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Beiträge von Dirk Engel
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Rezensionen verfasst von
Dirk Engel (Frankfurt)

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(Hegarty on Advertising: Turning Intelligence Into Magic) By Hegarty, John (Author) Hardcover on (06 , 2011)
(Hegarty on Advertising: Turning Intelligence Into Magic) By Hegarty, John (Author) Hardcover on (06 , 2011)
von John Hegarty
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Wann wird Werbung magisch?, 11. September 2012
So mancher Star der Werbebranche hat schon ein eigenes Buch geschrieben. Einige davon haben Lehrbuchqualitäten, andere bestehen nur aus Anekdoten und Name-Droping. Nicht selten sind die Werke inhaltlich eher dünn, aber als Werbeprospekt für die eigene Agentur dann doch zu dick geraten. Der Klassiker des Genres ist Ogilvy on Advertising" - die Ansichten des legendären Agenturgründers David Ogilvy sind schon viele Jahrzehnte alt und spiegeln eine längst vergangene Werbewelt wieder, in der Printanzeigen noch viel, viel Text hatten.

Doch trotzdem verkauft sich das Buch nach wie vor - und es ist immer noch amüsant zu lesen und vermittelt ein paar immerwährende Wahrheiten. Viele Menschen haben dadurch ein differenziertes Bild der Werbebranche bekommen - das Agenturleben ist kein Dolce Vita, sondern ein schwieriges Handwerk und die Werbeleute arbeiten hart (auch wenn jetzt die TV-Serie Mad Men" das Klischee des mondänen, Martini trinkenden Werbers wiederbelebt). John Hegarty ist ebenfalls eine Legende in der britischen Werbeszene und er lehnt sich nicht unbescheiden an Ogilvy`s Long-Seller an, wenn er seinem Buch den schlichten Namen gibt: Hegarty on Advertising".

Ob es ein ähnlicher Erfolg wird, bleibt fraglich: Sein Buch ist textlastig und richtet sich ganz klar an ein Fachpublikum, dass selbst in Werbeagenturen arbeitet. Lesenswert ist es aber auf jeden Fall: Hegarty ist einer der Protagonisten der kreativen Explosion, die in den 80er Jahren britische Agenturen wie Saatchi & Saatchi weltweit in Führung brachte. Er arbeitete für etliche Werbefirmen, bis er mit Bartle Bogle Hegarty (BBH) eine eigene gründete. Über seinen Werdegang berichtet Hegarty ausführlich im zweiten Teil des Buches - wobei er recht offen und unterhaltsam aus dem Nähkästchen plaudert. Der erste Teil befasst sich mit der Agenturarbeit auf einer allgemeineren Ebene: Hegarty teilt dem Leser seine subjektive Sicht der Dinge mit - dass die Kreativen sich nicht zu stark mit dem Problemen der Kunden beschäftigen sollen, dass die Agentur der Zukunft eher einem Club als einem Büro gleicht, dass die katholische Kirche die größte Marke aller Zeiten ist.

Seine Ansichten sind prägnant formuliert und immer anregend. Wie viele andere Werbe-Stars mystifiziert er die Arbeit der Art-Direktoren etwas - er spricht hier von Magic". Doch diese Magie funktioniert nur mit klaren und scharfen Denken, was Hegarty meisterlich beherrscht. Was ein bisschen zu kurz kommt, sind die Beispiele der Magie, die er und seine Kollegen geschaffen haben, z.B. die preisgekrönten Kampagnen für Levis. Obwohl das Buch eine sehr hochwertige Aufmachung hat, geizt es doch eher mit Abbildungen. So ist es zwar kein Bilderbuch, aber trotzdem eine kurzweilige Lektüre. Sie gibt Einblick in das Denken eines originellen Menschen, der die seltene Gabe besitzt, die Sachen auf den Punkt zu bringen - und das zeichnet gute Werbung aus.


Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln
Information: Kurze Geschichte in 5 Kapiteln
von Ernst Peter Fischer
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vom Mendels Klostergarten zum Silicon Valley, 11. September 2012
Heute weiß auch der letzte Hinterwäldler, dass wir in einem Informationszeitalter leben. Dabei vergessen wir leicht, dass der Begriff der Information, der uns heute selbstverständlich erscheint und so leicht von den Lippen geht, eigentlich eine verhältnismäßig kurze Geschichte hat. Und was vielen auch nicht bewusst ist: Information ist auch ein naturwissenschaftliches Konzept.

Der Siegeszug der Informationstechnologie - vom Computer bis zum Internet, vom Telegrafen bis zum Smartphone - wurde erst möglich, nach dem Mathematiker und Physiker die vielfältigen Phänomene rund um Information und Kommunikation in ein abstraktes Begriffssystem einordnen konnten. In einem schön illustrierten, populärwissenschaftlichen Buch des Wissenschafts-Publizisten rekonstruiert Ernst Peter Fischer wird die Geschichte der naturwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Information. Die mathematischen Grundlagen - etwa das duale Zahlensystem oder der Logarithmus - werden knapp erläutert. Auch die großen Forscher werden vorgestellt: Claude Shannon, Alan Turing, Charles Babbage (der die erste mechanische Rechenmaschine entwickelte) und Alda Lovelace (die einen Algorithmus für diese entwickelte und als die erste Programmiererin bezeichnet werden darf).

