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Rezensionen verfasst von
W. Öschelbrunn (Berlin)

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Die Nachhut: Roman
Die Nachhut: Roman
von Hans Waal
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großes Kino - hoffentlich bald auch als Film!, 2. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Nachhut: Roman (Taschenbuch)
Hans Waals "Die Nachhut" wünsche ich mir auf Sönke Wortmanns Nachttisch, zu gut eignet sich der skurrile Stoff dieses Romans zur Verfilmung.

Vier Greise, die nach Jahrzehnten in einem unterirdischen Wehrmachtsbunker in der brandenburgischen Schorfheide die Rückkehr in die Welt von heute wagen. 1945 in den Bunker abkommandiert, dessen Umland wenig später erst von den Sowjets, später dann von der NVA und schließlich der Bundeswehr als Truppenübungsplatz und Bombenabwurfzone genutzt wurde, verpaßten die letzten Verteidiger des Dritten Reiches das Ende des Zweiten Weltkrieges. Doch nach Verlust des letzten funktionsfähigen Büchsenöffners bricht die Disziplin endgültig zusammen. Vor die Alternative Meuterei oder Durchschlagen zur Reichsführung gestellt, wagen Josef, Otto, Fritz und Konrad den Ausbruch ins scheinbar feindlich besetzte Land. Doch die vier ahnen gar nicht, welche Überraschungen auf sie an der Oberfläche warten.

"Die Zeitung mit dem konspirativen Kürzel ND nennt sich tatsächlich Neues Deutschland und versteht sich als Sozialistische Tageszeitung. Der Zusatz national fehlt, also stimmt es wohl (...): Alles Nationale sei verfemt. Dafür hat die Reichsschriftleitung nun doch die neue Rechtschreibung durchgesetzt. Es ist mir gleich beim ersten Artikel aufgefallen, der von einem Kongress statt einem Kongreß berichtet und Kommas setzt, wo er will - alles genau so, wie Anfang der 40er Jahre vom Reichserziehungsminister geplant." (S 317)

Eine wirklich kreative Romanidee, die der Autor - entgegen meiner anfänglichen Zweifel - fast bis zum Ende durchhält. Ich habe immer wieder schmunzeln können über die Freude Waals jede Form von political correctness auf die Schippe zu nehmen. Die Anlehnung einzelner Figuren an reale Politiker hätte es dafür gar nicht gebraucht. Das Buch besticht allein schon durch gelungene Sartire und ist darüberhinaus auch einfach gut geschrieben.

"Trotzdem ernte ich mehr als einmal blödes Gelächter, als ich nach dem Weg zum neuen Volksgerichtshof frage. Verdorbenes Jungvolk schickt mich auch noch feixend in die falsche Richtung, und ich merke es erst, als ich mich in einem Labyrinth aus Beton verirrt habe. Das Gelände liegt mitten in der Stadt und mißt bestimmt 150 Meter im Quadrat. Anfangs erkenne ich noch das Brandenburger Tor, dann schlagen die unterschiedlich hohen Quader förmlich über mir zusammen. Es könnte ein Heldenfriedhof sein, aber ich bin mir nicht sicher. Fingerdicke Risse ziehen sich durch den Beton, obwohl sonst noch alles recht neu wirkt. Wer es mit den Opfern seines Volkes ehrlich meint, denke ich, hätte sicher nicht am Material gespart." (S 319)

Leider führt Waal sein fein gesponnenes Romangeflecht nicht zu einem entsprechend filigranen Ende und entscheidet sich stattdessen für ein - filmreifes - Finale furioso, bei dem zuviele der angelegten Erzählstränge auf der Strecke bleiben. Daher von mir nur vier statt fünf Sternen für einen insgesamt sehr unterhaltsamen Roman.


Der Ministerpräsident
Der Ministerpräsident
von Joachim Zelter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf, zurück in den Wahlkampf. Zelters fragwürdige Politiksatire., 1. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Ministerpräsident (Gebundene Ausgabe)
Joachim Zelters Roman "Der Ministerpräsident" bewegt sich gefährlich nah am realen Geschehen. Der konservative Ministerpräsident Claus Urspring steht kurz vor der sichergeglaubten Wiederwahl als er (eventuell selbstverschuldet) mit dem Auto verunglückt. Nach Tagen im Koma erwacht Urspring, kann sich aber nur eingeschränkt an die Zeit vor dem Unfall erinnern. Mühsam muss er alltägliche Begriffe neu lernen, die Menschen in seiner Umgebung sind ihm alle fremd, insbesondere die Frau, die ihm als seine Ehefrau vorgestellt wird. Fragwürdige Berater haben aber schon längst nicht mehr seine Genesung im Auge, sondern den Erfolg im anstehenden Wahlkampf. Zunächst fügt sich Urspring willenlos in seine neue Rolle als Ministerpräsidenten-Marionette. Zwar versteht er vieles von dem, was er in seinen Wahlkampfreden im Vollplayback von sich gibt, nicht, aber zumindest sind alle mit ihm zufrieden. Dass er sich nur noch auf dem Fahrrad fortbewegen darf, um so sein unfallbedingtes Hinken zu kaschieren, nimmt er ebenfalls widerstandslos hin. Doch schon bald beginnen die Umfragewerte trotz aller Anstrengungen zu fallen ...

