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Rezensionen verfasst von
Mohemian "Mo"

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Dreamless
Dreamless
Preis: EUR 10,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die wahre Größe dieser Platte erschließt sich nicht so leicht, 24. November 2016
Rezension bezieht sich auf: Dreamless (MP3-Download)
Ich habe mir vor Veröffentlichung dieser Rezension gehörig Zeit gelassen, um "Dreamless" wieder und wieder durchzuhören und zu verstehen, gerade nach dem im Vergleich zu den Vorgängeralben doch recht durchwachsenen Bewertungsbild hier auf Amazon. Zugegebenermaßen könnte man der Band tatsächlich den Vorwurf machen, mit der neuen Scheibe den Weg des geringsten Widerstandes gewählt zu haben. Man muß schon sehr genau und mit viel Hingabe hinhören, um die Weiterentwicklung und Unterschiede zum genredefinierenden Vorgänger "The Flesh Prevails" ans Tageslicht zu zerren. Wenn man das aber tut, dann entpuppt sich "Dreamless" als neuer Meilenstein im atmosphärisch melodischen Death Metal.

Aber eines nach dem anderen: Mit "Dreamless" steht seit Mai dieses Jahres der dritte vollwertige Longplayer der fünf Jungs aus San Francisco in den Regalen und wurde auch schon ausführlich betourt. Bereits das von mir hochverehrte zweite Album "The Flesh Prevails" (s. meine gesonderte Rezension) hat den Stil der Kalifornier auf nicht absehbare Zeit festgelegt. Zum Glück haben sich die Mannen rund um Vocalist Alex Hofmann dazu entschlossen, denselben Fehler nicht zweimal zu machen und sind von ihrer Noise War Produktionsstrategie abgerückt. Dadurch gelingt es ihnen, auf dem aktuellen Silberling einen deutlich entschlackten Sound abzuliefern, der die technischen Finessen der Band besser zu betonen weiß. So sind zum Beispiel mit "Fidelio" und "Les Silences" gleich zwei reinrassige Elektroniktracks vertreten, die sich dadurch glatter in das Gesamtkonzept von "Dreamless" einfügen.

Mit dem Opener "Face of Death" wartet man nach einer kurzen elektronischen Spielerei mit dem ach so typischen Fallujah Gitarrenriff auf und knüpft damit nahezu nahtlos an den Rausschmeißer "The Chemical Cave" vom Vorgängeralbum an. Es entsteht fast der Eindruck, zwischen den beiden Outputs sei keine Zeit ins Land gegangen. "Adrenaline" überrascht im Anschluß mit einer raufasertapetenartigen Oberfläche, die auf rohe Geschwindigkeit geleimt wurde. Etwas weiter hinten erweist sich "Amber Gaze", mein absoluter Lieblingssong auf diesem Album, ebenfalls als Nackenbrecher der übleren Sorte. Die nächste kleine Überraschung folgt mit "The Void Alone", auf dem Hofmann in bester Black Metal Manier seine Lungenbläschen auf dem Mikro verteilt. Überhaupt ist er insgesamt etwas variabler geworden, was sein Stimmorgan anbelangt. Zwar dominieren über weite Strecken immer noch die Growls, allerdings finden sich auch hier und da durchaus andersartige Stimmsprengsel. "Abandon", "Scar Queen", "Prodigal Son" sowie "Lacuna" rauschen scheinbar als Einheit ohne Anfang und ohne Ende am Hörer vorbei, was neben den kurzen Übergängen auch am wiederkehrenden Drummotiv liegen mag, das mit seinem Stakkatoambiente ein wenig an Fear Factory erinnert. Insgesamt hat sich die Geschwindigkeit in der Schlagzeugsektion eher reduziert und von der Hand- auf die Fußarbeit verlagert.

Soweit zur eingangs erwähnten Weiterentwicklung. Deutliche Unterschiede zum bisherigen Schaffenswerk bietet dann zunächst der Titeltrack. Dieser ist in Anlehnung an das Debut "Harvest Wombs" ebenfalls ein Instrumental, kommt allerdings im positiven Sinne wesentlich getragener, man möchte gar meinen philosophischer, daher. Völlig aus dem üblichen Rahmen fallen etwas später die anfangs genannten elektronischen Stücke, derer dieses Mal gleich zwei auf dem aktuellen Output zu finden sind (Mit "Alone With You" war auf The Flesh Prevails bereits ein erster Ansatz in diese Richtung zu erkennen, der aber noch nicht vollends durchgezogen wurde). Wer sich im Vorfeld der Veröffentlichung ein bißchen mit den Interviews der Band auseinandergesetzt hat, der konnte wiederholt vom versuchten Eindruck emotionaler Reisen und Anlehnungen an Filmsoundtracks lesen. Das versteht man auch, sobald man die Tracks zu hören bekommt. Allerdings muß ich meinem Vorredner an dieser Stelle beipflichten, wenn er behauptet, zwei seien einer zu viel und würden das durch die vorherigen Songs bis hierhin aufgebaute Momentum reichlich ausbremsen. Auch ich hätte "Fidelio" beispielsweise deutlich gekürzt, als Intro vor "Adrenaline" verwendet und stattdessen "Les Silences" und "Dreamless" ans Ende der Platte gestellt. Die Reihenfolge der Songs wirkt in der Tat alles andere als glücklich. Überhaupt wurde der Elektronikanteil merklich ausgeweitet,, fügt sich meiner Meinung nach aber ganz hervorragend in die bestehenden Songstrukturen ein und erfährt gerade während der wieder und wieder eingestreuten Breaks wohltuende Prominenz. Die übrigen Songs bieten dem geneigten Fallujahfan überwiegend gewohnte Kost im Sinne des Zweitwerkes,

