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Rezensionen verfasst von
Turmvilla

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Putins russische Welt: Wie der Kreml Europa spaltet
Putins russische Welt: Wie der Kreml Europa spaltet
von Manfred Quiring
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Armes Russland, 15. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch der US-amerikanischen Politologin Karen Dawisha über Putins Kleptokratie hat keine Chance ins Deutsche übersetzt zu werden, weil die Verlage Angst vor Putins Anwaltskanzleien haben.
Nun hat der Moskau-Korrepondent der (Ost-)Berliner Zeitung und später der Welt, Manfred Quiring, beschrieben, wie in Russland Geheimdienstleute (früher KGB, jetzt FSB), Oligarchen und Mafia-Clans die zarten marktwirtschaftlichen und demokratischen Ansätze der frühen 90er Jahre erst zu ihren Gunsten ausgenutzt und inzwischen beseitigt zu haben.
Das Volk wird mit nationalistischem Getöse zugedröhnt: Siegesfeiern über die Deutschen, Propaganda vom bedrohten, aber überlegenen Russland, Lobpreisung Stalins.
Der Westen gilt als dekadent und russlandfeindlich. Aber die Milliardäre um Putin bringen ihr Geld und ihren Immobilienbesitz gerne auf den Cayman-Inseln und bei panamaischen Banken unter, lassen ihre Kinder an der US-Ostküste studieren und fahren deutsche Edelautos.
Der langjährige Russlandkenner Quiring zitiert immer wieder russische Quellen und kennt manche Drahtzieher persönlich.
Er greift auch die deutsche Debatte über die angebliche Ost-Erweiterung der NATO auf und geht Satz für Satz durch, warum das eine unsägliche Geschichtsklitterung ist.
Ein Gewinn ist, dass Quiring es versteht, Skandale, Morde, unfassbare Geldgeschäfte, Aufstieg und Fall einzelner Personen in den Gesamtzusammenhang der Transformation Russlands von einem hoffnungsvollen Partner des Westens zu einem Failed State a la Somalia und Venezuela zu stellen.
Das Buch ist eine Dokumentation, kein Kriminalroman. Aber man liest es mit offenem Mund.


Europa gegen die Juden: 1880 - 1945
Europa gegen die Juden: 1880 - 1945
von Götz Aly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Soziale Ursachen des Holocaust, 24. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Götz Aly schildert akribisch, wie der wachsende Nationalismus in europäischen, vor allem ost- und mittelosteuropäischen Staaten dazu führte, Juden auszugrenzen und zu entrechten.
Im Russischen Reich waren Pogrome an der Tagesordnung. Mit der Wiedergeburt der polnischen Republik nach dem Ersten Weltkrieg ging eine Welle antisemitischer Pogrome und Plünderungen einher, etwa das Massaker bei der Eroberung des ukrainischen Lemberg durch polnische Soldaten im November 1918. Aussiedlungen, Umsiedlungen, Bevölkerungsaustausch wurden zu legitimen Mitteln der Politik der Nationalstaaten. „Völkische Flurbereinigung“ wird Hitler das ein Jahrzehnt später nennen.
Die Juden fielen durch alle Raster, sie waren keine nationale Minderheit, sie waren nicht territorial zu verorten, sie hatten kein Vaterland.

Die Nationalsozialisten handelten oft im Einklang mit den Nachbarn handelten, wenn es gegen die Juden ging, oder lernten sogar von ihnen. Das Verbot, zu studieren oder Beamter zu werden, gab es anderswo Jahre früher. Goebbels lobte die Rumänen, die mit dem Massenmord an Juden früher begonnen hatten. Beim Massaker im polnischen Jedwabne 1941 wurden 1.600 Juden getötet. Die Deutschen beschränkten sich aufs Zuschauen.
Mit Ausnahme Belgiens und Dänemarks kooperierten Polizei und Verwaltung in allen von den Deutschen besetzten Ländern bei der Deportation der Juden in Vernichtungslager bereitwillig.
De Gaulle wurde von Widerstandskämpfern bedrängt, nicht die Repatriierung französischer Juden zuzulassen.