Da der Roman ausschließlich aus der Sicht Ursprings erzählt wird und dieser sich an sein früheres Ich nicht erinnern kann, erfährt der Leser verhältnismäßig wenig über die Person des Ministerpräsidenten vor dem Unfall. Allenfalls in Andeutungen (schwäbischer Dialekt, ein eher langweiliger Redner) zeichnet Zelter das alte Ich Ursprings nach. Zelter beraubt sich durch seine einschränkende Erzählperspektive der Chance auch weitere Sichtweisen auf den alten und neuen Urspring einzubauen. Überhaupt versandet die durchaus romanhafte Grundidee Zelters auf den zweiten einhundert Seiten des Romans. Es fehlen die ausschmückenden Ideen, mehr als das Fahrrad, auf dem Urspring den Wahlkampf bestreitet, sind an originellen Einfällen nicht mehr zu finden.

Es folgt der von der ersten Seite an zu erwartende Ausbruchsversuch Ursprings aus dem goldenen Politikkäfig. Zum Glück bekommt Zelter zumindest erzählerisch auf den letzten 20 Seiten des Romans noch einmal die Kurve, indem er die zwischenzeitlich langweilig dahinmäandernde Erzählung doch noch zu einem Spannungsbogen mit gelungenem Abschluß zurückführt.

Die Darstellung des politischen Betriebes ist in vielem durchaus zutreffend, wenn auch stark vereinfacht. Ich halte die thematische Nähe zum Schicksal des ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus dennoch für gefährlich. Zwar hat Zelter "seinen" Ministerpräsidenten nach Baden-Württemberg verpflanzt und aus einem Ski- einen Autounfall gemacht, dennoch sind die Parallelen so augenscheinlich, dass jeder Leser während der Lektüre das Bild von Althaus vor dem inneren Auge mit sich führen dürfte. Ungerechtfertigte Übertragungen literarischer Hinzufügungen Zelters auf die reale Person Dieter Althaus sind somit vorgezeichnet. Allein die extreme zeitliche Nähe der Veröffentlichung des Romans zum Geschehen um Althaus macht dieses unvermeidlich. Mehr literarische Verfremdung des Romanstoffs wäre daher angebracht gewesen.


Der Fall Neruda: Cayetano Brulé ermittelt
Der Fall Neruda: Cayetano Brulé ermittelt
von Roberto Ampuero
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf Nerudas Spuren durch die Welt des Sozialismus im Jahr 1973, 25. Juni 2011
"Cayetano fühlte sich machtlos. Die jüngsten Ereignisse bereiteten ihm Sorgen: Ein Oberst griff in der Hauptstadt nach der Macht, Angela war im Begriff, nach Kuba zu reisen, ihre Ehe stand vor dem Aus, der Dichter war krank, und er hatte den Auftrag, den einzigen Arzt zu finden, der ihn noch retten konnte. Er befürchtete, dass sich der Aufstand so schnell im Land ausbreiten würde wie die bösartigen Krebszellen im Körper des Dichters." (S. 84)

Der Dichter ist nicht irgendwer, sondern Pablo Neruda, chilenischer Nobelpreisträger für Literatur, überzeugter Sozialist und Bewunderer Stalins, enger Freund und einer der letzten Unterstützer Salvador Allendes. Außerdem ist Neruda erster Auftraggeber von Cayetano Brulé, einem gebürtigen Kubaner, der nach einigen Jahren in Miami nun seit zwei Jahren sein Leben in Valparaiso an der chilenischen Pazifikküste fristet. Cayetano findet sich in Chile so wenig zurecht wie in seiner langsam dahinbröckelnden Ehe mit Angela, einer aus reichem Elternhaus stammenden, revolutionär begeisterten Castro-Anhängerin.

