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Rezensionen verfasst von
Klaus Stulle "Prof. Dr. Klaus P. Stulle"

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Werbe- und Konsumentenpsychologie: Eine Einführung
Werbe- und Konsumentenpsychologie: Eine Einführung
von Peter Michael Bak
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Eingängige Einführung in die Werbe- und Konsumentenpsychologie - nicht nur für Bachelor-Studenten!, 18. Dezember 2014
Schon direkt im Vorwort weist der Autor Prof. Peter Bak darauf hin, dass Werbung um uns herum allgegenwärtig ist und dort gewaltige Umsätze erzielt bzw. vorangetrieben werden. Auf der anderen Seite ist das dazu gehörige Fach „Werbepsychologie“ nicht alt und traditionell in der Wissenschaft kaum erkennbar repräsentiert. Dies zeigt sich unter anderem auch daran, dass es recht wenig leicht verständliche Einstiegsliteratur zu dieser Materie gibt. Als erfahrener Hochschullehrer macht er sich nun daran, diese Lücke ein Stück weit zu schließen. Dazu legt er nun ein eigenes Werk vor, das trotz seines überschaubaren Volumens durchaus Lehrbuchcharakter aufweist.
Eine Inhaltsübersicht ermöglicht die erste Orientierung: Unter dem Fokus „Werbung“ werden Daten und Fakten sowie gängige Werbeformen und –techniken vorgestellt. Neben konkreten Zahlen werden auch zeitgemäße Themen wie „Online-Targeting“ oder „Virales Marketing“ vorgestellt – ein Beleg für die offensichtliche Aktualität des Buches. Unter der Überschrift „Fokus Konsument“ wird relevantes psychologisches Grundlagenwissen komprimiert vermittelt. Dabei geht es um Themen wie „Aufmerksamkeit“, „Gedächtnis & Lernen“ sowie „Motivation & Emotion“, zu denen auch stets prägnante Studien und Forschungsergebnisse eingeflochten werden. Verständlicherweise sind auch Kommunikationsprozesse sowie das Entscheidungsverhalten mit seinen typischen Heuristiken und Attributionsfehlern für das Konsumentenverhalten von zentraler Bedeutung. Unter der Überschrift „Sozialer Kontext“ werden dann auch noch sozialpsychologische Grundlagen vorgestellt, die ebenfalls für das übliche Kaufverhalten relevant sind.
Konkreter auf den Bereich „Werbegestaltung“ bezogen ist der folgende Abschnitt, der Elemente wie „Farbgestaltung“, „Humor“, „Musik“ und (physische) „Attraktivität“ einschließlich Erotik beleuchtet. Dabei wird auch die Komplexität der Materie deutlich: „Sex sells“ nicht automatisch und auch Furcht erfüllt nicht per se den gewünschten Zweck, was am Beispiel der (Anti-)Raucher-Werbung deutlich wird. Das folgende Kapitel widmet sich dem zentralen Marketing-Thema „Marke“, bevor im Anschluss die interkulturelle Komponente vorgestellt wird, beispielsweise die vielzitierten Kulturdimensionen nach Hofstede und Trompenaars. Nach konkreten Beispielen für eine geeignete Werbestrategie schließen Überlegungen zum Thema „Werbeethik“ das Gesamtwerk ab.
Und wie ist dieses nun zu bewerten? Das hier besprochene Buch kann sich rasch als echter „Freund“ erweisen, wenn es darum geht, die wichtigsten Inhalte in Form einer kompakten Einführung anschaulich vermittelt zu bekommen. Dieser Zweck dürfte dann insbesondere bei (Bachelor-)Studierenden rasch vorzufinden sein. Das Buch kommt ohne besondere Hintergrund-Kenntnisse aus und verwendet durchweg eine anschauliche, leicht eingängige Sprache. Die ansprechend in Blau gehaltenen Illustrationen und Kurz-Zusammenfassungen an den Seitenrändern erleichtern weiterhin neben den verschiedenen Graphiken die Lesbarkeit, auf Fotos wurde hingegen verzichtet. Jedes Einzelkapitel wird durch einen Ausblick, Reflexionsfragen und Schlüsselbegriffe zur Lernkontrolle abgerundet. Das Gesamtformat ist überschaubar und mit 170 Seiten pragmatisch gehalten. Dafür kann der ambitionierte Leser dann auch verständlicherweise keine Vollständigkeit erwarten. Diese wird nur durch das Studium der zahlreichen Literaturhinweise ermöglicht. So erhält der Leser, besser der Konsument, für einen angemessenen Preis einen ausgesprochen fairen Gegenwert, der sich für ihn nicht nur, aber insbesondere im Studium rasch amortisieren wird…


