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Rezensionen verfasst von
Toby Tambourine (Gießen)
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

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The Best of the Original Mono Recordings
The Best of the Original Mono Recordings
Wird angeboten von Acfun Store
Preis: EUR 3,99

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindeutig 4. Straße, 15. Oktober 2010
Begleitend zum Erscheinen des Box-Sets "The Original Mono Recordings" von Bob Dylan erscheint diese Best of-Auslese; Bonustrack - und für Dylan-Komplettisten wie mich Kaufgrund - ist die Nachfolgesingle von Like a Rolling Stone, Positively 4th Street. Bei 60 Minuten Spielzeit hätte ich mich über weitere Schlüssel-Songs aus diesen Jahren wie Don't think twice und It's all over now, Baby Blue gefreut, und für die Mono-Single Mixed-up Confusion (und weitere Mono-B-Seiten) muss man weiterhin auf die rare 3er-CD "Masterpieces" zurückgreifen, die hätte(n) dieser CD das i-Tüpfelchen aufgesetzt.

Die Besetzungsangaben im Booklet lassen leider zu wünschen übrig; mangels sorgfältiger Recherche hat man z.B. bei Mr. Tambourine fast die gesamte Besetzung von "Bringing it all back home" gelistet, obwohl Dylan hier lediglich von Bruce Langhorne begleitet wurde, und bei Positively 4th Street, obwohl direkt nach dem Tombstone Blues von derselben Mannschaft aufgenommen, werden Schlagzeuger und Keyboarder weggelassen und Al Kooper als Gitarrist gelistet, dabei stammt von ihm die tragende Orgelbegleitung. Wiederum waren bei I want you ganz sicher nicht dieselben Musiker beteiligt, wie laut Booklet bei Positively 4th Street angegeben. Dylan wäre auch der Letzte gewesen, der bei seinen größtenteils live im Studio entstandenen Aufnahmen bei 6-Minuten-Songs wie Like a Rolling Stone nachträglich zu seiner Gitarrenarbeit noch eine Pianospur zugespielt hätte, zumal sowieso schon zwei Keyboarder beteiligt waren. Bei den "Blonde on Blonde"-Songs werden unrealistischerweise alle vier an den Sessions beteiligten Gitarristen und teilweise drei Bassisten gleichzeitig gelistet.

Greil Marcus schafft es in seinem Begleittext, einem die Mono-Mixe so richtig schmackhaft zu machen! Beim Hören treten keine bisher unentdeckten Details zutage; aufgrund der dominanteren Positionierung des Basses in der Mitte des Spektrums habe ich hier und da einen kleinen Bassisten-Fehler entdeckt, der mir im Stereo-Mix bisher so nicht aufgefallen war, aber das scheint offenbar ganz im Sinne Dylans gewesen zu sein bzw. es hat ihn schlichtweg nicht gekümmert (nachzulesen in "Bob Dylan-Highway 61 Revisited" von Colin Irwin) und gehört zum Charme der Aufnahmen. Einige Songs laufen ein paar Sekunden länger als in den Stereo-Versionen, andere ein paar Sekunden kürzer; ein paar scheinen mir etwas mehr Hall auf Dylans Stimme zu haben, und der Monomix von Mr. Tambourine Man entfaltet für mein Empfinden noch mehr von seiner traumhaften Atmosphäre.

Ob der Sound besser oder schlechter ist, bleibt subjektiv, ich finde die Mono-Mixe (auf die sowieso viel mehr Sorgfalt verwendet wurde als auf die Stereo-Mixe) erstaunlich gut, sie sind vor allem keinesfalls so muffig wie befürchtet. Das Hörerlebnis ist auf jeden Fall ein anderes und befriedigt meine Ersatz-Nostalgie: So hat man Bob Dylan (und alle anderen eigentlich auch!) bis zur Übernahme durch das Stereoformat Ende der Sechziger eben notgedrungen von Plattenspielern oder aus dem Radio gehört, wenn man nicht zum erlesenen Kreis der exotischen Stereo-Hörer gehörte, die in den Sechzigern ungefähr so verbreitet waren wie heutzutage Besitzer von Heimkinos mit Surround-Anlage.

Von den genannten Mängeln abgesehen gibt dieser starke Sampler einen reizvollen Einblick in eine Zeit, in der man Dylan-Songs fast ausschließlich in diesen Mono-Versionen zu hören bekam. Eine klare Empfehlung für die oben genannte Box mit Dylans Mono-Alben von 1962-1967!


Gimme Some Truth
Gimme Some Truth
Preis: EUR 31,77

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Meiste von Lennon, 4. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Gimme Some Truth (Audio CD)
Anlässlich John Lennons 70. Geburtstags wendet sich die 4-CD-Box "Gimme some Truth" an den Lennon-Gelegenheitsfan, der etwas mehr will als nur seine größten Hits (die hier allesamt zu finden sind), aber nicht unbedingt alle Studioalben kaufen möchte. (Das Konzept gab's 1990 schon mal, in Form der chronologisch sortierten 4-CD-Box "Lennon".)

So sind unter den 72 Songs, bunt gemischt, auf vier CDs verteilt die Alben "John Lennon/Plastic Ono Band" und "Rock'n'Roll" komplett vertreten, "Imagine" (bis auf It's so hard) und "Walls and Bridges" (bis auf Going down on Love und Ya Ya) fast komplett, von "Mind Games" gibt's immerhin sieben Songs, von "Double Fantasy" fast alle Lennon-Songs (bis auf das verzichtbare Dear Yoko), von "Milk and Honey" fünf, davon Grow old with me in der "Anthology"-Version, drei von "Some Time in New York City", dazu noch Here we go again (von "Menlove Ave") und Liveversionen von Yer Blues und Hound Dog... wie schon auf der Doppel-CD "Working Class Hero" (2005) funktioniert das trotz der zeitlichen Springerei erstaunlich gut.

