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Ein Leser

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Aber so Göttliches wohnt - die Farbe Nichts: Mystik-Rezeption und mystisches Erleben im Werk der Nelly Sachs (Sofie. Schriftenreihe zur Frauenforschung)
Aber so Göttliches wohnt - die Farbe Nichts: Mystik-Rezeption und mystisches Erleben im Werk der Nelly Sachs (Sofie. Schriftenreihe zur Frauenforschung)
von Sabine Grittner
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,00

5.0 von 5 Sternen Grossartig und erhellend, 19. Dezember 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine wissenschaftliche Arbeit, die gut lesbar ist und in berührender Form Nelly Sachs' Verbundenheit mit der jüdischen Mystik beschreibt.
Von der Kabbala und den chassidischen Geschichten Martin Bubers bezog sie trotz des Schreckens des Holocaust kraftvolle und leuchtende Bilder, die ihre Lyrik zu mehr als als nur einem düsteren Klagegesang machen. Inmitten der Scherben vermag das Licht des Ergriffenen weiterzuleuchten, auch wenn es weiss, dass es jederzeit vom Erlöschen bedroht ist.


Nietzsche: Biographie seines Denkens
Nietzsche: Biographie seines Denkens
von Rüdiger Safranski
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Unvergleichlich, 5. November 2016
Ein unvergleichliches Buch, vermutlich Safranskis bestes bisher. Immer aus persönlicher Beteiligung geschrieben, aus derselben existentiellen Not, aus der Nietzsche seine höchst moderne Philosophie geschaffen hat. Kein gelehrtes Gelabere oder trockenes Herunterbuchstabieren von biographischen Stationen, sondern waches Mitdenken, Mitfragen, Mitfühlen mit einem Jahrhundertdenker. Chapeau!


Panikherz
Panikherz
von Benjamin von Stuckrad-Barre
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

71 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mitleid, 2. April 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Panikherz (Gebundene Ausgabe)
Stuckrad-Barre kann scharf beobachten, witzig und brilliant formulieren, keine Frage. Ihm gelingen auch gute satirische Schnappschüsse der Medien- und Promigesellschaft sowie des ganz alltäglichen Wahnsinns in Deutschland und den USA. Aber am Ende des Buches bleibt ein seltsames Gefühl von Schalheit und vor allem Mitleid. Ein, wie er selbst mehrfach betont, Opfer einer "tiefsinnsbesessenen" Pastorenfamilie, zudem noch der Jüngste, der kaum Beachtung fand, kämpft er bis heute wie verzweifelt mit rudernden Armbewegungen ("Hey, hier bin ich, ich bin doch auch cool!") um Anerkennung und ein bisschen innere Ruhe, die er aber im Grunde nur in der Gegenwart von Promis findet. Das Buch strotzt nur so von eitlen Aufzählungen all der berühmten Schauspieler, Regisseure, Showmaster und Rockstars, mit denen Stuckrad bekannt ist und in deren Glamourwelt er auch ein paar Lichtstrahlen abbekommt. Trotzdem reicht auch das nicht, als Essgestörter hungert er sich fast zu Tode, im Grunde ein Symptom des Aus-der-Welt-Verschwinden-Wollens. Was bleibt, ist wenig: eben nur eine Dauerkanonade des meist ironischen Beschreibens und Verurteilens, ein nervöses Umherziehen, manisches Sich-Selbst-Verzehren und -Entblössen, dem zuzuschauen am Ende keinen Spass mehr macht. Da ihm die "tiefsinnsbesessenen" Eltern jeden Zugang zu einer echten Tiefe abgeschnitten haben, muss er die Oberflächen abfeiern und wird auch nicht glücklich dabei. Zugang zu Natur, echter Kunst, gar zu Spiritualität ist ihm verbaut worden, Liebe und echte menschliche Beziehungen werden im Buch ausgespart oder waren nie vorhanden. Denn die "Freundschaften" mit Helmut Dietl, Bret Easton Ellis oder Udo Lindenberg wirken auch nicht ganz echt, eher hat man Gefühl, dass die Stars neben sich einen Bewunderer und "Diener" dulden. Also bleibt ein Geisterfahrer, der sich weiter immer mehr pulverisiert und auflöst, am Ende nur noch im Zucken eines zwanghaften Dauerfeuerwerks zu existieren scheint. Dass dieses Buch momentan in den Medien so hymnisch gefeiert wird und dem Autor so viele Bühnen zur Selbstdarstellung geboten werden, sagt auch einiges über unsere Gesellschaft aus. So ist es im besten Falle ein ultraklarer Spiegel einer vollkommen nihilistisch gewordenen Gesellschaft, aufrichten oder inspirieren kann man sich daran jedoch nicht. Keine wirkliche Literatur, eher ein Possenspiel oder besserer Boulevardjournalismus.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2016 10:51 PM MEST


