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Rezensionen verfasst von
Michael Packschies (Eckernförde Deutschland)

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Seite: 1
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Welcome 2 My Nightmare
Welcome 2 My Nightmare
Preis: EUR 14,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungener Anschluß an die Glanzzeit - Der Kreis ist geschlossen!, 24. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Welcome 2 My Nightmare (Audio CD)
1. Vorab schon einmal meine Gratulation an Vincent Damon Furnier und Bob Ezrin! Mit diesem späten Meisterwerk wird bravourös der Anschluss an die Glanzzeit des satirischen Horrorrocks vollzogen.

2. Kurz zu meinem Background: Einerseits habe ich mit Alice Cooper meine Pubertät durchlebt und bin deshalb zugegebenermaßen nostalgisch vorgeprägt, andererseits bin ich aktiver Musiker und analysiere die Songs sehr kritisch.

3. Und nun zur CD: Mit diesem Konzeptalbum werden ca. 28 Jahre ausgeklammert. Es hätte vom Gesamteindruck 1984 erscheinen können, nach "DADA", und damit schwächere Alben wie "Constrictor" oder "Raise Your Fist And Yell", auch einseitigere wie "Brutal Planet" und "Dragontown" überflüssig gemacht. Nicht, dass Alice ab 1984 schlechte Musik gemacht hätte, aber die musikalische Vielseitigkeit und besonders der großartige Wortwitz in den Texten ließen doch nach.
"Welcome 2 My Nightmare" hingegen ist musikalisch abwechslungsreich, von Bob Ezrin differenziert produziert, witzig und selbstironisch. Steve Hunter zeigt, "wie Gitarre geht" und selbst die noch lebenden Mitglieder der ersten Band bringen sich ein. Besser geht es kaum, und - ohne es herbeizureden - dies wäre der würdige Abschluss des Gesamtwerkes von Alice Cooper.
Die folgenden Anmerkungen zu den einzelnen Stücken mögen diese Einschätzung belegen.

"I Am Made Of You" baut auf dem vertrauten Nightmare-Thema von Bob Ezrin auf, entwickelt sich dann aber zu einem ähnlich kraftvollen Opener wie seinerzeit "Hello Hooray". Der eingesetzte Vocoder wirkt zunächst etwas befremdlich, erweist sich jedoch als passendes Stilmittel, wenn man den Text verfolgt. Welch eine Idee, aus der Sicht des Songs den Sänger anzusprechen!

"Caffeine" rockt ab und hätte auch auf "Special Forces" erscheinen können. Die quasi-a-capella-Passage zeigt, wieviel ein Stück gewinnt, wenn nicht alles auf ein durchgehendes Noise-Level gezogen wird.

"The Nightmare Returns" ist eine kurze Überleitung a la "Steven" mit musikalischen Zitaten. Nightmare #2 begins.

"Runaway Train" ist eigentlich ein Dunaway Train, denn hier zeichnet Dennis Dunaway, der erste Bassist, verantwortlich. Kompositorisch ist dies nicht ganz so originell - man wartet vergeblich auf den Chorus - , und es ist auch etwas geklaut von "Dance Yourselves To Death" (Flush The Fashion), aber das unglaublich treibende Schlagzeug von Neil Smith reißt alles raus. Am Ende meint man, ihn wie das Muppets-Animal erschöpft vom Hocker fallen zu hören!

"Last Man On Earth" überrascht mit Banjo- und Tubasound. Ein typisches Ezrin-Stück, das gleichzeitig an den "Alabama Song" der Doors und an "Luk Wot You Dun" von Slade erinnert. Der Text stimmt nachdenklich: Ein ganz velassener Mensch redet sich ein, der King zu sein. Der zögerliche Applaus am Ende unterstreicht die Aussage.

"The Congregation" ist heavy aber präzise, wobei Drums und "Hey"-Rufe an Gary Glitter erinnern. Rob Zombie hat nur einen kurzen Gastauftritt und reicht an das Vorbild Vincent Price nicht heran.

