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Rezensionen verfasst von
Dr. Reinhart Clemens "Büchernarr" (Köln)
(REAL NAME)   

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Die Gestaltung der Welt: Augustus und die Anfänge des römischen Köln
Die Gestaltung der Welt: Augustus und die Anfänge des römischen Köln
von Werner Eck
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Gründung Kölns, ein Beispiel der reichsweiten Herrschaft des Kaisers Augustus, 11. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Bändchen enthält 50 Seiten Text, acht Seiten Anmerkungen und 19 Abbildungen: Fotografien, geographische Skizzen und eine Rekonstruktionszeichnung. Der Autor möchte die Frage beantworten, wie das riesige Römische Reich, dessen Ausdehnung Augustus mehr als verdoppelt hat, organisiert und verwaltet werden konnte.

Die größten Organisationsformen waren die Provinzen, die nächstkleineren die Städte. Sie wurden zu hunderten von Augustus gegründet. Zum einen, um Legionsveteranen die soziale Wiedereingliederung zu ermöglichen und zum andern, um im Reich möglichst viele dezentrale politisch-administrative Zentren zu schaffen.

Das Vorbild war immer Rom: Die neuen Städte erhielten stets die gleichen Institutionen und Bauten wie Rom. Konstitutiv war die Selbstverwaltung: Die Bürger wählten ihre Amtsträger, die zusammen mit der Ratsversammlung kommunale Probleme zu lösen hatten.

Augustus seinerseits organisierte und verwaltete mittels der Städte das ganze Reich, indem Kuriere seine Nachrichten und Weisungen in kürzestmöglicher Zeit bis in die letzten Winkel des Reichs trugen. So verstärkte Augustus mit jedem neuen municipium und jeder neuen Kolonie die reichsumfassende Herrschaft Roms. Dazu trugen die Reichsstraßen wesentlich bei, die von Augustus als erstem systematisch ausgebaut wurden.

Gründungen von Städten und Bau von Straßen als entscheidende Faktoren für die Verwaltung aller Teile des Römischen Reichs rechtfertigen den zunächst etwas zu anspruchsvoll erscheinenden Titel des Büchleins „Die Gestaltung der Welt“!

Die Ubier, von Augustus` Mitarbeiter M. Agrippa, 20-18 v.Chr. Statthalter von ganz Gallien, auf die linke Rheinseite umgesiedelt,lebten zerstreut in kleinen Orten. Sie siedelten in einem Gebiet, das sich von Remagen bis nach Krefeld erstreckte. Jedoch hatten sie kein permanentes städtisches Zentrum mit politisch-administrativen Funktionen. Daher sah man in Rom die Notwendigkeit, mit den Ubiern ein solches zu gründen. Ziel war, das große Siedlungsgebiet der Ubier in das Römische Reich einzugliedern und mutmaßlich auch, das neu gegründete Zentrum später zur Hauptstadt der damals noch geplanten Provinz Germanien zu machen.

Daher schuf die römische Militäradministration im Jahre 19 v. C. an der Stelle der heutigen Kölner Altstadt das oppidum ubiorum - das spätere Köln. D.h. Köln wurde von Augustus selbst gegründet,und Köln wurde 69 Jahre früher gegründet als bisher angenommen. Der Autor beschreibt die einzelnen Elemente dieser augusteischen Neugründung.

Agrippina d. J. hat also nicht die Stadt Köln gegründet wie immer noch viele glauben, aber sie hat - als Gattin und im Namen von Kaiser Claudius - dem oppidum ubiorum im Jahre 50 n.Chr. ein „Upgrade“ zukommen lassen, indem sie ihm den höchsten Rang einer römischen Provinzstadt verlieh: Sie erhob die Ubierstadt vom municipium zu einer Kolonie.

Eine bedauerliche Unterlassung von Autor und Lektor findet sich auf S.33: Der Stadtplan des römischen Köln weist acht Ziffern auf, denen sämtlich die Legende fehlt, sodass nicht einmal der zentrale Kultbezirk und auch nicht der Sitz des Statthalters, das Prätorium, identifiziert werden können. Zum Glück gibt es das Internet! Man gebe bei Google ein: Stadtplan Römisches Köln: In der obersten Reihe findet sich dieselbe Skizze des Autors, aber mit den gesuchten Erklärungen und zweien darüberhinaus!

Da die Schrift die eingangs gestellte Frage nach Organisation und Verwaltung des Römischen Reiches überzeugend beantwortet und eine aufregende Neuigkeit bezüglich der Gründung der Stadt Köln hinzufügt, hat die Schrift meines Erachtens - trotz der Nachlässigkeit auf S. 33 - fünf Amazonsterne verdient.


Venedig: Polyglott on tour mit Flipmap
Venedig: Polyglott on tour mit Flipmap
von Christine Hamel
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel Information und große Zeitersparnis, 25. April 2014
Dieser schmale Reiseführer informiert auf 140 reich bebilderten Seiten über Venedig, und erschließt die Stadt durch 20 Bausteine (nämlich 13 Fuß- und 7 Bootstouren). Die Routen sind auf einem der sechs Teilstadtpläne rot-liniert eingetragen.