Bei der Darstellung werden verschiedene Stränge der Wissenschaftsentwicklung miteinander verknüpft: Die mathematischen Grundlagen, die Entwicklung der Informationstechnologie, die physikalische Bestimmung von Entropie und Information und das Konzept des genetischen Codes - die letzten beiden Punkte zeigen, dass Information eine Tatsache der Natur ist und nicht nur ein menschliches Artefakt.

Der Autor Ernst Peter Fischer ist ein versierter Vermittler von naturwissenschaftlichen Wissen und dessen Einbettung in Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Sein Stil ist allgemeinverständlich, ohne dabei zu platt oder unpräzise zu sein. Allerdings merkt man schon, welche Themen Fischer mehr oder weniger liegen: Die Blüte des Silicon Valleys und die Entwicklung des Internets stellt er eher oberflächlich und ohne tiefere Einsicht dar, während er der Genetik sein Herzblut widmet und sie dadurch einen unverhältnismäßig großen Anteil an der Textmenge des Buches einnimmt. Nicht das Genetik nicht spannend wäre - von Gregor Mendels Experimente im Klostergarten bis hin zur Entdeckung der Doppelhelix liefert sie eine Vielzahl lesenswerter Geschichten. Aber die hat Fischer bereits in vielen anderen Büchern umfassender und besser nacherzählt. Doch im Zusammenhang mit Information, Computer und IT scheint Genetik nur ein Nebenthema zu sein, und Fischer arbeitet die Verbindung zum Hauptthema nicht immer klar heraus.

Das schmälert aber nur wenig die Qualität des Buches, zumal es ansonsten nur wenige populärwissenschaftliche Sachbücher auf Deutsch gibt, die uns helfen, die Grundlagen unseres Informationszeitalters zu verstehen.


Rhetorik der Werbung: Grundzüge einer rhetorischen Werbetheorie
Rhetorik der Werbung: Grundzüge einer rhetorischen Werbetheorie
von Isabelle Lehn
  Taschenbuch
Preis: EUR 39,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was Cicero zur Werbung zusagen hat, 10. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Laut Lexikon ist Rhetorik die Kunst der Beredsamkeit". Das Wort Beredsamkeit" hört sich etwas altbacken an, doch es umfasst ein weites Feld, welches man heute wohl eher unter dem Etikett Kommunikation" fasst. In diesem Sinne sind viele der Rhetorik-Bücher, die den Markt der Management- und Selbsthilfeliteratur bevölkern, eigentlich Kommunikationsratgeber: Präsentation, Verhandlung, Gespräche, Smalltalk, Überzeugen und Überreden, bis hin zur Manipulation und dem heute unvermeidlichen Storytelling" - alles das wird in den Rhetorik-Topf geworfen.

Im eigentlichen Sinne ist Rhetorik jedoch eine in der Antike entwickelte Disziplin, die sich mit der überzeugenden öffentlichen Rede beschäftigt - und damit eine Lehre im Schnittpunkt von Philosophie, Psychologie, Literatur und Politik, über viele Jahrhunderte aber auch gleichzeitig eine Wissenschaft, die über rhetorische Mittel reflektiert. Das Buch Rhetorik der Werbung" nimmt diesen Faden wieder auf. Die Autorin hat (in Rahmen einer Dissertation) versucht, Inhalte, Strategien und Produktion von Werbung mit dem begrifflichen Instrumentarium der wissenschaftlichen Rhetorik-Forschung zu beschreiben.

Rhetorik der Werbung" passt also nicht in die Schublade der How-to-do"-Literatur, es enthält keine Praxis-Tipps, Checklisten oder sonstige Ratgeber-Elemente. Streng akademisch nimmt die Autorin die Werke der Klassiker - Cicero, Quintilian, Aristoteles - zur Hand, um mit ihren Klassifikationen und Begriffssystem die Erscheinungsformen der Werbung zu beschreiben. Dabei untersucht sie nicht nur den Stil und die Überzeugungstechniken der Werbung, sondern ordnet die Schritte bei der Werbeplanung auch den Produktionsphasen einer Rede zu, wie sie die Klassiker definiert haben. So wird z.B. die Mediaplanung der actio - der Vortragsphase einer Rede - zugeordnet.

Die alltägliche Arbeit im Marketing wird also ausnahmsweise nicht mit englischen, sondern mit lateinischen und griechischen Fachwörtern beschrieben. Für unsere Großeltern, die schon in der Schule mit den Werken Ciceros vertraut waren, wäre das eine Selbstverständlichkeit, heute ist es eine eher ungewöhnliche Erfahrung. Aus intellektueller Sicht ist eine solche abstrakte, an der klassischen Rhetorik orientierte Betrachtungsweise sicherlich wertvoll - sie verknüpft auf einem hohen Abstraktionsniveau altes Wissen mit neuen Phänomenen, um diese besser einordnen zu können. Tatsächlich ist aber die Lektüre des Buches für ungeduldige Werbepraktiker ohne Latinum etwas mühsam. Schade ist auch, dass über die Praxis der Werbung nur aus eher veralteten Lehrbüchern berichtet wird - es sind wahrscheinlich die einzigen, die in der Unibibliothek griffbereit waren.

