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Krink

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The Vegan Zombie: Koche & Überlebe! (Edition Kochen ohne Knochen)
The Vegan Zombie: Koche & Überlebe! (Edition Kochen ohne Knochen)
von Chris Cooney
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lasst ES euch schmecken - und lasst EUCH NICHT schmecken!, 20. April 2014
Die beiden New Yorker Chris Cooney und Jon Tedd, die bereits seit fünf Jahren äußerst erfolgreich einen YouTube-Koch-Channel und eine dazugehörige Website mit apokalyptischen Flair betreiben, haben eine hübsche Auswahl ihrer (im Falle einer Zombie-Welle überlebensnotwendigen) Rezepte zusammengestellt und in Buchform herausgebracht - und dabei sind alle Gerichte nicht nur lecker, sondern auch noch vegan. Der Ventil Verlag aus Mainz hat nun im März eine deutsche Ausgabe veröffentlicht, die das Umrechnen der amerikanischen Zutatenangaben erspart. Mit der Kombination aus Zombies, fleischlosen Gerichten und Comicstil liegen die beiden Autoren-Jungs also voll im Trend:

Die Veganer hinter der Zombie-Kochshow
Seit 2010 betreiben die beiden Horrorfans Chris Cooney und Jon Tedd ihren YouTube-Channel, auf dem sie vegane Gerichte zubereiten und dies für die (apokalyptische) Nachwelt festhalten. Chris, der bereits seit über 20 Jahren vegan lebt und immer schon ein Faible für Horror hatte, ist der Schöpfer, Regisseur, Produzent und Herausgeber von The Vegan Zombie und denkt sich nebenbei so manches Rezept aus, während Jon als Host der Sendung die Kochlöffel schwingt. Und - last but not least - wäre da noch Jons Hund Indy, der gerne mal im Weg herumliegt und seine veganen Hundeleckerli herunterschlingt, bzw. die beiden Jungs todesmutig unterstützt.
Die Geschichte hinter der Kochshow - die übrigens bald auch in filmischer Form vorliegen soll - ist folgende: Eine Zombie-Welle überflutet die Erde, wobei der tödliche Virus durch Fleisch- und Milchbakterien übertragen wird. Wer also nicht als gehirnschlürfender Leichnam enden will, muss auf vegane Ernährung zurückgreifen und sollte sich keinesfalls von verwesenden Fremden beißen lassen. In der Kochshow gibt Jon deswegen nicht nur hilfreiche Tipps und Tricks rund um das Überleben bei einer postapokalyptischen Zombie-Invasion, sondern bereitet nebenher leckere vegane Kost zu. Mit über 43.000 Abonnenten und mehr als 2 Millionen Klicks sind Channel und Website so erfolgreich, dass die beiden sympathischen Jungs aus Liverpool, NY, nun dank Kickstarter das erste vegane Zombie-Kochbuch der Welt herausbringen konnten.

Das apokalyptische Cookbook
85 Rezepte im graphic novel style mit herzhaften und süßen, leichten und schweren, einfachen und raffinierten Speisen garantieren, dass für jeden Geschmack und jede (Über-)Lebenslage etwas dabei ist. Das Repertoire umfasst altbekannte Klassiker, die ohne besondere vegane Zutaten und Hilfsmittel zubereitet werden können, wie Ofenkartoffeln oder Salat. Aber auch aufwändigere Gerichte, wie Vegan Zomblette oder Cajun-Ristotto-Kugeln, die eine Internet-Bestellung oder zumindest einen Gang zum örtlichen Alnatura voraussetzen, zählen zum Inhalt. Somit ist für Vielfalt und Abwechslung gesorgt und das Vorurteil, vegane Ernährung bestünde aus einer Möhre und einer handvoll Samen, einmal mehr widerlegt. Tatsächlich werden alle kochbuch-typischen Kategorien bedient: Frühstück, Salate & Suppen, Vorspeisen & Beilagen, Hauptgerichte, Desserts & Drinks sowie Grundrezepte laden zum Schmökern und Schlemmen ein.
Einige Rezepte sind dem Endzeit-Szenario der Kochshow auch im Titel nachempfunden wie beim „Killer-Zucchini-Brot“, „Post Apocalyptic Pot Pie“, „Zombiefreier French Toast" oder bei den "Zombiekäsefingern". Ob fancy oder simpel - alle Gerichte sind anschaulich erklärt und (nahezu immer) durch ein Bild ergänzt, weswegen ein Nachkochen schnell gelingt. Tipps, Tricks und Alternativen werden oft angebracht und Grundlagenrezepte wie Pizzateig, Tomatensoße, Mandelmilch, etc. in einem Extraabschnitt vorgestellt, sodass dieses Kochbuch auch Anfängern oder Fertig-Food-Verweigerern empfohlen werden kann. Schön ist, dass man wirklich alles selbst machen kann (Beispiel: Tomatensoße), teilweise (statt Tomaten solche aus der Dose) oder ganz Fertigprodukte (Soße aus dem Glas) verwenden kann oder - als Nicht-Veganer - die veganen Zutaten (Agavendicksaft) durch tierische Produkte (z. B. Sahne) ersetzen kann. Das lässt viel Handlungsfreiheit je nach Gusto und Ernährungsweise.

Weitere Gimmicks - ganz Vegan
Dem ganzen vorangestellt ist eine kleine Graphic Novel, die den Anfang der Zombie-Apokalypse darstellt. Die Comicstrips sind herrlich trashig und erinnern an B-Movies. Wer die Videos der Jungs ansieht, wird den besonderen Charme wiedererkennen. Superb!
Außerdem gibt es ein paar Rezepte, die nicht für die menschliche Spezies erdacht wurden, sondern für Indy, bzw. Hunde im Allgemeinen interessant sind. Sie zeigen wie Hundefutter, Hundeleckerli und Hundekekse vegan hergestellt werden können - und offenbar mit Erfolg, denn die Bilder protokollieren gewisse gierige Aufmerksamkeit seitens des tierischen Adressaten.

Der Tauglichkeits-Test
Natürlich ist eine Buchverstellung nur komplett, wenn man sich dem Inhalt auch angenommen hat. Leider konnte ich in bisher noch nicht alle Rezepte ausprobieren und habe mich daher auf ein süßes und ein herzhaftes Gericht beschränkt:

Die Erdnussbutter-Chocolate-Chip-Cookies waren leicht und überraschend schnell zuzubereiten. Auch die Zutaten dafür habe ich fast problemlos im Bio-Supermarkt/Reformhaus bekommen können. Lediglich die veganen Schokotropfen konnte ich nicht finden und habe sie durch zerstoßene vegane Schokolade ersetzt. Als sie im Ofen vor sich hin backten und nach 15 Minuten immer noch etwas weich waren, habe ich vorsichtshalber das dazugehörige Video geschaut und mir so die Sicherheit geholt, dass es mit dieser Konsistenz seine Richtigkeit hat. Praktisch, so eine passende Kochshow zum Buch! Und der Geschmack? Ich sage nur so viel: Jon warnt in seinem Video, dass der Konsum von zu vielen Keksen die Schnelligkeit beeinträchtigt und damit das Risiko eines Zum-Opfer-Fallens möglicher Fressfeinde erhöht. Ich hoffe also, dass ich heute keinen Zombieangriff mehr überstehen muss...

