als sei es von außerhalb des Stadions aufgenommen worden, was beim Kameraschwenk über die Massen doch irritiert. Alle Musiker sind sehr gut zu hören, aber ich weiß nicht, was Bill Pridden, seit Jahrzehnten Soundmann bei den Who, und seinen Techniker geritten hat, denn sie haben - ich beziehe mich auf den Stereomix - Pete Townshend ohne ersichtlichen Grund durchgehend viel zu leise abgemischt. Auch wenn er der Hauptsänger ist, wird sein Gesang nicht lauter ausgepegelt als bei seinen Harmoniegesang-Passagen. Seine Gitarre ist nur dann einigermaßen zu hören, wenn er alleine spielt; sobald die Band einsteigt, geht sie im Mix unter, was bei seiner tollen Rhythmusarbeit, aber besonders bei seinen Soli sehr ärgerlich ist. Sowas passiert Amateuren am Mischpult beim Stadtfest, war aber an diesem Abend im Stadion ganz sicher nicht der Fall, und es hätte sich im Studio mit Sicherheit viel besser machen lassen, wie schon 1997 die Bonustracks auf "Face Dances" und "It's hard" zeigen (The Quiet One stammt von diesem Abend).

Alles in allem eine tolle Show, aber so sehr ich mich auf diese DVD gefreut habe, dafür muss ich einen Punkt abziehen. Wer Townshend besser verstehen und seine brillante Gitarrenarbeit hören will, muss auf das Album "Who's Last" oder die CD/DVD "Live in Toronto" ausweichen, deren Bildqualität allerdings mit der vom "Shea Stadium" bei weitem nicht mithalten kann. Für Bassisten hingegen - und John Entwistle-Fans im Besonderen - ist dieser Mitschnitt nicht zuletzt ein leckeres Dokument seiner Virtuosität und seines Ideenreichtums.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2015 4:46 PM MEST


Eric Clapton & Friends - Live 1986
Eric Clapton & Friends - Live 1986
DVD ~ Eric Clapton
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Okay Jungs - zurück ins Hotel!", 13. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Eric Clapton & Friends - Live 1986 (DVD)
Claptons Plattenfirma hatte ursprünglich für 1987 eine Live-CD mit ihm geplant, wofür 1986/'87 acht Shows mitgeschnitten und teilweise auch gefilmt wurden. Eine davon (Birmingham 15.7.1986) resultierte in vorliegender DVD. Clapton wurde von Greg Phillinganes (keyb) und Nathan East (b) begleitet, beide nicht nur hervorragende Musiker, mit denen Clapton noch viele Jahre spielte, sondern auch sehr kompetente Sänger, die nebenbei für gute Laune auf der Bühne sorgten und die Lücken, die Jack Bruce und sogar Tina Turner gesanglich ließen, mehr als passabel füllten. Phil Collins hatte Claptons aktuelle Alben "Behind the Sun" und "August" produziert, und so spielte er natürlich Schlagzeug. Dass er sein unvermeidliches In the Air tonight ins Programm schummeln durfte, geschenkt...

Etwas unklar bleibt, warum es vom Konzert nur neun Songs in den Film (58 Min.) schafften; unveröffentlicht blieben Wanna make Love to you, Same old Blues, Behind the Mask, Cocaine und Further on up the Road. Badge und Let it rain zumindest waren drei Jahre später Bonustracks auf der Bad Love Maxi-CD, und I shot the Sheriff soll auf irgendeiner B-Seite auftauchen.

Amüsant, wie Eric Clapton am Konzertbeginn allein auf der Bühne mit dem Riff zu Crossroads einsteigt und Phil Collins hinter der Bühne, gerade als die Restband loslaufen sollte, witzelt: "Okay, Jungs - zurück ins Hotel!" Ein origineller Einfall der Bildregie ist, am Ende von Layla schon mal den üblichen Abspann einzublenden und diesen dann zu unterbrechen, damit die Band noch "spontan" Sunshine of your Love als Zugabe spielen kann. In diesem Song trifft ein grinsender Clapton einen Ton nicht, worauf ein "Sorry!" eingeblendet wird.