Giora Feidman & Ben Becker - "Zweistimmig"
Giora Feidman & Ben Becker - "Zweistimmig"
von Paul Celan
  Audio CD
Preis: EUR 15,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Leider nicht gelungen, 25. August 2015
Hier ist alles zu forciert: statt schlanker Töne, die die Wucht des Textes selber sprechen lassen, eine zu sonore, fette, gepresste Machostimme, die dem Geist des sensiblen Celan überhaupt nicht entspricht. Zumal sich auch weinerliche, sentimentale Farben hineinmischen, die die ausgesprochen moderne Kühle dieser Lyrik verfehlen. Schade.


Die Kultur der Ambiguität
Die Kultur der Ambiguität
von Thomas Bauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,00

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios, 3. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein grandioses, exzellent belegtes Buch, das jede fundamentalistische Deutung des Islam unmöglich macht und einem die Augen für bislang unbelichtete Dimensionen der islamischen Kultur öffnet. Würden Hindus, Christen, Juden, Muslime ihre "heiligen Texte"
eher als ästhetische Diskurse lesen, bliebe der Welt viel Leid erspart. Daher ein aufklärendes, ja friedenstiftendes Buch, dessen Thesen schon Schüler vermittelt bekommen sollten.


Künstlerschamanen: Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys (Edition Kulturwissenschaft)
Künstlerschamanen: Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys (Edition Kulturwissenschaft)
von Karin Riedl
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In Teilen interessant, 6. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist in Teilen interessant, leider ist der Beuys-Teil sehr kurz geraten. Was die Autorin über Morrison zu sagen hat, ist intensiver und aussagekräftiger. Aber der ethnologische Blick auf Beuys ist ein Novum im deutschen Raum und entkrampft vieles.


Was ist Kunst? Werkstattgespräch mit Beuys
Was ist Kunst? Werkstattgespräch mit Beuys
von Volker Harlan
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grossartig, 6. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist immer noch eines der besten Bücher über Beuys. Lange Gespräche umkreisen das Wesen seines künstlerischen Blickes auf die Welt, der immer auch ein spiritueller ist. Warum? Weil jedes Ding letztlich ein unauslotbares Geheimnis in sich birgt, das unsere oft auf Pragmatismus eingeengte Perspektive schon banalisiert und reduziert hat. Egal, ob es sich um einen Tisch oder Materialien wie Kupfer, Fett oder Filz handelt. Beuys schaut hier tiefer, liest aus Formen der äusseren Welt innere Kräfte ab, die er in seinen Werken zum Sprechen bringt oder transformiert. Obwohl von einem Anthroposophen geschrieben, hat dieses Buch nichts unangenehm Esoterisches oder Abgehobenes. Es ist einfach eine liebevolle, geduldige und präzise Annäherung an ein immer noch rätselhaftes Werk, das nicht umsonst auch 30 Jahre nach Beuys' Tod noch starke Emotionen entfesselt.