Die vier CDs sind - leider nur in einfachsten Papphüllen untergebracht - thematisch grob unterteilt: CD 1 (71:24) enthält unter dem etwas unglücklich gewählten Titel "Working Class Hero" (gab's schon mal, s.o.) schwerpunktmäßig Songs zum Thema "Politisches", CD 2 ("Woman", 70:05) überwiegend Songs über seine Liebe zu Yoko, CD 3 ("Borrowed Time", 70:06) Introspektives, und CD 4 (58:38) holt sich mit "Roots" den Titel des Bootleg-Albums zurück, das Lennon 1975 bewog, sein "Rock'n'Roll"-Album möglichst schnell zu veröffentlichen. Ergänzend zu Here we go again hätte ich Angel Baby und Rock'n'Roll People ganz pfiffig gefunden, außerdem wäre dies eine gute Gelegenheit gewesen, neben Yer Blues die gesamte A-Seite der "Live Peace in Toronto"-LP mit draufzupacken, die hätte optimal zum Thema gepasst - vielleicht bei dieser Gelegenheit mal nicht im Remix von 1995, sondern vom Original remastert, wie alle regulären Lennon-Studioalben.

Apropos remastert: anders als bei den Beatles-Remasters von 2009 bin ich vom aktuellen Mastering der Lennon-Alben nur mäßig angetan, und dies, obwohl sie ebenfalls in den Abbey Road-Studios remastert wurden, teilweise von denselben Tontechnikern: im Bass- und Mittenbereich gut ausgewogen, fehlt mir bei vielen Songs einfach einiges an Höhen - die Tatsache, dass Lennon einige Alben wie "Imagine" und "John Lennon/Plastic Ono Band" oder Songs wie Instant Karma! selber recht dumpf bzw. nicht sehr sorgfältig abmischte, bereits eingerechnet. Immerhin kommen die Remasters mit erfreulich wenig Komprimierung aus.

Als Beatles-Fan ziehe ich die Original-Alben vor; für oben erwähnten Gelegenheitsfan ist "Gimme some Truth" aber wie gesagt eine gute Gelegenheit, sich die meisten wichtigen Lennon-Songs, ergänzt um ein informatives Booklet, zum Preis von zwei regulären CDs ins Haus zu holen.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 22, 2013 1:11 PM CET


Power To The People-The Hits
Power To The People-The Hits
Preis: EUR 13,49

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von Give Peace a Chance bis Watching the Wheels, 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Power To The People-The Hits (Audio CD)
Nach dem Erfolg der letztjährigen Beatles-Remasters war John Lennons 70. Geburtstag ein willkommener Anlass, seine regulären Studioalben remastert wiederzuveröffentlichen (auch Paul McCartney wird ja bald nachziehen). Die obligatorische, mittlerweile achte Lennon-Kopplung (nach "Shaved Fish", "Imagine: John Lennon", "The John Lennon Collection", "Lennon Legend", "Working Class Hero", "The U.S. vs. John Lennon" und "Wonsaponatime") zeigt, dass es offenbar zunehmend schwieriger wird, eine solche originell zusammenzustellen: natürlich sind Lennons größte Singles vertreten. Gimme some Truth ist ein starker Song, und er ist sicher über die Jahre auch mal irgendwo auf der Welt auf irgendeiner Single erschienen, wie die Fotocollage im dürftigen Booklet zeigt (z.B. als B-Seite meiner deutschen Love-Single, die 1982 - neu abgemischt - die "John Lennon Collection" promotete); ein "Hit" war der Song ganz sicher nicht. Bei 58 Minuten Spielzeit wäre es vielleicht geschickter gewesen, die CD unter dem Titel "The Best of" um 20 weitere Minuten mit Songs wie Mother, Working Class Hero, Love, Woman is the Nigger of the World, I'm losing you oder Nobody told me aufzustocken.

Zum Klang: mein erster Höreindruck war ein angenehmes "So habe ich die Lieder damals auf den LPs gehört!" In die nostalgische Wiederhörensfreude mischte sich dann allerdings bald ein "...auf den Endachtziger CDs allerdings auch..." Nun hatte ich nicht erwartet, dass die neuen Remasters klanglich mit den Lennon-Remix-CDs (1999-2005) gleichziehen können; aber anders als beim remasterten Beatles-Katalog, bei dem ich das Gefühl hatte, durch endlich mal wieder frisch geputzte Fensterscheiben zu blicken, geht es mir mit Lennons Remasters genau umgekehrt: auf vielen Songs scheint mir - bildhaft gesprochen - ein leichter Grauschleier zu liegen, der in mir ständig das Verlangen weckt, nach dem Putzlappen zu greifen bzw. den Höhenregler aufzudrehen - was mir aus Prinzip widerstrebt. Dies finde ich umso erstaunlicher, als diese Remasters, wie auch die Beatles-CDs, wieder in den Abbey Road-Studios bearbeitet wurden, teilweise unter Beteiligung derselben Tontechniker. Und dabei ist bereits eingerechnet, dass Lennon Alben wie "John Lennon/Plastic Ono Band" und "Imagine" schon seinerzeit recht dumpf produzierte. Sogar Songs wie (Just like) Starting over und Watching the Wheels hatten im Direktvergleich auf den Remasters von 2000 mehr Transparenz. Wie gesagt, ich habe nicht erwartet, dass Lennons Songs jetzt klingen wie auf seinen Remix-Alben; aber ich habe schon erwartet, dass man sich zumindest am Sound a u d i o p h i l e r LPs orientiert hätte. Immerhin sind die Songs, wie seit einiger Zeit wieder üblich, kaum komprimiert worden.

