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Rezensionen verfasst von
Hans Dirk Schellnack "HD Schellnack"
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Bowers & Wilkins A7 Wireless Music System für Apple iPod/iPhone (wireless Apple AirPlay-Technologie) schwarz
Bowers & Wilkins A7 Wireless Music System für Apple iPod/iPhone (wireless Apple AirPlay-Technologie) schwarz
Preis: EUR 719,00

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Airplay Probleme, 27. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Klang ist in etwa so, wie man es bei einem Gerät dieser Größe erwarten darf. In mittlerer Lautstärke durchaus überzeugend, laut etwas polternd und bei leiser Wiedergabe fehlt leider doch sehr spürbar das Fundament im Klangbild.

Das tatsächliche Problem ist die Airplay-Wiedergabe. Das Gerät verliert immer wieder die Verbindung, selbst im gleichen Raum mit dem Router in einer Situation, in der der der via AirportExpress angeschlossene Zeppelin absolut problemlos funktioniert, so dass es nicht am Airplay-Streaming an sich liegen kann, und auch die Verwendung von iTunes oder Airfoil macht keinen Unterschied. Diese mehrfach am Tag und teilweise sogar mehrfach in einem einzelnen Song stattfindenden Ausfälle, die teilweise nur durch einen Neustart des Geräts zu beheben sind, haben mich zum Zurücksenden bewegt.


Jasmine
Jasmine
Preis: EUR 20,98

23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwerelos, 2. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Jasmine (Audio CD)
Als relaxtes Kamingespräch unter Freunden darf man sich «Jasmine» vorstellen ' wobei diese Freunde zwei der besten, altgedientesten Jazzgrößen sind, die sich seit inzwischen 40 Jahren kennen. Entsprechend klingt «Jasmine» nach gutem Wein oder Whiskey, vielleicht aber auch nach MIlchkaffee und Chai-Tee ' jedenfalls entspannt, gemütlich, ein Dialog von zwei Musikern, die sich unaufdringlich die Bälle zu werfen, die sich nichts zu beweisen haben. Obwohl Jarrett schon vom Instrument her natürlich dominanter ist und beherzt und oft bei aller Flüssigkeit auch mit kleinen Kantigkeiten frei improvisierend durch die Standards tanzt, begleitet von einem leicht atonalen Gould-esquem «Gesang», schafft erst Haden mit seinem melodischen, unfassbar stoischem Bass ein Fundament für Keiths Wanderungen. Es ist tatsächlich so, wie die kongenial-minimalistische Zeichnung auf dem Cover suggeriert ' zwei Felder, die nicht so einfach sind wie sie auf den ersten Blick scheinen mögen, eine große Schnittmenge, aber auch Bereiche, die außerhalb dieser Gemeinsamkeit liegen, und die nicht minder spannend sind. Jarrett, der depressive Freigeist und Haden, der in den letzten Jahren ja häufiger den samtigen, sanften Tönen entgegen neigt, laufen auch oft auseinander, scheinen in Diskurs zu geraten, um dann plötzlich wieder aufs wunderbarste zusammenzufinden, ineinander zu münden. Im Gegensatz zum Piano erweist sich der Bass selbst in Meisterhänden wie denen von Charlie Haden nur bedingt als langfristig spannendes Soloinstrument, und so ist es natürlich in erster Linie ein Piano-Album, aber Haden bekommt viel Freiraum für eigene Wanderungen, die Jarrett nur mit einigen hingehauchten Akkorden begleitet. Bei weniger stellaren Partnern würde das Album nicht selten sicher mit dem Bauch am Seichten entlangschrappen, aber den beiden Veteranen gelingt das Kunststück, einen offenen, leicht zugänglichen Jazz zu zaubern, der mitunter nach Bargeklimper klingt, es aber nie wirklich ist, der handwerklich famos, nahezu symbiotisch funktioniert. Das Ergebnis ist ein für Jarretts Verhältnisse beschwingt-leichtes Album, das fast schwerelos zu sein scheint.


