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Rezensionen verfasst von
Marcel Bartnik (Luxemburg)
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Nelson Freire en Concert:Oeuvr
Nelson Freire en Concert:Oeuvr
Wird angeboten von colibris-usa
Preis: EUR 54,78

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pianistische Sternstunde in Toronto, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Nelson Freire en Concert:Oeuvr (Audio CD)
Lange Zeit - bis zu seinem Exklusiv-Vertrag mit Decca - waren von dem brasilianischen Ausnahmepianisten Nelson Freire sehr wenige Aufnahmen erhältlich; dabei galt Freire unter Kollegen und Insidern schon lange als eine lebende Legende. Umso dankbarer mußte man dem Produzenten der vorliegenden CD sein, daß er eine derartige pianistische Sternstunde einem breiteren Publikum zugänglich macht.

Der Livemitschnitt eines Klavierabends vom 25.3.1984 legt beredtes Zeugnis ab von dem breitgefächerten Repertoire des Pianisten: neben Mozart und Schumann finden sich hier auch Werke von Villa-Lobos, Albeniz und Skrjabin, die sicherlich weniger zum Mainstream-Repertoire zählen. Dabei kommt eine Stärke Nelson Freires zutage, nämlich seine musikalische Wandlungsfähigkeit, die es ihm ermöglicht, jedem der Stücke in dem ihm zukommenden Idiom gerecht zu werden. Schon die ersten Takte der Mozart-Sonate (K.332) deuten auf sein überragendes Gefühl für musikalischen Ausdruck und eine ausgeprägte Stilsicherheit hin. Glasklare Artikulation, ein - etwa im zweiten Satz - fein uancierter und auch im forte niemals harter Anschlag werden dem Stück vollkommen gerecht. In der nachfolgenden C-Dur-Fantasie von Schumann offenbart sich Freire dann von einer ganz anderen Seite; an die Stelle nobler Zurückhaltung tritt nun leidenschaftliche Expressivität, gepaart mit einer manuellen Kontrolle, die kaum zu übertreffen ist. Dabei stellt der Brasilianer seine immense Virtuosität jedoch nie in den Vordergrund, sondern bedient sich ihrer stets im Dienste musikalischen Ausdrucks. Die Flüssigkeit seines Spiels, das durch wohldosiertes Rubato zu jedem Zeitpunkt spontan und natürlich wirkt, im Verein mit einer fast unheimlichen Sicherheit im Spannungsaufbau machen diesen Livemitschnitt zu einer der gelungensten Einspielungen der Fantasie - und das trotz immenser Konkurrenz etwa durch Pollini (DG) (The Originals - Schubert: Wanderer-Fantasie / Schumann: Fantasie op.17), Argerich (EMI) (Fantasie Op. 17 / Fantasiestücke.Op. 12) oder Kissin (RCA) Kissin spielt Schumann und Liszt (Aufnahmen 1995)). Insbesondere bei der abschließenden Coda des zweiten Satzes bekommt man zudem einen ehrfurchteinflößenden Eindruck von den technischen Mitteln Freires. - Im Anschluß an dieses Werk stellt der Pianist bei der 4. Sonate von Skrjabin unter Beweis, daß er über einen auch im pianissimo noch nuancierenden Anschlag verfügt, erfolgreich zwischen dekadent-reflektierend (Andante) und irisierend-sprunghaft (Prestissimo volando) wechseln kann und auch bei höchstem Tempo nie den melodischen Faden verliert. Dieser klangliche Farbreichtum findet sich auch in den folgenden Images von Debussy wieder, die Freire fein und detailreich zu zeichnen versteht. Auch die folgenden Stücke von Villa-Lobos und Albeniz zeichnen sich durch Spontaneität, Virtuosität (Navarra) und auch bei komplexen Passagen Klarheit und kraftvollem Einsatz aus.

Das Klangbild ist überwiegend gut, wird jedoch durch Huster mitunter getrübt - der Nachteil einer Liveaufnahme. Das Booklet ist dürftig, was der herausragenden Qualität der Aufnahme selbst jedoch keinen Abbruch tut. Ein Muß für Klavierfans!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2009 8:03 PM CET


Klaviermusik
Klaviermusik
Preis: EUR 20,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer für einen vergessenen Komponisten, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Klaviermusik (Audio CD)
Der junge deutsche Pianist Severin von Eckardstein ist mir im Laufe seiner bisherigen Karriere nicht nur durch seine musikalischen und pianistischen Fähigkeiten positiv aufgefallen, sondern auch durch sein außerordentlich breit gefächertes Repertoire, welches von Bach über Beethoven, Chopin und Schumann bis zu Prokofiev und zeitgenössischen Werken reicht. Von Eckardstein hegt auch ein starkes Interesse an Stücken abseits ausgetretener Pfade - in seinem ersten Rezital, welches ich besuchte, interpretierte er beispielsweise die "Grande Sonate" von Charles-Valentin Alkan. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er sich den Werken des russischen Komponisten Nicolai Medtner widmete: Zeitgenosse und Freund Rachmaninovs, wurde er in den letzten 50 Jahren sowohl bei Plattenaufnahmen als auch im Konzertbetrieb nahezu vollständig ignoriert, obwohl dies durch die durchweg außerordentliche Qualität seiner Kompositionen nicht gerechtfertigt ist. Erklären ließe sich dies durch das Festhalten Medtners an der Harmonik und Ablehnung der Zwölftonmusik, was ihm den Ruf eines rückwärtsgewandten Traditionalisten einbrachte. Im Gegensatz zu Rachmaninov, welcher diesem Vorwurf ebenfalls ausgesetzt war, sind die Werke Medtners nicht ganz so einfach erfaßbar und fordern in ihrer komplexen Rhythmik und Harmonik die Aufmerksamkeit des Zuhörers heraus. Wer sich jedoch ein wenig näher mit seiner Musik beschäftigt, wird durch die Erfahrung einer reichhaltigen und faszinierenden Klangwelt belohnt. Glücklicherweise integrieren mittlerweile eine ganze Reihe bekannter Pianisten seine Werke in ihre Konzertprogramme und CD-Aufnahmen (Hamelin (Die Klaviersonaten), Demidenko (Klaviermusik), Berezovsky (Märchenerzählungen & Lieder), was neben der mittlerweile sichergestellten Verfügbarkeit des Notentextes (dies war in früheren Jahren ein erhebliches Problem) zu einem vermehrten Interesse an seinen Werken geführt hat.

Die vorliegende CD bietet einen gelungenen Querschnitt der wichtigsten Werke-Zyklen Medtners und beginnt mit zwei Stücken aus den "Vergessenen Weisen" op. 39 - der zurückhaltend-lyrischen "Canzona Matinata" und der aufwühlenden "Sonata Tragica". Von Eckardstein überzeugt im ersten Stück mit einem sensiblen, fein nuancierten Anschlag und einer kleinen Portion Melancholie, im zweiten durch kraftvoll-packenden Zugriff, einem exzellenten Sinn für dramatischen Spannungsaufbau und einem auch bei großer manueller Beanspruchung durchsichtigen Spiel, das die teilweise komplexe Stimmenführung fast spielerisch bewältigt.