Ich kann die Leute verstehen, die zwischen den Werken "The Flesh Prevails" und "Dreamless" keine Entwicklung sehen. Dieser Eindruck bleibt auch nach etlichen Hördurchläufen erst einmal haften, auch gerade weil die Meßlatte bereits vorher extrem hoch lag. Noch dazu wirken die elektronischen Songs wie rundgelutschte Fremdkörper im ansonsten kantigen Fallujahuniversum. Mehr noch als sonst sollte man daher dem vorliegenden "Dreamless" Zeit und eine zweite Chance geben. Ein Tip, der bereits beim Vorgänger geholfen hat, wäre das Hören auf verschiedenen Anlagen. So lassen sich die Feinheiten besser erspüren. Ich persönlich bin der Meinung, Fallujah konnten noch eine Schippe drauflegen, sowohl beim Songwriting als auch bei den spielerischen Fertigkeiten. Nur erschließt sich das einem eben nicht sofort, weil die Brachialität zugunsten der Melodie zurückgeschraubt wurde. Genau das macht aber meines Erachtens die Größe einer Platte auch aus, wenn man wieder und wieder Neues und Überraschendes entdecken kann. Das Gesamtkonzept jedenfalls ist einfach stimmig, von der Musik über das Artwork, bis hin zu den phänomenalen Liveauftritten.


Revelation of Chaos
Revelation of Chaos
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Abrißbirne vor dem Herrn, 20. Oktober 2016
Rezension bezieht sich auf: Revelation of Chaos (MP3-Download)
Deathrite fügen sich ein in eine mittlerweile immer länger werdende Liste von aufstrebenden jungen Bands aus dem Underground, die dem Anfang der 90er Jahre entstandenen Death Metal Stockholmer Prägung ihre Aufwartung machen. Da drängt sich doch die Frage auf, warum sich die Truppe mit ihrem derzeit dritten Output von den anderen Kapellen so deutlich abhebt. (Die ersten beiden eigenständigen Scheiben sind leider nur auf Vinyl oder Tape erhältlich).

Ich hatte den ersten Kontakt mit der Band im Sommer dieses Jahres als Support Act für Napalm Death. Was mir während ihrer Show sofort auffiel, waren zum einen der brachial basslastige Sound und zum andern die rohe, energiegeladene Bühnenpräsenz der vier Sachsen. Am Ende ihres Sets hatten die Jungs die Halle komplett abgerissen und wurden von der Menge frenetisch gefeiert, außer - und ich schäme mich in Grund und Boden, das heute zugeben zu müssen - von mir. Der einfache Grund: ich bin alt genug, den damaligen Aufstieg Stockholmer Bands aus dem Sunlight Studio an die Death Metal Front miterlebt haben zu dürfen und habe zu der Zeit alle Outputs von Konsorten á la Entombed, Dismember und insbesondere Grave bis zur Besinnungslosigkeit abgefeiert. Insofern war der Vierer aus Leipzig und Dresden bei mir vorerst als reine Schwedenkopie abgestempelt.

VÖLLIG ZU UNRECHT! Amazon Prime sei Dank habe ich den hier vorliegenden metallischen Erguß "Revelation of Chaos" gefunden und beschlossen, den Jungs einfach noch eine Chance zu geben. Und was soll ich sagen? Seitdem läuft die Platte bei mir auf allen Kanälen rauf und runter - im Telefon, im Auto, zu Hause - und ich habe allein im zweiten Halbjahr dieses Jahres bereits drei weitere Liveshows besucht. Rein oberflächlich betrachtet fabrizieren Deathrite lupenreinen Oldschool Elchtod. Serviert wird das wohlschmeckende Gebräu allerdings mit einer ansprechenden Deko aus Grind- und Sludgeelementen. Die Bandmitglieder selbst sind ursprünglich im Hardcore verwurzelt, wie ich im persönlichen Gespräch erfahren konnte. Das macht ihre Mucke sehr authentisch, da ihre musikalischen Vorbilder aus derselben Ecke kommen (ja, ich habe Daniel Ekeroths Standardwerk gut studiert...).

Auch handwerklich gibt es an diesem Silberling nichts auszusetzen. Da ist zum einen der Sound, der auch auf Platte nahezu wie live eingezimmert wirkt. Roh, dunkel, aber dennoch druckvoll, instrumentell ausgewogen und genau auf den Punkt. Zum zweiten ist die Abwechslung zu nennen: Deathrite beherrschen die komplette Geschwindigkeitspalette nach Belieben - ob Knüppelorgie, hardcorelastiger 4/4 Takt oder tonnenschwere Schleichpassagen. Die vielen Breaks und Tempiwechsel sorgen für kurze Weile, sie wirken flüssig und zu keiner Zeit verhackstückt. Drittens hat mein neuer Lieblingsvierer ein untrügliches Gespür für nackenbrechende Rhythmen; Melodie geht zweifelsohne anders. Man höre sich beispielhaft die letzte Minute von "Mayhem Remains" an, die Buzzsaw-Gitarre rammt erst alles in Grund und Boden und walzt dann nochmal den traurigen Rest nieder. Allein dieses Stockholmer Trademark zwingt natürlich im ersten Moment zum Vergleich mit den eingangs angesprochenen Musikkapellen. Ich persönlich allerdings empfinde "Revelation of Chaos" anläßlich seiner Vielschichtigkeit als lange überfällige Frischzellenkur in diesem Sub-Genre und daher als durchaus eigenständig.

