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Beiträge von Johannes Kaspar
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Rezensionen verfasst von
Johannes Kaspar (Villach, Österreich)

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Sie bauten die ersten Tempel: Das rätselhafte Heiligtum am Göbekli Tepe
Sie bauten die ersten Tempel: Das rätselhafte Heiligtum am Göbekli Tepe
von Klaus Schmidt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Tempel, 8. November 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Klaus Schmidt, der Entdecker und Ausgräber vom Göbekli Tepe, schildert in diesem spannend geschriebenen, schön illustrierten Buch nicht nur die erstaunlichen präkeramischen neolithischen Funde, soweit sie bis heute ausgegraben wurden, sondern stellt sie in den Zusammenhang mit vergleichbaren Funden im Fruchtbaren Halbmond und ähnlichen europäischen Ausgrabungen, die die neolithische Revolution betreffen. Dabei ergeben sich öfter andere und überraschende Interpretationen der dortigen Ausgrabungen, zum Beispiel Catal Höyük.
Vor allem ringt er auch um die Deutung der Funde. Er relativiert die im Buchtitel implizierte Behauptung, es handle sich um einen Tempel, und diskutiert eine ganze Reihe von Alternativen. Besonders gefiel mir auch seine Diskussion von Lewis Mumfords Vorstellung von der Rolle von Religion für die Entstehung der Stadt.
Ich glaube nicht, dass es sich um eine primär religiöse Anlage handelt. Bisher hat man weder Gräber noch Schädelbestattungen gefunden, oder gar behandelte Schädel wie bei Jericho und Umgebung, was meiner Meinung nach einen Totenkult oder Ahnenverehrung ausschließt.
Es handelt sich m.E. auch nicht um einen agrarischen Fruchtbarkeitskult. Erstens betreffen die Tierdarstellungen nur Wildtiere, keine zahmen Haustiere, und zweitens ist die einzige Frauendarstellung offenbar aus etwas späterer Zeit, pornographisch, und künstlerisch minderwertig, vergleicht man sie mit den Tierdarstellungen.
Ein Ort der Fruchtbarkeitsmagie, wie sie die Aborigines zur Erhaltung von Wildtieren betreiben, scheint mir ebenfalls unwahrscheinlich, weil die dargestellten Tiere nicht die typischen Fleischbringer sind.
Bei den Darstellungen handelt es sich vor allem um gefährliche Tiere - Raubkatzen, Keiler, giftige Schlangen, ja Schlangengruben, Skorpione und ähnliches. Kraniche sind zwar nicht gefährlich, gehören aber zu den Orakeltieren. Ich denke daher, dass es bei Göbekli Tepe um die Initiation von jungen Männern in die Familie geht, wobei die verschiedenen Anlagen verschiedenen Clans zugeordnet sind. Demnach hätte Göbekli Tepe vor allem eine soziale Funktion. Dazu würde auch passen, dass die Tiere übereinander in Gestalt eines Totempfahls aufgereiht sind, wie man das von den nordamerikanischen Indianern kennt. Solche Pfähle haben aber auch dort eher eine soziale als religiöse Funktion.
Vielleicht sollte man für das frühe Neolithikum überhaupt mehr auf Zusammenhänge mit den nordamerikanischen Indianerkulturen schauen. Catal Höyük ist ja auch keine Stadt, sondern ein Pueblo.


Kein Titel verfügbar

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Abzuraten, 17. Februar 2016
This is a disappointing and annoying book. Disappointing, because Margulis has written much better books, and annoying because of its self-righteousness and a hype reminding of car salesmen and American preachers. I suggest not to buy this book. It’s a waste of time. Here some of my reasons.