Götz Aly will damit nicht die nationalsozialistischen Verbrechen bagatellisieren. Er wiederholt seine auch in früheren Büchern vertretene These, dass der Holocaust als eine fatale Folge des Wegfalls der Diskriminierung der Juden in der Neuzeit gesehen werden kann, als dunkle Seite der Judenemanzipation. Mit der rechtlichen Gleichstellung wurde ihr sozialer Aufstieg ermöglicht: Die Bildungserfolge, der wirtschaftliche Erfolg jüdischer Unternehmer, ihr überproportionaler Anteil in akademischen Berufen: Universitätslehrer, Juristen, Ärzte. Das schürte den Antisemitismus in Europa.


Zurück in die Steinzeit: Die anti-industrielle Revolution
Zurück in die Steinzeit: Die anti-industrielle Revolution
von Ayn Rand
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prophetisch, 24. Mai 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ayn Rand war russische Jüdin, die in den USA eine mäßig erfolgreiche Schriftstellerin wurde. Ihre Bekanntschaft mit dem Sowjetkommunismus führte sie zu einer Apotheose des Kapitalismus und der Freiheit des Individuums. Es gibt Kritiker, die überzeugt sind, dass sie mit ihren Romanen und wirtschaftspolitischen Schriften die Urheber des zügellosen Turbokapitalismus der US-amerikanischen Finanzwelt beeinflusst hat.
Mich faszinierte die Lektüre ihrer wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Aufsätze, die in diesem Buch versammelt sind. Sie lesen sich wie ein Kommentar zur aktuellen deutschen Gesellschaftspolitik.
Ihre fast 50 Jahre alten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten. Multikulturalismus werde Individualität und Wertmaßstäbe abschaffen und Integration verhindern, Umweltschutz habe das Tierwohl im Auge, auch auf Kosten der Menschen. Deindustrialisierung verhindere technischen und wissenschaftlichen Fortschritt.
Die nicht bekämpften Absurditäten von heute, schrieb sie, sind die akzeptierten Parolen von morgen. Wem fiele dazu nicht die gendergerechte Sprache oder der Unterricht zur sexuellen Vielfalt im 6. Schuljahr ein?
Wer Goethes Faust gut findet, diskriminiere durch diese Wertung einen javanischen Regentanz, sagen Multikulturalisten.
Wer Tierrechte im Grundgesetz verankern will, sorgt letztlich auch für die Rechte der Tsetsefliege und das Lebensrecht von Pockenviren.

Es mag manches übertrieben klingen, aber Ayn Rand denkt konsequent zu Ende. Ein faszinierendes, prophetisches Buch.