Da die musikalische Reise leider nur gute 35 Minuten dauert, sind Anspieltips so eine Sache. Neben dem bereits erwähnten "Mayhem Remains" würde ich "Circle of Destruction", "Toxic Hammer" und "Infernal Domination" lobend hervorheben wollen. Zum Abschluß meiner Ausführungen möchte ich jedem geneigten Hörer den Besuch einer ihrer mörderischen Liveshows wärmstens ans Herz legen. Man sieht sich dann vor Ort. Und sympathisch sind die Jungs nebenbei gesagt auch noch...

HORNS!


Peste (Ltd.Vinyl) [Vinyl LP]
Peste (Ltd.Vinyl) [Vinyl LP]
Preis: EUR 20,32

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lärmschutzwände sind hier Pflicht, 17. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Peste (Ltd.Vinyl) [Vinyl LP] (Vinyl)
Auf Hierophant bin ich über die Kaufempfehlungen in der Musikbibliothek von Amazon Prime gestoßen, kannte die Italiener also bis dato nicht. Ehrlich gesagt haben mich dann das absolut geniale Cover sowie die bereits vorliegende Rezension dazu inspiriert, mir mal wieder die Rübe ordentlich durchblasen zu lassen.

Und was soll ich sagen? Mission accomplished. Hierophant präsentieren sich als die musikalische Manifestation eines Bolzenschußgerätes und brennen auf "Peste" ein ungeahntes Knüppelfeuerwerk allererster Kajüte ab. Die Platte macht einfach nur richtig Laune, aber hallo! In nur 18 Minuten werden dem Hörer hier 10 Songs in den Schädel gehämmert, die den kompletten Gegenentwurf zur derzeitigen Welle des technischen Death Metal darstellen. Hier wird geklopft, bis der Arzt kommt. Durch die ständigen Gitarrenfeedbacks wirkt das Ganze wie an einem lauschigen Spätsommernachmittag geschrieben, eingezimmert und produziert, wobei man die Produktion durchaus als amtlich bezeichnen kann. Stilistisch bewegen sich Hierophant irgendwo zwischen den Righteous Pigs und Deceased. Von Retro kann hier allerdings keine Rede sein, denn das Gebräu vereinigt auch Black Metal, Hardcore und Crust Einflüsse in bester Manier.

Fazit: Diese Platte muß man einfach lieben. Durch seine kurze Laufzeit eignet sich "Peste" hervorragend für den Weg von der Arbeit nach Hause, wenn man mal wieder einen richtig besch******n Tag hatte und einfach nur abschalten will. Lärmiges Hörvergnügen ist absolut garantiert, mir jedenfalls hat bereits der erste Song ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Wer allerdings auf technisches Gefrickel steht, dem sei hiervon abgeraten.


The Flesh Prevails
The Flesh Prevails
Preis: EUR 16,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lost in the Beauty You Slay..., 16. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: The Flesh Prevails (Audio CD)
Zugegeben, die Überschrift ist geklaut. Dennoch war das meine erste Assoziation, als ich das vorliegende Album zum ersten Mal hörte. Und das liegt nicht daran, daß es irgendeine musikalische Parallele zum hier zitierten ersten Output der Schweden Sacrilege gäbe, sondern daß ich einen derartigen Sound selbst nach 25 Jahren Extremmetal bis dato einfach noch nicht gehört hatte. Und nur dieser Titel vermochte die vernommenen soundtechnischen Gegensätze im ersten Moment ansatzweise zu beschreiben.

Fallujah tänzeln auf "The Flesh Prevails" traumwandlerisch zwischen extremen Grind Passagen, klassischen Leads, corigen sowie atmosphärischen chansonähnlichen Parts, ohne auch nur ansatzweise das Gefühl lächerlicher Übertriebenheit beim geneigten Hörer hervorzurufen. Im Gegenteil wirkt die Scheibe dermaßen organisch, daß man am Ende das Gefühl bekommt, 40 Minuten lang einen einzigen Song gehört zu haben (Edge of Sanity haben es in den 90ern vorgemacht).

Das Vorgängeralbum "Harvest Wombs" ließ zwar schon beim Opener sowie dem Titelstück die für "The Flesh Prevails" charakteristischen stilistischen Versatzstücke erkennen, allerdings dominiert dort doch über weite Strecken Ami Death Core vom Feinsten, so daß man das Album auch mal gut und gerne zwischendurch hören kann. Nicht so bei dem vorliegenden Nachfolger. Das liegt zu aller erst allerdings auch daran, daß dieses Silberbrett (leider) vollkommen überproduziert ist. Selbst über eine gute Anlage gehört, erwartet den Tech Metal Enthusiasten im ersten Moment nur eine dicke Lärmschicht. Hier muß man sich also durchaus die Mühe machen, die vielen übereinander gelegten Tonlappen - am besten über Kopfhörer - auseinander zu dividieren. Darunter erwarten einen dann gefühlvolle Gitarrenleads, mächtiges und abwechslungsreiches Breitwandriffing, anspruchsvollste Schießbudenarbeit irgendwo zwischen Jazz und Grind, ein jederzeit kristallklar auszumachender Bass sowie - glücklicherweise - harmonisch eingepaßte Vocals, die das Klangbild eher subtil unterstützen anstatt zu dominieren. Ergänzt wird das Ganze stellenweise durch zuckersüßen weiblichen Gesang und variantenreiches Programming.

