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Rezensionen verfasst von
Ossiwan "ossiwan"

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Die Haustiere: Roman
Die Haustiere: Roman
von Bragi Ólafsson
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Literatur aus Island, 14. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Haustiere: Roman (Taschenbuch)
Von isländischen Autoren ist man ja einiges gewohnt und Òlafsson versucht dem um nichts nachzustehen.
Emil, der seinen Lottogewinn in eine Shoppingtour nach London investiert, kommt zurück nach Reykjavík und muss feststellen, dass derjenige, dem er nach einer entspannten Woche London auf keinem Fall begegnen will, unbedingt Einlass in die Wohnung fordert. Havardur, ein ehemaliger Arbeitskollege von Emil, den dieser in einer psychiatrischen Anstalt in Schweden vermutete, ist plötzlich wieder da und möchte unbedingt Emil sprechen. Dieser aber versteckt sich lieber unter seinem Bett als mit Harvardur zusammenzustoßen und bestimmt somit sein Schicksal.
Tatenlos muss er zusehen, wie sein ehemaliger Arbeitskollege nicht nur seine Wohnung, sondern mehr und mehr auch sein Leben in Beschlag nimmt und mit der Anzahl der Seiten wird auch dem Leser dieser Wechsel der Identität bewusst. Emil wird mit Fortgang der Geschichte zu einem unsympathischen Versager, eine Möchtegernintellektuellen, während Harvardur in seiner Naivität und Offenheit die Sympathien für sich gewinnt.
Òlafsson treibt ein perfides Wechselspiel mit unserer Gesellschaft und lässt die Opfer zu Tätern werden wie umgekehrt. Lange amüsiert man sich ob der Abstrusität der Vorgänge, doch muss man irgendwann den Spiegel erkennen, den der Erzähler uns vorhält. Eine aufgebaute Existenz wird zu dem Schein, der sie immer war, Selbstgerechtigkeit und Arroganz kommen in den kleinsten Dingen zum Vorschein und der bemitleidenswerte Held und seine Umgebung werden, trotz ihrer Normalität immer obskurer.
Einzige Schwäche ist die mangelnde Ausarbeitung der Nebenfiguren, die die Handlung nicht vorantreiben und farblos sind. Allerdings hat diese Farblosigkeit bei manchen eine gewisse Bedeutung, bei manchen jedoch nicht, was ein Manko in diesem interessanten Werk ausmacht.


Wohin rollst du, Äpfelchen ...: Roman
Wohin rollst du, Äpfelchen ...: Roman
von Hans-Harald Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk!, 22. Juni 2005
Georg Vittorin ist ein, kurz nach dem 1. Weltkrieg aus russischer Kriegsgefangenschaft Heimkehrender. Zusammen mit vier anderen Kameraden hat er sich geschworen, erst einmal in Freiheit, noch einmal zurück zu kehren, um an dem Lagerkommandanten, Seljukow Rache zu nehmen. Das haben sich die fünf ob der Erniedrigung während der Gefangenschaft geschworen und Vittorin ist auch gewillt, dies auf alle Fälle zu erfüllen. Doch die Nachkriegszeit in Wien hat andere Probleme und er ist anfänglich damit beschäftigt, sich wieder in einer vom Krieg gezeichneten Stadt sozial einzufügen. Als er jedoch fast wieder ein „normales" Leben sich in Wien geschaffen hat, kommt für ihn die endgültige Wahl, sich in das vom Bürgerkrieg zerrissene Russland zu begeben oder sein Versprechen nicht zu halten. Vittorin entscheidet sich dafür alles liegen und stehen zu lassen und begibt sich auf die Spur von Seljukov um ihn, koste es, was es wolle, zu finden.
Perutz liefert eine Heimkehrergeschichte, anders als die gewohnten. Vittorin ist ein Mann, der aus für ihn wichtigen Gründen, alles um sich aufgibt um einen nur ihm selbst gestellten Kodex zu erfüllen. Um das zu erreichen kennt er keine Moral und kein Gewissen, er gibt Versprechungen, von denen er weiß, dass er sie nicht halten kann, nur um sein Ziel zu erreichen. Sein Ziel ist es Seljukow für die erlittenen Schmähungen, die sich immer mehr nur als verletzter Stolz erweisen, zur Rede zu stellen, obwohl Vittorin selbst nicht weiß, was er machen wird, wenn er dem ehemaligen Lagerkommandanten gegenüber stehen wird. Vittorin bleibt sich immer gleich. Seine Verwandten, seine Kameraden und auch die Welt um ihn verändert sich, während er, wie mit Scheuklappen behaftet, nur dem selbst gestellten Ziel hinterherläuft. Dafür scheut er bei dessen Erfüllung auch weder Mühe noch Kosten, noch kümmert er sich um sein eigenes, noch um das Leben der anderen.
Vittorin ist eine typische Gestalt Perutz', der seinen Weg geht, ohne Konsequenzen und dabei für die Welt um sich zu einem Phantom wird. Wie bei „Zwischen Neun und Neun", wo ein überraschendes Ende die Besonderheit des Helden hervorhebt, ist auch in diesem Roman für den Leser klar, dass Georg Vittorin außerhalb der eigentlichen Maßstäbe handelt. Mit einer ganz hervorragenden Sprache und einem nur Perutz' eigenem Einfühlungsvermögen ist man gezwungen dieses Buch zu verschlingen, wie schon alle anderen von Perutz zuvor.