Geteilte Ansichten: Jugendliche stellen Fragen zur Deutschen Einheit
Geteilte Ansichten: Jugendliche stellen Fragen zur Deutschen Einheit
von Julia Balogh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Mehr über die DDR erfahren, 4. September 2016
Durch 17 Interviews mit Menschen, die zwanzig Jahre vor oder zwanzig Jahre nach dem Bau der Mauer geboren sind, in Westdeutschland oder in der DDR oder in beiden Staaten gelebt haben, wird dieser untergegangene Staat anschaulicher als durch Organigramme zum Regierungssystem oder zur Planwirtschaft. Der Buchtitel macht es schon deutlich: Es gibt zur DDR (und zur Bundesrepublik Deutschland) unterschiedliche Wahrnehmungen.
In einigen Interviews kommt die stereotype Lobpreisung der kostenlosen Gesundheitsfürsorge in der DDR oder des „Nett-zueinander-seins“ vor. Das sollte man nicht für bare Münze nehmen, sondern problematisieren können. Es gibt genügend DDR-Bürger, die darin eher einen Nachwende-Mythos sehen als die ostdeutsche Realität.
Das schmälert den Wert des Buches in keiner Weise. Durch die unterschiedlichen, ja widersprüchlichen Erlebnisse und Meinungen kann das Interesse geweckt werden, intensiver in das Thema einzusteigen.
Zu den Interviewpartnern gehören u. a. Katja Lange-Müller, Hanna Schygulla, Klaus Kordon, Marianne Birthler, Ines Geipel, Claudia Rusch und Sten Nadolny und Rainer Eppelmann.
Fachausdrücke und Namen werden auf Pinnwand ähnlichen Seiten mit Karten, Fotos, Zeichnungen und kurzen, einfachen lexikalischen Einträgen erklärt. Also gerade richtig Teenager. Aber auch lohnend für Erwachsene.
Man trifft auf solche Passagen: Klaus Kordon erklärt, was ein Unrechtsstaat ist: „Ein Staat, in dem man keinen Rechtsanwalt zu sehen bekommt, bevor man nicht alles gestanden hat, das ist schon mal ein Unrechtsstaat.“
Katja Lange-Müller antwortet auf die Fragen: „Gibt es Dinge an der DDR, die Sie heute vermissen? Gibt es etwas, an das Sie sich gerne zurückerinnern?“ „Ich vermisse sozusagen meine eigene Jugend. Aber die hätte auch woanders sein können. Ich wäre gerne wieder 20, aber das nicht unbedingt in der DDR…“
Die Autorin Claudia Rusch: „Wir lebten ja einen ganz normalen Alltag wie jeder andere auch. Das sagt aber nichts über die DDR aus. Je mehr man sich mit ihr beschäftigt, desto schlimmer wird es eigentlich.“


Verführung, Kontrolle, Verrat: Das MfS und die Familie. Zeitzeugen berichten (Schriftenreihe der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur)
Verführung, Kontrolle, Verrat: Das MfS und die Familie. Zeitzeugen berichten (Schriftenreihe der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur)
von Martin Ahrends
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,00

5.0 von 5 Sternen Wie die Stasi Familien zerstörte, 29. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Stasi hat Familien, Ehe- und Liebespaare beschädigt, Sie hat die Beziehungen zwischen Geschwistern und Verwandten belastet. Die hier erzählten Geschichten eröffnen eine andere Dimension der DDR-Aufarbeitung. Lenkt schon die Verkürzung auf das Ministerium für Staatssicherheit als Hauptschuldigen von einer angemessenen DDR-Aufarbeitung ab, so ist auch die Konzentration auf die IMs, die inoffiziellen Mitarbeiter zu oberflächlich.

Die soziale Vergiftung der Menschen durch die Stasi wird erst in diesen Geschichten erkennbar. Täter und Opfer lassen sich nicht mehr so einfach auseinanderhalten. Auch Täter waren Opfer. Die Mitarbeit war ein Teil des Lebens und des Alltags, die Ungeheuerlichkeit stellt sich erst im Nachhinein heraus, man redet sich das schlechte Gewissen aus.

Es stellt sich gar nicht so sehr die Frage, wer schuldig ist. Vielmehr ist zu erkennen, wie eine Ideologie Menschen zerstört.

Manchmal denkt man bei der Lektüre an einen gut erfundenen Roman, aber wieder einmal ist es das Leben, das die unwahrscheinlichsten Geschichten liefert.


Disobeying Hitler: German Resistance in the Last Year of WWII (English Edition)
Disobeying Hitler: German Resistance in the Last Year of WWII (English Edition)
Preis: EUR 9,02

5.0 von 5 Sternen Deutsche Widerständler im letzten Kriegsjahr: War da was?, 29. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im Klappentext heißt es, es gehe um den wenig bekannten Widerstand Deutscher nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat. War da was?