Anthroposophie in Deutschland: Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884 - 1945
Anthroposophie in Deutschland: Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884 - 1945
von Helmut Zander
  Taschenbuch
Preis: EUR 140,00

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nützliche Studie, 22. April 2014
Natürlich ist dies ein ungemein nützliches und anregendes Buch, egal was hier an Verrissen (von gekränkten Anthroposophen) geschrieben wird. Ob Zander hier und da irrt oder Fehler macht: Man muss einfach Respekt vor den vielen Informationen haben, die Steiner erstmals in einen grossen Kontext in die Zeit um 1900 stellen. Gerade dieser rätselhafte Mann muss auch so angeschaut werden: nicht als Eingeweihter oder Betrüger, sondern als Suchender, der ja von Zander durchaus auch als kreativer Geist beschrieben wird. Nach der Lektüre kann man sich fragen: Wie ist mein Steinerbild jetzt, nach Kenntnis so vieler Einflüsse, denen er selbstverständlich - wie jeder Mensch - ausgesetzt war? Weil Anthroposophen diese Forschungsleistung in den letzten 50 Jahren nicht selbst vollbracht haben, haben sie sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausgegrenzt. Sie könnten mit ihrer abgehobenen und verschlossenen Innenansicht auf keiner philosophischen oder wissenschaftlichen Tagung heute bestehen. Spirituelle Weltbilder aber müssen sich heute der Diskussion mit Geistes- oder Naturwissenschaften stellen, sonst bleiben sie in der Nische des Glaubens, Raunens und Spekulierens stecken. Der Diskurs mit Zander kann ihnen nur nützen, schade dass er nicht angenommen wurde. Seit der Entstehung des Buches gab es nur eine Handvoll öffentlicher Diskussionsveranstaltungen mit dem Historiker, Dornach hat ihn nie eingeladen, um - ja auch einmal produktiv über anthroposophische Perspektiven zu streiten. Heute streiten Atheisten, Evolutionsbiologen etc. vehement mit Christen, Muslimen, Esoterikern, was nicht verkehrt ist, weil es den Geist schärfen kann. Die Jünger Steiners haben diese Chance bislang vertan und dämonisieren stattdessen Zander als katholischen Anthroposophie-Feind. Damit haben sie sich letztlich nur selbst geschadet.
Dieses Buch kann man nicht ignorieren, gut, dass es jetzt als (immer noch zu teures) Taschenbuch vorliegt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2015 12:25 PM CET


Beuys: Die Biographie
Beuys: Die Biographie
von Hans-Peter Riegel
  Gebundene Ausgabe