Leider stecken die remasterten CDs in groben Papphüllen, was ihnen auf Dauer sicher nicht gut tut. Mein klangliches Fazit: Zum Autofahren okay, zum Kopfhörer-Hören lege ich lieber seine Remix-CDs oder gleich die LPs auf und warte ab, was man uns zu Lennons 75. Geburtstag so präsentiert. In Songauswahl und Klang bleibt weiterhin Lennons Doppel-CD "Working Class Hero" von 2005 als Sampler unerreicht. Für das Mastering ziehe ich also einen Punkt ab, für die etwas knappe Songauswahl nicht, selbst wenn noch Platz gewesen wäre, und die Musik selbst ist natürlich stark.


Clapton
Clapton
Preis: EUR 7,99

100 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atmosphärisches Alterswerk, 24. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Clapton (Audio CD)
Nach Alben wie "Reptile" oder "Back home" hatte ich keine hohen Erwartungen an Claptons neuestes Studiowerk - und war sehr angenehm überrascht! Der selbstbewusste Titel läßt vermuten, dass Eric Clapton sein erstes Studioalbum seit 5 Jahren selber zu Recht für gelungen hält, selbst wenn er nur bei einem Song (Run back to your Side) mitgeschrieben hat; es ist auch das erste, auf dem er als Koproduzent verantwortlich zeichnet. Popsongs wie auf vorangegangenen Alben wird man hier vergebens suchen, es ist sehr bluesig ausgefallen, allerdings springt der Blues einen nicht so an wie auf "Me and Mr. Johnson", "Sessions for Robert J" oder gar "from the cradle", dafür ist die Platte zu entspannt und atmosphärisch; zudem sorgen einige Nummern mit leichtem Jazz- (Rocking Chair, How deep is the Ocean, Autumn Leaves) oder gar Dixieland-Touch (My very good Friend the Milkman, That's no Way to get along, When somebody thinks you're wonderful) für angenehme Abwechslung. Travelin' alone hatte Clapton bereits seit einer Weile im Tourprogramm, und in Hard Times Blues spielt er sogar Mandoline.

Auf "Clapton" sind neben Veteranen wie Allen Toussaint (p) und Jim Keltner (dr) einige Musiker aus Claptons aktuellen Tourbands dabei, allen voran Doyle Bramhall II (g), der mit Clapton koproduzierte, sowie Willy Weeks am Bass. Die beiden Duette mit J.J. Cale, River runs deep (mit kurzen, witzigen Rückwärtsgitarrenpassagen) und Everything will be alright, halte ich für gelungener als vieles auf ihrem 2006er Gemeinschaftswerk "The Road to Escondido". Weitere prominente Gäste sind Wynton Marsalis (tp), Derek Trucks (g) und Sheryl Crow (voc), die sich allesamt songdienlich einfügen, was ebenso für die Bläser und das London Session Orchestra gilt. Herausgekommen ist ein inspiriertes, homogenes, nachdenkliches und gleichzeitig zuversichtlich klingendes Clapton-Album mit warmem Sound, das offenbar auf sehr organische Art und Weise entstanden ist und sich mit keinem seiner bisherigen Alben vergleichen läßt. Audiophile Hörer schließlich wird freuen, mit wie wenig Kompression die Produktion auskommt.

Eric Clapton muss sich schon seit langem nichts mehr beweisen, Radiohits finden sich hier keine, das spielt aber auch keine Rolle: das kompositorische Niveau der 14 Songs ist erfreulich hoch, es ist kein einziger Ausfall zu verzeichnen, und alle beteiligten Musiker hatten hörbar Spaß beim Musizieren. Ich stelle mir vor, dass, wenn man dieses Album während einer langweiligen nächtlichen Autofahrt hört, sich später dennoch gerne an diese erinnern wird. "Clapton" ist das erste Studioalbum seit "Journeyman" vor über zwanzig Jahren, das mich auf hohem Niveau durchgehend überzeugt. Ich glaube, ich habe ein neues Clapton-Lieblingsalbum.
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 31, 2012 6:50 PM CET


Lead Vocalist
Lead Vocalist
Wird angeboten von A ENTERTAINMENT
Preis: EUR 5,71

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Wo ein Wille ist, ist auch ein Verwandter...", 15. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Lead Vocalist (Audio CD)
... dieser originelle Alternativvorschlag für den Albumtitel fiel laut Rod Stewarts Anmerkungen zu diesem Album leider durch. "Lead Vocalist" (1993) gliedert sich in zwei Abteilungen, die nicht so recht miteinander harmonieren wollen: Auf der einen Seite die ersten sieben Songs aus den Jahren 1968-1977, von Alben mit der Jeff Beck Group und den Faces sowie von Soloalben, auf der anderen Seite die restlichen fünf "Neuaufnahmen" von 1993; man hört einen radikalen Bruch sowohl in Sound und Produktion als auch in der Herangehensweise Stewarts. In den 15 Jahren, die zwischen diesen beiden Abteilungen liegen, ist bei Rod Stewart doch einiges passiert.