Randall Hansen beginnt mit der nahezu gewaltlosen Übergabe von Paris an die Alliierten. Das ist noch allgemein bekannt. Er erzählt, akribisch recherchiert, was die handelnden Personen taten und was ihre Motive waren. Das Geschehen war, wie das meist ist, komplexer, als es dann im Geschichtslexikon steht. Der “Held”, Wehrmachtsgeneral Dietrich von Choltitz, war kein wirklicher Widerstandskämpfer, ihm war klar, dass er wegen mangelnder Ressourcen Paris nicht hätte halten können. Er meldet aber nach oben, was er alles unternähme, um, Hitlers Wunsch folgend, den Untergang von Paris vorzubereiten. Er wimmelt militärische Unterstützung ab, die ihm zugesagt wird, schickt allenfalls einen Panzer und eine Kompanie zum Rathaus, das die Kommunisten besetzt haben, die einzelne Soldaten in den Straßen massakrieren und den längst begonnenen Rückzug der Deutschen behindern.

So erfährt man eher nebenbei, dass der kommunistische Aufstand gegen die deutschen Besatzer höchst überflüssig war und unnötige Opfer forderte. Bisweilen retteten Pariser einen deutschen Soldaten vor der brutalen Ermordung durch Résistance-Leute. Der Mythos der Befreiung von Paris durch kommunistische Aufständische war ein Propagandacoup gegen de Gaulle und seine Leute, die ebenfalls als erste in Paris sein wollten und letzten Endes organisatorisch und politisch geschickter waren als die Kommunisten. (Aber auch de Gaulles Beharren darauf, dass er an der Spitze der alliierten Armeen in Paris einmarschiert, hielt den Vormarsch auf Deutschland unnötigerweise auf. Paris zu besetzen war symbolisch für de Gaulle wichtig, militärstrategisch war es höchst überflüssig und verzögerte das Kriegsende.

Dann aber geht es um den Widerstand meist namenlos gebliebener Deutscher, die ihre Städte den Amerikanern übergaben und verhinderten, dass die sie vor dem Einmarsch in Schutt und Asche legten oder fanatische Nationalsozialisten dem “Nero-Befehl” Hitlers folgten und die gesamte Infrastruktur in die Luft jagten, Bahnlinien, Brücken, Fabriken, Elektrizitäts- und Wasserwerke.

So las ich, dass es nahezu in allen Städten, die die US-Armee belagerte (ebenso gegenüber britischen und französischen Truppen), nachdem sie ab März 1944 Reichsgebiet betreten hatte, mutige Menschen gab: In Heidelberg paddelten drei 16jährige Mädchen über den Neckar zur US-Truppe, in Freiburg (französische Truppen) war es eine Frau, die den Stadtkommandanten dazu brachte, zu kapitulieren. U. a. auch in Köln, in Düsseldorf, in Augsburg, in Erfurt, Jena, Weimar, Leipzig gab es Widerstand gegen die sinnlose Zerstörung und den Kampf bis zum letzten Blutstropfen. Manche einfachen Bürger wuchsen dabei über sich hinaus. Oft aber ging es auch schief, mancher wurde von der SS liquidiert. Man darf nicht vegessen: die alte Ordnung löste sich auf, Soldaten verließen ihre Einheiten. Die SS erschoss sie oder hängte sie sichtbar auf. Etwa in der Hälfte der Städte gelang die kampflose Übergabe.

Hansen merkt an, dass das, was er beschreibt, nur gegenüber den West-Alliierten stattfand, aber nicht dort, wo die sowjetische Armee stand (Ausnahme: Greifswald). Dort flohen die Bürger. Es musste ihnen wohl klar sein, dass angesichts des brutalen Vernichtungskrieges der Deutschen in der UdSSR nicht mit Verhandlungsbereitschaft zu rechnen war, sondern mit Vergeltung.

Das Buch wurde bei angelsächsischen Kritikern ambivalent aufgenommen. Man staunt über die Zivilcourage Deutscher in den letzten Monaten des Krieges, von der bisher wenig bekannt war. Und dass es mehr gab als den Offizierswiderstand und die Weiße Rose. Anderen ist das schon ein wenig zu viel Gutes über die Deutschen.