Neben den "Vergessenen Weisen" sind die diversen Sammlungen von "Skazka" oder Märchen ein zentraler Bestandteil im Schaffen von Medtner und haben ihn - ähnlich Griegs "Lyrischer Stücke" oder Mendelssohns "Lieder ohne Worte" - sein gesamtes Leben beschäftigt. Mit den vorgenannten Zyklen haben Medtners Skazka nur die relative Kürze gemein, übertreffen diese jedoch an technischer Schwierigkeit und musikalischer Komplexität erheblich. Einigen sind bezeichnende Namen gegeben, wie etwa dem "Marsch der Paladine" op. 14 Nr. 2, das von Eckardstein spitzfingrig, mit wohldosiertem Pedaleinsatz (höre etwa bei ca. 2.50) und motorischem Drive interpretiert wird; wieder andere sind kantabel-klangschön orientiert, wie beispielsweise das verträumt wirkende op. 26 Nr. 3 oder auch op. 26 Nr. 1, das von Eckardstein mit sehr gelungenen Echo-Effekten interpretiert. Höhepunkt der Skazka auf dieser CD ist aber unzweifelhaft das op. 35 Nr. 4, dem ein Zitat aus Shakespeares "King Lear" vorangestellt ist ("Blow, winds, and crack your cheeks!"), und welches in einem Maelstrom aus Noten den imaginären Kampf des verrückten Königs mit den Naturgewalten darstellt. Hier gelingt es von Eckardstein mit bewundernswerter Übersicht, die diversen Ausformungen des Themas auch bei höchster manueller Beanspruchung noch klar zu gestalten und durch seine technische Souveränität und mittels einer intelligenten Ausnutzung der gesamten dynamischen Bandbreite des Konzertflügels, im Stück eine unwiderstehliche Dramatik zu entfalten.

Wichtigstes Element in Medtners Oeuvre sind jedoch die Sonaten - seit Beethoven hat sich kein Komponist diesem Genre in ähnlichem Umfang gewidmet. Neben eher kurzen Werken wie etwa die vorgenannte "Sonata Tragica" finden sich dort auch Stücke wie die hier eingespielte "Nachtwind"-Sonate op. 25 Nr. 2 mit einer Spieldauer von gut 30 Minuten. Aufgrund ihrer Weitläufigkeit, harmonischen Komplexität und sehr hohen Schwierigkeitsgrades nur selten gespielt, erinnert sie in diesen Eigenschaften bisweilen an Rachmaninovs erste Klaviersonate (so etwa ab ca. 6.25 im ersten Satz), läßt jedoch die ganz individuelle Klangsprache Medtners bereits in den ersten Takten deutlich erkennen. Die "Nachtwind"-Sonate vereint in einem untypisch zweisätzigen Gerüst introvertierte Momente mit weit ausgreifenden, wuchtigen Zuspitzungen und einem melancholischen Unterton mit Scherzo-ähnlichen Einwürfen. Rachmaninov hielt Medtner für den besten lebenden Komponisten, und es spricht für diese Einschätzung, mit welcher strukturellen Übersicht und dennoch hoher Emotionalität diese Sonate geschrieben ist. Von Eckardstein gelingt hier eine großartige Interpretation, die absolute intellektuelle und manuelle Souveränität mit einem natürlichen Gespür für das Gestalten von Spannungsbögen vereint (man höre etwa das zielsichere Steigern ab ca. 13.40 im ersten Satz), und sich in den poetischeren Momenten auch zurückzunehmen weiß.

Wie bereits in der vorangegangenen Aufnahme (mit Werken von Skrjabin) spielt von Eckardstein auf einem knapp 100 Jahre alten Steinway, dessen warmer, bronzener Klang im Verein mit einer exzellenten Klangqualität Sound-technisch nichts zu wünschen übrig läßt. So ist die vorliegende CD unter allen Gesichtspunkten eine Bereicherung für jede CD-Sammlung und eine hervorragende Gelegenheit für eine erstmalige Beschäftigung mit dem Werk des russischen Komponisten für diejenigen, die ihn bislang nicht kannten.


Sonatas & Etudes
Sonatas & Etudes
Preis: EUR 18,99

36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solides Debüt, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Sonatas & Etudes (Audio CD)
Nachdem die "Deutsche" Grammophon dem chinesischen Pianisten Yundi Li den Vertrag gekündigt hat, mußte offensichtlich neben dem durch offensives Marketing zum Superstar erklärten Lang Lang ein weiteres chinesisches Talent diese Lücke schließen. Die junge Pianistin Yuja Wang, die durch einige Auftritte bei Festivals bereits positiv auf sich aufmerksam gemacht hatte, bringt neben einem (in unserem Medien-Zeitalter von nicht unerheblicher Bedeutung) attraktiven Äußeren auch ein gesundes Selbstvertrauen und eine gewisse Weltgewandtheit mit, die eine Vermarktung im größten Wachstumsmarkt der Welt mit scheinbar Millionen von Klavierspielern einfacher gestalten sollte. Ihre Debüt-Aufnahme bei dem Gelb-Label wurde mit Spannung erwartet und ermöglicht es nun dem geneigten Hörer, sich ein Bild ihrer musikalischen Meriten zu machen.

Nachdem die ursprünglich im Raum stehende Idee einer Debüt-CD mit ausschließlich Transkriptionen und Zugabe-Stücken verworfen wurde, hat sich Yuja Wang für ein sehr gehaltvolles und keinesfalls einfaches Programm entschieden, das mit Klaviersonaten von Chopin und Liszt gleich zwei Kernstücke des romantischen Klavier-Repertoires enthält, ergänzt um die noch der Postromantik zuzuordnende 2. Sonate von Skrjabin sowie zwei Etüden von Ligeti.

Um es vorwegzunehmen: Die Interpretationen der jungen Chinesin sind im Hinblick auf Fingerfertigkeit, Treffsicherheit und manuelle Beherrschung des Instrumentes tadellos - auch wenn dies zugegebenermaßen im heuten Zeitalter eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Bereits in den ersten Takten der Chopin-Sonate, die das Rezital eröffnet, kommt jedoch ein Problem zum Vorschein, das sich fast durch die gesamte Aufnahme zieht: Die Melodie-Stimme wird oft von den Begleitstimmen zugedeckt, so daß kein klarer musikalischer Duktus mehr erkennbar wird und die Stücke unstrukturiert daherkommen. Gleich das erste Thema nach der Grave-Introduktion verschwindet oft hinter der unruhigen Begleitung der linken Hand; es scheint vielfach, als habe der Diskant bei Wang keinerlei Durchschlagskraft. Frappierend wird dies im ersten Satz etwa ab 5:15, wo die von Chopin gewollte Steigerung in einem einzigen Klangbrei endet. Vielleicht auch ein Problem der Aufnahmetechnik? In diesem Fall hätte dann allerdings diese Aufnahme nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden dürfen. - Mir persönlich fällt auch der extrem freizügige Umgang mit Tempi unangenehm auf: Wang geht den ersten Satz zunächst durchaus schnell an, verlangsamt ihn bei jedem einzelnen Spannungsbogen jedoch fast bis zum Stillstand, um dann bei emotional aufwühlenden Stellen wieder immens anzuziehen (z.B. ab 6:50 im 1. Satz). Besser gelingt ihr das Scherzo, der lyrische Mittelteil wird schön gesungen und die diesen einrahmenden Passagen sind vollgriffig-virtuos, lassen aber auch die lässige Eleganz eines Nelson Freire (Decca) (Klaviersonate 2/Etueden Op.10/Barcarolle Op.60) oder die quicksilbrige Leichtigkeit Hamelins (Hyperion) (Klaviersonaten 2 & 3/2 Nocturnes/Berceuse/+) vermissen. Für den Trauermarsch wählt Wang ein schönes Tempo, aufgrund einer etwas einfallslosen Pedalisierung und fehlender Klangfarben kommt der Satz leider dennoch etwas prosaisch daher. Völlig mißlungen ist meiner Ansicht nach der letzte Satz - wo Chopin durchaus Struktur gesetzt hat, ist bei Wang letztlich nur Geräusch. Katsaris (Sony) (Chopin: The Three Piano Sonatas [US-Import]), Argerich (DG) (Preludes/Klaviersonate 2) oder Pollini (DG) (Klaviersonaten 2 und 3) haben dort Maßstäbe gesetzt und dem von Arthur Rubinstein geprägten Ausdruck von einem "Wind über den Gräbern" klanglich eine Entsprechung gegeben.