Die Konzentration auf Printwerbung ist wiederum eher nachsehbar, da Anzeigen für eine rhetorische Analyse nicht nur leichter zugänglich sind, sondern durchaus auch viele Prinzipen an ihnen exemplarisch erklärt werden können. Ein etwas befremdlicher, aber schon lange kein ungewöhnlicher Umstand mehr, ist der völlige Verzicht auf Abbildungen im Buch, obwohl im Text ständig auf Anzeigenbeispiele verwiesen wird. Diese findet man in Farbe und kommentiert in einem 60seitigen PDF-Dokument, das auf der Website des Verlags als Download zur Verfügung steht. Immer mehr, meist wissenschaftliche Verlage lagern so aus Kostengründen Teile ihres Inhalts auf das Internet aus. Es gibt schon jetzt Lehrbücher ohne gedrucktes Literaturverzeichnis - dadurch werden zwar Druckkosten gespart und der Preis reduziert, aber die Lektüre wird nicht einfacher und der Schritt zum kompletten Ebook ist dann auch nicht mehr weit. So schön und lesenswert das - im Übrigen kostenfreie! - PDF auch ist: Bei Rhetorik der Werbung" wäre eine illustrierte Ausgabe sicherlich sinnvoller gewesen und hätte dem Verständnis der Materie genutzt.


Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?: Die führenden Köpfe unserer Zeit über das digitale Dasein
Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?: Die führenden Köpfe unserer Zeit über das digitale Dasein
von John Brockman
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ist das Internet ein Tagtraum und Twitter unser Bewusstsein?, 10. September 2012
John Brockmann ist ein Visionär des Internets. Er hat die Website edge.org gegründet. Dort versammelt er Artikel, Ideen, Aussagen und Gespräche einer intellektuellen Elite - meist Naturwissenschaftler und ihnen nahestehende Philosophen und Autoren populärwissenschaftlicher Bücher.

In dieser Reihe illusterer Biologen, Physiker und Neurowissenschaftler verirren sich gelegentlich auch mal ein paar Künstler und Geisteswissenschaftler. Was sie gemeinsam haben? Sie sind Vertreter einer Richtung, die Brockmann die Dritte Kultur" nennt - eine Mischung aus Natur- und Geisteswissenschaft. Die Autoren rund um edge.org beschäftigen sich mit dem Menschen, seiner Psyche und seinem Verhalten, aber sie haben dabei oft eine naturwissenschaftliche Perspektive, berufen sich auf Evolution, Gehirnforschung, Informatik und vieles mehr. John Brockmann bringt diese Leute auf seiner Website zusammen - dabei handelt es sich um kein Netzwerk oder eine Social-Media-Seite (Kommentarmöglichkeiten gibt es nicht), sondern um ein sorgfältig editiertes Online-Magazin.

Am bekanntesten sind Brockmanns jährliche Fragen: Er stellt dem Kreis seiner Autoren der Dritten Kultur" eine Frage und veröffentlicht die Antworten online und später auch in Buchform. In den letzten Jahren waren es Themen wie Was ist ihre gefährlichste Idee?" oder Welche Idee wird alles verändern?" - eine ungemein spannende und inspirierende Lektüre, da große Geister auf zwei bis drei Seiten uns an ihrem Denken teilhaben lassen.

Die Frage des letzten Jahres lautete: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?" Die Antworten darauf sind jetzt unter genau diesem Titel als deutschsprachiges Taschenbuch erschienen. Bei den Beiträgern sind jede Menge Nobelpreisträger und Bestsellerautoren, etwa bekannte Namen wie der Evolutions-Experte Richard Dawkins (Der Gottes-Wahn"), Sprachforscher Steven Pinker (Der Sprachinstinkt") oder der Philosoph Daniel Dennett (Darwins gefährliches Erbe"). Auch viele Psychologen sind dabei: Gerd Girgrenzer (Bauchgefühle"), Nicholas Christakis (Connected"), Nicholas Carr (Wer bin ich, wenn ich online bin") oder Ernst Pöppel (Zum Entscheiden geboren"), um nur die zu nennen, deren Bücher an dieser Stelle bereits rezensiert wurden.

Die Beiträge sind lesenswert, auch wenn viele Autoren die Frage unterschiedlich verstanden haben. Einige schreiben, wie sich Wissenschaft, Kultur oder die Gesellschaft durch das Aufkommen des Internets verändert haben. Andere überlegen, wie sich das Denken allgemein verändert hat: Funktioniert unser Gehirn nun anders, weil wir Stunden mit dem Internet verbringen? Werden wir dadurch schlauer oder unaufmerksamer? Viele haben die Frage aber genauso verstanden, wie sie gemeint war: Was hat sich denn ganz konkret bei der eigenen Person verändert?