Obwohl die Auswahl der ersten sieben Songs recht willkürlich erscheint, sind sie allesamt klasse, analog mit Herz und Hand und Leidenschaft eingespielt, während Abteilung Zwei in teilweise doch recht steriler, digitaler Produktion daher kommt, und es bleibt auch etwas unklar, warum Stewart diese Songs aufnahm - auf den besten von ihnen, Tom Traubert's Blues, wurde er erst bei der Songsuche durch seinen Manager aufmerksam. Stewarts Entschuldigung im Begleittext, er wolle die Gelegenheit nutzen, seinem Publikum einige der älteren Songs zugänglich zu machen, die es bis dato teilweise nur auf Vinyl gab, ist recht fadenscheinig, zumal fast alle "alten" Songs (bis auf Cindy incidentally) allerspätestens seit Stewarts 4-CD-Box "Storyteller" (1989) auf CD vorlagen, aus deren Booklet auch die meisten seiner - wie üblich köstlichen - Songkommentare übernommen sind.

Ich werde seit Anfang der Neunziger den Eindruck nicht los, dass Stewart immer lustloser an seine Albumproduktionen herangeht, so als wolle er sie möglichst schnell aus dem Weg haben (ein Beispiel: "Human", 2001; löbliche Ausnahme: "When we were the new Boys", 1998), und ein Album, das den Verdacht zulässt, es wolle mit der einen Songhälfte (zünftige alte "Greatest Hits") die Handvoll Neuaufnahmen entschuldigen oder umgekehrt, kann so nicht funktionieren.

Immerhin nimmt die Qualität der 5 neuen Aufnahmen mit fortschreitender Tracknummer zu: Natürlich kann Stewart Stevie Nicks' Stand back covern. Nötig war's nicht. Laut Booklet hat er sich bemüht, sich bei Ruby Tuesday nicht an den Rolling Stones zu orientieren. Hat er auch nicht. Dafür orientiert er sich deutlich an Melanies ziemlich weinerlicher Interpretation. Sei's drum. Shotgun Wedding ist schon etwas besser, obwohl die ständigen eingeblendeten Schüsse dem Lied eher Comedy-Charakter verleihen und das Sax-Motiv durch synthetische Overdubs verwässert wird.

First I look at the Purse ist ein geiler kleiner R&B-Schleicher. Auch ohne Tom Waits' Original zu kennen, läßt sich sagen, dass Rod Stewart Tom Traubert's Blues sehr ergreifend interpretiert; noch etwas bewegender ist seine "Unplugged...and seated"-Version aus dem selben Jahr.

"Lead Vocalist" ist was für Fans des späteren Rod Stewart, die auch seine "alten" Sachen tolerieren können, oder was für Sammler wie mich, die die "alten" Songs eh schon mehrfach haben, sich aber einfach für First I look at the Purse und die Studioversion von Tom Traubert's Blues interessieren, davon abgesehen halte ich das Album für verzichtbar.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 9, 2014 10:33 PM MEST


Gold
Gold
Preis: EUR 11,49

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen I'm so glad, 25. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Gold (Audio CD)
"Cream Gold" ist so konzipiert wie seinerzeit "Wheels of Fire": CD 1 (73:21) enthält Studio-, CD 2 (77:34) Liveaufnahmen. Da ich alle Cream-Remasters auf CD habe, habe ich lange gezögert, mir diesen Sampler zu kaufen, zumal CD 1 im chronologischen Aufbau und in der Titelauswahl weitgehend identisch ist mit "The very Best of Cream" (1995), meinem bisherigen Cream-Referenz-Sampler: vier Songs von "Fresh Cream", sechs von "Disraeli Gears", sieben von "Wheels of Fire" und alle drei Studiosongs von "Goodbye Cream".

Das Fehlen von Wrapping Paper kann man verschmerzen, unverzeihlich bleibt jedoch das Fehlen von Spoonful, da ist es auch kein Argument, dass der Song auch auf CD 2 live zu hören ist, schließlich sind ja auch N.S.U., Sunshine of your Love und I'm so glad jeweils in ihren Studio- und Liveversionen zu finden. Schade, dass man, vermutlich aus technischen Gründen, nicht gewagt hat, CD 1 mit den sechseinhalb Minuten von Spoonful auf kapp 80 Minuten Spielzeit zu ergänzen. Mit den auf CD 2 zu hörenden acht Songs sind die Alben "Live Cream", "Live Cream Vol. 2", "Wheels of Fire" und "Goodbye" sehr abwechslungsreich repräsentiert.

Das im Booklet erwähnte erneute Mastering macht sich nicht sonderlich bemerkbar; Sweet Wine ist im Kontext zu leise ausgesteuert. Gleich beim ersten Hördurchgang der Studio-CD entdeckte ich aber eine erfreuliche kleine Perle: von I'm so glad fand ich hier den ersten mir bekannten Stereomix, und zwar keinen für die Sechziger typischen Breitwand-Mix (so sehr ich auch darauf stehe), sondern einen moderaten, heutigen Hörgewohnheiten angepassten: Rhythmusgruppe und Gesang mittig, Claptons Gitarre halb links, und Hintergrundgesang und Solo halb rechts. (Auf allen anderen mir bekannten CDs war bislang immer nur ein Monomix zu hören.)

