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Rezensionen verfasst von
Wirtshausberater (Dresden)

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Putins Weiber
Putins Weiber
von Stefan Gärtner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Autor, der weiter denkt, 20. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Putins Weiber (Gebundene Ausgabe)
Der Roman erzählt von der amourösen Selbstfindung eines Mittdreißigers von heute in flüssigem, aber schnörkelfreiem Duktus. Protagonist Putin mag zwar seinen Spitznamen nicht, der klingt aber immerhin nicht ganz so blöde wie sein richtiger Name Waldemar. Als dem bewährten Entscheidungsverweigerer Freundin Vera einen Seitensprung gesteht, wäre dies für ihn kein Drama, sorgt Vera als Dauerfreundin doch dafür, dass es zwischenmenschlich wenig weiterzuentwickeln oder gar zu verändern gibt. Doch dummerweise ist Vera reflektiert, möchte herausfinden, was der Fehltritt zu bedeuten hat, und zieht erst einmal weg. Partner Putin bleibt über den Fortbestand ihrer Beziehung im Unklaren. An einem bierseligen Abend setzt ihm Freund Georg, längst Familienvater, auseinander, welche Gelegenheiten Putin früher bei Frauen ausgelassen hat. Für Putin Anlass herauszufinden, was ihm entgangen ist und die Frauen alle wieder zu treffen. Wie im richtigen Leben führt die Suche zum eigenen Ich, was „Putins Weiber“ zum Entwicklungsroman macht.

Viele andere Autoren haben noch mehr Bücher über die Generation 30+, über Karriere, Milchschaum, Biokost und den mit allem kompatibel zu seiendem Partner gefüllt. Wo aber andere am Ziel sind, wenn sie sich in Widersprüchen und Mann-/Frau-Gegensätzlichkeiten weiden, geht Gärtner viel weiter. Indem er nämlich das Wechselspiel im Zwischenmenschlichen zwischen Gedachtem, Antizipiertem und Gesagtem genau beobachtet und sprachlich fein umsetzt. „Putins Weiber“ zeigt mehr denn je Gärtners größte Stärke: Er weiß um einige Gehirnwindungen weiter zu reflektieren, als dies die allermeisten Leser gewohnt sein dürften. In einer Zeit, die später als vieles bezeichnet werden wird, nur nicht als Periode des Nachdenkens, höchst bemerkenswert.


Die Welt der Philosophen - Eine Reise durch die Geschichte der Philosophie
Die Welt der Philosophen - Eine Reise durch die Geschichte der Philosophie
Preis: EUR 5,50

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Relevante Philosophiegeschichte, 30. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch wenn sich viele ihrer Epigonen nicht daran gehalten haben: Philosophie muss verständlich sein; sonst kann man schwer über sie diskutieren und durch sie und ihre Vordenker Fragen stellen. Das ist die Maxime hinter Siegfried Königs 200 Seiten Philosophiegeschichte. Dabei vermeidet der Autor den Kardinalfehler popularwissenschaftlicher Werke, selbst die Essenz einer Sache auf gedankliches Fastfood zusammenzudampfen. Stattdessen nimmt sich der Autor zugunsten der Philosophen zurück und formuliert mit klarer Sprache einen Abriss ihrer Ideengeschichte. Einige Denker wie Platon, Aristoteles, Kant und Heidegger bekommen mehr Platz, und der Autor bewertet dort, wo es notwendig ist - z.B. bei der Ausgestaltung der Idee von der Sünde durch das Christentum bzw. ihrer Interpreten Paulus und Augustinus.

Ein Buch, das seinen Anspruch sehr gut erfüllt. Dazu kommt, dass man mit ihm vieles, was heute gedankenfrei durch die Medien dröhnt, in bereits Gedachtes oder gar Antizipiertes einordnen kann. So mag man sich noch heute dem Irrsinn der Welt durch unbeugsames Ertragen (Stoizismus) verweigern, mit Spinoza erkennen, wie Prediger auf ihre Gottesvorstellung kommen oder im Gros unserer Zeitgenossen Nietzsches "letzte Menschen"* erkennen. Als Anschlusslektüre kann man sich dann z.B. Bertrand Russels "Philosophie des Abendlands" vornehmen. Ich habe "Die Welt der Philosophen" im Zug im Stehen gelesen. Es war eine gute Erfahrung.

* eine Gattung Mensch, die sich durch besonders großen und unreflektierten Konformismus definiert, nach der heute offenbar eine Rubrik (mit fiktiven Interviews und Selbstdarstellungen) im Satiremagazin Titanic benannt ist.