Devil's Halo
Devil's Halo
Preis: EUR 22,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weniger ist mehr..., 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Devil's Halo (Audio CD)
Die Bassistin Meshell Ndegeocello als Ausnahmetalent zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung. Wenn Sie nicht gerade ihr immenses Können am Viersaiter in den Dienst legendärer Jazz- oder Rockgrößen stellt, komponiert und produziert sie Soloalben, die mit einer so lässigen Pose über alle Genregrenzen hinweg springen, dass andere Musiker nur neidisch werden können. Ob introvertiert oder aggressiv, HipHop oder Jazz - Ndegeocello bewegt sich jenseits allen Schubladendenkens, neugierig auf neue Musik und andere Ufer, immer eine Herausforderung für den Hörer und zugleich ein Geschenk. Ihr nach zig Labelwechseln inzwischen achtes Studioalbum, «Devil's Halo», macht mit dem ersten Song «Slaughter» klar, dass es krachend laut wird - die Musik kann man nur als einen seltsamen Mix aus Soul, Blues und Indierock bezeichnen, mal Uptempo und mit krachen verzerrte Gitarren, mal laid-back und relaxt, mit einem Hauch Sade-Feeling («Die Young»). Darunter Tracks, die sicher an die ruhigeren Töne älterer Alben anknüpfen, aber eben durchaus auch eine hektisch flirrende Nummer wie «Lola». Mitunter kratzt das Album dabei leider mit dem Bauch an der Landebahn der Beliebigkeit und scheint nicht richtig abheben zu wollen - es wird nie wirklich Jazz oder wirklich Soul oder wirklich Pop oder wirklich Rock, immer nur eine Melange davon, und wie das mit Melange so ist, sie schmeckt ein wenig nach Starbucks. Da sind zu viele softe Keyboardwolken, die das Potential des Gesangs und der Kompositionen - die mit eben weniger von allem viel besser, viel eher Joni Mitchell wären - unterminieren, da sind zu viele Gesten, die gewollt wirken und auch gekonnt sind, aber nie richtig zusammenkommen, kein Design, keine Gestalt ergeben. Dabei ist der grundsätzliche Ansatz - minimale Bandbesetzung, mehr Druck, mehr Rohheit - goldrichtig. Es hätte nur einen Hauch mehr Minimalismus gebraucht, eine Spur mehr Mut zum Ungehobelten, zum rohen Klotz. Denn das Album, mit unter 40 Minuten ohnehin konzentriert, enthält phantastisch starke Stücke, die aber ab und zu doch an dir vorbeifliegen, einen seltsamen Tick zu seifig sind, die zu wenig Kante haben, um sie gepackt zu kriegen und festzuihalten. Der Parforceritt zwischen allen Genres führt hier zu einem Drift, einer Unverortbarkeit - irgendwie bleibt «Devil's Halo» ein wenig überambitioniert, ein wenig nebelig. Dennoch gibt es immer wieder einzelne Momente, eine großartige Stimme und eine in den guten Momenten phantastisch funktionierende Band, die das Album in die größte Nähe zu «Bitter», dem vielleicht emotionalsten und ehrlichsten Album von Ndegeocello stellen. Nach den vielen Experimenten seit Cookie wirkt «Devil's Halo» fast wie ein Rückgriff, aber nicht wie ein Rückschritt, auf die Tatsache, das in der Musik Dieter Rams Design-Paradigma «Weniger, aber besser» auch absolut zeitlos treffend ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2011 4:01 PM MEST