Die Psychologie von Potenzial und Kompetenz
Die Psychologie von Potenzial und Kompetenz
von Michael Paschen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene, verständliche, aber anspruchsvolle Lektüre zu relevanten Themen, 26. Juli 2014
Die Begriffe „Kompetenz“ und „Potenzial“ sind im Personalmanagement in Aller Munde, allerdings ohne eine allgemein akzeptiert und gemeinschaftlich getragene Definition. So tritt das hier vorgestellte Buch zunächst einmal mit dem Anspruch an, diesen beiden „Dauerbrennerthemen“ ein Gesicht zu geben und zu einem allgemein akzeptierten Verständnis beizutragen. Stark verkürzt setzt sich dabei eine Kompetenz zusammen aus: a) Fähigkeiten und Handwerkszeug; b) Wissen und Erfahrung sowie c) Orientierung und Motivation – und dies (ungenannt) vermutlich in einem multiplikativen Zusammenhang, oder anders ausdrückt, alle drei Komponenten müssen in relevantem Umfang vorhanden sein, um von einer Kompetenzausprägung zu sprechen. Im Gegensatz zum oft kaum hinterfragten Alltagsverständnis („Viel hilft viel!“) sind Kompetenzen in der Regel durch einen antagonistischen Charakter geprägt: Jede ausgewiesene Stärke beinhaltet automatisch und nur begrenzt kompensierbar eine Schwäche als die jeweils „andere Seite der Medaille“. Der Potenzialbegriff im Sinne der Autoren erweist sich dabei als noch komplexer, indem er auf unentdeckten und noch nicht realisierten Fähigkeiten und Kompetenzen aufbaut, die durch entsprechende Rahmenbedingungen und Förderungen aktiviert werden können. Dazu bedarf es der „Orientierung“ als Richtungspfeil, der aber auch noch durch „Willensstärke“ ergänzt werden muss.
Nach dieser – vereinfacht dargestellten – Klärung wendet sich das Autorenteam 15 Einzelkompetenzen zu, die im Berufsleben von Relevanz sind, unterteilt in die Oberkategorien:
1. Führungskompetenzen:
• Führung
• Konfliktmanagement
• Überzeugungskraft
2. Sozialkompetenzen:
• Kontaktstärke
• Teamfähigkeit
• Interkulturelle Kompetenz
3. Unternehmerische Kompetenzen:
• Strategisches Denken
• Kundenorientierung
• Unternehmerisches Denken
4. Problemlösekompetenzen:
• Analyse als Kompetenz
• Entscheidungskompetenz
• Innovation
5. Selbststeuerungskompetenzen:
• Selbstreflexion
• Empathie
• Initiative
Die Darstellung der Einzelkompetenzen folgt einer klar erkennbaren Struktur (ohne dass allzu „sklavisch“ ein streng vorgegebenes Muster eingehalten würde): Nach einer Begriffsbestimmung und Ursprungsklärung samt historischem Hintergrund werden verwandte „Co-Kompetenzen“ thematisiert, wobei die ebenfalls vorgestellten berühmten „Prototypen“ einzelner Fähigkeiten wie Bill Clinton oder der Dalai Lama – historisch oder zeitgenössisch – die Darstellung oft noch prägnanter werden lassen als die rein theoretische Beschreibung. In jedem Kapitel sind außerdem Möglichkeiten zur Diagnose der Einzelkompetenz enthalten, die zwangsläufig überlappen, weil das psychologische Instrumentarium dazu, im Wesentlichen bestehend aus Interview, Präsentation, Rollenspiel, Case Study und ggf. noch Psychometrie recht überschaubar ausfällt.
Ob beabsichtig oder auch nicht, zunächst einmal enthält das hier besprochene Buch eine Art „Kompetenzatlas“ für den beruflichen Kontext, der mit 15 Ausprägungen gegenüber dem vielzitierten Modell von Heyse & Erpenbeck deutlich pragmatischer gehalten ist als die 64 Einzeldimensionen dort. Besonders gefallen hat dem Rezensenten auch die historische Einbettung der Kompetenzen, die das alte Ebbinghaus-Zitat verdeutlicht, dass die Psychologie eine viel längere Vergangenheit als die gut hundert Jahre Wissenschaftsgeschichte aufweist. Neben solchen geschichtlichen Elementen ist der Text aber durchweg auch vom Anspruch an Aktualität geprägt, zum Beispiel wird auch schon auf Papst Franziskus als momentanem Hoffnungsträger der katholischen Kirche namentlich Bezug genommen. Abgesehen vom unlängst verstorbenen Erich Dihsmaier (dem der gesamte Band gewidmet ist), setzt sich das ganze Autorenteam aus Beratern des Diagnostik-Anbieters „Profil M“ zusammen, wobei trotz 13 beteiligter Verfassern ein homogener und in sich stimmiger Text entstanden ist, dabei sehr „unaufgeregt“, weil keiner der Autoren mit seiner Persönlichkeit nach vorne drängt.
Alles in allem erlebt der Rezensent viel „Licht“ rund um das hier präsentierte Buch, allerdings auch – ganz im Sinne des vorgestellten Kompetenzverständnisses – auch etwas Schatten. Dieser resultiert im Wesentlichen aus den knapp 500 Seiten Text, die nur recht selten durch graphische Illustrationen unterbrochen werden. Auch wenn schon der Buchrücken und die gelungene äußere Aufmachung des Buches Respekt einflössen, resultiert rasch auch etwas „Ehrfurcht“ vor dem umfassenden Inhalt. Dadurch können ambitionierte, aber nicht enthusiastisch Motivierte von einer vollständigen Lektüre abgehalten werden. Gleichzeitig verbleibt aber schon bei rascher Beschäftigung die zweite mögliche Nutzung des Buches als Nachschlagewerk, weil zweifelsohne zu jeder Einzelkompetenz eine Menge Substanz angeboten wird in der Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber mit klar erkennbarer Priorität auf Anwendbarkeit im diagnostischen Alltag. Vor diesem Hintergrund handelt es sich um eine hochwertige und ausgesprochen „faire“ Publikation, die sich ihre Bewertungssterne gewissenhaft verdient hat.


The Psychology of Human Leadership: How To Develop Charisma and Authority
The Psychology of Human Leadership: How To Develop Charisma and Authority
Preis: EUR 66,63

5.0 von 5 Sternen Eye-opening book on Leaderhship, 15. November 2013
“The topic of leadership is not just one subject among many. Ultimately, the topic of leadership contains the fundamental questions of our entire life.” With this starting statement, the authors Paschen and Dishsmaier illustrate convincingly the importance and relevance of their subject. In contrast to a painted picture, they understand the term “Leadership” as a sculpture: The full perspective only results as analysis from various angles, however it is only possible to focus from one perspective at the time. Based on this understanding, both authors structure the various chapters of the book:

1. What Leadership is and what Leadership is not;
2. Leadership, Personality and Charisma;
3. Leadership through Knowledge of Human Nature, Motivation, Persuation and Assertion;
4. Leadership in Danger, Crisis and Need for Change;
5. Leadership by Goals;
6. Leadership by Creating Structures;
7. Leadership in Conflict Situations;
8. Leadership by Influence and Communication;
9. Leadership through Power and Dominance;
10. Abnormal Psychological Developments typical for Managers;
11. Leadership, Success and Morality: Decision Making in Ethical Dilemma Situations;

The content of these topics is ambitious-abstract, on the other hand extremely stringent and logically thought-through. Many helpful examples help to illustrate and better understand. Also short resume-summary after each paragraph foster the readability of the text. Overall, with 250 pages the book has a convenient and pleasant volume, already the creative cover stimulates the interest for further reading.

The target group for this book is very large and contains all interested readers, who want to seriously reflect on the topic of “Leadership”. It does not comprise simple and easy-to-use recipes for the ultimate behavior as manager. But after an in-depth investigation the content of this book can be far more eye-opening than the long list of the classic standard-Leadership-“guidebooks”. Finally, this book is highly recommendable and deserves a broad attention!