Von Valparaiso, über Mexiko, Havanna, Berlin und Leipzig, schließlich LaPaz und Santiago de Chile führt uns Ampuero auf die Spur derjenigen Frau, die Nerudas Gedanken während seiner letzten Lebenstage gefangen hält. Schnell wird Brulé klar, dass Neruda ihn nicht auf die Suche nach einem Wundermittel für seine körperliche Gesundung geschickt hat.

Das Genre des Kriminalromans ist zurecht dafür bekannt Orte, Regionen und Gesellschaften für die nachfolgende Generation zu bewahren. Auch Ampuero bedient sich einer kriminalistischen Rahmenhandlung, um sich als Chronist betätigen zu dürfen. Chile in den letzten Tagen der Allende-Regierung, ein Land vor dem tiefen Fall in Jahre der Unterdrückung und Verfolgung, bildet die Kulisse der Geschehnisse. Zugleich erlebt der Leser die vermeintliche Blütezeit des lateinamerikanischen und real existierenden Sozialismus. Brulé (Ampuero) ist ein genau Beobachter und scharfzüngiger Berichterstatter dessen, was er in Kuba, Bolivien und der DDR vorfindet.

"Der Fall Neruda" ist der bisher einzig ins Deutsche übersetzte Ampuero Roman aus dessen Cayetano Brulé Serie. Dem Roman ist kommerzieller Erfolg zu wünschen, so dass Übersetzungen weitere Ampuero-Romane folgen werden.


Last Exit Volksdorf: Roman
Last Exit Volksdorf: Roman
von Tina Uebel
  Gebundene Ausgabe

8 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Seichte Unterhaltung auf dem Niveau einer Vorabendserie, 13. Juni 2011
Tina Uebel verlangt ihren Lesern bereits auf den ersten Seiten Durchhaltewillen ab, beginnt sie ihren Roman schließlich mit so schmerzhaft holen Gedanken ihrer 13jährigen Protagonistin Nasrin, dass dem Leser eigentlich gleich ... nein, den offensichtlichen Kalauer mit Bezug auf den Nachnamen der Autorin erspare ich mir hier und lasse stattdessen die Autorin für sich selber sprechen: "Nasrin hat sich schon mal gefragt, warum Herrenfahrräder eigentlich eine Stange haben und Frauenfahrräder nicht, weil diese Stange, wenn man mal fällt, da müssen sich Jungs doch unheimlich weh tun können, wenn das Ding denen in die Eier knallt, dann gibts doch Rührei." (S10) An dieser Stelle hätte die Empfangsdame des C.H.Beck-Verlages den Rückumschlag frankieren sollen und der Leserschaft die folgenden 290 Seiten vorenthalten dürfen. Stattdessen präsentiert sich "Volksdorf" mit einer Bauchbinde, die dem werten Kaufinteressenten mitteilt, dass hier eine Autorin "wirklich etwas zu sagen hat", nur leider offensichtlich nicht in diesem Roman.

Zugegeben geht es auf den folgenden 290 Seiten nicht durchgehend so hohl weiter, wie die ersten 10 Seiten befürchten lassen. Volksdorf, ein bürgerlich zu nennender Vorort Hamburgs, ist der Ort mehr oder weniger miteinander zusammenhängender Geschehnisse. Es geht um Jugendliche, die begleitet von mal überehrgeizigen, mal übertoleranten Eltern den Weg ins Leben suchen. Dass auf diesem Weg das ein oder andere Besäufnis stattfindet, im Suff ein 13jähriges Mädchen auch schon mal nackt, in eindeutigen Posen fotographiert und via Internet zum Gespött der Schule gemacht wird und dass Sex neben Alkohol und Joints der einzige Überlebensanker im Strudel des täglichen Einerleis zu sein scheint, umreißt den Großteil dessen, was Tina Uebel tatsächlich mitzuteilen hat.

Dann wäre da noch eine Mutter, die vor lauter Ehrgeiz, mit dem sie ihre Tochter zur Konzertpianistin machen möchte, nicht mitbekommt, wie die eigene Mutter von Demenz umnachtet im eigenen Bett erfriert. Nicht zu vergessen, dass die Tochter natürlich gar nicht so eine Prachttochter ist und statt zum Tennistraining lieber zum Freund ausbüxt, wo es was zu kiffen gibt und eine Quickie für Entspannung sorgt. Oder der erfolgreiche Arzt, dessen jüngster Sohn in dessen eigenen Fußstapfen treten soll, tatsächlich aber mit seinen gerade mal 14 Jahren in Internetchats ältere Männer kennenlernt und sich von diesen aufs Hotelzimmer mitnehmen läßt. "Normal" ist in Volksdorf niemand, das Prinzip erinnert ein wenig an die Lindenstraße. Jede Figur braucht als Daseinsberechtigung mindestens eine mittelschwere Macke oder geheime Seite, so dass dem durchschnittlichen Leser am Ende nur die Frage bleibt, ob der eigene Bekanntenkreis zu Schulzeiten tatsächlich so viel langweiliger gewesen ist oder sich die Zeiten in der Tat so dramatisch geändert haben.

