Fashion Sale Hier klicken Strandspielzeug Neuerscheinungen Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More Slop16 Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Profil für Bennent-vahle > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Bennent-vahle
Top-Rezensenten Rang: 5.066.139
Hilfreiche Bewertungen: 42

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Bennent-vahle "Heidemarie Bennent-Vahle"
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Philosophisch leben
Philosophisch leben
von Thomas Polednitschek
  Gebundene Ausgabe

22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Zeitgeistkur mit Meister Eckhart, 25. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Philosophisch leben (Gebundene Ausgabe)
In der Absichtslosigkeit erschließt sich uns die Tiefe des Daseins. Nur ein Leben, das kein warumbe" kennt, das um seiner selbst willen gelebt und begehrt wird, ist ein sinnvolles Leben. Diese schlichte, doch zugleich implikationsreiche und folgenschwere Weisheit Meister Eckharts steht am Anfang eines unlängst bei Herder erschienen Bändchens des Philosophischen Praktikers Thomas Polednitschek zu Ehren des spätmittelalterlichen Theologen. Etwas, das gewiss niemals vom Standort eines Dominikanermönches des 14. Jahrhunderts her beabsichtigt werden konnte, bildet hier den Fokus des Nachdenkens: das Gewicht und die aktuelle Dringlichkeit der Eckhartschen Lebenslehren für den Nihilismus unserer Nach-moderne", dessen Kennzeichen der geheimnisleere" Mensch sei.
Wenn auch anlässlich des 750sten Geburtstages des großen Theologen, Mystagogen und Philosophen Eckhart herausgegeben, intendiert das Bändchen also weitaus mehr als eine historische Aufbereitung alter Predigten und Traktate für ein interessiertes Laienpublikum. Ohne es an Sensibilität für die theologische Herkunft der Gedanken Eckharts mangeln zu lassen, macht Polednitschek - selbst Theologe, Philosophischer Praktiker und Psychotherapeut in Personalunion - die Erkenntnisse des Meisters für ein philosophisch angeleitetes Leben in der Gegenwart stark. Eine der zentralen Subbotschaften des Buches ist dabei, dass Subjektmüdigkeit und das Fehlen eines überindividuellen Geistes die Seelen moderner Menschen in maßlose Apathie stürzen lässt und einen Zustand wunschlosen Unglücks" hervorruft, dem mit einem psychotherapeutischen Handwerkskoffer allein nicht mehr beizukommen ist. Wir leiden an einer metaphysischen Resignation", jede weiter reichende Sehnsucht ist zugeschüttet von dem grenzenlosen Bedürfnis zu haben", als Gefangene unserer Subjektivität" kreisen wir sentimentalisch um den Fixstern unseres Ich und sind doch von ausnehmender Gefühllosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit. Der Mensch unserer Tage leidet daran, dass er nicht leiden kann", heißt es. Für eine solchermaßen anästhesierte" Subjektivität bieten Eckharts Schriften einen vitalisierenden Nektar, den die Philosophische Praxis, so das Selbstverständnis Polednitscheks, in Honig für die Menschen" zu verwandeln habe. Genau diese Transformation ist das Konzept des Buches.