Allein dafür hat sich für mich die Anschaffung schon gelohnt. Wer also das Fehlen von Spoonful verschmerzen kann, findet in "Gold" schon wegen der Ergänzung der Live-Titel auf CD 2 einen optimalen, weil umfassenderen Cream-Sampler als oben erwähnte CD "The very Best of Cream".


Live in l.a.
Live in l.a.
Wird angeboten von musicwebshop
Preis: EUR 52,29

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Midnight Rider, 14. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Live in l.a. (Audio CD)
Der Titel war griffig, aber etwas irreführend: die Aufnahmen dieser erst 1976 erschienen LP stammten von Konzerten in der Hollywood Bowl, der Long Beach Arena und aus New Haven, Connecticut, aufgenommen 1972 während Joe Cockers ersten Auftritten seit seiner "Mad Dogs & Englishmen"-Tournee zwei Jahre zuvor. Ursprünglich war angedacht, dass Cocker lediglich als Sänger der "Chris Stainton Band" fungieren sollte (daher auch die Ankündigung am Anfang der Platte), was ihm wohl auch ganz recht war; aufgrund seiner Popularität führte man Cockers Namen aber natürlich mit an. Durch seine beharrliche Weigerung, auch nur einen Song aus der "Mad Dogs"-Zeit zu singen, kam das Publikum in den Genuss weiterer Titel von seinen ersten beiden Alben sowie noch recht unbekannter Songs aus seinem damals aktuellen Album "Something to say" (das in den Staaten unter dem einfallslosen Titel "Joe Cocker" erschien und sich somit im Titel nur durch ein "!" von seiner zweiten Platte unterschied).

Bekanntes wie Dear Landlord und Hitchcock Railway klingt deshalb so vertraut, weil mit Chris Stainton (keyb) und Alan Spenner (bg) Musiker dabei waren, die schon als Grease Band auf Cockers zweitem Album mitgespielt hatten, von dem die Songs stammen. Mit Stainton, Bobby Keys (sax), Jim Price (tp) und Jim Keltner (dr) waren auch wieder vier Musiker aus der "Mad Dogs"-Entourage dabei. Interessant war diesmal die Erweiterung des Sounds durch einen lediglich dreiköpfigen weiblichen Backgroundchor (die "Sanctified Sisters"), einen Perkussionisten (Felix Falcon) und Saxofonist Jim Horn, der einige schöne Querflötenpassagen spielte (St. James Infirmary) und später auf Studioalben von George Harrison und den Stones auftauchte.

Joe Cocker war durch seine Erfahrungen während der "Mad Dogs"-Tournee ausgebrannt und vom Rock-Geschäft desillusioniert und noch nicht wieder ganz auf der Höhe; seine schlimmsten, alkohol- und drogenbedingten Abstürze körperlicher und mentaler Natur standen ihm aber noch bevor. Die Klangqualität der Aufnahmen ist nicht berauschend, aber völlig in Ordnung für 1972. Sie kann mit der der "Mad Dogs & Englishmen"-LPs nicht mithalten, ebenso wenig wie die Songauswahl: Early in the Morning ist ein mäßig inspirierter Blues, und das lange und langsame Love the one you're with zeigt ein weiteres Mal, dass Cocker nicht immer ein glückliches Händchen hatte bei dem Versuch, aus schnellen Hits in Dur schwerfällige Moll-Stampfer zu machen. Didn't you know you've got to cry sometime? und What Kind of Man are you? (zumindest letzterer, vermutlich aber beide von Joes Idol Ray Charles) sind dagegen viel besser gelungen; High Time we went und Gregg Allmans Midnight Rider waren Cockers aktuelle Hits (letzteres lebendiger als in der Studioversion). St. James Infirmary ist anders arrangiert und etwas länger als die kompaktere Live-Version auf "Something to say".

Ein paar dieser Songs erschienen in den späten Achtzigern/frühen Neunzigern auf Ramsch-Samplern, aber Cocker-Sammler finden alle Aufnahmen auf dieser etwas obskuren LP/CD vereint, die bis heute das einzige offizielle Tondokument von Cockers '72er Tournee bleibt.


Nicky Hopkins: Eine Rock-Legende
Nicky Hopkins: Eine Rock-Legende
von Julian Dawson
  Gebundene Ausgabe

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jamming with Nicky, 11. Juli 2010
Who, Kinks, Beatles (als Band und solo), Rolling Stones, Yardbirds, Cat Stevens, David Bowie, Small Faces, Hollies, Jeff Beck, Donovan, Steve Miller Band, Jefferson Airplane, Quicksilver Messenger Service, McGuiness Flint, Joe Cocker, Harry Nilsson, Peter Frampton, Marc Bolan, Art Garfunkel, Rod Stewart, Lowell George, Meatloaf, Jack Bruce, Gary Moore, Izzy Stradlin... die Liste der Bands und Interpreten, die Pianist Nicky Hopkins (1944-1994) seit Beginn der Sechziger Jahre im Studio und auf Tournee begleitet hat (und dies ist nur eine Auswahl der bekanntesten), ist so lang, dass es schier unmöglich ist, Fan der Rockmusik der Sechziger und Siebziger zu sein, ohne - bewußt oder unbewußt - in den Genuss seiner Tastenarbeit gekommen zu sein: was wären Songs wie z.B. She's a Rainbow, Sympathy for the Devil, Monkey Man oder Angie von den Rolling Stones, Lennons Jealous Guy oder Joe Cockers You are so beautiful ohne Nicky Hopkins' geschmackvolles und stilsicheres Klavierspiel, das sich nie in den Vordergrund drängte, die Aufnahmen aber stets so genial ergänzte, dass es viele Songs vor der Mittelmäßigkeit bewahrte? (Er ist, nebenbei bemerkt, der einzige mir bekannte Musiker, der sowohl auf einer Beatles-Aufnahme (Revolution) als auch auf Soloalben aller vier Beatles mitwirkte.)

