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Rezensionen verfasst von
Frank Rummeleit (Deutschland)
(REAL NAME)   

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Bloodlust [Explicit]
Bloodlust [Explicit]
Preis: EUR 8,29

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Weckruf, der sich gewaschen hat!, 18. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Bloodlust [Explicit] (MP3-Download)
Von Frank Rummeleit

Bodycount
„Bloodlust“
(Century Media)

Wow! Wer braucht schon Hyaloronsäure, um jünger zu wirken, wenn „Bloodlust“ von Bodycount es billiger und besser kann. Und vor allen Dingen fühlt man sich wirklich jünger! 1992 war es, als der Schauspieler Ice-T auch als Musiker in die Öffentlichkeit trat. „Cop Killer“ und „Bodycount's In the House“ zwei Tracks, die im aufkeimenden Crossoverdschungel wie eine Rakete zündeten und Zugang in die Klassiker-Sammlung gefunden haben. 25 Jahre ist das her! Zeit, Jubiläum zu feiern und sich der „Bloodlust“ hinzugeben.

25 Jahre in denen viele passiert ist! Die Zeiten sind beileibe nicht zarter geworden, sondern um ein Vielfaches brutaler, egoistischer und härter. Zeit für Frustabbau!

Wo es früher noch ein Pressetext war, in dem die Intentionen der Künstler geschildert wurden, übernimmt das Ice-T jetzt persönlich und gibt vor einigen Songs seine Erklärungen ab.

Im direkten Vergleich hat das 1992er Debut natürlich Staub angesetzt. „Bloodlust“ ist ein Manifest. In Blut getränkt und in Metal geschmiedet. Bodycount führen den Crossover-Gedanken zielgerecht fort. Rap, Metal und Hardcore fusionieren zu einem mächtigen Bollwerk. Erdig, schwitzend – ein pulsierendes Monster im Blutrausch. Und obwohl die dargebotenen Stilistiken den Hörer auf eine Zeitreise durch Genre nimmt, die ihre Höhepunkte in längst vergangenen Dekaden hatten, klingt das alles frisch und lebendig. Produktionstechnisch erste Sahne zaubern einem die Gitarrensalven und das ballernde Schlagzeug auf Albumlänge eine Gänsehaut! Ein infernalischer Marsch durch nächtliche Gassen, flackerndes Blaulicht und Sirenengeheul – Alarmstufe Rot! „Bloodlust“ ist der Soundtrack dazu.

Null alte Säcke Musik – die Band entfacht solch einen Soundsturm, dass sich manch Möchtegern-Gangsta-Rapper einnässt vor Angst!

Und wenn man sich aus den Ruinen der Vergangenheit erhebt, lässt man gleich ein paar Tropfen Blut auf Dave Mustaine (Megadeath), Max Cavalera (Ex-Sepultura) und Randy Blythe (Lamb Of God) ab und nimmt sie mit in den höllischen Reigen auf. Und was schon bei „Neues Blut für Dracula“ gelang, Tote wieder zum Leben zu erwecken, gelingt auch hier. Crossover 2.0 und dieses Genre erlebt seine Renaissance.

Ice-T feuert seine Worte scharf wie Kugeln und hier und da wird mächtig gegrowlt, das es eine Freude ist. Fricklige Gitarrenriffs, knüppelharte Bassläufe – vom Opener „Civil War“ bis zum letzten Track „Black Hoodie“ herrscht Hochspannung.

„This Is Why We Reide“nimmt einmal das Tempo heraus, ist eine Art Metal-Ballade, ohne dabei einlullend zu wirken, sondern entfacht eine hypnotische Stimmung, der man sich nicht entziehen kann.

Ice-T erzählt, dass er von Black Sabbath, Suicidal und Slayer inspieriert ist – um darauf hin mit „Raining in Blood / Postmortem 2017“ ein extrem cooles Slayer-Cover mitten in die Fresse zu kredenzen.

Ein Album voller Crossvoer-Hymnen. Fast ist man geneigt, sich wieder eine ¾ Hose, Docs, Holzfällerhemd und Wollkopfsocke zu besorgen und sich wie vom Blitz getroffen in Ekstase zu bangen. „Bloodlust“ ist Rückbesinnung und Bestandsaufnahme gleichermaßen. Ein Weckruf, der sich gewaschen hat!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2017 1:03 AM MEST


Helene Fischer (Deluxe Version)
Helene Fischer (Deluxe Version)
Preis: EUR 12,29

16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eher Ibiza als Mallorca - und wieder einen Schritt moderner, 12. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Von Frank Rummeleit

Helene Fischer
„Helene Fischer“
(Universal)

Eher Ibiza als Mallorca...

Knapp dreieinhalb Jahre nach ihrem Megaseller „Farbenspiel“ - der 10 x Platin einfuhr - liegt nun das neue Album, schlicht „Helene Fischer“ betitelt, vor. Ein schönes, in schwarz-weiß gehaltenes, Portraitfoto, offensichtlich unbearbeitet, was es noch sympathischer macht, wirkt besonders auf dem LP-Cover wertiger als ein schnödes Thumbnail-Bild in einem digitalen Player. Allerdings gleicht es vom Stil her schon sehr dem letzten Albumcover von Genre-Kollegin Vanessa Mai.

Was sich optisch und besonders live in den letzten Jahren abzeichnete, aus der eher schüchtern wirkenden, etwas bieder anmutenden jungen Sängerin ist eine extrovertierte, selbstbewusste, modisch auftretende Entertainerin und Sängerin geworden, zeichnete sich auch in der musikalischen Entwicklung ab. Weg vom zwar schon individuellen, aber doch eher traditionellen Schlager hin zu Ausflügen in andere Genre. Immer eine Prise moderner, jugendlicher klingend. Manch Fan der ersten Stunde wird diese Entwicklung begeistert mitgetragen haben, spätestens mit diesem Album dürfte Helene Fischer einen Teil der Hörer-Klientel jenseits der 60 verloren und es durch ein jüngeres Publikum substituiert haben.