38 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unpräzise, unwissenschaftlich, ungerecht, 19. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Beuys: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Zwar liest sich Riegels streckenweise akribisch recherchierte Biographie spannend und bietet auch manche neue Erkenntnisse, aber der Autor macht einen Generalfehler:
Er kennt neuere Literatur zum Thema nicht und hat kein Sensorium für das eigene Wesen ästhetischer Sprache, in dem sowohl viele von Beuys verbalen Äusserungen wie auch seine Werke verfasst sind.
Als Werpeprofi, der es mit der Mehrdeutigkeit von Bildsprachen zu tun hat, müsste Riegel davon etwas verstehen, seltsam, dass er es in diesem Buch nicht mitberücksichtigt. Beuys' Angaben über sein "Studium" der Naturwissenschaften werden daher zu penibel gedeutet: jemand, der sich ausserhalb der Uni mit Biologie beschäftigt, kann mehr davon "studiert" haben, als jemand, der sich für drei Semester einschreibt, aber dann wieder aufhört. Beuys spricht nicht von universitären Zusammenhängen, sondern vom eigenen Studium zoologischer und botanischer Zusammenhänge, was sein Werk eindeutig belegt. Die neuere Beuys-Literatur, die Riegel aussen vorlässt, hat das gut herausgearbeitet, etwa Magdalena Holzheys Dissertation "Im Labor des Zeichners - Joseph Beuys und die Naturwissenschaft." Auch die "Tartarenlegende" wird zu positivistisch abgehandelt: Seitenweise Recherchen über klimatische Bedingungen und Tartarenpopulationen auf der Krim im März 1944 versuchen Beuys ausschliesslich als kleveren Selbstinszenierer und Mythenerfinder hinzustellen. Würde man zwischen den Zeilen lesen, könnten seine Schilderungen daneben durchaus Phantasien über den Zusammenhang von Tartaren, Fett und Filz betreffen, die er im Rückblick zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen brauchte. Es kann durchaus sein, dass er sich an Phantasien, Halluzinationen und Wunschvorstellungen erinnerte und nicht an empirisch genau belegbare Umstände. In der angelsächsischen Beuysliteratur wird dies heute weniger streng als "schöpferischer Mythos", gedeutet, der ihm vielleicht zu erklären half, warum er sich so obsessiv für so seltsame Materialien begeisterte. Anselm Kiefer hat wahrscheinlich ähnliche "Stories" parat, um seine nicht rational zu fassende Faszination für Blei, Asche und Heu zu erklären. Und Günther Uecker für seine Passion mit den Nägeln.
Ebenfalls völlig vorbei am poetischen Sprachmodus geht Riegels Deutung von Beuys' Vortrag "Reden über Deutschland", aus dem er den Vorwurf des "Völkischen" ableitet. Riegel kennt neuere Forschungsliteratur zum "Völkischen" nicht, die in den Begriff neben nationalen auch rassistische und antisemitische Komponenten einbezieht. Davon kann bei Beuys keine Rede sein. In dem Vortrag findet sich eine deutliche Kritik am Rassenbegriff und Beuys konzediert, dass die "Auferstehungskräfte" der Deutschen selbstverständlich auch in jedem anderen Volk stecken. Was ist daran völkisch? Mit Auferstehungskräften meint Beuys etwas ganz Konkretes: die poetische Sprach- und Empfindungskraft etwa der deutschen Romantik oder von Kandinsky, Klee und Lehmbruck, die für ihn gegenüber den "schrecklichen Sünden" der Nazizeit "Signale" sind, "die auf die Zukunft weisen" und zur "Umgestaltung des Sozialleibes" führen könnten. Ein Plädoyer zur Erinnerung an dieses "andere Deutschland", auch für mehr Kreativitätsförderung an Schulen und Hochschulen. Gegenüber unseren heutigen auf Sparen, Evaluierung und Effektivität ausgerichteten Didaktik-Plänen ist dies übrigens von grosser Aktualität! Beuys Kunst wäre im Dritten Reich als "entartet" abgestempelt und er möglicherweise in die Psychiatrie verfrachtet worden. Auch angesichts dieser Tatsache sind undifferenzierte Schuldzuschreibungen wie "völkisch" und "nationalistisch" eine vollkommene Übertreibung.
Dilettantisch verfährt Riegel auch mit seiner Behandlung des Verhältnisses von Beuys zu Rudolf Steiner. In seinem Buch fehlen nicht nur die differenzierten Studien von Helmut Zander zur Anthroposophie, sondern Riegel lässt auch die ironischen Kommentare von Beuys zu Steiner sowie seine Spannungen mit Anthroposophen einfach weg. So kann er das Bild eines blindgläubigen Adepten konstruieren, der seinem Guru in allen Belangen folgt und dessen bedenklichen Okkultismus eins zu eins in seine Werke einarbeitet. Welche Naivität und welch einfaches Kunstverständnis! Gerade die Mehrdeutigkeit der ästhetischen Sprache in Beuys' Zeichnungen und Skulpturen führt zu einer Transformation von anthroposophischen Ideen in ganz neue, individuelle Zusammenhänge. Beuys bricht eigentlich die in Steiner schlummernde Gefahr von Dogmatismus und abgehobenem Eingeweihtentum durch seine gebrochenen, gelegentlich auch humorvollen Schöpfungen. Was ist dagegen zu sagen, wenn Beuys durch Steinersche Ideen ein sensibleres Verständnis des Zusammenhanges von Mensch-Tier-Pflanze-Erde bekam und dies in zarten und mitfühlenden Werken zum Ausdruck brachte? Was, wenn er aus Steiners Pädagogik Anregungen zu einem freieren und kreativeren Umgang mit seinen Düsseldorfer Studenten empfing? Undifferenziert auch die Bezeichnung der Anthroposophie als "völkisch-nationalistischem Wertekanon" oder "nordisch-germanischer" Weltanschauung. Beuys übernahm von Steiner eher das keltische Element und setzte es in Aktionen in Irland und Schottland um. Das Germanische, das die Nazis favorisierten, findet sich in seinem Werk kaum. Das Interesse an Okkultismus und Spiritualität allein aber ist für Riegel schon ein Skandalon. Dass sich viele Künstler im 20. Jahrhundert dafür interessierten, verschweigt er oder weiss es einfach nicht: Klee, Kandinsky, Marc, Beckmann, Itten, Gropius, Pollock, Kiefer wären prominente Beispiele dafür sowie Ausstellungskataloge wie "Okkultismus und Avantgarde", "Das Bauhaus und die Esoterik" oder die aktuelle Hilma af Klint-Ausstellung in Berlin.
Bleiben die Vorwürfe über Bekanntschaften von Beuys mit ehemaligen Sympathisanten des Dritten Reiches wie Karl Ströher, Karl Fastabend, August Haußleiter, Georg Haverbeck, Wilhelm Schmundt u.a. Hier kann man zunächst einmal auf die Stimme des besonneneren Klaus Staeck hören, der Beuys sehr gut kannte: "Obwohl ich oft das Gefühl hatte, er mache sich auch darüber lustig, schien er doch oft gefährdet, auf recht obskure Leute hereinzufallen." Dieser Punkt bleibt weiterhin ein dunkler, zu wenig untersuchter Fleck in Beuys' Biographie, gerade auch, weil Riegel es oft bei raunenden Andeutungen belässt oder einräumt, dass man nicht genau wisse, wieviel Beuys vom Vorleben seiner Mitstreiter gewusst habe. Aus den blossen Bekanntschaften aber den Generalverdacht des "Völkischen", "Nationalen", "Rechtslastigen" für Beuys' gesamtes Denken und Schaffen abzuleiten, ist überzogen und absurd.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 28, 2013 12:01 AM MEST