Im ersten Satz der Skrjabin-Sonate offenbart Wang ein hörbares Talent dafür, auch im pianissimo noch Nuancen zu finden. Leider trübt auch hier eine Tendenz zu extremen Rubati das Hörvergnügen, was zumindest zeitweise zu einer Zergliederung der Musik beiträgt und dem Stück seinen inneren Zusammenhalt raubt; und auch hier ist der Diskant wieder unterrepräsentiert und Bässe dominieren das Klangbild (vgl. z.B. ab 4.20). Wie schon im schnellen Satz der Chopin-Sonate ist auch der zweite Satz des Skrjabin ein fahl-dahingehuschter Schatten seiner selbst, mitsamt dauernder Tempo-Dehnungen und Übertönens der Melodie durch die Begleit-Figurationen der linken Hand; wie dramatisch und mitreißend man dies auch gestalten kann, ist bei Alexander Melnikov (ECS) (Oeuvres pour Piano) oder Bernd Glemser (Naxos) (Klaviersonaten Vol. 1) zu hören.

Einfacher hat es Wang da schon bei der Liszt-Sonate, bei der ihre extreme Agogik nicht so auffällt, da das Stück dies von vorneherein besser verträgt und ohnehin einen etwas deklamatorischen Ansatz in sich trägt. Es ist Wang in jedem Fall zugute zu halten, daß sie nicht in die Geschwindigkeits- und "ich-kann-lauter-als-alle-anderen-spielen"-Exzesse etwa eines Denis Matsuev (RCA) (Denis Matsuev-the Carnegie Hall Concert) oder einer Polina Leschenko (EMI) (Liszt Recital) verfällt; und der erste große Höhepunkt der Sonate ist hervorragend ausgeformt (ab ca. 2.30). Ihre technischen Fähigkeiten ermöglichen Wang auch eine große Transparenz und Hörbarkeit (man höre etwa ab 6.50), was gerade bei Liszt nicht an der Tagesordnung ist. So entfaltet ihre Interpretation der h-moll-Sonate durchaus Wucht an vielen Stellen; man sollte jedoch nicht dem Trugschluß verfallen, Langsamkeit mit Dramatik oder Tiefgang gleichzusetzen - daß es auch anders geht, kann man bei Martha Argerich (DG) (The Originals - Argerich (Debut-Recital)) oder Michael Korstick (ars musici) (Sonate H-Moll / Polonaise Op. 61 /) exemplarisch hören, die ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Sonate haben.

Die Klangqualität der Aufnahme ist sehr gut, Räumlichkeit und Direktheit des Klangs stehen in einer guten Balance, und der Flügel ist schön intoniert. Insgesamt fällt das Fazit für Yuja Wangs Debüt etwas gespalten aus: gute Ansätze sind sichtbar, die junge Chinesin hat unbestreitbar Potential; letztlich reizt mich aber allein die Liszt-Sonate dazu, sie vielleicht mehr als einmal zu hören, zu irritierend sind in den übrigen Stücken die angesprochenen Defizite.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2010 9:15 PM CET


Integrale Studio 1956-86
Integrale Studio 1956-86
Wird angeboten von japazon
Preis: EUR 1.531,07

30 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierendes Porträt eines einmaligen Tastenkünstlers, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Integrale Studio 1956-86 (Audio CD)
Das Leben des ungarischen Pianisten Gyorgyi Cziffra war (ohne sein Dazutun) ebenso ereignisreich wie sein Klavierspiel singulär geblieben ist. Als Kind eines Vaters, der sich als Zirkusmusiker sein Geld verdiente, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, früh als Wunderkind entdeckt und am Budapester Konservatorium zusammen mit mehr als doppelt so alten Kommilitonen studierend, wurde er durch eine Verkettung unglücklicher Umstände als Deserteur in ein Arbeitslager gesteckt und mußte dort jahrelang Steine schleppen, was seine Handgelenke ruinierte und ihn dazu zwang, lange mit improvisierten Handmanschetten aus Metall zu spielen. Nach seiner Freilassung mußte er sich als Barpianist durchschlagen, wurde dann "wiederentdeckt" und emigrierte in den 1960er Jahren nach Frankreich. Dort schlug er aufgrund seines hochemotionalen und extrem virtuosen Spiels wie eine Bombe ein und teilte die Kritiker (nicht seine Zuhörer) in zwei Lager - die einen waren an das intellektuell orientierte Spiel eines Wilhelm Kempff gewöhnt und hielten Liszt für Zirkusmusik und daher Cziffra für einen nicht ernstzunehmenden Blender, die anderen waren von seiner unkonventionellen Spielweise und den atemberaubenden technischen Fähigkeiten begeistert, die man so seit dem Debüt von Vladimir Horowitz auch nicht ansatzweise hatte hören können. Alle, die ihn im Konzert erleben konnten, waren von seinem Charisma, seiner Musikalität und der absoluten Hingabe an das, was er spielte, sowie seinem unprätentiösen und bescheidenen Charakter schnell eingenommen.

Es folgten eine Vielzahl von Einspielungen - neben noch aus den 1950er Jahren stammenden Aufnahmen für Hungaroton ging Cziffra insbesondere für EMI bis in die 1980er Jahre ins Studio. Sämtliche dieser Aufnahmen, einige hiervon unveröffentlicht, finden sich in der vorliegenden Box mit 40 CDs wieder, sämtlich remastered und mit Angaben zu Aufnahmedatum und -ort versehen. Eine ganze Reihe hiervon waren bisher lange Zeit vergriffen, einzelne in lediglich in Frankreich erhältlichen Kollektionen wie "Les Introuvables" (Introuvables de Cziffra) oder "Les Rendez-vous de Senlis" (Les Rendez-Vous de Senlis) veröffentlicht. Man kann sich daher zum ersten Mal überhaupt einen Überblick über das Schaffen dieses funkelnden Sterns am Pianisten-Himmel verschaffen, der in seiner Individualität und Repertoire-Auswahl einmalig geblieben ist. Nicht zu vergessen ist, daß Cziffra bei einere ganzen Reihe hochkarätiger Pianisten prägende Eindrücke hinterließ - Martha Argerich etwa, aber auch Cyprien Katsaris oder Arcadi Volodos nennen Cziffra regelmäßig als eines ihrer Vorbilder. Man kann hier natürlich keine Einzelkritik jeder einzelnen der 40 CDs vornehmen - es sollen daher nur einige beispielhaft herausgegriffen werden.