An einer Stelle wurde Tina Uebels "Volksdorf" mit Judith Zanders "Dinge, die wir heute sagten" verglichen. Zwar ist die Ausgangslage durchaus vergleichbar, da beide Autorinnen die bundesdeutsche Gegenwart anhand einer "Dorfgemeinschaft" nachzuzeichnen versuchen, bei Uebel im Hamburg der bürgerlichen Mittelklasse, bei Zander im mecklenburgischen Nirvana, dennoch lassen sich die Romane nicht vergleichen. Uebel schreibt reißerischer, ihre Figuren sind extremer, bei ihr wird der Voyeurismus der Leser mit entsprechenden Teenager-Abenteuern reichlich bedient. "Volksdorf" hat das Niveau einer Vorabendserie, kurze Soundbites, der Leser wird nicht überfordert, da die "Message" jeder Figur so überdeutlich herausposaunt wird, dass es keine Notwendigkeit gibt, zwischen den Zeilen etwas suchen zu müssen. Der Vorteil dieses überschaubaren Tiefgangs ist, dass ein schnell zu lesender, mittelprächtig unterhaltsamer Roman resultiert, dessen Zielgruppe allerdings eher in der Altersklasse der Mehrzahl der beschriebenen Figuren zu suchen wäre.


Werkausgabe in Einzelbänden, 20 Bde., Bd.3, Der Mann im Strom
Werkausgabe in Einzelbänden, 20 Bde., Bd.3, Der Mann im Strom
von Siegfried Lenz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zeitloser Klassiker aus den frühen Lenzschen Jahren, 4. Juni 2011
"Ich habe mich jünger gemacht, als ich bin. (...) Nur weil ich Arbeit wollte, habe ich das getan. Wenn du heute nicht jung bist und Zinsen garantierst mit deiner Jugend, dann bist du nicht viel wert, dann taugst du nur so viel wie das Zeug, das hier herumliegt, wie diese Wrackteile. (...) Es gibt ein gewisses Alter, wo du es dir nicht mehr leisten kannst, arbeitslos zu werden." (S 187) Nein, diese Worte stammen nicht aus dem Jahr 2011, sondern vom alternden Taucher Hinrichs, dem Hauptprotagonisten aus Siegfried Lenz Klassiker "Der Mann im Strom". Hinrichs macht sich jünger als er ist, um noch einmal Arbeit als Taucher im Hamburger Hafen zu bekommen.

Der noch vom Krieg gezeichnete Hamburger Hafen ist die eigentliche Hauptfigur dieses Romans. Das Nebeneinander von Kriegstrümmern und neuer Wirtschaftskraft, von Arbeitern, die ihr karges Dasein mit harter Arbeit fristen und Touristen, die sich vom Ausflugsdampfer aus das Geschehen erklären lassen. Lenz beobachtet detailliert und kommentiert nur indirekt. In den Figuren des alternden Berufstauchers Hinrichs und des halbstarken Gelegenheitskriminellen Manfred treffen zwei Generationen und Lebenseinstellungen aufeinander. Zwischen beiden steht Lena, Hinrichs Tochter und die zukünftige Mutter von Manfreds Kind.

"Der Mann im Strom" besitzt noch nicht - wie die späteren Lenzschen Meisterwerke Deutschstunde, Exerzierplatz und Heimatmuseum - einen bis ins Letzte ausfabulierten Erzählhorizont, so bleibt die Vergangenheit der Figuren weitgehend im Nebel der norddeutschen Tiefebene verschluckt. Aber das Lenzsche Erzähltalent, die Präzision der Beobachtung und sprachliche Brillianz ist bereits auf jeder Seite dieses gerade einmal 220 Seiten umfassenden Romans zu erspüren. Hier kündigt sich ein großer Erzähler an.

Den meisten potentiellen Lesern wird "Der Mann im Strom" aus der neueren ARD-Verfilmung mit Jan Fedder in der Rolle des Hinrichs bekannt sein. Für meinen Geschmack wird diese Verfilmung dem Roman nicht gerecht. Ein Schicksal, welches in meinen Augen allerdings die meisten Romanverfilmungen teilen. Bei aller schauspielerischen Güte paßt Jan Fedder nicht zu meinem Bild von Hinrichs, der eben nichts hintergründig Verschmitztes an sich hat. Daher kann ich das literarische Original nur wärmstens empfehlen. Wer übrigens "Der Mann im Strom" bereits gelesen hat, dem sei "Arnes Nachlaß" empfohlen, ein kurzer und zu Unrecht weitgehend unbekannter Roman von Siegfried Lenz.