L Margulis defines symbiosis as ‘simply the living together of organisms that are different from each other’. Therefore I am a symbiont of polar bears. Does this make me a new species? Of course, she notices soon that this definition is just very silly, and puts some boundaries on it. There are surprises, however. One would think that the relation between angiosperms and their pollinators would satisfy the requirement for symbiogenesis, because one cannot understand the body of angiosperms without the body of their pollinators, and vice versa, but that again is not enough. Somehow it is symbiogenesis only if one organism sort of crawls into another. Unfortunately, if a virus or a bacterium or a protoctist enters an organism, the result is usually not a new organism, but a dead or very sick one. That’s why we have an immune system and departments for tropical diseases. Symbiogenesis in her sense must be something quite rare, and it is. Take mitochondria for example. They are an essential and defining part of eucaryotes, and they all look the same. They have entered only once a first cell, some 2.1 billion years ago. There may have been other redox pathways realized in some other bacteria, but only this one entered a cell successfully to become a symbiont, and since this event we have one breathing system and one kind of eucaryotes - not two kinds, for example, as one would expect from Margulis’ hype. The same goes for land plants where among all the green algae only one type entered a protoplant and made it green, apparently the Coleochaetales chlorophyta ( from intron studies ). Symbiosis is not rare, but symbiogenesis is. Margulis favorite example are cows. But there was no symbiogenesis of a cow with cellulose eating bacteria. Once upon a time an animal made a symbiotic existence with such bacteria, but then it developed neodarwinisticically into many species, one of which was cows.
Margulis accuses ‘Neodarwinism’ of using anthropocentric terminology like mutual benefit and similar terms. Therefore she is quite unable to explain symbiosis. Instead she introduces a ‘symbiotic force’. This force is somehow due to the thermodynamic behaviour of open systems where ‘Nature abhors gradients’. Exchange the word ‘Nature’ by the word ‘God’ and you see how ‘scientific’ her own terminology is. ( Actually open systems do behave strangely because gradients there induce not individual random motions like diffusion but collective motion like convection, for example. Why this is so is not understood; and certainly we are left in the dark why this should provide a ‘symbiotic force’. Also remember that Thermodynamics is about systems in equilibrium, not open systems. When you are in thermodynamical equilibrium, you are dead. ). Whatever her ‘force’ may be, it reminds me of the vitalist force of 19th century biology, which fits nicely into her rejection of Neodarwinism.
Margulis makes also a case for the Gaia hypothesis. But the assumption that Mother Earth always provides negative feedback to reduce changes in a homeostatic way is quite wrong. There is no reason whatsoever why positive feedback should not exist in Nature. I believe that the Carboniferous era where photosynthesis got of out of control, resulting in a major ice age, drop of sea level, increase in plant material and oxygen, coal, and giant insects, is an example for such positive feedback. ( The later drop of oxygen to Mount Everest levels was not caused by any feedback, positive or negative, just brute force Vulcanic eruptions ). Her view is just another religious fantasy of prestabilized harmony.
That is not to deny that symbiogenesis is unimportant, far from it. But I think that Dawkins Extended Phenotype is a much better concept to apply to the problem of new species. If you want a serious discussion of the role of mitochondrial symbiogenesis, read Nick Lane’s ‘Power, Sex, Suicide’.


Orthodoxie: Eine Handreichung für die Ungläubigen
Orthodoxie: Eine Handreichung für die Ungläubigen
von Gilbert Keith Chesterton
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch voller Irrtümer und einigen Wahrheiten, 23. Mai 2015
Ich wollte verstehen, wie ein wacher Geist wie GKC ausgerechnet die katholische Orthodoxie verteidigen konnte. In vielem trifft er ja mit seiner Kritik, und das macht das Buch lesenswert und unterhaltsam. Leider ist das meiste einfach Unsinn. Ein Grund dafür ist vielleicht einfach Ahnungslosigkeit, was Naturwissenschaft betrifft. Was er über Evolution schreibt, ist derselbe Unsinn, wie er von Kreationisten seit je vorgebracht wird, und eine Kritik dafür wäre zu lang. Ich lasse das im Folgenden weg. Zum Beispiel ist die Behauptung „Darwinisten versuchten aus der Natur wahnwitzige Grausamkeit und Inhumanität, sinnlose Gefühlsduselei und groteske Humanität zu rechtfertigen, nie aber Menschlichkeit“ schlicht falsch. Unentschuldbar und ekelerregend ist seine abfällige Behauptung, die ‚Hirnerweichung‘ Nietzsches sei kein physiologischer Zufall. Es erinnert mich an die Behauptung der Kirche, AIDs sei die gerechte Strafe Gottes für Homosexualität.