Die Beschreibung einer Tour beinhaltet: 1) das „Thema“, z.B.“Rund um die Piazza San Marco“, 2) die Sehenswürdigkeiten, 3) die geschätzte Gesamtdauer, 4) den Start- und den Endpunkt,5) praktische Hinweise, z.B. „für Kirchenliebhaber“, 6) die Charakterisierung der Sehenswürdigkeiten.

Wir benutzten den Polyglott für eine einwöchige Venedig-Reise im Frühjahr 2014.

Zunächst nutzten wir ihn zur Reiseplanung. Wir wählten aus der Übersicht der Touren eine und aus den mit 2-3 Sternen ausgezeichneten Sehenswürdigkeiten ebenfalls eine pro Urlaubstag aus. Die Planung aller sieben Urlaubstage dauerte nur knapp eine Stunde!

Die eigentliche Lektüre verschoben wir nach Venedig - und dies bereicherte die Reise. Denn die Formulierungen im Führer sind außerordentlich reisefreundlich: Alles kurz, alles nützlich, alles wissenswert.

„Sicherheitshalber“ hatten wir doch noch den Führer von Reise-Know-How (311 Seiten) mitgenommen. Aber nachdem der Polyglott sich so hervorragend bewährte, konnte er im Hotel bleiben.

Bei dem Polyglott erwies es sich als besonders praktisch, dass auf jeder Seite der Tourenvorschläge die zugehörige Karte in der Kopfzeile angegeben ist, also z.B. „Karte Seite 96“! Dies ist ein geradezu genialer Einfall! Denn dadurch kann der Reisende blitzschnell - ohne zu blättern - feststellen, wo sich die Sehenswürdigkeiten befinden. Dies „feature“ war auch im Vergleich mit dem Reise-Know-How- ein substantieller Vorteil.

So schmal der Polyglott on tour ist, er liefert mehr als genug kundige Informationen. Durch seine Machart ist er, wie beschrieben, ideal auf den heutigen Reisenden zugeschnitten, der keine Zeit für eine Reisevorbereitung hat und doch viel sehen möchte.

Uneingeschränkte Kaufempfehlung!

Tipp außerhalb der Rezension: Was man in Venedig neben jedem Reiseführer braucht, sind Abbildungen der wichtigsten Gemälde. Denn in den Museen und Kirchen sind viele Bilder nicht genau zu erkennen, auch wenn man direkt davor steht. Bei Deckengemälden liegt dies häufig an der Entfernung, bei Wandfresken an ungünstiger Beleuchtung. Deshalb erwarben wir in einer Kirche das lohnende Buch „Venedig: Auf den Spuren von Bellini, Carpaccio, Tizian, Tintoretto und Veronese“, in deutscher Sprache, Scala-Verlag, 2011. 9,30 Euro.


Pompeius: Lebensbild eines Römers
Pompeius: Lebensbild eines Römers
von Elisabeth Herrmann-Otto
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pompeius strebte nicht nach politischer Macht, sondern nach höchster öffentlicher Wertschätzung, 23. März 2014
Die Biographie hat 263 Seiten Text, 38 Seiten Anmerkungen, dazu acht Fotos des Titelhelden und berühmter Zeitgenossen. Außerdem finden sich zwei bei der Lektüre durchaus hilfreiche Landkarten: Das westliche Mittelmeer und der Osten des Römischen Reiches

Das Lebensziel des Gnaeus Pompeius Magnus (106-48) war nicht die politische Macht, sondern die öffentliche Wertschätzung. Darin durfte ihn keiner übertreffen, denn er verstand sich als Nachfolger Alexanders des Großen. Die Wertschätzung sollte sich - wie bei Alexander- zwangsläufig aus der Außergewöhnlichkeit seiner militärischen und organisatorischen Leistungen ergeben.