Das Schweigen des Jan Karski
Das Schweigen des Jan Karski
von Yannick Haenel
  Gebundene Ausgabe

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unliebsame historische Fakten im literarischen Gewand - Ein wichtiges Buch., 2. Juni 2011
Mit Yannick Haenels "Das Schweigen des Jan Karski" liefert die französischsprachige Gegenwartsliteratur innerhalb weniger Jahre bereits den dritten bemerkenswerten Roman zum Themenkomplex rassistischer Verfolgung im allgemeinen und der Shoah im Speziellen. War Jonathan Littell in "Die Wohlgesinnten" in abstoßend faszinierender Weise in die Haut eines Täters geschlüpft, lieferte Philippe Claudel in "Brodecks Bericht" das enthistorisierte Szenario einer (französisch anmutenden) Dorfgemeinschaft, die vor der Verschleppung ihrer Mitmenschen die Augen verschließt. Yannick Haenel widmet sich nun dem Wegsehen im weltpolitischen Kontext, den vergeblichen Versuchen der polnischen Widerstandskämpfer die Westalliierten auf die Geschehnisse im besetzten Polen aufmerksam zu machen und sie von gezielten militärischen Aktionen gegen die Orte des Holocaust zu überzeugen.

Yannick Haenels "Das Schweigen des Jan Karski" basiert auf wahren Geschehnissen. Jan Karski wurde 1942 von der polnischen Untergrundbewegung über eine abenteuerliche Route nach London geschickt, um die Westalliierten aus erster Hand über die Vernichtung der europäischen Juden im besetzten Polen zu informieren. Vor seiner Abreise wurde Karski sowohl ins Warschauer Ghetto als auch in ein Außenlager Belzecs geschleust, um das Geschehen mit eigenen Augen zu sehen. Diese Bilder wird Karksi 50 Jahre lang in schlaflosen Nächten vor sich sehen und dazu die verzweifelten Stimmen der Untergrundkämpfer hören.

"Das Schweigen des Jan Karski" wird in England und den USA einen Sturm der Empörung auslösen, sofern der Roman dort verlegt werden wird. Der dritte Romanteil, in dem Karski in einem fiktiven Monolog den Westen der Mitschuld anklagt, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. "Man ließ die Vernichtung der Juden geschehen. Niemand hat versucht, sie zu stoppen, niemand wollte es versuchen. Als ich die Botschaft aus dem Warschauer Ghetto in London und Washington überbrachte, hat man mir nicht geglaubt. Niemand hat mir geglaubt, weil niemand mir glauben wollte. (...) Das war 1942. Waren Sie drei Jahre später auch so verlegen, sich selbst zu Siegern, noch, diesen Sieg zum Sieg der "freien Welt" zu erklären. Wie kann sich eine Welt für frei erklären, die die Vernichtung der Juden zugelassen hat?" (S 113) Und: "Aber die Geheimdienste hatten ihre Arbeit getan, sie wußten, und alle, die vorgaben, nicht zu wissen, arbeiteten bereits an der Lüge. (...) Die Engländer waren informiert, die Amerikaner waren informiert. (...) Als ich am 28. Juli 1943 von meinem Gespräch mit Roosevelt kam, hatte ich verstanden, dass alles verloren war: Die europäischen Juden starben, ausgerottet von den Nazis, mit der passiven Mittäterschaft der Engländer und Amerikaner." (S 114)

Neben der Shoah geht es in "Das Schweigen des Jan Karski" um den polnischen Freiheitskampf gegen deutsche Invasion und sowjetrussische Auslöschungspolitik. "... "polnisch" bedeutet Widerstand und Pole zu sein heiße gegen alle Tyrannen zu sein. Ein Pole ist jemand, der gegen Hitler gekämpft hat, aber auch gegen Stalin. Ein Pole ist jemand, der immer gegen die Russen gekämpft hat, egal wie sie sich nannten, Stalinisten, Bolschewiken, Sowjetbürger. Ein Pole ist vor allem jemand, der nicht auf die Lüge des Kommunismus hereingefallen ist." (S 121) Das Abwarten der Roten Armee während die SS den Warschauer Aufstand niederschlug und die Beteiligung der Roosevelt Administration am Vertuschen der wahren Täter des Massakers von Katyn sind die Schlüsselbeweise im Sinne der Anklage.