Hello Stranger
Hello Stranger
Preis: EUR 20,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Makelloser Indiejazz, 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Hello Stranger (Audio CD)
Der Ausnahmepianist Chris Gall beweist mit seinem Trio, dass Jazz zur Fusion mit jedem Genre in der Lage ist. Der erste Songs «Eins plus Eins» verschmilzt die Harmonielogik und den Druck von Independent Music mit jazziger Intelligenz und Rhythmik, das Ergebnis ist eine mitreissende, tanzbare Aufeinanderschichtung von Elementen, die dreidimensional im Raum stehen, wo eine einfache Hookline zu einem improvisierten rechtshändig hingerotztem, fast bluesigem Solo ausufert, wo Schlagzeuger Peter Gall alles andere als die jazzige Zurückhaltung übt, sondern den Song druckvoll nach vorne bringt. Der Opener setzt den Standard für das ganze Album, das leichtfüßig zwischen Triojazz, Pop und Alternativeattitude tanzt, wenn etwa Sarah eine Strophe mit klassischer Jazztaktung hat, im Refrain aber plötzlich in schnelle 4/4 wechselt und losrockt. Man hört Gall an, dass der in zahlreichen Projekten aktive Musiker sich in seiner eigenen Gruppe einfach auch einmal austoben will, verschiedene persönliche Einflüsse mit all ihren Brüchen gegenüberstellt. Insofern ist «Hello Stranger» sicher nichts für Jazzpuristen, nichts für Freunde eines verkopften Jazz, den man wie einen Berg erklettern muss ' vielmehr hat das Album die Attitude eines sehr guten Popalbums, im Mix der Stücke, im Mix zwischen Gesang und Instrumental, in der ganzen Emotionalität. Chris Gall scheint den Frack des ausgebildeten klassischen Pianisten mühelos abzustreifen und sich in die Röhrenjeans zu werfen, ohne sich dabei unter Wert zu verkaufen. Im Gegenteil, das Experiment eines tanzbaren Jazz funktioniert gerade, weil die Virtuosität aller Beteiligten zu jedem Moment absolut greifbar ist, nichts heruntergeschraubt wird, nichts reduziert. Diese Idee von Fusion wird an der Stimme des Münchener Sängers Dominik Schäfer alias Enik greifbar, die einen Bruch zur Musik zu erzeugen scheint, eine Schwebung ' Enik ist weit entfernt von den smooth-kantenlosen Gesangsphrasierungen der meisten Jazzsängerinnen und -sänger. Irgendwo zwischem weißen Soul, Electropop und klassischem Alternative tobt er sich über der Musik aus, scheinbar in einer eigenen Atmosphäre schwebend, nur mit dünnen Nylonfäden an die Songs gebunden, klingt mal nach Bowie, mal unverortbar, oft so, als würde er intuitiv, improvisiert über die Musik singen, als würde er seine Stimme frei und offen in das Lied einbringen, wie ein Instrumentalist das eben auch tun würde, Das Multitalent kann seine Vorliebe für das genrefreie Experiment hier schön ausleben, Pop und Jazz von den jeweiligen Sockeln kippen und etwas neues aus den Scherben zusammenkleben, etwa beim Titeltrack «Hello Stranger», der vielleicht nicht ganz zufällig massiv an die Beatles erinnert ' wenn die Beatles Herbie Hancock als Mitglied gehabt hätten. «You fit perfect to me» beginnt mit einem frickeligen Bela-Lugosi-Beat, liefert fast so etwas wie Rap-Gesang, steigert sich sich zu einer nahtlosen Vermischung aus Rock und Jazz, die so makellos ist wie das Cover des Albums, das in seiner rotschwarzweißen Ästhetik und dem Photo von Dean Bennici der beiden Protagonisten im Popstar-Look irgendwo zwischen Schweizer Minimalismus und den White Stripes angesiedelt ist. Wer also hier die Platte nach dem Cover kauft, wird auf keinen Fall enttäuscht sein ' «Hello Stranger» ist ein herausragendes, energiegeladenes, gefühliges, ruppiges, kämpferisches und umwerfend lebendiges Album, das man unbedingt haben sollte.