Change Management: Die Architektur für erfolgreiche Veränderungsprozesse
Change Management: Die Architektur für erfolgreiche Veränderungsprozesse
von Martin Classen
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anspruchsvolles zum Thema "Change"!, 30. September 2013
Dieses Buch ist etwas Besonderes. Damit ist natürlich direkt die Diskussion eröffnet, ob dieses Buch „besonders gut = besonders gelungen“ ist, oder nur „anders als andere Bücher“. Um die Beurteilung vorweg zu nehmen, dem Rezensenten hat es gut gefallen, doch diesem Urteil mögen sich nicht alle Leser und nicht-bis-zum-Ende-Leser anschließen. Das besonders Besondere an dem Buch ist, dass es zu einem Thema geschrieben wurde, zu dem bereits Stapel von Büchern bedruckt wurden und das von daher kaum mehr Einzigartigkeit beanspruchen kann. Ein flüchtiger Blick in das Inhaltsverzeichnis lässt dann die Besonderheiten des hier vorgestellten Werkes allerdings nicht erkennen. Die verwendeten Überschriften kommen vielmehr reichlich bekannt vor:
1. Grundlagen im Change-Management: Anlässe, Definition, Theorien etc.
2. Situationsgebundenheit von Change-Management: Unternehmensdiagnostik, Stakeholder-Mapping, Micropolitik etc.
3. Leadership-Management als Schlüsselthema
4. Talent-Management als zentrale (HR-) Aufgabe mit Handlungsanregungen
5. Veränderungsarchitektur: Erfolgsfaktoren, Timing und Design von Veränderung
6. Veränderungsmanagement als Menschenwerk
7. Veränderungswerkzeuge: Instrumente, Controlling etc.
Diese genannten Themen werden bei sachkundigen Lesern rasch reichlich Assoziationen im Sinne eines „Dejà-vu“ bzw. „Dejà-lu“ hervorrufen. Schließlich erinnern sie an etliche Lehrbücher, die bereits zu diesem Thema geschrieben wurden und an vielen Lehrstühlen der BWL, (Wirtschafts-) Psychologie, Soziologie und sonstigen Disziplinen an mehr oder weniger motivierte Studierende vermittelt werden.
Doch schon ab der ersten Textseite offenbart sich die Andersartigkeit dieses Buches. Diese basiert in erster Linie darin, dass der Autor weniger im klassischen Sinne ein bestimmtes Change-Thema beschreibt / vorstellt, sondern eher über ein bestimmtes Thema schreibt, fast in einem „journalistischen Sinne“. Selbstverständlich werden dabei auch differenzierte Inhalte vermittelt, aber viele Stellen im Text erinnern im weiteren Sinne an eine Art „Expertengespräch“ unter Fachkundigen, die sich über einen aktuellen Trend austauschen und diesen interessiert kommentieren.
Ein weiteres Charakteristikum ist die ausgesprochen kraftvolle, pointierte „Schreibe“ des Autors: Darin enthalten sind zahlreiche Anleihen aus der englischen Sprache aus, doch lassen sich viele zeitgemäße Themen auch kaum mehr ohne neudeutschen HR-Jargon illustrierten. Dabei ist der Komplexitätsgrad der Darstellung ist ambitioniert und oftmals keine „leichte Kost“, gleichwohl sehr durchdacht und stringent aufbereitet. Kennzeichnend ist ferner, dass der Autor bei seiner Leseransprache viel von sich selbst als Person offenbart. Er vermeidet dabei aber konsequent, in Privates / Banales abzugleiten oder die eigene Meinung überstülpen zu wollen.
Besondere Hochachtung verdient die im Buch enthaltene „Rundumsicht“ der einschlägigen Literatur. Der Autor ist ausgesprochen belesen und verweist an ungezählten Stellen in seinem Text auf zeitgemäße Referenzen in Form von Studien, Artikeln und Büchern zum Thema. In dieser langen Liste sind dann auch die diversen Untersuchungen und Aufsätze enthalten, die der Verfasser selbst in der Vergangenheit als Solist oder im Team dem Fachpublikum vorgestellt hat. Eine weitere besondere Facette des Buches stellen die diversen Interview-Partner dar, die im Vorfeld der Publikation mit einer Mischung aus offenen und standardisierten Fragen zum Thema „Change“ aufgesucht und angesprochen wurden. Diese Liste erinnert an ein aktuelles „Who-is-who?“ von 23 tonangebenden Vertretern der HR-„Szene“ in ganz unterschiedlichen Funktionen, aber allesamt aus der Praxis. Fast erschreckend wirkt dabei, dass darunter eines der interessantesten Gespräche mit einem Geschäftsführer anonymisiert werden musste. Anscheinend ist Klartext [auch] im HR-Umfeld auch heutzutage nicht unbedingt Reputations- und Karriere-förderlich, oder nach Reinhard Mey: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!“
Insgesamt handelt es sich um das Werk eines ausgewiesenen Fachmanns für Fachleute auf Augenhöhe. Dies können komplexitätstaugliche und veränderungserfahrene Manager sein, die ihr eigenen Tun und Handeln auf hohem Abstraktionsniveau hinterfragen wollen. Noch stärker kommen aber gestandene Personal-Experten in Betracht, die nach der Beschäftigung mit den konventionellen Change-Modellen und –Konzepten die Kraft für eine echte Überblicks-Auseinandersetzung mit dem Thema haben, und neben der Meinung und Haltung des Autors auch von der weitreichenden Literatursichtung profitieren wollen. Als Einstiegslektüre für weniger Sachkundige, zum Beispiel den prototypischen Studierenden hingegen, mag es kaum geeignet erscheinen.
Das hier vorgestellte Buch von Martin Claßen grenzt sich explizit von den zahlreichen „Change-Kochbüchern“ im Sinne von „Man nehme … und eine Prise …“, bei dem die zur Verfügung stehenden Tools in den Mittelpunkt gestellt werden, denn vor dem Handeln sollte das Denken kommen („Sapere aude“ – Nutze den Verstand!). Gleichwohl findet sich im Text eine Fülle an Praxiserfahrung im Umgang mit (großangelegten) Veränderungsprojekten, wobei auch ausgesprochen schlüssige und anschauliche Prozessbeschreibungen samt konkreten Hilfestellungen, Instrumenten und Vergleichsdaten aufgeführt werden. Von besonderer Bedeutung ist dem Autor eine Art „Längsschnitt-Betrachtung“ des Change-Verständnisses, aber auch allgemeiner sozialogischer und betriebswirtschaftlicher Entwicklungen über die Zeit, einschließlich eines vorsichtigen Blicks in die Glaskugel der Zukunft. Somit gebührt auch der zweiten, erweiterten und aktualisierten Auflage dieses Werkes eine angemessene Aufmerksamkeit von Seiten des Fachpublikums, voran ein ehrliches „Chapeau!“ aus der Feder des Rezensenten.