Haenel dürfte sich mit seinem Roman im transatlantischen Westen wenig Freunde gemacht haben. Zu deutlich ist seine Anklageschrift, die die westlichen Führer zu den deutschen Tätern auf die Nürnberger Anklagebank setzt. "Vor Roosevelt in seinem Büro im Weißen Haus stellte ich mir die gleiche Frage wie im Büro der Gestapo, als ich die Folter der SS erlitt: Wie komme ich hier raus? Ich hatte die Nazigewalt erlebt, ich hatte die Gewalt der Sowjets erlitten, und hier machte ich auf ganz unerwartete Weise Bekanntschaft mit der hinterhältigen amerikanischen Gewalt." (S 126) Die Abrechnung mit Roosevelt setzt sich über Seiten fort und findet ihren Höhepunkt im Vorwurf des technokratischen Antisemitismus.

Yannick Haenel wird sich dem Vorwurf des Geschichtsrelativismus ausgesetzt sehen. Um so wichtiger ist es, dass Jan Karski keine fiktive Figur ist. Es sind historische Fakten, die Karksi/Haenel in Erinnerung ruft. Die deutsche Schuld wird nicht relativiert, die unbefleckte Rolle der Westalliierten verliert allerdings an Überzeugungskraft. Ein wichtiges Buch.


Es geht uns gut: Roman
Es geht uns gut: Roman
von Arno Geiger
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Drei Generationen österreichischer "Familien-Idylle", 29. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Es geht uns gut: Roman (Taschenbuch)
Philipp, letzter männlicher Sproß des Sterk-Erlach-Clans, erbt nach dem Tod der Großmutter den Wiener Familiensitz. Während er sich schleppend daran begibt, das heruntergekommene Domizil mittels osteuropäischer Schwarzarbeiter vom Schutt dreier Generationen zu befreien, belagern ihn die Geister der familiären Vergangenheit. Geiger schildert Tage im Leben einer normalen österreichischen Familie, soweit es so etwas wie Normalität im alltäglichen Wahnsinn des Zusammenlebens überhaupt geben kann.

So scheinen sich die Sackgassen, in denen sich die Protagonisten des Romans über drei Generationen wiedergefunden haben, sehr zu ähneln. Die Männer (Vater, Schwiegersohn und Enkel) halten sich familiär am liebsten am Rande. Sie schätzen vor allem die Ruhe und Sicherheit, die der heimatliche Familien-Hafen zu bieten hat. Die Frauen (Großmutter, Tochter und Freundin des Enkels) arrangieren sich mit ihren Männern in der generationstypischen Art und Weise. Großmutter Alma hält ihrem beruflich erfolgreichen Mann über Jahrzehnte den Rücken frei und realisiert erst im Alter mit einem demenzerkrankten Ehemann an ihrer Seite, auf was sie alles im Leben zu seinen Gunsten verzichtet hat. Tochter Ingrid versucht eigene Karriere und die Rolle als Ehefrau und Mutter unter einen Hut zu bekommen. Dass der Vater ihren Lebensentwurf nicht akzeptiert und der Ehemann nur halb so viel Ehrgeiz zum Fortkommen entwickeln will wie sie selbst, entspannt nicht gerade die familiäre Situation. Schließlich Johanna, Freundin von Enkel Philipp, erfolgreiche Journalistin, Mutter, Ehefrau. Sie hält sich Philipp als gelegentlichen Liebhaber, den sie nach Lust und Laune besuchen kommt oder auch einfach ein paar Tage links liegen läßt. Philipps Antrieblosigkeit stellt sicher, dass sich an dieser Situation nichts ändern wird.

Österreichs Geschichte des 20igsten Jahrhunderts bildet das Panorama für Geigers Familiengeschichten, ohne dass die Weltpolitik die Schilderungen dominieren würde (mit Ausnahme des Kriegskapitels über Ingrids Ehemann Peter). Geigers Schilderungen sind sehr präzise, er transportiert Stimmungen und gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben seiner Figuren. Sprachlich bedient er sich einiger österreichischer Eigenarten, die beim norddeutschen Leser Schmunzeln bis Verwunderung auszulösen vermögen. Im Gegensatz zum Romantitel ist der Grundtenor Geigers allerdings ein pessimistischer, zumindest wenn man es als Leser mit den männlichen Figuren hält. "Vielleicht, denkt Philipp, ist das hervorragendste Merkmal des Erwachsenwerdens, dass man systematisch die Zuversicht verliert, das Blatt könne sich jeden Moment zum Guten wenden. Er ist auf dem besten Weg." (S. 377) Der Hoffnungsschimmer am Ende des Romans, dass Philipp eventuell doch noch die Kurve bekommt, ist jedenfalls ein sehr matter.