Thüringens Weg in die Soziale Marktwirtschaft: Privatisierung, Sanierung, Aufbau. Eine Bilanz nach 25 Jahren
Thüringens Weg in die Soziale Marktwirtschaft: Privatisierung, Sanierung, Aufbau. Eine Bilanz nach 25 Jahren
von Franz Schuster
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Thüringens Wirtschaft in der Wendezeit, 29. November 2015
Franz Schuster war in Thüringen in den 90er Jahren Jahren zuerst Innen-, dann Wirtschaftsminister. Er beschreibt, wie in Thüringen nach fast 60 Jahren NS- und SED-Wirtschaft das Land in die Marktwirtschaft transformiert wurde. Es entstanden in Jena und Eisenach Industriecluster (Chemie, Automobilbau), die mit Milliarden Anschubfinanzierung zu Erfolgsgeschichten wurden.
Wie desolat die Ausgangslage war, hatte man sich in Westdeutschland nicht vorgestellt. Die noch von der letzten DDR-Regierung geschaffene Treuhandanstalt sieht er als notwendig an.

Er beobachtet im Osten eine stärkere emotionale Bindung zum Betrieb als im Westen. Für Schlagzeilen sorgten insbesondere die Proteste bei der Schließung des Kaliwerks Bischofferode. Das gesamte thüringische Kalikombinat wurde in selbstständige Aktiengesellschaften aufgelöst, teilweise wurden Werke als Deponie weitergeführt. Die Schließung des Werks in Bischofferode war nach seiner Meinung betriebswirtschaftlich unumgänglich.

Ein unbequemes Buch, da es nicht die weit verbreiteten Klischees vom Ausverkauf der DDR an den Westen und von der Treuhand als der Verantwortlichen für den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft bedient.


Wilde Schwäne: Die Frauen meiner Familie
Wilde Schwäne: Die Frauen meiner Familie
Preis: EUR 10,99

5.0 von 5 Sternen Maos China von innen, 30. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wilde Schwäne von Yung Chang ist ein biographischer Bericht über drei Frauen, Großmutter, Mutter und die Autorin selbst als Teenager und Studentin. Ihr Leben, ihr Leiden im China des 20. Jahrhunderts werden erzählt.
Die Großmutter musste Konkubine eines Kuomintang-Generals werden, die Mutter und der Vater sind tiefgläubige Kommunisten, die Tochter durchleidet die kulturrevolutionäre Umerziehung auf dem Land, die krankmachende Arbeit auf Reisfeldern. Sie erlebt mit, wie die jungen Rotgardisten ihre Lehrer/-innen demütigen, foltern und totschlagen. Für den Vater ist die Partei wichtiger als die Familie und die Liebe zu seiner Frau.

Es entsteht ein Panorama der jüngeren Geschichte dieses Landes, eine Innensicht der Kulturrevolution.

Die Eltern werden hochrangige regionale KP-Funktionäre. Sie haben die für kommunistische Führungskräfte üblichen Privilegien, das bessere Essen, die bessere Wohnung, das bessere Krankenhaus. aber sie können jederzeit tief stürzen.

Mit der Kulturrevolution (1966-1976) will Mao die Macht der Parteifunktionäre brechen und Alleinherrscher bleiben. Schüler und Studenten werden aufgehetzt gegen die Alten, Professoren, Lehrer, Ärzte, Intellektuelle und Parteikader. Mao stürzt das Riesenreich in ein Chaos. Statt Schulunterricht und Vorlesungen zu besuchen, schreiben Kinder und Jugendliche Wandzeitungen, plünern Wohnungen und schlagen Menschen tot. Wohnungen werden gestürmt und zerstört, Bücher in einem Ausmaß vernichtet, gegen das die Bücherverbrennung der Nazis ein Lagerfeuer war. Die Funktionäre leben in ständiger Angst vor Denunziation und Verhaftung.
Vielleicht ist es gerade dies, was viele Menschen, nicht nur Linke in aller Welt an diesem Menschen Mao fasziniert: Die Fähigkeit an die niedersten Instinkte im Menschen zu appellieren und sie für seine Zwecke einzuspannen. Das Motiv vieler Denunziationen ist Neid, Karriere, Streben nach Macht, eine offene Rechnung. Revolutionskomitees kämpfen gegeneinander, auch mit Waffengewalt, um die Herrschaft in Regionen, Verwaltungen und Universitäten.