Hier seine Vita:
Eine erste spektakuläre Tat vollbrachte Pompeius im Jahre 84 mit 22 Jahren, indem er dem Feldherrn Sulla an der Spitze einer selbst ausgehobenen (!) Legion entgegen ritt. Der von Pompeius mit „Imperator“= Feldherr angesprochene Diktator drückte seine Bewunderung für den ungewöhnlichen jungen Mann aus, indem er ihm die gleiche Anrede zuteilwerden ließ!
In der Folge wurden Pompeius immer wieder besonders schwierige Kommandoaufgaben übertragen, die er brillant bewältigte und zwar:
79 Rückeroberung Afrikas (binnen 40 Tagen abgeschlossen!),
78 Niederschlagung des Aufstands des Prokonsuls Lepidus in Gallien,
77-72 Niederringung des Sertorius in Spanien, dessen Gefährlichkeit gleich der Hannibals eingeschätzt wurde.
67 erledigte Pompeius im Seeräuberkrieg das jahrzehntelange Piratenproblem (wiederum binnen 40 Tagen!),
66-64 beendete er den schon 30 Jahre währenden Mithradatischen Krieg und schloss ihn mit einer allseits bewunderten Neuordnung des Ostens ab. Bei seinem Triumph im Jahr 62 trug er das wertvollste Beutestück aus dem Schatz des Mithradates: Den Mantel Alexanders des Großen.
Es folgt Pompeius' schrittweiser Niedergang:
61 Weigerung des Senats, Pompeius Wünsche bezüglich der Versorgung seiner Veteranen mit Land und die Anerkennung seiner Entscheidungen im Osten zu erfüllen.
60 dagegen Bildung des Triumvirats 60 mit Caesar und Crassus.
Zunehmende Entfremdung von Caesar, die
54 nach dem Tod von Julia, Caesars Tochter und Pompeius Frau und
53 nach Crassus Soldatentod in Feindschaft überging.
Bürgerkrieg gegen Caesar. Caesar in Rom. Flucht des Senats nach Griechenland.
48 Sieg Cäsars über Pompeius bei Pharsalos, Pompeius Flucht nach Ägypten und seine dortige Ermordung.

Die Quellenlage bezüglich Pompeius ist gut, schreibt der Autor im Vorwort. Diese Tatsache sei für ihn ein Hauptgrund gewesen, die Biographie gerade über Pompeius zu schreiben. Dabei sei seine Absicht gewesen, ein „möglichst vollständiges Bild davon zu geben, wie im alten Rom Politik getrieben wurde“. Das Zusammenwirken von guter Quellenlage und Streben nach Vollständigkeit wirkt sich auf den Text jedoch nicht günstig aus. Wie wichtig und im Detail interessant für die Pompeius-Forschung die Einzelheiten sein mögen - beim Normalleser entsteht der Eindruck eines nicht enden wollenden engmaschigen Protokolls, das für ihn in dieser Ausführlichkeit nicht von Interesse sein kann. Vielmehr wird der Blick für das Wichtige, dessentwegen er nach diesem Buch gegriffen hat – wozu überaus mutmaßlich auch die oben aufgeführten Stationen seiner Vita gehören -, behindert und getrübt. Und schlussendlich wird durch die tagebuchartige Darstellung der Lesefluss erschwert.

Aus diesen Gründen zögere ich, die Lektüre dieses ungewöhnlichen und auch großartigen Buches dem historisch interessierten Normalleser uneingeschränkt zu empfehlen. Dagegen gilt eine ausdrückliche Leseempfehlung für die, die bereits viel über Pompeius und seine Zeit wissen, und die ihren Kenntnissen noch einige Details hinzufügen möchten. Bei diesen dürfte das Werk sogar Begeisterung hervorrufen, dies umso mehr als das Buch wunderbar zu Ende gedacht, klar gegliedert und sprachlich gut lesbar geschrieben ist.


Ein Prinz aus dem Hause David: Und warum er in Deutschland blieb
Ein Prinz aus dem Hause David: Und warum er in Deutschland blieb
von Prinz Asfa-Wossen Asserate
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebevolles, brillantes Buch, 13. Februar 2014
Gegenstand des Buches ist das Land Äthiopien, aus dem der Autor stammt. Der Autor gehörte als Prinz unter Kaiser Haile Selassie zu der – damaligen - obersten Gesellschaftsschicht des ostafrikanischen Landes. Sein Vater war Vorsitzender des Kronrats des Kaisers. Er wurde am 23. November 1974 erschossen. In diesem Zeitpunkt, mit dem das Buch beginnt, studierte der Autor in Deutschland.

In seiner Heimat war die Revolution ausgebrochen, der Kaiser war abgesetzt, die Mutter und die Geschwister des Autors saßen im Gefängnis. In den folgenden 17 Jahren, also bis 1991 , sah der Autor seine Hauptaufgabe darin, seine Mutter und seine Geschwister in Äthiopien aus der Haft zu befreien zu versuchen. Diese Bemühungen ziehen sich als ein roter Faden durch das Buch, sind aber verwoben mit allgemeineren Themen, die vermutlich für die meisten Leser höhere Bedeutung haben.

Der Rezensent fand insbesondere die 3000-jährige Geschichte Äthiopiens interessant mit der frühen Christianisierung im 4. Jahrhundert und war fasziniert von der rund 1000 Jahre währenden Epoche vom 7. bis 17. Jahrhundert, in der Äthiopien vom Islam umgeben war, selbst aber eine christliche Festung blieb. In dieser Zeit verschmolzen Kirche und Kaiserreich in Äthiopien zu einer unzertrennlichen Einheit, die einen großen Reichtum von Ritualen und Zeremonien entwickelte. Zu Beginn der Neuzeit kommt es zu einem dreißig Jahre dauernden Krieg gegen den Islam.