Kennzeichnend für Cziffras Spiel war immer eine unbedingte Spontaneität, eine Impulsivität des Augenblicks, ohne daß dies notwendigerweise negative Auswirkungen auf seine Fähigkeiten zur Strukturierung auch längerer Stücke gehabt hätte. Fraglos war sein Naturell eher introvertierten oder reflektiven Stücken wie den letzten Schubert-Sonaten oder späten Brahms-Werken nicht zugetan, ebensowenig wie einem Stück wie der Hammerklavier-Sonate etwa. Unzutreffenderweise hat man ihm aber immer die Fähigkeit abgesprochen, auch weniger auf Virtuosität ausgelegte Werke zusammenhängend und texttreu zu interpretieren; daß er hierzu sehr wohl in der Lage war, beweisen etwa eine Reihe von Beethoven-Sonaten (CDs 21-23).

Am frappierendsten wurden Cziffras Talente jedoch immer in seinem Kernrepertoire: der Romantik mit Stücken von Liszt, Chopin oder Schumann - oder auch Transkriptionen und Improvisationen. Einen hervorragenden und unwahrscheinlich elektrisierenden Einstieg in die Welt der letztgenannten Werke bietet gleich die erste CD, auf der sich Cziffra Ende der 1950er Jahre mit einer Reihe von größtenteils selbstverfaßten Stücken amüsierte. Man höre etwa die ultra-schwierige Eigenfassung des "Hummelflugs" (die Hummel fliegt dort in alternierenden Oktaven), seine Improvisation über Themen von Rossini, den bekannten "Valse Triste" oder die von ihm oft als Zugabe gespielte "Tritsch-Tratsch-Polka" - alles sicherlich keine musikalischen Schwergewichte, aber was konnte der Mann spielen! Einen derartigen Ausbund an Spielwitz, tänzerischem Elan und unglaublicher pianistischer Pyrotechnik hat man seitdem nicht wieder gehört. Man kann gut nachvollziehen, daß nach seiner Fassung von der "Blauen Donau" (Strauss) einige etwas engstirnigere Kritiker vom Stuhl gefallen sind.

Referenzstatus haben Cziffras Einspielungen auch heute noch, wenn es um einen Komponisten geht: Franz Liszt. Niemand kann und konnte die Ungarischen Rhapsodien mit einer derartigen Kombination aus pianistischer Nonchalance, Zigeuner-Zauber und manueller Souveränität spielen - man bezeichnete ihn oft und nicht zu Unrecht als zeitgenössische Verkörperung des Komponisten selbst. Die Rhapsodien liegen hier in zwei verschiedenen Aufnahmen vor (Ende der 1950er Jahre sowie aus den 1970ern), wobei das Remake neben der besseren Tonqualität auch eine etwas ausgeglichenere Spielweise für sich ins Feld führen kann. Eine Reihe von Transkriptionen aus der Feder Franz Liszt finden sich auf der zweiten CD; dazu sollte nicht unerwähnt bleiben, daß zum damaligen Zeit niemand diese Stücke aufnahm, geschweige denn in ein Konzerprogramm integrierte. Cziffra ebnete hier den Weg für eine Vielzahl von Pianisten, die heute etwa selbstverständlich die Rigoletto-Paraphrase oder die Polonaise aus Tchaikovskys "Eugen Onegin" spielen. Auch heute jedoch bleibt die Interpretation von Gounods "Faust"-Walzer unter Cziffras Händen unerreicht - und die absurd schwere Tannhäuser-Ouvertüre haben seitdem nur Bolet und Katsaris zu spielen gewagt. Jeder, der auch nur ansatzweise ein Interesse an Vollblut-Pianistik hat, bei der jedoch Virtuosität nie zum Selbstzweck verkommt, kann hier nur gefesselt zuhören. - Daneben sind auch die "Etudes d'exécution transcendante" (CD 5) großartig, die zusammen mit der Interpretation Lazar Bermans für nachfolgende Pianisten-Generationen als Blaupause dienten; für mich persönlich genießen darüber hinaus Cziffras "Années de Pèlerinage" aus den 1970er Jahren Referenz-Charakter - ämonisch in "Après une lecture de Dante", abwechselnd sensibel und auftrumpfend in "Vallée d'Obermann", stürmisch in "Orage" und flirrend-quecksilbrig in "Jeux d'eau à la Villa d'Este".

Ein anderer Komponist, der Cziffra sehr am Herzen lag und den er sehr häufig aufführte, war Chopin. Man könnte meinen, daß seine Liszt-Pranke für die eher nuanciert-feinfühligen Stücke des Wahl-Franzosen nicht unbedingt ideal geeignet wäre - aber überwiegend wird man vom Gegenteil überrascht. Dies gilt weniger für die Etüden (CD 19), die durch grotesk schnelle Tempi jeden Anflug von Poesie verlieren; bei den Sonaten (CD 16), Scherzi oder auch Walzern (CDs 13+14) sowie dem ersten Klavierkonzert (CD 18, mit seinem - tragisch zu früh verstorbenen - Sohn als Dirigent) ist jedoch eine große Affinität Cziffras zu dieser Musik offensichtlich und sein spontanes und einfallsreiches Spiel kann auch heute noch beeindrucken.

Schumann lag Cziffra ebenfalls, sein "Carnaval" (CD 24+25) oder die "Sinfonischen Etüden" (CD 25) können auch neben heutigen Aufnahmen noch gut bestehen. Neben einer für ihn typischen Auswahl an Stücken diverser Barock-Komponisten (Lully, Rameau, Scarlatti u.a.) oder den galvanisierenden Ungarischen Tänzen von Brahms in einer von ihm modifizierten zweihändigen Fassung findet man auch Ungewohntes und Unentdecktes: So etwa einige exzellente Bach/Busoni-Transkriptionen, Ravels Sonatine oder den "Prélude, Chorale et Fugue" von Franck (alles auf CD 28), die man so nicht mit Cziffra assoziieren würde.

Die Klanqualität ist, dem Alter der Aufnahmen entsprechend, recht unterschiedlich - jedoch auch bei den ältesten Aufnahmen lenkt nicht von der Musik selbst ab und ist vielfach hörbar besser als bisher vorliegende Fassungen derselben Stücke; das Remastering ist dezent und gekonnt umgesetzt.

Auch wenn nicht jede der 40 CDs maßstabsetzend ist, finden sich jedoch unvergeßliche Hörerlebnisse zuhauf und die vorliegende Box bietet bei einem konkurrenzlosen Preis einen fantastischen Einblick in die Welt eines oft zu Unrecht angefeindeten, großartigen Künstlers und Pianisten. Für jeden auch nur ansatzweise an Klaviermusik Interessierten eigentlich ein Muß.