Das zweite Rezept sollte die vegane Pizza sein. Hier war die Zutatenbeschaffung schon etwas schwieriger: veganen Frischkäse gab es nirgendwo und die empfohlene vegane Reibekäsemarke ebenfalls nicht - ich habe mich gegen Frischkäse (der optional ist laut Rezept) und für eine Markenalternative entschieden - bis ich den Käse zuhause probiert habe... da mein veganes Experiment nicht auf andere Personen in meinem Haushalt ausgeweitet werden muss, habe ich daraufhin nur eine Ecke der Pizza mit dem veganen Käse belegt und für den Rest Mozzarella aus tierischen Erzeugnissen gewählt. Vielleicht ist die empfohlene Marke besser, dachte ich - dieser Käse schmeckte mir jedenfalls so wenig, dass ich mich - wie so oft bei Ersatzprodukten - lieber zukünftig dafür entscheide, das Produkt wegzulassen, als die gewöhnungsbedürftige Alternative zu wählen. Veganer Reibekäse besteht hauptsächlich aus Kokosfett - und so schmeckt er auch. Das ist an sich nicht schlimm, passt aber nach meinem Empfinden nicht auf Pizza, sondern mehr auf Schokoladeneis oder so. Vielleicht streue ich ihn demnächst über meinen Nachtisch.
Aber dann - die große Überraschung. Sowohl mir als auch den anderen Hausbewohnern schmeckte die Ecke mit Vegan-Käse besser als die tierische Variante! Geschmolzen und knusprig rundet er die Pizza eher salzig ab, als sie - wie Mozzarella - noch zusätzlich zu versüßen. Was für eine Entdeckung!

So oder so war die Kocherfahrung in jeder Hinsicht also horizonterweiternd und teilweise richtig, richtig lecker.

Ich werde definitiv noch weitere Rezepte nachkochen, die Kochvideos wachsam verfolgen und gespannt auf den angekündigten Film warten. Wer weiß? Vielleicht tauchen Tim Mälzer und Jamie Oliver ja eines Tages als Stargäste von Jon und Chris auf - als Zombiestatisten?!

Bon Appétit!

Pro:
+ geeignet für Anfänger
+ geeignet für Nicht-Veganer
+ geeignet für Hobby-Köche (keine Profiausstattung notwendig)
+ geeignet für Nicht-Amerikaner
+ Rezepte (nahezu immer) bebildert
+ dazugehöriger YouTube Channel (Videos der Rezepte)
+ moderne, jugendfreundliche Umsetzung
+ Comicprolog
+ Horror-Ambiente
+ keine Umrechnung der Mengenangaben notwendig

Contra:
- vegane Zutaten teilweise schwer erhältlich
- Vorgehensweisen teilweise missverständlich (Beispiel Pizza: Soll der Teig oder die Schüssel mit Teig mit Klarsichtfolie umwickelt werden)
- eine Abbildung aller Gerichte wäre wünschenswert gewesen


Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker
Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker
von David Wong
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Leaving Las Vegas" meets "Zombieland", 19. März 2014
David wohnt in einer amerikanischen Stadt, dessen Name "Ungenannt" bleiben soll (damit auch wirklich niemand auf die idiotische Idee kommt, aus Neugier hinzufahren). Hier geht er mit seinem Freund John seit geraumer Zeit übernatürlichen Phänomenen nach, die immer wieder das Örtchen – in ihren Augen der „Arsch der Hölle“ heimsuchen – jedoch von anderen Bewohnern nicht wahrgenommen werden (da diese keine mysteriöse Sojasoßen-Droge genommen haben...). Die beiden Spezialisten für höllische Heimsuchungen bekommen eines Tages echte Probleme als eine Welle von Zombie-Spinnen die Menschen in der Stadt besetzt, sie auf diese Weise zu Mordmaschinen macht und so die Apokalypse einläutet. Natürlich bleibt die Rettung der Welt dabei an John und David hängen...

Es beginnt eine infernalische Odyssee voller skurriler, splatterhafter, urkomischer und definitiv durchgeknallter Slapstickmomente, die an einen Drogenrausch à la „Leaving Las Vegas“ in Kombination mit „Zombieland“ erinnert. Die Mischung aus Gore/Gewaltätigkeit/Umgangssprache und Humor/Absurdität/Unwahrscheinlichkeit erinnert an Trash-Horror und B-Movies mit Kultpotential. Die fortschreitende Katastrophe wird dabei optisch durch Countdown-Zähler nach digitalem Vorbild über jedem Kapitel festgehalten. Auch geschwärzte Stellen und vermeintlich handschriftliche Randnotizen geben dem Buch einen besonderen Touch.

Die Geschichte entwickelt sich rasant zu einem Hurrikane aus Widerlichkeiten und Massenhysterie gigantischen Ausmaßes. Dabei bleibt der Autor nicht immer auf den Kern der Story fokussiert, sondern beschreibt stellenweise auch gern Nichtigkeiten detailliert, was die grundsätzlich reißerisch-spannungsgeladene Handlung zeitweise etwas ausbremst. Sieht man über diese Schönheitsfehler hinweg, ist „Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker“ die perfekte Lektüre für Zombie-Liebhaber und Fans schräger Geek-Kultur. Aber Vorsicht: Wer nicht gerne en détail über spritzende Innereien und verfaulende Leichen informiert werden möchte, der sollte lieber zur Jugendvariante der Zombiegeschichten von Kirsty McKay greifen. Trotz der Menge an Leichenteilen ist Wongs Endzeit-Szenario kein typischer Gore-Roman, da alle extremen Momente durch die (Haschisch-Dunst verschleierten) Augen der Anti-Helden geschildert werden, die meist ebenso entgeistert sind wie der Leser – und so in humorvoll-unrealistisches Licht gerückt werden.