Wurde Helene Fischer bislang als Album-Künstlerin geschätzt und Singles eher stiefmütterlich behandelt, hob „Atemlos durch die Nacht“ sie in den Single-Olymp. Erntete der Song den Diamond-Award für 1 Million Verkäufe. Eine Krönung sondergleichen, doch auch eine Bürde und Hürde, die zunächst erst mal wieder genommen werden muss. Und so liegt bei den neuen Songs der Focus natürlich besonders auf dem nächsten Gigantomanie-Hit im Fischerschen Goldbecken. Welche der 24 neuen Songs (auf der Deluxe Version) hat das Zeug, ähnliches zu erreichen, wenn nicht gar zu toppen?

„Sonne auf der Haut“ zielt thematisch Richtung Sommerhit. Allerdings erinnert mich die Melodie unterschwellig an das One Hit Wonder „Dragostea Din Tei“ von O-Zone. Eine elektronische Dancefloor-Nummer im sommerlichen Flair, das man sich eher im relaxten Ibiza als im bierseligen Mallorca vorstellt – was übrigens für die meisten Electro-Tracks auf diesem Album zutrifft und als Qualitätsmerkmal respektive Kompliment zu verstehen sein soll.

„Achterbahn“ zielt ebenfalls aufs Tanzbein ab, ist sehr melodisch, könnte meiner Meinung nach aber durch einen wertigen Remix etwas mehr Power bekommen.

Erotisch aufgeladen wie „Atemlos durch die Nacht“ - und ebenfalls aus der Feder von Kristina Bach - kommt „Sowieso“ daher. Helene schmachtet blumenreich über in Wallung kommende Körpersäfte und das Offensichtliche, das nahende Finale. Und singt eine Textzeile, die in Zeiten von Political Correctness und einem mit „Nein heißt Nein“ verankerten Passus im Sexualstrafrecht höchst brisant ist. „Ich sag Nein und meine Ja“. Oha – welch Fauxpas, denn der Grat zwischen gewolltem erotischem Spiel und falscher Signaldeutung ist ein schmaler. Der Song hat definitiv Hit-Potenzial – bin mal gespannt, was dann ggf. auf der Single zu hören ist.

Am offensichtlichsten ist jedoch „Herzbeben“ der Song, der die Charts stürmen soll. Die Electro-Beats sind wuchtig, in einem höheren Härtegrad getaktet als die übrigen synthetischen Klänge. Ein Track, der bewusst mit Tempiwechsel spielt, den Rhythmus verlangsamt und in trancige Sphärenklänge taucht, um dann wieder seinen voluminösen Klimax zu erreichen. Eine Dancefloor-Nummer mit hohem Potenzial, um von namhaften DJs remixt zu werden. Was mit einem David Guetta und Sia so wunderbar funktioniert hat, sollte auch mit Helene und einem DJ-Remix klappen.

„Viva La Vida“ verfügt ebenfalls über erotischen Pulsschlag, ein typischer Strandbar-Song mit rhythmisch wackelnden Hüften, der sich nahtlos an „Te Quiero“ reiht.

„Dein Blick“ fällt stilistisch aus dem Rahmen, passt hervorragend zu der Helene in Lederkluft in der CD-Hülle. Helene und Band betreten Boss Hossiges Terrain und schießen mal locker einen lässigen Country-Song aus der Hüfte. Helene entlockt ihrer Kehle derbere Töne, cool und lasziv reitet sie gesanglich dem Sonnenaufgang entgegen. „Mit dem Wind“ trägt ebenfalls den Duft der weiten Welt in sich, ist etwas gedämpfter in der Rhythmik, zelebriert eine schöne Lagerfeuer-Romantik.

„Flieger“ könnte live „Phänomen“ ablösen. Ein Stück von hymnenhaften Charakter, eingängig und für Feierlaune bestens prädestiniert.

Nullnummer des Album ist für mich „Das volle Programm“. Das volle Programm in die Hose. Jean Frankfurter, der zweifelsohne großes für Helene geleistet hat, ist im aktuellen Vorwärts-Helene-Modus eher eine Bremse. Der Chor ist so was von Musikanten-Stadl und altbacken, dass er negativ im positiven Gesamtbild auffällt.

„Schon lang nicht mehr getanzt“ - ebenfalls kompositorisch von Frankfurter kreiert – dürfte alle die selig stimmen, die an der „alten“ Helene festhalten möchten. Heutzutage antiquiert wirkend, aber in Zeiten dominanter elektronischer Kommunikation schon wieder süß anmutend, dass hier Sehnsüchte via Briefverkehr ausgetauscht werden. „Schon lang nicht mehr getanzt“ - wie gemacht für Tänze nach alter Schule.

Und dann sind da ja noch die Balladen, die Helene einfühlsam intoniert und die mitunter zu Tränen berühren.

„Du hast mich stark gemacht“ ist Danksagung an ihre Mutter, die den Stein von Helenes Karriere ins Rollen brachte, weil sie ihre Demo-CD ohne Helenes Wissen in die richtigen Hände gab und ihr immer zur Seite stand und steht.

„Schmetterling“ ist eine trancige Ballade, die Kraft aus der Repetition gewinnt. Ein Text, der sinnbildlich auch auf Helene anzuwenden ist, ist aus der einstigen Larve doch ebenfalls ein wunderschöner Schmetterling geworden.

„Weil Liebe nie zerbricht“ - hier fließen gehaltvoll ihre Erfahrungen mit Orchestern ein. Eine Ballade im Breitbild-Format. Helene intoniert mit Herzblut eine Ode an die Liebe – weil Liebe nie zerbricht.