Tomorrow in a Year
Tomorrow in a Year
Preis: EUR 29,52

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Oper, 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Tomorrow in a Year (Audio CD)
Im Auftrag der dänischen Theatergruppe Hotel Pro Forma ist «Tomorrow, in a Year» von The Knife entstanden, das vorsichtig gesagt eher untypisch für das Oevre von The Knife oder Karin Dreijer Andersson ist, wenn auch das Melodrama, das die sonst eher elektronische Musik von Knife und Fever Ray auszeichnet, hier höchst gelungen in einen klassischeren Kontext gerückt ist. Thema des Stückes ist Darwins Evolutionstheorie, das The Knive mit zahlreichen Gästen, darunter Matthew Sims, Janine Rostron, Kristina Wahlin, Lærke Winther oder Jonathan Johansson plus zahlreichen Instrumentalisten umsetzt. Das Ergebnis ist weder Pop noch Oper, weder tanzbar noch Hochkultur, sondern eine Art Hörspiel-Cutup, eine auditive Erfahrung, die mal anstrengend, mal mitreissend ist, aber zu jedem Moment ' vor allem intensiv unter Kopfhörern gehört ' faszinierend. Die Platte ist so anders zu allem, was die Dreijers bisher produziert haben, dass man sich unwillkürlich fragt, wie die beiden danach jemals wieder zu normalem Pop zurückfinden wollen, ohne dass es ihnen zu einfach vorkommt. Sperrig, schmerzhaft einerseits, orchestral-grandios andererseits ist Tomorrow, In A Year ein Lynchesquer Soundtrack, der auch ohne die Bildinszenierungen und Tanzperformances dazu in eine eigene Welt entführt, in der es blubbert, quietscht, hämmert und dröhnt, in der die Mechanik des Lebens zu einem pumpenden Maschinenpark wird, durch dessen dunkel beleuchtete, schwach fluoreszierende Eingeweide uns die Musiker führen. Mitunter wird das auch etwas zu lautmalerisch, wie etwa in «Letter to Henslow», andererseits schafft ein Track wie «The Height of Summer» eine durchaus stabil begehbare Brücke zum bisherigen Output der Geschwister. Herausragender Track und nicht umsonst als «Single» ausgekoppelt ist «Colouring of pigeons», eine elfminütige, wunderbar gelungene Fusion aus klassischen Elementen und Popattitude, aus einer an die kanadische Band Moev («Crucify Me») erinnernden Basslinie, KDAs Gesang, dem Mezzosporan von Kristina Wahlin, und einer hyperaktiven Percussion. Ambitioniert, verrückt, gekonnt ist «Tomorrow, in a Year» ein mutiges Konzeptalbum, das den scheinbar unstillbaren Hunger der Dreijers nach Experiment, Ungeschliffenheit, Andersartigkeit unterstreicht und die vielleicht bisher beste Arbeit der beiden darstellt.


Tourist History
Tourist History
Preis: EUR 18,99

0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht..., 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Tourist History (Audio CD)
Keine Frage, die Iren von Two Door Cinema Club sind auf «Tourist History» so eng auf den Spuren von The Foals, dass es schon knirscht. Wie auch die Wombats und viele andere Bands, haben sich TDCC von dem schnellen, nervösen Mathletic-Schichten der Engländer anstecken lassen. Der Unterschied ist hauptsächlich, dass das Trio um Alex Trimble ein wenig synthetischer klingt, einen Hauch androgyner, als hätten Phoenix ein Foals-Tributealbum eingespielt. Was vielleicht nicht verwundert, immerhin saß bei der Produktion des Debuts Phillipe Zdar an den Reglern, der auch für Phoenix' aktuelles Album verantwortlich zeichnete. Das Ergebnis ist ein recht mainstreamiges, durchweg gut gelauntes, gut tanzbares Album, das das Gehirn weiträumig umfährt und sofort auf die Beine zielt. Schnelle, zackige Beats, schwirrende Gitarrenlayer und der sehr an eine eben britische Variante von Thomas Mars erinnernde Gesang ergeben ein sommerliches Album, das Hit an Hit liefert. Das Ganze hat keine Sekunde den Tiefgang, die Resonanz der Kompositionen der Foals, die Dichte, die vibrierende Energie, die Gefährlichkeit und kluge weltmusikalische Subnote' aber es ist perfekte, fröhliche Popmusik mit perfektem Lauftempo und manchmal ist das einfach auch genug, wie das fast beängstigend erfolgreiche Airplay von «I can Talk» bestätigt. «Tourist History» ist wie ein gutgelaunter Film mit einfachem Plot und klugen Nerd-Insiderwitzen, schnellen Schnitten und perfektem Timing ' und dann ist auch egal, ob man diese Sorte Film schon mehrfach ähnlich und vielleicht sogar einen Hauch besser gesehen hat, denn von manchen Sachen kann es einfach nicht genug geben.