Ein König erlag den Einflüsterungen seiner portugiesischen Berater und schaffte die angestammte christliche Staatsreligion zugunsten des Katholizismus ab, was zu einem religiösen Bürgerkrieg führte. In der modernen Zeit fand ich besonders anrührend die Exilierung des Kaisers, seine Rede vor dem Völkerbund 1936 und seinen triumphalen Wiedereinzug in Addis Abeba am 5. Mai 1941.

Dieses Sachbuch über Äthiopien bietet die ungewöhnliche Mischung von profunder Kenntnis der Geschichte einerseits und persönlichem Erleben andererseits. Durch die Zugehörigkeit des Autors zur – damaligen - herrschenden Schicht des Landes und durch seine Liebe zu seinem Heimatland erhält der Text Authentizität und persönliche Farbigkeit.

Ein ungewöhnlich liebevolles, kluges und interessantes Buch, dessen Text intellektuell und sprachlich bis zur Perfektion ausgefeilt ist. Das Buch kann jedem an fremden Kulturen Interessierten, aber auch einfach jedem Liebhaber brillanter Bücher empfohlen werden.- Das Buch hat 380 Seiten, die in zwölf annähernd gleich lange Kapitel unterteilt sind. Dazu bietet das Buch 36 schwarz-weiße Fotos aus dem Besitz des Autors. Eine Landkarte Äthiopiens oder/und Ostafrikas wäre wünschenswert.


Die Römer: Kultur und Geschichte (marixwissen)
Die Römer: Kultur und Geschichte (marixwissen)
von Reinhard Pohanka
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Kürze, 8. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch beschreibt auf lediglich 224 Seiten die „ganze“ Geschichte des Weströmischen Reiches von den Anfängen bis zu seinem Untergang 476 n. Chr.! Jedes der 15 Kapitel behandelt zwischen zwei und zehn Themen, die im Inhaltsverzeichnis aufgeführt sind; dadurch eignet sich der Text neben seiner Bestimmung als Sachbuch auch als kleines Nachschlagewerk. Zudem ist positiv hervorzuheben, dass der Autor neben den historisch-politischen Ereignissen auch die kulturellen Themen verständlich darstellt. Abbildungen enthält das Buch nicht.

Das kurze Buch ist in gepflegtem Deutsch geschrieben und bedient sich anschaulicher, lebensnaher Formulierungen. Das Buch bietet – nicht erstaunlich bei dem thematischen Rahmen! – eine große Stofffülle, ist aber so flüssig geschrieben, dass der Leser nie das Gefühl der Überforderung durch zu viele Einzelheiten hat. Man das Buch durchaus rasch wie einen Roman lesen, ohne alle gebotenen Inhalte behalten zu wollen. Andererseits hat der Leser einen höheren Gewinn an Wissen und Verständnis, wenn er das Buch Satz für Satz als das liest, als was es gedacht ist: Als qualifiziertes Sachbuch. In beiden Fällen ist das Buch von Anfang bis Ende interessant und auch spannend.

Der Autor entrollt das grandiose Panorama der Geschichte Westroms auf vier großen Gemälden. Das erste zeigt die Geschichte von den Etruskern und Griechen über die legendäre Gründung Roms 753 und das Königtum bis zur Errichtung der Republik um 500. Das zweite Gemälde schildert das Zeitalter der Ständekämpfe - bis 396- und die Erringung der Hegemonie in Italien -bis 265- und schließlich auch im Mittelmeer (Spanien, Griechenland, Karthago) bis 146. Das dritte veranschaulicht die Zeit der Republik bis zum Prinzipat (133-31), das vierte schließlich die Kaiserzeit bis zur Reichsspaltung 395 und zum Untergang des Weströmischen Reichs 476 n. Chr.

Das Buch ist ein Geniestreich! Nach Kenntnis des Rezensenten ist es keinem anderen Autor gelungen, auf so wenigen Seiten die gesamte Geschichte Westroms so wohlgegliedert und so gut lesbar abzuhandeln. Der Autor hat eine erstaunliche Sensibilität für das Wesentliche der Römischen Geschichte, und der Leser kann nur staunen, was für ein zufriedenstellendes Ergebnis die kluge Stoffauswahl gezeitigt hat.

Das Buch ist jedem, der sich für die Geschichte des antiken Roms interessiert, wärmstens zu empfehlen. Eine Verbesserung für kommende Auflagen könnte durch eine oder mehrere historische Karten des Mittelmeers und/oder Europas herbeigeführt werden.


Der Tod des Iwan Iljitsch (insel taschenbuch)
Der Tod des Iwan Iljitsch (insel taschenbuch)
von Lew Tolstoj
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Sterbenmüssen jedes Menschen: Ungemein eindringlich geschildert !, 2. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In dieser Novelle berichtet Tolstoj auf 137 Seiten in zwölf kurzen Kapiteln über das Leben und insbesondere über die letzten Wochen des 45-jährigen hohen Justizangestellten Iwan Iljitsch.