Ausgesessen!: Warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens unsere Zukunft kostet
Ausgesessen!: Warum uns die Kultur des Nicht-Entscheidens unsere Zukunft kostet
von Roland Jäger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

5.0 von 5 Sternen Pointierte Lektüre!, 8. Juli 2013
Das hier beschriebene Buch ist lesenswert und unterhaltsam! Roland Jäger, gestandener Coach und Berater, knüpft daran an die erfolgreiche Publikation „Ausgekuschelt“ an und beschreibt in prägnanter Weise eine Vielzahl von gesellschaftlich-politischen Defiziten, von denen hier nur einige Aussagen beispielhaft herausgegriffen werden können:
• Viele Menschen tendieren im Alltag dazu, unangenehme Dinge wie kritisches Feedback vor sich her zu schieben („Prokrastination“) und nehmen dabei in Kauf, dass sich das Problem in der Zwischenzeit intensiviert;
• Die Tendenz zum privaten Aussitzen betrifft oft nicht nur den einzelnen, sondern macht sich auch für ein ganzes System bemerkbar (zum Beispiel bei verschleppten Familienkonflikten);
• Auch auf der politischen Ebene finden sich viele Belege dafür, wo offensichtlichen Fehlentwicklungen nicht entschieden entgegen gesteuert wird, zum Beispiel bei der Finanzierung der Rentenversicherung („Demographischer Wandel / Überalterung der Gesellschaft“) oder in der Bildungs- oder Einwanderungspolitik;
• Sowohl bei Privatpersonen als auch bei Organisationen bis hin zu ganzen Staaten hat sich eine nahezu bedenkenlos fortgesetzte Bereitschaft zur Verschuldung entwickelt, wobei der damit ermöglichte Konsum in eine Zins- und Schuldenfalle mündet;
• Organisationen wie der Wirtschaftsverband BDI, Gewerkschaften oder Kirchen zeigen sich zunehmend reformunwillig oder –fähig. Sie tendieren dazu, den „schwarzen Peter“ der Veränderungsnotwendigkeit an andere Parteien abzuschieben, ohne der Notwendigkeit einer intensivierten Eigenverantwortung gerecht zu werden. Ein fortgesetzter Mitgliederschwund ist die Folge, doch auch diese Entwicklung wird sträflich ignoriert oder – vermeintlich! – ausgesessen;
• Die Komplexität anstehender Entscheidungen überschreitet mittlerweile die Sachkunde der Politik in erschreckendem Ausmaß, beispielsweise bei der Verabschiedung der diverse Euro-Rettungsschirme;
• Hingegen leben Unternehmerpersönlichkeiten wie Reinhold Würth, Friedhelm Loh oder Heinz-Horst Deichmann vor, wie durch persönliche Initiative und Engagement gesellschaftlich wertvolle Beiträge geleistet werden können, ohne sich der Stromlinienförmigkeit samt Unterwerfungsnotwendigkeit von Parteistrukturen unterwerfen zu müssen;
• Wer (übermäßig) jammert und Missstände bedauert, drückt damit letztlich nur aus, dass er sich vor einer angemessenen Entscheidung zur Veränderung der Situation herumdrückt. Die TINA-Formel: „There is no alternative!“ hat sich nur in seltensten Fällen bewahrheitet, weil bei genauerer Betrachtung regelmäßig weitere Handlungsoptionen deutlich werden;
• Das momentan viel zitierte „Burnout-Phänomen“ resultiert oft aus einer Kombination aus beruflichem Stress und privaten Belastungen, meist verbunden mit einem Kontrollverlust-Erleben. In Anlehnung an das berühmte Zitat von Paul Watzlawik gilt aber „Man kann nicht nicht entscheiden“. Schwierige Situationen resultieren dann oft daraus, dass das eigene Schicksal nicht selbständig genug in die Hand genommen wird. Die sog. „Resilienz-Forschung“ zur Widerstandsfähigkeit von Menschen konnte dabei zeigen, dass es möglich ist, auch aus manifesten Belastungen aus Kindheit und Erwachsenen-Dasein gestärkt und psychisch unversehrt hervor zu gehen. Dabei können folgende Empfehlungen helfen:
o Soziale Kontakte aufbauen
o Krisen nicht als unüberwindlich wahrnehmen
o Realistische Ziele entwickeln und eine Langzeitperspektive einnehmen
o Die Opferrolle verlassen und selbst aktiv werden
o An die eigene Kompetenz glauben und für sich selbst sorgen
• Ob gewollt oder nicht, Veränderungen sind unausweichliche Bestandteile des Lebens. Sie verlaufen dabei immer in bestimmten Phasen, die dann auch mit Stimmungsschwankungen verbunden sind;
• Auch wenn bekanntlich alle Menschen nach Glück streben, ist es bei näherer Betrachtung gar nicht trivial, diesen Zustand zu definieren. Der Versuch, Glück zu kaufen, ob mit materiellen Anreizen oder Kindern, ist rasch zum Scheitern verurteilt. Glück im Leben ist oftmals eine Funktion der Beharrlichkeit, den das Scheitern – und Neu-Anfangen – gehört zwangsläufig dazu. Roland Jäger greift dazu folgende Parabel aus China auf (S. 136): „Ein armer Bauer bestellt mit einem alten, müden Pferd einen kleinen Acker und lebt mit seinem Sohn eher schlecht als recht davon. Eines Tages läuft ihm das Pferd davon. Alle Nachbarn kommen und bedauern ihn wegen seines Unglücks. Der Bauer bleibt ruhig und sagt: „Woher wisst ihr, dass es Unglück ist?“ In der darauffolgenden Woche kommt das Pferd zurück und bringt zehn Wildpferde mit. Die Nachbarn kommen und gratulieren ihm zu seinem großen Glück. Der Bauer antwortet bedächtig: „Woher wisst ihr, das es Glück ist?“ Der Sohn fängt die Pferde ein, nimmt sich das Wildeste und reitet los. Aber das wilde Pferd wirft ihn ab, und der Sohn bricht sich ein Bein. Alle Nachbarn kommen und jammern über das Unglück. Der Bauer bleibt wieder ruhig und sagt: „Woher wisst ihr, dass es Unglück ist?“ Bald darauf bricht ein Krieg aus, und alle jungen Männer müssen zur Armee. Nur der Sohn mit seinem gebrochenen Bein darf zu Hause bleiben …“
• Wie schon im Vorgänger-Werk kritisiert der Autor die vielerorts zu beobachtende Tendenz zur Konfliktvermeidung in Form eines „Kuschelkurses“. Er plädiert hingegen für eine gelebte Streitkultur, bei der jede Seite in angemessener Weise ihre Interessen deutlich macht und auch nach außen vertritt – und dazu gehört auch, wenn erforderlich, ein klares Nein!
Am Ende des Buches stehen noch einige gesamtgesellschaftliche Überlegungen wie:
• Auch wenn sich die Demokratie mittlerweile als die bestmögliche Staatsform heraus gestellt hat, fühlen sich die Menschen nicht mehr ausreichend von ihren gewählten Repräsentanten vertreten. Dabei macht sich die sog. „Politikverdrossenheit“ – wahrscheinlich vielmehr eine „Politikerverdrossenheit“ - zunehmend unübersehbar / dramatisch bemerkbar;
• Neben allen positiven Elementen kann ehrenamtliches Engagement auch regelrecht verhindern, dass sich im Land Grundlegendes bewegt und macht sich dann als „Opium für das Volk“ unvorteilhaft bemerkbar;
• Das Bespiel der recht kleinen Schweiz zeigt, wie Volksentscheide funktionieren und zu einer vielleicht etwas verzögerten, aber oft durchaus raisonablen Entscheidungsfindung führen können.