Total Life Forever
Total Life Forever
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gereift und gewachsen..., 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Total Life Forever (Audio CD)
Der brillante Trick des zweiten Albums der britischen Ausnahmeband ist, dass sie alles gleich und zugleich alles anders machen. Weil sich der schnelle, komplexe Sound von «Antidotes» ja bereits auf dem Debutalbum schon zu wiederholen drohte, nimmt «Total Life forever» konsequent den Druck raus und wendet sich der großen emotionalen Geste zu. Der Bruch ist nicht so hart wie zwischen dem ersten und zweiten Album von The Cure, von fröhlichem Gitarrenpop zu introspektiver Melancholie, aber so wie Yannis Philippakis Gesang hier seltsam an einen weniger nörgeligen Robert Smith erinnert, so ist auch hier ein fast exponentieller Wachstumssprung greifbar, ein fast schlagartiges Verschwinden von Naivität. Zugleich, anders als bei The Cure, verlieren die Foals nicht ihre Unschuld, im Gegenteil, TLF klingt harmonischer, weicher, weniger militärisch als der Vorgänger, hat insofern auch deutlich mehr Mainstream-Appeal (obwohl die Auskopplungen aus dem Erstling in den UK-Charts erfolgreicher waren). Wo «Antidotes» allerdings ein durchweg starkes Album hatte, ohne einen einzigen Durchhänger, gibt es aus TLF durchaus Tracks, die mittenmang etwas Müdigkeit entwickeln, nicht richtig aus dem Quark kommen wollen, die die Band nicht ohne Grund live mit deutlich mehr Energie spielt. Man merkt bei manchen Songs, dass sie sich im Studio zu sehr im technisch machbaren, im Sound an sich, in der Hallsuppe, verirrt und verwabert haben und eigentlich eine Energydring-Infusion bräuchten. Andere Songs, «Spanish Sahara» und «This Orient» sicher mit großem Abstand vorneweg, haben eine Emotionalität, einen Aufbau, eine Energie, die auch ohne großes Tempo auskommt und die zum Weinen schöne Moment haben, weil die Band nahezu mühlelos Dynamikwechsel, Crescendi, das atmende Auf- und Ab eines Songs beherrscht und dabei auch noch Harmoniewechsel und dichte kompositorische Layer abliefert, dass dir die Luft wegbleibt. Während die eher straighten Einspielungen wie «Black Gold» und «Miami» eben eher zeigen, dass lineare Stücke nicht die Stärke der Band sind, die normale Pop-Komposition zwar funktioniert, aber der Experimentierfreude der Briten nicht genug Freiraum gibt. So wirken manche Songs unnötig kommerziell und brav und unter diesem Oberflächeneindruck geht fast verloren, wie grandios die Gitarrenarbeit von Jimmy Smith ist, wie perfekt Bass und Schlagzeug funktionieren, wie makellos und doch nie langweilig die Truppe aus Oxford arbeitet. «Total Life Forever» klingt schwüler, wärmer als Antidotes, flirrend vor Hitze und zugleich ein wenig träge, relaxt, wie ein Nachmittag am Strand. Es ist sicher kein Zufall, wenn Anspielungen wie Miami oder Spanien oder Orient auftauchen ' die Platte wirkt internationaler, größer, erfahrener als der Erstling, sie klingt im Verhältnis zu «Antidotes» wie The Police's «Zenyatta Mondatta» zu «Regatta de Blanc» ' aufgeräumter, abgeklärter, durchaus auch kommerzieller, irgendwie an der Schwelle zu etwas Anderem und Neuem. Da darf man nur hoffen, dass die Foals nicht auf diesem Hängematten-Soundtrack des zweiten Albums kleben bleiben, so schön er ist, sondern uns auch mit dem dritten Album mit einem neuen, wieder gewandelten und erneut gewachsenen Sound begeistern.


High Violet
High Violet
Preis: EUR 7,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Am Scheitelpunkt...., 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: High Violet (Audio CD)
Kein Zweifel: The National sind die neuen R.E.M. Genauso schmusig und gefühlig die Stimme von Matt Berninger, genauso groß die Gefahr spätestens mit dem nächsten oder übernächsten Album in der endlosen Selbstwiederholung zu landen. «Bloodbuzz Ohio» dürfte dann als «Loosing My Religion» der US-Band gelten, die nach «Boxer» auf ihrem fünften Album einen gefühlvollen Sound für eine breite Zielgruppe gefunden haben. Der Vergleich hinkt etwas, aber tatsächlich fühlt sich «High Violet» ein wenig nach «Out of Time» an, dem großen und erfolgreichen «Brückenalbum» von R.E.M., das die Band weg von der Studentenband und hin zu Stadionact führte. Was eine Platte ja nicht automatisch schlecht macht - «Out of Time» ist das vielleicht letzte gute Album von Stipes und Co. Und auch «High Violet» ist ein ausgezeichnetes Werk, weniger introvertiert als das Vorgängeralbum, epischer, melodischer, weniger subkutan, mehr in Cinemascope gedreht. Eine Platte der großen Gesten und der Rock'n'Roll-Stereotype, großes Kino mit zahlreichen Gastmusikern, die für ein fast orchestrales Feeling Sorgen, oder für Kammermusik-Zwischentöne.