Der Fünfer aus Frisco treibt einen mit dieser Melange vom roten in den dunkelroten Grenzbereich. In einem Moment wohnt man einem musikalischen Vulkanausbruch bei ("The Night Reveals"), im nächsten befindet man sich in traumartigen Flugsequenzen ("Levitation"). Da Fallujah ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stil auf diesem Album entwickelt haben, sind mir direkte Vergleiche mit anderen Bands an dieser Stelle verwehrt. Für mich ist dieser Sound die Summe der Dekonstruktion von Knüppelpassagen a la The Red Chord oder Whitechapel, Crust Core Elementen von Downfall of Gaia sowie atmosphärischen Parts, die sonst nur ein Devin Townsend so hinbekommt. Anspieltips wären aus meiner Sicht Carved from Stone, The Night Reveals und Sapphire. Gesondert hervorzuheben ist auch noch das grandiose Artwork, das von Sänger und Graphic Designer Alex Hoffmann federführend entwickelt wurde.

Im Gegensatz zu dem bereits für das kommende Frühjahr angekündigten Nachfolger handelt es sich hierbei nicht um ein Konzeptalbum, obwohl einige Songs fließend ineinander übergehen und Mottos auch stellenweise wiederholt werden. Man darf gespannt sein, wie dieser nächste Quantensprung im Reiche Fallujah dann aussehen wird. Bis dahin jedenfalls höre ich "The Flesh Prevails" weiter fleißig rauf und runter und freue mich schon darauf, die Jungs auch mal live bei der Umsetzung ihres Bombastsounds zu erleben.


Elements Of The Infinite
Elements Of The Infinite
Preis: EUR 9,79

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vertrackt und simpel zugleich, weniger Tech bei mehr Metal, 16. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Elements Of The Infinite (Audio CD)
Ich habe schon lange keine Rezension auf Amazon mehr veröffentlicht, aber die letzte Scheibe von Allegaeon läßt mir diesbezüglich keinen Ausweg mehr. Denn was die Knaben aus Colorado/USA hier abliefern, führt zwangsläufig zu staubigen Zähnen, weil man den Mund einfach nicht mehr zubekommt. "Elements of the Infinite" fliegt wie ein Wirbelsturm an dir vorbei und reißt dabei in jeder Hinsicht alles nieder.

Ich persönlich habe die Band im letzten Jahr mit "Fragments" kennengelernt und war sofort fasziniert von der sperrigen Virtuosität und den intelligenten Texten, wenn auch nicht ebenso schnell begeistert. Das technische Gefrickel, die vielen Ideen und die teilweise affenartige Geschwindigkeit lassen dem Hörer wenig Zeit zum Nachdenken, geschweige denn zum Genießen. "Formshifter" hat das Technische Element dann sogar noch über das Sounderlebnis gestellt und einen klinischen Reinraum geschaffen, der konsequent die Erkennungselemente der Band fortgeführt hat.

Nun liegt also mit "Elements of the Infinite" der dritte Geniestreich vor. Wer sich im Vorfeld etwas mit der Truppe auseinandergesetzt hat, weiß, daß einige Mitglieder mittlerweile die Band verlassen haben. Da die Positionen an Lead Gitarre und Gesang allerdings unverändert blieben, hat sich am Masterkonzept nichts verändert. Es dominiert nach wie vor technisch orientierter Death Metal auf allerhöchstem Niveau mit Hang zum klassischen Barock. Im Vergleich zum Vorgänger allerdings bewegt sich das Konzept etwas weg vom Tech und hin zum klassischen Metal. "Elements" kommt weniger sperrig daher, der Flow gewinnt die Oberhand. Zudem bedient sich die Band zunehmend des sog. Layering, d.h. dem charakteristischen Soundgewand wurden zusätzliche Schichten hinzugefügt. Das Ganze schwankt zwischen Chören, klassischer Musik, Synthesizern und Industrialklangpassagen, die nie aufgesetzt wirken, sondern sich erstklassig in die Songstrukturen einbetten. Ich fühlte mich beim ersten Hördurchlauf stellenweise an Strapping Young Lad oder das Devin Townsend Project erinnert (man könnte den Song "Biomech" auch als eindeutige Referenz auf Devin Townsends "Ocean Machine" auslegen, aber ich spekuliere hier nur...).