Dieser Versuch, knapp 200 Seiten prägnant zusammen zu fassen, mag auf der einen Seite den differenzierten Inhalten dieses Werks nicht gerecht werden. Auf der anderen Seite dürften Roland Jägers Thesen sowohl in der kondensierten Form wie auch im Original nicht übermäßig kontrovers diskutiert werden, vielmehr wird der Autor wohl von einem aufgeklärten Publikum vielmehr breite Zustimmung erfahren. Insofern enthält das Werk eine lange Reihe „Kassandra-Rufe“, die gesellschaftliche und individuelle Veränderungsnotwendigkeiten in überzeugender Weise aufzeigen – wenn da nicht der „innere Schweinhund“ und die Bereitschaft zum „Aussitzen“ im Wege stünde. Insgesamt handelt es sich damit um kein Fachbuch im engeren Sinne und es tritt auch nicht mit dem Anspruch eines „Lebenshilfe-Ratgebers“ an. Vielmehr eignet sich das Buch schlichtweg als Lesestoff für diejenigen, die gerne kurzweilige Bücher im überschaubar-kompakten Format lesen, um sich dann ihre eigenen Gedanken zu machen.


Systematisches Talent Management: Kompetenzen strategisch einsetzen
Systematisches Talent Management: Kompetenzen strategisch einsetzen
von Svea Hehn
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnetes Werk zu einem aktuellen Thema, 1. März 2013
In der Vergangenheit hatten Erpenbeck, Heyse und von Rosenstiel bereits zu den Themen "Kompetenzentwicklung" und "Kompetenzmanagement" auf sich aufmerksam gemacht und dazu im Schäffer Poeschel Verlag erfolgreiche Publikationen veröffentlicht. Nun schließen sie an diese Tradition an und empfehlen in ihrem Geleitwort das hier besprochene Buch als einen weiteren Baustein dieser Veröffentlichungsreihe. Unklar bleibt, ob es sich bei dem Text um eine modifizierte Dissertation der Autorin handelt. Schließlich basiert er auf einem empirischen Vergleich von 17 prominenten Unternehmen wie adidas, Audi, BMW, Lanxess, Microsoft oder SAP und deren jeweiligen Vorgehensweisen beim Talent-Management. Doch selbst wenn das Buch tatsächlich einen solchen wissenschaftlichen Ursprung haben sollte, ist es zweifelsohne über den plumpen Vorwurf einer "akademischen Pflichtübung" meilenweit erhaben. Denn die Autorin beschränkt sich keineswegs auf eine abstrakte Analyse, vielmehr synthetisiert sie aus den von ihr untersuchten "Best-Practice"-Beschreibungen durchgängige Prinzipien, die unternehmens- und branchenübergreifend für ein zeitgemäßes Talent Management Gültigkeit beanspruchen können.

Doch nun zum eigentlichen Inhalt: Zu Beginn erläutert Frau Steinweg ein Rahmenmodell. Darin wird die Talent Management Strategie zunächst eingebettet in die Unternehmensstrategie, was sich sowohl auf die Unternehmenskultur als auch auf die diversen HR-Praktiken auswirkt. Sie proklamiert in der Folge einen differenzierten Talent-Ansatz, der nicht nur Ausschau hält nach den wenigen, aber dauerhaften "Kronprinzen", die gleichzeitig hohe Leistung sowie hohes Potenzial aufweisen. Die Autorin versteht einen integrierten Talent Management Ansatz vielmehr als das Bündel an Anstrengungen zur Leistungssteigerung der gesamten Organisation, indem die Passung von Person zu Position systematisch verbessert wird. Dieses Ziel wird über die diversen Instrumente wie "Personalgewinnung / Rekrutierung", "Personalidentifizierung / Nachfolgeplanung", "Personalentwicklung" bis hin zur "Personaleinsatzplanung" und "Personalbindung" realisiert.

Das folgende Kapitel beschreibt die passende Strategie, um diesem Ziel gerecht zu werden, angefangen bei einer Situationsanalyse über eine qualitative / quantitative Mengenplanung zur Ermittlung der Sollprofile. Diesen erwarteten Anforderungsprofilen werden dann die tatsächlichen Ist-Profile gegenübergestellt, um mögliche Kompetenzlücken zu identifizieren. Ausführlich dargestellte Erfolgskriterien, sog. "Key Performance Indicators", erleichtern eine Bestandsaufnahme des momentanen Talent Managements im jeweiligen Unternehmen.

Die Skalierung von Anforderungen auf verschiedenen Hierarchieebenen kann anhand der sogenannten "Leadership Pipeline" nach Chran, Drotter & Noel, 2001) vorgenommen werden. Diese beschreibt verschiedene Komplexitätsgrade von Führungsverantwortung: Von "sich selbst führen" über "Andere [Führungskräfte] führen" bis hin zu "Funktion / Geschäftsfeld" oder gar "Konzern managen", wobei jeder Übergang neue Fähigkeiten und veränderte Prioritäten erfordert.
Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit der Frage, wie solche Fähigkeiten geclustered und katalogisiert werden können, was dann üblicherweise in Form von Kompetenzmodellen geschieht. Um im Alltag echte Wirksamkeit entfalten zu können, sollte das jeweilige Kompetenzmodell des Unternehmens mit möglichst allen Personalinstrumenten wie Mitarbeiter-Beurteilung, Talent-Identifikation, Nachfolgeplanung etc. verknüpft sein. Die Autorin beschreibt dabei verschiedene Varianten von allgemein gültigen Kompetenzmodellen für alle Mitarbeiter, Funktionsspezifischen (= zum Beispiel alle Forscher) oder Hierarchie-spezifischen nur für Führungskräfte.

Dabei greift sie in der Folge auch ganz konkret die Herangehensweisen drei großer, weltweit agierender HR-Beratungsfirmen (PDI, shl, DDI) auf, wie diese solche Prozesse unmittelbar beim Kunden angehen. Auch unter der Überschrift "Unternehmenskultur" unterlegt sie ihre Darstellung mit einer empirischen Studie, in welcher die zentralen Hindernisse für Talentmanagement quantifiziert werden.

Im letzten großen Abschnitt illustriert die Autorin die bereits erwähnten HR-Praktiken noch einmal getrennt von einander. Es finden sich Einzelkapitel zu: "Beurteilung"; "Talent-Identifikation"; "Nachfolgeplanung"; "Mitarbeiterentwicklung"; "Mitarbeiterbindung" und "Rekrutierung". Darin beschreibt sie umfassend das derzeit gängige Portfolio an Aktivitäten, deren Gesamtheit dann das Talentmanagement des Unternehmens ausmachen. Auch hier zeichnet sich das Gesagte durch einen hohen Praxisbezug aus, wenngleich dabei immer wieder Referenzstudien genannt werden oder Individuallösungen zu einer möglichen "Best-Practice"-Vorgehensweise verallgemeinert werden.