Ein paar Kritikpunkte (die allerdings dem buchstäblichen Horror-Trip nichts anhaben können) gibt es aufgrund von Layout und Gestaltung: Die englische Vorlage trägt den Titel „This book is full of spiders – seriously, dude, don't touch it“, was ich persönlich besser finde als die etwas plumpe Übersetzung. Wie immer frage ich mich, ob man den Titel – wenn schon nicht getreu übersetzten – nicht wenigstens einfach in der Originalsprache lassen könnte. Das Cover hingegen wurde an das Original angelehnt, und macht durchaus was her. Layout und Design des Textes sind dem Bericht-Stil nachempfunden und könnten zur besseren Lesbarkeit größere Zeilenabstände und Absätze vertragen – aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Kurz: David Wongs Roman erweitert den Horizont und verursacht einige schlaflose Nächte – denn man kann dieses Buch einfach nicht aus der Hand legen. Am Ende hält der Erzähler übrigens in ein paar Zeilen das Ziel des Romans fest: Die Leser sollten nach Beendigung das Buch zuschlagen und sich fragen: Was zur Hölle habe ich da eben gelesen? Mission erfüllt, Wong. Mission erfüllt.

Zum Autor: Hinter dem Pseudonym David Wong versteckt sich Jason Pargin, Chefredakteur der Website cracked.com, auf der Verschwörungstheorien, Nerdthemen und Lebensweisheiten auf satirische Weise präsentiert werden.


Alisik 3: Frühling
Alisik 3: Frühling
von Hubertus Rufledt
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rache ist süß wie Kirschbaumblütenduft!, 18. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Alisik 3: Frühling (Taschenbuch)
Während der Frühling Einzug erhält auf dem alten Friedhof, der letzten (Un-)Ruhestätte der Postmortalen, geraten nicht nur Alisiks Gefühle in große Aufruhr: Der Passivität überdrüssig, kommen die (Un-)Toten überein, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen – mit durchschlagendem Erfolg. Durch das tragische Verschwinden Oma Samtkrauts in Rage versetzt, werden die sonst so harmlosen Friedhofsbewohner zu rachsüchtigen Poltergeistern und sabotieren mit unterschiedlichen Methoden die fortschreitenden Baumaßnahmen, stellen Sichel-Michel zur Rede und läuten den Eintritt ins Totenreich ein...

Und auch Alisik beschließt, nachdem ihr Gedächtnis vollständig zurückgekehrt ist, Ruben reinen Wein einzuschenken und ihn in das Geheimnis ihrer Vergangenheit einzuweihen. Doch die mutigen Schritte der Postmortalen ziehen ernstzunehmende Konsequenzen nach sich – nicht nur die skrupellose Machtgier der Bauaufseher erschwert die Situation auf dem Friedhof – ein mysteriöser Unbekannter scheint inzwischen ebenfalls seine Finger im Spiel zu haben. Zu allem Überfluss beginnen Rubens Bruder und dessen Freundin zwei und zwei zusammenzuzählen und kommen zu dem Entschluss, dass es nur eine plausible Erklärung für die übernatürliche Phänomene der letzten Zeit geben kann: GEISTER. Und wie wird Ruben auf Alisiks wahre Existenz reagieren?

Der dritte Band der vierteiligen Dark-Romance-Mystery-Serie steckt voller neuer Spektakel und jeder Menge großer Gefühle. Die bereits in den Vorgängern, „Alisik – Herbst“ und „Alisik – Winter“, beobachtete einzigartige Atmosphäre bekommt durch den frühlingshaften Einschlag eine besonders bezaubernde Note. Viele der bisher aufgekommenen Handlungsstränge werden aufgegriffen und weitergesponnen, sodass ein fulminantes Ende der Tetralogie vorprogrammiert zu sein scheint.

Wie immer sorgt das rührende Zusammenleben der Friedhofs-WG für nostalgisch-herzliche Wohlfühlmomente – dieses Mal mit österlichem Einschlag: Ob Alisik als Oster-Bunny, schreiend-komische „20 Questions“-Spiele oder Hühnerei-Visagen – die Postmortalen veranstalten zahlreiche tragikomische Heldenaktionen, die die bewegende Grund-Dramatik der Liebesgeschichte zwischen Alisik und Ruben mit wunderbar humorvoller Action würzen. Nachdem der Leser in den letzten Bänden nach und nach die Geschichten von Frings, Ottilie und Hitzkopf erfahren hat, widmet sich der dritte Band außerdem der ergreifenden Vergangenheit von General Grabbe – und hält einige Überraschungen bereit.

Beim Entwurf der Geschichte hat Hubertus Rufledt stets auf eine ausgewogene Mischung verschiedener Handlungskomponenten geachtet: ob Aktionen von Nebenfiguren, Zusatzmaterial (wie Kapitelintros, Gedichte oder Love/Hate-Listen), Sondergimmicks (wie die Spiegelung aktueller Stimmungen in der Mimik der Gothic-Häschen), Haupthandlung, Fortsetzung der Cliffhänger oder Entstehung neuer Handlungsstränge, ob innere Monologe oder Regelwerk der Postmortalen – die Komposition gleicht ein ums andere Mal einer unnachahmlichen Wundertüte, die den Leser in eine surreal-morbide Welt mit explosiven Emotionen versetzt.

Natürlich steht dem auch dieses Mal die bildliche Umsetzung in nichts nach: im typisch Vogtschen Stil lässt der Zeichner die traumhafte Welt Alisiks entstehen und spart dabei weder an Detailreichtum, noch an Kunstfertigkeit und schon gar nicht an Fantasie. Am virtuosen Gesamtkunstwerk lässt nicht nur ein enormes Ausmaß an Arbeit erahnen – es zeugt auch von grenzenloser Fantasie und inniger Liebe zum Projekt. Vogt überzeugt – ebenso wie Rufledt – mit einer harmonischen Mischung: Einzigartiger Stil, spektakuläre Kolorierung und aufwändige Montagetechnik rufen beim Betrachter ein wahres Sinnes-Feuerwerk hervor.

Kurz: Das frühlingshafte Cover sollte auf keinen Fall darüber hinweg täuschen, dass auch der dritte Teil von Alisik es in sich hat! Und eines sollte man auf jeden Fall beim sehnsüchtigen Warten auf das große Finale im Kopf behalten: Der Sommer wird heiß! Wir können es kaum erwarten und machen uns bereit für den vielversprechendsten Showdown des Quartals...