Während die Biographie in den ersten drei Kapiteln locker dahinplätschert, wird das Thema der immer mehr zunehmenden und schließlich tödlichen Magenerkrankung von Seite zu Seite immer beklemmender erzählt.

Tolstoj hat sich nachhaltig in den Gemütszustand eines Menschen hineinversetzt, der spürt, dass er eine Erkrankung hat, bei der es um Leben und Tod geht. Jede Nuance, jedes Hin und Her der Gefühle, jeder Versuch der Verdrängung der Wahrheit, das fehlende Verständnis und besonders die fehlende Anteilnahme der Umwelt, auch der engsten Angehörigen, und die daraus sich ergebenden Reaktionen des Kranken, nämlich die Empfindungen der Empörung, der Wut und des Hasses werden eindringlich und einfühlbar beschrieben.

Tolstoj liefert eine immer erneut ins Einzelne gehende psychologische Analyse der sich Tag für Tag zuspitzenden Situation des Menschen in seinem letzten Lebensabschnitt. Man findet kaum einen Satz, den man noch eindringlicher, noch bitterer, noch leidvoller gestalten könnte.

Dabei wird die tiefe Empathie Tolstojs mit jedem Menschen spürbar, da ja jeder unausweichlich furchtbar und hoffnungslos dem Schicksal des Sterbenmüssens ausgesetzt ist. Ein ungemein eindrucksvolles Buch!


Reise Know-How Apulien, Gargano, Salento: Reiseführer für individuelles Entdecken
Reise Know-How Apulien, Gargano, Salento: Reiseführer für individuelles Entdecken
von Peter Amann
  Taschenbuch

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehnsuchtsland Apulien, 25. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieser Reiseführer informiert auf 521 Seiten über Apulien,den Sporn des Stiefels - aufgeteilt in neun Urlaubsregionen (12-17). Auf den beiden Umschlagsseiten sind die nördliche und die südliche Hälfte Apuliens kartographisch dargestellt. Rote Fähnchen zeigen die Lage der Sehenswürdigkeiten an - mit zugehöriger Seitenzahl im Buch, sodass man direkt zur Lektüre schreiten kann.

Jeder der neun Urlaubsregionen ist ein Kapitel gewidmet, dem eine Karte der Region vorangestellt ist. Hinzu kommen 21 Straßenpläne für größere Ortschaften, 32 Vorschläge für Wanderungen und 44 „Exkurse" auf farblich abgesetztem Grund, die den Text durch aparte Informationen ebenso bereichern wie die große Zahl bestechend schöner Farbfotos.

Das Buch ist in gutem, oft pointierten Deutsch geschrieben und die Absätze sind von erfreulicher Kürze, enthalten aber alles Wesentliche. So macht die Lektüre Freude.

Anhand der neun Ferienregionen entsteht das großartige Panorama Apuliens: 1) Tremiti-Inseln; 2) Nationalpark Gargano; 3) das Weizen- und Weinland um Foggia; 4) Bari mit seiner leuchtenden Küste; 5) Nationalpark der Murgia; 6) Valle d'Itria – „Trulli-Tal“; 7) Brindisi und Ostuni; 8) Taranto; 9) Lecce und der Salento. Der waldreiche Gargano und der sonnendurchflutete Salento werden - schon im Titel des Buches - als besonders wichtige Urlaubsregionen hervorgehoben.

Es werden thematisiert: Geographie, Geologie, Flora, Fauna, Geschichte und Kunstgeschichte. Highlights sind naturgemäß die romanischen Kathedralen im normannisch-apulischen Stil,z.B.in Trani,in Bitonto,in Bari usw. und die mittelalterlichen Kastelle, neben dem Castel del Monte z.B. auch die in Lucera,in Manfredonia,in Trani usw. - Aber auch die Grottenkirche des Erzengels Gabriel in Monte Sant Angelo (80 ff.) und das von Padre Pio geprägte San Giovanni Rotondo, der größte Wallfahrtsort Europas (85 f.), sind brillant beschriebene Highlights, die sich kein Apulienreisender entgehen lassen wird.

Darüberhinaus liefert der Autor Nützliches: nämlich Stadtpläne, Fuß- und Radwanderungen, Hinweise auf Strände, Unterkünfte und Restaurants.Letztere überzeugten uns auf unserer dreiwöchigen Reise im September 2013 fast ausnahmslos.

Hinsichtlich des Inhalts kann man nur staunen, dass es möglich ist, aus dem so umfangreichen Stoff ein so glänzend gegliedertes und gut lesbares Buch herzustellen. Eine journalistische Meisterleistung!

Jeder Apulien-Reisende wird mit diesem Buch bei der Reiseplanung viel Freude haben ebenso wie vor Ort und nicht zuletzt auch nach der Reise! Dann nämlich wird die Erinnerung an all das Wunderbare, das er erlebt hat, die Sehnsucht nach einem Wiedersehen auslösen. Zudem wird er feststellen, dass er vieles doch noch nicht gesehen oder getan hat.Die Vorfreude auf die nächste Apulienreise kann also gar nicht ausbleiben!