Zu dieser Zeit schafften es mit White Room und Sunshine of your Love seit langem mal wieder ein paar Cream-Songs die Setliste. Neu waren die vier Songs von "August": Holy Mother überzeugt mich erst live gespielt, während meine Hoffnungen zerstört werden, dass Run, Miss you und Tearing us apart auf der Bühne gewinnen könnten: besonders letzterer wird von den gleichen schrecklichen vorprogrammierten Percussion-Spuren zugemüllt, die mir bereits die Studioversionen so verleiden. Es hatte schon seinen Grund, dass derlei Spielereien schon bald darauf für immer verschwanden.

Wer ein (fast) komplettes, doppelt so langes Konzert dieser Tournee sehen will, sei auf die DVD "Live at Montreux" (10.7.1986) verwiesen. Die DVD vom Konzert in Birmingham bleibt ein netter Einblick in Claptons '86er Konzerte; immerhin gibt's Run nur hier zu sehen (und zu hören als Bonustrack auf der Tearing us apart-Maxi-Single). Bild und Ton sind dreißig Jahre alt und völlig okay.


1964-1993
1964-1993
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 88,31

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Paul Simon 1957 - 1991, 7. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: 1964-1993 (Audio CD)
Gibt es von Elvis Presley unendlich viel mehr Sampler als Original-Alben, so dürften sich diese bei Paul Simon in etwa die Waage halten. Nach seinem Erfolg mit "Graceland" (1986) musste er niemandem mehr etwas beweisen und konnte sich mit einem neuen Album so viel Zeit lassen, wie er wollte; zur Überbrückung gab seine Plattenfirma 1993 diese Dreifach-CD heraus, eine erweiterte Fassung der zeitgleich veröffentlichten Doppel-CD "Paul Simon Anthology".

Diese Anthologie beginnt mit der "Tom & Jerry" (alias Simon & Garfunkel)-Single Hey, Schoolgirl und widmet sich nach neun obligatorischen Simon & Garfunkel-Hits Simons Solokarriere von "Paul Simon" (1972) bis zu seinem damals aktuellen Album "Concert in the Park", weshalb der Titel der Box strenggenommen "1957 / 1991" lauten müsste. Bis auf Hey, Schoolgirl, das von einer knisternden Vinyl-Single übernommen wurde, ist die gesamte Box hervorragend überspielt worden, und die Songauswahl, unter Paul Simons Aufsicht vorgenommen, bietet einen sehr ausgewogenen Einblick in alle seine Soloalben, wobei der Schwerpunkt verständlicherweise auf dem Erfolg und den Nachwehen von "Graceland" liegt (CD 3). Dieses Mal hat man zwischen den einzelnen Titeln so gut wie keinen Leerlauf gelassen, das fand man damals wohl schick.

Der zusätzliche Kaufanreiz für Sammler in Form von sechs Bonustracks hat sich inzwischen etwas überholt: Leaves that are green ist mittlerweile offiziell auf "The Paul Simon Songbook" erhältlich, und Thelma, ein Outtake von "Rhythm of the Saints", ist dem Remaster seit längerem als Bonustrack beigefügt. The Breakup ist ein kurzer Studio-Dialog von 1973, in dem Paul Simon den pedantischen Regisseur gibt, der Art Garfunkel ständig beim Versuch verbessert, ein offizielles Statement über die Trennung des Duos einzusprechen. Das ist einerseits witzig, lässt aber gleichzeitig die Spannungen erahnen, die Simon & Garfunkel seit Ewigkeiten begleiten. Interessant ist Paul Simons Demo-Version von Bridge over troubled Water. Still crazy after all these Years schließlich wird im Booklet als Livemitschnitt vom 4.7.1991 in Dortmund deklariert und auch von Paul Simon so kommentiert; die Plattenfirma hat sich aber offenbar nach der Drucklegung leider entschlossen, stattdessen einfach eine etwas wärmer und präsenter abgemischte Version von "Concert in the Park" zu verwenden.

Das 44-seitige Booklet enthält eine Diskographie, genaue Besetzungsangaben zu fast jedem Titel, Paul Simons persönliche Anmerkungen zu einigen Songs aus der Periode 1972-1981 sowie Artikel von Phil Glass, Kevin Howlett und Paul Zollo. Schöne Aufmachung, prima Songauswahl und toller Sound: wäre ich bereits 1993 auf diese Box gestoßen, wäre ich mit Sicherheit schon viel früher Paul Simon-Fan geworden!