"IŽll Bite Your Face Off" könnte ein Top-Hit der Rolling Stones sein, irgendwo zwischen "Brown Sugar" und "Street Fighting Man". Ist das wirklich nicht Keith Richards an der Gitarre, und spielt das erste Solo nicht Mick Taylor? Nur die lange Bridge ist nicht Stones-typisch, sie klingt eher nach "Lace And Whiskey".

"Disco Bloodbath Boogie Fever": So eine mutige Parodie hat Alice Cooper lange nicht mehr geboten. Erinnerungen an "Aspirin Damage" werden wach. Dies könnte (versehentlich) ein Scene-Hit werden, denn Bloodhound Gang trifft auf Dschingis Khan. Aber keine Angst: Beim Finale wird gezeigt, wo der (Wacken-)Hammer hängt!

"Ghouls Gone Wild" ist das Kontrastprogramm dazu, ein altmodischer Rocker, eine Kreuzung aus "Summertime Blues" und "Time Warp". Der Chorus ähnelt "Hey Mickey" von Chapmann und Chinn, und das Ganze wäre gut - auch vom Text her - in der Muppet Show vorstellbar.

"Something To Remember Me By" ist eine großartige Ballade, die in dieselbe Liga einzustufen ist wie "Only Women Bleed", "I Never Cry" und "The Quiet Room". Die Gitarre kommt übrigens nicht von George Harrison, auch wenn sie genauso klingt. Hier zeigt Alice, wie gut er singen kann.

"When Hell Comes Home" reißt mit einer zum verstörenden Text passenden, brutalen Synth-Bass-Line aus den Träumen. Dies ist keine Persiflage, sondern eine schonungslose Darstellung von Missbrauch in der Familie. Das Thema ist vergleichbar mit "Luca" von Suzanne Vega, aber diesmal wehrt sich das Opfer gegen die häusliche Gewalt!

"What Baby Wants" ist die zweite gelungene Adaption aktuellerer Musikströmungen auf diesem Album, ein Dancefloor-Bass mit Disco-Choir. Auch hieraus könnte versehentlich ein Scenehit werden. Gast Kesha macht ihre Sache nicht schlecht, aber etwas mehr Ausdrucksstärke wäre vielleicht noch besser gewesen.

"I Gotta Get Out Of Here" läutet im wahren Wortsinn das Ende des Nightmare #2 ein, und zwar mit Totenglocken. Es werden Bezüge zu den vorangegangenen Stücken hergestellt, und die Dur-Harmonien stehen im Kontrast zum textlichen Resultat. Im Grunde ist dies tatsächlich der finale Song, dessen Titelzeile sich jedoch diesmal nicht erfüllt: Der Protagonist wacht nicht auf, sondern stirbt. "What part of death don`t you get?" Selten war der Tod so originell!

"The Underture" ist quasi die erste Zugabe, könnte aber auch den im Moment des Sterbens ablaufenden Lebensfilm darstellen, denn es handelt sich um ein Medley aus vielen alten und neuen Stücken("Welcome To My Nightmare", "Ghouls Gone Wild", "Something To Remember Me By", "Steven", "Years Ago", ...). Gast an der Gitarre: Dick Wagner.

"We Gotta Get Out Of This Place" ist nun definitiv eine Zugabe, eine alte Weill/Mann-Komposition, die aber gut passt. Ein Werk der 60er wird ins Hier und Jetzt transformiert, und die Band rockt wie Mott The Hoople selig.

Jetzt bleibt nur zu rekapitulieren: Der Kreis ist geschlossen, Besseres kann kaum noch kommen. Ich wünsche Alice ein langes Leben, aber vielleicht wäre dies der optimale Abschluss!

Wow, eine lange Rezension, aber ich hoffe, sie war spannend und hilfreich!


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