Alles in allem erhält der Leser für 50 Euro auf gut 200 Seiten Text eine Menge Material für eigene Unterfangen im Unternehmen oder als Berater. Dabei profitiert er von einer gelungenen Beschreibung / Zusammenstellung gängiger Praktiken in diversen Großunternehmen, die sich zwar hier und da im Detail unterscheiden mögen, an vielen Stellen jedoch ebenso große Überlappungen aufweisen. Der Text verschweigt dabei auch nicht die klassischen Schwierigkeiten, die bei der Realisierung eines funktionierenden Talentmanagements in der Praxis auftreten. In äußerst wohltuender Weise ist dabei noch ganz konservativ von "Problemen" die Rede, auch als McKinsey-Beraterin verzichtet die Autorin konsequent auf die Verwendung von "Herausforderungen / Challenges" oder anderen Zeitgeist-Floskeln im "Berater-Jargon". So erlebt der Rezensent das Buch als ein faires Angebot, vorhandenes Wissen zu einem mannigfaltigen Thema bereitwillig zu teilen und gut verständlich aufzubereiten. Letztlich muss jeder Leser über die Verwendbarkeit des Buches selbst entscheiden, zu empfehlen ist es allemal.


Coaching und seine Wurzeln: Erfolgreiche Interventionen und ihre Ursprünge (Haufe Fachbuch)
Coaching und seine Wurzeln: Erfolgreiche Interventionen und ihre Ursprünge (Haufe Fachbuch)
von Karsten Drath
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein maßgebliches Übersichtswerk zum Thema Coaching, 7. Februar 2013
Zum Thema „Coaching“ wurde mittlerweile schon so viele Bücher geschrieben, dass sich neben MWOnline ganze Datenbanken zum Ziel gesetzt haben, die Fülle zu sammeln und nebeneinander zu stellen. Wenn man nun aus dieser Masse genau ein einzelnes Buch zu diesem Thema herausgreifen müsste, das einen qualifizierten und tiefgehenden Überblick ermöglicht, kann die Wahl schon schwer fallen. Doch genau diesen Zweck füllt das hier besprochene Werk in gelungener Weise aus: Es tritt an mit der Absicht, dem Leser eine Gesamtperspektive über die aktuelle Coaching-Praxis zu ermöglichen, in Verbindung mit einem umfassenden Abriss der historischen Wurzeln. Zu Beginn stehen anschauliche Begriffsklärungen zu „Coaching“ allgemein sowie ein übergreifendes Phasenmodell zur Professionalisierung des Coaching in Deutschland und den USA & Großbritannien samt Blick in die Zukunft. Im Mittelpunkt des Werks steht die differenzierte Beschreibung der Coaching-Ursprünge, unterteilt in folgende Abschnitte:

• Tiefenpsychologie: Die klassische Psychoanalyse nach Freud und die Weiterentwicklungen;
• Humanistische Psychologie: Die Anfänge der Gestalt- / personenorientierten Therapie Perls und Rogers sowie die Logotherapie (Frankl), Transaktionsanalyse (Berne / Harris) und das Psychodrama (Moreno);
• Systemische Psychologie: Double-Bind-Theory nach Bateson, Familientherapie nach Satir, Kommunikationstheorie nach Watzlawik / Schulz-von-Thun, Kybernetik zweiter Ordnung nach von Foerster;
• Neurolinguistisches Programmieren (NLP) mit Pro- &Contra-Betrachtung;
• Sportpsychologie sowie die Ansätze zu einer
• Integrativen Psychologie einschließlich der zeitgemäßen Neuro-Psychotherapie.

Der Autor macht sich dabei auch an die anspruchsvolle Aufgabe, die verschiedenen Wirkrichtungen der einzelnen Pioniere / Denker in einem komplexen Vernetzungsdiagramm zusammen zu fassen, das zur besseren Übersicht auch direkt per Smartphone-Scan im Internet abgerufen werden kann (das klassische Buch-Medium wird zunehmend digital erweitert). Im Rahmen der äußerst qualifizierten und gewissenhaften Beschreibung der verschiedenen Schulen beschränkt sich der Verfasser aber nicht auf eine reine „Geschichtsschreibung“, sondern er präsentiert dem Leser auch gleich die wichtigsten Instrumente und Interventionen in ausgesprochen anschaulich-praxisorientierter Form, beispielsweise „Coaching-Hausaufgaben“, „Inneres Team“ oder „Wertearbeit bzw. Arbeit mit Glaubenssätzen“. Als letzter Teil sind über 150 Seiten des Buches den Coaching-Ahnen / -Paten der einzelnen Denkschulen gewidmet in alphabetischer Reihenfolge, anschaulich strukturiert durch einen charakteristischen Aphorismus, Kurzportrait samt Werdegang und Arbeitsgebiete.

Damit werden die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten dieses Buches deutlich: Zum einen eignet es sich zur interessierten Lektüre, idealerweise für diejenigen, die schon etwas Erfahrung bzw. Wissen zum Thema allgemein mitbringen, aber gerne in einem „Rundumschlag“ die Zusammenhänge besser verstehen möchten (zum Beispiel Studierende). Zum anderen kann es auch Praktikern empfohlen werden, die ihre ohnehin schon vorhandene „Toolbox“ kritisch hinterfragen, einsortieren und auch durch zusätzliche Methoden erweitern möchten. Letztlich kann es auch als Experten-Nachschlagewerk mit enzyklopädischem Charakter verwendet werden, wenn das Wissen zu einzelnen Coaching-Größen beizeiten noch aufgebessert werden muss.

Somit profitiert der Leser in verschiedenen Szenarien von der ausgewiesenen Expertise des Verfassers in Verbindung mit seiner Kompetenz, Zusammenhänge verständlich aufzuzeigen und auch graphisch zu illustrieren. Insofern liefert Karsten Drath als Autor eine eindrucksvolle Arbeitsprobe für die Coaching-Kompetenz, die in seinem professionellen Netzwerk „Leadership Choices“ zu finden ist.


Selbstcoaching in Konflikten: Strategien für erfolgreiche Konfliktlösungen (Whitebooks)
Selbstcoaching in Konflikten: Strategien für erfolgreiche Konfliktlösungen (Whitebooks)
von Jörg Middendorf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angewandte Selbsthilfe zum Konfliktmanagement, 21. Juni 2012
Auch wenn der ein oder andere bei diesem Wort schon innerlich zusammenzucken mag, Konflikte sind so alt wie die Menschheit. Es hat sie zu allen Zeiten und in allen möglichen Konstellationen gegeben. Dabei muss man sich nicht unbedingt an anderen reiben, denn auch als zurück gezogener Eremit kann man Konflikte mit sich selbst auszufechten haben ("Inneres Parlament"). Spätestens wenn mehrere Menschen aufeinander treffen, sind Konflikte vorprogrammiert. Denn selbst mit dem Langmut eines tibetanischen Mönches werden sich innerhalb oder außerhalb der Klostermauern unterschiedliche Interessen und Einstellungen aneinander reiben, so dass außer Frage steht, dass kein Mensch Konflikten vollends aus dem Weg gehen kann. Ebenso unstrittig dürfte sein, dass Konflikte rasch mit Ärger, Kummer und Schmerz oder mit wenig geschätzten Diskussionen verbunden sind und daher eine Belastung darstellen.