Das Spektrum der Themen und Meinungen ist groß, Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage. Einige sehen negative Veränderungen durch das Internet befördert: Terrorismus, Oberflächlichkeit, Ablenkung von ernsthaften Gedanken, sinkende Aufmerksamkeitsspannen, Geschwindigkeit plus Pöbel" (so der Schauspieler Alan Alda) und so weiter. Andere singen ein Loblied auf das Web - besonders der schnellere Zugriff auf Wissen und der offenere Dialog der Wissenschaftsgemeinde. Manches ist recht vorhersehbar, vieles doch sehr geistreich und einiges auch überraschend. Etwa die Aussage, wir sollten das Internet viel öfter dazu nutzen, vorschnelle Urteile in die Welt zu bringen und zur Diskussion zu stellen (Vertraue auf nichts, diskutiere über alles" meint der Unternehmer Jason Calacanis). Andere sehen in dem Internet einen gewaltigen Tagtraum oder eine Rückkehr zur frühgeschichtlichen Stammeskultur.

Auch auf den sozialen Charakter des Social Webs wird hingewiesen. Ein Wissenschaftler erzählt, wie er sich in ein neues Thema, von dem er noch nichts weiß, einarbeitet: Er stellt einen Wiki (eine offene Plattform wie Wikipedia) ins Netz, schreibt alles rein, was er über das Thema weiß ohne die Richtigkeit zu überprüfen und wartet, wie die Netzgemeinde nach und nach die Fehler korrigiert, Neues hinzufügt und Informationen ansammelt. Durch das Internet, so der Museums-Leiter Hans Ulrich Obrist, werden wir alles Kuratoren der öffentlichen Dokumentation unseres eigenen Lebens, unserer Beziehungen und unseres Denkens. Manche Ideen sind nicht neu, aber gut formuliert: Etwa die Beobachtung, dass unser Bewusstsein eigentlich wie Twitter arbeitet.

Viel Stoff zum Nachdenken in Taschenbuchform - oder natürlich auch direkt, kostenlos und auf Englisch im Internet bei [...]


Management der Fantasie: Einführung in die werbende Wirtschaftskommunikation
Management der Fantasie: Einführung in die werbende Wirtschaftskommunikation
von Klaus Streeck
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

4.0 von 5 Sternen Warum Werbung eigentlich ein Spiel ist, 10. September 2012
Kommunikationstheorie ist sicherlich nicht das Thema, das Werbepraktiker am meisten begeistert. Den Auftraggeber der Werbung interessiert kaum die kommunikative Bedeutung und Funktion seiner Maßnahmen - für ihn ist nur wichtig, wie viel es kostet und was es einbringt. Doch diejenigen, die sich die Werbung ausdenken, die Strategen und Kreativen der Agenturen, sie sollten ihr Tun reflektieren und über Kommunikation nachdenken.

Das meint der Kulturwissenschaftler Klaus Streeck in seinem Buch Management der Fantasie" und beschreibt somit die Zielgruppe, die er sich für seine Publikation wünscht. Ein frommer Wunsch, da sicherlich im Arbeitsalltag der Kommunikationsdienstleister - zwischen unvollständigen Briefings und knappen Deadlines - kaum Muße für eine solche Reflexionsarbeit zu finden sein wird. Außerdem schrecken theoretische Texte mit vielen soziologischen Fachtermini die meisten Praktiker ab. Doch Streecks Buch sei ihnen trotzdem empfohlen. Er ist einer der wenigen, die sich wissenschaftlich mit den Menschen und Organisationen beschäftigt, deren Job es ist, allen anderen immer ein bis zwei Schritte voraus zu sein - nämlich den Werber und Agenturen. Sein Buch ist kein systematisches Lehrbuch zur Vorbereitung auf Uni-Klausuren, dazu ist es an vielen Stellen zu essayistisch. Das macht es aber gerade lesenswert.

Streeck sammelt Ideen, Modelle und Erkenntnisse aus verschiedensten Wissenschaften, um die Produktionsbedingungen von werbender Wirtschaftskommunikation verständlich zu machen. Natürlich geht das nicht völlig ohne soziologischen Fachjargon, doch ist der Autor sehr auf Verständlichkeit bedacht. Dabei präsentiert er überraschende Sichtweisen jenseits der kommunikationstheoretischen Allgemeinplätze, die in vielen Lehrbüchern zur Werbung heruntergebetet werden. Spannend sind zum Beispiel Streecks Ausführungen zum Thema Spiel: Die werbende Wirtschaftskommunikation folgt oft einer Logik des Spiels - sowohl bei der Rezeption wie der Entwicklung von Werbung. Wer die Bedeutung des Spielerischen in der Werbung versteht, wird bei seiner Arbeit vielleicht bewusst spielerischer vorgehen und kommt dabei zu besseren Ergebnissen beim Management der Fantasie" - so nennt Streeck die Arbeit der Kommunikationsdienstleister.

Das Buch enthält für diese Fantasie-Manager auch einige bittere Wahrheiten: Etwa wenn er über die gewollt prekären Beschäftigungsverhältnisse in der Werbebranche nachdenkt. Und einen Rat sollten sich viele Agenturleiter mal durch den Kopf gehen lassen: Kreativ können Menschen nur sein, wenn sie sich möglichst häufig in den Subkulturen bewegen, in denen neue Ideen spielerisch ausprobiert werden - sei es bei einer Kunstaktion oder abends im DJ-Club. Überstunden am Schreibtisch und durchgearbeitete Nächte und Wochenenden fördern hingegen wenig Neues zu Tage.