Oeuvres pour Piano
Oeuvres pour Piano
Wird angeboten von FastMedia "Versenden von USA"
Preis: EUR 90,03

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exemplarischer Skrjabin, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Oeuvres pour Piano (Audio CD)
Der junge russische Pianist Alexaner Melnikov war bislang ausschließlich als Begleiter in kammermusikalischer Besetzung aufgetreten; lange Zeit war er sich gar nicht sicher, ob er überhaupt eine solistische Karriere anstreben sollte. Daß dies ein Verlust gewesen wäre, davon legt seine Debüt-CD mit Werken von Alexander Skrjabin beredtes Zeugnis ab. Nach einer kurzen Einführung mit dem Prélude op. 11 Nr. 4 entführt uns Melnikov auf grandiose Weise in die Klang- und Gefühlswelt des russischen Komponisten. Die zweite Klaviersonate, in der trotz des schon ausgeprägten eigenen Stils Skrjabins noch Einflüsse von Chopin hörbar sind, beginnt mit einem wunderbar atmosphärischen "Andante", in der Melnikov einen hochromantischen, jedoch immer transparenten Klangteppich webt und die über das gesamte Register der Klaviatur mäandernden Stimmen (man höre etwa ab ca. 6 min.) zu einem kohärenten Ganzen formt. Den furiosen zweite Satz (fast schon mehr als "Presto"!) geht er in einem geradezu schwindelerregenden Tempo an, verliert aber auch dabei den melodischen Faden nicht und setzt pianistische Mittel wie Dynamik und Agogik mit einer faszinierenden Stilsicherheit ein. Dadurch gewinnt dieser Satz eine Eindrücklichkeit, die sich aus der scheinbaren Leichtigkeit Melnikovs Anschlags in Verbund mit einem untrüglichen Gefühl für die Formung von Höhepunkten (z.B. 2.45 min.) ergibt und in mitreißenden Wogen über den Hörer hereinbricht. Dagegen wirken andere kürzlich veröffentlichte Einspielungen desselben Werkes zäh und langweilig (Yuja Wang, DG) (Sonatas & Etudes) oder weniger organisch im Spannungsaufbau (Evgeny Sudbin, BIS) (Klavierwerke).

Ähnliche Qualitäten prägen auch Melnikovs Interpretation der äußerst schwierigen Fantasie op. 28, in der er mit Emphase das heroische erste Thema vorstellt, bevor mit Sensibilität das zweite eingeführt wird. In der Folge werden diese beiden melodischen Stränge gekonnt gegeneinander gesetzt und mit der von Skrjabin bekannten komplexen Rhythmik und Harmonik variiert. Beeindruckend ist, wie Melnikov die vielfachen Klang-Eruptionen gestaltet (z.B. ab ca. 5 Min.) und trotz Ausnutzung des vollen dynamischen Spektrums des Konzertflügels nie ins Harsche abgleitet, und mit welcher Eleganz er feinste Klangziselierungen aus dem Instrument zaubert (etwa ab 7.25).

Zügige Tempi wie bei der zweiten Klaviersonate finden sich auch bei Melnikovs Interpretation der dritten Klaviersonate op. 23 wieder, gegen die sich die (gleichwohl auf hohem Niveau interpretierte) Einspielung Evgeny Kissins (RCA) (Russian Album) geradezu schwerfällig ausnimmt. Die spitzfingrige, mit stetem Vorwärtsdrang gespielte Diktion Melnikovs kommt diesem etwas rhapsodischen Werk entgegen; was jedoch nicht bedeutet, daß er sich im dritten Satz etwa nicht die Zeit ließe, die harmonischen Verästelungen bis ins Detail auszukosten. Melnikovs Spiel zeichnet sich hier und auch in den weiteren, der sich Harmonik schon entfremdenden Spätphase Skrjabins zugehörigen Stücken durch eine perfekte Austarierung einzelner Melodie-Linien und einem trotz hoher musikalischer Komplexität nahezu perfekten Gespür für den "roten Faden" - neben beeindruckendem technischen Rüstzeug und einem sensiblen Anschlag, was gerade bei Skrjabin immens wichtig ist.

Die Klangqualität der Aufnahme ist exzellent - warm intonierter Flügel, natürlich wirkende Mikrophon-Plazierung und guter räumlicher Eindruck. Ein tolles Solo-Debüt ist Melnikov hier gelungen - und noch dazu eine der faszinierendsten Skrjabin-CDs der letzten Jahre.


Klaviersonaten Op.27
Klaviersonaten Op.27
Wird angeboten von colibris-usa
Preis: EUR 30,59

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sensibilität, Spontaneität und Drive, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Klaviersonaten Op.27 (Audio CD)
Eine Einspielung mit Beethoven-Sonaten hat man von Nelson Freire nicht unbedingt erwartet, assoziiert man doch eigentlich vor allem Chopin und Schumann mit dem brasilianischen Ausnahmepianisten. Dabei übersieht man jedoch, daß Freires Repertoire äußerst weit gefächert ist und neben Bach, Skrjabin und Albeniz auch eine Vielzahl von Klaviersonaten von Mozart und Beethoven sowie sämtliche Klavierkonzerte des Letztgenannten umfaßt, die er auch regelmäßig in seine Konzertprogramme integriert. Nicht umsonst begann seine Karriere mit dem Gewinn eines Wettbewerbes im Alter von 12 Jahren - und dem fünften Klavierkonzert von Beethoven im Finale.

Bereits die ersten Takte der "Waldstein"-Sonate op. 53 geben Freires interpretatorische Marschrichtung für diesen Klassiker des Klavier-Repertoires vor: Mit jugendlichem Elan und äußerst flottem Tempo geht er den ersten Satz an - ein Stück schneller noch als Michael Korstick (ars musici) (Klaviersonaten 21 & 29 () und ähnlich einer mir bekannten Live-Einspielung Martha Argerichs. Bei allem Vorwärtsdrang verliert Freire jedoch nie die Kontrolle, sein Spiel bleibt stets transparent und ist auch in der Emphase nie aufdringlich. Der Folgesatz zeigt sein Talent für Nuancen auch im pianissimo-Bereich, die Steigerung bei etwa 1.00 im (tempomäßig eher zurückhaltenden) dritten Satz ist meisterhaft, ebenso wie die Balance zwischen den vielen Trillern und der Melodiestimme. Gerade sein feinfühlig dosierter Pedaleinsatz im Verein mit seiner fantastischen Aschlagskultur trägt zu einer in ihrem Spektrum der Klangfarben ungemein differenzierten Interpretation bei (man höre etwa ab 4.30 im 3. Satz das Zusammenspiel des linken und rechten Pedals). Dies ist zweifellos ein "romantischerer" Ansatz - meines Erachtens jedoch im positiven Sinne eines Mehr an Expressivität - als etwa derjenige von Korstick oder Pollini, bei einer solch meisterhaften Ausführung aber eine nicht minder interessante Alternative.

Dies gilt auch für die in der Folge interpretierten Sonaten "Les Adieux" op. 81a und "Mondschein" op. 27 Nr. 2, denen Freire in diesem Sinne seinen Stempel aufdrückt, ohne im Geringsten den Notentext zu überdehnen. Insbesondere im Falle der letztgenannten Sonate, deren erster Satz ja bis zum Abwinken von allen mehr oder weniger begabten Klavierschülern eingefordert wird, gelingt Freire das Kunststück, diesem so oft gespielten Stück durch mikroskopische Accelerandi und Ritardandi und den bereits erwähnten atmosphärischen Pedalgebrauch jeden Anflug des Kitschigen zu nehmen. Auch wenn er deren dramatischen Schlußsatz nicht mit dem gnadenlos virtuosen Zugriff von Evgeny Kissin (RCA) (Paganini Variationen) angeht, ist seine leichtfingrige, aber deutlich sensiblere Version vielleicht sogar effektiver.