Dennoch ein lesenswerter Roman aus der Feder eines präzisen Beobachters und befähigten Erzählers.


Eine Frau flieht vor einer Nachricht: Roman
Eine Frau flieht vor einer Nachricht: Roman
von David Grossman
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Roman geschrieben aus persönlicher Betroffenheit, 22. Mai 2011
"Wie eine Fliehende rannte sie die Treppen hinunter, die Treppen, auf denen vielleicht schon morgen, vielleicht in einer Woche (...) die Überbringer der Nachricht stehen würden. Sie kamen in der Regel zu dritt, hieß es. (...) Wie viele Nächte hatte sie schon darauf gewartet, seit Adam eingezogen worden war, die ganze Zeit während er seinen Dienst in den besetzten Gebieten tat, und danach die drei Jahre von Ofers Wehrdienst, wie oft war sie beim Klingeln an der Haustür aufgestanden und hatte sich gesagt, das war's, jetzt ist alles vorbei, aber nun wird diese Tür verschlossen bleiben (...), diese Nachricht wird nicht überbracht werden, denn zum Überbringen einer Botschaft braucht es immer zwei." (S 140)

Ora fürchtet um ihren Sohn Ofer, der sich nach Ende seiner dreijährigen Wehrdienstzeit zum freiwilligen Kriegseinsatz gemeldet hat. Aber wie kann sie seinen Tod verhindern? Indem sie von zuhause flieht und sich auf die Wanderung durch den Norden Israels begibt, stellt sie zumindest sicher, dass eine eventuelle Todesmitteilung nicht zu ihr gelangen wird. Sie will sich ganz den Gedanken und den Erinnerungen an Ofer hingeben und ihn so beschützen. Um nicht alleine wandern zu müssen, nimmt sie ihren Jugendfreund Avram mit, der selber schwer vom Krieg gezeichnet ist. Im Sechstagekrieg von gegnerischen Soldaten gefaßt und über Wochen mißhandelt, ist Avram nur noch ein lebloser Schatten seines einstigen Ichs. Dass Avram aber viel mehr als nur eine Jugendbekanntschaft Oras ist und auch mit Ofers Leben eng verbunden ist, erfährt der Leser scheibchenweise aus Oras Schilderungen.

Wer könnte eher einen solchen Roman schreiben als David Grossman, der seinen Sohn Uri im Jahr 2006 während eines Militäreinsatzes im Südlibanon verloren hat? Die Grundidee des Romans ist großartig. Grossman entwickelt geradezu virtuos die Lebenswege Oras, der Söhne Adam und Ofer und den Avrams. Bewegend die Erinnerungen der Mutter an den inzwischen erwachsenen Sohn, ein Plädoyer gegen den Krieg und für die Versöhnung.

Leider geraten die einzelnen Kapitel und Schilderungen gelegentlich zu langatmig, geprägt von Sätzen, die nicht enden wollen und Gedanken, die sich predigtartig wiederholen. Im typischen Grossman-Stil führt der Autor viele der angefangenen Erzählfäden keinem Ende zu, so dass der gesamte Roman nach 730 Seiten in der gefühlten Mitte des Geschehens abbricht.


Familie Salzmann: Erzählung aus unserer Mitte
Familie Salzmann: Erzählung aus unserer Mitte
von Erich Hackl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nichts ist eindrücklicher als wahres Geschehen, 22. Mai 2011
Erich Hackls "Familie Salzmann" ist erzählte historische Realität. Er schildert das Leben von drei Generationen der Familie Salzmann im Zeitalter der Extreme.

Hugo und Juliane Salzmann, die als überzeugte Kommunisten nach Hitlers Machtergreifung ins französische Exil flüchten, sich zunächst in der Illegalität durchschlagen und schließlich nach der deutschen Besetzung zurück ins Reich überführt werden. Hugo überlebt Gestapohaft, Volksgerichtshofprozeß und schließlich Jahre im Zuchthaus, Juliane stirbt nach Jahren im KZ Ravensbrück.

Sohn Hugo verbringt seine Kindheit zunächst im Pariser Exil, dann bei der Schwester der Mutter in einem österreichischen Dorf. Die Verbindung zum Vater, der nach dem Krieg als Gewerkschaftsfunktionär Karriere macht und eine neue Familie gründet, bleibt distanziert und bricht schließlich aufgrund gegenseitiger Enttäuschung ganz ab. Sohn Hugos Versuch in der DDR ein neues Leben aufzubauen, scheitert an den dortigen realsozialistischen Zuständen, die in die erneute Republikflucht - dieses Mal nach Österreich - führen.