Ich denke, also spinn ich: Warum wir uns oft anders verhalten, als wir wollen
Ich denke, also spinn ich: Warum wir uns oft anders verhalten, als wir wollen
von Jochen Mai
  Taschenbuch

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Hirschhausen-Effekt, 10. September 2012
Kennen Sie Ignaz Semmelweis? Er war im 19. Jahrhundert ein Pionier der Medizin, der auf einen Sachverhalt hinwies, der uns heute so selbstverständlich erscheint - nämlich das Ärzte sich die Händewaschen müssen, damit sie nicht Infektionen von einem Patienten auf den anderen übertragen. Für diese Erkenntnis erntete Semmelweis zu Lebzeiten nur Hohn, Spott und Ablehnung der Ärzte-Zunft, was zu seinem Karriere-Aus führte.

Die Reaktion seiner Kollegen - eine neue, fortschrittliche Idee, welche alte Gewohnheiten in Frage stellt, abzulehnen, ohne dabei die wissenschaftlichen Belege zu beachten - wird seitdem als Semmelweis-Effekt bezeichnet. Dadurch hat es Ignaz Semmelweis auch in das Buch Ich denke, also spinn ich" gebracht. Die Journalisten Jochen Mai und Daniel Rettig haben über 120 Theorien und Erkenntnisse gesammelt, die in der Wissenschaft oder in der Alltagssprache mit einer Bezeichnung wie Der XY-Effekt" bekannt sind. Im Grunde ist es eine Sammlung aus unterhaltsamen Kurztexten, die sich einem Phänomen - meist aus der Psychologie und Verhaltenswissenschaft - annehmen. Einige dieser beschriebenen Effekte sind uns wohlbekannt, auch wenn wir deren Namen bisher nicht kannten - meist sind sie nach den eher unbekannten Forscher benannt, der sie als erstes beschrieb oder nach einer Analogie aus der amerikanischen Alltagskultur (denn die meiste psychologische Forschung wird in den USA betrieben).

Manchmal ist die Geschichte der Benennung auch interessanter als der benannte Effekt: Etwa beim Coolidge-Effekt, der besagt, dass Männer ab und zu nach neuen Sexualpartnerinnen Ausschau halten - er wurde nach dem US-Präsidenten Coolidge benannt, aber nicht wegen dessen Untreue (Nun fragen Sie sich sicherlich: Warum dann? Nun ja, diese Anekdote sollten Sie ruhig selbst lesen). Bei der Lektüre der vielen Texte lernt der Leser einiges über Psychologie und menschliches Verhalten und ist gleichzeitig gut unterhalten. Unterhaltung ist auch das Ziel des Buches - deshalb der alberne Titel Ich denke, also spinn ich", der mit dem Inhalt so gar nichts zu tun hat, aber wahrscheinlich Assoziationen an Comedy-Bestseller wie Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" hervorrufen soll.

Auch die schiere Masse an behandelten Themen und der oft etwas gewollt witzelnde Stil laden zu einer Fast-Food-Lektüre ein, bei denen der Unterhaltungswert über den Erkenntniswert steht. Diese Nummern-Revue mit Bildungsanspruch vereinigen zwei Grundbedürfnisse: Man kann sich ohne großes Nachdenken amüsieren und hat gleichzeitig das gute Gefühl, etwas für seine Bildung zu tun. Wer möchte sich schon dabei erwischen lassen, sich unter seinem Niveau zu vergnügen? Diese geniale Beobachtung möchte ich ab sofort als Hirschhausen-Effekt" zu Protokoll geben. Ich denke, also spinn ich" ist ein typisches Produkt des Hirschhausen-Effekts, das vielleicht aber auch als Einstiegsdroge für ein differenzierteres Beschäftigen mit der Psychologie dienen kann.


Brandwashed: Was du kaufst, bestimmen die anderen
Brandwashed: Was du kaufst, bestimmen die anderen
von Martin Lindstrom
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Konsumkritik oder Etikettenschwindel?, 10. September 2012
Etwas verwirrend ist das schon: Martin Lindstrom, der Marketing-Berater der in seinen Erfolgsbüchern Buy-ologie" und Brand Sense" euphorisch die Segnungen des Neuromarketing bejubelte, stimmt in seinem neuen Werk ganz andere Töne an: Der Titel Brandwashed" soll bewusst an den Begriff Gehirnwäsche erinnern. Hier - so der erste Eindruck - plaudert ein Insider die Tricks aus, mit denen die großen Konzerne uns Verbraucher tagtäglich manipulieren.

Was erwartet den Leser? Ein Werk der Aufklärung, der Kapitalismuskritik, des Verbraucherschutzes? Ein Nachfolger des Klassikers Die geheimen Verführer", in dem der Journalist Vance Packard vor mehr als fünfzig Jahren die Manipulationsmethoden der Werbeindustrie aufdeckte und das noch Jahrzehnte später immer wieder zitiert wurde, wenn man etwas Kritisches über die Branche sagen wollte? Und nun soll es eine Neufassung der Geheimen Verführer" geben, ausgerechnet von einem Propagandisten des Marketings, der große Unternehmen bei ihrem Manipulationshandwerk unterstützte, dicke Honorare dafür bekam und alles auch noch in Bestsellern ausbreitete? Ist hier ein Saulus zum Paulus geworden? Schwört hier jemand seiner Profession ab und wechselt die Seiten?