Alisik - Frühling von Hubertus Rufledt und Helge Vogt
Verlag: Carlsen (Carlsen Comics)
Taschenbuch: 96
Erscheinungstermin: 18. März 2014
ISBN: 978-3-551-77028-8


WARP - Der Quantenzauberer
WARP - Der Quantenzauberer
von Eoin Colfer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Let's Do The Time-Warp Again...", 7. März 2014
Nachdem ich allerorten auf das neueste Werk von Eoin Colfer neugierig gemacht wurde – nicht zuletzt durch die anregende Vorstellung meiner lieben Blog-Kollegin – griff ich bei der ersten Gelegenheit nach dem vielversprechenden Jugendroman „WARP – Der Quantenzauberer“, der ganz in der Tradition britischer Zeitreise-Romane von fantastischen Autoren wie Jasper Fforde, Ben Aaronovitch, Derek Landy, Félix J. Palma und H. G. Wells steht. London, Zeitreise und Fantasy ergibt meines Erachtens nach eine unwiderstehliche Mischung – nicht nur für Liebhaber aller drei Komponenten. Leider ist vor allem der Zeitreisefaktor für viele Autoren eine Herausforderung, die nicht immer plausibel gemeistert wird. Aber nach allem,was ich bisher gehört hatte, schien Colfers Talent durchaus dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Und ich sollte recht behalten...

Aber worum geht es eigentlich? Verknüpft werden zwei Handlungsstränge, von denen einer 1898 im viktorianischen London beheimatet ist und der andere im London der heutigen Zeit: Nach einem vepatzten FBI-Einsatz ist die jugendliche Agentin Chevron Savano strafversetzt worden und verbringt ihre Zeit nun unter der Aufsicht eines miesepetrigen Agenten namens Felix Smart, der sie mit der Bewachung eines Kellers beauftragt. Am gleichen Ort – allerdings etwa 115 Jahre früher – versucht der Assassine und ehemaliger Zauberkünstler Albert Garrick seinen Lehrling Riley zu dem Auftragsmord an einem älteren Herrn – dem Vater von Agent Smart – zu bewegen. Durch die Verzahnung verschiedener Zufälle, gerät Riley durch eine Zeitkapsel ins heutige London, in eben jenen Keller, in dem Chevie Wache schieben muss. Ein FBI-Sonderkommando wird zur Aufklärung der Umstände in die Vergangenheit geschickt, wo Garrick bereits mit gezücktem Messer auf eine Reisegelegenheit in die Zukunft wartet...

Colfer schafft es mühelos, den zumeist sympathischen und vielversprechenden Figuren Leben einzuhauchen und eine unverwechselbare Atmosphäre zu erschaffen. Ihm gelingt, was viele Autoren vermasseln, denn er konstruiert gekonnt die Verwebung verschiedener Zeiteebenen, findet logische Erklärungen, baut Brücken und lässt zeitweise ein paar humorvolle Verknüpfungen einfließen.Vor dem inneren Auge des Lesers entsteht unmittelbar eine viktorianische Welt, die mit all ihren Besonderheiten und ihrer Andersartigkeit beeindruckt; aber auch das London der heutigen Zeit wird durch die Perspektive Rileys und Garricks von einem neuen, interessanten Blickwinkel aus betrachtet.

In Chevie hat der Autor eine starke Powerheldin mit losem Mundwerk entworfen, deren physische und rhetorische Schlagfertigkeit so manchen starken Mann umhaut. Ihr zur Seite gestellt ist Riley, ein Londoner Gassenjunge mit einem guten Herzen und beeindruckender Fingerfertigkeit. Beide treten gegen ihren Nemesis Garrick an, dessen eh schon herausragende Fähigkeiten durch eine Reise in der Zeitkapsel verstärkt wurden, sodass er nun einen Superschurken par excellence abgibt – zumindest, seine Kräfte betreffend. Denn leider ist hier eine Figur kreiert worden, die trotz – oder gerade aufgrund? – ihrer Übermenschlichkeit fade wirkt. Garricks Unbesiegbarkeit nimmt der durchaus rasanten Handlung ein ums andere Mal den Wind aus den Segeln. Obwohl der Schurke im Gegensatz zu den Helden sogar im Titel vertreten ist, wirkt er im Laufe des Geschehens in seiner actionreichen Homogenität eher lästig, eindimensional und unausgereift. Er stellt sich auf den zweiten Blick leider keineswegs als Gentleman-Bösewicht à la Professor Moriarty oder Hannibal Lecter heraus, wie es zunächst den Anschein hatte, denn im Gegensatz zu jenen kriminellen Masterminds gibt es in Garricks Fall keine plausiblen Erklärungen, sondern lediglich das Zufallsprinzip, das immer wieder auf seiner Seite zu sein scheint. Etwas mehr kriminelle Brillanz anstatt plumpe Zufälle, hätten den Leser tatsächlich verzaubern können. Doch so bleibt der Eindruck von einem Taschenspielertrick, während die Ahnung von wahrer Magie langsam verpufft.
Unter diesem Kompositionsfehler leidet auch die Handlung: Stets einen Schritt hinten dran, schaffen es unsere gewieften Helden, das gesamte FBI inklusive Spezialtruppen, die berüchtigsten Verbrecherbanden, Militär und Oberschicht aus zwei Zeitebenen über 300 Seiten nicht, den Widersacher aufzuhalten. Dass dies etwas, nun ja, sagen wir: unrealistisch ist, dürfte jedem klar sein. Diesen Aspekt außer Acht gelassen, wirkt das gegenseitige Sich-über-den-Haufen-Stümpern der verschiedenen Parteien mit einem Augenzwinkern zeitweise sehr amüsant und komödienhaft. Die nötige Tiefe, die das Leserlebnis unvergesslich machen würde, bleibt jedoch aus.

Am Ende wird der atmosphärische Zauber des Anfangs jedoch wieder aufgegriffen, indem Colfer einige neue Nebenfiguren einfügt, von denen zu hören noch sehr viel Freude machen könnte. Der Abschluss befreit und lässt Spielraum für weitere Entwicklungen. Ein kleiner Cliffhänger bringt den Impuls von prickelnder Vorfreude auf den Folgeband.

Leider überzeugt „Der Quantenzauberer“ durch seinen schwachen Mittelteil zu wenig, als dass der Roman mehr als ein nettes Lesevergnügen bereithält. Durch den vielversprechenden Abschluss, das eintauchenswerte Flair, die liebgewonnenen Figuren und der gewohnt überzeugenden Buchgestaltung vom Loewe Verlag, kann man Zeitreisefans, die Spaß an unernsten Schurkenabenteuern haben, das neueste Werk von Eoin Colfer aber durchaus ans Herz legen.
Jüngeren Lesern sollte vielleicht noch gesagt werden, dass in diesem Jugendroman nicht zimperlich mit Mord und Totschlag umgegangen wird. Die dargestellte Brutalität gibt vor allem dem viktorianischen Handlungsstrang die nötige Authentizität und lässt nebenbei die Heldin der Geschichte in einem strahlenden Licht erscheinen, könnte aber zartbesaiteten Lesern etwas zu heftig sein.