Hanno Salzmann, jüngster Spross der Salzmanns, wächst in Österreich auf und erlebt in den neunziger Jahren, dass die Vergangenheit nie wirklich vergangen ist. Als Arbeitskollegen erfahren, dass seine Großmutter im KZ gestorben ist, beginnt für ihn ein täglicher Spießrutenlauf durch antisemitische Beschimpfungen. Von den Vorgesetzten einer österreichischen Versicherungsanstalt gedeckt, mobben ihn die "Kollegen" von Abteilung zu Abteilung bis ihm schließlich gekündigt wird.

Erich Hackl schildert reale Vorkommnisse, erschütternd und ernüchternd. Hackl braucht weder zu kommentieren noch auszuschmücken, die historischen Fakten sprechen für sich. Ein eindrückliches Stück deutsch-österreichischer Vergangenheitsbewältigung.


Adams Erbe
Adams Erbe
von Astrid Rosenfeld
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein großartiger Debutroman - Über die Identitätssuche im Nebel des Vergangenen., 8. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Adams Erbe (Gebundene Ausgabe)
Eduard lebt fast ohne Vergangenheit. Über seinen Vater weiß er wenig mehr, als dass es keine große Liebe war, die seine Mutter mit dem unbekannten Vater für eine Nacht das Bett teilen ließ. Über der Vergangenheit der Familie seiner Mutter liegt der dunkle Schatten des Holocaust, den die Großeltern im Londoner Exil überlebt haben. Dass Eduard des Großvaters verschollenem Bruder Adam wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, erweckt lange verdrängte Erinnerungen im Großvater zu neuem Leben. Aber was ist damals wirklich geschehen, warum ist Adam verschwunden und war er wirklich Schuld daran, dass die Mutter und Schwester des Großvaters nicht mehr fliehen konnten? Als der Großvater stirbt und der Kontakt zur Großmutter abbricht, verliert Eduard scheinbar auch die letzte Chance, mehr über seine Identität zu erfahren. Doch als die Vergangenheit für immer abgeschlossen zu sein scheint, taucht die von Adam im Warschauer Ghetto niedergeschriebene Lebensbeichte auf dem großmütterlichen Dachboden auf und öffnet das Tor zum Erinnern.

Astrid Rosenfeld ist mit ihrem Debutroman bereits ein großer Wurf gelungen. Beginnt der Roman zunächst mit der Schilderung von Eduards Jugendzeit und wirkt auf den ersten 100 Seiten geradezu naiv beiläufig, werden die Schilderungen sobald Adam zu erzählen beginnt von Seite zu Seite dramatischer und bewegender und gipfeln schließlich in seinen Schilderungen aus dem Ghetto. "Ich hob den toten Kinderkörper auf. Blut tropfte auf meine Jacke. Einen Moment war ich mir sicher, dass er noch einmal seinen Kopf in den Nacken werfen würde, dass er noch einmal lachen und aufstampfen würde. Aber still und leicht lag er in meinen Armen. Hier endet die Geschichte von Herakles. Und Anna, ein kleiner Teil meines Herzens, das an Dir hing, das immer noch an dir hängt, wird für immer auf dieser grauen Straße bleiben." (S 358)

Erzähltechnisch gestaltet Rosenfeld den Roman in Form zweier ineinandergestellter Lebensberichte. Eduard schildert sein Leben für seine neue Liebe Amy und nimmt darin Adams Lebensbericht auf, den dieser für seine große Liebe Anna verfaßt hatte. Sprachlich besticht Rosenfeld durch kurze und prägnante Sätze. "Sie ziehen das Mädchen aus, das hat der Trommler befohlen. Nackt liegt sie da. Ich kenne ihren Namen nicht, und sie kennen ihren Namen auch nicht. Aber irgendwer kennt ihren Namen, wartet darauf, dass sie nach Hause kommt. Irgendwer weint in dieser Nacht. (...) Der Mann mit der Sense saß in einem verlumpten Umhang auf unserem Fensterbrett und roch nach billigem Schnaps. Und als auch nach mehreren Minuten kein einziger Tropfen meine Augen verlassen wollte, zuckte er die Achseln und verschwand. Er kannte das, er war schon länger hier als ich." (S 346)

Rosenfeld ist ein großartiges Romandebut gelungen. Doch in jedem Erfolg ruht auch ein Fluch: Was kann nach einem solchen Debutroman noch folgen? Dank "Adams Erbe" kann sich Astrid Rosenfeld aber der Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit für zukünftige Werke sicher sein.


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