„Mit jedem Herzschlag“ ist eine Motivationshymne, in der Helene euphorisch Mut zurspricht.

„Adieu“ ist ein schöner Ausklang für das Album. Eine Stimmung wie in den Schlagern Ende der 1960er Jahre, scheint wie eine Hommage an den frühen Udo Jürgens oder Alexandra („Mein Freund, der Baum ist tot“) zu sein. Der Song wirkt chansonartig und präsentiert in Verbindung mit Akkordeon-Klängen am deutlichsten die melancholische russische Seele, der Helene immer wieder Ausdruck gewährt. Ein einfühlsamer Text, der eine Erinnerung an einen Verstorbenen zu sein scheint und irgendwie auch Soundtrack-Assoziationen weckt.

„Damit das Mögliche entsteht, muss das Unmögliche versucht werden“, schrieb einst Hermann Hesse. „Genau mein Ding“, singt Helene dazu passend – denn genau das hat ihre Karriere immer und immer weiter beflügelt. „So wie ich bin“ - was sie schon einst über sich erklärte, tut sie auch hier - quasi in vorauseilendem Gehorsam - kund, um den Nörglern und Neidern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Und so singt sie:
„Genau mein Ding, genau mein Ding!
Mal das Unmögliche zu wagen
Zu allen Wundern ja zu sagen
Das macht Sinn!
Genau mein Ding, genau mein Ding!
Dann und wann mal abzuheben
Was unerreichbar scheint im Leben
Genau mein Ding!“

„Stillstand ist Rückschritt“ und so ist das schlicht „Helene Fischer“ betitelte Album ein weiterer Schritt nach oben auf ihrer Karriereleiter. In der elektronischen Ausrichtung hätte ich ihr und ihren Mitstreitern bisweilen etwas mehr Mut und eine härtere Gangart gewünscht, aber das kann man ja wieder im Rahmen eines Remix-Projekts nachholen.

Und wem der Fortschritt zu rasant ist, der wird in den TV-Duetten auf der Bonus-CD in der Fan-Box sicherlich dennoch auf seine Kosten kommen.

Apropos Fan-Box, da ich in der letzten Woche das Deluxe-Paket der Toten Hosen („Laune der Natur“) erwarb, sei die kleine Anmerkung (Jammern auf hohem Niveau) erlaubt - so hätte man das auch machen können – eine fette Box mit Aufklebern, Poster, Fotos, Aufnäher, 3 Vinyl, 2 CDs, Buch, Buttons für schmale 60 Euro...

In Summe, Frau Fischer – well done!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 12, 2017 3:53 PM MEST


Laune der Natur - Deluxe-Box (limitiert & nummeriert) [3 LP + 2 CD]
Laune der Natur - Deluxe-Box (limitiert & nummeriert) [3 LP + 2 CD]
Preis: EUR 39,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Punk-Rock-Rente noch nicht in Sichtweite!, 8. Mai 2017
Von Frank Rummeleit

Die Toten Hosen
„Laune der Natur“
(JKP/WM Germany)

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern (Hermann Hesse)“

„Und die Jahre ziehen ins Land“... und was der Poet Hermann Hesse schon wusste,
hat in all den Jahren, an Tagen wie diesen und jenen, auch bei den Toten Hosen seine Spuren hinterlassen – der ewige Kreislauf des Lebens, die Laune der Natur macht auch vor Punk-Urgesteinen nicht Halt.

Campino ist noch keine 60, aber schon verdammt nah dran – und so kann er, wieder ein paar Jahre älter, reifer und weiser, Geschichten erzählen, die das Leben schreibt.

Mit einem Urknall entstand diese Erde. Einem Urknall gleich krachte Punk einst laut und lärmend in die Gehörgänge. Und mit einem „Urknall“ eröffnen Die Toten Hosen ihr neues Album „Laune der Natur“. Einer Naturgewalt gleich schmeißen die Hosen alles ins Rennen, was einen guten Punk-Rock-Song auszeichnet. Ein schweißtreibender Stampfer, geschmiedet in einem Härtegrad, den ich von den Hosen so nicht (mehr) erwartet hätte. Mit „Alles Mit Nach Hause“ folgt die nächste Up-Tempo-Nummer. Nix ist mit Punk-Rock-Rentendasein.

„Wannsee“ kommt sommerlich verspielt und hymnenhaft daher – und weckt bei mir Assoziationen zu „Westerland“ von den Ärzten. Ein Song, der im Sommer als Single viel Air-Play bekommen könnte, sollte der Sommer sich dieses Jahr noch mal zeigen...

Das Intro von „Unter den Wolken“ könnte auch von Silbermond stammen, radio- und mitgröhltauglich ein Song im guten Hosen-Standard-Schnitt.

„Pop & Politik“ zieht in punkto Tempo und Härte wieder an. Hier haben die Hosen die Schmähkritik, die ihnen von den Hatern entgegengebracht wird, in Worte gepackt und setzen ein Ausrufezeichen, das dem Feindeslager verkündet, dass noch lange nicht Schluss ist.

Dem Thema Tod haben sich die Hosen gleich in drei Songs gewidmet und nähern sich dem Unausweichlichen aus unterschiedlichen Perspektiven.

„Eine Handvoll Erde“ fasst in Worte, was in Emotionen in solchen Momenten oft nicht zu fassen ist, den Verlust eines geliebten Menschen und den Akt der Beerdigung. Musikalisch zwar in balladenhafter Ausgestaltung, aber nicht von Trauer zerfressen, sondern eher eine Ode an die Freundschaft.

„Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)“ ist Rückschau, Momentaufnahme und Blick in die Glaskugel hinsichtlich dem Feiern von Geburtstagen und diese zählt man inzwischen nicht mehr nur in Jahren, sondern in Jahrzehnten. Eine trotzige und humorvolle Reaktion auf den unvermeidlichen Alterungsprozess, verpackt in eine krachige Hymne.

„ICE nach Düsseldorf“ ist geprägt vom Wissen, dass Gevatter Tod jederzeit und ohne Warnung seine kalte Hand nach einem ausstrecken kann. Sarkastisch und mit Galgenhumor wird der letzte Wille in rockiger Coolness hingerotzt.

„Geisterhaus“ ist eine Ballade, die man auch erst schreiben kann, wenn man schon eine längere Strecke des Lebensweges zurück gelegt hat. Textlich wird ein Bild gezeichnet, dass ich 100 % nachvollziehen kann, kenne ich auch solch Häuser, die einst voller Leben waren – bis es auszog und Geisterhäuser zurück ließ. Melancholie lässt grüßen.

Mit leisen Tönen klingt das Album aus, erklingt posthum in „Kein Grund zur Traurigkeit“ noch einmal die Stimme ihres ehemaligen Schlagzeugers Wölli, der im letzten Jahr im Alter von 66 Jahren starb. Ein letzter Gruß und doch Blick nach vorn – den tot sind Die Toten Hosen nach dieser „Laune der Natur“ längst noch nicht.

In Summe ein reifes, hörenswertes Album, dem man gelebte Jahre samt Narben anhört. „Und die Jahre ziehen ins Land“ und gemeinsam ist man über die Jahre älter geworden – hat seine spaßigen Momente gehabt, Zeiten der Trauer erlebt und marschiert – im wahrsten Sinne des Wortes – knackig weiter, bis...

Den Punk-Gedanken leben Die Toten Hosen speziell in der Deluxe-Edition aus. Für recht kleines Geld bekommt der Fan die volle Dröhnung und ganz viel Haptik: CD „Laune der Natur“, LP „Laune der Natur“, CD „Learning English Lesson 2“, Doppel-LP „Learning English Lesson 2“, vier Buttons, drei Aufkleber, einen Aufnäher, signiertes Bild, Poster, fettes Booklet, Bildband und Fotos – alles in einer fetten Box!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2017 8:40 PM MEST


No Plan - EP
No Plan - EP
Preis: EUR 2,29

32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen David Bowie pur in gewohnter Höchstform, 9. Januar 2017
Rezension bezieht sich auf: No Plan - EP (MP3-Download)
Nach dem für die Öffentlichkeit unerwarteten Abtreten des Starman David Bowie von der Weltenbühne am 10.01.2016 dachte man, das an seinem Geburtstag am 08.01.2016 veröffentlichte Album „Blackstar“ wäre sein letztes musikalisches Lebenszeichen gewesen.

Doch es gibt noch drei weitere neue David Bowie Songs, die auch auf dem Musical „Lazarus“ vertreten sind.

David Bowie pur in gewohnter Höchstform! Der schon von „Blackstar“ bekannte Song „Lazarus“ ist der erste Track. Angesichts des Wissens um die Entstehung dieses Tracks, Bowie verarbeitete darin seinen nahenden Tod, schnüren die tief berührenden Töne und Lyrics einem Herz und Kehle zu, breitet sich eine tief empfundene Traurigkeit aus.
Bowies Schwangengesang! Einer Elegie gleich überziehen die sanft schwebenden Töne den Hörer und verursachen eine Gänsehaut. Selbst im Angesicht des Todes schafft es der Künstler David Bowie und Mensch David Robert Jones mit seiner Kunst und seinen Gefühlen ein musikalisches Monument zu setzen.

„No Plan“ ist der zweite Song und wäre als Abschluss der EP – als letztes Goodbye - perfekt gewesen. Während ein großer Teil der Kompositionen auf „Blackstar“ einen enervierenden Rhythmus im Sound Design schlägt, wogen die Melodien auf „No Plan“ fragil. Keine Spur von einem Körper, der aus dem Lebensrhythmus gerät, hier scheint es, sowohl musikalisch als auch gesanglich, dass David Bowie seinen Frieden gefunden hat.

„All the things that are my life
My moods
My beliefs
My desires
Me alone
Nothing to regret „

Perfekter kann man nicht aus dem Leben treten, wenn man sagen kann, dass man nichts bedauert.
Bowies sanftmütiger Gesang ist Balsam für die Seele, ein Entschweben von dieser Welt, ein letzter Gruß...

„Wherever I may go
Just where
Just there
I am“

Wo auch immer er jetzt sein mag - „I am“...Energie kann nicht sterben, wandelt nur die Form.
„There's a starman in the sky“ „Look out your window. I can see his light“. (aus: „Starman“).

„Killing A Little Time“ ist wesentlich rockiger, als wir es vom „Blackstar“ Sound kennen. Ist aufwühlend, was sich auch textlich ausdrückt. Das Unaufhaltbare nicht aufhalten zu können...
„I'm falling, man. I'm fading, man.“ Wut, die sich im Gesang und der Musik ausdrückt. Wut über das Unabdingbare. „This rage in me.“ Ein letztes Aufbäumen. Und als Hörer ist man sprachlos ob der emotionalen Tiefe, in die einen diese kraftvollen Soundscapes hineinziehen. Ein Song, der an alte "Ziggy Stardust" oder "Outside" Zeiten erinnert, nur der Zeit angepasst.