Höhepunkt der CD ist jedoch - zumindest für mich persönlich - seine Interpretation der vorletzten Klaviersonate op. 110. Dort spielt Freire mit einer bewegenden Klangschönheit, die Simplizität und Feinfühligkeit in sich vereint. Ihm gelingt es mit einer traumwandlerischen Beherrschung des dynamischen Spektrums des Konzertflügels, die Sonate als ein organisches Ganzes wirken zu lassen - wie auch in anderen seiner Einspielungen hat man hier wiederum das Gefühl, man könne das Stück eigentlich nicht anders spielen. Insbesondere der dritte Satz (Adagio ma non troppo) ist von geradezu berückender Schönheit (man höre ab ca. 1.30) und vereint Noblesse mit ein wenig Resignation; man meint fast, Freire bewege den Flügel zum Singen.

Hinsichtlich der Tonqualität bin ich bei jeglichen Aufnahmen von Decca etwas gespaltener Ansicht - im Vergleich zu älteren Aufnahmen (etwa von Ashkenazy) gibt es durchaus Fortschritte, nach wie vor ist die Mikrofon-Platzierung jedoch suboptimal; eine Mischung aus "Kopf in den Flügel" und nachträglichem Hall zur Herstellung von Räumlichkeit. Das gelang bei den alten Teldec-Aufnahmen von Freire deutlich besser.

Interpretatorisch und musikalisch ist dies jedoch eine hervorragende Aufnahme, die den zahlreichen vorhandenen und in Entstehung begriffenen Sonaten-Zyklen eine ganz persönliche, individuelle Sichtweise gegenüberstellt. Mehr davon!


Konzert F.Soloklavier Op.39/+
Konzert F.Soloklavier Op.39/+
Preis: EUR 13,96

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mount Everest der Klavierliteratur - bravourös erklommen, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Konzert F.Soloklavier Op.39/+ (Audio CD)
Auch wenn Marc-André Hamelin ein sehr breitgefächertes Repertoire von Bach über Chopin, Brahms und zeitgenössischer Klaviermusik sein eigen nennt, assoziiert man seinen Namen insbesondere mit der Interpretation bislang unbekannter, meist hochkomplexer Klavierliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts. So hat er dem pianistisch interessierten Publikum in den vergangenen Jahren durch beispielhafte Einspielungen und konzertante Auftritte eine Reihe von bislang der Vergessenheit anheimgefallener Komponisten nahe gebracht - so etwa Godowsky, Medtner oder Kapustin. Ein besonderes Engagement legt Hamelin seit geraumer Zeit auch für Charles-Valentin Alkan an den Tag, ein Zeitgenosse und Freund von Liszt und Chopin und somit der romantischen Epoche zugehörend. Dessen Hauptwerke bestehen insbesondere in einer Reihe von Etüden in allen Dur- und Moll-Tonarten, wobei die Bezeichnung "Etüden" jedoch nicht den Kern der Sache trifft: Es handelt sich - noch weitaus mehr als etwa bei den "Etudes d'exécution transcendante" von Liszt - um Stücke von teils immenser Länge und konzertantem Anspruch. Ihre oft horrenden Anforderungen an die technischen Qualitäten des Interpreten standen einer häufigen Aufführung und weiten Verbreitung ebenso im Wege wie die - für die damalige Zeit - recht sperrige Harmonik, deren Komplexität ebenso wie die Länge der Stücke die damaligen Rezipienten offensichtlich überforderte. Auch heute sind die Stücke höchst selten zu hören, und nur sehr wenige Pianisten wagen eine Aufführung im Konzert. Hamelin führt seit mittlerweile über 20 Jahren drei von Alkans Hauptwerken im Repertoire und hat diese auch bereits eingespielt: die "Grande Sonate", die sogenannte "Sinfonie für Solo-Klavier" und das hier vorliegende "Konzert für Solo-Klavier". Die beiden letztgenannten Werken sind in die Etüdensammlung op. 39 integriert und sind zwischen 30 und knapp 50 Minuten lang, wobei insbesondere das Konzert alle bekannten Maßstäbe sprengt: Allein der erste Satz ist knapp 30 Minuten lang - Hamelin hat das gesamte Konzert regelmäßig als zweite Hälfte eines Konzertprogrammes aufgeführt (!).

Das Stück an sich entspringt offensichtlich der romantischen Tradition, und es lassen sich Elemente von Chopin (in der Melodieführung) und Liszt (im Einsatz technischer Mittel) finden. Alkan jedoch hat erkennbar einen ganz eigenen Stil, insbesondere seine oft changierende Harmonik weist mehr in die Zukunft als die Musik seiner Zeitgenossen. Frappierend insbesondere der Übergang von äußerst simplen Abschnitten (ähnlich eines "Lied ohne Worte" von Mendelssohn), der dann mit gekonnter Wucht in eine Explosion unglaublicher Virtuosität mit massiven Akkordballungen und rasenden Läufen in beiden Händen oder fantastisch eingesetzten Tonrepetitionen (etwa bei ca. 24 Minuten im 1. Satz) mündet. Alkan denkt hier offensichtlich orchestral - man höre etwa den Gegensatz von Bass und Diskant bei 26:30 im ersten Satz, der in ein Quasi-Tutti eines imaginären Orchesters mündet. Diese Charakteristika finden sich auch in den folgenden zwei Sätzen wieder, in denen sich atemberaubend schöne Melodien (wie etwa das Thema des zweiten Satzes) und ein Tarantella-gleicher Kehraus im dritten Satz nahtlos die Hand reichen.

Dies alles wirkt aber nur dann, wenn die immensen manuellen und agogischen Herausforderungen nicht von der Musik ablenken und die Anstrengungen des Pianisten zum interpretatorischen Selbstzweck verkommen. Hamelin ist wohl der einzige seiner Zunft, der die das gesamte Spektrum der pianistischen Technik abdeckenden Hürden mit einer derartigen Nonchalance und Souveränität bewältigen kann und dabei gleichzeitig noch den musikalischen roten Faden im Auge behält. Dieser pianistische Hochstand ermöglicht ihm, auch solche absurden Schwierigkeiten wie das Finale des dritten Satzes nicht nur zu überleben, sondern auch zu formen und zu interpretieren. Ein eindrucksvolleres Feuerwerk intelligenter Virtuosität vermag man sich nicht vorzustellen - mehr noch, wenn man sich die Noten danebenlegt und mitlesend nachvollziehen zu versucht, was Hamelin mit zwei Händen und zehn Fingern dort anstellt. Selbst die durchaus überzeugende Einspielung Jack Gibbons' (ASV) (12 Etudes Op. 39 [UK-Import]) läßt Hamelin weit hinter sich, ganz zu schweigen von der Aufnahme einer offensichtlich überforderten Stephanie McCallum (ABC) (Zwölf Etüden in Moll,Op.39). Eine Live-Darbietung dieses Stückes stellte für den Autor dieser Zeilen ein prägendes Ereignis dar und ist rational eigentlich nicht erklärbar.

Hamelin hat dieses Stück vor etwa 20 Jahren für das von Joe Patrych geleitete Label "Music&Arts" schon einmal aufgenommen (Concerto pour Piano Seul); das Ergebnis war aufgrund des verwendeten Instrumentes (Yamaha) und der unbefriedigenden Tontechnik mit einer Neigung zum Übersteuern bei lauteren Abschnitten jedoch nicht gänzlich überzeugend. Dies ist bei der Neueinspielung vollkommen anders - Hyperion hat mit einem exzellent intonierten Flügel und beispielhafter Aufnahmetechnik hervorragende Arbeit geleistet.