Man mag sich fragen, warum Polednitschek, um dem unverstandenen Leid der Gegenwart zu begegnen, so tief hineingreift in die Schatztruhe philosophischer Arzneien. Obschon er für sein Anliegen durchaus gegenwartsnähere Denker wie Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Michel Foucault, Jürgen Habermas oder auch den Künstler Joseph Beuys ins Feld führen kann, obschon er vor allem in dem Theologen Johann Baptiste Metz, der sein unmittelbarer Lehrer war, einen Inspirator für die politische Dimension christlicher Nachfolge findet, kommt Eckhart eine Schlüsselstellung zu. Warum? Quer zur zeitgenössischen Tradition stehend denkt der theologische Anthropologe Eckhart außerordentlich groß vom Menschen, indem er in der menschlichen Vernunftfähigkeit das unmittelbare Wirken des Göttlichen erblickt. Vernunft ist der ,Tempel Gottes'. Nirgends wohnt Gott eigentlicher als in seinem Tempel, in der Vernunft.", schreibt er. Wir haben es hier also mit einer christlichen Lehre zu tun, in der die menschliche Existenz kein irdisches Jammertal durchschreitet, sondern kraft eines eingeborenen Logos gotterfüllt und edel ist. Mit seiner Vorstellung eines alle Seelen durchtränkenden Logos, in dem Lieben und Denken noch ungeschieden beieinander sind, kann Eckhart als ein früher Aufklärer angesehen werden. Solchermaßen zuversichtlich auf einen der Seele verschmolzenen göttlichen Steuermann bauend, bewirkt seine Lehre einen Autonomisierungsschub, der wahrhaft modern anmutet. Sie wendet sich damit, wie Polednitschek schreibt, von einem elitären" Christentum ab und begründet einen vulgären" Wahrheitsbegriff, wonach prinzipiell jeder Mensch wahrheitsfähig ist.
Doch nicht allein die Aufkündigung eines Wahrheitsprivilegs der Gebildeten macht Eckhart modern. Wesentlicher noch ist die damit verknüpfte Idee einer christlichen Weltverwicklung, die die politische, d.h. alltagspraktisch tätige Dimension christlicher Lebensführung hervorhebt. Eckhart meint hier eine nicht-halbierte" (Metz) Nachfolge, die sich nicht in einer frömmelnden oder kontemplativen Innerlichkeit erschöpft, sondern tatkräftig in die Welt eingreift. Nach Polednitschek steht Eckhart hierbei für eine Vernunft, die nicht auf eine blutleere Rationalität zurückgeschrumpft ist, sondern das Signum ihrer göttlichen Herkunft als Motor der Liebe" noch in sich trägt. Die Entfaltung dieser Vernunft vollzieht die Menschwerdung Gottes, zu Tage tretend in einer Transformation des Subjektes hin zu Erfahrungsoffenheit, Leidempfindlichkeit und aktiver zwischenmenschlicher Wärme.
Radikale Diesseitigkeit und kompromisslose Ausrichtung an einem lebensnahen Geist der Gerechtigkeit machen den theologischen Denker Eckhart für Polednitschek also zum Schirmherrn einer Philosophischen Praxis unserer Zeit. Eckhart bietet die metaphysische Schwerkraft, die uns fehlt, während er zugleich jeden weltfremden, bigotten und selbstgerechten Glaubenseifer meidet, der vielen modernen Menschen das Christentum verdächtig macht. Er steht mithin für eine Vernunft, die Konsequenzen für das Leben hat, also Existenz-mitteilung ist", für eine Vernunft, so können wir mit Polednitschek. weiter ergänzen, die auch der kalten, reduzierten Wissenschaftsmentalität der Gegenwart entgegentritt und damit gewissermaßen die Schablone einer Aufklärungskritik vor der Aufklärung abgibt.