Der Sultan von Lucera: Friedrich II. und der Islam
Der Sultan von Lucera: Friedrich II. und der Islam
von Eberhard Horst
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,50

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Friedrich II und der Islam: Glänzend geschrieben, unterhaltsam und lehrreich, 13. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies Taschenbuch informiert auf 139 Seiten in 12 Kapiteln über die Neigung Kaiser Friedrichs II (1194-1250) zum Islam. Außer dem Titelbild des Kaisers mit einem Falken findet sich in diesem Buch kein Bildmaterial. Dem Text folgt ein ergänzender Abschnitt „Anmerkungen und Zitatnachweise“ von 14 Seiten, und das Buch schließt mit einer fünfseitigen Literaturauswahl.

Das Buch ist brillant geschrieben, sodass seine Lektüre eine Freude ist. Jeder Satz lässt erkennen, dass der Verfasser ein profunder Kenner von Zeit und Person ist, und dass er diese Kenntnisse gedanklich durchdrungen und hierarchisch geordnet hat.

Der Autor lässt das Leben Friedrichs wie ein buntes Mosaik vor den Augen des Lesers erstehen. Besonders helle Lichtkegel richtet der Verfasser auf die erstaunliche Neigung des christlichen Kaisers zur arabisch-muslimischen Welt.

Das Buch hebt an mit dem ganz Unerwarteten, das man fand, als Friedrichs Sarkophag in Palermo im Jahre 1781 geöffnet wurde: Der in der grauen Zisterzienserkutte gestorbene christliche Kaiser trug nun arabische Seidengewänder, bestickt mit den kaiserlichen Adlern, und ein leinenes Untergewand mit kufischen Lettern, die Friedrich als Sultan huldigten (10). Denkbar sind Zusammenhänge mit den Muslimen im apulischen Lucera, das nahe bei Castel Fiorentino gelegen ist, dem Sterbeort Friedrichs.

Sinnfälligster Ausdruck der Sympathie des Kaisers zu den Muslimen war die Ansiedlung rebellischer Sarazenen aus Sizilien im apulischen Lucera. Sie lebten dort mit kaiserlich garantierter Glaubensfreiheit, bauten Koranschulen und Gebetshäuser (11). Bald erkannte der Kaiser ihre Dankbarkeit, ihre Ergebenheit und ihren Nutzen bei seinen Kämfen gegen die Päpste.

Ein anderer Ausdruck der Neigung des Kaisers zur islamischen Kultur sind die sog. Sizilianischen Fragen, die er arabischen Gelehrten und Sufis vorlegte (81). Zu diesen gehörte die Frage nach dem Beweis für die Unsterblichkeit der Seele (89) und empirisch-naturwissenschaftliche Fragen, wie sie damals besonders von arabisch-muslimischen Gelehrten bearbeitet wurden.

Die empirisch- induktive, also damals arabisch-islamische Methode des wissenschaftlichen Denkens, dominiert auch das berühmte Falkenbuch Friedrichs (93).

Schließlich war Friedrichs orientalisch-prunkvoller Lebensstil sichtbarer Ausdruck seiner Liebe zum Osten.

Die Frage, inwieweit der persönliche christliche Glaube des Kaisers durch seine islamische Neigung berührt wurde, wird an mehreren Stellen des Buches erörtert und überzeugend beantwortet.

Das kenntnisreiche, durchdachte und bis ins letzte belegte Buch kann jedem an der Geschichte des Mittelalters Interessierten wärmstens empfohlen werden.


Benedikts Vermächtnis und Franziskus`Auftrag: Entweltlichung. Eine Streitschrift
Benedikts Vermächtnis und Franziskus`Auftrag: Entweltlichung. Eine Streitschrift
von Paul Josef Cordes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entweltlichung - Schicksalsentscheidung der Kirche und jedes Gläubigen, 13. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Bändchen "Entweltlichung" von Kardinal Paul Josef Cordes und von Manfred Lütz hat nur 160 Seiten, aber es hat es in sich. Es knüpft an die berühmte Freiburger Rede Papst Benedikts XVI. vom 25.9.2011 an, in der dieser gefordert hatte, dass die Kirche sich „gewissermaßen entweltlichen“ müsse, um ihre Sendung zu verwirklichen (20). Benedikt ging so weit, die Enteignungen von Kirchengütern nach der Französischen Revolution als heilsam für die Kirche zu bezeichnen. Benedikts Rede war ein flammender Appell zur Umkehr, ein Aufruf zu einer veritablen Re-Formation der katholischen Kirche in Deutschland (11). Die Rede war ein Skandal!