Was GKC zum Beispiel im Kapitel IV ( Die Ethik des Elfenlandes ) über Ideale, Demokratie und Märchen schreibt, ist ganz richtig. Schon nickt man zustimmend, aber dann behauptet er, dass ‚bebrillte Männer‘ den Unterschied zwischen logischen a priori und a posteriori Wahrheiten nicht kennten, und hält es für ein Durcheinander in ihrem Kopf, wenn sie sich vorstellen, es existiere ein logischer Zusammenhang zwischen dem Apfel, der vom Baum fällt, und dem Apfel, der auf dem Erdboden anlangt.
GKC’s Meinung hier ist völlig absurd. Tatsächlich können wir die Logik der Welt erkennen. Das ‚Durcheinander in ihrem Kopf‘ hat unter anderem zur Entdeckung neuer, den Alten unbekannter Planeten geführt, weil sich die bekannten Planeten nicht exakt auf der vom logischen Zusammenhang gefordeten Bahnen bewegten.
Dann schreibt GKC, „Das moderne Denken verstieß gegen meinen Märchensinn für strikte Einschränkungen und Bedingungen‘. Aber wo wären Einschränkungen und Bedingungen härter als in den Naturwissenschaften?
In einer merkwürdigen Verdrehung der Tatsachen behauptet GKC, die Glaubenslehren engten ‚den Geist nicht mit solcher Entschiedenheit ein, wie das die materialistischen Verleumdungen tun.‘ Deshalb hält GKC den britischen Übersetzer von Haeckel, Herrn McCabe, für einen Sklaven, „weil er nicht an Feen glauben darf“. Aber ein guter Katholik darf das erst recht nicht! Alle, die an Odin und sein achtbeinig galoppierendes Pferd glaubten, wurden im Namen Christi abgeschlachtet und ihre heiligen Bäume mitsamt den Nymphen und Elfen abgefackelt. Und wenn man an Kobolde glauben will: was gibt es koboldhafteres als das Neutrino, das von Pauli aufgrund des Glaubens an die harte Logik der Physik gefordert wurde?
Ein wichtiger Punkt für GKC scheint auch der Glaube an Wunder zu sein. Aber was ist schon die Erweckung eines einzelnen Toten zum Leben, wenn jeder Chirurg im Lauf seines Berufslebens tausende Menschen vor dem sicheren Tod rettet ? Was soll das für ein Wunder sein, wenn Jesus auf einem See schreitet, während doch wir riesige Ozeane überqueren und zum Mond fliegen? Die Wunder Jesu und der Heiligen, die GKC so erstaunen und die er für bare Münze nimmt, betreffen immer nur einzelne Menschen, während die von ihm so verachtete Wissenschaft mit ihren Kausalketten für Milliarden Menschen auf geradezu magische Weise ein besseres Leben erwirkt, und man braucht dazu keineswegs einen Rosenkranz beten.
Arthur C Clarke hat einmal gesagt, ab einem bestimmten Niveau der Naturwissenschaften seien sie nicht mehr von Magie unterscheidbar. Und GKC kann diesen Unterschied tatsächlich nicht mehr intellektuell erfassen, und wirft der Wissenschaft ‚Fatalismus‘ und ‚ein Durcheinander im Kopf‘ vor.
Wenn GKC sagt, dass das Urteil, dass Jesus ein sanfter Mensch gewesen sei, falsch ist, hat er recht. Denn Jesus war ein Terrorist, der zum bewaffneten Widerstand gegen die Römer aufrief, die schließlich mehrere hundert Soldaten in den Garten Gethsemane schickten, um ihn festzunehmen und vor ein Gericht zu stellen. Gewöhnlich wird diese ungehemmte Aggresivität, die GKC genießerisch schildert, gerade von Katholiken oft geleugnet, und auf die Bergpredigt hingewiesen, wo Jesus den Verzicht auf Widerstand predigt.