Korrespondierend zu den 21 themenbezogenen Interpretationen des Herausgebers bietet das vorliegende Bändchen seinem Leser 21 Originaltextauszüge aus den Schriften Eckharts zur weiterführenden Lektüre und vertiefenden Prüfung an. Damit öffnet Polednitschek den mit Eckhart geführten Dialog auf den Leser hin. Er spielt ihm einen Traditionsfaden zu, der es erlaubt, ohne Geschichtsblindheit, wenigstens einmal versuchsweise an eine ferne und fremde Vergangenheit anzuknüpfen. Man mag daran zweifeln, ob der ichzentrierte leichtgewichtige Phänotyp der Gegenwart seiner metaphysischen Schwerelosigkeit noch gewahr zu werden vermag, ob er Meister Eckhart studieren wird, um zu begreifen, was es bedeutet, die Mitte seiner Wahrheit" nicht in sich selbst zu suchen, sondern im kulturell und gesellschaftlich vermittelte(n) Allgemeinen, an dem das Besondere partizipiert." Doch ungeachtet solcher Bedenken, gewinnt gemessen an der anthropologischen Schnittvorlage eines Meister Eckhart die Krankheit einer reine(n) Bedürfnisgesellschaft" Kontur, eine Krankheit, für die auch eine Vielzahl psychotherapeutischer Therapieschulen und -formen keinen Diagnoseschlüssel zu besitzen scheint. Denn, so die leuchtende Kernaussage des Bändchens: Metaphysische Totalabstinenz, der Stolz des modernen freiheitsliebenden Menschen, generiert Resignation und senkt den Wärmecharakter" des Denkens auf Null. Es ist das Vertrauen auf jene allem Offensichtlichen und Empirischen vorgängige Vernunftwurzel, auf jenen göttlichen" Logos, der allein das liebende Band von Mensch zu Mensch zu knüpfen und in der Selbsttranszendenz die Beklemmung der Seele nachhaltig zu lösen vermag.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 25, 2010 7:46 AM MEST


Wirtschaftssachbuch: Management by Sokrates: Was die Philosophie der Wirtschaft zu bieten hat
Wirtschaftssachbuch: Management by Sokrates: Was die Philosophie der Wirtschaft zu bieten hat
von Michael Niehaus
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Philosophische Praxis und Wirtschaft, 11. Juli 2009
Unmissverständlich führen Michael Niehaus und Roger Wisniewski ihren Lesern vor, dass Philosophie kein Auslaufmodell, sondern ein dringendes Gebot der Stunde ist. Denn wer glauben sollte, diese Disziplin sei allenfalls noch dazu nütze, Gymnasiasten zu quälen oder weltfremden Träumern eine wunderliche Beschäftigung zu verschaffen, wird durch den Band Management by Sokrates" definitiv eines Besseren belehrt. Schnell wird er erkennen, dass eine philosophische Form des Nachdenkens nicht nur bei individuellen Orientierungskrisen gefordert ist, sondern dass sie vor allem da, wo man lieber hemdsärmelig zu Sache geht, in der Wirtschaft nämlich, drängender und unumgänglicher denn je geworden ist. Nicht zuletzt im Blick auf die aktuelle Finanzkrise, über deren Ursachen man nebenbei Aufschlussreiches erfährt, demonstrieren die Autoren, dass ein allgegenwärtiges Machtstreben und eine grassierende Habgier heute die Grundlagen unserer demokratischen Gesellschaft auszuhebeln drohen. Hier kann nur ein fundamentaler Bewusstseinswandel Abhilfe schaffen, d. h. nur eine Rückbesinnung auf die moralische Dimension unserer Existenz, die es erlaubt, wirtschaftlich verantwortliches Handeln gegen den Ungeist einer vorwärtsdrängenden zerstörerischen Raubtiermentalität neu zu bestimmen.
Das Besondere des Bandes liegt dabei in seiner Methode, den Leser einfallsreich und informativ an das Philosophieren heranzuführen. So lernt man z. B. einiges über den historischen Sokrates und mehr noch über dessen Gesprächsmethode, als Hebammenkunst bezeichnet, die, wie die Autoren anschaulich vorführen, auch für die moderne Unternehmenswelt eine Fülle von Impulsen bereithält. Anhand eines sokratischen Gespräches, das in seinen einzelnen Schritten dargeboten wird, wird für jeden nachvollziehbar, wie viel Wissen und Differenzierungsvermögen wir unter günstigen Gesprächbedingungen in uns antreffen und mobilisieren können. Kurzum: Indem die Autoren es verstehen, ihre gut verständlichen theoretischen Darlegungen immer wieder durch praktische Beispiele zu veranschaulichen, indem sie durch Einfügung von Infoboxen sowohl weiterführend informieren und Gesichtspunkte vertiefen als auch zu praktischen Übungen und Meditationen anleiten, meistern sie eine schwierige Herausforderung, die darin liegt, ohne Niveauverlust ansprechend und inspirierend zugleich den Wert des philosophischen Gesprächs augenfällig zu machen. Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen, am liebsten bis hinauf in die gläsernen Führungsetagen großer Konzerne.