Und nun singen wir alle den "Time Warp"-Song aus der Rocky Horror Picture Show: „Put your hands on the hips...“


Sprite 1: Schwarze Flut
Sprite 1: Schwarze Flut
von Yugo Ishikawa
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atmosphärisch-dichtes Endzeitszenario, 22. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Sprite 1: Schwarze Flut (Taschenbuch)
Aufgepasst, liebe Manga- und Comic-Fans! Der Carlsen Verlag präsentiert eine neue, dystopische Manga-Serie, die sich andernorts bereits größter Beliebtheit erfreut. „Sprite“ aus der Feder des 1960 in Osaka geborenen Künstlers Yugo Ishikawa zählt im Original bereits 47 Episoden. Nun ist der erste Band mit sechs Episoden in deutscher Sprache erhältlich und verspricht auch anspruchsvolleren Comic-Liebhabern gelungene Schmökermomente:

Yoshiko, eine fleißige, hilfsbereite und etwas scheue High School-Schülerin, ist mit ihren Freundinnen Miki und Kiriko auf dem Weg zu ihrem einsiedlerischen Onkel als seltsame Wetterphänomene (sogenannte Sprites, zu deutsch „Kobolde“) auftauchen: schwarze Flocken fallen vom Himmel und sintflutartiger Regen überschwemmt unangekündigt die Großstadt Tokyo. Als die Mädchen auf der 42. Ebene des Hochhauses, in dem Yoshikos Onkel wohnt, ankommen, erschüttert ein vermeintliches Erdbeben die Stadt, das sich als alles verschlingende schwarze Flut herausstellt, die erst stoppt, als sie das 42. Stockwerk erreicht hat...

Für die Mädels beginnt ein Überlebenskampf, der einer Zombie-Apokalypse nahe kommt – jedoch eine sehr viel philosophischere und tiefgründigere Konklusion beinhaltet. Tatsächlich ist das mysteriöse Wesen der schwarzen Flut so interessant, dass die ohnehin actionreiche Entwicklung der Protagonistinnen durch die Hintergründe der Katastrophe in den Schatten gestellt wird. Atmosphärisch-dicht wird das Ende der Welt herbeigeschworen – wobei die noch etwas blassen Figuren zum Teil in den Hintergrund geraten. Doch durch einige starke Charaktere wirkt die Besetzung insgesamt vielversprechend und lässt einen exzellenten Folgeband vermuten.

Obwohl die Grundzutaten des Seinen sich nach klassischem Rezept anhören, ist die Atmosphäre außergwöhnlich düster und wenig teenie-like. Die verschiedenen Handlungsstränge werden rasch zusammen gebracht, ohne dass das „große Ganze“ erkennbar ist.

Auch optisch und haptisch gibt es nichts zu meckern: Im typischen Format und für Europäer ungewohnte Lesart (von rechts nach links) kommt das Manga-Büchlein im traditionellen Gewand daher. Die Zeichnungen sind angenehm detailreich ohne zu verspielt zu wirken. Grandiose Schock-momente sind geschickt platziert und werden zeitweise von monumentalen Bildern der versinkenden Metropole abgelöst.

Alles in allem ist „Sprite - Schwarze Flut“ eine gut erzählte, apokalyptisch-fiktive, fesselnde Endzeit-Geschichte, deren aufeinander folgende Plot-Points dem Leser wechselhaft das Blut in den Adern gefrieren lassen oder die Denkleistungen in hitzige Höhen treiben. Dieser Manga-Auftakt ist so vielversprechend wie der Kauf des zweiten Bandes obligatorisch ist: Am 22.04.2014 erscheint „Sprite 2“ und am 29.07.2914 kommt der dritte Band auf den Markt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 29, 2014 11:22 AM MEST


Wie ein leeres Blatt
Wie ein leeres Blatt
von Pénélope Bagieu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Il y a que la vérité qui blesse..., 26. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Wie ein leeres Blatt (Gebundene Ausgabe)
Eloise kommt zu Beginn der Geschichte auf einer Parkbank in Paris zu sich. Sie erinnert sich weder an ihren Namen noch an ihre Adresse, geschweige denn an ihren derzeitigen Aufenthaltsort – alle Informationen, die mit ihr und ihrer Identität zusammenhängen, sind ausgelöscht. Sie beginnt zu ermitteln und hangelt sich über kleine Hinweise, wie den Inhalt ihrer Handtasche, zu ersten Schlussfolgerungen. Dabei überlegt sie immer wieder, was ihr widerfahren sein könnte und welche abenteuerliche Existenz sie entdecken wird, wenn sie erst einmal ihr Gedächtnis zurück erlangt hat.
Am Ende ihrer packenden Suche nach sich selbst, nach zahlreichen Enttäuschungen, Überraschungen und zwischenmenschlichen Absonderlichkeiten, hat Eloise etwas sehr viel Wichtigeres und Aufregenderes gewonnen als alles, was sie sich in ihnen kühnsten Tagträumen ersonnen hat: eine eigene Persönlichkeit.

Die Graphic Novel überzeugt wieder einmal auf ganzer Linie. Vor allem transportiert die pointierte Botschaft am Ende einen rührenden und tiefsinnigen Kerngedanken, der die melancholisch-heitere Geschichte wirkungsvoll abrundet. Der (viel zu rasch nahende) Schluss ist es auch, der den Leser noch lange begleiten wird. Was mit Leichtigkeit und Spannung daher kommt, offenbart sich als existentielle Suche nach dem eigenen Ich. Und die beschäftigt schließlich uns alle. Oder? Wenn man sich bisher noch nicht gefragt, wie die eigene Existenz eigentlich von außen wirkt und ob man selbst diese Person, die man zu sein scheint, überhaupt mag und sein möchte – dann wird man es spätestens nach dieser Lektüre tun.

Abgestimmt und angenehm unkonventionell sind auch Lettering, Zeichenstil und Seitenarchitektur. Die Zeichnungen, die auf den ersten Blick verspielt und mädchenhaft-simpel wirken, entpuppen sich oftmals als detaillierte, vielschichtige Spiegelungen der Handlungsebene. Graphisch tadellos, gibt es nichts am Gewand dieses Comics auszusetzen. Auch das vieldiskutierte Flexocover liegt griffig in der Hand, vor allem weil der Tagebuch-ähnliche Gummizug Stabilität verleiht und praktischerweise das Lesezeichen ersetzt.

Auch die Übersetzung sollte lobend erwähnt werden, denn einer der besten Übersetzer von französischen Comics, Uli Pröfrock, hat seine Sache wieder einmal gut gemacht und zeichnet sich für einen unverkrampft-leichten Ton verantwortlich.