Die Regenhexe
Die Regenhexe
von Jurga Ivanauskaite
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drei Frauen, drei Zeiten, drei Lieben, 21. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Regenhexe (Taschenbuch)
Drei Frauen, drei Zeiten, drei Lieben beschreibt Ivanauskaité in ihrem Roman. Von den Frauen ist dem Leser nur Maria Magdalena bekannt und es wird eine weitere Beschreibung ihrer unmöglichen Liebe zu Jesu geliefert. Diesmal aber verknüpft mit einer litauischen Pilgerin aus dem 16. Jhdt., die einem zeitgenössischem Franz von Assisi verfallen ist und einer verheirateten Frau aus unserer Zeit, die, von der Pflege ihres schizophrenen Mannes desillusioniert in den Armen eines Priesters halt sucht. Auf drei Ebenen, die sich ineinander verweben und auf einander anschließen erfolgt die Struktur des Romans, doch trotz dieser Ähnlichkeiten und Parallelen sind es letztlich drei völlig unterschiedliche Schicksale
Ist das Ende der Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus auch bekannt, so wird es hier noch einmal aufgerollt und durch den starken Charakter, den Maria Magdalena besitzt neu gezeichnet. So stark dann zwar sie erscheinen mag, desto primitiver wirken die anderen Jünger, platt und verblendet. Maria Magdalena hat eine Emanzipation vollzogen, die Vika, der Frau des 21. Jhdts., fehlt. In völliger Realitätsferne sucht sie Gefühle die Utopien sind und rechtfertigt sich mit den Freiheiten, die ihr die ihrige Zeit bietet. Während Maria Magdalena und Marija Viktorija (die Pilgerin) in den Zwängen ihrer Zeiten gefangen sind und trotzdem reifer und bewusster leben als Vika. Die Geschenisse der Liebesleiden von allen dreien wiederholen sich, manche Sätze kommen wortwörtlich in allen drei Ebenen vor, Metaphern und Bilder ziehen sich durch alle drei hindurch, doch erfahren sie ja nach dem Charakter der Hauptfigur eine andere Wendung.
In einer sehr bildhaften Sprache ist der Roman gestaltet, in vielen Vergleichen, die mit noch mehr Adjektiven geschmückt sind, wird das Liebesleiden beschrieben, wobei syntaktisch und vom Schriftbild oft nicht klar wird, wieso manche Sachen von den anderen abweichen. Und manche Bilder wiederholen sich dann doch zu oft, als dass sie noch eine Funktion für die Geschichte hätten, denn irgendwann wird man müde von Männern zu lesen „deren Gesichter, ob des Bartwuchses bläulich scheinen".
Alles in allem aber ein interessantes Buch, dass man gelesen haben sollte.