Aber die Bergpredigt richtet sich auf die Beziehung unter Gläubigen, nicht auf die Beziehung zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Gegen Römer muss man mit dem Schwert vorgehen, das ist, was Jesus anordnet. Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass die Familie von Jesus mit den Anführern der Masada-Rebellen verwandt war. GKC erkennt den eingeschränkten Bezug der Bergpredigt nicht; für ihn ist sie daher etwas, „was das Geheimnis nur noch undurchdringlicher macht.“
Wo ist also die entscheidende Stelle im Denken GKC’s, wo geht er fehl ? Ich denke, es ist folgende.Er schreibt „Ich spürte im Grunde meines Herzens,
erstens, dass diese Welt nicht aus sich erklärbar ist
zweitens, … dass in der Zauberei ein Sinn stecken musste, und dass zum Sinn ein Sinngeber gehörte.“
Und hier sehen wir den Sprung im Gedanken. Das erste Argument ist ganz richtig, denn das Mysterium, dass überhaupt etwas existiert, liegt auf der Hand und ist kein Dogma. Das zweite Argument aber ist die Abweichung, die GKC schließlich bis zum Dogma der Dreifaltigkeit führt. Und dass es zur Sinngebung eines Gottes, eines Sohnes Gottes, und noch dazu eines Heiligen Geistes bedürfe, das liegt alles andere als auf der Hand. Das ist Orthodoxie.


Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Beck'sche Reihe)
Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Beck'sche Reihe)
von Harald Haarmann
  Gebundene Ausgabe
Wird angeboten von woetzel-buchversand
Preis: EUR 16,95

50 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unerfreulich, 16. Januar 2012
Das Buch ist der Versuch einer populärwissenschaftlichen Zusammenfassung der außerordentlichen archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte, wonach entscheidende Kulturtechniken wie Töpferrad und Schrift, deren Entstehung man bisher stets dem mesopotamischen Raum zugeordnet hat, tatsächlich schon tausende Jahre früher im Raum des heutigen Serbiens, Bulgariens und Rumäniens entstanden. Bedauerlicherweise ist der Autor dieser Aufgabe nicht gewachsen. Das beginnt schon bei der Schilderung der neolithischen Transformation Osteuropas, wonach ein paar anatolische Bauernburschen plötzlich auf die Idee kamen, ins Zielgebiet Thessalien" über die eurasische Landbrücke einzuwandern. Er ignoriert, dass genetische Studien (mitochondriale DNS und Y-Haplogruppen ) zeigen, dass die heutigen Europäer zu etwa 1/5 von anatolischen Bauern ( ca 26% ) und Bäuerinnen ( ca 17% , nach Sykes "The seven daughters of Eve" ) abstammen. Dieser hohe Anteil ist durch eine so simple Migration nicht erklärbar. Genetische Vergleiche von Wildformen des Einkorns von Griechenland bis in den Irak mit der kultivierten Form beweisen außerdem, dass nur jene Wildform im Neolithikum verwendet wurde, die am oberen Euphrat im Bereich der syrisch-türkischen Grenze wächst - also dort, wo auch die ältesten Dörfer liegen. Soweit es europäische neolithische Experimente gab, betreffen sie vor allem die Domestizierung von einheimischen Wildtieren. Diese Ergebnisse passen weit besser zum Bild einer Diffusion der neolithischen Kultur aus Anatolien heraus, sowohl in Richtung eines schwach besiedelten Europa wie auch in Richtung Indien, als irgendwelche unbegründete ,Wanderungen`. Die Behandlung der genetischen Forschungen ist bei Haarmann überaus oberflächlich und kurz. Statt dessen langweilt er den Leser mit ebenso irrelevanten wie unbeweisbaren Spekulationen darüber, dass die Entstehung des Schwarzen Meeres die Vorlage für die Sintflutmythen im syrischen und mesopotamischen Raum sei. Ein weiteres Kuriosum des Buches sind die endlosen Listen von angeblich nicht-indogermanischen ,pelasgischen` Lehnwörtern im