Achtundvierzig Variationen über Bach
Achtundvierzig Variationen über Bach
von Franz Rueb
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut, 18. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist eines der besten Bücher über Bach, das ich gelesen habe. Warum? Es häuft nicht nur (wissenschaftliche) Erkenntnisse an oder schwärmt blind vor sich hin,
sondern arbeitet sich auch sehr persönlich am Mysterium Bach ab, verliert sich nie in Nebensächlichkeiten, sondern konzentriert sich auf die Hauptfrage:
wer war dieser rätselhafte Mann, unscheinbar, uneitel, um 1800 wieder nahezu vergessen, der ein so reiches und überwältigendes Werk schuf, von dem
alle grossen folgenden Komponisten nur in den höchsten Tönen sprachen? Rueb wählt viele Wege, um sich dem zu nähern, verliert sich nie in metaphysischen
Spekulationen (etwa über Bach als Komponist der Sphärenharmonien etc.), hebt eher die Vielzahl von Todeserlebnissen, Rückschlägen und Kränkungen hervor,
die sein Leben bestimmten und - möglicherweise- seinen Gottesglauben stärkten. So hat Rueb geradezu rührend Details über die vielen verstorbenen Kinder
von Bach recherchiert (Namen, Lebensdauer) und man spürt physisch, wie es wohl war, fast jedes Jahr ein geliebtes Kind zu begraben. Eine Reise in eine ganz
andere Zeit mit ganz anderen Entbehrungen, Härten und Wertvorstellungen als heute. Und mit ganz anderen spirituellen Vorstellungen ebenso.
Ein wunderbares Buch.


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