Einige Menschen mögen sich für diese Problematik gut gerüstet fühlen und in ihren Augen aufrecht, gradlinig und damit entsprechend konfliktbereit ihren Weg durch das Leben gehen. Andere hingegen werden vermutlich bereits zu verschiedenen Anlässen eine persönliche Unsicherheit samt Unwohlsein im Umgang mit Streit und Auseinandersetzung wahrgenommen haben und sind daher bereit, sich durch externe Kompetenz helfen zu lassen. Genau für diese Zielgruppe ist das hier besprochene Buch verfasst worden, wobei das darin enthaltene Coaching-Verständnis stets auf eine "Hilfe zur Selbsthilfe" abzielt und rezeptbuchartige Lösungsvorschläge vermeidet.
Am Anfang steht eine Unterscheidung von verschiedenen Ausprägungen in einen latenten, sichtbare und verfestigten Konflikt, wobei insbesondere die ersten beiden Kategorien durch das Buch entschärft werden können. Schon zu Beginn wirbt der Autor Jörg Middendorf für eine Lektüre mit dem Stift in der Hand, damit eigene Reflexionen und Erkenntnisse direkt schriftlich festgehalten werden können. Dazu dienen zahlreiche Übungen, mit denen der Verfasser eine unmittelbare, wenngleich virtuelle Zusammenarbeit mit seinem Leser initiieren möchte. Denn schließlich versteht sich dieses Werk nicht als wissenschaftliche Abhandlung zu einem bestimmten Thema, sondern als Grundlage für angewandte Lebenshilfe und damit als Rüstzeug zum Selbstcoaching. Dieses wird definiert als eine besondere Form der Reflexion, die fünf zentrale Aspekte "Annehmen, Verstehen, Planen, Handeln und Abschließen" umfasst. Grundlage dafür stellt das "Neurolinguistische Programmieren" (NLP) dar, aus dessen Kontext auch die meisten Übungen entnommen sind. Das NLP soll dabei hilfreich sein, die eigene mentale "Programmierung" zu durchbrechen bzw. zu erweitern und weitere Handlungsoptionen möglich zu machen. Dazu werden im Text einige grundlegende Glaubensätze aufgegriffen wie
- "Die Landkarte ist nicht das Gebiet",
- "Menschen treffen zu jedem Zeitpunkt die beste ihnen zur Verfügung stehende Wahl",
- "Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht" oder auch
- "Alle Ressourcen für Veränderungen liegen bereits in uns vor".
Von großer Bedeutung ist dabei die Informationswahrnehmung, die über die verschiedenen Sinneskanäle visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch oder gustatorisch erfolgt. Als erster Schritt für ein erfolgreiches Konfliktmanagement dient eine möglichst frühzeitige Erkennung der Ursachen über die beteiligten Repräsentationssysteme.

In der Folge unterscheidet das Buch zwischen Ebenen im Umgang mit Konflikten, angefangen mit der persönlichen Ebene, die im Wesentlichen durch die begleitenden Emotionen bestimmt wird. Bei der sozialen Ebene entscheidet das soziale Netzwerk darüber, welchen Verlauf und welches Ausmaß der Konflikt annehmen kann. Die vielzitierte "Eisberg-Metapher" macht dabei deutlich, dass die zunächst zwar verborgene, aber viel schwerwiegendere Beziehungsebene oftmals wirkmächtiger ist als die vermeintlich ausschlaggebende Sachebene. Das im Text ebenfalls vorgestellte "Harvard-Konzept" rät dabei, die Beziehungsebene in Konflikten möglichst zu stärken, wohingegen die unterschiedlichen Interessen auf der Sachebene deutlich angesprochen und verfolgt werden sollten. Ziel dabei sollte - wenn möglich - eine Win-win-Lösung sein, bei der beide Konfliktparteien Ihre hinter dem Konflikt liegenden Absichten verfolgen können. Dazu werden typische Techniken wie das sog. "Six-Step Reframing" oder die Kreativitätstechnik nach Walt Disney erläutert.

Ein weiteres Element zur Konfliktbehandlung ist das Klärungsgespräch, das von aktivem Zuhören und Sensibilität auch für non-verbale Signale begleitet sein sollte. Erst wenn sich solche Techniken als nicht zielführend herausgestellt haben, bietet sich als "ultima ratio" eine Mediation mit Hilfe eines externen Vermittlers an. Dazu dienen dann Prinzipien wie die "Allparteilichkeit" des Schlichters sowie ein formelles Einverständnis aller beteiligten Konfliktparteien, die letztlich in einer Vereinbarung und einem formellen Abschluss münden sollen. Einige persönliche Tipps und Tricks sowie eine Parabel über zwei buddhistische Mönche runden die Darstellung ab.

Am Ende der Lektüre hält der Leser ein Buch in der Hand, das der Autor Jörg Middendorf mit dem klar erkennbaren Ziel der Anwendbarkeit verfasst hat. Auf Grundlage eines breiten, im Text aber nicht unnötig wiederholten theoretischen Fundaments und insbesondere der NLP-Schule bietet der erfahrene Coach und Konfliktschlichter eine ernsthafte Unterstützung an und lädt zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Text, mehr aber noch mit sich selbst ein. Die Wirksamkeit des Buches liegt dadurch in erster Linie am Leser selbst und wird bestimmt durch seine Bereitschaft, sich auf die diversen Übungen und Gedankenanregungen ein zu lassen. Daraus resultiert zweifelsohne die Option auf eine verbesserte Selbsterkenntnis, die dann auch zu einem geschickteren Umgang mit anderen verhilft. Ziel ist dabei nicht, den oft unvermeidlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, sondern diese bewusst und abschlussorientiert anzugehen. Alles in allem können die hier vorgestellten psychologischen Erkenntnisse einer breiten Zielgruppe hilfreiche Unterstützung bieten, und damit hat das Buch dann seinen Zweck erfüllt und einen erfolgreichen Beitrag geleistet.