Formal ist die Platte eine Art Meisterwerk der Band, in sich makellos geschlossene Americana-Nummern, stets von Bryce Dessners singendem, atmenden, komplexen Drumwork vor der Langeweile gerettet, geschmückt von Berningers tiefer Unter-die-Haut-Stimme, immer gerade lässig genug, um in der Schmerzenspose nicht zur Bono-Karikatur zu verkommen, lakonischer, cooler zu sein. «High Violet» zeigt eine Band auf der Höhe ihres Schaffens, die die eigenen Mittel bis an die Grenzen ausgereizt, an den Scheitelpunkt von Indie und Mainstream getrieben hat und genau auf diesem hauchdünnen Eis geht, diese paar Sekunden hat, in denen Widescreen-Rock eben geht, ohne peinlich zu sein. Das kann nur für ein Album gelingen, und dies hier ist dieses Album. Berningers düstere, oft kryptische Texte bilden den Gegenpol zu der National-typischen Musik zwischen Epos und stillem Kämmerlein, alles, aber auch alles hält sich im Lot, vertieft den typischen National-Sound, ohne dabei je wirklich langweilig zu werden (was ein ziemliches Kunststück ist angesichts des sehr engen Horizonts der Band), alles wirkt noch glaubhaft und pur genug, aber andererseits geschliffen, gereift, gekonnt, souverän. Nach so einem Album darf man mit viel Glück noch ein Werk mit ähnlicher Balance erhoffen, danach greifen entweder selbstzerstörerische Effekte («Let's do something completely different»), was meist noch recht spannend sein kann, oder das unweigerliche Soloalbum des Sängers - oder schlimmstenfalls eine Band in der ewigen Feedbackschleife. Wie eben R.E.M., die fast bewundernswert stoisch seit zehn Jahren immer wieder das gleiche Album veröffentlichen, und niemanden scheint es überhaupt zu stören. Möge den National-Brüdern dieser Vorhof der Hölle erspart bleiben.


Auch Deutsche unter den Opfern
Auch Deutsche unter den Opfern
von Benjamin von Stuckrad-Barre
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viel Baby Schimmerlos, zu wenig Stuckrad-Barre, 18. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Auch Deutsche unter den Opfern (Taschenbuch)
Der große rote Button, der das Cover verunstaltet, erklärt dem Käufer, dass man an diesem Buch nicht vorbeikommt, wenn man die Republik im «neuen Millennium» begreifen will. Schreibt der Spiegel, auch wenn nicht beisteht, wer es im Spiegel verewigt hat. Im neuen Millennium!!!! Also nicht Jahrzehnt, oder Jahrhundert ' Mensch, gleich im neuen Jahrtausend. Wer sich von diesem Coverblurb nicht gleich verschrecken lässt, findet unter dem ansonsten wunderschönen Umschlagmotiv in einem schön gestalteten und mit wunderbar schlechten Photos durchsetzen BuchTexte, die BvSB für Rolling Stone, BZ und Welt geschrieben hat. Und wer glaubt, Deutschland nur zu verstehen, wenn er sich mit Stuckrad-Barres seltsamer Faszination für Udo Lindenberg auseinandersetzt oder liest, was der Autor von Merkel oder Westerwelle hält, der hat eventuell sowieso ein Problem.