From the Vault:Marquee 1971
From the Vault:Marquee 1971
Preis: EUR 83,51

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...man wäre gern dabei gewesen!, 19. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: From the Vault:Marquee 1971 (Audio CD)
Der Marquee Club in London war schon für die frühen Stones ein wichtiger Schauplatz ihrer Karriere gewesen, und wohl deshalb wählten sie ihn, um am 26. März 1971 ihn ihm ihr Abschiedskonzert zu geben, bevor sie England ein paar Tage später aus steuerlichen Gründen verließen. Zuvor hatten sie sich in einer elftägigen Kurztournee eingespielt, und sie waren zu dieser Zeit unbestreitbar auf einem absoluten kreativen Höhepunkt, wie das einen Monat später erscheinende Album "Sticky Fingers" und weitere Mitschnitte belegen, z.B. „Get yer Leeds Lungs out“ und die Aufnahmen aus dem Roundhouse in London, seit 2015 offiziell im Bonusmaterial der „Sticky Fingers“-Deluxe Editions nachzuhören. Und alles wird gekrönt von Mick Taylors flüssigen Läufen auf seiner Leadgitarre.

Leider erstreckt sich der eigentliche Konzertteil nur über magere 38 Minuten; unklar bleibt, ob die Stones andere Songs ihres Programms wie Jumpin' Jack Flash, Honky Tonk Women, You gotta move, Love in vain, Stray Cat Blues, Little Queenie und Street Fighting Man gar nicht erst spielten, oder ob sie der Schere zum Opfer fielen. Die DVD bietet immerhin die rare Gelegenheit, die Rolling Stones I got the Blues performen zu sehen. Interessant, wie Bobby Keys Billy Prestons Orgelsolo auf dem Sax nachspielt. Zudem leisteten sie sich den Luxus, mindestens zwei Songs zu wiederholen, wie im Bonusteil zu sehen: Der erste Take von I got the Blues war gut, nur leider verpatzten die Stones den Schluss, der für den Film vom zweiten, fahrigeren Take drangeschnitten wurde. Bei Bitch scheint es genau andersherum gewesen zu sein; die größten Teile des zweiten, präziseren Takes landeten im Film. Satisfaction kam bei dieser Tour recht verspielt daher. Vermutlich weil es sich bei der Top of the Pops-Version von Brown Sugar um Halbplayback handelt, ist sie nur auf der DVD zu finden: nur Jaggers Gesang ist live, und den macht er sehr gut. Witzig, wie sich Bill vor Keith stellt, damit keiner merkt, dass auch er nicht genau weiß, wann das Band jetzt gestartet wird, und sobald der Song läuft, gibt er die Sicht auf ihn wieder frei.

Die Bildqualität ist angesichts der Bühnenbeleuchtung eines Liveclubs im Jahre 1971 sehr gut. Keith Richard schießt wieder den Vogel ab, er sieht recht verwahrlost aus: vor einem Auftritt, noch dazu vor Kameras, duschen, sich rasieren oder vielleicht die Hände waschen? Ach iwo! Getrunken wird auf der Bühne Hochprozentiges aus der Flasche, was Keiths Spiel natürlich keinen Abbruch tut. Bei dieser Gelegenheit sieht man mal seine geile Plexiglas-Gitarre, die ihm später gestohlen wurde. Geht die Bildregie üblicherweise stiefmütterlich mit Aufnahmen von Bill Wyman um, bekommt man diesmal den Eindruck, Bobby Keys sei festes Mitglied der Band, während Jim Price, der direkt neben ihm steht, nur für Sekunden und wie aus Versehen im Bild ist, bevor die Kamera wieder wegzoomt. Laut Abspann sind auch Ian Stewart und Nicky Hopkins an den Tasten dabei, außer im Intro von Live with me allerdings so gut wie unhörbar und leider überhaupt nicht im Bild.

Stadionmitschnitte von den Rolling Stones sind zahlreich, aber dieser Clubgig hat seinen besonderen Reiz; unverständlich, warum es ganze 44 Jahre bis zur regulären Veröffentlichung dauerte! (Jetzt würde mich noch interessieren, wann endlich die Aufnahmen im „El Mocambo“-Club von 1977 veröffentlicht werden.) Kurz nach diesem Auftritt zogen die Stones nach Frankreich, "Exile on Main Street", ihrer nächsten Großtat, entgegen.