Autor Julian Dawson war mir als Musiker bisher nur aus dem BAP-Umfeld ein Begriff (ich meine mich zu erinnern, ihn in den Achtzigern einmal im Vorprogramm von BAP gesehen zu haben, und Wolfgang Niedecken schrieb das Nachwort zu diesem Buch), aber soviel steht fest: schreiben kann er! Ein halbes Jahr vor Hopkins' Tod kam es zu einer Zusammenarbeit mit Dawson, und im Anschluss an dessen Tod interviewte Dawson zehn Jahre lang 130 von Hopkins' Wegbegleitern und schuf so eine liebevolle Hommage an einen begnadeten Ausnahmepianisten, der in seiner Hoch-Zeit (1967-1975) mit so vielen Größen der Rockmusik spielte, dass er in ihren Kreisen durchaus eine gefragte Berühmtheit war und gar eine Solokarriere versuchte; zeitweise standen sogar Angebote von den Who und den Rolling Stones im Raum, sich ihnen als festes Mitglied anzuschließen. Dem standen jedoch Nicky Hopkins' voller Terminkalender und gesundheitliche Probleme im Weg:

Bereits als Kind litt Hopkins vermutlich an der unheilbaren Krankheit Morbus Cohn, und im Alter von 19 Jahren wurde ihm in 14 Operationen fast sein gesamter Darm entfernt, was ihn konstitutionell immer wieder vor Probleme beim harten Tournee-Leben stellen sollte. So war sein Leben vom ständigen Wechsel zwischen Studioterminen und Liveauftritten und zwischen seiner Heimat England und Amerika bestimmt. Vermutlich im Bewußtsein, dass er nicht alt werden würde und aus dem Bedürfnis heraus, ein möglichst "normales" Leben zu führen, nahm Hopkins so viele Engagements wie möglich an und legte er in den Siebzigern, dem Leben eines Rockmusikers entsprechend, eine Alkohol-, Tabletten- und Drogenkarriere hin, die auf eine verborgene Rossnatur hindeutet, denn aufgrund seiner Krankheiten hätte er eigentlich gar nicht so lange leben dürfen, wie sich Keith Richards liebevoll erinnert. In seiner ersten Frau Dolly schien er seine eigene "Yoko" gefunden zu haben (Parallelen zu Lennons psychischer Abhängigkeit von seiner Frau, die in Dawsons Buch ebenfalls thematisiert wird, sind nicht zu übersehen); in seiner zweiten Frau fand er aber Ende der Achtziger offenbar eine echte Partnerin.

So war es denn eine bittere Ironie, dass Nicky Hopkins 1994 im Alter von nur 50 Jahren recht plötzlich an den Folgen seiner Krankheit starb, nachdem er mehrere Jahre lang (bis auf seine Zigaretten) weitgehend clean gelebt hatte, zu einem Zeitpunkt, als es bei ihm mit Filmmusiken beruflich wieder bergauf ging. Mithilfe zahlreicher Interviews gelang Julian Dawson ein empathisches Portrait eines begnadeten Sessionmusikers, der sehr an seinen Krankheiten, seiner Drogen- und Tablettenabhängigkeit und immer wieder an finanziellen Engpässen zu leiden hatte, dessen Ego einfach nicht für eine führende Rolle im Rampenlicht ausreichte (schon die Umschlaggestaltung illustriert, dass man Hopkins oft mit der Lupe suchen musste), an den sich ausnahmslos alle ehemaligen Mitmusiker gerne erinnern und der über 30 Jahre eine Unzahl an Pop- und Rocksongs mit seinem Piano- und Orgelspiel veredelt hat. Eine vollständige Auflistung ist aus Gründen der mangelhaften Studiodokumentation unmöglich, aber im Anhang versucht Dawson eine Aufzählung aller LPs und Singles, an denen Nicky Hopkins beteiligt war. (Kleine Fehler in der Recherche sind dabei zu vernachlässigen: Hopkins war noch nicht auf "Aftermath" dabei, und das "Blaue Album" der Beatles erschien bereits 1973, nicht 1978.)

Natürlich folgt die Erzählung einem chronologischen Faden, aber sein Buch ist weit entfernt von einer trockenen Aneinanderreihung von Hopkins' Studiosessions; immer wieder schiebt Dawson Schwerpunktkapitel über Hopkins' Arbeit mit den Who, den Kinks, den Rolling Stones, den Beatles und mit Joe Cocker ein, und er schreibt so flüssig, dass ich das Buch verschlungen habe. Ich könnte mir vorstellen, dass auch viele Nicht-Musiker während der Lektüre Lust bekommen, die genannten LPs rauszukramen ("Beggars Banquet", "Volunteers", "Imagine" etc.), in den Besetzungsangaben zu stöbern und die Songs sozusagen noch einmal mit ganz neuen Ohren zu hören.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 29, 2010 4:11 PM MEST


The Rolling Stones - The Stones In The Park  [UK Import]
The Rolling Stones - The Stones In The Park [UK Import]
DVD ~ Rolling Stones