Zur Zeichnerin: Die 1982 geborene Pariserin Pénélope Bagieu, Tochter korsischer und baskischer Eltern, ist Illustratorin und Cartoonistin. Ihr Comic-Blog Mavie est tout à fait fascinante, auf dem sie auf humorvolle Weise aus ihrem Alltagsleben berichtet, erlangte über die Szene hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Ab September 2014 soll er bei Carlsen auf Deutsch publiziert werden. Eine dreibändige Comic-Reihe, „Joséphine“, wird gerade verfilmt.


Berlinoir
Berlinoir
von Reinhard Kleist
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verfall einer Großstadt, 28. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Berlinoir (Gebundene Ausgabe)
Am 20. September diesen Jahres wurde im Kreuzberger Kulturwirtshaus Max und Moritz das Erscheinen einer nennenswerten Gesamtausgabe gefeiert: Die Trilogie rund um "Berlinoir" von Tobias M. Meißner und Reinhard Kleist, ursprünglich zwischen 2003 und 2008 bei Edition 52 erschienen und inzwischen vergriffen, wurde mit neuer Kolorierung und überarbeitetem Lettering vom Carlsen Verlag auf den Comic-Markt gebracht. Der Zeichner Reinhard Kleist gehört mittlerweile zu den bekanntesten Graphic Novel Autoren Deutschlands; seine politisch-biografischen Werke („Cash“, „Castro“, „Der Boxer“) haben in der Comic Welt stets große Aufmerksamkeit erfahren. Umso interessanter gestaltet sich ein Blick auf die Wiedererscheinung des fantastischen Polit-Thrillers "Berlinoir". In einem dystopischen Berlin der Zukunft regieren Vampire die Bevölkerung der abgedunkelten Großstadt. Sonne und Pflanzen wurden von der Obrigkeit verbannt und die Spree lahmgelegt – wenn nicht zum eigenen Schutz, so zur Zerstörung der menschlichen Hoffnung. Blutbänke sichern das Überleben der in Armut lebenden Großstädter und die Fortdauer der Untoten. Rebellen formieren sich zum Widerstand und versuchen der dämonischen Schreckensherrschaft ein Ende zu bereiten. Aber nicht alle Menschen sehen in den Attentaten eine Verbesserung ihrer Lage.

Band 1: Scherbenmund

Im ersten Teil wird der Leser in die düstere Welt Berlinoirs eingeführt. Diverse Epochen der realen Großstadtgeschichte lassen sich wiedererkennen. Im fiktiven Berlin amalgamieren sich Elemente aus Kaiserzeit, Weimarer Republik, NS-Regime, DDR-Ära und Gegenwart zu einer dystopischen Herrschaftskulisse. Mittels Propaganda und Unterdrückung versucht das dekadente Vampir-Regime der menschlichen Bevölkerung in Blutfabriken ihren kostbarsten Besitz abzuringen. Nicht wenige Bürger unterliegen den propagandistischen Versprechen und tauschen ihr Leben freiwillig gegen die ewige Jugend ein. Durch diesen Teufelskreis ist frisches Blut dauerhaft Mangelware, die Schreckensherrschaft der Untoten hingegen gesichert. Eine kleine Gruppe Revolutionäre versucht mit Attentaten die Herrschaft des Obersten Vampirs „Szerbenmunds“ zu beenden. Aber Späher sind überall und die Gegner stark. Alle Hoffnung lastet auf Niall, einem Rebellen, der die Herrschaft zum Umsturz bringen soll. Als er ein waghalsiges Bündnis eingeht, schwebt nicht nur die Revolution in größter Gefahr...

Band 2: Mord!

Das Attentat auf Szerbenmund ist geglückt – aber zu welchem Preis? Das neue Regierungsoberhaupt Mardocles versucht die Bevölkerung in den Griff zu bekommen, was nur mithilfe militärischer Unterstützung funktioniert. Zudem verunsichert eine grauenhafte Mordserie die Stadt. Scheinbar zusammenhangslos werden Opfer auf bestialische Weise geschlachtet. Ob eine längst vergessene Legende dahinter steckt? Während Militär und Bevölkerung die stillgelegten Kanalisationsnetze des alten Berlins untersuchen, richten sich die Augen der Revolutionäre auf Mardocles – um das nächste Attentat zu planen.

Band 3: Narbenstadt

Nach dem desaströsen Ausgang des Attentats und der missglückten Jagd auf den Serienmörder, hat sich eine militärische Opposition der Vampire gebildet und Berlin in zwei Hälften geteilt. Die Menschen jenseits des dekadent-liberalen Mardocles-Gebietes werden von der Hardliner-Generälin Radra Cadressis wie Vieh unter Kontrolle gehalten. Und wieder liegt es an Niall, die Schreckensherrschaft niederzureißen. Doch ein revolutionärer Geist allein kann nichts ausrichten, solange er mit menschlicher Kraft gegen dämonische Kräfte kämpfen soll – und so bleibt für ihn nur eine einzige Lösung: Unsterblichkeit...



Auf der einen Seite gelingt es den Autoren auf überwältigende Weise unter Einsatz von aufwändig gestalteten Bildern die bedrohlichsten Merkmale unserer Vergangenheit in einem einzigen Schauplatz zusammenzufügen. Die Extreme des dargestellten Zeitalters werden gekonnt in den Zeichnungen und Bildern verarbeitet, sodass sich kein Leser diesem intensiven Schreckensszenario entziehen kann. Beeindruckender Zeichenstil, originelle Panelaufteilungen und brillante Farbintensität lassen die atemberaubende Kulisse einer Stadt entstehen, die gleichzeitig aus Verfall und pulsierendem Leben besteht.

Leider kann der Text mit dieser grandiosen Bildgewalt nicht immer mithalten. Die stakkatohafte Handlung ließe sich noch verzeihen, doch die platten Witze (der Berlinoir-Bär, das verhunzte Kennedy-Zitat des Mörders) und das etwas langatmige Schwadronieren über die politische Situation bremen zuweilen die grenzenlose Begeisterung. Besonders schade sind die Schwächen, weil sie in dem ansonsten vielschichtigen Handlungsablauf überflüssig wirken. Nicht nur besticht die Handlung durch eine Vielfalt unterschiedlicher Charaktere, auch das Aufwerfen philosophischer Fragen und das Ausbleiben typischer Helden überzeugt. Die Handlung "Berlinoirs" ist tatsächlich, bei aller zeitweiligen Plattitüde, intelligent, ironisch und vor allem – voller Bildung; eine Melange nahezu überladen mit politischer Historie und kultureller Rezeptionsgeschichte. Die Novel glänzt also zu jeder Zeit durch beeindruckend erfrischende Ideen und beispiellose Bilder, die bedauerlicherweise weniger in einem Lesegenuss als in einem Betrachtungsgenuss münden. Letzterer ist allerdings so hoch, dass ich jedem Freund außergewöhnlicher Graphic Novels zu einem Konsum dieses Opus rate. Auch Liebhabern blutiger Fantasy jenseits des Teenie-Mainstreams dürfte die Trilogie ein willkommener Augenschmaus sein. Hier sucht man vergeblich nach glitzernden Mädchenschwärmen oder schmusefreudigen Werwölfen – die Dämonen Berlinoirs haben noch richtig Biss.