Für mich der zweifelsohne interessanteste Schritt ist die Verflüssigung der Klangstrukturen. Die Songs umspülen den Hörer regelrecht, wie ein reißender Strom. Dieser Eindruck wird auch dadurch verstärkt, daß viele Songs ohne Pause ineinander übergehen. Ich will jetzt nicht von einem Konzeptalbum sprechen, aber das Ding wirkt tatsächlich wie aus einem Guß. Breaks und Tempiwechsel gibt es immer noch zuhauf, diese sind aber weniger verstörend als auf den Vorgängeralben. Hinzu kommt die Hinwendung zum klassischen Heavy Metal. In der Art und Weise ist dieser Schritt durchaus vergleichbar mit der Entwicklung von Job for a Cowboy auf Suneater. Hiervon aber jetzt bitte nicht irritieren lassen. Die Jungs brennen dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - ein Feuerwerk ungeahnten Ausmaßes ab. Gegen Mitte der Scheibe wird dermaßen nach vorne losgeknüppelt, daß man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln kann. Kritisch könnte man an dieser Stelle ggf. anmerken, daß Allegaeon hinten raus ein wenig die Ideen auszugehen scheinen. Einen 13-minütigen Rausschmeißer hätte es nicht wirklich gebraucht. Langeweile kommt aber dennoch zu keinem Zeitpunkt auf. Jeder einzelne Song von "Elements" kann hier mit mehr Esprit aufwarten, als manche Bands in ihrer gesamten Schaffensperiode hervorbringen. Kleines Schmankerl der hier vorliegenden European Limited Edition ist der Re-Release ihrer ersten EP aus dem Jahr 2008, deren Produktion auf allerhöchstem Niveau so einige Überraschungen bereit hält. So hätte ich persönlich eine größere musikalische Nähe zum Debut vermutet, entdecke aber mehr Parallelen zur letzten Veröffentlichung.

Meine Erwartungen an diesen Output waren sehr hoch und wurden zusammenfassend dennoch klar übertroffen. Neue Elemente, flüssige Strukturen, wiederum exzellente Texte. Die Platte ist unheimlich komplex und doch simpel zugleich ausgefallen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Geniestreich, für den die Demoaufnahmen bereits laufen sollen.


Ø (Disambiguation)
Ø (Disambiguation)
Wird angeboten von books-store
Preis: EUR 4,98

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geduld wird belohnt, 21. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Ø (Disambiguation) (Audio CD)
Um es kurz zu machen: Disambiguation ist der erwartete Hammer geworden. Und wiederum bedarf es so einiger Durchläufe, bis das Teil richtig zündet, denn es warten viele Überraschungen auf die geneigte Hörerschaft. Daher heißt es wieder einmal: Geduld wird belohnt.

Ich war nach dem ersten Hördurchlauf zunächst sehr enttäuscht, da ich unweigerlich den Eindruck hatte, Underoath hätten ihr Tempo stark gedrosselt. Dann mußte ich erkennen, daß die eher ruhigen Töne den Lärm bewußt und vor allem so gekonnt durchbrachen, daß letztlich nur sie fürs Erste Wiedererkennungswert erzeugten. Songs wie Illuminator, A Divine Eradication und My Deteriorating Incline sind für sich genommen dann aber zweifelsohne die härtesten Nummern, die die Band je auf den Silberdiskus gebrannt hat. Die ruhigen Passagen gewinnen also an Bedeutung, auch dadurch daß Ihnen ganze Lieder gewidmet wurden (Driftwood, Reversal). Was ist sonst noch anders?

Auffällig sind zunächst die im Vergleich zu den Vorgängern stark hervorgehobenen Basslinien. Catch Myself Catching Myself und Paper Lung sind nur zwei Beispiele, bei denen der Bass nicht nur mitschwingt, sondern ganz eigene Harmonien und Stimmungen erzeugt. Zweite Auffälligkeit sind die extrem in den Vordergrund gerückten Elektronika. Parallel zum neuen Basskonzept agieren die elektronischen Effekte nicht mehr nur unterschwellig, sondern sind gar richtungsweisend, was bereits im Opener unmißverständlich praktiziert wird. In punkto Gitarrenläufe nähert man sich m.E. immer mehr den guten alten Meshuggha an, die im 7/8-Bereich immer noch Benchmark sind.

Zu guter Letzt zeigt der Gesang die letzte Veränderung, diejenige, die für die meisten Schlagzeilen gesorgt hat. Ja, Spencer ist nun alleinig für alle Gesangsparts verantwortlich, Screams, Growls, cleaner Gesang, you name it... Und sorry, aber hier ist einmal Kritik angebracht. Vielerorts ist zu lesen, daß Aaron, der vor seinem Abgang für die cleanen Parts verantwortlich zeichnete, von den Fans so gar nicht vermißt wird. Ich persönlich widerspreche hier aufs Entschiedenste. Aaron hatte den unschlagbaren Vorteil neben einem unverwechselbaren Organ auch eine extrem gute Gesangsstimme zu besitzen, die selbst dann nicht kratzte, wenn er fast schon schrie (man nehme z.B. seine Gesangsleistung auf dem Livealbum Kaleidoscope). Bei Spencer klingen die harmonischen Gesangsparts immer ein wenig gepreßt, wenn er die Stimme etwas über normal anhebt. Dennoch macht er seine Sache gut und vor allem die Growls erzeugen echte Gänsehaut.