Die dem Konzert beigefügten Stücke ("Troisième Receuil des Chants") mit teils bezeichnenden Titeln ("Esprits follets") sind wesentlich leichtere Kost, insbesondere die abschließende Barcarolle geht jedoch ins Ohr mit ihrer etwas fremdartig wirkenden Harmonik, die auch von Debussy stammen könnte.

Eine insgesamt vorbehaltlos zu empfehlende CD, die für jeden Klavier-Fan eigentlich ein Muß darstellt - erst recht für solche, die neugierig auf romantische Kost abseits der ausgetretenen Pfade sind.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2015 9:30 AM MEST


Klavierkonzert 1,2
Klavierkonzert 1,2
Preis: EUR 14,97

36 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Referenz, 27. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzert 1,2 (Audio CD)
Die Klavierkonzerte von Johannes Brahms nehmen in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung ein: Sie sind erheblich länger als nahezu alle Werke dieses Genres, stellen dem Interpreten eine schier unerschöpfliche Vielzahl manueller Herausforderungen und erfordern dennoch des öfteren eine Integration des Pianisten in das Spiel des Orchesters, die diesen weniger als Solisten als vielmehr als gleichberechtigten Partner kennzeichnen. Auch wenn die anfangs zeitweise benutzte abfällige Bezeichnung "Sinfonie mit obligatem Klavier" eine Fehleinschätzung ist - der Pianist erhält in beiden Konzerten genug Gelegenheit, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen -, verlangen diese Werke zweifellos ein hervorragendes Orchester, um ihre ganze Strahlkraft zu entfalten.

Dies ist auch das erste, was bei der vorliegenden Aufnahme von Nelson Freire mit dem Gewandhausorchester unter seinem neuen Chef Riccardo Chailly auffällt: Das Leipziger Ensemble ist in erstklassiger Verfassung. Differenziertes, hochpräzises Spiel, dabei ein wuchtiger aber dennoch schlanker Ton und ein aufmerksamer Dirigent. Chailly kommt dabei sicherlich zugute, dass er mit dem brasilianischen Pianisten seit langer Zeit gut befreundet ist und beide diese Werke schon oft zusammen aufgeführt haben. Dies zeigt sich deutlich in ihrem homogenen, wie aus einem Guß wirkenden Zusammenspiel - wie das Cover-Foto es nahelegt, haben sie sich ihre Konzeption dieser Konzerte gemeinsam erarbeitet. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß es sich bei den Aufnahmen und Live-Mitschnitte handelt, welche - nach Aussage des Pianisten - nahezu ausschließlich in langen Abschnitten (ein Satz pro Take) aufgezeichnet wurden. Das Resultat hiervon ist beeindruckend. Das d-moll-Konzert gehen Orchester und Pianist mit zügigen Tempi an, die an das Duo Fleisher/Szell (Sony) erinnern und dem Jugendstil Brahms' hervorragend gerecht werden. Dabei geht nichts an Dramatik verloren; gerade die Ecksätze sind Paradebeispiele für eine gelungene Mischung aus Dynamik, Virtuosität und Ausdrucksstärke. Freire stellt seine nahezu grenzenlosen technischen Möglichkeiten auf unnachahmliche Art und Weise in den Dienst der Musik und zieht den Hörer durch sein flexibles, klangschönes und dennoch kraftvolles Spiel in den Bann (man höre etwa die hochdiffizile Passage ab 8:00 im 1. Satz, die Oktaven ab 10:08 oder den Schluß ab 19:24). Auch der Mittelsatz wird nicht unnötig in die Länge gezogen und verliert dabei dennoch nichts von seiner Expressivität.

Das zweite Klavierkonzert gilt zu Recht als eines der schwersten der Klavierliteratur überhaupt und verlangt dem Pianisten schon zu Beginn mit Akkordkaskaden und riesigen Sprüngen alles ab. Hier zeigt sich sofort, wer diesen Anforderungen gewachsen ist oder ihnen durch Tempoverschleppung ausweicht. Freire gehört ohne jeden Zweifel zur ersten Kategorie. Auch wenn man weiß, daß dieses Stück seit langem zu seinem Kernrepertoire gehört, sind die ersten beiden Sätze aus rein pianistischer Perspektive dennoch ein beeindruckendes Hörerlebnis. Die Eleganz und Souveränität, mit der er jegliche manuelle Hürde meistert, ist auch in heutiger Zeit außergewöhnlich. Man höre nur etwa die absurd schwierige Stelle ab 7:42 (1. Satz) oder die gefürchteten pianissimo-Oktaven ab 4:52 (2. Satz). Das Faszinierende daran ist jedoch, daß all dies nicht nur bewältigt, sondern auch aktiv gestaltet wird und sich die Virtuosität mit Sensibilität und Musikalität paart. Alles wirkt organisch, das Stück wird auf natürliche Art und Weise aus sich selbst entwickelt. Zweifellos ist das oft spontan und frisch wirkende Spiel zu einem Teil auch der Live-Atmosphäre geschuldet.

Die Kombination aus erstklassigem Orchester und überragendem Pianisten übertrifft meiner Ansicht nach auch bisherige Referenzen wir Gilels/Jochum (DG) oder Fleisher/Szell. Hinzu kommt die exzellente Klangqualität mit einer gelungenen Integration des Klaviers in das Klangbild des Orchesters sowie der verhältnismäßig moderate Preis. Ein Muß nicht nur für Klavier-Fans!