Wir sind die Wahnsinnigen: Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang
Wir sind die Wahnsinnigen: Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang
von Christian Y. Schmidt
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fischer und Cohn-Bendit: politisches Vollobst, 30. April 2013
Wer den mauen Werdegang der Grünen verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Ebenso wer auch nur die geringsten Sympathien für Deutschlands jahrelang beliebtesten Politiker, Joschka Fischer, hegt.

"Wir sind die Wahnsinnigen" entlarvt Fischer und Daniel Cohn Bendit als Blender, notorische Lügner, Intriganten und haltungslose Gesellen, denen es niemals um Inhalte ging, sondern die immer nur eines im Sinn hatten: sich an die Spitze gesellschaftlicher Trends zu setzen, um sich an Macht und Pfründen zu weiden.

Autor Christian Y. Schmidt, Zeitzeuge der linksradikalen Frankfurter Szene, aber mit Jahrgang 1956 ein paar Jahre jünger als Fischer (*1948) und Cohn-Bendit (*1945), nimmt den gemeinsamen Werdegang der beiden Sponti-Männer auseinander: von den Anführern einer paramilitärischen Organisation im Frankfurter Straßenkampf der 1970er (ja, Fischer hat 1978 zum Werfen von Molotow-Cocktails aufgerufen, was einen Polizisten fast das Leben gekostet hätte) über die lang geplante Unterwanderung und inhaltliche Entkleidung der Grünen durch Sponti-Getreue Anfang der 1980er und die Regierungsbeteiligungen in Frankfurt, Hessen und dem Bund. Schmidt zeichnet das Bild zweier Egomanen, die sonst keinen Platz im Leben fanden, sich in ihren Macht ergreifenden Fähigkeiten hervorragend ergänzten und jeden Hauch von Substanz durch Geltungsdrang, Maulheldentum und, in den frühen Jahren, Gewalt kompensierten. Es funktionierte offenbar bereits damals so.

"Wir sind die Wahnsinnigen" bedient sich neben hunderten Zitaten und Fakten einer oft polemischen und vom Furor getriebenen Diktion, was Schmidt in seinem neuen Vorwort einräumt. Auch fehlen dem Buch die Zwischentöne; man könnte es ihm ankreiden, wären diese gerechtfertigt. Doch Schmidts Gründlichkeit im Argumentieren und Belegen macht derlei obsolet, zumal er obendrein darlegt, wie es Fischer gelungen sei, sich für viele andere Biographien in falsches Licht zu rücken. Durch die Lektüre wird klar: Fischer und Cohn-Bendit sind politisches Vollobst. Welches Licht diese für viele (auch für mich) erstaunliche Erkenntnis auf unser Land und seine Medien wirft, mag sich jeder denken. Obendrein hat neulich der Journalist Wolfgang Bücher in "Der Zeit" festgestellt, dass praktisch alles, was in den letzten fünfzehn Jahren über Fischers militante Vergangenheit publiziert wurde, diesem Buch (i.d.R. ohne Quellenangabe) entnommen sei.

Nachträglich finden sich für alles schlüssige Begründungen, aber dieses Buch aus dem Jahr 1998 und neulich zu Fischers 65. Geburtstag neu aufgelegt sagte klar und richtig voraus, was die Grünen bei ihrer Beteiligung an der Bundesregierung ab 1998 vorhatten: Kriegseinsätze, Sozialabbau und "sanfte" Hegemonie über Europa. Dass letzteres erst Schwarz-Gelb in diesen Jahren vollends bewerktstelligte, zeigt nur eines: Wer von den etablierten Parteien dieses Land regiert, ist letztlich nur die Frage, mit welcher Attitüde eine Regierung auftritt; heraus kommt immer, was andere entscheiden.


Viecher in Versen
Viecher in Versen
von Thomas Gsella
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Süßgetier für Pharisäer, 27. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Viecher in Versen (Gebundene Ausgabe)
Oh, du Dichtkunst deutscher Lande
Bist so hilflos, außerstande
Irgendwas und irgendwem
Auf den Grund hinab zu sehn.

Oder siehst du auf den Grund
Ist dein Geist ein wacher Hund
Dann, ach, fußt das Dichtgewerbe
Ungereimt auf Holpererde.

Doch du, Dichtung, seist gepriesen
Obschon auf ihn angewiesen
Achtzigtausend Reimdarsteller
Duld ich für nur einen Gsella.