Nun ja, Buchtitel, Klappentext und das Vorwort des Fast-Food-Kritikers Morgan Spurlock (der den Film Super Size Me" nach Michael-Moore-Machart drehte) erwecken stark den Eindruck. Doch erinnern wir uns an die Blaupause des neuen Buches, die Geheimen Verführer". Marktforscher-Legende Ernest Dichter hat immer gerne betont, wie dankbar er seinem Kritiker Vance Packard war - er widmete ihm sogar einige seiner Bücher. Den Packard hat ein Zerrbild des allmächtigen Marketings gezeichnet, das mit Marktforschungsmethoden und Motivanalysen erfolgreich in das Unbewusste der Verbraucher vordringen konnte. Das glaubten nicht nur die Konsumkritiker, sondern auch die Unternehmen, die wiederum zu Dichter rannten, um genau diese allmächtigen Instrumente für ihre Geschäfte einzusetzen. Der Kritiker Packard wurde somit wohl oder übel zum Promotor des Motivforschers Dichter, mehrte seinen Ruhm und schuf ihm eine Aura des Erfolges - unabhängig, wie zutreffend das gezeichnete Bild wirklich war.

Martin Lindstrom, ein kluger Marketing-Kopf, hat diese Lektion aus der Historie gelernt. Anstatt aber zu warten, bis ein Kritiker vom Format Packards auftaucht, um die Neurotricks der Marketing-Zunft ins Visier zu nehmen, übernahm er den Job gleich selbst. Doch hier zeigt sich ein klassischer Rollenkonflikt: Die Attitüde des Kritikers kann Lindstrom nicht durchhalten - lediglich in der Einleitung und einigen Kapiteln überwiegt der anprangernde Tonfall und die kritischen Kommentare, etwa wenn es um das Marketing rund um Kinder oder irreführende Bezeichnungen wie organisch" und natürlich" geht. Seine Empörung und Entrüstung wirkt aber schon in diesen Kapiteln etwas aufgesetzt.

In vielen anderen Teilen des Buches verliert er vollends die kritische Distanz: Etwa in dem Hohelied, das er dem Marketing mit und für Prominente singt. Oder sein offensichtliches Lieblingsprojekt: Einer Reality-TV-Show, in dem er eine Durchschnittsfamilie in eine amerikanische Vorortsiedlung einschleuste, damit sie dort Mund-zu-Mund-Propaganda für alle möglichen Produkte machen sollte, nur um zu zeigen, wie wirksam Word-of-Mouth"-Marketing sei. Ein Projekt, was er völlig unkritisch mit kindlicher Begeisterung schildert und deren Ergebnisse er als Marketing-Weisheiten feiert.

Das Buch enthält sicherlich für Laien einige neue Informationen über die Vermarktungsmethoden der Branche, doch eine kritische Auseinandersetzung gibt es nicht. Selbst die angeprangerten Phänomene werden völlig bezugslos zur gesellschaftlichen Wirklichkeit gesehen, eine tiefergehende Kritik an Kapitalismus oder Globalisierung (wie sie etwa das deutlich präzisere und konsequentere Buch No Logo" von Naomi Klein vor Jahren lieferte) ist nicht zu finden. Seine eigenen Methoden - von seinen neurowissenschaftlichen Studien bis hin zur Reality-Show - reflektiert er überhaupt nicht, wissenschaftliche Studien werden bei ihm genauso anekdotisch zitiert wie seine privaten Marken-Erlebnisse.

Der Eindruck, der hängen bleibt, ist eine naive Begeisterung für seine Arbeit als Marktforscher und Berater. Lindstrom moniert, das bei der Produkteigenschaft natürlich" viele Unternehmen einen Etikettenschwindel betreiben - er selbst macht sich genau dessen schuldig: Ein unreflektiertes Marketing-Buch mit dem Labels Verbraucherschutz" und Konsumkritik" zu verkaufen.


100 Dinge, die jeder Designer über  Menschen wissen muss - Leitfaden für Web-und Print-Designer, Psychologie gepaart mit anschaulichen Beispielen: So ticken wir! (DPI Grafik)
100 Dinge, die jeder Designer über Menschen wissen muss - Leitfaden für Web-und Print-Designer, Psychologie gepaart mit anschaulichen Beispielen: So ticken wir! (DPI Grafik)
von Susan M. Weinschenk
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Erkenntnisse mit Suchtgefahr, 10. September 2012
100 Dinge, die jeder Designer über Menschen wissen muss - das verspricht der Titel eines Lehrbuches von Susan Weinschenk, das sich an Design-Studierende richtet. Darin präsentiert sie 100 Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung, die Designern helfen sollen, ihre Arbeit besser zu machen. Eine Ungenauigkeit ist jedoch im Titel: Diese 100 psychologischen Einsichten sind nicht nur für Designer wichtig - jeder, der in irgendeiner Weise mit Menschen kommuniziert, sollte diese Dinge wissen.