Klaviersonaten 3 & 8/+
Klaviersonaten 3 & 8/+
Preis: EUR 19,62

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klangschön, sensibel und virtuos, 27. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Klaviersonaten 3 & 8/+ (Audio CD)
Der bei mehreren Wettbewerben ausgezeichnete deutsche Jungpianist Severin von Eckardstein (u.a. Sieger des belgischen Königin Elisabeth-Wettbewerbs 2003) gehört zu den vielversprechendsten Pianisten seiner Generation, ist jedoch im von musikalisch fragwürdigen chinesischen "Stars" dominierten Konzert- und Medienbetrieb noch nicht so bekannt, wie er es sein sollte. Ob dies seinem zurückhaltenden Wesen oder der Tatsache geschuldet ist, daß er bei einem kleineren Label unter Vertrag steht, sei dahingestellt - jedenfalls legt seine neueste Einspielung ein weiteres beredtes Zeugnis seiner pianistischen Qualitäten ab.
Von Eckardstein hegt - wie etwa auch Marc-André Hamelin - eine besondere Vorliebe für das virtuose Klavierrepertoire des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und setzt öfters Komponisten wie Rachmaninov, Medtner, Alkan, Prokofiev, Godowsky oder Skrjabin auf das Programm seiner Konzerte. Die hier vorliegende (offiziell zweite) Aufnahme des Deutschen ist komplett Skrjabin gewidmet und gibt mit ihren drei Werken einen Überblick über die verschiedenen Stile des russischen Komponisten. Die Préludes op. 11, mit denen von Eckardstein beginnt, zeugen von der großen Bewunderung, die Skrjabin für Chopin hegte und sind noch deutlich der Spätromantik verhaftet. Eine Eigenschaft des Pianisten, die ihn für Skrjabin prädestiniert, ist sein offensichtliches Gespür für Klangfarben und subtile Pedalisierung. Dies führt zu einer detailreichen und klangschönen Charakterisierung der einzelnen Préludes, was sowohl für die langsameren als auch für die extrovertierteren Stücke gilt. Von Eckardstein gelingt es fabelhaft, mit einer gekonnten Mischung aus dezent eingesetztem Rubato, kantabler Stimmführung und kraftvollem Zugriff (man höre etwa Préludes Nr. 20 und 24) das manchmal melancholisch-feinsinnige, dann wieder leidenschaftlich aufbrausende Skrjabin-Idiom zu treffen. Auch Pletnev (Virgin) (Klavierwerke) oder Gavrilov (EMI) (Klaviermusik) konnten das nicht besser, von Eckardstein wirkt sogar manches Mal mitreißender.
Die 8. Klaviersonate ist nun eines der Spätwerke des Russen, in welchem er sich schon weit von der Tonalität entfernt und einem klanglichen Mystizismus huldigte, der auch seine beiden letzten Sonaten auszeichnet. Das Werk ist relativ kurz und sowohl rhythmisch als auch manuell von äußerster Schwierigkeit. Die Interpretation von Eckardsteins (welche auch eines der Bausteine seines Brüsseler Wettbewerbsieges war) wird dem manchmal rhapsodisch wirkenden Werk vollkommen gerecht und muß sich hinter so ausgezeichneten Einspielungen wie der von Hamelin (Hyperion) (Die Klaviersonaten) oder Ashkenazy (Decca) (Klaviersonaten (Ga)) nicht verstecken.
Dies gilt ebenso für die abschließende dritte Klaviersonate, welche relativ häufig gespielt wird und ein schwieriges, aber pianistisch dankbares Stück ist. Den deklamatorischen Beginn geht von Eckardstein energiegeladen an, ohne so harsch wie etwa Kissin (RCA) (Russian Album) zu spielen; im weiteren Verlauf vermag er die flirrend von linker zu rechter Hand changierenden Melodielinien famos entwirren und mit einem untrüglichen Gespür für Spannungsverläufe in Szene setzen. Dabei haftet sein Spiel trotz aller offensichtlich vorhandenen manuellen Möglichkeiten nie etwas Vordergründiges an, alle agogischen und dynamischen Mittel werden wohldosiert eingesetzt. Das weichere Klangbild und ein etwas größerer Pedaleinsatz hat weniger Brillanz und Transparenz als etwa bei dem vorzüglichen Glemser (Naxos) (Klaviersonaten Vol. 2) zur Folge und nähert sich insoweit Hamelin (Hyperion) an. Gegenüber von Eckardstein wirkt Ashkenazy (Decca) weniger flexibel, Ogdon (EMI) weit weniger klangschön und nuanciert und die kürzlich erschienene Einspielung von Anna Gourari (Decca) (Désir) insbesondere im letzten Satz zu schwerfällig.
Der warm intonierte und in einer angenehmen Umgebung aufgezeichnete Flügel bereichert das Klangerlebnis zusätzlich und trägt zu einer uneingeschränkten Empfehlung für diese Aufnahme bei.


Etudes
Etudes
Preis: EUR 17,49

25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pianistik auf höchstem Niveau, 12. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Etudes (Audio CD)
Der russische Pianist Boris Berezovsky legte im Anschluss an den Gewinn des renommierten Tschaikowsky-Wettbewerbs eine steile Karriere hin und produzierte für Teldec eine Reihe von teils hochkarätigen Aufnahmen. Nachdem es in den letzten Jahren um ihn etwas ruhiger geworden war, legt er nun in kurzer Zeit eine Vielzahl von Aufnahmen für verschiedene Firmen vor - Beethoven (Simax), Rachmaninov (Mirare) und Tschaikowsky (Naïve) beispielsweise. Auch wenn Berezovsky über ein äußerst breit gefächtertes Repertoire von Bach bis Hindemith verfügt, ist eine Vorliebe für (spät)romantische Werke von hoher Virtuosität unübersehbar - Liszt, Skrjabin, Schumann oder Medtner etwa setzt er regelmäßig auf das Programm seiner Klavierabende. Erwähnenswert im Hinblick auf die vorliegende Aufnahme ist in diesem Zusammenhang, dass er vor über 10 Jahren eine Aufnahme der Etüden Frédéric Chopins einspielte (Teldec/Apex). Zu diesen kehrt er nun ausschnittsweise zurück und koppelt einige von ihnen mit den Bearbeitungen, die der im heutigen Litauen geborene Komponist und Pianist Leopold Godowsky anfertigte.
Da schon die Original-Etüden Chopins von höchster Schwierigkeit sind, gelten die Studien Godowskys gemeinhin als praktisch unspielbar. In der Tat versieht Godowsky das Ausgangsmaterial mit zusätzlichen technischen Herausforderungen oder überträgt gar eine Vielzahl von Etüden vollständig auf die linke Hand. Als Folge hiervon gibt es weltweit nur eine Handvoll Pianisten, die diese Werke überhaupt aufführen oder aufzeichnen - neben Berezovsky sind dies u.a. Francesco Libetta (VAI), Marc-André Hamelin (Hyperion) oder Joyce Hatto (Concert Artist). Dabei ist die Idee Berezovskys, die Originale Chopins mit den Bearbeitungen Godowskys alternieren zu lassen, äußerst reizvoll: Auf diese Weise kann man die Arbeitsweise des Bearbeiters unmittelbar nachvollziehen - sei es das Hinzukomponieren gegenläufiger Skalen (op. 10 Nr. 1), Transposition (op. 10 Nr. 5) oder gar das Kombinieren zweier Etüden (op. 10 Nr. 5 / op. 25 Nr. 9). Die Originale Chopins geht Berezovsky bei dieser Live-Aufnahme vom April 2005 mit viel Elan und äußerst schnellen Tempi an (man höre etwa op. 10 Nr. 1 und Nr. 4), und im Vergleich mit seiner früheren Aufnahme wirkt dabei vieles durchdachter und gleichzeitig engagierter. Auch einem fabelhaften Techniker wie Berezovsky merkt man jedoch insbesondere in den Bearbeitungen für die linke Hand an, dass er an seine spieltechnischen Grenzen gehen muß - Marc-André Hamelin wirkt da manchmal noch ein wenig souveräner. Dennoch vermag Berezovsky die vor komplexer Polyphonie strotzenden Werke transparent zu entflechten und verfügt über einen angenehm vollen, runden und eleganten Ton, der auch in fortissimo-Attacken nicht harsch oder metallisch wird. Insgesamt ist die Aufnahme eine beeindruckende und musikalisch überzeugend dargebotene Darstellung von Pianistik auf höchstem Niveau; es zeigt sich dabei meiner Ansicht nach auch, dass Godowskys Bearbeitungen vielleicht nicht mit den Originalen auf eine Stufe zu stellen sind, aber dennoch in ihren harmonischen und rhythmischen Wendungen äußerst interessante Ergänzungen darstellen. Zwei charmante Walzer-Zugaben - "Alt-Wien" aus dem Triakontameron und Godowskys Version von Chopins Minutenwalzer - beschließen diese etwas kurze (55 Minuten), aber nicht nur für Klavierliebhaber äußerst empfehlenswerte Einspielung, die durch die exzellente Tonqualität abgerundet wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 14, 2013 5:03 PM CET


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