Und wo der hier Gott und Welt
Unputzig entgegengellt
Zeichnen die von Lenz & Greser
Süßgetier für Pharisäer.


Die letzten Fragen der Menschheit: Mit allen Antworten
Die letzten Fragen der Menschheit: Mit allen Antworten
von Gunnar Homann
  Broschiert

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fachgerechter Witzbau, 22. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die letzten Fragen der Menschheit sind verteufelt schwer: "Wie führe ich ein erfolgreiches Selbstgespräch?" "Wie mache ich es mir im Kopf gemütlich?" "Warum ist mit Ökonomie soviel Geld zu verdienen?" Qualitätsautor Gunnar Homann legt sich dicke Nüsse zum Knacken auf. Und wenn manch andere Frage einfach klingt ("Sexerpressung - wie geht das eigentlich?"), führt die Antwortsuche auf Fachterrain, womit gewährleistet ist, dass die korrekte Lösung von weit genug her geholt werden kann.

Aber auch in seinen Fotobetrachtungen macht Homann es sich nicht leicht: Die Schönheit von Gewerbegebieten und französischen Autobahnraststätten beweist er anhand von Fotos, die, oberflächlich betrachtet, zu anderen Attributen Anlass gäben. Homann löst die selbstgestellten Aufgaben durch Schriftgelehrtheit und sein feinsinniges Vokabular. Daneben spricht seine Humorexpertise ("Welche Witzfakten muss ich kennen?") immer wieder aus Scherzen, die sich selbst kommentieren und den Leser an fachgerechter Konstruktion und Ausgestaltung eines Witzes teilhaben lassen. Die ansonsten leeren Seiten zwischendurch und am Ende füllen gute bis sehr gute Gedichte.

Das einzige, was man dem Buch vorwerfen kann, ist, dass die 42 (Douglas' Adams Antwort auf die letzte aller Fragen) im Titel nicht vorkommt. Dafür beantwortet das Werk eine weitere Frage ganz implizit: Was kann ich an Weihnachten für ein Buch verschenken? - Eines der ganz wenigen Geschenkbücher, das zum Lesen gedacht ist. Wichtig: dabei Hackfleisch-Cappuccino trinken.


Johann Holtrop. Roman
Johann Holtrop. Roman
von Rainald Goetz
  Gebundene Ausgabe

25 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pippi-Langstrumpf-Business, 8. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Johann Holtrop. Roman (Gebundene Ausgabe)
Johann Holtrop, Anfang vierzig, verschwendet als Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Assperg AG wenig Zeit auf geschäftliche Details wie Vertragsinhalte oder Kreditlinien. Stattdessen verlässt er sich auf die Strahlkraft seines Charismas und noblen Lebensstils und manipuliert nach Gutdünken Umstände, Mitarbeiter, Geschäftspartner und Politiker. Der Roman erzählt vom Triumph und Fall eines Managers in den "Nullerjahren", der versehentlich zum Konzernleiter wurde und unter lauter Inkompetenten (die sich wechselseitig für unfähig und charakterlos halten) lediglich derjenige ist, dem der Zufall den größten Erfolg berschert hat.

Sorgfältig zeichnet Rainald Goetz das Innenleben von Holtrop und Co. auf. Für jede Intrige und Schweinerei findet sich eine Rechtfertigung, und das falsche Leben fühlt sich wie die Vita eines Sameriters an. Um es mit Pippi Langstrumpf zu sagen: "Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt." So verquer, krank und verabscheuenswürdig das ist, Goetz' sachlicher Stil zwingt den Leser, sich auf die Figuren und ihr Treiben einzulassen. Dem gemeinen Arbeitnehmer bleibt im Alltag ja auch nichts anderes übrig. So erklärt der Erzähler zwar viel, aber wertet nicht. Auch verkneift sich Goetz alle billigen Pointen und verzichtet auf eine allzu originelle Sprache. Es reicht, das Vokabular der bizarren Realität aufzugreifen und geradlinig weiterzudenken. Auf dieser Basis ist "der Abriss der Gesellschaft" (Untertitel) ein Füllhorn von Witz, feiner Sprache und klugen Beobachtungen.

"Johann Holtrop" hat es beim Deutschen Buchpreis, mit dem die Verlagshäuser sich selbst auszeichnen, nicht mal auf die Shortlist geschafft. Das mag daran liegen, dass Goetz die große Wirtschaft, insbesondere die Medienkonzerne, denen auch die großen Verlage gehören, der Lächerlichkeit preisgibt. Holtrop soll dem früheren Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff nachempfunden sein.