„When I Met You“ kann man als eine Art Liebeslied interpretieren. Wen er getroffen haben mag, bleibt der eigenen Interpretation überlassen. War es seine große Liebe Iman, die seinem Leben eine neue Bedeutung/Wendung gab? War es eine größere Macht, die seine Krisenzeiten beendete? Mir scheint, eine Mischung aus beidem. Und wenn auch nicht „No Plan“ dieses EP beendet, so ist „When I Met You“ doch auch ein ebenso würdevoller Abschied. Was bleibt ist die Inspiration, die musikalische Hinterlassenschaft für sein treues Publikum. Ein wahrlich großes Erbe - „Nothing to regret“....
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 21, 2017 2:52 AM MEST


20.000 Meilen Unter dem Meer
20.000 Meilen Unter dem Meer
Preis: EUR 15,35

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine gute Alternative, wenn ein Hörspiel auch mal etwas länger dauern kann., 22. November 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 20.000 Meilen Unter dem Meer (Audio CD)
Von Frank Rummeleit

Gruselkabinett Folgen 118 + 119
„20.000 Meilen unter dem Meer“
(Titania Medien)

Die Hörspielfassung von Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ aus dem Jahr 1977 von Europa zählt zu einem meiner liebsten Hörspiele. Auf 47 Minuten Spielzeit gekürzt – der damaligen Vinyl-Laufzeit geschuldet - ist diese Version dennoch spannungsvoll inszeniert und mit hervorragenden Sprechern besetzt. Ein treuer Wegbegleiter in meinen Kindertagen und auch heute noch, knapp 40 Jahre später, immer noch gern gehört.

Die Messlatte liegt also hoch für die knapp zweistündige Vertonung von Titania Medien in deren Reihe Gruselkabinett.

Stellt sich als erstes die Frage, warum „20.000 Meilen unter dem Meer“ nicht als Special sondern im Gruselkabinett veröffentlicht wurde. Die Abgründe des menschlichen Wesens, in die Verne in Kapitän Nemo und dessen Feinden blicken lässt, dürften diese Entscheidung damit begründen.

Da Titania Medien gern auf die großen „Alten“ des Hörspiels setzen, ist es ihnen auch hier gelungen, mit Jürgen Thormann (Prof. Aronnax) und Uli Krohm (Kapitän Nemo) zwei Hochkaräter in der Sprecherliste aufbieten zu können. Dietmar Wunder (Ned Lang) ist ein großer Neuer, der ja inzwischen auch John Sinclair seine Stimme leiht.

Stimmen wie die Thormanns und Krohms sind es, warum ich Hörspiele liebe. Wie alte Bekannte sind sie auch hier gern gehört. Allerdings hört man ihnen ihr Alter inzwischen an und so passen ihre Stimmen nicht so ganz so den Charakteren, die sie verkörpern. Thormann nimmt man den alternden Professor noch eher ab, während Krohm seine Rolle des eigentlich verbitterten und von der Menschheit enttäuschten Genies meiner Meinung nach zu warmherzig spielt. Da hatte Horst Frank den Charakter des Kapitän Nemo seinerzeit wesentlich tiefgründiger, härter und glaubhafter gespielt. Vielleicht wäre ja sogar Dietmar Wunder hier die bessere Wahl gewesen, der den Ned Lang eher intellektuell als grobschlächtig spielt und möglicherweise eine bessere Charakterzeichnung Nemos geboten hätte.

Nichtsdestotrotz höre ich den gewählten Stimmen gerne zu. Die gewählte Musik bindet sich stimmig in die Handlung ein.

Im Gegensatz zu der 1977er Vertonung bekommt die Geschichte durch die lange Spielzeit mehr inhaltliche Breite, so dass man tiefere Einblicke in die Unterwasserreise der Protagonisten erhält.
Gerne hätte ich auch noch den Ausflug auf die Insel der Kannibalen gehört, dieser wurde aber weggelassen.

Thormann führt durch die Geschichte und hat demzufolge den größten Sprechanteil und wird mit seiner Artikulation zu einem wohligen Märchenonkel. Somit wird er den Lauschenden auch in seelige Traumreiche führen, womit ich nicht sagen will, dass die Geschichte langweilig ist, sondern weil er ein heimeliges Gefühl entfacht und das Medium Hörspiel auch als Schlafbalsam genutzt werden kann.

Fazit: An meine Lieblingsversion von Europa reicht diese Inszenierung nicht ganz heran, ist aber eine gute Alternative, wenn ein Hörspiel auch mal etwas länger dauern kann.


Das Paket: Psychothriller
Das Paket: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender, aber zu kurzer Thriller, 6. November 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Paket: Psychothriller (Gebundene Ausgabe)
Von Frank Rummeleit
Sebastian Fitzek
„Das Paket“
(Droemer HC)

Wie gewohnt vermag Sebastian Fitzek auch mit seinem neuen Buch „Das Paket“ den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann zu ziehen.

Erneut steigt der Autor in die Tiefen der menschlichen Psyche/Seele hinab und nimmt den Leser auf eine spannende Achterbahnfahrt mit. Wie der Hauptprotagonistin Emma kommen einem bei der Story immer wieder Zweifel, was nun Wahrheit und was Wahnvorstellung ist.

In gewohnter plastischer Schilderung nehmen die Personen und Schauplätze Gestalt vor dem geistigen Auge an und man ist tief drinnen in der Geschichte.

Fitzek versteht es, den Leser immer wieder auf eine falsche Fährte zu locken. Viele Irrungen und Wendungen, die einem immer wieder ein Oha entlocken. Manchen Handlungsstrang hätte der Autor durchaus noch ausbauen können und der Story und den Handelnden mehr Tiefe verleihen können.

So ist es mehr ein Durchhasten, als handele es sich bei diesem Projekt um eine auf geringe Zeichenzahl limitierte Kurzgeschichte. Letztlich ist es dann auch nicht mehr als eine etwas gestreckte Kurzgeschichte, denn große Schrift und wenige Zeilen und viel leerer Platz zum Ende eines Kapitels täuschen den Eindruck eines voll gefüllten Buches vor.