Der Irrgarten: Roman
Der Irrgarten: Roman
von Panos Karnezis
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brigade auf Abwegen, 20. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Irrgarten: Roman (Taschenbuch)
1922 unterliegt die griechische Invasorenarmee in den anatolischen Bergen der türkischen Streitmacht und muss in einem ungeplanten Rückzug zur Küste zurück. Eine Brigade von 1000 Mann unter der Führung des morphiumsüchtigen Offiziers Nestors verirrt sich aber in der Wüste und hat nur mehr wenig Hoffnung das sichere Meer zu erreichen. Neben Nestor, der in seinem LKW im Morphiumwahn und dem Sarkasmus seines Alters sein Leben vorbeiziehen sieht und es mit der Mythologie seiner Väter vergleicht, führt Karnezis noch andere Figuren ein: den Major Porfirio, einen vom Bolschewismus begeisterten Unterwanderer der Truppenmoral, dessen Flugblättern aber genauso wenig Gehör geschenkt wird, wie dem Pater Simeon, der mit Megaphon und adoptierten Straßenhund durch das Feldlager zieht und so versucht die Soldaten zum Christenreich zu bekehren. Ein namenloser Unteroffizier, der als einziger Porfirios Ideen folgt, weil er meint, eine unbekannte Schöne aus Saloniki, mit der er mittels einer Annonce in Briefverkehr steht, würde sein Engagement für den Sozialismus begrüßen. Oder der ebenso namenlose Arzt der Truppe, ein fatalistischer junger Mann, den keine noch so grausame Wunde erschrecken kann und der nur mit dem Ziel, seine Praktiken zu verfeinern an dem Feldzug teilnimmt. Dank mehrerer Zufälle gelingt es der Brigade ein Dorf zu erreichen, wo sie sich von ihren Strapazen erholen kann und, trotz der Sicherheit und der Erkenntnis gerettet zu sein, immer mehr in Wahn und Täuschung verliert.
Karnezis beschreibt einen Haufen von Soldaten, der, in Sinnlosigkeit und Disziplin gespalten als einziges Ziel bloß noch das Erreichen des heimatlichen Hafens hat. Seine Figuren bleiben oft namenlos, die Entscheidung, wer einen Namen bekommt und wer im Kollektiv der Masse nicht weiter auffällt behält der Autor für sich. Auch seine Kapitel beginnt er mit Personalpronomen, ohne zu nennen, auf wen es dann herausläuft, was als Spannungsaufbau recht nett gemeint ist, aber mit Fortgang des Buches zu nerven beginnt. Dieser Wechsel zwischen Individuum und Kollektiv, der sich immer mehr vermischt und schließlich den Leser im Unklaren lässt, welche Gestalten in der Fiktionalität verschwinden und welche nicht, ist der größte Reiz des Buches. Leider sind einige Figuren zu ungenau gezeichnet, bekommen keinen Charakter und agieren mit nur hölzern mit ihren Gesprächspartnern. Nur der Brigadier Nestor, der am weitesten in das Irreale eindringt entwickelt sich immer mehr, während das Gegensatzpaar des Arztes und des Paters mit der Anzahl der Seiten zu sehr auf den Pater umschwenkt und den Arzt vergessen lässt.
Die Vermischung von Realität und Mythos, Freund und Feind, Liebe und Prostitution zieht sich durch den ganzen Roman, wirkt jedoch manchmal sehr erzwungen, genauso wie die Ironie des Erzählers. Wenn die Brigade die Stadt erreicht, wirken viele Kapitel nur deswegen beendet, damit eine halblaue Schlusspointe zur Geltung kommen kann. Ein leicht lesbares Buch mit vielen Ambitionen, aber zu vielen Zielen.