The Rolling Stones From the Vault - The Marquee Club
The Rolling Stones From the Vault - The Marquee Club
DVD ~ The Rolling Stones
Preis: EUR 13,99

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...man wäre gern dabei gewesen!, 19. Juni 2015
Der Marquee Club in London war schon für die frühen Stones ein wichtiger Schauplatz ihrer Karriere gewesen, und wohl deshalb wählten sie ihn, um am 26. März 1971 ihn ihm ihr Abschiedskonzert zu geben, bevor sie England ein paar Tage später aus steuerlichen Gründen verließen. Zuvor hatten sie sich in einer elftägigen Kurztournee eingespielt, und sie waren zu dieser Zeit unbestreitbar auf einem absoluten kreativen Höhepunkt, wie das einen Monat später erscheinende Album "Sticky Fingers" und weitere Mitschnitte belegen, z.B. „Get yer Leeds Lungs out“ und die Aufnahmen aus dem Roundhouse in London, seit 2015 offiziell im Bonusmaterial der „Sticky Fingers“-Deluxe Editions nachzuhören. Und alles wird gekrönt von Mick Taylors flüssigen Läufen auf seiner Leadgitarre.

Leider erstreckt sich der eigentliche Konzertteil nur über magere 38 Minuten; unklar bleibt, ob die Stones andere Songs ihres Programms wie Jumpin' Jack Flash, Honky Tonk Women, You gotta move, Love in vain, Stray Cat Blues, Little Queenie und Street Fighting Man gar nicht erst spielten, oder ob sie der Schere zum Opfer fielen. Die DVD bietet immerhin die rare Gelegenheit, die Rolling Stones I got the Blues performen zu sehen. Interessant, wie Bobby Keys Billy Prestons Orgelsolo auf dem Sax nachspielt. Zudem leisteten sie sich den Luxus, mindestens zwei Songs zu wiederholen, wie im Bonusteil zu sehen: Der erste Take von I got the Blues war gut, nur leider verpatzten die Stones den Schluss, der für den Film vom zweiten, fahrigeren Take drangeschnitten wurde. Bei Bitch scheint es genau andersherum gewesen zu sein; die größten Teile des zweiten, präziseren Takes landeten im Film. Satisfaction kam bei dieser Tour recht verspielt daher. Vermutlich weil es sich bei der Top of the Pops-Version von Brown Sugar um Halbplayback handelt, ist sie nur auf der DVD zu finden: nur Jaggers Gesang ist live, und den macht er sehr gut. Witzig, wie sich Bill vor Keith stellt, damit keiner merkt, dass auch er nicht genau weiß, wann das Band jetzt gestartet wird, und sobald der Song läuft, gibt er die Sicht auf ihn wieder frei.

Die Bildqualität ist angesichts der Bühnenbeleuchtung eines Liveclubs im Jahre 1971 sehr gut. Keith Richard schießt wieder den Vogel ab, er sieht recht verwahrlost aus: vor einem Auftritt, noch dazu vor Kameras, duschen, sich rasieren oder vielleicht die Hände waschen? Ach iwo! Getrunken wird auf der Bühne Hochprozentiges aus der Flasche, was Keiths Spiel natürlich keinen Abbruch tut. Bei dieser Gelegenheit sieht man mal seine geile Plexiglas-Gitarre, die ihm später gestohlen wurde. Geht die Bildregie üblicherweise stiefmütterlich mit Aufnahmen von Bill Wyman um, bekommt man diesmal den Eindruck, Bobby Keys sei festes Mitglied der Band, während Jim Price, der direkt neben ihm steht, nur für Sekunden und wie aus Versehen im Bild ist, bevor die Kamera wieder wegzoomt. Laut Abspann sind auch Ian Stewart und Nicky Hopkins an den Tasten dabei, außer im Intro von Live with me allerdings so gut wie unhörbar und leider überhaupt nicht im Bild.

Stadionmitschnitte von den Rolling Stones sind zahlreich, aber dieser Clubgig hat seinen besonderen Reiz; unverständlich, warum es ganze 44 Jahre bis zur regulären Veröffentlichung dauerte! (Jetzt würde mich noch interessieren, wann endlich die Aufnahmen im „El Mocambo“-Club von 1977 veröffentlicht werden.) Kurz nach diesem Auftritt zogen die Stones nach Frankreich, "Exile on Main Street", ihrer nächsten Großtat, entgegen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 16, 2015 10:24 PM MEST


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