Und die Autorin schafft es perfekt, sie klar und ohne Wissenschafts-Brimborium zu vermitteln. Ihr Buch ist bewundernswert übersichtlich und stringent aufgebaut, auch wenn es sich um eine Nummernrevue und nicht um ein systematisches Lehrbuch handelt, welches das Ganze im Blick hat. Doch durch die Gliederung, die Überschriften, gut gewählte Beispiele, Hinweise, Lektüreempfehlungen und Links zu Online-Quellen schafft sie es, ein sowohl unterhaltsames wie instruktives Buch zu schreiben. Viele Klassiker, die sich in jedem Lehrbuch für Psychologie oder Design finden, tauchen natürlich auch hier auf: Von den Gesetzen der Gestaltpsychologie bis zu den einschlägigen optischen Täuschungen.

Doch zwischen den Offensichtlichen blitzen auch Erkenntnisse auf, die in der Zunft noch kein Allgemeingut sind - etwa der Third-Person-Effekt (Menschen überschätzen die Beeinflussung von Medien auf andere, aber unterschätzen den Einfluss auf sich selbst) oder die Dunbar-Zahl (eine Gruppe, deren Mitglieder untereinander eine starke Bindung haben, darf nur 150 Mitglieder umfassen).

Einige Kapitel sind natürlich stark auf das Zielpublikum Designer ausgerichtet - in diesen geht es um Lesbarkeit und Wahrnehmung. Andere Kapitel greifen die klassischen Themen der Psychologie auf: Motivation, Entscheidung, Denken, Lernen, Zusammenleben. Besonders begrüßenswert: Dem Thema Fehler machen wird ein eigener Abschnitt eingeräumt, denn nur wer versteht, wie Fehler entstehen, kann aus ihnen lernen und sie vermeiden. Spätestens hier wird klar, dass dieses Buch nicht nur Gestaltern und Studenten ans Herz gelegt werden muss. Jede Art von Kommunikation und Informationsvermittlung profitiert von den hundert Erkenntnissen, die Susan Weinschenk gesammelt hat.

Und wir sind süchtig nach Informationen (siehe Erkenntnis Nr. 52), wir sollten aber auch süchtig danach werden, unsere Informationen besser zu vermitteln - das Buch 100 Dinge" ist die ideale Einstiegsdroge.


PR im Social Web - Das Handbuch für Kommunikationsprofis
PR im Social Web - Das Handbuch für Kommunikationsprofis
von Marie-Christine Schindler
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn es stürmisch wird im Social Web, 10. September 2012
Schon wieder ein Buch über das Social Web? In den Regalen der Buchhändler stehen doch mittlerweile genügend Bücher, die den mehr oder minder unbedarften Geschäftsmann die Möglichkeiten von Social Networks und anderen Plattformen anpreisen. Falls im Titel noch der Begriff Web 2.0" vorkommt, weiß man, dass das betreffende Buch schon uralt ist - nämlich älter als 1,5 Jahre - im Internet-Zeitalter ist das eine verdammt lange Zeit.

Das Buch, das wir uns heute anschauen wollen, ist da aktueller und heißt PR im Social Web". Der Themenschwerpunkt wird unmissverständlich klar, doch ist das Buch nicht nur für professionelle Öffentlichkeits-Arbeiter interessant. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenzprodukten liefert es keine oberflächlichen Praxistipps für Kleinstunternehmer, denen man erklären muss, wie sie sich bei Facebook anmelden müssen. Die zwei Autoren, beides erfahrene PR-Berater, haben ein umfassendes Handbuch erstellt, das sehr nachvollziehbar die Kommunikationsmöglichkeiten und Mechanismen der sozialen Medien erläutert. Der englische-deutsche Jargon der Social-Web-Gemeinde wird für den Uneingeweihten in eine klare, manchmal schon fast ein bisschen dröge anmutende Sprache übersetzt.

Natürlich befassen sich viele Kapitel mit sehr PR-spezifischen Themen - etwa der Distribution von Pressemitteilungen im Internet. Doch selbst diese enthalten Aspekte, die auch für Marketing- und Werbeleute nicht unwichtig sind - von Blogger Relations, über Personalmarketing bis zum rechtlichen Rahmen. Was aber besonders lohnend für jeden Leser ist, sind die eher grundsätzlichen, theoretischen Überlegungen. So erläutern die Autoren sehr verständlich die verschiedenen Verlaufsformen einer Kommunikationskrise und wie sich soziale Medien und herkömmliche Massenmedien gegenseitig beeinflussen und hochschaukeln können. Exotisch anmutende (und schwer auszusprechende) Fachbegriffe wie Brouhaha" werden erklärt - das ist übrigens ein Aufreger-Thema, das nur ein begrenztes Internet-Publikum interessiert und deshalb von den herkömmlichen Medien nicht aufgegriffen wird.

Schlimmer ist dann doch eine Resonanz-Krise: Hier wird das für ein Unternehmen unangenehme Thema zwar als erstes von Bloggern und Foren aufgebracht, aber die Massenmedien greifen es schnell auf verstärken die Dynamik online und offline. Auch der etwas derbe Begriff Shitstorm" wird erklärt und das so benannte Phänomen analysiert: Wenn schnell eine Welle von negativen Kommentaren eine Firma überrollt, wie es etwa PayPal passiert ist, als die Wikileaks den Geldhahn abgedreht hatten. Dieser Theorieteil ist sehr lesenswert und hilft enorm, die Spielregeln im Social Web besser zu verstehen. Hinzu kommen eine Vielzahl von praktischen Tipps (z.B. welche Internet-Tools ein einfaches Social Media Monitoring ermöglichen).