Es ist nicht ohne Pikanterie, aber insbesondere nicht ohne Tragik, wie Kardinal Cordes schildert, dass der Aufruf Benedikts zur Entweltlichung für das katholische Establishment etwas so fundamental Neues war, dass er von führenden Katholiken - einige werden mit Namen genannt - entweder nicht verstanden oder sehr wohl verstanden, aber als „nicht hilfreich“ abgewehrt wurde (27). Kardinal Cordes dazu: „Je weltlicher… eine Kirche geworden ist, desto heftiger reagiert man auf die Zumutung der Entweltlichung.“

Ganz anders der der neue Papst Franziskus: Er nahm das Motiv der Entweltlichung in seiner ersten Rede vor den Kardinälen am 14. März 2013 auf, indem er eine "arme Kirche für die Armen" forderte und seine Zuhörer davor warnte, „weltlich“ zu sein (10). Franziskus setzte umgehend nonverbale Zeichen in dieselbe Richtung: Er ließ die für ihn bereit gestellte Luxuslimousine stehen, verzichtete auf den päpstlichen Schulterumhang, die purpurne Mozzetta und auf das prächtige päpstliche Brustkreuz. Cordes: „Solche Botschaften ohne Worte schaffen Fakten“(13).

Kardinal Cordes analysiert, was der Entweltlichungs-Appell Benedikts für das religiöse Leben jedes Einzelnen bedeutet (11 ff.). Ganz allgemein fordert Entweltlichung eine radikale Umkehr. Das, was Mutter Teresa meinte, als sie auf die Frage, was sich nach ihrer Meinung in der Kirche zuerst ändern sollte, antwortete: „Sie und ich“ (11).

Die Entweltlichung des Einzelnen muss als geistliches Abenteuer verstanden werden (16), nur so kann sie ihre eigentliche Kraft entfalten (16). Jesus selbst ist das ewig gültige Beispiel dafür (21).

Anhand von mehreren - auch nicht-katholischen - Personen macht Cordes anschaulich, was Welt und Verweltlichung einerseits und Entweltlichung andererseits sind:

1.Welt-Erfahrung: Simone Weil (1909-1943), jene Jüdin, die in den Reihen der äußersten Linken für das Recht der Schwachen und Unterdrückte kämpfte und sich selbst äußerste Kasteiungen auferlegte, wird als leuchtendes Beispiel für radikale Welterfahrung aufgeführt(32). Cordes: „Wer reichte in der Weltliebe an ihr Zeugnis heran?“–

2. Welt-Verständnis: Der Soziologe Charles Taylor stellt fest, dass bei dem modernen /postmodernen Menschen die Wahrnehmung auf das Rationale verkürzt wurde und Hinweise auf Jenseitiges ihn nicht mehr erreichen (39). Das Göttliche wird vielmehr in die Zweckverkettung des Werktags einbezogen – das Übel der Verweltlichung, gegen das Papst Benedikt zur Entweltlichung aufruft (41).

3. Entweltlichung : Der evangelische Theologe Rudolf Bultmann (25) wird bedrängt von der Erfahrung, dass sich beim modernen Menschen die Wahrnehmung der Transzendenz immer mehr verflüchtigt (42). Der Mensch schaffe sich eine eigene Welt, die durch Übermacht von Organisation das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen ebenso wie das Vertrauen zwischen den Menschen zerstöre (43-44). Und schließlich setze er diese Welt absolut, lebe fern von Gott und ohne göttliche Gnade (44): Der Mensch verfalle der Verweltlichung. Diese bestehe in der Sünde, in der Welt und ihren Mächten, im Fleisch, in der Sorge, in der Angst, in der Vergangenheit, in den egoistischen Interessen, im Leiden und im Tod (45).
Von dieser Verweltlichung könne die Offenbarung durch die christliche Freiheit Entweltlichung schenken - der Begriff Entweltlichung stammt von Bultmann - und frei machen für die Zukunft: Für die Eigentlichkeit Gottes (45). Die Offenbarung verbiete den Rückzug aus der Welt, aber sie könne von der Absolutsetzung der Welt befreien. D.h. der Christ bleibt in einem dialektischen Weltverhältnis: "Die Weltzuwendung, in der der Mensch seine konkreten Aufgaben ergreift, steht im Dienst der Weltabwendung; sie ist Form der Entweltlichung." Der katholische Theologe Hans Urs von Balthasar vertieft diesen Gedanken (65): Der Christ wird innerhalb der Ordnung der gefallenen Natur belassen, aber so, dass er den Gesetzen dieser Welt gehorchend, doch nicht von dieser Welt ist. Nach Balthasar leben engagierte Christen in einem "Als-Ob": "...als ob sie nicht verheiratet wären ... als ob sie nichts besäßen ... als ob sie von der Welt keinen Gebrauch machten".

Im Lichte der Theologie Bultmanns wird die Rede Benedikts von Freiburg zum ökumenischen Ereignis, zur Herausforderung für alle Christen.