Dennoch ein Thriller, der seine packenden Momente hat und man das Buch nicht zur Seite legen möchte, um zu erfahren, welches Ende diese Geschichte finden wird.

Schön die Idee, das Buch titelgerecht als Paket aufzubereiten und in der Sonder-Edition sogar in ein Paket zu verpacken.


Lazarus (Original Cast Recording) [Explicit]
Lazarus (Original Cast Recording) [Explicit]
Preis: EUR 12,79

37 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bowies letzter musikalischer Gruß - große Kunst!, 21. Oktober 2016
Von Frank Rummeleit
Original Cast Recording / David Bowie
„Lazarus“
(Columbia/Sony)

Nach dem für die Öffentlichkeit unerwarteten Abtreten des Starman David Bowie von der Weltenbühne am 10.01.2016 dachte man, das an seinem Geburtstag am 08.01.2016 veröffentlichte Album „Blackstar“ wäre sein letztes musikalisches Lebenszeichen gewesen.

Doch es gibt noch drei weitere neue David Bowie Songs, die auch auf dem Musical „Lazarus“ vertreten sind.

Doch wenden wir uns erst der zweiten, vier Titel beinhaltenden CD zu. David Bowie pur in gewohnter Höchstform! Der schon von „Blackstar“ bekannte Song „Lazarus“ ist der erste Track. Angesichts des Wissens um die Entstehung dieses Tracks, Bowie verarbeitete darin seinen nahenden Tod, schnüren die tief berührenden Töne und Lyrics einem Herz und Kehle zu, breitet sich eine tief empfundene Traurigkeit aus.
Bowies Schwangengesang! Einer Elegie gleich überziehen die sanft schwebenden Töne den Hörer und verursachen eine Gänsehaut. Selbst im Angesicht des Todes schafft es der Künstler David Bowie und Mensch David Robert Jones mit seiner Kunst und seinen Gefühlen ein musikalisches Monument zu setzen.

„No Plan“ ist der zweite Song und wäre als Abschluss der CD – als letztes Goodbye - perfekt gewesen. Während ein großer Teil der Kompositionen auf „Blackstar“ einen enervierenden Rhythmus im Sound Design schlägt, wogen die Melodien auf „No Plan“ fragil. Keine Spur von einem Körper, der aus dem Lebensrhythmus gerät, hier scheint es, sowohl musikalisch als auch gesanglich, dass David Bowie seinen Frieden gefunden hat.

„All the things that are my life
My moods
My beliefs
My desires
Me alone
Nothing to regret „

Perfekter kann man nicht aus dem Leben treten, wenn man sagen kann, dass man nichts bedauert.
Bowies sanftmütiger Gesang ist Balsam für die Seele, ein Entschweben von dieser Welt, ein letzter Gruß...

„Wherever I may go
Just where
Just there
I am“

Wo auch immer er jetzt sein mag - „I am“...Energie kann nicht sterben, wandelt nur die Form.
„There's a starman in the sky“ „Look out your window. I can see his light“. (aus: „Starman“).

„Killing A Little Time“ ist wesentlich rockiger, als wir es vom „Blackstar“ Sound kennen. Ist aufwühlend, was sich auch textlich ausdrückt. Das Unaufhaltbare nicht aufhalten zu können...
„I'm falling, man. I'm fading, man.“ Wut, die sich im Gesang und der Musik ausdrückt. Wut über das Unabdingbare. „This rage in me.“ Ein letztes Aufbäumen. Und als Hörer ist man sprachlos ob der emotionalen Tiefe, in die einen diese kraftvollen Soundscapes hineinziehen. Ein Song, der an alte Ziggy Stardust Zeiten erinnert, nur der Zeit angepasst.

„When I Met You“ kann man als eine Art Liebeslied interpretieren. Wen er getroffen haben mag, bleibt der eigenen Interpretation überlassen. War es seine große Liebe Iman, die seinem Leben eine neue Bedeutung/Wendung gab? War es eine größere Macht, die seine Krisenzeiten beendete? Mir scheint, eine Mischung aus beidem. Und wenn auch nicht „No Plan“ dieses CD beendet, so ist „When I Met You“ doch auch ein ebenso würdevoller Abschied. Was bleibt ist die Inspiration, die musikalische Hinterlassenschaft für sein treues Publikum. Ein wahrlich großes Erbe - „Nothing to regret“....

Und dann ist da ja noch CD 1. Großartige Songs von David Bowie in ein Musical gewandet.
Eine Verbeugung vor seiner Kunst, seiner unsterblichen Musik, wunderbar interpretiert von anderen Künstlern. Die Fortsetzung von „The Man Who Fell To Earth“.

Michael C. Hall, vielen bekannt als der Serienmörder in der Serie „Dexter“, zeigt hier eine andere Seite seiner Kunst, nämlich als Sänger. Und er macht seine Sache sehr gut.

Die Hits David Bowies sind neu arrangiert, so dass es keine schlichte Best Of ist, sondern den Stücken neue, ebenso hörenswerte Seiten abgewinnt.

„This Is Not America“ hat einen sehr träumerischen Charakter erhalten, der, von einer Sängerin intoniert, zeigt, dass Bowie Songs auch in einem Musical ihre Magie entfalten können. Eine zauberhafte Ballade, die den Hörer zu den Sternen trägt.

„The Man Who Sold The World“ schlägt in die gleiche Kerbe, hier jedoch von Michael C. Hall auf berührende Weise vorgetragen. Auch hier ist die Musik sehr sphärisch ausgelegt, mitunter sogar etwas psychedelisch.

„Life On Mars“, „Heroes“, „Changes“, „This Is Not America“ etc. - hier wird noch einmal unter Beweis gestellt, welch großartige Kompositionen David Bowie der Welt hinterlassen hat.