Gute Tat, die man begehen kann: einen Manager fesseln, knebeln und ihm "Johann Holtrop" vorlesen.


Wir müssen leider draußen bleiben: Die neue Armut in der Konsumgesellschaft
Wir müssen leider draußen bleiben: Die neue Armut in der Konsumgesellschaft
von Kathrin Hartmann
  Broschiert
Preis: EUR 18,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der letzten Gerechten der Republik, 16. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Warum grenzen wir die Armen aus unserer Gesellschaft aus? Warum dient Charity in Wahrheit den Reichen und Konzernen? Was ist von "Social Business" und Mikrokrediten zu halten? Warum sind wir, die wir uns zur Mittelschicht zählen, im besten Fall gleichgültig, obwohl wir uns sozial in Abstiegsgefahr befinden? Was hat es für Auswirkungen, dass wir mittlerweile weitgehend von der Oberschicht regiert werden? Und warum schlagen sich die Mainstreammedien auf die Seite der Reichen?

Die Journalistin Kathrin Hartmann begründet ihre Antworten auf diese Fragen nicht nur mit zahlreichen Quellen und Studien, sie hat mit vielen, vielen Armen, Handlangern und Profiteuren gesprochen und ist oft z. B. nach Bangladesh gereist. Ihre Einsichten beschämen, denn sie entlarven die eigene Gedankenlosigkeit im Aufnehmen und Weitergeben dumpfer Vorurteile. Ihre Analyse ist in der Form so kühl wie leidenschaftlich in der Sache.

Kathrin Hartmann ist eine der letzten Gerechten der Republik. "Bestechend" wäre das richtige Attribut für "Wir müssen leider draußen bleiben", handelte es von etwas anderem.

Mehr über ihr Buch erfährt man im Interview mit ihr: [...]

Sehr zu empfehlen auch ihr Blog: [...]


Unterwegs nach Deutschland. Erinnerungen eines ehemaligen Diplomaten.
Unterwegs nach Deutschland. Erinnerungen eines ehemaligen Diplomaten.
von Wolfgang Gans Herr zu Putlitz
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von einem, der Hitler kleinkriegen wollte, 6. Februar 2012
Viele Autobiographien dienen mehr dem Autor als Lebensbewältigung denn dem Leser als Unterhaltung oder gar Wissensbereicherung. Nicht so, wenn der Autor von sich behaupten kann, Hitlers Machtergreifung aus der Nähe mitbekommen zu haben und Zeuge bei den Nürnberger Prozessen war.

Wolfgang zu Putlitz hat als 19jähriger den ersten Weltkrieg gerade noch an der Front erleben müssen. Nach dem Notabitur erwartet sein Vater, Agrarunternehmer in Laaske bei Putlitz in Brandenburg, dass Wolfgang wie sein Bruder das Bauernhandwerk gründlich auf einem anderen Gut lernt. Doch Wolfgang zieht es weg. Da er aber das Standesdünkel der Soldaten reichlich albern findet, versucht er sich in Hamburg als Kaufmann. Doch dort regiert die Unaufrichtitgkeit. Er bewirbt sich darum, Deutschland als Diplomat dienen zu dürfen und wird nach dem Studium u.a. in Paris, London, Haiti und Holland eingesetzt. Als Mitarbeiter der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes bekommt er mit, wie plump Hitler und seine Gefolgsleute sich 1933 an die Macht intrigieren. Er erlebt ein paar von Hitlers cholerischen Ausbrüchen, beschreibt ihn als lächerliche Figur mit eiskalten Augen, die jedoch viele Dinge im Kopf behalten und sich gepflegt unterhalten konnte. Zwar herrscht allenthalben Einigkeit, dass Hitlers Schergen sich sehr bald selbst zugrunderichteten, aber zu Putlitz versucht schon früh in England dafür zu werben, Hitler Einhalt zu gebieten. Als der Krieg ausbricht, flieht er mithilfe mächtiger Engländer aus Holland nach London. Dort arbeitet er kurz für einen Anti-Nazi-Propagandafilmemacher und bekommt mit, welche Spionagescharmützel sich die Kriegsgegner liefern. Als der Deutschenhass überhand nimmt, siedelt er zwischenzeitlich in die USA aus, um nach dem Debakel von Stalingrad zurückzukehren und bereit zu sein, seinem nun zerstörten Land zu helfen.