Das vorliegende Buch von Kardinal Cordes und Manfred Lütz, ruft in dichtester Form das Eigentümliche, das Spezifische christlicher Lebensvollzüge ins Bewusstsein. Es ist ein Buch, das geeignet ist, den Zweifler, den Agnostiker, den Arianer und nicht zuletzt auch den lauen Christen, aus seiner skeptischen Apathie zu reißen und den existenziellen Kern christlichen Lebens wieder zum Leuchten zu bringen. Ein aufrüttelndes Buch. Für jeden von uns. Lesen! Unbedingt lesen!


Agrippina die Jüngere
Agrippina die Jüngere
von Maike Vogt-Lüerssen
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Farbiges Gemälde der gesamten julisch-claudischen Kaiserzeit, 31. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Agrippina die Jüngere (Taschenbuch)
Dies Buch schildert auf nur 233 Seiten Text sowie mittels 59 s-w-Abbildungen (Statuen, Reliefs, Gemmen, Münzen) das Leben der jüngeren Agrippina (16 n. Chr.- 59 n.Chr.) auf dem Hintergrund der gesamten julisch-claudischen Zeit. D.h. auch Augustus und die Regierungsjahre des Nero nach der Ermordung seiner Mutter Agrippina werden behandelt, d. h also insgesamt die Zeit von 27 v.Chr. bis 68 n.Chr.. 95 besonders spannende Jahre der Römischen Geschichte! Es schließen sich vier Stammbäume von wichtigen römischen Familien sowie ein 13-seitiges Literaturverzeichnis an.

Die Autorin unterteilt das Leben der Agrippina nach den Regierungszeiten der Kaiser in Abschnitte, und sie liefert flüssig lesbare, ja spannende Biographien der Kaiser Tiberius, Caligula, Claudius und Nero. Wie eng das Leben der jüngeren Agrippina persönlich und politisch mit diesen verzahnt ist, ergibt sich aus den verwandtschaftlichen Beziehungen: Agrippina ist Urenkelin des Augustus, Nichte des Tiberius, Schwester des Caligula, Nichte und Gattin des Claudius und Mutter des Nero! Die Einwirkungen der jeweiligen Kaiser auf ihr Leben werden von der Verfasserin besonders eindringlich geschildert.
Eine hervorgehobene Stellung nimmt natürlich auch ihr Vater Germanicus ein, der Liebling der Römer,von dem viele - wie schon von seinem Vater Drusus maior - die Wiederherstellung der Republik erhofften. Germanicus stirbt während der Regierungszeit des Tiberius im Jahre 19 n.Chr. mit nur 33 Jahren, wobei offen ist, ob durch Mord oder durch Krankheit. Diese Frage hatte sich auch schon bei dem frühen Tod seines Vaters gestellt. Aber nicht nur hier, sondern wohin immer man blickt in der julisch-claudischen Familie: Eine dramatische Geschichte, die von Hochverratsprozessen, Verbannungen, erzwungenen Hungertoden, Hinrichtungen und Morden durchzogen ist!

Darüberhinaus erfährt man viel über das Recht, die Sitten und die Anschauungen der Zeit. Aus der Fülle hier einige Beispiele: 1. Die Rechte des pater familias,die bis zur Entscheidung über das Leben seiner Kinder reichten, 2. die zur Behebung der Heirats- und Zeugungsmüdigkeit im Jahre 9 n.Chr. vorgenommenen Änderungen des Steuer- und Erbrechts, 3. die Arbeitsbedingungen in den römischen Legionslagern, 4. das Bild der Frau in der Antike. 5. Interessant sind auch die vielfältigen Maßnahmen zur Empfängnisverhütung (unter anderem spekulierte man schon damals über fruchtbare und unfruchtbare Tage – wenn auch vollkommen irrig!).6. Überraschend sind auch das damals übliche Gebären im Sitzen und die Arbeitsweisen der römischen Hebammen. 7. Auch die Schönheitspflege, der Schmuck, die Tracht und nicht zuletzt die Speisen der Oberschicht werden anschaulich und ins Einzelne gehend beschrieben. - Und viele weitere konkrete Details aus dem damaligen Leben in Rom!

Der einzige Punkt, der der Autorin nicht recht gelingen will, ist der Versuch, den Ruf der Agrippina gegen Tacitus und Sueton zu rehabilitieren. Aber dies Anliegen hat die Autorin offenbar zu einem besonders ausgedehnten Literaturstudium getrieben, dem der Leser jetzt die geradezu begeisternde Auswahl von Zitaten aus den Quellen und das farbige Gemälde der Zeit verdankt. Die Autorin hat eine ungeheure Menge von Stoff verarbeitet, und doch ist der Leser niemals überfordert oder gar gelangweilt.Die Autorin präsentiert einen von Anfang bis Ende ebenso spannenden wie informativen Text. Zudem stellt das Literaturverzeichnis für den eingehender Interessierten eine wahre Fundgrube dar.

Das Buch kann jedem historisch Interessierten uneingeschränkt empfohlen werden. Gute Unterhaltung und vielfältige Bereicherung sind versprochen!


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