Songs, wärmend wie eine Decke, die man über sich zieht. Dabei die Gedanken Revue passieren lässt und sich vor Augen führt, wie sehr einen dieser Künstler im Leben begleitet hat und welch hohen Einfluss seine Kunst auf das eigene Leben hatte und immer noch hat.

Rest In Piece – Starman!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 23, 2016 1:20 PM MEST


Another Fall from Grace
Another Fall from Grace
Preis: EUR 16,99

23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die fehlende Verbindung zwischen "First And Last And Always" und "God's Own Medicine" - Mission successfully completed!, 30. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Another Fall from Grace (Audio CD)
The Mission
"Another Fall From Grace"
(Pledge Music/SPV)

Es war 1985 als ich die LP "First And Last And Always" von The Sisters Of Mercy geschenkt bekam. Ein Wow-Moment, der auch noch 31 Jahre später anhält. Ein Album für die Ewigkeit. Andrew Eldrtich und Wayne Hussey, ein kongeniales Team! Und der Gothic-Rock hatte einen neuen Liebhaber in mir.

Es war 1986 als ich mir die LP "God's Own Medicine" von The Mission kaufte. Der nächste Wow-Moment, der auch 30 Jahre später noch anhält. Eldritch und Hussey gingen im Streit auseinander und Eldritch klaute Hussey mal eben noch den Bandnamen The Sisterhood, da er im Eilverfahren eine Single veröffentlichte und somit rechtmäßiger Besitzer des Namens wurde.

Eldritch verschwendete nach "Floodland" sein Talent. The Mission lieferten noch ein paar schöne Alben ab, bevor auch sie sich ab Mitte der 1990er Jahre in der Mittelmäßigkeit verloren.

2016 und Wayne Hussey hatte den Wunsch, die fehlende Verbindung zwischen "First And Last And Always" und "God's Own Medicine" zu schaffen. Voila, "Another Fall From Grace" ist geboren - und, das sei vorweggenommen - Mission successfully completed!

CD ausgepackt und ich drehte geistig die Zeiger der Zeit weit in die 1980er Jahre zurück. Damals LP, heute CD - in einem durch gehört. So ging Musikgenuss damals und funktioniert mit der richtigen Musik auch heute noch...

Die ersten Töne des Titeltrack erklingen. Und da ist der erste Wow-Moment. Ein knarziger Basslauf , der an "Emma" erinnert, der Hot Chocolate Song, den The Sisters Of Mercy so wunderschön neu interpretiert haben.

Husseys harmonisches Gitarrenspiel. Er hat nichts verlernt. Und mehr als einmal zitiert sich der Meister selbst und man fühlt sich in selige Sisters-Zeiten zurückversetzt.

Wayne Hussey hat nun ebenso ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, doch seine Stimme klingt so unverwechselbar nach ihm, keine Spur von Alterserscheinungen.

Die zauberhafte Julianne Regan, die auf "God's Own Medicine" einige Backing-Vocals lieferte und mit All About Eve ein wunderschönes Debut-Album veröffentlichte, wirkt auf dem Titeltrack "Another Fall From Grace" mit. Ein nostalgischer Flashback, der nicht der Einzige bleiben soll.

"Tyranny Of Secrets" ist eine flotte Gothic-Rock-Nummer in bester Sisters-Manier, die kompositorisch stark an den Song "First And Last And Always" angelehnt ist. Nur das hier das Vocal-Organ von Hussey statt Eldritch dem Song seine Stimme leiht. Gänsehaut pur!

"Bullets & Bayonets" ist eine verträumte Ballade im typischen Mission-Gewand, knitterfrei und anschmiegsam.

"Valaam" klingt wie ein vertontes Gedicht, tritt Hussey als Rezitator auf, gehen Stimme und Sphärenklänge eine stimmige Verbindung ein.

Die erste Single-Auskopplung "Met - Amor - Phosis" erfährt Gastgesang von Him-Sänger Ville Vallo und ist eine hochmelodische Klangperle in bestem The Mission Schliff.

Selbst Martin Gore von Depeche Mode konnte für den Track "Only You & You Alone" gewonnen werden. Ein Song, in dem Hussey seine Balladenstärke erneut unter Beweis stellt.

"Phantom Pain" beschließt das Album mit einer dunkel verheißenden, jazzig angehauchten Stimmung, wie sie auch Bowie auf seinem letzten Album zelebrierte und stellt unter Beweis - The Mission are still alive.

Ich war zunächst skeptisch, ob Wayne Hussey tatsächlich den Spirit Mitter der 1980er Jahre wieder zum Leben erwecken könnte. Nach dem Hören von "Another Fall From Grace" ist diese Skeptis der Erkenntnis gewichen, dass ihm das Unterfangen zu 100 % gelungen ist. Er belässt es beim Zitieren seiner eigenen Kunst, hat den Geist jener Zeit eingefangen und moderne Elemente hinzugefügt. In Summe ein zeitloses Album, dass eine Menge Erinnerungen weckt. Mit Bedauern fragt man sich, warum er diese Klasse über die Jahre nicht gehalten hat, dieses Album ist der Beweis, dass er ein großartiger Songwriter und Musik war und immer noch ist.

Und es sieht ganz so aus, dass meine Klassiker-Sammlung mit "Another Fall From Grace" um einen neuen Schatz bereichert wurde. Danke, Mr. Hussey!


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Preis: EUR 15,00

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein schöner nostalgischer Rückblick in eine Zeit, als in der Musik noch vieles NEU war., 28. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Profil (Audio CD)
Von Frank Rummeleit

Profil
„Profil“
(Genetic Music)
Lang, lang ist's her, dass die Neue Deutsche Welle frischen Schwung in die deutsche Musikszene brachte. Vom britischen Punk und Wave inspiriert, verliehen Ende der 1970er Jahre deutsche Musiker ihrer Kunst eine Sprache – die deutsche Sprache!