Es ist erstaunlich, dass diese Tragödie für die Tochter zu einem guten Ende kommt.


Anmut im märkischen Sand: Die Frauen der Hohenzollern
Anmut im märkischen Sand: Die Frauen der Hohenzollern
von Christine von Brühl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz ohne Frauenquote, 30. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sofort in die Hand genommen hatte ich das Buch nicht, als ich es auf dem Schreibtisch meiner Frau sah. Ich bin kein Anhänger von Frauengeschichte oder Männergeschichte. Aber dann las ich mich doch fest: 16 Biographien von Frauen der Hohenzollern-Regenten zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert, von der Großen Kurfürstin bis zu Victoria, der aus England stammenden Mutter Wilhelms II.
An der Geschichte des Aufstiegs des provinziellen, bäuerlichen Brandenburg-Preußens zu einer europäischen Großmacht haben die Frauen der Hohenzollern einen nicht zu unterschätzenden Anteil, ganz ohne Frauenquote und Gleichstellungsbeauftragte.


Geschichte der Ukraine (Reclams Universal-Bibliothek)
Geschichte der Ukraine (Reclams Universal-Bibliothek)
von Kerstin S. Jobst
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,60

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesetipp für Russlandversteher, 30. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Neuauflage ist um ein Kapitel "Die Ukraine-Krise und ihre Vorgeschichte" ergänzt worden. Aber nicht nur dieses einleitende Kapitel, sondern das ganze preiswerte Büchlein im wunderbaren Reclam-Format wünscht man sich als Pflichtlektüre vor allem bei Deutschlands Russland-Versteher/-innen, denen unverständlich ist, dass es schon lange ein Bewusstsein von einer eigenständigen Ukraine gibt. So sehr sich die ukrainischen Länder unterscheiden, vor allem wegen der langjährigen, oft wechselnden politischen Zugehörigkeit zu Rumänien, k.u.k.-Österreich, Polen, dem Zarenreich oder der UdSSR, Ukrainer waren nie die unzivilisierten Verwandten vom Lande, auf die die überlegenen russischen Brüder und Schwestern so gerne herabsehen.
Das Buch geht weit zurück, um die Entstehung ukrainischer Identität zu erklären. Das fürchterliche 20. Jahrhundert fehlt nicht, in dem Ukrainer polonisiert wurden, aber auch Positives von Polen lernten. Die Verbrechen Stalins haben ihre Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen: die Millionen Toten der Zwangskollektivierung, die Deportationen nach Sibirien, die Ansiedlung von Russen, aber auch das Wüten der Nazis auf dem Territorium der Ukraine. Dabei hatten Ukrainer von den Deutschen die Befreiung von der bolschewistischen Herrschaft erhofft. Sie wurden furchtbar enttäuscht. Millionen wurden als Zwangsarbeiter nach Deutschland geschickt oder starben als sowjetische Soldaten.

Es wäre zu wünschen, dass die Autorin, die Historikerin Kerstin S. Jobst, einmal in eine Talkshow oder auf ein Podium evangelischer Akademien eingeladen wird und nicht nur Russland-Versteher/-innen wie Frau Kässmann, Herr Teltschick, Frau Vollmer oder Herr Berberowski. Dass die Genannten ein so klares, präzises Buch über die Geschichte der Ukraine in die Hand nehmen, würde ich mir wünschen.


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