Psychologie der Menschenführung: Wie Sie Führungsstärke und Autorität entwickeln. Alle Kapitel als Hörbeiträge auf CD
Psychologie der Menschenführung: Wie Sie Führungsstärke und Autorität entwickeln. Alle Kapitel als Hörbeiträge auf CD
von Michael Paschen
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Außerordentlich gelungenes Buch zum Thema "Führung"!, 29. November 2011
Im Gegensatz zu einem auf die Fläche gemalten Bild verstehen die Autoren den Begriff 'Führung' als eine Skulptur: Der Gesamteindruck ergibt sich erst aus dem Zusammenfügen verschiedener Perspektiven, wobei immer nur ein einzelner Blickwinkel im Mittelpunkt der Betrachtung stehen kann und die einzelnen Kapitel bestimmt. Die inhaltliche Darstellung dort wird dann abgerundet durch eine kommentierte Literaturliste mit vielen namhaften psychologischen und philosophischen Autoren. Der Text selbst ist anspruchsvoll-abstrakt, aber auch extrem gradlinig-stringent formuliert und - wo erforderlich - auch stets mit anschaulichen Beispielen untermauert. Zur besseren Lesbarkeit tragen die seitlichen Zusammenfassungen der Textblöcke bei. Das Buch hat mit 250 Seiten Text ein angenehmes Format, das schon durch ein originelles Titelblatt eingeleitet wird. Eine weitere Kundendienstleistung ist die liebevolle Selbstaufnahme des Textes als Hörbuch-CD im MP3-Format. Als Zielgruppe kommen alle Leser in Betracht, die sich für das Thema 'Führung' interessieren und sich auch ernsthaft damit auseinander setzen möchten. Der Charakter des Werkes ist ausdrücklich nicht "rezeptbuchartig" inspiriert, doch möglicherweise gerade dadurch kann der Inhalt erheblich 'wirksamer' werden als die lange Liste der Standard-Führungsratgeber. Für kaum eine vergleichbare Publikation der letzten Jahre hält der Rezensent die Investition für so gerechtfertigt wie für dieses beeindruckende Opus, das eine gebührende Beachtung verdient.


Praxisbuch Coaching
Praxisbuch Coaching
von Roland Jäger
  Gebundene Ausgabe

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4.0 von 5 Sternen Meine Meinung zum Praxisbuch Coaching, 13. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Praxisbuch Coaching (Gebundene Ausgabe)
Jäger, Roland: Praxisbuch Coaching - Erfolg durch Business-Coaching  2001, Gabal, (kh), ISBN: 3-89749-138-9
„Coaching ist ein Konzept zur individuellen Unterstützung von Menschen im beruflichen Kontext" - mit dieser einleitenden und später weiter präzisierten Definition beginnt das „Praxisbuch Coaching". In der Folge erfährt der Leser diverse Hintergründe zu diesem Thema. Er (oder sie natürlich, wie immer!) braucht dabei keinerlei Hintergrundwissen mitzubringen, die Erklärungen sind ausgesprochen anschaulich und allgemein-verständlich gehalten. Dies bringt dann allerdings die Gefahr mit sich, dass erfahrene Coaches - oder auch Coachees (oder „Gecoachte", je nach Sprachwahl) - zunächst nur Alt-Bekanntes erfahren: Fragen wie die „Zielklärung im Coaching-Prozess", „der idealtypische Ablauf des Coaching" oder „das Dreiecksverhältnis zwischen Auftraggeber, Coach und Coachee" haben auch schon zuvor andere Autoren ausführlich beschrieben.
Der zweite Abschnitt widmet sich der Rolle des Coaches und vergleicht dabei Vorteile und Grenzen von internen mit externen Coaches. Der Coach ist gehalten, den Ablauf des Gesprächs eingehend zu reflektieren und sich über seine den Prozess begleitenden Gefühle Klarheit zu verschaffen. Die hier gegebenen Ratschläge können (und sollen) allerdings nur als erste Anstöße dienen und eine gewissenhafte Supervision nicht ersetzen.
Der dritte Abschnitt beleuchtet den eigentlichen Coaching-Prozess genauer und konzentriert sich zunächst im Detail auf das Erstgespräch, das dem intensiven Kennenlernen und der Auftragsklärung dient. Insbesondere bei den praktischen Exkursen wird deutlich, dass viele Anregungen wie „Pacing" oder „Submodalitäten klären" ihren Ursprung im Neurolinguistischen Programmieren haben. Die Technik des „NLP" eignet sich für das Coaching in besonderer Weise, weil damit eigene, oftmals unerkannte oder unterschätzte Ressourcen zum Vorschein gebracht werden können. Damit wird die Beratung zu einem klar Lösungs-orientierten Prozess, der damit auch zur Entscheidungshilfe dienen kann. Dabei sollten sich aber alle Beteiligten darüber im Klaren sein, dass sich der Coach oftmals vor fast unlösbare Aufgaben gestellt sieht („Die Strukturen bei uns sind nun einmal so..."). Nicht der externe Experte, sondern allein der Coachee kann seine Probleme lösen und muss die dafür erforderlichen Ressourcen bereitstellen bzw. entwickeln..
Nach dem wichtigen Erstgespräch verlaufen die anschließenden Sitzungen nach einer festgelegten Struktur: Zunächst findet ein Rückblick auf die Ereignisse seit der letzten Zusammenkunft statt. Somit wird zunächst der momentane Status Quo bei der aktuellen Sitzung beschrieben. Dies ermöglicht auch eine Messung des Transfererfolges und unterstützt die weitere Arbeit an den Veränderungsmöglichkeiten. Im Rahmen des Abschlussgespräches wird dann der gesamte Prozess hinterfragt und bewertet. Wichtig ist dabei, den Coachee im Verlauf des Prozesses „auf die eigenen Beine zu stellen" und der Gefahr einer „Problemlösungsdelegation" auf den Coach entgegen zu wirken.
Ein Nachwort von Gunther Schmidt, Leiter des Milton-Erickson-Instituts in Heidelberg, stellt im Vergleich mit anderen Coaching-Publikationen den besonderen Wert dieses Buches heraus, wobei dem Autor zu seinem „gelungenen Wurf" gratuliert wird. Dieser Meinung kann sich der Rezensent durchaus anschließen, wobei seine Bewertung zwar ebenfalls eindeutig positiv, aber etwas verhaltener ausfällt. Coaching-Neulinge finden in dem Buch sicherlich einen gelungenen und lesenswerten Einstieg. Auch Erfahrenere können eine Reihe von praxisnahen Anregungen nachlesen. Die Lektüre fällt leicht aufgrund der Sprache und der lockeren Aufmachung mit vielen Aphorismen bekannter Denker und anschaulichen Beispielen (Die regelmäßig verwendeten Mindmaps sind Geschmackssache). Kurzum, das Buch reiht sich ein in die mittlerweile recht umfangreiche Liste von Veröffentlichungen zu diesem (Mode-)Thema. Wer wenig Theorie und viel Greifbares/Anwendbares erwartet, wird über die Anschaffung nicht enttäuscht sein.


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