Ubik
Ubik
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer ist Ubik?, 20. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Ubik (Taschenbuch)
Joe Chip, der als Psivermesser für die Firma von Glen Runciter arbeitet, wird bei einem geschäftlichem Ausflug zum Mond in ein Attentat verwickelt, bei dem sein Chef ums Leben kommt und das in der Realitätswahrnehmung aller Beteiligten starke Einschnitte hinterlässt. So verändern sich Dinge und „altern", indem sie ihre Daseinsform von früheren Zeiten annehmen, bis sich die Realität der des Jahres 1939 wieder angepasst hat. Und als ob das noch nicht genug wäre, tauchen über die Konterfeis von Runciter auf und finden sich Hinweise von ihm an unerdenklichen Orten.
Was sich sehr wirr und inhomogen anhört wird von Dick zu einem Roman verwebt, der mit der Metaphysik spielt und in immer neuen Wendungen sich selbst verliert. Bis zum Ende und dann erst recht nicht, wird nicht klar, wer in welcher Position zu wem steht und auf welcher Ebene der Wahrnehmung er sich befindet. Und was oder wer zum Teufel Ubik ist.
Dick nimmt Anleihen von Kant, Saussure, Hegel, aber auch Winnie the Pooh, dem Tibetischen Totenbuch und Shakespeare. Trotzdem ist es ein spannender und vergnüglicher Roman, ein Roman über Verfremdung und Wahrnehmung, Psyche und Psi.


Hundeherz
Hundeherz
von Michail Bulgakow
  Taschenbuch

5 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erwartungen nicht erfüllt, 7. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Hundeherz (Taschenbuch)
Ein Moskauer Professor, der in der ganzen Stadt dafür bekannt ist, dass er die fleischliche Libido des Menschen erneuern kann, in dem er ihnen Geschlechtsteile von Tieren einpflanzt, liest einen Straßenköter auf, um ihm die Hirnanhangdrüse eines Menschen statt der seinen einzusetzen. Das Experiment gelingt und der Hund wird fortan immer mehr zu einem Menschen, der sprechen kann, Zigaretten raucht, flucht, trinkt und den Frauen hinterher steigt. Zum Überdruss des Professors verlangt dieser neue Mensch mit Hilfe der Hausverwaltung auch noch seine angestammten Rechte und Papiere und macht so viele Schwierigkeiten, dass die Freude über das geglückte Experiment bald erlischt.
Was ganz in Frankensteinmanier daherkommt ist eine weitere Abrechnung Bulgakows mit dem Russland seiner Zeit. Der zwar lästige aber doch grundgute und dankbare Straßenhund wird, kaum, dass er menschliches Gewebe in sich hat zu einem Proletarier der übelsten Sorte, der nichts anderes im Sinn hat als den bourgeoisen Professor zur tyrannisieren. So kommt letztlich niemand bei Bulgakow ungeschoren davon, jeder Schicht bekommt ihr Fett ab und kann sich in dieser Groteske gar nicht schwer wiederfinden. Damit bleibt, was für Bulgakow gilt: Man kann ihn nicht unpolitisch lesen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 3, 2010 12:27 AM CET


Reise im Mondlicht: Roman
Reise im Mondlicht: Roman
von Antal Szerb
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiger, Tiger burning bright, 7. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Reise im Mondlicht: Roman (Taschenbuch)
Mihály und Erzsi sind ein frisch verheiratetes Paar auf Hochzeitsreise in Italien in den 30er - Jahren des letzten Jahrhunderts. Doch der Leser merkt schon bald, dass es sich um keine gewöhnliche Hochzeitreise handelt. Mihály hat nur geheiratet, um den Ansprüchen der Gesellschaft gerecht und von seiner Familie nicht mehr als Traumtänzer und Sonderling angesehen zu werden. Doch sind er und seine Frau grundverschieden, vereinen tut sie nur, so wirkt es bald, die körperliche Liebe.
Bereits in Venedig verschwindet Mihály für eine Nach in den engen Gassen um etwas zu suchen, von dem er nicht weiß, was es ist und lässt seine Frau in Sorge zurück. Danach erzählt er ihr von seiner Jugend, den Kindern der Familie Ulpius, Éva und Tamás, mit denen er seine Pubertät verbracht hat. Für Erzsi wird klar, dass diese Verbindung zu den Geschwistern für ihren Mann etwas Besonderes bedeutet, dass er von den Eindrücken seiner Jugend nicht loskommt. Bereits wenig später versäumt Mihály den richtige Zug und kommt auf Umwegen immer tiefer nach Umbrien, wo er völlig erschöpft zusammenbricht von einem englischen Arzt in Foligno wieder gesundgepflegt wird. Doch hier beginnt seine Reise im Mondlicht erst so richtig.
Mihálys Dämon, der ihn ständig verfolgt und nicht zur Ruhe kommen lässt, ist der nostalgische Gedanke an seine Jugend und der ewige Vorwurf an sich selbst, dass er damals etwas verabsäumt hat, was er nun, im Erwachsenenalter nicht mehr bekommen kann. Sein Freund Tamás, der sich selbst richtete wird sein tragischer Held, sein Idol und er verfällt immer mehr dem Gedanken, dass Tamás von allen das einzige Richtige tat. Aber auch Erzsi wird auf dieser Reise, die sie bis nach Paris führt ein Opfer ihrer eigenen und der Konventionen der anderen. Die Männer die sie kennen lernt reizen sie, besonders ein Perser mit glühenden Augen, der sie William Blakes Tiger erinnert. Doch auch ihr Dämon, die Budapester Erziehung als Dame der feinen Gesellschaft, lässt sie nicht los.
Szerb lässt seine Figuren hilflos durch das Geschehen schlittern. Sie sind alles Suchende und Sehnende, die mit sich selbst nicht zufrieden sind und auch gar nicht sein können. Es stellen sich ihnen selbstgemachte Probleme wie Berge in den Weg, an denen sie zerbrechen müssen, wenn jeder andere einfach dabei vorbeiginge. Doch die Besonderheit bei Szerb ist, dass er darauf verzichten kann einen psychologischen Roman zu schreiben. Er kleidet sein Thema vielmehr in eine lockere Geschichte, voller Geheimnisse, Anspielungen und rührender Gestalten. Die Figurenkonzeption ist so streng, dass sie schon zu sehr Klischees darstellen, als dass sie tatsächlich noch welche sind. Ihre Banalität steht im harten Kontrast zu der Komplexität des Themas, was das Buch zu einem richtigen Psychokrimi macht, den man von der ersten bis zur letzten Seite verschlingt.


Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto
Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto
von Mario Vargas Llosa
  Taschenbuch

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der große Peruaner???, 7. Mai 2005
Don Rigoberto, ein hohes Tier in einer Versicherungsfirma und privat Kunst- und Literaturliebhaber, lebt von seiner abgöttisch geliebten zweiten Ehefrau getrennt, seit diese mit seinem Sohn aus erster Ehe eine Affäre hatte. In seiner selbst gewählten Einsamkeit stellt er sich nun erotische Spiele mit seiner Frau, Dona Lukrezia vor, die in der Zwischenzeit den frühreifen und von Egon Schiele begeisterten Sohn mehrmals die Woche empfängt und von ihm immer wieder an die Grenze ihrer Willenskraft geführt wird.
Streng aufgebaut ist das Buch mit Kapiteln zwischen Dona Lukrezia und dem jugendlichen Verführer Fonchito, den erotischen Phantasien Don Rigobertos, nie abgesendete Briefe und gefälschten Briefen, die das getrennte Ehepaar wieder zusammenführen sollen.
Was jedoch besonders auffällt sind die plumpen Dialoge und die unglaubwürdigen Figuren. Fonchito, der Verführer und Sohn von Rigoberto, mag vielleicht ein intendierter Teufel sein, wirkt dafür aber viel zu dumm und unbeholfen und der Leser fragt sich die meiste Zeit, was eine reife und schöne Frau wie Dona Lukrezia an diesem Neunmalklug finden mag. Genauso die Phantasievorstellungen von Don Rigoberto. So abwegig sind seine Phantasien nicht, dass sie das besondere monogame Verhältnis zu seiner Frau rechtfertigen würden. Die Briefe sind noch die besten Abschnitte des Buches, obwohl auch sie gekünstelt und gestellt wirken. Alles in allem: wenn man es nicht gelesen hat ist auch nichts passiert.