Eine erlesene Leiche
Eine erlesene Leiche
von Pénélope Bagieu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Avantgarde trifft Mainstream - Paris va bien!, 3. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Eine erlesene Leiche (Gebundene Ausgabe)
Der 22jährigen Französin Zoé wird eines Tages zwischen der Ignoranz ihres Proleten-Freundes und dem Posieren als Schweizer Käse klar: ein neuer Lebensinhalt muss her. Durch Zufall trifft die Messehostess auf den – zugegebenermaßen etwas spleenigen – Schriftsteller Thomas Rocher, der in ihr seine neue Muse gefunden zu haben scheint. Dessen distinguierte Art schmeichelt ihr zunächst und die neue Beziehung scheint fruchtbar für alle Seiten zu sein – auch wenn Thomas' enge Beziehung zu Lektorin und Ex-Frau Agathe sie misstrauisch macht. Und warum geht Thomas nie aus dem Haus? Hat sein zunehmend selbstsüchtiges Verhalten etwas mit seinem neuen Buch zu tun? Es wird Zeit für Zoé sich endgültig zu emanzipieren. Als sie zeigt, was in ihr steckt, hat das ungeahnte Konsequenzen für alle Beteiligten...und da wäre ja auch noch die Leiche. Oder nicht?

Es gibt Comics und Graphic Novels, die künstlerisch so hochwertig sind, dass sie ohne intensive Auseinandersetzung und viel intellektuelle Anstrengung nur schwer zu bewältigen sind. Diese Werke verdienen zum Teil fraglos die Vorsilbe „Kunst“ und sind oft eine willkommene Abwechslung vom Mainstream. Pénélope Bagieus „erlesene Leiche” gehört zu jenen Graphic Novels, die unbedingt gelesen werden sollten, weil sie zeichnerisch eben so erfrischend weit weg vom Mainstream sind, dabei aber eine dynamische Geschichte auf amüsante Weise erzählen, sodass die Lektüre heiter und leichtfüßig wirkt ohne dass ihr eine Wissenschaft vorausgehen muss. Dieser gelungene Balanceakt zwischen Anspruch und Unterhaltung wirkt umso vollendeter, als dass die zunächst oberflächlich wirkende Handlung sich als tiefgründige Kritik am Großstadtleben und der Willensfreiheit moderner Menschen erweist.

Die zunächst eindeutig überlegende Existenz eines Schriftstellers gegenüber dem proletarischen Arbeiter stellt sich im Alltagsleben als nicht sehr viel erstrebenswerter heraus; die Klischees wirken auf Dauer ebenso abgedroschen, wenn das Künstlerische der eigenen Einschränkung weichen muss. Auch Sexualität und Erotik benötigen weniger einen Milieuwechsel als eine Persönlichkeitsveränderung, wenn eine grundlegende Veränderung erzielt werden soll. Tatsächlich räumt Zeichnerin und Szenaristin Pénélope Bagieu mit so manchem Klischee auf schelmische und pointierte Weise auf, sodass der Leser am Ende geneigt ist, einen verstohlenen Seitenblick auf sein eigenes Leben zu werfen.

Die Quintessenz der Geschichte – sein Schicksal in die Hand zu nehmen – ist tatsächlich schwerer umzusetzen als es sich im ersten Moment anhört. Ja, was ist es denn, was man wirklich will? Die Gesellschaft, auf Funktion und Profit gepolt, erschwert oft den Umstieg in ein neues Selbst. Die Gesellschaft – das sind hier Zoés Messe-Kolleginnen, die im Gegensatz zur Protagonistin nur nebenberuflich in das Hostess-Kostüm schlüpfen; die Leserschaft Thomas', die künstlerisches Talent und Hype vermeintlich nicht auseinander halten kann; die Katze, deren Gesicht die gesellschaftliche Norm widerspiegelt, indem sie die bequemste Variante bevorzugt, sei sie nun moralisch verwerflich oder nicht. Oder doch nicht? Am Ende hatte die Katze recht – oder?

Bagieu wirft scharfe Fragen auf und lässt am Ende den Leser seine Lösung selbst suchen. Ihre Konklusion ist nichts weniger als überraschend. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb so rund, weil sowohl scharfer Text als auch cartoonartige Bilder aus der Feder der Autorin stammen. Apropos Text: Sprechblasen werden dezent verteilt; es gibt Doppelseiten, auf denen man keine einzige findet. Kurzweilig wirkt die Geschichte deswegen keinesfalls – man tut gut daran, die Bilder auf sich wirken zu lassen. Vor allem Zoés alltäglicher Gang zur Arbeit (die Fahrt in der U-Bahn!) oder die Mimik der Katze verdienen einen zweiten und dritten Blick.

Das ursprünglich von Carlsen ins Leben gerufene Label „For Ladies only“, das noch die Vorgänger-Novel der Autorin, „Wie ein leeres Blatt“, geziert hat, ist mittlerweile verschwunden. Das ist auch gut so, denn trotz der femininen Aufmachung und der Sex-and-the-City-esken Grundstimmung hat zumindest diese Graphic Novel mehr Teifgang, als so ein Label vermuten lassen würde. Obendrein werden auch maskuline Leser und Leserinnen ihren Spaß an Bagieus einzigartigem Stil haben. Das weiß ich, weil ich mich als Frau, die von selbst nicht auf die Idee gekommen wäre, sich mit dem Label „Lady“ zu assoziieren, sehr amüsiert habe. Aber auch abgesehen von den fehlenden Labels ist die Gestaltung des Comicromans gewohnt gelungen. Die mittlerweile 60 Jahre Erfahrung im Comic-Vertrieb garantieren Carlsen-Comic-Lesern in Optik und Haptik einen gewisse Qualität. Die Bezeichnung „Hardcover“ ist allerdings etwas irreführend, da es sich um einen biegsamen Einband handelt, ähnlich der Klappenbroschur, dem sogenannten Flexocover. So werden die Seiten geschützt, ohne sperrig zu wirken oder unnötiges Gewicht zu erzeugen.