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hyde Park, London, 5.7.1969, 30. Juni 2010
Durch Brian Jones' Tod zwei Tage zuvor wurde dieses schon länger geplante Gratiskonzert der Rolling Stones im Hyde Park in London am 5.7.1969, einen guten Monat vor Woodstock, zu dessen Gedenkfeier und gleichzeitig zu Mick Taylors Einstand vor rund einer halben Million Menschen. P.A.s und Monitorsysteme befanden sich noch in ihrer Embryonalphase, aber dieser erste öffentliche Liveauftritt der Rolling Stones seit gut zwei Jahren zeigte unabhängig davon, wie eingerostet sie als Liveband noch waren: zwar spielen zwar alle dieselben Songs, aber nicht unbedingt gemeinsam; schade, dass sie nicht so gut waren wie beim Rock'n'Roll Circus im Dezember '68, und selbst da waren sie nicht richtig zufrieden mit ihrem Auftritt gewesen. (Aus dieser Erkenntnis heraus machten sie bei der anschließenden Amerika-Tournee im darauf folgenden Winter keine halben Sachen mehr und spielten einige ihrer besten Shows überhaupt, wie im Film "Gimme Shelter" dokumentiert.) Wer die Band an jenem Tag live sah, kam wohl schwerlich auf die Idee, dass sie zeitgleich im Studio an ihrem Jahrhundertalbum "Let it bleed" werkeln könnte, von dem sie mit Midnight Rambler und Love in vain zwei unveröffentlichte Songs präsentierte.

"The Stones in the Park" dokumentierte bereits 1969 53 Minuten lang dieses historische Konzertereignis, leider ohne jegliches Einbeziehen der Vorgruppen. Vom Konzert selber hört man die zweite Hälfte von Midnight Rambler und mehr oder weniger lange Auszüge aus Street Fighting Man, Satisfaction und I'm free; Jumpin' Jack Flash und die damals brandneue Single Honky Tonk Women kommen ungekürzt. Sympathy for the Devil ist mit 10 Minuten Laufzeit immer noch um fast die Hälfte gekürzt und hat dank seiner zahlreichen afrikanischen Gasttrommler schöne hypnotische Passagen, allerdings habe ich von Keith Richards selbst auf Bootlegs selten so viele Patzer gehört. "Unbekümmert" trifft es nicht ganz; passend zu seiner gerade beginnenden Heroinsucht präsentierte er seinen neuen, beeindruckenden Totenkopf-Look.

Nach Jaggers Elegie auf Brian Jones steigt die Band, möglicherweise auf Mick Taylors Anregung hin, mit Johnny Winters I'm yours and I'm hers ein (eine Quelle erwähnt den Song als einen von Brian Jones' Lieblingssongs); ich finde es bezeichnend, dass der Band, trotz längerer Interviewpassagen mit Mick Jagger, keinerlei Betroffenheit oder gar Trauer über Brian Jones' Tod anzumerken ist - einiges wird mit Hippiegequatsche übertüncht, der Rest wird einfach überrockt. Musikalischer Höhepunkt des Films ist Love in vain, das im Vergleich mit der Liveversion auf "Get yer Ya-Ya's out!" (und Bootlegs von dieser Tour) zeigt, wie einfallsreich Mick Taylor sein Solo variierte.

Leider enthält uns der Film die auf Bootleg erhältlichen Songs No Expectations, Mercy Mercy, Stray Cat Blues und Live-Raritäten wie Down Home Girl und eine frühe Version von Loving Cup vor, auf das man bis zum Erscheinen von "Exile on Main Street" warten musste. Dafür, dass Charlie (in "According to the Rolling Stones") diesen Auftritt als einen der wenigen in Erinnerung hat, bei denen er so richtig Spaß hatte, drischt er ungewohnt aggressiv auf sein Schlagzeug ein. Wie zu erwarten, zeigen die Konzertszenen überwiegend den Frontmann Jagger und leider nur kurze, schnelle Schnitte seiner Bandkollegen.

Neben den Konzertmitschnitten zeigt der Film Szenen im Park, Hippies, britische Hell's Angels (die als Bühnenordner ungleich friedlicher agieren als ein halbes Jahr später ihre kalifornischen Kollegen beim Altamont-Konzert), Jaggers damalige Noch-Freundin Marianne Faithful mit Sohn Nicholas und längere Interviewauszüge mit Mick Jagger, in denen dieser u.a. äußert, er habe die Beatles immer als bessere Komponisten und Studioband empfunden und die Stones eben als bessere Live-Band (selbst wenn das für diesen einen Gig nicht zutreffen mag). Im Abspann ist sogar für Sekunden Konzertbesucher Paul McCartney auszumachen.

Einer der berühmtesten Stones-Gigs war auch gleichzeitig einer ihrer schlechtesten (wenn man mal davon absieht, dass sie auf ihren Tourneen davor schon wegen der kreischenden Fans ziemlich wüst geklungen haben müssen); bei den damaligen Beschallungsanlagen wird man es nicht so genau genommen haben, und immerhin war das Konzert eine gigantische Werbeveranstaltung für die Stones zum Beginn ihrer neuen Blütezeit.