Was einst im Untergrund wurzelte, erblühte in den frühen 1980er Jahren schnell in kommerziell erfolgreichen Blüten. Und so muss man die NDW in zwei Wogen teilen. Auf der einen Welle surften die künstlerisch anspruchsvollen, aber wenig kommerziell erfolgreichen Bands, auf der anderen die meist weniger anspruchsvollen, aber kommerziell erfolgreichen Acts – und manchen, wie beispielsweise Extrabreit, gelang der Spagat auf beiden Wogen.

Profil veröffentlichten 1981 die Maxi-Single „Berühren“. Zu Unrecht blieben ihnen Chart-Ehren verwehrt, obwohl der Song großes Hit-Potenzial in sich trägt. Syntheziser und Gitarren geben eine kraftvolle Fusion ein, fahren treibende Beats in Ohren und Beine. In Sammlerkreisen wird dieses feine Stück Vinyl hoch gehandelt, fand später auch digital den Weg auf den Sampler „Return Of The Banshee“. Und auch heute noch ist dieser Track nicht nur auf NDW-Parties ein Tanzflächenfüller, sondern auch in Clubs der schwarzen Szene.

1982 erschien der Song auch auf dem gleichnamigen Album, welche anno 2016 nun seine Veröffentlichung auf CD erfährt.

34 Jahre sind es nun schon her, als dieses Album das Licht der Welt erblickte. Großen Dank an Genetic Music, die diese Perle wieder ausgegraben haben! „Berühren“ ist in der kurzen und langen Version enthalten, aber auch die anderen Tracks sind hörenswert.

Die Songs versprühen den Geist jener Zeit, als elektronische Klänge verstärkt in die Kompositionen einflossen. Rheingold beschritten einen ähnlichen Weg, deren Song „FanFanFanatisch“ (1981) „Berühren“ stilistisch sehr ähnlich ist.

„So kühl“, „Ich liebe dich“ und das instrumentale „In Form“ tragen die kühle Eleganz des Wave und fächern sich in sphärische Klangwolken auf.

Auf „Schwimmen im Geld“ und „Regennacht“ zeigen sich Profil von ihrer melancholischen Seite auf chillige Weise.

Die CD bietet 13 Songs, die den Abwechslungsreichtum von Profil unter Beweis stellen.

Mir heute noch unerklärlich, warum „Berühren“ nicht an der Spitze der Charts stand, aber dafür war die Band dem Untergrund wohl zu sehr verbunden, so dass ihre Musik nicht den massenkompatiblen Ansprüchen gerecht wurde – was letztendlich auch gut so ist!

So können sie sich das Etikett „Szenehit/Klassiker“ ans Revers heften, was ja auch was wert ist!

Ein schöner nostalgischer Rückblick in eine Zeit, als in der Musik noch vieles NEU war.


Desperate
Desperate
Preis: EUR 11,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Barb Wire Dolls stehen mit Leib und Seele für den Rock'n'Roll ein., 21. August 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Desperate (Audio CD)
Von Frank Rummeleit

Barb Wire Dolls
„Desperate“
(UDR/Warner)

Da man in der heutigen weichgespülten Radio-/Chartmusik kaum noch bis gar nicht handgemachte Rockmusik mit einem höher dosierten Härtegrad findet, muss man sich halt auf die Suche im Netz machen und durch Kommissar Zufall bin ich auf die Barb Wire Dolls gestoßen.

Das es sich um eine neuere Band handelt, hört man aufgrund des Produktionsstandard, der auf der Höhe der Zeit ist. Über ihre dargebotene Stilistik ist die Band schwer einer bestimmten Epoche zuzuordnen. Früher Punk-Rotz blitzt durch, harter Metal-Schliff, eine Prise Grunge, am Ende kommt ein Stück Crossover heraus, wie er in den 90er Jahren gesellschaftsfähig war.

Die Stücke hören sich sehr Ami-lastig an, Erinnerungen an L7, Blondie oder The Ramones werden wach. Doch überraschenderweise kommt die Band ursprünglich aus Griechenland, die aber in den Staaten bereits beachtliche Erfolge feiern konnte.

Das inzwischen dritte Album „Desperate“ wurde auf dem Motörhead-Label UDR gesignt, was einem Ritterschlag gleichkommt.

Frontfrau Isis Queen verfügt über ein energievolles Vokal-Organ und liefert sich mit ihren Musikern einen scharfen Tanz auf der Rasierklinge. Die Barb Wire Dolls beherrschen bei aller Kraft eine eingängige Kompositionstechnik, die in Songs von hympnenhaften Charakter münden.

Trotz der stilistischen Verweise leben die Barb Wire Dolls eine eigene Identität. 10 Tracks sind nicht viel für einen Longplayer, aber diese 10 Lieder haben es in sich. Ohne Füllmaterial reiht sich ein Ohrwurm an den anderen und macht „Desperate“ zu einem durchgängigen Hörvergnügen.

Die Skip-Taste kann man bei diesem Album getrost vergessen. „I Will Sail“ beispielsweise hat großes Hitpotenzial, lebt vom Wechsel zwischen langsamen und schnellen Passagen und fräst sich geschmeidig in die Hörgänge.

Ein Song wie „Heart Attack“ dürfte heutigen Radiomachern selbige verursachen. Schneidende Gitarren, kraftvolles Schlagwerk, treibendes Bassspiel und beseelter Gesang – mehr Ingredienzien bedarf es auch anno 2016 nicht, um gute Rockmusik zu machen. Und wäre heute nicht 2016 sondern 1996, die Barb Wire Dolls würden an den Spitzen der Charts stehen. Keep on rockin' – die Barb Wire Dolls stehen mit Leib und Seele für den Rock'n'Roll ein.


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