Meine Empfehlung: Diese Graphic Novel sollte an einem Samstagvormittag bei Croissant und Café au lait in der französischsten Kneipe eurer Stadt genossen werden. Mit allen anderen Klischees wird Pénélope Bagieu dann für euch aufräumen. Bon courage!

Über die Autorin: Die 1982 geborene Pariserin Pénélope Bagieu, Tochter korsischer und baskischer Eltern, ist Illustratorin und Cartoonistin. Ihr Comic-Blog "Ma vie est tout à fait fascinante", auf dem sie auf humorvolle Weise aus ihrem Alltagsleben berichtet, erlangte über die Szene hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. September 2014 soll er bei Carlsen auf Deutsch publiziert werden. Eine dreibändige Comic-Reihe, „Joséphine“, wird gerade verfilmt.


Alisik 2: Winter
Alisik 2: Winter
von Hubertus Rufledt
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Morbider Charme kreuzt Dark Romance - ein echter Hingucker!, 14. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Alisik 2: Winter (Taschenbuch)
Es ist Winter geworden und der alte Friedhof, Heimat der Postmortalen, ist von einer dichten Schneedecke eingeschlossen. Doch so friedlich die Landschaft auch wirkt – in Alisiks neuer Gemeinschaft der Toten gibt es jede Menge Aufregung: Die Baustelle, die die idyllische Grablandschaft bedroht, beunruhigt die Gemüter. Ob da der Sichel-Michel weiterhelfen kann? Und auch Alisik hat mit belastenden Konfrontationen zu kämpfen. Auf einem ihrer Streifzüge mit dem blinden Ruben entdeckt sie Hinweise auf ihre Vergangenheit, die ihr schwer zu schaffen machen. Obendrein kommen sie und Ruben sich immer näher – doch was wird er denken, wenn er erfährt, dass sie gar nicht mehr unter den Lebenden weilt?

Im zweiten Band der vierteiligen Dark-Romance-Mystery-Serie verdichten sich allmählich die Informationen und viele Handlungsstränge, die im Vorgänger, „Alisik – Herbst“, aufkamen, werden zusammengeführt. Das bringt nicht nur jede Menge Spannung und neue Aufregung, sondern wird mit so viel hintergründigem Humor, künstlerischem Detailreichtum und schriftstellerischer Hingabe präsentiert, dass das ehrfürchtige Staunen zuweilen einem herzensfrohen Jauchzer weichen muss.

Das Repertoire von Rufledts' Texten reicht von tragikomisch und einfühlsam zu mitreißend und nervenaufreibend. Wie bereits beim Vorgänger, geht jedem Kapitel ein Intro voraus, das Auszüge aus dem Regelwerk der Postmortalen oder Alisiks Gedankensequenzen enthält. Die Geschichte enthält verschiedene Elemente, die jeweils mit sehr unterschiedlichen Stimmungen behaftet sind. Familiäres Zusammenleben und Vergangenheit der Postmortalen kommt mit Humor, Skurrilität und einer Prise Nostalgie daher. Alisiks Vergangenheit wird dramatisch und bisweilen wehmütig erzählt. Zwischen Ruben und ihr knistert es gewaltig – ohne dass die Ernsthaftigkeit der Romantik zum Opfer fällt. Dadurch wirkt die leise Liebesbeziehung, die sich zwischen den beiden ungewöhnlichen Jugendlichen entwickelt, zu keiner Zeit kitschig oder aufgesetzt. Unterschwellig werden all diese Geschehnisse von der Gefahr durch Planierraupe und Schicksalsentscheidung durch Herrn Todt bedroht – und enden in einem explosiven Cliffhänger.

Helge Vogts grafische Virtuosität macht aus der bewegenden Geschichte ein artistisches Kunstwerk, das seinesgleichen auf dem deutschen Markt vergeblich sucht. Einzigartiger Stil, spektakuläre Farbenspiele, beeindruckende Collagen und aufwändige Montage verschiedener Ausdrucksarten sind nicht nur ein Augenschmaus für den Leser; die Technik lässt auf einen ebenso talentierten wie leidenschaftlichen Künstler schließen, dessen genuine Schöpferkraft man so manchem Tattoo-Studio und so manchem Innenausstatter wünschen würde.

Für einen für den Comic-Markt erstaunlich erschwinglichen Preis bekommt der Leser hier einiges geboten. Die Verfasser sparen im Gegensatz zu manchen Kollegen weder an Aufwand noch an Effekten oder Text(sorgfalt). „Alisik“ lässt sich sowohl zeichnerisch als auch Genre-technisch keinem einzelnen Stil zuordnen, ja, nicht einmal einer bestimmten Leserschaft; über diese Mixtur lässt sich also alles Mögliche sagen – ganz sicher aber nicht, dass es sich um ein kurzweiliges Vergnügen handelt. Jede Seite verdient einen zweiten oder dritten Blick und lädt zum Verweilen ein.

Kurz: Story und Grafik machen „Alisik – Winter“ zu einem vollendeten Leseerlebnis für kalte Herbsttage. Die zarte Romantik von Ruben und Alisik, der besinnliche (und bisweilen kabbelige) Zusammenhalt der Postmortalen und die winterliche Atmosphäre wärmen einem das Leserherz wie eine richtig schokoladige Tasse Kakao. Mit Sahne.


Gemeines Getier: Das A-Z der Insekten, die beißen, stechen, infizieren und uns den letzten Nerv rauben
Gemeines Getier: Das A-Z der Insekten, die beißen, stechen, infizieren und uns den letzten Nerv rauben
von Amy Stewart
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide - kommt aber nicht an den Erstling heran, 31. Oktober 2013
Nach dem großen Erfolg ihres Erstlings, hat sich Amy Stewart dem nächsten alltäglichen Horror gewidmet: den Insekten. In „Gemeines Getier“ geht es um „Insekten, die stechen, beißen, infizieren und und den letzten Nerv rauben“. Das lexikalische Kuriositätenkabinett tritt in Sachen Aufbau und Akribie in die Fußstapfen seines Vorgängers "Gemeine Gewächse", ja, übertrifft diesen sogar noch mit einem zusätzlichen Register – ist aber längst nicht mehr so bezaubernd. Vielleicht liegt es an dem kreatürlichen und tatsächlich gruseligen Inhalt, dass mich die Tiere weniger zum Schmunzeln gebracht haben, vielleicht aber auch an der altbekannten Nachfolgerwirkung und dem dadurch fehlenden Reiz des Neuen – obgleich „Gemeines Getier“ ebenso aufwändig, informativ und grotesk-absurd ist, blieb der literarische Kick etwas aus. Dafür kribbelte es plötzlich überall...


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