Rolling Stones - Stones in the Park (Metalpak) [Limited Edition]
Rolling Stones - Stones in the Park (Metalpak) [Limited Edition]
DVD ~ The Rolling Stones
Wird angeboten von schnuppie83
Preis: EUR 11,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hyde Park, London, 5.7.1969 - Remaster 2006, 30. Juni 2010
Durch Brian Jones' Tod zwei Tage zuvor wurde dieses schon länger geplante Gratiskonzert der Rolling Stones im Hyde Park in London am 5.7.1969, einen guten Monat vor Woodstock, zu dessen Gedenkfeier und gleichzeitig zu Mick Taylors Einstand vor rund einer halben Million Menschen. P.A.s und Monitorsysteme befanden sich noch in ihrer Embryonalphase, aber dieser erste öffentliche Liveauftritt der Rolling Stones seit gut zwei Jahren zeigte unabhängig davon, wie eingerostet sie als Liveband noch waren: zwar spielen zwar alle dieselben Songs, aber nicht unbedingt gemeinsam; schade, dass sie nicht so gut waren wie beim Rock'n'Roll Circus im Dezember '68, und selbst da waren sie nicht richtig zufrieden mit ihrem Auftritt gewesen. (Aus dieser Erkenntnis heraus machten sie bei der anschließenden Amerika-Tournee im darauf folgenden Winter keine halben Sachen mehr und spielten einige ihrer besten Shows überhaupt, wie im Film "Gimme Shelter" dokumentiert.) Wer die Band an jenem Tag live sah, kam wohl schwerlich auf die Idee, dass sie zeitgleich im Studio an ihrem Jahrhundertalbum "Let it bleed" werkeln könnte, von dem sie mit Midnight Rambler und Love in vain zwei unveröffentlichte Songs präsentierte.

"The Stones in the Park" dokumentierte bereits 1969 53 Minuten lang dieses historische Konzertereignis, leider ohne jegliches Einbeziehen der Vorgruppen. Vom Konzert selber hört man die zweite Hälfte von Midnight Rambler und mehr oder weniger lange Auszüge aus Street Fighting Man, Satisfaction und I'm free; Jumpin' Jack Flash und die damals brandneue Single Honky Tonk Women kommen ungekürzt. Sympathy for the Devil ist mit 10 Minuten Laufzeit immer noch um fast die Hälfte gekürzt und hat dank seiner zahlreichen afrikanischen Gasttrommler schöne hypnotische Passagen, allerdings habe ich von Keith Richards selbst auf Bootlegs selten so viele Patzer gehört. "Unbekümmert" trifft es nicht ganz; passend zu seiner gerade beginnenden Heroinsucht präsentierte er seinen neuen, beeindruckenden Totenkopf-Look.

Nach Jaggers Elegie auf Brian Jones steigt die Band, möglicherweise auf Mick Taylors Anregung hin, mit Johnny Winters I'm yours and I'm hers ein (eine Quelle erwähnt den Song als einen von Brian Jones' Lieblingssongs); ich finde es bezeichnend, dass der Band, trotz längerer Interviewpassagen mit Mick Jagger, keinerlei Betroffenheit oder gar Trauer über Brian Jones' Tod anzumerken ist - einiges wird mit Hippiegequatsche übertüncht, der Rest wird einfach überrockt. Musikalischer Höhepunkt des Films ist Love in vain, das im Vergleich mit der Liveversion auf "Get yer Ya-Ya's out!" (und Bootlegs von dieser Tour) zeigt, wie einfallsreich Mick Taylor sein Solo variierte.

Leider enthält uns der Film die auf Bootleg erhältlichen Songs No Expectations, Mercy Mercy, Stray Cat Blues und Live-Raritäten wie Down Home Girl und eine frühe Version von Loving Cup vor, auf das man bis zum Erscheinen von "Exile on Main Street" warten musste. Dafür, dass Charlie (in "According to the Rolling Stones") diesen Auftritt als einen der wenigen in Erinnerung hat, bei denen er so richtig Spaß hatte, drischt er ungewohnt aggressiv auf sein Schlagzeug ein. Wie zu erwarten, zeigen die Konzertszenen überwiegend den Frontmann Jagger und leider nur kurze, schnelle Schnitte seiner Bandkollegen.

Neben den Konzertmitschnitten zeigt der Film Szenen im Park, Hippies, britische Hell's Angels (die als Bühnenordner ungleich friedlicher agieren als ein halbes Jahr später ihre kalifornischen Kollegen beim Altamont-Konzert), Jaggers damalige Noch-Freundin Marianne Faithful mit Sohn Nicholas und längere Interviewauszüge mit Mick Jagger, in denen dieser u.a. äußert, er habe die Beatles immer als bessere Komponisten und Studioband empfunden und die Stones eben als bessere Live-Band (selbst wenn das für diesen einen Gig nicht zutreffen mag). Im Abspann ist sogar für Sekunden Konzertbesucher Paul McCartney auszumachen.

Einer der berühmtesten Stones-Gigs war auch gleichzeitig einer ihrer schlechtesten (wenn man mal davon absieht, dass sie auf ihren Tourneen davor schon wegen der kreischenden Fans ziemlich wüst geklungen haben müssen); bei den damaligen Beschallungsanlagen wird man es nicht so genau genommen haben, und immerhin war das Konzert eine gigantische Werbeveranstaltung für die Stones zum Beginn ihrer neuen Blütezeit.

Fans brauchen die DVD natürlich schon als historisches Dokument, gerne auch in Bild und Ton remastert. Die ausschließlich deutschen Untertitel sind etwas fahrig übersetzt. Fast entschuldigend bietet die 2006 remasterte DVD als Bonusmaterial ganze 2 (!) Minuten lang einen Vorher-/Nachher-Vergleich bei der digitalen Bildrestauration und bleibt somit eine vertane Chance, wenigstens im Bonusteil das Konzert in ganzer Länge zu zeigen, da nützt auch die metallene Packung nichts.


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