Ein insgesamt sehr gelungenes Album, das gerade durch seine Abwechslung zu bestechen weiß, sowohl zwischen als auch während einiger Songs. Mir persönlich gefallen daher Paper Lung und In Completion ausnehmend gut, da hier ruhige und aufwühlende Momente bestens vereint werden. Ein Album, das viel Zeit braucht, dafür aber auch reicht beschenkt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 4, 2011 5:00 PM MEST


Super Troopers - Die Superbullen
Super Troopers - Die Superbullen
DVD ~ Jay Chandrasekhar

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Licence and Registration, please..., 20. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Super Troopers - Die Superbullen (DVD)
"Super Troopers" ist der zweite von derzeit drei Leinwandergüssen der US-Comedy Truppe "Broken Lizard" und ihr bislang erfolgreichster Film. Leider hat der Streifen in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit geschenkt bekommen, die er verdient. Denn Super Troopers kann sich durchaus mühelos mit Filmen der Kategorie Police Academy oder Nackte Kanone messen.
Bei den Super Troopers handelt es sich um eine kleine, gelangweilte Einheit der Vermont Highway Police, die sich im Clinch mit der örtlichen Polizei von Spurburry befindet. Der Streit eskaliert, als die Gemeinde auf einmal von einem Mord aufgeschreckt wird und die Super Troopers darauf hin zu allem Überfluß auch noch einen LKW voller Hasch sicherstellen.
Super Troopers ist gespickt mit dummen Sprüchen und allerlei Absurditäten des Highway Alltags. Unter anderem haben es die Superbullen mit einem "deutschen" Pärchen, einem aufsässigen Kassierer in einer Burger Kette und ihrem überkorrekten Kollegen Officer Farva zu tun. Aber den Film zeichnet nicht nur die Geschwindigkeit aus, in der hier die Gags geliefert werden, sondern auch sein Ideenreichtum und die wirklich sehr gelungene deutsche Übersetzung. Letzterer Punkt ist daher gesondert hervorzuheben, da viele Independentfilme des Comedy Genres unter der oftmals wirklich dämlichen deutschen Syncro zu leiden haben. Dennoch sollte es sich der anglophile Leser/Zuschauer nicht nehmen lassen, das Werk auch im Original zu genießen, allein schon wegen des "deutschen" Pärchens.
Abschließend sei zu bemerken, daß Super Troopers der perfekte Film für einen Filmabend mit Freunden ist. Bild- und Tonqualität entsprechen dem gewohnten Standard, das Menü ist übersichtlich. Kleiner Minuspunkt ist das mit lediglich 10 Minuten sehr mager ausgefallene Bonusmaterial, obwohl auch hier an Gags nicht gespart wurde. Ich kann für die Lizards nur hoffen, daß Ihnen bei uns ein bißchen mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, denn in punkto Witz und Kreativität stehen sie der Truppe von S.N.L. wirklich in nichts nach.


Alien/Ltd. (CD + DVD)
Alien/Ltd. (CD + DVD)
Preis: EUR 21,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alien - Musik aus einer anderen Welt, 19. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Alien/Ltd. (CD + DVD) (Audio CD)
HevyDevy, Devin Townsend, beherrscht das Chaos, schafft das Chaos, ist das Chaos. Anders kann man diese Platte nicht beschreiben. Im Gegensatz zum Vorgänger Syl wurde wieder verstärkt Wert auf Synthies und damit mehr Melodie und weniger Death gelegt. Es finden sich sogar Anleihen an das Debüt.
Alien läßt sich im Grunde genommen in der Mitte durchteilen. Auf der ersten Hälfte der Platte regiert das heillose Durcheinander. Es scheint keine Strukturen zu geben und man bekommt unweigerlich den Eindruck, Mr. Townsend möchte Musik kreieren, die keine ist. Da werden unendlich viele Tonspuren übereinander gelegt, hier und da noch ein Soundeffekt eingefügt und noch ein Chor und noch ein Detail, bis die Laien in Sachen SYL resignieren müssen. Die Fans wissen es natürlich besser: HevyDevy möchte die Grenzen der härteren Musikgangart ausloten und er gibt das auf der hier beigefügten DVD auch ganz offen zu. Werke, wie das eher als Intro denn als eigenständiges Lied fungierende "Imperial", das Blastbeatgeklopfe "Shitstorm" (nomen est omen) und das überragende "Skeksis", bei dem nach 3,5 Minuten kein Stein mehr auf dem anderen stehen bleibt, belegen das verursachte Chaos eindrucksvoll. Ab "Shine" gewinnt die ganze Sache dann allmählich an Struktur (vielleicht gewöhnt man sich auch nur einfach daran) und wo einst der pure Krawall herrschte, sind jetzt wirkliche Songlinien auszumachen. So erinnert Devins äußerst variabler Gesang auf "We Ride" irgendwie an King Diamond, während auf "Possessions" gar Frauenchöre ihren Eingang finden. "Two Weeks" beschert uns dann eine wohlverdiente Akustikpause, die in der Form auch auf Terra oder Infinity hätte sein können. Einen würdigen, weil äußerst chaotisch merkwürdigen Abschluß findet das Werk dann mit einer Soundkollage, die an die Ankunft von Außerirdischen erinnert, was dem Titel der Platte ja zuträglich wäre.
Die diesem Paket beigefügte DVD hebt sich mit ihren fast 30 Minuten äußerst positiv von anderen CD/DVD-Releases ab. Da sonst vornehmlich absolut langweilige Tourtagebücher, Videoclips, die sowieso schon jeder kennt oder Kommentare, die keinen interessieren (z.B. „we had a really great time doing this"), dargeboten werden, sticht die Alien DVD angenehm aus dieser Masse an Mittelmäßigkeit heraus. Zum einen ist da die relativ professionell anmutende Kameraführung, zum anderen eine gute Mischung aus Musik und Interviews. Die Band gewährt uns einen wirklich schönen Einblick in die Studioarbeit und hat sogar kleine Tips und Tricks für eigene Musikideen parat. Am besten gefällt mit dabei persönlich „Papa" Gene Hoglan, der Drumgott vom Dienst, dem wir nicht nur auf die Hände und Füße schauen dürfen (wirklich unglaublich, was der da fabriziert), sondern der uns durch seine aufmunternden Worte auch zum Nacheifern anregt. Neben diesem Making of findet sich auch noch als Schmankerl die "Oh My Fucking God" Live Version von der kürzlich erschienenen For Those aboot to Rock DVD.
Insgesamt ist unserem Lieblingskanadier mit Alien mal wieder ein typischer Strapping Young Lad Knaller geglückt, der die Stärken der Vorgängerplatten miteinander vereint. So bleibt man mit den Blast Beats auf den Spuren des Vorgängers, spannt durch das Überladen der Tonspur mit verrückten Soundideen aber den Bogen zurück zum Erstlingswerk As Heavy... Auch wenn es dieses Mal vielleicht etwas dauert bis es knallt, Alien ist sein Geld alle mal wert und die DVD ist wirklich gelungen. Einzig den Drumsound konnte man im Vergleich zum Vorgänger und den dortigen Problemchen nicht merklich verbessern. Aber Devin muß man einfach liebhaben und so kann man ihm auch das verzeihen.