Der Judas des Leonardo: Roman
Der Judas des Leonardo: Roman
von Hans-Harald Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historisch oder nicht?, 6. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Judas des Leonardo: Roman (Taschenbuch)
Mailand im 16. Jahrhundert. Ein genialer Maler namens Leonardo wird von einem Mönchskloster aufgefordert doch endlich sein Bild des letzten Abendmahles zu beenden. Dieser bedauert aber, zu diesem nicht imstande zu sein, da er noch keinen Menschen als Vorbild des Judas gefunden hätte.
Zur gleichen Zeit befindet sich der deutsche Händler Joachim Behaim in der Stadt um dort seinen Handel zu treiben. Auf dem Weg zu seiner Herberge sieht dieser ein Mädchen, das ihm gefällt, dieses verliert sein Taschentuch, doch noch bevor Behaim es übergeben kann, hat er sie aus den Augen verloren. Mit Hilfe der halbkriminellen Künstlerszene Mailands gelingt es ihm jedoch dem Mädchen wieder auf die Spur zu kommen. Geschäftlich verzweifelt er jedoch an einem Schuldner, der bereits seinem Vater eine gehörige Summe geschuldet hat und sich standhaft weigert, diese auszubezahlen.
Was anfänglich nur wenig miteinander zu tun hat, wird im Verlauf der Geschichte zu einem immer dickeren Handlungsgestränge, das sich zu einem dramatischen Höhepunkt zuspitzt. Ganz in seinem Stil, ist es Perutz auch in diesem Roman gelungen, scheinbar einfache und alltägliche Inhalte mit hoher Sensibilität zu einem packenden Roman zusammenschrauben. Er spielt mit dem Leser, indem er ihm scheinbar bekannte Figuren und Zeiten vorgibt, so sollen sich Leonardo da Vinci, Michael Kohlhaas und Francois Villon hinter seinen Figuren verstecken. Doch diese Interpretation braucht es gar nicht, da die Handlung so authentisch wirkt, auch die Atmosphäre eines neuzeitlichen Mailands ist authentisch wiedergegeben, dass man gar nicht glauben mag, dass es sich um einen fiktionalen Text handelt.
Ewige Themen, wie Liebe, Eifersucht, Habgier und Ehre, die schon von so vielen Autoren beschrieben wurden, glänzen bei Perutz trotzdem in einem neuen Licht und sollten unbedingt gelesen werden.


Ich habe den englischen König bedient: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ich habe den englischen König bedient: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Bohumil Hrabal
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und das Unglaubliche wird Wirklichkeit, 6. April 2005
Wie Siddharta, der brave Soldat Schwejk oder ein eichendorffscher Taugenichts beschreibt der namenlose Ich - Erzähler sein Leben.
Dieses beginnt als Pikkolo in dem Hotel „Zum goldenen Prag", wo der junge, doch im Verlaufe des Romans alterslos bleibende Erzähler von den durchreisenden Händlern lernt, dass man für Geld alles haben kann und danach trachten sollte soviel wie möglich davon zu besitzen. Diesen Vorsatz im Herzen unternimmt er von nun an alles, um wie ein Gentleman zu leben und Reichtümer anzuhäufen. Dabei wird er in oft seltsame und surreale Situationen versetzt, wenn er in seiner beruflichen Laufbahn bis zum Oberkellner aufsteigt, die dem Leser oft staunen, lachen oder traurig werden lassen.
Erst mit Mitte des Buches erfährt man mehr über den Erzähler selbst, sein Aussehen, seine Ansichten. Zuvor beschreibt er nur was um ihn geschieht, getreu seinem Kellnergrundsatz „Du sollst nichts sehen und alles gesehen haben". Auch die Zeit, in welcher dieses Leben abläuft wird ab der Mitte konkreter, mit der Besetzung Böhmens durch die Nazis, der Vertreibung der Sudetendeutschen und dem letztlich erfolgten sowjetischen Regime.
Hrabal erzählt in einer einfachen Sprache starke Bilder, lässt seinen Helden dabei zwar gutgläubig, aber immer berechnend durchs Leben gehen. Egal ob er wie Dagobert Duck sich an den Geldscheinen erfreut und in ihnen badet oder wie ein Teil der Bremer Stadtmusikanten sch am Ende in die Einöde zurückzieht, er bleibt ein Schelm, dem man nichts übel nehmen kann. Mit der etwas gerissenen Naivität, mit welcher sich der Protagonist durch die Handlung schlängelt, bleibt man stets im Ungewissen, ob man nicht einen Bären aufgebunden bekommt.
Das macht dieses Buch zu einer vergnüglichen Lektüre, die einem aber nachhaltig zum Nachdenken bringt, wenn sie nach der letzten Seite und ein paar überschlafenen Nächten endgültig eingesickert ist.


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