Bei einigen Punkten sind die Verfasser sogar ein bisschen zu ausführlich, aber ein Handbuch muss man ja auch nicht zwangsläufig von vorne bis hinten komplett lesen. Und zumindest der Theorieteil dürfte auch noch in ein bis zwei Jahren relevant bleiben - eine halbe Ewigkeit im Internet-Zeitalter.


Data Unser: Wie Kundendaten die Wirtschaft revolutionieren
Data Unser: Wie Kundendaten die Wirtschaft revolutionieren
von Björn Bloching
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Große Daten, kleine Insights, 10. September 2012
Wie lautet das zurzeit heißeste Buzzword in Marketing und Marktforschung? Richtig: Big Data. Wieder ein Wort, was sich nur im Englischen richtig cool anhört und bei einer deutschen Übersetzung geradezu banal klingt: Große Daten - eigentlich geht es natürlich um große Mengen von Daten. Solche Daten haben große Supermarktketten, Banken, Versicherungen und Versandhändler. Aber der wahre Motor für Big Data" ist das Internet. Es produziert ständig riesige Datenströme - Google, Facebook, Amazon, Microsoft und Apple sind einige der Könige dieses Datenreichs. Denn ihr Kundenkontakt erfolgt fast vollständig im Internet und mit jeder Transaktion, jedem Kauf, jeder Anfrage oder Informationsrecherche wächst das Wissen über die Kunden. Halt, Verzeihung, das Wissen wächst nicht so schnell, lediglich die Menge an Daten wird immer größer. Damit diese nicht zu einem Datengrab wird, müssen intelligente Analyseverfahren genutzt werden. Das ist mit dem Schlagwort Big Data" gemeint: Das Analysieren großer Datenmengen, die hauptsächlich auf tatsächlichen Kundentransaktionen basieren.

In dem Buch Data Unser" haben einige Unternehmensberater ein Bild davon gemalt, wie Marketing und andere Geschäftsprozesse verbessert werden können, wenn das Potenzial solcher Datenanalysen richtig ausgebeutet wird. Natürlich brechen goldene Zeiten an: Prozesse werden optimiert, Cross-Selling spült zusätzliche Gelder in die Kasse, individualisierte Angebote erhöhen die Kundenzufriedenheit, Targeting ermöglicht Werbung ohne Streuverlust.

Eine der Säulen dieser neuen datengetriebenen Geschäftswelt ist die Idee des Testens: Von neuen Ideen bis zu kleinen Variationen wird alles am lebenden Patienten überprüft, sogenanntes A/B-Testing, eine Vorgehensweise, die sich dem klassischen wissenschaftlichen Experiment annähert. Die Kunden werden zufällig in zwei Gruppen geteilt, die eine Gruppe darf die Veränderung ausprobieren, die andere dient als Kontrollgruppe. Bestes Beispiel hierfür: Amazon verfeinert ständig die Benutzerfreundlichkeit und die Cross-Selling-Angebote auf ihrer Website, ohne das es jemals einen großen Re-Launch gab, denn jede Optimierung wird durch das A/B-Testing geprüft und bei Erfolg eingesetzt. Eine andere Säule ist das Data Mining: Mit möglichst automatisierten Algorithmen wird nach verdeckten Zusammenhängen in den Datenströmen gesucht: Wenn man dann merkt, das am späten Abend überzufällig Bier und Pampers im Einkaufswagen landet, dann ist das eine wertvolle Erkenntnis: Der Supermarkt kann beide Produkte abends direkt nebeneinander platzieren, damit der gestresste junge Vater, den man zum Windelkauf los geschickt hat, sein Belohnungs-Bier nicht lange suchen muss.

Hier zeigt sich aber ein Nachteil des Big Data"-Ansatzes - erst durch eine schlüssige Erklärung (wie die trivial anmutende des Belohnungs-Biers für den Windelkäufer) werden aus wahllosen Daten-Korrelationen wirkliche Insights. Die Autoren von Data Unser" scheinen etwas zu verliebt in die neue Datenwelt und propagieren sie mit starken Berater-Phrasen, vernachlässigen aber ein bisschen das Thema, wie man aus Daten und Algorithmen sinnvolle Erkenntnisse gewinnt. Dabei sind sie prinzipiell nicht unkritisch - heikle Themen wie Datensicherheit, Transparenz für die Kunden und die Langwierigkeit (inklusive hoher Wahrscheinlichkeit des Scheiterns) von IT-Projekten werden angesprochen. Wie der Umgang mit Big Data" aber wirklich funktioniert, welche statistischen Verfahren zum Einsatz kommen und wie sich so etwas für ein normales Unternehmen jenseits von Google und Amazon umsetzen lässt, bleibt dabei eher vage. Trotzdem ist das Buch Data Unser" ein guter Einstieg, der für die Geschäftschancen der neuen Datenwelt sensibilisert.


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