Aber selbst wer dem Hype misstraut bekommt ein seltsames Gebinde angeboten ' vielleicht unumgänglich bei einer Textsammlung -, das die teilweise grandiosen, spitzfindigen und nach wie vor gottseidank auch mal noch halbwegs bösen Texte von Stuckrad-Barre neben eher eine eher sinnfreie Selbstbespiegelung stellt. Was an sich gar nicht so schlimm wäre, würde BvSB nicht an einer Stelle des Buches explizit auf Bloggern und anderen Netzautoren herumhacken und sich als Professsioneller abgrenzen ' dabei aber völlig übersehen, dass Themen wie «Ich gehe mit Moritz von Uslar Platteneinkaufen» leider so ganz und gar Blog-Material sind und das die Echolot-Funktion, die Stuckrad-Barre bei Kempowski so liebt, heute eben eine ist, die verstärkt (mal besser, mal schlechter) online stattfindet. Und da, in der geduldig-kurzfristigen Textflut online, ist dann auch weniger schlimm, wenn der Autor sich vergreift oder verhebt' in einem Buch mit ausgewählten Texten ist das eher unschön. Denn so großartig Stuckrad-Barre funktioniert, wenn er sich am Alltag abarbeitet oder kleine Momente in Zeitlupe beleuchtet, so sehr verhebt er sich, wann immer er in die Politik geht und so sehr blamiert er sich, wenn er über Musik schreibt. Das ist natürlich ganz subjektiv ' aber wenn ein Autor, der mit seiner These, Oasis sei die beste Band der Welt, schon vor Jahren jeden Credit bei mir verzockt hat, sich seitenweise über Grönemeyer, Westernhagen, Udo Lindenberg und Heinz Rudolph Kunze ausläßt und diese auch noch hochjazzt, dann kriege ich nach einigen Seiten echt das Problem ihn noch ernst zu nehmen, wenn er sich über Politker auslässt. Will ich von jemanden, der Udo Lindenberg offenbar anbetet wissen, was er von Cem Özdemir hält beziehungsweise geb ich einen Scheiß auf diese Meinung? Nicht wirklich ' und so, interessanterweise, entkräften sich die Texte gegenseitig. Zumal BvSB im Bereich Politik überraschend versagt. Häme gegen einen schwachen SPD-Kandidaten, eine Form von wortloser Hilflosigkeit gegenüber Angela Merkel ' und bei Guido Westerwelle nach den Aknepocken zu fragen mag der Autor vielleicht arg frech finden, es ist leider nur total platt' an Politikern ist das Private das unspannendste, und beim Westerwelle mag man drüber spekulieren, inwieweit Minderwertigkeitskomplexe und sein Habitus zusammengehen, aber darum geht es Stuckrad-Barre nicht. Ganz im Gegenteil gerät seine Schreibe, die bei den Linken noch so spitz war, bei der FDP förmlich zur Liebeserklärung an Westerwelle, zur Gefälligkeitstexterei, die zu verniedlichen, vermenschlichen sucht, und das im Wahlkampf.

Ansonsten krankt dieses Buch etwas an einer Krankheit, die BvSBs Texte ab und zu durchzieht ' dieses Namedropping-Schreiben, als sei der Autor unsicher, ob ein Text nur seinetwegen gelesen würde. Und so taucht er ein in eine Welt von Promis und Prominenten, von tatsächlich spannenden Menschen, denen die kurzen Texte eher nicht gerecht werden und von eher unspannenden Menschen, die durch die Artikel nun auch nicht interessanter wirken als vorher. So nähert sich Stuckrad-Barre hier leider einem seltsamen Boulevard-Journalismus, einer Hausbesuchs-Mentalität, einer Heranschmusung an Kir-Royal-Verhältnisse, einer raffinierteren Form von Klatschjournalismus, der dessen ureigene Balance zwischen Ehrfurcht und Spott beibehält, aber eleganter präsentiert.

Und das ist insofern schade, als dass «Auch Deutsche unter den Opfern» zugleich auch zeigt, dass Stuckrad-Barre deutlich besser sein kann, als er sich hier zeigt. Ich weiß nicht, wie glücklich er als Autor mit der Baby-Schimmerlos-Nummer ist (und wenn die Antwort «sehr» ist, dann okay, mehr davon!!!), aber als Leser bin ich gefesselt, wenn er sich in Alltag und Kleinkram vertieft, am Oberflächlichen kratzt und darunter Katzengold hervorkommen lässt, wenn er im Kempowski-Modus mit Pokerface die Fakten für sich stehen lässt, und sogar auch, wenn er mit heiliger Wut in die Tasten schlägt. Ich mochte das Live-Album, ich mochte (weitestgehend) die Remixe, aber das hier mag ich nicht. Ich mag nicht den unten durchdröhnenden Sound der Springer-Presse-Gesinnung, ich mag nicht das seltsame «IchIchIch (und der durch Funk und Fernsehen bekannte oder in Berlin gerade hippe XY/)», das einem da aus den Zeilen entgegen dringt, das seltsam unnötig Selbstdarstellerische, Unentspannte. Es ist, als sei der Autor aus deinem Element, aus seiner sonstigen Souveränität, aus der Lässigkeit und müsse sich beweisen. Und hier geht die ohne jeden Zweifel vorhandene Qualität von Stuckrad-Barre unter, weil seine Stärke das Respektlose bleibt, das schneidend-analystische Skalpell. Nur ist es in diesem Werk seltsam stumpf ' weil er entweder auf Opfer einsticht, die sowieso schon blutend am Boden liegen (Steinmeyer) oder es bestenfalls dabei belässt, ein wenig vom Ruhm seines Gegenübers geblendet, in der Tischplatte damit herum zuschnitzen und kleine Herzchen in das Holz zu kratzen. Das ist nur leider zu wenig für einen Autor, der an sich so viel mehr könnte.