Beim Sterben ist jeder der Erste
Beim Sterben ist jeder der Erste
DVD ~ Jon Voight
Wird angeboten von Medienvertrieb & Verlag
Preis: EUR 16,00

65 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der wichtigste Streifen seines Genres, 24. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Beim Sterben ist jeder der Erste (DVD)
Zugegeben, vom deutschen Titel her (Beim Sterben ist jeder der Erste) kann man genauso wenig auf die eigentliche Handlung schließen wie beim Original (Deliverance). Davon aber mal abgesehen liefert Regisseur John Boorman DIE Vorlage für alle späteren Thriller des Flußfahrtabenteuergenres.
Zur Handlung: vier Großstädter planen eine Wochenend-Kanufahrt auf dem Cahulawassee River bevor dieser durch ein großes Umweltprojekt auf immer verändert werden soll. Obwohl die vier Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten, vereint sie doch der Nervenkitzel, sich einfach mal treiben zu lassen und den Kampf gegen die ungebändigte Natur aufzunehmen. Den Kampf sollen sie auch bekommen, nur ist die Natur dabei nicht ihr einziger Gegner...
Natürlich ist der Streifen mittlerweile über 30 Jahre alt und kann damit auch nicht unbedingt mit den heutigen Standards und Erwartungen - z.B. an das Filmende - gemessen werden. Dennoch kann es das Werk locker mit jedem Neuzeitthriller aufnehmen. Gegensätzlichkeiten spielen hierbei die größte Rolle: die Weite der Natur, die Enge des Flusses; das Leben der Großstadt, die eigenen Gesetze der Landbewohner; Entdecker spielen, Herr über Leben und Tod werden. Die Kameraführung ist grandios, die Besetzung einfach nur perfekt. Burt Reynolds liefert seine ewige Haudegennummer gekonnt ab, während der immer ein wenig zerbrechlich wirkende John Voight (die Jüngeren kennen ihn z.B. aus Mission Impossible) die Personifizierung innerer Zerrissenheit darstellt. Auch Ned Beatty überzeugt als dicklicher Außenseiter vollends, was man von ihm nicht immer unbedingt gewohnt ist.
Im Gegensatz zu James Dickeys Roman (der hier übrigens höchstpersönlich den Kleinstadtsheriff verkörpert) verkürzt der Film natürlich die subtile Zeichnung der Charaktere ein wenig. Dennoch wirkt die von der Schlüsselszene ausgehende Wandlung der Protagonisten clever und glaubhaft inszeniert. Die Bildqualität ist immer noch recht gut, die deutsche Tonspur allerdings im Gegensatz zur nagelneuen 5.1 Originaltonspur, in der man ständig an die Präsenz des mächtigen Flusses erinnert wird, mehr als mangelhaft. Auch die Ausstattung ist, verglichen mit der US-Fassung, der zusätzliche Hintergrundinformationen und ein immerhin 10-minütiges Making Of beigefügt wurden, schwach. Zu guter letzt ist dem deutschen Filmverleih auch noch der peinliche Fehler direkt auf dem DVD Cover unterlaufen, den Drehort (Chattooga River in Georgia) mit dem Ort der Handlung (Cahulawassee River in Tennessee) zu verwechseln.
Wer sich allerdings von solchen Kleinigkeiten nicht abschrecken läßt und einfach nur einen genialen Film genießen möchte, der zweifelsohne zu den Klassikern des Genres gehört, der muß hier einfach zuschlagen. Denn wenn ein Streifen nach über 30 Jahren seinen Reiz immer noch nicht verliert, dann will das in unserer heutigen Filmzeit schon was heißen.