Zu Putlitz findet überall Freunde, die ihm Arbeit und Auskommen sichern, aber natürlich nirgendwo den Platz, an dem er den katastrophalen Lauf der Geschichte bremsen kann. Die Biographie endet mit seiner Übersiedlung in die DDR. Liest man ein wenig nach, erfährt man, dass zu Putlitz dort ein begehrter Autor und Zeitzeuge wurde. Das im Jahr 1955 vom "Verlag der Nation" gedruckte Buch erweckt jedoch niemals den Verdacht, dass die Propaganda mitgeschrieben haben könnte. Es ist die subjektive, aber schonungslose Auseinandersetzung eines Menschen mit der Unausweichlichkeit der Umstände. Die Geschichte von einem, der Gutes im Sinn hatte, aber immer von beiden Seiten verdächtigt wurde. Ein authentisches Geschichtsbuch mit vielen erstaunlichen Begegnungen.


Titanic: Das totale Promi-Massaker: Die endgültige People-Bibel (Best of Titanic)
Titanic: Das totale Promi-Massaker: Die endgültige People-Bibel (Best of Titanic)
von Oliver Maria Schmitt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,00

31 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blut und Hoden, 12. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dass die Titanic unter Promis keine Gefangenen macht, verwundert ja nicht; wie sollte sie schließlich die unmittelbare Gegenwart von Quasselautomaten wie Matussek, Jörges oder Kerner ertragen? Ganz zu schweigen von den ganzen C- bis XS-Prominenten, bei denen ein einziges Neuron intelligenter ist als das ganze Hirn zusammen. Da hilft also nur ordentliches Draufhauen.

Und fürwahr: Dieses zwei-Kilo-Werk besitzt die Schwerkraft, um die harten Schalen von Ben und Boris Becker, Christian und Patrick Lindner zu knacken. Zusammen mit den scharfen Kanten vermag das Buch die weichen Birnen von Schweiger Til bis Bohlen Dieter mit Knochensplittern zu durchsetzen. Dazu das blaue Blut von Monaco Caroline bis Hannover August, und das Geschmackserlebnis beim Zubeißen ist so ausgewogen wie von Mälzer Tim und Kohl Helmut empfohlen.

Zwanzig Gault-Millau-Hüte mal drei Michelin-Sterne, dividiert durch die Zwölf, auf die Promis kriegen, macht bei diesem VIP-Bouquet schnelldrehende 5 Sterne.


Fruchtfleisch ist auch keine Lösung
Fruchtfleisch ist auch keine Lösung
von Heiko Werning
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Den Wurstfinger in die Pflanzenwunde gelegt, 1. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Die Debatten kochen hoch, moralische Argumente werden aufgewärmt, die Diskussionen sind hitzig, die Argumente aber oft moralin-versalzen." Weil das so ist, möchte "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung" der "Suppe" der öffentlichen Diskussion "satirische Würze" beigeben.

Und das gelingt vorzüglich: Wiglaf Droste deckt den Zusammenhang zwischen Massentierhaltung und "Massenmenschhaltung" auf; Leo Fischer skizziert einen Horrorroman, bei dem das Grauen zwischen Pflanzensekret und Tiergedärm alterniert; Nils Heinrich kennt die Grenzen der Sinnesfreuden beim Grillen; Volker Surmann die liebenswerten Abgründe eines Biohofes, Oliver Nagel die des Vegetariertums, und Stefan Gärtner weiß schlussendlich, warum eine überkochende Debatte immer noch eine überkochende Debatte ist, auch wenn sie ein hehres Ziel verfolgt. Dabei ist nicht alles satirisch, wenn z.B. Kathrin Hartmann beschreibt, wie das barbarische Treiben in Tierfabriken zur Familienunterhaltung taugt.

Die Herausgeber Heiko Werning und Volker Surmann haben 35 Autoren versammelt, die den Wurstfinger in die Pflanzenwunde legen, in Prosa und Reim äußerst abwechslungsreiche, gehaltvolle, lustige Kreationen zum Thema servieren und die Grenzen des guten wie schlechten Geschmacks auskosten. Dabei werden einige Pointen dadurch erkauft, dass sie der Tierindustrie in die Fleischtöpfe spielen. Aber das ist der Preis dafür, wenn auch die Dummen unter den Vegetarieren ihr Fett abkriegen sollen. Sonst gäbe es ja nur Eintopf.


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