Und so wirkt «Auch Deutsche'» seltsamerweise eher wie eine Sammlung von Blogeinträgen aus der Welt der Schönen und Schnellen, die allzu kurzfristig und beiläufig sind und denen gerade aufgrund ihrer größeren Nähe zur Prominenz eine Zeitlosigkeit abhanden gekommen ist, eine Tiefenschärfe, die vorher da war. Was alles nicht schlimm ist und vielleicht dem Charakter der Texte als reine Auftragsarbeiten geschuldet sein mag. All das bildet aber sicher eben genau nicht den Zustand Deutschlands in diesem Jahrzehnt, geschweige denn Jahrtausend ab, sondern eben nur die Sicht der Berliner Springer-Presse auf das Land und vielleicht die Sicht des ja ebenfalls zu AS Mediahouse gehörenden Rolling-Stone auf «deutsche Musik» ' und all das legt bestenfalls die Enge dieser Blickwinkel offen.


1983
1983
Preis: EUR 19,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen samtig..., 18. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: 1983 (Audio CD)
Émilie Jeanne-Sophie Welti Hunger bringt ihre dritte CD auf den Markt - feinst von Stéphane Briat produziert -, und die Schweizer SInger-Songwriter-Kultur zeigt damit erneut der deutschen Szene, wie es gemacht wird. International und zugleich sehr lokal klingt das Album, große Geste und große Intimität nahtlos beieinander, Kunst und Kommerz fast bruchlos in einer WG Tür an Tür einquartiert. In Schweizer Grenzenlosigkeit zwischen Deutsch, Englisch, Französisch und Schwyzerdütsch wechselnd und ebenso flink die Genres anprobierend, flirrt «1983» zwischen trockenem Almost-Triphop, makellosem Pop, Jazz, und intensiven Kammermusik-Songs, die sie mit ihrer nie ganz sicher, immer gegen die eigenen Grenzen ankämpfenden Stimme und minimaler Instrumentierung stemmt. 1983 wirkt weniger introvertiert als «Monday's Ghost», weniger abgeklärt, sogar wütend - und ist trotzdem in der Schweiz auf Platz Eins der Charts geschossen. Da darf man gern neidisch werden, wenn Erfolg und Qualität so nahtlos zusammengehen und man schlucken muss, dass es niemand von diesem Format in Deutschland gäbe, der sich in den Umsatzzahlen so durchsetzen könnte, und dabei doch so sperrig, trotzköpfig bleibt. Denn 1983 mag beim ersten Hören ein wenig zu glatt, zu jazzy produziert erscheinen, und es ist vielleicht auch so, dass Hunger ein bisschen mehr Dreck gebrauchen könnte, die Platte entpuppt sich aber mit jedem weiteren Hören als Treibsand, in dem du als Zuhörer ganz makellos-international versinken darfst. «1983» ist schlicht, ist perfektionistisch, ist angenehm, aber nicht pflegeleicht, ist samtig, aber nicht samtpfotig. Mitunter wird man das Gefühl nicht los, dass Hunger ihre Sache und sich etwas zu ernst nimmt, zu unbedingt «Kunst» produzieren will, zu sehr an ihrer Botschaft hängt und dann ist da wieder dieser Moment, wo man das auch ganz okay finden kann, solange nicht jeder Musiker so drauf kommt. Wobei aber auch nicht jeder Musiker 15 Tracks in 45 Minuten quetschen kann, nicht jede Sängerin hierzulande (außer vielleicht Katherina Franck) so entschlossen musikalisches Mimikri betreibt. Am Ende bleibt eine Platte, die Spaß macht, zwischen den Stühlen kommt, vielleicht nicht immer ankommt, aber auf jeden Fall ordentlich herumreist und losgeht, die Mut hat und die vor allem berauschend gut klingt, die du dir immer und immer wieder anhören wirst, weil sie gerade nicht eingängig genug ist, um mit der Zeit wachsen zu können.


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