Griechischen, die die Sprache des neolithischen und kupferzeitlichen Europas und zugleich ihre geistige Kultur wiedergeben sollen. Er führt dazu eine Reihe von Schriftzeichen aus den alteuropäischen Funden an, die gut zu den Linear A Zeichen passen. Aber natürlichen besagen Schriftsysteme gar nichts, was die Sprache betrifft, ja noch nicht einmal etwas über die Sprachfamilie. Dass da tausende Jahre zwischen der minoischen und den alteuropäischen Kulturen dazwischenliegen, scheint Haarmann vernachlässigbar zu sein. Interessanter wäre gewesen, zu überprüfen, ob auch dieselben Symbolkombinationen bei diesen verschiedenen Kulturen bestehen, aber lexikalische Untersuchungen sind Haarmanns Sache nicht. Dafür endet man nach all diesen Listen bei dem überraschenden Ergebnis, dass die Hauptgestalten der größten indogermanischen Epen, der Ilias und der Odyssee, nämlich Agamemnon und Odysseus ( sowie dessen Frau Penelope ) alle ,pelasgische`, also ( nach Haarmann) nicht-indogermanische Namen tragen. Man fragt sich als Leser, was das alles soll und was das mit konkreter Forschung zu tun hat. Von diesen Ausflügen in philologische Tagträume abgesehen bleibt Haarmann strikt der Interpretationswelt von Marija Gimbutas verhaftet, und Daten jeder Art werden in das Prokrustesbett ihrer Vorstellung von den Steppennomaden gepresst. ( von ihren Reiternomaden spricht nicht einmal mehr Haarmann, dieser Aspekt ist inzwischen wohl hinreichend entsorgt worden ). Um nur eins von mehreren Beispielen zu nennen : die große Zahl von weiblichen Figurinen in den alteuropäischen Fundstellen sei demnach der Verehrung der "Großen Göttin" zuzuschreiben, und verschiedene Göttinnen seien nur "Metaphern" für die Große Göttin". Dieses Konstrukt eines weiblichen Monotheismus wird von Haarmann unreflektiert übernommen, obwohl in sämtlichen Religionen Göttinnen nie als bloße Symbole einer einzigen Göttin verehrt werden ( Kali und Lakshmi sind ebenso verschieden und eigenständig wie Hekate und Aphrodite ) . Und wo es einmal eine einzelne Göttin gibt, wie im katholischen Marienkult, da ist sie eine auf die Mutterrolle hinkastrierte Dame ohne Unterleib - kaum eine Große Göttin im Sinn von Gimbutas. Das Bildmaterial des Buches ist alles schwarz-weiss, fast ausschließlich ohne Angabe der Abmessungen der abgebildeten Gegenstände, und hauptsächlich aus Veröffentlichungen von Gimbutas zusammengewürfelt. Das Kartenmaterial ist sehr dürftig - man hätte zB gern die Radiokarbondaten des Beginns der neolithischen und metallverarbeitenden Techniken für die verschiedenen Fundorte gesehen. Stratigraphien fehlen völlig. Es kann bei all dem kaum noch verblüffen, dass im ganzen Buch nicht ein einziger Metallgegenstand abgebildet ist, und eine Diskussion der Verwendung von Metall und des Handel damit gänzlich fehlt. Besonders ungustiös ist die dümmlich-arrogante Art Haarmanns, die Theorien weit größerer Forscher, als er einer ist, abzutun; soweit er überhaupt andere Auffassungen zur Kenntnis nimmt, sind sie "älter" - lies : veraltet - oder "abenteuerlich" ( Renfrew ) und "skurril" oder schlicht "Absurditäten" ( Nikolov ), die allesamt "nicht der Komik entbehren". Zu dieser intellektuellen Schweinerei kommt noch Haarmanns schlampige Art beim Zitieren hinzu; Literatur, auf die er im Text verweist, taucht im Literaturverzeichnis nicht auf, und ein Stichwortverzeichnis fehlt gänzlich. Ich gebe dem Haarmannschen Machwerk nur deshalb noch zwei Punkte, weil es den Blick von Mesopotamien auf Europa richtet, und ein solcher Paradigmenwechsel an und für sich ein Wert ist.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2015 2:47 PM CET


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