Lain - Serial Experiments, Vol. 01
Lain - Serial Experiments, Vol. 01
DVD ~ Chiaki Konaka
Preis: EUR 12,95

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Come into the Wired, 9. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Lain - Serial Experiments, Vol. 01 (DVD)
Um es vorwegzunehmen: wer Anime mit Tiefgang und innovativer Zeichenkunst mag, ist bei Lain - Serial Experiments goldrichtig aufgehoben. Lain war im Moment seines Erscheinens bereits ein Klassiker und überzeugt mit einer durchwegs bis ins kleinste Detail durchdachten Komposition aus Story, audiovisuellen Effekten, Fiktion und Realität.
Zur Geschichte: Lain, eine verschüchterte Achtklässlerin, lebt im "heutigen" Tokio. Ihr eher ereignisloses Leben verändert sich schlagartig als sie eine Email einer Mitschülerin erhält; das Problem dabei: die Mitschülerin ist eigentlich tot. In der Mail macht ihr das Mädchen Chisa klar, daß der Tod nichts schlimmes sei, sondern lediglich ein Transportmittel in eine viel größere und schönere Welt, in der sie jetzt weiterlebe: the Wired. Nach anfänglichem Zögern kommt Lain der Bitte des Mädchens nach, Kontakt mit dieser Parallelwelt aufzunehmen. The Wired entpuppt sich als eine Art hoch technologisierte Form der Virtual Reality auf Internetbasis. Nach und nach scheinen für Lain die Grenzen zwischen der wirklichen Welt und dieser fremden Parallelwelt zu verschwimmen. Doch wer hat diese Welt erschaffen und was ist deren Funktion? Wer sind die schwarz gekleideten Männer mit den Sehgeräten? Warum bringen sich immer mehr Kinder nach dem Kontakt mit the Wired um? Wer sind die Knights? Ist Lain nur Teil eines mörderischen Planes und wem kann sie überhaupt trauen?
Das sind nur einige der vielen Fragen, die während der 13 jeweils 20-minütigen Episoden aufgeworfen werden. Wie so oft in diesem Genre lassen viele Antworten sehr viel Spielraum zu eigenen Interpretationen, werden manche Fragen überhaupt nicht beantwortet und kommen neue auf. Der Reiz des Storyboards an sich sind die vielen Handlungsstränge und die auch für das Publikum kaum merkliche Vermischung von Realität und Fiktion. Vor allem in Vol. 3 werden dem Zuschauer in kürzester Zeit sehr viele historische Fakten präsentiert, die entweder den menschlichen Körper oder die Entwicklung virtueller Kommunikation betreffen. Doch irgendwann wird die Schwelle zur Fiktion überschritten und leicht stilisierte "Fakten" werden zusätzlich untergemischt. Selbiges betrifft die von den Usern eingesetzte Technologie, deren Fähigkeit zwar über das hinausgeht, was wir heutzutage so kennen, aber dennoch nie wie überzogener Nimbus wirkt, sondern für den Zweck der Serie ganz behutsam angepaßt wurde.
Auch die sonstige Umsetzung geht weit über das hinaus, was man sonst so im Animebereich kennt. Die visuelle Umsetzung ist bezüglich der verwendeten Stilwechsel nicht zu überbieten. Viele Szenen, die in direktem Bezug zur Nutzung technologischer Geräte stehen, sind computeranimiert. Die wirkliche Welt wird wie in einem Videoclip durch abgeschnittene Screenshots und Techniken, die Überbelichtung, Grisseleffekte und Unschärfe simulieren sollen, sehr stark verzerrt. Die Welt der Protagonistin und ihrer Freunde ist größtenteils sehr simpel und daher nur rudimentär aufgezeigt. Ansonsten dominiert die Technik: Ampelanlagen, Autos, Telefonleitungen, die Lichter der Großstadt. Hier fügt sich die audiotechnische Komponente als letztes Puzzleteilchen dieses großartigen Kunstwerkes stimmig ein. Die Soundeffekte arbeiten unterschwellig, aber stetig. Hier wird nicht geballert, gesprengt oder geliebt. Hier werden die Nerven des Zuschauers bis zum Zerreißen bearbeitet. Herausheben möchte ich das Brummen der Telefonmasten als Audiometapher auf die Fähigkeiten von the Wired. Klasse ist auch die Musik in Vor- und Abspann, das lauteste Geräusch auf den DVDs. Was die Übersetzung anbelangt, kann ich die US-Version empfehlen, die sich durch eine wirklich grundsolide Dialogregie und erstklassig ausgewählte Sprecher auszeichnet, die dem Original in keiner Weise nachstehen.
Das Bonusmaterial, da kaum vorhanden, verdient nur am Rande Beachtung. Beigefügt sind konzeptionelle Zeichnungen der wichtigsten Charaktere, alternativer Vor- und Abspann, die übersetzte Version des Songs im Abspann sowie Merchandise rund um Lain und die im japanischen Fernsehen gelaufenen Teaser.
Lain ist ein unglaubliches Gesamtkunstwerk und auf allen Ebenen - Story, Sound, Grafiken - so wohl durchdacht wie kein anderes mir bekanntes Anime. Lain schafft den Spagat zwischen extrem futuristischen Werken, wie z.B. NGE, und einem Echtzeitkonzept wie Golden Boy ohne die sexuellen Anspielungen (ja, man kam mal fast völlig ohne aus). Hier stimmt einfach alles, wobei man sich stilistisch auf neue Territorien vorwagt. Lain ist durch seine Komplexität wunderbar dazu geeignet, wieder und wieder in seiner ganzen Schönheit angeschaut und gewürdigt zu werden. Das allerdings macht es sehr intensiv, schwer verdaulich und daher eher für Erwachsene geeignet. Lain - Serial Experiments sei somit abschließend allen Animefans wärmstens ans Herz gelegt, die dem konventionellen Stil ein wenig überdrüssig sind. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Genrewerken begehen die Schöpfer von Lain nicht den Fehler, einen Spannungsbogen zu kreieren, dem das Ende nicht standhalten kann.


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