Anders denken lernen: Von Platon über Einstein zur Quantenphysik
Anders denken lernen: Von Platon über Einstein zur Quantenphysik
von Natalie Knapp
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,80

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abschied von Denkroutinen, 11. Juli 2009
Betreffen die Gesetze der Quantenphysik unsere alltägliche Lebenswirklichkeit? Produzieren Partikelereignisse Effekte von weitreichendem Belang für unser Dasein? Hierüber nachzudenken käme wohl den wenigsten in den Sinn. Und doch weiß ein jeder, der sich mit dem Gang der Naturwissenschaft befasst hat, dass physikalischen Weltbildern eine wegweisende gesellschaftsverändernde Bedeutung zukommt. So belehrt uns z. B. Brechts Galilei-Figur über die Verantwortung des Naturwissenschaftlers im Blick auf das Lebensglück der geknechteten Campagnabauern des 17. Jahrhunderts. Auch heute steht die Menschheit, wie uns das unlängst publizierte Buch der Philosophin Natalie Knapp verdeutlicht, vor der Herausforderung, ihre Lebenshaltung dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis anzugleichen. Wir sind nicht auf der Höhe der Zeit, denn wir stecken fest in einem Weltbild, das inzwischen jeder naturwissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Klarsicht und Offenheit in diesen Dingen werden heute allerdings weniger, wie zu Galileis und Newtons Zeiten, durch Denkverbote und Drohungen seitens autoritärer Instanzen blockiert. Es sind vielmehr unbewusst wirkende kollektive Gedankenformen, die uns beherrschen und einengen. Nur indem wir diese unsichtbaren Denkzwänge bloßlegen und indem wir zugleich die in sie eingeschmolzenen Irrtümer und Unstimmigkeiten aufzeigen, können wir, so die Autorin, zu jener geistigen Beweglichkeit gelangen, die unabdingbar ist für eine Bewältigung der gegenwärtigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme.
Der 2008 im Oneness-Center-Verlag erschienene Band mit dem unspektakulären Titel anders denken lernen" hat es in sich. Hier stellt sich eine philosophische Praktikerin der anspruchsvollen Aufgabe, die Verknöcherungen des Zeitgeistes mit den Werkzeugen der Naturwissenschaft kenntnisreich und zugleich allgemeinverständlich aufzulösen. Es ist vor allem die gängige Münze der Wissenschaftsgläubigkeit sowie der grassierende Materialismus moderner Gesellschaften, die Knapp als Fehlformen einer realistischen Welthaltung entlarvt. Realistisch ist, was unserem Weltbild entspricht", doch erweist sich dieses Weltbild als unstimmig und unzeitgemäß. Es stellt nur noch eine Denkroutine dar, deren innere Substanz durch das Voranschreiten der Wissenschaft seit langem ausgehöhlt wurde. Die stolzen Vertreter des Realismus und Pragmatismus präsentieren sich vor diesem Hintergrund als äußerst fragwürdige Problemlösungsstrategen, denn sie begegnen den aktuellen Krisensymptomen mithilfe derselben Gedankenformen, die zur Entstehung der Probleme beigetragen haben." Ohne politische Positionierung beleuchtet Knapp den Sog der kollektiven Denksysteme z. B. im Blick auf die Fragen von Arbeitslosigkeit oder Konsumverhalten. Vermutlich hätte die aktuelle Finanzkrise der Autorin ein überzeugendes Demonstrationsobjekt für die Bodenlosigkeit und Weltfremdheit eines vermeintlichen Realismus geboten. Doch sind die Macher und Verwalter der Führungsetagen kaum die Zielgruppe dieses Bandes, auch wenn es schön wäre. Nur jenseits glatter Weltgewandtheit und Selbstsicherheit wird Knapps Aufforderung, ins Offene zu denken und ein angemesseneres Weltbild zu gestalten, ihre verdiente Leserschaft gewinnen. Dieser allerdings bietet sie - im Ton frei von aller intellektuellen Überheblichkeit - eine Vielzahl von Kenntnissen und Anregungen zur gedanklichen Erneuerung.


Seite: 1